»J (himisditfe^ ™ Öassddofr iiii Nrot«l>y ^liberalen. Er wußte wie jeöcr andere, bau ouö cuj.d al des bayerischen ftammerliberaltömuß von der neuen 'Ißnbl* kreiSeinteilung abhängig war. und nun suchte er bei dieser Gelegenheit für den Liberalismus zu retten, roa3 möglich war. 3n der ZenlrumSpartei herrschte darob große Entrüstung, und lowohl in öffentlichen Versammlungen als m der Abgeoidiieten- tanunec wurde dem Vitnisler unumwunden das Mißtrauen der ZcntrumSpartei ausgesprochen. Graf Feilitzsch hat dann den Wahlreformantrag deS Zentrums angenommen u>id bannt jeme Lage verbcflert. Der Rücktritt deS Herrn v. Feilitzsch ist. rote sich hieraus schon ergibt, für die politische Lage m Bayern von großer Bedeutung. Senf Nachfolger, Herr v. Brettreich, ist 49 Jahre alt, Sohn eines Fürstlich Thurn-ThaxiSschen Lomänenverwallers. Er war von 1889 biS 1894 HülfS- orbcitcc im Nlinilterium des Innern und Ende 1896 Regier- nngsrat im Nlinisterlum. Bier Jahre später wurde er Ober- regierungSrat und 1903 Ministerialrat. J'N Ministerium ivar er der Referent für die Landwirtschaft. Als solcher machte er sich nicht nur bei den Landwirten sehr beliebt, son- dern sand auch die volle Anerkennung der in der Beurteilung der Landwirtschaft kompetenten Nichllandwirte. Besondere 'Aufmerksamkeit miöniete er dein landwirtschaftlichen Unter- richtSwesen und der Erziehung der Landwirte zur Hebung und Besserung deS Betriebes und der Verwertung dec Produktion. Die Flurbereinigung fand bei ihm besondere Förderung, ebenso die Schlachtvieh- und Fleischbeschau u. s. w. Bor einigen Fahren beteiligte er sich an einer von der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft durch Nordamerika unternommenen Informationsreise; die dabei gesammelten Erfahrungen hat er litterarisch niedergelegt. Berufene Personen mit aulonlativem Urteil erklären, daß er zurzeit der hervorragendste Berwoltungsbeamte in Bayern sei. Polnisch ist Brettreich niemals hervorgetreten. Man nimmt an, daß er sich für Parteipolitik überhaupt nicht interessieren werde. Brettreich ist katholisch, aber mit einer protestantischen Frau verheiratet. Diese Mischehe könnte .hm beim Zentrum gefährlich sein, wenn die Ehe nicht kinderlos wäre. Im allgemeinen ist daS bayr. Ministerium jetzt noch mehr rin Ministerium des Zentrunis als seither. Wenn auch künftig noch der eine oder andere Minister ein wenig der liberalen Seite zuneigt, so wird doch die Zu- lammensetzung deS Ministeriums tm ganzen gleichartiger. ES iuirb sich neutraler hinStellen als bisher, in Wahrheit aber dem Zentrum wohl noch willfähriger sein als das letzte Ministerium. Zu den Leidtragenden zählt der Beamten- 1 liberalismus, den Feilitzsch nach Kräften gefördert Hal. ittr die uns anmg Ufß Kit noch elrtiy Men feil hü «Hause. W e Schmidt, riefeWen > 'bl. nach Utbertlnhir- turne Angebote mit. W ebener Anzeiger erbet? spiel, sondern nur das schlechte. Sie machen es genau wie die italienischen Nobili, welche ihre ungeheuren Guter ver- pachten und den Ertrag — fern von ihrem Besitz — in den Großstädten verprassen. Die Bojaren und Nobili haben kein Bewußtsein ihrer sozialen und patriotischen Verpflichtungen, sie sind hartgesottene Egoisten, welche nichts Höheres kennen als daS Vergnügen. Vermögende Unternehmer, zum Teil Juden, boten den Bojaren die nöligen Gelder, sie bildeten förmliche Pächterringe, eigneten sich ganze Provinzen an und sogen die armen Kleinbauern, welche auf Landpacht und Arbeitsverdienst angewiesen waren, aus. Em gewisser Fischer besaß allein 40 Höfe, welche den Umfang etwa von der Größe Oberhessens hatten. Das hört nun auf. Künftig dürfen Pachten nicht größer sein als 400 Hektar. Wenn er auf Umwegen durch Verwandte oder andere Leute mehr zusammenpachtet, haben die Pachtverträge keine Gültigkeit. Der König erklärt: Dieser mein Wille muß Gesetz werden. Sticht genug! Ter König Karl macht als wirklicher Staatsmann und König