Nr. 25 Erscheint täglich außer Sonntags» Tc in Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Kamillen« dl Liter ötcnnal in der Wor1)e deigelegt und zweimal wöchentlich da» Krelsblatt für den Krtls -letzen. Aernsprech Anschluß s.d.Redaklwn 118 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: «uzctger Äießen. Erstes Blatt Mittwoch 30. Januar 1907 157. Jahrgang Gietzener Anzei General-Anzeiger für Oberhefsen ^Gcnchtsjaal': (i x n ft ßotatlonsbrud und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch« und rtelndruckerei. K Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. ^^.rteiu Han» B^'ck vezugdv rei mona:lich75Pto viertel- löhrhrt) Mk. 2.20; durch 'llbbolc- il Jweigsiellerr monatlich Bo Pi.; durch die Post K'kk.2.— üiertd- ;äl)rL auSschl. Beflellg^ Annahme van Anzeige» •ur bie '2aqe»nui:uner dlS vormittags 10 llöu ZesienpreiS: lokal lüPs^ auSwärt» 20 Pfewiig, Verantwortlich ’üc den poliL und allgem. Teil: P. Willko: iür ,Ltabl und Vanb' und Ile lZentige -Dummer nmfaht 10 gelten, politische Lageischar». Tel fleifer! Antwort. Ein willkommenere» Geschenk al» den Ausfall der Reich»- lagSwahlen konnte da» deutsche Volk dem Steifer kaum auf den GeburlslagStisch legen, und die Genugtuung dürfte in hohen Sirenen umso größer gewesen sein, al» man einen derartigen AuSgang kauin hatte erwarten können. Muß auch der Kaiser über den Parteien flehen und daher eine direkte Aenßernng über da» Wahlresultat unterlassen, so hat er e» doch auf einem anderen Wege verstanden, feine besondere Freude durch einen Akt zu bekunden, welcher einem feil Jahren geäußerten Wunsche weiter Volkskreise entgegenkommt. In einem an seinem Geburtstage veröffentlichten Erlasse an den Iustlzminister forderte er, wie wir mitleiUen, diesen auf, ihm jede Verurteilung wegen MajestätSbeleidi- gung zu unterbreiten, uni für den Fall, daß keine niedrige Gesinnung vorliegt, vom Rechte der Begnadigung Gebrauch machen zu können. Ader nicht genug damit, gibt der Steifer in dem Erlasse zu verstehen, daß auch eine Abänderung der Majeslätöbeleidigungs- Paragraphen in Erwägung gezogen ist, welchen abzu- andern der Kaiser allein ja kein Recht hat, sondern dies der Volksvertretung überlassen muß. Damit wird eine Frage geregelt, die schon feil langem gewünscht wurde und man darf vielleicht hoffen, daß die kaiserliche Kundgebung ein Dinen dafür ist, daß man nunmehr auf anderen Gebieten in Berücksichtigung der Wahlen em ähnliches Entgegenkommen zeigt. Daß dem MajeslütSbeleidigungSparagraphen künftig eine andere Fassung gegeben wird, kann man nur auf da» lebhafteste wünschen, da durch denselben bisher schon genug an Unheil angerichtet worden ist. Wurden doch viele Anklagen auf Grund von Denunziationen erhoben, bei denen gemeine Rachsucht da» Motiv war. Auch in der Trunkenheit getane Aeußerungen brachten dem Unvorsichtigen schwere» Unglück, ja sogar kaum strafmündige Kinder, die keine Ahnung von der Tragweite ihrer Aeußerungen besitzen konnten, wurden nut Gefängnisstrafen belegt. Ueber Beleidigungen von solcher Seite kann die Perfon beS Kaisers wirklich erhaben sein, über sie kann er hinwegsehen und durch die Begnadigung feurige Kohlen auf ihren Häuptern an- sainmeln. Hoffentlich wird daS Kaiserliche Versprechen in Gestalt einer Parlainentsoorlage eingeläst werden in einer Form, die sich von Engherzigkeiten sreihält. Der Kaiserliche Erlaß zeigt, w:e die kürzlich erfolgten Zusagen auf Gehaltserhöhung der unteren Beamten und die LeuerungSunterstützungen, daß man endlich die Notwendigkeit eingesehen hat, auch mit der Bevölkerung wieder in engerem Konnex zu treten, der bedauerlicherweise in den letzten Jahren mehr und mehr verloren gegangen war. Wenn jetzt eine Umkehr eintritt, dann dürfte die Regierung auf noch mehr Anhänger zählen künnen, als die Wahlen sie aufgeboten i aden.___________________________ Au» S.aoi uuo tuno. Sprechstunden... . i —V-S ITbr abb». Gießen, ben 80. Januar 1907. Gedenket der hungernden Vögel! — 6. SL H. bet Großherzog traf am Montag morgen 11 Uhr mit bem Flügelabjutanten Frei Herrn von Massenbach in München ein und nahm in dem Hotel ,Zn den vier Jahreszeiten^ Wohnung. Nachmittag» stattete ei n. d. Tarmst. Ztg. dem Professor Strick in seinem Atelier einen mehrstündigen Besuch ab. — I. K. H. die Großherzogin mit Gefolge beabsichtigte, schon am TienStag abend 11 Uhr 32 Mm. in Darmstadt wieder einzutreffen. • * DrdenSangelegenheit. S. K. H. der Groß- herzog haben dem LandiagSabgeordneten Justizrat von Brentano bt Tremezzo, Rechtsanwalt in Dffenbach, bie Erlaubnis zur Annahme und zrim Tragen de» ihm von dem König von Italien verliehenen DsfizierkreuzeS des Ordens der italienischen Krone erteilt. • • Unsere Berichterstattung z u r Reichstags wähl. Zu unserer Mitteilung, daß zwei Orts- Vorstände unserer Bitte um Uebernmlelung des Wahlresultals nicht entsprochen hätten, teilt uns jetzt der Bürgermeiiler von Geilshausen nut, daß auch er unserer Aufforderung entsprochen habe, und zwar außerordentlich früh. Wir haben leider sein Telegramm nicht erhalten, und muffen annehmen, daß es falsch bestellt wurde, waS bei der außerordentlichen Belastung deS Telegraphen an