Donnerstag 28. Februar 11)07 *= Vom südwestafritanischen Aufstande. 157. Jahrgang Nr. Erstes Blatt ■ wt A.I.I ll.flA ' durch den jchigcn Vorst aiid nut allen gegen eine auinmi beschlossen. 5)a nach den Statuten die Auslösung nur durch ^wei ordentliche (Äeneraloersammlungen endgültig beschlossen werden kann, finbet am 3U. 3)lar$ eine zweite Generalversammlung statt. — Der Voss. Jtg. zufolge wird eine Vorlage bett. Verbreiterung des Maifct W i 11) cl m - 51 a n a l s ivegen der großen Wichtigkeit dieser Angelegenheit für die Marine und die Handelsflotte bestimmt noch in dieser Tagung den^Reichstage zugehen. — Tie Schaffung eines ReichSkaufmannSgerichteS ist zur Anregung gebracht worden. Beim Bundesrat unb Reichstag sotten vom 5laufmann§gerid)t entsprechende Anträge eingebracht werden. — Der Zentrumsabgeordnete N o e r e n dementiert die Mitteilung, als habe er nut seinem Wunsch um Pensionierung dem Drängen der Parteifreunde nad)gegeben und sich auf ö Wochen beurlauben zu lassen, um den parlamentarischen Debatten au5 dem Wege zu gehen. — Dem Vernehmen nach ist in der heutigen Sitzung bei Bundesralsauvichufies die braun schwel gische An- gelegenhell bcbanbeli luoiöeii und e« wird als unzmei'eihait an- genommen, bau man sich bavübcc einig gcivorben gl, büß unter den obiva.ieiibe» Umiinuben kein Mitglied des Paule« Cumberland zur Dhromolge in 'brnunichiueig berufen werden könne. Tie Angeieuemieii gehl nunmehr uom Aus,cvuß an den VnndeSial ieibu und biejer iimb sich schon morgen mu der An- gelcgcnljeip be|d)ältigeu. Reichslanzler jjuvfi Bulow wird selbst den Vorsttz fuhren. Cs gilt als sicher, daß der Lundesral benjelben Liandpunkt etnnnnnit rvie sein Ausschuß. Im Zenlralverein deutscher Staatsbürger südliche n Glaubens sprach, so leien mir in der „Disch. Tagesztg.", gestern Dr. Jose, Xlcvy über ^DaS Ergebnis der Jieiaiaiag8iüQt)leir. Vom müischen Slandpunkle sei das lir- gebms keineswegs ersreulich. Dec Schwerpunkt sei nach rechts verschoben, die Antisemiten der verschiedenen Richtungen von 21 aus du gestiegen. Bon der nalionaleu Wahlparole unb ruihhandel bei den -Stichwahlen hätten die Antljemiten die meisten Borteile zu ziehen gewußt. Bedauerlrcherioeije Hanen die Liberalen in ihrem wütenden Losgehen gegen die Sozialdemokraten alle ihre Prinzipien über den Partien geworien, ihre gairze Bergangen- hell verleugnet unb bauen sogar ossen Biahlauiru!« zuguuslen von Antisemiten erlassen. vlich» weniger als 18 Anuscmlien seien auf liberalen drucken m ben Reichstag gelangt, em Borgang, der jeben liberalen Juden schmerzlich berühren müsse. Nichtsdestoweniger sollten die Juden keineswegs unter dlesem Eindruck von Parteien der Linken die Gelolgichau veriagen, sondern nur ihren Cmsluß dahin geltend zu macheii suchen, daß dergleichen Preisgabe der l-beralei» Grundsätze nicht mehr vorkomme. So reaktionär und anti- semilisch derpeue Reichstag auch sei, eine Verlegung der staatsbürgerlichen Rechteber deultchen Iudei» lei von ihm nicht zu beiürchlen. Alenn der Zenlralverein ben Anlisemilismus bekampie, |o tue er es nicht tin egoiiiljcheu Interesse der Juden, sonbern biene damit gleichsallS der .nationalen Ehre" und dem Wohle des deutschen Vaterlandes." Lebhauer Benall.) Ludwigshafen, 27. Febr. Nach der ,Pf. Pr." ist gegen die Wahl des Bürgermeisters Spindler (Ztr.) zum ReichSlagS- abgeordnelen P r o l e |i an ben Reichstag übgegangen. oiraßburg, 21. Fedr. wegen die Wahl des hiesigen foz. Zigarrenhanblers Bohle zum Reichslagsadgeoroueten t|l von liberaler Seile Einspruch erhoben worben. Deutsche» Reich. Berlin, 27. Febr. Anläßlich beS Hochzeitstages des Kaiserpaares fand heute abenb im Elijabethfaal des Schlaffes Tafel statt. — Lern bisherigen Gesandten in Christiania S tu bei tvurden die Brillanten znm Roten Adlerorden zweiter Klaffe mit Stern unb Eichenlaub, dem badischen Fmanzimnister Becker der Kronenorden erster Klaffe verliehen. — Tie Vorbereitungen zum preußischen Lehrer» Besoldungsgesetz sind soweit gefördert, daß demnächst an die endgüllige Fertigstellung des Entwurfs gegangen werden kann. Auch die Atisfühcungsbestiinniungen zum Schulunter- haltungsgesetz sind soweit vorgeschritten, daß die Veröffent- lichilng des ersten Abschnittes in Kurze zu erwarten steht. Berlin, 27. Febr. Tie Geschäftsordimngskommission )es Abgeordnetenhauses beschloß, die Genehmigung zur S t r a f v e r f o 1 g u n g der sozialdemokratischen Redakteure Molkenbuhr, Wtttmaack und Dornheim roegen Beleidigung des Abgeordnetetchauses nicht zu erteilen, da es für die Beurteilung der vorliegenden Fälle ent- cheidcnd sei, ob die Beleidigungen schon vor der Warnung, die mit der früher beschlossenen Genehmigung zur Strafverfolgung beabsichtigt sei, erfolgt seien, was tatsächlich der Fall sei. — In der Generalversammlung der Berliner Milch- zentrale wurde die Erhöhung der Haftsumme von 260 auf 280 Mk. für jeden Anteil mit allen gegen 33 Stimmen, die Erhöhung der Geschäftsanteile von 260 auf 280 Mt. mit allen gegen 29 Stimmen und die Auflösung der Genossenschaft, sowie die Durchführung der Liquidation Berlin, 27. Februar. Dem Reichstage ging eine vom großen Generalstabe ouSgearbeitete Denkschrift über den Verlauf beS Aufstandes in Eüdwestafrika (Fortsetzung) zu. Diese schildert den Verlauf der Operationen seit dem November 19u6, welche dahin führten, daß der Kapitän der Bondelswarts, Johannes Christian, die Nutzlosigkeit des weiteren Widerstandes einsah, sind berichtet über die vergeblichen Versuche, mit den Bon- helfroarts über den Frieden zu verhandeln, in Folge deren «erlauf es für den Obersten Deimling noch Mitte Dezember völlig ungewiß war, ob die Unterrocrfung zu Stande kommen werde, wahrend auf dem anderen Gebiete pes Kriegsschauplatzes der Kriegszustand forldauecte. Teuu- iing hielt es um diese Zeit noch nicht für angängig, Bericht ßber die beabsichtigten Verhandlungen zu erstatten,, da noch picht abzusehen war, ob sie em Ergebnis hätten. Die Sept» nwixai 110)75^ otfrteU jährlich All. 8.20. durch Abbote- il BroetgneUen monatlich 6Ü Pi durch die Post Mk.8.— vienel- lälnl. auelrt)L Be-lellg. Annahme von Änielgci füi bie iagetnununet bi« oonnuidq« tu ttnr. Bedenprete; lokal tdPi^ aueiDärte zu Piemng. fBV ianiwörtlich titt ben polit unb allqem. Leit: P, Witiko tüt labt unb Land" unb .Gerichtssaaf Ernst 'e peb , tut ben An- geiqentetl: San« Beck In einer Besprechung der letzten Rede deS Reichskanzlers schreibt die römische ,2nbuna*: Mit Bezug auf seine Versicherung der friedlichen Politik Deulschlands, es sei zwar selbstverständlich, daß em arbeitimnee Volk wie bas beulsche und eine Negierung wie die BütoivS, die Nichts versäume, die wirtschafiliche, kommerzielle und industrielle Enl'.vickluna Deutschlands zu sichern, Abeineuern abgeneigt fei, welche die Früchte jo vieler Jahre der Arbeit aufs Spiet setzen könilieii, aber es sei bei einem jo von Verdächtigungen gesälliglen internationalen Milieu ein Akt kluger Politik, bieS immer wieder |u sagen. Fast alle Pariser Blätter heben hervor, daß der Reichskanzler gegen Bebel sehr entschieden, gegen Spahn dagegen ungemein vorsichtig aufgetreten sei. „Petste Repu- |blique* kommt zu folgendem seltsamen Schluffe: »Fürst Bülow wird eö nicht leicht haben, in der inneren Politik die Elemente semer Mehrheit zusammenzuhalien. Tie Schwierigkeit verschivmdet mdetz, wenn nationale Fragen