ganze Arbeit. Er korrigiett die bisherigen Pachtverträge der Bauern, weil sie das Staatsund Volksinteresse gefährden und zu vernichten drohen. Alle Verpflichtungen der Kleinpächter, Bodenzinse und Pachtbeträge, werden auf ein Drittel herabgesetzt. Wer bisher den Wucherern einen Pacht von 60 Franken für den Hektar bezahlt hatte, zahlt von 1907 ab bloß 20 Franken. Das ist ganz in der Ordnung. Wenn der Staat in Gefahr ist und ihm der Untergang droht, dann muß zu außergewöhnlichen Mitteln gegriffen werden. Ta kann man das private Unrecht nicht mehr länger als Recht anerkennen. Rumänien handelt hier nach berühmten Mustern. Der König von Preußen hat nach der Niederlage von Jena, um die Bauern für sich zu gewinnen, einfach die Bodenzinse gestrichen und so die hülfsbereiten Kräfte für den Aufbau seiner neuen Armee gewonnen. Um die Revolution des Jahres 1848 zu besiegen, hat der Kaiser von Oesterreich Bodenzinse und Staatspachtgelder auf em Drittel erniedrigt urtd so die Grund, entlastung vollzogen. Die besten Staatsmänner und Kaiser im römischen Reich haben ebenso gehandelt. ™ “"nenfori- WlkßW politische Lagerscha«. Reue Steuerquellen? Wir lesen in der agrar. ,Dtsch. Tagesztg.": Lalbofsiziös wurde in diesen Tagen angcdeutet, daß Kran Zunächst keine neuen Steuerquellen suchen und er- schließen werde, sondern vorläufig mit den Ernküniten des Reiches auszutvnrmen hoHe. Tas ist gewiß richtig; und man wird auch im jetzigen und vielleicht im nächsten Etat bei großer Sparsamkeit und bei ziemlich starker Heranziehung der Einzelftaaten. zu den Matrikularb eitrag en ta^ iäckuch, freilich mit Mühe und 9tot, auskommen können, ^aß man aber auf die Dauer nicht anskommen fann, liegt aut der Hand, zumal wenn man berücksichtigt, daß eine et beb liebe Erhöhung der Beamtengehälter unumgänglich ist. -wir nehmen deshalb ivohl mit Recht an, daß man sichin den Kreisen des Reichsschatzamts bereits mit der Frage besaßt hall wo die neuen Steucrquellen zu erichlietzen seien. An B re r u n d a ö fl i wird man sich wohl nicht heranwagen, obwohl frier ohne oe- MlNiflirwechsrt in Any in. Heute früh lag uns folgende Meldung vor: München, 8. April. Ter Prinzregenl hat mit einem Hand- schreiben vorn Heutigen den Rücktritt des SlaalsnimisterS des Innern Grasen von Feilitzsch unter überaus warmer An- erlennunq seiner hervorragenden Verdienste, sowie unter Belassung des Titels eines Slaalsniinislers und derzeiugen Ranges genehmigt und ihm fern Reliesbildms in Gold überreichen lassen. Gleichzeitig wurde der Regierungspräsident der Oberpsalz Friedrich v. Brett- reich zum Staatsrat im ordentlichen Liechte und zum Staats- m i n i st e r des Innern ernannt. Mit dem Grafen Feilitzsch schied der letzte Minister des einstigen Ministeriums Crailsheun-Lutz vom politischen Schau- platz. Graf Crailsheim war 23, Finanzminister Freiherr o Riedel 25 und Graf Feilitzsch fast 26 Jahre Minister. Als letzter von der Garde der Alten tritt Graf Feilitzsch in den Ruhestand. . Am 27. Juni 1881 war der damalige Regierungspräsident von Oberbayern Dr. Max Freih. v. Feilitzsch, geb. 1834, zum Mmister des Innern ernannt worden. Was zum Schutze der Landwirtschaft, deS Handwerks und Gewerbes geschehen konnte, das wurde alsbald von ihm gemacht. Graf v. Feilitzsch ist indes im langen Laufe seiner Minislerlaufbahn den Anregungen und Anträgen des Zentrums fast stets in allzu weitem Maße entgegengekommen. Der Sozialpolitik im engeren Sinne aber widmete er seine Aufmerksamkeit. Arbeitsämter, Gewerbegerichte, Fabrikinspektion, Wohnungswesen nsw. wurden unter ihm emgeführt oder ausgebaut. An der Reichsgesetz- gebung nahm er regen Anteil. An der Schaffung der neuen Zolltarifgesetze hat er Mitgeholfen. Es war zumeist aber eine konservativ - ultramontane Wirtschaftspolitik, die Gras Feilitzsch getrieben hat. Wie sein früherer Kabinettschef Graf Crailsheim protestantisch, verstand er es doch meisterhaft, sich