■M heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Es liegen zwar: der für untere Nr. 99 «rlftetnt täglich außer Sonnlag». Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamiiien- bläner otermal tn der Woche betgelcgl un zweimal wöchentlich da KreUbloll sNr den Krell Sieben. Fernivrech-An- schlubi. d. Redaktion 118 Verlag u. LxpedUio» 51 Adresse tüt Depeschenr Anzeiger Gießen. Deutscher Reichstag. viL Auf der Tagesordnung steht der Pofte tat. gegen den preußischen Bureaukratismus. ES fei ein Uebel, : so meinte er, daß die Träger der Verwaltung nicht auS den • schaffenden produktiven Ständen genommen würden. Auch trat er für die zwangsweise Enteignung von Ländereien ein, sofern eß das StaatSwohl erforderlich mache. Jedenfalls hat dieser Mann eine sichere, aber auch eine leise Hand und über den Erwägungen der nationalen Selbsterhaltung nicht den Sinn für Gerechtigkeit eingebüßt. Besonders Kluge erblicken in ihm bereits den kommenden Mann, zumal der Kaiser ihn auch verschiedentlich ausgezeichnet habe. Der .politische Bankdicektor* würde ein Gegenstück zu Dernburg ab- geben. —Die Ministerkandidatur AdickeS ist übrigens bisher keineswegs fallen gelassen. Wie wir von Frankfurter Stadtverordneten hören, läßt AdickeS selber nach wie vor jedermann im Unklaren darüber, ob er in Frankfurt auf seinem Posten zu bleiben gedenkt oder nicht. Auf direkte Fragen hat er bisher keine bestimmte Antwort erteilt, und man ist in der Stadtverwaltung Frankfurts völlig im Ungewissen, zumal man glaubt annehmen zu dürfen, daß er, hätte er nicht in Berlin bestimmte Aussichten, längst offen heraus erklärt hätte, er deute nicht daran, von seinem jetzigen Posten zu weichen. In der hohen internationalen Politik gehn die Erörterungen über die Absichten der Reisen Eduards VII. in der Presse weiter. AbrüstungSsrage, Mittelmeeroierbund, Dreibundfestigkeit, ewiger Frieden, Macollopolitit — das sind die Stichworte. Und inzwischen ist in Marokko das eingetreten, waS man voraussah: In aller Ruhe, aber auch mit aller Energie haben die Franzosen nach der Besetzung von Udschda von der ganzen Prooin z Besitz ergriffen. Jetzt stellt sich auch heraus, daß die lokalen Behörden, die diesem Vorgehen der Franzosen nicht den geringsten Widerstand entgegensetzten, schon lange vorher für die französische Sache durch Bestechung gewonnen waren. Daß dies alles mit der .provisorischen* Besetzung von Udschda nicht in Einklang zu bringen ist, liegt auf der Hand. Eine offiziöse Berliner Zuschrift der Südd. ReichSkörresp. mahnte zum Abbruch der unnützen deutsch-italienischen Preßfehden und bemerkte in diesem Zusammenhang: Sollten die Bewegungen des Königs Eduard im Mittelmen im Reichstag noch einen Nachhall finden, so ist wohl der Wunsch gerechtfertigt, es möge von keiner Seite und durch kein Wort der Welt abermals das Trugbild eines nervös beunruhigten Deutschland vorgeführt und der englischen Presse neuer Stoff zu Leitartikeln mit der Uebers chrrst „Deutsche Angst" geboten werden. Den Zeitungspolüikern, die in demselben Atem ein Recht auf Nervosität und Furchtlosigkeit gegen alles in der Welt proklamieren, wird eS ohnehin niemand zu Dank machen. Für unser Anjeven tm Auslande aber kann es nur förderlich sein, toenn auch durch das Verhalten unserer Volksvertreter die so notwendige Unterscheidung bekräftigt wird zwischen der ruhig bleibenden Bemannung deS Reichsschiffes und manchen leicht seekrank werdenden Passagieren. Ob das wirklich gut und richtig wäre, toe-nn Presse und Reichstag über Fehler und Mißerfolge unserer auswärtigen Politik mit resigniertem Schweigen hinweggingen? Jedenfalls bereiten sich Tinge rund um Deutschland vor, die uns keineswegs angenehm sein machen. Cs heißt, der österreichische Mmifter des Aeußern, Baron Aehrenthal, werde am 1. Mai dem deutschen Kaiser ein Handschreiben Kaiser Franz Josefs überreichen. Der alte Herr mag unserem Kaiser wohl mancherlei zu sagen haben. Er weilt übrigens zurzeit in Prag, wo die Tschechen es natürlich verstanden haben, seinen Besuch in ihrem Sinne auszubeuten. Die Deutschen, denen man das Hissen schwarz-rot-goldener Fahnen verboten hat, haben es schon schmerzlich empfunden, daß der Kaiser bei seiner Ankunst in Prag auch im Namen der Deutschen von dem tschechischen Bürgermeister begrüßt worden ist, wobei dieser einige Phrasen über die Gleichstellung beider Nationen in Prag stammelte, die bei der systematischen Unterdrückung des Deutschtums in Prag lächerlich wirken mußten. Noch mehr hat es die Deutschen verdrossen, daß der Kaiser bei der Einweihung der neuen Moldaubrücke nur in tschechischer Sprache begrüßt worden ist und geantwortet hat. Ministerpräsident Baron von Beck hat dies mit einem Versehen entschuldigt. Merkwürdig, daß derlei „Versehen" nur passieren, wenn sie sich gegen die Deutschen hierzu eine Reuse von Resolutionen vor, und Abgg. Ortel, Sieg (nL), betr. Lstmarkenzulagen und mittlere Reichsbeamte schon pro 1907 (auf dem Wege des stürchtragsetcrts). Dasselbe verlangen zwei Resolutionen v. Gamp (Rp.) und v. Gerödorsf (kons.). Eine Resolution Ablaß will IVssache Anrechnung deS Stacht- und Feiertagsdienstes der Postbeamten. Eine zweite Resolution Ablaß verlangt Aenderung der Personalordnung für die mittlere Erstes Blatt 1S7. Jahrgang Montag S». April 1907 Ä vezngSprelSr MF mo».LlUch7bP^oiette»» W A M ▼ jährlich M. 8.20. durch Iv 11 v IVvl vl I l)v V aufirodete 80 ülerodjfr General-Anzeiger für Oberhessen MM Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lchen Unw.