Nr. 23 Erstes Blatt IS7. Jahrgang Montag 28. Januar 1907 General-Anzeiger für Oberhesfen Erscheint 1 Lgktch aubet Somuagl. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Siebener Kavitlten- blätter viermal in der Woche beifldcgt unb gn.iuna( wöchentlich bat KreUblatl für den Kreil Stetzen. Jerusprech'An- schlußs.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 tanbibatcn Lehrer Dern und 7380 Zentrumsftimmen gegenüber- I leben, ist ein Sieg gegen die Sozialdemokratie zu ermöglichen, \ wenn am Stichwahltage alle bürgerlichen Elemente ihre Schuldig- ’ leit tun. Im Wahlkreis Bensheim-Erbach dürften nach unferm Dafürhalten sowohl die früheren 8500 Zentrumswähler, wie die , auS der Stichwahl ausgefchiedencn Sozialdemokraten öerrn Haas : mehr Sympathien entgegenbringen, als dem fremden Buchhändler ; und somit auch diesen Wahlkreis wie WormS seinem bisherigen Mandatsinhaber weiter erhalten. Wahlkreis Siehe«. Unser Di eßen er sowie dec unS östlich benachbarte Wahlkreis werden bi8 znm 5. Februar den horten ftämpien zwischen Ltberalen und agrarischen Anl,se>..>len weiterhin qu6- , gesetzt sein. Alsfeld-Lauterbach-Schotten wird wohl einem bisherigen Vertreter Tr. Wallau treu bleiben. Was unS dagegen der 5. Februar bringen wird, das liegt ganz in den Händen der Anhänger des Gießener Stadtverordneten R rum m. Er selber ist in kommunalen Angelegen- geilen häufig mit Heyligenslaedt einer Meinung gewesen, und eine heftigere Gegnerschaft als die der Sozialdemokratie kennt der Bund der Landwirte nicht. Arbeiterschaft und Agrarier- nun stehen einander jebcnfofls weltenfern, während LiberaliS- muS unb Cozialdemokrl. ie Im Reichstage oft, namentlich bei Lösung kultureller und fo^aicc Fragen, Schulter an Schulter bei einander stehen und beiden als gemeinsamer Gegner der Bund der Landwirte gilt. Ten sogenannten .National- liberalen* vom Schlage der Herren v. Heyl und Criola, die agrarisch und konservativ bis in die Knochen sind, steht bekanntlich Heyligenstaedt kaum minder fern, wie etwa em ivaschcchter Ten'okrat, wie nur irgend ein Anhänger deS ver- storbenen Eugen Richter. TaS ganze Grüppchen der Deutsch- sozialen, daS in den Reichstag einziehen wird und dem Kühler zugehören würde, wird sich dort unter daS Joch des ihm so hülfsbereit gewesenen ZentrmnS zu beugen haben, und jeder Bauer, jeder Arbeiter, der für Köhler am 6. Februar stimmt, stärkt daS Zentrum, stärkt die gesamte Reaktion. Daß die Deutsch sozialen im Reichstage Rittläufer derkonseroatioen sind, dürfte in Stadl und Land zur Genüge bekannt sein. Taß der Liberalismus das Agrartertum besiege, ist gewiß auch der Wunsch der Arbeiterschaft. Der gesunde Verstand wird den Arbeitern unseres Wahlkreises sagen, bau Verstimmungen jetzt zwecklos sind, daß der Liberalismus nichts gemein Hot mit dem vom feudalen ost preußischen Junkertum und dem kulturfeindlichen Zentrum abhängigen antisemitischen Agrariertum. DaS Offenbach-Gießener Sozialistenblatt fabulierte in seinem letzten betrübten Leitartikel von der angeblichen Gefährdung d e S R e i ch S t a g ß w a h l r e ch t e s. Tie Herr- llchkeiten, die daS sozialistische Progamm für dieSseitS und jenseits der Zukunftsgesellschaft verheißt, ziehen nicht mehr, vaher malt man den Arbeitern daS Schr.ckbild der Ver- kümmerung der Volksrechte an die Wand. Tie Forderung der Liberalen ist bekanntlich nicht nur die Aufrechterhaltung des ReichStagSwahlrcchts, sondern der Turchsetzung des ge- Heimen Landtagswahlrechtes für Hessen, wie für Preußen. Taß Köhler und seine Freunde nur sehr lau e Anhänger einer zeitgemäßen Landtagöwahlreform sind, ist zur Genüge bekannt. Scheiterte diese doch an den l ä n d l i ch e n Mitgliedern der Zweiten hessischen Kammer im Juli 1902, die den Städten, d. h. doch m erster Linie der Arbeiter- devölkerung, ein liberales Wahlrecht nicht zu- erkennen wollte! Das nationaltiberale Parteiprogramm bekennt ohne alle Verklausulierung, daß alle Bestrebungen, die auf Schmälerung dec verfassungsmäßigen Rechte, insbesondere deS verfassungsmäßigen Wahlrechts, ge- richtet sind, mit Entschiedenheit bekämpft werden müssen. Unb ebenso erklären sich selbstverständlich alle diesmaligen Wahl- aujrufe der Nationalliberalen auf baS entschiedenste gegen jede Verkümmerung wertvoller Volksrechte unb für daS verfassungsmäßig bestehende Wahlrecht. Der nationalliberale Kandidat zeichnet sich vor Herrn Köhler in dieser Frage dadurch auS, daß ec nicht gleich jenem Herrn feine Grundsätze wechselt, der vom Baiiern- bunde, der emst den Liberalen eng verbunden war, zum konservativen Bunde der Landwirte, von den vielfach zur Demokratie neigenden Reformpartcilern zu den Stöckerisch, b. h. muckerisch angehauchten Deutschsozialen schwenkte. Hey- ligenstaedtS Partei hat im Gegensatz zu Sozialdemokratie unb Zentrum an der Schaffung der Verfaffung entscheidend mit- gewirkt und wird sich nie entschließen können, zur Zerstörung ihres eigenen Werkes die Hand zu bieten. Wo aber würde das geheime Wahlrecht im Staate der agrarischen Junker, im Staate be8 römischen Zentrums bleiben, denen Köhler im Reichstage untertan wäre? Gerade die Liberalen erwarten jetzt von der Berliner : Regierung als Gegengabe für den nun nach deren Wünschen gestalteten Reichstag die alsbaldige Einführung eines zeu- , gemäßen Wahlrechts in Preußen. Laben die Köhlerianer i ähnliche Ziele, ersehnen auch sic für Heffen die Temokratisieriing des Wahlrechtes? Jeder Arbeiter weiß darauf die rechte 1 Antwort zu erteilen. Wie im Wah. kreis Gießen. *'o Ui b-e Son'demokral.e auch 1 im Wo-mser Reims; "swe^o-irk unb int Wahlkreis T armstabt- Großgei au auf dem füllen Punkt ange.angt, denn b^c Zey en von ■ '903 und 190’7 Mben auch dorr nur eine ganz gerurg.ugcge Ver> änberuvg erfcbren und in den Wahlkreisen Alsfeld-Lauter- “«njU« »"'s«."1 Bototionsörud und Verlag der VrllhUchtN Unto.