jenem Abend nicht sehr verwunderlich wäre. Jedenfalls stallen mir ihm, wie allen übrigen Herren Bürgermeistern für die telegraphische Aufgabe der Wahlresultate unfern Dank ab. • * D i e Ortsgerichte haben da, wo das neue Grundbuch angelegt ist, jetzt die BefugiiiS erhalten, ans Antrag Beteiligter Verträge über Liegenschaften zu entwerfen. Sie erhalten in einer Betenntmachung vom 5. Januar 1907 besondere Weisung, als Ergänzung zum § 146 ihrer Tienstweisuug. Tie Gebühr beträgt für die Vorarbeiten zu einem Kauf- ober einem Tauschvertrag 80 Pf., zu einem Ucbergabeuertrag ober einer Güterteilung 50 Pfg. Hervorzuheben ist, baß es sich dabei lediglich um Vorarbeiten handelt und daß der eigentliche verbindliche Vertrag rechts- wirksam immer doch erst vor Gericht ober Notar errichtet werden kann. Hierbei sei noch der früheren Bekanntmachung vom 27. Juni 1906 erwähnt, die namentlich Aenderungeu deS Gebührentarifs und dabei auch die Bestimmung enthalt, daß vom 1. 2lug. 1906 für sämtliche Sterbefallsanzeigen ausgenommen nur die für Kinder unter acht Jahren, Gebühren vergütet iveibcn. • • Preis schießen. In bem LogierhauS zum Zentral von L. Lüter hat lürzlich cm Preis schießen ilattgesunden. Es bekamen folgende Herren Preise: 1. Stent. Dürr (goldene Herrenuhr), 2. und 8. Peter Gaud (silberne Herrenuhr), 4. Konr. Dürr, 5. Karl Böhling, 6. Karl DonariuS. Tie letzten vier Preise bestanden aus schöben Wertsachen. Nach Beendigung de» PreiSschießenS hat ein gemütliche- Zusammensein flottg^funben. " A m Abend deS Reichstagswahltages herrschte bekanntlich ein aiißerordentliche» Menschengedränge vor unserem GefchäflShause. Eine kleine heitere Episode verursachte damals, roie man unS heute erzählt, unter den Wißbegierigen viel Heiterkeit. Ein kleiner Junge entdeckte plötzlich unerwartet seinen Vater im Menschentrubel und stürzte in Heller Begeisterung auf ihn zu nut dem Ruse: .Papa, Papa, wähl' doch Heyllgenstaebtl^ O Lau doch, 29. Jan. Ende der vorigen Woche ist in Braunfels die hier nahezu 20 Jahre tätige Jnsli- lutsvorsteherin, Frl. fötarie Schäfer an einem Halsleiden gestorben und in ihrer Heimatsstadt Friedberg beigefetzt ivorden. Sie war bie Tochter beS verstorbenen Direktor» öcr Blindenanstalt. Nachdem sie zu ihrer Ausbildung in den fremden Sprachen mehrere Jahre in Pari» und London zu- gedracht hatte, gründete sie 1877 hier ein Mädchenmstttut, mit dem sie bald eine größere Pension verband. Jin Jahre 1896 erwarb sie eine gleiche, größere Anstalt in Michelstadt, die unter ihrer Leitung einen solchen Aufschwung nahm, daß sie sie schon nach 6 Jahren vorteilhaft verlauste und sich zur Ruhe nach Braunfels zurückzog. Viele Töchter unserer Provinz werden bie Trauerkunde von bem Ableben ihrer im 60. Lebensjahre verstorbenen Lehrerin mit Anteilnahme erfahren haben. Ehre ihrein Andenken! & Stockheim, 27. Jan. Die hiesige Zuckerfabrik macht schlechte Geschäfte und man geht, wie wir hören, mit der Absicht um, den Betrieb ein Hellen zu lassen. X Dutenhofen, 29. Jan. Zwischen der Regierung und unserer Gemeinde schweben zurzeit Verhandlungen betreffs Errichtung eines neuen Volksschulgebäude S. fiS soll vier Lehrsäle erhallen und die nötigen Lehrerwohnungen. Cber- regierungsrat Lössel-Koblenz hat in dieser Sache an Ort und Stelle Einsicht genommen. — Auch werden an unserer Eisenbahnhaltestelle in diesem Jahre gewisse Veränderungen, resp. Neueinrichtungen Dorgenommen. Eben find teispictoweise die Arbeiten zur Anlage einer Rampe zum Ein- und Ausladen der Güter ausgeschrieben. Ter Eisenbahnsiskus soll an 70 000Mk. für die hier nötigen Bahnhofsveränderungen vorgesehen haben. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Eisenbahnverwaltung auf der Gießen—Teutzer Strecke eine Reihe von Bahnwärter-, posten eingehen zu lassen. Anstelle der Bahnübergänge sollen lieber- oder Unterführungen treten. X AuS bem Kreise Wetzlar, 30. Jan. Tie in ben letzten Tagen abgehaltenen Nutz- und Brenn- Holzoerstetgerungen lassen erkennen, baß bie ohnehin Hohen vorjährigen Preise biesnml noch allgemein gefliegen und. Das Fcstmeter Eichenbauholz stellt sich jetzt auf 80 M., erstklassiges Buchenholz für den Kubikmeter an 50 'DL und Gietzener Sradttheater. Johauuidscucr, Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Seitdem Sudermann in fernem Drama „Die Ehre" mit glücklicher Hand den sozialen Gegensatz zwischen tem reichen Sorbet» yous und dem ärmlichen Hinterhaus dargestellt fiat, ist er Jahr nir Jahr mit einem neuen Stück auf bem Plan erschienen, ohne das seine Produttton eine künstlerische Steigerung erfahren hatte. $roar rief er der Gesellschaft mit Emphase sein „J'accuse“ zu, rührte an manche faule Stellen im Leben der Gegenwart, aber seine dichterischen Qualitäten waren und sind nur germg.. Die Mache überwiegt, eben darum ist er bei einem naiven trostlosen Publikum immer eines gewissen Erfolges sicher. Das Schausp.el „Johannisfeuer", daS wir gestern in unserem Stadttheater sahen, i|t in Gießen bekannt. Ueber der Aufführung leuchtete kein günstiger intern. $)ert >tober war erkrankt, an seiner Stelle mutzte töerr Ko st die Atolle des Georg von Hartwig übernehmen. So an- crlennenswert