-v-tz. und rteindruckerel. S. langt. SedaMo«. tfpeöihon und »ruderet: Schulftrch« l. richten. Vertreter der deutfchböymifcyen Stuo.e women d^ur Kaiser in Prag ein Memorandum überreichen, das die Forderung der Deutschen in Böhmen nach nationaler Zweiteilung enthalten sollte. Don maßgebender Seite wurde ihnen hieraus bedeutet, daß der Kaiser in dieser Angelegenheit sie nicht empfangen würde, weshalb die Audienz unter- blieb. Alle diese Tatsachen haben natürlich dazu beigetragen, daß das Interesse der Deutschen sich am Malier» besuche verminderte. Sie haben obendrein setzt die Wahlen vorzubereiten. Aus dem Munde des ungari|chcn Ministerpräsidenten Dr. Welerle haben sie jüngvc vernommen, daß die S t e l l u n g d e r D e u t s ch e n in dcr Monarchie nicht kräftiger, sondern schwächer werde, und der Prager ftaifer- besuch ist ba|ür fein Gegenbeweis. Umsomehr ist es Sache der Deutschen, selbst für die Kräftigung ihrer Stellung zu sorgen. Ein großes und bedrohliches Problem ist die Frage der Thronfolge in der Türkei. Man behaupcet, baß Abdul Hamid, der schwer Kranke, seinen älteren Sohn übergehen und seinen jüngeren als Nachfolger bezeichnen wolle, der als besonders deutschfreundlich gelte, an der Thronfolge aber von einflußreichen Palaftkliquen verhindert werden soll. Ter deutsche Einfluß in Konstantinopel scheint überhaupt allmählich zurückzugehen. Für die Veränderung der ganzen Lage war es bezeichnend, daß der Konstantinopeler Kai, und damit die Haienkontrolle, an eine englisch-französische Gesellschaft überlassen wurde. — Zu den deutsch-türkischen Handelsbeziehungen erfuhr die „Voss. Zcg.", baß bie von den Mächten ber Psvrte bewilligte dreiprozentige Zollerhöhung bemnächst ber Beschlußsaifung des Reichstages unterbreitet werben soll. Die Erhöhung ber Wertzölle von 8 auf 11 v. H. soll zugestanden werden bis zu dem Inkrafttreten des dem deutfcy- türkischen Handelsverträge vom Jahre 1800 beigefügten Tarifs. Man nimmt an, daß unsere Einfuhr nach der Türkei, die in den letzten Jahren erheblich angenommen hat und sich gegenwärtig aus rund 50 Mill, jährlich belauft, durch die 3 pcoz. Zollerhöhung keine Eln- chränkung in chrer weiteren Entwicklung erleiden wird. Abgesehen von Fellen, Häuten und Munition bilden zurzeit Wollwaren und lammwollene Fabrikate mit je 7 Millionen Diark Wert bie hauptsächlichsten Einfuhrartitel nach ber Türkei. Italien und England aber versuchen unseren Handel nach ber Türkei nach Kräften zu beeinträchtigen und haben dort erheblicheren Erfolg zu verzeichnen als wir. Dazu kommt bie deutsch-feindliche Agitation in der türkischen Armee: alles Symptome dafür, daß, wenn es gelingen sollte, im Augenblick eines Thronwechsels den deutschen Einfluß in Konstantinopel zu beseitigen, gewaltige ökonomische Jnterefsen und ein Teil unserer Weltmacht pellung ans dem Spiel steht. Und damit könnte das einzig erfreuliche Resolution verloren gehen, das unsere Diplomatie m den letzten Jahrzehnten aufzuweifen hatte — unsere Machtstellung im Orient. Recht unerbauliche Dinge wurden auch wieder aus Rußland gemeldet. Auf seyenerregende Stachrichten über Folterungen von Gefangenen, die die Bestialitäten ber Inquisition noch in den Schotten stellten, zeigen die bejammernswert tiefe Kulturstufe, auf der sich Rußland trotz Konstitution" und „Parlament" noch befindet. Die Einzelheilen, die in der Duma üb'ec die Folterungen an Gefangenen, wie sie die baltischen „Strafexpedrcwnen" verübt haben, vorgelesen wurden, waren derart schaudervoll, daß man sich nicht wunderte, wenn die Verwilderung in Rußland noch wüchse und der brutale Grundsatz Auge um Auge, Blut um Blut, immer mehr Anhänger sande. Ferner ward täglich mindestens ein neuer polnischer Mord und obendrein noch mindestens ein räuberischer Uebersall gemeldet — kurz, es hat den Anschein, als ob kein Heffer diesem gepeinigten Lande erstehen soll. politische Wochenschau. Gießen, 29. April 1907. Jrn neuesten Hefte der in München erscheinenden vortrefflichen ,Südd. Monatshefte" plaudert Friedr. Naumann, der Staatsphilosoph, vom Reichstage. Ihm gefällt die ganze Maschine des Parlamentarismus ganz und gar nicht. Mit einem Kollegen prüfte er kürzlich einmal, wer eigentlich der augenblicklichen Rede im Reichstage wirklich zuhörte, und fand etwa folgendes: ,cin Mitglied des Präsidiums, ein Beamter des ReichSaintS des Innern, einige Parteigenossen deS Redners und einige Abgeordnete, die hinter dem Be- treffenden auf der Rednerliste standen — daS war alles. Die Rede floß wie ein Bach im Sande . . . für die Stenographen, für die Zeitungen.