Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. I KoUtijche Lagesschtr«. 157* Jahrgang Die „Siebener Famttienblätter" werden dem „Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^AilS.Tel..Adr^An-eigerDießen. Donnerstag LU. August 1907 ^ationZdruü und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Stelndruckereü ■ H R. Lange, Gießen. Nr. SOL ausschließt. Ein trauriges Beispiel hierfür ist Frankreich. Wir müssen daher auch weiter tnif der konfessionellen Volksschule bestehen und auch die katholischen Lehrervereine nntcrstüüen. Während der Sitzung waren folgende Antworttelegranime eingelaufen: zunächst die Antwort des Papstes: „Seine Heiligkeit ist nicht nur erfreut darüber, daß viele und bedeutende Männer aus ganz Deutschland in Würzburg zur Beratung über katholische Angelegenheiten zusammengekommen sind, sondern seine Heiligkeit schätzt auch sehr hoch die Gesinnung der Ergebenheit und des Gehorsams, den Sie kundgetan haben. Er spendet darum allen, die an der 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands teilnahmen aus vollem Herzen seinen apostolischen Segen und fleht zu Gott, dem Inbegriff alles Wissens, daß er mit seinem Licht alle Teilnehmer erfüllen möge und daß die Generalversammlung ihr so glücklich begonnenes Werk mit reicher Frucht zu Ende führen möge zum Wohle der Religion und zum Besten Eures Vaterlandes." (Stürmischer Beifall.) Das Telegramm ist vom Staatssekretär Merrv del Val unterzeichnet. Vom Prinzregenten Luitpold ist folgendes Antworttele- gramm eingegangen: Se. Königl. Hoheit der Prinzregent haben die Huldigungen und die Kundgebungen der treuen Gesinnung der irr seinem Geburtsort Würzburg tagenden Generalversammlung der Katholiken Deutschlands mit freudiger Genugtuung entgegengenommen und entbietet der Generalversammlung allerhöchst seinen wärmsten Dank und Gruß." Generalleutnant v. Sielemann. Die Versammlung brachte ein stürmisches Hoch auf Papst und Prinzregenten aus. Es wurde dann ein Telegramm des Wiener Bürgermeisters Lueger verlesen. Er bedauert, wegen schwerer Erkrankung an der Versammlung nicht teilnehmen zu können. Zum Schluß der heutigen Sitzung gelangte das Antworttelegramm des Kaisers aus Hannover: „Der freudige Gruß der dort versammelten deutschen Katholiken hat mich tief gerührt und spreche ich der Generalversammlung für den Ausdruck treuer Ergebenheit meinen besten Dank aus. Wilhelm Imp. Rex." Der Verlesung folgten stürmischer anhaltender Jubel und donnernde Hochrufe. Man erhob sich von den Plätzen und schwenkte die Hüte. Die Versammlung legte eine große Begeisterung an den Tag. —' Dann wurde die Versammlung geschlossen. iq Regierungsjubiläum des Fürsten Ferdinand. 1$ Fürst Ferdinand von Bulgarien hat am Mittwoch, den !8. August in aller Stille sein 20jähriges Regierungs-Jubi- aum gefeiert. Tie Vermutung, daß er sich an diesen: rage die Konigskrone aufs Haupt setzen werde,' hat sich i licht bestätigt. Namentlich von Oesterreich aus sind dem Fürsten recht herzliche Glückwünsche zu seinem Jubiläum ugegangen. Kaiser Franz Josef hat an den Fürsten von Bulgarien aus Ischl das folgende Telegramm gerichtet: „An dem heutigen, für die Geschichte Bulgariens denkwürdigen Tage, da Eure Königliche Hoheit < iieine herzlichsten Glückwünsche aus und verbinde damit I litt Befriedigung auf euren 20jährigen Zeitraum innerer Erstarkung und friedlicher Entwicklung Ihres Landes zu- : ückblicken können, spreche ich Eurer Königlichen Hoheit reine besten Wünsche für das fernere gedeihliche Wirken hirec Wn(glichen Hoheit zum Wohle des Fürstentums." - Ter Minister des Aeusiern, Frhr. v. Aehrenthal, ichtete aus Wien das folgenoe Glückwunschtelegramm an en Fürsten Ferdinand: „Eure Königliche Hoheit wollen n diesem denkwürdigen Tag, an dem Eure Königliche !)oheit die 20jährige Wiederkehr einer Regierung voll Er- !olge in der friedlichen Entwicklung Bulgariens begehen, 68 reine respektvollen und ausrichtigen Glückwünsche entgegen* $ ehmen." — Ter Gesandte in So fia, Gras von Thurn, 7 rhielt den Auftrag, die herzlichsten Glückwünsche des Kaisers T nd des Kabinetts zu übermitteln. In Konstantinopel ist !' ran von einer größeren Ehrung des Fürsten merkwürdigerweise abgekommen und die Entsendung einer Spe- ialmission zum Jubiläum des Fürsten Fer- inand von Bulgarien ist endgültig aufgegeben wor- . en. Ter Sultan und vielleicht auch der Großwesir dürften !ich auf eine telegraphische Kundgebung beschränken. — In 2 wsia hat an dem Regierungsjubiläum des Fürsten das >olf lebhaften Anteil genommen. Tie Menge der aus der >rovinz gekommenen Teilnehmer wird aus 30 000 geschätzt, bs Die Feier verlies in gehobenster Stimmung ohne den ge- ingsten störenden Zwischenfall. Aus Stadt und Land. Gießen, 29. August. ** Der Minister deß Innern, Exz. Braun, gedenkt in diesen Tagen einen längeren Urlaub anzutreten. Auch der Präsident der Zweiten Ständekammer, Geh. Regier- ungsrat Haas, wird sich heute zu einer mehrwöchigen Erholung nach dem Süden begeben. ** Bom Großherzoglichen Hofe. II. KK.HH. der Großherzog und die Großherzogin besuchten am Mittwoch vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten mittels Automobils die Erbprinzlich Erbach-Schönbergfchen Herrschaften auf deren Schloß in König im Odenwald und kehrten abends nach Wolfsgarten zurück. In Begleitung des Großherzoglichen Paares befand sich auf der Rückfahrt auch Prinzessin E d d a zu Erbach-Schönberg, die einige Tage zum Besuch bei der Großherzoglichen Fa-^ mitte verbleiben wird. ** Personalien. S. K. H. der Groß Herzog haben dem kath. Pfarrer Tobias Th al er zu Ober-Mörlen aus Anlaß seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Berdienstordens Philipps des Großmütigen und dem früheren Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Johann Weidmann zu Bornheim das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten August Bei kl er aus Mainz eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zellhausen. — Die Schreibgehilfen Mart. Blüm zu Osthofen, Ludw. Friedr. Aug. Heilmann zu Zwingenberg, Pet. Marzellin Stad-^ l e r zu Seligenstadt und Hch. S ch ü ß l e r zu Offenbstch wurden zu Steuerkommissariatsgehilfen ernannt. ** Erledigt ist die Stelle des Forstwarts der Forstwartei Wippenbach, Oberförsterei Konradsdorf. ** Zusammenkunft ehemaliger hessischer O stf i z i e r e. Am 12. Sept. d. I. würde Großherzog Ludwig IV., der Kommandeur unserer Division im Feldzuge 1870/71, sein 70. Lebensjahr vollendet haben. An diesem Tage werden sich etwa 90 hessische Offiziere aus jener großen Zeit in Darmstadt zu einem gemeinsamen Mahle vereinigen und in Treue ihres Führers im Kriege gedenken. Tags zuvor findet ein Vortrag statt, in welchem die Tätigkeit der hessischen Truppenteile in der Schlacht bei Grave- lotte am 18. August 1870 eingehend erörtert werden soll. Ta in dem Geschrchtswerk, das von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes Über die Schlacht bei Gravelotte publiziert wird, ein Eingehen auf die Taten der einzelnen Truppenteile nur insoweit erfolgen konnte, als sie dazu beitragen, oas Gesamtbild plastisch auszugestalten, so besteht, wie die „Tarmft. Ztg." vernimmt, die Absicht, in Ergänzung des Generalfrabswerkes aus Grund eines reichen Quellenmaterials den Anteil unserer Division an dem gewaltigen Kampfe eingehend darzustellen und zu veröffentlichen. Damit dürfte einem oft und laut zumal von den alten Soldaten geäußerten Wunsche entsprochen werden. ** Preisgekrönte Hundezüchter. Auf der Offenbacher Hundeausstellung erhielten u. a. Ehren- und erste Preise August Schwan in Gießen für deutsche rauhhaarige Pinscher/ C. Volk in Gießen für Dobermannpinscher, Simm er in Gießen für irische Setters, Schumann in Breitfcheid für schottische Schäferhunde und Hermes in Wetzlar für deutsche Boxer. ** Neue deutsche Postkarten kommen in diejcnt Herbste zur Ausgabe. Veranlassung zu der Neuausgabe gaben die Beschlüsse des WeltpostkongresseS in Rom vorn vorigen Jahre, die am 1. Oktober zur Ausführung kommen. Der Kongreß hat unter anderem beschlossen, daß der Absender in Zukunft über den linken Teil der Vorderseite der Postkarte verfügt. Diese Bestimmung erstreckt sich aus alle Postkarten, nicht nur auf die AnsichtZkarten. Ihr werden auch die amtlichen Formulare für den inneren deutschen Verkehr angepaßt. s ch luß an den B in c enz v er ein , der berufen sei, durch intensive, charitative Tätigkeit zur Ausgleichung den sozialen Gegensätze beizutragen. Der Antrag wird angenommen. Amtsgerichls- direktor Giesler (Mannheim) behandelte dann die ländliche Krankenpflege. Um 5 Uhr nachmittags begann in der Festhalle die zweite öffentliche Generalversammlung, zu der der Andrang wiederum sehr stark war. .Als erster Redner sprach Pfarrer Barthels (Bielefeld) über die F ü r s o r g e e r z i e h u n g. Er begrüßt es mit Freuden, daß der preußische Kultusmmister Holle als früherer Landeshauptmann von Westfalen die kirchlichen Einrichtungen zur Fürsorgeerziehung mit herangezogen habe. Wie groß die Arbeiten seien, erhelle daraus, daß im Jahre 1905 in Westfalen 745 Kinder in die Zwangserziehung kamen, . int Rheinland 1073, in Berlin 666, in ganz Preutzen 6636. In dm ersten 5 Jahren waren in Preußen 33 600 Minderjährige in Fürsorge. Der Mdner verlangt die Mithülfe der katholischen Vereine bei der Fürsorgeerziehung. Auch die Laien müßten mithelfen, da die Geistlichen allein nicht ausreichen. Er hob die Tätigkeit der protestantischen Inneren Mission hervor, die eö auch l^erstanden habe, die Laien zur Tätigkeit heranzuziehen. Hierauf sprach Professor Dr. Spahn (Straßburg i. E.) über Katholizismus und Hochschulen. Der Redner wurde stürmisch begrüßt. Er führte aus: Wir stehen fest Jahrzehnten unter dem Zeichen der sozialen Probleme. Wenn nicht alles täuscht, werden jetzt die Grundlagen unseres Bildungswesens und der Schulorganisation mehr und mehr der breiten Erörterung unterzogen werden. Zwei Fragen stehen im Vordergrund, ob die deutschen Schulen den anerkannten Einfluß der Religion abschütteln können und ob die Schulen der Bildung unserer Söhne und Töchter zur abgeschlossenen Weltanschauung zu verhelfen vermögen. Wir haben hauptsächlich Volks- sckMen. Aber daneben berührt uns das Problem: Was leisten die Schulen