Nr. 177 Gddjetnt »glich mit Ausnahme be8 Sonntags. Die ..Siebener ZamINenblättcr" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigeleg, das „Kreitblatt fttt den Krcli Sietzen" zweimal wöchentlich. Der ..h«,st!che Landwirt" erscheint monatlich einmal. Drittes Blatt MU-twoch 31. Juli 1307 Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag ; 51 Redaktion:^« 11L Lel.-Adr^AnzetgerDteßen. Rotationsdruck und Berlao der Brühl'schen UniversttätS - Buch- und Sie tnb ruderet, R. Lange, Gießen. Sozialpolitik, n. (Schluß.) .. 3_nr das Gebiet der Sozialpolitik gehören nicht nur die Arbeiterfragen, sondern auch die Rechts pflege, die wir oeschleunigen' und verbilligen müssen. Besonders reformbedürftig erachten wir das Strafprozeßwesen und das Strafrecht. In dasselbe Gebiet ist auch die Finanzpolitik einzu- gliederrn Ter leitende Satz ist hier in der Theorie der Grundsatz der ä^ipungssähigkeit. Von diesem Grundsätze ist beispielsweise das Einkommensteuergesetz ausgegangen. Wenn namentlich von der Sozialdemokratie gegen die bestehenden Steuergesetze angekämpft und besonders der Vorwurf erhoben wird, unsere indirekten Steuern belasteten die Minderbemittelten allzusehr, so ist hier'zu bedenken, daß andere große Länder höhere indirekte Steuern dieser Art erheben. Bei uns kommen auf den Kopf 16 Mk., in England 25 Mk., in Frankreich 53 Mk. Dabei besitzt letzteres Land noch keine direkte Steuer, die ausgleichend wirken könnte. Auch in Bezug auf die Steuersumme sind unsere Verhältnisse weit besser als die unserer Nachbarländer. In England ist die Summe der indirekten und direkten Steuern etwas mehr als das Doppelte von der in Preußen, in Oesterreich noch etwas höher als in England und in Frankreich 2y2 mal so groß. Gleichwohl betrachten wir es als unsere Pflicht, bei neu an uns herantretenden Steuern dafür zu sorgen, daß sie den stärkeren Schultern in erster Linie auferlegt werden. Bei Besprechung der Arbeiterfrage erklärte Herr Dr. Fr., daß die nationalliberale Partei das Ko a l i t i o ns r e ch t und die Koalitionsfreiheit immer aufrecht erhalten werde. Auch das Gesetz über die Berufsvereine will die genannte Partei zustande bringen helfen. Schulwesen. Einen breiteren Raum in seinen Ausführungen gewährte der Redner der S ch u l p o l i t i k. Er verlangt Regelung der Besoldung der Volksschullehrer. Tie Regierung habe eine Vorlage in Aussicht gestellt. Ferner will die nationalliberale Partei den Wunsch der Lehrerwelt nach Fach aufsicht zur Erfüllung bringen Helsen. Tr. Fr. war der Meinung, daß die pädagogische Ausbildung unseres Lehrerstandes, die die Nationalliberalen noch steigern wollen, eine fachmännische Aufsicht nicht nur zulasse, sondern geradezu verlange. Tabei verwahrte er sich gegen den von konservativer Seite erhobenen Vorwurf, daß man die Schule cnt- christlichen wolle. Er wies auch darauf hin, daß das Schulgesetz, das die Schule unter die Aufsicht des Staates stelle, ein Aufsichtsrecht der Kirche eigentlich ausschließe. Er stellte auch fest, daß der Ultramontanismus, der die Schule als ein Anhängsel au die Kirche betrachtet und die Schule als ein Machtmittel ansieht, dem Verlangen nach fachmännischer Aufsicht entgegen sei, während heute viele evangelische Geistliche von der Schulaufsicht befreit sein wollen. Herr Dr. Fr. glaubt aus verschiedenen Anzeichen ein Einlenken der Regierung erwarten zu dürfen. „Sie dürfen das Zutrauen zu unserer Fraktion im Abgeordnetenhause haben, daß wir diese Frage nicht einschlafen lassen werden und einer baldigen glücklichen Lösung entgegenführen