Nr. 176 Zweites BlE 157. Ä Kanzeln Bischofs eucha - Die neue Aula ist vollendet. In aller Nutze und Stille ist sie erstanden und gestern abend konnte in Anwesenheit des Ministerialrats Weber, zahlreicher Professoren, der leitenden Baumeister rc. Dienstag 30. Juli 1907 ,A Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion.S^AliL. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. ril'tlschen Kongreß enthält. Die Freidenker-Vereine zu Meß, Straßburg, Colmar, Mülhausen veranstalten in den Tagen des eucharistischen Kongresses öffentliche Demonstratio n sv e rj a mm lu n g e n gegen den Wunderglauben an das Sakrament. gab dem Danke der Landesuniversität für die hochherzige und freisinnige Stiftung in warmen Worten Ausdruck. Die modernen Mächte des Handels und der Industrie, die sich in engem Zusammenhang mit dec Entfaltung der städtischen Freiheiten entwickelt hätten, sie Hütten stets auf Seiten der Aufklärung, des geistigen Fortschrittes gestanden, und es sei hocherfreiilich, daß die Kaufiilannschaft Gießens dieser alten Verbindung bei dem Jubelfest der Universität Aiisdruck verleihe. Die Arbeit der Universität sei ein beständiger Kampf, ein Kampf gegen Stunipfheit und Irrtum; in glücklicher Weise habe sich die Kaiifinannschast der Worte Montecuculis erinnert, daß 511111 Kriegführen erstens, zweitens, drittens Geld gehöre. Die Stiftung der Kaufmannschaft gewähre unserer jungen Mannschaft die Mittel, sich treffliche Waffen zu be- chasfen, sich weiterzubilden in ihrer Führung. Jubiläumsspendeu. Freiherr von Heyl zu Herrnsheim hat den Künstln fti tut en der Liü>oviciana als Grundstock zu einer Sammlung von Werken hessischer und mittelrheinischer Kunst 3000 Mk. hochherzig gespendet. Auch sonst sind von hiesigen und auswärtigen Kunstfreunden, die zumeist^nicht genannt sein wollen, diesen Instituten weitere namhafte spenden zugewendet oder in Aussicht gestellt ivorden. Straßburg i. E., :d9. Juli. Von allen : Diözese Metz wurde gestern ein Hirtenbrief des 'lesen, dec ein Schre ibe-n des Papstes zum Versuches Reich. Berlin, 29. Juli. Die Zahnoperation, der sich ?r Reichskanzler Fürst BüLow hat unterziehen müssen, t ala mit gutem Erfolge beendet anzusehen. Dec Kanzler ird wahrscheinlich das vorliegende Arbeitsmaterial in Berlin ufarbeiten und sich dann direkt uon hier zum Vortrage beim aijer nach Swinemünde begebens. Der Monarch beabsichtig nd) der Rückkehr von der Nordilandreise, wie schon früher 'meldet, in Swinemünde einer Schießübung vor- lZsichtlich am 1. August beizunaohnen. Von dort dürfte sich ülow in den ersten Tagen d4is August nach Norderney nückbege.ben, um dort seinen Unterbrochenen Urlaub fort- > setzen. — Ueber die Besetzung d-es posener Eczbischofs- uhles sind noch keinerlei Bestimmungen seitens der eußijchen Negierung getroffen worden. Nach Eingang der orschläge des Domkapitels Posim-Gnesen sind Verhandlungen pflogen worden, die noch foiÄauern und deren Beendigung lschemend noch in weitem FeUj-e steht. — Dem Verl. Lokalanz. zufÄge begibt sich eine Stu die n- «mmission unter dem Gehemien Baurate Wittfeld aus m Ministerium der öffentlichen Arbeiten nach den Ver- ligten Staaten von Nordamerika, insbesondere zur Besich- ;ung elektrischer BahnaoAagen. •— Wie die „B. Z." von ^verlässiger Seite erfährt, ver- ntet, daß Chinesen als Arbeiter nach Deutsch- ftafrika eingeschisft werden sollen. Die Vorbereitungen en im Gange München, 29. Juli. In einer Ministerial- ekanntmachung über die Automobil-Touren- hrt heißt es: Die Erfahrulig habe gezeigt, daß Zuver- sigkcitsfahrten leicht in Schtnellfahrten ausarteten und durch ' Anhäufung vieler Fahi^euge den öffentlichen Verkehr den. Die Genehmigung zu solchen Veranstal- ngen in Bayern rcerb»e deshalb versagt, weil sie •ignet sind, den öffentlicheit Verkehr zu stören. die erste Beleuchtungsprobe stattfinden. Verstummt sind nun alle Zweifel. In ruhiger Vornehmheit präsentiert sich der hohe und breite Saal. Nirgends eine Ueberladung mit deko- rativem Schmuck, überall das Bestreben, die schöne und zugleich praktische Architektur durch ihre Einfachheit wirken zu lassen. Die zivei großen Lüster sind von höchster schlichter Schönheit. Lang fallen von den beiden Doppelleuchtkränzen Glasgewinde gleich blitzenden Strahlensträhnen herunter und tauchen den Saal in flutende Helle. Die wie der ganze Naum im Grundtone weiße gewölbte Decke ist nur durch gelblich getönte Quadrate diskret geziert, und die ganz schmale hellblaue Umränderung der Flachornamente am einzigen'Nang wie an der ornamentalen Barockumrahmung der drei Fürstenporträts gibt dem ganzen Saale die besondere zarte dekorative Wirkung. Jedenfalls besitzt Gießen in dec neuen, in schönen Barockformen errichteten Aula (Näheres von ihr ist bereits in unserer Nr. 140, 2. Bl., vom 18. Juni gesagt worden) eine der erfreulichsten unter seinen neuen Bauten, em Werk von kühler und doch behaglicher vornehmer Nutze, sein geschmackvollstes, stilvollstes Saalgebäude. Zur Ziu v^sitt'üsferer. Die Ankunft S. K. H. des Großherzogs erfolgt, Ivie bereits mit gereift wurde, am Mittwoch nachmittag gegen 4V3 Uhr Mittelst ^onderzugcs. Bei der Fahrt zum Alten -Lrchwß werben Vereine und bin Teil der Jugend Spalier stehen. Als Vertreter des Kaisers wird der kommandierende General des 18. Armeekorps, General der ^istanteriee von Eichhorn an der Dreijahrhundertfeier der Land esunwersitüt teilnehmen. Die Jubiläumsgaüe der Gießener Kaufmannschaft wurde am Samstag Sr. Magnifizenz, Rektor, Geh. Hofrat, Professor Dr. Behaghel, durch die beiden Vorsitzenden dec Handelskammer, die Kommerzienräte Koch und Heichelheim, und Stadtv. Helm, dem bet dieser Stiftung durch seine hingebende, und verständnisvolle Mitarbeit besondere Verdienste zur Seite stehen, überreicht. Dem wiederholt vertretenen Wunsche, daß die lieber» reichung der Urkunde in das Programm des Festaktes aufgenommen werden möge, konnte nicht entsprochen werden, um dessen weitere Belastung zu vermeiden. In gleicher Weise mußten darum auch bte übrigen Stifter beschieden werden. GeneralratswahLen und Uriruheu in Frankreich. 3ü 11iqVn 'Emu; nunmehr vorliegenden end- :kä HJRr yLWL'L'«'S« gilt Linen, sowie 565 Radikale und Sozürliftisch-Radtkale I totomm gewinnen,^unabhängige Sozialisten, die 2 Sitze ge- I tonnten, unb 6cemrgte Sozialisten, die ebenfalls 2 Sitze gewinnen -In dem Bezirk Sr. Martin sind ernste Unruhen I nut ^en gestrigen Genemiratswahlen aus- ijcuijo.)cn. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei welchem viele fehlen^wch^^ b^ toorben stnd. Einzelheiten über den Krawall : I ll9 ^uem Liebesm ahle durchzogen die Offiziere des gestern nacht in Lark angeheitertem Juitande das Militärlager von Chalons und sangen Lieder nrh V 5tcI 0s kam zu Begegnungen, i>'.e mit Heraus- e?r u n Sudeten. Der kommandiererüoe General gestattet ieb0»-, , Zwnk-imp,e^ sondern geht disz,iplinarisch vor Q u i m p e r, ^9. Juli. Gestern sind in P l 0 u g a st e l ernste Unruhen ausgebrochen, wobei dec Abgeordnete und ^nrgermeister von PL-zenet. ein kons. SenaU.r nnü dessen J«u V r ? ” ?? gr 1TJen und verletzt wurZ.en. Mehrere R e- ) 0 l v er f ch u | s e wurden abgefeuert. Das Rathaus in Plougastel ist zurzeit verbarrikadiert. Gendarmerie-Äerstärlung ist nach dorthin adgegangen. } Nach einer einleitenden Ansprache an Se. Magnifizenz verlas Kommerzienrat Koch die in künstlerisch ausgeführter Mappe ruhende Adresse, deren Wortlaut wir wiedergeben: „Beim Herannahen des Jitbiläums unserer Universität regten sich in iallen Schichten unseres hessischen Volkes Herzen und Hände, uni diese weit über die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes hinaus bedeutungsvolte Feier würdig' begehen zu helfen. Von dem Gefühle inniger Zusammengehörigkeit durchdrungen, wie