Zweites Blatt lr. %00 157.1 Erschein! tSgNch mit Ausnahme de- Sonni^gS. Die „Äicßcner Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Sanbwlrt“ erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei! Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion.^OiiL. Tel.-AdruAnzeigerDießen. Dienstag SV. August 1907 A Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitatS-Buch- und Steindruckerei. £ B R. Lange, Gießen. Herman n K r ü g e r. stehen. 54. Deutscher Katholikentag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Würzburg, 25. Aug. Mit einem feierlichen Geläut sämtlicher Glocken der 24 kathol. Kirchen Würzburgs und einem Hochamt im Dom wurde heute Vormittag die 54. Generalversammlung^ der Katholiken Deutschlands eröffnet. Die Stadt des heil. St. Kilian ist aus Anlaß dieser Tagung festlich geschmückt. Auch die Staatsgebäude haben auf Anordnung der Regierung geflaggt und zwar in den bayer. Landesfarben. Die Zahl der Teilnehmer bewegt sich zwischen mwr-wiiu mir iVi—ni in »Mi ii । . Selbstbetrachtung durchzogen die gewaltigsten Menschheitsgestalten seinen Sinn: Sokrates, Cäsar, Ahasverus, Mahomet und Faust. Faust allein nahm feste Gestalt an, die übrigen Pläne wurden mit unserer Sehnsucht gezeigt. In Wetzlar wuchs der Dichter tiefer in Götz von Berlichingen hinein. Auch manche Keime von Hermann und Dorothea liegen hier. Dann aber ist Wetzlar vor allem die Stadt Werthers. Diese größte Jugendschöpsung wäre ohne die Erlebnisse in Wetzlar, ohne die Liebe zur Amtmannstochter Lotte Buff nicht entstanden. Es ist bekannt, wie Goethe seine Lotte, eine Freundin seiner Cousine Johanette Lange, am 9. Juni auf einem kleinen Juristenballe in Volpertshausen kennen lernte. Lotte glich einem heiteren Frühlingsmorgen. Im Werther lheißt es: „Ich fand so viel Charakter in allem, was sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen deS Geistes aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, daß ich sie verstand/ Goethes Liebe entflammte so heiß, daß es ihn: eine starke Ueber- Windung kostete, sich der Verlobten Kestners wieder zu entreißen. Alles, was der Jüngling bei seiner schwärmerischen Betrachtung der Statur gefunden hatte, erblickte er nun so überreich in der Gestalt eines reizenden Mädchens verkörpert. Und was der Natur versagt ist, gab die Neunzehnjährige: Die Güte eines reinen Herzens, Glückliche Stunden verbrachte der Dichter in dem alten Deutsch» ordenhause, wo er auch Lottens Vater und Geschwister kennen lernte. Und alL das kurze Liebestdyll den für Goethe schmerzlichen Ausgang genommen hatte, klagte er auS tiefstem Innern: „Ich bin nun allein und darf weinen, ich lasse euch glücklich und gehe nicht aus eurem Herzen/ Der alte Merck wurde auch in dieser Liebesaffäre Goethes treuer und erfolgreicher Berater. In Gießen trafen beide am 18. August zusammen. Am 28. August wurde noch gemeinsam GoetheS und Kestners Geburtstag gefeiert. Schweren Herzens ritt der Dichter in der Frühe des 11. Septem» bers von Wetzlar ab, daS er nur noch einmal im November desselben Jahres auf einige Tage wiedersah. Von seinem Liebes» schmerz aber suchte Goethe im dichterischen Schaffen Heilung: er schrieb den Werther. Noch heute ist in Wetzlar der Zauber der alten Zeit lebendig. Freilich, die Linde, unter der Goethe geträumt, und der Brunnen, aus dem er getrunken, sind vergangen. Aber die uralten Stadtmauern, auf die Goethe vom „Kalsmunt" oft herabgeblickt haben mag, und noch viele andere Wahrzeichen aus der Goethe- zeit sind erhalten. Nachdem man leider einige schöne Goethe- Erinnerungen hat verfallen lassen, will man jetzt endlich in Werthers Stadt dem großen Sohne Frankfurts ein würdiges Monument weihen. Wetzlar will und soll anderen Goethestädten nicht nach- gemert sprechen- Wir haben hier eine freie Tribüne. Man läuft höchstens Gefahr, nach zehn Stunden ausgetmesen zu werden- (Heiterkeit-) Das ist keine Strafe. (Heiterkeit.) Vielleicht läßt die deutsche Reichsregierung jetzt den Kongreß noch auflösen, nachdem er seine Arbeiten beendet hat- (Heiterkeit.) Wenn nicht erst ein deutscher Führer hier ausdrücklich erklärt, daß die Deutschen mit der Resolution einverstanden sind und daß sie Bebels und Vollmars Reden verdammen, bin ich nicht zufrieden. Die deutsche Sozialdeuwkratie muß gezwungen werden, Farbe zu bekennen. (Beifall, Unruhe.) Ter Schluß der Debatte ist ein Taschenspielerstückchen. (Großer Lärm'.) s Ter Kongreß lehnte daraus die Diskussion ab. (Lebhafter Beifall- Lärm der Franzosen.) Alsdann wurde die R e s o l u t i o n angenommen. (Stürmischer Jubel, Hochrufe. Einzelne Delegierte steigen auf die Tische. Verschiedene singen die Marseillaise. Singer schreitet ein.) Damit war die Arbeit des Kongresses erledigt bis auf die Behandlung einiger Resolutionen- In einer Resolution, die von Bebel, Singer, JauröK-Frank- reich, Dr- Adler-Oesterreich, Guesde-Frankreich, Ferri-Italien