wollen", rief er unter lebhaftem Beifall aus. Dr. Friedberg sprach dann noch über die Polenpolitik. Er verlangte hier eine Politik der Konsequenz und der Ausdauer, wies auf die üblen Folgen einer schwankenden Haltung hin, wies die Anklagen zurück, daß wir die Polen germanisieren oder gar evangelisieren wollten, wie Polen und Ultramontane behaupten. Er tadelte auch, daß die Regierung den Franziskanern erlaubt habe, in Oberschlesien eine Niederlassung zu gründen, weil dort der Boden agitatorisch unterwühlt sei. Gegen ein solches Verfahren mache die Partei energisch Front, ohne Rücksicht darauf, ob dieses Verhalten der Negierung gefalle oder nicht. Blockpolitik. Den Schwerpunkt unserer gegenwärtigen Politik glaubte Dr. Fr. darin zu finden, daß das Zentrum nicht mehr die ausschlaggebende Partei im Reichstage ist. Diese Politik, die der Reichskanzler fortzuführen sich bemüht, findet seine volle Billigung, ja er ist der Ansicht, daß alle liberalen Parteien diese Bestrebungen unterstützen sollten, um eine Rückkehr zur ultramontan-konservativen Herrschaft zu verhindern. „Der Liberalismus wird reichen Vorteil davon ziehen, wenn das Zentrum auf Jahre hinaus als ausschlaggebende Partei ausgeschaltet werden kann. Ich habe das Vertrauen, daß auch in Preußen ein liberalere rGei st einziehen wird, als er bis dahin gewaltet hat. Wir alle hoffen, daß es uns gelingt, unter der Herrschaft der jetzigen Kombination weiter Erfolge zu erzielen im Interesse unseres Vaterlandes." Mit diesen Worten schloß der Redner unter anhaltendem Beifall. Russisch-japanische Entente. Paris, 29. Juli. Der hiesige japanische Botschafter Kurino erklärte, die russisch-japanische Entente umfasse fünf verschiedene Uebercinkommen; das erste betreffe die Handelsbeziehungen, das zweite das Fischereirecht, das dritte die Bahnanschlüsse in der Mandschurei, das vierte die Gren zbestim mung in gewissen Teilen dieses Landes und das fünfte sei das eigentliche diplomatische Abkommen. Dieses sei ungesühr nach dem Wortlaut des französisch-japanischen Uebcreinkonunens abgefaßt, daß heißt, es bekräftige die Atlfrechterhaltung des Status quo, besitze also einen hervorragenden Friedenscharakter und könne allen in Ostasien interessierten Mächten nur willkommen sein. Was Korea anlangt, so betonte Kurino, daß die Rechte der daselbst ansässigen Europäer in keiner Weise geändert werden sollten. Sagend? <8ii* Ein Besuch im Lager Raisulis. Ein Reuterscher Spezialberichterstatter hat den Mut gehabt, Raisuli aufzusuchen und ihm einen Brief mit Fragen über den Kaid Mac Lean zu überliefern. Der Berichterstatter blieb vier Tage im Lager Raisulis. Nach Ablauf dieser Zeit erhielt er eine arabisch geschriebene Notiz von dem Sekretär Raisulis, des Inhaltes, daß Raisuli den an ihn gerichteten .Brief nicht beantworten könne, weil sich Mulai Taib im Distrikte befinde. Em Brief an tun Kaid, den der Berichterstatter bei sich trug, wurde ihm mit Gewalt entrissen. Der Korrespondent berichtet, Raisuli warte auf ein Schreiben des Sultans, um Verhandlungen zu er- öfsnen. Ter Stamm H'kmaß erklärte, daß er bereit sei, den Kaid auszuliefern, wenn der Sultan persötllich komme, um den Stamm zu begnadigen und die Stammesangehörigen von der Militär- Pflicht und von der Steuerzahlung entbinde. Raisuli würden sie unter feinen Umständen (inwiefern, sie könnten aber Sarantieren, daß er sich in Zukunft tadellos verhalten werde, wenn der Sultan ihn begnadige, fein zerstörtes Haus wieder ausbauen lasse nutz chm das ko»LAierte Asentrun SMtAtüuÖe. L-« Bertcht- ______B—| ex)tatter ist der