Samstag ÄEZ. Oktober 1.5 7. Jahrgang Erstes Blatt kH »stat!on?rruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und SteindruSerei. 2. Lange. Heöaftfon, Expedition und Druckerei! §chul?ir«tz« ?. RS Die heutige Wummer umfaßt 14 Seiten s Aus dem Zarenreiche. Petersburg, 2t in und man darf es freudig begrüßen, daß der Reichskanzler K73 VfJGG der der der Beza gSpretsr monatlich 7b B^oierrel« jährlich Mk. 2.20; durch Abholv- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Dtk.8.— viertel- jührl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15'13U auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich tüt den politischen Teil: G, Anderson; s. i$eutQe- lon und „Vermischtes" P Wittko; für „Stadt u. Land- und,töcrid)td- benswande l der Mönche und Nonnen in oen rujf. Klöstern ist in letzter Zeit derartig offenkundig geworden, daß eine besondere Konferenz unter dem Vorsitz des Metro- politen Antonius einberufen werden mußte, um Maßnahmen dagegen zu treffen. Die Konferenz beschloß, eine strenge Kontrolle einzusühren und die Zelleutüren in den Klöstern mit Gucklöchern zu versehen und zur Bewachung der Klöster besondere Wächter anzustellen. — (Petersb. Telcgr.-Ag.) Durch einen kaiserlichen Ukas tritt für die Städte Jekaterinburg und Wercho- tu rje mit den dazu gehörigen Bezirken anstelle des ver- Nr. 252 Arsch < tnt täglich duyet Sonntags. Tem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt d.e Siebener KamlUen- blätter viermal in der Hoche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreisbiatt für den Kreis Sieben. Fernsprech-An- Schluß!, d. Redaktion 112 Verlag u Expedition 51 Adresse lür Depefchenl Anzeiger «Letzen. Annahme ssn Anzeigen Hix Die Tcgc5mnnmec bi« vormittags 10 Uhr. Der liederliche Le Iie MoUKe-Kacdettuffäre vor Gericht. (Dritter Tag.) S. u. H. Berlin, 25. Okt. Die Verhandlungen werden von einem amtlichen Sterw- graphen des Reichstags im Wortlaut ausgenommen. Die Niederschriften werden alsbald übertragen und durch einen ^abine^.s- kurier dem Kaiserl. Zivilkabinett überbracht, da der Kaiser üoer den Gang des Prozesses täglich stets eingehend unterrichtet sein will. Maximilian Harden war mit seinem Anwalt Justizrat Zahlmeister verwundet. Die Räuber koppelten die Lokomotive los und fuhren in der Richtung nach Strze- mieszyce davon. Der Distriktschef nahm mit einem Mi- iitärwmmando die Verfolgung auf. Bakum, 25. Okt. Heute nacht griff eine etwa 4 0 Mann starke Bande einen Postzug an, als er auf einer Ebene zwischen den Stationen Delegery und Dzersuli hielt. Räuber warfen den Lokomotivführer von der Lokomotive und! beschossen den Zug. Die militärische Bedeckung des Zuges erwiderte das Feuer. Der Zugführer wurde getötet, sieben Soldaten sind verwundet worden. 4 Räuber drangen in den Postwagen und bemächtigten sich der Geld sacke. Die Höhe der geraubten Summe ist noch ungewiß. — (Petersb. Delerg.-Ag^) Heute vormittag 11 Uhr wurde der Ponzeibeamte Balakhany in der Nähe des Bahnhofes getötet. Der Mörder wurde verhaftet. stärkten Schutzes der außerordentliche Schutz Kraft. Kielce, 25. Okt. Ein Eisenbahnzug, mit dem Zahlmeister der Eisenbahnverwaltung fuhr, wurde auf Station Stawkow von Räubern angegriffen und manövrierte vor dem Kaiser. Er arbeitete bei weitem besser als der Militürballon, der unterdessen landete. Nach der Besichtigung des lenkbaren Luftschiffes sagte der Kaiser, er habe bisher der Frage, ob lenkbare Ballons möglich seien, skeptisch gegenüber gestanden, nach dem was er aoer heute gesehen habe, blicke er hoffnungsvoll in die Zukunft und er glaube bestimmt an weitere Erfolge. Im Anschluß an die heutige Besichtigung der beiden lento circn Lu ft schisse durch den Kaiser werden in Metz und in Straßburg Stationen mit je einem lenkbaren Militär-Lustschiss eingerichtet. Es werden zwei Offiziere, davon einer voni 2. Eisenbahn- Regiment, dorthin beordert werden. Der Kaiser nahm nach der Vorführung der Luftschiffe an einem Frühstück i m O s f i z i e r s k v r p s d e s L u f t s ch i f f e r b a t a i l l o n si teil. Kanzler und Arbeiter. Der nationale Aroeiterkongreß, der Anfang dieser Woche tagte, hatte, wie bereits drahtlich gemeldet, eine Depu- lätion unter Führung des Reichstagsabgeordneten Behrens zmn Reichskanzler entsandt, um diesem das Resultat der Beratungen zu unterbreiten und die Wünsche der Arbeiterschaft persönlich vorzubringen. Es mag ja in manchen greisen einer derartigen Begegnung nicht viel Gewicht bei» Öt werden, weil man meint, daß die Machthaber sich die gehörten Wünsche nicht weiter beeinflussen lassen würden; im vorliegenden Falle dürfte die Sache vielleicht aber doch wesentlich anders liegen. Die Wendung des Regierungskurses hat das erfreuliche Faktum gezeitigt, daß der Leiter unserer Politik das Bestreben zeigt, mit den Parteien einen engen Konnex zu unterhalten, um ihre Wünsche bei den Plänen der Regierung nach Möglichkeit zu berücksichtigen und so eine glattere Abwickelung wichtiger Vorlagen im Parlament zu ermöglichen. Unter diesem Gesichtswinkel mag vielleicht auch der Empfang der Arbeiterdeputation in Klein-Flottbeck erfolgt sein, indem dem Kanzler daran gelegen war, auch seinerseits seinen Standpunkt zu den vorliegenden Fragen zu äußern, um so der bekannten Begrüßungsrede des Staatssekretärs v. Beihmann-tzollweg bei Eröffnung des Arbeiterkongresses größeren Nachdrua zu verleihen und auf diese Weise zu dokumentieren, daß cs der Negierung mit der Durchführung sozialer Probleme ernst sei. Es handelt sich also in der Erwiderung, die Fürst Bülow bei dem Empfange der Deputation gab, nicht 'um höfliche aalglatte Worte, sondern um eine Bekräftigung, daß die Regierung auf sozialem Gebiete nicht nachlassen wolle, und aus diesem Grunde dürste es auch von nicht unbeträchtlichem Werte sein, daß in den sich anschließenden Gesprächen der Reichskanzler unmittelbar aus der Arbeiterschaft manches zu Horen bekommen hat, was ihm vielleicht sonst leicht entgeht und was er aus Blättern und Vorträgen seiner Räte kaum in dem Maße entnehmen kann, als es bei einem persönlichen Meinungsaustausche der Fall ist. Wenn man alles dieses berücksichtigt, kann man eine gewisse Bedeutung dem Empfange nicht absprechen bekennt sie sich zu einer Solidarität mit den anderen Ständen, die auf and'rer Seite nicht unerwidert bleiben kann