Nr. 99 chst Willkommen. Tageszeit— AnstauüMrer, ehfolyr-___ rdr, Äoesf Micll tüi die in 30. April, atu ner W ohuuDg, Weis» Apparate blichen mikalien Wt in dy >gerie lend >dk«d§ 8‘/, U|i lniverfital. f. I^rüxer-Iriei ir Römern angenommene Üetjvlinge ausleinen lohen. Die Befugnis zur Anleitung kann ihnen gewährt werden, wenn sie bereits 5 Jahre Lehrlinge anlciteten. Zur Meisterprüfung soll in der Regel nur zugelassen werden, wer die Gesellen Prüfung bestand und drei Jahre Geselle war, doch darf während der ersten fünf Jahre die Zulassung nicht von dem Bestehen der Gesellenprüfung abhängig gemacht werden. Telefon 593 rie Ausführung aller lotograpL Arbeiten. Erscheint a-llch mit Ausnahme de» Sonntag». Tie „Stehener ZamllienblStter" werden dem .Anzeiger« viermal wöchentlich beigelegl, das „Hrtlsblatt für den KrtU Sietzen" zweimal wöcherlllich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. -nbier 6 10 pfg. Redaktion. Exvedttton und Druckerei: Vchul- ftrafee 7. Srpebttton und Verlag r 51. Redaktion: 112. Tel.« Adr- AnzeigerLrehen. Aus Stadt und Land. Gießen, 29. April. •* Ordensauszeichnung. Se. M. der Kaiser haben am 25. dsS. DitS. dem Gendarmerie-Oberstleutnant Schmidt, DtstriktSkommandeur der Provinz Oberhesien, den flömgl. Kronenorden S. Klasse verliehen. D e r F ü r st en D a n k. Der Ausschuß der Gießener Studentenschaft halte am Lage der Anwesenheit deS Kaisers und des GroßherzogS folgende Begrüßungstelegramme an beide Fürsten geschickt: Ew. Majestät embietet die Gießener Studentenschaft unter». parlamentarischer. Berlin, 27. April. Das Zentrum brachte zur zweiten Beratung deS Etats des Auswärtigen Amtes eine Resolution ein, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichs» tage periodisch über die internationalen Beziehungen deS deutschen Reiches urkundliches Material zugehen zu lassen. — Der dem Reichstage zugegangene dritte Ergänzungsetat für 1907 enthält nur die Forderung von 15 Millionen Mark als erste Rate zur Erweiterung des Kaiser Wilhelm * Kanals, und zwar 9 200 000 Mark, für Grunderwerb, 2 000000 Mark, für NützungS- entschädigungen, 600 000 M. für Ersatz der Familienhäuser, die wegen der Erweiterung abgebrochen werden müssen, 3 200 000 M. für Projektbearbeitungen. Die gesamten Kosten werden 221 Millionen Mark betragen, wozu noch 2 Millionen Mark für Zwecke der Landesverteidigung treten. Als Bauzeit sind sieben bis acht Jahre in Aussicht genommen. Tie Schleusen m Brunsbüttel und Holtenau werden umgebaut. Das Kanalprosil soll eine Tiefe von 11 Meter erhalten. Die Kanallmie wird im allgemeinen bei- behalten. Eme Vermehrung der Ausweichstellen wird vor genommen. Die Erdarbciten für die von der Stadt Kiel anzulegende Handelsbahn werden auf Kosten des Reiches ausgeführt. — Der dem Reichstage zugegangene Entwurf betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung gestattet das Halten und die Anleitung von Lehrlingen außer den über 24 Jahren alten Meistern, auch denjenigen Gewerbe- treibenden, die in ihrem Gewerbe die von der Handels kainmer vorgeschriebene oder ntangels solcher eine 3 jährige Lehrzeit zurückgelcgt, die Gesellenprüfung bestanden u. 6 Jahre hindurch öffentlich ihr Handwerk selbständig auSübten oder als Werkmeister tätig waren. Die Führung deS Titels Baumeister« 2C. wird vom Bundesrat geregelt. Inzwischen wird dessen Führung gestattet, soweit es landesrechtlich aus» drücklich erlaubt ist. Während der Uebergangszett dürfen auch Personen, die den obigen Vorjchrrsten nicht entsprechen, motte«»- „ weifst Zeile § >, la. kKsHö' '^andlnnr, Strasse 7, °’ Eipsluß aus die regierenden Fürsten, die ihr zulieb die treuesten Untertanen von sich stoßen und ihren Fehler erst dann wahrnehmen, wenn eS zu spät ist und sie sich nicht mehr auS den Fesseln der Loge befreien können. Leider — so sollte man glauben — pflegt sür die Souveräne die große Lehrmeisterin Geschichte nicht zu bestehen." Wenn man die mysteriöse Sprache dieses ErguffeS in klare» Deutsch überträgt: was soll der Artikel, der im übrigen von abschwächenden Wendungen durchsetzt ist, denn anderes bedeuten, als eine runde Denunziation des Darmstädter Hofes, im Dienste der hinter, nationalen Loge' tätig zu sein, um französische Kulturkampfstimmungen am Berliner Hof einzuschmuggeln. Weil sich Kaiser und Großherzog ein schlechtes Theaterstück angesehen und dabei den Darstellern applaudiert haben, ohne daß auch nur im entferntesten fesl- zuslellcn ist, daß sie mit mit der Tendenz des Stückes ein- verstanden seien, wird ihnen vorgeworfen, daß sie den .Fesseln der Loge' verfallen und drauf und dran seien, Kirchenfeinde nach dem Muster des französ. Ministerpräsidenten Clemenceau zu werden, wenn sie'S nicht gar schon beide sind, oder doch wenigstens der eine von ihnen eS bereits ist. Kann man Abgeschmackteres einem Leserkreise vorsetzen und kann man die Anmaßung weiter treiben? Oder sind wirtlich allem die Ultramontancn die Berufenen, den Monarchen Vorschriftnn zu machen über den Theaterbesuch, wie Kindern und Beichtkindern? Deutsches Reich. Berlin, 28. Aprll. Prinz Eitel Friedrich tras gestern mit Automobil von Döberitz in Potsdam ein. In Potsdam wird der Prinz, obwohl die Schmerlen vollständig geschwunden sind, noch einige Tage in ärztlicher Behandlung bleiben. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrem Wochenrückblick: Mit Befriedigung können wir Deutsche die Wahr- nehmung machen, daß seit einiger Zeit französische Blatter in weit höherem Maße, als dies früher der Fall war, sich bemühen, durch eigene Vertreter die Kenntnis von den Verhältnissen in Deutschland und den bei uns herrschenden Stimmungen ihren Lesern »u vermitteln. Mag immerhin diese Ausgabe nicht immer glücklich gelöst werden, gleichviel, die unmitl.lbarr Anschauung wird, wie man erwarten darf, mit der Beit die Vorurteile zerstreuen, die icnieitd der Vogesen mit Bezug auf Deutschland vielfach verbreitet sind.. Die direkte Berührung mit dem deutschen Leben wird ohne Zweifel den Blick unserer westlichen Nachbarn auch für die Unterscheidung der maßgebenden Faktoren von zufälligen Erscheinungen ohne bestimmenden Einfluß schärfen, die dem ungeübten Auge meistens zu allererst auffallen. Je länger die Vertreter der französischen Presse sich auf Grund eigener KennMifte deutscher Absichten und Bestrebungen mit diesem Verhältnis beschäftigen werden, desto deutlicher wird ihnen -um Bewußtsein gelangen, wie einfach die Formel ist, auf die sich die politische Rechnung gerade in dieser Richtung zurücksühren läßt. Altona, 28. April. In einer Anarchistenv ersamm- lung befürwortete der Referent Arbeitersekretär Schlegel die General st reikidee, tadelte die Unfruchtbarkeit der Gewerkschaften und polemisierte gegen die sozialdem. Führer. Köln, 28. April. In einzelnen niederrheinischen Orten gingen angesichts des Umstandes, daß die M etz g er m ei ster immer noch auf hohe Verkaufspreise halten, die Landwirte dazu über, ihre massenhaft gezüchteten S chw e i n e selbst zu schlachten und zu billigen Preisen direkt an die Abnehmer zu verkaufen. Das Fleisch fand reihenden Absatz. Auch im Ruhrgebiet wollen die Landwirte ähnliche Einrichtungen schaffen. Leipzig, 28. Aprll. Der Börsenverern deutscher Buchhändler hat beschlossen, Schrllte einzulellen, um den wachsenden Büchervertrieb durch Vereine einzu- &äuUgort, 27. April. Der Finanzminifter hat dem Landtag einen weiteren Nachtrag zum neuen Etat vorgelegt, welcher 2 850 000 Mk. für Neubauten