Nr. 50 157. Jahrgang TormerStag, 28. Februar 1907 Erscheint IL-Nch mtt Ausnahme bei Sonntags Die "OleHemer LamMenblStter" werben bem ,1ln»elfler* viermal wöchentlich beigelegt, baS „Krdiblett für bei Kreb Sietzen" zweimal wöcheullich. Der ^hssßfch« lsndwtrtt' erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen RotoHonlbrurf und Verlag bet CrübHcften Umoeciuäil • Buch- und StembrudeteL 9L Lange, Äießetu Rebnhion, ffypebirton und Druckerei: Schul- Probe 7. ErvedUion und Verlag: ey#* bL 9ieöafiion:e^ 112. t cL-iU>u91n stand ist, daß beß Reich sich fortdauernd mit den Schatzanweisungen abquälen muß, die ihm 6 bis 7 Prozent kosten. ES wüsten die Betriel-Smittel deS Reiche- erhöht werden, obschon ich anerkenne, daß eS nur auf dem Wege der Anleihe geschehen kann. Sehr zu beklagen ist der hohe Diskont der ReichSbank. Mit Hä legen und Würgen haben wir eS durchgesetzt, daß daS Detrlel>4. kapital der ReichSl-ank vor einigen Jahren erhöht wurde; aber die Erhöhung reicht noch nicht aus. Alle Privatbanken haben ihr BettiebSkapital vergrößert, und die Reichsbank muß eS auch tun, denn ihr Wirkungskreis hat sich ständig erweitert. Wir werden näher darauf eingehen bei der Beratung unserer Resolution, welche eine eingehende Prüfung der Verhältnisse der ReichSbank verlangt. Die Inangriffnahme unsere- Geldmärkte- durch daS Ausland muß unmöglich gemacht tpcrtxn. Wie kommen unsere Banken dazu, de« amerikanischen Kredit in Deutschland zu unterstützen ? Die Wirkungen der letzten Steuer rfrnn sind im allgemeinen günstig. Die Zigareltenstcuer ist auf dem Lande sehr beliebt. Such die Brausteuer hat die ihr pruphczeiten ungünstigen Folgen nicht gezeitigt. Die Fahrkartensteuer wird allerdings einer Re- form unterzogen werden müssen. ES handelt sich aber nur um die Beseitigung kleiner Mißstände, im allgemeinen ist auch diese Steuer durchaus populär geworden. Ungerecht ist eS, daß, während die kleinen und mittleren Kreise mit Branntwein- und Bi erste ucr belastet sind, die Konsumenten von Wein noch so gut wie gar nicht gekoffen sind. ES wird nötig fein, allgemein nach Art der Schaumweinsteuer eine Weinsteuer einzuführen. Die Produktion würde darunter nicht zu leiden haben. Notwendig ist die Aufbesserung der kleinen und mittleren Beamten. Die Industriearbeiter haben zum größten Teil_ weit höhere Einkünfte als die kleinen Beamten. Besonders wünsche ich, daß die Ostmarkenzulage auch den kleinen Postbeamten, den Briefträgern usw. gewährt wird. Die Fortführung der Sozialpolitik wünschen wir auch, aber sie muß sich nicht nur freihaltcir von polizeilichen Chikanen gegen die Arbeiter, wie Herr Basiermann sagte, sondern auch gegen die Arbeitgeber. Ganz entschieden muß ich die Ansicht DasiermannS zurüdweiscn. daß bei dieser Fortführung der Sozialreform auf die Wünsche der preußischen Regierung keine Rüdsicht genommen werden möchte. Mehr in Fluß kommen muh entschieden die Handwerkergesetzgebung. Wir verlangen vom Reichskanzler, daß er alle Rcsiorts anweist, eingehend zu prüfen, welche Bedürfnisse von handwerksmäßigen Organisationen ßcbedt werden können. Fetzt macht die staatliche Fürsorge vor den Türen der Hand- werker halt, und doch verdienen gerade sie es durch ihre monarchische Gesinnung und Vaterlandstreue, daß sie bei der Regierung Unterstützung finden. Wir erwarten in Zukunft regelmäßige Berichte von den Regierungen, was sie für die Erhaltung deS Handwerkes getan haben. (Beifall.) lieber Fleischnot kann heute nicht mehr geklagt werden. Die Engrospreise für Schweine können nicht weiter herabgehen, wenn nicht die Produktion gefährdet sein soll. Wir bekommen jetzt in Pommern nur noch 40 bis 41 Mark pro Zentner lebend Gewicht, hat. (Zuruf des Wg. Semler.) Ach, Herr Seniler, Sie haben tagsabgeordnete auszudehnen, können wir uns nicht anschließcn. Es würde dadurch geradezu die Begehung von Verbrechen begünstigt werden. (Lebh. Widerspruch links und im Zentr.) Die Aeußerungen des Flortenvereins gehen mich nichts an. Gewundert hat es mich, daß das Zentrum so enrrüstet darüber ist, daß Herr Keim die Wahl eines Sozialdemokraten gegenüber der eines Zentrumsmannes als daS kleinere liebel erklärt hat. Ich stehe nicht auf diesem Standpunkte, ich ziehe den Zentrumsmann gegenüber dem Sozialdemokraten immer noch vor; aber das Zentrum darf sich nicht wundern, wenn es da und dort ebenso behandelt wird, wie es selber andere bürgerliche Parteien behandelt bat. (Zuruf des Abg. Scmmler.) Ach, Herr Semmler, Sie haben gar keinen Anlaß, sich auf das hohe Pferd zu setzen, denn die Niederlagen der Nationalliberalen sind vorzugsweise auf Ihre Tätigkeit zurüdzuführen. Vom Zentrum glaube ich, daß seine Wege mit den unsrigen wieder zufammenführen werden. (Große Bewegung.) Sie (zum Zentr.) haben doch nicht um der schönen Augen des Reichskanzlers willen so und so viele reichsgesetzgeberische Arbeiten mit zum guten Ende geführt, sondern weil sie die Entwürfe nach ernster Prüfung Ihrer inneren Ueberzeugung nach billigten, (Beifall im Zentr.) und ich bin überzeugt, daß sie als pattiotifche Männer nach wie vor diesen Grundsatz für sich maßgebend sein Ionen werden. (Lebh. Beifall im Zentr.) Der Reichskanzler hat die konservativen und liberalen An- schauungen gelobt. Ich nehme an, daß er damit die Reichspartei gemeint hat, in der konservative und liberale Anschauungen vereinigt sind. (Große Heiterkeit.) Viele Forderungen, die Sie (nach links) erheben, sind auch die unsrigen. Auch wir erkennen die Reformbedürftigkeit de§ Strafrechts, des StrafprozesieS und selbst des Zivikprozesies an, auch wir wünschen einen verstärtten Schutz deS Individuums gegenüber dem Staatsanwalt, auch wir wollen keine Polizeiwilllür, auch wir wünschen, daß das Recht volkstümlicher wird, daß es mehr den Bedürfnissen des kleinen Verkehrs Rechnung trägt, und daß die Rechtspflege billiger wird. Auch wir wünschen, daß die kleinen Beamten zufriedengestellt werden, und daß bei der Anstellung von Beamten nur ihre Tüchtigkeit entscheidet, und daß keine Protektionswirtschaft einreißt. Herr Basiermann hat die Artikel von Calwer und Bern- stein zitiert, und Herr Bebel hat darauf erklärt: die Sozialdemokratie dulde eben abweichende Anschauungen und werfe deswegen niemand heraus. Ich glaube gern, daß, nachdem Sie so viele Anhänger verloren haben. Sie das Bedürfnis fühlen, die übrigen wenigsten- festzuhalten. (Heiterkeit.) Aber daS gebt au8 jenen Artikeln hervor, daß allmählich auch in Ihren Kreisen die Er- kenntn.S denen dämmert, daß unsere Schutzzollpolitik viele Industrien groß und blühend gemacht hat- Herr Bebel — ich glaube, er wird cS mir übel nehmen, wenn ich mich nicht mit ibm beschäftige (Heiterkeit) — hat gestern Deutschland in Grund und Boden schlecht gemacht. Gleichwohl steht Deutschland in den indirekten Steuern hinter allen Ländern zurüd, und in der Sozialpolitik ist cS all-n Ländern voraus. In der Schulbildung marschiert Preußen und Deutschland an der Spitzel (Lebhafter Widerspruch. Zuruf: Belgien!) In Belgien gibt c8 SO Prozent Analphabeten; w>e können Sic Belgien mit Deutschland vergleichen? Herr Bcvel bat gcftrin von der Bedrohung Streikender durch Arbeitswillige gesprochen; den Beweis ist er freilich schuldig geblieben. Aber ich fordere ihn auf, einen Antrag ein- zubringen, der schwere Strafe allen denjenigen bringt, die andere bedrohen — ob sie nun Streikende oder Arbeitswillige sind. Unsere Unterstützung