* Die armen Zeitungen, die ihren schon so wie so knapp demeffenen Raum dafür hergebcn müffenk Naumann, der parlamentarische Neuling, fügt aber hinzu: Oester sah ich tn Stunden bei parlamentarischen Mißbehagens auf die Kopte oller, ergrautet Helden des Reichstages. Ta sitzt Bebel, fleißig und aufmerffam role ein Jüngling! Ta sitzt Schrader, eifrig und geduldig! Da sitzt Gröber, Gamv und andere! Diese Männer kennen nun den Ton und die Musik seit langen Jahren. Und doch sitzen sie hier. Tas macht auf mich einen lieferen Eindruck, als alle« stille Theoretisieren, mit dem ich mir die Sachlage imierlid) in Ordnung bringen will. Hier haben e4 Männer von der Energie und geistigen Fülle wie Benntglen, Miquel, Richter, Windlhorst ausgehalten und haben vielfach öifl zum letztem Atemzuge biefem Mechanismus ihr Gehirn gewidinet. Allo muß doch Dec Zweck diefes Mechanismus stark genug jein, um seine Nebengeräusche vergessen zu taffen. Und zudem gibt es nach Naumann obendrein „kaum einen Redner, der nicht etwas bringt, das zum Aufbau der DejamtkenntniS bient'. Anderer Ansicht sind die „Drenzboten^. Da heißt eS m Nr. 17 vom 25. April: ES sind in Wahrheit umschriebene Parteiprogramme längst bekannten Jnhalls, ohne bestimmten Zweck für das wirtliche Arbeitspensum, rein akademische Erörterungen, meist abstoßenb in ihrer rednerischen Formlosigkeit, ihrer Brecke, ihrer Salzlosig- keit und ihrem Ungeschmack, die aber doch mit selbstgefälliger Inbrunst zum Fenster yinanS geredet werden, obwohl die wenigen brauchbaren Gedanken darin längst viel besser in Büchern zu finden und durch die Presse zum Gemeingut aller Lesekundigen gemacht worden sind. Es wäre darum sehr zu wünschen, datz durch die Geschäftsordnung ein heilsamer Zwang aus- geübt werden könnte, die uferlosen Debatten bei dem Gehalt Der Minister und Staatssekretäre einzuschränken. Sachlich würde dadurch nichts verloren werden, wenn man nicht etwa der Meinung sein sollte, daß politifche Gedanken einem ähnlichen Prozeß des Wiederkäuens unterworfen werden müssen wie die Nahrung m dem Magen gcwijscr Säugetiere, denen übrigens die Bolks- meinung kein besonderes Matz von Intelligenz zuschreibt. Die Mehrheit des deutschen Volkes ift wohl geneigt, dem Drenzdoten-Manne, und nicht Naumann zuzustimmen. Die monotonen Beratungen deS Justizetats waren ganz gewiß nicht dazu angetan, viel Jntereffe in den breiten Massen für den Reichstag zu erwecken. Anders wurde eS dann freilich beim Militaretat. Allerdings mußte der preuß. Kriegs- Minister sich fein „bischen Gehalt*, wie er sich früher mal burschikos ouSdrückte, wacker erkämpfen. Und das tat er auch und zwar nut erfreulicher Irische und Lebendigkeit. Er versteht es meisterlich, den populären Ton zu treffen, der auch außerhalb deS Reichstages sein beifallsfreudiges Publikum zu ftnden weiß. Es ist Hoffnung Vorhänden, daß der Reichstag vor Psingsten mit feinem Pensum fertig wird und als Lohn winkt ihm die Vertagung; die für den Sommer in Kraft bleibende Freifahrkarte ist schließlich auch des Schweißes der Edlen wert. Im preußischen Abgeordnetenhause hat man u. a. viel über Ansiedlung deutscher Bauern in der Ostmark geredet. Dabei roarS interessant, daß just zu derselben Zeit Geheimrat Mitling, der frühere Oder- bürgermeifter von Posen und jetzige Direktor der National- bank für Deutschland, einen Vortrag gehalten hat, der wegen seiner Fachkenntniffe auf diesem Gebiete und feiner Vorschläge Beachtung verdient. In der Hauptsache wendete er sich Kleines Feuilleton. C. K. Vom Bau der Mont Blanc-Bahn. Es wird nicht lange mehr Dauern, und die Touristen werden in der Lage sein, sich aus einer beliebigen Station eine Fahrkarte zum Gipfel des Mont Blanc zu lösen. Die französischen Jngenienve, die mit dem Bau der Bahn betraut sind, haben den Schienenweg bereits bis zum Mont Lachat (7000 Fuß), d. h. fast bis zur halben Höhe fertig gestellt, und sobald das rollende Material beschosst und eine Anzahl Stationen fertig gebaut sein wird, soll der erste Teil der Mont Blanc-Bohn dem Publikum eröffnet werden. Die weiteren Stationen werden sein: Rognes 8135, Tete Rousse 10550, Aiguille du Goüter 12 000 und Dame du Goüter 13 475 Fuß. Bis zu einer Höbe von 8220 Fuß, etwas über die Hälfte der ganzen Strecke, wirb die Eisenbahn völlig frei liegen, und eine Reihe prächtiger Mpenlandschaften mit Gletschern, Schneefeldern und jähen Abgründen wird während der Fahrt an den Augen der Reisenden v-orübergleiten. Von dieser Höhe bis zu 11900 Fuß werden die Züge durch eine Galerie fahren, bie durch den Bergabhang gebohrt ist, iedoch häufig Oeffnungen in tem Felsen hat. Von da ab wird bis zum Gipfel, zu einer 3000 Fuß größeren Höhe, ein Tunnel aebohrt werden, da nur so die Linie vor den Lawinen, die in dieser Gegend häufig niedergehen, geschützt werden kann. Der letzte Teil der Strecke bietet die größten Schwierigkeiten, und es wird Jahre dauern, ehe er vollendet werden kann; aber für die Zwischenzeit wird von dem Gipse! oer Aiguille Du Gvüter bis zur Spitze des Mont Blanc ein Fußweg angelegt werden, der die Tvuristeq in den Stand setzen wird, das „Lach Europas" mit Hilfe von Schlitten oder zu Fuß ohne Gefahren ober allzugrotze Strapazen zu erreichen. Die Mom Blanc-Äahn roirb nach dem Strub-Zahnradsystem erbaut, das auf der Jungfrau und anderen Bergbahnen in der Schweiz sich so gut bewährte. Als Zugkraft wird die Elektrizftät benutzt, deren Kosten, nachdem bie Kraftstationen einmal angelegt sind, minimal sein werden, da sie von den zahlreichen Wasserfällen und Bergströmen in ber Nähe bezogen werden kann. Dre größte Steigung wird nicht über 1:5 fein; diese wird eine Schnelligkeit von 6—S Kilometern in der Stunde erlauben, wobei die Passagiere den Uedergang in höhere Lustjchicbten ohne Gefahren ertragen können; außerdem werden sie ja an den verschiedenen Stationen während der Fahrt Halt machen können. Jede Station wird auch mit SaueAwffbehältern für bie an der Berakranlheit Leidenden ausgerüstet sein. Es sollen täglich »wolf Züge zum Gipsei des Mont Blanc fahren, und der Preis einer Rückfahrkarte wird 40 Frs. betragen. Sollte die Elektrizität einmal versagen, so werden nuichtige Lokomotiven zur A"s7->ilse bereit stehen. Tie Küsten dr neuen Bergbahn werden, wie der Genfer Korrr pond-. t des Stano^ro lberichtet, bis zur 'eitgume ou Goüter 10U Mn..