Nr. 48 157. Jahrgang Dieuötag, 20 Februar 1907 Erschein! täglich mit Dnsnahsne beS Sonntags. T'e „Gießener KamiUenblStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» „Kreisblatl für den Kreis Liehen" zweimal wöchenUlch. Ter „fesstsche Landwirt" erscheint monatlrch einmal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesjen Rotationsdruck und Verlag der VrübNchen Unioerfuate • Bach» und Steindruckeret. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckereir Vcbul» slraße ?. Expedition und Verlag: 5L Redakrion:«^K llL. Tel.-2ldr.: VnzelgerGießen. Deutscher Reichstag. 3. Sitzung vom 28. Februar. 1 Mr. Am Bunde»rat»tisch: Frbr. von Stengel, Frhr. von Tschirschky, Dernburg, Graf PosadowSky, Tr. Nieberding u. a. Präsident Graf zu Stolberg teilt mit, daß der Kaiser daS Präsidium empfangen und seine besten Wünsche für das Gedeihen der Arbeiten deS ReichStag-s ausgesprochen habe. Der frühere Präsident Graf Balle st rem bat dem Reichstag ein Bild deS Kaiser» in Kürassieruniform für daS Präsidial- gebäude tum Geschenk gemacht. Präsident Gras Stolberg erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Grafen Ballestrem für dieses hochherzige Geschenk den Dank des Reichstages auSzusprcchcn. Zunächst wird ein s ch l e u n i g e r A n t r a g auf Einstellung eine» Strafverfahrens gegen den Abg. von Chapowo (Pole) angenommen. Darauf tritt daS HouS in die erste Lesung des Etat» ein. Staatssekretär Freiherr von Stengel: Ich möchte zunächst Über die Gestaltung des RcichSbauShaltS fn den Jahren 1905 und 1900 kurze Bemerkungen vorauSschicken. DaS Ergebnis von 1905 hat sich weit günstiger gestaltet, als man hatte vorauSsehen können. Die Hauptursache dafür ist die enorme Vermehrung der Wareneinfuhr, welche die Zollerträge für 1905 ganz besonders günstig beeinflußt. Die Mehreinnahmen gegen daS Etatssoll haben für 1905 volle 90 Millionen erreicht. (Hört, hört!) Zum großen Teil beruhte dieses Ergebnis allerdings auch darauf, daß der Ausgabenetat der einzelnen Refforts, insbesondere auch bei der Heeres- und Marineverwaltung, streng eingehalten wurde. Eigentlich hat nur eine Einnahmeverloaltung, die RcickS- Post» und Telegraphenverwaltung, ihren AuSgabenetat erheblich überschritten, um 7,5 Millionen. Einen Minderüberschuß in Höhe von 17,5 Millionen hat die Zuckersteuer erbracht. Von wesentlicherem Intereffe sind aber die voraussichtlichen Ergebnisse deS laufenden EtatSjahreS 1900, von dem noch zwei Monate für den Abschluß fehlen. Im allgemeinen dürsten die Voraussagen ziemlich zuircffen. Insbesondere entsprechen die Einnahmen auS den Zöllen den Erwartungen, wenn sie auch naturgemäß hinter dem gewaltigen Aufschwung von 1905 wesentlich Zurückbleiben. Befriedigend nicht nur im finanziellen Interesse, lonbern auch nach dem Zweck der Gesetzgebung, ist das Ergebnis der Differenzierung von Malz- und anderer Gerste. Dagegen werden aller Voraussicht nach die Einnahmen aus dem Personen- fahrkartenstempel sebr erheblich hinter den Voraussetzungen zurückbleiben. (Hört, hört! link».) Die Mehrerträge auS der Zigarettensteuer, dem Frachturkundenstempel und der Brausteuer dürften auf rund 12 Millionen zu schätzen fein. Bei der Zuckersteuer rechnen wir auf eine Mehreinnahme von 8 bis 9 Millionen AuS den R->ichsbankant--ilscheinen einschließlich der Bank- noienfteuer tuu-b» sich nach der bei Ablauf bcS KalcndersahreL borqenommencn Berechnung für daS Reich allein eine Mehreinnahme von 12,5 Millionen ergeben. (Abg. Dr. Arendt : Leider nur! Lachen links.) Im Zusammenhang mit der Besprechung der Ausgabeposten, insbesondere auS der sozialen Gesetzgebung, die von Jahr zu Jahr steigende Vorschüsse von der Reichskasse erfordere — aus der Un- fallvcrsicherunq am 1. Januar allein 142 Millionen mit voraussichtlicher Steigerung bis Mai aus 180 Millionen Mark (Hört, hört! rechts) — erhebt der Schatzsekretär wie in jedem Jahre die Klage über die ungenügende Ausstattung der Betriebsfonds und betont die Notwendigkeit ihrer Verstärkung. ES ist überhaupt gr,'ndsätzlich verfehlt, den Berufsgenossenschaften mit einer Maßnahme unter die Arme zu greifen, die bei geldknappen Zeiten unsere gesamte VolkSwirschaft schwer schädigen muß. (Sehr wahr! recht» und link».) Die verbündeten Regierungen haben bei der llnfallversicherungSrrovelle von 1899 den Versuch zur Abhilfe ge- macht; er scheiterte leider an dem Widerspruch der großen Mebr- heit dcS Hause». Damals sprach der Berichterstatter die Hoffnung auS, cs würden sich schon Mittel und Wege finden, um der Schwierigkeiten Herr zu werden; der stenographische Bericht ber- zeichnete an dieser Stelle „große Heiterkeit und Bravo". Bis jetzt ist dieses Kunststück noch nicht gelungen. Der Sck)atzsekretär gibt am Schluffe seiner Ausführungen über das EtatSjahr 1906 seiner Genugtuung Ausdruck über die wesentliche Besserung, die der ReichShaushalt ourdb die im vorigen Jahre zustandegekommene Steuerreform erfahren bat. DaS muß zum Bewußtsein kommen, wenn man sich vorhält, daß die Finanz» bcrroaltuna bei der Vorbereitung deS Etatsabschlaffes für 1906 einem Defizit von 240 Millionen Mark gegenüberstand. Wäre die vorjährige Reform gescheitert, dann wäre in der Tat nicht ab« zu sehen, wie der Haushalt deS Reiches auch nur halbwegs geordnet werden lönnte. Obgleich infolge der Thesaurierung eine» großen Teiles dcr Zollbeträge für die Witwen« und Walsenversicherung ein Defizit auch für das Jahr 1907 von 63 Millionen noch bleibt und eigentlich eine weitere Steuervorlage erforderlich wäre, haben die ocrbündeten Regierungensich doch entschlossen, von der Einbringung einer solchen Steuervorlage zunächst abzusehen und einstweilen die weitere Entwicklung der Zoll- und tsteuererträgnine abzuwarten. Sie geben sich aber dabei der bestimmten Erwartung hin, daß dcr Reichstag nicht versagen wird, wenn es gilt, von den Einzelstaaten et.ie unerträgliche Last der Matrikularbeiträgc sicht deS Reichstages auch ein neuer Präsident entsprechen müsse, und daß es im Volke nicht ueiftanben wäre, wenn wir angesichts der Niederlage der Mehrheit vom 13 Dezember wiederum einen Präsidenten aus der Zeiitrumsfraktion gewählt hätten. kSebr neblig ! rechts und link».) Das ist eben der Ausdruck der Mehrheit deS Reichstages und daS ist auch im Lande verstanden worden, wie unS Hundeite von Knud- gebungen beweisen. Auf die fofoniflfeu Fragen will unsere Partei erst beim Kolonialetat eingehen. Wir bleiben babei stehen, baß die Veranlaffung der Auflösung vom 13. Dezember in der Bewilligung ungenügender Mittel, nicht der volle» Summe, die die Recflernng für unsere Truppen bedangt, gelegen bat. Der Präzedenzfall des Abg. Lpahn paßt nicht. Selbstverständlich scheidet sofort feder Streit au5, wenn der Reichskanzler sich mit einem Abstrich an einer Rcflierunqslorderung einverstanden erklärt. (Lebhafte Oho-Rufe im Zentrum.) Wir begreifen die Ankündigung in der Thronrede, die sich auf die Kolonien bez'eht, den Hinweis darauf, laß die schwerste Krisis m unseren Kolonien überwunden ist, und baß wir demnächst auch mit der Nüclberufung weiterer Truppen zu rechnen haben werden. Wir begrüben die Wiedereinbringung aller