L57. Jahrgang Zweites Blatt »ttr. 255 General-Anzeiger für GberheMn für den Grafen Moltke noch verhängnisvoller geworden, als die Aussagen sämtlicher Zeugen in diesem Prozeß. KUS HUteil im Urozetz MottKe-Karden. Berlin, 29. Okt. DaS Urteil im Moltke- Harden Prozeß lautet: Der Angeklagte ist der fortgesetzten Beleidigung nicht schuldig, wird freigesprochen, nud die Kosten des Verfahrens werden dem Privatkläger auferlegt. O^chetnl tügNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Sietzener FamNtenbiSIter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das 'greisblett für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Mittwoch 30. Oktober 1007 Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Das Urteil im Prozeß Moltke-Harden findet in der Berliner Presse eine sehr geteilte Aufnahme. Auf der einen Seite wird es ihüS durchaus berechtigt anerkannt, aus der anderen Seite mit Kopfschütteln entgegengcnommen. So schreibt beispielsweise die Bossische Zeitung: Dem Grafen Moltke ist weder bewiesen worden, daß ein Makel an seiner Ehre haftet, noch, daß er die Entschließung des Kaisers beeinflußt oder auch nur zu beeinflussen gesucht habe. Liegt aber gegen den Grafen Moltke politisch nichts von Belang, persönlich nichts als seine angebliche homosexuelle Veranlagung, nicht etwa eine homosexuelle Verfehlung vor, so ist die Frage berechtigt: Hat ein alter General, der im Felde geblutet und 40 Jahre lang in Ehren seine Pflicht getan hat, dieses grausame Schicksal verdient? Kann ihm, dem harmlosesten der ganzen Gruppe der Beschuldigten, Mitgefühl verweigert werdeii? Sehr entrüstet ist die Deutsche Tageszeitung; sie sagt: Wir brauchen kaum zu sagen, daß es für uns selbstverständlich ist, daß das Gericht nach bestem Wissen geurteilt hat, aber mit aller Schärfe müssen wir betonen, daß wir uns keines Urteils entsinnen können, das nach unserer Ueberzeugung auf einseitigerer und schwankenderer Grundlage aufgebaut war. Die Täglich eRundschau vertritt einen ähnlichen Standpunkt, um dann aus d»e Mängel des heutigen Beleidigimgsprv- zeßwesens hinzuweisen. Sie führt aus: Mag die Verhandlung Moltke-Hardcn besonders eigenartig geleitet worden sein, mögen die empörenden Vorkommnisse, die sich in Moabit abspielten, unter einem anderen Amtsrichter unmöglich sein, die Hauptschuld liegt doch im System unserer Beleidigungsklage, das dem deutschen Ehrbegriff nicht Rechnung trägt und die Selbsthilfe geradezu proklamiert. Die Post meint: Harden ist fveigesprochen worden; das kann nicht überraschen. Die höhere Instanz wird vielleicht anders urteilen. Die Unzulänglichkeit des Schöffengerichts und der Verteidigung des Privatklägers und die außerordentliche Anmaßung und Geschicklichkeit der Verteidigung des Beklagteii haben leider den bisherigen Gang des Prozesses zum Schaden des Staates und des zweifellos bedauernswerten Klägers beeinflußt. Die National-Zeitung führt u. a. aus: Man wird Herrn Harden wohl erst dann völlig gerecht, wenn man auch ihn, um in seiner eigenen Terminologie zu reden, den Herren vom anormalen oder normwidrigen Enipflndeii zuzählt. Daß den gegenwärtigen wie den zukünftigen deutschen Kaiser em so großes Reinlichkeits-Bedürfnis leitet, das selbst vor dem Skandal nicht zurückschreckt, wo es mit stinkendeni Uivrctt aufzuräumen gilt, das, meinen wir, sei das Erfreulichste an diesen unsauberen Ge- schicksten^eg^n Wc Berlin er Neuesten Nachrichten für Harden ein und sagen: Er ist das Spiegelbild bestrmmter Zeit- erscheinungen. Mit Bewunderung solckier Persönlichkeiten heilt man die