fordert, darunter erste Raten für eine neue Universitätsbibliothek in Tübingen und für den Neubau für die erste Kammer. _ Ier Kaiser im ßl,aß. Straßburg i. E., 27. April. Der Kaiser traf gestern nachmittag, von Homburg im Sonber- sufle hier ein und wurde am Bahnhöfe von dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, dem Staatssekretär v. Köller u. a. empfangen. Im Automobil begab er sich mit dem Statthalter in langsamer Fahrt durch das Spalier der Truppen nach dem ffceul/ abenb fand im Palast ein Diner statt. Rechts vom Kaiser hatten Platz genommen: der Statthalter, der Chef des ZivllkabinettS Exzellenz v. Lueanus, der bayerische Gesandte Frn- berr Tücher von Simmelsheim, Generalleumant twn Pawlowski, Bischof D. Fritzen u. a. Links vom Kaiser saßen: Komm. General Ritter Hentschel von Gilgenheimb, General von Scholl, Generalleutnant Freiherr von Hüningen, UnterstaatSsekretär Dr. Petri, der Präsident des LandeSausschusfeS, von Jaunez. Weihbiichof Freiherr Zorn von Bulach, UnterstaatSsekretär Mandel u. a. Gegenüber dem Kaiser saß: der Lbeihofmarschall Graf zu Eulenburg: rechts von demselben Staatsmimfter von Köller. General von Mosfener, Unterstaatssekretär Freiherr Zorn von Bulach; lmts der ofterr. Geheimrat Graf Wilczek, Graf von Hülfen-Haieler und der Oberbürgermeister a. D. Wirkt. Geh. Rat Dr. Back. U a. waren noch geladen: der Bürgermeister von Straßburg Dr. Schwander, der Rektor der Universität Straßburg Professor Knapp und Professor Baron Gehmüller. . Nach der Tafel brachten 600 Sanger vom Elsaß-Lothnng. Sängerbünde vor dem Käiserpalast ein Ständchen dar, in dem sie vier Volkslieder, darunter das Elsaßlied von Wlltberger, sangen. Der Kaiser befahl den Vorstand des Bundes und den Dirigenten der Serenade zu sich und dankte ihnen für die Huldigung. Er hoffe, die Elsässer im Jahre 19 09 bei dem Frankfurter Sängerwettstreit zu hören. . In den protestantischen Kreyen Elsaß-LothrmgenS herrscht starke Verstimmung, well der Kvnfistoriumsprä- fident Curtius, der Herausgeber der Ho Henio he- lUtemoiren, diesmal vom Kaiserempfang und von der Kaisertafel ausgeschlossen worden ist. Tas Konsistorium richtete eine energische Eingabe an den Statthalter, nachdem eine Audienz verweigert worden ist. In maßgebenden Kreisen spricht man von dem demnächstigen Rücktritt des Präsidenten Dr Cur- tiuS, dem vom Statthalter durch Vermittelung des Unterstaats- sekrctär Dr. Petri eröffnet worden war, daß er nicht zur kaffer- lichen Tafel zugezogen werden würde. Heute vormlltag begab sich der Kaiser in die evangelische Garnisonkirche, wo er an dem Gottesdienst teil na bm. Um halb 12 Uhr juhr der Kaiser nach Osthaufen zum UnterstaatSsekretär Frhrn. Zorn von Bulach. Beim Eintritt in den Schloßhoi, in dem Mädchen in Landestracht, Schulen und Vereine ausgestellt waren, wurde der Kaiser von Herolden mit Fanfaren begrüßt. Der Kaiser besichtigte mit großem Interesse den an vielen Altertümern reichen langjährigen Edelsitz der Familie von Bulach. Nach dem Frühstück trat der Kaiser die Wellerfahrt nach der Hohkönigsburg an. Dort wurde ein Rundgang unternommen vom Sternbau auf die Ostseite durch den neuen Hauptoorbau zu dem Hochschwsse, wo im Rittersaale der Lee eingenommen wurde. Der Architekt des Schlosses Ehillon Neus legte Abbildungen von dort vorgefundenen Wandmalereien vor, und Bezirksarchivar Dr. Hauviller aus Colmar i. E. neu gui- gefundene Akten auß dem 16. Jahrhundert, welche die Arbeiten Der Restaurierung überraschend bestätigen. Nach einem weiteren sstundgange um die Nordseite des Schlosses erfolgte am Abend bie Abfahrt nach Schlettstadt. Die Stadt war prächtig geschmückt. Vor der Eideskirche hatten sich Geh. Rat Dieckmann und Bürgermeister Geißenberger zum Empfange des Kaisers etn- gefunden. Die Besichtigung der Kirche erfolgte unter Führung des Ehrendomherrn Brach und des Staatsarchivars Abbtz Clauß. ES ist ein alter romanischer Bau mit einer Krypta auß der Dohen- staussenzeit. Am Abend traf der Kaiser wieder m Straßburg ein und folgte einer Einladung des FürstenstatthalterS zum Diner.__. politische Lagerßchau. Kaiser und Grotzherzog bei Den „ibrübetn voa St. Bernhard" in Darmstadt. Zurzeit herrscht in der Zentruinspresse, keineswegs nur in der Hessens, über die Festvorslellung iin Darmstädter Hoftheatcr auß Anlaß deS KalserbejucheS allgemeines .Schütteln des Kopfes*. Der Kaiser ist, wie berichtet wurde, der Aufführung der .Brüder von St. Bernhard" nut vollem Interesse gefolgt, hat Beifall geklatscht. 9lun ist es ja richtig, das Stück ist literarisch, künstlerisch absolut wertlos; darüber ist sich die gesamte deutsche Kritik einig, nur die Tendenz allein macht die Spannung, erweckt Jntereffe, der Abfall eines Mönches vom Kinderglauben, sowie die intime Schilderung deS Lebens in einem Kloster. Aber eS wirkt doch geradezu lächerlich, was ob dieser Aufführung im Darmstädter Hoflheater ein bekannter badischer ZentrumSsührer von sich gibt, der geistliche Rat Wacker. Sein Blatt, .Der badische Beobachter«, brachte am Freitag einen Leitartikel mit der Überschrift: »Kaiser Wilhelm II. und die Loge« und deckle vor seinem Publikum folgende Schleichwege des Freirnaurertum auf: „Die Logenmache ist nirgends deutlicher aufgetreten als bei der Reichstagsauflösung. Dernburgs Berufung scheint nur allzusehr das Werk der Loge gewesen zu sein. Merkwürdigerweise kam er auch aus Darmstadt, wo man dem Kauer antiultramontane Theaterftücke serviert. — Gegen das Zentrum war der Kaiser bereits im Jahre 1896 durch den Protektor der Loge, den Prinzen Friedrich Leopold, scharf gemacht wordM. Was damals nicht erreicht wurde, sollte jetzt Dernburg voll- bringeu. — Dernburg nimmt zwar (nach Preßäutzerungen eines hervorragenden Logenschriftstellers) jetzt nicht mehr als attives Biitglied an den Logensitzmigen teil, Freimaurer ist er aber poch und war natürlich aucy bis zu seiner Berufung löscht Kolonialdircktor) Logenmllglied. — An einer anbnen mcrnüur- bigen Begebenheit ist man in Deutschland auch ziemlich achlloS vorübergegangen, nämlich an der Tatsache, daß ein franzosifcher radikaler Deputierter, Mr. Habert zu Berlin einen Vortrag über „französische Kolonialkunst" hielt. 91ur die Beziehungen der internationalen Loge konnten etwas derartiges zustande bringen.. Die Loge will die radikalen Ideen der frauzofifchen Brüder den deutschen hohen Regierungs- und Hoikreisen nahe bringen, damit sie zunächst Mode werden. Das andere wird sich finden. — Die „Brüder von St. Bernhard" sino ein Stück des Freimaurers Ohorn. Die Breslauer Freimaurerloge hat dem Autor dafür ein Blumenarrangement mit Schleifen in den Ordensfarben öerebrt — Wllheirn lll. gilt zwar nicht als Mitglied der Loge, wie feine beiden Vorfahren auf dem Thron, er pflegt nur dann und wann einer Loge sein Bild zu schenken. Sein Besuch der „Brüder von St. Bernhard" darf aber als ein Symptom dafür betrachtet werden, datz die Freimaurerei all ihren Einfluß aufbietet, um auch in Deutschland für eine Kulturlampfspolllit ä la dlemenceau Stimmung zu machen. — Leider gibt es immer noch Leute, die den Emflutz der Freimaurerei unterlchätzen; besonders verhängnisvoll ist ihr Ausland. L o n d o n, 27. 