und die Freudigkeit stärkt zu weiterem Fortschreiten aus sozialem Boden. Und so wird die deutsche Arbeiterschaft, indem sie frei von einseitigen oder übertriebenen Forderungen ihr eigenes Interesse vertritt, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Arbeiterstandes heben und gleichzeitig die Grundlagen unseres staatlichen Lebens stärken. Diese Ihre Bestrebungen n Kräften zu fördern, betrachte ich als eine meiner vornehmsten Aufgaben." Der Reichskanzler verweilte noch längere Zeit int Gespräch mit den Delegierten. Die einzelnen Mitglieder der Deputation brachten dabei in freimütigster Weife ihre besonderen Wünsche zuut Ausdruck, die der Reichskanzler mit großer Aufmerksamkeit anhörte. ^Nachdem die Herren im Speisezimmer des Reichskanzlers einen Imbiß eingenommen Der Kaiser unb die deutsche Lustschiffahrt. Berlin, 25. Ott. In A n m e s e u hettdes K a i s e r s sand heute vormittag in Tegel ein Aufstieg der beide n lenkbaren Luftschiffe statt. Zunächst stieg der lenkbare M i l i t ä r b a l l o n auf, und zwar gegen einen boeigen UHU niUH UH t | V y Vv-V ULV LU.J v Hjjlv V | die Ausführungen des Staatssekretärs des Innern mit der Autorität seiner Person noch weiter ergänzt hat. Bor allem zahl erheblich zugenommen. Mit Genugtuung entnehme ich in Uebereinstimmung mit Ihnen daraus den Beweis, daß in den deutschen Arbeitern noch in weiten Kreisen eine Stätte für die Betätigung christlich-nationaler und monarchischer Gesinnung vorhanden ist. Möge es Ihnen gelingen, den christlichen und deutschen Sinn weiter zu fördern und zu pflegen. Ueber die Lage derjenigen Angelegenheiten, welche Sie bei unserer vorigen Besprechung in den Vordergrund ist cd erfreulich, daß er erklärt hat, die Erledigurrg> des itieichsvereinsgesetzes und vor allem den Arbeitskammer- cntwurs tatkräftig fördern zu wollen. Bemerkenswert waren Seine Mitteilungen über die Ausdehnung der Sonntagsruhe und der dabei vertretene Standpunkt, bei der Zulassung der Sonntagsarbeit nur Rücksicht auf unabweisbare Bedürfnisse zu nehmen. Ebenso wiro man es in Arbeiterrreisen nicht ungern hören, daß die Regierung einer Regelung der Verhältnisse in der Groß-Ersenindustrie näher treten und die mehrfach zur Sprache gebrachten Mißstände beseitigen will. Für eine gesunde Sozialpolitik wird der Reichskanzler stets die überwältigende Mehrheit des Reichstags hinter sich haben, und er täte im Interesse der Erhaltung des Blocks sehr wohl daran, wenn er nach dieser Richtung hin das Schwergewicht der inneren Politik legen würde. Der Reichskanzler führt folgendes aus: Meine Herren! Es ist mir eine aufrichtige Freude, Sie als die Delegierten des zweiten deutschen Arbeiterkongresjes heute bei mir zu sehen. Seit dem Frankfurter Kongreß I-aben sich die Ihnen angeschlosseiren Vereinigungen in ver- gestellt haben, ist Ihnen durch den Herrn Staatssekretär des Innern Mitteilung gemacht worden. Ich füge hinzu, daß ich meinerseits alles tun werde, um die Einbringung und bte parlamentarische Erledigung des in Aussicht stehenden Reichsvereinsgesetzes und des Arbeitskammergesetzes zu fördern. Was die Gegenstände Ihrer soeben abgischlojfe- nen Tagung betrifft, so liegt mir die Frage der Sonntagsruhe besonoers am Herzen. Ich sehe in der Sonntagsruhe eine der Lebensquellen für unser gesamtes Volkstum und ich werde dafür Sorge tragen, daß bei den gegenwärtig schwebenden Verhandlungen über eine Revision dieser Bestimmungen nur insoweit Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit zugelassen werden, als diese mit Rücksicht auf unabweisbare Bedürfnisse geboten sind. Die Verhandlungen des Reichstages im letzten Frühjahr haben die besondere Aufmerüfamkeit der obersten Reichs- und Staatsbehörden auf die Verhältnisse in der Industrie gelenkt; namentlich über etwa vorhandene Mißstände in den sanitären Arbeiterverhältnissen und in der Abmessung der Arbeitszeit bestimmter ArveiterAassen hat der preußische Ar- beitsminister eine Aufklärung bereits in die Wege geleitet. Die demnächstige Erhebung wird unter billiger Abwägung aller Interessen und nicht ohne Anhörung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erfolgen. Seien Sie versichert, meine Herren, daß die Sozialpolitik nach dem Willen unseres Kaisers fortgeführt wird. Wenn der Fortschritt aus manchen Gebieten sich nicht so rasch vollzieht, wie Sie ihn wünschen, so wollen Sie dabei im Auge behalten, daß die Reichsverwaltung die Interessen aller Stände wahrzuueh- men hat, und daß eine gesunde und kräftige Sozialpolitik von der gesamten Volksausfassung getragen sein muß. Nichts aber wiro die sozialen Verhältnisse der gesamten Station mehr fördern, als wenn die deutsche Arbeiterschaft in immer weiterem Umfange auf dem nationalen Boden steht. Dadurch heißungsvoller Weise vermehrt und zugleich au Mitglieder-j bis neun Meter starken Wind. Er wandte sich über den ........ """ ' ** Schießplatz und beschrieb dann einen Kreis. Trotz des starken Windes verliefen die Hebungen glatt, wenn auch e-'.oaS langsam. Während der Militärballon übte, stieg dir grt ßere lenkbare Ballon des Majors Parseval aus und -»■ Sh. Gießener SLaöLthccrtcs. Die Rabenstcinerin. Schauspiel von Ernst v. Wildenbruch. Nach des weisen Sophokles großmenschlicher Lehre leben wir nicht um mitzuhassen, sondern mitzulieben. Für Ernst o. Wildenbruch dagegen, den deutschen Dramatiker, sind wir, sein deutsches Volk, dazu da, um m i t i h m mitzuhassen und mitzulieben. Stets hat er in den besten feiner Histörchen Dramen, von den „Quitzows" bis zum „König Heinrich", mit seiner wildstürmenden, abenteuerlustigen, von den bunten Wirren der deutschen Vergangenheit wirklich ergriffenen Phantasie durch jein resolutes dramatisches Temperament und Talent und durch die Echtheit seines hohen Pathos das deutsche Publikum mitzureißen verstanden. Wie er selber seine dichterischen Gestalten enit- weder mit loderndes Liebe umfaßt oder mit herbem Hasse verfolgt, so zwingt er sein folgsames Publikum zu gleicher Lebei nud gleichem Hasse. Und so waren denn am Freitag viele mitleiderfüllt um Bersabes, der edeltrotzigen 5^elden- jungfrau, schauriges Schicksal, ba sie zum Schafott geschleppt wird, und ebenso viele Herzen atmeten befreit auf, ba der majestätische stolze Vater ihres Geliebten, der hohe Handelsherr Augsburgs, vor dem die dem Tode