Forderungen, die im vergangenen Jabre abgelehnt wurden. Zumal der des Reichs- I o l o n i a l a m t s. Wir erachten es in der Tat für dringend notwendia, das; diese neue Zentrale für die Kolonialverwaltnng unter Abtrennnng vom Auswärtigen Amt errichtet wird, ferner üie Wiedereinbringung der Bahn nach K e e t m a n n s h o o p , und der A n s i e d l e r e n t s ch ä d i g u n g. Endlich schließen wir uns dem Danke für die tapferen Truppen an, die in Südwestafrika seit Jahren zum großen Teil unter Au'op.erung ihres Lebens, im Kampfe gegen diese aufständischen Völker gestanden haben (Lebhafter Beifall) und die durch ihre Energie und die enormen Strapazen, die sie im Kampfe erdulden mußten, den Dank des Vaterlandes verdient haben. (Lebhafter Beifall.) _ Auf die Ausführungen des Abgeordneten Spahn über die Wahlbewegung eingehend, beginne ich mit dem Flottenverein. Ich meine, das bischen Agitation (große Unruhe »nd schallendes Gelächter tm Zentrum und bei den Soz.) des Flottenvereins ist nichts gegen die ungeheuren Machtmittel, die Sie (zum Zentrum) in der Hand hoben. (Lebhafte Zustimmung. Große Unruhe im Zentrum.) Man denke an die direkte Beeinflussung der Wähler durch die Kirche. Es steht ja auch fest, daß wir ganz unabhängig von der Kritik des F'ottenvereins die Vorlagen der Regierung geprüft haben. Wir haben uns durch die Agitation des Flottenvereins, die ja seinerzeit weit mehr verlangte als die Dlcoicrunqen, nickt bestimmen lasten, sondern haben dem Staatssekretär das Vertrauen geickenlt, daß er die Flotte ausreichend zu entwickeln wissen werde. Aber der Flottenverein ist ein vortrefflicher Verein. (Lacken bei den Soz.) Auch eine ganze Menge von Zentrumsherren waren seine Mitglieder und sind es wohl noch heute. Er mußte gegründet werden zur Aufklärung imseres Volkes, und in dieser Richtung hat er segensreich gewirkt. Ob der General Keim sich Ueberjchreitungen des Programms de-s Flottenvereins hat zu Sckulden kommen lasten, das zu untersuchen, wird dock Sacke des Flottenvereins selbst sein, und ich bin überzeugt, an Kritik wird es dort nicht fehlen. Ick meine aber eins: die ganzen Briefe, die im „Bayrischen Courier" erschienen sind, sind zweifellos gestohlen. (Lebh. Zustimmung rechts und links.) Die Täterschaft der beiden Leute, die in Frage kommen, ist auch klar erwiesen, freilich befinden sie sich heule in Sicherheit im Auslande. Ich frage: wo soll unser öffentliches Leben hinkornrnen, wenn ein Preßorgan, wie der „Bayeriscke Courier", solche Briefe, die durch eine kriminelle Handlung in feinen Besitz gekommen sind, veröffenllicht? (Lebhafte Zustimmung rechts und links.) Das könnte ja unter Umständen Sckule macken. (Erneute Zustimmung.) So kann man ja eine ganze Menge Leute blamieren. Ich für meine Person halte ein solches Verhalten für eine Gemeinheit. (Lebhafte Zustimmung.) Ich möchte einmal die Herren vom Zentrum fragen, wenn z. B. die Wahlkorresporrendenz des Herrn Mnller-Fnlda von einem nationalliberalen Blatte, etwa von der nationalliberalen Korrespondenz veröffentlicht würde, ob die Herren dann nicht sagen würden, das ist eine Gemeinheit! (Sehr gut!) Dem Kolonialdirektor sind wir zu Dank verpflichtet, daß er durch seine öffentlichen Vorträge, die ja auch im Druck erschienen sind, aufklmeud ack irft hat. Ich meine, man sollte das auch weiterhin nicht verbieten, im Wahlkampfe in dieser aufklärenden Art tätig zu fein. Man kann es doch nur dankbar begrüßen, wenn in einem Wahlkampfe klipp und klar gefaßt wird, welche leitenden Gesichtspunkte, für die Fortführung der deutschen Politik maßgebend fein sollen. Flugblätter, wie die des Flottenvereins, lverden wir in Zukunft vielleicht gar nicht mehr in dem bisherigen Umfange brauchen. Material wird uns jetzt schon von den sozialdemokratischen Blättern reichlich geliefert. (Lachen bei den Soz.) Solches Mieten insonderheit die Artikel von Kalwer und Bernstein, die in der Februarnummer der „Sozialistischen Monatshefte" erschienen sind. Beide Herren waren ja offizielle Kandidaten der Sozial^ demokralie, und Herr Bernstein war ja bis zur Auflösung auch noch Mitglied des Reichstages. Ich möchte einige kurze Zitate aus diesen Artikeln verlesen, um zu zeigen, wie auch in den Reihen der Sozialdemokratie, allerdings in solchen, die sich von der Autorität Bebels abwenden (Zuruf Bebels: Ick >var nie Autorität. — Lacken rechts und links), die Richtigkeit unserer Politik anerkannt wird. In dem Kalwerschen Artikel heißt es . daß eine Besserung in den Lebensveihältnisten der Arbeiter eingetreten sei. Das ist dasselbe, .was auch wir immer behauptet haben. Dann wird weiter gesprochen von beit schwarzen Bildern, die an die Wand gemalt worden seien aus Anlaß des neuen Zolltarifs. Wiv wurden überhaupt keine Handelsverträge bekommen usw. Demgegenüber wird in dem Artikel festgestellt, daß wir die Handelsverträge bclommcn haben, daß der Verkehr gedeiht und der Handel mit dem Auslande zugenommen hat. Auch über die Kolonialpolitik spricht der Artikel, der starke Bevölkerungszuwachs Deutschlands ivird betont, nnd es wird gesagt, angciiajtö ,einer dürfe der Unternehmer nicht ;u Hause bleiben. Es wird davor gewarnt, daß die Sozialdemvlratie zum Anwalt des Auslandes werde. Endlich wird auch in anderer Form der Terrorismus, den wir an der Sozialdemokratie so oft getadelt haben, zugegeben. Es wird gesagt: In unserer eigenen Partei bat sich eine Orthodoxie entwickelt, die im 20. Jahrhundert geradezu Erstaunen Hervorrufen muß. In ähnlicher Form urteilt Bernstein. Er meint, die Ausführungen des Äolonialdireltors seien noch harmlos gegenüber solchen Uebertreibungen wie der, daß alle deutschen Kolonien nur Sandwüsten seien. (Hört, hört!) Es wird dann die verwerfliche Pfcnuigsuchserei getadelt, und es wird betont, daß das Deutsche Reick etliche Millionen für folche Kulturzwecke jährlich zur Beifügung haben müsse. Diese Ausführungen beden' sich reckt schlecht mit benen, die wir hier im Reichstage von sozialdemokratischer Leite gehört haben. (Lebhafte Zustimmung.) Wir werden also künftig die Flugblätter Keims gar nicht mehr'm notwendig brauchen. Wir entnehmen sie künftig den sozialdemokratischen Zeitschriften. (Beifall.) Run hat der Avg. Spahn über den Tolcrnnzantrng gesprochen. Ich habe mich in meiner politischen Tätigkeit immer iret gewußt von lultnrkämpferiscken Neigungen: ich bin überzeugt, daß gerade der Kulturkampf erst dem Zentrum die großartige Organisation verschafft hat, die es besitzt. (Sehr richtig!) Ich gebe namens meiner Partei die Erllärnng ab, daS Bestreben, von Staatswegen in die inneren Angelegenheiten der katholischen Kirche uns einzumischen, weisen wir vollständig von der Hand. Wir wollen dasselbe, ivas Herr Spahn verlangt hat: die Katholiken sollen nach eigener Ueberzeugnng leben und sterben können, genau wie die Angehörigen anderer Konseistonen auch. Ich meine aber, wenn die Herren vorn Zentrum keine Erörterung über Kirchenpolilik wünschen, so haben sie das ja in der Hand; sie brauchen bloß den Toleranzanlrag nidit mehr einzubringen. (Heiterkeit.) Oder, sofern mit ihren allgemeinen Klagen über schlechte Behandlung