zur Erörterung stehen. Dos »st der schwarze Punkt der Lage, denn die Versuchung ist stark, durch ein äußeres diplomatisches Unternehmen den Schivierigke,len der inneren Politik abnihetien. Da besieht für Europa eine toe- lahr, die nicht oeriiachlassigt werden darf." Ausland. Stockholm, 27. Fevr. .jn der zweiten Lämmer wurde heute ein Abänderungsanttag zu dem Regierungsentwurf bett, die Apanaaesrage eingeorucht. Die Anrragsietter crfläcten, sic i,äit.n itf-örm, b-iß das Defizit im Haushaltdes Kronprinzen sich auf 660 OOU Kro neu btiuuie, unb sie hretten es daher für richtiger, diesen Fehlbetrag Döing zu betten, als die von der Regierung rorgeschlaaene Apanage zu beiuiUigen. Sie beantragten daher, falls der Apanageentwurf der Regierung abgelehnt wurde, das zum trvnprinzlichen Palais gehörige Stall- gebäube ju verkaufen und von der Lauffumme 550 000 Kronen zur Deckung des Teiizils zu verwenden unb weitere 28000 Kronen ba|ür zu verwenden, in den lvniglichcn vo,stallungen eigene Stallungen für die kronprinzliche Hofhaltung einzurichten. Es verlautet, daß die Regierung diesen Antrag bcroilligt. London, 27. Febr. Nach verschiedenen übereinstimmenden Meldungen aus K a p st a d t hat die bortige Polizei einKomplott entdeat, dessen Tettnehmer bezweckten, die holländische Insel Ce- lebe sdenNiederlanden zuentreißenundinden Besitz einer Bande nwderner R ä u be r ju bringen. 3000 bewaffnete Abenteurtt hätten, wie der englischen Behörde bekannt geworden ist, an der Insel landen sollen, um von ihr Besitz zu ergreifen unb eine Regentschast einzusetzen. Nach der Eroberung d>r Fasel wollten die biäubet die Gruden, welche sehr reichhaltig sein sollen, für sich ausbeuten. Man httl die Fäden des Mmplous nicht nur in Südairika, sondern auch bis nach Englatib und Amerika verfolgt. Nicht nut Engländer, sondern auch Lapburen, Amerikaner und einige Deutsche, Schweden und Dänen sind an der Sacye beteiligt. Dampfer waren schon gemietet, um die Expedition nach EelebeS zu transponieren. Die Behörden in Südafrika haben schleunigst Maßregeln ergriffen, um die Ausführung des Projekts zu verhindern. (Die ganze Meldung Lingt überaus unwahrscheinlich. D. Red.) — Tas Unterhaus nahm mit 108 gegen 90 Stimmen eine Rcsolution an, durch weicpe die Entstaatlichung der englischen Kirchen unb die Einziehung der geistlichen Pfründen befürwortet wird. Paris, 27. Febr. Im ehemaligen 'Jiuntiaturgebäube sind heule nachmittag Die Papiere des Archivs der Nuntiatur in Anwesenheit des Ministers Gavarry und des österr. Botsotsrttes Grasen Nemes, aus den von der französi,chen Polizei vrr irgetten schränken entnommen, ohne Vornahme irgend einer Veri,itation in Stiften verpackt, sodann mit den Siegeln des sr-n.ösis^n Minister.um& des Aeußern unb der öiterreichtsch- ungarisa.cn Botschaft versehen uin> nach Aufnahme eines Pro- toHolles über bu& m dieser Angeiegenl-eit beobachtete Verfahren nao) d.r vsterteichisch-ungurischen Botsusttsi gebracht woroen. Die Botschait wiro vie Stiften demnächst dem Vertreter des 'JJlonfignore Montagnini übergeben. — D«r iZLbj. Eontant hat einen Antrag in der ttammer eingebraa.it, worui er verlangt, baß den Steuerzahlern, die weniger als 9000 <51 cä. Einkommen Haden ober schritt gibt dann Den Verlauf der FriedenSocrhandlungen wieder, die am 21. Dezember begannen und am 23. De- zernber zur Unterwerfung der BondelsioartS führten; sodann erwähnt die Tcnkschnft, daß Simon Copper mit einem Xeil der Franzmann-Hottentotten noch in der schwer zugänglichen Kalohari im Felde sieht und im Süden arißer dem Kapitän Lambert auch der au8 dem Kaplande zurück- gekehrte Fielding das Fischstußgebiet seit einiger Zeit un- sicher macht. Daher sei un Süden der Kolonie zu bei oollständigen Niederwerfung des Aufstandes zurzeit noch eine angemessene Truppenzahl erforderlich und vorzeitige Zurückziehung der Truppen würde den Ai u t der noch im Felde stehenden Auf ständigen neu beleben und ihnen Zulauf verschaffen. Em Sluf- flackern d e 8 A u f st a n d e s sei noch Nicht ausgeschlossen. "Noch viele unsichere Elemente seien im Grenzgebiete vorhanden, die jederzeit bereit seien, Unruhige zu neuen Kämpfen aufzureizen. Die Tenkschrift schildert sodann eingehend die gegenwärtigen Verhältnisse un ganzen Schutzgebiete, welche- sich in einer UedergangSzeit befinde und wo völlige FriedenSoerhältnisje noch nicht überall vorhanden seien. Welchen Euistuß die einseitigen Heieroführec, wie Samuel Illkoharero, noch nach der etwaigen ötuckkehc in das Starninland ausüben werden, fei zweifelhaft. Im mittleren Üiamaland unb in ben Bezirken Gideon und Keetmans- 1)0 op seien Keime. zu neuen Unruhen ganz besonders vorhanden. Im aübin sei die Aufrechterhaltung kampi- bereiter Truppen vnentbihrlich. Ein nicht unbeträchtlicher Teil dec Truppen werde zunächst noch benötigt ziir Bewachung von 16000 Gefangenen, ferner leben etwa 15 000 freie Eingeborene in Stammesorgamsatlonen zum Teil gut bewaffnet und beritten, und ziviichen ihnen deutsche Siedler, Buren und Alischlinge. Zn einem derartigen besiedelten Gebiete von 1'/, facher Größe des deutschen Reiches, sei eine starke Trupp nmacht zunächst noch nötig, um ihm die erforderliche Sicherheit zu gewähren. 'Dlilitärftationen müssen eingerichtet werden und mit genügender Stärke besetzt werden, um ununterbrochen Streiszüge zur Durchführung der Entwaffnung der Eingeborenen zu unternehmen. Die Denkschrift schließt: Aus allen diesen Gründen läßt eine weitere Verminderung der Truppen sich nur allmählich durchführen. Eine Ucbercilung könne zu schlimmen Riick- ichlägen führen. Mit der bereits angekündigten Verminderung auf 7000 Mann bis zum Schluffe des Rechnungsjahres 1906 ist vielmehr die Zahlengrenze erreicht, bie für die nächste Ucbergangszeit nötig und auch mit Rücksicht auf das erforber- liche HeranSziehen ber Heimatstransporte bis zum 1. 'April 1907 möglich ist. Rach ber fortschreitenben Besiedelung, nach bei fneblichen Anpassung der Eingeborenen, vor allem aber nach der weiteren Erschließung beS Landes durch Eisenbahnen lvird sich das Vtaß der Zurückziehung der Truppen regeln lassen. Insbesondere ist bie Fortführung ber Bahn nach Keetmanshoop, abgesehen von wirtschaftlichen Vorteilen, aus militärischen Grünben nach wie vor briuglich. Ohne biese Bahn sind bie Truppen beS SübenS noch immer auf bie Zufuhr auS englischem Gebiete angewiesen. Die englische Grenze ist aber wiederholt, auch von neuem seit Mitte Januar, von der Staatsregierung gesperrt worden. Die Eisenbahn ist das sicherste Alittel, um mit geringeren Truppenstärken auSzukommen. Sie gewährt allein die ÜNöglichkeit einer schnellen Truppenverschlebung im Falle einer Gefahr. Was bie militärische Entblößung eines Gebietsteiles auf längere Dauer in unruhigen Zeiten bedeutet, hat bie Entwickelung des nun beendeten LlusltandeS gelehrt. außer EonmagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen kandwlrt die Gießener Zamltien- blötter viermal In der Woche beigelcgt unt zweimal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis General-Anzeiger für Gberhesien “««Kifl« «i,ften.n: Rotatfons6ruim von dort aus ben englischen Besitz m Südwest - afrifa zu bedrohen. 