Geweihte zmn Weibe begehrenden Sohne endlich die Segel streichen läßt und der das durch so viele Fährnisse nun glücklich zu einander gelangte Liebespaar zusammengibt, auf daß im indianischen Land, im fernen ,Menezuola", ihr Stamm wachse, blühe und gedeihe. Wir blättern in den Büchern der Weltgeschichte und stellen fest, daß Bartolme Welfer, Loeotenant der Orinoko- länber, Jn der Charwoche des Jahres 1546 vom Statt- tjaUcr Ton Jun de Carvajal von Venezuela hingerichtet wurde, nachdem seine Leute ihn im Stich gelassen hatten, -vie Geschichte bereitete also dem Jüngling, der nach Wildenbruch der Rabensteinerin Liebster war, ein erschütterndes Ende. Uub gab so dem Dichter den Stoff zu einer Tragödie großen Stiles; das barbarische Zerfleischen zweier Kültur- nationen, der Deutschen und der Spanier, in einem Lande, dem sie beide die Kultur bringen wollten ! An dieser Tragödie ist Wildenbruch teilnahmslos vorübergegangen. Einer Tragödie, die er, nach Björnsonschem Vorbilde, „Geographie und Liebe" hätte betiteln können. Es ist ein ungewöhnlich wirkungsvolles Volksstück, dieses Ritterfchauspiel ,',Die Rabensteinerin", und darum auch in einer Volksausgabe als Buch erschienen. Ein Stück, wie es ein großer Teil des Volkes liebt, handlungsreich, packend im Fortschreiten der Entwicklung, voll stürmischen Feuers, vornehmlich aber von bewundernswerter Naivität in Erfindung und Empfindung und in der Sorglosigkeit der Verwendung stärkster dramatischer Mittel voll von rührseligen romantischen Effekten. Es erinnert uns an die goldene Zeit der Kinderspiele voll Paradiesesunschuld und voll Glück, zurück an unseres Daseins Morgenröten, wo Seligkeit wir fanden im Räuber- und Jndianerspielen. Erstaunlich geradezu ist die arglose Vertrauensseligkeit, die treuherzig redliche Harmlosigkeit, die undiplomatische Unverzagtheit dieses einstigen Vortragenden Rates im deutschen Staatssekretariat für die auswärtigen Angelegenheiten. Charakteristisch aber auch zugleich für diese wichtige politische Behörde des deutschen Reiches. Und spaßhast die tendenziöse Hineinziehung von begeisterungsstarker Tern- burgerei. Und doch ist „Die Rabensteinerin" auch wieder kein Volksstück, denn einem von den Geschehnissen und Forderungen der Gegenwart mächtig mitgerissenen Volke sind mittelalterliche Raubritterhistorien Schall und Rauch, während es sich von der universellen Geschichtsauffassung und vertieften Verlebendigung ferner Zeiten in den darum ewig zeitlosen und unsterblichen Dramen Goethes und Schillers, Hebbels und Shakespeares allzeit erschüttern lassen wird. Wildenbruchs Darstellung der Reformationszeit, in der das Stück spielt, gibt nicht, wie das unter gleichen Umständen etwa Schiller getan hätte, die hereinbrechende Epoche moderner Ideen und chaotisch sich bildender neuer Probleme, sondern nur das Aeußere jener Zeit, seine Raubritter und reichen Kaufleute, verfallenden Burgen und aufblühenden Städte, zusammengesatzt in eine frei erfundene, alter Chronik scheinbar nachempfundene abenteuerliche Fabel. Tie Zeit selber bleibt er uns schuldig. So ist es denn weniger Dichterisches, als die herzhafte, einbildungsstarke Belebung des Stoffes, was an dem Drama packend ist und zur Anteilnahme zwingt, nicht feine innerliche Llusgestal- tung tiefen Seelenlebens, sondern die krastvoll zupackende, so gar nicht reflektierende Theatralik mit allen ihren überlauten Worten und überstarken Geberden. Klingt doch ein klarer, reiner, Heller Ton hindurch, ein Ton der bunten Lust am romantischen Wagen, an der deutschen Märchen- stimmung. Trotz Raubes und Mordes, trotz blutig düsterer Atmosphäre und übler Untaten hält Wildenbruch in beneidenswerter Hofsnungsfceude eine unverderblich treuherzige Stimmung fest, die wie in jedem guten Märchen und in jedem schlechten Roman am glücklichen Ende nicht verzweiseln läßt. Im Handumdrehen wendet sich auf das Geheiß des Dichters alles zum Guten, nachdem kurz zuvor des Tichters Wille der Rabensteinerin Vaterhaus von deren Geliebten hat zerstören lassen, nachdem er den Weg zum Brautbett mit Leichen gedüngt hat. Aber hier zeigt sich doch auch wieder Wildenbruch als weit mehr denn nur als platter Henker-Melodramatiker. Er greift nicht zu naheliegender flacher Rührszene, sondern indem sich zwei Generationen trennen, führt er sie gleichzeitig zu einem weittragenden und verbindenden Verstehen. Dadurch aber erhält der Abschluß trotz aller Theatralik etwas verehrenswert Großzügiges. Man hat die „Rabensteinerin" hier und da mit Kleists „Kätchen von Heilbronn", ihre Sprache mit der Schillers verglichen. Welcher Unsinn! So wenig wie W. etwas von der feinen Reizsamkeit Kleists, von dessen genialer Kraft der Entdeckung ganz ungeahnter Gefühlssphären besitzt, so wenig verfügt er über die natürliche Kraft und sinnige Schönheit Schillerscher Rhethorik. In der Sprache der „Rabensteinerin" stört vielmehr eine seltsame Manier; zur Verrntttelallerttchung der an siK knappen und gegen^f ihn zu kennen und er würde dann vereidigt werden. Nach den Erörterungen über den Entwurf zur Der • fassungsabänderung wurde auch die Vorlage über die Land stände besprochen. Das Ergebnis der gemeinsamen Bk Hut keiner von diesen es dem Kaiser gemeldet? — Harden : Die mano ötc Integrität der Herren Eulenburg, Hohenau und Le- dreifache Entlassung markanter Hospersbnlichkeiten muss im engen II »I II»«,,»!»