-Bud). und Slelndrvderel. H. lange. Sedaktion. Lxpedltion und vrudere!: Schulftratze 7. vezu g-prets: monatlid) 75 vt, vierte!-', iäbrlid) Mk. 23*0; durch Addole- u. KweigsteUen^ monatlid) 65 Pf.; durch, die Post Alt.?.— vienel-j jabvL auSlchl. veslellg.' Annahme von Anzeige» für bie Tageünuimneo KiS vormittags 10 Uhr. Zeilenoreis: lokal 15 Pf^ auiiDdrt» 20 Pfemiig. Verantwortlich für den poliL unb augem. teil: P. Wittko: für , Stabt unb Land^ unb -GenchtSsaaf: Ernst Heß. für ben An- ;eige>Ueil: Han» Beck bad) unb Beno bei m-Erbaw m trotz des naturücheii Anwachsen- der Äabi der Wahlberechtigten so^crr eine numerische Abnahme der sozialdemokratischen Stimmen zu konstatieren, die im letztgenannten Kreise mehr alS 200 beträgt Noch eklatanter aber tritt der allmcchlickre Rückgang der sozialdemokratischen Mach! in Hessen in dem vorläufigen Gesamtergebnis der Dahl vvm 25. Januar äu Tage. Im Jahre 1903 wurde einer der ihrigen (Kramer) gleich' im ersten Wahlgang um Reichstagsabgeordneien gewählt, und weitere 6 Genosten amen in bie Stichwahl, 4 mit ben Nationalliberalen und einer mit dem Zentrum. TicSmal hat keiner von ihnen auf bcu ersteq streich ein Mandat zu erobern vermocht. Tie Ergebnisse im Reiche. In Marburg wird wohl Herr von Gerlach, der Nationalsoziale, dem Deutschsozialen Dr. Böhme bat Feld räumen müssen. Cb Naumann in Heilbronn bcfiece Aussichten hat, läßt sich heute noch nicht absehen, ebenso wenig wie der AuSgong im Wahlkreise Wetzlar sich voraussagen laßt, wo sich bie Nationalliberalen und bie Lhrisllich- ozialen gegenüberstehen. Frankfurt aber wird wohl end-' üch von ben Bürgerlichen erobert werden, ebenso eine ganze Anzahl anderer deutscher Großstädte, wie München, Dortmund, Stettin, Danzig, Wiesbaden und Straßburg. Ten Ruhm, bereits im ersten Wahlgange die Sozialdemokratie auS dem Felde geschlagen zu Haden, ccrangan sich die Großstädte Leipzig,BreSlau,Hannover, Halle, Magdeburg, Braunschweig und Königsberg. Tie Sozialdemokraten verblieben außer den fünf Berliner Wahlkreisen Lharlottcndurg, Hamburg, Lübeck, Altona, Chemnitz, Nürnberg, Stuttgart unb Mannheim. In mehreren Wahlkreisen ist von größter Bebeutung bie Stellung befl Zentrums, wo es zwischen Bürgerlichen und Sozialdemokraten zu entscheiden hat, unb in anbecen Wahlkreisen haben bie übrigen bürgerlichen Parteien sich zwischen Zentrum und Sozialbemokratte zu entscheiben. Nun ist bie Frage, wie sich baS Zentrum zu den übrigen bürgerlichen Parteien ließt. Bebel erklärte in einer Berliner Versammlung, ein Bündnis zwischen Sozialdemokratie und Zentrum existiere nicht; bie gegenseitige Unterstützung sei emsach ein Gebot der Notwendigkeit. DaS Zentrum wird auf den Boden dieser Anffaffiing bei den Stichwahlen nicht treten können! Über eö würde sich um jeden Kredit als bürgerliche Partei bringen, um jede Glaubwürdigkeit, daß seine ost genug betonte entschiedene Gegnerschaft gegen die revolutionären Ziele der Sozialdemokratie aufrichtig und ernstlich gemeint war. DaS Zentrum kann auch nicht etwa Wahlenthaltung empfehlen, sondern eS muß mit aller Nachdrücklichkeit seinen Anhängern zur Psilcht machen, gegen die sozialdemokr. Kandidaten zu stimmen. Auf der anderen Seite ist eS ebenso selbstverständlich, daß bie bürgerlichen Parteien geschlossen für daS Zentrum stimmen da, wo ein Sozialdemokrat der Ltichwahlgegner ist, in Düsseldorf, Essen a. d. R., m Köln-Stadt rc. Im allgemeinen sind die Einbußen deS Zentrum« selbst nur unerheblich. Sämtliche bekannten ZentrumS- Abgeordneten sind wiedergewählt. Nur FuSnagel ist in Arnsberg dem RegierungS - Kandidaten Becker unterlegen. Von den selbständigen nationalen Katholiken ist nicht ein einziger durchgegangen. Tie schlesischen Kreise Oppeln und Pleß hat daS Zentrum an die Polen abgegeben. Auch in Gleiwitz, wo bet bisherige ,ecftcrbenbe* ReichStagS-Prasi- vent Graf Ballestrem nicht wieber kaubidiert hat, muß eine Stichwahl zwischen dem polnischen und Zentrums-Kandidaten iiattfinben. Dadurch erhält natürlich die bisherige Bruder- schaft zwischen Zentrum und Polen einen Riß. DaS Hauplotgan der rhein. Ultramontanen, die .Köln. VolkSztg.