und anderen unterzeichnet war, wurde den russischen Genossen die Bewunderung und Sympathie des internationalen Proletariats ausgesprochen. Die Resolution zu Gunsten der „Vorkämpfer der Befreiung der ganzen Welt", wie Singer erklärte, lvurde ohne Errörterung unter großem Beifall angenommen- Eine Resolution der Spanier und Franzosen protestiert gegen das Verhalten der Mackste in der M a ro kro a ffär e- Tie spanischen und französischen Arbeiter werden aufgefordert, alles daran zu setzen, die französischespanische Marokkoexpedition anfzichalten, damit ein internationaler Konflikt vermieden werde- Tie Resolution wurde angenommen. Es wurde beschlossen, Kopenhagen als nächsten TagungK- ort zu wählen- Bandervelde (Belg.) dankte den Deutschen für ihre brüderliche Gastfreundschaft. (Beif.) Weiler erklärte er: Herzl. Dank gebühre den deutschen Brudern, deren Gcvß^ und echt brüderliche internationale Gesinnung sich glänzend gezeigt habe- Die Schwaben seien sehr brave und gemütliche Leute- (Lebhafter Beifall.) Hyndman (Engl-) dankt ebenfalls den Deutschen und besonders Bebel und Singer, wobei er letzteren lebhaft umarmt- (Lebhafter Beifall-) Er rühmt den guten Humor und die kalte geschäftsmäßige Ruhe Singers, dem es gelungen sei, sogar beim größten Tumult Ruhe zu schaffen- (Schallende Heiterkeit! Singer lächelt geschmeichelt und fährt sich gerührt über die Augen-) Paul Singer: GeiwfseiU Herzlichen Tank für alle freundlichen Worte- Ich bin ergriffen von diesem Dank, der Über alle Erwartungen freundlich und rühreird ist Ich kann mir nichts Schöneres denken, als noch lange imstande zu sein, vielen internationalen Kongressen beiwohnen zu können- Ich bin erfreut und die deutsche Sozialdenwkratie ist stolz auf die Anerkennung der anderen Nationen- Wir werden stets uns dieses! Dankes würdig zeigen- Vornehinlich gebührt der Tank aber den Stuttgarter Genossen- DaS werden wir ihnen nie vergessen. (Lebhafter Beifall-) Wieder haben wir einen Markstein in der Geschichte der internationalen Bewegung des Proletariats gesetzt, der unsl unvergeßlich bleiben wird- Zum ersten Male haben wir auf deutschem Boden getagt- Wir baden gezeigt, daß das nationale Proletariat eine Macht ist, mA der die bürgerliche Gesellschaft nie fertig werden wird- (Anfall.) Wir marschieren vorwärts, und niemand kann uns aufhalten. Das Ziel der Befreiung des Proletariats muß erreicht werden- Diesen Vormarsch werden wir fortsetzen, trotz aller Regierungen, trotz des Kapitalismus und trotz der bürgerlichen Gesellschaft- (Lebhafter »Beifall.) Und wenn Opfer fallen, so wissen wir: Märtyr erdlut ist Revolutions- fame! (Stürmischer Beifall-) Wir schreiten fort, bis das proletarische Heer stark genug ist, die bürgerliche Gesellschaft zu überwinden. (Lebhafter Beifall.) Wir arbeiten weiter und erhellen die Köpfe, bis der Sieg unser ist '(Stürmisclstr Beifall.) Nach Absingen der „Internationale^ ging dann der Kongretz auseinander- Schluß //z2 Uhr. Großtante, die Geheimrätin Lange, beehrte er nicht übermäßig mit Besuchen. Wenn auch keine großen äußerlichen Taten die Wetzlarer Periode kennzeichnen, so wurde für Goethe das Leben ah sich, der Zuwachs am inneren und äußeren Erleben, um so bedeutungsvoller. Mit Recht hat man den Aufenthalt in Wetzlar als »Vorhof" und „Rüste- zeit" für die Goethe'sche Jugendpoesie bezeichnet. Tenn er lernte hier bewltßt jene zwei Momente würdigen, die fortan die großen Triebkräfte seines Schaffens wurden: idyllisches Natt^leben und wundersame Liebe. Er pilgerte gern zu den Lahnbergen, oder träumte stundenlang am Wildbacher Brunnen, an den sich Goethe gebannt fühlte wie Melusine mit ihren Schwestern. „Ich weiß mcht, ob täuschende Geister um diese Gegend schwebten, oder ob die warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so paradiesisch macht/ , Goethe fand hier die „Landschaft" nut all ihrem bestrickenden Reiz und ihrem poetischen Zauber. In „Dichtung und Wahrheit" bekannte er von den Eindrücken in Wetzlars Umgebung: „Der malerische Blick gesellte sich zu dem dichterischen, die schöne, ländliche, durch den freundlichen Fluß belebte Landschaft vermehrte meine Neigung zur Einsamkeit und begünstigte meine stillen, nach allen Seiten hin sich au5- breitenden Betrachtungen/ Und im ersten Wertherbriese heißt es: „Die Einsamkeit ist Meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baun,, jede Hecke, jeder Strauch ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maikäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herum» zuschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können/ Goethe lernt auf die intimsten Regungen m der/Natur achten und wird ihr großer Schilderer, der im Gegensatz zu den kolossalen Natnrttizzen Rousseaus eine liebevolle, idyllenreiche Detailmalerei pflegt. Geßners Idyllen, die er gerade für die Frankjurter gelehrten