Schäden der Zeit nicht. Aber auch die Anderen, die so großes Aergernis an ihm nehmen, mögen bedenken, daß der Hebel anderswo anzusetzen ist, als bei diesen Persönlichkeiten. Die Volkszeitung meint: Der Freispruch, den das Schöffengericht als Bolksgericht gefällt hat, ist em erfreulicher Protest gegen die gerade in Preußen so zahlreich wie nirgends austauchenden Versuche, der Presse die Aufdeckung arger Mißstände im Staatslcben zu verneinen. Wien, 30. Okt. Ter hiesige Verband der auswärtigen Presse, dem auch die Vertreter der in Deutschland erscheinenden Zeitungen angehören, hat an Maximilian Harden ein Telegramm gesandt, in dem er ihn zu seiner Freisprechung be- Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61. Redaktion:^^112.Tel.-AdruAnzeigerGreßen. glückwünscht. _ , .. Rom, 30. Okt. Die Abendblätter besprechen m langen Artikeln das Urteil im Prozesse Moltke-Harden. Journal d'Jtalia schreibt: Nachdem die geschminkten Höflinge Nicht nur dem Heere, dem deutschen Volke und dem Prestige der Dynastie soiidern auch der Politik ihres Landes und dem Frieden Europas so schlechte Dienste geleistet haben, verdient der mutige Journalist, der sie in den Schmutz gezogen und wi kaiserlichen Palast unmöglich gemacht hat, eine,Bürgerkrone. „Trib u n a Volkes abgespielt haben, das unaufhörlich denkt, arbeitet, produziert, und allen anderen Nationen Europas als Muster dient, seien der Regierungsform zuzuschreiben, denn eine Negierungsform, die nicht die Freiheit als Grundlage habe, berge den Keim aller Irrtümer in sich. — „Giornale d'Jtalia" veröffentlicht einen Leitartikel über den Prozeß Moltke - Harden, worin das Blatt entschieden Stellung nimmt gegen diejenigen Schwarzseher, die schon wegen der Degeneration eines Dutzend Ariftokraten eine Dekadenz der germanischen Rasse proklamieren. Alle politische Rachsucht, alle Rassenantipathien, alle kommerziellen und industriellen Rivalitäten, alle sozialistischen Gehäfsigkeiteii würden ich jetzt auf Deutschland ergießen, aber die deutsch-feindliche These beruhe auf einer wenig festen Grundlage, wenn man jetzt den Bankrott des Deutschen Reichs verkünde. Zusammeugcftürzt sei nur die Hofkamarilla, und bei dem Sturz derselben hätten der Kaiser, der Kanzler und das deutsche Volk, Die HardenS Vorgehen unterstützten, zusammengewirkt. schienen, er berauscht und sängt die Weiblein und von den Männern diejenigen, die der edlen Kunst der Musik und des Gesanges mit mehr weiblichem Empfinden gegenüberstehen. — In "Wien kostete ein Parkettbillet für einen Caruso-Abend 60 Kronen, Händler erzielten dafür 100 Kronen und mehr. Der Preis des billigsten numerierten Galeriesitzes betrug 5 Kronen. In Berlin ist man noch nächt so musikalisch. Das Parkettbillet kostet 25 Mk., der billigste Platz 3 Mk. Der italienische Rattenfänger aber erhält in Wien wie in Berlin allabendlich 10 000 Mk. Sind solche Preise und die Wertschätzung der Gegenleistung, die sich in ihnen ausspricht, nicht vielleicht ein Zeichen der Ueberwertung der MusikFür 25 Mk. kann man bei uns heute eine ziemlich vollständige deutsche Klasserbibliothek erwerben. Und dem italienischen Tenor fließen außer den Dukaten noch schwärmerische Bewunderung, halbgottmäßige Verehrung und die Herzen unserer Frauen und Mädchen zu. Ist das nicht ein Zeichen von Ungesundheit im deutschen Leben, von Verweichlichung und Sentimentalität? Dem Backfisch verzeiht man eine Schwärmerei, der Frau gönnt man einen Caruso- Abend, wenn man das Geld dazu hat, aber Männer sollten sich doch eigentlich vor übertriebener Gefühlsseügkeit und vor Ueberschätzung hoher Tenortöne hüten. 