* rechnet damit, daß in den Stichwahlen noch der eine oder bec andere Sitz durch .unnatürliche Bündnisse' für das Zentrum verloren gehen könne; immerhin stehe fest, daß selbst bei etwaigen Verlusten in den Stichwahlen da« Zentriim ben Generalsturm zurückgeschlagen habe. Die schwere Niederlage bet Sozialbemokralie müsse gewaltig überraschen. In einer Reihe von Bezirken, wo die Sozialdemokratie in Stichwahl komme, seien ihre Aussichten zudem höchst ungünstig. Beim Zentrum sei allerbingS auch zu berücksichtigen, daß die als Gewinne betrachteten Maubate bisher größtenteils m Händen der dem Zentrum naheuehenden ReichSlänber waren. IebenfallS ist, was man kaum erwartet hatte, kaum jn hoffen wagte, bereits jetzt burchgesetzt: DaS Zentrum hat keine dirrgierenbe Stellung un neuen Reichstage mehr, wenn ihm nicht die Antisemiten dazu verhelfen müßen! Tie Konservativen erwarben Osterode von den Nationalliberalen, Sternberg und Freiberg von den Sozial- bemokralen erobert, begleichen Neuß j. L. Tie Nationalliberalen gaben Hoyerswerda, wo Baffermaun gewählt wurde, ferner von den Welfen Hannover, Wienburg unb Glihotn erobert. In Sachfen ist Löbau-Stabt, bisher sozialbemoltatlich vertrete.!, g:i die Nationalllberolen zurückgefallen, dagegen Haden diese Bretten an die Konservativen verloren. Tic R c i ch s p a r t e i hat außer BreSlau noch Mülhausen i. E. von der frei u-.N'.g.n Vollspartei gewonnen, wo Eickhoff unterlegen ist. Uel5.11 hat die ReichSparlei an die Welfen verloren. Die freisinnige Volkspartei hat neu r ; jonnen; Königsberg-Stadl, Breslau-West, Halle und Raun Die heutige Fummer umsaht 12 Seiten. Aus HcjüMlrcjuUat öd Aelchstagswahl. Gießen, 28. Januar 1907. Endgültig gewählt wurden: 237, ferner finden 160 Stich- Wahlen statt. Gewählt wurden: 41 Konservative, 10 Reichs- ' Partei, 18 Polen, 8 9 Zentrum, 20 Nationalliberale, . 6 Freisinnige VolkSpartei, 1 Freis. Vereinigung, 29 Sozial- beinokaten, 1 Dtttlelständler, 1 Däne, 10 Fraktionslose unb Eisäffer, 8 Reformpartei, 2 Bund bet Lanbwirte, 4 Wirtschaftliche Vereinigung, 2 Deutsche Volkspartei. In die Stichwahl kommen: 29 Konservative, 19 Neichspartei, 5 Polen, 81 Zentrum, 58 Nationalliberale, 27 Freisinnige Volkspartei, 12 Freisinnige Vereinigung, 92 Sozial- b emo trat en, 2 Mittelständler, 8 Wildliberale, 4 Welfen, 4 Fraktionslose, 8 Reformpartei, 8 Bund der Landwirte, 12 Wirtschaftliche Vereinigung und 11 Deutsche VolkSpartei. Danach gewinnen, bezw. verlieren die Konservativen 7 unb gewinnen 7; die ReichSparlei gewinnt 2, verliert 4; bie Polen gewinnen 2; das Zentrum gewinnt 2, verliert 4; die Nationalliberalen gewinnen unb verlieren je 9; Freisinnige Vollspartei gewinnt 4, verliert 2; die Sozialdemokraten verlieren 20; die Welfen verlieren 3; bie Wirtschaftliche Vereinigung verliert, Mittelstandler und Wildliberale gewinnen |e einen; die Fraktionslosen gewinnen unb verlieren je einen; die Reformpartei verliert 2; der Bauernbund verliert 1. DaS deutsche Bürgertum hat am 25. Januar einen Ehrentag zu verzeichnen; fein stärkster Gegner, die Sozial- bemokratle, hat eine Niederlage von einer Wucht erlitten, daß fortan die Macht dieser Partei gebrochen erscheint. Hochburgen kamen zu Fall, auf deren Behauptung bie Sozialdemokratie mit größter Zuversicht gerechnet halle. Bei den Stichwahlen, an denen bie äußerste Linke betei- Iigt »st, dürften die Verluste noch weit empfindlicher sein. In Heffen haben in sämtlichen Kreisen Suchwahlen siattzufinden, deren AuSgang in manchen Kreisen zweifelhaft ist. Die Sozial- bcmokralie steht den Bürgerlichen in Friedberg, Darmstadt, Offenbach und Mainz entgegen. In Fried berg wird ja wohl Graf Oriola siegen. Dagegen werben bie Ro tcllianer sich wohl iv'eber (palten. Finbct eine Teilung etwa zur Hälfte statt, dann ist der AuSgang völlig ungewiß; aber die Anhänger Kore US, die diesmal den sehr respektablen Zuwachs von etwa 2600 Stimmen erhielten, woraus zu schließen ist, baß diese fast sämtlich biSher nalionalliberal wählten, werden doch wohl in ihrer Mehrheit zu Osann übergehen, so daß unsere Landeshauptstadt endlich Dom sozialdemokr. Joch befreit würbe. Eine hocherfr euliche Kunde kommt uns noch kurz tot Redalnonsschluß aus Darmstadt iu. Unser dortiges Re- daltionsburcau meldet: Der'Wahlausschuß der vereinigten Liberalen erläßt folgende Erklärung: ..Unser Kandidat Herr Pfarrer Korell ist trotz starken Stimmenzuwachses nicht in Stichwahl gekommen. Wir haben unS nun dahin entschieden, die Entscheidung über die bevorstehende Stichwahl unseren Anhängern freizu- geben." Bei der Ersatzwahl im vorigen Jahre hatte die freis. Partei ihre Anhänger aufgesordert, in der Stichwahl den Sozial- demokraten zu wählen, wodurch Berthold mit einigen hundert Stimmen Mehrheit siegte. Die fetzige, der politischen Lage unb dem nationalen Empfinden besser Rechnung tragende Stichwahlparole ist wohl dahin zu verstehen, daß die Freisinnigen die Wahl Bertholds nicht mehr unterstützen wollen. Hosfentlich wird die« von allen Wählern so verstanden unb auch befolgt! Im Wahlkreis M a in z-O v V enh eim ist ein rapides An- tvachsen der nationalliberalen Stimmen zu verzeichnen. Ter nationalliberale Kandidat Dr. Pagenstecher erhielt bei der vaupt- wähl 1903 nur 4895 Stimmen, bei der letzigen Wahl aber 8660 Stimmen, also fast 4000 Stimmen mehr, wahrend der Sozialdemokrat Tr. David, trotzdem gleich tm ersten Wahlgang bie Demokraten geschossen für ihn eintraten, nur von 13 02/ auf 14 664 Stimmen gelangte. Da Landtagsabg. Molthan vom Zentrum auf 9326 Stimmen kam, so stehen den «ozialdenw- holen über 18 000 bürgerliche Stimmen gegenüber unb