es in entern drei Jahrhunderte hindurch gemeinsam getragenen Geschick begründet ist, nwllte die Gießener Kaufmannschaft nicht zuruckitehen im Kreise der Gratulanten. Sie empfand es als ein Bedürfnis, der ehrwürdigen verdienft'pollen Jubilarin, die uns in stets wachsendem Maße von ihren geistigen Schätzen mitgeteilt hat und in deren segensreicher Entfaltung unsere Stadt eine ergiebige Quelle wirtschaftlichen Emporblühens erblickt, dank- hare Verehrung zu bekunden. Tie Anregung der Großherzoglichen Handelskammer, als bleibendesl, äußeres Zeichen dieser Gesinnung eine Jubiläumsgabe darzubringen, fand in den Kreisen von Gießens Handel und Industrie freudige Aufnahme. Wir fühlen uns hochbeglückt, eine Stiftung im Betrage von 18 581Mk. überreichen zu können, die bestimmt ist, im Sinne der Geber als „Stipendium der Gießener Kaufmannschaft" würdigen Jüngern der Wissenschaft den Weg zum Ziele erleichtern zu helfen. Einen hohen Senat ersuchen wir gemäß der beigesügten Satzungen an der Verwaltung der Stiftung gütigst teilnehmen zu wollen. Möge die Universität Gießen als Stätte der Forschung wie der Lehre ^blühen und segensreich wirken bis in fernste Zeiten." Se. üstagnifizenz Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel rrusians. S k a g e n , 29. Juli. Wegen Nebels erfolgte die Abreise des deutschen Kaisers von Bergen erst am Sonntag früh 6 Uhr ^as Weter klätrte sich aber während der Reise auf. Der Kaiser hielt am Sonntag morgen Gottesdienst an Bord ab Tie An- runst in Skagen wird gegen Mitternacht von Sonntag zu Montag erfolgen. Ati Bord ist alles wohl. c. ^Len' 29- Juli. Wie die „Zeit" authentisch erfährt, findet die Entrevue zwischen Kaiser Franz Josef und König ^on England am 15. August in Ischl statt. r Die Morgiublatter melden aus P e t e r s b u r g - Am 29 Juli «folgte die Ankunft des französ. Generals Brun. Der Empfang der-selben siel außerordentlich kühl aus, was großen Eindruck machte. Gleichzeitig sind m der konservativen russischen Presse ?.e J. j 6 e Angriffe auf Pieguard undClemeneeau hinsichtlich ihrer schwachen Haltung gegenüber dem Antimilitarismus erschienen. Der „Berl. Lok.-Anz." meldet aus Petersburg: Unter beut Zug e des Großfürsten Peter Nikolajewitsch platzte bei der Station Slawjanka eine Bombe, ohne wesentlichen Schaden anzurichten. •r, a b r i b , 29. Juli. Die Tagung des Parlaments tst geschlossen worden. ^-^^lterdam, 29. Juli. Nach einem Telegramm des „Jueuiöe Rvtterdamsche. Curant" aus Batavia griff die Bevölke- rnng der Ortschaft Matander auf Celebes eine aus 8 Mann bestehende Jnfanterieabteilung an und machte s i e n 1 e ö e r. Eine Abteilung Polizeitruppen ist nach Matander abgegangen. Der Fackelzug geht durch folgende Straßen: Leihgesternerweg, Ludwigstraße, Aulaplatz, Götheftraße, Stephanftraße, Gartenstraße, um den Lud- wigsplatz, Gartenftraße, Neuen Baue, Schulstraße, Marktplatz, Mäusourg, Kreuzplatz, Seltersweg, Frankfurter Straße und Liebig- straße. Tas Zusammenwerfen der Fackeln erfolgt auf der Wiese östlich der Auffahrt zur Festhalle. Unter Bezugnahme auf unsere kürzliche Notiz über die Fahrt des Großherzogs und der Großherzogin zur Besichtigung dec Beleuchtung der Stadt ist noch nachzutragen, daß Ihre Kgl. Hoheiten auch das Zusammenwerfen der Fackeln auf bem Festplatz unterhalb der Festhalle an der Liebigstraße mit ansetzen werden. Die hohen Herrschaften werden deshalb auch noch andere Straßen als die zuletzt genannten durchfahren, so einen Teil der Süd-Anlage, Goethestraße, Ludwig- straße, Liebigstraße 2c. Feuerwehr-Bereitschaft. Bei der morgen e Beispiele —, daß selbst nach einer vorübergehenden Auflösung der Tag, an dem man „sich wieder auftat", als neuer Stistungstag gefeiert wurde. Von dieser Zeit an hat die Hassia bis auf den heutigen Tag bestanden und auch, mit einer vorübergehenden Ausnahme in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre, MUlft^hhrMen, Gießener s?. E. angchörl. Zur Lage irr Marvtw. Tanger, 29. Juli. Buchta Ben Bag da di ist nicht uehr weit vom befestigten Marktflecken Ehechonan entfernt. Haifuli ist mit Mac Lean weiter nach Süden gegangen. Sie Mahalla, die von Elksar aufgebroshen ist, geht gegen vor. Mac Lean unternahm einen Fluchtversuch rnter dem Vorwand, auf die Jagd zu g,ehen; er wurde aber viedec emgeholt und darf das Zelt iÄid)t mehr verlassen; nid) ist ihm sein Diener genommen u«p.d die Erlaubnis zu chreiben vevsagt worden. — Bei dem am Samstag statttzehabten Kampfe er- ' eutete die Mahalla einige 60 Frauen vom Stamme >er ElkmeS. Man glaubt, daß dieser Umstand den Stamm zu bestimmen kann, gegen Raisuli zu marschieren. — Der Pascha Abel -Rahm a.n hat Verstärkung zur Wiederaufnahme der Verfolgung d-rs Ttzronpräten- ^.'ten verlangt. Von den 24 Verwundeten seiner Truppe ind 17 tätlich verletzt. ' ------- ----' ■■ ----» Ein turkisch-griechifcher Konstitt. Konstantinopel, 29. Juli. Die bereits vorgestern ngekündigte Aktion der Türkei in Athen ist sehr rnster Natur; sie erfolgte in folgender Depesche an den strkischen Gesandten: ^Entgegen den Verträgen und den Ver- cherungen des Ministers des Auswästigen und des Minister- räsidenten steigt täglich die Zatzl der griechischen Zand en, und beträgt bereits iwehr als hundert, wovon ine große Zahl unter Kommando von griechischen Ofsi- ieren, die falsche Namen führen, steht. „Wir müssen an le Weisheit und die Voraussicht Lec griechischen Ntmister ppellieren und sie energisch an den Respekt vor den ab- rschlossenen Verträgen erinnern, dairnit alle den Banden an- ehörenden griechischen Offiziere sosvrt zurückberufen werden, nd seitens des Athener Komitees !pen Banden fein Beistand -ehr geleistet werde." Diese Depufche wurde an den türki- hen Botschafter gesandt, um sie den Großmächten zur enninis zu bringen unb die Großmächte um Unterstützung ei dec griechischen Regierung zu ^.'suchen. II. S i c Festlichkeiten selbft umfassen vier Tage und Mieten saft zuviel an Abwechselung. Tie beiden ersten Tage waren jmehr für die Aktiven und die Gäste der Kartell- und befreundeten Korps bestimmt, doch erschienen bereits am Begrüßungsabend aus dem Korpshause gegen 40 alte Herren. Die Begrüßungsrede hielt der erste Chargierte, stud. jur. Pilger. Am Sonntag begannen die Festlichkeiten mit einem Musikfrühschoppen in der „Stadt Mainz", der, da die Räumlichkeiten die Menge der Teilnehmer kaum zu fassen vermochte, unter dem Jubel der angesommelten Jugend aus den Kreuzplatz verlegt wurde. Die Feststimmung konnte durch den eintretenden „Nassauer" »war unterbrochen, aber nicht heruntergedrückt werden. An den Frühschoppeir schloß sich ein vorzügliches Essen aus dem Korpshaus. Währenddessen hatte Jupiter Pluvius bereits ein freundlicheres Gesicht gemacht, und so konnte um 5 Uhr die geplante Wagenfahrt nach dem Gleiberg bei herrlichem Wetter begonnen werden. Nur mit Mühe kamen die ca. 80 Teilnehmer in den 16 Wagen des Hofkutschers Huhn unter. Die Fahrt ging durch die Hauptstraßen der Stadt zunächst Nach dem Windhofe, wo in kurzem Aufenthalte den fremden Gästen das alte und doch neue Pauklokal des Gießener S.C. gezeigt wurde. Bei dem Herannahen an die Burg Gleiberg, auf deren Bergfried die schwarz-weiß-rote Fahne flatterte, begrüßten Böllerschüsse die Festteilnehmer. Oben angenommen gruppierte man sich zunächst malerisch zu einer photographischen Aufnahme im Burghofe, dann wurde die herrliche Aussicht genossen und hierauf noch ein Stündchen gesungen und gezecht. Der wohl- woUgelungene Tag und mit ihm der erste Teil des Festes schloß mit einer Exkneipe in der „Stadt Mainz". Die beiden letzten Festtage sahen für Montag einen M u s i k f r u h s ch o p p e n auf dem Korpshaus, ein einfaches Mittagessen in teins Garten und abends den großen Feftkommers ebendaselbst vor. Die Teilnehmer begaben sich in einfachem Zuge von der „Stadt Mainz" aus mit Musik in das Kommerslokal. Der Dienstag wird mit einer feierlichen Konvent auf dem Korpshaus eröffnet, au dem sich die Aufnahme des großen Stiftungsfestbildes fn Steins Garten schließt. Hierauf findet ein Frühstück im Saale des GesellschaftsVereins statt, und nachmtttags das Garten- f e ft in Steins Garten. Für den Vormittag des 31. sieht das Programm noch die iZesichttgung der im Besitze des Korps befindlichen Gegenftände Dor, die für die Korpsgefchichte der Hassia und zum Teil auch anderer Korporationen wichtig sind. Tie seit zwei Jahren reichsam ^gefummelten Tenkstücke beginnen mit dem Ende des 18. Jahrhunderts und sind zum Teil äußerst wertvoll. Tie Führung wird Prof. Dr. Schmitt übernehmen, der, wie uns mitgeteilt wird, die Gegenstände gelegentlich auch einem größeren Publikum -ugänglich zu machen beabfichtigt. Aus Stadt und Land. Gießen, 30. Jnli. • * Landes Universität. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Prioatdozenten für Psychiatrie Dr. Adolf Dannern ann zu Gießen zum außerodentlichen Professor bei der mldizinischen Fakultät und den provis. 1. Maschinisten bei der Zentrale der „Neuen Kliniken" Justus Haas in Gießen zum Werkmeister bei der Augenklinik der Landesuniversität ernannt. * * Bo m Großh. Hofe. Ter Ma Hara d sch ah von Bikanier in Indien wird mit Gefolge heute nachmittag von Wolfsgarten abreisen und von dem Großherzog wieder nach Groß- Gerau geleitet werden, von wo aus die Abfahrt mit dem fahrplanmäßigen Zuge über M^inz-Köln kurz nach zwei Uhr erfolgt. * * In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog ,am Samstag u. a. die Oberleutnants v. B o e l tz i g And v. Pentz (Ernst) vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Grvßh. Hess.) Nr. 116, beide kommandiert von der Kriegs- jakademie zur Dienstleistung beim Garde-Dragoner-Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 23 taib Kulruringenienr Wal le ck von Gießen. > ** Kreisamtspersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kreisamtmann bei dem Kreisamte Mainz Dr. Emil G a ß n e r zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Friedberg, den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Lauterbach Hch. Gebhardt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, den Negierungsassessor Konr. Löhlein zu Offenbach zum Kreisamtmann, den Negierungsbaumeister Ludw. Pietz aus Darmstadt zum Kreisbauinspektor des Kreises Worms und den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Büdingen Gg. Ewald zum Kreisamtsgehilsen bei dem Kreisamt Oppenheim ernannt und den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Oppenheim Gg. Schinitt auf fein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen. ** Der Bürgerverein Gießen hielt gestern abend unter dem Vorsitz des Lehrers Val. Müller im „Einhorn" eine in Anbetracht der Jahreszeit recht gut besuchte Bürger-Versammlung ab, m der Professor Dr. Sommer über die Beziehungen zwischen Stadt und Universität sprach. Der geschätzte Redner gab insbesondere ein Bild von der baulichen Entwickelung der Universität und den Einfluß, den sie damit auf die Gestaltung des Stadtbildes ausübte. Sodann verbreitete er sich über die Vorzüge Gießens als Sitz einer Universität, die hauptsächlich in seiner guten Verkehrslage und der herrlichen Lage bestehen. Letztere gewährt richtige Erholungsmöglichkeit und damit die Möglichkeit einer Konzentration der Geistestätigkeit, die Gießen zur hervorragenden Arbeitsuniversität macht. Zum Schluß wies Prof. Dr. Sommer auf das gute Verhältnis zwischen Stadt und Universität hin, das allezeit bestanden ulld zu einer gegenseitigen Durchdringung des akademischen und bürgerlichen Geistes geführt habe, der beiden zum Vorteil gereiche. Mit dem Wunsche, daß dies auch in Zukunft so bleiben möge, schloß der gehaltvolle, mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag. (Da er in vieler Beziehung für das größere Publikum neues bietet und manche sehr beachtenswerte Anregungen enthält, werden wir den Vortrag seinem wesentlichen Inhalt noch zum Abdruck bringen.) Im weiteren Verkauf des Abends gab Fabrikant Horst die Antwort der Bürgermeisterei auf die vor kurzem an die Stadtverordneten - Versammlung gerichtete Eingabe des Bürgervereins wegen des Standes verschiedener städtischer Angelegenheiten bekannt. Danach ist 1.: Der Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung wegen der Vorarbeiten zur Erbauung einer elektrischen Straßenbahn ausgeführt; 2. die Vorarbeit wegen einer Revision des Ortsbaustatuts im Gange. Die Vorlage ist für den nächsten Winter zu erwarten. 3. Wendet die Bürgermeisterei den für Gießen in Betracht kommenden Bahnpcojekten fortgesetzt größte Aufmerksamkeit zu. * * Kunstver ein. Tie Geurüldc-Ausstellung am Brand ist während der Univcrsitcüöfvier wie folgt geöffnet: Mittwoch von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen, Donnerstag und Freitag von 11 bis 1 und von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Samstags von 11 bis 1 Uhr und Sonntag von li bis 3 Utz. unterbrochen. * * Der Bauersche Gesangverein unternahm am vergangenen Sonntag einen Ausflug nach Brauniels. Nach Besichtigung des Schlosses traf man sich im Solmser Hof. Der musikalische Verein Wetzlar Hatto gleichzeitig einen Ausflug nach Braunstls unternommen. Gesangs-, Solo- und komische Vorträge der beiden Vereine wechselten miteinander ab. Herr Böhme, Besitzer des „Solmser Hofs", und sein Sohn unterhielten durch ihre schönen Vorträge die Ausflügler aufs beste. Auch die Jugend kam durch ein eifriges Tanzen zu ihrem Rechte. Die schön verlebten Stunden werden jedem Teilnehmer noch lange im Gedächtnis bleiben. * * Kolosseum. Heute findet die Abschieds-Benefiz- Vorstellung für den Komiker Neumüller statt. Morgen arbeiten das alte und das neue Programm zusammen, also ein Riesen-Programm, niemand versäume, sich selbes anzusehen. * * Verhaftet wurde ein verheirateter Bahnbe - diensteter von hier, wegen Vornahme unsittlicher Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren. * * Hebersähren wurde von einem Bäckerwagen in der Franksurterstraße ein 5 jähriger Junge. Er erlitt dabei nut geringe Verletzungen, da den Fahrburschen aber ein Verschulden dabei trifft, wurde Anzeige gegen ihn - erhoben. ** I n Polizei haft mußte gestern abend ein Arbeiter! genommen werden, der seine Frau auf der Straße insultierte und beschimpfte und djadurch einen Menschenauslauf auf der Straße hervorrief. Jbl. Allendorf a. d. Lahn, 29. Jnli. Wie wir seinerzeit berichtet hatten, war auf der vorjährigen Synode des Dekanats Gießen der Beschluß gefaßt worden, künftighin alljährlich wie für die äußere so auch für die innere Mission ein Dekanats fest abzuhalten, wo berufene Vertreter der inneren Mission über deren Ziel, Aufgabe und Erfolge berichten sollten. Das erste derartige Fest wurde gestern nachmittag in unserer geräumigen, prachtvoll geschmückten Kirche abgehalten. Trotz festlichen Veranstaltungen in benachbarten Gemeinden war das Gotteshaus bis auf bcn letzten Platz Don einer andächtig lauschenden Gemeinde gefüllt, die von hier und dem umliegenden Dörfern trotz des strömenden Regens herbcigceilt war. Als erster Prediger sprach der Vertrauensniann des Dekanats für innere Mission, Pfarrer Wcber-Lang-Göns im Anschluß an Matth. 