!,, , IM» I ■—l U ts-W—, »— rm,» IHWiii«»,imn4r< fflnmfTMl■■■■rr'nmmiwwmmiiMiBiiESI b- Stt * Er möchte das Wort Gegenwart nicht, das; es soweit kommt, ohne oaß er dazu erhält. Er bitte deshalb, daß ihm der Zeuge in ratung, bei der namentlich Staatsminister Ewald die Au schauungen der Regierung darlegte, kann dahin zusammen gefaßt werden, daß die 1. Kammer wohl noch weiter au ihrem durch den Jniativantrag bezeichneten Standpun! * verharrt, sich aber im allgemeinen der Meinung der Regic ’ rung anschließt und zu weiteren Verständigungsverhandlunge bereit ist. Zu positiven Beschlüssen kam es in der ui l1/* Uhr beendeten Beratung noch nicht und es dürfte dtt halb eine nochmalige gemeinsame Beratung anberaun "V werden. Zweifellos har die heutige Sitzung viel zu p Klärung der Sachlage beigetragen und die Aus sich l au eine endgiltige Verständigung zwischen beide Kammern wesentlich verstärkt, deren baldiges Zustand« kommen im Interesse unseres Landes von allen Seiten nu dringend gewünscht werden kann. auch die Freunde des v__________ , zoller, den ber Kaiser duzte und „Willi" nannte, den Graf Moltke duzte, dem er ein naher Verwandter war, dieser Graf Hohenau gehörte zu den Dreien. Für mich genügt dieses. Diese vier Herren bildeten eine Gruppe, einen Kreis. Graf seinen Besuch beim Fürsten E u l e n b u r g. Er gab an: ich habe ihm den Auftrag des Gerichtes ausgecichtel, er hat es aber abgelehnt, den Zeugen zu fehen, oder sich von ihm feiten zu lassen mit der Motivierung, der Zeuge könnte vielleicht behaupten, ihn zu kennen und er würde dann vereidigt werden. comte auf seinen Eid nehmen, so werde ich beweisen, das; dieser Eid falsch ist. Hat man den Mut, die Frau v. Elbe des Meineides zu beschuldigen, so soll man sagen, welche Punkte falsch sind. Ich bitte das Gericht, sich von den menschlichen Qualitäten des Kreises, der den Kaiser umgab, zu überzeugen Fürst Bismarck hat den Fürsten Eulenburg als Päderasten bezeichnet, was must Bismarck nicht alles gewußt haben und beobachtet haben, wenn er das gesagt hat von einem Manne in der Stellung Eulenburgs. — Harden: Zur Schonung ist jetzt keine Zeit mehr. Fürst Bismarck habe offen ausgesprochen: „Ter Fürst Eulenburg ist ein Päderast"; an diesem Bismarckwort ist nicht zu drehen und zu deuteln. — Bernstein: Tas Wort Bismarcks ist dreiviertel Beweis, daß dem wirklich so ist. Und was hat die deutsche Presse getan, als Harden seine Artikel voröfu milchte? Hat sie ein Hohngelachter erhoben? Sie hat zugestlinmt oder wenigstens die Sache mit allem Ernst behandelt. Fm Monatsbericht des wissenschaftlich-humanitären Komitees hat Tr. Hirschfeld festgestellt, daß eine Beratung des Ministers von Bethmann-Hollweg und des Polizeipräfi- benten v. Borries wegen der Verfehlungen hoher Offiziere m homosexueller Beziehung ftattgeiunben hat und daß auch der Name des Grafen Moltke und der des Fürsten Eulenburg dabei genannt wurde. Warum ist gegen Tr. Hirfchfcld nicht Klage erhoben worden. Tarauf berichtete Kriminalkommissar v. Treßkow über alls innig befreundet. Tie Freunde des einen sind nun meist Freundes. Graf Hohenau, ein Höhendes Gerichts gegenübergestellt werde. Jetzt würde er ja vollkommen auf die Boshaftigkeit oder Gutmütigkeit des Zeugen cmgewiese. sein. stündlichen Prosa hält er eine kuriose Umstellung der Worte für angebracht und bringt so Sätze fertig, wie: „Meine Braut dich hab' ich genannt"! Ter energische Fluß der Diktion aber, auch da, wo das Drama eigentlich auseinanderklasft, die präzise Cya- ralterschilderung, der unerwartet bedeutsame Schluß und namentlich die Gestaltung der wilden, gesühlsechten Bcrsabe, sie sind es, die dem Stücke doch eine gewisse künstlerische -Qualität verleihen. Im kgl. Cchauspielhause zu Berlin ist das romantische Nitterschanspiel wohl an die 60 mal in Szene gegangen. Kein Wunder, oeuu einmal ist die lekdeufchaftiiche Teil- nähme sur eine „gute Sache", die Ehrlichkeit des gut deutschen Empfindens unverkennbar, und dann hat das Stück einen wunderbar starken, die Menge ansachendeu Atem, es empfängt uns wieder und wieder mit zündenden Hitzegraden. Bühnensicherer ist feiten ein deutsches Drama gestaltet worden. Und wir bewundern aufs neue die zielsichere Ähnungslosigteit des Dichters, der uns nicht wie ein Mann von 62, sondern wie ein Jüngling von 26 Jahren entgegen» tritt. Direktor Steingötter hatte das Drama mit starkem Ge- sühl sur das dekorativ Wirksame ohne Aufdringlichkeit rnjzeniert. Mik der Darstellung hatten unsere Künstler die dritte große Aufgabe der neuen Spielzeit zu lösen. Dank umsichtiger und verständnisvoller Regie hatte das Drama im ganzen einen bedeutenden Erfolg auch bei uns. Die meisten Darsteller boten mit Recht mehr derbe Einfachheit als deklamatorisches Pathos. In Dekorationen und Kostümen gab es auch diesmal wieder viel Neues urw Schönes, zum mindesten Gefälliges, so zum Schlüsse ein recht hübsches altbayrrsches Städtebild. Die Gewänder der in Waldstein emdrmgenden Landsknechte blitzten in tadellosem Glanze- etwas mehr Realistik ivüre ja hier am Platze gewesen. ... /^TC Titelrolle spielte Helene Achterberg. Von prächtiger urwüchsiger Wildheit waren die ernsten Svenen ermut und wahr und übe^eugenb klangen dann die traa" ^vne, ganz durchglüht von starker indioioueller Letdenschastlichkeit. Diese sehr respeltable Künstlerin schon vermöge ihres tiejen, Herden und doch nicht des Wo >k lautes entbehrel^den Lrgaiis, die Gewalt der Rede und ihre Mast des Durchsuhlens einer dichterischen Gestalt jüchrt Dr. Bernstein schon frühzeüig erschienen. Bernstein wie Harden machen wieder einen ruhigen und gelassenen Eindruck, dagegen sieht Gras ftuno v. Moltke sehr erschöpft aus. An beide Parteien sind zahlreiche Zuschriften und Telegramme eingegangen, die auf die Prozeßverhandlungen Bezug nehmen. Bors.: Se. Durchlaucht Fürst Philipp Eulenburg ist zu heute geladen. Ist der Fürst hier? — Tr. v. Gordon: Der Hausarzt des Fürsten möchte eine Erklärung abgeben. — Sanitätsrat Tr. Gencrich: Ich habe den Fürsten nochmals untersucht. Er ist bettlägerig und ich habe ihm verboten, aufzustehen. Tas gerichtsärztliche Attest wird in einer Stunde hier sein. — v. Gordon: Wir wünschen jetzt die kommissarische Vernehmung, damit der Fürst mit dein Zeugen Bollhardt, der in ihm einen der Herren aus der Villa des Grafen Lynar wiedererkannt haben will, konfrontiert werden kann. — Bernstein: Ter Fürst glaubt, die Vernehmung errege ihn zu fehr seelisch. Sein Gesundheitszustand hindert ihn aljo nicht, dann ist es doch gleich, ob er in der Wohnung oder hier vernommen wird. Ich bitte jedenfalls die tominifsarifche Vernehmung erst am Schlüsse der Beweisaufnahme vorzunehmen. Wenn Fürst Philipp Eulenburg unter Eid in Abrede stellt, daß er homosexuell veranlagt ist, und daß er diese Veranlagung betätigt hat, so werde ich durch Zeugen den Beweis führen, dass diese. Behauptung unwahr ist. — v. Gordon: Fürst Eulenburg ist körperlich verhindert, hier zu erscheinen. Wollen Sie die Verantwor- lung dasür übernehmen, daß der Mann hier tot hinfinkt? — Bernstein: Tie Sache steht für den Kläger sehr schlecht. Ter Graf hat mit dem Fürsten Eulenburg, dem Grafen Hohenau und Lecomte verkehrt, Gegen diese sino die schwersten Vorwürfe erhoben worden. Sie hätten also