Ansicht, daß es einer großen Armee bedarf, um ük zu überwältigen, weil dieser die Stammesangehörigen dadurch auf ferne Seite gebracht habe, daß er den fanatischen Mohammedanern erklärte es gebe fernen Sultan in Fez, Kaid E Lean fei der eigentliche Herrscher und das Land sei an die Ehristen verraten worden. Tas Lager Raisuüs hegt in einer ßbene die aber von Alkasar, Fez oder Tanger für Kavallerie und Infanterie fa|t unzugänglich ist. Tie Patrouillen Raisulis ^wachen sämtliche Zugänge. Ter Reutersche Korrespondent fragte Raisuli, weshalo er den Kaid gefangen genommen habe. Raisuli antwortete, daß ihm ein Europäer in Tanger mitgeteilt habe, daß der ^cnd em hinterlistiges Spiel treibe und ihn ins Gefängnis bringen wolle. Aus diesem Grunde habe er ihn sestgencmmen und werde ihn festhalten, bis seine Begnadigung durchaus sicher- ge,tellt fei. lieber die Bedingungen für die Freilassung des Sir Harry yJUc Lean konnte der Reutersche Berichterstatter in dem ^ager Raisulis nichts erfahren. vermisch-eo. * Opfer der Berge. Die Familie des Seminar- lehrers Bögli aus Bern machte einen Ausflug nach dem Thuner See unb bestieg den Jakob-Hügel bei Hofstetten. Während die Teilnehmer an dem Ausflug die Aussicht bewunderten, stürzte plötzlich der mit schweren Steinen be- laitete A us s: ch ts-Pavillon, dessen Holzteile offenbar morsch waren, zusamnien. Frau Bögli wurde erdrückt und starb sogleich. Herr Bögli, zwei seiner Töchter und eine Richte erlitten schwere Verletzungen und mußten ins Spital gebracht werden. Eine dritte Tochter von .Bögli, deren Bräutigam und ein Knabe wurden leicht verletzt. — Am 28. Juli ist am großen Mythen der 26jährlge Cito Jntrau aus Erfurt, dec in Zürich beschäftigt ivar, zu Tode gestürzt. * V o in A u t o m o b i l. Qii Berlin ereignete sieh ein schweres Autonwbillmcstüel. Jn'olge Versagens der Steuerung raume eine Auwmolnldioschke gegen einen Kandelaber und stürzte uni. Ter Chauffeur lvurde mit solcher Gewalt herausgeschleuderi, daß er auf der Stelle verstarb. Von den Insassen Hal Oer eine eine schwere Kopfwunde davongeiragen, während die beiden andeien mit leichten Hamabschü rstmgen davoulameu.— Prinz Orlof wurde, als er in seinem Automobil von pomeinblecm nach Paris zuiucktchrle, durch einen Steinwuri verletzt. Der Stein wurde von einem Unbekannten gegen das Automobil geschleudert und tiaf deil Prinzen an den '.Diuni» und zerschlug mehrere Zähne. Eine Untersuchung ist bereits eingelcdet. — In Hirzena ch m der Nähe von Salzig wurde ein 5Und von einem Automobil überfahren und schwer verletzt. Das Automobil wurde in St. Goar gestellt. — Ferner ereignete sich zwischen Oppau und Edigheim in der Pfalz ein schwerer Automodilunfall. Der Fabrikant Bender fuhr mit seinem Bruder im Automobil nach Frankenthal. Das Automobil wurde von dem Beruss-Ehaufseur Göring gesteuert. Kurz vor Edigheim mußte das Automobil bei einem Bauernwagen vorbeifahren und in diesem Augenblick sprang hinter dem Bauernwagen der Landwirt Fischer aus Edigheim hervor, direkt vor das Automobil, das ihn überfuhr. Er war sofort tot. Fischer war 50 Jahre alt und hinterläßt Frau und vier Kinder. * Bluttaten. In München feuerte der Mjährrge Maurer Klebinger aus unbekannter Ursache durch die offene Tür istnes CafLs mehrere Schüsse auf die anwesenden Gäste ab. Ter Besitzer des Eaf6s, Lorenz Guggenberger, wurde durch einen Schuß ins linke Auge tödlich getroffen, svdaß er bald darauf stjarb. Der Täter entleibte sich hierauf selbst durch einen Schuß in den Mund. — Ferner wurde in München in einer Kasfee- schcnke ein 23 jähriger Fuhrmann