2Lpril. u;er „^ally Telegraph" behauptet, die Einzelheiten des Plans erfahren haben, den das kabinett Campbell-Bannerman ausarbellete, um die Frage >es Oberhauses zu Ende zu bringen. In Fällen, wo D i f f e- renzen zwischen Oberhaus und Unterhaus ent* tehen, sollen beide Häuser zusammentreten und eine gesetzgebende Versammlung bilden. In dieser gesetzgebenden Versammlung, bestehend aus cflen Mitgliedern )es Oberhauses und allen MitLliedern b^s Unterhauses loll die einfache Mehrheit entscheidend sein. P a r i s, 28. April. Der „Petit Puristen" wird in seiner morgigen Nummer verschiedene Unterredungen seines Spe- zialberichterstatters, u. a. mit dem französischen Botschafter Eamb on, dem Kolonialdirektor Dernburg, dem Herzog v. Trachenberg und dem Abg. Dr. Semler über die deutsch-französischen Beziehungen verössentlichen. Cambon sagte: „Ich kann nur sehr dankbar fern sür die Courtoisie, mit der ich von Berlin ausgenommen wurde. Ich bin überzeugt, daß die guten Beziehungen, welche zwischen den zwei großen Rationen bestehen sollen, nur durch gegenseitige Achtung ihrer Wünsche und Interessen erzielt werden können. Ich freue mich, in dem mir zuteil gewordenen Empfang eine gute Vorbedeutung zu sehen, und die Art, wie die jungst in Tanger aufgeworfenen Fragen gelöst wurden, scheint diese Erwartungen zu bekräftigen." Kolonialdirektor Dernburg sagte: „Ich bin sehr erfreut darüber, daß die Franzosen nach Berlin kommen, um sich über die wahren Gesinnungen der Deutschen zu unterrichten. Ter Einbruch welchen der Vortvag ihres Landsmannes, des Deputierten Lucien, hier hervorgerufen hatte, war ausgezeichnet. Sein Vortrag hat hier einen Ideenaustausch über die Kolonialfragen veranlaßt, aus welchen wir beide Nutzen ziehen können. Die Kolonialprobleme werden immer mehr und mehr in internationaler Weise gelöst werden, maa es sich um eine Grenzberichtigung, um die Behandlung der Eingeborenen oder sonstige Regeln handeln, die Regierungen werden in Besprechungen eintreten müssen. Die 3iegie- rungen haben in den Kolonien aroße Aufgaben zu erfüllen, die notwendig auf ihre allgemeinen Beziehungen zurückwirken müssen. "Der Herzog von Tra.chenbe.rL äußerte: „Ich bin der Ansicht, daß die bereits courtoifii> volleii Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland sich allmählich noch verbessern müssen. Sie können fia-er ein, daß Misere Regierungskreise alles, was die beiden ULachbaroölker einander näher bringen kann, fördern werden. Wir hegen keinerlei Feindseligkeit gegen Frankreich. Nichts steht im Wege, daß wir uns courtoisievoll auf kolonialem Gebiete verständigen können." Rom, 27. Aprll. Der Papst empfing heute den Bischof von Mainz. __ , Briketts [igste Betriebst fedotomoM1 su-flüssigeBrenns11- NfflM SSSSSj ..... Fabrik7 kla*8, Liefe: SJSko-* enfabrik^ üge Zweites Blatt 157. Jahrgang Montag 29. Aprll 1907 A aa A. jA A A. AA RotattonSdrnck und vertag btt vrübNche« IM R äs T / h Air Universität» - Buch, und ©tetnö ruderet General-Anzeiger für Gberhejjen IColontalyofte Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Im Anschluß an daS Ergebnis deS Disziplinarverfahrens gegen den Gouverneur v. Putt kam er werden verschiedene unzutreffende Mitteilungen verbreitet. Es ist unrichtig, daß bad gegen Herrn v. Puttkamcr ergangene Urteil bereits die Nechtskiast erlangt habe. Die Kolonialverwaltung kann sich über die Frage eventueller wellerer Schritte erst schlüssig werden, wenn das Urteil mit den Gründen zugestellt fein wird. Auch über die weitere Frage, ob Herr v. Puttkamer nochmals, wenn auch nur kurze Zeit, als Gouverneur nach Kamerun zurückkehren wird, ist eine endgiltige Entscheidung an zuständiger Stelle noch nicht getroffen. — 4iach dem „B.T." ist der Geheimrat Seitz, der zur Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes gehört, dazu ausersehen, als Nach» folger des Herrn v. Puttkamer naa) Kamerun zu gehen. Neues aus Rußland. Der Zar empfing am 27. in ZarSkoje ©feto 25 bäuerliche Abgeordnete. Diese überreichten eine Adresse. Der Zar dankte der Deputation und unterhielt sich mit jedem Miigliede. Nach der Audienz wurde den M- geordneten ein Imbiß gereicht. In der Adresse sprachen die Bauern dem Zaren ihren Dank aus für das hohs Vertrauen und die Wohltaten, die er den Bauern bewiesen habe. Sie stellen fest, daß ihre wirtschaftliche Lage aus Mangel an Land und wegen Fehlens von Kredit beklagenswert fei. Sie sprachen die Hoffnung aus, daß nur ein Wort des Kaiser- notwendig sei, damit die Lage der Bauern gebessert werde. Die Adresse schließt mit den Worten: „Wir sind entschlossen, unser Leben für die Verteidigung der Autokratie zu opfern." Die Kaiserin, die bei der Audienz zugegen war, dankte den Deputierten gleichfalls und reichte jedem die Hand. In Simferopol explodierte auf dem Poli^eiam te eine Bombe, die beschlagnahmt worden war; eine Person wurde getötet, vier schwer verletzt. In Tschita wurde eine Mine entdeckt, die unter dem Kassengebäude der städtischen Kämmerei gelegen war. Vier Täter wurden an Ort und Stelle verhaftet, vier andere, der Mithilfe Verdächtige, sind ebenfalls feftge- nommen worden. . täniflsten Willfommgruß mit der Versicherung aufrichtiger Treue und Verehrung. Ter Ausschuß der Wietzener Studentenschaft. Ew. königl. Hoheit, den, Rektor Maginficentissimus legt die Studeniensebaft der Ludoviciana das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Ergebung ab. Ter Ausschuß der Siebener Studentenschaft. Hierauf gingen dem Ausschuß folgende Danktelegramme zu: Ho mburg, Schloß, 25. April 1907. Ich danke Jbnen für den freundlichen Gruß als Zeichen Ihrer patriotischen Gesinnung, auf welche sich Kraft und Stärke des Vaterlandes gründet. Wilhelm I. R. Darmstadt, 26. April 1907. Für die mir gestern zum Ausdruck gebrachte treue Gesinnutrg wollen Sie bitte meinen ausrichtigen Dank übermitteln. Ernst Ludwig. "Erweiterung gemeinnütziger Anstalten. Sowohl die Herberge zur Heimat, wie das Schwesternhaus des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege in der Johannesstraße sollen in diesem Sommer eine Erweiterung erfahren, weil die bisherigen Räume für die wachsenden Aufgaben nicht niehr genügen. Heber letzteres, sowie über allerlei neue Aufgaben des VeremS wird in der morgen nachmittag um 6 Uhr tn dem Markus- saale (Kirchstr. 9) slattsindenden Generalversammlung verhandelt werden, deren Besuch sich darum empfiehlt. ** Zur Obmannswahl im Landeslehrerverein. Der Verruf der am zi. Apcll abgchaltenen V e r s a m m l u n g des Darmilädter LehrervereinS bestätigte die durch die SLay^it-l'le bereits bctuimi »cwordene Berufung, daß es bei der bevorstehenden Obmannswahl zu einem regrm SBiLtberoerb zwischen verschiedenen Gruppen kommen werde. Bei der Abstimmung siegte die Richtung, die Herrn Huff auf den Schild erhoben haben will, mit der sehr geringen Mehrheit von zwei Stimmen. Die andere Gruppe, die von der Auffassung ausgeht, daß Herr Lösch die kommenden Aufgaben mit einer größeren Energie als Herr Huff anpacken würde, unterlag mit 41 gegen 43 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen. Trotzdem Herr Huff als Kandidat des Hauprvorstandes gilt; trotzdem Herr Lösch Herrn Huff gegenüber erklärt hatte, er werde bei dessen Aufstellung sich nicht um den Obmannsposten bewerben, und bei einer Versammlung in Frankfurt selbst für die Kandidatur Huff eingetreten war; trotzten darauf ausdrücklich hingewiesen und von Herrn Lösch in der Versammlung bestimmt erklärt wurde, daß er sich an sein Wort und seine Abstimmung noch gebunden fühle, wurde auf seinen Namen — die Kandidatur Losch war inzwischen vom Bezirksverein Lampertheim ausgestellt worden ■»- triefe erhebliche Stimmenzahl abgegeben. Die Wichtigkeit der Tagesordnung hatte einen so zahlreichen Besuch