der Wahlkreis wäre jetzt ohne Mühe zu gewinnen, wenn nutzt die , schon seit Jahren anbauembe Bcrbitterirng zwuchen .rational» liberalen und Zentrum leiber jedes Hanbinhanbgehen als ausgeschlossen erscheinen ließe. „ T, , Ter Wahlkreis Alzey-Bingen wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein bitteres Opfer des fortwähreiiden unklaren >Lchwan- ftnS der Nationalliberalen werden und dem Liberalismus so lewer v-erloren gehen. Er wirb wohl anstelle des langiährigcn frei). '21bg. Süjuiibr—Elberfeld ben bünblcrifcben Kandidaten Keller zum Vertreter erhalten. Schmidt Hal 6300, Keller 6400 stimmen erreicht, aber hinter dem letzteren stehen noch fast ebenioDiel Jen- tnumssliwmen; das Zenrrum harre sich fogar den eigenartigen Luxus einer Doppelraiibibatur (v. Brentano und Tr. Schmitt/ A-leistet, um eine Stichwahl mit Schmibr-Elberfelb von vornherein louszuschließen, was ihm aber doch nicht gelungen ist Offenbach-Dieburg, wo den 20 26*2 sozialdemokrat. Stimmen für Ulrich 13 475 Stimmen für den gemeinfamen lrb. Im folgenden teilen wir noch einige bemerkenswerte Wahlergebnisse, unsere Sonntags-Meldungen ergänzend, zum Teck auch berr^trgend^v^t-Altstadt (bisher S). Gradnauer iS) 19 389, Heinze (Nl) 18 701, Unrasch (K) 4966, Erzberger (Z) 54o St. Dresden-Neustadt (bisher S). Kaden (S) 15813, sämUiche Gegner zusammen 11697. Dresden-Land (bisher S). Dorn (S) 29381, Bassenge (Nl) 22 489 Stimmen, also Wiederwahl des Sozialdemokraten. München 2. Stichwahl zwischen Bo Ilmar (S) und Koh (Nl). Schwerin (bisher und Starossou (S). Elberfeld (bisher und Molkenbuhr (S). M ü n st e r - Cösfeld. Nl). Stichwahl zwischen Büsing (Nl) S). Stichwahl -wischen Linz (ChrS) Frhr. V. Herkling (Ztr.) toieder- Stichwahl zwischen Müller (Fr. Vp.) gewählt. Altena - Iserlohn. und Haberland (S). t Meppen- Lrngen-Bentheim. Engel en (Ztr.) wredergewählt mit 20137 Stimmen. Kolonialdirektor Dernburg erhielt 6452 Stimmen. zn., . Siegen-Wittgenstern. Stocker (Chr.-L>.) gewählt. Schleiden-Malmedh-Montjoii. Prinz Aren- b e r g (Ztr.) gewählt. Kleine Rtlchstagswuylnachirchtcu aus dec Zlmgegend. Gießen, 28. Januar 1907. In einem Dorfe des Kreises Gießen (der Name tut nichts zur Sache) wühlte u. a. ein Mann, d.r erst kürzlich das 25. Lebens.-hr zurückgelegt h^tte. Beim Zählen der öi immen sand num einen Stimmzettel nut besten Namen, unter bleiern Namen den des xu Wählenden. Aus Befragen seiner Freunde, warum er seinen Namen hingeschrieben hätte, antwortete er: „Sonst hatte man ja nicht gewusst, wer beit Stimmzettel abgegeben hat." Eine grüßen Lachsalve über diese Ausübung des geheimen Wahlrechts wurte wohl selten gehört und der junge Mann kann sich nirgend- blicken lassen, ahne gehänselt zu werten. -o- Wahlergebnis aus Bad-Rauheim: Graf Lriola 305, Dr. Strecker 3'6, Busold 278, Bähr 23 Stimmen. a. Lauterbach, 27. Jan. Die ReichStagswähl hat sich hier recht ruhig abgewickelt; sämtliche in ter Urne befindlichen Stimmzettel waren gültig und lein einziger mit Ulk berieten. Ein Zeichen, daß sich jeher Wähler ter ernsten Sache bewußt war. Dagegen versuchten am Abend im Saale der Johannisburg, wo sich viele Wähler zur Bekanntmachung der Resultate zusammengeiunten hatten, einige halbwüchsig, Jungen die Ruhe zu itöreu, inoent sie beim Verlesen ter Resultate lärmten, Tierstimrnen nachahmten und sonstigen Unfug trieben. Es wäre wünschenswert, wenn am 5. Februar bei der Stichwahl das Betreten des Lokals nur Wahcherechugten, nicht aber Eaunt aus ter Schule entlassenen Jungen gestatte, wurde, was gewiß im Sinne alter wahlberechtigten Scanner, ohne Unterschied der Partei, sein dürste. Aus dem Kreise Wetzlar luirD uns geschrieben: Ein lustiges Wahlvortommnis hat sich in einem Dorfe unseres Kreises am Freitag zugetragen. Kommt da ein Wähler zum Wahtioral, um seine Stimme abzugeben. Er suchte vergebens unter ten aus tem Tisch liegenden Stimmzetteln, tonnte aber leinen richtigen finden, bis er zuletzt mißmutig wurde. Ein gerade eintreienter teert fragte ihn, was er suche, und erhielt nach hiesiger yjluiiteiri die hübsche Antwort: „Ei äa> siche des teeyligenstädtche. Do hunse immer im Blaut dcvo geschriewe, das wer so en t iüj t ige M ann, ä ch, mahn, den kennt m e r nähm!" Der teen wollte dem so arg Verlegenen Helsen, hatte er doch einen Nationalgeiinnten vor sich, „teier haben Sie einen Stimmzettel, teerr .heyligenstaedt ist ja hier Nicht ausgestellt, fonbern int Wahlkreis Eiegen." Mit biejen Worten war der Mann getröstet, denn er antwortete: „No, so gäbt doas Zellge mol her, doas tann mer joa :utstecke." Fröhlich ging er daraus zur Wahlurne und ließ feinen Stimmzettel dann verschwinden, hatte er doch das Bewußtsein, daß so dem gleichen geheimen Wahlrecht voll genügt sei. ^Antwort auf die Erwiderung Bindewalds - die Grebenhainer Versammlung betreffend. ■ . Es ist — so schreibt man uns — empörend, wenn man lesen muß, in welcher Weise der Puckierjünger die Ursachen ter Larmszeuen von sich abzuwälzen sucht. Als teerr te aas zur Geschäftsordnung das Wort ergriff, um zu verhüten, daß eine so große Versammlung von dein iwch Politisch unreifen und noch nicht ivahlberechtigten teerrn Schmalbach aus Eraiitseld ge- leiict würde, uno