9lun behauptet ber ,VorwärtS^ .unter einem starken Aufwand von Schimpfworten, eine derartige Älnslaffung habe nicht im .Vorwärts*, sondern in dem bürg .".chen Unternehmeiblatt, die rStonfeftion*, gestanden, und der „Vorwärts^ habe sie lediglich nachgedruckl. Wir haben hier ben schlagenben Beweis dafür, mit welcher Lncht- fertigfeit das Zentralorgan bet Sozialdemokratie gemacht wirb. Seine Redakteure kennen ihr eigenes Blatt nicht. Sonst müßten sie wiffen, baß der .VorwäitS" vom 80. Januar in einem »Imperialistische Wahlen* überschrievenen Artikel seines Londoner ÄlitarbeiterS folgende Sätze enthielt: sind Anzeigen vorhanden, daß man in Deutschland an der Möglichkeu verzweifelt, den Engländern zur See als 9)1 a ti) 11 a f t o r e n t g e g e n 11 e 11 n zu können. Allem was zur See nicht möglich ist, könne man zu Lande versuchen. Ansgehenv von diesem ivedanken will Deutschlano in Südwestalrika eine Landmacht schaffen, um auf das britische Reich einen D r n ck auBüben zu kÜimen. Man rechnet tn Deutschland, Südafrika sei die Achillevoerse Englands. Die Buren vergäßen noch lange nicht die Konflitte nut England; ihre Austehnmig gegen die engiifchen Eroberer |et ivohl möglich. In einem iolchei» Aiomenle könne Deutschland nut einer starken südwestairlkanlschen Garnison den Engländern Bedingungen stellen und Konzessionen abrmgen. Rur aus diesen Erwägungen erliärl sich die EinpfindlichkeU der deulschen Regierung über die Abiehnung des südweiiafrikanischen RachiragLelaiS. Ebenso erllärt sich daran« der Wert, den die Re- flicnuig der sonst ökonomisch werllosen Kolonie bemußt. Sudwest- afrila i>at für sie einen straieg'schen unb biplomatischen Werl/ Wir bemerken ausdrücklich, baß biese Auslassungen nicht Zitat, sonbern eigenes Gespräch beS sozialbcmokratischen Ver- fasserS sind. Wollte man banach gegenüber ber Ablehnung des ,VorwärtsE ben Sa uherbent on anwenben, fo würde man tagen, baß baS Blatt seine Lefer frech belogen hat. In ber letzten ReichstagSrcbe hat bet Reichskanzler ferner ei.ie Llilteilung ber „Frankf. Ztg/ uom 6. Febriiar o*r* lesen, nach welcher am SLichwahltage in Jranl- f u r t a. M. von bem sozialbemolratischen Wahlkomiiee im Auftrage von Wilhelm Dittmann cm Flugblatt verbreitet worben sei, m bem ben Freisinnigen St immen kauf am Wahltage oorgeworfen wurde. Tiefes lügenhafte Flugblatt fei bereits am Tage vor ber Wahl gebrückt worben. Dem Fürsten Büloio ist nun ein Telegramm DittmannS zu- gegangen, in welchem biescr barauf aufmerksam macht, baß bereits un Abenbblatt ber ,Franks. Ztg." vom 6. Februar eine Berichtigung von ihm enthalten war, in welcher unter Angabe ber Zett unb ber Art ber Zeugen erklärt würbe, baß die Behauptung unwahr und er gegen bie „Franks. Ztg/ klagen werbe. Diese Berichtigung war bem Reichskanzlei Nicht bekannt. Ob bie „Frantf. Ztg/ mit ber von Bülow verlesenen 'JJliüeilung im Rechte ist ober nicht, wirb ja bas in Aussicht gestellte Gerichtsverfahren erweisen. fäenffftr oö 6Ö0Ö' ffvcS. für die'Är'igen SteuerKrtegorftn aufcer' der Grundsteuer versteuern, die Abgaben um "zo verkitt g er t werden, falls sie ein Kind, um Vio, falls» ne ktoei Kinder besitzen u. s. f. Bei sechs und mehr Kin dern wurden die betreffenden Familienvater völlig steuerfrei ausgehen. Um die Abgaben wieder auszugunchen, schlagt der Abgeordnete vor, eine Steuer für Junggesellcn, Witwer oder kinderlos geschiedene Eheleute cmzu^uhrcn — Senator Berangcr hat den Prokurator der Republik erfucht, erne strengere Zensur derjenigen Zeitungen und Zeitschriften einzufübren, welche sich B e r stö ß e g e ge n oie M o r a l in Wort und Bild zuschuLen tommcn lauen. Rom, 28. Febr. In vatikanischen Kreisen hält man nach dem „Givrnale d'Italia" ein direktes und persönliches Ein- greifen staiscr Franz Iosess in die diplomatische Frage, die durch Beschlagnahme des A r ch l v s d er Pariser Nun r i a t ur ausgcrollt ist, für wahrscheinlich. j "* ~~ ■ -—— Aas Zleucste aus Rußland. Ein Anschlag aus den Grobfürsten Nikolai. Ueber ein mißlungenes Attentat auf den Großfürsten Nikolai, einem Oheun des Zaren, berichten folgende Telegramme aus Petersburg: Wie die „Qlorooie Wremja* meldet, trat am Dienstag abend kurz vor 6 Uhr der Haupktonduktor der großsürstlichen^Zuge beim Abgehen der zum kaiserlichen Pavillon führenden Ltrecke eine Perlon, die eine Kiste nut einer Bombe aut die schienen stellie. Der Verbrecher wurde verfolgt, entkam aber in einem bereitslehendeu Schlitten. Um 8 Uhr wurde der Grostfürst Nikolai Nckolajewusch, der Chef des Petersburger Militärbezirks, aud Zarfkose-Lselo zuiuct- erivarlet. Tie Bombe enthielt 31/, Pluud Dynamit, ihre Sprengkraft war sehr grog. Eine verschärfte Ueberwachung der ^Strecke ist angeordnet wordeii. L ™ ~ Die Bombe Hal zylindrische Form; sie ist etwa 22 Zentimeter lang, etwa 13 Zentimeter breit und enthielt 3 Pfund Dynamit und E8 Sprengkapseln. Ihre Sprengkraft wäre imstande gewesen, den ganzen Zug zu zertrümmern. Alk Uebeltäter werden ehemalige Bedienstete der Eisenbahn vermutet. Der Zug wurde auf em anderes Gleis übergeiührt. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch fuhr noch an demselben Abend nach Zurskoje-Lselo. o Ter Attentäter trug die Uniform eines Maschinisten des Elsen- bahn-Balaillons; er war jung und hatte em intelligentes Gesicht. Bei der Verfolgung sprang er über das Gitter, bestieg einen bereit stehenden eleganten Schnelliahrer und raste davon. Tie gesamte Stauonspolizei ist auf den Beinen. Ter Atteuläter ist noch nicht gesunden. Die Staatspolizei erhielt Nachricht, daß die Terroristen ^beabsichtigten, gegen den 10. wlärz emc ganze 8k e i he u o n Attentaten ans hochgestellte Personen zu begehen. Die Er- regnng unter dem Publitum ist groß. Nach amtlichen Mitieilnngen drang der Attentäter nut Hülfe eines N a ch s ch l ü s j e l 5 in die Station Zarsloje-Sjelo und legte die Bombe drei Minuten vor der Abfahrt des Großsürsten auf die Schienen. In Krasnojarsk wurde dcr Stadthauptmann auf einem Spaziergange durch zwei Revolverschüsse getötet. «Der Mörder entkam. Mit der Eröffnung der Reichsduma am 5. Marz ist der Lizeprüsidr.it drö Reichsrates Golubow betraut worden. Are Ausländer auf deutschen Kochschnlen. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Berlin, 26. Februar. Um zu der Frage der Ausländer auf deutschen Hochschulen Stellung zu nehmen, hatten sich heute abend 5—700 Studenten tu ben Svphiensälen zusammengefunden. Den Anstoß zu einer energischen Protestbewegung der Berliner Studentenschaft gab das eifrige Eintreten der russischen und polnischen Studenten bei (tyen Neichstagswahlen für die Sozialdemokratie.. Auck Russen und Polen waren zahlreich anwesend, ebenso viele weibliche Studentinnen. Auch mehrere Reichstagsabgeordnete, Lattmann usw., hatten sich einge- funben. — Die Versammlung wurde von dem früheren Reichs- ragskandidaten für Berlin III, Rechtsanwalt Dr. Brederel, eröffnet. Dann ergriff der bekannte alldeutsche Professor S a m a s s a das Wort, um die Frage des Ausländertums an den deutschen Hochschulen zu beleuchten. Es ist ein nationales Problem, führte er aus, das ich beleuMen will. Mit dem Anwachsen von Ausländern ist eine Gefahr verbunden. Die anderen Staaten haben sich durch Gesetze dagegen gesichert, indem sie die Ausländer zur Naturalisation zwangen. Bei uns ist bas Ausländertum hoch rm Schwange. Sogar unsere Soldaten müssen fremden Offizieren, z. B. chinesischen, Ehrenbezeugungen erweisen. Besonders auffallend ist das Eindringen der Ausländer an den deutschen Hvchn- schulen. Es ist gewiß