Nr. 123 Erstes Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 29. Mai 1907 Erscheint täglich «er«™ a a. Ä Bezugspreis: °u-r eonn,a0«. S* Q A Äffi"S Dem Gießener Anzeiger gl yA Zk A ^Ayts> .A. XK ZXA ^Ubbole- u. Sroexqlicden ^M(hi(>tt(>|t^t Äli Wi sä Vtvyvitvt e=?» SB General-Anzeiger für Oberhesien WW ^«uzeiger G^ctz^n." Rotafionrdrnck und Verlag der vrühl'fchen Uni? vuch- und $M.$nöru(fere?. F. Lange. Heöaftion, Expedition und Druckerei: Zchnlftrahe 7. ^^enlexl'"^a^s Beck £ie veutige Dummer umfaßt 10 Seiten« Aer neue Kcgent von Nrauusa-weig. Johann Albrecht von Mecklenburg, der am Dienstag zum Regenten von Braunschweig gewählt wurde, steht im 50. Lebensjahre. Er ist seit 1886 mit der vier Jahre jüngeren Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, einer Vatersschwester des regierenden Großberzogs, vermählt; die Ehe ist kinderlos geblieben, was in den Augen der braunschweigischen Welfen als Vorzug gelten dürste, weil damit die Gefahr der Begründung einer neuen Dynastie unter dieser Regentschaft aus dem Wege gerückt ist. Herzog Johann ist übrigens zurzeit, solange aus der Ehe seines Ressen, des regierenden Großherzogs von Dtecklenburg-Schwerin, mit der Prinzessin Alexandra, Tochter des Herzogs von Cumberland, noch keine itinber hervorgegangen sind, auch der nächste Anwärter aus den Thron des obotrttischen Großherzogtums, da sein älterer Bruder, Herzog Paul Friedrich, durch seinen Uebertritt zum Katholizismus, dieser Anwartschaft verlustig gegangen ist. Bekanntlich ist das Anrecht Johann Albrechts als Verpflichtung bereits praktisch geworden, da der Herzog von 1897 bis 1901, während der Minderjährigkeit seines Reffen, die Regentschaft für ihn geführt hat. Richt zum wenigsten seine Erfolge in dieser Tätigkeit werden den Blick der Braunschweiger aus ihn gelenkt haben; wenn auch so manches von den Geschieh tchen, die zu seinem Ruhme als Regent erzählt werden, zum eisernen Bestände monarchistischer Anekdoten gehören mag, — so viel bleibt immer davon übrig, daß der Herzog das aus verschiedenen Gründen nicht leicht zu hütende Erbe seines Bruders Friedrich Franz 1IL mit Geschick und Glück verwaltet und seinem Ressen nicht nur ungeschmälert übergeben hat. Sind aber seine Verdienste um fein Heimatland nur in dessen engerem Bereich ui.d darüber hinaus nur einigen Wissenoen belannt, so hat sich Herzog Johann Albrecht in weiten Kreisen Gesamtdeutschlands durch sein überall sichtbares Wirken an her Spitze der deutschen Kolonialgesellschaft ausgezeichnet, deren Vorsitz er, mit einer Unterbrechung durch die vier RegentschastSjahre, seit 1895 führt; ziemlich ebenso lange gehört er dem Kolonialrat an. Hier hat er sich als Mann von Weitblick, den er auf weiten Reisen geschult hat, und von Unternehmungsgeist bereits zu einer Zeck bewährt, wo der koloniale Gedanie noch keineswegs voltsiümlich war, und außerdem an den Tag gelegt, daß ihm so schwer vereinbare Herrschergaben wie gemütvolle Freundlichkeit und zielsichere Entschiedenheck gleichzeitig innewohnen. Des Lobes seiner Persönlichkeit ist ein j.eder voll, der ihm in dieser Tätigkeck' näher getreten ist. So darf Braunschweig begründete Hoffnungen auf dieses neue „Provisorium" setzen, dem doch wohl eine ziemliche Dauer bevor steht. Die Regierung des Landes wiro unter einem Manne, der für alle Forderungen modernen Lebens einen offenen Sinn hat, sicherlich nicht schlecht fahren, die Hofhaltung unter einem Fürsten, dessen persönlicher Liebenswürdigkeit die Zurückhaltung seines Vorgängers fern liegt, und dessen Gattin die Ueberliefe- rungeu ihrer kunstliebenden Heimat mit Wärme pflegt, zu neuem Leben erwachen, das bei dem Reichtum des Regentenpaares zweifellos auch Handel und Wandel die lang entbehrte Förderung bringen wird. Die ausgleichenden Momente aber, die in dem Wesen wie in den persönlichen Beziehungen des neuen Regenten liegen, werden das ihrige dazu nm, um den unerquicklichen Streit, der das Herzogtum nun schon seit langen Rtonaten in zwei Heerlager scheidet, zu begraben und die Wunden zu heilen, die er geschlagen hat. lieber den zukünftigen Regenten entnehmen wir der„R. G.-C." noch nachstehendes: Grost, schlank, da§ längliche, etwas blasse Antlitz nur von einem dünnen, hellblonden Schnurrbarre geziert und das Haupt mit aufsallenh hoher Stirn etwas kahl, — so präsentiert sich die äußere Erfcheuiung des Herzogs Johann Albrecht. „Abi Mecklenburg", — so nannten den Herzog seine Kameraden des Leib-GardL-Husaren-Ziegiments, dem er fast fünfzehn Jahre als aktiver Offizier angehörte. Koimnandeur der Garde-Husaren in Potsdam war damals der Prinz Wilhelm von Preußen, und so hatte der jetzige Kaiser den Regenten zum militärischen Untergebenen und trat ihm freundschaftlich nahe. Es ist zum Teil gewiß auf diese periönlichen Leziehungen der beiden Fürsten zu einander zurückzuführen, daß der Herzog sich in der Folge mit voller Hingebung und ernstem Eifer der Förderung unserer kolonialen Interessen zuwandte, für die der Kaiser vermehrtes Verständnis uiw gesteigerte Anteilnahme in arten Kreisen des Volkes erstrebte. Tie äußeren Daten dcS Lebenslaufes des