bett Beigeordneten Äiüller zum Vorsitzenden vorschlug, da wurde dieser Vor,listag von dem größten Teil der Versammlung angenommen. Trotzdem präsidierte teerr S. ruhig weiter. ^iftvlge ter hierdurch entuantenen Storung glaubte |iaj teerr Bindewald zu folgender Aetißerung oeramaßt: „Da seht Ihr ja bic nabele MamoiiSioeije der natumaiiioeraien Partei und der Lauterbacher teerten", obwohl sich noch niemand aus Lauterbach tettc hören bauen. Wenn nun Btntewalb teerrn Dr. Wallau Doppeizungigteit borroarr, bald au, den Gießener, bald auf den Lauterbacher Anzeiger, bald auf Dr. WaUau los- schlug, dies alles aber ableugnet, so muß er entweder die befaunte Lieberuiannsche Gebachl.iiS,chwache besitzen ober sich im Besitze der Vücklerschen Reoe,ceiheil loäljnen. Bindewald und fern Vonttzenter haben burai ihr Verhalten währetib der kurzen Diskus,ion gezeigt, daß man beide n t a> t e r n ft n e h m e n konnte. Konnten doch politisch Unreife sowie stark Bezechte ungehindert debattieren, wahrend man die sachlichen Ausführungen des Amtsrichters Dr. teoj kurzerhand bas Wort ab- schnttt mit der Bemerkung, seine 10 Minuten seien abgelaufen, obwohl der promwruche Voriitzende ihn sieben Minuten lang iuiterorou)cn hatte, um feine Anwartschaft auf den Vor,itz sowie feine hochgradigen parlamentarischen Meniitiulie feinen Zuhörern plausioel zu machen. Daß sich ieter nmiunbige Vogeisoerger ein Schimpfen auf feinen früheren SirciSrat von einem Agitator und Püctierfreunb nicht geialien läßt, tann man ihm nicht verübeln. So läßt es sich leiicho begreifen, daß die Greoenhainer Versammlung tem Schiasai der Puaieroersananlungen anheimfiel. Bindewald handelt frivol, wenn er die Ursachen her Störungen den Anhängern Wollaus nt die schuhe schiebt. Terartige chad^u- verfamiittungen hat er sicher schon bei |einem Freunve Puctler mUerlebt. iziud) oci dessen Ver,kimmlungen wird man die ytaöaiu» szenen nicht den Teilnehmern, sondern ihren Führern und Eiu- berujern stets au(s -syuibtonto setzen müssen, lins lioeraien Wählern kam die Auslösung i hr ungelegen. Wie ui Laubach, so hätte auch hier Bindewald manche unsinnige Behauptung zuruclnehmen müssen. politische Tagesschau. Dernburg über die Wahlen. Die Wiener ,sJieue Freie Presse - veröffentlicht eine Unterredung ihres Berliner Korrespondenten mit Kolonial- direklor Dernburg, der erklärte, er hätte einen so günstigen AuLgang nicht erhofft, und er sei überzeugt, oaß die von der Regierung ausgegebene Parole diese Wirkung her» beiführte, die em erfreuliches Symptom sei, daß der unsere Zeit beherrschende Materialismus doch nicht allmächtig fei. Die Niederlage der Sozialdemokraten fei sicherlich durch ihre antmaiionalc Gesinnung verursacht worden. Er sei mit dem Wahlresultate recht zufrieden; auch für iie Stichwahlen beständen gute Hoffnungen. Im neuen Reichs- tage würden hoffentlich die Kredite für Südwestafilka bewilligt werden. Eine neue Kolo nial vor tage werde die Regierung nicht einbringen. In einem Gespräche über den AuSgang der Reichstags» wählen erklärte ferner Kolonialdirektor Dernburg, der übrigens am Sonntag beim Kaiserzu Gaste war, ob das Zentrum sich nunmehr willfähriger gegen die Forderungen für die Kolonien erweisen werde oder nicht, habe für die Regierung nicht mehr die frühere Bedeutung, nachdem eine Majorität hierfür auch ohne das Zentrum gewonnen worden ist. Direktor Dernburg macht trotz seiner ungeheuren Arbeitsleistung den Eindruck vollster Frische. — In Berlin beschloß eine Versammlung von jungen Akademikern zu Ehren des Fürsten Bülow und des Kolonialdirektors Dernburg einen Fackelzug zu veranstalten, der zugleich eine Protestkundgebung gegen das Verhalten der Polizei in der Wahlnacht darstellen soll. (Vergl. den Artikel „Kundgebungen" re. im 3. Blatte.) Aus S.aSt uuo Lano. Sprechstunden der Reha'ftwn 11—1 Uhr vorm., i/»7—Vs8 Uhr abds. Gießen, den 28. Januar 1907. " ReichstagSwahl. Unser Nachrichtendienst zur Ein- holung der Reichstagswahlergebnisse funktionierte am Abend des Wahltags ganz vorzüglich, sodaß das Schlußresultat schon um 11 Uhr bis auf wenige Orte fest stand. Von diesen Restanten trafen Samstag früh noch zwei ein, so daß nur pvei Ortsoorslande der tm öffentlichen Interesse an sie er- langenen Bitte, uns auf unsere Kosten das Wahlresultat zu übermitteln, nicht entsprochen haben. Wir haben uns deshalb auf anderem Weg über das Wahlergebnis in diesen beiden Orten informiert und teilen es nachstehend mit. In Geilshausen (116 Wahlberechtigte) erhielt Heyligenstaedt 26, Köhler 50 und Krumm 16 Stimmen, und in Bleichen- bad) Heyligenstaedt 19, Kohler 90 und Krumm 59 Stimmen. Unter Berücksichtigung einiger sonstigen kleinen Korrekturen ist das Gesamtresultat: Heyligenstaedt 7486 Stimmen Köhler 8950 Krumm 6445 „ Gültige Stimmen wurden von 80,06 Prozent der wahlberechtigten Wähler abgegeben. ** Notariats-Personalien. S. K. te- der Großherzog haben den Notar Friedr. Karl Bohn in Wörrstadt 5um Notar mit dem Amtssitz in Alzey als Nachfolger des Notars Bechtold daselbst und den Gerichtsassessor Dr. Karl te o f f m a n n aus Alsheim zum Notar mit dem Amtssitz in Wörrstadt als Nachfolger des Notars Bohn ernannt. ** Ordensverleihung. 