jeder neuen Lage anzupasjen und den wechselnden Strömungen sich zu unterwerfen. So namentlich beim Sturz seines Freundes Crailsheim. Innerlich auf Selle Crailsheims Iteheud, trat er dennoch für dessen Rücktritt em. Crailsheim ging und Feilitzsch blieb. Und so verstand er eS vorzüglich, mit der Zentrumspartei auszulornmen. Allem bei der Schaffung des neuen Laudtagswahlaesetzes neigte er mehr auf Selle der von 7/ 'auöbeamn Ws en unbmtkni,cttbck Mstz- i ^fieret, 16,eaentL auf bet Haager Friedens tonte renz wird nun doch zur Tatsache; wie der Draht uns gestern mclbele, hat die engt. Virgierung turd) ihren Pttersburger Botschafter oiiigied der ruil. Regierung a.S einladende Macht, wie auch den notigen Staats- kanzleien die amlliche Mitteilung zugehen ia,icii, dag England au, der Haager FriedenSkvnjerenz die Frage der Beschränkung der Kriegsrnstungen anzuregen gewillt sei. xet Wunsch Isnglaiu» wird sich *.k|ü erfüllen, freilich hängen die Trauben etwas hoch, und man mug sich daher damit begnügen, den enguschen Bar,chlag einer Sonderkonferenz zu unterbreiten, statt ihn au, das Programm der Hauptkonferenz gesetzt zu icfren. ~ie Aeächte stehen überwiegend dem Proiette wenig sympathisch gegenüber, wen Sie von besten Unausführvarlett üoerzeugt lind Einer Sonderloii- serenz überwiesen, kann aber die Beratung der Abrüstungs,rage twtz ailler Meinungsverschiedenheiten keinen Schaden anrichun, zumal ja wohl alle Echte im Grunde ihres Herzens den Wunsch hegen, daß die militärischen Rüstungen nicht weiter in d.e Hohe Schnellen möchten. Gegen eine theoretische Erörterung der rustnngsidee gelegentlich der Haager Fric.dmsl!onjerenz wird denn auch keine Macht einschließlich Deutschlands euvas emzuwenden haben, wenngleich man von vornherein überzeugt ist,, datz bei der Beratung nicht viel heruustommen ivird. Charakteristisch über die Art unb Weise, wie man über die Frage diskutieren will, wirre, wenn die Meldung sich bestätigen sollte, der ausdrückliche Ausschluß der militärischen und yjtatuufrclegierten der Konserenz- teünebnur von dieser Sonderbesprechung, in welcher gerade, wie kaum in einer anderen, Fachleute unentbehrlich Sind; vielleicht befürchtet man, daß diese Herten, die den Krieg ars Beruf betreiben, der AbrüstungSsrage nicht objettiv genug gegenubetstanden und ein Fiasko unausoleiblich wäre. Irgend welcher prakt. Wett wird nach dllebem, was man von der Haltung der Gwßmachte weis, wohl kaum zu verzeichnen sein, zumal es ia auch em oSsenes Geheimnis ist, daß die Borllebe der englischen Regierung sm: die Abrüstung einen recht egoistischen Charakter tragt. Wir in ä-eutsch- lanb können der englischen Regierung den „Ersvlg , die Ad- rüstungssrage im Haag zu erörtern, von Herzen gönnen, da t>en engludjen Absichten die Spitze abgebrochen lvorden ift und saft alle Aeächte dem englischen Mane ablehenend gegenuderstehen Einem Aerllnet Blatte »urolge ist indes die.Absicht, das Problem der Abrüstung von enter besonderen Kommission beraten xu lassen, bis zur Stunde der deutschen Regierung noch nicht mitgeteilt worden. Vielleicht handelte es Sich bei bet gestrigen Meldung nur um einen Fühler, der die deutsche Regierung veranlassen soll, ihre Stellung äu dieser Frage, die letzt gemsient- lich in den Vordergrutid geschoben wird, vorzeitig darzulegen. öxau Öolitmna frrüit _ Ludwlgstrabe L sondere Schwierigkeiten uno ohne bedenkliche Foiaen mehr zu holen sein würde, selbstverständlich unter Schonung des heimischen Tabakes und der kleinen Betriebe. Zu einem sogenannten „Ausbau" der Erbschastssteuer würde man wohl geneigt sein; aber man sürchtct mit Recht, sdaß ein derartiger Pl"n die schärfste Opposition der Konservativen und Agrarier wecken würd-. 