Herzogs Johann Albrecht sind mit wenigen Worten gegeben. Er kam am 8. September 1857 in Schwerin zur Welt und ist der dritte Sohn des 1883 verstorbenen Großherzogs Friedrich Franz II., des Führers im Kriege gegen Frankreich, aus dessen erster Ehr mck der Prinzessin Auguste Reuß-Köfiritz. Seine erste Erziehung erhielt er auf dem Vitzthu^nfcken Gymnasium in Dresden, besuchte 1878 die Kriegsschule m Metz, studierte Jura in Bonn und trat dann beim Garde-Husaren-Regiment ein. Bei den Potsdamer Husaren war der, .Herzog zuletzt Major vom Stabe. Er schied aus dem aktiven Dienste aus, um 1895 die Wahl als Präsident der Teutscheti Kolonial-Gesellschaft anzunehmen. Roch in demselben Jahre besuchte er selbst Deutschlands bedeutendste Kolonie Ostafrika, und andere Reisen haben ihn, der vielleicht der „meistgereiste" deutsche Prinz ist, durch fast alle Länder Europas, nach, Asien und nach Rordamerika geführt. In seinem militärischen Verhältnis ist er allmählich kns zum General der Kavallerie ^gestiegen. Die Universität Rostock ernannte ihn, als ihren Förderer, 1901 zum Ehrendoktor in all ihren vier Fakultäten. ♦ Der „Braunschw. Landesztg." zufolge erklärte sich Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg bereit, die Deputation des Landtags am nächsten Samstag im Schloß Wckigrad zu empfangen. , Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin vom 28. Mai: Wie wck erfahren, loirD erst am 31. Mai oder 1. Juni eine Deputation ruier Führung des .Staatsministers v. Otto zu Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg sich begeben, um feine Entscheidung entgegenzunehmen. Der Tag für den Einzug des Regenten steht noch nicht fest. Die bisherigen Nachrichten über die Zeit des Einzuges beruhen aus Kombinationen. Ter braunschw. Landtag hat übrigen^ dem viel angefeindeten St'atsminisler v. Ltw eine VertraucnS^undgib . ng zutcil we.den lassen. Herr v. Otto sprach daraus recht elegisch über daS ihm vielfach bekundete Mißtrauen und wünschte schließlich, daß eine gleiche Zeit der Regentschaft für das Herzogtum nicht wieder notwendig werde, sondern daß, wenn einmal die RegierungS- verhaltnisse des Herzogtums einer Neuordnung bedürften, diese Regelung aus Grundlage der Verfassung und der Thronfolge- ordnung für die Dauer erfolgen möge, Tcr Königsgast aus Siam. Ter interessante fremdländische Gast, dejsen Besuch in Deutschland bevorsteht, der König von Siam, — er hat, wie jeder Gebildete am Schnürchen herzusagen weiß, den kurzen und bequemen Namen Somdet Phra Paramendr Maha Thougkul Tschao Fa Tschula Longkom — wird auch in der Reichshauptstadl einen würdigen Empfang finden, entsprechend den augen-hmeu Beziehungen zwischen Deutschland und dem hinterindischen ^taat. Dem veredelnden Einfluß der Kultur des Westens hat sich besonders Köitig Tschulalongkorn, so wollen wir der Einfachheit halber sagen, zugänglich gezeigt. Unter seinem Regiment milderte sich der in Asien übliche Tepotismus, und fürstliche Besucher aus Europi, so Prinz Heinrich von Preußen und mehrere bayrische Prinzen, sanden in Siam die großartigste Gast- sreundschast. Deutschland hat dort keine anderen a.5 l>andclS- polilische Interessen, denen es natürlich von Nutzen ist, wenn dem Könige ebenso ehrenvolle Aufnahme im Bereich der deutschen Grenzen bereitet wird, zumal ihn die weitere Rundreise nach Paris führt, wo er außerordentlich gefeiert werden dürfte. Tas an Siam durch die Nachbarschaft des unter französischem Schutze stehenden Kambodscha politisch interessierte Frankreich hat vor fürs em einen GebietSaustausch mit (Siam vollzogen uiü) bei diesem Vertrag ohne Zweifel das bessere Gesck-äst gemacht, woraus der Münster des Aeußeven, Pichon, denn auch nicht wenig stolz ist, zumal es seinen ersten staatsmännischen Erfolg darstellt. Freilich hat Pichon dabei die Geschäfte Deutschlands zumteil mitbesorgt, denn das von Frankreich errungene Zugeständnis des Rechts zum Grunderwerb für ferne Bürger in ganz Siam hat ohne weiteres Wirksamkeit auch für deutsche Staatsangehörige, da den letzteren nach Artikel 23 des zwischen Deutschland und Siam getroffenen Abkommens die Teilnahme an allen, einer anderen Nation bewilligten Privilegien eingeräumt ist. Wahrscheinlich wird deutscherseits von diesem Recht Gebrauch gemacht werden: es ist jedenfalls zu wünschen, denn durch den Abschluß des Vertrages steigt das Ansehen Frankreichs in den Augen seiner asiatischen Untertanen, und weil darunter das chinesische Element stark vertreten ist, würde es die Autorität Deutschlands kräftigen, wenn die deutsche Gleichberechtigung mck Frankreich derart zum Ausdruck gebracht würde. Die Vermutung, Minister Pichon sei bei seinen Vertragsverhandlungen mit der siamesischen Regierung unterstützt worden durch die englische Tiploutatie in Bangkok, ist wohl nicht un- zutrefsend; sie macht den im Vertrage auch für Deutschland besiegelten Gewinn erst recht erfreulich. Einen Kvnflikt nach Art des marokkanischen kann es in Siam nicht geben, denn gerade der vom Minister Pichon abgeschlossene Vertrag schützt Deutschland vor der Unterstellung, es gebe in diesem hinterindischen (Staat