namens Max Bauer von einem 19jährigen Tagelöhner durch einen Stich ins Herz getötet. — In Pilgramsdorf im Kreise Pleß Schlesien) wurde der Forstgehilfe Olbrich nachts von Wilddieben durch zwei Brustschüsse ermordet. — In KönigsHütte erschlug bei einer Eifersuchtsszene der Grubenarbeiter Palenta seine Frau. Die Leiche wurde surchtb,ar zugerichlet aufgefunden, Palenta verhaftet. — Ter zu Schwerin d. Warthe zu Besuch weilende Lehrer Lukas -aus Meseritz ist von drei Arbeitern aus Galizien überfallen und durch Messerstiche getüter woüden. Geld und Uhr wurden ihm geraubt. Lukas war erst ein Jahr im Amt. — In Jabla- nita: (Bosnien) Hal der Leutnant Mouteau die Gattin eines Hauptmanns durch mehrere Schüsse schwer verletzt und sich dann selbst erschossen. Es soll sich um eine Liebesaffäre handeln. — Ein junger Amerikaner, welcher einer angesehenen reichen Familie angehörte, von dieser jedoch getrennt lebte, wurde an das Sterbelager seines Vaters gerufen. Er hatte mit seinen Geschwistern einen heftigen' Wortwechsel. Im 'Verlaufe desselben, zog er einen Revolv>er und schoß auf a l l e v i e r G e s ch w i ft e r , die er tötlich verletzte. Tiefes Drama spielte sich vor den Augen des sterbenden Vfaters ab. Ter Täter versuchte alsdann zu entfliehen, wurde jedoch verfolgt und verhaftet. Ter Vater des Täters namens Huntunston war früher Marineattachee bei der amerikanischen Botschaft in Paris. *Der Gipfel der Zerstreutheit. Aus Paris wird geschrieben: Den Gipfel professoraler Zerstreutheit scheint der alte Professor Mouchot erklommen zu haben. Der 82jährige Gelehrte war schon 1861 infolge seiner Arbeiten als Mathematikprofessor ans Lyzeum von Alen^on berufen loorben. Er beschäftigte sich vornehmlich mit dem Problem, die Sonnenhitze nutzbringend zu verwerten, konstruierte 1878 einen geistreichen Apparat, um die Wärme der Sonnenstrahlen zu konzentrieren, der großes Aufsehen machte; allein di die praktische Verwendbarkeit nicht ausreichte, ging das Leden an der Erfindung vorüber. Professor Mouchots Arbeiten wurden von der Akademie preisgekrönt, er wurde nach Tours, daun nach Reims berufen, und schließlich zog sich der greise Grüblerin ein Häuschen im Quartier Samt Lambert zurück, um fortan nur feinen Studien zu leben. Dabei übersah der Gelehrte es völlig, daß seine Frau allmählich Symptome von Unzurechnungsfähigkeit zeigte. Sie machte Schulden, bezahlte keinen Lieferanten und am Ende auch die Steuern nicht mehr. Als der Gerichtsvollzieher kam, empfing sie ihn mit dem Revolver in der Hand. Vor acht Tagen brachte man sie ins Irrenhaus. Der greife Professor schaute aus seinen Büchern auf und war sehr erstaunt, als man am Freitag sein Mobiliar pfändete und forlschlepple. Und als man ihm auch seine Bücher nehmen wollte^ wurde er eifrig und setzte auch durch, 5ay man sie ihm lasse. Das Amüsante an der Geschichte aber ist, daß Profesior Mouchot eine Rente vom Staat, 4000 Fr. pro Jahr, zusteht l Er hatte nur vergessen, sie abzuheben. Seit drei Jahren! Glücklicherweise ist ihm diese Unwichtigkeit nun zufällig eingefallen, und er wird sie — wenn er et nicht wieder vergibt — uachtrüslich adheden. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 30. Juli 1907. Die Staatskasse hätte em besseres Geschäft gemacht, wenn 'ne den alten Gelehrten in Frieden gelassen hätte. Denn jni Grunde will er nichts, als seine Ruhe haben... Et» beleidigter Schutzmann. Im verfiossenen Winter machte der Lokomotivführer K. O. hicr die Wahrnehmung, daß hinter seinem Hause Asche aue-geschüttet war. Er nahm an, daß diese von oben herunter ac- , daß diese von oben herunter geworfen sein mußte, da *>ie Fensterbank des mittleren Stockes dabei beschmutzt worden ivar. Tiefes gab ihm Veranlassung an den im obersten Stock wohnenden Schutzmann K. B., mit dem er bereits Differenzen gehabt hatte, einen Brief zu schreiben, nach dessen Inhalt niemand anders als er in Betracht kommen könne. Er bemerkte dabei, es sei dies ein kaum zu glaubendes Gebaren in gesundheitlicher wie auch iit polizeilicher Hinsicht. Bei wiederholten Vorkommnissen werde er sich ohne weiteres polizeilicher Abhilfe bedienen. B., der sich von allem frei fühlte und der Ansicht war, die Beschmutzung fei gelegentlich des Schornsteinreinigens verursacht worden, erhob wegen Beleidigung Piivat- klage und das Schöffengericht erblickte hauptsächlich in dem Ausdruck „ein kaum zu glaubendes Gebaren" eine Beleidigung, weshalb es O. zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilte. Ter Angeklagte verfolgte Berufung und berief sich darauf, daß ihm als Hausherr das ^Recht zustehe, Mißstände zu rügen. Dieses Recht sprach ihm die Strafkammer nicht ab, sondern erklärte ihm sogar, dab es Pflicht des Vermieters sei, auf Beseitigung von Mißständen zu dringen. Im vorliegenden Falle sei aber der Angeklagte zu^ weit gegangen; aus der Form des Briefes gehe hervor, daß er den Kläger habe verletzen wollen. Unter diesen Umständen mutzte das Ur-eil bestätigt werden. Ein Bcrteidiger als Beleidiger verklagt. Ter Kaufmann S. E. hier hatte gegen den Gerichts» r e f e r e n d a r W. H. Privatklage erhoben, weil er ihn als Vertreter eines Rechtsanwalts in einer.Schöffengerichtssitzung und in einer Sitzung des Amtsgerichts dadurch öffenilich beleidigt habe, daß er in seiner Rede ausführte, die Firma E. führe schikanöse Prezesse, der Inhaber fei auch in letzter Zeit wegen kleiner Beträge verklagt worden; die Rubrik E. verschwinde nicht aus den Akten des hiesigen Gerichts und weiter, es gäbe gute und schlechie Kunden, E. zähle zu den schlechten, auch sei über E. eine schlechte Auskunft erteilt worden. Tie Schöffengerichts- Verhandlung ergab, daß die Aeußerungen nicht alle in der Form, wie sie dem Angeklagten zur Last gelegt werden, gefallen sind. Insbesondere hatte er nur erwähnt, daß dem Kläger in einer früheren öffentlichen Verhandlung der Vorwurf gemacht worden ist, er führe schikanöse Prozesse, er hatte aber keineswegs diese Behauptung aufgestellt. Wenn auch diese Aeußerungen objektiv beleidigend sind, so mußte dem Angeklagten doch der Schutz des § 193 Str.-G.-B. zur Seite stehen, du er diese Behauptung auf Grund der Instruktion seines Auftraggebers aufstellte uüd es ihm an einer Absicht zu beleidigen fehlte. Tas Schöffengericht ließ deshalb Fr eisprechung eintreten. Die Straftammer schloß, sich, nachdem der Kläger das Urteil angefochten hatte, den Ausführungen des Schöffengerichts an und bestätigte das Urteil Eine komische „Froschgeschichte". In Wies eck wohnt ein Landwirt F. F., dessen eigentüü.- licher Gesichtsausdruck mit den abwärtsziehendeu Mundwinkel wohl dazu beigetragen hat, daß man ihn allgemein mit dem niedlichen Namen „Frosch" bezeichnet, damit er auch, wie dies in Wieseck üblich ist, seinen „Spitznamen" hat. Er verklagt jeden, der cs wagt, ihn mit seinem Spitznamen zu nennen, ober von dem er erfährt, daß er sich über ihn lustig gemacht hat. Daß er recht prozeßsüchtig ist, erhellt aus der Tatsache, daß er selbst geäußert hat, ein Prozeß sei ihm lieber als ein Acker Korn. Diesen Umstand machen sich seine „Freunde", zunutze. Geht er durch die Dorfstraßen, so schreit es