wird der Antrag haben. Herr Bebel beschwerte sich gestern darüber, daß ihm als Drechslermeister vom sächsischen Staat die Aufträge entzogen seien. Ich bedauere sehr, daß da» geschehen ist. Ich hätte gewünscht, Herr Bebel hätte von der Re- gierung soviele Aufträge bekam nun, daß er gar keine Zeit zu politischer Betätigung mehr gefunden hatte. (Große Heiterkeit.) Herr Bebel bat ja der bürgerlichen Gesellschaft sehr biel zu der- danken. Vermittelst ihrer Institutionen, des Privateigentum», deS Erbrechts usw., hat er sich eine recht behagliche Existenz ge- schaffen. Wer weiß, ob er im sozialdemokratischen Zukunftsstaat eS soweit gebracht hätte! Tort hätte er vielleicht beim Drechsler- Handwerk bleiben müssen, i Heiterkeit.) Ich will meine Ausführungen schließen (Zuruf: Schädel Heiterkeit), indem ich eine Lehre au» den Wahlen ziehe. Da» deutsche Volk ist der Zersplitterung und der FraktionSwirtschaft müde! Die bürgerlichen Parteien müssen sich au gemeinsamer Arbeit zusammen finden, damit daS deutscde Volk endlich wieder stolz auf (einen Reichstag wirdl (Lebhafter Beifall rechte.) Sdg. Fürst Radffwill (Pole): Auch Ich bebauere, daß der Reichskanzler te hi Mv RaSIa» einqegnffcn bat, befoubere, daß er die fog. nationalen ÄntbaUlen gegen daS Zentrum aubuifpielen versuchte. Damit kann er bei jedem Katholiken nur ein Lächeln Hervorrufen. Der Reichskanzler sprach von der Paarung deS konservativen und liberalen Gedankens. Da von verspreche ich mit nicht viel, denn aal der Paarung deS konservativen unb liv raten Gedankens entsprang die Polenpolittt. Miquel soll fte dem Fürsten BiSmarrk empföhlen haben. Von dem Leitstern der ewigen Wahrheit, von dem der ReichStanzler auch sprach, ist nnS gegenüber nichts zu merken. Wir sind geradezu außerhalb des Rechtes gestellt. Dem polnischen Arbeiter ist selbst verholen, sich auf feiner eignen Scholle ein HauS zu bauen. Ich möchte ein Land wissen, in dem derartige Gesetze möglich waren 1 Die preußische Regierung ist auch einzig und allein schuld an den geradezu horrenden Schulzusiänden in den polnischen Landesteilen. Eine hundertjährige Unterbrüdung der nationalen Individualität hat diese Zustande gezeitigt Und jetzt wagt die preußische Regierung eS in heuchlerischer äkaßte diese Zustände zu beklagen . . . Vizepräsident Dr. Pansche: Ich muß eS rügen, daß Sie der preußischen Regierung heuchlerische Motive unterschieben. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Abg. Fürst RadziwM lfortsahrend): Dir find durch Gottes Fügung Mitglieder deS preußischen StaaieS geworden, und wir erfüllen unsere StaatSbürgerpsiichten in loyalster Weise. In den Kriegen von 66 und 70/71 ist auch unser Blut geflossen. Wir werden diesen Pflichten auch weiter nachkommen. Aber unsere nationale Ehre, unter nationale« Empfinden lassen wir unS nicht nehmen 1 (Lebhafter Beifall bei den Pol?n.) Für Kolonialpolitik sind im Prinzip auch wir zu haben; doch muß sie io geführt werden, daß sie eineS zivilisierten Staates auch würdig ist. Der Name „Schutzgebiet"' weist schon daraus hin, daß der Schlitz, die kulturelle Hebung der Eingeborenen der Hauptzwed der Kolonialpolitik ist. Aber wenn wir jetzt sehen, daß die Polen im eigenen Laude schlechter behandelt werden, als wir wünschen, daß die Eingeborenen in den Kolonien behandelt werden sollen, werden Sie eß un5 hoffentlich nicht al« Mangel nationalen Gefühls auslegen, wenn wir mit unserer Unterstützung der kolonialen Politik so lange warte», bis die versassungS- widrige Behandlung der Polen aufbört ES handelt sich zwar um eine Angelegenheit, die der Kompetenz Preußens unterliegt — aber die preußische und die deutsche Regierung hängen ja eng mit einander zusammen. (Beifall bei den Polen.) Staatssekretär Graf PosadowSky: Ich bin die -mal der Mühe überhoben, das zu wiederholen, waS ,ch auf die Beschwerden der Polen hier stets entgegnet habe: nämlich, daß es sich da um eine spezielle preußische Angelegenheit handle. Ter Vorredner hat das ja selber diesmal getagt Protestieren muß ich jedoch gegen seine Behauptung, daß die preußische Regierung in ungesetzlicher Weise gegen die Poren vorginge. TieS ist nicht richtig, denn Preußen treibt seine Polenpolitik auf Grund eines auf rechtmäßige Weise zustande gelommeneu Gesetzes. Graf Radsiwill hat auch kein Recht, sich hier nur als Vertreter der Polen hinzustellen, denn die Veriassung kennt keine speziellen polnischen Abgeordneten, jeder Abgeordnete ist Vertreter deS ganzen Volles. Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antts.): Der Abg. Fürst Radziwill hat durch seine llebertreibungen den Eindrud seiner Rede geschwächt. Wie können Sie sich freiwillig unter die Hottentotten stellen? Die Polen haben 66 und 70—71 sich tapfer geschlagen. Damit haben sie nur denDankabgestatlet für dieKuliur, Die sie hundert Jahre lang von Preußen erhallen haben. (Widerspruch bei den Polen) Betrachten Sie den heutigen Zustand Galiziens, und bann werden Sie sehen, was Sie bet preußi,chen Regierung zu verbanlen haben! Zu anderen Dingen übergehend, wünscht Redner, daß wir endlich zu einem Handelsvertrag mit England kommen mögen. Eoenso zu einem mit Amerika, aber auf der Grundlage, wie sie der Bund der Landwirte aufgestellt hat. Die Amerikaner müssen unS große Konzessionen machen. Sine angemesiene Verstärkung deS HeereS unb der Flotte werden wir glatt bewilligen. Desgleichen die Elrichtung eineß besonderen Kolonialamts. Wir zollen dem neuen Kolomaldireklor ohne jeden Vorbehalt Anerkennung für seine energische Abstellung bet Mißstänbe. Aber seine Stelen im Lanbe dürfen wir doch nicht so unwidersprochen hinnehmen. Was er ba ausführte über die Land- gesellfchaften usw., ist von meiner Partei schon lange vorher gesagt worden. Für eine kräftige Sozialpolitik, wie sie die Thronrede angekündiat hat, find wir stets jn 2ln- eine Aus Stadt und Land. Sprechstunden der Redaktion 11 — 1 Ufvr vorn- . > .7—1/-,8 UFrr abbS. Diesten, den 28. Februar 1907. ** Wohltätigkeits-Konzerte der Vereinigten Mili- tärvcreine Gießens am 28. Februar (heute) und 3. März. Wir weisen noch einmal auf die beiden Konzerte hiermit empfehlend bin. Mit Genugtuung kann konstatiert werden, dast den» edlen Unternehmen warmherziges Interesse entgegengebracht wird, und dast auch die, die bisher gezögert haben, sich durch Besuch eines der Konzerte an dem Licbeswerke beteiligen werden. Tas Sonntags-Konzert beginnt auS lokalen Gründen bereits um 41/, Uhr. «Hessische Zweite Kammer. R. B. Darmstadt, 27. Fcckr. ‘ Die Zweite Kammer der Stande bat beute vormittaq 10V4 116v ihre diesjährigen Berakuyaen begonnen. Ain Neaieinmgstiscke nahmen Plan: Staatsminister Ewald, Finanzmunster 65 nnut b, gjlinifter des Innern Braun und die Ministerialräte Lr. Becker, Süsser t, Usingcr. An Stelle der durch ihre Teilnahme an den Reichstagsverhandlungen behinderten beiden Präsidenten Haas und Köhler übernimmt der zweite Vizepräsident Dr. Schmitt- Mainz das Präsidium. Abg. Reinhart stellte vor Eintritt in die Tagesordnung Len Antrag, bei. der kurz bemessenen Beratungszeit bis Ostern sofort in die Elatsberätunq einzutreten. / Präsident Dr. Schmitt schlagt dagegen vor, in Rücksicht ans da« heute schwach besetzte Haus erst morgen mit der Beratung des StaatsvoranschlagS zu beginnen. Abg. Molthan erklärt sich für diesen Vorschlag, während die Abgg. Adelung und Orb den Antrag stellen, mit der Ivudgetberatung erst