auf Landerwerb oder Vorherrschaft aus. Ein Wort wäre noch zu sagen über die finanziellen Beziehungen Deutschlands zu Siam. Bei der letzten Etatsdebattt im Reichstag tadelte es der Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.), daß die Siamesische Staatsanleihe zur Zeichnung unb zum Handel in Deutschland zugelassen sei; die Sicherheitsgarantie für diese Papiere sei mangelhaft. Es ist nicht zu ersehen, warum die Anleihe Siams geringwertiger fein soll, als andere Schuldverschreibungen des Auslands, die in wiederholter Auslage aus dem deutschen Geldmarkt angeboten wurden. Das kauflustige Publikum ist durch die Organe der öffentlichen Meinung zur Genüge unterrichtet davon, daß beim Erwerb ausländischer Fonds das Risiko im Vergleich mit den inländischen stets großer ist. Werin nun die deutsch-asiatische Bank sich vereinigt mit der englischen Hongkong- und Shanghai-Bank und der französischen Bank von Indo-China zur Uebernahrne einer Siamesischen Staatsanleihe von drei Millionen Pfund, so liegt darin doch wohl eine gewisse internationale Bürgschaft für die Käufer der Titres, die nicht ohne Wert ist auch in politischer Hinsicht unter dem Gesichtspunkt der gesamten ostasiatischen Politik. Gerade weil Deutschland festhätt am Grundsatz politischer Neutralität im lernen Osten, bedeutet sein finanzwirtschastlicher Anschluß an England und Frankreich gewiiscrmaßen eine Rückversicherung gegen politische Ueberraschungen unliebsamer Art. Je mehr Glieder an die Kette dieses Anschlusses gefügt werden, umso weniger braucht man wohl Sorge zu tragen um die politische Zukunft von Deutsch-China. Deshalb ist grundsätzlich kein Widerspruch zu erhebeii gegen die Oessnung des deutschen Geldmarktes für den Staatskredtt Siams, dieses von der Natur reich bedachten und kommerziell entwicklungssähigen Landes. Es wird dem Besuch des Königs Tschulalongürrn in Deutschland ja auch nichl gleich eine neue Anleihe folgen. Im Hinblick schließlich auf das demnachstige Eintreffen japanischer Kriegsschiffe in Kiel darf dem unbedingt vertrauenswürdigen Gast aus Siam ein befoiiders freundlicher Willkommensgruß entboten werden. Aus StaOt itnO Land. Abdruck unserer durch Korrespoudeuzzeicheu kenntlich ge- »uachten Orgiualartikel ist nur unter genauer Quelleuaugabe (Gieß. Auz.) gestattet. Gießen, den 29. Mai. — Personalnachrichten. Se. Königl. Hoh. der Großherzog bat am 25. Mai ds. Js. den provisorischen Lehrer an dem Lehrerseminar zu Friedberg, Lehramtsassestor Schassnit zum Oberlehrer an dieser Anstalt und den Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen Friedrich Wenzel zum Oberlehrer an der höheren Bürger-(Mädchen--Schule daselbst ernannt. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Brauerschwend, Kr. Alsseld, Daniel Stein auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner ,nehr als 50jährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Juni an, und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher in Hirschhorn Adam Botzlcr zum Gencyis- Vollzieher in Offenbach. * * Das Großh. Hess. Regierungsblatt, Beilage Nr. 14, bringt u. n. eine Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zrir Bestreitung der Bedürfniffe der Landjudenschaft der Provinz Oberhefsen betr. • • Hessischer Richterverein. Tie am Samstag zu Frankfurt a. M. abgehaltene und zahlreich besuchte ordentliche Iahresversammliing deS Vereins beschäftigte sich u. a. nut einem aus Gehaltserhöhung bezüglichen Antrag, gegen den sich von verschiedenen Seiten Widerspruch über Zweckmäßigkeit u. s. ro. cmeS solchen Vorgehens zur damaligen Zeit geltend gemacht hatte. Nach längerer AuS- fprache wurde ein siebcngllederiger Ausschuß gewählt, der bis zum Herbst einschlägiges Matena! zwecks geeigneter Verwendung desselben erheben soll. • • Die Manöver des 18. 2lrmeekorps finden zum größten Teil in Oberhesten und den preußischen Kreisen Hanau, Schlüchtern, Gelnhansen bis nach der Gegend von Franlsurt und Offenbach statt. Wayrend die 25. (hessische) Division mehr in der Wctterau zwischen Hungen, Dlidda, Büdingen, Friedberg, Btitzbach, Lich il)c Brigade- und Divisionsinanöver abhält, ubt die 21. Division in der Gegend von Schocken, Gedern, Grebenhain, Freiensteinau, Schlüchtern, Birstein und Wächtersbach. Diese Divisions-Nranöver finden, vom 4. bis 16. September statt unb daran schließen sich die KorpS- mattöver in der Gegend von Gelnhansen, Hanau, Windecken. Am 19. Sept, gehen die Manöver voraussichilich zu Ende und an den nächsten Tagen ist die Entlastung der Reserve. Bemerkt fei noch, daß in den Manövern wieder eine Neuerung zur Ausführung kommt, em kriegsmäßiges Schießen gemischter Wösten. An der Uebung beteiligen sich Artillerie, eine Maschinengeroehrabtelllmg, Kavallerie und das Jnsanterie- Regiiucnt Nr. 116. Die Uebung wird in dem Gelände südlich Hungen zwischen Södel, Wölfersheim, Berstadt abgehalten. Die 49. Infanterie-Brigade (115er, 116er, 168er) übt vom' 4. Septbr. ab bei Hungen, Langsdorf, Münzenberg und Rockenberg. "Nach einer Verordnung vom 6. Mai d.Js., den Radfahrverkehr betreife nd, sind auch -Schüler, welche das Fahrrad überwiegend