Anzeigen analysiert hatte, wurden ihm zum mnersten Erlebnis. Die Natur offenbarte ihm bie Unendlichkeit aller Dmge. Er begann sich mit Gründlichkeit in die Gegenstände zu vertiefen. Von ästhetifchen Spekulationen ging er über zur Sache selbst. Und dabei lernte er auch sich selbst immer mehr erkennen. Die Kenne, die Herder und Merck in ihn gepflanzt hatten, wuchsen jetzt empor zu strenger Selbstzucht. Die Wellen Homers. Pindars und Shakespeares erschlossen sich ihm von neuem. Natur und Wesen der hellenischen Dichtung gingen ihm jetzt erst unter der Sonne Homers auf. Sein Verhältnis zu Homer kennzeichnet am besten sein Klageruf: „O ihr großen Griechen! und du, Hoiner! Homer! Doch so übersetzt, kommentiert, extrahiert, enueleiert, so sehr verwundet, gestoßen, zerfleischt, durch Steine, Staub und Pfützen geschleift, getrieben, gerissen!" Mit leidenschaftlicher Begeliterung kämpfte Goethe in Wetzlar auch für den Schöpfer des Ha»nlet. stiller 3 und 4000. Auch das Ausland bat zahlreiche Besucher gefteUt- in erster Linie Frankreich, für dessen geistliche Besucher eine vesondere Zusammenkunft der französ. Priester Vorgesehen ist. Mit der französischen ist auch die elsaß-lothring. Geistlichkeit in stattlicher Zahl erschienen, die soeben den eucharistischen Kongreß in Metz zu Gaste sah. Unmittelbar danach hat ftch denn freilich in derselben Stadt eine neue lothringische kathvlisichle. Organisation gebildet, die sich „Parti nvus" nennt und eine politische Konzentration der eingeborenen Lothringer anstrebt. Obwohl aber an ihrer Spitze der Ehrendomherr Wo »Collin und der Chefredakteur der Metzer französischen Zeitung „Le Lorrain" Houpert stehen, will diese neue Partei tzegen das Zentrum marschieren und das, nachdem vor zwei Jahren ein Katholikentag in Straßburg zu dem ausgesprochenen Zweck abgehalten worden ist, die Elsaß-Lothringer, speziell aber die letzteren, der Organisation der Katholiken in Altdeutschland zuzuführen, was man damals so wohl gelungen glaubte. , Die Rednerliste des Katholikentages war diesmal ms zum letzten Moment geheim gehalten worden. Sie weist interessante Namen und Themen auf. Neber Religion und Konfession wird Professor und Kanonikus Dr. Meyen- bera (Luzern), über die Missionstätigkeit der Kirche im Aus lande der Mt Norbert von St. Ottilien, über bie kirchliche Notlage der Katholiken im Inlande Pfarrer Bartels (Bielefeld), über Katholizismus und Hochschulen Professor Dr. Spahn (Straßburg), über Katholizismus und Volksschule Rektor Brück (Bochum), über Katholizismus und Nationalität Geistlicher Rat Pfarrer Wacker (Zähringen), über Katholizismus und wirtschaftliches Leben Reichs- und Landtagsabgeordneter .Landgerichtsdirektor G r o e b e r (Heilbronn), über Charitas Professor Dr. Schor er (Freiburg), über schöne Kunst und Literatur Prof. Meyers (Luxemburg) und über Papsttum Erbprinz .Alois v. Löwen- ft e i n sprechen. Den heutigen ersten Festtag der Generalversammlung leitete die Generalversanrmlupg des Augustinus-Vereins zur Pflege der katholischen Presse e£n, die namentlich von bayerischen Verlegern und Journaliften gut besucht war und in der man sich unter Ausschluß der Oefsentlichkeit über allerlei politische Tages- und journaliftiiche Standesfragen unterhielt. Um die Mittagsstunde sammelten sich dann die katholischen Gesellen- und Arbeitervereine zu dem großen Arbeiter-Fe st- zuge, der von 2 Uhr ab die Straßen Würzburgs durchzog. Unter den Hochrufen der durch zahlreichen Zuzug vom Lande verstärkten Einwohnerschaft von Würzburg zog der Zug zunächst nach dem bischöfliche Palais, wo der Diözesmbischof Schlör, umgeben von den übrigen Bischöfen und den erschienenen Aebten, den Zug an sich vorüberdefilierm ließ. Die Menge der Festteilnehmer strömte in die „Ludwigshalle" und andere größere Säle, wo unti 3 Uhr fünf Parallelversammlungen der Arbeitervereine tagten. Alle Versammlungen waren überfüllt. In der Hauptversaimmlung in der Festhalle führte der Landtagsabgeordnete Görber den Vorsitz. An erster Stelle sprach der Fabrikbesitzer Franz Brandt (Mü(nchen-Gladbach), der Vorsitzende der Volksvereine für das katholische Deutschland. Nur der glaubensstarke schriftliche, nationale Arbeiterstand habe Exi-^ stenzberechtigung, nicht aber eine ^nörgelnde Partei der Negation und Oppositiotp Hierauf sprach der Gewerkschaftssekretär und Reichstagsabg. Gkiesberts (Essen): Wir christlichen Arbeitervereine haben uns nicht überlebt, trotz aller Behie Materie eintreten, sondern nur gegen die Akklamation chen- (Beifäll.) ' Hervö (Frankreich) wird mit Beifall und Zischen begrüßt- er beginnt tritt lautlose Stille ein- Er erklärt: Tie elegante in des Schlusses der Debatte, die man vorschlägt, macht der chicklichkeit Der Subkommission alle Ehre- Ich hatte das er- ict- Diese Geschicklichkeit nennt man aber.in Frankreich eine r,e Ungeschicklichkeit, eine große