'Noch sind wir nicht so reich, so genußselig, so tatenscheu geworden, als daß wir nicht erkennen sollten, daß das deutsche Leben der Gegenwart Männer erfordert, Atänner, die hart arbeiten müssen im Staatsleben, an der wirtschaftlichen Entwickelung des Vaterlandes und in der Wissenschaft. ?lus diesen Männern der Denk- und Willenskraft steht das Deutsche, Reich, und es fällt, wenn diese Männer einstmals zu fehlen anfangen sollten, wenn der Feminismus, der Tenor und der Klavierspieler Trumpf werden sollten. — Aus Mainz wird gemeldet: Bei den Kanalisationsarbeiten die vor dem Neutor vorgenommen winden, sand man in einer Tiefe von 4 Nieter unter einer Ablagerung von Bauschutt vier, S t e i n s ä u l e n fränkischer Herkunft, die aus spätrömischen Grabsteinen gemeißelt worden waren. Da auch in nicht weiter Entfernung bei dem Bau eines Hauses eine gewaltige Säulenbasis von gleichem Charakter auigesunden wurde, so liegt die Vermutung nahe^ daß man es hier mit Ueberreslen der Burg des Fr ankenköni gs Dagobert zu tun hat, die nach der Ueberlieserung in der Nähe der Fundstätte gestanden hat. — Kleine Chronik aus $ u u ft und Wissenschaft. Im Auftrage der Senckenbergischen Natlirjorsthen- den Gesellschaft in Frankfurt Hut Dr. Hugo Merton, ein Mitglied der Gesellschaft, eine Forschungsreise nach dem i n d i s ch e n A r ch i p e l angetreten, die hauptsächlich die uer- geographische Erforschung der Aroe- unb Key-Inseln bezweckt. Kleines Feuilleton. Z. Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns unterm 29. ds.: Unser Sch auspielh aus hat mit seiner gestrigen Uraufführung, dem dreiaktigen Drama „Außerhalb der Gesellschaft" von Erich Schlaikjer die Erwartungen, die man in den näherstehenoen Kreisen von dieser Aufführung hatte, ziemlich stark enttäuscht. Die äußere Ausnahme der Novität war freilich ganz freundlich, und der Autor wurde nach jedem Akte gerufen. Aber eine tiefere Wirkung hatte das Werk nicht. Schlaikjer wollte wohl mehr, als er konnte. Er wollte darstellen, wie ein frischer, naiver, leidenschaftlicher Phantasiemensch sich in die. Netze einer halbweltlerin verstrickt, die ihn nur einmal als eine Art erotischer Sommerfrische betrachtet, d. h. sich leidenschaftlich in ihn verliebt hat, wie eine nervöse Großstädterin sich in die unverfälschte Natur verliebt, und er wollte dann den Kon- jlitt schildern, in den der junge Mensch in dieser Atmosphäre des Halbwelttums mit seiner eigenen Natur und mit seinen künstlerischen Streben gerät. Aber diese Gedanken sind nur- unklar durchgeführt, und die Charaktere sind nicht so echt und überzeugend geraten, daß man den Konflikt mit Interesse und Anteilnahme verfolgte. Es ist nicht nur viel Unklarheit, sondern auch viel Phrase in dem Stück, dessen Handlung Übrigens in ein paar Szenen sich sehr wirksam steigert. — Die zweite Darbietung des Abends, „Liebe", Komödie in einem Akt von Gustav Wind, das Werk eines guten Humoristen, aber schlechten Bühnenschriststellers, wurde unzweideutig abgelehnt. — Man schreibt uns aus München, 27. Oktober: Einen unbestrittenen Erfolg errang gestern KorfizHolms Komödie „Fräulein Nesi" im hiesigen Schauspielhause. Der Titel Komödie ist freilich zu hoch gewählt. Es war vielmehr eine Alünchener Lokal-.humoreske leichtesten Genres, die einem pikanteren verwöhnteren Premieren-Publikum zu harmlosem Gelächter vorgesetzt wurde — und nicht alle waren, scheint's, zur Harmlosigkeit gestimmt! Da gab es den kleinen Leutnant von Wel, der durchaus sein „Verhältnis", ein