3n der Fahrkatlcniteuer hatte man jetzt ein ziemlich starkes Haar gefunben; es^ wird wohl lein Akensch buraii bvntcn, sie noch „auszubauen". Sonach wirb nichts übrig bleiben, als daß man sich ent.ch.ießt, pu den Steuern seine Zuflucht zu nehmen, die von uns wahteno der tueiutung der Fmanzresorrn und nachher wieder holl empfohlen worden sind. Tazu gehört in erster Linie neben der Wehtsteuet, bw sinanziell 'ullerbingß nicht besonders ins Gewicht fallen durste, die D i v i d e n d e n st e u e r , deren Ertrag hmreichen mürbe, um die MehrbedunNisse des Reiches und der EinzelStaaten aus lang: Zeit hinaus zu deaen. Wenn roir den Gedanken einer solchen oteuer immer wieder erwähnen, so geschieht es hauptsächlich deshalb, um den leitenden Kreisen und der Oesfenllichkell Gelegenheit zu geben, sich daran zu gewöhnen und damit vertraut zu machen. Man mag freute noch spotten und die Achseln zucken übet diesen unseren Vorschlag: dag mir schlleßlich daran nicht vorbeitvmmen, davon sind wir überzeugt. * •£ie Besprechung der AbrüstungSfrage Ueutißv Ztummer umtaljt 8 netten. Jie ^aueiniivolutiou hat gkst gt! AuS Bukarest wird berichtet: König Karl von Rumänien ist ein alter kränklicher Herr, aber seine Staatsklugheit und Tatkraft hat ihn nicht oec- lasien. Angesichts der allg. Erhebung der sonst so gutmütigen, genügsamen, an Arbeit und Not gewohnten Bauernbevölkerung mußte er sich sagen, daß cs sich für ihn um Krone und Land handle, für ihn selbst und die Dynastie der Hohenzollern in Rumänien. War auch die Armee^ gut und zuverlässig, so war sie doch auf die Dauer kaum fähig, dem Ungestüni der empörten 'DhUionen von Dreschflegeln, Sensen, Knütteln, Heu- und Dristgabeln Stand zu halten. Zudem bestehen die rumänischen Regimenter zu neun Zehnteln aus Bauernsöhnen, welche das gleiche Empsinden haben, wie ihre Väter und Brüder, Mütter und Schwestern. Der König erklärte: Wenn die Bauern mit ihren Forderungen recht haben, dann ist es ein Unrecht, diese Bauern wegen ihrer Ausbeuter totschleßen zu lasten. Ter König hielt einen Staatsrat ab, dankte das konservatlve Nünislerium ab und berief ein Ministerium Sturd za, von dem er wußte, daß «8 den DolkSschiudern keinen Vorschub leiste. Der König erließ einen Aufruf an die Bauern und versprach ihnen Abhülfe für ihre gerechten Beschwerden. Der König versprach ober nicht bloß im allgemeinen Hülse, er ordnete auch sofort Taten an. Alle staatlichen Ländereien, welche bisher verpachtet waren, sollen an die von ihnen bis aufs Blut ausgesäckelten bäuerlichen Unter- pachtet, direkt ohne Zwischenhändler, auf lange Fristen zu auskömmlichen Preisen verpachtet werden. Tas Wucher- jgflein hört auf, em Heer von Bauern wird künftig sein Brot nicht mehr unter Tränen und Kummer esten. Die Männer und Familien, welche die eigentliche Nation ausmachen, dem König die besten Soldaten stellen und das Vaterland mit ihrem Gut und Blut erhalten, sollen von nun an ein menschenwürdiges Dasein führen. So sprach König Karl. Semem Worte folgte die Tat und die Revolution ward sofort beendigt. Ter König tat noch mehr. Damit, daß der Staat mit gutem Beispiel voranging, ist es nicht getan. Denn die Bojaren, die privaten Grundherren, befolgen kein gutes Bei- ümilhi ichnen unb Mab, 'Men, Sntwm tstern für :Utt, MUÜ Ustv. 02195 i O. fmanMre 8 l ! M. Jv !?ft fiA chneiderm nirnmi d 3^' L)ecr und Flotte. Vom Rhein, 3. Aprll. Aus dem Schießplatz der Wahner Heide bat jüngst eine größere Landwehrübung der juß- Artillerie stattgesunden. Es waren 3000 Landwehrkeute aus der Rheinprovinz und Westfalen, Baden, Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen unb Hannover eingezogen. Aus zwei Regi- meuter »erteilt wurden sie mit Ausnahme der Regiments- uno Bataillonskommandeure nur von Landwehroflizieren in allen Dienstgraden befehligt, denen wenige aktive Olsiziere beigegeben waren Während der Uebung^eit wurden die Landwehrleute in allen Zweigen des artilleristischen Dienstes gründlich roieoer eingeführt, sodaß jeder Mann je viermal zum Schietzen kam. Ungeachtet des wahrend der Uebungszeit vom 13. bis 2j. Marz herrschenden schlechten Wetters wurde von