für die Weltanschauung der Nation? Die Weltanschauung aber geht von den Hochschulen aus. Diese sind die Brennpunkte der Weltanschauung der deutschen Nation. Von dieser Tatsache aus müssen wir Katholiken, als Deutsche und als Katholiken uns fragen: Wieistdas Verhaltender Hochschulen zur Religion? Da müssen wir sagen, daß die Hochschulen vielfach ihre Mittel und ihren Einfluß in den Kampf gegen den Katholizismus stellen, daß sie aber anderseits uns die Mittel an die Hand geben, diesen Kampf aufzunehmen. Jeder Mensch braucht eine Weltanschauung. Er muß sich seiner religiösen und sittlichen Verpflichtungen bewußt werden. Leider sind immer weitere Kreise unseres tief angelegten Volkes oberflächlich und gleichgültig geworden und dadurch wird unsere nationale und christliche Zukunft gefährdet. Daher müssen die Universitäten der Erziehung der Studenten zu einer christlichen Weltanschauung ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Außerhalb der Universitäten ist keine Möglichkeit, dem ganzen Volk die Resultate der ganzen Forschung zu verschaffen und es an dem Gesamt- sortschritt teilnehmen zu lassen. Solange die Universitäten in ihrem Wesen unverkörpert bleiben, solange ihre organische Lebens- emheit nicht zerstört wird, solange werden sie trotz ungläubiger Professoren auch für die Katholiken immer neue Streiter schaffen. Solange tüchtige Männer immer wieder gezwungen sind, den Streit gegen das Halbwissen zu führen, solange darf man auch nicht den Schuldanteil leugnen, den die Universitäten daran tragen, daß eine Unsicherheit in der Weltanschauung eingetreten ist. Das Spezialistentum hat unter den Lehrern der Hochschulen überhand genommen. Dieser Geist werde leicht eng und beschränkt. Man habe sich von Philosophen wie Häckel, die sich an die allerernstesten Probleme vorbeiflüchten, einfangen lassen. Erst Leute wie L o o f, Schell usw. hätten dem Räonismus Halt geboten. Zu derselben Zeit habe sich auch ein tüchtiger Mann wie Paulsen (Berlin) zu Gunsten der katholischen Weltanschauung ausgesprochen. Ihm sei dafür Dank zu sagen. Die Universitäten seien die edelsten Blüten des Mittelalters, des Strebens nach einheitlicher Auffassung. Die deutschen Universitäten haben viele Früchte getragen auch für die deutschen Katholiken, denn auch sie sind auf die Universitäten angewiesen für ihre Bildungsbestrebungen. Daher erscheint es nicht schwer, die Haltung des Katholizisnms zu den Hochschulen zu bestimmen. Wir müssen alles fördern, was den Geist der Universitas und damit den christlichen deutschen Geist an den Hochschulen stärken kann. Wir müssen alle Angelegenheiten der Wissenschaft wie auch ernste populär wissenschaftliche Besttebungen förbent und starken. Wir müss en die Universitätendurch Presse und Literatur fördern, den Volksgeist anregen. Wir brauchen eine einheitliche befriedigende Weltanschau irng auf Grund des chri st lichen, des deutschen Geistes, ans welchem die Lehrer ihre Kraft schöpfen, ihre Pflicht zu erfüllen. Die Weltanschauung mu'H von innen heraus kommen. Mit Gewalt läßt sich nichts machen. Wir müssen auf das katholische Volk einwirken. Die Wasser fließen von den Bergen. Wir nttissen die katholische akademische Jugend zu gewinnen suchen, die vielen Tausende der christlichen Mitglieder des Volksschullehrerstandes und auch die arbeitenden Stände, welche sich für die Religion begeistern. Was können wir bei den Universitäten tun? Die Zeit den lallen Universitäten ist unwiderruflich vorbei. DM Korporationsleben verliert Inhalt und Reiz. Turnerei und Singerei unb das Leben in den Kneipen tut es nicht mehr. Ein Vorbote dafür, wie es in den studentischen Kreisen aussieht, war die H o ch s chu l b e w e g u n g g e g e n die katholischen Korporationen. Sie war negativ, sie war sogar antiklerikal, aber sie war bemerkenswert als erste Blüte neuen Geistes, freilich als eine taube Blüte. Die Universitäten müssen den Studenten mehr als bisher bieten. Der christlich nationale Gedanke muß unseren Sttcdenten neue Ziele eröfftren. Aus der Fülle und der Kraft katholischen Denkens und allem Ringen der deutschen Nation muß die Erkeicntnis konrMen, die das alte verteidigt und erhält und zu neuen Keilen den Boden bereitet. Das muß mehr und mehr das Ideal des deutschen Katholizismus werden. Wir müssen kämpfen um die christliche Weltanschauung. Wir müssen vorwärts gehen und Erfolge erringen auf den weiten fruchtbaren Fluren der Arbeit des deutschen Volkes und des christlichen katholischen Geistes, der auch auf deutschen Hochschulen leuchten und blühen muß. (Stürm. Beifall.) . Ms dritter Redner sprach Rektor Brück (Bochum) über: Ka t ho l i z i s mus un d V o l ks schule. Die Volksschule scheine mehr Nsnd mehr der Kampfplatz zu werden, auf welchem sich entscheiden soll, ob Christtis über die menschliche Gesellschaft herrschen soll oder seine Widersacher. Auf dieser Frage beruht im letzten Grunde der ganze Kämpf auf dem Schulgebiete. Es handelt sich dabei nicht um den Gegerisatz zum gläubigen Protestantismus, mit dem die Katholiken in Bezug auf die Volksschule vielfach zusammengehen. Die Führung der