bald hier, bald dort: .,Frosch, guak!" Gelegentlich eines Festes, bei dem die Häuser, betoriert wurden, bereitete ihm sein Nachbar das Vergnügen, ein Plakat an sein Haus zu hängen, das einen riesigen Frosch, der die Gitarre spielt, darstellt, was damals auch ein gerichtliches Nachspiel hatte. Läßt er sich in einer Wirtschaft fehen, so beginnt eine Unterhaltung über die Frösche, wie dies auch Ende des Jahres 1905, seitdem der hier in Frage stehende Prozeß schwebt, der Fall war. Zur genannten Zeit saß H. D. XL, W. W. und A. F. in einer Wirtschaft. Als sie F. bemerkten, begannen sie eine Unterhaltung über die Frösche und zwar so, daß es F. hören mußte. Sie bemerkten, die Frösche seien eklige Tiere mit ihren breiten dicken Mäulern, worauf einer einwarf, er habe schon Frösche gegessen, diese hätten sehr gut geichmeckt. Em anderer erbot sich, dem Wirt bis zum andern Tag 300 Frchche zu liefern, und so ging die Unterhaltung weiter, bis D. sich direkt an F. wandte, ihn einen ekligen Saufrosch nannte, einen Prozesser, oer kein Geld habe, um seine Schulden zu bezahlen und ihm dabei die Zeitung aus der Hand riß und ihm ein Glas Bier ins Gestcht schüttete. F. erhob Privatklage und das Schöffengericht stellte fest, daß D. leinen Gegner nicht nur in der Wirtschaft, londern auch mehrfach auf der Straße und -in seiner eigenen Hofreite beleidigt hat. Es verurteilte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 25 Mk. Es hielt jedoch nicht für erwiesen, daß die midern zwei, die sich an der Froschunterhaltung beteiligt hatten, die Absicht hatten, den Kläger zu beleidigen und erkannte bezüglich dieser auf Freisprechung. D., welcher inzwischen ausfindig gemacht hatte, daß F. im Jahre 1904 sich verichiedener Belewi- gungen schuldig gemacht hat, erhob nun Widerklage, nms zur Folge hatte, daß amch F. verurteilt wurde und zwar zu 60 JWr. Geldstrafe. Dieser focht nun das Urteil an, er verlangte seine Freisprechung und die Verurteilung der Freigeiprocheuen, sowie Erhöhung der Strafe des D. Die sehr umfangreiche Beweisaufnahme brachte keine Aeiwerung des erstinstanzlichen Urteus, was die Bestätigung dess^lben^bedeutete. * Lasnilten-Na^kichten. Geborene: Herrn Dr. jur. V. Helbüng in Bremen em lobte: Frl. Johanna Kahn in Bad-Homburg mit Herrn Marcus Grünebaum in Nidda. . Gestorbene: Frau Marie Schneider geb. Ruhl in Alsfeld. Frau Wws. Marie Neumann geb. Herbei m Wetzlar. Herr Jacob Schimdl m Oi'heim. Frau Margarethe Duseberg geb Gurller m Lauterbach. Herr Kür ich uerm ei! l e r K gr l^R^ch le r m^mr barg. Aunmer fünfzehn reifst noch Me Klingel ab, !was will er denn eigentlich? - Ach, Herr Ober, der hat heute eine Hochtour gemacht und ist bos erkaltet heimgc/ kommen. Nun möcht er aber morgen auf den vertier hinauf, und damit er dann wieder gaur auf den Damm ist, bat er den HauLburschen in die A-otheke aeschickt, damit er ifmt schleunigst FayL achte Sodener Miyeral-PastikUn holt. Der Bursche bleibt ihm nun zu lang. Fays ächte Sodener, saat der Herr, Helsen ihm immer, und wenn er sie heut mit gehabt hatte, bann Hütt' er lief) auch meut erialtet; nun läßt er sich gleich sechs Schachteln holen, damit er.nicht mehr m Verlegenheit rommr. — Fays achte Sooeuer rosten per Schachtel unö find m jeder Apothere, Drogen- und zLZÄl erbunlüruzu hv " Senersweg 38 Gegründet 1868 früher Wilhelm Reiber’sches Geschäft Telefon 120 [3803 anderen. Fluß- und Seefische C<1 fetafate L Billigste Betriebskraft der Gegenwart 1 Ga$-i einpsiehlt 149 •V. 1 ' - Ludwig Kröll, Plocksrraste 10. 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