allen Vorgesetzten die nie wankende Lust unb Liebe zum Dienst sowie^bie tadellose Führung bet alten Solbaten lobend anerkannt, -jn Bezug aus die Disziplin ist nach der „Köln. Ztg." insbtz'onbere heroorzn- heben, daß von den an den Sonntagen in großer Zahl^von der 150 Mann starken Kompagnie je 100, beurlaubten Soldaten, deren Reiseziel meistens Köln war, bei einzelnen Kompagnien kein einziger die ihm bewilligte Urlaubszeit überschritten Hai. So konnte der höchste Waffenoorgesetzte, General der Artlllerie v. Dulitz, am Schluß der Hebung den Regimentern freudig ausdrücken, daß die zur Hebung eingezogene Landwehr m Ausbildung, Führung und Haltung unter den recht schwierigen Verhältnissen den Beweis ihrer Tüchtigkeit geliefert unO gezeigt habe, daß sich Kaiser und Volk auf ihre Landwehr Kit ver- lassen können. rroloniälpoft. — Wie schon am 20. v. Mts. mitgeteilt wurde, hatte Simon Köpper, der Kapitän der Franzmann-Hotten- rotten, versprochen, gegen Zusage von Leben und Freiheit^leinen ganzen Stamm zu sammeln und die W a f f e n bei Gochas abiugebeT Er selbst hatte am 7. März .den Marsch dorthin angetreten. Nach einer Meldung aus Windhuk hat Simon Köpper fein Versprechen jedoch n i ch t geh alten, sondern ist mit der gesamten Werft wieder südostwärts in die Kalahari- Wüste zurückgekehrt. Dorthin ist ihm Major Pierer sofort gefolgt, um bedingungslose Waffenstreckung zu erzwingen. Zöarumll>U?i.lhlwauiel" wah ten. Die Niederlage der Sozialdemokraten bei der letzten Reichstagswahl ist in den meisten Wahlkreisen des Reiches zustande gekommen erstens durch Zusammenschluß der Bürgerlichen gegen die Sozialdemokraten und dann dadurch, daß die ,Partei" der Nichtwähler auf der Bildfläche erschien. Mar hat nicht überall diese Tatsache anerkennen wollen. Du Wahrheit ist aber doch die, daß im Januar und Februar deutsche Bürger an der Wahlurne erschienen sind, die für gewöhnlich zu Hause bleiben. Die .Süddeutschen Monatshefte" (Aiünchen) bringen nun einen recht bedeutungsvollen Artikel, der sich Qls ein wortschreiben an Friedrich Naumann darslellt, der m einem Nr. 78/^ Erstes Blatt 1S7. Jahrgang Donnerstag 4. April 1007 ökficnct Amelgtrm Woche beigelegt un H ßcilenprcie. lufal 16 zweimal wöchentlich da^ UM auswatts DU ll'ennig. General-Anzeiger für Oberhessen Mß 8i6«fle m- tepeidien: Rota(|ortsbruso/o Chinesen . . Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W Tendenz: schwach. 3)4% Hessen 3^% Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldreute. 4%% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . \ . D i e Zulassung der O b e r r e als ch u l ab i tu°- • r t e n t e n zum Studium der Medizin ist vom Bundes-- 1 rat unterm 31. Januar l. Js. beschlossen worden. Die Zulassung zum medizinischen Sttidium ist von dem Nachweis lateinischer ' ?Jnnmnt^e unabhängig, erst wenn die Zulassung zur ärzt- ; nchen Vorprüfung nachgesucht wird, ist der Nachweis zu et» ' bringen, daß der Kandidat diejenigen lateinischen Kenntnisse : besitzt, welche für die Versetzung nach der Obersekunda eines 1 Realgpmnasiums erforderlich sind. Dabei wird schon das Zeug- 1 ms des Direktors einer Oberrealschnle über die erfolgreiche Teilnahme an dem in einer solchen Schule eingerichteten wahl- • freien Unterricht, in der lateinischen Sprache für genügend er» achtet und nur im Falle ein derartiger Unterricht nicht erteilt : werden sollte, muß der Nachweis der Kenntnisse im Lateinischen durch ein aus Grund vorausgegangener Prüfung ausgestelltes Zeugnis des Direktors eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums erbracht werden. An den hessischen Oberreal- Ichulen wird n. di. „Darmst. Ztg." vom neuen Schuljahre an der wahlfreie Unterricht in der lateinischen Sprache eingerichtet und damit den Abiturienten dieser Schulen das medizinische Studium erheblich erleichtert werden. — Da der Nachweis der lateinischen Kenntnisse erst bei der Zulassung zur ärztlichen