am Freitag zu beginnen. Tas Haus beschliesst, die Beratung deS Etats als ersten Punkt auf die morgige Tagesordnung zu setzen. Punkt 1 und 2 der Tagesordnung betreffen die Wahl der Abgg. Gottfried Büchner (Höchst i. D.) und Dr. Osann II. (Darmstadt). Beide Wahlen werden dem Ausschussantrag entsprechend ohne Debatte für gültig erklärt. Dritter Punkt der Tagesordnung ist die Regierungsvorlage betr. die summarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Etaatsschuldenverwaltung für das Rechnungsjahr 1901/02. preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 27. Febr. Tie Beratung deS Berg etatS wird fortgesetzt beim Titel „Beamtengebälter". Abg. Marx (Ztr.) erklärt, die Gehälter der oberen Beamten seien aiügebessert worden. Sozialpolitisch würde es wohl richtiger gewesen sein, zunächst die Gehälter der mittleren und unteren Beamten aufzubesseru. Seine politischen Freunde erachteten es auch als einen Missstand, weiin Bea>ute auf Remiineralionen rmd Gratifikationen angeiviesen seien, deren Gewährung von den Vorgesetzten abhängig sei. Handelsmiiiister Dr. T e l b rü ck erividert, er sei, soweit es die Mittel dieses Etats gestatteten, den Wünschen der unteren und mittleren Bcaniten nachgckomnien. Jin Etat für 1908 sollen aber mehr Mittel bcreitgestellt werden, um die berechtigten Wüiische zu eriüllen. Tie höheren und höchsten Beamten wurden aber zuletzt koiimien, erst müßten d,e Pflichten gegenüber den unteren und mittleren Beanrten erfüllt sein. Der M>g. Bebel hat gestern die Nationalliberalen wegen ihre-5 früheren Verhaltens angegriffen. Was hatte das für einen Zweck? Die heutige nationalliberale Partei ist ja nur ein halbbescbriebenes Blatt. Die meisten sind neue Herren. Die Nationalliberalen haben diesmal Mandate gewonnen, aber nur dank der für sie günstigen Wahlparole. Obne diese läge der Liberalismus " unterm Tisch. Herr Bebel hat den Zusammenbruch des LiberaIiSmu-5 prophezeit, und so wenig ich sonst auf seine Prophezeiungen gebe, hier hätte er recht haben können, denn die Sozialdemokraten hatten es in der Hand, grosse Teile des Liberalismus bei diesen Wahlen zu vernichten. Der Reichskanzler wandte sich in seiner Rede gegen das Zentrum und die Sozialdemokratie; ich wundere mich, dass er sich nicht auch gegcn_ die freisinnige Vereinigung gewandt hat, denn diese ist doch überall bei den Stichwahlen für die Sozialdemokraten eingetreten. Herr Wierner hatte keinen Anlass, aus der Rede des Reichskanzlers Morgenluft für den Liberalismus zu wittern. Der Reichskanzler war wie daö Mädchen aus der Feinoe, er teilte jedem eine Ga»e zu, der rechten Seite gab er Fruchte und der linken Blumen. (Grosse Heiterkeit.) Dass die geplante Ehe zwischen der freisinnigen Volkspartei und der Vereinigung glücklich sein wird, glaube ich nicht, sie wird bald wieder geschieden werden, denn die freisinnige Vereinigung läuft ja fortgesetzt der Sozialdemokratie nach; sie gleicht der Philine im Wilhelm Meister. (Heiterkeit.) Sie sagt: Wenn ich Dich liebe, was geht's Dich an (grüße Heiterkeit), trotz aller Abweisungen liebt sie die Sozialdemokratie. Gegen eine Börsenreform haben wir nichts, doch darf sie nicht dazu dienen, dcc Börse wieder die Freiheit zu geben. Die Börse war immer eine hohe Schule der Gesetzlosigkeit, und wenn man ihr volle Freiheit gibt, wird sie wieder der Giftbaum werden, von j Abg. Reinhart hat als Ansschußberichterstcttters den Antrag gestellt, die von der Regierung gegebene Abrechnung als richtig anznerkennen; die Kammer beschließt demgemäss. ' Zur vorläufigen Beratung im Plenum steht alsdann Anzahl Vorstellungen und Einträge, darunter die Anträge Köhler, betr. den sog. Schlivpe'schen Erlaß und bett sogenannten dem Herr von Maybach sprach. Nötiger als eine Börsenreform wäre eine Reform der Reichsbank. Wenn cs der Börse schlecht ginge, dann hätte sie schon längst ihre fürchterliche Drohung wahr gemacht und wäre ausgewandert. DaZ tut sie aber nicht, benn sie fühlt sich hier wohl wie die Made im eped. (Helterkcrt.) Allerdings in Verbindung mit der Börse soll man ja eigentlich nicht von Speck reden. (Grosse Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie hat zlvar eine Niederlage erlitten, aber nicbergcriitcn ist sic noch lange nicht. Ter Abg. Bebel hat hier gestern das Gelübde abgelegt, die Scharten auszuwetzen, unb, eie können sicher fein, dass er daZ seinige dazu tun wird, denn seine ganze Lebensarbeit steht auf dem Spiele. Sorgen wir, dass die bürgerlichen Parteien auch fest zusammenstehen um der Liebe zum deutschen Volke willen und in Treue zu Kaiser und Reich. (Leb- haster Beifall rechts.) Schahsekretär Frhr. von Stengel' protestiert gegen die Darstellung, als ob ihm die lex Trimborn, die eine Zurückstellung von Mitteln für die Witwen und Waisen forderte, ein Torn im Auge sei. Er stehe vollständig auf dem Standpunkte der Parteien, die die lex Trimborn geschaffen. Hierauf vertagt sich das Haus. Persönlich erklärt Abg. Bebel, daß er kein Wort von seinen Ausführungen zurücknehme, namentlich bleibe er dabei, daß Dr. Weyl früher ein Sozialdemokrat gewesen sei. Nächste Sitzung: Donnerstag, 1 Uhr. ^(Fortsetzung der Etatsberarung.) Schluss 6 Uhr. h mit Rücksicht auf die von Reichswegen erfolgte Regelung dieser Frage den Antrag für erledig t. Die Vorstellung der Geometer 1. Klasse, betr. die UeBcrnaljmc von Privatarbeiten durch die Kreisvermcssungs-- ämter beantragt der Ausschuß für erledigt zu erklären, da durch die inzwischen von der Regierung getroffenen Maßnahmen den Wünschen der Petenten Rechnung getragen worden sei. Abg. Wolf spricht gegen diesen Antrag und beantragt, zu beschliessen, dass alle geometrischen Arbeiten, die nicht vom Kreis, den Gemeinden oder anderen Behörden bezahlt werden, von den zuständigen Privatgeometern ausgeführt werden dürfen. Ministerialrat Dr. Becker entgegnet, daß das, was Abg. Wolf beantrage, gleichbedeutend sei mit der Aufhebung des Instituts der Kreisgeometer. Käme der Antrag Wolf zur Annahme, so würde den Kreisgeometern die Hälfte, ja dreiviertel ihrer ganzen Arbeit abgenommen werden. Die Regierung glaube durch die inzwischen erfolgte strenge Abgrenzung der Tätigkeit der Geometer den richtigen Weg gefunden zu haben; es sei auch in den letzten Monaten eine allgemeine Beruhigung eingetreten. Abg. Leun spricht für den Antrag Wolf: derselbe bezwecke nur, iblie Meinungsverschiedenheiten darüber zu beseitigen, ob ein Privcrtgeometer bestimmte Arbeiten aussühren dürfe oder nicht. . Die Angelegenheit wird schließlich auf Antrag des Ausschußberichterstatters Abg. Brauer mit dem neuen Antrag Wolf an den Ausschuß zurückverwiesen. Der Regierungsvorlage, betr. das Institut der K r e i s g e o - Meter, worin um Zustimmung dafür nachgesucht wird, daß die Gehalte der ietzt im Staatsdienst angestelltcn Kreisgeometer 1. Klasse feine Verkürzung gegen die ihnen von den Kreisen dekretmäßig zugesicherten Gehaltsbezüge erleiden, wird ohne Debatte angenommen. Einen Eintrag der Abg. Reh und Dr. Weber, die Gehaltsverhältnisse der Kreisärzte und Kreisassisienz- ärzte dahin zu regeln, daß eine Gehaltsgleichstcllung der Kreis- assistenzärzte mit den Forftassistenten erfolgt, und eine Anrechnung der vollen Verdienstzeit als Kreisassistenzarzt, sowie Erhöhung der Bureaufosten und Beseitigung der Jmvsgebühren und Vereinnahmung derselben znr Staatskasse geschieht, und endlich, daß diese Aenderung noch im Voranschlag für 1907 vollzogen wird, nimmt bas Haus dem Ausschußantrag entsvrechend an. Abg. Bähr hatte gewünscht, die Angelegenheit bis zur Revision der Besoldungsordnung zu vertagen. Der Antrag des Abg. Ulrich betr. Ueberführung der Apotheken in Staatseigentum wird von der Kammer für erledigt erklärt und ein Ausschußantrag angenommen, worin die Regierung ersucht wird: Bei der reichs- gesetzlichen Regelung bes Avothekenwesens ebenso, wie in Dessen, dahin zu wirken, daß heimfallende und neue Apotheken nur an Gemeinden .