schmeichelhaft, wenn die Fremden sich zu uns drängen, um zu lernen, weil wir ihnen in liberalster Weise unsere Lerneinrichtungen zur Verfügung gestellt haben. Unsere Gastfreundschaft darf aber nicht zu weit gehen. _ Denn dadurch, daß die Fremden bei uns lernen, wird die Tätigkeit der Deutschen im Auslande eingeschränkt, weil diese fremden Länder jetzt bereits ihre eigenen Söhne in den Dienst stellen. Diese haben sich aber ihre Kenntnisse nicht ^etwa auf Kosten ihres Staates erworben, sondern der deutsche Staat muß das bezahlen, wenn er ihnen in liberalster Weise die Benutzung der deutschen Hochschulen erlaubt. (Lebhaftes Hoch! .Hoch!) _ Wir haben aber Vornehmheit genug gezeigt und dazu nichts gesagt, bis schließlich die minderwertigen Elemente aus dem Osten gar zu großtuerisch aufzutreten begannen. (Lebhafte Zustimmung.) Daß die Gefahr wirklich groß ist, geht daraus hervor, daß von den 45 000 Studenten au den deutschen Hochschulen schon 4151 fremde Gäste sind. (Hoch! Hoch!) Tie Zahl der russischen Studenten ist von 1326 auf 1890 gestiegen, also in einem Jahre um 500. Wenn bas so 10 Jahre weitergeht (Heiterkeit), so kommen wir zu ganz haltlosen Zuständen. Diese Personen haben eine soiiderbare Art. Wenn sie eine Forderung in ihrer Heimat durchsetzen wollen, so schlagen sie im Universitätsgebäude alles kurz unb klein. (Heiterkeit.) Auch sittlich stehen sie tiefer. In Deutschland kommen auf 1000 Inländer 9 Verurteilte, auf die Ausländer 13, auf die Russen aber 29. In Darmstadt tarnen z. B. bei der Hochschule im letzten Jahre auf 1375 Studenten 677 Ausländer. Davon sind 523 Russen. Dieser Uebelstand ist kein Phantom der Studentenschaft. Es ist auch von den Behörden anerkannt unb cd ist manches geschehen, diesen russisch-jüdischen Zuzug zu beschränken. An manchen Hochschulen hat man sie aber sogar bevorzugt, weil es an Studenten fehlte. (Lebhaftes Hoch! Hoch!) Man kann nicht von der Unbilligkeit reden, wenn wir uns mit aller Macht gegen b lesen Zuzug wehren. (Lebhafte Zustimmung.) Die Stuttgarter Hochschule hat sich diesen unerfreulichen Zuzug energisch sern gehalten. (Beifall.) Wir sind nicht unduldsam, wenn sie mit uns gleich stehen, wenn sie gesellschaftliche Foruieu achten und die gleiche Weltanschauung haben wie wir. (Heiterkeit.) Bei uns herrscht ein freudiger nationaler Geist. (Lebhafter Beifall.) Deutsche aus dem Auslande, mögen sie Reichsangehörige sein ober nicht, sind uns stets willkommen. oBeijatt.) In Riga T)aben die russischen Juden die Deutschen niedergeknebelt. (Lebhafter Veimll und Hochrufe! Widerspruch.) Gäste, wie die Skandinavier heißen wir gern willkommen, denn sie wissen sich vornehm zu benehmen., (Beifall.) Anders ist es mit den russischen Studenten. (Beifall.) Es ist die Frage aufgeworfen, ob man die Russen anders behandelt hätte, wenn sie nicht für die Sozialdemokratie, sondern für die nationalen Parteien eingetreten wären. (Rufe: Sicher! Lachen.) Wir halten nicht viel von den Russen, die unsere Hochschulen nur als eine Kurzwarenhandlung für Wissen halten. (Große Heiterteit.) Unsere Hochschulen sollen nicht in ihrem nationalen Charakter gefährdet werden, am wenigsten von ben Herren von dem Stamme „Mandelstamm unb Silberfarb". (Stürmischer Beifall.) Der Versammlung wurde etwa folgende Resolution vorgelegt: „Die heute tagende Aiademikerversammlung erblickt ui dem steigenden Zuzug kulturell minderwertiger Elemente aus dem Osten eine Gefährdung des nationalen Eharakters unserer Hock-- schulen unb verwahrt sich gegen diese slaoischen und jüdischen Studenten- die bei den letzten Wahlen der Sozialdemokratie Wahl- hulfe geleistet haben. Die Versammlung bittet das preutz. Unterrichtsininisterium, mit ben anderen Regierungen in Verbindung zu treten und durch einheitliche Regelung der Aur- nahmebestimmungen dafür zu sorgen, daß diese Elemente fern- gehalten werden." (Lebhafter Beifall.) Es wurde in eine Diskussion ein getreten. Dr. Levin erinnerte daran, daß die russischen und Poln. Studenten der Sozialdemokratie Schlepperdienfte geleistet haben. Sie hätten den Boden des Anstandes und Taktes verlassen. (Lebhaster Beifall.) Es war ein nationaler Wahlkampf von herrlichster Bedeutung. Sich in einen solchen edlen Kampf zu milchen, der sie nichts anging, war eine Unerhörthell von niedrigen osteuropäischen Elementen. (Lebhafter Beifall.) Die Art, wie Prof. Schiemann von den russischen Studenten angegriffen worden ist, als er die Art unb Weise der Russen brandmarkte, war ganz ost-europäisch. (Sehr richtig.) Wir müssen von ben Ausländern ganz andere Vorbildung verlangen, wenn sie bei uns Studenten fein wollen. Sie suchen nur praktisch bei uns zu lernen. Von deutscher Kultur wollen sie nichts wissen. (Lebhafte Zustimmung.) Vom Ullranwntanismus, der Sozialdemokrarie und den östlichen Eindringlingen sind wir bedroht. Vergessen wir nicht, daß wir ein soziales Kaisertum haben, baß wir das erreichen müssen, was unser Vaterland in der Kulturwelt hochbringt. (Beifall.) In die Hörsäle, wo von Bismarck, Goethe, Fichte usw. geredet wird, gehören diese östlichen Elemente nicht hinein. (Lebhafter Beifall.) In dem letzten großen Geisterkampf (tauben die geistig gebildeten Sozialdemokraten innerlich auf unserer Seite. (Beifall.) Die ungebildeten Elemente aber wurden von den rusjischen Studenten unterstützt. Gegen Franzosen und Engländer haben wir nichts; nur gegen solche, die unser deutsches Kulturleben verachten und bei yns nur etwas lernen wollen, um uns dann zu bekämpfen, gegen diese wenden wir uns. Der nationale Charakter unserer Hochschulen soll bewahrt werden. (Beifall.) Wir haben in unserer Studentenschaft schon sozialistische Elemente; die sollen aber durch die Ost-Europäer nicht unterstützt werben. Sie sollen den Schnabel halten. (Lebhafter Beifall.) Inzwischen ist von dem Universitäts-Professor Schiemann ein Begrüßu.'igstelegramm eingegangen. ^Beifall.) Stud. R i n t e l e n von der „Berliner Freien Studentenschaft" wendet sich scharf gegen ein Flugblatt des „Vereins Deutscher Stüdenten", worin den freien Studenten „ohmsche Indifferenz" in nationalen Fragen vorgeworfen wird. Wir müssen als erfreulich begrüßen, wenn alle Ausländer an deutsche Hochschulen eilen, und die Früchte deutscher Kultur ernten. (Beifall und Widerspruch.) Die Hauptfrage ist die, ob sich der russ. Student an der inneren Parteipolilik beteiligen darf. Das halt die „Berliner Freie Studentenschaft" für unzulässig. (Beifall.) Sind. Knack: Die Herren voin „Vexein Deutscher Studenten" segeln runter der Flagge des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie hin. (Zustimmung, Widerspruch,'große Unruhe.) Man hat gesagt, die Kommilitonen mit sozialistischen Tendenzen müßten unterdrückt werden. «.Sehr richtig.) Sie sind nid# mehr in der Minderzahl. (Lebhafte Unruhe, Zurufe, Lärm.) Ob diese Elemente einmal den £>icg baüonlragen werden, wird die Zukunst entscheiden. tGroße Unruhe, Lärm.) Deutschland wird nicht immer ein reaktionäres Land bleiben. (Lebhafte Unruhe, Zurufe.) Im weiteren Verlaufe der Versammlung kam es noch zu erregten Zusammenstößen. Zum Schluß wurde die vorgeschlagene R e/ch l ition angenommen. Die Versammlung ging in später Stunde unter Absingung des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles" aus- einanb er. Ans S.ttSt uuo Hatto. Gießen, den 28. Februar. " P r ü f u n g 8 b e st i