der Katholiken in einzelnen Bundesstaaten, wie in Mecklenburg, Sachsen, noch nicht aufgeräumt ist, bann sollten sie den Antrag wenigstens auf feinen .ersten Teil beschränken. Der zweite Teil greift in die Hoheit und Selbständigkeit des Staates ein und ist für uns schon deshalb nicht zu billigen. Wenn vom Zentrum so sehr die Zuverlässigkeit betont wirb, die es in nationalen Fragen bewiesen hai-e, so sind auch wir weit entfernt davon, zu behaupten, daß sich nickt daS Zentrum um einen großen Teil unserer Gesetzgebung Verdienste erworben habe, wenn aber vom Zentrum behauptet wird, bte nationalfiberalc Partei habe im Jahre 1879 unter Führung Bennigsens in einer nationalen Frage versagt, so muß ick dem entschieden entgegentreten. Die Einführung des Schutzzolles in Deutschland war dock eine rein wirlsckaftliche Frage. Damals waren die Gegensätze zwischen Schutzzoll und Freihandel sehr stark, auch in meiner Partei. Es wäre vielleicht besser für die nationalliberale Partei gewesen, wenn sie sich rechtzeitig auf den Standpunkt gestellt hätte, den sie heute einnimmt. Aber der Vorwurf, der hier erhoben wurde, trifft sie nicht. Im übrige» war es dock auch mit dem Zentrum in nationalen Fragen, in Dingen der Heersverstär.lung nidit immer so wie seit 1899. Ich verweise auf die Auflösungen von 1887 und 1893. Ein paar Worte jetzt über Wahlbündniffc. Es fft obne w iteres klar: es gibt auch unter den Nationalliberalen eine Reibe von Leuten, die das Zentrum für eine größere Gefahr halten als die Sozialdemokratie. Aber es steht fest: durch die nationalliberale Partei ift kein einziger Zen- tr ii ms Wahlkreis an die Sozialdemokratie aus- geliefert worden. (Widerspriidi im Ztr. Zurufe: Baden!! Von der badischen Parteileitung habe ick die telegraphische Bestätigung, daß auch : ort keinerlei Verhandlungen nüt der Sozialdemokratie gepflogen sind. Dagegen ist in den Kreisen, wo das Zentrum bei Wahlen zwischen dem Nationalliberalen und den Sozialdemokraten den Ausschlag gab, der Nationalliterale infolge der Unterstützung, die die Sozialdemokratie durch bas Zentrum sand, unterlegen. (Sehr richtig 1) Dieses planmäßige Zu'ammengehen des Zentrums mit bet Sozialdemokratie stimmt nicht überein mit den Versickerungen, daß es als eine Versiind'gung am Vaterlande und an der Religion erachtet werden müsse, wenn ein Zentrumsmann für den Sozialdemckraten stimme. (Redner zählt die Wahlkreise auf, die durch Schuld des Zeiitrums der Sozialdemokratie zu- gefallen sind.) Ich wende mich nun zu den neuen Aufgaben, die an uns her- antreten. Tie neue Laae. welche durch die Zurückdrängung der Sozialdemokratie geschaffen worden ist, stellt mit einer gewissen Notwendigkeit die Sozialreform und die Mittelflandspolitik wieder in den Vordergrund unserer Aufgaben. Der beste Beweis dafür liegt ja schon in der großen Zahl von Jnitiaiiv- anträgeu aller Parteien, die sich auf diesem Boden bewegen. Ich begrüße das Bekenntnis der Thronrede zur Sozialreiorm nnd id) begrüße ferner auch die Ausführungen, die der Reichs- k inzler in seinem Briefe an das Direktorium des Zentralv"rbandes deutscher Industrieller gnnacht hat. Daß gerade diesem Verbände gegenüber der Reichskanzler sein Programm entwickelt, westt doch gerade darauf hin, daß der Reichskanzler sich auch diesem Verbände gegenüber der Hoffnung hingibt, daß auch dort Verständnis für eine positive Sozialrefoim vorhanden sei, und daß man scharfmacherische Projekte, um mich so auszudrüden, nickt verfolgen wird. Sehr rich ig ist e§, daß wir in der verflossenen Legislaturperiode veisckont geblieben sind mit Dingen, wie etwa einem Um- sturzgesetz ober einer Zuchthausvorlage. Das Resultat der letzten 9.'afr, baß cs uns gelungen ist, baS Vertrauen von iaufenben von Arbeitern zurückzngewinnen, muß dahin führen, unter keinen Umständen die jetzige gesunde Entwickelung durch solche Polizeigcsetze zu durchbrechen, die nur den Erfolg haben können, die Genosien enger zusammen- zuickließen und i t anderen Kreisen 2k ßtrauen zu säen. (Leb-- 6af:c Zustimmung.) Es wird ja selbst von sozialdemokratiscker Seite zugestanden, daß eine Menge von Arbeitern, wie es dort heißt, wieder an die Kandidaten des Kapitalismus abgefallen feien. Fraglich dürfte es sein, ob das NeichSamt des Innern die ganze Sosialreforni und Mittelstandspolitik allein auf feine Schultern wirb nehmen können. Die Sozialreform bes Grafen Pofabowskh hat ja in diesem Hause seit Jahren Vertrauen gefunbeu, sie hat aber den Eindruck erweckt, als ob die Projekte, die er uns bringt, nicht feiner ursprünglichen Meinung entsprechen, sondern daß seine weitergehenden Pläne sich haben haaren müssen mit engherstgcn Auffassungen, die in Preußen zur Geltung kamen, und baß dann aus dieser Paarung solche Wechselbälge entstanden, wie es ; B. der Entwurf über die B e i u f s v e r e i n e ist. (Lebhafte Zustimmung.) Ich möchte wünschen, daß man angesichts der letzten Wahlresnllate, die uns zeigen, daß wir erneut Einfluß auf Arbeiterkreise gewonnen haben, uns in Zukunft ein so'ches Gesetz nicht mehr bringt. Es ist eine ichlecktc Politik, wenn man ein Gesetz über die Berufsvereine macht, ba-j schließlich feinen einzigen Arbeiter znfriebenstellt. Ich sollte meinen, auch b>.e Mnisterien von Preußen und wachsen bürsten sich ber Erkenntnis nickt verschließen, baß folche Gesetze geboren werben müssen ans freiheitlichem Geiste heraus (Lebhafte Zustimmung), aber nicht auö einem Geiste, der die 9h beiter» vereine durch Polizeiorgane reglementieren und überwachen will. Die freie Vereinstätigkeit muß in dem Gesetz garantiert fein. (Lebhafter Beifall.) Wir haben überdies den Antrag ein» gebracht auf Ein!'hrung eines Reichsarbeitsamtes unter gleicher Beteiligung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern nnd ferner einen Gesetzentwurf auf Einführung von paritätischen A r b eit s kamm e r n. Ich möchte hoffen und tvünsckeii, daß es uns gelingt, wenn nicht in dieser Session, so doch in der kommenden, die 9hi"gaben zu lösen. Nun noch ein weiteres kurzes Wort zur Sozialpolitik. Wir haben immer denSlandpunkt vertreten, daß der Staatfeine Sozialpo.itit nicht einfeitig treiben kann für den Industriearbeiter, sondern daß er an alle die breiten Schichten denken muß, die im heutigen Daseinskampf nicht mehr recht vorwärts kommen können. Wir erhoffen die WiebeiVorlage des Gesetzes zum irsckutze der B a u h a n d >v e r k e r und die bemnäckstige Einbringung eines Gesetzentwurfes übet den unlauteren Wettbewerb. Den Ausführungen des Abg. Spahn über die Lage unserer Beamten kann ich nur zustimmen. Für die Privatbeamten liegt eine Petition vor, die nuS in den nächsten Tagen beld'äftigen wird. Wir werden gemeinsam mit anderen Parteien iiod) weitere Anregungen nach dieser Seite Yin geben. Uns sind im Laufe der letzten Wochen nicht nur Zuschriften, sondern auch genaue Berechnungen über Budgets kleinerer und mittlerer Beamten zngegangen, ans denen hervorgeht, daß sie ohne Gehalts- ücrbcfieruiigeii in Verschuldung geraten müssen. Meine politischen Freunde werden sich aitdj hier die Bewilligungen angemessener Forderungen angelegen sein lassen. Man begegnet