Kleinen zu ihrem Heiland wird in der konfessionellen Schule besser gefördert, wie in der Simultanschule. Deshalb fordern wir für die katholischen Kinder katholische Schulen und ferner auch gute katholische Lehrer, denn der Katholizismus gilt für alle Zeiten und Völker. Mag ein Volk noch so große Kulturfortschritte machen, sie werden ihnen keinen Segen bringen, wenn es die christliche Weltanschauung vom öffentlichen Leben und von der Jugenderziehung Aus der Dreibund-Ecke. .m Ter Meldung von einer in Aussicht geirommenen Zusammen- H mft der Treibundherrscher in der Wiener Hofburg wird in dip- $ .rmüiiidjen Kreisen keine Glaubwürdigkeit beigemessen. t -h lieberem iiinunung damit bezeichnet die „Voss. Ztg.", von j nterrichteter Seite informiert, diese Nachricht als aus der Luft legrineu. Es wäre also kein WoA in der Sache mehr zu sagen, 1 'Cim nicht ein vielgelesenes italienisches Blatt, der Mailänder I oecolo", das Gerücht zum Anlaß genommen hätte zu einem ehassigen und beleidigenden Ausfall gegen » aifer Franz Josef. Taktgefühl ist zwar nie das Kenn- H sichen der Presse Italiens gewesen, doch zu einer Zeit, da die .czieHungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn dank der "" 'cuhen der beiderseitigen Minister des Aeußeren freundlichere S l werden versprechen, wüste Schmähungen gegen den ehrwürdigen y «rridjer üt Wien auszustpßen, das hat wohl auch von einem] ’S reibundfeindischen Blatte, wie es der „Secolo" ist, niemand 3 wartet. Wenn je, dann hat Italien jetzt Grund, zu feinend , ' üuoniä mit Oesterreich-Ungarn und Deutschland sich zu beglück- g ' ünlchen-______________________________________________________________ Deutscher Katholikentag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Würzburg, 27. Ang. Um 10 Uhr begann in der „Schrannenhalle" die zweite j eschlossene Generalversammlung, die wieder von em Präsidenten Reichstagsabg. Fehr enb ach geleitet wurde. Dian bemerkte heute auch den früheren Zentrumsabg. Fußangel. S - ie Versammlung beschäftigte sich wieder mit der Beratung von ■ä Cntrügen. 5 Heber die Tätigkeit der deutschen Missions- I esellschaften in den Schutzgebieten sprach Missionsinspektor ms ho ff. Er betont, daß in den deutschen Kolonien etwa 6 30 k uholische Missionare im Priestergewande tätig seien. ;ji Missionsvikar Dr. Henninghaus aus Süd - Shantting et ihrte in der Debatte ans: Nach 21jähriger Tätigkeit aus China s umgekehrt nach meinem Heimatlande Deutschland kann ich nur »igen, daß ich fern von dem hiesigen katholischen Leben mit •2 kg« i st er un g von den Kätholikenversammlungen vernommen habe, iesen prächtigen Schaustellungen katholischen Lebens. (Lebhafte ustimmung.) Wir Pioniere des katholischen Glaubens freuen ns besonders darüber, daß Sie auch uns ein Plätzchen an der !onne gönnen und auf den Generalversammlungen unserer ge- tnken. Unsere katbolisc^ Missionstätigkeit ist kein exotischer Port, er ist das Lebensmark der katholischen Kirche. Die itholische Kirche ist die V öl k er m u t ter, der alle Völker ngehören. (Lebhafter Beifall.) Der Mission muß geholfen wer- m. China fei ein seltsames Land, das sich 4000 Jahre ™ i ndurch seine nationale Einheit und Kultur erhalten habe. Wort von der „gelben Gefahr" habe etwas für sich. Die sie Rasse bereite sich vor, in den Weltmarkt einzugreifen 5 nd sich an der Weltpolitik zu beteiligen. Japan habe sich , ereits Cilenbogenfteiheit verschafft. China sei auf dem Wege ! rzu. Reformen, die man noch vor 20 Jahren für unmöglich ' telt, sind jetzt durchgeführt. Wir finden jetzt Posten, Tele- j mphen, eine eigene Presse. Mit hohen Beamten kann man tzt über alle Dinge sprechen: Parlamente, Banken, Anarchismus 1 nd Moral. Der erste Beamte der Provinz Süd-Shantung '8» at 12 Jahre in Deutschland studiert und eine deutsche Frau J eheiratet. Es besteht die Gefahr, daß das Christentum in hina unter protestantische Herrschaft kommt. *1 tatholiken! Das darf nicht sein. Wir haben unseren H siatz in China mit schweren Entbehrungen und Blut erworben, tir lassen uns ihn nicht nehmen. Wir haben in China 10 000 gelauste Katholiken, 50 000 katechisierte, 70 katholische J rieftet erfüllen dort mit Hingabe ihr schweres Amt. Deutscher j anbei, deutsche Kultur, deutscher Unternehmungsgeist haben sich jt, t China geltend gemacht. Wir haben dankbar vernommen, i rß unsere Reichstagsabgeordnelen erklärt haben, daß Kolonial- 1 olitit nicht ohne Ideale möglich sei. (Lebhafter Beifall.) Eine sl ^olonialpolitik ohne Ideale ist und bleibt eine Kräm er- N olitit, eine Politik der Konquistadoren. Helfen Sie uns! j Le katholische Mission weiter fördern. Unterstützen Sie kräftig rs deutsche katholische Missionswesen. (Lebhafter Beifall.) Heber christliche Charitas ^sprach Amtsgerichtsdirektor ' i e s l e r (Ptannheim). Er empfahl den Beittitt zum Cha- tas-Verein für das katholische Deutschland und zu den diöze- :ren Organisationen und den lokalen Vereinigungen. Ein Antrag der Straßburger Katholiken empfiehlt dann der ugend, insbesondere der studierenden Jngend den An-- •• In Amerika verstorbene Hessen. Heinrich Pfaff aus Harbach bei Grünberg, 