derbes Münchener Mädel, heiraten und, ohne Talent, Kunstmaler werden will; dann den gutmütigen Onkel Graf, der die Sache scheinbar begönnert, um sich eine Weile darüber amüsieren zu können; die noch kleinere Schwester des kleinen Leutnants, die, durch eine Erzieherin mit „modernen" Lebensanschauungen vertraut gemacht, vor der „Braut" des Bruders knixt und versichert, sie freue sich sehr, sie freue sich wirklich herzlich; und endlich die gestrenge Ätama, die der ganzen Sache mit einem einzigen Machtwort und ein paar Tausend Mark ein Ende macht, welch letztere der Onkel Graf bezahlen muß, da er ja an allem schuld ist.. Die ^Draut" begründet mit dem Gelde, das sie als das weitaus iLolidere mit Recht dem H-eron Baron vorzieht, ein Geschäft, und der „Bräutigam" fällt aus allen Himmeln. Die Umrahmung bieten lustige Kasernen-Szenen mit Rekruten-Drill und dem, als Zielscheibe des Münchener Witzes unentbehrlichen Berliner (der „für einen Preußen" aber „ein ganz netter Mensch" ist), sowie Münchener Kleinbürger-Szenen, die an Echtheit nichts zu wünschen übrig lassen. — Der Kaiser und die Schulreform. Daß die „Schulreformer", deren bekanntester Vertreter, Prozessor Dr. Gurlitt, am 1. November in Gießen sprechen wird, sich in guter Gesellschaft befinden, nämlich als Bundesgenossen des Kaisers, hat zum zweiten deutschen Erziehungstage in Weimar Dr. Göhring geschildert. Denn der Kaiser war es, der die beiden Schulkonferenzen em- berusen und sich mehrmals mit aller Eiitschiedenheit dafür ausgesprochen hat, daß wir keine Römer und Griechen, sondern Deutsche erziehen sollten. Dr. Göhring, Mitglied der Konferenz von 1890, konnte aber auch berichten, daß der Kaiser, der leider der Konferenz nicht beiwohnte, von dieser getäuscht worden ist, daß man mit großem Geschick seine Anregungen unter den Tisch fallen ließ, ja daß man ihm entgegenarbeitete. Geheimrat Oskar Jäger äußerte am 10. Dezember 1890 wörtlich: „Wenn der Kaiser den lateinischen Aufsatz abschasft, so führe ich ihn aus Umwegen wieder ein." Jedenfalls sieht man daraus, vaß es nicht sozusagen Anarchisten und halbe Revoluzzer sind, die jetzt für eine durchgreifende Verdeutschung der Schule von unten bis oben hin eintreten, sondern daß dies gerade die besten Vaterlandsfreunde sind. Es ist deshalb wünschen, daß der am 1. November stattfmdende Vor- traa recht lebhaft besucht wird. Man wird sehen, daß gerade diese Bewegung sozial hoch bedeutsam ist, über allen Parteien steht, und damit alle Parteien umfaßt, und darf, das ist das Mindeste, einen hochinteressanten Wend erluarten. — Im neuesten (43.)Heste des „Bl au buchs" (Verlag Concordia in Berlin W. 30) finden wir einen Aufsatz von Prof. Ludwig Gurlitt, betitelt „Apologetik des gesunden Menschenverstandes". — Von Caruso, dem Tenor. Einem Aufsätze der „Dtsch. Volkswirtsch. Korr." entnehmen wir folgendes: Ein Teil, eilt allerdings verhältnismäßig kleiner Teil der Berliner Bevölkerung schiviinmt in Wonne und Seligkeit. Es ist wieder einmal ein italienischer Tenor au der Spree er- Jn unserer an Sensationsprozessen wahrlich nicht 1 orinen Zeit hat es doch selten einen Prozeß gegeben, der die : Knitter mehr bewegt hätte, als der Prozeß des Grafen ftuno von Moltke gegen den Schriftsteller Maximilian ' Harden. Aus der einen Seite ein alter, verdienter General, der im Felde für sein Vaterland gekämpft hat, auf der anderen: ein Mann der Feder, der den Anspruch erhebt, im Namen dieses Vaterlandes eine mutvolle Tat vollbracht haben. War es wirklich ein so großes, verdienstvolles AZert, das der Herausgeber