5, V. 7. Er legte in eindringlichen Worten dar, wie die innere Mission ein gnädigcrVater für die verlorenenSühne undTöchter unseres Volkes, ein barmherziger Samariter für die unter die Möcbec Gefallenen und em guter Hirte für die zerstreuten Schafe unseres Volkes ist und das alles aus barmherziger Liebe gegen die Nebcn- menschcn. Als 2. Redner sprach der Vereinsgeistliche der südwestdcutschen Konferenz für innere Mission, Pfarrer Schlosser-Darmstadt über einzelne Arbeiten der inneren Mission und gab in eingehender Rede anschauliche Bilder auL seinem Arbeitsgebiet, besonders dem evangelischen Jünglings- vcrein zu Darmstadt. Beide Prediger legten der Gcnieinde die groge heilige Sache der inneren Mission mit eindrucksvollen Worten und heiligem Ernste auf die Seele. Zur Verschönerung der Feier trug der hiesige Kirchengejangvcrein durch den Vortrag zweier Q'aft ansgcsiihrter Clwre sein wesenttlchcs bei. Tie beim Ausgang aus den Gotteshaus erhobene Kollekte betrug 80 Mack, die dem oberhejsischen Verein für innere Mission überiviejen wiirden. ? Eichelsachsen, 29. Jnli. Beim Heiiabladcn stürzte ein 8 jähriger Knabe in die Schcnnentcnne und zog sich schliniine Verletzungen zii, an deren Folgen er starb. x Ehringshausen a. b. Till, 29. $uli. Im Bahnhofshotel Wallbruch tagte gestern unter dem Vorsitz von Stadtschreibev Lehr von Wetzlar der Verband der Gemeinde-Beamten des Kleists Wetztar. Tas Vcrbandsmitglied Althen referierte eingehend über die Einführung einer P r n f u n g s o r d n u n g für G e in e i n de - V e a m t e n. Tie Ausführungen fanden Zustimmung und werden in Erwägung gezogen. Ein kleiner Ausflug nach der Tianaburg beschloß die Versammlung. — Lauterbach, 29. Juli. Das gestern zu gunsten der Kl e i n ki nd er sch u le hier vestrnslaltete Konzert, für das Hofop^rnchnger Stephan aus Darmstadt gewonnen war, war sehr gut bejuclA. Tie Leistungen der Mitwirkenden fanden großen Beifall. Tie Einnahme betrug 335,50 Mk. □ Krofdorf, 29. Juli. In der heutigen größeren B ürg e rm eist ere iv crs a m m lung stand u. a. die Wahl eines 2. Bürgermeistereisekretärs auf dec Tagesordnung. Unter den 8 eiugegangencn Bewerbungen wurde mit großer Stimmenmehrheit dem Bureaiigehitfen Heinrich Thome aus Fellingshausen die Stelle zuerkannt. — B r a n n f e l s , 27. Juli. Unter dein Vorsitz des Prinzen Friedrich zu Sotms-Braunfets hielt der Verein ILandeswohl- lahrt dieser Tage seine Hauptversammlung ab. Der Verein hat es fiel) zur Aufgabe gemacht, durch die Aufstellung von Santitätsjchränken, durch die Beschaffung von Badewannen und Krankenstühlen, durch die Ausbildung von Krankenschwestern u. s. s. überall in den Gemeinden des Solmser Landes die GesunbyettS- pflege zu üben. Auch zur Förderung der Jugendspiele und zur Beschaffung beuycher Volkslieder für den Solmser Sängerbund ivurden Beihülsen gewährt. Taneben geivährt der Verein Unterstützungen an bedürftige Besucher der Laubwirtschaftt. Winterschule und Prämien an solche Schäler der ländlichen Fortbildungsschulen, die mindestens 3 Winter Oie Abendschule besucht haben. '211*5 ein besonderes Bedürfnis für unsere Dorfbewohner haben sich die sogenannten Volks- unterhaltnngsabeiide erwiesen. Zum Schluffe kam Sanitätsrat Dr. Gerster auf die Errichtung des schon früher geplanten Museums zu sprechen. Es sott mit Genehmigung der fürstlichen Verwattrmg m der alten Rentei untergebracht werden und sein Ertrag dem Verein zu gute kommen. 14. deutscher Turutag. S. u. H. W o r in s, 29. Juli. (Zweiter Tag.) Die heutigen Verhandlungen leitete wieder Dr. Goetz. Von S. ft. H. dem Großherzog ist ein Tanktelegramm eingetrosfen. Ein Vercreter des deutschen Turnvereins in Tsingtau in China begrüßte darauf den Turntag. Auch heute unterhielt man sich zunächst wieder über turntechnische Fragen. Einen breiten Raum in der Verhandlung nahm eine Erörterung über des Ringen ein. Eine ganze Reihe von Einzelbestimmungen darüber werden chlicßlich en bloe angenommen. Sie sollen erprobt und dann neugeregelt werden. Berufsringer wurden von dcn Wettkümpien ausgeschlossen. Ferner wurde beschlossen, daß am Sonntage drei Wochen vor dem deutschen Turnfest P r o b e w e 11 u r n e n der angemeldeten Sechskämpfer stattfinden solle. Die Probeturnen werden in Gruppen oder in Gauen nach Bestimmungen der einzelnen Kreisleitungen vorgenommen. Als 5kampfrichtcr haben die für das deutsche Turnfest gewählten tätig zu sein. Im Bedarss- alle können Hilfskampfrichter herangezogen werden. Mit dem Probcwrlturnen ist auch ein Probeturnen der allgemeinen Hebungen vvrzunchmen. Turner, welche hierbei, die allgemeinen 'Udmngdii mangelhaft ausführen, siird von der Teilnahme am Wetturmen zurückzuweisen. Tie Bahnen zum Wettlaufen sind so breit eingerichtet, daß jedem Läufer 2 Meter zur Verfügung stehen, für vier Läuier 8 Meter. Tie Bahn jedes Läufers ist ihrer ganzen Längsaus- dchuung durch weiße Kalkstriche zu bezeichnen, oder durch Bänder abzngrenzen.. Ebenso sind Ablauf und Ziel gut sichtbar zu bezeichnen, Bsi der Ablcmfstelle sollen noch sistrs Meter freier Raum von gleiches Beschaffenhseit, wie die zn vürchlaufenve Sttecke und am Ziele 15 Meter freier Raum mit weichem Boden Verfügung stehen. Tie ganze Bahn ist durch feste Schranken vor dem Eindringen von Zuschauern zu schützen. Für das Kugelstoßen, Kugelschocken, Schleuderballwerfen und für den Eilboten, lauf iverden keine besonders befestigten Bahnen verlangt. Um einer etwaigen „Preisjägerei" vorzubeugen, wurde beschlossen, daß den offiziellen Gau- und ftrei^turntagen nur Turner teilnehtnen dürfen, die dem betreffenden Gaue oder Kreis,, angehören. Bezüglich, des Frauenturnens werden folgende Beschtüsü gefaßt. Ter einßachste und gangbarste Weg ist der Anschluß bet Frauenabteilwttgen an die in demselben Orte bestehenden, 8Uc deutschen Tuonerschaft gehörenden Männertumvereine. Frauenabteilungen, deren Anschluß an die Männerturnvereine uu, tunlich erscheint, kann die gastweise Teilnahme an den zur Förderung des Frauenturnens getroffenen Veranstaltungen der Kreise, Gaue ixtnO Vereine gestattet werden. Es ist wünschenswert, daß zu den Beratungen in Kreisen und Gauen über frauenturnerische Angelegenheiten auch sachverständige Vertreterinnen des Frauenturnens ^gezogen werden. Zur Förderung des Frauenturnens ist die Ausbildung der Leiter und Leiterinnenvon Frauenabteilungen unbedingt erforderlich. Ten Kreisen oder auch ben Gauen wird die Einrichtung entsprechender Lehrgänge dringend empfohlen. Tie Turnkleidung ist zweckentsprechend. Schnürleibchen und allle anderen die Atmung und die freie Bewegung hindernden Kleidungsstücke sind unstatthaft. Als Fußbekleidung dienen bequeme Schuhe ofyne Absätze oder solche nur mit nieberene Absätzen Schauturnen vor geladenen Gästen unb Vereinangehörigen bürsten immer zur görbertung bes Frauenturnens beitragen. Bei allem öffentlichen Auftritten ist große Zurückhaltung und Vorsicht geboten Es crschevmt wünschenswert, daß bei Kreis- und Gaufesten die turneri) dfcn Darbietungen auf dem Gebiete des Frauenturnens in erster Linie ovn ortsansässigen Frauenabteilungen veranstaltet werden. Ist im Interesse des Frauenturnens bie Heranziehung auswärtiger Frauenabteilungen notwendig, so stehi den: kein Hindennll entgegen. Tie Teilnahme von Frauenabter lungen an Festzügeii. ist nicht zu gestatten. Anerkennend wurde dabei der Bestrebungen des Verbandes für Verbesserung dc-.r Frauenkleidung gedacht. Eine vom Ausschuß ausgestellte Fechtordnung soll beim nächsten Turnfest in Frankfurt a. M. erprobt werden. Darauf erholten sich die Abgeordneten von ihrer anstrengenden Arbeit bei einem Fi:ühstück, das die Stadt gab. Beigeordneter Dr. W e v e r s begr^lßte die Anwesenden im Namen der Stadt Tr. Goetz gedachte der Stadt Worms, und Prof. Dr. H a hn gedachte der Teilnehmer am Staffettenlauf. Ein anderer Herr gedachte mit herzlichen - Worten des Vorsitzenden Tr. Goetz, und noch manche andere Rede und manches fröhliche „Gut Heil" wurde ausgebracht. Tann ging es wieder an die Arbeit. Beim Wiederbegirm dec Verhandlnngen war von Interesse ein Antrag des MaingaueS über P o li t ik u n d T urn er s ch aft Er ging dahin: Ter Turntag wolle beschließen, daß