Ale Heutige Yunmer umfaßt 10 Seite» hätten einer Arankreich in Marokko. Die Dinge in Marokko spitzen sich immer mehr zu und ie Machthaber in Paris scheinen sich, angesichts der Ent- ücklung, welche die Dinge genommen haben, nicht ganz : whl i n ihrer Haut zu fühlen. So sehr den fanatischen Ma- ! okkanern ein kräftiger Denkzettel zu gönnen war, so läßt 1 ch doch nicht leugnen, daß das allzuschneidige Borgehen ,er Spahis und Fremdenlegionüre — um keinen anderen : usdruck zu gebrauchen — die fremdenfcindliche Stimmung ngemein verschärft, und jetzt sogar zum Sturze des Sulins geführt hat. Alle aus Marokko kommenden Meldungen immen darüber ein, daß der Anhang des neuen Sultans ündig wächst und die Tage des bisherigen Herrschers Gezählt sind. Denn dieser galt als der Urheber allen ebels, weil er es angeblich nicht verstanden hat, den isla- citischen Glauben gegen die Uebergrisfe der Fremden zu hützen, vielmehr noch verschiedene seiner Rechte preis- e geb en habe. Der neue Sultan rückt bereits gegen die ranzosen an und sein Anhang dürfte auf dem Wege ach Casablanca bedenklich anschwellen. Mag auch der ilitärijche Wert dieser Horden ziemlich gering einzu- .hützen sein, so machen sie doch den Franzosen unleugbar el zu schaffen und man wird noch auf lange hinaus it den Wirren in Marokko zu rechnen haben. Genüssen lementen mag freilich diese Verwickelung sehr gelegen mmen, denn es ist ein offenes Geheimnis, daß in Frank- ich eine Clique existiert, die nichts sehnlicher wünscht, s unter Benutzung einer verworrenen Lage in Marokko lselbst im Trüben fischen zu können, um unliebsame onkurrenz, speziell die deutsche, beseitigen zu können, arum wird ihr die augenblickliche Wendung mehr als rgenehm sein, denn der bisherige Sultan galt als utschfreundlich und war stets geneigt, deutschen Firmen weit es irgend ging, den Vorzug zu geben; nach seiner Beseitigung würde sich aber das Blättlein wenden, denn es egt auf der Hand, daß der neue Herrscher das direkte egenteil von seinem Vorgänger tun wird, um nicht dessen hicksal zu teilen. Für die offiziellen Stellen Frankreichs die Situation allerdings recht ungemütlich und man -eint mit dem marokkanischen Abenteuer in eine Sackgasse raten zu sein. Aus Casablanea können sie nicht ohne eckeres Weggehen, wenn ihr Prestige nicht merklich leiden tl; anderseits aber darf man die Aktion nicht gar zu it ausdehnen und etwa gar an eine Okkupation größerer -oietsteile denken, da andernfalls die Mächte von Alge- :as dreinreden würden. In London ist man merkwürdig still und bedauert sgeheim, nicht mit dabei zu sein, um die französische tion paralysieren zu können. Noch weniger erbaut ist an in Spanien, wo man von Anfang an von der.Aktion uig wissen wollte und nur mit halben Herzen bei der rche ist. Man hat Wohl eingesehen, daß es in Algeciras t Fehler war, mit Frankreich durch dick und dünn zu gehen, der konkurrent Spaniens in Marokko nicht Deutschland, rdern Frankreich ist; dies hat man jetzt erkannt, wo aber zu spät ist und man mit Anstand nicht mehr zurück nn. Am meisten Beklemmung verursacht an der Seine die ltnng Deutschlands und es ist wohl nicht in letzter rie die Besorgnis vor einem scharfen Eingreifen Deutschros, daß man es nicht wagt, in Marokko weiter vorzu- hen, so sehr dies auch gewisse K'reise wünschen möchten. 0 dieser Erwägung heraus resultiert wohl auch zum it die in Paris jetzt vorwaltende deutschfreund- ch e Stimmung, da jetzt sogar Blätter, die bisher eine uvinistische Haltung einnahmen, recht freundliche Worte : den „Erbfeind" finden. Man hat sich also sestgerannt d es kann als völlig ausgeschlossen gelten, daß der Erfolg großen Mühen und Aufwendungen lohnt, welche die rgste marokkanische Aktion Frankreich kostet. Gewisse .utchen mögen es sich einst sehr leicht gedacht haben, i rrokko ähnlich zu okkupieren wie Tunis, aber ehe es , oeit ist, dürsten sich die Franzosen nod) mehr als ein- ; l die Finger verbrennen. die Pflicht, dem Papste beizuspringen. Zur Behebung finanziellen Notlage solle jeder nach seinen Kräften zum Peterspfennig beitragen. Nicht nur Gtzd, sondern auch Gewänder wurden gern entgegengenommen. Die nicht- zum leidenschaftlichen Bedauern aller Theaterfreunde an München verlieren. Ihre Abschiedsvorstellung am Freitag („Judith") wird wohl den Rekord an stürmischen Kundgebungen schlagen. Dr. Z. — Ob Wilhelm Diegelmann, der Vollsaftige, Kraftstrotzende, auch von Frankfurt sich in dieser Woche verabschieden wird, ist noch nicht sicher, denn es ist eine starke Bewegung hn Gange, die den Künstler, den sich, wie die Leser des „Gieß. Anz." wissen, Reinhardt vom Berliner Deutschen Theater gesichert hatte, wieder an Frankfurt fesseln wollen. — Hermann Sudermann hat die Commerserien benutzt, um an seinen großen R o m a n, an dem er schon längere Zeit arbeitet, die letzte Hand anzulegen. Ueber den Inhalt des Romans sowie über den Zeitpunkt des Erscheinens wird Stillschweigen bewahrt. Trotzdem haben sich schon mehrere Verleger darum beworben für den Erstabdruck in Zeitschriften. Von einer größeren Berliner Zeitung wurden chm schon jetzt h u n d e r t- tausend Mark geboten. Diese Summe soll aber trotzdem nicht das Höch st gebot sein. — Die Macht der Finsternis wird wieder recht bemerkbar. Tie Tage sind schon erheblich kürzer geworden, und in wenigen Wochen ist das Gleichgewicht