bewirkt, wie er in der Geschichte des Darmiräoter Lehrervercins noch nicht zu verzeichnen ist. Es waren selbst Mitglieder anwesend, die feit Jahren nicht mehr an den Beratungen des Vereins teil» genommen hatten und die augenscheinlich den Ausschlag gaben. Inwieweit diese Darmstädter Abstimmung die letzte Entscheidung beeinflussen wird, bei der außer den beiden genannten Herren noch Herr Müller-Gießen in Betracht kommt, läßt sich nicht Vorhersagen. " Kun st verein. In der Gemälde-AuSsiellunq hat wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt- gesunden. Es gelangten neu zur Ausstellung 6 2 Gemälde deS Oesterreich»schen Künstler-Bundes, sowie eine Kollektion Gemälde von P. Bayer-Kartsruhe und noch 5 Gemälde von W. Barthels-Gießen. " Betrügerin. Am verflossenen Mittwoch suchte im evangel. Schwesternhaus die 20jährige angebliche Marie Fingerte auf einige Tage Unterkunft und gab an, ihre hier wohnhafte Tante, eine Frau Schmidt, werde ihren Unterhalt bezahlen. Gestern morgen verschwand die Person und man entdeckte, daß einem Dienstmädchen ein Korallenarmband, eine Brache und ein silbernes Anhängsel aus dem Schrank gestohlen war. Aus einem anderen Schrank wurde ein Regenschirm vermißt. Die Person wurde noch hier betroffen und verhaftet. Man fand die gestohlenen Sachen in ihrem Besitz und ihre Angaben mit der Tante stellten sich als unwahr heraus. "Roheit. In der Nacht auf Sonntag wurde einem Bewohner des Steimvegs der Vorgarten verwüstet und Sträuche und Rosenstöcke abgebrochen. " Diebstahl. Ai>s einer Mansarde in der Ludwig- straße wurden eine Damenuhr und zwei wertvolle Ringe von unbekannten Tätern gestohlen. Jedenfalls handelt es sich dabei wieder um einen gewerbsmäßigen Maniardendieb. " Unfall. Am Neuball der Fralienklinik stürzte der Weißbinder Schmidt aus Krofdorf vom Gerüst 12 Meter in die Tiefe. Der Verletzte wurde in die Klinik gebracht. ** Die hessische Landwirtschaftskammer wird infolge Verhinderung des Präsidenten Haas anstatt am 6. erst am Dienstag, 7. Mai, vorm. 10 Uhr, zusammentreten. Der Wahlprüfungsausschuß hält am Tage vorher eine Sitzung ab. Soweit sich bis jetzt feststellen läßt, werden im ganzen drei Wahlen für ungültig erklärt werden und zwar je eine in Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg. Die oberhessischen Abgeordneten werden sich ebenfalls schon am Abend vorher, also am Montag, zu einer Besprechung wegen der Bildung der Ausschüsse zusammen find en. — Wleseck, 28. April. Einem allgemeinen Bedürfnis entsprechend, versammelte sich gestern im Lokale des Gastwirts Erb der größte Teil der hiesigen Pferdebesitzer zwecks Gründ llng eines Pferdeversicherungsoereins Sämtliche Anwesende erklärten sich bereit, eine Versicherung im Orte zu gründen. Eine weitere in den ersten Tagen stattfindende Generalversammlung soll sich mit dem Entwiirf der Satzungen befassen. — Hieran anschließend hielt Herr Fenchel aus Gambach einen Vortrag über Pferdebehandlung mit besonderer Berücksichtigung der Pferdefütterlrng und des Huf- deschlags, der von den Amvesenden reichen Bcijall erntete. b. Lich, 28. April. Die Versammlung des Kreis- ziegenzuchtvereiits, die heute nachmittag im Gasthaus zum Löwen tagte, hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde als erster Vorsitzender Kreisamtmann Merck und als zweiter Lehrer Franz von der landwirischastlicheu Winterschule zu Lich gewählt. Als Körkommission wurde an Stelle des Herrn Heinrich Schön von Gießen, der sein Amt niederlegte, Herr Beimborn-Gießen gewählt. Tie Spesen für die Körkommissionsmitglieder wurden von 2.50 auf 3.50 Mk. erhöht. Tie Abrechnung vom verflossenen Vereins- iahr ergab emen Reinüberschuß von 169.50 Mk., wozu noch b0 Mk. staatliche Unteritüfoungogelber kommen. -d Nonnenr oth, 28. April. Dem hiesigen Kriegerverein wurde wegen seines langjährigen Bestehens von dem Kaiser eine Fahnen schleife verliehen, welche heute von Regierungsrat Welcker, der von Gießen gekommen war, überreicht roiirbe. Aus diesem Anlasse hatte der Verein bei Gastwirt Metzger hier eine Feier veranstaltet, die begünstigt vom herrlichsten Wetter m schönster Weise verlief und zu der sich die Nachbaroereine Lich, Langsdorf, Ruppertsburg rc. eingefunden hatten. Tw erhaltene Schleife möge eine Zierde und ein ehrendes Zeichen am Banner des Vereins bilden. S Votzn Vogelsberg, 28. April. Gestern herrschte hier ein mehrere Stunden anhaltendes Schneegestöber, der Schnee blieb längere 3eit liegen, sodaß Flur und Feld eine Schneelandschaf.t bilden. Die Temperatur ist beträchtlich gesunken, nachts herrschen strenge Fröste. — In En ge l- rod gingen einem Landwirt die Zugtiere mit der Säemaschine durch, der Landwirt geriet unter die Maschine, wurde geschleift und von den Zinken schwer verletzt, die Kopfhaut wurde ihm vollständig abgerissen. — In Storno orf gerieten zwei umherziehende Taschenspieler Leim Geldaufheben in Streit. Der eine fujlug dem anderen einen dicken Knotenstock auf den Kops und suckle ulit dem Gelo das Weite, louy^cnu der ideuuyLe bewußtlos und blutüberströmt liegen blieb. Die Gemeinde mußte den Arzt holen. d. Mainz, 28. April. Seit zehn Jahren verübte der 44 jährige verheiratete kath. Spengler und Kirchendiener Hch. Kotheimer aus Bechtheim au Mcwcyen und Knaben Sittlichkeitsverbrechen. Es standen nicht weniger als 56 Fälle zur Verhandlung. Der Angeklagte, welcher wegen einfachen Bankrotts mit einem Tag Gefängnis und wegen Körperverletzung mit 10 Mk. Geldstrafe vorbestraft ist, verübie seine schändlichen Taten zum größten Teile in der Kirche. Während der llntersuchungsl)aft wurde er längere 3eii vvn Kreisarzt Dr. Balser auf seinen Geisteszustand beobachtet, aber nichts anormales an ihm gesunden. Tie Stra,tamrner verurteilte üjn zu 5 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust. eh. Rodheim a. d. Bieber, 29. April. Am vorigen Montag traf Oberregierungsrat Petersen in Begleitung iveitcrer Herren von Wiesbaden und Biedenkopf hier em, um mit der Gemeindevertretung über einen Schulhausneu bau zu verhandeln. Die Absicht, die neue Schule unmittelbar hinter der alten Schule unter Wegfall der Oekononuegebäude zu errichten, wurde fallen gelassen. Als Bauplatz wurden die Schuläcker in allernächster Nähe des Dorfes gewählt. Rodhcim zählte nach der jüngsten Volkszählung 1709 Einwohner und muß daher schon eine ziemlich große Schule bauen. Früher waren Bieber und bis vor einem Jahrzehnt aiich noch Vetzberg mit Rodheim zu einem Schulverband vereinigt. Alle diese Gemeinden, auch das mit Rodheim zu einer Kirchengememde vereinigte Fellingshausen haben inzwischen stattliche Schulhäuser erbaut. Sämtliche Herren begaben sich dann nach Franken bach, um auch dort der Schulfrage näher zu treten. Tie Gemeinde Frankenbach hat ihren Bauplan, wonach cm Schulhaus mit zwei Unternchts- räumen, aber nur einer Lehrenvohnung erbaut werden sollte, dahin abgeändert, daß die alte Schule nicht mehr als Lehrerwohnung benutzt werden wird. Homburg v. d. H., 28. April. Die Kaiserin hat mit ihrer Sool-Badekur im Kaiser Wilhelmsbad begonnen und gedenkt sie mit kurzer Unterbrechung durch eine Reise nach Potsdam drei Wochen lang fortzusetzen. Prinz August Wilhelin von Preußen ist gestern abend von Bonn hier bei der Kaiserin zum Besuch eingetroffen. Tie Kaiserin unternahm heute nachmittag in Begleitung des Prinzen August Wilhelm, der Prinzejsinbraut, sowie der Prinzessin Viktoria Luise eine Spazierfahrt im Automobil in den Taimus nach Neu-Weilnau. Als