eo ist, daß Herr Kost in letzter Smnde für feinen Kollegen einzutreten im Stande war, bari doch nicht verschwiegen werden, daß er sich feiner Aufgabe in keiner Hinsicht gewachsen zeigte. Er ging und sprach wie auf Stelzen, alles kam geschraubt und unnatürlich heraus und über seinen Gestus will ich lieber ganz schweigen. Tie Marille gab Fräulein D o n e a e r. Von ihr gilt das Dort: 9iur ein Künstler, der Bildung hat, bildet fein Publikum. Fräulein Twnecker studiert, grübelt und überwacht sich selbst, man sieht, um ein Wort von Lenau zu gebrauchen, bei ihrem Spiel ihre Seele. Zuwellen, wenn sie von der Empnndung völlig beherrscht wird, finit ihr Organ zum Flüsterton herab. Das follte sie vermeiden, denn sie wird alsdann unverständlich. Die Rolle der Marille, des Notstandskindes, liegt ihr vorzüglich unb gab ihr Gelegenheit, eine ganze Skala von Asielten zu durchlaufen. Tas Publikum dankte chr mtt lautem SeifalL Vor- trefsiich war der Gutsbesitzer Vogelreuter^ des Herrn B a ko s, er loar maßvoll und polterte nicht. Für Herrn Sunt hatte Ü)crr Reimer - Schlegeldie Rolle des Predigers mfffe übernommen unb führte uns mit Dielen feinen Zügen ausgestattet, ja mit virtuosem Können ein leibhaftes ostpreußtsches Pjäsilein vor.. Das Naive Backfischmaßigs der Trude hatte Frauleui Minder stein glücklich erfaßt. A^s Weszkalnene verriet Frau ö o n 6 .eine nicht gewöhilliche Gabe der Charakterisierungslunst. Auch p>rau von ^agemann als Frau Logelreuter wurde ihrer Ausgabe gc- ted>L Tie Regie, die in den Hänten des Herrn Bakof lag, Der- dient Anerkennung. Die Ausstattung des Stückes war eine würdige. . — c — — „Mär 8* *, Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Alben Langen, Kurt A r o in. Preis Alk. 1.20, im Abonnement das OuanoI (6 He't?) Mk. 6.—. Verlag von Alben Langen in München. Tiefe fiei'.e Zeitschrift, an beiei- Stütze die Führer de- jungen literarischen ll! ünchen stehen, erregt An'sShen. $er Titel ,3)1 arj* ist ja etwas tz-ellar. Soll Damit an den Marz 1848 erinnert werden, dessen läge die Herausgeber vielleicht wiederiefiren sehen, ober soll dieser „fDläiA* den Vorfrühling eines Nenerblühens des geistigen und politischen Leben» Teulschlands bedeuten? Das uns vorliegende erste Heil fagt darüber mchlS. Vielleicht will man das Eine luie das Andere. Jedenialls gehören die Herailsgeber zu den bekanntesten und markantesten literarischen Eharaklertöpsen unierer Zeil, Thoma als erster Redakteur, Langen als Herausgeber und Atom, em früherer hessischer Geistlicher, als Müarbeitei des „Snnpllclssimns" in deutschen Landen viel genannt, Hesse al.- einer der verheißungsvollsten Romanschriftsteller, eine der ersten Berühmtheiten des neuen JalnHunderts. Polnisch scheint der „März" der süddeutsche» V o l k s p a r t e i dienen zu wollen. Conrad Haußmann und Tr. Al n l 1 e r - Ak e i n i n g e n gehören zu den Alnarbeilern des 1. Heues, und der anonyme polit. Leuaiiiiatz, wohl von Thoma geschileben, deutet auch darauf hm; seoenialls beabsichtigt bie neue Zeitschrift bie Förderung der bürgerliche n Demokratie. Thoma» kritische Glossen zu beit Reben Kaiser Wilhelms II. sind voll von bitterer Illoyalität, aber werben gewiß weite Beachtung finben; es steckt boch in bieser lanSbübigen Kritik manches LLahre. — Ter literarische Test ist »iichl mmber interessant. Frttz Ak a u l h n e r veröffentlicht eine» geiu- vollen Ibsen- 'Aufsatz; er führt ben toten Dichter in bie Geftlbe der Seligen unb stellt ihn bort neben Swm unb Voltaire. Ueber ülilhelm Raabe spricht Dr. Livlglaß. Emil Slranß, bet Dichter bes schönen Romans „Frennb Hein^, sowie Hermann Hesse fleuericn ferner seine Novellen bei. Ter heroorratzenbe Berliner, frühere Gießener Kriminalist Pro'essor von Liszt iprichl über .Rulturionictinti unb Llrafgesetzgebnng^. Akeyrntt verspottet des üblen Berliner Kritikers Rerc lächerlich sajenge Art. Syz widmet der Salome von Richard Slranß einen -Evilog', Aram bespricht die Aiünchener Theater rc. rc. Jeden- 'alls kann man der neuen, mutigen Zeitschrift eine große Zukunft prophezeien. — Leo Tolstoi über Shakesveare. Eure krit.sche Studie. Nebst dem Essay Ernest Erosbys über die Steilung Shakespeares zu ben arbeitenden klaffen unb einem Brief Vernarb Shaws. Preis Mk. 2.—, Adoll Sponhaltz Ver.ag, Hannooer. Seit Lessing, Goethes, Wllhelm Meister unb ben Tagen bei Ütomanti! gilt Shakespeare als ber weder vor noch nach ihm je erreichte dramatische Dichter. Diesen ersten Glaubenssatz ter modernen LiteraturZeichichte ivagt Leo To.iwi iür einen funba» mentalen Irrtum zu erll^reu. Das ist bei Tolstoi nicht etwa als eine launenhaste Schrulle tes Greifenaltcis anzusehen, das ja nach bmx orientalischen Sprichwort den Dren^chen mll siebzig Jahren zur Spinne werden laßt. Tolstoi hat Shakespeare nie verstehen tonnen, auch nicht in ten Tagen seiner fugend, wo er m der Erwartung, in feinen Werten eine Fülle künstlerischer Genus>e zu finden, eine feiner ersten großen Enttarncknmgen erlebte. Er fiat lange ;u den ccric&iebenften Zeiten ? ^ens Sfiakeipeare in Russisch unb (rnglifcn, wie in teuitajer Ueöeise_,^ng wieder unb wieder gewesen, um immer wieder v:n neuem in seinem eru- geimmneneit lineü beiiarft Za imerten und d. s yat chn schließlich bewogen, "eü'e Arreä)MUig mu dem „Sch.aan. vorn Avon" der Mitwell zu uueerörellen. Tolstois Ur.