zwischen Licht und Finsternis wieder hergestellt. Schon ist die Lainpe uneder m ihre Rechte getreten. Bei chrem Schein wird zu Abend gegessen. Früher und früher entzünden sich die Straßenlaternen und verändern den mentlich deutsche Kaufleute in Marrakesch hätten ihm viel zu verdanken gehabt. Als Tr. Mauchamp ermordet wurde, habe Mulay Hasid die Europäer sofort nachdrücklich beschützt, und als dann später die Lage in Marrakesch wieder bedrohlicher wurde, sei der Verfasser des Berichts mit anderen europäischen Herren zu Mulay Hafid gegangen, und dieser habe sosort erklärt, daß er für das Leben der Fremden innerhalb der Stadtmauern bürgen wolle. Auf die Frage, was aber bevorstände, wenn die Franzosen außer Udschda weitere marokkanische Städte besetzen sollten, antwortete er: „Wenn das geschieht, schicke ich euch sofort durch meine zuverlässigsten Leute, die durch heilige Eide gebunden werden uno mit ihren Köpfen für eure Sicyer- ycit stehen niüssen, nach der Mste, und dann wird der Sultan — Allah schütze und erleuchte ihn — wohl schon den Fwanzosen den Krieg erklärt Haven, oder aver" — und fein Gesicht verfinsterte sich — ich kenne keinen Sultan mehr und rufe alles, was an Allah und den Propheten glaubt, zum Krieg." — Dieser Fall ist jetzt emgetreten. Aleincs Feuilleton. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Für schon von )u vielen Pächtern übernommene und baldigst 1 Der aufgegebene „Residenztheater" alias „Orpheum" an Neuen Zeil hat sich jetzt ein wagemutiger neuer Direktor unden, der anstelle der ewig wechselnden Gastspiele, die heute Varietee, morgen Operette, dann französische Schwänke, dann literarische Stücke, dann tränenreiche Vorstadttragödien brach- . wieder geordnete Verhältnisse schaffen will. Der Vtutige jt Max Gabriel. Er )viU beginnen mit echten Residenz- rterschwänken ä la Lautenburg-Alexander. Am 14. September L er mit dem Zugstück des Berliner Residenztheaters „Haben e nichts z u verzollen?" beginnen. Vom 1. bis 14. bt das Theater, das in der Tat einer gründlichen Renovierung arf, geschlossen. Es ist schon möglich, daß bei solchem Spiel- i das Theater sich hält, vorausgesetzt, daß eine sehr gute zenierung und ein flottes Zusammenspiel geboten wird, denn diesen Mitteln hat auch im Frühsommer ein Berliner emble schon gute Geschäfte gemacht. Also warten wir ab. — Schauspiel Hause ist in dieser Woche großes Ab- 'dnehmen: dlrei Damen verlassen uns, Frl. Weede und . Santen, die beide nicht festen Fuß im Publckum können, und Frl. BpttWann, tfg Heroige, dje wxr Ueber die Persönlichkeit Mulai Hafids, veröffentlicht ein Hamburger Kaufmann, der lange Zeit in Marrakesch gelebt hat, im „Hamburger Fremdenblatt" eine eingehende Schilderung. Danach sei Mulay Hasid lurchaus kein Christenfeind, sondern als Statthalter über den westlichen Teil des Reicbcs sei er allen Fremden stets mit großer Liebenswürdigkeit elitgegenge^ommen, und na- 54. Deutscher ätatholikeutag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Würzburg, 26. Aug. Um 10 Uhr trat in der Festhalle die e r st e g e s ch l o s s e n e Generalversammlung zusammen, um die Präsidentenwahl vorzunehmen und die eingelaufenen Anträge zu beraten. Nachdem die Piassen vom gestrigen Festzuge Würzburg wieder verlassen haben, war der Andrang zu der heutigen Generalversammlung bedeutend geringer. Auffällig ist die Zurückhaltung der akademischen Kreise. Die Würzburger theologische Fakultät ist überhaupt de- monftrativ ferngeblieben, aber auch die Studentenschaft, für die sonst immer besondere Plätze reserviert waren, läßt sich nur spärlich blicken. Nach Eröffnung der Generalversammlung ergriff zunächst Universitätsprofessor Dr. Henner (Würzburg) das Wort: Eine starke Strömung unserer Tage will im Christenrum nichts anderes erblicken als eine toechselnde Erscheinung in der Zeiten Flucht. Aian will dem Christentum lediglich eine historische Bedeurung beimessen. Demgegenüber sollen unsere Generalversammlungen beweisen, daß das Christenttlm noch in Ehreii gehalten wird. (Beifall.) , Christentum und Germanentum gehören zusammen. Es wird darauf das Schreiben an den Papst anläßlich des Katholikentages verlesen. Es heißt darin, daß seit dem Jahre 1848 in Deutschland fast in jedem Jahre allgemeine Versammlungen der Katholiken stattgefunden haben. Die Ka- tholikenversammlungen seien als ein vorzügliches Mtttel zu be-. trachten, um die Uebel, welche von allen Seiten die Kirche' und die bürgerliche Gesellschaft bedrohen, zu verhindern und auszurotten. In den Katholikentagen habe christlicher Glaube und Stetigkeit eine Stätte gefunden. Es wird dann das Antwortschreiben des Papstes verlesen. Es lautet: Geliebte Söhne! Wir gewähren Euch gerne Unseren Gruß und Unseren apostolischen Segen. Wir wissen, daß die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands eine Erhebung der Religion in Deutschland bedeuten. Die Deutschen ind ein leuchtendes Beispiel für andere Völker. Darum haben Wir keinen Zweifel, daß die neue Versammlung der Katholiken, wenn sie an den überlieferten Normen der kathol. Lehre und an der alten Ergebenheit an dem päpstlichen Stuhl festhält, einen weiteren Fortschritt bedeuten wird. Als Zeichen Unseres besonderen Wohlwollens erteilen Wir Euch Unseren apostolisck-en Segen. — Die Verlesung des päpstlichen Schreibens wurde von der Versammlung