sofort geladen werden mü|fen. - ordon: Es lag fein Grün.» vor, sie fofort zu laden, da anfänglich keine Rede davon war, daß Fürst Eulenburg Päderast sei. Nachdem gestern ein Zeuge das behauptet hat, muß dieser Zeuge mit dem Fürsten konirontiert werden. — Bors.: Es handelt sich . zunächst darum, ob der Zeuge Bollhard vereidigt wird. Er sagte, er möchte den Eid erst ablege:., wenn er den Fürsten gesehen hat. Es wird ihm anheimgeg. ", ob ihm der Fürst gestattet, ihn in seiner Wohnung zu sehen. Damit es unaufsallig geschieht, und dem Kranken nicht schaoet und damit es möglichlt schonend sich vollzieht, soll Kriminalkommifsar v. Treßkow den Zeugen begleiten. — Bernstein: Es wäre denkbar, daß der Zeuge den Fürsten nicht wiedererkennt. Der Fürst hat, wenn er schuldig ist, das größte Interesse, nicht erkannt zu werden. ES ist eine Reihe von Jahren vergangen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß jemand, der weiß, daß er rekognosziert werden soll, und zwar in seiner eigenen Wohnung, den Tatbestand verdunkelt. — Bors.: Tas Gericht behält sich ja noch eine Gegenüberstellung im Sinne des Prozeßverfahrens vor. — v. Gordon: Uebrigens ist ja Herr v. Treßkow dabei, der aufpassen wird, daß sich der Fürst keine Maske aufsetzt. Ich hätte Beweis zu erheben darüber, daß Graf Moltke sich in edler Weise über die Frauen und die Ehe ausgesprochen hat. Ich bitte, dann einen Brief der Frau v. Elbe zu verlesen, worin sie erklärt, es tue ihr leid, daß es so weit gekommen sei, und in dem sie ihren Mann als gut und klug schildert. Dann darf der Prozeß nicht zu Ende gehen, ohne daß die Grafen Lynar und Hohenau vernommen worden sind. Sie sollen bekunden torß Gras Moltke nicht das Geringste mit Ihnen zu tun hatte' Bollhardt hat erklärt, es sei wahrscheinlich, daß Graf Molth an den Vorgängen in der Villa beteiligt war, an sich ist das ja ganz unwahrscheinlich. Aber der Verdacht ist auf den Grafen geworfen worden. Dieser Verdacht muß ans der Welt Tic beiden Grafen sind Ehrenmänner genug, so daß sie hier erscheinen werden. Ich bitte die Kriminalkommissare v. Treßkow und Äzi. Kopp zu vernehmen, die angeben werden, daß ihnen nichts Belastendes gegen den Grafen bekannt ist. Dann muß ich auf meinen Antrag zurückkommen, Se. Majestät zu vernehmen darüber, daß Gras Moltke niemals seine Stellung mißbraucht hat. Ter Graf hat mich als General gebeten, die Person des allerhöchsten Herrn unter keinen Umständen in die Debatte ziehen zu lassen. — Harden: Ter Gedanke, Graf Moltke löiinc die Person des Kaisers politisch so beeinflußt haben, daß der Kaiser eS merkte, ist nicht ernst zu nehmen. Es wird bewiesen werden, daß Gras Moltke jahrelang an den Fürsten Eulenburg Berichte gesandt hat über das, was um die Person des Kaisers am Hofe geschah. Die politische Betätigung des Fürsten Eulenburg ist notorisch. Tie Grafen Lynar und Hohenau werden nach dem, was von ihnen gestern bekannt geworden ist, wohl kaum hier vor Gericht erscheinen. Der Antrag sie zu laden, ist ein Versuch, den Prozeß hinzuziehen. Mann macht dann den Versuch, die Aussage der Frau v. Elbe zu erschüttern. Ihre Aussage ist aber ein Komplex von ungeheuerlichen Begebnissen. Sie ist entweder im Ganzen richtig oder falsch. Geistig minderwertig ist die Zeugin nicht. Tas wird auch Professor Schwen ningcr bezeugen, bei dem sie fünf bis sechs Jahre gemein hat. Man hat nicht behauptet, daß sie absichtlich falsch ausgesagt hat. Auch über die Frage der Vollziehung der Ehe wird Frau v. Elbe noch Auskunft geben müssen. Ich bitte die Eltern Ar Frau v. Elbe zu laden. Frau v. Elbe wird auch über die Mißhandlungen näher berichten müssen. Frau v. Elbe hat sich seinerzeit gegen die Scheidung gewehrt, u. a. weil auch der Kaiser Trauzeuge gewesen war. — Bernstein: Wir werden uns die Ehescheidungsakten vorlegen lassen müssen. Will je» sie zu starken innerlichen Wirkungen. Dein total begeisterten jungen Welser lieh Elemens Roden seine sympathische jugendliche Männlichkeit und heißesten Atem der Leidenschaft. In einzelnen besonders schwierigen kleinen Mo- menten traf er mit überraschendem Glücke den rechten Ton. Dann wieder war er ganz schmetternde Wildenbruchtrompete. Seine lebendige Ursprünglichkeit ist noch von lauterster Frische und Naivetät, loh der treuherzigen Ehrlichkeit jugend- k-ühnen Draufgängertums. Das Flackerige seines Feuers, das noch ein wenig zu nah der Kulisse sich hält, wird ja wohl mit der Zeit verschwinden. Man inerkt hin und wieder noch zu sehr die Absicht des Wirtenwollens. Immerhin haben wir es doch sichtlich hier mit einem recht talentvollen jungen Künstler zu tun, der es heilig ernst mit seiner Kunst meint und der den Flug zum Höcl)sten zu nehmen mit freudigem Jugendmute gewillt zu sein scheint. Die Borschußlorbeern, die ihm gestern gespendet wurden, mögen ihm ein Ansporn mehr sein zum Aufschwünge. Vorläufig fehlen ihm noch kraftvolle Sicherheit und rechtes Maß. Das aber wird ihm die Zeit wohl verleihen. Glückauf zu frisch-fröhlichem Weiterwagen und Jagen! Ais ausgehungerter nuttelalterlicherAgrarier schuf B a k o s im engen Rahmen des 1. Aktes eine fesselnde Gestalt, rauh un Leben, rauh im Sterben, ganz marlrge Männlichkeit, die wir von anderen ähnlichen seiner vortrefflichen Leistungen her kennen. Härter und herber, als mans wohl als Zuschauer möchte, do chgetreu den szenischen Anweisungen ^^s Dichters, gab Gareis den alten Welser, mit einer Bärbeißigkeit von nicht immer ganz freiwilligem Humor. Helene Schumann spie.le ganz angeme.s.n die Mutter Weiser,Luise Bon e dagegen war als fromme und gottselige Dietburg doch keineswegs am rechten Platze. Die unsympathische „steinerne Jungfrau von Nürnberg" hatte Küte Eardunq tzU vertreten, sie fyatte sich mit Entsagung der undankbaren Aufgabe unterzogen, aber hätte sie ein wenig die.