Kurgast weilt ferner der regierende Fürst zu Lippe hier. — Früher als sonst setzt in diesem Jahre die Kur ein und zahlreiche Badegäste erscheinen morgens trotz der oft noch recht kühlen 'Morgenluft am Elisabethen- und Land- grafen-Brunnen, um die Quellen zu trmken. Die Zahl unserer Quellen ist übrigens Heuer noch um eine vermehrt worden, welche den Namen ,Augusta Viktoria-Quelle* führt. Gießener Strafkammer. Jl Gießen, 27. April. Der Eiseubahn-Uufall bei Groß-Äarbeu, der am Abend des 28. Januar ds. Js. staUfand, beschäftigte die Strafkammer bis zur spätesten Nachtstunde. Unter Anklage standen der an genannter Station beschäftigte Stationsdiutar Paul G r u n d k e aus Duckwitz und der Bahnarbciter Konrad Lohmann von Okarben und zwar ist ihnen zur Last gelegt, daß sie, aid zur Leitung der Ei, enbahn jährten bezw. zur Aufsicht über die Bahn und deren Bechrderungvaetrieb angestellte Pev- lonen, durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten einen Eisenbahntransport in Gefahr gefetzt und durch dieselbe Handlung die Körperverletzung mehrerer Personen und den "Tod eines Menschen herbeigeführt haben, indem _ sie die Aufmerksamkeit, zu der sie vermöge ihres Berufs besonders verpflichtet waren, außer Acht ließen. Nach den Bekundungen der Augenzeugen ist am genannten Abend der von Frankfurt kommende Schnellzug in fast voller Fahrgeschwindigkeit, einer auf seinem Geleise befindlichen Rangieravteilung in die Flanke gefahren. Tie vordere Lokonwtive des Schnellzuges rannte den hinter der Güterzugslokomotive fahrenden Wagen beiseite und bohrte sich in die Böichung ein, wahrend die zweite Lokomotive auf den Tender der Güterzugslokomotive rannte, sodaß dieser, unter ihr liegend soitgefchrbep wurde, wobei die eiserne Fußweg Überführung äui'ammengeiiiicn wurde. Der Heizer der Gnterzugs- maschine, der absprang, wurde getötet, waycend der Lokomotivführer heruntergeschleudert wurde und besinnungslos liegen blieb. Dieser trug außer einem Rippeubruch eine Reihe von Quetschungen und Wunden am ganzen Körper davon, sodaß er heute noch Rekonvaleszent und es fraglich ist, ob er je wieder vollltandig hergestellt wird. Der Lokomotivführer des Schnellzuges hat nach dem ärztlichen Gutachten, das bei der Verhandlung zur Verlesung kam, eine Zerreißung des Bauchnetzes davvngetragen, sodaß Blut in das Innere gelangte; sein Zustand ist so, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Heizer dreier Lokomotive bekam einen Arm zerquetscht, der eine Amputation nötig machte und erlitt weiter einen komplizierten Unterarmbruch; auch ist ein Bruch der Schädelbasis mit ziemlicher -Lacherhell festgeftellt worden. Eine Reihe weiterer Personen haben mehr oder weniger Schaden genommen, so insbesondere eure Anzahl der den Schnellzug begleitenden Postbeamten. Von dem L>ach- oerstandigen wird der angerichtete Materialschaden auf lOüOOU Mark geschätzt, abgesehen von den noch .geltend zu machenden Ansprüchen der Verletzten, Der Unfall ist auf das Verschulden des Angeklagten G., der als Fahrdienstleiter die Signale sür die Durchfahrt des Schnellzuges zu geben hatte, zurückzuführen, der das Einsahrtsignal gab, ehe er sich davvn überzeugt hatte, daß das Gleis frei tst; ebenso trifft den Angeklagten L. ein Verschulden, der unbefugterwepe eine Weiche in Grundstellung legte, ohne ivelches G. das Stellen des Ein- fahrtfignals nicht möglich gewesen wäre, da die Weiche mit dem Signal in Verbindung steht. G. hätte sich vor dem stellen des Einjahrtfignals persönlich davon überzeugen müssen, daß das Geleise frei sei und das umsomehr, als ihm dies durch Verfügung seiner Behörde, unter Hinweis aus eine diesbezügliche Entscheidung des Reichsgerichts, anbefohlen worden war. Ter erstmalige vergebliche Versuch, das Einfahrtsignal zu geben, hätte für ihn ein besonderer Anlaß zur Vorsicht sein müssen; statt dessen hat er a us dem Umstand, daß inzwischen die Weiche in Grundstellung gebracht wurde, den Schluß gezogen, daß sich auf dem Geleise ein Hindernis nicht beiindcr, allerdings hat er an das unbefugte Handelii eines Dritten nicht gedacht. L. will in dem Gedanken, daß das Geleise frei sei, um dem Weich.nsieller einen Gang zu sparen, die Weiche in Grundstellung gebracht baten. Während der Angellagte G. behauptete, baß etne Reihe zusenrinrengetroffener Zufälligkeiten die Veranlassung zu dem Unfall geben, machte ihn sein a.s Sachverständiger ver» nvmmen.r Vorgesetzter den Vorwurf einer groben Pflichtvev- letzung. Ein weiterer Sachverständiger hielt die E i n r i ch t u n g e n an der Station nicht den Anforderungen des Betriebs entsprechend und meinte, der Angeklagte sei d rch Arbeitsüberhäufung in seinen,Gedanken von der Hauptsache abgelenkt worden, weshalb er ihn für unschuldig hielt, während ein Dritter sich den Ausführungen des Ersten aufchloß. Tcr Staatsanwalt hielt beide Angellagten der fahrlässigen Tct.mg, d r fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Gefährdung eines Eisenbahntransportes für schuldig. Er hob hervor, daß G. seine Schuld auf andere abzuwülzen sucht, die Einrichtungen at3 schlecht bezeichnet und feine Reue über fein Verhallen zeigt. Er bat das Gericht, den schweren Erfolg bei der Strafausmessung zu berücksichtigen, der noch viel schwerer geworden wäre, wenn nicht die Zugbeamten die Geistesgegenwart besessen hatten, alles zu tun, was in ihren Kräften stand. Er beantragte gegen G. eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und gegen L. eine solche von 10 Monaten. Von der Verteidigung wurde behauptet, daß sich die Schuld auf eine Reihe von Personen und ungenügende Betriebseinrichtungen, sowie an Mangel von Personal verteilt. Tas Zusammentreffen einer Reche von Zufälligkeiten in Verbindung mit der mangelhaften Bahnanlage trage die Hauptschuld an dem Ereignis. Weiter wurde auf die seitherige gute Führung hingewiesen und Freisprechung, eventuell eine ganz milde Bestrafung beantragt. Das Urteil lautete gegen G. auf 6 Monate und gegen L. auf zwei MonateGesängnis unter Anrechuug von je 2 Wochen der erlittenen Unter, uchuugsbaft. Ersterer wurde wegen Vergehens gegen Paragraph 316 Str.-G.-B. in einheitlichem Zusammentreffen mit Vergehen gegen die Paragraphen 222 und 230 verurteilt, während bei Letzterem nur der Paragraph 316 Anwendung fand. Tas Gericht dürfte bei der Strafausmessung den Umstand straf- mildernd berücksichtigt haben, daß die Einrichtungen auf der betreffenden Station den Anforderungen des Betriebs nicht im vollen Umfange entsprechen und daß das Personal durch die vielen Nebenbeschäftigungen in den wichtigsten Momenten nicht mit genügender Sorgfalt verfahren kann. vermischte». * Eisige Früh lin g s lu s t unb starke Schneefälle werden aus vielen Teilen Deutschlands gemeldet. Tie Taunusberge trugen am Sams lag vormittag sämtlich reiiyen Schnee. In Ko bürg ist reichlich Schnee nieder- gegangen, und die Thüringer Berge zeigten gleichfalls ein winterliches Bild. Im Rhöngebirge herrschte am Freitagabend heftiges Schneegestöber; der Neuschnee ist stellen- wei,e ein halveö Meter tief. Nach einem Sturm, der großen Schaden in der Umgebung von Karlsruhe anrichtete, ist dort dichter Schneefall eingetreten; dasselbe wird aus Stuttgart und anderen Württembergs chen sowie bayr. Städten, wie z. B. Nürnberg, gemeldet. Aucy der amt» liche Witterungsbericht von dem B r o ae u ktingt luinrerliujer als sonst um diese Zeit. Aehnliche Nachrichten kommen aus der Eifel und aus Schlesien, ferner aus