2. K. te- der Großherzog haben dem Werkmeister te- Kolb I. aus Wieseck, in Diensten Der Firma S. Bock L Co., Zigarrenfabrik in Gießen, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen. ** Damit die Lehr er st eilen an Volksschulen rascher besetzt werden können, sind von jetzt ab die Gesuche um Ueteriragung von solchen längstens binnen drei Wochen vom Tage der Bekanntmachuiig an einzureichen. *• Der Lehrer-Sängerchor Gießen pflegt alljährlich einmal einen größeren Zuhörerkreis zu einem Liederabend zn versammeln. So auch am Samstag im Saale des Caf6 Leib. Was da an Chören zum Vortrag kam und Die einfache, ansprechende Weise, mit der sie gesungen wurden, zeigten, daß sich die verhältnismäßig kleine Sängerschar mit der Pflege des Volksliedes eine recht dankbare Aufgabe gestellt hat. A capella gesungen, zeichneten sich 'die Chöre durch ursprüngliche Frische des Vortrages und meist auch durch hervorragende,Klangschönheit aus. Das deutsche Volks- lieö „Die Heimat" nach Jos. Schwartz, die schwedische Volks- ivcise „Am Aarensee" nach Ignatz Heim und „Tik e tit e tot 1* aus dem Italienischen nach H. Jüngst waren Leistungen, die mit reichern Beifall belohnt wurden. Zwei Lieder für Tenor und zwei für Bariton brachten angenehme Abwechslung. Auch einige tüchtige musikalische Kräfte hatten ihr Können in den Dienst des Vereins gestellt. So wurde der Liederabend mit einem Trio für Violine, Bratsche und Klavier eingeleitet. Ein Violinsolo „Berceuse de Jocelin“, von Godard kam geschmackvoll zur Wiedergabe und mit dem prächtigen Kalserquartett, Variationen von Haydn für zwei Violinen, Bratsche und Violoncell wurde das Programm würdig beschlossen. ** Begnadigung. Der 21 Jahre alte Schleifer Adam Steinmetz von Pfungstadt, der am 11. März vorigen Jahres zu Pfungstadt die Wftwe Rotschild ermordet und beraubt hat und deswegen vom Schwurgericht am 25. September v. I. zum Tode oerurteilf worden ist, wurde, wie in der „Darmst. Ztg." mit» geteilt wird, von S. K. te. dem Großherzoge zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Die Begnadigung ist im teinblick darauf erfolgt, daß die im gerichtlichen Verfahren zugezogenen ärztlichen Sachverständigen den Täter für geistig minderwertig und deshalb gemindert zurechnungsfähig erklärt haben uni) dieses Gutachten durch eine neuerdings eingeholte gutachtliche Aeußerung der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege bestätigt worden ist. ** lieber d i e Comoren, eilte vulkanische Inselgruppe im Norden von Madagaskar, wird am Dienstag, den 29. Januar, in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Prof. Dr. A. V o e l tz k o w - Berlin sprechen. Der Vortrag fiiidet in der Aula der Universität statt. ** E i n h e r z l i ujc s Lachen veranlaßte am Freitag abend vor dem Dause des „Gießener Anzeigers" eine ziemlich beleibte Frau, die aus der Wagengasse mir ihrem teandwagen in die Schulstraße fahren molne. Angesichts der großen Menschenmenge fragt die Frau höchst erstaunt: „Um teimmels willen, was ist denn hier los, was ist denn eigentlich passiert?" Das hieraus folgende große Gelächter wurde aber von einem Arbeftsmann unterbrochen, indem er der Frau antwortet: „Liebe Frau, sehen Sie dort die drei großen Nummern am Fenster? Das sind die 3 größten Gewinn-Nummern der Preußischen Klassen-Lotterie!" Daraus antwortet schlagfertig Die Frau: „Na, ich komme ja deswegen mit dem Wagen, um das Geld aozuholen." X. teanau, 27. Jan. Im bciiaujbaru.i Alzenau ist über die Familie des Handelsmannes Berny.uo Hamburger ein schweres Unglüa heteiugedrochen. Als morgens die Tür zur Wohiiung verschlossen blico, vermuteten Die Umwohner ein tlnglüct und öffneten uic Dar gcwaltsau.crn-. ,c. Beim Betreten des Schlafzimmers fanb man slil ann, Finu und K i nd bewußtlos im Bette liegend vor. Turck si atmen Don Kohlen- oxpdgas,^ das dem Die Nacht hindurch gci)e. n Ofen emitromte, ist dte Familie an Vergijtungserscheinung^. schwer erkrankt und ringt mit dem Tode. Zwei Aerzle sind unermüdlich tätig, die Familie zu retten. Dermifdttete • Brände. Da§ größte Sägemühleninduftrie- werk WestpreußenS in Splawie bei Osche ist total nieder- gebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Einige Hundert Arbeiter verlieren ihre Beschäftigung. ES wird Brandstiftung vermutet. — Eine große Feuersbrunst wütet in Baumgarten im schlesischen Kreise Bolkenhain. Der Brand entstand im evangelischen Pfarr Hause, das vollständig niederbrannte. Hierbei wurde em beträchtlicher Teil der Kirchenakten vernichtet. Tas Feuer sprang auf die benach. barten Gebäude über, die ebenfalls eingeäschert wurden. Die vom Flugfeuer stark gefährdete Kirche wurde erhalten. * Xie geistige Verschiedenheit der Geschlech- ter. Ans Newyork wird berichtet: An der Columbia-Universität ist eine lange Reihe von Experimenten vorgenommen worden, um die Verschiedenheit der geistigen Fähigkeiten bei teiden Geschlechtern zu ergrünten, Die Versuche haben sich über tiiefl Jahre erstreckt. Nach ihrem Ergebnis hat das weibliche Geschlecht ein stärkeres Gesichtsgedckchtnis und eine schnellere Auffassungsgabe: der Mann dagegen besitzt die größere Kopfform, ein stärkere- Gehörgedächtnis, das schnellere Anozsierungsvcrmögen, raschere, Bewegungen