häufig der Behauptung, daß das Reichstagswahlrecht angetastet werden solle. Wir haben uns solcken Behauptungen immer entgegengestellt. Das ist ein Bruch der Verfassung. Und wer sich diesem Versassungsbruch nicht eulgegenstellt, der steht außerhalb deS nationalliberalen Programms. Im übrigen muß die Sicherheit des Wahlgeheimnisses besser ausgestaltet werden. Deshalb haben wir unfern Antrag aus der vorigen Session wieder eingebrackt. Ich möchte dem Reichskanzler auheimgeben, ob es nun unter dem Eindruck dieser Wahlen nicht eine freiheitlichere Gestaltung des Vereins- und V er s a m m lu n g s r e ch t s eintreten lassen wird. (Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Tie letzie Wahlbewegung hat den Beweis erb, acht, daß große Stlaffcnbeiuegiiiigen nicht durch Polizeiiüaßregelli, sondern nur durch erganische Reformgesetze bekämpft werden können. Daß die Zustände in unserem Vereins- und Versammlungsrecht durchaus unzulänglich sind, daß die Bestimmungen beispielsweife üoer daS sogen. Segment in Franenversammlinigen dem Fluche der Lacher» lich'eit aulieimfalleu. Daß eS vollständig rückständig ist, daß die Frau hier scklechter dastehk als der Mann, darüber ist inan sich in weiten Kreiien unseres Volkes vollständig einig. Ich glaube, es wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt für die so weit hiuauSgeschobene Aufgabe einer freiheitlicheren Gestaltung des Vereins- und Ver- sammluugSrcchis. (Beifall.) Wir'haben den Eindruck, daß auch die Reichs-Justiz- resorm in sehr langsamer Weise üoridjmtct Drei Jahre sind wir hier in einer Kommission tätig gewesen. Ob die einzelnen Beschsjisü- -u den einzelnen Paragraphen befriedigen oder nicht befriedige,., tft ganz gleichgültig. Die Vorarbeiten liegen jedenfalls in vollem Umfange vor. Wenn der Regierung ein Vorschlag nickt genehm ist. mag sie einen anderen machen. Aber eS ist dringend zn wünschen, daß diese Materie so früh wie möglich abgeschlossen wird. Ick möchte dem Herrn Schatzseiretär anheiiiineben, im Lause dieser Beratungen über den Stand dieser Vorarbeiten hier Auskunft zu geben. Dasselbe gilt von der Reform des Zivilprozesses. Abg. Schiffer bat neulich im Abgeordnetenhause in einer sehr guten Rede auf eine ganze Menge unhaltbarer Zustande hingewiesen, auf das Hinausschleppen der Verfahren, die hohen Gerichtskosten usw. Auch diese Reform ist dringend. Wir begrüßen die Ankündigung der Thronrede über die Friedensbestrebungru. Tas hat auch im Auslande einen guten Eindruck gemacht. Vefin man die Auslandsverhältnisse verfolgt, muß mar. sagen, daß die deurschfeiudlicken Kreise auf einen starken Wahlsieg der Sozialdemokiaten gerechnet haben. Sie hegten die Hoffnung, daß durch die starke sozialdeinokralische Bewegung nach und nach die Verhältnisse in dem Innern unseres Vaterlandes ins Schwanken geraten. Solche Tinge werden im Auslände mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Wahlen sind anders ausgefallen, und daraus hat das Ausland sehr geachtet. Daß diese Wahlen nun einen imperialistischen Charakter gehabt haben, davon kann gar keine Rede sein. Allerdings weist die Sozialdemokratie das Ausland auf solche Gedanken hin, sodaß uns z. B. Dinge unterstellt werden, wie, daß wir die Truppen in Afrika nur deswegen zurückhalren, weil wir England dann mit unserer Flotte sicherer an den Hals können. (Unruhe bei den Soz.) Tas wollen Sie (zu den Soz.) mit ein paar Tausend Mami machen. (Große Heiterkeit.) Sie wissen doch, wieviel Truppen wir drüben haben, und daß |ie kaum genügen, um unser Schutzgebiet irt Norden, im Süden und in der Mitte zu sichern. Wir woll"n keine ausschweifende Weltpolitik, wir treiben auch, keine Eroberungspolitik, sondern wir wollen die friedliche Weiterentwicklung der Dinge, allerdings auch keine Nasenstüber von anderen Nationen. (Sehr richtig!) Wir wollen sie nickst in das Matz unserer Rüstungen hineinblicken lassen, das müsien wir fdion selbst wissen, was wir brauchen. Im großen und ganzen ist die beste Waffe des Friedens ein starkes Heer, das hat die Entwicklung in Deutsck)land gezeigt, und eine genügende Flotte. Freuen wir uns über die Tatsache, daß das deutsche Volk bei den Neuwahlen gezeigt hat, daß es in nationalen Fragen nickr mit sich spaßen läßt. (Lebhafter Beifall rechts und links, Unruhe im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.)^ Ich möchte noch ein Schlußwort über das gute Resultat dieser Wahlen sagen. Zwei Punkte haben sich da mit Deutlichkeit gezeigt. Zunächst, daß bä5 deutsche Volk sich für die Kolonialpolitik in einer Weise interessiert hat, wie das in den 25 Jahren nicht möglich war. Bauern. Handwerkern usw. ist die Bedeutung der .Kolonialfrage von allen Seiten nahegelegt worden, und sie haben den Beweis geliefert, daß sie so intelligent sind, sich den richtigen Rat davon herauszusuchen. (Gelächter bei den Soz.) Der Appell an unser Volk hat einen sehr großen Erfolg gehabt. Nun wird der Kolonialbirektor Dernburg in der Tat den Boden für eine intensive Kolonialpolitik nach jeder Richtung bereit finden. Wir hoffen, daß Handel und Industrie für die Aufschließung unserer Kolonien jetzt in ganz anderer Weise herangezogen werden. Ich glaube audi, daß der Kolonialdirektor, wenn er in seinem Werke fortfäßrt, Erfolg aufzuweisen haben wirb. Dann ein zweites, was biese Wahlbewegung hervorgerufen hat: Ter nationale Sinn der Arbeiter ist zum erstenmal mit großer Machtentfaltung in ber politischen Arena erschienen. Ich habe ben Einbruck, baß biesen nationalen Arbeiterorganisationen die Zukunft viel eher gehören wirb als ben Sozialdemokratie. (Sehr richtig! recht und in ber Mitte. Gelächter bei ben Soz.) Ich bin auch der Meinung, baß sich keine Partei biesem Neuen, was burch bie nationale Arbeiterbewegung hervor- getreten ist, wirb entziehen können, baß jebe Partei genötigt sein wirb, bem Gebanken, ber vor Jahren von bent Kaiser ausgesprochen worben ist, auch 9lrbeiter ins Parlament zu entsenden, Rechnung zu tragen, auch bie nationalliberale Partei. (Zuruf im Zentrum: Wo?) In Tuisburg! Daß es uns möglich war, dieses Resultat zu erzielen, bas ist barauf zurückzusühren, baß baS Bürgertum sich gesammelt hat, batz enblich auch einmal ber Opfermut auf finanziellem Gebiet sich gezeigt hat. (eoehr gut! b. b. Nafl.) — Wir stehen vor ber Tatsache, baß bie Sozialdemokratie mehr als 3 Millionen Stimmen aufgebracht hat, daß mithin and) ein absoluter Zuwachs vorhanden ist. Das ist naturgemäß eine Mahnung an bie bürgerlichen Parteien, in ihrer neuen Tätigkeit nicht zu erlahmen. Jetzt ist auch ber Glaube von bem unaufhaltsamen Aufsteigen ber Sozialbenwkratie bahin. (Lebh. Sehr richtig! rechts und in ber Mitte.) Damit ist aus bem Bürgertum ein gut Teil Pessimismus bcridjtounbeu, ber lange auf ihm geruht hat. (Unruhe 6. b. Soz.) Es ist eine erfreuliche Tatsad)e, batz gerade bie großen Jndustrie- stäbte von ber Sozialdemokratie haben geräumt werden muffen. Das Bürgertum hat gesehen, daß, wenn es einig ist, c5 durch Steigerung der Wahlbeteiligung in ber Lage ist, zu siegen. (Zuruf von ben Soz.: Regierungsagitation!) Ach! bas bißchen Regierungsagitation! (Schallende