-eil ui-er Shaiespeare ist vollkommen k-je>tefi/uenb. Er sucht ihn jowotzh als. Ethllei und Philosophen, wie »vis Künstler zu vernichten. Und über diese negative Kritik firnausgehend, stellt er ferne Foroerungen füc das Drama der Zukunft auf, dessen wesentllchstes Ntoment iür ihn Las religiöse ist. In diesen Fragen können wto chm einfach nicht folgen, tenn wir suhlen, datz wir nicht leben tonnen ohne das, was er uns aufgeben heißt. Tie Anregung zu Tolstois Ausführungen gab ein Essay d.s englischen Bolit.kers Erosby über Lhatefpeares Siellung zu den arbeitenden Klassen, der mit uinem Brief des bedeutendsten lebenden englischen Tramatilers Vernarb Shaw zusammen als Anhang bet deutschen Ausgabe erscheint. Jeber, ter auf selbständiges literarisches Urteil Anspruch macht, wird sich mit bem Tolstouchen Essay a.useinander»etzen müssen; jeder literarisch Interessierte, mögen ihn Tolstois Ausführungen im Einzelnen auch noch >'o sehr 5um Wider sprach reizen, wird aus bem Buche Anregungen empfangen. — Ter alte Herr ist übrigens wieder erkrankt. — Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: In unterem. Schauspi.lhaufe [inten jetzt verschiedene Gaivp.eie zur Ert-Lnzung des Persorials statt, über die nüchstens berichtet werden soll. Heute fei nur Fräulein Ilm vom 3ntimentfieater in Nürnberg erwähnt, die sich in „Liebelei", „Avsusiedssouper" und „J^h^nn.s- ieuer“ als temperamentvolle Künstlerin von i'tatlem Rönnen und ausgeprägter JndividuoLität e.n-uhrie und deren Engagemeiit wir befurtuocten mötöten. Tie Erstous.ührung von Cstar Vlumen- Lfials „Glashaus" war gut, ausgezeichnet Fräulein Sophie König, auch Herr Bolz sehr wirksam. * Im Leipziger Schaui'pielhame erzielte Paul Ernsts Lustspiel „Eine Nacht in Florenz" guten Ersolg. — Dernburg als Poet. Reichsireue Wähler aus Kay- Hütte i. Th. hatten am Freitag abend dein Rotoiuaiöireftor Dein- burg das freudige Wahlergebnis ans ihrem Wahlkreije telegioph. miigeleill. Darauf antwortete der Kolonialdirekior, der aui der Ruckreiie von enutgari in Ainstadl turzen Anfenchalt nahm, eben- -alls auf ielegraphi'chem Wege in folgenden launigen Veijen: .Ueverall herrscht große Freude, Ueber's neue Llaaisgebände; Thüringen hal's brav gemacht. Hat manches Role umgebracht, ßiosi Katzyütler! ruhig, Heuer, Prosit Atülleis und io weiter! tönun im Mal znr Sommerfrische, Kneipe dann am Tlensiagstifche Mit des Reiches dori'gen Stützen Unb wlll neben Schuhmann siyen.^ Arnstadt, BH'. Dernburg. — Sei einer beim be.g. Stoatsminister Seemacrt ahge- haltenen Sitzung wurde im Prinzip beschlossen, eine neue bei» gijtöe Expedition nach dem S^.dpol auszurüsien Le wlssenichafLiue Komme wn wird das Programm cu:...-r-:n. Versammlung fd-cint tum an» dem SLngreu ;u Rtons er. .r:eji: u Proiett bettesiend pornographische Ltuoien geneigt zu lein. los Tannenholz kostet in gleicher Güte 20 M. und mehr. Die Durchschnittspreise für Brennholz ä, Raummeter waren: Buchenscheit 11 M. und Knüppel (Prügel) 8,50 M. Fünfzig Oberholzwellen werden mit 7 bis 8 SOL bezahlt. O Mudersbach (Kreis Wetzlar), 29. Jan. Einen traurigen Abschluß nahm am Sonntag in hiesiger Gaitivirt- schast eine KaisersgeburtStagsseier. Der 58 jährige Krieger Hartmann stürzte nachts 2 Uhr von der Treppe, die vom 1. nach dem 2. Stock führt, herunter imb blieb tot liegen. Der in so große Betrübnis versetzten Familie — eine Frau und zwei erwachsene Kinder — erzeigt man seitens der Gemeinde das größte Beileid. Ten Wirt dürfte an dein Unglück keine Schuld treffen. Auch ist er durch Haftpflicht- Versicherung gegen etwaige Ansprüche gedeckt. R. B. T a r m ft a d t, 28. Jan. An der gemeinsamen Schutz- Mannsschule für das Großherzogtum Hessen hat heute vor- mittag 9 Uhr der diesjährige Frühiahrskursus im Polizciamts- gebäude begonnen. Es ist dies seit Bestehen der Schule der vierte Kursus. An dem Unterricht nehmen im Ganzen 14 Schutzleute teil und zwar sechs von Mainz, fünf von Darmstadt, zwei von Bad-Nauheim und einer von Friedberg. Jas Kruven-ZlnjZiiiL auf der Keden-Krulie erfolgte am Montag früh 7 Uhr, als kaum die Belegschaft an- gefahren war, auf der fünften Tiesbausohle der Fettkohlenabteil- ung im Billstockschacht. Die Explosion kam ganz plötzlich und war so gewaltig, daß nach allgemeiner Ansicht der Fachleute alle, die von ihr betroffen wurden, sofort tot gewesen sein müssen. Ein Teil der Bergleute wurde noch durch Verschüttung abge- sperrt. Zunächst gelang es, eine größere Anzahl der Eingefahrenen durch den betroffenen Schacht anS Tageslicht zu schaffen. 64 Arbeiter retteten sich unterirdisch durch den Heiuitzschacht. Die Rettungsarbeiten wurden sofort mit aller Energie ausgenommen. Die Rettungsabteilungen sämtlicher Gruben des Saarreviers trafen mit Extrazügen ein und gingen sofort ans Werk. Bis nachmittags 4 Uhr wurde mit wahrem Heldenmute an der Bergung der Leichen gearbeitet. Um diese Zeit mußten sämtliche Rettungsmannschaften schleunigst aus der Grube herausgeschasft werden, da in dem Schacht an der Unglücksstelle Feuer ausgebrock)en war und sich neue schlagende Wetter gebildet hätten, die jeden Augenblick zur Explosion kommen konnten. Dann wurde die ganze Nacht hindurch gearbeitet, um des Feuers Herr zu werden, und am Dienstag morgen konnten die Bergungsarbeiten wieder ausgenommen werden. 