Frankreich, Böhmen und Kärnten. * Bluttaten. In Seesen (Harz) erschoß der Zigarrenarbeiter Jochheim im Streck feinen Vater und durchjchnckt sich den Hals. — In Dresden erschoß sich in der Wohnung seiner Geliebten, einer Kabarettsängenn, der 25 Jahre alte Sprachlehrer Raymond Fouces. Der Beweggrund zum Selbstmord ist in mißlichen Vermögens- Verhältnissen zu suchen. — Der Bierkutscher Wirth in Magdeburg, welcher mit seiner schwerhörigen und leidenden Frau seit Jahren m Unfrieden lebte, bearbeitete diese mit einem Schcmclbem so unbarmherzig, daß er ihr auch den Schädel zertrümmerte. Die Frau blieb zuletzt lot in ihrem Bette liegen. Wirth ging am Morgen zur Arbeit; als die Polizei mittags den Mord entdeckle und den Mörder verhasten wollte, schoß sich dieser eine Revolverkugel in den Kopf. Sein Zustand ist bedenklich. — Ter frühere Präsident der Delaware Hudson Eisenbahn, Bilcox, hat sich an Bord des Dampfers Borussia erschossen. — In einem Hause in Essen-West wurden der Kassenbote Julius Vogt und der Buchbinder Silgener erschossen aufgefunden. Man nimmt an, daß Silgencr den Vogt bei einem Strecke aus Eifersucht erschoffen und sich dann selbst getötet hat. * Ein amerikanischer Millionär namens Thü»- deus Roß wurde am Vorabend seiner Hochzeit mcker sonderbaren Umständen ermordet. Roß hätte sich mck einer den ersten Gesellschaftskreisen Newyorks angehörenden bekannten Sck)önheck, Miß Edith Sampsell, verehelichen sollen. Die Hvch- zeck hätte in der Heimat der Braut, Oll City, jtaltfinden solleii. Vorgestern abend saß Roß beim Diner allein, als plötzlich das Telephon klingelte und eine Frauenstimme ihn anfsordertt, sofort zum Bureau eines Dr. Magee zu kommen. Roß eilte sofort dahin. Er kam jedoch nicht wieder, und ant nächsten Morgen fand man ihn im Bureau deS Arztes tot auf; der Kopf war durch eine Kugel zerschmettert. Neben ihm lag die Leiche einer Miß Stroup, ebenfalls mck einer Kugel durch den Kopf. Die Untersuchung ergab, daß Miß Stroup den Millionär erschollen und sich dann selbst getötet hatte. Sie war eine frühere Geliebte des Millionärs und verübte die Untat offenbar, um seine Ehe mck der schönen Miß Sampsell zu verhindern. *Die neuesten Eisenbahnunfälle. Am 26. d. M entgleiste in der Nähe von Deggendorf ein Postzug. Drei Wagen des Zuges wurden vollständig zertrümmert. Alle übrigen Magen und eine Lokomotive wurden bedeutend beschädigt. Em Passagier wurde schwer, mehrere leicht verletzt; der Materialschaden ist sehr gwß. Eine Hülfs-Expedition ist abgegangen, der Verkehr teilweise gesperrt. — Ein aus, Südfrankreich kommender Eisenbahnzug entgleiste infolge falscher Weichenstellung auf dem Bahnhof Frejus. Ein Beamter wurde getötet, etwa zehn Reisende verletzt. 'Vorn Vulkan Stromboli in Italien. Am Sonntag morgen vernahm man in Reggio in Ccllabarien einen schweren dumpfen Knall, der sich anhörte, als wenn ein Puloerturm in die Luft geflogen wäre. Bald merkte man an schwarzen Rauchwolken, die nordwestlich dem Bleere zu entsteigen schienen, daß der Knall von dem Vulkan Stromboli seinen AuSgang genommen halte. Von den Reggio überragenden Höhen sah man eine Wolke in Form einer ungeheueren breit gekrönten italienischen Fichte eine mehrere hundert Meter hohe Rauchsäule abschließen. Aus Stromboli traf gleichzeitig die Nachricht ein, daß der Vulkan nach kurzer Ruhe mit furchtbarer Heftigkeit sich wieder gerührt habe. Der durch die Ausstoßung der Rauchmafsen erzeugte Luftdruck hat an vielen Häusern großen Schaden angerichtet. Dre Bevölkerung von Reggio zeigte sich anfangs sehr besorgt, beruhigte sich aber bald. "Der weibliche Student ist heute eine in allen Hörsälen bekannte Persönlichkeit und fitzt ruhig und selbstverständlich neben dem männlichen Kommilitonen. In lustiger Weise erzählt Theodor Kapstein wie ernst Heineich von Treitschke in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Den ersten weiblichen Zuhörer in seinem Kolleg begrüßt hat. Der berühmte Historiker betritt den Hörsaal und erblickt zum erstenmal unter seinen Zuhörern eine Daine. Nach wenigen selber Lik. 18.75-19.-, vafer 19.25—20.2: Lik. 23.25—23.75, iXoflflcnmebl 0 Auf Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTTMAM, Giessen, Blockstrasse 14-16-4 Gelejenheitskauf Die noch von voriger Saison am La^er befindlichen Frauen-Paletots und Boleros Gebr. Iraheuser Marktplatz 9—10 Marktplatz 9—10 in Tuch und schw. Kammgarn Leben wir jetzt ===== Lanz bedeutend unter Preis ab. ------------ Gießener Wetterdienst. VoranSsichtliche Witterung für Hessen am DienStag den 30. April: Tellwesib heiler. Keine erheblichen Niederschläge. Kühl. Mäßige westliche Winde. tungen sind bis pftt 4. Ma: bei dem Amtsgericht Fürth iumelbcn. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 29. Avril. (Lrig.-Telegr. deS „Dießen. An;/) AmtlicheNotierungen der bcutiqen Fruchtmarktpreise. Weizen Lik. 19.75—00.00, Knrhessifcker Lik. 19.75-0O.00, La Plata Lik. 20.25—20.75, KansaS Lik. 20.25—20.75, Roggen (hiesiger) Lik. 17.75—18.—, Gerste (Wetterauerl Alk. 18.25—18.50, Franken- lünttt und Wissenschaft. — E i n K o in e t in Erdnähe. Etwas später, als die fern ationelle Prophezeiung des Bejnvobseiwators Lialteucci es verkündet leine, ist nun tatsächlich ein Komet in verhältnismäßig geringem Avslande an der Erde vorbeigcgangcn. Es handelt sich um den Aiille April m Madison (Percliugle Staaten) von Liellisl; auigeinndenen Komcleii 1007 b. Er ist inzwischen mehrfach aus den Llernwarten in Nom, Mount Hamilton (Kaliiornlen) und Washinaion beobachlcl worden, so daß die Berechnung seines Weges im Sonnensystem weitere Schwierigkeiten nicht mehr bot. Am 28. Liärz ist er in einem Abstande von 150 Millionen Kilometer in seine größte Sonnennähe gelangt und hat am 11. April von der Erde den tüt kosmische Verhältnisse geringen Minimal-Abstand von etwa 30 Millionen Kilometer gehabt. Er ivird von den Beobachtern als schwaches, diffuses, der genauen Messung schwer zugängliches Sbjekt geschildert. Ter Umkreis des rhii umgebenden Nebels betragt etwa eine Bogenminute. Sem scheinbarer Weg am Himmelsgewölbe iührl vom Einhorn, ivo er entdeckt wurde, durch die Zwillinge und den Luchs hindurch in das Sternbild des Großen Bären, >vo er gegen den 10. Mai anlangt. Inzwischen ist aber seine Helligkeit sehr stark vermindert, sie beträgt dann nur noch */M der LlchlsuUe zur Zeit der Auifindung. Weizenniehl 27.5l—28.25, 2?i dis Alk. 26.25, 8. Qualität Original-DruhtinelSnngen. R. B. Darmstadt, 29. April. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen machten gestern nachmittag im Auto einen Ausslug nach dem Schloß Rhein stein bei Bingen (das dem Prinzen gehört) und besuchten nach ihrer Rückkehr gemeinsam mit dem Groß Herzogspaar die Vorstellung im H o f t h e a t e r. — Tie städtische Ärmenver- lvaltung schickt audj in diesem Jahr wieder 40 bedürf- tigekränkliche Kinder zu einem Bad e a u f e n t h a l t nach Bad-Nauheim in die Kinderheilanstalt Elisabethen- haus. Ein Teil der Kinder ist schon nach Nauheim gebracht worden. London, 29. April. Im Hyde-Park fand ein Meeting der Frauenrechtlerinnen statt. Eine Resolution wurde angenommen, in welcher das Parlament ersucht wird, einen Gesetzentwurf anzunehmen, der die Frauen von der Steuerzahlung befreit. Nach dem Meeting gelang cS den Frauenrechtlerinnen nur unter großen Schwierigkeiten, den Hyde- Park zu verlassen, da mehrere tausend Männer und junge Burschen sich ihnen entgegenstellten und sie auSpfiffen. Die Polizei mußte einschreitcn und den Frauen einen Weg bahnen. Barzeloua, 29. April. Gestern explodierten zwei Bomben, die eine in der Fernandostraße, wobei ein Arbeiter tödlich verwundet wurde, die andere in der Vista All eg re, wobei 3 Kinder verletzt wurden. PW andere "et ui feto •«iS 2nfrw “j k 5 Wilonol durch k UiiiDcriitäts«21ad>rid)ten. OMarburg, 26. April. Die Strafkammer verurteilte beute den Kaufmann Oppenheim aus Gladenbach, der im Jahre 19U5 den Bruder des Landwirts und Volksschriftstellers H. Naumann in Nanzhauseu, einem damals nicht ganz nüchternen Manne, das Erbteil für 1250 Mk. abkauste und sich von H. Naumann dann 2200 Mk. bezahlen ließ, wegen Wuchers zu einem ^2 o n a t Gefängnis und 500 Mk. Geldftrase. Berlin, 29. April. Wie das „B. T." aus zuverlässiger Quelle erfährt, ifn Professor Bier in 93 o n n zum Nachfolger des Professors von Bergmann erwählt worden. Ter Erwählte hat bereits mit dem Ministerialdirektor Raumann einen Besuch auf der königlichen Klinik gemacht. Die Betätigung der Wahl durch den Kaiser steht noch aus. W ü r z b u r g , 25. April. Heute voruuuag wurde im aim- tomischcn Inst u ul der Universität die 2 1. B e r s a m ni l u n g der internationalen anatomischen Gesellschaft durch Pro'esjor Nmiiii von Pisa erössnet. Etwa 80 Teilnehmer waren Qiiire inb. Tie nächste Beriannnlung findet m Berlin statt. — Tie Bestrebungen zur E rr i ch t n n g e i n e r H a m b n r g e r Universität sind jetzt so lueit gediehen, daß das vorbereitende Monutee einen Ausruf an die Hamburgische Bevölkerung erlassen hat, in dem mitgeteilt wird, daß die bisherigen privaten Znwen- düngen reicher Hamburger die Summe von rund v i e r M i l l i o n e n erreicht haben, die setzt durch öffentliche Sammlungen so vermehrt werden müsse, daß die Universtlätsgründung für absehbare Zeit tnS Auge gefaßt ivcröcn könne. Lte Biermillwuengriindung suhrt ben Namen „Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung" und macht sich nach dem Statut die Forderung und Hebung aller wisfenschastlichen Bestrebungen auf den verschiedensten Gebieten zur Au'gabe, b>S bei Zeitpunkt der offiziellen Gründung der Uniücr|tldt getommen sei. gegeben. (Darmst. Ztg.) h Frankfurt a. M., 26. April. Von der hiesigen Strafkammer wurde der Redakteur Zander von bei Volksstimme zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt wegeii einer Bemerkung in einem Artikel, der sich mit der Verurteilung der Genossen Seeger von der Leipziger Volksstimme und Borchardt vom Ostdeutschen Laudesboteii beschäftigte, wodurch die Königs- beiger Strafkammer sich beleidigt gefühlt und Strafantrag gestellt hatte. Berlin, 27. April. Ter verantwortliche Redakteur des „Vorwärts", Weber, wurde von der vierten Strafkanriner des Laiidgerichts I. Berlin wegen öffentlicher Beleidigung des Präsidenten der Eisenbahndirektion in Essen an der Ruhr zu 600 M k. Geldstrafe verurteilt. Ter Staatsan-- lvait hatte vier Wochen Gefängnis beantragt. Kiel, 28. April. Das Kriegsgericht verurteilte den Tov- pedomatrosen Wagner wegen schwerer Mißhandlung Vorgesetzter, des Bootsmannsmaats Braasch und des Patroulllew- führers Fehling, zu sechs Jahren Gefängnis. L i e g n i tz, 28. April. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde von der Strafkammer der Mühlenbesitzer Paul Neumann aus Sätzen unterbricht er seinen Vortrag, schreitet vom Katheder auf die Unglückliche zu und reicht ihr, ohne ein Wort zu sagen, ritterlich den Arm. Tann führt er sie unter dem Jubel deS ganzen Auditoriums zu Saale hmaus, bet seiner Rückkehr durch frenetische Beifallsbezeugungcn der Studenten begrüßt. Tempora mirantur! » Die schlagfertige Braut. Ter Fabrikarbeiter Runefenn Danzig wurde von seiner Geliebten, der unverehelichten Anna Schepper, mit einer SclterSflasche erschlagen Beide waren in Streit geraten, in dessen Verlauf die Schepper ihrem Bräutigam mit der Flasche einen Hieb gegen den Kopf verfitzte, der die Schlagader traf und sofort den Tod herbet- führte. ... , . r . • Kleine TageSchronik. Tas größte Hotel in Bad Elster (Vogtl.), aus dem seinerzeit die Prinzessin von Koburg flüchtete, ist vollständig n i e b c r g e b r a n n t. Es ist wenig gereuet ivorden, Lienschen sind nicht öcnmgliidt. zic Ursache des Brandes würbe bisher nicht festgestellt. — In Berlin wurde der unverheiratete LmmbuHkulscher ouchard I a n u s, der sich auf dem Hemiwege vorn Tepot besand und unter eine Exzedentenschar geraten ivar, von dem bedrängten Kriminalbeamten e r f ch o s f e >i. Ter Schuß war nach Atigabe des Beauiten md)t beabsichtigt, sondern wurde burct) den ocijlag einen Burschen über den Arm veranlaßt. — 3n Baltimore sind beim Zusammenbruch eines Eijeubahnpiers 8 Arbeiter ge* t ö t e t, 18 verletzt worden. Durch eine 6 Fußhohe Welle, Die Dein Zuiammeubruch des Piers folgte, wurchen aud)«chisfe b es ch a d l g t. - 3n Fort Worth (Texas) zerstörte em Tornado das -rori Hemmiiig, wobei acht Personen getötet wurden. Auch m den Nachbardorfern kamen Llenjchen um. Hahnau vvn brr Anklage der Mischung eines Pachtvertrages freigesprochen, nachdem er im September 1903 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und einen Teil dieser Strafe bereits verbüßt hatte. Jrrenanstaltsdirekwrm begutachteten, der Angeklagte sei chronisch verrückt. Pisa, 28. Avril. Ar til l er ie le u tn a n t Ventura, welcher im Juli v. IS. einen berüchtigten Livorneser Wucherer in einem "Anfall von Verzweiflung erschoß, wurde heut- van d-n Geschworenen freigeiprochen. Tas Volk bereitete ihm eine Lvation. Mk. 26.75—27.50,1. Qualität Mt. 25.50—26.00, Weizeuklete Lik. 10.50 bis Lik. 10.75, Noggenlleie Lik. 11.-5—11.51), Liatskeune Lik. 11.00 bis Lik. 11.55, pranken, Psälzer, Ried Lik. 18.75—19.00. Alles per 100 Kg. ab hier. .c. rauf flirt a. M., 29. April. (Telcgr. Lrig.-Bericht de? „Gieß. 91115/). 901111. 9iotien ngen der heutigen Piehrnark t pret i e. Zum Verkaufe standen: 493 Lehsen, 185 aus Lester-reich, 52 Bullen, 15 aus Leslerreicb, 0 auS Dänemark, 884 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 aus Dänemark, 267 Kälber, 264 Schafe und Hammel, — Schaie ans CefterrcuD, 0 Ziegen, 1714 Schweine. Bezahlt tvurbe für 100Pfund Schlachtgewicht Lchsenl. Qualität 78—80 Lik., 2. Qual €9—72 Lik., 3. Qual. 63-66Lik.; Bullen l.Cual. 69 bis 71 Lik., 2. Qual. 66—68 Lik.; Kühe 1. Qual. 73—00 Lik., 2.Qual. , 8—70 Lik., 3. Qual. 58- 6u Lik, 4. Qual. 00—00 Lik., 5. Qual. 00—009),r. Kälber: l.Qual. 100-000 Ptg., ^ebendge,vicht 60-00 Pf., 2. Qual. DU—95 Pfg., t.'ebendge>vicht 52—55 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgelvicht 67—72 Pfg., Schafe: 1. k-ual. 80-00, 2. Qt.al. 76—78 Pfg., 3. Qual. 00—uo Pfg.; Schweine 1. Qual. 54—00 Pfg., Lebdgcw. 42.50—00.00 Pfg., 2. Qu.52-OOPtg., Lebend- gew. 41.50—00 Pfg., 3. Qual. 42—44 Pfg. Lebendgew. 