84 Jahre alt, 311 Palmyra, £)nt. — Frau Elisabeth Zubrod, geb. Nisch, aus Rcichen- bach i. £>., 88 Jahre alt, zu Westmont, Pa. — Johs. Junker aus Kriegsheim, 83 Jahre alt, zu Poscy Co., Jnd. — Frau Marie Margarethe Hirschel, geb. Witlmann, aus Schaafheim, 89 Jahre alt, bei Wilson Creek, Wash. — Elias Bach aus Badenheim, 81 Jahre alt, zu Ncwyork. — Konr. Stau bus aus Schiffclbach (Kreis Kirchhain), 71 Jahre alt, zu Daschwood, Ont. dl. Langsdorf, 28. Aug. Der gestern gebrachten kurzen »telegraphischen Notiz ist noch folgendes nachzutragen: Die.Verunglückte ist die 16jährige Tochter des Landwirts Heinrich Pauly. Sie wollte an der Dreschmaschine behilflich sein und geriet hierbei in die Trommel, die ihr das rechte Vein unterhalb des Knies abriß. Zwei Aerzte aus Hungen wurden telephonisch herbeigerufen und legten einen Notverband an, worauf die Verunglückte in die Gießener Klinik gebracht wurde. X Bad-Nauheim, 28. Aug. An den Badehaus- Neubauten Nr. 9 und Nr. 10 herrscht jetzt wieder eine sehr rege Bautätigkeit. Das Badehaus Nr. 10, das an die Ufa grenzt, ist im Rohbau ziemlich vollendet, während Nr. 9 schon im inneren Ausbau begriffen ist, es soll im Laufe des Herbstes und Winters gänzlich vollendet werden, um mit Beginn^ der Saison 1908 in Benutzung genommen zu werden. Es ist in seinem nordöstlichen Flügel zweistöckig und enthält hier Wohnungen für die Beamten. Die Waudelgänge des neuen Badehauses schließen sich an die des Badehauses 8 Nord an. Das zwischen Badehaus 9 und 10 noch stehende Badehaus 1 wird im Herbst abgebrochen. Die Badehausneubauten werden in den nächsten Jahren fortgesetzt, bis sämtliche Häuser sich in Huf- cisenform um die drei Sprudel gruppieren. □ Ruppertenrod, 28. Aug. Die Frau eines hiesigen Landwirts befand sich auf dem Erntewagen, um Korn aufzuladen, als plötzlich die Fahrkühe anzogen. Durch den Ruck stürzte die Frau vom Wagen herab und brach einen Arm. A Aus dem Vogelsberg, 28. Aug. Von einem frühen Wegzug unserer Zugvögel wurde verschiedentlich berichtet. Bei den Schwalben ist nichts von einem derartigen Nückstrich zu bemerken; noch sind die Nester voN Jungen. Dabei sind die Schwalben recht zahlreich vorhanden. Rechnet man dazu die Jungen, so ergibt sich ein recht stattliches Schwalbenheer, das dem italienischen Vogelfang leider wieder teilweise zum Opfer fallen dürfte. Eine eigentümliche Erscheinung des Vogelsberges ist das Fehlen der Stare in unserem nordwestlichen Talgemarkungen .^während des ganzen Sommers. Während diese Strichvögel sonst die Vogelkirschen in kurzer Zeit pflückten, ist bis heute kein einziger Starschwarm zu erblicken gewesen. Vielleicht berichtet jemand über den gegenwärtigen Aufenthalt derselben. Büdingen, 28. Aug. Am vergangenen Sonntag war der Musketier Klein von der 2. Kompagnie des 81. Infanterieregiments in seinem jetzigen Quartierort Wolf bei Büdingen in angetrunkenem Zustande aus einer Wirtschaft nach Hause geschafft worden; er schlug dabei einem anderen Musketier von der 11. Kompagnie ein Bierglas derart auf den Kopf, daß dieser schwerverletzt ins Frankfurter Militärlazarett gebracht werden mußte. Aus Furcht vor der Strafe schoß sich Klein gestern mittag mit einer Platzpatrone aus seinem Tienstgewehr ins Herz und war sofort tot. (Frkf. Ztg.) R. B. Darmstadt, 28. Aug. Die Klagen über den Mangel an weiblichen Dienstboten werden immer lauter und besorgniserregender. Tas zeigen besonders die Zahlennachweise der Darmstädter Zentralanstalt für Ar- beits- und Wohnungsnachweis. Bei der Dienstbotenabtei- lung waren im Jahre 1906 630 offene Stellen und 351 Dienstsuchende mehr angemeldet als im Jahre vorher zur Anmeldung gelangten, und die Zahl der in dieser Abteilung tatsächlich zustande gekommenen Vermittelungen 6einig 703 gegen nur 464 im Jahre 1905. Wie groß der Mangel an weiblichem Dienstpersonal in Darmstadt ist, geht daraus hervor, daß das heutige Verzeichnis des Zentralarbeitsnachweises 72 gesuchte weibliche Arbeitskräfte, darunter 55 Dienstmädchen, ausweist, während im ganzen nur 18 Mädchen Stellen suchen. Auch ein Zeichen der Zeit! Darmstadt, 28. Aug. An den Wettbewerb^ um die Erdbewegungsarbeiten usw. für den neuen Zentralbahnhof in Darmstadt beteiligten sich 21 der ersten deutschen Baufirmen. Tie Forderungen lagen zwischen 1584 595 Mk., welchen Betrag die Firma Möller in Mannheim forderte und 2 649 730 Mk., die von der Firma Sprickendorf in Berlin verlangt wurden. Der Preisunterschied zwischen dem Niederst- und dem Höchstfordernden beträgt demnach 1065135 Mk. Nach den von der Eisenbahnverwaltung festgesetzten Bedingungen müssen die Arbeiten am 1. Juli 1910 vollendet sein und muß sich jede Firma verpflichten, für jeden Tag der späteren Fertigstellung eine Konventionalstrafe von 200 Mk. zu bezahlen, welche Summe allwöchentlich der Kasse der Eisenbahndirektion zuzuführen ist. Die Gesamterdbewegung beläuft sich auf 1400 000 Kubikmeter. Tie Ausführung des Bahngleises wird in derselben Weise wie bei der Umführungsbahn Mainz-Mombach-Bischofsheim zur Ausführung kommen. Es wird kein Gleise das andere überkreuzen, sondern die nach allen Richtungen