Finte. Glauben Sie, daß die (t nicht den großen Unterschied zwischen den Reden in der nmission und der Resolution erkennen wird- (Lebhafter Bei- Die Reden, welche Bebel und v. Vollmar in der Kommission allen haben, widersprechen Der Resolution vollkommen- Was rals als schwarz hingestellt wurde, ist freute weiß- (Unruhe.) .iberüelbe und Dr- Aoler, der seine Rede übersetzt hat, haben Resolution noch in der Erklärung gefälscht- (Lärm.) Ich chr^gegen beu Schluß der Debatte- Wir tonnen ja hier nn- Hin Koetyc-Atnkmal in Wetzlar« (Zum 28. August.) ES ist bekanntlich unlängst *ein Ausruf verbreitet worden, der Errichtung eines würdigen Goethe-Denkmals in Wetzlar bezweckt • bie wärmste Unterstützung verdient. Nicht nur Wetzlars rger, sondern auch unsere namhaftesten Forscher und Dichter en den Ausruf unterzeichiltt. Und Wetzlar verdient ein neues, imposantes Goethe-Denkmal, denn der Aufenthalt dort ist für Dichter von großer Bedeutung gewesen. Wetzlar bedeutet einen rkslein in Goethe's Jugendleben. Hier drang der junge Dichter unbändigem Sturm- und Dranggefühl durch zur bewußten Altung seiner Strafte. Die „Glückseligkeit von vier Monaten" ■bte Goethe im Sommer 1772 in Wetzlar. In: Mai zog er in engen Gassen der Stadt ein, um sich beim Reichskammergericht l) dem Wunsche feines Vaters „in praxi umzusehcn". Aber der .isprudenz konnte der junge Dichter nun einmal keinen Geschmack eimnnen. Sein Wunsch war, Homer und Pindar zu studieren, 3 seinem Genie, seiner Denkungsart und seinem Herzen zu leben, mngs fühlte er sich „emfam, öde und leer", denn Wetzlar als idt bot recht wenig. DaS zopfige Gesellschastsleben war nicht h Goethe's Art. Und dazu hatte die Rechtsprechung des Reichs- wiergerid)t5 einen bedenklichen Charakter angenommen. Die liamteit mußte der junge Dichter umsümehr empfinden, als er Frankfurt und Darmstadt, auch bei uns in Gießen beim Pro- h- der Rechte Höpfner, glückliche Stunden zurückgelassen hatte, t Werther schreibt er nmerni 17. Mai: „Wenn Du fragst, wie Leute hier sind, muß ich Dir sagen: wie überall! Es ist ein iörmigeS Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bischen, bad en von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Alittel juchen, um es los zu werden." Goethe war also zunächst aus selbst angewiesen. Und das war gut. Denn die mannigfachen »drücke der Leipziger Zeit und des in Straßburg Erlernten und ebten drängten nach stiller Selbstbetrachtung. Erst als er im onprinzen" bie ritterliche Tafelrunde kennen lernte, von der in ichlung und Wahrheit" so aitschaulich berichtet wird, kam bie -jenb wieder zu ihrem Recht. In dieser Tafelrunde war Goethe Götz von Berlichingen der Redliche — kein Spielverderber. Er »le hier Gotter, Gouö, Born, Dr. König, KielmannSegge, Falcke, Schleinitz, Wanderer, den kurbrandenburgischen Legationssekretär nz u. a. kennen. Abseits dieser luftigen Jugendgesellschast stand junge Wilhelm Jerusalem, den Goethe in Leipzig kennen gelernt te. Goue hat manche Eindrücke dieser Tischgejellschast in seinem am« „Masuren" verwendet. Doch dauernd tonnte den jungen Hier das Treiben im .Kronprinzen" nicht befriedigen. Auch feine Siebet ein drin er Ke r I, als ein b'u nf m c r. Wer kMg ist, fürchtet sich nicht. Furcht kennen nur die geborenen DÄmmköpfe. (Lebh. Beifall.) Hier muß Giesberts seine Ansprache uNterchrechen, da mit stürmischem Beifall begrüßt durch eine Nebentür der Bischof von Würzburg, mit dem Fürstbischof von Laibach und einem apostolischen Bischof aus China mit seinem Sekretär in Nationaltracht eingetreten war. Nachdem der Vorsitzende die geistlichen Herren willkommen geheißen hatte und diese auf der Tribüne Platz genommen hatten, fuhr Gies- kberts üt seiner Rede fort: Kopf hoch und frisch in die Welt geschaut! Wir fbnnen uns sehen lassen. Wir katholischen Männer halten treu zu unserer Kirche. Für uns ist der Glaube keine Dekoration. Wir werden die Sozialdemokratie aufs bitterste verfolgen. Wir lachen ihrer Angriffe. Wir nehmen den Kamp' auf, denn der Sieg muß unser sein. (Stürmischer Beifall.) Nunmehr erteilte Bischof Schlör nach einigen begrüßenden Worten der Versammlung seinen bischöflichen Segen, wofür der Vorsitzende ihm den treuen Dank der Versammlung aussprach. Zum Schluß sprach Reichsratsabg. Drechsel (Oesterreich). Cr stellte den sozialen Ausgleich als erstrebenswertestes Ziel hin. Der Ausgleich müsse auf friedlichem Wege durch Verhandlungen erreicht werden, nicht durch Revolution. Darauf schloß der Vorsitzende die Verfammluug. Aus Stadt und Land. Gießen, 27. Aug. 1907. ** Ordensverleihungen. S. K. H. der Groß- Herzog haben verliehen: das Großkreuz mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem General der Infanterie und Generaladjutanten S. M'. des Kuisers, Chef des Militärkabinetts Grafen v. Hülsen-Haeseler und dem General der Infanterie und Gouverneur der Festung Mainz v. Voigt; das Komturkreuz 2. Klaffe desselben Ordens dem Oberstleutnant und Flügeladjutanten S. M. des Kaisers v. Gontard; das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens dem Oberleutnant v. Rettberg im Jns.