stehend entgegengenommen. Es werden dann an den Pap st, den Kaiser und den Prinzregenten Telegramme gesandt. Dann schritt man zur Beratung der Anträge. An erster Stelle stand der Antrag Zur römischen Frage. Als Berichterstatter führte Abg. Justizrat Dr. P o r s ch (Bresläu) aus, daß die Feier des Priesterjubiläums des Papstes glänzend werden müsse. In Italien Ueber die augenblickliche Lage in Marokko liegen folgende telegraphische Meldungen vor: Tanger, 27. Aug. Hier eingegangenen Nachrichten zufolge ist die Mission Ma el Ainins, der beauftragt war, Kuriere nach den südlichen Stämmen zu entsenden, um von : jedem Stamm 100 bewaffnete Reiter zu verlangen, vollständig gescheitert. Aus Fez wird unterm 23. gemeldet, daß die Kabylen die Ortschaft Seron, drei Meilen von Fez entfernt, umzingelt haben. Sie fordern die Auslieferung von Waffen, Munition und Lebensmitteln und drohen alles zu plündern, wenn diesen Forderungen nicht entsprochen wird. — Mit Rücksicht auf die bevorstehende Ankunft der aus Fez a u s g e z o g e n e n E u r o p ä e r in Larrasch wird der Kreuzer „Du Chayla" in den nächsten Tagen dorthin gehen, um die Fremden auf ihren Wunsch abzuholen. Casablanca, 27. Aug. Am 25. ds. nachmittags fand ein Zusammenstoß statt zwischen einer Aufklärungsabteilung der Spahis und dem Feinde, der ein Gehöft fünf Kilometer vom Lager entfernt inne hatte. Die Spahis stiegen von ihren Pferden und eröffneten das Feuer, wurden aber bald von einer Truppe von etwa 500 Marokkanern e i n g e s ch l o s s e n, die sich in der Nähe verborgen gehalten hatten. Die Spahis zogen sich nun langsam nach ihrem Lager zurück. Eine Kompagnie der Fremdenlegion und eine Kompagnie afrikanischer Schützen mit zwei Kanonen kamen ihnen schleunigst zu Hilfe. Sie empfingen die Marokkaner, die die Spahis verfolgten, mit Salvenfeuer. Die Marokkaner ergriffen die Flucht und sammelten sich von neuem 4000 Meter rückwärts. Sie schickten sich zu einem erneuten Angriff an, als die 75 Millimeter-Kanonen sie mit empfindlichen Verlusten auseinandertrieben. Die Marokkaner flüchteten darauf in der Richtung auf Taddaert. — Plünderer, die in der Nacht in die Stadt einzudringen versuchten, wurden mit Gewehrschüssen empfangen. — Am 25. ds. wurde ein Eingeborener, der den algerischen Freiwilligen den heiligen Krieg predigte, verhaftet. — Eine Telephonleitung verbindet das französische Konsulat mit dem Lager. Laa rache, 27. Aug. Eine Abordnung von angesehenen Eingeborenen begab sich -..n 23. ds. nach Saffi und nach Mogador, um Ma el Ain in zu bitten, seinen Einfluß zur Wiederherstellung der Ruhe im Süden aufzubieten. Paris, 27. Aug. Aus Casablanca wird berichtet, das Transportschiff „Nive" ist, nachdem es Mannschaften und Kriegsmaterial gelandet, nach Oran zurückgegangen, an Bord befanden sich 11 Verwundete und Kranke. Die Lage in den verschiedenen marokkanischen Hajenstädten wird von General Philibert befriedigend bezeichnet. In der Umgebung von Casablanca sind einzelne marokkanische Reiter erschienen, die wieder verschwanden, ausgesandte Kundschafter sanden keinen Widerstand. — Nach einem Telegramm des Admirals Philibert vom 27. ds. war die Löschung des Trausportdampsers „Nive" gestern abend beendigt. Die politische Lage in allen Hafenstädten ist ruhig. Aus der Umgegend von Casablanca werden Bewegungen feindlicher Kavallerie gemeldet. Bei Rekognoszierungen stieß man aus keinen Widerstand. — „Maint" erzählt, daß zwischen Deutschlandund Frankreich nicht die geringste Meinungsverschiedenheit bezüglich der Ordnung der marokkanischen Angelegenheit bestehe. — Dem „Echo de Paris" zufolge wurde die Frage einer Entschädigung für Casablanca in Norderney nicht berührt. Diese Angelegenheit werde auf diplomatischem Wege zu behandeln sein und keinerlei Schwierigkeiten bieten. Bern, 27. Aug. Ter Oberpolizeiinspektor ür Marokko, Oberst Müller, wählte z-u seinem Ordonnanzoffizier den Kavallerieleutnaut Arthur de Pury von Neuenburg, der gegenwärtig Attache bei der schweizerischen Gesandtschaft in Washington ist. Ter Bundesrat genehmigte die Wahl. »e. 301 Drschetni täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger tl erb en im Wechsel mit )em hessischen Landwirt ' )te Siebener Familien- ilätter viermal in der lLoche beigelegt und iveima! wöchentlich das {reisblüh für den Kreis Stehen. Fernsprech-An- chlußf. d. Redaktion 112 MM ASgfösf Verantmai-tlt^ MM General-Anzeiger für Merhche^ MS >is vormittags 10 Uhr. Rotationsdruck und Verlag der vrghl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. 8. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schuiprah« r. ____ u Anzeigenteil: H. Beck. Anblick der Smdt. Im Hailse aber ändert fidfr' ebenfalls das Leben. Im Sommer drängt es mehr nach außen. Wer wird im dumpfen Zimmer bleiben, wenn Abendkühle die Wärme des Tages abgelöst hat? Stoch war der Rest deS Tageslichts nicht erloschen, wenn man heimkam, und ohne die Larnpe zu entzünden ging man zu Belt. Jetzt ist es anders. Der Vater seufzt über den von Atonal zu Atonal sich steigernden Elektriziläts-, GuS° nnb Pelroleumverbrauch. Väter haben das Recht, ja die Pflicht, immer zu stöhnen. Aber jetzt geschieht es mit besonderem Nachdruck, da sich die Berechtigung jetzt^äklennläßig belegen laßt. Tie Flnsterm-o gewinnt mehr und mehr Macht über sein Gemüt. Itnb wie wird es erst werden, wenn der Kohlenhändler seine Rechnung präsentiert, die gegen das schon recht teure Vorjahr wieder eine Erhöhung $eiqt I Da wird ihm so schwarz vor klugen werden, als ob ein Sc!)orllsteinfeger vor ihm stände. Erst bann erheitert sich wieder jein Gemüt, wenn er am Abend die Kegelbahn oder sein Stamm- lokal betritt. Manche lebenStlugen Ehemänner jedoch bleiben hübsch zu Hause, oder, wenn sie ausgehen, nehmen sie ihre Frau mit. So wirkt die Atacht der Finster»liS auch etwas Gutes. Auch sie ist ein Teil von jener Krast, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Heißen wir sie deswegen freundlich willkommen und gciutnnen wir ihr die gute Seite ab, die auch sie besitzt, wie alles in der Welt! dlatt 157. Jahrgang Mittwoch 28. August 1907 d W’ O Bezngsprets: Gletzener Anzeiger« sich bereits zahlreiche Komitees gebildet. Allerdings w-erden sie durch „die antiklerikale Bewegung" aufgehalten, die dem Papste viel Kummer mache. Alle Katholiken katholisjche Presse spreche oft von der glänzenden Hofhaltung des^ Papstes. Das sei unrichüg. Wenn der Papst seiner Würde entsprechend Hof halten würde, so bedürfe er mindestens 6 Mill. Mark jährlich, er erhalte über nur 2 Millionen. Mindestens- die Summe von 3 Mill. Mark müßte durch regelmäßige Beiträge festgelegt werden. Jetzt sei es dem Papst trotz aller Spar- amkeit nicht möglich, auszukommen. Der Antrag wurde hierauf unter stürmischen Hochrufen angenommen. Ferner wurde be- chlossen, anläßlich des Priesterjubiläums des Papstes, welches mm 18. September 1907 bis zum 18. September 1908 gegiert wird, in der ersten Maiwoche einen deutschenPilger- z n g nach Rom zu veranstalten, der dem P a p st einen außerordentlichen Peterspfennig überbringen soll. Alle Vorschläge des Referenten werden unter großem Jubel gebilligt. . lieber den Bonifatiusverein, der für die tung in Deutschland und Oesterreich tätig ist^sprach der Abg. Nacken (Paderborn). Heber die Los von Rom-Vewe- gnn g sprach Graf Gahlen. Die UeB eitritte zum Protestantismus hätten abgenommen. Sie betragen jetzt nur noch ein Drittel der früheren Zahl. Das sei erfreulich gegenüber den vielen Millionen, die der Evangelische Bund und jbie Gustav Adolf-Vereine nach Oesterreich geworfen haben. Die Zahl der U ebergetreten en betrage nur 10 000, die Zahl der Kirchen aber sei von 25 auf 55 gestiegen. Begünstigt werde durch die „Los von Rom-Bewegung" die Verwilderung der Jugend, die sich sehr unangenehm bemerkbar mache. Das seien böse Zeichen der Zeit. Aber es werde mit Gottes Hülfe gelingen, den Umsturz und seine Lehre zu überwinden. Graf Schön b o rn (Glauchau) bedauert, bafr im letzten Jahre in S a ch s e n wieder 4000 Katholiken zum Protestantismus übergetreten sind und nur 200 zum Katholizismus. Abg. Cahensly berichtete über die Tätigkeit des St. Raffael-Vereins, der für das Ausland und für das Wohl der Auswanderer eine sehr segensreiche Tätigkeit entwickele, besonderns in den Hafenstädten. Es wurde beschlossen mehrere Seemannsheime zu errichten. Darauf wurden die Verhandlungen auf 5 Uhr, nachmittags vertagt, wo die erste öffentliche Versammlung stattfindet. Am Nachmittage tagten die katholischen Pressever- vine. Der Bischof von Eichstädt hielt gegen d'e „böse Presse" eilte Rede, in bereit Verlauf er es für die heilige Pflicht der Katholiken erklärte, daß sie diese böse Presse mit aller Macht verfolgen und aus der letzten Hütte vertreiben wüßten. Nur die „gute katholische Presse" dürfe von Katholiken gelesen werden. — Es ist wohl das erste Mal, daß auf einem Katholikentage ein Bischof in dieser Weise zur Presse Stellung genommen hat. Uml 5 Uhr nachmittags begann dann die erste ö f f e n t l i ch e Versammlung. Professor Meyenberg (Zürich) hielt den ersten Vortrag über „Religion und Konfession". Der geistreiche Redner führte aus: Die Religion stellt etwas Festes, Unverrückbares dar, während die Lbonfession scharf bemerkbare Verschiedenheiten zeigt. Und doch gehören Religion und Kvn- seffion zusammen. Wohl gehen die Anschauungen der Konfessionen weit auseinander. Im erfreu Augenblick erscheint uns nur ein Chaos. Schauen wir aber tiefer, so finden wir den gemeinsamen Gedanken. Das Menschenleben ist ein Rätsel und über das Diesseiits hinaus gibt uns die Religion, die Verbindung mit Gott, die Vertiefung des Menschenlebens in Gott. Schon die Geschichte der Naturvölker zeigt, daß in der Religion stets eine Konfession ruhen muß. Der Gedanke des Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen erscheint selbst Chamberlain die Ueber- brückung der Kluft zwischen Diesseits und Jenseits zu sein. Das ist das Heimweh des Rationalismus nach , Gott. Freilich sagt die mioderne Menschenweisheit Religion sei Gemüt unb_ nichts Faßbares. Wer aber beichtet und kommuniziert, der weiß, was er will. Die Religion ist der Morgenstrahl, der das Gemüt stark befruchtet. Es gibt ein Verhältnis zu Gott. Das ist Religion und Konfession zugleich. Aus allen Reden des Heilands strahlt das religiöse Bekenntnis : Ich bringe Euch das Evaugelium. Christus war der Herr aller Geister, der Kranke und Sünder heilte. Das ist ein Bekenntnis, daß er Gott selbst war. Als Petrus ihm sagte: Du bist der Sohn des lebendigen Gottes, da sagte er: Das sagst nicht- «dtu, das hat Gott der Herr aus dir gesprochen. Da bekannte er sich selbst als Gott und auf diesem Fels sollte