m m u n g e n. Das Großh. Regierungsblatt veröffentlicht neue Bestimmungen für die theologische Fakultätsprüfung und die forstliche Hochschulprüfuno an der-Landesuniversität Gießen. Zur theologischen Prüfung wird zugelassen, wer die Reift- Prüfung an einem deutschen Gymnasium bestanden hat und wenigstens 6 Semester auf deutschen Universitäten evangelische Theologie studiert hat. Die Prüfung zerfällt in drei Ab- eilungen: die Vorarbeit, die Klausuren und die mündliche Prüfung. Die letztere ist öffentlich. Die forstliche Hoch- schulprüsung zerfällt in eine Vorprüfung und in eine Fachprüfung. Zu letzterer wird nur zugelassen, wer die Vorprüfung bestanden und dann noch 4 Semester studiert hat. Zur Vorprüfung ist nötig das Maturitätszeugnis eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums und der Nachweis des dreisemestrigen Besuches einer deutschen Universität oder einer durch ministerielle Verfügung für gleichstehend erklärten Lehranstalt. In der Vor- und Fachprüfung wird schriftlich und mündlich geprüft. Auch hier ist die mündliche Prüfung öffentlich. Wird die Prüfung zweimal nicht bestanden, so entscheidet das Ministerium, wann die Prüfung innerhalb zweier Jahre wiederholt werden darf. Wer eine Prüfung dreimal nicht bestanden hat, kann überhaupt nicht mehr zugelaffen werden. •• Verhaftet. Der von der Kgl. Staatsanwaltschaft Nürnberg wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgte Arbeiter Georg Dorsch aus Marktbreit wurde hier verhaftet. = Saasen, 27. Febr. lieber die Wasserkalamität auf dem nahen Wir berg werden fortgesetzt Klagen laut, sodaß eine Blenderung dringend notwendig erscheint. Und da jetzt für das nahegelegene Reinhardshain eine Wasserleitung geplant ist, so sollte man Wirberg hierbei anschließen. Wie schlimm es hier steht, geht daraus hervor, daß einige Brunnen zeitweise überhaupt kein Waffer, andere nicht selten schmutziges und unbrauchbares Wasser enthalten. Die Bewohner des Wirberg sind deshalb sehr oft gezwungen, ihr Trinkwasser in Fäffern in Bollnbach zu holen. Man hat den Brunnen im Klosterkeller des Pfarrhauses vertieft aber mit nur wenig Erfolg. Durch den Anschluß an die Wafferleitung der Gemeinde Reinhardshain würde der Uebelstand für immer beseitigt werden. Wirberg ist bekanntlich Pfarrei für 6 — 7 Orte der Umgegend. Q Lich, 27. Febr. Mit der Erbauung der Bahnstrecke von hier durchs Wetter- und Eschers bach- tal nach Grünberg wird es jetzt ernst, da dieser Tage das Baubureau hier eröffnet wurde und die letzten Vorarbeiten begonnen wurden. Man wartet jetzt nur auf die Genehmigung des Staatszuschusses. Wie es heißt, sollen die Arbeiten schon im April vergeben und begonnen werden. — Unser neugewählter Beigeordneter Heller, gegen dessen Wahl die Gegenpartei zweimal erfolglos reklamierte, wurde gestern in sein Amt eingewiesen. + Friedberg, 27. Febr. Hier starb der dienstälteste Taubstummenlehrer Deutschlands, Lehrer i. P. Johannes Landau. Er war über 40 Jahre in seinem schweren Berufe tätig und wirkte bis zu seiner vor 3 Jahren erfolgten Pensionierung lange Jahre an der hiesigen Taubstummenanstalt. Unter großer Beteiligung, besonders auch der Lehrer und Zöglinge der Anstalt, fand heute seine Beerdigung statt. — Die Stadtverwaltung trifft bereits Vorbereitungen zur Verlegung des Bahnhofs nach dem Südende der Stadt. Die Legung des GaS- und Wafferleitungsslranges nach dem südlichen Stadtteil am Mainzertor erfolgt in der Weise, daß der neue Bahnhof und die um diesen eventl. zu errichtenden Gebäude genügend mit Waffer versorgt werden können. Die Stadt hat hierzu die Kosten in Höhe von 9 400 Mk. bewilligt. — Da die früher sehr ausgedehnteii Einlagen und Spaziergänge um die Stadt infolge der Bahnhofserweiterung und der großen Bautätigkeit im südlichen Stadtteil sehr beschnitten worden sind, so hat man beschlossen, den dem Fiskus gehörenden Burgberg in Anlagen zu verwandeln. Die Genehmigung S. K. H. des Großherzogs ist jetzt erfolgt. x Grünberg, 27. Febr. Gegen die Neuwahl des Beigeordneten Fuldab, der mit nur 5 Stimmen Majorität gegen Kaufmann Ranft siegte, wurde von der Gegenpartei Rekurs angemeldet. — Die Wahl des Gg. Münch zum Bürgermeister von Harbach wurde bestätigt. — Bei ihrer Jagd Verpachtung hat die Gemeinde Lehnheim den mehr als doppelten Preis wie seither erzielt, indem der Jahrespacht von 350 Mk. auf 870 Mk. stieg; Höchstbietender ist Rentier Albers-Hamburg. — Bei den jetzigen hohen Holz- preisen erzielte die Gemeinde Hattenrod für das gleiche Ouantum Holz wie v. I. 3 000 Mk. mehr. Dar m st a d t, 27. Febr. Aus Veranlassung der W i l d e n s ch a f t der technischen Hochschule prach gestern Abend Pfarrer K o r e l l - Königsftetten über „die Akademiker und btt Volksbildungsarbeit" vor etwa 400 Studierenden. Der rliedner schilderte u. a. die Vottserziehungsarbeit vevschiedener Korporationen wie die des Volksheims in Hamburg, des Rhein-Mainischen Verbandes, der Settlemems-Bewegung in England usw. unb fordert schließlich die Studierenden auf, sich in ähnlicher Weise zu betätigen. Vom Vorstandstisch wurde nach dem von großem Beifall begleiteten Referat mitgeteilt, daß die hiesige Wildenschaft die Gründung einer sozial-wissenschaftlichen Abteilung beabsichtigt. (Frks. Ztg.) + Krofdorf, 27. Febr. Tas Bild von Hirten und Herden verschwiudel auch in hiesiger Gegend immer mehr. Teils liegt es in dem Mangel an genügender Weide, teils in dem Mangel an Hirten. Nachdem hier schon manches Jahr die Kühe unb Schweine nicht mehr zur Weide getrieben werden, hat man auch mit der Schaf z u ch t aufgeräumt Von den früheren drei Schafherden, die ui unserer mehr denn 2000 ha fassenden Feldmark reichliche Nahrung fanden, besteht jetzt nur noch die sogenannte „Herrschaftliche Schcherei". 9tach einem Vertrag vom Jahre 1717 kaufte der Herzog von Nassau-Weilburg-Saarbrucken m unserer Gemarkung ein Gut von 200 Morgen Ackerland, 10 Mrg. Gartenland und 27 Mrg. Wiesenland und ist noch jetzt das Hutrecht der .Herren Schäferei" vorhanden. Da _bie Gemeinde Kroidorf-Gleiberg ün Zusammenlegungsverfahrcu steht, so muß eben, auch diese Hutgerechtigkeit abgelöst werden, und deshalb wurde jener Vertrag vom Martini 1717 in die Allen der Koimnission ausgenommen. Auch nach der Zusammenlegung bleibt es den einzelnen Interessenten überlassen, sich zusanrnienzutun, um ihre Schaft durch einen gemeinsamen Schäfer auf ihrem Eigentum weiden zu lassen. Dillenburg, 28. Febr. Ferdinand Schmoll, früher Lehrer in Frohnhausen (Dillkreis), hat nach vierjährigem llniversitätZstudinm vor einigen Tagen in Bern das p b i l o -: ophischc Doktorexamen in Allg. Geschichte, Phllosophie und Neu-Hochdeutsch summa cum laude bestanden. Der an der Universität Bern erworbene Dollorgrad ist dem deutschen gleichberechtigt. vermischte». • Die Lage beS überschwemmten Oberdorfes Schieblo hat sich jetzt, wie der ^,Ober-Ztg.