als BeiörderuugSmillel zum Besiiche der in einer anderen Gemeinde oder ininbcfiens 2*, Kilometer von der Wohnung entfernt gelegenen Schule benutzen, von öev seither üblichen Slewpetabgabe benett. Den (besuchen um Befreiung von ber Stempelavgabe ist eine Bescheuuguug ber Bürgermeisterei ober ber Potizelvehörbe ober bes Klassenlehrers beizulegen. Gesuche müssen bis zum 1. Juli 1907 bei bein zuständigen Kreisamt eingereicht werben. Ist für Fahrraber, bie bisher steiuvel- psüchtig waren, vom 1. April 1907 aber vom Stempel beireit sind, ber Stempel für 1907 bereits entrichtet, so kann °/4 biejcs Betrages zurückvergütet werben. Ist für Fahrräder, deren Abgabepfltcht vor dem 1. April 1907 bestand, die aber vom 1. April 19u7 ab sleiupclfrei sind, der Stempel für 1907 noch nicht entrichtet, so wird > l/i des Jahressteuwels erhoben. -o- Wies eck, 28. Mai. Mit Beginn beS neuen Schuljahres wurde hier die 8. Schulstclle errichtet. Hb. Gambach, 28. Mai. Der BäckerrnLifter unb Handelsmann Glintzer würbe heute früh verhaftet unb nach Butzbach in bas Haftlotal überführt. Es schwebte gegen G. schon seit längerer Zeck eine Untersuchung wegen IträsUchen Verkehrs mit seiner etwa 30 jährigen ledigen Stieftochter, die berecks zum zweitenmal Muttersreuöeit! entgegensieht. ? Bur kh ards, 27. Mai. Das hiesige „Gemeinbe* Wirtshaus" erftnnb her seitherige Pächter K. Schmibt für 9990 Mk. ^Essolberbach,27. Mai. Währenb eines schweren Gewitters gestern morgen schlug ber Blitz in 5 Stangen der Telephonleckung unb zersplitterte sie; ferner fuhr ein Strahl in den Blitzableiter bes Wohnungsneubanes ber Domäne KonrabSbors. > △ Bleichenbach, 28. Mai. Heute würben einem;' Gehilfen an einer Holzschneiberei zwei Finger ber rechten Hanb ab geb re hl. Ein unebenes Stück Holz wurde nicht glatt burchgeschnitten, fing an sich zu drehen uno in einem Augenblick waren ber britte und vierte Finger herausgerissen, daß sie nur noch an Fetzen Haut hingen. Dr. Hahn aus Ortenberg konnte die erste Hilse bringen. X Burkhardsfelden, 27. Mai. Auch unser Dorf hat seit heute Telephonanschluß erhalten. Die öffentliche Fernsprechslelle ist bei Heinrich Becker eingerichtet. Homberg a. d. Ohni, 28. Mai. Unser Städtchen ist evangelisch, hat aber auch seit letzter Zeit eine kleine Anzahl Katholiken, meistens Beamte. Vorgestern, am kathol. Trei- faltigkeltSseste, wurde nun hier zum erstenmal kathol. Gottesdienst abgehalten. In entgegenkommender Weise' hat der evangelische Kirchenvorstand und Stadtrat den katholischen Mitbürgern die Friedhosskapelle zum Gottcsdienste überlassen. Rektor Schüler von Amöneburg hat den Gottes- dienst, welcher alle 14 Tage slatlfinden soll, übernommen. □ Aus dem Vogelsberg, 28. Mai. Eine n a m - bafteVerteuerunghat das Brot erfahren. Während seither der vierpfündige Laib Brot 45 und 46 Psg. gelöster, ist der Preis ietzl auf 50 Pfg. gestiegen. Von alten anderen Verteuerungen ist diese bie einschneidendste; denn sie trifft empfindlich bie geringen Familien, die schon Fleisch entbehren können, niemals aber Brot. Darmstadt, 28. Mai. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog empfing am 25. Mai u. a. den Fihrn. Gedult o. Jungenfeld von Wien, den Bürgermeister Tr. Dullo von Offcnbach, den ordentl. Professor Geh. Hofrat Dr. Beha g h.el, Rektor der Landesunioersität Gießen. Darmstadt, 28. Mai. Der hessische Bauernverein hielt am Sonntag hier eine Landesversammlung ab. Der 1. Präsident, Landtagsabg. Uebel-Dieburg, mies zunächst daraus hin, daß dec Verein ganz neuen Verhältnissen gegen- überstehe, widmete dem verstorbenen „Bauernpfarrer" Maucr- Fchlheim einen marinen Nachruf, und teilte seine eigene Ernennung zum ersten und die des Pfarrers Blum-Oberabt- 'steinach zum zweiten Präsidenten des Vereins mit. Unter seiner Leitung werde der Fall nie Vorkommen, daß sich der Verein in riskante Unternehmungen cinlasse und bei aller '.Freundschaft zur Naiffeisenorganisation werde er ein Eingreifen derselben in die Organisation des Bauernvereins »niemals dulden. Psarrer Blum-Oberabtsteinach sprach sodann (über landwirtschaftliche Berufsorganisationen und Landivirt- schastskammer, wobei er die Behauptung zu widerlegen suchte, daß die Errichtung der letzteren die landmictschaftl. Berufsorganisationen, insbesondere den Bauernverein überflüsiig gemacht habe. Trotz der namhaft gestiegenen Ge- treidepreise sei die Lage des Bauernstandes nach wie vorernst. Wirtschaftliche Maßnahmen zu dessen Hebung genügten nicht, auch der christliche Geist müße hinzutreten und da? ganze soziale Leben durchdringen. Den Schäden, welche Kapitalismus und -Geldwirtschaft den Bauern gebracht hätten, könnte .nur durch Z u s a m m c n s ch l u ß Tausender von Einzelexistenzen lein Gegengewicht geboten werden. Der neue Sekretär des 'Vereins, I. PH. Hoffmann-Seligenstadt, behandelte alsdann eine Reihe wichtiger, im täglichen Leben des Landwirts vor- 'kommender Fragen, und begrüßte die Tatsache, daß der neue 1. Präsident Abgeordneter im hessischen Landtag sei und Mitglied Rachor-Seligenstadt in der Landmictschafts- kammer sitze. In seinem Schlußwort betonte noch der 