Petrus die Gemeinde aufbauen. Er gab Petrus den Auftrag, seine Lämmer zu weiden. Straft dieser Mission zog Petrus nach Rom und selbst die protestantischen Rationalisten, selb ft Harnack hat zugegeben, daß die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht zu ^bezweifeln sei. In seiner Kaiserrede hat Harnack erklärt, daß Petrus nur Kraft seiner Mission so auftreten konnte. So, ist unsere Konfession. (Lebh. Beifall.) Das ist unsere Konfession tton dem Tage der Botschaft von Cäsarea bis zum Syllabus Pius X. (Stürm. Beifall.) Es gibt eine Ur - religion, die wir anerkennen. Wir sind nicht intelerant. Wir sind auch kein System, keine Schule. Wir schauen liebend auch auf die, die den Protestantismus im Evangelium finden. Wir wollen nicht alle Brücken mit dem Rationalismus abbrechen. Professor Harnack hat gesagt, die Lehre von den guten Werken habe selbst bei den Protestanten feinen Anstoß mehr gesunden. Und die katholische Messe sei eine so großartige Entfaltung der Wahrnehmung Gottes, daß der protestantische Gottesdienst niemals auf diese Höhe gelangen werde. Wir freuen uns über diese Auslassung. Wir wollen keine Hetze, wir brandmarken sie. Man hetzt nicht, wenn man ein Gentleman ist. Wir ehren die Parität, ja sie ist uns heilig». Wft wollen über keine Konfession, die schon jahrhundertelang neben uns lebt, eben so milde denken wie über Juden und Heiden. Zum Schluß sprach noch Abt Norbert von St. Ottilien über die M i s s i on s t ä t i g k e i t. Vom Nunzius Caputo ist ein Telegramm eingegangen, in welchem er bedauert, daß er durch Krankheit verhindert ist, das schöne Bayernland und Deutschland, das er so sehr liebe, nicht besuchen zu können. Er entbietet der Generalversammlung herzlichen Gruß und hofft, daß Deutschland stets aufrichtig mit dem heiligen Stuhle verbunden bleibe zum Wohle des Vaterlandes und der Kirche. (Stürnr. Beifall.) . Damit schloß die heutige Versammlung. Aus Stadt und Land. Gießen, 28. August. ** D ie Quartiere der 116er für dasBrigade- Exerzieren sind wie folgt festgesetzt: Der Stab 3. und 4. September Butzbach, 5. September Wölfersheim, 6. September Dorheim, 7. und 8. September in Friedberg, 9. September Nieder-Wöllstadt, 1. Bataillon 3. und 4. September Butzbach, 5. September Biwak, 6. September 2 Kom- pagnien: Rieder-Florstadt, 1 Kompagnie Dorn-Assenheim, 1 Kompagnie Weckesheim, 7. und 8. September Friedberg, 9. September 1 Kompagnie Ilbenstadt, l1/, Kompagnie Nieder- Wöllstadt, l1/, Kompagnie Ober-Wöllstadt, 2. Bataillon 3. und 4. September 3 Kompagnien Berstadt, 1 Kompagnie Wohnbach, 5. September je 1 Kompagnie Mehlbach, Södel, Wölfersheim und Bettenheim, 7. und 8. September Friedberg, 9. September 2 Kompagnien Ober-Roßbach, 1 Kompagnie Nieder-Roßbach, 1 Kompagnie Ockstadt. ^Bataillon 3. und 4. September Butzbach (Kaserne), 5. September 1 Kompagnie Gettenau, 3 Kompagnien Echzell, 6. September je 1 Kompagnie Schwalheim, Dorheim, Wisselsheim mit Rödgen und Assenheim mit Bauernheim, 7. und 8. September Friedberg, 9. September 1 Kompagnie Assenheim mit Bauernheim, 1 Kompagnie Bnchenbrücken, 2 Kompagnien Assenheim. Am 7. und 8. Septeliiber wird der Stab und das Regiment vereinigt in Friedberg in Quartier liegen. Weitere Dispositionen sind bis heute noch nicht bekannt gegeben. ch Klein-Linden, 27. Aug. Ein rasch die Frankfurter Straße herunterfahrender Radfahrer fuhr einen 10jährigen Knaben um und stürzte selber topsüber in den Graben. Beide mitten nur Hautabschürfungen. O Lich, 27. Aug. Tie vom östlichen Stadtteil gewünschte Errichtung eines Ost bahn Hoss an der neuen Bahnstrecke Lich-Grünberg ist jetzt vom Gemeinderat endgültig a b g e l e h n t werden. Nach einem Voranschlag würde er 50 000 Mk. kosten. Tie Kanalisation und Fußsteiganlage in den Hauptstraßen sind jetzt ziemlich fertiggestellt. Nur bleibt für einige Straßen oringend eine bessere Reupflasierung wünschenswert. (P.) Schlitz, 27. Aug. Bei der gestern hier vorgcnom- menen G e m e i n d e r a t s w a h l wurden gewählt: 1. Bleicher H. W. Kaiser (130 Stimmen), 2. Fabrikant Ph. Frank (101), 3. Metzger Fr. T r e ß e r I. (85). Sehr viele Stimmen waren zersplittert. Neugewählt ist Herr Ph. Frank an Stelle des Bierbrauers Ph. Guntrum, die anderen beiden Herren sind wie-dergewählt. — In.HUtzdorf wurden in den Gemeinderat gewählt: Heinr. Trier, Heinr. Lump, Heinr. Sippel, Karl Wink III., Adam Becker, R. Faust. In Uellershausen: V. Schäfer I., Konr. Eurich, Heinr. Feick IV. In Pfordt: A. Möller, A. Kreutzer, Gg. Göbel, Carl Schaub. Am 5. September findet in Schlitz die B ü r g e r m e i st e r w a h l statt. Die Wiederwahl unseres langjährigen Bürgermeisters Zinßer ist sicher. ch Pom Vogelsberg, 27. Aug. Landwirt Th. Balser von Istergiesel war mit Getreidemähen beschäftigt. Plötzlich gingen die Pferde durch, er stürzte unter die Mähmaschine und wurde von dieser so zugerichtet, daß er starb. — In Lehnheim treten die Masern unter den Schulkindern sehr heftig auf. Mit der Krankheit ist in vielen Fällen Lungenentzündung verbunden. Ein 12 jähr. Kind ist an der Epidemie gestorben. Die Schule mußte auf längere Zeit geschlossen werden. — Die Gemeinden Ranstadt und Bob en Hausen bauen eine gemeinsame Wasserleitung, deren Quelle in der Gemarkung Bobenhausen liegt. Die Leitung wird 10,7 Kilometer lang. x Büdingen, 27. Aug. Die hessische