^ berichtet wird, erheblich erleichtert. Die Häuser in Schieblo haben sämtlich einen starken Unterbau, die Kellerftnster liegen 1—1,20 Bieter über Erdhöhe. Der Pionierabteilung, die jetzt in Retzdorf untergebracht ist, gelang es, die Eisversetzung drei Kilometer unterhalb Schiedlo am Weißen Berge zu sprengen, so daß das eigentliche Strombett bis zur Neißemündung frei vom Eis ist. Infolgedessen ist die Stauung verschwunden, das Waffer konnte abfließen. Tas Dorf Retzdorf, wo das Waffer in den Zimmern des Hintzeschen GaslhofeS fußhoch stand, ist seither wasserfrei; Kahnverkehr führt von dort bis ans Eis an der Schiedlosette hinüber; auf dem noch starten Eis zwischen den Buhnen und über das breite Vorland hinweg kommt man bequem auf den Schiedloer Damm. Die Pioniere haben Alontag damit begonnen, von der Neißemündung ausgehend, eine Fahrrinne die Oder aufwärts zu sprengen. — An der Bruchstelle, die 21/« Kilometer oberhalb von Schiedlo liegt, sind die beiden Dammköpse mit Faschinen und Sand- säcken gegen weiteres Abspülen gesichert. Unterhalb der Bruchstelle ist em Gebiet malerischer Eisoerwerfungen und ein Zusammendrängen von Eisschollen, die nun infolge des Wasserfalles hohl liegen. Stellenweise sind die großen Schollen bis an den Dammkopf heraufgeschoben. Haushohe Auftürmungen, wie vielfach berichtet wurde, sind aber nicht da. Es ist wunderbar, daß der Damm gerade an jener Stelle brach. Ter Strom steht dort nämlich nicht rechtwinkelig ober an»; nähernd rechtwinkelig auf ben Damm zu, sondern geht mit ihm parallel. * Adelige Stiftungen. Der Bericht von dem jüngst stattgehabten 26. Adelstage teilt mit, daß der A de lögen ossen- schast von wohlwollender Seite, die ungenannt bleiben wolle, eine Schenkung von 250 000 Mark zugewendet worden ist. Des weiteren hat die Gemahlin eines langjährigen Mitgliedes der Genossenschaft dieser ein Rittergut mit zwei Schlössern zur Errichtung eines adligen Fräulein- Iliftes testamentarisch vermacht. • Das Brandunglück von Montreal ((Eanaba). Die Opfer in der protestantischen Schule in Montreal (vgl. die gestr. Kl. Tageschr.) waren in dem brennenden Gebäude eingeschloffen, ohne daß sie die geringste Aussicht auf em Entkommen hatten. Das Feuer brach ivahrend deS Unterrichts aus. Tie Schulvorsteherin Miß Maxwell opferte bei dem Versuch, die kleinsten Kinder zu retten, mit Heldenmut ihr Leben. Ihre Leiche wurde umringt von kleinen Kinderleichen gefunden. Die Kinder versuchten durch die Fenster zu entkommen, wurden aber vom Rauch zurück- getrieben lind erstickten beim Ausbruch deS FeuerS. Es waren 250 Kinder in der Schule. Wieviele davon entkommen sind, ist noch unbekannt. Bis gestern abend hatte man fast 40 Leichen geborgen. Es herrscht scharfes Winterwetter. Di« Feuerwehr konnte kein Wasser erhalten und bekämpfte di« Flammen nur unter großen Schwierigkeiten. • Ueber einen uralten Fastnachtsbrauch, bet sich unter« dem Namen „Männersaat" in dem Oertchen Trilli fingen erhallen hat, berichtet der ^Schwab. Merkur^: Dü Öäänner-Bad.e Man verlange nur giobus-putzextract UISITKHRTEN xs. mg btt Verein nb h,rdeu 1 * litgi H 'ioiigd an vdimemt i} mu btc »erben, btt licht Nah- ljchallliche auiie bet tinarkung lanb und t »yrrren .eibeifl im iritit öui» :r Atttiag zenommm. un 3nta> ijflit durch i ju laiitn. II, hübet ierjährigem i pbilo- Lhllosophie >er an dcr i*n gleich- Blletten Jungs« tutionen ainischen inb ujn». in äj)n« rbe nach teilt, daß l*wi|]en« Die diesjährige Haupt-Versammlung fiitbet am Montag, den 1. Marz 1907, abcnbd 9 Udr in dem Restaurant Jb’ürtseh statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung, 2. Rechnungsablage, 3. Vor- stairdswahl, 4. Verschiedenes. [1366 NB. Die Mitglieder werden um zahlreiches Erscheinen gebeten. brauch^. )ertch-n.^l l8, unb' f'i Qm l)h[)o| Nützend iePl0liiett ibung au!« lenzen. - on Schieblc unb Land« b der Bruch« md ein Zu« des Wall-r« Schollen bii lilürmungen. da. & 111 Stelle brach. :g oder an« i geht , dem jüngst ^llgenofien« eiben wolle, worden Ul n awitflüeb» mit gtäullin‘ ((tflvbak , dr-n""^ alte MS Ut««6 h,j M w rette". umnngt^ Achten 5 3»j: ',*D15nnerfaat' findet nur in solchen Ialjren statt, in welchen während der Zeit vom 6. Januar (Dreikönigstag) bis zur Fastnacht keine Hochzeit stattgesunden hat. AlSdann vermummen sich sämtliche jungen Burschen deS OrtcS und gehen darauf aus, die Mädchen deS Ortes zu fangen und mit Stricken zu binden. Die Mädchen werden nun so gebunden zu einer mit starkem Tornengestrüpp eingeflochtcnen Egge geführt, und nun beginnt, unter vielseitigen Fluchtversuchen der Torffchönen, die Dlännersaat. Ein Säemann mit Dreispitz und in alter Tracht geht mit einem Säesack voraus, Spreu — die Männersaat — in alle Winde zu streuen; d.e an die Egge gespannten Mädchen müssen sie eineggen, aus dieser Saat sollen Männer für die Mädchen wachsen. Nach dcr Saat findet ein allgemeiner Schmaus statt. Im letzten Jahre waren gegen 40 Mädchen an der Egge. * Teurer Besuch. Die reichste aller amerikanischen Dollarerbmnen, die nach Europa heirateten, ist wahrscheinlich weder die Herzogin Consuelo von Marlborough, geborene Miß Danderbilt, und auch nicht die Gräfin Bom de Castellano, geborene Miß Gould, sondern die, übrigens auch viel hübschere Herzogin von Roxeburghe, die mit ihrem Mädchennamen Mist Mary Goelet hieb, bevor sie den achten Herzog von Roxeburghe, den vornehmsten Magnaten Schottlands, zum Manne nahm. Den vornehmsten — aber nicht den reichsten. Das Vermögen der Herzöge von Roxeburghe halte, das war kein Geheimnis, tut Laufe der Zeiten beträchtlich abgcnommen und der Glanz ihres Namens war einer auffrischenden Vergoldung recht bedürftig geworden. Nun, die Schätze von Mib Goelet, deren Mitgift 100 Millionen Mark betragen haben soll, haben von dem Tage an, da sie Herzogin wurde, baS ihrige redlich dazu getan. FloorS Castle, der Hauptsitz der Noxe- burghe, ein alles historisches Schloß, stand feit langem unbewohnt und war der Gefahr des Verfalles ausgesetzt. Jetzt ist es einer der stattlichsten und am besten gehaltenen aller Herrensitze des vereinigten Königreichs. Allerdings hat die junge Herzogin sich die Sache etwas kosten lasten; man er- zählt, es seien nicht weniger als eine Million Dollars, also vier Millionen Mark auf den Ausbau und die Verschönerung dcS Schlosses verwendet worden. Nun wird Floors Castle auch zum erstenmal wieder königliche Gäste bekommen. Der Prinz und die Prinzessin von Wales haben eine Einladung des Herzogs und der Herzogin von Roxeburghe angenommen und in Floors Castle werden großartige Vorbereitungen zu ihrer Aufnahme getrosten. Für diese Vorbereitungen hat die Herzogin die Summe von einer halben Million Dollars ausgesetzt, damit das Schloß der Ahnen ihres Galten sich auch wirklich in jeder Hinsicht würdig präsentiere. — Zwei Millionen Mark für einen Logierbesuch von wenigen Tagen, baS ist immerhin ein tüchtiger Betrag, — selbst wenn dieser Besuch ein Prinz von Wales isr. * Der berühmte Basler Fastnachtsumzug nahm Montag seinen programmäßigen Verlauf. Eine dcr besten Gruppen int Zuge war die des „Pumpklubs" (Turner), die die Köpcnicker Tragikomödie zum Gegenstand halte. Zwei berittene Gendarmen eröffneten den Zug; ihnen folgten als Schustergcsellcn verkleidete Musikanten; dann kam der Hauptmann von Köpenick mit seinen Grenadieren, die Droschke mit dem verhafteten Bürgermeister, seiner Gemahlin und dem Kassen- rcndantcil nebst zahlreichem Gefolge auö dem 'Rathaus zu Köpenick. Hinter der Droschke trottete ein Eselein, das in einem Wägelchen bas Gepäck mitsührte. Von Gendarmen eskortiert folgte, schwere Handschellen nachschleppend, der Schuster Voigt in Zivil. Auf einem Wagen wuroe ihm das von den „fremden Mächten" für die Siegesallco gestiftete Denkmal nachgcsührt: Vertreter der fremden Machte gaben in großer Uniform das Geleite. Weniger geschmack- doll, ja