^ i.cn Mark und für den letzten Teil der Strecke 40 Millione i t betragen. Natürlich fcu sich bereits die Hotelindust. neuen Unternehmens bemächtigt, und man erwartet, D. reiche Hotels in der Nähe bet Bergbahn entstehen rocite C. K. Zar Nikolaus als Musiker. Daß te. v r von Rußland sich nicht nur auf dem Gebiete der Dichlkunn versucht hat, sondern auch ein Musiker von ungewöhnlicher Begabung ist, berichtet in einer Pariser Musckzeüschrist ein Mitarbeiter, der sich „Menestrel" müer-eichnet und ixx behauptet, zu den intimeren Bekannten des Zaren zu gehören. „Tie Musik des Zaren", so schreibt er, „hat einen tief melancholischen Charakter. In all seinen künstlerischen Aeußerungen spurt man einen seltsamen Hauch fatalistischer Ergebung in sein Schiasal. Eine seiner Tichtungen ift übrigens in Petersburg uniec dem Pseubonym „Slawe" erschienen und diese hat einer seiner Vettern in Musik gesetzt; aber der Zar zieht es vor. feine eigenen Texte selbst zu vertonen. Der russffche Herrscher vs- sitzt auch eine schöne Sammlung alter Geigen, auf bie er besonders stolz ist. Ter Kunst, die Balalaika, das altrussische Instrument, das einer Guitarre ähnlich ist, zu spielen, bat er sich mit besonderem Eifer gewidmet, und er bemüht sich, sein LieblingSinstrument in Rußland wieder mehr in Ausnahme zu bringen. ®r hat sogar die alte Guitarre in die Orchester ein* zusühren versucht. Zar Nikolaus ist auch ein guter Sänger. Er hat eine Terwrstimme, bie zwar nicht sehr ergiebig ist, aber einen sehr gefälligen Klang bat Kürzlich sang ter Zar bei einer Gesellschaft, die bie engsten Hofkreise um ihn versammelte, ein von Massenet komponiertes Lieb. Die tieftraurige Stimmung, die in der Art seines Vortrags zum Ausb.uck kam, rührte viele von den anwesenden Damen zu Tränen". Berlin, 27. Llpril. Heute mittag wurde die Gro ße berliner Kunstausstellung durch den Unterstaats'cüe.ür i 2't. 2Beioer im Beisein des GeneralaDjutanten des Kaisers, Pcuizen Ednaro zu Salm-Horstmar, des Präsidenten der Akademie Der Künste, Professor Letzen, des Bürgermeisters Tr. Reute unb Anderer feierlich eröffnet Wien, 27. April. Der bekannte Komponist Joseph Hell», Jesberger iü W der pergangeuLn Nacht gestorben^ Sie gehörten vor die ii ■ I un fi K i I toi I tt Hande) des 9o.1b I Elektnz. Lahmeyer HI Portugiesen . 98.30 97.40 226.40 Börse, 29. ApriL Anfangskurse. 4>j°/0 russ.Staatsanl. 1905 4^ü,0 Japan, Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von iau3 Kinder mehl Elektriz. Schlickert . Eschweiler Bergwerk Ungar. Goldrente . . Italien. Rente . . . Portugiesen Serie I . 128 50 113.55 232 10 84 1U 95.25 84.10 I 99.25 99.90 94.30 10275 67.50 68.10 91.1o 9315 94 95 . 155.20 132 20 . 228.uU . 171.50 . 17250 . 144.20 . 26825 75.50 143.90 4% Oesteir. Goldrente. . 4l/g % Gesten. Silberrente Harpener Bergwerk Lauraiiütte Lombarden E. B. Nurdd. Lloyd . . füraenlose . ■Krankenkost. si d 4% 4% 396 3% . 23 00 . 146.90 . 138.00 327- 3% 3h 7« 3% 3h7< 3 h 7, Bochum Guss . . . Buderus E. W Tendenz: fest. Berliner Canada E. B. . ■ . Darmstadter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: fest . 174.90 . 132.20 Generalsynode, die demnächst zusammentreten würde. Abg. B r ö m e l (krs. Vg.) erklärt, man werde doch hier un Hanse die Frage erörtern können, wie die Verhältnisse der evang. Landeskirche sich gestalten. Es handle sich darum, ob die R e f o r m der Landeskirche, wie sie auch von den Gemeinden gefordert werde, vor das Forum der Gesetzgebung gebracht werden solle ober nicht. Es handle sich nm die Freiheit des evangelischen Bekenntnisses. Ein Antrag auf Schlich der Besprechung wird angenommen. Reichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen Oberhessen Türkenlose ... t % Griech. Jlouopol-Anl. \% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner 4>s7o Chinesen . . . Aktien: Berliner Handelsges Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat Bank . Diskouto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- lusentann . . Gotthardbahn . . Loiuuard. Eisenbahn . Gestern titaatsoanu . . frincc-Henn-Eiseubahn 1 . »out f «hr 6II oet|ie Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, liessen. Frankfurter Börne. 29. April, 1.15 Uhr. . 141.00 50 3U 86^0 . 209.75 . 228.00 . 23.- . 126.10 . 