6 7 Leichen sind bis jetzt geborgen. Sie sind schrecklich zugerichtet und vollständig entstellt, ftieiber hängen in Fetzen herab, sodaß die Ägnoszierung außerordentlick>e Schwierigkeiten macht. In einem Dienstag nachmittag ausgegebcncn Bericht wird die Zahl der Toten und Vermißten auf 148 angegeben. Die Angaben schwanken aber fortgesetzt, sodaß eine end- giltige Zusammenstellung noch nicht gegeben werden kann. Erschütternde Szenen spielen sich fortgesetzt ab. Die Privatwohltälig- keir hat sofort eingegriffen. Bei dem Bankhause Gebr. Röckling in Saarbrücken sind bereits 30 000 Mk. für die Hinterbliebenen deponiert, und zahlreick>e Beiträge sind noch in Aussicht gestellt. Es sind namentlich Bergmannsfamilien des Jllingertales von Schiffweiler, Heiligenwatd und Landweiter betroffen worden. Eine Witwe verlor ihre drei iin blühenden Jugendalter stehenden Söhne. Eine Frau betrauert den Vertu st ihres Mannes, ihres Bruders und zweier Söhne. Ein verunglückter Bergmann hinterläßt eine Witwe mitneun unversorgten Kindern. Eine junge ihres Gatten beraubte Frau wurde beim Anblick seiner Leiche tobsüchtig, eine andere brach ohnmächtig zusammen, als ihr bereits tot geglaubter Mann plötzlich wieder vor ihr stand. Es kann noch nicht gesagt werden, wie lange es bauern wird, bis alle Leichen geborgen sind. Auf welche Weise das Unglück entstanden ist, wird wohl nicht festgestellt werden können, da der Mund derer, die Auskunft geben tonnten, für immer geschlossen ist. Bis jetzt wurden im ganzen 25 Verletzte herausgeschafft, die sich alle auf dem Wege der Besserung befinden. Die Explosion überraschte die meisten Leute, als sie die Arbeit aufnehmcn wollten. Infolge der Kaiscrsgeburtstagsfeier war glücklicherweise eine erhebtiche Anzahl Leute nicht angefahren. Die Explosion machte sich durch einen dumpfen Schlag bemerkbar. Eine von drei Bergassessoren geleitete Retlungsexpedition gelangte bis kurz vor die Explosionsstelle, wo sich ihnen eine gelbe Rauchwolke entgegenwälzte. Die Rettungsmannschaften flohen und kamen alle zu Tage, obgleich mehrere betäubt waren. Während der Nacht fanden fortgesetzt Wetterproben statt. Heute zeigte die letzte Analyse eine Abnahme des Brandes an. ! Hunderte von Telegrammen laufen in Hieben ein, die nach dem Ergehen von Verwandten fragen. Die Namen der Toten sind alle festgestellt. In endlosen Reihen liegen sie in der Verlesehalle, einen Zettel im Munde, der den Namen trägt. Die Mehrzahl der Toten tonnte nur an der Arbeitsnummer erkannt werden. Geistliche und Nonnen begleiten Frauen und Kinder, welche ihre Väter, Männer, Brüder oder Söhne unter den Toten suckln. Ganz Reden ist so von Menschen überfüllt, daß die beiden Gasthäuser ohne Lebensmittel sind. Die Bergbehörde hat den in großer Zahl eingetrojfenen in- und ausländischen Journalisten einen großen 9laum zur Verfügung gestellt. Bestritten wird die Meldung, derzusolge die Einfahrt der Grubenleute erfolgt sei, ehe die Vorfahrer, welche unter kundiger Führung zuerst die Schächte sondieren, wieder mit der M e l d u n g: „Alles sicher!" zurückgekommen seien, eventuell das Sichcrheitszeichen gegeben hatten. In Saarbrücken aber hält man an dieser Version hartnäckig fest. Dec Beerdigung der Opfer wird heute nachmittag eine Leichenfeier vorangehen. Lberberghauptmann v. Velsen teilt mit: „Wir haben festgestellt, daß der Brand völlig aufgehürt hat und eine Gefahr für die Bergungsmannschaften nicht mehr vorhanden ist. Ich bin durch mehrere Schächte gegangen und habe auf dem Wege 32 Leichen gefunden. Die Lage der Leichen läßt darauf schließen, daß sie durch die Explosion sofort getötet worden sind. Die Leichen lagen zu zweien oder dreien in einzelnen Schächten verstreut bei ihren Arbeitszellen. Da nun eine weitere Gefahr ausgeschlossen ist, habe ich den Auftrag gegeben, die Bergungsarbeiten fortzusetzen." Zur ersten Hilfeleistung sandte das Zcnrral-Komitee der französischen Kohlengruben 20000 Fran cs. Der Kaiser entsandte den Prinzen Friedrich Leopold nach der llnglücksstätte aus der Grube Reden mit dem Auftrage, sich über die Lage dort zu informieren unb ihm Bericht zu erstatten. Vom Kaiser ist ferner an den Oberpräsidcnten der Rheinprovinz Frhr. v. Schorlemer folgendes Telegramm ein» gelaufen: „Tieferschüttert von dem furchtbaren Unglück auf Grube Reden, das so vielen Bergleuten in ihrem schweren Beruse den Tod gebracht hat, ersuche ich Sie, den Verwundeten und Hinterbliebenen meine wärmste Teilnahme auszusprechen. gez. Wilhelm." Die Budgelkommisston des Preußischen Abgeord» (Itetenhauses saßte lolgende Resolution: Die Budgelkommtsswn ipricku chr tiefstes Mitgefühl mit beut schrecklichen Unglück auS, welches am 28. Januar auf der Grube Reden so vielen braven Bergleuten das Leben gekostet hat, und durch welches so viele schwer verletzt wurden. Die Budgetkornmisfion erwartet, daß die Staatsregierung