geradezu plump und verlebend war eine zweite „Deutsche" Gruppe, die den „Afrikanischen Kolonialschwinde l" behandelte. Den Zug eröffnete Prinz Karneval zu Pferde; ihm folgten ein Offizier und Soldaten von der berittenen Infanterie in Tropenunisorm, ein aus Soldaten dcr Schubtruppe gebildetes Musilwrps, daun auf einem Einspänner der Gouverneur mit einer Rcgcrbainc nebst Bedienten, eskortiert von seiner schwarzen Garde. Hierauf kam ein von vier Pferden gezogenes gewaltiges Geschütz, auf dessen Protze der Tod saß. und hinterher trabten 013 Kanonenfutter die letzten aufständischen Hereros: sodann folgte ein in Tropenunisorm gekleidetes Pfeifen- und Trommlerkorvs. Ein Wagen mit Negerstrafli.igcn und Missionaren und ein Wagen mit der deutschen Staatstuh, auf dessen Rücken Michel mit der Zipfelmütze saß, schlossen den Zug. ■ Aus dem russischen Frauen leben teilt 5. Mani- kowsli in „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt) einige charakteristische und nicht allgemein bekannte Zuge mit. Ist schon das Los des Bauern kaum beneidenswert, so ist das der Bäuerin unsäglich trostloser. Schon mit ihrer Geburt kennzeichnet sich ihr hartes Los. Es ist Brauch, wenn das erste Kind eines jungvermählten Paares ein M ä dchen ist, daß am nächsten Tage die „Freundenden ALann überlegen und ihnprügeln — so wills die Sitte. Bis vor etwa zwanzig Jahren existierte noch der Heiratszwang, co Iain es, daß das Volkslied die Ehe als ein Unglück für das Mädchen schilderte. Und in feine feiner Lieder hat das Volk so viel Herz und Gemüt hineinaelegt als in die, welche bad vornehmste Ereignis des Menschenlebens zum Gegenstand haben — die Ehe. Heute läßt sie sich keinen Mann mehr aufzwingen. Hier wird von der Ehe wie von der Erfüllung der liebsten Wünsche gesungen. Und damit ist der revolutionäre Grundsatz in das Dorf eingebtungen Ist die Russin berheiratet, trägt sie einen tarierten Rock statt eines gestreiften, einen hohen Kopfaufsatz statt eines TucheS und iß“/, K 9106 Auswärtige Bieter haben sich ötn OoHrtiitA ihvör’noittiftfLii bebörbe über ihre Zahlungstähtg- teü auszmoeisen. Gießen, ben 13. Februar 1907, Großh. Lrtsgericht Gießen Gros. Gießen, ben 30. Januar 1907. Großherzogl. Orisgericht Gießen Gros. K 5/07 fBfl/i Donnerstag, den 7. März 1907, nachmittags 3 lihr, werben auf btcilflcm Ortogericht die vor bem Rauten bcs Georg Schwarz ftehenben Grunbjtücke bet Gemarkung Gießen 4/1912 — 348 qm Hofreite in ber Stevhansmark, 4.1935 = 307 qm Gravgart. bas. öffentlich meistbietend versteigert. Auswärtige Bieter haben ein empfichlt jede Woche frisch cintrcffend Rhein. Eaufhai Bahuhosstratze 26. Frische NordsceSchellfischc Donnerstag, den 21. März 1907, nachmittags 3 Uhr werben aus hiesigem Lrtsgericht bie vor bem 'Jtamen des Georg Schwarz ftehenben Parzellen ber Gemarkung Gießen 4/194,2 = 348 qm Hofreite in der Stepp ansmark 4/198,2 — 307 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gerichtssaal. R. B. Darmstadt, 27. Fcbr. Wegen Urkundenfälschung wurde heilte der 36jährige G.'mcinbcschreiboc Peter Josef Walter aus Froschhausen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte int Januar v. I. an das Kommando des hiesigen Ar- tlllerievegimcnts ?tr. 25 eine Anzeige gerichtet, worin der Ma# noisicr Ltt-Froickhausim beschuldigt wurde, während des Weih- nachtsurlaubes in Zivil ausgegangen zu sein, sich auch einige Ungehörigkeiten hätte zu schulden kommen lassen. Unterzeichnet war die Anzeige mit Happel- Froschhausen. Da die t'lnschul- dtgungen sich als wahr erwiesen, erhiett Ltt dret Tage Arrest. Happel, der vcrmeinttiche Angeber, hatte seinerzeit sehr unter der Mißachtung seiner Landsleute zu leiden und veranlaßte, da er bei Anzeige fern stand, Untersuchung, in der Walter rns der Anzeigende ermittelt wurde. Lundgerickstssetretär Pähler und Ge- richtschcmiker Tr. Popp-Franlsurt fungierten alS Sachverständige. b Mainz, 2<. Febr. Der Kunsthändler Ludwig Ramlo in München halte hier unzüchtige Photographien zum Verkauf gebracht. Er wurde von der Strafkammer wegen Ver- Auswärtige Bieler haben sich Zeugnis ihrer Heimarobehörde durch ein Zeugnis ihrer'Heimals- vezüglich ihrer Zahlungsfahigteit ->— beizubringen. das Haar tu zwei Zöpfe statt in einen geflochten. Dadurch unterscheidet sich die Tracht der Frau von ber deS Mäbck»ens. ?2un ändert sich^ ihre Stellung unb ein rastloses Mühen und Kämpfen beginnt. Sie hat für ben Haushalt, für Sauberkeit zu sorgen, die Familie zu ernähren, zu kl erden, Feldarbeit zu verrichten und — die Prügel deS Mannes zu ertragen. Ter ganze rsteichtum der ^rau besteht in Leinwand, Stickereien und anderen Stoffen. Ties Eigentum verbleibt ihr auch in der Ehe, vorausgesetzt, daß der Mann es nicht vertrinkt. Während ber väterliche Besitz allein auf ben Sohn übergeht, vererbt sick bar Besitz ber Frau allein auf die Töchter. So will's bie Sitte unb dagegen kann kein Gericht, kein Gesetz etwas ausrichten. * D i e Jahresringe der Bäume. Seit alten Zeiten hat man bie Zählung der sogenannten Jahresringe an Querschnitten von Baumstämme» dazu benutzt, bad Alter ber Bäume zu ermitteln. Nähere Untersuchungen haben jedoch gelehrt, daß dies Verjähren nicht so unbedingt notwendig ist, sondern durch gewisse Abweichungen von ber Gesetzmäßigkeit des Wachstums beeinträchtigt wird. Ter dänische Botaniker Petersen hat schon vor einiger Zeit vor der dänischen Akademie der Wissenschaften eine eingehende Forschung über die Jahresringe der Bäume erscheinen lassen, bie letzt in ber Zeitschrift sür Pslanzenkrankyeilen eine wertvolle Besprechung erfährt. Zunäch-st ist darin von ber Ent- Wicklung sogenannter Toppelringe unb falscher Jahresringe die Rede. Es kommt nämlich vor, daß die Grenzen zwischen den einzelnen Jahresringen undeutlich werden, wodurch eine falsche Zählung herbeigesührt wird. Unter anderem werden solche Ungesev- Mäßigkeiten durch eine besonders kräftige Entwicklung des betreffenden Baumes üji Sommer bobingt, außerdem sind sic aber auch Folgen von Frühsahrssrüsten, ferner von Wunden, die durch äußere Beschädigungen teils natürlicher Art, teils durch Messer ober Schere bes Forstmanns verursacht werden. Ter iimgefebue Fall, daß falsche Grenzen von Jahresringen entstehen, die eine zu hohe Zählung bewirken würden, ist sehr selten. Eine Verminderung der Zahl kann außer aus den genannten Gründen auch noch durch Bildung von Zweigästen herbeigesührt werden. Die allgemeinste Ursache beruht aber, wie sich fast von selbst versteht, auf einem unvollkommenen, ungleichmäßigen Wachstum, wodurch eS beispielsweise geschehen kann, daß in einem Jahr überhaupt kein neues Holz gebiioet wird. Je schmäler die Jahresringe sind, desto kräftiger pflegt das Holz zu fein, jedoch ist ein daraus gegründeter Schluß auf bie Güte des Holzes nicht immer sicher. * (Worte MultatuliS.) In der bei I. C. C. Brun- in Minden i. W. erscheinenden Serie von Brevieren ausländischer Denker unb Dichter ist eben der vierte Band erschienen: Worie MultatnltS. Herausgegeben von Karl Hagemann (geb. 2.50 Mk.f. Tas schöne Bändchen enthält eine sorgfältige Auswahl blitzender Gedanken, zündender Worte, geistvoller Aphorismen und fchari geprägter ethischer Sentenzen aus den Werten Mullatulis. Wir geben einige Probe»«: Es ist Schmerz beim geiftigen Schaffen. Hast Dn wohl einmal daran gedacht, Leser, daß ein Denker mit derselben Sorgfalt