öder Kommunalverbände verliehen werden. Weiter wird noch ein Antrag Dr. Schmitt, welcher eine anbermeite Regelung der Verhältnisse der Schulverwalter und Schulverwalterinnen verlangt, dem Ausschußantrag entsprechend abgelehnt. Der Antrag der Mitglieder der ersten Kammer, Frhr. v. Hehl, Graf zu Grback-Fürstenau u. a. betr. die Einstellung von 10 000 Mk. zum Zwecke weiterer Ausbildung der Volksschullehrer durch Gewährung von Stipendien zu Reisen im In- und Auslande wird der Regierung zur Erwägung überwiesen, der Antrag v. Brentano, Dr. Frenav auf Errichtung einer Gestütsstation im Kreise. Bingen angenommen. Zu her Vorstellung des Bauernstandes aus dem oberen Vogelsberg inbetreff des Gcueralkulturplanes berichtet der Ausschuß (Berichterstatter Hirsches, die Regierung habe aus die Vorstellung geantwortet: „daß der in der Thronrede zur Eröffnung des gegenwärtigen Landtags angekündigte Gesetzentwurf zur Förderung der Bodenkultur im oberen Vogelsberg auf teilweise anderen Grundlagen auf gebaut werden soll, wie der auf dem vorigen Landvag unerledigt geblieben: Entwurf. Die endgültigen Vereinbarungen unter den beteiligten Ministerien habe mit Rücksicht auf andere dringliche Arbeiten zurückgestellt werden müssen, lieberi)icd soll der neue Entwurs demnächst der nunmehr ihre Tätigkeit beginnenden La ndwirt- s ck a f s k a m m e r zur gutachtlichen Aeußerung mitgeteilt werden, wodurch zugleich die Interessenten die gewünschte Kenntnis von seinem Inhalt bekommen können. Unter diesen Umständen wird bis zur Vorlage des neuen Entwurfs bei den Landstädten noch einige Zeit vergehen und die den Ministerien zur Meinungsäußerung mitaeteifte Vorstellung für vorläufig erledigt erklärt werden können." Der danach vom Ausschuß gestellte Antrag, die Vorstellung für vorläufig erledigt zu erklären, wird einstimmig angenommen. Ein Antrag der Stbgg. Leun nnb Genossen lautet: Hohe zweite Kammer wolle beschließen, die Großherwgl. Regierung zu ersuchen, veranlassen zu wollen, dass die in der Genossenschaftsversammlung vom 19. Dezember 1904 beschlossenen Unfallverhütungs- Vorschriften erst mit dem 1. Januar 1907 in Kraft treten. Rach dem von der Regierung darüber eingeholten Bericht beschloß der Ausschuß, zu beantragen, daß der Antrag Leun [ür erledi gt erklärt werde und das Haus beschloß auch demgemäß. Tann wurde die Sitzung abgebrochen. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr: Beginn der Etatsberatung. Haben. Doch soll man neben den Arbeitern den Mittelstand nicht vergeffen. Nötig werden auch Maßnahmen gegen den Kohlenwucher sein. Ebenso ist die Einführung von Arbeitskammern erforderlich zur Ueberbrnckung des Gegensatzes -wischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Vor allein aber wünschen wir verschärfte Maßnabmen gegen den unlauteren Wettbewerb. Den Anregungen auf Aenderung des Weingeseyes stimmen wir zu, ich habe schon vor mehr als einem Jahrzehnt, als der Abg. fönirberger für den Kunsiwein eintrat, mich dagegen gewehrt, daß solches Gemisch unter dem Namen „SSein* verkauft werde. Mag man es meinetwegen „Bambergeriue' nennen. (Grosse Heiterkeit.) Wir machen der Negierung wegen ihres Eingreifens in den Wahlkampf keine Vorwürfe. Die Herren von der Negierung dürfen nicht wie Pagoden dafitzen, wenn es sich um Neuwahlen handelt. Ich habe auch nichts dagegen, wenn die Regierung Geld für die Wablen auswendet, nur muss ihr ein Fonds dazu bewilligt werden. (Widerspruw und Heiterkeit.- Wollen Sie denn lieber, daß die Regierung sich um Geld an jüdische Grossindustrielle wendet? (Grosse Heiterkeit.) Dass die Negierung ihr von geeigneter Seite überwiesenes Geld an die früheren MindcrheilSparleien verteilt habe, das können wir nicht bill gen. Wir sind glücklichetweise mit solchem (Selbe nicht bedacht worden, aber eS kam ein Mann zu mir, der mir sagte, unserem WahlfondS sollte eine erhebliche Zuwendung zuteil werden, falls unsere Partei darauf verzichten würde, bei den Wahlen ihren'Besitzstand zu vermehren. Ich erwiderte: Fragen Sie Ihre Auftraggeber, ob sie verrückt geworden sind! (Heiterkeit ,tmb Zustimmung ) Meine Partei hat bei den Wahlen auch feine jßünbnifie. mit den Sozialdemokraten abgeschlossen, wie behauptet Wurde. - —--——--- ■ - — ■■■-■■ » ■ I - -----—--■ — - I Beim Titel „L ö h n e" wünscht Abg. Marx (Zrr.) eine Erhöhung der Löl ne der Bergarbeiter. Abg. Voll; (nnt.) erividert, die Dauer in Oberschlesien verdienten durchschnittlich 5—6 Mk., das seien doch hohe Löhne. Tie ordentlichen Ausgaben toerben bewilligt ebenso das Extra- orbinnriiint obne Debatte. Damit Ni der Bergetat erledigt. Es 'olgt die Beratuiig des Etats der Handels- und G e - tü e r b e d e x ro (t 11 u n fi. — Bei den Einnahmen bringt zum Titel „Handels- und Gewerbesch ul e n für M ä b ch e n" Abg. v. S ch e n ck e n b o r f f (Natl.i oeriebiebene Wünsche seiner Freunbe auf weitere Ausgestaltung dieser Schulen vor. Besoiidercr Wert iiuiffe auf die Ausbildung der Halishaltungskunde gelegt werben. Ter Staat sollte sich die Vermehrmig der Handels- und Gewerbeschulen angelegen fein lassen. Minister Delbrück ist der Ansicht, bass bie Unterhaltung des Forlbilbmigsschulmeieus Aufgabe der Kommmieil und Vereine ici. Selbstverständlich habe der Staat bie Verpflichtmig, biese Bestreb- lmaen zll unterstützen. Wenn ber Finanziilinister ihm bas nötige Geld bereitstelle, so sei er gern bereit, die Zuschüsse zu erhöhen. Für die Ausbildung und Prüflmg der Sebrerutnen seien besondere Vorschriften erlasseii ivorben. Tie Handels- und Gewerbeschulen seien überall vermehrt worben und bie Regierung werbe auch fernerhin auf biesein Gebiete rüstig vorwärts schreiten. Tie Ein'iahmen iverden bewilligt. Zu den bauernden Alisgaben liegen eine Reihe von Anträgen vor. Ein iiationalliberaler Eintrag ersucht die Staatsregiernnq um Erhöhung der Staatsbeihülfen bei den Aufgaben der Handwerk s k a m m e v n. — Ein Antrag Brütt (ft), Schulze-Pelkum (kons.), Dr. v. Savigny (Ztr.) erfudjt bie Staatsregierung, bie Erlaubnis zum Betrieb alkoholfreier G a st iv i r t s ch a f t e n von dem Nachweis eines BedüriniffeS abhängig zu machen. — Ein Antrag Graf v. Spee (Ztr.) uiib von Pappenheim (k.) wünscht eine Ergänzung der Anweisung zur Reichsgewerbeordmmg dahin, das b e i P r ü f n n q der g e w e r b l i ch e u A n l a g e n auch landwirtschaftliche Sachverständige hinzugezogen werden, sofern landwirtschaftliche Interessen berührt iverdeii. — Die Be- rcttnng beginnt nut Titel 1, „Gehalt des Ministers". Abg. Malkewitz (k.) bemerkt, berMittelstanb habe einen großen Anteil an ber Nieberlage ber Sozialdemokratie bet ben Reichstagswahlen. Man sei im Abgeorbnetenhause von ber Wichtig feit ber Erhaltung unb Stärkung bes Mittelftanbes überzeugt. Der Reichskanzler wolle im Reiche bas Steuer etwas nach links brehen. Seine politischen Freunbe fürchteten, baß eine plötzliche Aenberung bes