Vorprüfung verlangt wird, so kommt die Aenderung der Prüfungsordnung für Aerzte nicht nur denjenigen Oberrealschnlabiturien- ten zu gute, die mit dem Sommersemester 1907 das medizinische ?tUmntinn1l"nen' sondern auch solchen, die bereits vor dem 1. März 1907 einige Semester,hindurch im medizinischen Studium gestanden haben- Der Zulassung dieser Studierenden zur Vor- stellt^sich, aber der Umstand hindernd entgegen, daß bisher Oberrealschulabiturienten ohne Ergänzungsprüfung in der lateinischen Sprache nicht in der medizinischen, sondern in der philosophischen Fakultät eingeschrieben zu werden pflegten. Diese studierenden hatten für die Zulassung zur Vorprüfung einen Dlspens unter ausnahmsweiser Anrechnung der als Studierende der Philosophie zugebrachten Semester nötig. Da dieser Dispens im Emzesialle nur eine formale Bedeutung haben würde, W hat heb der Reichskanzler im voraus allgemein mit der ^i-penserteilung einverstanden erllärt, und den Bundesregierungen auheimgegeben, von der Vorlage solcher Einzelsälle Abstand zu nehmen. „ *.* Ae Keusche Handwerker - Zentralge- no f) e 111 ch q ft zu Darmstadt, die von verschiedenen Gewerbe- Forderungsanftalten Deutschlands als ein vorbildliches Institut & Axen dritten Geschäftsbericht für das r6 veröffentlicht, depen Ergebnis in jeder Hinsicht als günstig .bezeichnet wird. Der Umsatz, das heißt, der Betrag für die im Berichtsiahre abgelieferten Maschinen, Werkzeuge und QUT‘ E. gestiegen, hat sich demnach f kJ •£ r5 Prozent erhöht. Dieser Steigerung emspricht auch die Zunahme des Geschäftserträgnisses, es ergibt L?^0esamtgewinn von 23 076 Mk. gegen 16153 Mk. Allerdings stehen dieser Gewinnzunahme auch erhöhte Geschäftsunkosten gegenüber, die entstanden durch Anstellung emes besonderen Montagebeamten, der erforderlich wurde infolge der Einrichtung eines dauernden Musterlagers bei der Zentralstelle für die Gewerbe, ferner durch Heranziehung zur 9 d??^G/wiihrung bDn Remunerationen an Wnr? Ä ort.tiv6r eibH Lonracb em Reingewinn von 10622 Aork nach Abzug dieser Unkosten und den Abschreibungen auf ^odlliar.sowie der Rückvergütungen an Kunden. Die^Bertet- lung dm es Gewinnes erfolgt dur,ch Gewährung einer vier- prozentigen Dividende auf 50 000 Mk., Ueberweisimgen an die Reservefonds Vergütung an den Revisor und Vortrag auf neue Die Reserven würden sich alsdann auf 14 300 Mk. 2-k ’ Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind bereU8 aui reichlich Kampfe um den ländlichen Bürgermeisterstuhl. In vielen Orten Oberhesiens entbrennen alljährlich bei den Gememderoahlen heftige Wahlkämpfe, die sich mitunter bet den Bürgermeisterwahlen zu großer Heftigkeu zufpitzen. Die Vorgänge gerade bei diesen Wahlen haben in den letzten Jahren wiederholt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, und nicht selten haben sich die maßgebenden Faktoren mit den Ereignissen vor und während der Wahl belasten müssen. Eine langjährige Uneinigkeit in den einzelnen Getnemden rst des öfteren die Folge der Wahloorgänge, mcht selten werden die nächsten Verwandten und früheren Z-reunde zu heftigen Gegnern. Das Feuer der Wahlbegelste- rung wird in den Dörfern fast stets durch einzelne „Mächer" oder — rote auch der oberhessische Ausdruck lautet — „Be. gaigeler" geschürt. Diese gehen vor den Wahlen von Haus zu Haus und „gaigeln", d. h. agitieren für ihren Kandidaten. Sie sind es auch, die die Wähler in den Wirtschaften nut Freibier und Freiessen traktieren und dadurch der Wahl- begeisterung etwas mehr auf die Beine helfen. Tie Kandidaten müsien hierfür große (Summe aufbringen, nicht selten 1000 unb mehr Mark, ja sogar in manchen Orten bis 3000 Mk. Besonders große Festgelage finden nach der siegreichen Wahlschlacht statt. Der glücklich Gewählte schlachtet ein bis zwei Schweine, seine Wähler erscheinen, es hebt ein fröhliches Zechen und Schmausen an, bis alles vertilgt ist. Aber auch die Frauen der Wähler, ja