der „Zukunft" getan hat? Aag sein. Die Geschichtsschreiber werden es später einmal sestzustellen haben, ob die Schuld jener Männer, die Garden durch seine sensationellen Enthüllungen vom Kaiser zu trennen versucht hat, wirklich so groß war. Der Prozeß Moltke-Harden hat diese Fwage nicht gelöst. Gras Moltke erscheint in diesem Prozeß als der am wenigsten Beteiligte an der Sache, die Harden aufgedeckt zu haben glaubt, aber es schmerzt den unbeteiligten Zuschauer doch, den Träger eines alten, berühmten Namens in einer so häßlichen Angelegenheit erwähnt zu finden. Mußte es denn auch gerade ein Harden sein, dem das deutsche Volk eine Tat der Befreiung zu danken hätte? Es wird nicht leicht, an die Selbstlosigkeit des vielgewandten H>erausgebers der „Zukunft" zu glauben. Dieser Schriftsteller ist einmal Schauspieler gewesen und er ist es noch heute. Die Freude an der schönen Pose ist ihm geblieben. Auch die Gestal- tungssähigkeit des Juden hat er sich erhalten. Er spielt seine Stollen gut, er lebt sie, ja er glaubt im Augenblicke wohl auch selbst an seine Rolle, und insoweit ist er ehrlich. Er kann nicht anders, es ist seine Natur, aber in der Politik gefällt uns die Schauspielerei doch nicht, und in der Rolle, in der er sich in seinem Kampfe gegen die Liebenberger Tafelrunde gezeigt hat, gefällt er uns trotz seines meister- hasten Spiels erst recht nicht. Aber dennoch, mußte es gerade Harden sein, der uns die Wahrheit entdeckte? Das Gericht hat sein Urteil gesprochen, Harden darf triumphieren, denn einer seiner Widersacher ist besiegt. Das Gericht konnte nicht anders, es mußte den Wahrheitsbeweis nach den verschiedenen Zeugenaussagen als erbracht ansehen. Harden ist allerdings in feinen Behauptungen auch vorsichtig genug gewesen, und als er s. Zt. nach seinem in fr intimer ten Artikel merkte, daß er zu weit gegangen war, widerrief er flugs, was er vorher behauptet hatte, und rettete fich damit vor dem Staatsanwalte. Sympathisch kann man eine solche Kampfesweise nicht nennen. Noch eine zweite Persönlichkeit hat in diesem Prozesse eine recht eigenartige Rolle gespielt, das war Fürst Eulenburg, der ehemalige Botschafter am Wiener Hofe und Haupt der Liebenberger Tafelrunde. Gegen diesen Mann richtete 5)arden seinen Hauptangriff, aber Eulenburg wehrte sich nicht. Eulenburg schwieg auch noch, als sein Freund Moltke vor Gericht in Bedrängnis war. Hätte er als Edelmann nicht seine letzte Kraft zusammennehmen müssen, um die ..... ............. ,z .z , Ehre des Freundes zu retten. Eulenburgs Schweigen ist schreibt: Alle diese Skandale, Desrtkehes Reick-. Berlin, 29. Okt. Der Reichskanzler Fürst von Bülow wurde gestern vom Kaiser empfangen. Es dürften hierbei die aktuellen Tagesfragen zur Erörterung gelangt sein. Der Kanzler war auch zur Abendtafel beim Kaiser geladen. — Wie das Depeschenbureau Herold aus bester Quelle erführt, wird Un t er st a ats f e kr e t är Mühlberg als deutscher Gesandter am Vatikan nach 3tom gehen. — Ter „Berl. Lokalanz." meldet aus Bochum: Nachdem mit der Ablehnung des Knappschafts-Statutes auch die Reform der Pensionsbestimmungen für die Zechenbeamten gefallen ist, haben sich die Bergwerks- bejitzer entschlossen, für die Beamten eine eigene Pension s k a s s e zu gründen, die ihnen dieselben Bezüge gewähren soll, die der Statutenentwurf für sie vorfah. Wahrscheinlich wird noch diese Woche eine Sitzung der Werks- Vertreter für die bindende Beschlußfassung in dieser Angelegenheit stattfinden. Posen, 29. Okt. Von maßgebender Seite wird mit- geteilt, daß der Schulstreik