Heiterkeit im Zentrum unb bei ben Soz.) Die unaufhaltsame, rastlose Tätigkeit des Bürgertums, nicht Regierungsagitation ist es gewesen. (Bravo! rechts unb in ber Mitte. Große Unruhe im Zentr. und b. b. Soz.) Das Volk hat burch biese Wahl ausgesprochen, batz es in einer wichtigen nationalen Frage feinen Parbon gegeben hat. Unb wie bedeutsam bem Volk biese Fragen schienen, bas beweist bie starke Wahlbeteiligung, bas Anschwellen ber Wahlzisfern bis über 85 Prozent. Tas war aber nicht ber Abgutz ber Bevölkerung, wie bie Sozialdemo- kratie gqdjrieben hat, auch nicht bie „jungen Kerls" — soviel junge Kerle gibt es ja in Deutschland gar nicht (Große Heiterkeit) — fonbern bie Leute, welche bie Bebeutuug biefer Wahl begriffen haben, zum Teil auch ber Zorn gegen bas Zentrum. (Sehr richtig!) In der Entwicklung, wie sie nunmehr hinter uns liegt, liegt die hohe Bedeutung der nunmehr abgeschlosicneu Wahlen, die dem Reichstag ein ganz anderes Bild gegeben haben. Uns geben die Wahlen die Gewähr, daß unser Volk auch in schweren Zeiten überall da, wo nationale Fragen aufgeworfen werden, sich um die Reichs flagge scharen wird. (Lebhafter Beifall.) Reichskanzler Fürst Bülow: Der Abg. Spahn hat sich tm zweiten Teil seiner Ausführungen mit meiner Stellung zur Z e n t r u m s p a r t e i beschäftigt. Im Saufe der letzten Jahre ist mir oft von liberaler; Ijiex und da auch von konservativer Seite übertriebene Hinneigung giir Zeutrurnspartei vorgeworfen. Heute ist mir aus ben Rethen ber Zentrumspartei, ist mir von bem Führer ber Zentrumspartei vorgeworscn worben, daß ich gerade diese Partei brüskiert hätte. Ich will mich über mein Verhältnis zur Zentrumspartei ganz offen aussprechen: Ich mache auch heute kein Hehl daraus» batz ich lange unb ehrlich bestrebt gewesen bin, bie Mitwirkung ber Zentrumspartei für große Aufgaben unserer nationalen Po- Itttf zu getoimior. Das waren von mir nicht nur taktische Erwägungen, bas war meine Pflicht gegenüber bem Laube. Wir PEwerhaltnisse im Reichstag lagen, gab es keine andere Mög- hchkett, fruchtbare innere Politik zu machen. (Sehr richtig!) Das Zentrum bildete am 13. Dezember auch mit der Sozialdemo, frühe eine feste Mehrheit; ich hätte aber mal die Politik sehe» mögen, die man auf die Tauer mit dieser Mehrheit gemacht hätte. (Sehr gut! unb Heiterkeit.) Auch mit anberen Parteien bilbcte . -e,n.e ME^heit. Mit b^er Mehrheit bestimmte geseh- «Ib-r'sche Aufgaben zu losen, bin ich bestrebt gewesen. So Habich im Reichstage den Ausbau der deutschen Flottes- moglicht, so habe ich den Zolltarif, die HanvelSver- träge, die Brüsseler Konvention, die Reichs, finonzrefo-m, in Preußen die Kanalvorlagc und die Bergarbeiternovelle zustande gebracht. Das lLerede über meine Hinncignug zum Zentrum war ebenso töricht, wie die Bc. hauptung von meiner Abhängigkeit von der Zentrumspartei. Ohne eine innerlich homogene Mehrheit läßt sich keine programmatische Politik treiben; ohne eine solche lassen sich nur bestimmte Fragen von Fall zu Fall lösen. DaS habe ich getan, nicht, wie man c3 mir hier unb da vorgeworicn hat, als lavierender Diplomat, sondern als praktischer Staatsmann. ES war ganz selbst- verständlich, daß ich versuchte, so lange cS ging, mit der Mehrheit zu regieren, die für nationale, das heißt im Interesse des Ganzen liegende Zwecke vorhanden war, und daß sich diese Mehrheit in den Dienst solcher Zwecke gestellt hat. Ich erkenne auch weiter durch- auS an, daß das Zentrum mitgcwirkt hat bei solchen Ausgaben, nnb daß eS geholfen hat, sie in einer Weise zu lösen, die im Interesse des Landes lag — bis zu dem Tage, wo sich daS Zentrum nickt nur getrennt hat von den änderet, bürgerlichen Parteien, mit denen zusammen S so große Aufgaben gelöst hatte, sondern wo eS die Regierung gezwungen hat, den Reichstag a u f z u l ö s c n. .in vorgeworfen. Die Regierung steht dem Flottenvercin gerade so unabhängig gegenüber, wie allen anderen Vereinen, Korporationen und Parteien. WaS insbesondere die Verstärkung unserer Flotte und daS Tempo einer Der- stärkung angelst, so können hier selbswerständlich nur die Er- tDÖgungcn maßgebend fein, bic im Interesse bcS Landes, seiner Sicherheit und feines Friedens die verbündeten Regierungen im Rahmen einer verständigen inneren und auswärtigen Politik für richtig und angemessen holten. WaS nun die Briefe angeht, die, dem Herrn Generalmajor Keim gestohlen worden sind (Hört, hört!), was diese dem Flottenverein offenbar in schändlicher und schimpflicher Weise gestohlenen Briefe angeht, so habe ick darüber daß Nachstehende zu sagen: Der Flottenderein bezweckt die Mi.wickung an einer nationalen Aufgabe, indem er in weiten Kr-isen Verständnis für diesen Zweck erweckt und für die Notwendigkeit, unsere Küsten zu schützen. Deshalb halte ick cs für durchaus begreiflich, daß sich Mitglieder dcS FlottcnvcreinS an diesem Wahlkampfe beteiligt haben, der sich um eine nationale Frage drehte und überseeische Angelegenheiten betraf. Inwieweit der Flottenvercin als solchcr in Aktion treten soll unb welchen Spielraum er seinen Mitgliedern für ihre politische Betätigung lassen will, daö zu beurteilen, ist lediglich seine Sache. Ick bin nicht der Flottenverein, das könnten Sie auch auö den Artikeln ersehen, die der Flortenverein mir gewidmet ha:. (Heiterkeit.) Wenn aber ein hervorragendes Mitglied aus dem Flottenverein zu mir kommt und mir erklärt, daß cl sich in den Dienst der nationalen Sache stellt und daß er bei den Dahlen den Standpunkt der Regierung vertreten will, io nehme ich eine solche Unterstützung bantbar an. (Sehr richtig!) Es wäre einfach lächerlich, wenn ein leitender Staatsmann, der bic Auflösung eines Parlaments |ür notwendig gehalten hat, wenn die Entscheidung herannaht, in bie Rolle einer Pagode verfällt Die Regierung ist durchaus berechtigt, gegen sie erhobene Angriffe zu widerlegen unb hierfür auch amtliches Material zur Verfügung zu stellen, ihren Rot, wenn er erbeten wirb, nicht zu verweigern. Niemand von den Herren, die bei mir gewcien sind, hat den Eindruck mitgenommen, als ob ich unberechtigt Wahlbecinflussung geübt hätte. Ob der General Keim m jedem einzelnen Falle daß Richtige getroffen hat, das zu entscheiden ist nicht weine Sache Aber gegenüber den Verlegenheiten, die Herrn Generalmajor Keim mit Hilfe gestohlener Briefe bereitet worden sind, will ich dankbar anerkennen, daß er seine Person unb seine Kräfte in selbstloser, aufopfernder, rastloser Weise in ben Dienss einer guten Sache gestellt bat! (Beifall.) Ich billige selbstver- ftänblich nicht gehässige Angriffe gegen die Perscn des GezneiS, unb ich kann sagen: Dährend ber 10 Jahre, baß ich hier auf bicser Bank sitze, habe ich meine? Wissens niemals einen politischen Gegner persönlich angegriffen. Aber anberSwo wird ei nicht immer so gehanbhcckt. Mn der Art unb Weise, wie die Sozialdemokratie diesen Wahlkampf geführt hat, werde ich mich wohl noch ju beschäftigen haben. Aber auch von feiten bei Zentrums ist in Wahlarrikeln, Wahlbroschüren, Wahlflug- blättern viel gesündigt worden. (Zustunmung.) , Ich habe hier eine ganze Blutenlese solcher Aeußerungen vor mir, da wimmelt cS nur so von Injurien und mehr als kühnen Behauptungen. Also, meine Herren, lesen Sie nur die schöne Parabel vom Splitter und vom Balken, denken Sie lange darüber nach, denken Sie an den Balken im eigenen Auge und messen Sie Freund und Gegner mit gleichem Mahel Von vielen Seiten ist die Frage aufgeworfen: Der hat bei bi c >. n Wahlen gesiegt? zielbewusst! Politik 'tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung Dienstag. Tagcsordiiung: Fortsetzung der Heutigen Debatte. Uttiverjitats-riachrichten. hc. lieber das neug eg rändele Institut für angewand: e P s y ch o G g i e und v > Y ci, o l o u i s ch e Saminelforschung oerüiientlicht Dr. O. Liv mann (Berlin) einen Artikel in b;i „ycn. S?