über- harten Farben der dichterischen Figur gemildert, statt sie nach Kracken noch zu unterstreichen, dann wäre ihre Aufgabe biyf) lohnender erschienen. Unter den Rabensteiner Knechten wußten Gsell Lotz und Fredy besser als v. d. Becke die derbe Treuherziakeit ihrer Rollen zu treffen; namentlich bot Gsell eine treffliche Eharatterfrgur. kleineren Rollen bewährten sich nocd Schmidt-Pauly, Greifs und Hermine Gilzinger. PW Inzwischen ist ein eigentliches Attest von Geri^tsrat Tr. Leppmann eingegangen, wonach dieser erklärt, daß der Fürst zur Verhandlung wegen feines Gefundheitszustandes nicht erscheinen könne. Das Gericht erklärt den Zeugen daraus für entschuldigt. Es werden dann weiter Auseinandersetzungen gepflogen, ob eilt Kreis um den Kaiser bestanden hat. Harden: Tie Herren gehörten zusammen, Eulenburg und Moltke waren die Intimsten der Intimen. Lecomte und Eulenburg waren gleich- 2lu$ St«St iuiö Land. Gießen, 26. Oki. 1907. " Vom Großh. Hofe. Prinz Waldemar, dk Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, kam am Fceita nachmittag 4 llhr 50 Min. von Straßburg, wo er vc einigen Tagen an der Universität immatrikuliert wurde, in dem fahrplanmäßigen Schnellzug in Darmstadt an, murt von seiner Mutter un Automobil an der Bahn in Empfan genommen und nach Jagdschloß Wolfsgarten geleite wo er einige Tage verweilen wird. ** Das Wertzuwachs st euerge^setz wird « nächsten Donnerstag von der 1. Kammer beraten werdet ** Diebstahl. In verflossener Nacht wurden au einem Hausgarten an der Lahn von unbekanntem Tükt 12 Herrenhemden von der daselbst zum Trocknen au gehängten Wäjche gestohlen. Die kürzlich erst erlassei Verwarnung, Wäsche nachts nicht in Gärten hängen z lassen, hat anscheinend sehr wenig gefruchtet. ** Wie er sich rächt. Vor einigen Tagen erschic bei einer Familie hier ein junger unbekannter Mensch, d. Grüße von einem Verwandten brachte, anscheinend ab> ein Geschenk zu erlangen hoffte. Da er nichts erhiel bestellte er in mehreren Geschäften Waren jür die bet Moltke mußte wissen, daß Fürst Eulenburg homosexuell ist. Von Lecomte wußte er es auch. Vom Grafen Hohenau will er nichts gewußt haben, von diesem Mann, der jahrelang in Erpresserhänden war. Ich schone die Herren ja noch in letzter Stunde, sonst lasse ich Ihnen Mitglieder des regierenden Hauses laden, die nur gesagt haben: „Wollen die Leute es denn bestreiten? Sind sie denn wahnsinnig? —" Graf Moltke hat sich den Nock nur damit erhalten, daß er die Unwahrheit sagte. Alles ist Lüge! (Höchst erregt) Seit Monaten lebe ich in biej/eii Dingen. Ich habe genug, ich tue es nicht mehr. Bernstein: Hohenau, Eulenburg und Moltke sind an einem Tage entlassen worden, sollen da ihre Entlassungen nicht in Beziehungen zu einander stehen? Hier entsteht ein unlösbarer Zufammenhcmg. Graf Moltke: Und ich habe von diesen Dingen nichts gewußt. Es ist iin allgemeinen nicht Sitte, daß man über militärische Intimitäten spricht, ich berühre sie nur soweit ich darf. Ich habe meinen Abschied eingereicht, unter der Motivierung, daß ich unter Verdächtigungen stände, die öfter nicht leicht zu beseitigen seien und es wäre bedenklich, wenn eine Persönlichkeit wie ich, in der Stellung, die ich damals einnahm, unter solchen Verleumdungen stehen würde. Tiese Verleumdungen, die nachher zurückgenommen wurden, haben mich gezwungen, meinen Dienst aufzugeben, der nur lieb war. Ein alter Soldat mit 42jähriger Tienstzeit hat nichts Süßliches an sich. Ich bin von Amt und Ehre gebracht worden und bitte das bei Bemessung der Strafe in Betracht zu ziehen. Vor».: Sind Sie nicht gefragt worden, ob diese Verdächtigungen wahr ieicn? — Graf Moltke: Ja, und ich sagte „Nein". — v. Gordon : Ich bitte, den Staatssekretär o. Bechiuanir-Holl- weg und den Polizeipräsidenten o. Borrios zu laben, die bekunden, werden, daß sie gar keine Konferenz wegen des Grafen Moltke oder anderer Herren wegen homosexueller Beziehungen hatten. Wenn Bismarck glaubte, daß Fürst von Eulenburg l-omosexuell war, warum trat er nicht vor Se. DJlajeftat hin und sagte es ihm. Graf Moltke sollte seine Kameraden denunzieren, obgleich er von ihnen nichts schlechtes wußte. — Graf Moltke: Ich erkläre nochmals, daß ich von dem Tun des Grasen Hohenau nichts wußte. War ich denn ein Denunziant im Hauptquartier des Kaisers? Ich hatte als Kommandant von Berlin anderes zu tun. Ich weiß nicht, was Graf Hohenau getrieben hat. — Harden : 2000 deutsche Offiziere wußten es. — v. Go rdon : Warum Zusammenhang stehen. Es war eine Gruppe, ein Kreis. — „ Moltke : Sie spielen mit Worten. — Harden U^chst er reit Ich bin zu Ende gegen diese Beschuldigungen. Sie mußten dock ' wissen, weshalb Ihr Freund feine Stellung verlor. — yTo’ 1 Moltke : Ich weiß nicht. Ich habe das Schriftstück nicht V. W sehen. — Tas Gericht beschloß daraus, den Sachverständigen Tr e Hirschfeld darüber zu vernebmcn, ob er auf Gründ btr * bisherigen Verhandlungen ein Gutachten darüber abg^.-n fönn daß der Privatklager homosexuell veranlagt sei und sich homo-' sexuell betätigt habe. — Bors.: Stellen Sie die Betündur- 1 der Frau von Elbe und Ihres Sohnes bauet als wahr unter - f — Tr. Hirschfeld: Ich bin zu der wlssenschaituckm Ueberzcugu' 1 gekommen, daß beim Grasen Moltle objeitiu eine Abweichun * von ber Norm bezw. von den Gefühlen dec Mehrheit un Em pfindungsleden voruegt. Es liegt zweise.tos eine angeboi n f und ihm selbst ancy nicht bewußte Anlage vor, die man als hom - t sexuell zu bezeichnen pflegt. Ob er sich homofexueil betätig: tat, ut vom naturwissetuchaitlichen StarroprMcke aus nebenfächum * Cb gibt auch eine gewiße platonifche Munnerckebe. Die Home lexualität äußert sich un Verhalten von Personen des gutdxi• t und des anberat Ge,chlechts gegenüber und durch das Hervor i treten gewßstr femininer bezw. manmcher Eigenia-aftcn. Ti.s 1 Dreiheit tritt bei dem Grafen v. Rkoltke zu Tage. Sie ist & 1 Tragik fernes Ehelebens. Durch die Tafchemucqfzenc, die Au l reden aus Briesen ufw. wird d^e homosexuelle Neigung erunefer c — Bors.: Gibt es verschiedene Arten der Betätigung ocr Homo ßt scxualitat? Ist der Kuß eines Taschentuchs scyon em Bewe,, dasür ? — Sachverst.: c s tann der An sang sein, ebenso wi f xuß und Umarmung. Es btauuji aber nicht so zu sein. Etn^ t lexuelle Betätigung iitdas aber mcyt. Dem Graien Moltke brauch! die homosexuelle Veranlagung der anderen Herren nicht beton in । zu fein, da solche Herren sich uetd sehr geschickt cachiereu. — L Jusnzrat v. Gordon ncllt feil, baß der Q>raf in Brcsiau mehrer. 