- Leib-Regiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. ** Erledig t ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ulfa. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. ** Verstorbene oberhessische Staate beamte im 2. Vierteljahr 190 7. Am 4. April: Weichensteller i. P. Gg. Sippel in Salzschlirf, 24. April: Bahnwärter i. P. Ferdinand Geiß zu Büdingen; 30. April: Lehrer i. P. Hch. U s i n g e r von Fauerbach v. d. H. zu Friedberg, 17.9Jiai: Pfandmeister Friedr. Sch äfer zu Friedberg, 3. Juni: Gymnasialpedell Johs. Karl Ortwein zu Büdingen, 12. Juni: Zugführer i. P. Hch. Biedenkapp zu Gießen, 26. Juni: Fuß g endarm Gg. Sandmann zu Gedern, 27. Juni: Lehrer i. P. Christian Gerhard zu Stumperteu- rod und am 1. Juli: Lehrer a. d. höh. Mädchenschule zu Gießen Adam Lehr. ** Ferns prech an sHlüsse. Seit dem 1. April haben die Orte Dau bringen, Ruttershausen, Wißmar, Launsbach und Rüddingshausen öffentlichen Fernsprech-Anschluß erhalten. Wir teilen dies mit, da es in Interessentenkreisen bis jetzt nicht bekannt geworden ist. ** Die Landesbrandversicherungskassc hatte im Jahre 1904 eine Gesamteinnahme von 4125 883.44 Mark zu verzeichnen, darunter Kassevorrat 2125 790.38 Mk., ausgeschriebene Beiträge 1886 654.27 Mk. (Oberhessen 445 358.81 Mk., Starkenburg 793 588.11 Mk. und Rheinhessen 647 707.35 Mk.) und Zinsen 94 316 Mk. Die Ausgaben betrugen 1812 124.69 Mk., darunter u. a. an vergüteten Brandschäden und Abschätzunaskosten 688158.39 Mk. (Oberhessen 191092.52 Mk., Starkenburg 294 396.60 Mk. und Rheinhessen 202 669.27 Mk.), an Besoldungen und Pensionen 80187.78 Mark, Gebühren für Wahrung der Veränderungen in den Brandkatastern 12 531.40 Mk., Erheb gebühren 47 142.23 Mk., ausgeliehene Kapitalien 625 000 Mk., Zuschuß an die Landesfeuerlöschkasse 85 455 Mk., Brandabschätzungskosten, Diäten und Reisekosten 11379 Mk., Vergütung für erhöhten Feuerschutz 193131 Mk. Die in Oberhessen vergüteten Feuerschäden verteilen sich auf die Kreise Gießen mit 83 597.82 Mk., Lauterbach 60 385 Mk., Büdingen 19440.50 Mk., Friedberg 13 067 Mk^ Alsfeld 8244.20 Mk. und Schotten 6358 Mk. Der Abschluß der Kasse ergibt einen Einnahme-Rest von 2 313 758.75 Mk. — Die Landesfeuerlösch lasse vereinnahmte im Jahre 1904 121524.95 Mk., darunter Zuschuß aus der Hauptstaatskasse 34 638.26 Mk., Zuschuß aus der Brandversicherungskafse 83 080 Mk. und Kapitalzinsen 3506.81 jölt Die Ausgabe der Kasse beläuft sich aus 121358.57 Mk., so daß sich ein Einnahmeüberschuß von 166.38 Mk. ergibt. Unter den Ausgaben erscheinen für Unterstützungen an verunglückte Feuerwehrleute usw. 7242.02 Mk. (Oberhessen 1938.33 Mk., Starrenburg 3764.11 Mark und Rheinhessen 1539.58 Mk.), Beihilfen an Gemeinden und Feuerwehren zur Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen 103109.45 Mk. (Oberhessen 47 448 Mk., Starkenburg 39371.45 Mk. und Rheinhessen 16 290 Mk.). ** Kavallerie-Verein. Der vor kurzem gegründete Kavallerie-Verein Gießen feierte am Sonntag den Namenstag des Großherzogs durch ein Wald fest im Hardt- wäldchen. Hierbei hat der Verein gezeigt, daß er lebensfähig ist und sich jedem andern Verein würdig zur Seite stellen kann. Tas Fest war in jeder Beziehung wohlgelungen. In jedem der zahlreichen Festteilnehmer dürfte die Feier noch lange einen freudigen Widerhall finden. ** Regnerische Sommer. Unser diesjähriger regnerischer und kalter Sommer hat seine Vorgänger gehabt. Im Jahre 1315 regnete es von Mitte Mai bis zum Jahresende jeden Tag. 1401 regnete es von Mitte März bis Ende September. Anno 1405 regnete es von Anfang August bis Neujahr 1406. 1468 fiel in der Erntezeit so viel Regen, daß das Korn ungemäht auf den Feldern stehen blieb. 1528 war von Ende Juli bis Mitte November nur 4 Tage hindurch trockenes Wetter. 1579 war ein so nasses Jahr daß die unsahrbaren Marschwege mit Balken ausgelegt werden mußten, um nur die Ernte einfahren zu tonnen. 1585 war ein so nasser Herbst, daß man vielerwärts das in Haufen gesetzte Korn erst im Winter mit Schlitten vom Felde holen konnte. 1588 regnete es im Sommer und Herbst ununterbrochen 23 Wochen. 1617 fiel nach einem anhaltenden Sturm so viel Regen, daß niedrige Gegenden in Teiche verwandelt waren. 1660 fiel von Pfingsten an bis spät in den herbst ein fortwährender Regen, so daß dre Feldfrüchte verdarben. 1752 regnete und stürmte es den ganzen Sommer und Herbst, nur während des ganzen Lktobermonats herrschte. die schönste Witterung. 