dem Vorstände der Teutschen Turnerschast mit Bezug auf den von diesem in Nr. 1 der „Teutschen Turnzeitung" erlassenen Auftuj ausgcgcben wird, solche politische Machinationen M unterlassen, da diese den Grundsayon der Deutschen Turnerschast widersprechen und außerdem geeignet sind, die Turnvereine, überhaupt du deutsche Turnerschaft *af das schwerste zu schädigen. Ter sozialdemokratische Stadtverordnete Stadtmüller- Offenbach betonte, ,daß eigentlich die Politik mit der Turnsache nicyts zu tun habe. (Levh. Beifall.) Tie Sache des Vater- landcs sei aber eine S achc, über die sich streiten lasse. (Stürm minutenlanger iderspruch.) Tie SozialdeWmokraten hätten ja auch das Recht, in der deutschen Turnerschast zu sein. (Lebh. Unruhe, Ter Redner tritt infolge der Unruhe vom Rednerpult ab. Tr. Goetz: Hundevtitausende schauen auf uns. Wir wollen doch bie Frage in RuhU behanbeln. (Lebh. Beifall.) S ch m uck- Darmstadt: Dr. Goetz hat niemals Politik in dem an gezogen en Sinne betrieben. Dazu ist er viel zu gescheit Aber er hat jahrzehntellkng bie Erziehung des beutschen Volkee geleitet. (Stürmischer P rifall.) Was geht uns bie sozialbemokr Partei an? Es ist eine Partei, bie nur befretiert, bie abci mit ber Turnsache nickst^ zn tun hat. Es ist bas Traurige an dieser Partei, daß sie do-s Vertrauen zu den Führern der deutschen Turnerschast untergraben will. Die Turner, die den vor* liegenden Antrag gestellt haben, sind nicht so schuldig, wie et scheint. Sie wollen ganz gern bei der deutschen Turnerschah bleiben, aber sie werden bedrängt von allen Seiten. — ftärn* bach - Breslau: Herr Siiadtmüller hat uns mit seinen Motten ein schweres Unrecht gelvn. (Lebh. Beifall.) Der Herr hm gefagt: „Vaterlandsliebe jjt ein Begriff, über den sich ftreiier lässt." Ich will sagen: „Vaterlandsliebe ist ein Begriff, bei den sich nicht über das Tüpfelchen auf dem i streiten läßt." (Stürm r langanhattender jBeifall.) Wir verlangen in unseren Satzungei r Pflege der vaterländischen Gesinnung. Wer die weite Welt all i Barer land betrachtet, hat wit uns nichts zu tun. (Stürmische > Beifall.) — S ch att-Haü^u: Durch das Auftreten des Hew ; Stadtmüller wird nur Zwisti und Zwiespalt geschaffen. Es jtedci . noch andere Sachen dahiwller. Der Turnverein Büdesheim hi sogar eine Summe zum Wnhlfonds der Sozialdemokratie gezeich net. (Lebh. Hört! Hört!) Wir wollen unsere Kinder zu Patriot Männern erziehen. Wir swd eins darin, daß wir für bat deutsche Vaterland in jeder Weise einzutreten haben, (©türm Beifall.) — Nach erregter .Debatte wurde beschlossen, über bei Antrag des Maingaues zkir Tagesordnung überzu gehen. Es wurde betont, ,0a ßder Antrag des Maingaues un gerechtfertigte Vorwürfe in verletzender Form gegen den Aus schuß enthalte, die zurückzuw-msen seien. Mit stürmischem Jub* wurde dein Ausschuß ein Vertrauensvotum erteilt, dazu ei schallte das Lied: „Deutfchllazsd, Deutschland über alles!" Die Beteiligung an den olympischen Spielen tourt in Aussicht genommen. Zum Vorsitzenden der deutschen Turmr schäft wurde wieder Dr. Goetz- Leipzig gewählt. ^)kach Erledigun* gefchästlicher Angelegenheiten w urde darauf der Turutag geschloyeii Vernllitzchres. * Berlin, 29. Juli. Während die Kriminalpolizc alle Hebel in Beivegung setzt, um den Urheber der ir Norden Berlins an Kindeun verübten scheußliche Verbrechen zu ermitteln, wurde heute mittag ein ähn liches Verbrechen versucht. Der Täter konnte aber sei Ziel, dem überfallenen 5kind^ den Leib aufzuschlitzei nicht erreichen, da er dwrch hinzukommende Perjone ; daran verhindert wurde. Seine Verfolgung wurde zwo sofort ausgenommen, er entzkam aber. Das Überfaller Kind ist die 12 jährige Heleme Arendt, welche bei einei Schneider ein Kleid anprobieren sollte. — Unter de zahlreichen Sistierungen ersiheim als die wichtigste d ~ Verhaftung eines sehr gefährlichen und langgejuchlc Einbrechers, die von einem Kriminalkommissar in eiiu Kaschemme vorgenommen wruche. Der Verhaftete, welch« sich Schlaffer Ernst Eckhardt nannte, wurde vom kennungsdienst als der mehrsiifch wegen Raubs, schwer Einbruchsdiebstähle und SitRichkeitsverbrechen inhaftie . gewesene Freibusch-Kopski agnosziert. Er sollte zule- । als geisteskrank in einer JrrenUnstalt bei Gnesen internie werden, entwich aber auf dem Transport. Dieser Mai nun hat erzählt, daß er den Ätord begangen hc i Wenn auch auf diese Aeußeimng cine§ Geisteskrank« kein großes Gewicht gelegt werden kann, so paßt andere ' seits das Signalement des Rtörders vollkommen auf ih sogar bis aus die Narbe, die nvan an dessen Halse geseh haben ivilll Heute abend gingen woltenbrucharti Kunft rind Wissenschaft. X Literartseye- 4 JkJ n :l mit Firmeneinaruck * Sehr billig BiühPsche Ünivers.-Drnckerei Verjährung der Vorn rasen ein: sind seit der Verbüßung der Strase eine Reihe von Jahren, deren Zahl nach der Schwere der Strase verschieden bemessen werden könnte, verstrichen, so muß jede Wirkung der Bestrafung aushören und der staatliche Anspruch, den Vorbestraften als bestraft zu behandeln, erlöschen. — „Soll in Berlin eine Universität sein?" lautet der Titel einer im Jahre 1808 anonym erschienen Schrift. Im Hinblick auf das bevorstehende hundertjährige Jubiläum der Universität Berlin geht, ebenfalls im Jnliheite von,, Nord und Süd", Dr.Hans Schmid- kunz, nachdem er die einzelnen Phasen der Gründung der Berliner Uliiversität überblickt hat, aus den Inhalt jener Schrift mit ihren zum Teil auch heut noch beachtenswerten Gründen nnb Gegengründen näher ein. Letzcre überwiegen, und der Verfasser der Schrift entscheidet sich schließlich für irgend eine Mittelstadt als Platz der neu zu eröffnenden preußischen Uliiversität. — lieber die „Berliner Kunstausstellungen 1907" schreibt Dr. Paul Kraemer. Bemerkiingeii über altgriechische Kunst biete,i die „Attischen Gedanken" von Prof. Julins voii Pflugk-Harttulig: über die athenischen Grabdeiikmäler, die archaischen Akropolisfunde, die griechischen Vasen u. a. m. Vier Briefe des einst vielgelesenen Schriftstellers Hans Wacheiihilsen an E r n st Eckstein veröffentlicht Eugen Jsolani („Zur Geschichte des Feuilletons und eines Feuillelonisteii"). Tie Briese stanimen aus dem Jahre 1875. — Als novellistischer Beitrag ist die baltische Novelle „Darthe Sernrnit" von Frances Külpe zu erwähnen. Tie Versafferin weiß die Gegensätze zwischen den deutschen Herren und den lettischen Bauern zu schildern. UniversiLLits-Nachrtchteiu — In Ann - Arbor (Michigan) starb der frühere Professor der Zahnheilkunde an der Berliner Universität, Di ü l l e r. Landwirtschaft. Eine W a n d e r v e r s a m m l u n g der B i e n e n z ü ch t e r findet vom 2. bis 8. August in Frankfurt a. M. statt. Im Senkenbergischen Miiseum am Escheiiheimer Tor ist eine umfangreiche bienenivirlschaslliche Ausstelllmg untergebracht. Außerdem sindeii ganze Bienenvölker unter den schattigen Baiilngruppen des Botanischen Gürtens Ausstellmig. An der Ausstellung beteiligen sich außer den deutschen auch die österreichisch-ungarischen Bienenzüchter. Am letzten Tage wird em großer Honign,arkt abgehalten. Gießener Wetterdienst. Vvanssichtliche Witterung sür Hessen am Mittwoch den 31. Juli: Meist trüb. Mehrfach Regenfälle. Abkühlung. Westliche Winde. 