und das entwickeltere Wahrnehmungsvermögen für Dimensiolien. In her Abschätzulig von Gewichten, im logischen Gedächtnis imh in ter Fähigkeit, Strapazen zu ertragen, geben die Geschlechter einander nichts nach. Man hat dabei beobackstet, daß die Studenten, die die psychologischen Prüfungen am besten bestanden, auch ihre Studien am besten zu führen wissen. Die Experimente haben ferner gezeigt, daß 50 pCl- der Anfänge» an tealluzinationen leiten, die oft durch die ganze Studienzeit währen. Meistens bestehen die Wahnvorstellungen in der imaginären Wahrnehmung von Stimmen. Ein Student gab an, daß er die Stimme leinet fünfzehnhundert Meilen eiit,ernten lUlutter gehört i-ade, und das Gespräch von Freunten, die sich unterhielten und riefen. Ein anderer erzählte, so oft er Kiavier- spiel vernähme, höre er die Stimme ferner Mutter. * Wie a uf der Bühne geraucht wird. Das Rauchen in unseren Bühnenstücken tonnte auch für andere Leute Jnteress« haben als für ten wachhabenden Feuerwehrmann. Es liegt ein kleines Stück Kuiturge,sichte terüi, moruoer hie „Köln. Ztg." einige literarhiiwrycye Vetrachtungen aniieut. In den krasincyen Bühnenstücken spielt der Raucher noch keine Rolle. Es wurde feinen Eindruck auf das Gemüt des Zuschauers machen, wenn Wallenstein etwa nachdenklich eine „Flor Fina" zwischen den Fingern drehend, feinen berühmten Monolog anhüoe. „Wckr's möglich? Könnt' ich nicht mehr wie ich wollte?" Wir wissen auch, daß einer der berühmtesten Theaterdirelloren der klassische Zeit, Exzellenz Goethe, einer der heftigsten Gegner des Tabak- rauchens war. In ten Jntrigestücken von Dumas ffls, Augier, Sardou tauchte zuerst die Zigarre aus (gleichzeitig in ten Stucken des jungen Deutschlands), nicht bloß die euisache teöflichtefts- Zigarre, sondern die dustere, die unheildrohende, wenn etwa ein Ehemann, ter weiß, daß ec betrogen wird, sich den Liebhaber seiner Frau zu einer besonderen Zwiesprach sängt und ihm die an- gebotene Zigarre ablehnt, was symbolisch beteutet: „Lieber Freund, die Geschichte wird jetzt unangenehm!" In Sudermanns „Sodoms Ende" loirft sich ^dah Barczttw.osry in ihrer ganzen Sunden lleppigkeit, eine Zigarette qualmend, auf die Ottomane, und ein Schnittern verbreitete sich unter tem gebildeten Deutschland von 1890, a»ls es dieses sah. Ltzts neuere dramatische Repertoire hat einige Bereicherungen gebracht; die Anzengruber scheu und die SchnitzlersckM Stücke sührten die österreichischc Virginia auf die Buhne, und in ten Stücken von Oskar Wckde und Shaw ist die engtische Shag-Pseise aufgetaucht^ welche die redseligen Heldeti — leider immer nur auf kurze Ze ft — in die linke Muiiteae schieben, um dann gleich einem Wotkenbruch ihre endlosen Betrachtungen über Gesellschaft und Zivilisation auf die Zuhörer loszulassen. / * D ie größte Apotheke her Welt oder mindestens das größte phannuzeutische Etablissement besteht nach einer Angabe des Allgemeinen Bulletins für Therapie in Moskau. Tas Geschäst tourte vor 203 Jahren unter dem Namen Alte Nikolska- Apotheka begrüntet und ging 1833 in ten Besitz des Vaters des heutigen Eigentümers über. Die Apotheke beschäftigt 700 Angestellte, darunter einen Arzt, 13 gelernte Apvlheker, 95 männliche und 11 weibliche vilfsapotheker, iö Eleven, 20 Drogisten, 106 Verkäufer wnd Lauchurfchen, 350 Arbeiter, 86 Hilfsarbeiter und 20 Arbeiterinnen. An mandxn Tagen wurden mehr als 2000 Rezepte angefertigt; jährlich mehr als eine halbe Million. Dabei sott die Verwaltung ter Anstatt eine so vortreffliche sein, daß noch niemals ein sch.'vereres Versehen bei der Bewältigung dieser umfangreicheii Arbeitslast vorgelommen ist. Der Ruf dieser Apotheke reicht weit über Moskau hinaus, so daß sie auch aus her Provinz häufig in Anspruch genommen wird. Schiffsnachrichten. Red Star Linie. Der Postdampfer „Zeeland" her „Red Star Linie* in Antwerpen ist laut Telegramm am 22. Januar wohlbehalten in Ne>v-Pork angetommen. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse, 28. Januar, 1.15 Uhr. 3%°/0 Reichsanleihe . . 98.00 3% do. . . 86.70 Konsols .... 98.00 3% do 86.70 öM’/o Hessen . . . . 96 60 3^7o Oberhessen . . . —.— 4?6 Gestern Goldrente. . 99.70 4*/s 96 Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 96.10 4% Italien. Rente . . . 102.65 3% Portugiesen Serie I . 69.40 3% Portugiesen „ III 70.40 4 xa °i0 rnss.Staatsaul. 1905 91.50 4>2°o japan. Staatsanleihe 94 80 1^6 Conv. Türken von l^Ob 96.10 Tiirkenlose .... . . 146.40 4% Grieeh. Mouopol-Anl. 52.10 4% äussere Argentinier . 88.80 3°i0 Mexikaner . . 66B5 4>$<7O Chinesen .... 97.90 Aktien: Bochum Guss 245.20 Buderus E. W ... 128.40 Tendenz: fest. Berliner Börse, 28. Canada E. B 182.70 Darmstadter Bank . . . 139.6U Deutacne Bank .... 242 bu Dortmunder-Union C. . . 88.2u Dresdner Bank . . . 159.0V Tendenz: lest. Elektriz. Lahmeyer . . . 142.00 Klektriz. Schuckert . . . 121.00 Eschweiler Bergwerk . . 248.75 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.75 Hamburg-Amerik. Paketi. 153.50 Harpener Bergwerk. . . 220.00 Laurab litte 243 20 Nordd. Llojd 131.10 Obeischles. Eisen-Industrie 124.50 Berliner Haudelsges . 174.50 Darmstädter Bank . . . 14U.OO Deutsche Bank . . . 