141.30 preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 27. AprrL ^ie dritte Beratung des Etats wird fortgesetzt beim Kuttusetat, Kultus und Unterricht gemeinsam. Abg. P r i e tz e (nL) wünscht Erhöhung der Pfarrergehälter. Das Kapitel 1 wird bewilligt. — Beim Kapitel evangelischer Oberkirchenrat kommt Abg. Schmieding (nL) auf die Fälle der Pfarrer Caesar, I a t h o und R ö m e r zu sprechen und hebt hervor, das Vorgehen gegen dieie Geistlichen sei unberechtigt, die Liberalen ständen dem wahren Ehrillentum weil näher als die Positiven. Abg. .p c cf c h r o 11) (foii|.) bedauert, occh diese Fälle hier von neuem angeschnitten werden. Innere Angelegenheiten der evangelischen Kirche sollten nicht vor dem inlerkonsessionellen Landtage, vor Katholiken unb Israeliten behandelt werden Kultusminister Tr. v. S l u d t bedauert gleichfalls, daß diese ^leisstraße ®rooe Gros Aus Sia-t uud Land. Gießen, den 29. April. ** Mitteldeutscher Arbeitsnachweisverband, unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten von Hessen-Nassau, von W in dh eim , konstituierte sich vorige Woche in Frankfurt in zahlreich besuchter Versammlung nach eingehender Beratung ton Verbandssatzungen ein neuer ArbeitZnachweisverband, der das Großherzogtnm Dessen, die Provinz Hessen-Nassau, den Kreis Wetzlar und das Fürstentum Waldeck umfaßt und mit einem bedeutend größeren Wirtschaftsgebiet anstelle des nunmehr auf. gelösten, räumlich kleineren Mainverbandes tritt. Der Verband führt den Namen „Mitteldeutscher Arbeitsnachweisverband^ und hat seinen Sitz in Frankfurt. In den Vorstand wurden als Vorsitzende Oberbürgermeister Ad ickes und Stadtrat Flesch- Frankfurt, als Vertreter der hessischen Gebietsteile die Bürger, meister Schmidt-Mainz, G l a e s s i n g -Dcrrmstadt, Provinzial- direktor Geheimerat Dr. B r e i b e r t -Gießen und .Kreisrat von H o m b e r g k-Offenbach gewählt. Das paritätische Prinzip des Arbeitsnachweises fand auch bei dieser Gründung feinen Aus- druck darin, daß der Vorstand statutengemäß je zwei Arbeitgeber uni) Arbeitnehmer zu kooptieren berechtigt ist. ** Land- und Kuraufenthalte. Zu dem von bent hessischen gemeinnützigen Verein zur Vermittlung von Land- und Kuraufenthalten für 1906/07 aufgestellten Verzeichnisse von Sommerwohnungen im Odenwald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten (Main- und Neckartal) ist ein Veränderungs- unb Ergänzungsnachtrag erschienen und wird jedem Interessenten von dem Geschäftsführer des Vereins, Derrn Harth in Darmstadt, Wiener Straße 42, gegen Erstattung der Her- stetlungs- und Portokosten im Betrage von 10 Pfg. zugesandt. Das Verzeichnis selbst nebst Nachtrag (12 Vogen stark) ist für 30 Pfg. zur teilweisen Deckung der Herftellungs- und Versendungs- kosten ebendaselbst zu beziehen. Allen Erholungsbedürftigen fei das Merkchen bestens empfohlen. ** Wegweiser durch Gießen. Als eine sehr wertvolle literarische Festgabe zum Universitätsjubilaum wird sich der im Rotvschen Verlage erscheinende illustrierte Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen präsentieren, dessen Drucklegung der Brühlschen Druckerei übertragen wurde. Das Buch umfaßt über 20 Bogen Text, also über 300 Seiten, vier Aguarelldrucke, 12 Vollbilder, eine Eisenbahn-Verkehrskarte, einen bis auf die Neuzeit ergänzten Stadtplan, Umgebungskarte und Theaterplan, der Umschlag ist von einem hervorragenden Künstler entworfen und in ganz modernem Verfahren hergestellt. Trotz dieser Reichhaltigkeit bleibt der Vorzugspreis von 1 Mk. bis zum Fest bestehen. Bei diesem erstaunlich billigen Preise findet das Buch natürlich die lebhafteste Nachfrage, weshalb sich noch vor Beginn der Drucklegung sich der Verleger zur Erhöhung der Auflage entschlossen hat. Den Inserenten kann diese Erhöhung natürlich nur angenehm sein. Aber auch die jetzige erhöhte Auflage dürfte u. E. bald ausverkauft sein, daher ist es zu empfehlen, bei dem Verleger oder einer Buchhandlung vorher Exemplare zu bestellen, ebenso müßten sich die Geschäftsinhaber beeilen, wenn sie diese Gelegenheit zu einer wirksamen Empfehlung in dem viel begehrten Buche benutzen wollen. P.-A. Michelstadt, 26. April. Das XXVIII. Kirchen- gesangfest des Evangelischen Kirchengesangvereins für Dessen soll am Sonntag, 12. Mai, hier abgehalten werden. Morgens 11 Vs Uhr findet in der Stadtkirche unter Kirchenmusikmetster Professor Mendelsohns Leitung die Hauptprobe der mitwirkenden Vereine von Beerfelden, Erbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckar- Steinach und Rothenberg statt. Um 1214 Uhr wird im Rathaussaale unter dem Vorsitz des Präsidenten Ewald die Haup» versammlung abgehalten, der um V/4 Uhr gemeinsames einfaches Mittagessen in verschiedenen Gasthäusern folgt. (Es wird gebeten, die Zahl der Teilnehmer bis spätestens 5. Mai bei Stadtpfarrer Heß in Michelstadt anzumelden.) Um 2Vs Uhr beginnt der Festgottesdienst in der Stadtkirche, in dem Pfarrer Marx von Walldorf die Festpredigt halten wird. Eine gesellige Vereinigung in Schmerkers Gartensaal mit Ansprachen und Gesängen soll am Nachmittag des Fest beschließen. + Aus dem reichen Ebsdorfer Grund, 26. April. Beim Aufräumen des Kehrichts im Schulhause zu Leidenhofen, in das jetzt ein junger Lehrer einzieht, fand man einen Hundertmarkschein, der dem früheren Lehrer gehörte und anscheinend nicht vermißt worden war. Arbeiterbewegung. fc. Off en bad) a. M., 28. April. 