1 aat/re hindurch ein Verhältnis hatte. — Sachvern.: Trotzccm kann er honisiexuell fein. Vie.e töonrofexuelle palten sich sogar fc Jieiwmmicrmeiba. Andere heiraten ihrer Familie wegen. —. vi Bernstein: Die Grasen Hol>enau sind verheiratet und haben sogar x , Kinder. — Gras Nkoitke: ^ch will etwas jialcres über mein Brr-. hältnis zum Fürzen Eulenvurg sagen. Wir machten zusammei: i ' uen Krieg von 1866 mit, waren auf der Kriegsichicke und gut befreundet. Ich trieb eifrig Musik mit meinem Schwager, dem Grasen Dautelmauii. Als er gegorbeu war, fand ich in eiuicn uurg einen Freund, ber an ferne Steile trat. Wir trieben etirig '' Musik und veriehrten mit Lenbach, Kaulbach uru> anderen jtünn lern. Wenn wir uns „Alter" und „Seeie" nannten, fo gibt eben ßtf oas beit Satz „le ton fait la rnufique". Harden lieht seft, daß uraf Hohenau die von ihm miß. . brauchten Soldaten mit seinem Porrrat beschenke hat, daß er also nichts veevorgen habe. — Sacht-erst.: DaS waren seine 1'^ männlichen F-rcunoe. Gegen andere Personen kann er aber fehl kri verschwiegen sein. — Haroen: Ist es nicht auch em Zeichen homo- pq leiuelicr Veranlagung, wenn Gras' 'iNoltte kosmetisck>e Mittel an. wendet. — Sachversl.: Diese Dinge sind nicht wesentlich. — Gras RUiltke: Vieinc beiden Diener können bekuudai, was daran sil wahr ist. — Haroen: Macht Gras ^korlk'e den Eavruck eines, normalen preußiichen Generals? — Sachverst.: Da..wer kann ui ' fein Gutachten abgcben. — Harden: Muß nicht eim Gruppe von hoinv,exuetien Leuten um den Thron schaden anrichten, durchs! den Ncangel an Wahrhaftigkeit bei ihnen selbst uuo durch den Mangel ait Erkenntnis der Wirklichkeit, der dann bet der höchpaa r Perwn entstehen kann. — Sachverst.: Wenn sie sonst brave Leun! sind, sind sie nicht schädlich. — Dr. v. Gordon: Waren uidjiF Michel Angoto, Friedrich der Große, Gras Platon, Gobineau ufw auch Homo sexuelle? — Sachverst.: Friedrich der Große wies un hl verkennbar einen homosexuellen Einschlag aus. Tie Wahlrechtsreform in Hessen. R.B. Darmstadt, 25. Olt. In der heute vormittac k? 10 Uhr abgehaltenen gemeinsamen Beratung de'i ' Gesetzgebungsausf chüsse beider Kamniern führte nack vorher erfolgter Verabredung und auch altem Brauch ent spachend der Präsident des Ausschußes der 1. Kammer . Fürst von Leintngen, den Boisttz. Als Negierungö Vertreter wohnten der Beratung staatsminister Ewald Ministerialrat Lorbacher und Oberregierungsrat Di Weber bet. Fürst z u Lein in gen gab zunächst de Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen von Ersol. ; begleitet sein und dem Lande zum Segen gereichen mögen ! Dann gab Geh. Juftizrat Pros. Schmidt einen Ueberblu über die Entwickelung der Wahirechtsvorkage, woran sic eine allgemeine Aussprache anfchloß, nachdem Abg. v. Bren ano kurz den Standpunkt des Ausschußes der "11. Kamme dargelegt hatte. An der Debatte beteiligten sich Abg. Di Glässrng, Oberlandesgcrichtsprüsident Lippold,' Gra Kuno Stolberg, Oberbürgermeister Mo r new eg, Abo < v. Brentano, Abg. Dr. Fulda u. a. e 1 i i t > )i ) ! (1 I I J t i i ii 2 S e i J ] ii i u r : i ii i i t t i ii a ii l x j i i t ! il A e Familie, die dann auch der ahnungslosen Hausfrau KU- gesandt wurden, obgleich sie keinerlei Bestellung gemacht hatte. Wenn auch die Tat niemanden schädigte, so Marder Scherz, den sich der Fremde erlaubte, für die Beteiligten doch aufregend. ** A u s dein Bureau des Stadt theaters. Es sei besonders aui die beiden Sonntagsvorstellungen „Schöne Ungarin" und „Husarenfieber" hingewiesen, die beide zu kleinen Preisen stuUsinden. Beide Vorstellungen bieten dem Zuschauer, der sich einmal herzlich auslacheu will, prächtige Gelegenheit dazu. Nach dem Vorverkauf ist auf regen Besuch zu rechnen. chGroßen-Linden, 25. Okt. Unsere Stadt hat für das Schulhaus und die Basilikakirche, die gegenwärtig renoviert wird, eine Zentralheizungsan l.uge eingerichtet, die heute in Tätigkeit trat. /\ TreiL a. d. L., 25. Okt. Nachdem der Bau der hiesigen Wasserleitung beendet ist, findet morgen, Sonntag, ihre festliche Einweihung statt, wobei eine Musikkapelle aus Kosten dec Gemeinde konzertiert. Zu der Feier hat die Gemeindevertretung sämtliche hier bestehenden Vereine eingeladen, auch die Schuljugend nimmt an dem Festznge teil. Als einige Herren die Anregung zum Bau der Leitung gaben, war ein Teil der Einwohner darüber geradezu erbittert; heute dagegen wird die Wasserleitung allseitig nut Freude begrüßt. — Auch bekommen wir in Kürze die Feldbereinignng, die bereits genehmigt ist. Dazu tauchte schon vor einiger Zeit das Gerücht auf, unser Oct solle mit elektrischem Licht versorgt werden. Eine hiesige Mühle wäre sehr gut geeignet, die erforderliche Kraft hierfür zu liefern. Ntan sieht daraus, daß unser Ort auf kommunalem Gebiete Fortschritte macht. Die Baufirma der Wasserleitung hat ein nettes Sümmchen Festlichkeit bewilligt. cp Steinbach bei Gießen, 25. Okt. In großer Beunruhigung befindet sich unsere Einwohnerschaft wegen der wiederholten Brände, die nun schon 10 Scheuern nebst Stallungen mit großen Vorräten einäscherten. Tie Staatsanwaltschaft weilte die letzten Tage hier und stellte Ermittelungen an. Ein bestimmter Verdacht besteht bis jetzt gegen niemand. Tie Lösch arbeiten bei den Bränden sind dadurch sehr erschwert, daß die Wasserleitung noch nicht fertig ist, es fehlt jetzt noch an Wasser. Am 1. Dezember soll die Leitung vollendet sein. x Romrod, 25. Okt. Unser durch dos Großh. Jagdschloß weit bekanntes Städtchen hat gestern seine Mass er- leitung durch eine Feier eröffnet. Auch das Schloß wurde an die Leitung angeschlossen. Geh. Baurat Eser- Aad-Nauheim nahm an der Feier teil. sd. Darmstadt, 26. Okt. Aus Anlaß seines 68. Geburtstages übermittelten dem Kammerpräsidenten Haas heute vormittag der 2. Präsident der Ständekammer Abg. Köhler und der 2. Präsident der Landwirtschaftskammer Bähr herzliche Glückwünsche. -J- Bad-Nauheim, 25. Okt. Ein hiesiger Gastwirt wollte Apfelwein Herstellen. Als die Frau die Mühle drehte. löste sich' das' schwere Schtrmngrad und fiel der Frau auf die Brust, und die Frau stürzte zu Boden mit dem Kopf auf einen Stein. Die Verletzungen an Kopf und Brust sind schwer. ** Offenbach, 25. Okt. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Versamrnlung wurde die Unterstützung einer Eingabe des Vereins zur Wahrung städtischer Interessen an das Ministerium beschlossen, in der u. a. die Erbauung einer Vollbahn von Offenbach nach Oberhessen und eine direkte Bahnverbindung mit Darmstadt beschlossen wurde. Biedenkopf, 28. Okt. Der hier verhaftete falsche „Gras" Max Schmiemangk erhielt dieser Tage von seinem Helfershelfer in Berlin einen Brief, worin dieser sich als Diener des Grafen bezeichnete. Daraufhin ist auch der „Diener" in Berlin "verhaftet worden. Schmiemangk hattr erst am 15. September eine wegen Heiratsschwindeleien gegen ihn verhängte dreijährige Zuchthausstrafe verbüßt. Gleich nach seiner Freilassung fiel ihm die in Berlin bedienstete Tochter einer hiesigen Familie zum Opfer. Er soll dem Mädchen nach und nach 280 Mk. abgenommen haben. Vom Erdbeben in Süditalien. Meldungen aus Ferruzzano in Calabrien besagen, daß der ganze Ort vollständig zerstört ist. Bis jetzt wurden 500 Leichen unter den Trümmern hervorgeholt. Die Verstümmelungen erschweren die Identifizierung. Man spricht von 600 Verletzten. Mehrere Kolonnen Freiwilliger brachten die erste Hilfe um 2 Uhr morgens. Die Rettung ist erschwert, weil noch Häuser einzustürzen drohen. Die Geretteten verweigern, starr vor Schrecken, ihre Hilfe bei den Bergungsarbeiten. Regen und Kälte erhöhen den allgemeinen Jammer. Die Regierung hat 1100000 Lire für die nötigsten Bedürfnisse gesandt. Genaueren Angaben zufolge ist Ferruzzano nicht unmittelbar dem Erdbeben zum Opfer gefallen, sondern von einem ungeheuren Erdrutsch verschüttet worden, der durch das Erdbeben verursacht wurde. Man zählt über 600 Verwundete. Der Schaden ist ungeheuer. Ein Sonderzug mit Aerzten und Medikamenten ist eingetroffen. Die Aerzte haben den Auftrag, bei Brancaleone, einer Ortschaft nahe Ferruzzanos, die selber fast zerstört ist, ein Feldlazareth für transportunfähige Verwundete zu errichten und die transportfähigen soweit möglich nach dem 40 Kilom. entfernten Reggio abzuschieben. Wolkenbrüche haben die Straßen in wilde Gießbäche verwandelt. Der zuerst am Platze erschienene Prätor vermochte mit Hilfe von Zollwächtern 9 Personen lebend aus den Trümmern hervorzuziehen. Darunter befand sich ein Säugling, dem die Leiche der Mutter als Schutzdach gedient hatte. Das später eintreffende Militär konnte trotz heroischen Vordringens nur eine Frau lebend aus den Trümmern retten. Es regnet noch immer und es fehlt an Medikamenten. In Reggio, wo die Bevölkerung die Wiederholung des Erdbebens befürchtet, brachten die Bewohner die Nacht auf den Straßen und Platzen zu, welche von Litaneien und Gebeten widerhallen. Zentrum des Erdbebens ist Gerace, in dessen Umkreise die am meisten beschädigten kleinen Orte Ferruzzano, Brancaleone und St. Ilario liegen, Orte von je etwa 3000 Einwohnern. Die Orte sind auf Hügelspitzen gelegen und nur mit den aller primitivsten schwierigen Zugangsstraßen aus- gestattet. _______ 'JJ hiri te. Gießen, 26. Okt. Marktbericht. Auf beutigem Wocbenmarkts kosteten: Butterpr. Pfd. 1.10—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 8—9 Vfg., 2 Sick. 00—00 Vfg., Gänseeier 10—00 Vfg., Enteneier 8 Pfg., Käse pr. Sick. 6—8 Pf., Kasematte 2 Eick. 5-6 Vfg., Erbsen p.Psd. 18-24 Psg, Linsenp.Psd.25-40Psg., Tauben pr.Pr.0,80—l,00Mk.,Hülmerpr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Alk., Gänse pr. Psd. 65—70 Psg., Ochsenfleisch pr. Psd. 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—84 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 88 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Psd. 6t—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100Kg. 5.00—5.50 Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Nüsse 100 Stück 40—00 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk., Weißkraut per Stück 10—15 Pfg., per Zeuluer Alk. 1.50—2.00. — Zwelschen perZlr. 0 00—0 Mk. Aepscl per Ztr. 10—25 Mk. Birnen per Ztr. 10—25 Mk. Marktwert von 8—2 Uhr. Berlin, 24. Ott. Der Stand der Herbstsaaten iirt, Reich für Mitte Oktober ist: Winterweizen 2,4, Winterspelz 2,5, Wintcrroggen 2,4, Kartoffeln 2,6, (im Vorjahr Winterweizen 2,4, Winterfpclz 2,4, Wintercoggen 2,4, Kartoffeln fehlt). Zwei bo deutet gut. I siebener WLtrervlettfi. Voraussichtliche Witterung für Hesse»» am Sonntag den 27. Oktober: Vielst trüb. Leichte Regensälle. Teinperatur »vie hellte. Sctuvache nördliche Winde Moskau, 26. Okt. Tie hiesige Studentenschaft beschloß einen dreitägigen politischen Streik. Ter Presse wurde unter Androhung schwerer Strafen die Veröffent- tichund jeder Streiknachricht verboten. i Odessa, 26. Okt. Tie Redakteure der hiesigen Zeitungen 1 „Novosti Listok" und „Obozrenie" wurden vom Gouverneur wegen Namhaftmachung der oppositionellen Kan- d i d a t e n für die Reichsduma zu einer Geldstrafe von je 1000 Rubel verurteilt. Ter Kandidat der Kadetten, Nicolskh, wurde verhaftet. Wien, 26. Okt. Aus Schönbrunn wird gemeldet, daß mit Ausnahme des Hustens alle übri,gen Krankheits- Erscheinungen beim Kaiser gewichen sind. Schlaf und \ Appetit sind sehr gut. Infolgedessen bessert sich auch zusehends der Kräftezustand. Falls das Befinden weiter günstig, bleibt, soll in der nächsten Woche mit Spaziergängen im Freien begonnen werden. __1 im WWr UMMAN Giefty Garterrstraßc 2, Zimmer 2. lGeschäftsstunden von 8—1 mit) von o—6 Uhr.) Todes-Anzeige. Gestern abend 6 Uhr verschied meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter und Tante km hpte tote geborene Hammel 70. Lebensjahre. Im Naruen dec tcauernden Hinterbliebenen: Heinrich Wächter, Maurermeister. Annerod, den 26. Oktobec 1907. [08199 Die Beerdigung findet Sonntag den 27. d. M., nachmittags 3 Uhr in Annerod statt. Es sind zu vermieten: r 1 Wohnung von 8 Zimmern, 1 Wohnung von 6 Simmern, 8 Wohnungen von 5 Zimmern, 9 Wohnungen von 4 Zimmern, 4 Wohnungen von 3 Zimmern, 3 Wohnungen von 3 Zimmern mit Laden,' 2 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 -, Zimmern und Werkstatt, 1 Werkstatt, 4 möblierte Ztminer. Zu mieten gesucht: _ 30 Wohnungen von 1—7 Zimmern.____________________\nxh0 WiW« MMmWÄ Wetze«. Garlenstraße 2, Zimmer 2. Es fölitten eingestellt werden: . 1 Bauschtosser (auswärts), 1 Schmied (auswärts), 2 Spengler 4 1. 1 Buch (Handbuch der ge,. 1 Eisschrank, 1 Grammophon, 1 Kassen) chrank, 1 Schuhmacher- Steppmaschine, drei Pferde- geschirre, 3 Stämme Wertholz, 50Stämme Schnittholz, 9Lische, 96 Stühle, 1 Pferd, 2 Wagen, 1 Partie Ellen waren, 1 Partie Schuhwaren u. v. a. zwangsweise gegen bar versteigert werden. Versteigerung ad. I. findet bestimmt statt. Gießen, den 26. Oktober 1307. i. V.: Mort. Gerichtsvollz. Asp.. Montag den 28. ds. 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