00 P'g. Geschäft: bet Hornvieh Liarkt mittelmäßig, Uebcrftanö erheblich; bei Kleinvieh gut, kein lleberstand. Gcrichtssaal. Darmstadt, 27. April. Gestern nachmittag wurde am Oberlande Lgericht diePrivatklagesache des Rechtsanwalts Grünewald in Gießen gegen den Rechtsanwalt und Notar M e tz in Nidda wegen Beleidigung verhandelt. Bekanntlich ist letzterer in beiden Vorinstanzen zu Geldstrafe verurte.lt worden, weil er an der Strafkammer in Gießen in einer Verhandlung trogen eines Duells in nicht zu verkennender Weise den Privatkläger als den Schreiber einer anonymen Karte bezeichnete, die angeblich den Anlaß zur Einleitung des Straf- vcrsahrens gab. Es stellte sich später heraus, zumal sich der Kaufmann Geilsuß als Täter entpuppte, daß Grünewald die KaUe nicht schrieb, dies gab Metz nachträglich auch zu mit dem Beifügen jedoch, daß er die innere Ueberzeugung nicht erlangt habe, daß Grünewald zur Entstehung der Karte in gar keiner Beziehung stehe. Nach der Tuellverhandlung war Metz bei Abfassung eines Zeitungsberichtes mit tätig. gewesen, der ebenfalls sür beleidigend angesehen wurde und endlich wird eine Beleidigung auch in dem Ausdruck „perfider Anzeiger" gesunden. Zur Begründung der Revision rügt Justizrat Metz III. hier als Vertreter des Privatbeklag len die unzureichende Begründung des angefochtenen Urteils und beruft sich allgemein darauf, daß Wahrung berechtigter Interessen vorliege. Jeder Amoalt habe nicht nur das Recht, sondern _ auch die Pflicht, das anonyme Treiben zu brandmarken, dies sei auf die Strafzumessung unter allen Umständen von Einfluß. Ganz besonders habe Metz als Anwalt und Mitglied der Starkenburgia ein Interesse daran, daß unlautere Elemente entfernt oder fertige hatten würden. Bei dem Zeitungsartikel habe er nur mib- geiuuit, bannt keine falschen Meldungen in die Ocfsentlichkeit drangen. Er beantragte Freisprechung oder Zurückiroisung der Sache an eine Straskammer. Der Privatkläger beantragte, die Revision zurückzuweisen, durch die Beweisergebnijse und das Verhalten des Privatbeklagten stehe fest, daß bie|er nicht berechtigte Interessen wahrnahm, sondern beleidigte. Uebrigens habe sich die ominäse Karte gar nicht bei den Tuellakten befunden, wegen dieser sei ein selbständiges Verfahren eingeleitet worden. Tie Entscheidung wird am 3. Mai bekaniit- Kandel. Z u r B ö r s e n l a g e. Tie nach der Durchführung der großen Transaktion des Reichs und Preußens erwartete Umsatz- und Kurs- benenmg hat sich noch nicht eingestellt. Ter glänzende Ausgang der Subscription ist wirkungsvoll geblieben. Die lähmende Ge- fchä'tslosigkeit führt zu einem ganz bedeutungslosen Hm- und Her- schwanken der Kurse. Eine ausgeprägte Haltung kommt überhaupt nicht zur Eniwicklmig. Ter Riickgang der Ergebnisse der großen Kohlenzechen infolge Lohnerhöhungen und Wagenmangel sowie die Twidendenenlläuschnng bei der Tynanute Truit-Gesellschast (es gelangen wieder nur 10°,0 Dividende zur Verteilung, während beinahe das Doppelte ausgerichtet werden toimte) drückte auf die Kurse der wenigen gehandelten Aktien. Daß es an den ausivärtigen Llärktcu nicht besser aussieht bestärkt die Spekulation nur m ihrer äußersten Zurückhaltung. Alles tu allem sieht man in diesen Erscheinungen nur die Nachwirkungen des schweren Kursrückscblags vom vergangenen Llonat. Die eingetretene Besserung am Geldmarkt kamt als Gegengewicht nicht ihre Wirkung ausüben. Einesteils ist sie noch zii schwach und andernleilS »st das Llißtrauen in deren Tauer noch nicht zu beseitigen. Auch die Laatenstandnachrichten werden, weitn die gegenwärtige Witterung nur noch kurze Zett anhält, voil lähmendem Einfluß auf das Gejchä't und von hei abdrückendem auf die Kursgestaltung sein. Tie Getreidepreise haben bereits stark angezogen. Aus Sletvyork kam gestern, Sonntag, die telegraphische Meldung,: die Börse ist iortgesetzt flau; der Saatenstand bat mUge gefallenen Schnees m Nordwesten sich wesentlich verschlechtert. ** Konkurse in Hessen, lieber das Vermögen der Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma Konrad Jakoby, G. m. b. H., Baugeschäft in Mainz, wurde am 1^. April, mittags 12 Uhr, d^s Konkursverfahren eröffnet. Nechtsanivalt Löwens berg zu Mainz wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 15. 9)lai 1907 bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — lieber den Nachlaß des Spezerei- iyärü>.er» Adam Rettig in Albersbach wurde am 13. April, rorm. 12 Uhr itaö Konkursverfahren eröffnet. Landwirt Val. Rettich in Aldersbach wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 1. Mai bei dem Amtsgericht Fürth anzumelden. — lieber den Nachlaß des verstorbenen Benjamin genannt Benno Schloß, Metzger und Handelsmann in Sprendlingen, wurde am 15. ÜLprü, nachm. 3 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da die Erben des Gemeinschuldners die Ueberschnidung des Nachlasses glaubhaft gemacht haben. Rechtspraltikant Schmitt in Wöllstein wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 2. Mai bei dem Amtsgericht Wöllstein anzumelden. — lieber den Nachlaß der Peter Schnellbacher Witwe, Margarethe geb. Bitsch, vvn Lindenfels wurde am 15. April, nachmittags 4V2 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Keil in Fürth wurde zum Konkursverwalter ernannt. Könkursforde- d Karle Schilf flands gemeldet Zmittag fämtlii Mch vchnee niete gleichfalls t >e herrschte am Frh Neuschnee ist fteher n Sturm, der gcozc -ruhe anrichiete,! dasselbe wird c.- ^rgifchen sowie bas: 'ldet Auq der an:. e u hingt luinterh^ Nachrichten tomro: seiner cmSFrar.! lharz) erschoß i« Streit seinen i Dresden ers^j einer Kabarettste.^, ymond ßouceS. iti mißlichen VeirjzkiiS' jer Wirth mticigds unb If/teAbtn ijtat ’itftt Me nul einer ihr such ben Schad •lot in ihrem A beit; als dir P. cbet verhaften c;. ,n ben Kopf. 6r :a\ibent der Bord btS Saiiipiti: auje m fy'itnM vnb der Achbinder Mn nimmt an, baj -u§ Elfersch ionät mmten» W in er hochzrit - oß bitte sich müs angelprenben W-~ ichen iolleit [ M, slaltstMii r.. er allein, als nftimme ihn * ;u kommen. »g M und am - u » )erl£6t a ahgegar.-- w« oll „»V 8)1«» i; >lte '"2 ,i«f )« j[uj etw«“- len * i ■ ■»» I i» h sitzt ruh'S qn|iN' »ie -ll,fl L-ÄS LiaisMk. 14 »5-14.50, Qualität Lik. 25.25 UU—00, 2. Amtlicher giiL KekmmtmachMg. Betr.: Feldbereiniguug in der Gemarkung Lang-Göns. Von 162 beteiligten Grundeigentümern, welche zusammen 577,7394 Hektar Fläche besitzen, ist unterschriftlich die Einleitung des Feldbereinigunsversahrens und die Anlage von Wegen in den Lbstbaumstücken der Gemarkung Lang-Göns beantragt worden. Da an dem Unternehmen im ganzen 694 Grundeigentümer mit 1061,9386 Hektar Fläche beteiligt sind, liegt die für das Zustandekommen des Unternehmens gesetzlich erforderliche Mehrheit von mehr wie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, welche mehr als Die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen, vor. Der Antrag mit den Zustimmungserklärungen nebst Ergebnis und Zusammenstellung desselben liegt Dvm 1. bis einschließlich 8. Mai 1907 werktags auf der Großherzoglichen Bürgermeisterei Lang-Göns während der Geschäitsstunden zur Einsichtnahme offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebnisses sind nach Artikel 11 des Feldbereinigungsgesetzes bei Meldung spaterer Nichtberucksichtigung binnen 14 Tagen von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei Gvoßher^ogl. Ministerium des Jnneni, Abteilung für Land- wirtschast, Handel und Gewerbe in Darmstadt geltend zu machen. Friedberg, den 25. April 1907. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: _______________Schni11spah n, Kreisamtmann. ______ - ——» - .----- -> . — Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege. Ardentiiche ^auplversummlung Dienstag, den 30. April, nachmittags 6 Uhr, im Mattbauöiaal, SUrdjitrafcc 9. Tages-Ordnung: L Jahresbericht. 2. Prüfung der Rechnung. 3. Erweiterung des Schweiiernhauses. 4. Ergänzungswahl des Borslarides. Die Ltitglieder werden hiermit aus Grund der 8 4, 5 unb 7 der Satzungen ergebenst eingeladen. i vtt/4 Der Vorstand: D. Schlosser. 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