jetzigen Kurses von schlimmem Einfluß auf ben gewerblichen Mittelstanb sein werbe. Der konservative unb ber liberale Geist habe sich ja int Reick beim Sckmtze ber Baubanbwerker gepaart. Allerdings gäbe es einen linksliberalen und nationalliberalen Geist, diese Richtungen hätten sich auch bei diesem Gesetz entgegengefhmben. Jedenfalls würden seine Freunde ihre Forderungen für den Mittelstand nickt zurück schrauben. In der Thronrede habe er eine Mitteilung über die Einbringung des kleinen Befähigungsnachweises vermißt. Bis jetzt erhielten die Handwerkskammern in Preußen im Verhältnis zu anderen Staaten recht wenig Zuschüsse. In Preußen würden die Handwerker zum Teil recht erheblich zu den Kosten der Handwerkerkammern herangezogen. Zn wünschen sei eine feste Abgrenzung zwischen Fabrik und Handwerk. Eine weitere Frage, die bei den Handwerkern jetzt besprochen werde, sei die Frage der Handwerkergerichte. In Handwerkerkreisen meine man nicht, daß dadurch eine Beschleunigung des Gerichtsverfahrens herbeigeführt werde. Redner streift dann noch die Frage des Terrorismus ber Sozialbemokratie gegen Arbeiter unb Hanbwerker unb fragt, ob ein Gesetz zum Schutze ber Arbeitswilligen, wenn es auch abgelehnt worben sei, nicht wieber sollte eingebracht werben können. Der Arbeiter werbe nicht geschützt, er müsse Sozialbemokrat werben, um Arbeit zu erhalten. Abg. Trimborn (Ztr.) erklärt, eine gesunde Mittelstandspolitik sei nur möglich durch Konservative und Zentrum, wenn er auch nicht leugnen wolle, daß es auch auf der Linken Mittelstands freundliche Elemente gebe. An gesetzlichen Maßnahmen, ben Terrorismus ber Sozialbemokratie zu brechen, fehle es auch jetzt schon nicht, bas beste Mittel bagegen sehe er in ber Erstarkung ber christlichen .Organisationen. Seit bem Gesetz von 1897 ist vieles besser auf bem Gebiet des Handwerks geworben. Rebner hofft, baß auch bie Vorlage wegen bes kleinen Befähigungsnachweises halb an ben Reichstag gelangen werbe. Mit bem national- liberalen Anträge seien seine politischen Freunde vorbehaltlich seiner näheren Prüfung einverstanden. Redner bittet die Staatsregierung, die Submissionsordnung einer Revision zu unterziehen. Auch das kaufmännische Lehrlingswesen bedürfe einer Regelung. Handelsminister Delbrück führt aus, der Gedanke des nationalliberalen Antrages sei nicht neu. Möglich sei es nicht, die festen Grundsätze festzulegen, nach denen die Beittäge an die Handwerkerkammern geleistet werden. Die Landwirtschaftskammern reichten jährlich ihren Etat ein, daraus gehe hervor, was sie aus eigenen Mitteln decken könnten. Der Minister gibt sodann eine Aufstellung über die Summen, die seitens der Staatsverwaltung an die Handwerkerkammern gezahlt worden seien. Den nationalliberalen Anttag bittet der Minister für erledigt anzusehen. Eine scharfe Abgrenzung zwischen Fabrik und Handwerk werde sich nicht schaffen lassen, aber es werde vielleicht möglich sein, auf diesem Gebiete einige Besserungen zu erzielen. Gegenüber den Kommunen könne er in dieser Beziehung keinen Zwantz ausüben. Die Förderung der Genossenschaften werde er sich gleich- wohl angelegen sein lassen. Darauf vertagt sich daS Hans. Beamtenerlaß, sowie die Erbauung einer Nebenbahn von Gießen nach Bad-Nauheim unb nach Laubach, ferner die Vorstellung de« hessischen Landesverbandes deutscher Mililäranwärter Über die Besold ungSverhältniffe der Mtlitäranwärler im Staats- unb Kommunalbienst, die Vorstellung von Landwirten der Provinz Rheinhessen betr. die LandwirtschaftSkammer, die Vorstellung der Gemeinde Wimpffen 2C., die fast sämtlich den zuständigen Ausschüssen Überwiesen werden. Einige weitere Vorstellungen um GehaltSregelung resp. PensiouSerhöhung wurden vertagt. Die Vorstellung deS Rhein-Main-Gastwirte-DerbandeS, in welcher beantragt wird, zur steuerlichen Ausgleichung den Kleinhandel mit Wein und den Handel mit Flaschenbier mit einem Stempel zu belegen, der mindestens die Hälfte ober Zweibrittel bes für Wirtschaften zu entrichtenbeu Stempels beträgt, wirb bem Antrag bes Ausschusses (Berichterstatter Abg. Adelung) entsprechenb im Hinblick auf die bevorstehenden Abänderungen des llrkundenstempelgesetzes vom 12. Slug; 1899 für vorläufig erledigt erklärt. Zur Beratung kommt darauf der Antrag Berthold, die Regierung zu ersuchen, der Kammer alsbald eine Vorlage behufs Ausstellung einer Dampipmnpe oberhalb ber Schließe an ber Schwarzbach in der Gemarkung Astheim zu unterbreiten. , Ter Ausschußberichterstatter, der verstorbene Abg. Müller, hat über diese Angelegenheit einen sehr ausführlichen und hu'truf- tiven Bericht erstattet und darin namentlich das frühere Projekt einer systeinatischen Entwässerung des Ried eingehend beleuchtet. Der Ausschuss beantragt schließlich: 1) Die bei ihrem Meliorationsprojekt interessierten Gemeinden und beteiligten Grundbesitzer in populärer Weise durch Vorträge über bie Vorteile ihres Gesamt- Projektes aufzuklären. 2) In Erwägung zu ziehen, ob nicht mit der geplanten Be- unb Entwässerung des MelioratwnSgebietes zugleich auch das Ueberschwemmungsgebiet ber Schwarzbach angeschlossen unb vereinigt werden kann. 8) Wenn bie Durchführung einer Vereinigung beiber Projekte nicht möglich ist, eine felbftönbige Entwässerung bc5 CchwarzbachgebieteS ins Singe zu fassen und zwar auf Grund ber neuesten Ermittelungen über bie Wasserstänbe der Schwarzbach. 4) Die bieferhalb erforderlichen Vorarbeiten unter Wegfall der in der Meinungsäußerung der Regierung aufgegebenen Bedingung in die Wege zu leiten, um demnächst ben Lanbsländen eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten und 5) ben Antrag bes Abg. Bertholb vorläufig für erlebigt zu erklären. Minister Braun: Die Regierung sei stets bestrebt gewesen, die ungünstigen Bobenverhältnisse nach Möglichkeit zu verbeffern, unb sie habe ein Projekt auSgearbeitet, bas auch ben Wünschen des Ausschusses entspreche. Leider stiessen aber bie guten Absichten der Regierung bei den Gemeinden vielfach auf Widerspruch. Man sei im Ried nicht so sehr auf den Ertrag der Heuernte angewiesen. Es könnte namentlich mehr Gemüsebau dort betrieben werden, aber bie Vora»<ßsetzung bnfür sei eben eine rationelle Entwässerung! Abg. Adelung beklagt das mangelnde Verständnis der Bevölkerung für die Bobenmelioration unb ersucht bie Regierung, mehr sur Aufkläriing über bie Pläne berfelbeu zu wirken. Abg. Molthan ist ebenfalls für bessere Anstläning ber Interessenten und meint, daß man den Bau der Riedbahn möglichst beschleunigen sollte; er verspreche sich davon einen guten Ersolg für bie Lanbwirtschaft, bie bann ihre Probilkte leichter nach Btainz unb Darmstadt schassen und besser verwerten fohlte. Abg. Breitenbach meint, ber Gemüsebau sei nur bann rentabel, wenn man auch Gelegenheit habe, bie Probukte entsprechenb zu verwerten; bas sei aber heute zumeist nicht ber Fall. Minister Braun erklärt noch, man bürfe nickt verlangen, daß ber Staat allein alle Kosten für bie Vobenverbesserung tragen solle; auch bie Gemeinben müßten sich entsvrechenb bar an be» lettigen. Die Regierung habe schon Enbe ber 90er Jahre einen Zuschuß von etwa 400 000 Mk. für bie Entwässerung deS Rieb zu bewilligen sick bereit erklärt. Daß bie Reinigung der Schwarzbach ihre Schwierigkeiten habe, gebe er zu, man bürfe aber beshalb nickt jede Verbesserung einfach unterlassen. Der Sl u s s ck u ß a u t r a g wird darauf genehmigt. Der Darmstädter