gepflegt werden müßte, »vie eine Wöchnerin? Wenn ein Schnelläufer das Bein bricht, ist bal par6 bei den Kriechern. Tie meisten Handlungen der Menschen entspringen der Feigheit. Kampsesnun. blutrünstiger Mut «besonders da, wo Wcglaufen unmöglich oder schändlich ist), ist eine allgemeine Sache, aber la courage civil ist äußerst selten. Wer niemals geiallen ist, hat keinen rechten Begriff davon, was nötig ist, um sestznstellcn. Alan findet diesen Begnffsmangel häufig und l esouderö bei Aienschen, die nicht gereift sind oder wenig gelebt haben. Die wahre Gleichheit besteht nicht darin, daß alle gleiche Röcke tragen, sondern, daß jeder euren Rock hat, der ihm patzt. Prinzipien sind Tinge, die man braucht, um etwas Unangenehmes unterlassen zu können: niederträchtige Vorwände für Pflichtsäiunige. Undankbarkeit ist eine Erfindung falscher Wohltäter. Ich halte cS für einen großen Fehler, daß man überall das Geschlechtsleben als Kriterium der Tugend so in den Vordergrund stellt. Tie Romanschreiber scheinen es als Feder zur Bewegung ihrer Drahtpuppen notig zu haben. Es ist ödes Wird sie, wird sie nicht? Wird sie nicht, wirb sie? Ja, eS ist langweilig und im Grunde auch ekelhaft. * Kleine T a g e s ch r o n i l. In Gera brach in der großen llcltzenichen Wollweberei © r o 6 f e u e r aus, durch das die Weberei und die Vordereilungsräume zerstört wurden. Ter Schaden wird auf etwa 100 000 Mark geschätzt. Als Ursache des Brandes wird Selbstentzündung angenommen. — In Tahu (Bayern) wurde der Bürgermeister. Glaser wegen Amtsvergehens und Meineids verhaftet. — Ter ehemalige deutsch-böhmische ReichSrats- und vanbiagSabg. Gedler Halle euren TobsuchtSansall. Er gab auv ferner Villa m Falkenau an der Eger 100 Schüsse aus Revolvern und Gewehren durch das Fenster ab. Tre Kugeln gingen sämtlich fehl. Frau Gebler konnte sich rechtzeitig reuen. Nach verzweifelter Gegenwehr wurde der Tobsüchtige überwältigt und einer Heilanstalt überwiesen. Gebier hatte schon mehriach Wahu- fmnamäUe. gcbcnS r ,:n bie Sittlick?.:; » : ? 0Y Mark Ge lbstrafe öe» urteilt und die bei..' agnahmten Bilder eingcjogcn. - Ter Prok. Jos. Echteler in München strengte gegen seine Cousine, bu hier wohnende Witwe Helene Franz, geb. HammeSsabr, eine BelcidigungSllage an. Die Dsiive soll »ich zn ihrer 2thrt’eftct vertraulich dahin geäußert haben, d'.ß der Professor vor 23 Jahren das Liebigden kmal in München besudelt habe. Tatiächlich war dies damals Vvrgckiommen uird ber Professor in die Sache verwickelt, doch wurde ber Täter in einer anderen Person erwischt. Tas SchösfLNger.ci't hotte im April v. I. bie Angcllagte sreiaesprachen, tvcil sie m Wahrung berechtigter Jnterssie» gehandelt habe. Der Professor legt. Berufung gegen das fr«- fprechendc Urteil ein. Das Gcrio-t verwarf die eingelegte Be- rusung kistenfällig als nnbegründtt. Auust und Wissenschaft. — Aus Frankfurt wird uns telegraphiert: Die 100. jährige Gedenkfeier der TheaterpensionSanstalt, die gestern ab.nd im Lp.rnhauS statt sand, nahm einen gläuzetidcn Verlauf. Die Ausführung d.r Lpcreltc „Zeh n 'lUbdjen und kein Ma n n" i.no deS Tauzmärchens ..Berg ißinc in nickt" Verliesen icljr gut, und auch ber finanzielle Eriolg deS Festes ivar außer.rdeiitlich groß. Tcr Reingewinn dürfte dcu Betrag von 100 000 Mk. übersteigen. Ulrrvcrsitäts-Nachrichtcn. — Professor Tr. R l a a t f d) aus Heidelberg, der gegemvärtig, wie wir meldeten, in Australien sich befindet, hat den Rui als a. o. 'broichor dcr Voller künde an die Universität Breslau angenommen. Er ist Rachwlger des Proleffor» ThilemuS, welcher Direktor des Hamburger AtuicumS für Völkerkunde geivorden ist. Vom Tampfcr „Berlin". Hock van Holland, 28. Febr. Taucher untersuchten gestern die gesunkene Hälfte des Dampfer-. Einige Leichen und verschiedene Wertsachen wurden gefunden. Andere Taucher untersuchten heule nochmals, ob die Hebung der Schiffsladung möglich ist; wenn nicht, wird das Schiff gesprengt werden. ______— >-___— .. 1 .......1 . 12. — ■- . . in Märkte. ke. Frankfurt a. M., 28. Febr. (Xelegr. vriy.-vericht brt ,Gieß. Anz.".) Amtliche Slotierungcn der heutigen ViehMarktpreise. Zum Verkaufe standen: 34 Ochsen, 00 auS Oesterreich 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 53 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 761 Halber, 181 Schafe und Hämmel, 6 Ziegen, 9 Ziegenlämmer, 35 Schallämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 80—82 2. Qualität 69—72 Mk., 8. Qualität 00—00 Mk.; Bullen 1. Qual. 72-74, 2. Qual. 00-00; Lühe 1. Qualität 72-74 Mk^ 2. Qual. 68—70 Alt., 3. Qual. 64—08 Alk., 4. Qual. 00—00 Mk., ö. Qual. 00—00 Alk. Halber 1. Qual. 100—104 Psg., Lebendgewicht GO—62 Psg., 2. Qualität 86-90 Pfg., Lebendgewicht 51-64 Psg., Schlachlgew. 65—70 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 83—85 Psg., 2. Qual. 00-00 Pfg. Geschält: bei Horiwieh mittelmäßig, Ueberftanö unbedeutend ; bei Kleinvieh gut, (em Ucberftanb. E-ictzeucr Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den I. März: Teilweise heiter. Trocken. RachtS kalt und Bodenfrost, am Tage nulö. Schwache nördliche Winde. Griginal-Drahtnreldungen. Wiesbadcit, 28. Febr. Dcr Vorstand tni ualionalliberalen Wahlvercrns hat beschlos>en, beim Reichstage gegen die Wahl des Sozialdemokraten Lehmann Einspruch zu erheben yjean l)at große Hoffnung, daß ber Protest durcl-geht. Wien, 28. Febr. Der Moskauer Korrespondent der „N. F-r. Pr." telegraphiert: Wie ich aus bestinformierter Quelle erfahre, tritt beute an eineut Ort, welcher geheim gehauen wird, eine sozialistische Delegierten^ Konferenz zusaui- men, um über die künftige Taktik der Partei in der Reichsduma Beschluß zu fassen. Der Konferenz wohnen Vertreter des Blocks der Kadetten, der Volkspartei und ber Arbeitergruppc bei. Tie orthodoxe Sozialdemokratie ist für eine revolutionäre Taktik in der Reichsduma und betrachtet diese nicht als eine normal funktionierende gesetzgebende Körperschaft, sondern als Mittel zur Organisation einer neuen Erbitterung der Bevölkerung, unb befürwortet die Herbeiführung eine» Konfliktes mit der Regierung , damit bei einer Auflösung ber Duma bas Volk revolutioniere. Die Anhänger ber gemäßigten Strömung in ber Sozialbemokratie verurteilten bagegen ebenso wie die Kadetten jedes unparlamentarische Vorgehen seitens ber Volksvertretung. Jebenfalls ist die Existenz ber neuen Duma infolge ber Umsturztenbenz ber Tabitdfcn Linken äußerst gefahrbet. Feinsten grossen Schellfisch 6—10 Pfd.. per Md. 82 Pfg^ im ganzen Fisch, * mi Ausschi mitt vcr Pfd. 40 Pfg., Gebr. Berdux blütcnhcllcn Cabliau ohne Kopf im ganzen Fisch, 5—10 Pfd., ver Psd. 30 Pfg^ im Ausschnitt per Psd. 35 Pfg., । ff. Bratfische u.scinfte Nordseeschellfische empfehlen [a*/> in jeder beliebigen Schriftart und Karton- i - sorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen | Vereinigungen, liefert zu mässigen Preisen Brühl’sche Universitäts - Druckerei SchnUtrasse 7 WWWWWWW Z^ehrlin^r mit guter Schulbildung auf Ostern gesucht. Steigende Vergütung. Offerten nur schriftlich. (1380 _______Joh. BaUh. Noll. Ordentliches Mädchen sucht Jr-Weihenberg, Marktstr. 27. ______________01280_____________ Eilt ält.Mädch., ivelch. bürgerl. kochen t u. leichte Hausarb. übernimmt, find, gute St. bei zwei alt. Leuten geg. gut. Lohn f.sof.od.später d. Fr. 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