hin führenden Bahngleise werden auf Ueberfuhrungen oder Unterführungen geleitet werden, weil dadurch die größte Sicherheit für den Bahnbetrieb gewährleistet wird. O f fe n b a ch , 28. Aug. Heute nacht ist nach der „Off. Ztg." Oberstadtsekretür Max Schmitt infolge eines Schlaganfalls plötzlich aus diesem Leben abberufen worden. Der trotz seiner 72 Jahre rüstige Beamte hatte gestern noch den Tag über Dienst getan. Herr Schmitt war am 8. Juni 1835 zu Gießen geboren. Nachdem er sich durch seine Tätigkeit bei dem Landgericht Groß-Umstadt und bei der Polizeiverwaltung Gießen die Grundlagen für sein späteres Wirken geschaffen, trat er am 1. Mai 1866 in den Dienst der Stadt Offenbach. Hier erwarteten ihn durch den Krieg und die durch ihn hervorgerusenen Umwälzungen große Ausgaben. Seine Arbeitskraft ward ihrer bald Herr, und er war in der Folge bis zur Einführung der Städteordnung im Jahre 1874 die Hauptstütze der Verwaltung. Auch nach Eintritt der Berufsbürgermeister in die Stadtverwaltung Offenbachs blieb ihm noch ein großes Betätigungsfeld. Insbesondere war er auf dem Gebiete des Armenwesens in hervorragender Weise tätig. Die in den ersten Jahrzehnten nach Wirksamkeit des Unterstützungswohnsitzgesetzes zutage getretenen Streitigkeiten der Armenverbände fanden in ihm einen Meister, und viele von ihm erfolgreich durchgeführte Prozesse bilden noch heute für seine Mitarbeiter eine Quelle der Belehrung, wie denn überhaupt in Bezug auf die Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses in der städtischen Beamtenschaft der Verstorbene sich große Verdienste erworben hat. Daß ein solcher über 40 Jahre im Dienst einer Stadt stehender Beamter, dessen Wirksamkeit gerade auch in eine Zeit der größten Umwälzungen auf öffentlich rechtlichem' Gebiete fällt, selbst seinen Vorgesetzten in manchen Fragen ein gern gehörter Mitarbeiter und Berater war, ist begreiflich. Hervorgehoben mag noch werden, daß er jederzeit ein warmes Herz für die Armut hatte und viel zur Linderung der drückendsten Not tat. Auch stellte er stets seine reiche Erfahrung auf allen Gebieten der Verwaltung gern dem Ratsuchenden zur Verfügung. Neben dieser Arbeit fand der Verewigte noch Zeit, sein Wissen und Können anderen Korporationen zur Verfügung zu stellen; es seien hier nur seine Verdienste um d'ie katholische Kirche hervorgehoben. Dem Vorstand der katholischen Gemeinde hat er 36 Jahre hindurch angehört- Die Verdienste des Verstorbenen sind von der Stadtverwaltung zu verschiedenen Malen anerkannt worden. Auch der Großherzog hat im Jahre 1901 den Beamten durch einen Orden geehrt. N. B. Lampertheim, 28. Aug. Bei den blutigen Kämpfen und Messerstechereien zwischen Bürstadter und Lampertheimer Burschen, die am Sonntag auf der Ortsstraße hier stattfanden, ist der Fabrikarbeiter Martin Salomon II. aus Lampertheim, der zwischen den Streitenden Frieden stiften wollte, so schwer verletzt worden, daß für sein Leben gefürchtet werden muß. Die Messerhelden stachen blindwütend auf ihn los und brachten ihm schwere Verletzungen in der Schulter und am Kopf, besonders im Gesichte, bet. Die vier verhafteten Messer-« stecher sind sämtlich junge Burschen und zwar der 18 jähr. Jakob Kilian, der 17 jähr. Josef Held, der 18 jähr. Heinrich Haus und der 16 jähr. Peter Herle. Letzterer ist von seinen Kameraden mit dem Messer so arg zugerichtet worden, daß er ebenfalls, wie Salomon, in das Darmstädter städtische Krankenhaus geschafft werden mußte. 8ck. M ör len b a ch i. O., 28. Aug. Der im Februar d. I. nach der plötzlichen Ermordung der Elise Dörsam, zu der er in Beziehungen stand, spurlos von hier verschwundene Landwirt Gölz soll sich nach einem der Gendarmerie zugegangenen Fahndungsblatt, in dem die Photographie ausgenommen ist, in dem bekannten Kurorte Berchtesgaden in Bayern befinden. Durch die dortige Polizei wurde nämlich ein arbeitsloser Landstreicher ohne Papiere aufgegriffen, der nähere Angaben über seine Herkunft 2c. fortgesetzt verweigert. Auf Grund der in deni Fahndungsblatt veröffentlichten Photographie glaubt nun die Gendarmerie in Mörlenbach, ebenso wie einige Einwohner, daß der Bursche mit Gölz identisch sei. h. Franks u r t a. M. 28. August. In der T 0 t s ch l a g s - Affäre R i tz e l ist noch zu melden, daß die Kriminal-Polizei gestern vormittag den 1884 in Frankfurt geborenen Anstreicher Nud. Louis Wolf in seiner Wohnung in der Wiesenstraße verhaftete. Wolf hat Ritzel nach kurzem Wortwechsel auf der Straße mit einem Spazierstock einen Schlag über die rechte Schlafe versetzt, der dessen Tod herbeiführte. sj M a r b u r g, 28. Aug. Ter Geflügel- und Kaninchen- zucht-Verein für den K^reis Marburg veranstaltet aus Anlaß seines 30jährigen Bestehens am 27., 28. und 29. Sept, d. I. in dem in unmittelbarer Nähe des Südbähnhöss gelegenen Restaurant Schützenpfuhl eine große allgemeine Geflügel-Ausstellung, verbunden mit Kaninchen- schau und Verlosung. Neichsgerichtsbriefe. (Nachdruck verboten.) I. S. Leipzig, 21. Aug. Schädigung durch Fabrikabwässer. Vier Wiesenbesitzer haben gegen die Papier- und Zellulose-Fabrif Steinbock zu Frankfurt a. O. Klage