243.20 Deutsch-Asiat. Bank . . 173.10 Diskunto-Kommandit. . . 186.30 Dresdner Bank . . . 159.10 Kreditaktien 216.80 Baltimore- und Ohio- Eisen Lahn . . . 117.00 Gotthard bahn —•— Lomoaru. Eisenbahn . . 32.90 Oesterr. Staatsmann . . . 147.60 Pnuee-Henri-Eisenbahn . 149.00 Januar. Anfangekurse. Harpener Bergwerk. . . 220.00 i.auraUütte . . . 243.20 -umbarden E. B. ... 33J0 Aordd. Lloyd 131.U0 L ürkenluse . .... 146.90 Verdauungs-Zj Störung. Diarrhoe etc. Die Kinäeroedeihen vorzüglich oabei & leiden nichte^M an Hervorragend bewährh bei Brechdurchfali, ^•Jf^Darmkatarfh, Kmdermehl Inventur-Räumungs -V erkaui Schloss Samstag 2 Wir gewähren noch bis dahin auf unsere anerkannt billigen und reellen Preise einen Ij. Wagner. [452] SS ladet eraebenst ein Neustadt 41. 598 0599 Wasche mir führen werde. rn. wäschtam besten berichte Bank M Hm«1 1.1b Uhr. . id» Es ist uns heute ein I ME- 5 i H. £ der en. rar, * i Red Star Linie' ° SZ wohlbch-u«. den »• . Lloyd ' , . - löse - AnfaDg8kur86‘ .üg Bergwerk« ' -r dvlt, , • $ Total-Aus verkauf sämtlicher Waren zu jedem annehmbaren Preise von 10—12 u. 2—5 Uhr. Fr. EVZüiler jr. Hochachtend Anton Koch Wasserdichte Wagen- und Pferdedecken liefert vrouwt und billig Ludwig Lazarus Astcrweg 9. 259 ersten Oktober oben genanntes Restaurant in nnveräudeter Form Lehmeyer. schuckert. er Bergwerk rvorrafhrrbeL bewa?h durch ff Holzversteigernng der Gräflichen Oberförsterei Laubach. DienStag. den 5. Februar 1907 nach Zustwunenkunst 10V$ Uhr out Brianagarten des Tiergartens auS: 1-HauSvlatz: Buchen m: Cuü ©djeiter, UO «rüpel, 82» 2 ul de, 382 öletf«, äS (itdjcuyrüncL 3 Gicyetweifet. 2. »üHffoVi^ fluche rm. <53 73 ittüqeU 6,4 Stöcke, 31 Reifer. 3. ^nmvertstor: Buche nn: 235 Scheiter, 50 Prügel, 41 Stöcke, 185 Reifer, sm Führer llebr 10 Uhr am Bahnhof Laubach zur Beifügung.o Orpheum Schanzenstr. 18 Schauzenstr. 18 Täglich grosse Variete-Vorsteilung mit stets wechselndem Progranlm. Anfang 8>/, Uhr. Sonntags 2 Vorstellungen, nachmittags 41/2 uni abends 8 /, uhf. Eintritt ä Person L Plah 60 Pfg., 2. Platz 40 Pfg. S-W SR*«»!! iU«njettgto'Qn|l‘ e«s* * ?Etlen tntitnua " srainlen, bil“S UM1«*! »110.5)08 Rauch«, ltbei£ Leute ameg nnonn. Er i£gt “ Jtöin. ,3t8." ■ on neu Loli Lima le Rolle. Es S auerd machen, mm vina" zwischen da og anhill-e. „Lat, )olüe?" Mr toijjtt iltoten der llasjiM Mgner des Labak. Dumas jilg, Angler, ■ititig in den Ltnöei etniache vöslichteP. »endi, wenn etwa ec >, iid) den Lteohabo langt und ihm d.e ar. 3 bedeutet: „fiitic ml" Zn SubtrmanEi i<ü»6) in ihrer ganja id, auf die CttomoK em gebildeten Deuljit- l8 neuere dramatisch! iajt; die Anzengrutn ;ten die österreichisch- aen Don Lslae iL. lusgetaucht, welche tu f kurze jeit - in br mem Äoikenbruch chü und Ziollisatwu o leit oder minbefia nad) einet t ne in WioMau. i 1 lamen Me Wiblft i Besitz des »W M ÄW «w . mW. mani Eleven, 20 2togi|ic -eiter, 86 LÜlsatoeUu gen wurden mehr ? üS eine &a|be M«- ne so rortttilW.I® i bei der Bewältige tat ist. Der Rui dM ,z so daß sie auch v. ;en wird. Ww-MmI und Cale Einem verehrten Publikum die ergebene Mitteilung, daß ich bis SS , $et Brand 1 :te eilten. $ 1 ^indOhio- LabD • ' . . re> ■ :& er ver^ . . 218' rohen BfÄ r.Ajnenk- r Bergwerk. ■ • tte. . ' ' ' 1SU Handelns69 1W dier W» ' : I B Bank • , i?v ■Asiat-' ,lt^ j^oimuaudit- . r bank ' ' . 116* Rabatt von Diese 10°L bewilligen wir auch auf die zum Teil schon bedeutend herabgesetzten Preise für Dirnen- und Kmdr-Mäntel, Seidenstoffe, Kleiderstoffe, reinwollene Flanelle, haibferiige Hoben, Weisswaren, uardmen. Obige Offerte ist besonders günstig für Brautleute Äusser einigen billigen Gelegenheits-Posten führen wir in Aussteuer-Artikeln nur erstklassige Fabrikate, die sich seit Jahren im Gebrauch aufs beste bewährt, und da wir noch alte Abschlüsse haben, sind unsere Preise teilweise billiger wie die Fabrikanten heute bei Abnahme von grossen Quantitäten verlangen. Besonders aufmerksam machen wir noch auf einen Posten baumwollener BettkoHer, sowie auf unsere Abteilung für Herrenwäsche. Reichstags wähl £ Der 25. Januar hat unserer liberalen Sache einen großen Erfolg gebracht. 2100 Stimmen haben sich auf unseren Kandidaten Herrn Kommerzienrat.tzeyligenstacdt mehr vereinigt als 1903. Diesen großen Erfolg verdanken wir neben dem gesunden nationalen Sinn unserer Wähler besonders der treuen Mitarbeit unserer zahlreichen Freunde in Stadt und Land. Es ist uns heute ein Bedürfnis, ihnen Allen unseren herzlichsten Dank zu sagen für diese treue Unterstützung unserer guten liberalen Sache. Mit diesem Dank verbinden nur gleichzeitig das dringende Ersuchen, auch bei der bevorstehenden Stichwahl am 5. Februar uns die seitherige Treue zu bewahren und damit allen Berufsstand, n unseres Wahlkreises einen wertvollen Dienst zu erweisen. Oer libarda Wahlausschuss. Blut-Apfelsinen per Dutzend 80 Pfg. und 120 Pfg., feinste Valencia - Apfelsinen per Dtz. 35, 45, 60. 70. 80 Pfg., Mefsina-Citronen per Dutzend 65 Pfg., empfehlen Gebrüder Berdux, Bahnhofstraße. a#/t Klavier- Stimmen Reparieren Polieren in tadelloser Ausführung durch llr/i Wilh. Rudolph Großh. Hess. Hoflieferant PianohandlK. u. 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