1. Präsident Uebcl die Notwendigkeit des Ausbaues des Vereinsorgans. sd. Darmstadt, 28. Mai. S. K. H. Hoheit der Großherzog, welcher heute vormittag der Besichtigung des Infanterieregiments Nr. 115 durch den kommandie- den General v. mchhorn auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim beiwohnte, besuchte gestern abend mit seiner Gemahlin und großem Gefolge die Vorstellung der Tanzschule der Isadora Duncan. Offenbach a. M., 28. Mai. Der Kreistag pflichtete dem Vertrage über die Vereinigung der Genieinde Bürgel mit Offenbach einstimmig bei. — In Altheim, im Kreise Dieburg, wurde gestern durch den Offenbacher Kriminalkommissar Hechler ein dort in Arbeit stehender Schuhmacher namens Adam Sänger verhaftet, der im Verdacht sieht, am 13. Mai das Vombenattentat auf die Offenbacher Stadtwache verübt zu haben. Sänger, der sich als Anarchist bekannt hat, soll sich nach dein Verbot des Offen- /bacher Anarchistenkongresfcs durch Aeußerungen verdächtig gemacht haben. Bei seiner Vernehmung heute früh leugnete Sänger jede Schuld. W. Heldenbergen, 27. Mai. Unter dem Geläute der Glocken zog gestern abend der Bischof D r. K i r st e i n von Mainz hier ein, um am heutigen Tage die Firmung vorzunehmen, nachdem vier Jahre der Ort nicht vorgenommen worden war. Heldenbergen hat ein prächtiges Festkleid angezogen, Guirlanden und Kränze schmücken fast alle Häuser, und Fahnen flattern in der Lust Hierin zeigt sich die Harmonie in alten Bevölkcrungsllassen und Konfessionen des hiesigen Ortes, !vü die Achtung des einen gegenüber dem anderen. — Bon hier aus begab sich heute abend der Bischof, nachdem er in ollen Schul- klassen sich vom Stande des Religionsunterrichtes überzeugt hatte, nach Engelthal, wo eine sehenswürdige alte Klosterkirche und eine katfvlische Schule sich beftndet, in der die .katholischen Kinder der verschiedenen umliegenden -Ortschaften unterrichtet werden. Morgen vollzieht der Bischof in Engelthal die Firmung. Graf ^olms-Laubach, Eigentümer des großen Gutes, hat die Schule zu unterhalten, während in Engelthal .selbst sich keine katholischen Kinder befinden. sd. Bingen, 28. Mai. Der Bund der Landiw irte hatte bis vor kurzem in Rheinhessen fast keinen Boden fassen können.- Die liberalen Bauern sahen in ihm ein konservatives Werkzeug. Die Wahl Kcllers^-S-tein-Bocken- heim brachte dem Bund aber einen verhältnismäßig leichten .Sieg. Die Masse der Wähler wandte sich vom Freisinn ab' und einem einheimischen Kandidaten zu. Nachdem nun die Leiter des Bundes Dr. Hahn und Dr. R ö s i ck e sofort nach ihrer Wahl zum Reichstage der konservativen Partei b ei getreten, wird es den Agitatoren 'des Bundes fernerhin schwer werden, die Bauern von der angeblichen Unparteilichkeit des Bundes zu überzeugen. Dazu kommt, daß zwischen den Mitgliedern des Bundes der Landwirte in Rheinhessen und den Abgg. Dr. Rösicke und Stauffer wegen deren Haltung zum Weingesetz und der Verunglimpfung der rheinhessischen Weine eine große Meinungsverschiedenheit besteht. Ebenso soll, wie verlautet, eine Spannung zwischen den Bundesführern in Rh ein Hessen bestehen, veranlaßt durch die Weindebatte. Wenn der drohende häusliche Streit nicht noch rechtzeitig verhindert wird, so ist anzunehmen, daß die Erfolge des Bundes in Rheinhessen nicht von Dauer sein werden. Frankfurt a. M., 28. Mal. Die Reichsschulkommission ist hier unter dem Vorsitz des Wirkt. Oberregierungsrat Dr. Kelch zu ihrer Frühjahrstagung zu- sammcngetreten. Sic wird nach Beendigung der Beratungen verschiedene Schulanstalten der Provinz .Hessen-Nassau und des Großherzogtums Hessen besuchen. — Zu der Aussperrung in der Merall inoustrie ist zu melden, daß die Verhandlungen der Siebenerkommission, die heute früh in Offenbach wieder ausgenommen worden sind, bis mittags noch zu keiner Einigung geführt haben. Tie Aussperrung von 60 Proz. der Arbeiter in den Frankfurter Fabriken ist gestern erst teilweise erfolgt. In 14 oder 15 Betrieben beträgt die Zahl der Ausgesperrten bisher 1800 bis 2000. — Eine alte Putzfrau wurde heute von einem Radfahrer überfahren und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. — Ein vor einem Automobil scheuendes Pferd sprang in eine Anzahl Kinder hinein und verletzte zwei durch Huftritte am Kops und im Gesicht erheblich. )( D ianaburg, 29. Mai. Dieser Tage ging eine Anzahl Ausflügler an der Dianablirg vorüber, um eine Tour nach Greifenstem zu unternehmen. Als sie an dem nächsten Wegweiser ankamen, wurden sie stutzig in der Himmelsrichtung. Dem Arm, der die Richtung Greifenstein anzeigte, .wurde gefolgt. Wer konnte auch wissen, daß kurz vorher einige Studenten aus Gießen den Wegweiser gedreht hatten. Erst als die Maiwanderer in Daubhausen angekommen, merkten sie, daß sie das Opfer eines Schalk- .streichs geworden waren. Franke nberg, 27. Mai. Auf dem Wege nach Vöhl stürzte der 72jährige Gutsbesitzer Julius Ueber- horst von seinem Wagen und blieb auf der Stelle tot. Einziger Zeuge war sein 4jähriges Enkeltöchterchen. Eltville, 28. Mai. Der Lokomotivführer Wcrm- bold von der Kleinbahn Eltville — Schlangenbad ist vom Dienste suspendiert