1790 war üon Mitte Juni bis Anfang September ein unaufhörliches Regenwetter. Dazu kommen nocy die regnerischen Sommer von 1866 und 1888. ** Zu entgeltlicher Pflege befanden sich während des Jahres 1906 in Hessen 2255 Kinder unter 6 Jahren wovon 44.5 ehelich und 1812 unehelich geboren waren. Abgegangen sind von dieser Zahl loO durch Vollendung des 6. Lebens- rahres, .520 durchs Abgang vor diesem Zeitpunkt und 168 durch ^od, sodaß am Schluß des Jahres noco 1417 Kinder in Pflege waren. Von ihren Ellern waren 1936 Kinder, IG Waisen durch rhren Vormund, 72 durch die Landeswaisenkasse und 231 auf denk Wege der öffentlichen ArmenpflLge. Die Pftegege'ldsatze schwanken zwischen 20 und 700 Mff. — In Ob er Hess en wareii 413 Kinder in Pflege, der Abgang! betrug durch Vollendung des 6. Lebensjahres 19, vor diesem Zeitpunkt 80 nub durch Tod 11, sodaß, am Schluß des Jahres noch 303 Kinder in Pflege waren. Von ihren Eltern waren hiervon 317 Kinder in Pflege gegeben, von ihrem Vormund 2 Waisen, durch die Landeswaisenkasse 20 Waisen und auf dem Wege der öffentlichen Armenpflege 74. Das Pflegegeld schwankte zwischen 50 und 360 M5. ** Tas Programm der technischen Hochschule zu Darmstadt für das Studienjahr 1907—08 ist erschienen. Aufnahme und Immatrikulation beginnen am 15. Okt. 1907 und 16. April 1908. Beginn der Vorlesungen und Uebungen: im Wintersemester am 22. Okt. 1907, im Sommersemester am 22. April 1908. Rektoratsübergabe am 22. Okt. 1907. Tas Programm enthält den Jahresbericht für das Studienjahr 1906—07. Einrichtung der Hochschule, Aufnahme, Zeugnisse, Prüfungen, Gebühren, Aufnahmebestimmungen, Personalbestand, Verwaltung, Laboratorien und Institute, Aufsichtspersonal und Dienerschaft, Kommissioneii für Prüfungen, Bibliothek re., Verzeichnis der ordentlichen und außerordentlichen Vorlesungen und Uebungen; Studienpläne, Lehrmittelsammlungen, Institute und sonstige Hilfsmittel für den Unterricht, Preisaufgaben, Stiftungen, Schenkungen und Studiengelderlasse, Verzeichnis der Geschenke, Gebührenordnung, Ferientermine. s. Trohe, 26. Aug. Auf Veranlassung des Großh. Kreisamts Gießen wird hier in Kürze eine Fernsprech- st e l l e errichtet. Auf Grund der mit Bürgermeister Schmidt gepflogenen Verhandlungen wird die Verwaltung diesem übertragen werden. 4~ Treis a. d. Lda., 25. Aug. In der vergangenes Woche sind hier mehrere E i n b r u ch s d i e b st ä h l e versucht worden. Nirgends ist dem Täter jedoch Geld, auf das es besonders abgesehen zu sein schien, in die Hände gefallen, in einem Fall ließ er jeooch Kleidungsstücke mitgeheu. Vom Täter hat man noch nichts ermittelt. x Ober-Ohmen, 26. Aug. Gegen die hiesige Gern e i n d e r a t s w a h l ist Reklamation eingelegt worden, weil bei der Wahl nicht stimmberechtigte Wähler ihren Zettel abgegebeü haben sollen. Da schon beim ersten Wahlgang die Abstimmung sehr rege war, erwartet man jetzt noch eine lebhaftere Wahlbewegung. 8 Aus d em O y m ta l, 26. Aug. Unsere Talorte haben — soweit bekannt — sich ^bereit erklärt, ihre Anteile an der noch aufzubringenden Summe von 370 000 Mk. für den Bahnbau Mücke-Ulrichstein zu übernehmen. Die Gemeindevertretung von Ruppertenroo hat einstimmig den weiteren Betrag von 40 000 Mk. zu zeichnen beschlossen, Ober-Ohmen von 36 000 Mk. und ebenso hat Groß-Eichen die erste Summe verdoppelt. H Schotten, 25. Aug. Auf dem L e h r e r h e i m tagte gestern die Lud wi gs t a gs-Ko n f e r en z, zu der zahlreiche Lehrer Hessens erschienen waren. Der Vorsitzende des Bezirkslehrervereins Schotten, Lehrer Li u k-Rudingshain, gedachte in seiner Begrüßungsansprache des Großherzogs und brachte ein Hoch auf ihn aus. Tann hielt Lehrer Floch- Rainrod einen der Bedeutung des Tages entsprechenden Vortrag und trug mehrere selbst verfaßte Gedichte vor, die lebhaften Beifall fanden. Der Obmann des Landeslehrervereins, Rektor Backes-Darmstadt, der auf dem Lehrerheim zur Kur weilt, wurde durch ben 2. Vorsitzenden des Lehrerheims, Lehrer Tern-Offenbach, begrüßt. Herr Dern hob |eine Verdienste um das Lehrerheim Vogelsberg hervor. Auch Herr Backes hielt eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache. Taran schlossen sich gemütliche Unterhaltung, Tanz und Gesangsvorträge. O Krofdorf, 25. Aug. Dem Lehrer Frisch Holz hier ist von dem Kaiserl. Patentamt unter Nr. 314855 der Gebrauchsmusterrolle ein von ihm erfundener ge- räuschloser selbsttätiger Subselliensitz (Schulbank) ge- chützt worden. -r Winnen (Kr. Marburg), 24. Aug. Dem Landwirt Ludwig Haberkorn hier flog gestern eine Brieftaube zu, die an beiden Füßen folgende Zeichen hat: B L C T 3452 u. U 319. X. Hanau, 25. Aug. Zwischen den Stationen Hanau- Ost und Pulverfabrik wurde gestern nachm. der hier tätige Arbeiter Peter Urig aus Rüdigheim beim Ueberschreiten des Bahngleises von der Maschine eines Personenzuges erfaßt und schwer verletzt. X. Gelnhausen, 25. Aug. Die Firma Krupp in Essen plant, nachdem sie die Biederer Gruben an- gekauft hat, den Bau einer Schmalspurbahn von Bahnhof Wiesthal über Wiesen bis zur Höhe gegen Bieber. Diese Bahn soll zur Fortschaffung der