83 Frachtbriefe00 1905 wurden die ersten Spatenstiche zum Ba,i der elektrischen Zahnradbahn auf dem Montblanc gemacht, uiid jetzt, nach nur zwei Jahren, ist der Schienenweg bereits bis zum Mont Lachat (7000 Fuß), das heißt fast bis zur halben Höhe des Bergriesen, emporgestiegen. Tec Anfang der Montblanc-Bahn liegt bei Saint Gervais, ivo sie sich von der Arvetalbahn abzweigt. Die neue Bahn führt an der Nordivestseite des Berges empor und zeigt eine Spurweite von einem Meter. In dem Bauplan, der von dem Ingenieur Duportal herrührt, ist zunächst die Weitersührung des Schie,ienweges bis zur Aiguille du Goüter (3800 Meter) geplant, wo ein Aussichtshaus einen Ueberblick über die Gletscher und Klüfte von Bionnassay gewähren soll. Ter Verkehr von Saint Gervais bis zur jetzt er- reichten Station Mont Lachat soll für das Touristenpublikum in allernächster Zeit eröffnet werden ; nur müssen noch einige Stationen aiwqebaut und rollendes Material muß herbeigeschafft werden. G in Gefälle von 45 Nieter mit einer Massermenge von 10 Kubikmetern hi der Sekunde liefert die erforderliche Energie. Man rechnet übrigens darauf, daß ein Viertel der Elektrizität zur Be- lenchliing der Bahnhöfe, der Tunnel und der Wagen sowie zu deren .wiuma wird benutzt werden können. An wetteren Stationen sind I zJioaueö (8185 Fuß), Tete Rouffe (10 550), Aiguille du Goüter (12000) M und TÜme du Goüter (13 4t 5) vorgesehen. Bis zu einer Hohe von il etwa 8000 Fuß, also bis zur Mitte der ganzen Bahnstrecke etwa, ; Heal das Geleise frei und ermöglicht die herrlichsten Aussichten aus ? di> grandiose Alpenwelt des Montblae. Dami führt dle Zahnrad- W rahn bis zur Aiguille du Goüter auf einer durch den Bergabhang iH rgbohrten Galerie, die doch etliche Ceffnungen zeigt. Von der j 'Jj,nulle du Goüter muß em Tunnel zum £öme bu Goüter ge- 1 laut werden, um die Geleise vor Lawinen zu schützen. Tie ganze Slrecke soll bis zum Jahre 1911 fertiggestellt sein. Gevichtsjaai. R.B. Butzbach, 26. Juli. Das Kriegsgericht der 2 5. Division ivar gesterii hier und verhandelte über eine Anklage wegen K a Ni e r a d e n d i e b ft a h 1. Der Sergeant Krämer aus Nebra bei Queriurt voii der 2.Komp, des Inf. Regt. 168 war angeklagt, in der Schwimmanstallt zu Griedel einem dort ebenfalls badenden Unlerosstzier einen Hundertmarkfchein entwendet zu haben. Ter Angeschuldigte bestritt die Tat ganz entschieden und das Kriegsgericht sah sich genötigt, maiigelS hinreichender Be- iveise seiner Schuld ein f r e i s p r e ch e,i d e s Urteil zu fällen. !R. B. Darmstadt, 29. Juli. Der Dreher Dragonir Rado s a o l j e w i t s ch war vom Offenbacher Schöffengericht zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden, weil er auf der Straße Arbeitswillige durch die Worte „Ihr Streikbrecher" be- lerdigt hatte. Tie Strafkammer stimmte int allgemeinen dem Urteil des Schöffengerichts zu, wandelte aber aus Billigkeitsgründen die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 40 Mk. um, wozu noch die Kosten beider Instanzen stimmen. — Eine recht rohe Tat beging-»er Arbeiter Fleckenstein aus Hösbach. Er kam mit einem alten Kollegen in Langen in Streit und schlug ihm mit der Faust so wuchtig auf ein ohnehin fchon schwaches, krankes Auge, daß es ganz zerstört wurde und entfernt werden mußte. Ter Gerichtshof belegte ben Angeklagten für seine Mißhandlung mit 9Mvnsaten Gefängnis. Berlin, 30.Juli. Die umfangreichen Darlehens-Schwindeleien des Vermittlers K o s ch o r o ck , dessen Verhaftung großes Aufsehen erregte, beschäftigte gestern die Ferienftraskammer I. Die Anklage lautete auf Betrug in 2 7 2 Fällen und auf versuchten Betrug in 386 Fällen. Mitangeklagt war der Kaufmann Otto Marschall wegen Beihülfe zu Betrug. Während der letztere freigesprochen wurde, erhielt Koschorock 2 Jahre und 6 Monate Zucht- h aus und 3000 Mk. Geldstrafe, event. noch 200 Tage Zuchthaus. b. Frankenthal, 27. Juli. Der frühere.Kassierer der Speyrer Gewerbebank Wendelin Müller wurde von der Strafkammer wegen Veruntreuung in Höhe von V-. Million Mk. zum Nachteil der Bank zu 5 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Straßburg, 29. Juli. Der sozialistijche Agitator und Wahlkandidat Privatlehrer Kost erhielt wegen Unterschlagung fün Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. SMSvt. — Radfahren. Bei der am Sonntag vom Nordbezirk des Gau 9 des D. R.-B. veranstalteten lOO.Kilometer Preisfahrt beteiligten sich auch Mitglieder des Rad-Klub Germania und zwar wurde E. Lauer 2. in 3 Stunden 40 Minuten, Noll 5. in 4 Stunden, Zeder bau er in 4 Stunden 13 Minuten. Die Vereinsrennen des Rad-Klub Germania Gießen am Sonntag, 31 Juli hatten folgenden Verlauf, Klubmeisterschaftsfahren über 1600 Wer: 1. Kronenberg, 2.ßA.Kircher,j3.Zederbauer; Fahren um den Wanderpreis über 20 Kilometer: 1. Noll, 2. Kronenberg, 3 A Kircher, 4. Lauer, 5. Zederbauer, 6. Volpert, 7. Unverzagt, 8. Dietrich, 9. Kircher 11, 10. Löwer als Senior, 11. Muhl. Das von dem Radler-Verein Diana veranstaltete M e i st e r f ch a f t s f a h r e n über 20 Kilometer wurde unter reger Beteiligung bei ungünstiger Witterungabgehalten^Als-Sieger- gingen durchs Ziel: 1. Otto Dechert 40 Mm. 2 Sek., 2. Adols Flick 42 2)im. 5 Sek. und 3. R. Blum 44 Mm. 10 Sek. o ** Radsportfest des Gau IX. D. R.-B. Anläßlich des 2Ojährigen Stiftungsfestes des R.-V. Wetzlar findet unter dessen Arrangement am 11. August in Wetzlar das Sommersportfest des Gau 9 des Deutschen Radfahrerbundes statt. Die Veranstaltungen umfassen grober Preis-Blum en- Korso, Wettbewerb in Kunst- und R e i g e n f a h r e n, Radball- und Radpolospielen, wozu der Deutsche Radfahrerbund, die Stadt Wetzlar, der,festgebende Verein u. a. wertvolle Ehrenpreise gestiftet haben. Dte allia^ Gair° Wanderfahrt findet aus diesem Anlasz am H-August nach Wetzlar statt, sowohl für Vereine als auch Einzel- und Krastzahrer Als Prämiierung für Vereine sind Gauplaketten tmd für Einzel- und Kraftfahrer Diplome bestimmt. Für gropte prozentuale Beteiligung in den Vereinen hat der R.°B. Wetzlar für jede der drei Vereinsgruppen einen Ehrenpreis gestiftet. Arbeiterbewegung. Breslau, 29. Juli. Die „Schlesische Zeitung" meldet aus Landeshut: Die Lohnbewegung der hiesigen Textilarbeiter, die am 13. Juli zu der Aussperrung von 2500 Mann führte, ist am Samstag unter Vermittelung des Bürgermeisters in einer gemeinsamen Versammlung der Arbeitgeber und der Arbeitervertreter b e i g e l eg t worden. Tie Arbeit soll nächsten Mittwoch wieder ausgenommen werben. Der „Berl. Lokalcmz." meldet aus Kiel: Eine Versammlung der Arbeiterschaften der Kieler P r i o o t w e r f t e beschloß, von einem Ausstande wegen der schwebenden Lohndifferenzen abzusehen, weil ein Streik alle deutschen Werftarbeiter in Mitleidenschaft ziehen ivürde. Es wird eine Konferenz von Vertretern der Arbeiterschaften aller deutschen Werften a n g e ft r e b t. London, 29. Juli. Die Straßenbahner beschlossen den Ausstand, falls die städtische Behörde ihnen eine Lohnerhöhung verweigere. Sonntag nachmittag zerstreute die Polizei zwei Versammlungen beim Zollhaus mit Gewalt, wobei viele Verwundungen vorkamen. — Uebcr 500 Konstßbler erklärten in den Aus- ft and zu treten, wenn ihnen nicht binnen einer Woche die geforderte Lohnerhöhung zu teil wirb. (Spinal, 29. Juli. Bei bett geftrigen Kämpfen zwischen Streikenden und G e n b a r m e n sind, wie nachträglich berichtet wirb, drei Offiziere verletzt worden. 21 Gendarmen und Soldaten erlitten ebenfalls Verletzungen. Es heißt, daß zwei verwundete Kundgeber ihren Verletzungen erlegen sind. Der Zustand eines verletzten Gendarmeti gilt als hoffiiungslos. Eine Kompagnie des 20. Jäger-Regiments ist an Ort unb Stelle eingetroffen. Kanvel. Wertver lüfte an süd afri kanrschen Akti en. Welch enorme Wertverlnfte der Besitz von südafrikanischen Aktien Mit sich bringen bann, ergibt sich aus dem 'Geschäftsbericht der Central Mining u. Investment Company, die teer einigen Jahren mit einem Kapital von 6 Mill. Lftrl. gegründete Wemher Beit'sche Entlaftungsgesellschast. Seit Bestehen des Unternehmend ist ein Verlust von beinahe 2 Mill. Lstrl. entstanden, der sich nach Abzug der vereinbarten Zinsen nnb Divibenden auf runb 1,552,000 Lstlr. vermindert. Djer Verlust 'ist, wie erwähnt, hauptsächlich durch die Wertabnahme der von der Gesellschaft übernommenen 'üdafrikanischen Aktien entstanden. Der Bcrickft weist noch be- 'onders darauf hin, daß auch die besten Anlagewerte, wie Kvnsols uno fremde Stjaatswerte, wovon die Gesellschaft für 1,014,753 Lstrl. (Kostenpreis) besitzt, im Preise nachgegebeii haben. Ter Marktwert der Anlagepapiere und Goldaktien betrug am 30. Juni 3,139,422 Sftrl. Ter Preis der 20 Lstrl.