worden. Es dürfte Anklage gegen den Mann wegen fahrlässiger Transportgefährdung erhoben werden. ** Kleine Mitteilungen n r § Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In Tarmstadt hielt die deutsche Genc- r a l ° F e ch t s ch u l e ihre 15. General-Versammlung ab. Es waren 30 Vertreter von Ortsverbänden aus allen Teilen Deutschlands anwesend. — Iu H a n a u verhaftete die Polizei eine jugendliche Räuberbande, die sich im Walde eine Höhle gegraben und diese mit allen nur denkbaren zusammengestohlenen Dingen wohnlich eingerichtet batten. Tie Burschen standen im Alter von 14 bis 16 Jahren. — Ter neue Homburger Zentralbahn- ho’ wird erlt am 1. Mai 1908 eröffnet werden. — In Alsfeld machte der Zahnarzt I. H. M e i i e I § seinem Leben ein Ende, indem er sich, wahrscheinlich in einem Anfälle von Schwermut, erhängte. — Die Wiederwahl des Bürgermeisters Konrad Schepp 8. zum Bürgermeister von P o h l g ö n s wurde vom Großb. Kreisamt bestätigt. — In Laubach haben die Metzger den Preis des Schweinefleisches auf 66 P f g. per Pluud e r m cißigt; dagegen sind die Bäcker mit dem vierpfnndigen Laib Schwarzbrot auf 50 Psg. ausgeschlagen. — Ter Händler Gorsler m Lauterbach erhielt dieser Tage eine Postkarte mit dem Ersuchen, sich abends im Bahnhof Wartesaal 3. Klaffe einzusinden. Tie Karte war unterzeichnet: „ein alter Bekannter." Gorsler ging zur angegebenen Zeit zur Bahn, traf aber dort niemand. Zu Hause wieder angekommen, mußte er die unangenehme Wahrnehmung machen, daß der „alte Bekannte" mittlerweile bei ihm eingebrochen und M. 300 gestohlen hatte. Der Tat verdächtig sind zwei Bnrschen, von denen einer bereits festgenommen worden ist. — In T a r m st a d t wurde die zu Besuch weilende Frau Steiger aus Bockenrod bei Reicbelsheim i. O. auf dem Balkonplatz von einem Hitzschlag betroffen und war sofort tot. — Ter Landwirtschaftliche Kreisverein Hanau beschloß, die Landwirt- schaftskanirner in einer Eingabe zu ersuchen, dahin zu wirken, daß dem Kontraktbruch ausländischer Landarbeiter durch reichsgesetzliche Regelung vorgebeugt werde. Kriegsmarine-Ausstellung. Gießen, den 28. Mai 1907. II. Weiter sind die Modelle zweier deutscher Kriegsschiffe ausgestellt, die sich im Stampfe fürs Vaterland bereits Lorbeeren er- iuorben haben. Es sind das die Kanonenboote „Meteor" (1870) und „Iltis" (1900'. ErstereS zeigt noch eine reiche Takelage, letzteres, 1898 auf der Schichaufchen Werst erbaut, ist ganz modern. Recht plump und unansehnlich erscheint daneben ein altes Ruder- Kanonenboot aus den 40er Jahren. Tie beiden Jachten erwecken weniger Interesse. Die Tamps- jacht des Großherzogs von Oldenburg macht zwar einen recht gefälligen Eindruck, man sieht es ihr aber an, daß sie dein Vergnügen dient. An dem Modelle der bekannten Segeljacht „Hertha" erstaunt uns der winzige Rumpf und das im Verhältnis dazu gewaltige Takelwerk. Alles in allem kann man von den Schiffsmodellen nur sagen, daß sie eine genaue Außenansicht der Fahrzeuge gewähren und den Beschauer zu fesseln vermögen. Zii erwähnen wäre noch der schlichte russische Schleppdampfer und die komplizierte Schiffsmaschine. Das Modell eines Kriegsschiffes mit fehlender Außenwand macht beinahe den Eindruck einer Honigwabe und bietet wenig des Interessanten. Neben den Modellen sollen dann die in der Mitte des Saales ausgestellten Geschütze in die Augen. Sie scheinen auch das größte Interesse zu erregen, umsomehr, als sie von Zeit zu Zeit praktisch vorgellihrt werden. Ta ist zunächst das neue Maschinengewehr. Bei der Vorführiing wundert man sich über die Leistungsfähigkeit des verhältnismäßig kleinen Apparates, mit dem bis zu 700 Schuß in der Minute abgegeben werben können. Die Erfolge, welche die Engländer in ihren Kolonialkriegen mit dieser Waffe erzielten, sind danach wohl zu begreifen. In gleicher Weise arbeitet die Maschinenkanone, die zwar nur halb so schnell, aber darum desto wirkungsvoller feuert. Neben dieser bemerken wir eine der alten Neoolperkanonen. Großes Interesse erweckt auch das 5 cm-Schnelladegeschutz, die leichte Waffe unserer Kriegsschiffe. Bei seiner leichten Handhabung und dabei großen Schußweite mit schneller Feuerung (20 Schuß in der Minute) ist es der gesurchtelste Gegner der Torpedoboote. Gin dicker stählerner Schild schützt dieses Geschütz. Im Anschluß daran besichtigt man weiter eine Anzahl der verschiedensten Geschosse, wie Granaten und Schrapnells. Auch eine Mine ist zur Schau gestellt, ferner eine Harpune rc. rc. Es würde zu weit führen, das auf diesem Gebiete Ausgestellte einzeln aufzu führen. Die Schiffsgcrätc und -Instrumente nehmen natürlich auch nicht geringen Raum ein. So sehen wir Bojen, Rettungsgürtel und Laternen. Unter den wissenschaftlichen Instrumenten feien Krängungspendel, Kompasse, Scheinwerfer und Sextanten genannt. Auch Telephoneinrichtungen, sowie Sprach- und Nebelrohre find ausgestellt. Ferner, erwecken unser Interesse die Logapparate, mit deren Hilfe die Geschwindigkeit des Schiffes bestimmt wird, und die Lote. Die der Mannschaft dienenden Geräte, wie Eßgeschirre, Hängematte, Rauchhelm, Tauchcranzug u. dgl. m., find