(LD. Wochenschriil". dem wir folgendes entnehmen: Tas neu Institut Ml als Zentralstelle ,ür bte Crjciiqution gemein» scha^ii^ic Unter,'uchiuugcn und slir die Än^gc MK-wlvgiiciKr Sammlungen bienen. Es will nicht nur die FacMychowgen untereinander, sondern auch diese mit den Vertretern der mauaig« lactvii Anwendungsgebiete zu systematischer Arvcitsgememick isc lwroinden. Das Institut beabsichtigt demnach insveivuberc ,vlu,e psychologische Ergeviiistc zu gewinnen, die aus andere (jfcüietc des Leoins un: dcL '-L-iiienS Anwendung gestatten, aus die der Erziehung und des Un.erriu-tS, der Rechttpiieg., der Psychiatrie und Psnüw. Pathologie, einerseits, andererseits aus eine Zteihc theoretischer D>r,. ziplinen, wie Lrprachwisjenichast, Erkenntnistheorie, Ethit, Acsthetck usw. Das Institut wird von einem vom Vornande der Gesetischast ,ür eLperimentelle Psychologie eingesetzten Ausichuß geleite:, dem zurzeit Prof. G. E. Müller (Göttingeitt, Pros. E. Men- mann (Königsberg, Prof. R. Sommer (Gießen), Privoibv« 5ent W. Stern iBrescau) und Dr. O. L i v m a n n (Serrin) an- gehören. Die unmittelbare Verwaltung des Instituts ruht in den Händen der beiden Letztgenannten. Für jedes zu bearbeitende Spezialthema wird vom Ausschuss eine Kommission eingesetzt (bestehend auS Fach Psychologen und Vertretern des Anwendungsgebietes), die ihrerseits wieder tzilfsträite zur Durchführung ihrer Untersuchungen heranzieht. Gegenwärtig sind von derartigen Kommissionsarbeiten 4 int Gange, nämlich: 1. Forensische Probleme der Aussagepshchologie, 2. 'Pädagogische Probleme der Äusiage- psychologie, 3. liebernormale Begabungen, 4. Entwicklung des tind- tickien Deutens und Sprechens. Mit dem Institute ist ein Sarnintt- archio verbunden. Dasselbe enthält 1. die vom Institute selbst veranstalt.lcn Sammlungen, die sich auf bestimmte Psychologi|dh* Aeuherungen und Leistungen beziehen. Gegenwärtig verfügt dus Institut über eine Sammlung von etiua loUO Kinderzeichnungen, die noch vergröbert werden soll. 2. Psychologisch Gelegenhetts- und Lwhmaterialien (Tabellen, Protokolle, kasuistisch« Beobach, tungen usw.). Vermischte». * Ein Ehedrama in drei Aufzügen spielte sich dieser Tage im Inseratenteil der Jenaer Blätter ob. 1. Akt. Er: Warne hiermit jedermann, meiner Frau etwas auf meinen Namen zu borgen, da ich für nichts aufkomme. 2. Akt. Sie: Vlad) den vielen Brutalitäten während unseres Zusammenlebens hätte sich mein bisheriger Mann diesen letzten hämischen Angriff ersparen können. Er trifft mich nicht mehr, und wird die von mir bereits eingelcitcle Scheid imgsÜagc vollends Klarheit zwischen uns fd)affen. 3. Akt. Er: Ich mutz in dieser Angelegenheit be- riaiten, daß es unwahr und eine Beleidigung für mich ist, daß ich brutal gegen meine bisherige Frau gewesen sein soll, aber mancher Acann würde sie brutal behandelt haben für ihr gemeines Benehmen gegen mich, indem sie mir bei jeder Gelegenheit ihre Zunge entgegenstreckte, soweit eS ihr nur möglich war. Auch hat sie selbst nach mir geschlagen und mir dann noch die Worte (unter Beisein öon Zeugen- entgegengesäKeudert: „Es ist doch eine Schande Mann, wenn er sich von seiner Frau schlagen läßt." Dieses ist meine letzte Erwiderung, das andere findet sich. Damit siet der Vorhang, denn „Sie" verzichtete <ßerid?t»faal* ** Nachgebote bei Jagdverpachtungen. Eine interessante Entscheidung fällte am Samstag der Provinzial- a u s s ch u ß der Provinz Starkenburg in einer Jagd- v e r p a ch t u n g s s r a g e. Die Gemeinde Lenqseld t. C. Hane int Februar v. Js. auf einer Versteigerung dem Professor Sengel in Larmsladt, der 1650 'Ulf. geboten Halle, den Zuschlag erteilt. Bald darauf halten aber zwei Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft ein sog. Nachgebot eingelegt und mit ItiüO Nif. den Zuschlag auch er- aalten. Professor Sengel strengte nun Klage an. Ttt Kreisaus- schuß erkannte int Juni v. Js., daß den beiden Gutsbesitzern die Jagd zttzusprecheu sei. In der Berusungstlage erklärte sich der Promnztalaueschuß zunächst nicht für znuändtq, da es sich um eine Bejchtverde gegen den Beschluß des Bürgermeisters handle, wobei das Rreisantl zuständig sei; das hierauf angerufene Ministernmt entschied ober dahin, daß doch der Prooinztalausschuß zusläitdig set. Dieser hat mm das Urteil des Kreisausschusses vom vorigen Jahre atisgehobeit uttd enlschiedett, daß der Beschwerbe des Prof, senget slattzugeben und ihm die Jagd zuzusprechen fei, unter Verurteilung der Gentemde in sämtliche Kosten, infl. der Attwaltskollen des Gegners und zur Zahlung enter Avetsionalslrafe von 40 'Ulf. sozial denkender Derr) suchte zwischen Sozialismus und Natio- nalismus zu vermitteln und bemühte sich darzutun, daß es mit dem Klassenstaat bei uns nicht gar so schlimm bestellt sei." Nun der Schluß: , , , w , „Wie sehr die S t u d e n te n > ch a st noch Neuland tst, zeigte z. B. das k i n d i s ch e V e r h a l t e n d i e, e r I ü n g e l - ch e n, als auch eine Frau, die Genossin Michels, sich an der Diskussion beteiligte. Es kommt daraus an, diesen Studenten erst einmal die b e n e b e l t e n K ö p f e z u w a s ch e n, damit sie einigermaßen aus den Augen gucken können, die einstweilen noch jämmerlich trübe sind lind diese Kopfwaschung ist ihnen gründlich zuteil geworden." So steht es in der „Dbcrhcss. VolkSztg." Das sind doch „gute Kerle", diese von Objektivität triefenden Sozialdemokraten, um mit den eigenen Worten eines sozialdemokratischen Blattes zu reden. Bei ihnen allein ist wissenschaftliche Schärfe, die anderen „bemühe n" sich nachzuweisen, „suche n" zu widerlegen, machen „künstliche" Konstruktionen. Die Studettten allein haben „benebelte Köpfe", sind „Jüngelchen", verhalten sich „kindisch"; so etwas sind sozialistische junge Leute nicht, und so etwas tun sie auch nicht! Ja, wenn man nicht das Gegenteil davon erlebt hätte. Ta reden die sozialdemokratischen Führer, ober vielleicht besser gesagt Verführer, von dem ©neben nach höherer Bildung, wollen jedem die höheren Schulen zugänglich machen und die jungen Leute, die solche besucht haben, die aber nicht sozialdemokratisch gesinnt sind, schmäht man, als ob sie unfähige, unwissende Menschen seien. Dieser fratzenhafte sozialdemokratische Klassen- büitfel begeifert aber alle Andersbentenden, fuujt den Arbeitern und auch anderen solche unsinnigen Borsteltnngen von ihren Mir- menschen zu machen, um diese in den Augen ihrer