Hausbesitzervereiil ersucht in einer Vorstellung an die Kammer um Herabsetzung ber ImMobiliar-Feuerversicherung. Der Ausschußbericht stellt fest, bass bic Petenten von einer ganz falschen Voraussetzung ausgegangen seien und beantragt daher Ablehnung des Gesuchs. Das Haus beschließt demgemäß. Ein Antrag Molthan ersucht um Einführung einer „möglichst ausgiebigen Automob il st euer". Das Haus erklärt "WohnnnqSrevision. Ter städtische WobmmgS- mfpektor hot mit der Revision der Alietwohnungen, Schlaf- rfimne und Schlafstellen begonnen. Wir machen die Vcr- mietet derartiger Räume darauf aufmerksam, daß, soweit eS noch nicht geschehen ist, die alsbaldige Anmeldung bei den, Polizeiamt zu gescheben hat, wo auch die notwendigen Formulare zu erhalten sind. ES wird ausdrücklich darauf auf- merksain gemacht, daß diese Anmeldung neben der üblichen Anmeldung des UinzugS, Anzugs oder Wegzugs zu erfolgen hat. Wird durch den Wohnungsinspektor die Unterlassung der vorgcschriebenen Anzeige festgestellt, so ist Bestrafung zu befürchten. Im übrigen verweisen wir auf die Bekanntmachung deS Polizeiamts im amtlichen Teil und insbesondere auf den Art. 5 der dortsekbst abgedruckten Bestimmungen. "Dieevangelisch-christlicheLiebestätig- keit in Hessen belief sich im Jahr 1905 insgesamt auf 693100 M. ES wurden auS den Gemeinden aufgebracht für: äußere Mission 49 836 M., innere Mission 45161 M., Gustav Adolf-Verein 41867 Dl., evang. Bund und evang. Bewegung in Oesterreich 21 034 M., Elisabethenstift (27 983 M.) nnb Diakonissenstationen 80557 M., Anstalten des Dekanats (Krankenpflege, Erziehungsvereiu) 6 359 M., besondere mildtätige Vereine nnb Vereine der Pfarreien 66 455 M., sonstige christliche Vereine und Unternehmungen 12 777 M., für besondere Mißstände 18 792 M. Tie allgemein erhobenen Kirchenkollekten erbrachten ohne die Neujahrskollekte 34 260 M. und zwar für äußere Mission 6582 M„ bedürftige Gemeinden des Inlands 4709 M., ausländische Diaspora 4790 M., Lutherstiftiing 4070 M., innere Mission 3888 M., Gustav Adolf-Verein 4872 M., für eine bedürftige hessische Gemeinde (Würzberg) 4422 M. und die Kaiser Wilhelm- Stiftung 927 M. Die Opfer und Gaben für die Ortsarmcn beliefen sich auf 90435 M. und die sonstigen freiwilligen Lcisinn- zen für kirchliche Zwecke auf 225 567 M. In der letztgenannten Summe sind enthalten 32 981 M. nicht für die armen bestimmte Kirchenopfer, 104 440 M. für die Kirchen und Pfarreien, 38 544 9N. für kirchliche Vereine zur Hebiing de§ Gottesdienstes, 44 178 M. für Vereine zur Förderung des Gemeindelebens und 5424 Dl. außergewöhnliche Posten. *• Diplom-Ingenieure. Folgenden Oberhessen wurde im Stildienjahr 1905/06 von der Technischen Hochschiile zu Darmstadt der Grad eines Tiplom-IngenieurS erteilt: Franz Reinhardt aus Gießen (Maschinenbaufach), Wilhelm Kurz anS Lauterbach (Elektrotechnisches Fach) und Wilhelm Kröm» melde in auS Schlitz (Chemisches Fach). AuS benachbarten preußischen Gebietsteilen wurden Diplom-Ingenieur: LomS Hofmann auS Biedenkopf, Otto Len Hartz aus Lützellinden und Ruppert Schneider miß Herborn und zwar alle drei ,im elektrotechnischen Fach. ** Leipziger Sänger. Daß dieser Name zugkräftig ist, wird schon dadurch bewiesen, daß eine Anzahl solcher Konzert» gescllschastcn sich ihn zugelegt aht und mit dem Namen sich volle Häuser verschaffen, ohne diesen durch ihre Leistungm gerecht zu werden. Bei Eyle'S Leipzigern ist das etwas ganz anderes. Urgemütlich ist es bei ihnen und urfidel. Anstößige Varitecwitzc kennen sie nicht. Fließt auch mancher Kalauer unter, so bieten sie doch im großen und ganzen recht urwüchsigen Humor. Auch den ärgsten Griesgram bringen sie zum Lachen, ob er will oder nicht. Auch in Gießen hatte Der Name seinen guten Klang nidjt verfehlt, und der große Saal im Neuen Svalbau war dicht besetzt. Keiner war nach Schluß des Konzerts enttäuscht, vielmehr wurden alle Erwartungen übertroffen und begeisterter Beifall lohnte jede Nnminer. Mit einem originellen Melodienpotoonrri eröffnete das treffliche Quartett Schmidt—Ludwig—Mühlau— Steiner den Abend, a’n dem cs uns noch durch zwei weitere Vorträge erfreute. Für den heiteren Teil sorgten am besten die Herren E»le und Mühlau, zwei erstklassige Komiker. Jener hatte ■nanicnflicb mit seinen „Reiseerlebnissen" eine glänzende Wirkung. Schier zum Totlachen war aber Mühlaus ,.Brautschau" wie sein „Stabstrompeter". Sogar al» flotter Fanfarenbläser stellte sich dieser Herr uns vor. Ter größte Erfolg des Abends ist aber Herrn Iebben, dem Damenimitator, zuzuschreiben. Mehr noch als durch seine Stimme mirtte er durch sein ganzes Auftreten, das von dcm eines echten Backfisches taiun zu unterscheiden war. Uebcr die beiden Einakter ist nicht viel zu sagen, da sie inhaltlich ganz wertlos waren. Höchstens lönnten die guten schauspielerischen : aingen der Herren Iebben, Mühlau und Steiner hervorgehoben werden. Unangenehm empfunden wurden die Storungen, die einige iunge Herren fortgesetzt verursachten und die ihnen zuteil gewordene ofjentlidte Zurechtweisung war wohlverdient. X AuS dem Ohmtal, 27. Febr. Während in früheren Jahren die Lerchen gewöhnlich schon zu Anfang Februar zurückgekehrt waren, sind sie diesmal jetzt noch nicht zu bemerken. Richt selten waren diese Frühlingsboten jo früh da, daß sie hernach durch die Unbilden des Winters in die größte Rot gerieten, in die Nähe der Dörfer flogen und auf Futterstellen Nahrung gereicht bekamen. Der letzte Schneefall hat den Raubvögeln manch Rebhuhn in die Krallen geliefert. 9lid)t selten findet man selbst /in der Nahe dec Straßen die Reste aufgefressener Rebhühner. Die beim Schluß der Rebhühnerjagd noch recht zahlreichen Ketten sind inzwischen |iaif dezimiert worden. § Lardenbach, 27. Febr. Haus und Hofreite deS hiesigen, kürzlich verstorbenen Gastwirts und Postagenteu Melchior hat K. Diehl III. von Ruppertenrod um den Preis von 10 500 Mk. käuflich erworben. Der neue Besitzer will die Gastwirtschaft fortführen, ebenso die Postagentur. Sicherem Vernehmen nach soll demnächst hier eine Post- oeuDaltung errichtet werden, da die Pojtagentur zur Bewältigung des Verkehrs kaum ausreicht. — Niederkleen, 27. Febr. Zur Zeit zeigen sich in den Waldungen von Glieder- und Oberkleen (Ausläufer^des Taunus) zahlreiche Wildschweine. Einige dieser Ziere wurden bereits in den benachbarten Waldungen von Brand- obernborf erlegt. Gewiß iii diese für unsere Gegend seltene Erscheinung den im höheren Gebirge niedergegangenen großen Schneemassen zuzuschreiben. X Merlau, 27. Febr. Bei den fast überall zur Ausführung kommenden Wasserleitungen ist die Erwerbung von guten Quellen oft mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Für manche Städte und Dörfer könnte es deshalb von großem stutzen sein, sie auf die Quellen bei Merlau hmzuweisen. Das Quellengebiet befinbet sich in der Umgebung des früheren Schlosses. Durch die Quellen konnte in früheren Zeiten dieses Schloß als eine wirkliche Wasserfestung gellen. Wenn man heute noch die Spuren von dem Schloßgraben und den vielen Teichen, die um das Schloß Herumlagen, betrachtet, so kann man sich eine Vorstellung von der Stärk, dieser Quellen machen; denn ivelch eine Wassermenge mag rrforderuch gewesen sein, um die Teiche im Sommer auf ihrem Wassersiand zu halten. Heute holen noch viele Bewohner von Merlau ihren Bedarf an Trinkwasser an diesen offenen Quellen. W ' in früheren Zeiten