-Aktien der Gesellschaft elbft stellt sich gegenwärtig auf ungefähr 11 Lftrl. GriginaUVrahtmeldunge«. Berlin, 29. Juli. Das Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit dem Zaren findet bekanntlich am 3. und 4. August in Swinemünde statt. Aus Anlaß dieser Entrevue ist, wie die B. Ztg. erfährt, der bevor* tehende Flotten-Manöverplan abgeändert morden. Die ganze Sch lachifl ottill e soll nicht nach Helgoland gehen, sondern die Uebungen werden in der Ostsee und bei Swinemünde stattgnden. Zu der Kaiser-Flottille wird die vom Prinzen Heinrich gebildete Hochseeflotte stossen, sodaß dort Anfang August die Flotte vereinigt sein wird. Berlin, 29. Juli. Die neuesten Unruhen in Kamerun sind wahrscheinlich auf religiöse Verhetzung zurückzuführen. Ernstere Befürchtungen hegt man in hiesigen leitenden Kreisen vorläufig nicht. Das Gelände, in dem sich die Unruhen abspielen, ist für deren rasche Niederdrücknng sehr günstig. Swinemünde, 29. Juli. Das hiesige Postamt hält für die Kaisertage Beamte in Bereitschaft, die der russischen Sprache mächtig sind. Stuttgart, 30. Juli. Ein parlamentarischer Konflikt droht in der ersten württembergischen Kammer auszubrechen. Graf Nechberg-Rothenlöwen beabsichtigt, laut Stuttgarter Morgenpost, das Präsidium der ersten Kammer niederzulegen, weil die ritterschaftlichen Abgeordneten seine Geschäftsführung bemängelt haben. Bozen, 30. Juli. Dem Üeberfall auf die deutsche Reisegesellschaft ging eine förmliche Mobilmachung der Irredentisten in allen südtiroler Ortschaften voran. Wagen und Automobile wurden in Menge aufgeboten. Auf deutscher Seite hatten besonders die Reichsdeutschen nicht die geringste Ahnung von der Gefahr. Paris, 30. Juli. In Revien in den Ardennen kam es gestern anläßlich der Wahlen zu einer heftigen Kundgebung. Auf einem Ball wurden die zur Aufrechterhaltung der Ordnung anwesenden Gendarmen angegriffen, wobei ein Offizier ernstlich verletzt wurde. Auch 2 Gendarmen wurden durch Steinwürfe schwer, einige andere leichter verletzt. Viele Verhaftungen wurden vorge« nommen. Die ganze Nacht wurde Sturm geläutet. Epinal, 30. Juli. In Raon kam es gestern zu einem Zwischenfall. General de la Tour, der zur Inspektion der Truppen hier eingetroffen ist, wurde von Ausständigen angegriffen und mißhandelt. Der General erhielt mehrere Stockhiebe. Er antwortete, indem; er einen Angreifer ohrfeigte. Der General befand sich in einer üblen Lage, bis endlich Soldaten herbeieilten und ihn befreiten. Außer diesem Zwischenfalle ist die Ruhe nicht ernstlich gestört wurden. — Der Gemeinderat hat 500 Franks für die Opfer der vorgestrigen Unruhen aus- geworfen. Petersburg, 30. Juli. In der Nacht auf Sonn-», tag wurde die hiesige baltische Werft von der Polizei durchsucht. Während der Durchsuchung, die die ganze Nacht andauerte, war das riesige Gebäude von etwa 500 Polizisten und Gendarmen umzingelt. In den Vorräten und Schubläden der Arbeiter wurden viele revolutionäre Schriften und eine Anzahl Revolver und Patronen gefunden. Auch die Bureauräume und das Arbeitszimmer des Direktors wurden durchsucht. Doch wurde dort nichts gefunden. Odessa, 30. Juli. Aus der Rückkehr von der Beerdigung eines ermordeten Schutzmannes begannen Mitglieder des russischen Bundes in jüdischen Läden und auf vorüber gehende Juden zu schießen und verwundeten mehrere Personen. Die hmzugekommenen Soldaten mußten zur Wiederherstellung der Ruhe von ihrer Waffe Gebrauch machen. Die Mitglieder des ruffischen Bundes schossen ihrer seits auf da§ Militär, verwundeten einen Soldaten schwer und liefen davon. ~ m New-York, 30. Juli. Aus (51. 3 a go b e® m) auil wird gemeldet, daß das Kriegsgericht lo Soldaten, die an dem Anschlag gegen den Präsidenten von Ekuador beteiligt waren, zum Tode verurteilte. 8 Derselben sind bereits gestern erschossen worden, die Hinrichtung der anderen ist für heute zu erwarten, ferner wurden 9 Soldaten zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Aus Quito wird die Entdeckung einer neuen Verschwörung gegen das Leben des Präsidenten gemeldet. Die in die Angelegenheit Verwickelten sind entflohen. ’ii __ Tie Strafrechtsreform hat sich in letzter Zeit mit den gesell- ^schu'tlichen, ethischen unb juristischen Konsequenzen beschäftigt, bie bei Auäljrung ber Vorstrafen entspringen. Die Wichtigkeit Licier Frage hat ine Zeitschrift „Nord und Süd" veranlagt eine N.mbfraqe an Autoritäten des Rechtes ergehen zu laßen nut dem ^Cisuchen, ihre Stellung hierzu zu präzisieren, ^m Jutthest von j und Süd" (S. Schottlaenbers ^chlesifthe Verlags-Anstatt, ■ L m b. £>., Berlin W. 35) begimit die VeMenllichnng der ein- nennna-uen Antworten mit dem Artikel „Die Borstraien" von Pros. ■!-Acbcnfelb in Rostock. Es wird das heutige Recht hinsichllich der ‘ V’ifiellima der Vorstrafen von ^Angeklagten, Sengen und Sach- .2 ucrlläni)igen als verbesserungsbedürftig bargetan. Die Beschlüße ciber welche bie mit der Vorarbeit für eine neue Strafprozeß« orbmma betraute Kommission in dieser Richtiing gesoßt hat, halt -Lroi Wach-nieid ntcht sür ausreichend; er irtttvielmehr sur die r 6 ?'n f \l ft 7'edcr, bie. in dem nördlichen Teile von ^eUln mohrfachelr Schaden anrichleten. Straßburg, 29. Juli. Eine aktuelle Affäre erregt JPJ1« L^^cs Aufsohen. Vor einigen Tagen oer- Äi^ Geh Reg^erungsrat Scheidt in die Wohnung eines Mrnisterialdirektors gewalt- a C Vy r ^urde daran verhindert und >egab sich itt Restaurant Germania. Auf Veran- assung de^ Mnnstertaldireltors, der die Hilfe der Polizei 11 'm v?ruc^ pa^)Ut, wurde der Geheime Regrerungsrat Im Restaurant von zwei Schutzleuten untersucht; einen ftevolver, nut dem er den Ministerialdirektor bedroht laben soll, fand man bei ihm nicht. Man glaubt, daß w i ic Tat un Zustand nervöser Ueberreizung verübt hat. Geheimrat Scheidt ist als unheilbar geisteskrank nach )er Landesirrenanstalt Stephansfeld gebracht worden. Es gestanden keinerlei Differenzen zwischen ihm und dem : ingegriffenen Beamten. ; * 0111 Blitz erschlagen. In Uric bei Jntro Lago magiore) wurde eine Anzahl Studenten, die , norgens nach den Alpen aufgebrochen waren, auf dem Marsche von einem heftigen Gewittersturme überrascht. ■ Der Blitz schlug mitten unter die Schar ein und tötete ; uif der Stelle den 26jährigen Alphons Tolmeister aus Eichsfeld und den 18jährigen August Urbn aus Tilsit. Ä.Fünf andere Studenten wurden verletzt. — In Hegen- ü z eim (Elsaß) wurden während eines schweren Gewitters ? zwei Bauersleute, Vater und Sohn, vom Blitz erschlagen. ■ * Fürchterliche Brände in Nord-Amerika. Am 26. Juli brach in einem großen Mietshause zu New 9^rk, in dem etwa zweihundert Mieter wohnen, eine : Feuersbrunst aus, die zahlreiche Menschenopfer forderte. Fünfzehn Frauen und fünf Kinder sind tot, ' zwanzig Personen erlitten schwere Verletzungen. Das & Feuer, das durch eine Explosion im Keller plötzlich zum Ausbruch kam, hüllte im Nu das ganze Haus in Flammen . ein. Es war unmöglich, die Mieter rechtzeitig in Sicher- ; yeit zu bringen. In den oberen Stockwerken riefen die Mütter wahnsinnig um Hilfe, die ihre Kinder vor ihren > Augen Opfer der Flammen werden sahen. Mehrere der Frauen taten in der Verzweiflung den Todessturz in die Tiefe. Die Entstehung des Feuers wird auf Brandstiftung - zurückgeführt. Bereits ist ein Ungar, als der Tat ver- oächtig, verhaftet worden. — An demselben Tage ist in - Longbeach auf Long Island das Longbeach-Hotel, eines ! oer größten Hotels an der atlantischen Küste, bis auf den - Arund niedergebrannt. 