ebenfalls nicht uninteressant. Auf dem Gebiete der Marine sind dann weiter noch eine Anzahl Tafeln und Mappen ausgestellt. Wir sehen ferner die National- und Kriegsflaggen der einzelnen Seemächte, sowie eine Anzahl bezüglicher Photographien. Damit ist die Ausstellung aber noch nicht erschöpft. Zunächst bietet sie noch eine Sammlung der Kriegsakademie in Kiel. Hier finden wir manches Beutestück aus dem Chinafeldzug. Bor allen Dingen sind es Waffen, die uns hier interessieren. Auch aus unfern Südseegebieten finden wir einige Trophäen in dieser Sammlung. Außerdem können wir eine alte Gallionsfigur bewundern. In Anbetracht der jetzt zur Tagesirage gewordenen Kolonialfrage ist dann die S a in m 1 u n q aus unfern Kolonien, die besonders viel aus Südwestafrika bietet, äußerst interessant. Zunächst finden wir Gehörne von allen möglichen Tieren. Einen seltsamen Gegensatz bilden dabei die etwa i Meter langen schrauben» förmig sich drehenden Kuduborner und die kerzengeraden Spieß- antilopen-Hörner. Ein riesiger Nilpferdkopf und die ungeheuren Büffelhörner geben beredtes Zeugnis von der Tierwelt in unfern Kolonien. Lächerlich erscheint ein Eleiantenschwanz. Weiter ist bann eine Anzahl Waffen der Eingeborenen dargestellt. Mit Rücksicht auf die letzten Kämpfe interessieren namentlich die Kirris der Buschleute, ganz unscheinbar aussehende Keulchen. Auch Schwerter und Pfeile verschiedener Art sind ausgestellt neben den charakteristischen Trommeln der Eingeborenen. Deren Haus- und Wirtschaftsgeräte sind auch vertreten. Auch Götzenbilder, Schmuckgegenstände erwecken ihrer Originalität reiches Interesse. Im großen und ganzen kann dieses mit der interessanteste und reichhaltigste Teil der Ausstellung genannt werden. Die Mitglieder des hiesigen Marinevereins haben daneben noch eine kleinere Ausstellung von in ihrem Besitze befindlichen Kuriositäten errichtet. Auch hier findet sich manches Sehenswerte. 'Dian sieht schon aus diesem Bericht, daß die Ausstellung äußerst reichhaltig ist. In Wirklichkeit bietet sie noch viel mehr. Ein Besuch lohnt sich also reichlich. Tie ersten Tage brachten schon reichlichen Besuch von feiten des hiesigen Militärs, von Vereinen und Schulen. Ein ebenso starker Prtvatbesuch wäre aber auch zu wünscheii. * Kleine Tageschronik. Hinter der Geschützgießerei in Spandau wurde der Bursche des Rittmeisters von der Recke, der Ulan Robert Benske, im Wasser tot aufgefunden. Die Obduktion der Leiche ergab, daß der Ulan einen Stich in dos Schlüsselbein erhalten hat, durch den dieses brach. Auch andere Knochenbrüche zeigen von Gewalttätigkeiten. Es wird vermutet, daß Benske, der mehrere Liebschaften unterhielt, von einem Nebenbuhler ermordet oder im Streit erschlagen und als Leiche ins Wasser geworfen worden ist. — In Essen wurde der Mörder der Miß Lake verhaftet. Es ist ein 20- jähriger Versicherungsagent namens Zabl. Er versuchte in der Nähe von Verden ein Mädchen zu vergewaltigen und wurde auf frischer Tat verhaftet. Im Verhör gestand er zu, die Miß Lake ermordet zu haben. — Am 27. ds. Mts. wurde in Meuselwitz (Sachsen) der Schlosser Lcusch verhaftet. Seiner Braut, mit der er sich enrzweir hatte, hatte er mitgeteilt, daß er am 16. Dezember v. Js. in Leipzig den Raubanfall aus den Geldbriefträger Rübler verübt habe. Rübler war damals von Leusch niedergeschlagen, schwer verwundet und um 1000 Mk. beraubt worden. — In Wittenberge hat der Arbeiter Gottschalk den Werkmeister Töhring erschossen und sich dann selbst "biiTdj einen Schuß 'getötet Beide waren Familienväter. Arbeiterbewegung. Leipzig, 28. Mai Ter Arbeitgeber-Schutzverband bet deutschen Holzindustriellen forderte die Bezirksvorstände der 13 Aussperrungsstädte auf, alle Verbandsmitglieder, die an der Aussperrung nicht teilgenommen haben, ausnahmslos auszuschließen. Die Kosten der Aussperrung betragen auf beiden Seiten insgesamt 9 Millionen Mark. Infolge des Steigens der Materialpreise und Löhne werden in Berlin die Fabrikatspreise. um 7l/. Proz. erhöht. Berlin, 28. Mai. Der größte Teil derjenigen Baugeschäft e, die bisher weiter gearbeitet hatten, haben die neuen reduzierten Forderungen, die diesen Firmen gestern von den beiden vereinigten Arbeitnehmer-Organisationen durch deren Te- putierten überreicht worden find, rundweg ab gelehnt. Auf diese Weise sind die Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter in den Generalstreik getreten, sodaß heute auf fast allen Bauten Groß-Berlins die Arbeit ruht. Gerichtssaal. Frankfurt a. M., 28. Mai. Das Schöffengericht verurteilte heute die Milchhändlerrn Katharina Ravcnsberger aus Treiaichenhain, die wegen Milchpantscherei schon zweimal vorbestraft ist, wegen desselben Vergehens zu einer Woche Gefängnis und 100 M k. Geldstrafe. Tie von ihr verkaufte Milch enthielt mehr als die Hälfte Wasser. Wegen versuchter Beamtenbestechung wurde außerdem auf 20 Mark Straft erkannt. Landwirtschaft. — Auf dem 8. internat. landwirtschaftl. Kongreß zu Wien nahm einen weiten Raum die Erörterung der Frage der Bedeutung des Getreidebaues für die mitteleuropäische Landwirtschaft in Anspruch. Ter Berichterstatter