durch die Erbm ug beS SchloffeS als Wafferfestunq die Quellen zu diesem Zwecke benutzt waren, so könnte auch heute dieses Waßer zu nützlichen Zwecken verwendet werden. §§ Auö dem Vogelsberg, 27. Febr. Dom Eisen, bahnbaukomitee Ulrichstein wird neuerdings emsige Tätigkeit entfaltet, da zu dem Eis en bahn Projekt Mücke — Ulrich- ’t ein immer wieder neue Pläne heroortreten, die das Grundprojekt der Obmtal-Bahn auS feiner zueri't projektierten Richtung immer weiter hinauSdrängen. Hoffentlich wird bald von maßgebender Seite die endgültige Richtung der projektierten Bahn festgelegt. (-) Wetzlar, 25. Febr. Tie Generalversamm- lung deS KreiS-KriegerverbandeS Wetzlar tagte gestern nachmittag im .Römischen Kaiser" hier. General Kastendyk-Braunfels begrüßte als Vorsitzender den Landrat Dr. Sartorius, sowie die zahlreich erschienenen Vertreter der einzelnen Vereine. Er überreichte sodann an 13 Vorstands- Mitglieder, die mehr als 20 Jahre in ihrem Verein als Vor- sitzende ober Schriftführer gewirkt haben, je ein oom Preuß. LandeS-Kriegerverband gestiftetes Bild vom Kyffhauserdenkmal. Wie der VerbandSrechner, Gymnasiallehrer Clooß, mit- teilte, zahlt der Verband in 65 Vereinen 3173 Mitglieder, nnb das Kapitalvermögen betrug am 31. Dezember 1906 2008 Mk. AuS Anlaß deS günstigen Kapitalstandes sollen für die Folgen auS deßen Zinsen die Beiträge zur Schmückung der Kriegergräber entnommen werden. Im abgelaufenen VereinSjahr wurden für Kameraden und Witwen von solchen 1126 Mk. an Unterstützung gemährt. Erne in der Ver- faminlung vorgenommene Tellersammlung zum besten der Knegerwaisenhäuser ergab den Betrag von 14,55 Mk. Professor Prenzel wies zum Schluffe noch auf.die Sterbekaffe des deutschen Kriegerbundes hin. Mit einem begeisterten Hoch am das gatcilanb mürbe bet Hncqcrlag gefcfyloficn. Sitzung des Provinzial-AusschuffcS. Gießen, 2,. Febr. 1907. Wilhelm Lein ju Klein-Linden hat um die Erlaubnis znm Betrieb einer Kaffee- und Schankwirtschaft in dem Hause Frankfurterstraße Nr. 57 in Klein-Linden nachgesucht. Der Gemeind.'rat von Klein-Linden verneinte die Bednrfnissrage und der Kreisansschuß lehnte das Gesuch iocgcu mangelnden Bedürfnisses ab. Der seitens des Anwalts des Gesuchstellers hiergegen verfolgte Rekurs war erfolglos, indem anch der Provinzial-Ausschuß ein Bedürfnis nicht anzuerkennen vermochte. Die Klage des Ortsarmen Verbandes Gießen gegm den Ortsarmenverband Queckborn wegen Unterstützung des Heinrich Schmidt VIII aus Queckborn kam auf Antrag heute nicht zur Verhandlung. Der Straßengraben läng? der K r e i s ft r a ße F a u e r- bach — Dorheim bildet seit dein Fabre 1896 den Gegenstand von Beschwerden der Anwohner. Im be'onderen beschwerte sich Wilhelm Born von Fauerbach darüber, daß das Wasser seines Brunnens, durch Durchsickerungen, die auf den vernachlässigten Zustand des Grabeno zurückzuführen seien, verunreinigt werde. Das Großh. Kreisamt veranlaßte zunächst eine Untersuchung. Hiernach soll der Graben auf der dem Born schcn Hause gegenüberliegenden Seite durch das fortgesetzte Ausheben der Verschlammung nach und nach so vertieft worden sein, da» eine Durchsickerung des Grabeninhaltes nach einer ungefähr rechtwinklig unter dem Graben und unter der Born'schen öü|reite herziehenden alten Drainageleitung stattfinde; das Schmutzwai 't folge dann Der Trainagelettung und sickre von da nach dem uniniilrlbar daneben licgeiiben Born - sch en Brunnen. Ta die Stadt Friedberg die Vornahme der zur Abhilfe vorgeschlagenen Arbeiten abicnntc, machte das Kreisamt Friedberg dem Kreisauöschuß Vorlage, der dahin entschied, daß der Stadt Friedberg die Verpflichtung obliege, einer Verunreinigung d.s Brunnens Duru) näher bezeichnete Maßregeln ö0T;nbeugrn. Gegen diesen Beschluß beriolgtc die Großh. Bürgermeisterei Friedberg Beschwerde an den Provinzial-Aussckmß mit dem Antrag, den Kreis Friedberg zur Unterhaltung des Grabens mit anstoßendem Kanal zu verurteilen. Ter Ärooinzial-2Uisfchnß ließ durch eine Kommission an Ort und Stelle Einsicht nehmen, worauf die Sache am 7. Moember 1906 in öffentlicher Sitzung verhandelt wurde. Eine Entsckieidung erging jedoch noch nicht, da man es für zweckmäßig hielt, die Rechtskraft eines wegen Unterhaltung des wag lickten Grabens am gleichen Tage getauten Urteils abzuwarten und gleichzeitig durch Erhebung eines Gutachtens des awmischen Untersuchungsamtes weiteren Beweis darüber zu erheben, ob und inwieweit die Verunreinigung des Brunnens am die Schadhaftigkeit des Grabens zurückzuführen sei. Nach diesem Gutachten ist die Frage nicht ohne wetteve Untethuchungen mit Sickwrheit zu bejahen. Nach dem inzwischen rechtstraftig gewordenen Urteil in der anderen Sache, wurde heute Entscheidung dahin verlandet, daß der Beschwerde der Stadt öriebberg itartjugeben und der angefochtene Beschluß des Äreis- ausschusies aujzuheben sei. Zur Verbretterung der Schellengasse irr Alsfeld war u. a. aud) der Erwero eines etua.es Hoireilc der Fran Augustc Bücking zu Alswid crioroertid). Da sich eine gütliche Einigung mit der Eigentumerin nicht erzielen ließ, stellte die Grotzh. Bürgermeisterei Alsseid Antrag aut Enteignung bei dem Grotzh. Kreisamt ^llsjeld. In der vor der Lokaltomimssion alsdann angesetzten Tag,ahrt war die Eigentumerin nicht vertreten, weshalb unterstellt wurde, daß sie das Angebot der Stadt an- nehme. Nachträglich lief jedoch ein Schri,tsatz des Vertreters der Eigentumerin ein, in dein dieser für jein Fehlen eine Reihe von Gründen angab, und ißicb.'tcinfeöung in den vorigen Stano beantragte. Das Großh. Kreisamt brachte die Alten bet dem ProvinziabAusschuß in Vortage und sprach sich gegen den Antrag des Anwalts Lius. Nach seinerzeit avgehaitener öijeniiichcr Verhandlung entschied biejer dahin, bau die Eigentümerin mit ihren Anträgen und Einwendungen ausäuschließen sei, und sprach die Z u lä s s i g k e i t der Enteignung aus. Kmift unfc Wissenschaft. Josef Lewinsky -f. In Üliun ist am Mittwoch einer der Veteranen des Hofdurgtheaters, Zojef Lewinsky, gestorben. 49 Fahre hindurch hat der grobe Kunsller, der em Aller von 71 fahren erreichie, der Burg'angehört: 18u8 ließ Laube ihn als Franz Atoor devuiieren; drei Jahre jpaier erhielt er einen leben», länglichen Stoimati, den nun der Tod gelblt hat. Lewinsky war ui der Tat Diejenige „erste Krack im Ehaiatiersach', als die ihn Laiibe bezeichneie. -ceiue Figur und fein Organ ivaieu dinchans Nicht veckecheiid; aber feine große cd}au»pieltun|t, jeme glanjenben gelingen ivaben, jeme Sprechlunst liegen diese liiangel voülümmen verschwinden. Sein Franz Moor, piathan, Shylock, Pleister Anwn mären Ptuiterleistungen. Gerichtssaal. — Ein Duell un Tegeler porst be: Berlin zwischen dein Cberleumant 2)1 ü 11 e r und Dem Leutnant v. Mapp, Das vor einiger Zen ua.tiaiiD, beschämgie in Der Berufungsinstanz Das Ober-Kriegsgerlchl Des 3. Arrneeloips. BLahren^ sich Lber- leutnani Al. bei Dem auf Drei H'ionaie Fe,iung lauienDeu Uneil Des Kriegsgerichts beruhigte, hatte Leutnant v. K., Der zu einem iahre Festung verurteilt rnoiDen mar, bei Dem Lber-Knegsgei:cht Berufung eingelegt. Tas Urteil lautete Diesmal am vier T.onate Festung. Fn Der ei'":en Verhandlung vor Dem Kriegsgericht hatte v. K. btc SlcuBcrmig getan, Dan er lchließltch weiter nichts zu tun haben m u r D c, als 1 ichm11 anderen zu fchIeßen, men» er sich wegen aller Der grauen, mit Denen r verkehre. Duellieren müsse. Zn der Begründung des Urteils des Obkr-Kriea-aerickck^ winde dervoraeboden, daß die Aenßerima des 2lnaetlagten Minverständn^s bervoraenJen habe, v- K. bade iaac» wollen, inenn er sich wegen jrber Fran, die er kenne, iducBcn wolle, so könne er weiter nichts nm, als Duelle an-5'echten. Stuttgart, 26. Febr. Wegen Eni'chleovuna der M a u l - und K l a n e n i e n ch e in-' Cberamt Sentkirch bat der Minister deS Innern die Einsnbr und Turcbhihv von Rindvieh und Ziegen ans der Schweiz bis auf weiteres verboten. N»cteoroloyist1te bev Station (»ließen. Höchste Temperatur am 27.