nunmehr auch in der Provinz Posen vollständig erloschen ist und daß in sämtlichen Schulen die Antworten im Religionsunterricht ohne Widerspruch in deutscher Sprache erfolgen. — Die von einer hiesigen Zeitung verbreitete Nachricht, die Ernennung des Leiters des Gnesener Priesterseminars, Domherrn Kloske, zum Erzbischof von Posen-Gnesen, stehe unmittelbar bevor, e n t b e h r t, wie von maßgebender Seite verlautet, jeder Begrün düng._____________ Aus uitO Land. Gießen, 30. Okt. 1907. ** Ordensverleihung. S. K. H. der Groß-^ Herzog haben anläßlich der Einweihung der umgebauten Johanniskirche dem evang. Pfarrer der Johannisgemeinde in Mainz Lic. theol. Beruh. Jacob das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem städtischen Wohnungsinspektor Ludwig Nauth in Mainz das Silberne Kreuz desselben Ordens verliehen. ** liebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Magnus aus Großen-Linden eine Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Ulfa. ** Oberhesfisches Haus. Von der Geschäfts-» chnen folgendes mit.zuteilen: Seit einigen fahren (von Frühjahr 1904 an) litt ich an nervösen Bruwchmer.;en(bel jeder geringsten Bewegung vermurte ich eine Art „Unarten" m meiner Brust verbunden mit großen ;-luelc^.c, na$ Aussage meines Tur FL* aU Wjährrger Manu te6 b-ben kannten, da derartige der Landesfürst dorthin. ‘ Heilung in dem räumlich sehr beschränkten Stadttheater welcher tut die Logenplätze Karten nur an Geladene aus- gegeben werden. Slud) unser Hofrat erhält eine. Er beab- 1‘c^tigt natürlich hmzugehcn. wird jedoch in letzter Stunde -uon |clnenl Avec' welche sich mal gern im .Glanze des Hofes- lonncn mochte und daher die Karte für sich beansprucbt zuruckgehalten. Nachdem er grämlich nachgegeben, rauscht ’ Schminke und Aplomb ins Theater und präsentiert rcenhin6 v ,C®be‘r ~09cn^t,e&e,: si-gesgewiß und erwartungs- ‘.bla Einlaßkarte. Der aber gibt letztere kopfschüttelnd nirH mt VCr ®ctläCU-n9: "d'baure. Gnädigste, ich kann Sie Sie r‘ rnitCn- nur der Name des Herrn Hofrats " bc|lucit: '2°' aber — das macht doch nichts,- — beiden Seiten vom ersten eines jeden Kalenderviertel- jahres unter Einhaltung einer vierteljährlichen Kündigungsfrist kündbar sein. Im Mai 1906 nahm K. aber eine Stellung bei der Firma Isenburg u. Lewin, einer Konkurrentin seines Dienstherrn, für den 1. Juli 1906 als Konfektionär an. Er erklärte dem Inhaber seiner Dienstfirma, daß er jetzt eine Stellung gefunden habe, wo er jährlich 5000 Mark mehr verdiene und bat um seine Entlassung bis zum 1. Juli 1906. Diese wurde ihm ver- 11 ad> rietet die weigert mir Rün sicht auf die bevorstehende Saison. Da! Evangelische (licuteitiöc. mSL^r Firma Sahmer Donnerstag den 31. Oktober, abends 8 Uhr, int Matthä'ussacü und Loewenheun Klage aus Verurteilung des K. zur Unter- B i b e l st u n b e. (Offenb. Johs., Kav. 14.) lassung jeder geschäftlichen Tätigkeit für die Firma Isen- Pfarrer D. S ch l o s s e r bürg und Levin für die Kündigungsfrist vom 1. Juli bis -■ — ' - 30. September 1906. Am 4. Juli 1906 stellte K. die Arbeit Briefkasten der ÄedakLion. bei der Klägerin ein und trat in den Dienst der Firma (Anonyme Einsendungen bleiben unberücksichtigt.) nil” nhw “ffinWh,™ fehernCM e'vba® « St. K. Habe,, sie besten Dank für die Einsendung der Lanz. Nis ohne Emyaltung der Kündigungsfrist habe verlasien spräche aus DL Wir werden sie gern demnächst in den Fam.