gewonnenen Erze und zur Verschaffung der Kohlen dienen, welche die Beheizung der im Bergwerksbetriebe auszustellenden Dampf- ma|chinen erfordert. Der Bahnbetrieb soll elektrisch werden, weil der Aubach selbst jetzt im Herbst genügend Wasser hat und das Tal an verschiedenen engen Stellen die Anlage von Stauwerken oder auch Talsperren zur Erzeugung der elektrischen Kraft leicht ermöglicht. In den letzten Tagen weilte ein technischer Beamter der Firma Grupp im Auer- bachgrund, um die dortigen Terrainverhältnisse zu studieren. vermischtes. * DieneuestenOpserdes Alpinismus. Vom Süd- abhange des Monte Cevedale ist der reichsdeutsche Tourist Proesl über einen Eisabhang von nahezu 30 Meter Höhe ab- ge stürzt und schwer verletzt und bewußtlos liegen geblieben. Den Bemühungen eines Bergführers ist es! gelungen, den Verunglückter^ zu retten und in das Meraner Krankenhaus zu bringen- — Der Berliner Student'Pinza stürzte vom Ts cho 11m a l ho r n im steinernen Akeer ab und wurde schwer verletzt in das Berchtesgadener Krankenhaus gebracht- — Auf dem H u n d s k e h l e j o ch der Zillertalergruppe verirrten sich zwei Touristen- Einer davon, Alois Fuller aus Eiliirch im Elsaß, ist abgestürzt und blieb tot- — Beim Abstieg von der Ortlerspitze ist ein führerloses Paar, ein Herr und eine Dame, angeblich deutsche Touristen, in die sogenannte Eirinne abgestürzt- Ihr Schicksal ist unbekannt, da es bisher nicht gelungen iü> sie aufzufinden- * Ueber die Eisenbahnkata st rop Hebei Coutras (Frkr-) wird weiter gemeldet, daß sich in dem Schnellzuge ca. 150 ^Passagiere befanden. Tie Gerichtsbehörden weilen an Ort und Stelle- Ueberall findet man Blutspuren. Unter den Trümmern werden noch fortwährend Körperteile der Opfer hervorgeholt- Von der Eisenbahngesellschast wird die Möglichkeit einer falschen Weichenstellung bestritten- Man glaubt vielmehr, daß ein Stein oder irgend ein anderer Gegenstand das Funktionieren der Weiche unmöglich gemacht hat- Der betreffende Weichensteller erklärte unter Eid, daß er wie gewöhnlich die Weiche gestellt habe- * Die Hochtour einer Zehnjährigen. Man schreibt imS aus Interlaken: Eine Hochtour, die rvohl ziemlich einzig dastehen durfte, wurde vorgestern von der lOjäh- rigen Tochter Ida des Direktors der Jungfraubahn, Liechti, ausgesuhrt. Das junge üstädchen brach in Gesellfchast von drei Ingenieuren und zwei Führern nm 6. August nachmittags von der Station Eisineer auf, übernachtete in der Bergli-Hütte und beendete fim Morgen des 7. in 5% Stun^ die Besteigung der Jungfrau. Trotz strenger Kälte uNd troy, dem die Gesellschaft von einem Föhnsturm überrascht idu^' wurde auch der Abstieg ohne Unfall durchgeführt. M Liechii dürfte die jüngste Hochalpinistin der Schweiz sein. * Kleine T.a geschroni f- In Gelsenkirchen fne es am 26- >J5. MtS. zwischen mehreren Personen zu einep blutigen Messe r- und R e v o l v e r k a m p f- Ter 20jdfr ledige Arbeiter Schuhmann wurde erschösse n, sein Freund $u,' durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt-' Die Polizei nahm re re Verhaftungen vor- — In Zürich wurde in einem $)OI, eine Bluttat verübt- Ter Mechaniker Kanzler, der mit eini Hotelwäscherin ein Liebesverhältnis hatte, das diese jösen erschoß deit herbeieilenden Wirt, "der Ruhe fliften wvljj' verletzte mit zwei Schüssen das Mädchen und schoß sich felbt eine Kugel durch den Kopf- — Ans San Franzisko fei- gemeldet: Die Dy na mit werke in 'Sobrante (Kalifornien) fit in die Luft geflogen- Die Stadt ist zerstört. Siebe Menschen sind getötet, 130 verletzt- Tie Nachbardors haben schwer gelitten- Man glaubte an ein Erdbeben. In Städten ringsum Sobrante brach eine Panik aus- Die flohen vor Schreck aus ihren Häusern. — In Bremen hat d Besitzer eines Blumeirladens mit Namen Ohl, anscheinend Konkurrenzneid feinen früheren Angestellten, jetzigen Mitinhob der ihm benachbarten Dlumenhandlu.tg, in seinem Laden zunäci durch einen Revolverschuß getötet und darauf, um die Spuu ves Mordes zu verwischen, die Leiche zerstückelt- Ter G lötete heißt Lankau- Dank der Tätigkeit der Kriminalpolizei e lang es, den Dtörder zu verhaften- Er ist geständig, den M begangen zu haben, er will in Erregung und aus Notwehr g handelt haben- — In dem bad. Orte. W e i n g a r t e n e r w ü r nachts der 30jährige Arbeiter Hoepfinger feinen 22jährigen Brr der- Letzterer war betrunken nach Hause gekommen und Streit angefangen, als cr zur Rede gestellt wurde- — Wegen Die' stahls von rund 300 000 Gulden aus der Landeskch in Kota Nadja in Atch'in wurde der Bruder des Atchiner verneuers van Daalen verhaftet- — Auf einen Personen;^ von München-Gladbach nach Köln iuurben unweit öy Station Mülheim mehrere Schüsse abgefeuert, ivobei ein c.- Fenster stehender älterer Herr schwer verletzt wurde- Ttz° eifriger Recherchen ist es bisher nicht gelungen, der SUtentcK: bie in den letzten Tagen Anschläge auf Züge verübten, habhs> zu werden. > Gcrichtsßcral. Lande sHut, 23. Aug. Tie Strafkammer verurteili den Amtsgerichts diener Mattusch ausl Dingolbing ». 