auf Schadenersatz wegen Verschlammung ihrer Wiesen durch hie Fabrikabwässer der Beklagten erhoben. Letztere betreibt in Sarrdow eine Papier- und Zellulose-Fabrik. Die Abwässer derselben gelangen in die Pleiske, einen Privatfluß und Nebenfluß der Oder. Bei den Hochwassern der Oder tritt das mit Fabrikabfällen gesättigte Wasser der Pleiske über und läßt auf den zwischen Oder und Pleiskebrücke gelegenen Wiesen der Kläger eine Schlammschicht zurück, welche den Graswuchs stört. Die Kläger verlangen deshalb einen Schadenersatz von insgesamt 2137.50 Mk. und zugleich Feststellung, daß die Beklagte auch den noch weiterhin durch ihre Abwässer entstehenden Schaden zu ersetzen habe. Die Beklagte beruft sich darauf, daß sie ihre Abwässer bestmöglichst reinige und daß die Klüger den Schaden eldst hervorriesen oder doch vergrößerten, indem sie ihrer Näu- mnngspflicht nicht nachkämen und den Schlamm nicht rechtzeitig entfernten. Das Landgericht Frankfurt a. O. hatte nach den Anträgen der Kläger entschieden, während das Kammergericht zu Berlin auf die Berufung der Beklagten die Schadenersatzansprüche der Kläger abgewiesen hat und die Beklagte nur verurteilte, bei ihrer Zellulose-Fabrik Einrichtungen herzustellen, welche die benachteiligende Einwirkung der Abwässer auf die Grundstücke der Kläger ausschließen, und soweit dies untunlich, oder mit einem gehörigen Betriebe unvereinbar sei, die Kläger schadlos zu halten. Auf die Revision der Kläger erkannte das Reichsgericht aber zu deren Gunsten für Aufhebung des kammergerichtlichen Urteils und Zurückverweisung der Sache an die Vorinstanz. Die reichsgerichtlichen Entscheidungsgründe fuhren zunächst aus, daß die Beschädigung der Wiesen nicht durch die Papierfabrik, wohl aber durch die Zellulosefabrik der Beklagten hervorgerufen werde. Da die Zellulosefabrik aber den Schutz des § 26 der Gewerbeordnung besitze, so könnten die Kläger nicht Einstellung des Betriebes, sondern nur dessen unschädliche Einrichtung oder Schadloshaltung verlangen. Der Berufungsrichter habe jedoch den Klägern ein Recht auf Schadloshaltung nur zuerkannt für chen Fäll, daß Schutzvorrichtungen nicht möglich eien, den daneben möglichen Fall, daß sich der Betrieb uu- chädlich entrichten lasse, habe der Berufungsrichter nicht berücksichtigt. Dazu habe der Bernfnugsrichter in ungerechtfertigter Mise nicht nur die Frage, ob die Kläger in diesem Fall Anspruch aus Ersatz der seit der Klageerhebung etwa entstandenen Schäden haben, nschtt nur übergangen, sondern den Klägern einen Ent- 'chädignngsanspruch für diesen Fall in Unklarheit aberkannt. Vermischtes. * Es gibt eine Zigarrenkrisisl Die bescheidenen Raucher der Fünfpfennig-Zigarre brauchen aber nicht zu er- chrecken, denn die Krisis trifft nur die Raucher exotischer und kostspieliger Zigarren. Und diese Krisis ist — was scharf- innige Männer vorausgesehen hatten — ein Rückschlag des panisch-amerikanischen Krieges. Die Havanna war ungefähr die einzige Sache, die die Spanier aus Kuba gut zu machen verstanden; man konnte sich auf sie verlassen, wenn man chwarze, schwere, frische und kräftige „puros;t haben wollte. Mit der amerikanischen Herrschaft aber hat sich alles geändert. Die Amerikaner haben auch aus Kuba ihre berüchtigte sinanzielle Spezialität, den Trust, eingeführt, und der Trust ist dadurch, daß er jeden Wettbewerb unterdrückt, in [ j Lage, alles nach eigenem Ermessen und zu eigenem Nuh r zu fabrizieren; sein Grundsatz ist: schlechte Ware für teur I Geld, und darum ist die Havanna jetzt zwar viel teur, 1 aber darum auch viel schlechter geworden. Eine einigerma^ rauchbare Havanna-Zigarre kostet jetzt ein Drittel mehr, r sie vor zehn Jahren kostete. Nur die Pökelfleisch- — u j Weizenköniqe und nach ihnen — vielleicht noch die Koni im alten Sinne des Wortes können sich rühmen, eine „ci ständige" Zigarre in der Tasche zu haben. Eduard V] I z» V. bezahlt für seine Zigarre bis zu 10 und 12 Mk. p I Stück. * Bei einer Au tojMo k> i l s a hrt verun glückte l I Baden-Baden die Frau des Düsseldorfer Lotteriekollekter I Schäfer- Tie Frau ist tot, ihr Sohn und ihre Tochter wurd I schwer verletzt- — Auf der Staatsstraße bei Moosburg Niederbayern rannte bas Automobil des Grafen Adolf von Gelder 9 Egmont aus ein Fuhrwerk m£t Langholz- Der Chauffeur Wei I Haupt aus München wurde von seinem Sitz durch das dicke Glc || sensler in das Innere des Wagens' hineingedrückt und starb den erlittenen Schnittwunden. * Ein Patient, d e r f a st 1 4 Ja hr e se i n e s L e b e 1 | im Wasser zugebracht hat, ist im Krankenhause Braunschweig gestorben. Am 3. November 1894 wurde l I 20 jährige Maurer Schlimme aus Gandersheim, der sich bei ein | Sturze von einem Baume eine Verletzung der Wirbelsäule ? I] gezogen hatte, in das Krankenhaus eingeliefert. Tie Untersuch)!' . ergab eine Quetschung des Rückenmarks an der Bruchstelle ob I oberhalb des Steißbeines, die eine Lähmung der unteren Körp > z teile einschließlich der Funktionen des Mastdarmes und der Bi i| Zur Folge hatte- Die Ausscheidung beider Organe erfolgte völ I bewußtlos und es entstand daher für den Patienten die Gest!