-M. können, weil er Nicht angemessen behandelt und beschäf- zum Abdruck bringen, tigt worden sei. K. W. Nein. Im Hinblick auf das 20 jährige Bestehen des Zwangserziehungsgesetzes (vom 11. Juni 1887) sind auf Veranlassung des Großh. Krcisamts Friedberg Erhebungen über die Wirkung dieses Gesetzes und insbesondere das Ber- halten sämtlicher, der Zwangserziehung seit Bestehen des Gesetzes unterworfenen Personen angestellt worden. Es sind in dem bemerkten Zeitraum 153 Kinder, 91 Knaben und G2 Mädchen, in Zwangserziehung gel . . Don den 91 Knaben wurden 45 in Familien, 46 in Anstalten, von den 62 Mädchen 43 in Familien, 19 in Anstalten erzogen. Bei 8 Knaben und 6^ Mädchen erwies sich die Familienpflege wegen schlechten Verhaltens der Zöglinge nicht durchführbar, sie muhten deshalb der Anstalt überwiesen werden. Nimmt man diese hinzu, dann sind lediglich durch Familienerziehunq 37 Stttafieit und 37 Mädchen, zusammen 74 Kinder gleich 48 d^ent und durch Anstaltserziehung 54 Knaben und 25 Mädchen, zusammen 79 Kinder gleich 52 Proz. hindurchgegangen. Der Zwangserziehung entwachsen sind am 11. ■jum 1907 bereits 56 Pfleglinge, welche das 21. Lebensjahr «rn«eLI)aB^' Jinb °lso zurzeit noch 97 Pfleglinge rn Aussicht Ihre Erziehung und ihr Verhalten wird durch einen besonderen Erziehungsvercin (Mathildenstiftung) sorq- JÄ'-?01' ben P'l°glingen sind im ganzen o verstorben, 10 haben sich verheiratet. Was der Erfolg . Zwangserziehung anlangt, so haben sich geführt.- ehr S“1 b gleich 8 Proz., gut 67 gleich 26 Proz., ziemlich gut 30 gleich 58 Proz., in Ausschreitungen 9 gleich 8 Proz. Man kann also mrt dem Erfolge sehrzusrieden sein. Ten 8 Proz., die teils erblich besonders belastet, teils in vor- ln Zwangserziehung genommen, sich frei galten haben, stehen 92 Prozent gegenüber, ber denen die Zwanaserziebnna be- medigende bis gute, ja sogar höchst ersieuttche Friichte getragen hat, während die meisten dieser Personen ob ne Wären. Tie Kosten für die kuin = -U^n ^uhermgefallen 1887 bis 31. KirTÄV11 • Juni 1JU/ betragen im Garnen w -1 Kinder, welche der Zwangserziehung nicht unterworfen sind, deren Erziehung aber doch in gewissem Maße gefährdet erscheint und für die nicht genügend gesorgt ist, besondere Sorge getragen. Es sind zurzeit, außer den Zwangszöglingen, nicht weniger denn 117 Kinder durch den Erziehungsverein, freiwillig (mit Einwilligung der Eltern) auf Kosten der Gemeinden und der Stiftung in Pflege gegeben. Der Erziehungsverein, der auf sehr schöne Erfolge, wie sie auf dem Gebiete der freiwilligen Herbeiführung öffentlicher Fürsorge-Erziehung wohl in keinem anderen Teile des Großherzogtums bis jetzt erreicht sein dürften, i blicken kann, wird zurzeit von Stadtpfarrer Kleberger in Friedberg geleitet, nachdem der frühere verdienstvolle Leiter Geh. Kirchenrat Meyer bei seinem Rücktritt in den Ruhestand, die Leitung niedergelegt hat. Zwischen Kreisamt und Erziehungsverein besteht eine enge Verbindung und die Erfolge wären nicht möglich gewesen, wenn nicht das Kreisamt die Tätigkeit des Erziehungsvereins fort-1 tausend unterstützen und fördern würde. Reichsgerichtsbrief. (Nachdruck verboten.) Leipzig, Oktober 1907. Tas ausschließliche Recht des Prinzipals auf die Arbeitskraft des Handlungsgehilfen. Zu einem interessanten Rechtsstreit führte eine Dienstleistungsdifferenz des Konfektionärs K. zu Berlin gegen die Firma Sahmer und Loewenheim daselbst. K. befand sich seit dem 1. Januar 1905 bei der genannten Firma, die eine Damenmäntelsabrik betreibt, als Konfektionär und Verkäufer gegen ein Jahresgehalt von 10 000 Mark und 2 Prozent Provision von den von ihm abgeschlossenen Geschäften, in Stellung. Nach dem Anstellungsvertrage sollte das Dienstverhältnis