Denkmalspflege hat die Ausbesserung der alten Stadt- m auer beschlossen. Ter Staat gibt dazu 600 Mk., die Stadt 300 Mk. Auch der ehemalige sogen. Küchenbach, der zum größten Teil verschüttet ist, soll wieder ausgeräumt und hergestellt werden. — Mit dem 1. Sept, scheidet der lang- lährige Stadtrechner Ludwig Eberhardt aus Gesundheitsrücksichten aus seinem Amte; zu seinem Nachfolger wurde Will). Eberhardt ernannt, er erhält 1800 Mk. Gehalt. — Tie Stadt zahlt bei der jetzigen starken Einquartierung für jeden Soldaten 1.50 Mk. an die Quartiergeber. Ter Stadtsäckel wird durch die Masseneinquartierungen sehr belastet werden. H. Mainz, 21. Aug. Als gestern früh der Lackfabrikbesitzer Ludwig Marx auf der hiesigen Straßenbrücke der elektrischen Bahn mit seinem Automobil ausweichen wollte, rannte er über den Bürgersteig in das Geländer der Brücke. Die beiden Vorderräder hingen bereits frei in der Luft und das Geführt wäre unfehlbar mit seinen Insassen in den Rhein gestürzt, wären nicht die Hinterräder von einer Leitungsstange der Elektrischen festgehalten worden. Herr Marx soll sich an der Brust unerheblich verletzt haben, sonst kam er mit dem Schrecken davon. kg. Kirchhain, 27. Aug. Die meisten Gemeinden des Kreises Kirchhain haben in diesem Jahre sehr unter der Mäuseplage ^u leiden. ^Jn einzelnen Orten haben die Mäuse ganz beträchtlichen Schaden angerichtet Md oft ein Drittel der Ernte vernichtet. Jetzt ist in pen meisten Gemeinden die Vertilgung der Mäufe allgemein in Angriff genommen und wiro meistens der Professor Lefflersche Müusebazillus dazu verwendet. Tie Stadtverwaltung Kirchhain bewilligre zur Ausrottung der Mause auf den städtischen Grundstücken 100 Mk., die Kosten der Privatbesitzer in Kirchhain werden sich auf ea. 6—700 Mk. stellen. )( Greifenstein, 27. Aug. Heute wurde bei der Befestigung resp. Aufräumung des Rittersaales (Pallas) unserer Burg in einer J-enfternische eine Schwertscheide gefunden, und vor wenigen Tagen zog man aus dem Schutt einen goldenen Ring mit dem Trajektiv- kreuz und den Buchstaben S. B. (Solms-Braunfels). In der alten Münze wird eine Fundstelle errichtet. In dieser werden dre schon ausgegrabenen höchst interessanten Altertümer aufbewahrt. Die vor ein paar Jahren noch gangbaren, aber jetzt verschütteten Gewö-be werden wieder freigelegt. Noch deutlich find die früheren (22) Tore der Burg zu erkennen. Augenblicklich wird eine Umzäunung der Ruine angebracht und wohl noch diese Woche beendet. Gegen ein Eintrittsgeld von 10 Pfg. kann man aber auch spüter^die Burg in Augenschein nehmen. 24. deutscher Weiubau-Kougreß. E. B. 9)1 annhei m, 25. Aug. Der 24. deutsche Weinbau-Kongreß, mit dem eine allgemeine Ausstellung von Geraieu und Bedarfsgegenständen für Weinbau, Wembehandlnng und Kellerwirifchaft verbunden ist, wurde heule vormittag in Gegenwart von mehreren hundert Teilnehmern auS allen Weinbau treibenden Gegenden Deutschlands nn Musensaal des Rosengartens eröffnet. Die Eröffnung geschah durch Bürgermeister Ritter, der die Teilnehmer tut Namen der Stadt herzlich willkommen hieß. Tann hielt Reichsrat Dr. v. B u h l eine Ansprache, in der er sich über die Bedeutung des deutschen Weinbaus und feine Stellung m der Welt naher ausließ und namens der Kongreßleitung, allen Winzern Grüße darbrachte. Namens der preußischen Regierung begrüßte Lcmdesökonomierai Dr. Oldenburg, namens der badischen Regierung 'Ministerialrat F l a d den Koiigreß und wünschte seinen Berhaudlmigen besten Erfolg. Unter den Teilnehmern aus Hessen beuierkten ivir Ministerialrat U fing er, Geh. Reg.-Rat Haas, Gerieralsekretür Tr. M ü 11 e r u. a. Tie Reihe der fachwissenschaftlicheu Vortrage eröffnete Prof. Tr. Kulisch mit einem sehr instruktiven Vortrag über das Thema „Erfahrungen aus dem Gebiete der Keller- behandlung der Weine". Ter Redner gab ein umfassendes Bild von den Erfahrungen, die er als Direktor der landw. Versuchs- station in Colmar in der Frage der Weinbehandlung gemacht hat. Er besprach eingehend das jetzt wieder so viel betonte Pasteurisieren der Weilte, deut er aui Grund seiner Erfahrungen nicht sehr ynipathisch gegenüöcr steht. Dagegen empfahl er, der richtigen und rechtzeitigen Schweieltilig der jungen Weine die größte Aus- meiTiamfeit zu schenken; sie sei sozusagen ein Zuchlmittel für die Jugend uni) es empfehle sich, sie schon bei der Kelterung durchzu- iühren. Ätttch für die Schweselutig der deutscheii Rotiveine trat der Redner unter Bekanntgabe seiner im Elsaß damit gemachten höchst günftigen Erfahrungen ein. — lieber daS Thema: „Zwecke und Aufgaben der Wiitzervereiite" sprach alsdami der Geiieral- efretär des Reichsverbaudes der laiidivirtschastlichell Geitosseii- jchasten, Kerle. Er kolistatierte, daß dent Dieichsverbaiid bereits 58 Winzergeliossenschaften allgehörten. Preußen besitze im Gauzeti J23 und Hessen 28 Winzergeliossenschaften mit 5000 bezw. 1514 Mitgliedern. R. B. Mannheim, 26. Aug. Die heutige Generalversammlung des deutschen W e i n b a u v e r e i n s im Musensaal nahm einen interessanten Verlauf. Präsident Franz Buhl gab den Jahresbericht, in detn er konstatierte, daß die Zahl der Mitglieder seit dem vorigen Jahr um mehr als 200 gestiegen sei, so daß sie jetzt über 1000 Betrage. Ter Verein habe auch int verflossenen Jahre eine sehr dankenswerte Förderung erfahren, namentlich von den