ihr Gelegenheit gibt, diesem Mitgefühl praktischen' Ausdruck zu geben, insbesondere durch schnelle Fürsorge für die Verletzten und für die Hinterbliebenen. * Tie furchtbare Katastrophe, die uns mit Entsetzen und Mitleid er» üllt, wurde durch den tückischsten Feind des Bergmannes in Kohlengruben, durch schlagende Wetter, verursacht. Solche Explosionen ührcn in der Regel zu furchtbaren Katastrophen, denn es folgt ihnen saft immer ein Grubenbrand, welchem die Menschenleben zum Opfer fallen, die nicht sofort durch die schlagenden Wetter getötet wurden. Aber in seinem fortgesetzten Kampfe mit den Naturgewalten hat der Mensch auch sinnreiche Mittel erfunden, um Grubengasexplosionen zu verhüten. Man sorgt für eine ausreichende Ventilation der Bergwerke durch sogenannte Wettermaschinen, man hat Schlagwetterindikatoren in Verwendung, die bas Entstehen von Grubengasen selbsttätig sowohl in den Schachten und Stollen wie oberhalb zu Tage anzeigen, und man hat auch die Sprengpatronen so konstruiert, daß sie bei ber_ Explosion Grubengase nicht in Brand stecken können. Schließlich beugt aua) die Konstruktion der Grubenlampen einer Explosionsgefahr durch schlagende Wetter vor, unter der Voraussetzung natürlich, daß die Beleuchtungskörper richtig funktionieren. Es bestehen also soviel Schutzmaßrege^n, daß größere Unglücksfälle in Kohlengruben geradezu ausgeschlossen erscheinen sollten. Wenn sich trotz- vem Jahr für Jahr derartige Katastrophen ereignen, so kann man wohl mit Sicherheit behaupten, daß fast immer das Versage u der Schutzmaßnahmen die Ursache bildet. Und dies wird leider auch in Reden der Fall gewesen sein. Vielleicht zerbrach einem Bergarbeiter die Lampe — öffnen kann er sie nicht — vielleicht waren die Wellermaschinen nicht intakt oder dergleichen. Wer kann es wissen! Aber dieses schreckliche Grubenunglück muß den Behörden von neuem die -Notwendigkeit einer peinlich genauen ununterbrocheiien Kontrolle der Schutzvorrichtungen in ben Bergwerken einschärsen. Sieb in, 29. Jan. In dem Schacht 3, in dem durch schlagende Wetter die Explosion ftattfanb, arbeiten nur etwa bO Arbeiter. In den übrigen Schächten ist die volle Arbeiterzahl tätig. In der Bevölkerung gibt sich eine große Anteil- nahme an dem Unglück auf der Grube Reden kund. Prozeß Grüuewarv—Metz. # Gieuen, 30. Januar. Am Montag wurde, wie schon kurz erwähnt, vor der Strafkammer die Privalllage des Rechtsanwalts Grünewald gegen den Notar Metz-Nidda verhandelt. Der Gerichtshof war glebilder aus dem Geh. Justizrat Dr. Schäfer als Vor- litzeuden, dem Landgerichtsrat Wiener und dem Amtsrichter Wachtel als Beisitzern. Der Beklagte Metz, der erschienen war, wurde vom Rechtsanwalt Dr. Spohr vertreten, während Rechtsanwalt Fischer dem Privalklager als Beistand diente. A uf Veranlassung des Vorsitzenden, der verbuchte, einen Vergleich herbei- zuiuyren, erklärte Rechtsamvalt Dr. Spohr namens feines Klienten, dieser sei zur Ueoerzeugung gekommen, daß die Grabow- schen Gutachten, die Rech.sanwrck Giunewalo MS ben Schreiber der an das Kreisamt gerichteten Karle nicht nur, sondern auch als den Schreiber der Karte an oen Schwiegervater des Ingenieurs Oskar Gutmann, sowie als ben Schreiber der anonymen Liebesbriefe an Frau Gutmann bezeichneten, direkt falsch seien. Er bedauere, die unter Anklage stehende Behauptung aufgestellt zu haben. Er würde bei richtiger Kenntnis der Sachlage die Aeuße- rung in der Strafsache gegen Metz unb Geuosien nicht getan haben. Auf Befragen des Vorsitzenden, ob der Beklagte den gegen den Kläger erhobenen Borwurf Nlieingeschränkt zurück- liehmen wolle, erklärte dessen Vertreter, bau er dies nicht könne, da man nicht wissen könne, ob der Gegner, zwar nicht in einer strafrechtlich zu ahndenden Art, aber doch in einer Form vielleicht suggestiv beim Zustaudeiouunen der intrimierten Karte ein» gewirkt habe. Hieraus erklärte Rechtsanwalt G r ü n e io a I b, der sich vorher zu einem Vergleich bereit erklärt hatte, auf einen solchen nicht mehr eingehen zu können. Die Verlesung der Akten der Schoffengerichtsverhandlung nahm den ganzen Vor- millag in Anspruch. Aus den Akten wurde konstatiert, baß Rechtsanwalt Grünewald inzwischen das Original des anonymen Brieses betr. Dr. Kipper zu den Akten überreicht hat. Jnbezug auf dieses Schriftstück, das vom Kläger seinerzeit dem Dr. Kipper in Abschrift Mitteilung gemacht worden war, hatte der Letztere vor dem Sck-öffengericht als Zeuge seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, es fei vom Rechtsanwalt Grünewald fingiert, um ihn zu schädigen. Rechtsanwalt Dr. Spohr erkannte an, daß dieser Vorwurf durch Vorlage des Originals hinfällig geworden sei, ebenso auch der Vorwurf, baß Grünewald an Frau Gutmann anonyme Liebesbriefe geschrieben haben soll, ba bie Schreiberin dieser Briefe inzwischen ermittelt wurde und ihre Autorschaft zu- gestanden hat. Ein Antrag des Verteidigers, die Gutachten Grabows und Dr. Popps, bie sie vor der Strafkammerverhanblnng wegen Duellvergehens erstMtet hatten, zur Verlesung zu bringen, wird vom Gerichtshof als gegenstandslos abgelehnt. Der Klüger, Rechtsanwall Grünewald, führte aus, baß das^Publikum, das