Dorer uiib Leser als halbe Barbaren in geistiger und sittlicher Beziehung zu kennzeichnen: sie suchen den Glauben an Wissen und Verstand, Gefühl und Sittlichkeit ihrer Parteigegner zu untergraben, um den Boden für ihre unfruchtbare Saat zu bereiten. Nur noch eins. Der Herr Genosse Michels sagt: „Der Proletarier hat kein Vaterlanb." Der Proletarier wäre also nach der Meinung dieses Herrn ein vaterlandsloser Mann! Stimmt das? Freilich ist neulich bei Hoch- nifeu auf das Vaterland mancher Sozialdemokrat sitzen geblieben, aber viele haben sich auch erhoben und gezeigt, daß sie noch nicht vollständige Opfer jener Jrrlehrer sind, daß sie noch einen Funken von Vaterlandsliebe, ja — wie wir persönlich erlebt haben — von Liebe z u m Landesfürsten haben. Diesen Funken gilt cs z u s d) üben gegen jene Leugner d c s Vaterlandes, zu Ucgen und zn pflegen. Die Sozialdemokratie ist natürlich bereiis eifrig an der Arbeit, ihre Mißerfolge nach Kräften das nächste Mal zu Erfolgen zu geftatteji. Alle National'- gesinnten, einerlei welches bürgerlich-politische Glaubensbekenntnis sie hoben, müssen dagegen ar- beiten. -W.i r w v 11 e n in u n s e r e m V o l k e d e n w i r t s ch a fl- Li ch S ch w a ch c n Hülfe zum Vorwärrsko m men, Schutz bei eintretender N o r gewähren und sch affe n;vergessen>virda bei nicht,dieVolkSseele gegen Irrlehren zu schützen. gute wmrnen. auf dicjc zmoeuiungen ocicyrmut: >er jetzigen Mehrheit, die zu meiner Genugtuung legebcn hat, halte ich eine fruchtbare und zielb ! ehr wohl für möglich. Diese Politik wird um so fruchtbarer fein, je mehr sie getragen wird vom Vertrauen zwischen den MehrhcitL- Parteien und den verbündeten Regientngcn. Möge dieses Ber« .itauen sich immer mehr festigen und wachsen zum Wohle des putschen Volles und zum Besten der ihm gestellten großen Aufgabe. (Lebhafter Beifall und Händcllatscheu., Es folgen persönliche Bemerkungen Eickhoffs und dann der Prinzipale ttnb Hanolungc-gehülfen. Uebcr dieses Thema sprach am vergangenen Freitag, den -2. ds. MtS., Herr W. Beckmann aus Köln und zwiar im reisver e in Gießen vom Ver b a >'.de D e u t s cher Handln u g s g e h ü l f e n S'N Leipzig. Der dtebmer legte seinem Vortrag folgende 3 Fragen zu Grunbe: 1. Gibt es überhaupt eine Interessengemeinschaft. 2. Waruin spricht man so bitt vom Jntereffengegeusatz. 3. Und wie kann auf einer neuen besseren Grundlage die wahre Interessengemeinschaft wieder aufgcbaut werden. Mit einem Rückblick auf die fogeuanntc gute alte Zeit, wo uod) beifere p e r j ö n l i ch e Beziehungen zwischen Prinzipal und Angefleliten, auf beiden Seiten gegenteilige Achtung vorherrschten, eröffnete der Redner seinen Vortrag. Der frühere kaufmännische An- gcltelile betrachtete seine GeHülsentätigkeit nur als Durmgangs- ifabium zur Selbslündigreit, wenn er neben einem großen Teil ljuinaner Prinzipale, gcu.ibc einem inhumanen Prinzipal seine Tattgkeit widmen musste. Diese guten persönlichen Beziehungen zueinander find aber durch die Entwicklung zum Großbetrieb, öl'arteile, ^ynbitate und Trusts beinahe verwischt und eine Jn- tcrefjengemeinichajt ist heute fast nur noch in mittleren Geschäften ju jinbcit. Anderseits ist es oev Mehrheit der Angestellten durch diese Entwicklung zum Gwßbelrieb unrnöglich gemacht, sich felb- liänbig zu lunchen und das wirtschajttiche Uebergewicht liegt in wenigen Händen. Es wird dann versucht, diese Macht auch zur Anwendung zu bringen und zwar durch Beschränlung der Frei- zugigleit, Könkurrenztlansel, geheime Abmachungen rc. Hieran an>chliegend streifte der Redner bad Abtommen der 0 Banken, der eeibcnmarinrabutLänteit Berlin, der A. E. G. in Berlin und kam zu der Schlußfolgerung, daß in vielen Derartigen Großdettieben gewifie Iiireijengcge:ifätze vorhanden sind, weil eben das Gegen- leitige Verständnis und Entgegenkommen zwischen Prinzipal und ungcitelitCH fehlt. Zur Beseitigung dieser Uebelstande ist cs notwendig, dag ein Ausban oer Organisation auf beiden ssetien etioigt, wen durch gegenteilige Vereinbarung zwischen den <,rganifationen liiij Vieles durch gegenseitige Verständigung er- reichen lagt, luvzu heute die Gesetzgebung in Anspruch genommen *ünx\ bicfe Organisationen fruchtocingcnd feien, erläutert: Der Redner an verschiedenen Bv.ifpiel.ik, hauptsächlich führte er das gute Veryaltnis zwischen Arbeilgerern und-Nehmern in England an, sodann den Vuchdruciertarif in Deutschland. Diese (gebauten seien .uud für sich richtig und müssten sich auch, auf irgend eine Äeile für die Haublungsgehülten verwirklichen lassen, beide Teile rvjtc n.n nenötigt, aufeuianver Rücksicht zu nehmen und das Geschäftsinteresse, also die Jiltercjsengemttuschufl, die Doch im taufinännischeii Leben so nötig ist, wäre bcibcrieitig gewahrt. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet müßte die Mithülse der t'aiifni. Angestellten als wüntchenswert bezeichnet werden. Dafür wären die Handlungsgchülsenkammern die richtige Steile, wo der Angestellte leuic itcnittnijic auf dem Gebiete der Zoll- u. .Handelspolitik verwerten könne unt> mit der Zeit auch müsse. Wenn von den Prinzipalen immer in dem Angestellten der Mitarbeiter erblickt würde, dann wurde auch der Gegensatz in Bezug auf Sozialpolitik, bic eben durch die Vcriwltuiste notibi-nbig wurde, erleichtert werden und der Weg zu einer neuen besseren Grundlage Der wahren Jntereiiengemclnschaft, sei damit wieder gefunden. An diesen Vortrag, der seyr bciiäliig ouigenommen wurde, fmioß na) eine ausgeoehntc Debatte, an bet sich Fabrikaiu Älmgfpor und von Seiten der eingestellten die Herren Ditt- mavunb Weidig beteiligten. In vielen Punkten war überein« ftimmenbe schüttelt, als wir aufeinandeistießen in byt heiligen Hallen des Reichstags. Wir kämpften vor zehn und mehr Jahren miteinander, also zu einer Zeit, da die Schnfterle des ReichSverbandes die Wahlkämpfe noch nicht vergifteten. .....Immer neue Mämwr tauchen im Hause aus, darunter viele, die mehr durch ihre Orden Aufsehen erregen, als durch charakteristische Köpfe oder Gesickstszüge, die auf irgendwelche Intelligenz schließen lassen. Das sind die „nationalen" Volksvertreter, die der düpiertt Spießer in den Reichstag geschickt hat, damit dem Michel das Fell in etwas schnellerem Tempo über die Ohren gezogen werden kann. Bei fdern Anblick eines dieser „Patrioten" konnte ich das Lachen beim besten Willen nicht unterdrücken, der „Kollege" hatte sich mit Orden und Bän- beni herausgeputzt, wie die Niedenknipper Knilckie, wenn sic zur Musterung gehen. Mein helles Auflachen hatte einen meiner süddeutschen Freunde an meine Seite gerufen, der sofort den Gri"V meiner Heiterkeit erkannt hatte: „Gella du lachst iwwer den oall'eten Buer, der sich rausputzt hoat, wie van Pfingst- ochs!" . . . Einige Männer sitzen in meiner Nähe, die ich seit vielen Jähren kenne, mit denen ich auch schon gerauft habe: Pfarrer Naumann, der Vater der Nationalsozialen, und Professor L-tengel,der freisinnige Meisterschaftsdurchfaller von Gießen und Eschwege; mit beiden hatte ich außerordentlich intcressantc akademische Diskussionen in Gießen und Marburg. Wir stritten um große Probleme vor Versammlungen, die vornehmlich von ^tuoenleu und Professoren besucht waren. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an diese Auseinanderfetzungen denke — aber mir kriecht der Ekel int Halse hinauf, toenn ich daran erinnert werde, mit weichen Nichtswissern und blöden Schwätzern Itler letzte Wahlkampf ausgefoästen werden mußte, welchem politischen Lunipenpack man auf Schritt und Tritt nachgehen mußte, um Lug und Trug aufzudecken! -schwamm drüber." Was zuerst bei imefeni selbstgefälligen Geplauder auffällt, D die einerseits gcriiigschätzige Art, in der Herr Sch. von seinen Gegiiern in Marburg, besonders vvn einem hervorragenden Ge- Myrten wie "tzrof Stengel spricht, und nachher ooch von der wij,enschafilicheu Erörterung großer Probleme redet, bei deren 1)111 "°ch das Master tut Munde zusammeuläust. Tie Milfenschaft war da gewiß auf seiner Seite! Auffallend ist Jr!• ?^?'0ser Erwählie des Volkes fder doch der Partei angcljört, bie fidj_felb)t mit Vorliebe als die einzig wahre Volkspartei .Pn"ö»p der Wahl der Volksvertretung burd) die Mann c verficht. Man sollte meinen, daß ein solcher ^us „A chtung vor i> e rn Prinzip, das er vertritt dli Jt«Atcnf vorglbi, a u d> Achtu n a v o r d e n E rw ü h l - ten b eö Volkes empfindet und äußert, selbst wenn diese er anderen polüifdjcn lleberzeugung huldigen Statt bVii’en SS'blfen^a^teriflVaK Kopf", dieser Lertrettr der „Jn voJ;1ll0en-a 'die wie er burd> das allgemeine (Stimm« hbCH ^eichstag entsandt worden sind. Bedeutet do^ De^ ank^ij'r'p oder Mißadstung? Stärkt oder schwächt An, ehen der Vollsvertrelung ? Um politischen K „ bhe|Ct Kbstbewutzte Herr von anderen Lunipcnvack rÄI'J11.13BaWfüm,)fe fl>cU>t: politisches r S t'lc h r in 2!.Il?ffCtnon parlamentarisckMn Ausdruck, öffentliche 2 il " ’°A ^Cl,t-un3 einen Bericht über eine und @eMf|e°canbrCfbSeeilf ‘fötten ®enof>c Dr. Michels und S-S -r sc und wicS nach, dass d ic Mch°F«i "b ?ä“»bVt?“ ^iscn u^c^Ln uu..»scch-da--n Le- ähnlich ne?hlnfteh«ffVeÄ0U^tCtbe’? LsL T" ^nÄ^m'8 b" ^ud°L Später heißt es: „Der ictanntc Lros. Nntoip (nebenbei bemerkt ein sehr — cs ist beinahe unglaublich imb spricht jedenfalls zu ihren Gunsten — auf ba§ letzte Wort. * D er faulste Mensch der Erde. Aus London wird geschrieben: James Thompson, ein kerngesunder Mensch, ging eines Tages im Jahre 1877 zu Belt mit dem unvergleichlich philosophischen Entsästusse, dort den Rest seines jungen Lebens zu Derbringen, und führte den Entschluß aus. Ganze 29 Jahre hat er in diesem irdischen Paradiese zugebracht. Seine alte Mutter hat ihn gefüttert, und im allgemeinen wußte fern Mensch von seiner Anwesenheit. Ta« war in dem kleinen Oertchen Elare bei Belfast. James hätte weiter in seinem Buen Retiro dahin- geschlummert, lucnit nicht eine „force majeurc", wie die JS r- sicherungspapiere sagen, ihm einen Streich gespiett hätte. Seine alte Mutter wurde plötzlich krank und mußte ins Hospital gebracht werden. Nun war ntematii), der ihn füttern konnte, und wohl oder übel mußte er aufstehen. dtach vieler '.Nähe fanv at-.ui die Kleider, die James vor 29 Jahren abgelegt hatte. 2:set- allein konnte er sich nicht mehr aiüleibcn, unb drei Mäuu-.r brauchten einen ganzen Abend, um die Sachen über die fasen Glieder zu ziehen. Gehen konnte er auch nicht mehr und muftie i; rum in einem Ambulanzwagen in ein Asyl gebracht mer.-. -. Als jedoch die Mutter wieder gesund wurde, ließ sich i er ;< ■ nimgsvollc Sohn wieder Heimtragen, legte sich soforr i i. r zu Bett, und da liegt er nun wieder uno sieht vertrauensvoll der Zucnnit entgegen. Dio arme Mutter aber hat um Armenun: er« stützung einkommen müssen. Bergcblick) suchten bic Acrztc, den faulen Mann auf bic Beine zu bringen. Sie haben ihm brennende Pflaster aufgelegt: umsonst; iic haben ihm elekcrisckien Sttorn dura; bcn Körper geleitet: umsonst. Nun haben es selbst oie Aerzte aufgcgebcit, den stillen Frieden des Mr. James zu stören. gpitlplaK drr «ninigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 27. Februar *): Festvorstellung zum Besten des Thealci-.Pcnsions'ouds: „Zehn Pfädchen und kein Timin." Hieraus: .Vcrgißineiniucht." (Ballett.) Donnerstag den 28. Fcbr.: „Nienzi." Freitag den 1. März geschlossen. Samstag den 2. Dlärz, abends halb 8 Uhr: „Salome.* Sonntag den 3. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Ter Zigeunerbaron." Abends 7 Uhr: „Das Glück." Hieraus: „Tie Enlsiihrung aus dem Serail.' Montag den 4. März, abends halb 8 Uhr: .Die luftige Witwe." Schauspielhaus. Mittwoch den 27. Februar: „Ter heimliche König." Donnerstag den 23. Febiiiar, abends halb 8 Uhr: „Uriel Aeosta." Frcnog den 1. März: „All-Heidelberg." Sauistag den 2.'März: „Medco." Sonntag den 3. Marz, nacl)ini(tngg halb 4 Uhr: „Hujareusieber." Abends 7 Uhr: „Zapfenstreich." 'Montag den 4. März: „vof- gunsttt Tieiislag den 5. 'März: Zum ersten Nia le: „S o", st oas Leben." Bon Frank Medetind. ') Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abend« um 7 Uhr. Was sollten Nervöse, Abgespannte, körperlich u. geistig Ueberarbeitete usw. sür sich tun? Täglich ein Ncrvcnstärkungß- unb Bluterzcu- gungSnuttel wie Bioson trinken, das alles andere überfülffig macht iuic ans nachnehendein amtlich beglaubigten Bericht hcroorgeht. _ e-, '«i* e t.tl n Bredow, 'Metzstraße 33 HL, den 10. Juni Ob. Ihrem Mnmche nachkommend gebe ich Ihnen hiermit unsere gcmaditcn Erm irnngen mit „Bloson" an. Wir gebrauchten 6 Pateie ""b zwar erst 4 m 0 Wochen und nach einer Banse von 14 Tagen weitere 2 Pakete. Jedes Patel reichte 10 Tage. Mein Manu nahm „x.iiofon gcgcii nerubic .Koyfichmerzen, infolge geistiger Ueberainrrengung und ich zur Borveugung gegen Die im Frühjahr juunev am schlmimnen auttretenden Erscheinungen der Blutarmut. Die Wirkung benieöimc uns beide. Bei meinem Mann verschwanden bw ötovfichmerzen und bei mir blieb das sonst alttährlich ^ ,'nde^hremaufen aus. :uiein Ausfehen war gesünder und 7°?. tiÄ.nc'n?!n/lb.en besseres,- eine Gewichtszunahme toimten l^^Ueüen. Besondere Erscheinungen haben wir brand und Herrn Fischbeck oder Schrader. (Sehr richtig.) Es Wmt darauf an, daß diese Mehrheit fähig ist zu bofihber Arbeit. Dieser Mchrhcitszusammcnsetzung werde ich auch Rtdtt Kung tragen Neben dem vollen Schutze der Landwirtschaft werde lch die Industrie fördern unb die Fürsorge für bie Arbeiter betreiben. Mauck-cn Wünschen des Abg. Bas,ermann wird näher- tzetteten werden: Erspaniissc burch Vereinfachungen tn d^r Armee, Reform des Strafrechte-- unb Der Strafprozeßordnung, Verbesserung der Bcamlenvcrhältnisse unb Besoldungen, Bcfchränkung der Majestätsbcleidigunaspwzessc, wie cs der Initiative bcs Kaisers entspricht. Unsere Börse muß in ben Stand gesetzt lverden, den ÄnsorDerungcn als ein wichtiges wirtschaftliches Instrument belfer «als bisher zu genügen (Bravo). Wir werben eine gesunde, vorurteilslose, vernünftige Sozialpolitik sortsetzen. (Beifall.i Aus diesen Gebieten wirb nicht Rückschritt oder Stillstand, sondern Fortschritt die Losung sein. Auch dem Mittelstand soll dies zu- aute kommen. Auf diese Andeutungen bcsäjränke ich mich. Weit bpr ichiaen Mehrheit, die zu meiner Genugtuung uns bas Voll