Regierungen Preußens, Württeinbergs, Badens, Hessens und der Reichslande. Von dem bewilligten rüeichszuschuß von 5000 Mk. zur Förderung des Weinbaues hat der Ausschuß für Versuche zur Schädlingsbekämpfung in Hessen den Betrag von 1500 Mk., für Reisestipendien 2000 Alk. und für die Mitteilungen des Vereins 1500 Mk. bewilligt. Nach dem Kassenbericht betrug die Einttahme 14 991 Mk., die Ausgabe 10 878 Mk., o daß ein Kassenbestand von rund 4100 Mk. verbleibt. Der auf 11 978 Mk. für das neue Vereinsjahr festgestellte Voranschlag wurde genehmigt, lieber die Tätigkeit des Ausschusses ün verflossenen Jahre erstattete der Vorsitzende Bericht. Er teilte f- mit, daß sich der Ausschuß mit großer Mehrheit entschloss ij habe: 1. für Kontrolle im Hauptamt, 2. für Lagerbuchkontrolü | 3. für zeitliche und räumliche Begrenzung des Zuckerzusatzes' 4. für Deklaration des Verschnitts von Weiß- und Rotwein' 5. für erhöhten Markenschutz und 6. für Ablehnung einer Wein' & steuer. - "W Gießener Strafkammer. )( Gießen, 27. Allgust. Grober Unfug. Das Schöffengericht halte öen Schmiedegesellen H.^M i unter der Anschuldigung, daß er in (Scgemvart von Frauens, st personell unsittliche Handlungen vorgcnommeit hat, wegen Situ [ l i ch k e i t s v e r g e h e n s zu drei W o ch e n G e länguj- g verurteilt. Seine Berufung mit dem Antrag auf Freisprechunbegründet er damit, daß die Handllulgeii an keinem öffentlich Orte erfolgten, auch hätten sie fein Aergernis erregt. Rach den | Urteil des Berufungsgerichts ist zivar beides der Fall, doch loucbi | zugunsten des Angeklagten angenommen, daß ihm dieser Umslani { nicht zum Bewußtsein fani, weshalb Verurteilung wegen Sittlich । keitsvergehens nicht erfolgen könne. Freispruch konnte aber aud T nicht emtreteu, da ein grober Unfug vorliegt, der auch dann bc ß straft werden muß, wenn kein Llergerilis erregt wird, wenn b- Handlungen nur geeignet sind, Aergernis zu erregen. Das Urta F wurde aufgehoben und ivegen groben Unfugs auf 40 ifllai !* Geldstrafe e r f a n n t. Aus dem Armenhaus. Im Armelihanse zu B r a u e r s ch lv e n d fam es zwischen bei. ß Taglohner H. K. uni) einer mit ihm verfeindeten Frau zu einen Wortwechsel, in dessen Verlaus K. der Frau mit einem Hammc j aus den Kopf schlug, daß eine Beule entstand. Das Schoffeligerich ^Ilsfeld verurteilte K. ivegen Körperverletzung zu 4 Atonalen (St fangnis, indem es ausführte, datz er ein gewalttätiger, heimtückische und gefährlicher Atensch sei, der sich an einem schwachen Weiln, ! das in feinem Recht stand, vergriff. Ter Angeklagte erhob Äc | rufung und auch die Staatsanwaltschaft schloß sich zu feines ‘ Gunsten diesem Rechtsmittel an. Tie Strafkammer war zivar bc i Ansicht, daß dieses Strafmaß recht erheblich ist, sie sah aber üo: ß einer Milderung ab, da der Aiigeklagte ein roher, gcivalttäügc L Mensch ist, wie dies seine Strailiste ausiveist, und der sich tz: [ diesem Falle an einer ihrer Niederkunft entgegensetzenden Frau w t roher mweranlaßter Weise vergriffen hat. __ Hausfriedensbruch und Körperverletzung. Auf Strafantrag des Nachtivächters zil Trais-Horloi z wurde der Bahnarbeiter K. R. wegen H a li s f r i e d e ii s b r u ch Mid Körperverletzung durch das Schöfseligerichr Himgell zi v 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Es hielt für fcftgsfrellt, daß de 17 jährige Aiigeklagte sich m die Wohnung des 9lacht>vächtet begeben hat, um dessen 77 jährigen Frau einen unsittlichen Antw, zu stellen. Hierbei iväre es zivischen ihm und dem lllachtwächtei > der ihn zum Haiis hinausbeförderii wollte, 311 cm er Raufen [ gekommen, in deren Verlauf er dem Nachtwächter einen Schlei.. B mit einer Latte auf den Kops versetzt haben sollte, der emei' erheblichen Blutverlust zur Folge gehabt hätte. Der Angeklag! erhob Berufung und bestritt beide Straftaten; er will in be • Wohnung des Nachtwächters seinen Nameii haben nennen höm st weshalb er sich m die Wohnung begab. Hier ivill er wieder in .Lr die Aufforderung lueggegangcn fein,' ohne dem Nachtwächter ei £ Leid zuzufügen. Die Berufimgsverhändlung ergab, daß an jene Abend der Angeklagte soivohl, als auch der Nachtivächter betrunlc ? waren; dieses soll bei dem letzteren häufig vorkommen, lueil es dc Dienst mit sich bringt, wie ein Zeuge bekundete. Es konnte nid 1 für erwiesen angenommen werden, daß der Angeklagte dem Nach! Wächter Die Verletzung beigebracht hat, da dessen Aiissagen nid zuverlässig sind; dagegen ivurde em unbefugtes Eindringen al vorliegend erachtet und das Urteil auf eine Geldstrafe vo 4 u Mark a b g e ä n b e r t. Dieb stahl unter falschem Namen. Der 17jähr. bereits mehrfach bestrafte T a g l ö h n e r F. P. ? aus Hildesheim ist aus einer Erziehungsanstalt zu ftai novcr entwichen, und hat sich unter dem Namen Nkax Schien!. umljCrgctrieben, unter welchem Namen er auch mehrere 1 erlitt. Ende Juni kam er hierher und arbeitete mehrere la bei einem Betonunternehmer. Er sorgte sich für keine Wohnun. § sondern schlief im Freien ober suchte sich eine sonstige Lag. ‘ statte. Nachdem er eine Nacht in der Arbeiterbude eines Bat Unternehmers zugebracht hatte, nahm er einen einem Arbeit, gehörigen Kittel mit, weshalb seine Verhaftung erfolgte, b seiner Einlieferung in das Arresthaus bediente er sich ebeufai! S des falschen Namens, wodurch falsche Einträge in die Gefangci bücher bewirkt wurden. Es