1 7 00 Maschinen- fabrikar beiter haben gestern die Arbeit n i e d e r g e l e g t. Tie Fabrikanten beabfidjtiqeii mit einer allgemeinen Aussperrung zu antworten, wenn die Arbeiter sich nicht mit einer gemeinsamen Beratung der beiden Siebenerkommssionen (Arbettnehmer und Arbeitgeber) bereit erklären ohne Zuziehung je eines „Beraters" der beiden Organisationen. Auch bestehen die Fabrikanten darauf, daß bte Beratungen nicht unter dem Vorsitz eines den beteiligten Betrieben Fernstehenden (wie die Arbeiter verlangens sondern unter dem Vorsitz des Fabrikanten H. Schmaltz (stellv. Bors, der Vertreter der Arbeitnehmer Nürnberger) geführt werden. Durck) einen Ausruf „in letzter Stunde" wurde dies den Arbeitern mitgeteilt. Leipzig, 28. April. Tie hiesigen Holzindustriellen beaiiitragteil ihre Delegierten, bei dem in Berlin staltfindenden Elniguugsverhandlungen für einen mäßigen Lohnzusch ug, keinesfalls aber für Arbeilsverkürzung zu stimmen. Erfurt, 28. April. 1700 Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter lehnten befinitin die Angebote der Arbeitgeber ab. Ter Gesamtausstand ist unvermeidlich. 400 Arbeiter haben die Arbeit bereits niebevgelegt. — Beim Titel Provinzial-Kollegium bringt Abg. Cassel (fr?. Vpt.) die Fälle zur Sprache, die zu Zer- würfnissen zwischen dem Provinzial-Schulkollegiuni unb ber Berliner Schulverwaltung geführt haben. Tatsächlich fei der Religionsunterricht einmal durch eine jüdische Lehrerin erteilt worden. Ministerialdirektor Schwartzkopff bemerkt, er habe die Tatsache festgestellt, daß in Berlin evangelischer Religionsunterricht von einer jüdischen Lehrerin erteilt worben sei. Auch bie Tatsache könne nicht aus der Welt geschafft werben, daß prozentual die jüdischen Lehrer stärker (mit 40 Prozent) vertreten feien, als die evangelischen unb die katholischen. In schroffer Weise will ber Minister nicht Vorgehen, er wird Rücksicht auf die Verhältnisse der einzelnen Lehrpersonen nehmen. Jin Kapitel Universitäten kommt Abg. Dr. Schröder-Kassel (nL) auf die schon in zweiter Lesung ausgestellte Forderung von Lehrftühlenfürfoziale Medizin und Hygiene zurück und erbittet die Einrichtung solcher Lehrstühle. , Geheimrat Elfter erklärt, daß der Minister diesem Wunjche wohlwollend gegenüberstehe. Beim Titel Höhere Lehran st alten tritt Abg. Engelbrecht (ft.) für weitere Ausdehnung des Real- und Resormschu lwesens ein, besonders für das Reform-Gymnasium. Abg. Cassel (Frs. Vpt.) preist demgegenüber die Vorzüge des humanistischen Gymnasiums. Das Kapitel und die übrigen werden bewilligt. Damit ist der Kultusetat erledigt. — Beim Kapitel Ministerium des Innern wendet sich Abg. Schmedding (Ztr.) gegen den Erlaß des Ministers, nach dem Beamte mit Disziplinarstrafen bedroht werden, die sich mit ihren Wünschen an einzelne Abgeordnete wenden. Nach der Verfassung seien alle Preußen gleich vor dem Gesetze und könnten ihre Meinung frei äußern. Die Abgeordneten aber hätten die Pflicht, die Interessen des ganzen Volkes, also aiuch der Beamten, zu vertreten. Minister des Innern v. Bethmann -Hollweg erklärt, wenn Schmedding den Wortlaut der Verfügung gekannt hätte, wäre er nicht zu seinen Ausführungen gekommen. Das Petitions- recht stehe den Beamten zu; unvorschriftsmäßige Wege dürfen nickt betreten werden. Eine Verbindung zwischen Beamten und Abgeordneten sei nicht verboten, wenn die Beamten die Amtsverschwiegenheit Nicht verletzen, und wenn sie die Form wählen, die ihr Amt ihnen auferlegt. Die Beamten sollen sich an die einzelnen Abgeordneten nicht mit Wünschen wenden, die ihr persönliches Dienstverhältnis betreffen und deren Erfüllung der Zuständigkeit der vorgesetzten Behörde untersteht. Wenn ein Druck auf diese durch Mitteilungen an Abgeordnete versucht wird, so leide die Disziplin. Die Beamten bitte er, zu ihren vorgesetzten Behörden Zutrauen zu haben. Abg. Lüsen s ky (nL) bemerkt, wenn der Minister seinem Erlaß nur beschränkte Gültigkeit geben wollte, hätte er es in ihm selbst klar machen müssen. Materiell kommt es hierbei auf eine Einschränkung des Petitionsrechtes heraus. Der Erlaß selbst aber hat auch etwas verletzendes gegenüber den Abgeordneten. Abg. Müncheberg (frs. Vgg.) bemerkt, wenn ein so glänzender Stilist wie der Minister einen Erlaß herausgegeben habe, ber zu Mißdeutungen Veranlassung gegeben hat, so erwecke das Verdacht. Der Herr Minister spräche von dem Vertrauen, das die Beamten zu ihren Vorgesetzten haben müßten, es gibt aber wohl auch Vorgesetzte, die nicht das genügende Entgegenkommen gegen die ihnen Nachgeordneten Beamten haben. Ter Abgeordnete muß als Vertreter des Landes auch Vertrauensmann des Einzelnen sein. Abg. Cassel (frs. Vpt.) hat gegen die Erklärungen des Ministers über den Erlaß verschiedene Bedenken. Bei den dem Minister untergeordneten Behörden werden sich manche Männer finden, die dem Erlaß nicht eine so humane Auslegung geben, wie der Minister selbst. Warum solle sich ein Beamter nur an die vorgesetzte Behörde und nicht an einen Abgeordneten wenden? Abg. v. Heydebrand (kons.) bemerkt, es scheine ihm, als ob es angebracht wäre, wenn der Minister den Wortlaur seines Erlasses mit den Ansichten, die hier von ihm geäußert worden seien, in Uebereinftimmung fetzen würde. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Der Etat wird angenommen. Beim Kapitel der Eifenbahnverwaltung äußert Abg. v. Brandenstein (kons.), er habe ein Schreiben des Ministers erhalten, in dem er aufgefordert wurde, die Vorfälle, die er bei feiner Rede vom 11. März im Auge hatte, mitzuteilen. Seine Rede fei nicht gegen den Minister, sie richtete sich gegen Mißbräuche, die sich allmählich eingeschlichen haben. Es fei darüber gesprochen worden, daß die Einnahmen aus der er st en Klasse zurückgingen. Es fei eben in der ersten Klasse zu wenig Platz, da zuviel Freikarten ausgegeben werden. Redner geht auf verschiedene Zeitungsartikel ein, in denen über seine Rede in ber zweiten Beratung geschrieben wird, ttrotzdem das Haus ihn unruhig unterbricht. Ein Antrag auf Schluß der Beratung wird mit Unterstützung der Konservativen und einzelner Abgeordneter aus anderen Parteien angenommen. Zur Geschäftsordnung erklären die Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.), Dr. Faßbender (Ztr.) und Werner (Dtsch. Ref.