2 Jahren 6 üJionaten Gefängnis- Der ließ seit 7 Jahren sich for gesetzt Vergehen an weiblichen Gefangenen jeglichen Atters > Schulden kommen- Auch 'Frauen verheirateter etrafgcfangeiL stellte cr nach, olnvohl er in! zweiter Ehe verheiratet und Vater vr 20 Kindern ist, jdarunler drei außerehelichen- Spielplarc der vereinigten Frankfurter Ztadttheater. LpcruhanS. Dienstag den 27.August*): „Ämölia" oder „Der Maskeubci!? Miltivoch den 28. August, abends halb 8 Uhr: ^Tie lustige Witw, Donnerstag den 28. August: „Josef und feine Brüder." Freite^ den 30. August, abends 6 Uhr: „Die Dteistersinger von Nürnberg. Samstag den 31. August: „Die Entführung aus dem Serail Sonntag den 1. September: „Der Dämon." Montag den 2. et; tember, abends halb 8 Uhr: „Die lusttge Witwen Schauspielhaus. Dienstag den 27. August *): „Erdgeist/ Mittwoch de 28. August: Zu Goethes Geburtstag: „Götz voll Berlichingen Donnerstag den 29. August, abends halb 8 Uhr: „Die Rade, steinerin." Freitag den 30. August: „Judith." Samstag öt 31. August: „Hamlet." Sonntag den 1. September, nachmillac halb 4 Uhr: „Ein Blitzmädel." Abends 7 Uhr: „Hufarenfiebcr Aiontag den 2. September: „Erdgeist." * ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 M. Svort. ---Radsport- Am Sonntag fand die vom Nordbezirk Gau Frankfurt des T^ N. B. veranstaltete Dauerfahrt „Rund i Bezirk" statt- Der Start erfolgte früh morgens 5 Uhr ai der Lahubrucke- Den Startern Hch Marx vom Radklub German und Schäfer-Wetzlar stellten sich 27 Fahrer- Die iLtrecke fichr meist über hügeliges Terrain, nämlich Wetzlar, Dille- bürg, Laasphe, Biedenstipf, Cölbe, Marburg, Ziel Wellersbur Gießen = 150 Kilometer- Es beteiligten sich auch Mitgwd. des Nadllub Gerlmmia-Gießen- E. Lauer wurde zweiter in fett Stunden 13 M-, E. Zederbauer dritter in 6 St. 25 M. Sic c- halten außer der Bezirksnredaille noch je einen Ehrenpw Siebenter wurde Noll in 6 St- 59 M., neunter Muhl in 7 3 10 M-, 15. Dietrich in 7 St. 52 M.; sie errangen somit d Bezirksmedaille- In der Gruppe^ für Senioren wurde C. Lm zweiter- Das gleichzeitig veranstaltete Mowrrennen über d« Strecke gewann Albert Höß in der großartigen Zeit von dr Stunden 50 M- auf seinem Adlernwtorrad. ■ (Fmr Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik steheirden Aul übernimmt die Redai'iion dem Publikum gegenüber keim- Verantwortung-) In Nr- 196 des „Gießener Anzeigers" finden wir einen eü gehenden Bericht über eine Versammlung des Deutschnaliomle Haudlungsgehülfenverbandes betr Acht-Uhr-Lad enschl^ und verkürzte Verkaufszeit an Sonntagen. Ich gebe in dieser Hinsicht dem Herrn Einsender in Nr vollständig recht und nrächte nur noch bemerken, "oaß wir -r. Ausnahme der Lebensmittelbrariche hier in Gießen bereits ci^ 8 Uhr Ladenschluß haben. Der Zweck 'dieser Zeilen soll st dem Frankfurter Redner, einem Herrn Schellin, die „kolo^ Dummheit" zu erklären, die eine andere kaufmännische Körpc schast von hier begangen hat, und zwar dadurch, daß sie Stadtverordneten eine. Mitteilung machten von einem Vorhad betr. früheren Ladenschluß. Schreiber dieses ist der Aistc! daß man in solchen Angelegenheiten unsere Herren Stadlveror ncten mindestens erst hören soll, denn der größte Teil dc selben sind ja Kaufleute und ich kann eigentlich nicht versteh luie der Redner, der auf einmal Sen sachlichen Ton verlieb u der anderen kaufnuinnischen Vereinigung „kolossale Tummst> vorivarf, daß sie den Stadtverordneten von ihrem Vorhaben M teilung gemacht hätten- Den: Verein, der den Vortragsabend veranstaltet hat, uwd ich jedoch auheimgeben, feine Redner dahin zu inftruieu daß solche mit den „kolossalen Dunimheiten" nicht so um I werfen und zil bedenken haben, daß sie in Gießen find- Ich nwdjte den Verein noch bitten, dieses unparteii, Urteil eines Gießener Küusinannes feinem Redner nach Franst gefl- übermitteln zu ioollen, damit er sich die „kolossale Dum beit" nochmal gründlich überlegt- S.^, Kandel. * * Neue Re i chsb a il k ste l l e- Am 3. Oktober ds. - wird in Miltenberg eine von der Reichsvankstelle in M bürg abhängige Reichsvanknebeirstelle mit Kasseneinrichtung > beschräiiktenr Giroverlehr eröffnet ioerden. Kleine Finanz ch r o n i k. 9tach einer Meldung Transval Times ans I o h a n n e s b u r g wurde auf der l)ia fontein Mynpacht eine neue Goldader entdeckt. Der körper fei 3 Filst breit; Proben ergaben 30—60 Pennmveights Tie Bank für Thür tilgen erzielte in 1906/07 einen gewinn von 1 140 507 Mk. eiiifchließlich Vortrag (i. V. wur 821 940 Mk. erzielt. Tie Dividende iuirb mit 7h,"/'o (wie i- auf das om 1. Atärz 1907 voll gezahlte Kapital vorgejchlagen Tie D u u l o p ° K o in p a g ni c m Hanau hat eine wefenü Preisreduttion für Guiiunireifen eintreten laffen.