erging gegen ihn Anklage rocgi Diebstahls und intellektueller Urkundenfälschung; das letzte gab er zu, doch einen Diebstahl will er nicht verübt habe! Er gibt an, den bei ihm gefundenen Kittel habe er von cinei Bekannten, dessen Person aber nicht zu ermitteln war, gckaui Es wurden beide Straftaten als erwiesen angenommen und n den Diebstahl 4 Monate und für die Urkundenfälschung 3 Woche Gefängnis cmgesetzt. Beide Strafen wurden zu einer Gesam strafe von 4 M 0 n a t e n u n b 2 Wochen zurückgeführt, icorai ein Monat der erlittenen Unterfüchungshast aufzurechnen il Schwerer Diebstahl. Gegen den 19jährigen unbestraften Hausburfchen K. V. ai Bieber ist Anklage wegen schweren Diebstahls erhoben, lft i geständig, feinem früheren Dienstherru, einem Bierhändler hie J von dem er im Unfrieden geschieden ist, aus Rache aus i an der Lahn befindlichen Eishalle ein Flobertgewehr entwend zu haben. Nach seinen Angaben ist er durch eine Lücke : das Besitztum des Bestohlenen gelangt, doch dies ist nach bi Zeugenaussagen ausgeschlossen. Es mußte angenommen werbet daß er über die Einfriedigung gestiegen ist, ober daß er fi eine Lücke gebrochen hat, womit der Tatbestand des schlven Diebstahls gegeben ist. Trotz der ^Jugend und des guten A'i munds mußte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten c kanut werden, da dies die Atinimalstrafe bei einem schwell Diebstahl ist. Üniverfteäts-rrcichrichtett. — Deutsche un d f r a n z ö fische Universitüte In Frankreich gibt es 16 Universitäten, die nach einer tu vorliegenden Statistik im letzten Jahre von 35 670 Studcnv besucht wurden; für diese wurden insgesamt 13 761 180 ö"1. ausgegeben, von denen über 11 Millionen auf das Person kommen. Deutschland hat dagegen 21 Universitäten, die V‘ 37 848 Studenten besucht werden, und in dem Rechnung^ 1905/1906 wurden für 18 Universitäten (es fehlen die Angiü für drei von ihnen) 31 908 607' Frs. ausgegeben.. Die Zahl b Studenten ist im Verhältnis zur Bevölkerung in Deutschla | kleiner w-.s m Frankreich; aber es ist zu berücksichtigen, dotz diesen Zahlen die technischen Hochschulen, die ihnen gleichste!)^ nicht miteinberechnet sind; andererseits sind hier die Stuben- der Theologie mitgezählt, die es in Frankreich nicht gibt. > ist ein direkter Vergleich der Zahlen nicht gut möglich; aber lassen doch deutlich erkennen, daß Deutschland außerordenu viel lwhere Aufwendungen für seine Universitäten macht Frankreich. _ ___J Unterschrift von der Elberfeldr Polizei beglaubigt! b,; Elberfeld, den 10. Mai 1907. Ich kann Ihnen n teilen, daß das Biosvn ein ausgezeichnetes Mittel gegen Mag leiden, Appetitlofigkeit und Körperschwäche ist, da ich Bioson gei« vorsteyendes Leiden an mir selbst versucht habe. Ich habe , 4 Atonale lang jeden Tag drei Tassen gerrunken und fchvn naru 11 ersten acht Tagen eine bedeutende Besserung meines Atageuleic» f feftfreüen können. Ateine Gesichtsfarbe hat sich durch den Gelna z des Biosou sehr gebessert und daö Körpergewicht hat zugenoinn | — Biofon bekommt mir sehr gut unb es schmeckt angenehm, wesi | ich es sehr empfehlen kann. Hochachtend! Richard Kiese io ■ Schüler der Pr. Hob. Fachschule für Textilinduftrie. Untcncfl | beglaubigt: Elberfeld den 27. Juni 07. Der Polizei-Koinmi | Bnttcher. Biofon ift in ^pothmen, Drogerien nsw. das Pare»» drei Atart erhaltilch, weiches sur 5111a 14 Tage auSrenht nno n »Der Arzt gerne Auskunft tiber die Voräügnchkeil des Btofon ge« Jahren. 5434 mit der Bitte um stille Teilnahme trauernden Hinterbliebenen. a a 5445 Der Ausschuß. !& G Gestern nachmittag 4 Uhr verschied nach kurzem Leiden mein innig geliebter Gatte, unser guter Vater und Bruder Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag 5 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs auS itatt. im Alter von 53 Dies zeigen tiefüetrübt an Die M E > t£ W W •v.' ^WWKWMMW Heute nacht Va2 Uhr starb nach kurzem Leiden unser liebes Söhnchen Heinrich Karl Schmitt im Alter von 3 Monaten. 5435 Dies zeigen tiefbetrübt an Heinrich Echmilt und Fra». Gießen (Schloßgasse 9), den 28. August 1907. Gieß en, den ^8. August 1907. Nahrungsberg 20. SÄ J&IWfl 1854 - 1904. Wir erfüllen biermit die traurige Pflicht, die Mt- glieder von dem Ableben des Altersgenossen Herrn Adam Beimbsrn in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am 29. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr, aus dem neue« Friedhof statt. Herr Ludwig Adam Beimborn IGoethBSChulB, Offeibach a.£ | Privatrealschnle, verb. mit Vorschule u. Pensioi.Süuc11^^LSL Schöne Mansarden-Wohnung z. vermieten. Kreuzplatz 10. [5093 MWLZSK Lehrmädchen für d. Putzfach ges. Alb. Behrend Witwe., Gesangverein Heiterkeit 1 Heute Mittwoch abend bei Mitglied Kunz, Haberkasten 4-Z.-W., iNans., Bleichpl., GaS,l. Okt. zu v. Landgrafenftr.2. [4382 Schone neuzeitlich eingerichtete 4-Zimmerwohnung mit all. Zub. zunl 1. Okt. ou vermieten. [4397 ________Nah. Schillerstraße 26. In mein. Hause WestaulagettO Parterrestock geräumige 4-Zim- merwohrmng nut allem Zubehör [Elektr. Licht, Gas) per 1. Juli zu vermieten. Herm. Jacob. [5215 4-Zimmerwohnung nut allem Zubehör in tadellosem Zustande per 1. Okt. oder später zu verm. 06107] Marburaerstr. 9, 11. Eine 4-Zimmer-WohmlNg mit allen Beauemtichketren zum l.Okt. zu verm. Näh, ^chtllersrr.26. 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