vom 1. Januar 1906 ab von n|te als gestorben eingetragen. emc »an» geraume Seit weiter, bis ich auf-Iw J°t sm& 65 'Der Er f a tz man n. Wir lesen in der Münchener malen, maU“ fMmwSSS fugend: In einer Stadt Mitteldeutschlands lebt ein pensionierter Bios'on mit A “& “ «“ pofrat, Junggeselle von vorgerücktem Alter, aber mit jugendl VaLel ltc?)cni Herzen. Bei^ Gelegenheit eines Schützenfestes kommt! a-nzeu Säruer, Letalmnen'eteSsmut® ernt tilSlr 1 ?h"' -u Ehren ,st u. a. Fostoor- MA^ZlKnd°?lurde^KetzÄ, 'Ählr mem7r°iol'i!!wtlü7''"°'' teil war' ift füVÄnSh“r*W — die jebiaen beiden 4inkp»p ^"ia) unentdetzrlich geworden von 3 GewichtLunabE »te'ss «SÄ-sife ajmasafäSsSBs und werde außerdem selbst Iiiflik nnr;/1? ö f sch Ihnen dies gerne Geleaeuheit Är Präparat bet teder sich >iebeuüen Schirmer. Bioson ist in AnntbÄs» >Vochachtunasvott! Iia n, 3 at£' «ältlich, ba' Logendiener: ,Es tut mir sehr leid: die Karte ist nur für 5- Person des Herrn Hofrats bestimmt." Da atmet die Schz^ \ erleichtert auf und herrscht den Schließer an: ^Sie Tölpci- Ich bin ja die Person des Herrn Hofrats!' Nachdem das Landgericht Berlin die Klägerin abgewiesen hatte, stellte diese vor dem Kämmergericht den Antrag, das erste Urteil abzuändern und sestzustellen, daß der Beklagte verpflichtet gewesen sei, während der Kundrgungsfrist eine geschäftliche Tätigkeit bei der Konkurrentin zu unterlassen. Diesem Anträge gemäß entsprach 1 das Kammergericht unter Verurteilung des Be- 3^ ° !1 a $J..e n' inbem sich hauptsächlich auf den 8 611 3^°/ des Bürgerlichen Gesetzbuchs bezog. 3% Gegen die Entscheidung des Kammergerichts hatte der W/» I Beklagte das Nerchsgericht angerufen. Der 3. Zivilsenat desselben erkannte jedoch gemäß dem Kammergericht auf 4% Oesterr Goldrente Verurteilung des Beklagten unter Zurückweisuna Oesterr. Silberrente seiner Revision. Er führt hierzu in der Urteils- begrund^ng au§, daß der Airspruch im liegenden Falle allerdings nicht auf den gestützt werden könnte, 'toeH 14^°/0 rus^.Staatsaui. 1905 Besiagte der Isenburg und Levin als bloßer Kon- 1^"/» Japan. Staatsanleihe sektronar weder für eigene noch für fremde Rechnung Ge- Conv.Türken von 1903 schäfte macht e". Wohl aber folge er aus § 611 be5 Türkeulose Bürgerlichen Gesetzbuchs, weil der Handlunasaehilfe saJ Gnech. Monopol-Anl.. nach während der Dauer des Vertragsverhältnisses m MSS-Te Ar^eutiuier • versprochenen Dienste verpslich- liege, daß der Gehilfe während der ‘0 n.' ' verbunden ist, seine Arbeitskraft während Bochum Gus^ lmlten^ brsugung des Prinzipals Badems E. W.* .' ' s' - b f Mer' so lange er aus irgend einem Tendenz: schwach, l^unde diesem die versprochenen Dienste nicht wirklich aserliner Xtza ^&efont)ere, wenn er sie infolge unbefugten Ver- Oanada E. B. . . . II ns ferner -Stellung zu leisten unterläßt, n i ch t e i n e m Darmstädter Bank . andern Dienste leisten. Er verletze damit das i)cni irin^ Deutsche Bank . . ölptll zustehende ausschließliche Recht auf seine des *onnh' Dortmunder-Union C. lungsgehilfen, Arbeitskraft. 7 c Dresdner Bank . . "1 1 - - ■ Tendenz: matt. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: 3 t int ebensjahr inder ÖOIIt 2.-15. Jahr IIP srist 1. L Herzfehler 1 • —. Ärteriosclerose 1(1) 1 (1) _ __ £tr Schlaqfluß 1 1 _ __ Gehirugeschwulst Kl) 1(1) — Wassersucht 1 1 — .-pi Kuocheumark»Ent- zi'mdung 1(D — — 1 (1) Bronchitis 1 — 1 Verunglückung KD 2(d — _ unbek. Krankheiten 1 1 .— 29. 2’‘ 736,3 12,0 7,8 75 WSW 2 Bew 29. 9’6 734,4 7.4 7,4 96 8 2 30. 726 733,7 8,5 7,5 91 ESE 2 V SVTT zu WM Mühle) (Nasses- FRANCK :