mit großem Interesse bie Verhandlung vor den Schössen verfolgt Halle, bei der Verkündung des llrtecks schwieg, und man habe sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß die öffentlidje Meinung bie Tat des Beklagten viel schärfer ansah, als bies im UrteU geschehen sei. Nacy der Verhandlung feien ihm zahllose Äiinbgebungen auch in der Presse zu Ohren gekommen, bie das Urteil gegen Metz als überaus milbe bezeichneten. Man müsse mit Reust bie Frage aufwerfen, was eigentlich Herr Rietz heule noch will mit seiner Berufung, nachdem seine unb feiner Helfer Anschuldigungen gegen meine Person widerlegt seien. Erst nachdem auch die Schreiberin der anonymen Briese an Frau Gutmann in der Person der Julie Wießner entdeckt gewesen fei, habe der Gegner die Gutachten Grabows als falsch anerkannt, aber zu einer unumwundenen Ehrenerklärung habe er sich trotzdem nicht verstanden. Den Glauben mi eine suggestive Aeemflussmig meinersells häll der Gegner noch aufrecht und damit verlieren die Nachgaben desselben icöen Wert. Es ist ganz unbegreiflich, daß man den Schreiber dieser Liebesbriefe, die mit dem Namen der Schreiberin unterzeichnet sind, in meiner Person überhaupt vermuten konnte, beim ein Blick in das Adreßbuch hülle unfehlbar genügt, um die wahre Sachlage an das Licht zu bringen. Er glaube nicht, daß fein Gegner erst in den letzten Tagen zu der lleverzeugung gelangt sei, daß Grünewald nicht der anoichme Bries- und Kartenschreiber sei. Er könne sich nicht auf seinen guten Glauben und niast auf § 193 berufen. Eingehend führt mechlsaiiwalk Grünewald aus, wie für Metz keine Veranlassung vorlag, so zu handeln wie er eS getan. Metz wollte und hat beleidigt ohne Rücksicht auf bie ehemals bestandene enge Freundschaft, ohne Rücksicht aus bie Kollegialität, ohne Rücksicht auf die Stellung besten, ben er schwer treffen wollte in feiner Existenz, ohne Rücksicht aus das Korps. Der § 193 soll lern Asyl bieten für Beleidiger, es sei zuzugestehen, baß der Anwall Ms Verteidiger jebe Ausführung machen Darf, die durch bie Umstände des Falles gegeben sind, aber daß ihm dabei Grenzen gezogen sind, oerstehi sich von selbst, uno bau er ganz be.onbers seine Posllion als Anwalt sur Neoenzwecke nicht ausveuten darf, ist ebenso felbstoerslanoiich. RechtsmiwMt .Grünewald bittet um bie Bestrafung des Gegners, bie Höhe des Strafmaßes stellt er in bas Ermessen des Gerichts, damit dieses auch in der Sage fei, ein höheres Strafmaß auszumessen, sei auch von feiner Seite die Berufung verfolgt, aber auch damit formale Mängel des schöffen- gerichtlichen Urteils richtig gestellt werden könnten. Rechtsanwalt Dr. Spohr erklärt unumwunden, bas; im vorliegenden Fall der Wahrheitsbeweis nicht erbracht fei. Trotzdem könne fein Klient nicht erklären, er sei innerlich davon überzeugt, baß boch- irgend ein gewisser Zusammenhang zwischen der Person des Klägers unb der Person bes Schreibers der in Frage kommenden Karte an bas Kreisamt bestehe. In dreistündiger Rebe führt der Verteidiger aus- daß aus verschiedenen restlichen Gesichtspunllen das Gericht zur Freisprechung kommen müsse. Eingehend erörtert er alle Momente, welche für Metz sprechen, so daß il)m der Schutz des § 193 des Str.-G.-B. zugebilligt werden müsse. Rechtsanwalt Fischer widerlegt die vom Gegner vorgebrachten Momente und bemerkt, daß nicht nur aus § 186, wie es das Schöffengericht getan habe, sondern auch aus § 185 auf Strafe zu erkennen fei. Die Strafkammer verwarf dieB e r u f u n g des Beklagten, gab der des Klägers aber statt, soweit nicht vom Vorderrichter auch aus 8 186 des Str.-G.-B. auf Strafe erkannt fei. Es fei festgestellt, daß Grünewald die in Rede stehenden anonymen Karten nicht geschrieben habe und auch in keinerlei Beziehungen zu ihnen stehe. Der behauptete positive Glaube des Täters schließt nach dem Gesetz die Bestrafung wegen Beleidigung nicht aus. Die Wahrnehmung irgend eines berechtigten Interesses hat das Gericht nicht anerkennen können. Der Beklagte Halle keine Veranlassung, in der Duell-Affäre vor der Strafkammer die Sache vorzubringen, er mußte wissen, daß dies als Strafuiilderungsgrund Kicht angesehen werden konnte, weil das Gericht die Ari, wie die Anzeige eniftanben, nicht bei der Strafzumessung berücksichtigen konnte. Aus der Form und ben Umständen, unter denen die Aeußerung fiel, geht hervor, daß es Metz darauf angefommen fei, Gruuewalo biogzuftellen. Betreffs des erschienenen Zeitungsartikels liegt Gehülfenschaft bei Beleidigung durch die Presse vor. Die vom Schöffengericht ausgemessene Geldstrafe ist nach Ansicht des Gerichts für ausreichend erkannt, da es auch nach Sage des Falles auf die Hohe der Strafe dem Kläger nicht ankommt. Die zugebilligte Publitationsbefugnis im Gießener Anzeiger, in der Frankfurter Zeitung und dem Frankfurter General-Anzeiger, ist als ausreichend anerkannt worden. * Kleine E a g e s ch r o u 11. Bei Iugolfkadl sind zwei Taglöhuerssöhue, welche auf einem Teiche Schlittschuh liefen, ms E i s e i n g e b r o d) e n unb e r i r u n t e n. — Einen furchtbaren Selbstmord verüble der Häusler Martin Eipa in Nikolai (Schlesien). Er fegte sich auf eine Tynamupairone unb zündele sie an. Sein Körper wurde in Stucke zerriijen. — In üeeds (England) sind beim Eislauf z w e i S ch ü l e r e r l r u n • ten. In Hendon stürzten 10 Personen beim Eislauf ins Wasser; ad)t tonnten gerettet werden, zwei ertranken. — Bet einer öffentlichen Verstetge r u n g einer P r i o a t g e m a l b e s a m m l u n g zu Rewyort luurben bisher nicht erreichte Preise erzielt. Eni Gemälde Troyons erzielte 325,000 Fr Ls, em Matssonnter 230,000 Fres. und em Breton 200,000 Fres. GericytsjaaL. ag. Das Schöffengericht in Gießen verurteilte am Dienstag den 27 fahrigen Former Sch. ans Wies eck, der m verschiedenen Wirtschaften Zechprellereien verübt hatte, ztt ö Wochen Gefängnis. Eingesandt. (Für Form und Jtlhall uuv. . .