-Partei), daß sie es unbegreiflich finden, daß jetzt, nachdem der Abg. v. Brandenstein % Stunden geredet habe, gerade von den Konservativen der Antrag auf Schluß gestellt wird. Abg. Kirsch (Ztr.) schlägt vor, die Debatte wieder zu eröffnen, das wäre möglich, wenn kein Widerspruch erhoben würde. Abg. v. Heydebrand (k.) erklärt sich ebenfalls mit einer Wiederaufnahme der Besprechung einverstanden. Präsident v. Kröcher erhebt aber unter allen Umständen Widerspruch. Die Beratung geht also weiter. — Im Titel XStat ber Bau- verwaltung stellt Abg. v. d. Wense (ft.) im Namen der freikonservativen Partei den Antrag, die Regierung zu ersuchen, Fürsorge dahin zu treffen, daß bei staatlichen Bauten, insbesondere bet außerordentlichen Bauarbeiten ber Eisenbahn unb der Wasserbauverwaltung, einheimis che Arbeiter zu verwenden sind. Minister Breitenbach erklärt, die Sorge ber Verwaltung gehe bahin, die landwirtschaftlichen Arbeiter ihren landwirtschaftlichen Betrieben zu erhalten. Bei den Wasserbauten wurden bis bO Proz. ausländische Arbeiter verwendet. Abg. S d) in i b t - Warburg (Ztr.) hofft, daß bas Versprechen deS Munsters er'ülll werben wurde und wünscht Erhöhung ber Löhne der Arbeiter, da sie unter der Teuerung besonders zu leiben hatten. Ter Antrag des Abg. v. d. Wense wird angenommen, die Beratung über den Eiat der Bauverwattung gesd)lossen. — Etat der Z e n l r a 1 g e n o s s e n s ch a f t s k a s s e. Aui 'Angriff des Abg. Bl eil ifrf. Vpt.) verteidigt Präsident ^eiligen ft abt bie Diskonlopolltik ber Zentral- genossenjcha'tskasfe. Ter Etat wird erledigt. — Ter Etat der direkten Steuern wird ohne Debatte erledigt. — Etat der 13 otterieo er maltun g. — Vorn Regierungsttsche wirb bie Versicherung abgegeben, daß bei der Besetzung von Kollekteur st eilen verabschiedete Offiziere berücksichtigt werden sollen. — Tie übrigen Etats werden ohne Beratung erledigt. — Damit ist die dritte Beratung des Etats beendet. Der ganze Etat wird einstimmig angenommen, da Polen im Saale nicht anwesend sind. Nach einer GeschästSordnungsbebatte vertagt sich das Haus auf Montag. stellt waren. Staatssekretär Kraetke bemerkt, es freue ihn, daß die Partei des Vorredners jetzt zu der Frage des Postscheck- verkehrs eine andere Stellung einnimmt als vor sechs Jahren. Die Regierung wäre jetzt dabei, neue Vorschläge auszuarbeiten, um sie dem Bundesrate alsdann vorzulegen. Mas die Ermäßigung des Weltportos an langt, so hätte ja der Vorredner sehr richtig dargelegt, wie sich) in England der Briefverlehr nach Durchführung des Penny-Portos gehoben hätte. Er müsse ihn da doch auch darauf aufmerksam machen, daß in England die Portoeinnahme erst nadj 17 Jahren wieder die Höhe erreicht hätte, die sie vor allgemeiner Durchführung des Pennyportos gehabt hätte. Er bittet ferner zu bedenken, welche gewaltigen Mehrausgaben die Steigerung des Briefverkehrs mit sich bringt. Abg. Frhr. v. Garnp (Reichsp.) freut sich ebenfalls über die veränderte Stellungnahme der Frersinntgen zu der Frage des Postscheckverkehrs. Aber es müßten seiner Ansicht nach Maßnahmen getroffen werden, durch Aendcrung des Bankgesetzes, um zu verhüten, daß der vermehrte Goldbestand, der infolge wachsenden Scheckmangels für die Reichsbank zu gewärtigen sei, nicht etwa bloß zur Deckung von Verpflichtungen gegen das Ausland diene, sondern dem Jnlande zugute komme. Den Staatssekretär bittet er ferner, dem Hause den Entwurf eines Postscheckverkehrsystems wieder vorzulegen. Ein solcher würde jetzt wohl bessere Aufnahme finden als früher. Daß die Beseitigung der „Begünstigung der Großstädte im Orts- und Nachbarortsverkehr" Fiasko gemacht habe, bestreite er. Weiter plädiert Redner für Oft» markenzulagen und erklärt, um diese durchzusetzen, sähe er und seine Freunde sich gezwungen, für einen inzwischen eingegangenen Antrag Pachnicke zu stimmen, der diese Zulagen nun unwiderruflich bewilligen wolle, nicht widerruflich. Endlich geht Redner noch auf Beamtenfragen kurz ein. — Schatzsekretär v. Stengel führt aus: Was die Ostmarkenzulagen anlangt, so hätten wir sie schon 1904 und 1905 für das Heer und für die Post gefordert. Und zwar widerruflich. Der Reichstag lehnte sie damals ab. Ein Antrag Pachnicke wolle sie unwiderrufltch gewähren. Namens der verbündeten Regierungen tonne er eine Erklärung darüber nicht abgeben. Abg. Hamecher (Zentrum) ist gegen Portoherabsetzungen; der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung müsse auch für die Post gelten. Sodann begründet Redner ein» gehend die Zentrumsresolution Hompesch wegen der vermehrten Ruhe an Vorabenden von Sonn- und Festtagen. Auf die Beamtenfragen eingehend, erklärt Redner sich na- mentlidf mit der Resolution Ablaß betr. Aenderung der Personalordnung einverstanden. In seinen weiteren Ausführungen wendet er sich gegen die unzulässige