führte den Nachweis, daß eine Möglichkeit, den Getreidebau durch Anbau von Handelspflanzen einzuschränken, in keiner Weise gegeben sei. In ähnlicher Weise verhalte es sich mit dem Rate, den Getreidebau zugunsten der Viehzucht einzuschränken, da diese beiden landwirtschaftlichen Produktionszweige im innigsten Zusammenhänge miteinander stehen. Das Aufgeben des Getreidebaues in den mitteleuropäischen Staaten wäre gleichbedeutend mit dem Ruin der mitteleuropäischen Landwirtschaft und dieser gleichbedeutend mit dem Ruin dieser Staaten. Es wurde einstimmig folgende Entschließung gefaßt: Der Kongreß spricht mit allem Nachdruck seine Ueberzeugung dahin aus, daß in den Staaten Mitteleuropas nicht nur zum Zwecke der Erhaltung der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung, sondern auch aus zwingenden allgemeinen volkswirtschaftlichen und politischen Erwägungen dcr Getrnd 6iu bei- zubehalten und für dessen Rentabilität mit allen Mitteln einer zielbewußten Agrarpolitik vorzusorgen ist, widrigenfalls die mitteleuropäischen Staaten wirtschaftlich und politisch ihrem Untergang entgegensetzen müßten. Vom technischen Standpunkt des Getreidebaues spricht sich der Kongreß datzin aus, daß namentlich folgende Kulturmaßnahmeu als wefentlich ins Auge zu fassen jpären, um die Erträge und die Rentabilität des Getreidebaues zu heben: 1. Anbau ertragreicher, hochgezüchteter Kulturformen des Getreides im intensiven Betriebe und in klimatisch bevorzugten Landstrichen. 2. Verschärfte Saatgutauslese und züchterische Verbesserung bei dem Landgetreide in Gegenden, wo die Hochzuchten nicht passen. 3. Eine verbesserte Landbautechnik, namentlich mit Rücksicht auf die Bodenbearbeitung und die Bekämpfung des Unkrautes und der parasitischen Schädlinge. 4. Eine verbesserte Stallmiftwirtschaft, die sich die Konservierung des Düngerstickstoffes zum wichtigsten Ziele fetzt. 5. Eine ausgedehntere Anwendung von Leguminosen-Gründüngung. Httrchliche Nachrichten, Katholische Gemeinde. Mittwoch den 2 9. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Donnerstag den 3 0. Mai, Frohnleichnamsfest. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit znr heil. Beichte. , um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe, vor und in derselben Ansteilnng der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Militär- gottesdienst mit Predigt. „ um 9V, Uhr: Hochamt; darauf Prozession. Nachmittags um 2 Uhr: Fest-Andacht mit Segen. Freitag abend um 61/, Uhr ist Maiandacht. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitgi und Indnsti Frankfurter Bön 3/f®/0 Reichsanleihe . . 93.8J 3% do. . . 83.80 3J4®/0 Konsols .... 93.85 3% do.....83.70 3X% Hessen . . . 93.30 3^®/6 Oberhessen . . . 94.00 4?» Gesten. Goldrente. . 99.10 4l/6 % Gesten. Silbenente 99 45 4% Ungar. Goldrente . . 93.90 4% Italien. Rente . . . —.— 3% Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen „ III 68.60 4>$0/0 russ. Staatsanl. 1905 91.10 4^°;0 japau. Staatsanleihe 92.80 4% Conv.Türken von 1903 93.70 Türkenlose.....140.20 4% Griech. Monopol-AnL 49.40 4% äussere Argentinier 83.80 3°/0 Mexikaner . . . 64 80 4>$% Chinesen .... 96.75 Aktien: Bochum Guss.....221.50 Buderus E. W .... —.— Tendenz: fester. Berliner Börse, 2 Canada E. B......166.50 Darmstädter Bank . . . 129.60 Deutsche Bank .... 224.00 Dortmunder-Union C. . . 73.50 Dresdner Bank . . • 140.70 Tendenz: ruhig. Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie, Giessen. e. 29. Mai. 1.15 Uhr. ’ Elektriz. Lahmeyer . . . 122.00 Elektriz. Schnckert . . . 109.00 Eschweiler Bergwerk . . 220.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.00 Hamburg- Amerik. Paket!. 128.50 Harpener Bergwerk. . . 206.25 Laurahütte...... 224.20 Nordd. Lloyd.....115.30 Obeischles. Eisen-Industrie 108.10 Berliner Handelsges . . 150.75 Darmstädter Bank 129.20 Deutsche Bank . . . 223.60 Deutsch-Asiat Bank . . 154.00 Diskonto-Kommaudit. . . 168.80 Dresdner Bank . . . 140JO Kreditaktien..... 205.90 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 81.75 Gotthardbahn . . . . —.— Lomoard. Eisenbahn . . 21.75 Oesterr. Staats Dahn . . . 144.30 Pnnce-Henri-Eisenbahu . 133.50 l Mai. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 206.20J Laurahütte .... —.— Lombardei! E. B. ... 20.60 Nordd. Lloyd.....114.80 Türkenlose . ... 139.70 Wasser- 7Derleibanftalt dichte Sundheimer&StPiipp pro qm uud Woche 10 Ps. Frankfurta^vt*llrv«/« Vollständiger Ausverkauf! wegen Aufgabe zu staunend billigen Preisen mit bedeutendem Rabatt Komplette Herren-, Speise-, Wohn- und Schlafzimmer, Salons, moderne Kuchen-Einrichtungen, Büffets, Vertikows, Salonschränke, Trumeaux, Spiegel, Bücher-, Spiegel- und Kleiderschränke, Schreibtische, Näh-, Sofa- und Auszugtische, Waschkommoden, Nachtschränke, Bohrstühle, Salonstühle, Triumphklappstühle, selbstgefcrtigte kompl. Betten, Sofas, Divans, Chaiselongues. Garnituren in Plüsch, Tuch und Gobelin. 250 Vorlagen und 100 Teppiche in 8/o 10/4 und i2/4. Tapestry, Velour, sowie einige Dutzend Chaiselongues- und Tischdecken in bester Qualität. 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