die ganze Familie will ihr Teil haben von Freibier, Fretessen und süßem Schnaps. Es ist aber ganz nalür'ich, daß die durch das Freibier erhitzten Köpfe sich zu Ausschreitungen gegen die Gegner hinreißen Gossen, und daß es da nicht immer beim Schimpfen bleibt, häufig geraten denn auch die durch billiges Essen und Trinken gestärkten Arme gegeneinander in Bewegung. Terartiqe Wahlkämpfe haben sich in letzter Zett wieder in mehreren schloß die Uebernabme der Obligationenanteile rote sie von dem Babnbankomitee für die Babu Wetzlar—^ Butzbach festgesetzt war. Damit dürfte die Ausführung Projekts der Teilstrecke Butzbach—Ebersgöns auf hessischem Gebiet gesichert sein. Die Weiterführung der Linie kommt erst nach Festlegung des Projektes für den neuen Personen- bahnhof der Station Wetzlar in Betracht. s. Gleiberg, 3. April. Die weithin schattenden Böllerschüsse, die in der Frühe des 2. Ostertages von unserer Burg ertönten, weckten manchen Langschläfer aus dem Schlafe, aber nur wenige mochten wissen, was die Schüsse zu bedeuten hatten. Sie galten unferm treuen Burgwirt Niebergall. Er blickte nämlich am 1. April auf eine 25jährige Tätigkeit als Burgwirt zurück. Herr Niebergall konnte bereits im vorigen Jahre im Kreise feiner Verwandten unb Bekannten das 25jährige Ehejubiläum feiern und so ist denn der diesjährige 1. April ein weiterer Ehrentag für ihn geworden. Hat er es doch aufs beste verstanden, sich tfre Sympathie aller Besucher des Gleibergs zu erwerben. Im Oktober 1904 waren es 25 Jahre, daß der Gleibergverein die Ruine in Besitz genommen unb sie wohnlich gestaltet hat. Allein was wäre bie Burg mit all ihrer Aussicht, wenn ihre vielen Besucher nicht auch zugleich dort oben ein gastliches Heim finden würden! Unb bas bereitet ihnen ber langjährige Vurgwirt. — Friedberg, 3. April. Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird in den städtischen Volksschulen der Unterricht in ber französischen Sprache eingeführt. An dem Unterricht nehmen die befähigsten Knaben und Mädchen vom 5. — 8. Schuljahr in wöchentlich vier Stunden teil. — Das hessische Tuberkulose-Wander-Museum soll demnächst auch nach Friedberg kommen. Tie Stadt hat die erforderlichen Räume zur Verfügung gestellt. + Ober-Seibertenrod, 3. April. Nachdem unsere eine Kirchenglocke schon längere Zeit gesprungen war, bekam auch die andere im letzten Winter wahrend des Läuten? einen Riß. Die Gemeinde mußte deshalb ein neues Geläute an- chaffen. Tas neue Geläute traf auf Ostern ein und hat den Beifall der ganzen Gemeinde gefunden. Es wurde her- gestellt in der Glockengießerei zu Apolda; die beiden Glocken kosten 800 Mark und Dreingabe der alten, zersprungenen Glocken. § Aus dem Ohmtal, 3. April. Nachdem nun der Frühling feinen Einzug gehalten, lassen sich auch die Schäden des Winters feststellen. Wer im Garten seine Edelrosen nicht gut verwahrte, dem sind sie erfroren. Bienenvölker sind viele eingegangen. Tie schlecht verwahrten Tickrourzhausen im Felde haben ebenfalls Not gelitten. Auf nassen Aeckecn ist die Kornsaat ausgefroren, sonst aber haben Winterfrucht, Klee unb Raps besser überwintert, als man erwartet. th Büdingen, 3. April. Der Gepftogenheit feinet Väter folgend hat Fürst Wolfgang zu Isenburg. Büdingen ebenfalls sogenannte Schnepfenheller in Kupfer prägen lassen, von denen er nach alter Tradition eine Anzahl am 2. Osterfeiertage unter die Schuljugend warf, die sich zahlreich vor dem Schloß versammelt hatte, um nach den Münzen zu Haschen. Die geprägte Münze zeigt eine laufende Schnepfe und auf der Rückseite den Namenszug des Fürsten und ist überaus sauber hergestellt. Die Sitte der Isenburger Fürsten, diese Schnepfenheller in den Verkehr zu bringen, erinnert an das Münzrecht, das die ehemaligen Grafen zu Isenburg früher besessen haben. Der neue Heller hat selbstverständlich keinen Münzwert, bildet aber ein überaus begehrtes Objekt für Münzsammler und für die