«u Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Allenthalben hört man m den Orten Oberhessens vom Baue n neue r L ch u l häufe r. Es werden Prachtbauten ei- richtet, wahre Paläste, die sich in der bäuerlichen Umgebung großartig ausneljmcn. Es heißt, die Gemeinde baut em Schulhau^ während es aber in Wirklichkeit der Staat baut, nur mit dem Unterschiede, daß es die Gemeinde bezahlen muß, unb der Liacu nur an ganz arme Gemeinden eine kleinen Zuschuß zu ben Baukosten „mitunter nur 2000 Mark", bezahlt. Hier wäre ein Arbeitsfeld für den La nbtagsabg. Köhler, wenn ihm das Jntereffe der armen Ober-hessischen Bauern so sehr am Herzen liegt, bei der Regierung dahin wirten zu wollen, daß ben armen G emetnbeti zu den S ch u l lj a u s b a u t e n em größerer Staatszu schuß gewährt werde, ba bei einem euitlajfigcn Schulhaiisneubau den armen überlafteten Gemeinden eine Schuldenlast bis zu 80 000 Mark aufgebürbet wird. E i n O b e r h e s f i s ch er Baue r. Telefonische Kurshericnt© des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank lür Handel und Industrie, Giessen. Frnnkfnrter itörwe. 30. Jauaar. 1.15 Uhr. 3ZL°/o Reichsauleihe . . 97.95 3% do. . . 86.95 3>6°/. Konsols .... 96.05 3% do.....87.10 3>i% Hessen . . . . 96 ÖU d^u/0 Oberhessen . . . 95.20 4?ö üesterr. Goldrente. . 99.85 4‘/6 “o Oesterr. 8il bei reute 100.10 4yö Ungar. Goldrente . . 96.00 4-6 Italien. Heute . . . 102.75 3-d Portugiesen tierie l . —.— 3% Portugiesen „ 111 70.40 ih°,'o 1U33. Staatsaul. 190a 91.75 4>i"ojapau. Staatsanleihe 94.60 1 -v Gonv. Türken von 1 uuö 95.90 Tiirkenlose......147.00 4% GneeL Monopol-Aul. 52.10 •1% äussere Argentinier . 89.0- ö°/0 Ai exikaner . , 66.80 4>tv/0 Chinesen .... 97.90 Aktien: Bochum Guss..... 244.50 Buuerus KW .... 127.70 Tendenz: fest. Elektriz. Lahiueyer . . 141.80 Elektnz. Schlickert . . . 118.50 Eschweiler Bergwerk . . 247.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 211.45 Hamburg- Amenk. Pakelf. 153.00 Uarpeuer Bergwerk. . . 217.80 Laurah title...... 243 00 >ordd. Llojd .... 131.20 Ubeischles. Eisen-Industrie 123.U0 Berliner ilauuelsges . 174.80 Darmstädter Bank . . . 140.10 Deutsche Bank . . . 243. >0 Deutsch-Asiat. Bauk . . 174,00 Diskuutu-Kumuiantiit. . . 186.70 Dresuuer Bauk . . . 158.75 Kreditaktien.....216.70 Baltimore- und Ohio- Biseulahn . . . 116.20 Goituardbahn.....— Lomuaru. Bisenbahn . . 3210 Uesterr. Sluaisounn . . . 147.90 l'nuce-Henn-Bisen bahn . 149.40 berliner Börse, 30. Januar. Aufangskurae. Cauada KB...... 183.00 Uarpeuer Bergwerk. . . 217.40 Darmstadter Bank . . . 139.90 i.auraiidtle . . . . — Deutsche Bank .... 243 7l ..uinbardeu E. B. ... 31.70 Durimuuder-Lnion C. . . S7.2o | _\urdd. Lloyd.....131.50 Dresdner Bank . . . 15ä.7u | lilrKeuluse.....146.10 '1’eudeiu: fest. Quaker Oats Der Konsum von Quaker Oats nimmt beständig zu, — der beste Beweis von der Vorzüglichkeit dieser idealen Nahrung. Delikat im Geschmack, schnell zubereitet und leicht verdaulich. Die echten Quaker Oats werden nur in geschlossenen, mit der Quaker Schutzmarke versehenen Paketen verkauft. S fein*ä'«. ! 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Ich erkläre, daß die in der Bei« läge zu 9tr. 88 der Zeitung „2et Tabakarbeiter" über die Firina Joh. Balthafar sftoll in Gieftea gebrachte Notiz auf falschen In« [ormationen beruhte, und nehme deshalb die gegen die Firma ausgesprochene Beleidigung unter Bedauern zurück. 734 F. Geyer Redakteur des „Tabakarbeiter", Bin nur Donnerstag hier! Suche gctrageue LlleidungS- stücke, alte Gold- und Silber- jachen, Zahngebiffe llnd Schuh- warcnzu kaufen. SchriftUAngeb. unter 0622 an d. Gieft. Anz. erb. ^Peifte Mäuse pro Stück lOPfg.'in rnib aufter dem Hause. zu verkaufen. (0636, Krau- 2 । Hübner, Marvnrgcr 1 la. Spcifctartogcln auserlesene Ware, in den ver- schiedemren Sorten, sowie Salat- tortorfein liefert zu den billigsten Tagespreis. jed.Quantumfr.Haus. II. Trechsier Telephon 581 [730] Steinstr. 48. Ein Lausmädchcn tagsüber ge- sucht. Balinhofsrrafte 39, I. [723 braZs Ticustmädchkl! gegen guten Lohn gesucht. 0(L5]________Hotel Kaiserhof. Tüchtig. 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Meldungenu.684 an den Gieftener Anzeiger erb. Ein ordentliches Mädchen, am liebsten vom Lande, Ende Februar gesucht. [682 Frau L. Lazarus, Asterweg 9. LEZWrüeiichkil grfndjt. 2705 Ftchteii-Derbstangen mit 99,10 Festm. 1040 * ReiSstangen - 16-59 95 Rm. Buchen-Scheltholz