800 Hotelgäste konnten nur ■ oas nackte Leben retten. Bei dem Brande wurde niemand , getötet. Dagegen sind zwei Personen verletzt worden. — .; Aus New Dort wird ferner gemeldet: Der alte Fluß- - Dampfer Frontenac hatte etwa 70 Ausflügler an Bord. Plötzlich brach auf dem hinteren Teil Feuer aus, während Die meisten Passagiere unter Deck waren. Das Feuer “ breitete sich rapide über das Schiff aus. Der Kapitän steuerte mit Volldampf zum Ufer und brachte das Schis' >n 5 Fuß wassertiefe auf Strand. Das Land war noch „ 800 Fuß weit entfernt und die Passagiere mußten 'j ins Wasser springen, um es zu erreichen. Hierbei : ertranken 8 Frauen und 3 Kinder. Ein Kind u verbrannte und viele erhielten Verletzungen. — Eine Nivnogravhie über bas neue Stabt- t f)'e ater. Architekt Hans Meyer, ber Erbauer unjeres Stabt- :i cheaters, hat im Verein mit Professor Dr. Fromme zur Feier ber 1 Eröffnung beleihen eine Denkschrift verfaßt. Ohne weitschweifig | -,u werben, führt er uns barin bnrch alle bie schönen unb kostbaren rj :Juiiiine bes Theaters, erläutert uns bie Anlagen ber Bühne, sowie 4 bev gesamten Einrichtungen bes Hauses in gefälliger Sprache unb j auch jebem Laien wohl verstanblicher Form. Eine große Anzahl iß uni photographischem Wege hergestettter Jllustrationeii, Vollvilber, j Üertbilber, sowie Situationspläne unb eine genaue, mit Preisen j versehene Platzeinteilung bes Zuschauerraumes vervollstänbigl bie i sehr empfehlenswerte ^Arbeit, von ber wir wohl annehmen dürfen, j baß sie jeder Gießener seiner Büchersammlung einverleiben wird । nie eines ber markantesten Dokumente des schönen Erblühens unserer J Stadt. Tie Schlußseilen werben von Alsreb Bocks hochgestimmter - Prolog-Dichtung eingenommen. Trotz vornehmster Ausstattung ’l aut Kunstbruckpapier ist bie tn Groß-Quart erschienene Broschüre zu verhältnismäßig sehr geringem Preise käuflich. । * Neues von b er Montblanc-Bahn. Im Jahre Grotz-Berlin. Dorr besonderer Seite wird uns geschrieben: Der Gedanke, aus Berlin mit seinen zahlreichen Vororten ein „Groß-Berlin" zu schaffen, besteht seit langem. Zunächst auS wirtschaftlichen Gründen. Es ist ein anormaler Zustand, daß viele Tausende von Bewohnern der Vororte Berlins, die bessere und billigere Wohnungsgelegenheit bieten, zwar in der Reichs- Hauptstadt tagsüber ihrem Erwerb nachgehen und die kommunalen Einrichtungen benutzen, aber dafür größtenteils nicht einen Pfennig Steuer der Stadt Berlin entrichten. Berlin mit seinen ungeheuren Verwaltungslasten könnte das Geld sehr gut gebrauchen. Eine Petition, die in diesem Sommer cni das preußische Abgeordnetenhaus gerichtet wurde, fiel jedoch unter den Tisch. Das Abgeordnetenhaus überwies die Petition nicht ciitmai der Negierung zur Erwägung; vielmehr schloß sich die Regierung selbst der Auffassung an, das Berlin nichts zu fordern habe. Mit demselben Recht könnten die Fremden für die Benutzung der Straßen usw. steuerpflichtig gemacht werden. Das ist nun nicht ganz dasselbe. Denn die Fremden halten sich nur beschränkte Zeit in Berlin auf und die große Mehrzahl von ihnen weilt überhaupt nicht zu Geschäftszwecken, sondern zum Vergnügen oder zu Lernzwecken In der Reichs Hauptstadt. Tie Steuerfrage für ein Groß-Berlin bildet aber nur eine Seite, wenn auch eine wichtige der Sache. Von noch größerer Bedeutung ist die zukünftige Entwicklung eines Groß-Berlins in architektonischer, künstlerischer, kultureller Hinsicht. Die „Vereinigung Berliner Architekten" und der „Architeltenverein" haben sich neuerdings tatkräftig des Gedankens angenommen, eine Reihe von Vorschlägen zur Erlangung eines Grundplancs für die städtebauliche Entwicklung von Groß-Berlin aufgestellt und so ist endlich der erste praktische Schritt zur Verwirklichung der Idee getan worden. Ein kürzlich erschienenes stattliches Heft „Groß-Berlin" (Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin) faßt die Aufgaben und die Mittel zur Durchführung übersichtlich zusammen. Für alle größeren Städte können die i-n diesem Buche niedergelegten Entwürfe, Anregungen, Urteile und Erfahrungen von Nutzen sein. Es ist nichts Geringes, um das es sich handelt: um die Beseitigung einer wirren Regellosigkeit in der ganzen Art der Anlage und fortschreitenden Bebauung der Stadt; um die der Besonderheit und Schönheit der Stadt; um die Erhaltung von Licht und Lust, von freien Plätzen und Erholungsanlagen; um die Schaffung der besten und schnellste:: Verkehrsgelegenheiten. Und, so schreibt mit Recht einer der führenden Architekten Berlins, Emanuel Heimann, in dem erwähnten Buche: „Berlin gehört nicht nur den Berlinern, sondern ganz Preußen, ja ganz Deutschland. . . . Viele Fremde kennen von einem Lande überhaupt nur die Hauptstadt, und der Eindruck, den idnese hervorruft, wird maßgebend für die Beurteilung des ganzen Landes." Als Ziel stellen die Architekten hin: Ein großzügiges Netz von Haupt-Verkehrsstraßen, von Schnellbahnen und Wasserwegen, die .Freihaltung ausgedehnter Wald- und Wiesenflüchen, die Durchdringung der Baumassen mit Parkstraßen und Promenaden, Sport- und Spielplätzen, und die tunlichste Vorherbestimmung von Plätzen für öffentliche Bauten. Tie wohldurchdachte, von künstlerischem Geist getragene Regelung dieser Grundlinien der Stadtenrwicklung soll in enger Anlehnung an die wasserreiche Schönheit der märkischen Landschaft, die technische und ästhetische Einheit einer mächtigen Großstadt des- 20. Jahrhunderts vorbereiten. Kürzer, prägnanter kennzeichnet Heimann das Ziel mit folgendem Satz: „Aus dem ungeordneten Agglomerat von Häusern, Straßen und Plätzen, von Städten und Dörfern, das Groß-Berlin zu werden droht, eine großzügig geplante, künstlerisch gestaltete Großstadt zu schaffen." Für das ganze Gebiet des zukünftigen Groß-Berlin müsse ein Bebauungsplan gesetzlich festgelegt werden, unter Vermeidung der größten Gefahr der Einförmigkeit und Schablone. Soweit Groß-Berlin. Unseres Erachtens ist es für alle beut, scheu Städte, d^e ein charakteristrsches Gepräge jetzt noch aufweisen, ein Gebot, darauf zu achten, daß diese Eigenart mit bestem künstlerischen Geschmack gepflegt werde.' Es ist ein betrüblicher Anblick, wenn man als Besucher liebgewordene Städte wieder- sieht und die Verunstaltungen gewahrt, die vielleicht im Zeitraur. eines einzigen Jahres das Stadtbild erfahren hat, Veränderungen' von denen nur wenige einheimische Bewohner der Stadt sich Rechel schäft geben. Ta findet der Fremde unmittelbar neben entzückenden mittelalterlichen Bauten stillose, schreiende Bauten errichtet, reiz, volle Durchblicke zugebaut usw., mit dem Erfolg, daß die ganze Anmut einer Straße vernichtet ist. Auf Reisen kann man oft die Verwunderung ausdrücken hören, daß eine ehedem vielbesuchte Gegend seit Jahren sich verringernde Anziehungskraft ausüöe. Tie Verwunderten sollten sich einmal fragen, was aus der Gegench aus der Stadt im Laufe der Zeit gemacht worden ist! Wir konnten, heimgelehrt von einer Fahrt, die uns in manche altberühmte und nur zu sehr veränderte Stadt brachte, diese beiläufigen Bemerkungen nicht unterdrücken. Wohin es führt, wenn rechtzeitig versäumt wurde, das Gute der Vergangenheit liebevoll zu hegen unv das Neue nach einem „wohldurchdachten, großzügigen Plane" zu soffen, das ist aus der Entwicklung der Reichshauptstadt ersichtlich. Tas Bild Berlins weist schon manchen verletzenden Schönheitsfehler auf. Es ist darum ein dankenswertes Unternehmen, das von den Berliner Architekten begonnen wurde, und doppelt dankenswert, weil es Anregung versprich: auch für andere deutsche Städte. Strass- ■ bürg i.E.' l die Kgl. Pr. Einnehmer u. 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