Buben in Büdingen, die einen Hauptspaß daran haben, sich um diese Heller alljährlich zu Ostern zu balgen. Gefühl hat m.ns getrieben. Ein ganz einfaches, primitives Gefühl, uifr) gerade darum eins von jenen, das alle Klassen einigt. Die Parteiredner haben cs hundertmal in Wahlversammlungen uni> Zeitungen gesagt und wieder gesagt, betont und wieder betont, dieses Gefühl. Aber ihr sogar, Friedrich Naumann, habt so wenig an seine Wirksamkeit geglaubt, daß ihr es in eurer Liste der Möglichkeiten kaum erwägt! Das deutsche Volk hat im letzten Dezember einen Vorgang erlebt, der «alle rief. Alle, die deutsch fühlten. Wir alle wußten, daß in Südwestafrika Krieg war. Daß Deutsche, unsere wackeren, tapferen Brüder draußen im Felde standen, gegen einen nicht geschlagenen, tückisch fechtenden Feind. Die militärische Leitung — die einzigen Sachverständigen, die wir befragen konnten — hatten auf ihr Gewissen versichert, daß eine bestimmte Truppenzahl aufrecht erhalten werden müsse. Verpetzt uns nicht falsch: wir waren so wenig gewiß als irgend wer, daß dies unbedingt so sein müsse, daß jene Sachverständigen und die Regierung nicht vielleicht zu schwarz satzen. Das kümmerte uns nicht in jener Stunde. In solchem Zweifelsfalle gibt es in Vaterlandsfragen nur eins: Handeln. Und was sahen wir? Proteste, Gegenanträge, Versuche, die Regierung zu drücken: als ob es sich um eine gewöhnliche Handels- und Schachcrfragc handelte. Das verstanden wir nicht, als Deutsche. Oder »vir verstanden cs zu gut. In solchen Augenblicken gilt nur eine Losung: Zusammenstehen gegen den gemeinsamen Feind. Alles Rechnen und Abrechnen für später. Nationales Empfinden verträgt in solchen Fragen weder Zaudern unb Feilschen. Darum standen wir auf und kamen zur Wahl. Die Veteranen und hinfälligen Greise, wie die jüngsten Wahlberechtigten. Nicht um für die Regierung, nicht um für Liberalismus oder Freisinn Ja zu sagen: um fürs Vaterland ein lautes und weithin hörbares Votum abzugeben. Seid tzewiß: waren die Zentrumswähler nicht sicher gewesen, daß sogar ihre Abgeordneten, wenn es die Umstände verlangt hätten, in rrgend einer Weise für die nötigen Kriegsforderungen gestimmt haben würden, das Zentrum hätte nicht 400 000 Stimmen gewonnen. Und Id.ie Mitläufer der Sozialdemokratie wären auch diesmal nicht abgefallen, wenn sie nicht auf ihre nationalen Pflichten als Deutsche besonnen hätten. Der Tag ist vorüber: die Partei der Nichtwähler hat ihn entschieden. Wir kehren in unsere Kreise zurück, und hoffentlich werdet ihr lange nichts mehr von uns hören. Aber wenn dos Vaterland auch nur mit einem Worte nach uns ruft, werden wir Wieder zur Stelle sein, alle." So schön und trostreich diese Worte auch sind — es wäre doch besser, roenn die Herren Nichtroähler nicht nur in der „Stunde der Gefahr" auf dem Plane erscheinen roollten — denn im letzten Grunde handelt sichs immer ums Vaterland. Wahlpsychologisch aber hat der Artikelschreiber recht; das Gefühl für das Vaterland hat die „Nichtroähler" zur Urne getrieben. Und das ist erfreulich, denn es beroeist, daß auch die Lauen und Bequemen, die Aestheten und konsequenten llsichtpolltiker aus Ueberzeugung, die, rote der Verfasser dieses Artikels sagt, von der Polüik nichts verstehen, wetl sie andere wichtige Aufgaben zur geistigen Förderung und Hebung des Drenschengeschlechts zu erfüllen haben, ihren antipolttischen Standpunkt aufgeben, roenn das vornehmste Gefühl des bürgersich-politijchen Menschen, dte Liebe zum Vaterlande, zur Tat werden muß. „Henneberg-^eide“ v. Mk. 1.10 ab! — zollfrei! Muster an Jedermann! Nur direkt v. Seidenfabrkt. Hennebero, Zürich. Telefomscfne Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Hande) und Industrie. Giessen. Frankfnrter Börse. 4. April. 1.15 Uhr. Beichsanleihe . 96.401 Elektriz. Lahmeyer Konsole do. °Wt. s., 1 6i*n. %06S । .®e,neinx !9«tionb;,«t k! 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