« des Turchliegens- Deshalb lvnrde er in ein Wasserbad gele 1 Da Mehrfache Operationen sich als erfolglos erwiesen, blieb nid II anderes übrig, als den Unglücklichen, wollte man ihn am Lei^| erhalten, ständig in einem Wasserbade zu lassen- In einst | badewannenähnlichen Behälter wurde ein Rahmen eingesetzt, < | dem der Körper des Unglücklichen bis über die Magengegend 1 naus ständig von Wasser umgeben ruhte- Tas beständig - st und abfließende Musser wurde durch selbsttätige Reguliern i| stets auf einer Temperaturhöhe von 27 bis 28 Grad Reaumur < .1 halten- Und iit diesem Wasserbade hat Schlimme 13 % '3ai zugebracht; im Wasser hat er gegessen und getrunken, hat er u| arbeitet und geschlafen- Ter Patient befand sich verhältn 'I mäßig wohl in seinem feuchten Elemente: die Ernährung n II gut, und er bekam ein gesundes Anssehen- Tabei entfaltete I eine lebhafte Tätigkeit- Er schnitzte Vogelbauer, trieb von feil Wanne aus eine blühende Kanarienzucht, fertigte Trahtarbeit 1 strickte, webte und erwarb sich bald eine derartige Fertigt, i daß seine Erzeugnisse guten Absatz fanden und er einen leidlid}] Verdienst hatte- Regelmäßig sandte et seiner alten Mutter cii 4 Teil seiner Ersparnisse- Wenn er einmal auf einige Stunden v | dem Wärter auf einem eigens konstruierten Wagen, den er r seinen Ersparnissen sich hatte bauen lassen, im Garten heru gefahren, wurde, spürte er heftige schmerzen, die ihn b || wieder in fein Wasser bad zurückführten- In diesem ist er j > auch gestorben- Es hatte sich bei ihm eine KUiegelenkentzündo S gebildet, ein operativer Eingriff war unmöglich- Es trat heftu 1 Fieber ein, zu dem sich plötzlich akute Tuberkulose Hesel! i die seinen Tod herbeiführte- * Bremen, 28. Aug. Der erste der vier Fr ach dampf er, welche der Norddeutsche Lloyd beim Brcm Vulkan in Vegesack für den La Plata-Dienst bestellte, d Dampfer „Göttingen", ist gestern nach einer in jeder r ziehung zufriedenstellend verlaufenen Probefahrt von 2 rektor Heinecker im Namen des Norddeutschen Lloyds übt nommen worden. Bei der Probefahrt wurden bei 30> indizierten Pferdekräften 13i/2 Ktioten Geschwindigkeit t reicht. Die „Göttingen" soll am 31. August die erste Re nach La Plata untreten. Die noch im Bau begriffen drei Schwesterschiffe werden voraussichtlich ebenfalls m in diesem Jahre abgeliefert. Die Schiffe haben eine Lau von 136,5 Meter, eine Breite von 16,5 Meter und ei Tiefe von 9,3 Meter; der Raumgehalt umfaßt 5600Bruti registertons, die Tragfähigkeit etwa 9000 Tons. FQMsliesr-NLrfhvIchten. Gestorben: Frau Christine Cappeller in Marburg; str Sophie Müller in Butzbach ; Frau Anna Juliane Ward in Notli, Ham; Herr Jakob Müller, Pfarrer, in Westhofen. Verlobte: Fräulein Cilli Mai in Friedberg mit £)ci William M. Rotschild in Cleveland. Briefkasten Hev Uedaktion. (Anonyme C'insendungeu bleiben unberücksichtigt.) R. A. 391. Militär- und Mariuezahlmeister, Reichsba beamte, mittlere Postlaufbahn (Postassistenten), mittlere Fina und Eisenbahnlaufbahiy Gerichtsschreiber u. s. w. M. P. 366. Zur Ausbildung als Werftsekretär werben gelassen nicht über 28 Jahre alte Männer, die die Prima en Realgymnasiums (wohl auch einer Ober-Realschule) mindest« ein Jahr mit gutem Erfolg besucht haben, geläufige Kenntnis englischen und frauzösischeir Sprache besitzen, ihrer Rtililärpst genügten, durchaus achtbar und tadelfrei, sowie uon guter Gesu Ijeit sind. TeJefo-msche des Giessener Anzeigers, mitge und Industi frankfurter 36ör 3%°/0 Eeiclisanleihe . . 92.20 3% do. . . 82.10 3ji°/o Konsols .... 92.90 3% do.....82.10 3^°/o Hessen .... 90.90 3^°/0 Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . 87.80 4'/6 % Oesterr. Silberrente 9810 4% Ungar. Goldrente . . 92 70 4% Italien. Heute . . . 103.10 3% Portugiesen Serie I . 65.70 3% Portugiesen „ III 66 50 4 °/0 russ. Staatsaul. 1905 90.85 4%% japan. Staatsanleihe 89.50 4% Conv.Türken von 1903 93.30 Türkenlose......140.80 4% Griech. Monopol-Aul. . 46.50 4% äussere Argentinier . 83.50 3°/0 Mexikaner « . . 60.70 4Chinesen .... 94.60 Aktien: Bochum Guss..... 207.50 Buderus E. W.....111.75 Tendenz: fest. Berliner Il^önse, Canada E. B......164.40 Darmstädter Bank . . . 125.40 Deutsche Bank .... 222.70 Dortmunder-Union C. . . 64.60 Dresdner Bank .... 137.10 Tendenz: fest. E&ursfeeirichte teilt von der Bank für Ilan ie, Giessen. se, 29. Aug., 1.15 Uhr. 1 Elektriz. Lahmeyer . . .115 Elektriz. Schlickert . . . IOC ’ Eschweiler Berg-werk . . 207 Gelsenkirchen Bergwerk . 18t . Hamburg- Amerik. PaketL 127 Harpener Bergwerk. . .19: Laurahütte......219 || Nordd. Lloyd.....111 i Obeischles. Eisen-Industrie 101 I Berliner Handelsges. . . 151 Darmstädter Bank . . . 12." Deutsche Bank . . . , 22: | Deutsch-Asiat. Bank . . 14* I Diskonto-Kominandit. . .16 Dresdner Bank . . . - ll Kreditaktien.....19! II Baltimore- und Ohio- Eisenbahn .....9 Gotthardbahu . ... • ~ II Lombard. Eisenbahn . . 3' > Oesterr. Staats bahn . . . 13!1 Prince-Henri-Eiseubahn . 12 f 9. Aug. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . .19 Laurahütte . . . - 21 J Lombarden E. B. ...31 Nordd. Lloyd.....11 I Türkenlose .....H l