-28. Februar — 4- 7,1'0. Niedrigste . , , 27.-28. , « 2,5 * 0. Februar 1907 Barometer auf 0° reduziert Temperatur Der Luck Abiolute Feuchtigkeit =i Windrichtung Ä Wetter 27. ! 2“ 757.7 6,8 81 NW 2 Bed. Himmel 28. 9" 758 2 4,5 5.7 90 NW 2 28. 7" 758,9 4.8 5,8 90 NW 2 - e lCird)lid>e Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Ltadtkirchc. Freckag, den 1. März, abends 6 Uhr: 8. Passion-. anbad)t Pfarrer D. Schlosser. Israelitische ReligionSgcscllfchaft. S a b b a t i e i c r am 2. März 1607: Freitag abend 5.30 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Nachmittag 3.30 Uhr. Sabbat-Ausgang 6.50 Uhr. Wochengotleedienst: morgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr. Israelitische RcligioitSgemciude. Hottesdienil in der Synagoge (Südaulage). SamStag, den 2. Al ärz 190 7. Vorabend 0.00 Uhr. Alorgens 9.00 Uhr. Nachmittags 8.30 Uhr. Lchrifterklärung. eabbalauegang 6.5» Uhr. Kandcl. ** Tie Franksurter Hypothekenbank hatte 1906 einen Reingewinn von 2 721 915,24 Alk. zu verzeichnen. Der am 3. April d. Js. flatlfinbenDcn WcnccalDcriammlung ivird oorge» schlagen nach dem Statut 272 191,52 Alk. dem a. o. Reservefonds, ferner weitere 127 808,4b Alk. dem außerordentlichen Reservefonds und lOu 000 Mk. der Jmmobilienreserve ztr überiveisen. Ferner soll eine erste Dividende von 4 Proz. und eine weitere Dividende von 5 Proz. ausbezahlt luerben, zusammen 9 Proz. — 1 800 000 Alk. Der Pensionsanstalt sollen 50 000 'Ml. überwiesen tverden, wahrend an Tantiemen des Atü sich tSr als 159 972,37 Alk., an Tantlsmen des Vorstands 87 984,80 Alk. und an Vergütungen an die Beamten 67 000 Pik. ausziizahlen sind. Unter Berücksichtigung des (tieminn- vorlrages auS 1905 (379 144,25 Alk.) sind demnach 436 102,32 Alk. auf neue Rechnung zu übertragen. Berlin, 26. Febr. Heute sand die Sitzung deS AuffichlS- raleS der D i s ko n t o - G e s e l l sch a f t statt. Der Bruttogewinn stellt sich auf 26 766 105 Mk. (gegen 26 287 086 Mk. i. ßj.) nnb der Reingewinn auf 18845221 Mk. (gegen 18419753 Mü i. V.). Auf Grund der von der Bilanz-Revisions-Kvmmission Dorgeitommenen speziellen Prüfung erklärte sich der AuffichrS- ral mit dem Anträge der Geschästsinhaber einverstanden, für das Jahr 1906 eine Dividende von 9 Proz. auf das Komman- diitapiial von 170 000 000 Mk. (gegen 9 Proz. Dividende i. V.) in Vorschlag zu bringen. Es wird eine lleberweisung von 150 000 Mark an die mit einem Vermogensbestanve von 4 306 762 Mk. abschließende David Han.'einaimsche Peniionskasse für die Singe» stellten des Geschäfts beantragt. Die allgemeinen (gesetztickpm) Ute)einen und C/ic besonderen Reserven belaufen sich insgesamt auf 57 592 611 Mk. und find im Verhältnis zum Kommandit- lavital von 170 000 000 Mk. ftatuiarifd) nicht weiter -u er-* hohen Nach Einstellung der Gewinnbeteiligungen mit 1789 474 Mark und der Tantiemen mit 447 368 Ml. find auf neue Rechnung 1 158 379 Mk. vorztttragen. Die Generalversammlung zur Feststellung der Bllanz wird auf den 25. März einbetufen werden. Märkte. Limburg a. d. L., 27. Febr. Fruchtmarkt. Durch» jchiiittsprerse pro Blatter. 9toter AZeizen (Nassauischer) 00.00 Mk,, iveißer Welzen 00.00 Blk., Korn 12.70 Mk., Gerste 00.00 pa>er 0.00 Bit. Erbsen 0.00 Mk., Karioßeln O.üO 'Mk. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und inüUBirie. Giessen. Frankf urter Börne 31L"/, Beicbsanleihe . 97.40 6% do. . . «o.öU Konsols .... 97.50 6% do.....86.00 3>4°/e Hessen . . . . 96 35 u^su/6 Üueruessen . . . 95.5o 4 y-o Uesierr. Uoldreute. . 9ti.7o 4‘/896 Uesterr. biiberreute 100.00 4 o Ungar. Uuldrente . . 95.4a 4% Italien. Reute . . . — 3?o Purtugieseu Serie 1 . 69.30 3% Portugiesen „ 111 7u.lö 41»v/e rus;.bluatsaul. 190«? ’JLöb 4>6 0 japau. itaateauleihe 92.7u 4 Cvuv. ItlrKeu von luu3 9o.9 liirkeiiiuse ... . . 146.0. 1% Unecb. Houopol-Aul. 51.75 4% äussere Argentinier . 87.30 uv/0 liexiaauer . . 66.7u 4/»\# cbiuesen .... 97.85 Aktien : b och um Gus»..... 235^u tiuaerus L. W .... 122.uu '1‘eudeuz: ruhig. berliner Börne, 28. 28. Februar, 1.15 Uhr. Elektnz. Lahmeyer . . . 137.20 .Elektnz. Schuckert . . . 115.00 hschwellet Bergwerk • . 242.00 Uelseukirchen Bergwerk . 206 Hamburg - Amerik. Paketi. 148.40 liarpeuer Bergwerk. . . 217.75 Lauraiiütte...... 237.75 .\urdd. Lloyd.....128^0 Ubeischlcs. Eiseu-Iudostrie 113.30 Berliner Handelsges . 169j50 Darmstädter Bank . . . 136.50 Deutsche Bank . . . 242.20 Deutsch-Asiat Bank . . 171.40 Diakuutu-Kommandit. . . 181.80 Dresdner Bank . . . 155.50 Kifcdituküeu.....213.70 Baltimore- und Ohio- Biseulaüu . . . 112.80 uouuaidbalui ..... —.— Lum bald. Usenuahu . . 29.75 uesterr. äiaateuaiui . . . 146.90 rruice-Heun-±.uicuüahn . 141.<5 Februar. Anfangskurse. Cauada E. B......185.6«) Darmstadter Bank . . . 136.0 Deutsche Bank .... 241Jk Dortmuuder-Lmou C. . . bz.lu Dresauer Dank . . . 155.lv lendens; ruhig. Harpener Bergwerk. . . 217.20 ..aurauütte .... 237.75 .ouibarueu £. B. ... 29.75 .\ordu. Lloyd.....127^0 l ur».ealuse . ... 145.70 ■richtete kleine hluatr, geheizte ■rridorc. Sory IM!.!..!..«. Kranke. Warme geeehOtzte Vf interKlir Tur am SOdal'hnnze des Taunus Bi lieh eiir.' I Spezial' 8 C ■ V 3 riN H ä BJinaGi - und Verpflernng. Itffttknreii. (Dey u ... . .ür M nd-, uenii la.) Prospekte franko. 0s if. Scbulze-ÜHhley*.*, Mer^enarzt. 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'-• S L-c 2 TJ) ■= ä S o •-Sa*: Ä5£ zZ SZ ■c O 5% e» ZL ÖL Ä = o«S s «> — TO y o u — 3E-- O« _ 17 w § ^«5 S 5 r .S’3'5 'ES N j- Lß " d-r 2 *ah öS: — S £ k_c •Se- -2 =& -9 - . •|'=' s i- £ 'S— .Effi - -Z E D5v »HZÄ o St 2"E5 ^o"0 5 « 1 ® -- o a -E jo 'S" EZZZ H.S11 - -s Z 6# - -1 K — i° Ä O -?K c Q. et u— O> ®s As t;5p S2i EL- «> v «n 8«a L t e T L «ft 3 3»-, >a& Asca, z Z OD = IA.Z 2 E ^■o »»E. « y - o F LH = E o 3^ o -_> 3« 5>r «n ~ 2 3 Z J-O |.s- 'c —' TS =We s 3 - 55 i f s-E SS — C". Su> 5$-: <■3 ... =^> «-«S 2 Ä E'y o 2 - s = <- _55 r;. E-g s 2 3 ~ c y ^44- sZUrs '-• —c^ 3^- _o * ske >= Z-ZL 3t=® Z.gS y s^- — c *_ * L -~ : = r£ LLL cs® 2T 1 L S r s KZ- ZKT -il=p - = -X, — y ä e-_ :- 5'y :-■ ''■' 2 XL ' •c X ft — 3 ■ - .. ü«, «Äg| e? '^ZL- 5 Q ~ 2 — y.:g B - C 3 CAO 3 -_ CT - . c- -E Q - Z - = 3 *3 £t ^5*^- «ft 31 3 'Z 3 3 «2--Z äJc 5? 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A§Zs S33ff - lD K S'©3 o 13 - riL- t "nb il< c.'h’t&lor ife ° ch«, 7btl'< ooif'»0J"“il >L ^2 = a<~ Z^§ Ä a-S §3e^ ®SZ 2. g^2.g HS re eos 53 a O "-52 re »a ES 5 61» rt— 2 3LP & SZ^W? gr|®s&H ? "?FS.Ä»h -Ü::^®5a Ki ^esl®~ 0 2 « " S® p g @2^2 ag-re s?r. £ anßer v werde» im bemü* bie «rt*1 blatt« viki Loche bei zweimal^ Kftisblfltt 1 IchtuSl»® Verlas"' i Abr^e Wr -azeiger ae^sVs3 §e COOr eg 3 cr^. OB -L (51 —2X Cu ^»*8 äße a" S p= <» LS" TT GT^* S* =2.a 2(5^ &3 ® Z-ro « © 5(p&2.r^ Zi«Lp §8 AZ .Hsh=R= 2 =-=:re ro«ZOS WZRÄM KZW ro o-W»p ?.' -2-a10 re o'T= »' re28 CD- ~ "(51