politische Beeinflussung der Beamten, wie sie u. a. in einer amtlichen Beitragsaufforderung für den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemotratie in Bezirken einer sächs. Oberpostdirektion liege. Er trägt eine Reihe weiterer Beispiele aus der Wahlbewegung vor. Das Vereinigungsrecht der Beamten fei kein willkürliches Recht, sondern em kulturelles. Dem Unterbea.mtenverbande fei seinerzeit verboten worden, sich über das ganze Reich auszudehnen. Dieses Verbot sei ungesetzlich. Abg. Dussner (Zentr.) befürwortet eine Zentrumsresolution wegen des Fernsprechwesens auf dem Lande und bringt Wünsche von Beamten vor, namentlich auch zugunsten der Postbeamten in den Schutzgebieten, sowie zugunsten der Telephonistinnen. Hieraus Vertagung. Sj^niag,: Beamtengefetze (Pension und Relikten) in erster Lesung; dann Weiterberatung des Postetats. k Der 1 SS Darin Gelsenkirchen Bergwerk . 199.70 Hamburg-Amerik. PaketL 135 50 Harpener Bergwerk. . . 210.U0 Lauraiiütte...... 228.00 Nordd. Lloyd .... 126.50 Obeischles. Eisen-Industrie 108.80 i bi Postbeamten-Laufbahn. Eine Resolution Hompesch endlich Angelegenheiten hier erörtert worden sind, will früheren Schluß der Bearbeitung von Massendruck- ®pnprntfnnobe. die demnächst zusammentrel fachen und der Paketannahme an den Vorabenden von Sonn- und Feiertagen. Abg. Dr. Drosch er (kons.) erklärt, die Verteuerung des Ortsportos lasse sich nicht mehr rückgängig machen; zu wünschen fei eine Verbilligung des Telephons aufdemLande. Wünschenswert sei nur eine nock) größere Fürsorge für die Beamten in Bezug auf Stellenvermehrung^ Arbeitszeit, Urlaub, Sonntagsruhe und insbesondere Gehälter. Seine Freunde könnten ihre Mißbilligung nicht zurückhalten, daß in der letzteren Beziehung die wiederholten einstimmig angenommenen Forderungen des Reichstages nicht berücksichtigt seien. Den Resolutionen Graf Hompesch, sowie Ablaß, betr. anderthalbfache Anrechnung des Nacht- und Feiertagsdienstes stimmt seine Fraktion zu. Die Ablaßsche Resolution wegen der Aenderung der Personalordnung dagegen bedürfe doch erst wegen ihrer Tragweite einer sehr sorgsamen Prüfung in der Kommission. Das System der gehobenen Stellen für Unterbeamte habe sich nach Ansicht seiner Freunde nicht bewährt. Ausdrücklich bemerke er noch, daß auch die höheren Beamten einer Aufbesserung bedürfen. Einer Neuordnung der Gehälter, die diese höheren Beamten ausläßt, würden seine Freunde die Zustimmung versagen müssen, lieber die Wünsche der höheren Postbeamten läßt sich Redner dann ausführlicher aus, um dann auch die konservative Resolution wegen der Ostmarkenzulagen zu empfehlen und schließlich für die Wünsche der weiblichen Beamten (Telegraphistinnen usw.) einzutreten. Endlich pflichtet Redner namens seiner Freunde auch noch der von der Kommission beantragten Resolution zu betreffend Besoldungserhöhungen für verschiedene mittlere und Unterbeamten-Kategorien. Abg. Kämpf (freis. Vp.) fordert eine Herabsetzung des Weltpo st portos. Er meint, die Gefahr eines Ausfalls an Einnahmen für den Postsiskus ist nur eine theoretische. Als England sein Porto herabsetzte, wuchs der Verkehr ganz außerordentlich. Er führt weiter aus, die Negierung möge sich angelegen fein lassen die Einführung des Postscheckverkehrs. Ueber die Gebühren würde sich ja wohl eine Verständigung erzielen lassen. Freillch muß die Regierung aus erschwerende Bedingungen verzichten, wie sie bei Gelegenheit des früheren Entwurfs ge- Todes-Anzeige. Gestern nachmittag 127, Uhr entschlief nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden unser treusorgender Gatte, Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel Herr Conrad Marx Zimmermeisler im vollendeten 70. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen (Griinberger Str. 2), den 29. April 1907. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 8008 unseres gegengenommen. v. Schlosser. yuiti des Herrn Pfarrer Ausfeld sagt aufrichtigsten Dank Giessen, den 29. April 1907. Hochachtungsvoll weiter geführt. Bekanntmachung. Carl Wigandt. D»/« 3007 versteigert: Holz auf der 3001 Leun. frei Haus. für die seitens 4 50 1190 8000 3 60 J. Pabst Telegraphen-Sekretär 1. P. Hochachtungsvoll Natur-Eiswerke und Biergrosshandluug. 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April, abends 9 Uhr im E-I- Ebel em. Tagesordnung: Endgültige Beschluhfassung über unsere Stellungnahme zur Hauvetokammerwahl. Um rene Teilnahme bittet Der «orstaud. v Tochter, Schwester, Schwiegertochter und Schwagerm Frau Betty Siern geb. Hovach. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Julias Stern und Kinder. Wiese», den 29. April 1907. Die Beerdigung findet.D i e n s 1 a g, den 30. ds. Mts^ nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Giegener Strage, aus statt. Versteigerung. Licuotag, den 30. d. W.lS., nachmittags 2 Ubr Dcriteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: IdUUO lOrchesflion, 1 Wagen, 11 St in»; wagen, 40 Paar Stiefel, 21 eichene Bohlen, 1 gtochchreib- tisch mit Seifet, mehrere wertvolle Brider, 1 Spiegel und verschiedene andere Lcovel. Born, Gerichtsvottzteher. Eis! Ab L geM mein Eiswagen regelmässig. mit Brut vernichtet radikal Rademachers Goldgetot. Patentamt!, gesch. No. 761S8. Geruch-u. farblos. Reinigt d. 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