Nr. 47 ZwcircS Blatt 157. Jahrgang Montag 25. Februar 1907 Erscheint täglich mit Ausnahme bd Sonntag!. Tie „Siebener LamlltendlStter" werden dem ,9liiAciflev* viermal wöchentlich beigelegl, das „Hreliblatl |Är den Kreis Siehrn" zweimal wöchenttrch. Der „tiesstiche tanöolri“ erscheiul monatlich einmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen Rotattonibnuf tmb Verlag brr vrüh Nchen Uiiiocrfüdii - Buch- und 8<m RelchSsustlzamt fertiggestellt sein dürfte, dem Reichstag „och in dieser Session vorgclegt werden kann, da» wird davon adhängen, wie lange Zeit da» SlaoismiNlstettum zur Beratung deS Entwürfe» nölig Haden wird. — Dem Reichstage zugegangen ist eine Nachweisung der durch den ReichShaushatlsetai für 19u6 erfolgten und ocrim Entwürfe zum Reichshauöhallsetat für 1907 vorgefchlage ncn Eihöhungen solcher Titel z»i fortdauernden Ausgaben, bei oenen un Rechnungsjahre 19uö Uederschreitungen vorgekommen sind. — Dem Reichstag ist ferner eine Reihe weiterer wichtiger Anträge zugegangen. ES beantragen Bass er mann und Tr. Hcuizer Die verbündete Regierungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Berechtigung ber 'J)l 11 g l i e b e r des Reichstage» oder anderer gesetzgebenden Versammlungen sichergeslellt wird, wegen desjenigen, was ihnen in Ausübung ihres Berufes au vertraut worden ist, oder waS sie in Ausübung ihreS Berufes andern anvertraut haben, ihr Zeugnis zu verweigern; Beck-Heidelberg und (Sen.: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, ivelcher das Vereins- und Ver- samm lungSrecht für alle Bundesstaaten ein heil- l i ch ordnet; Basser mann und (Sen.: Die verbündeten Regierungen zn ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, weicher l.Die Einrichtung eines Reichsa r beils- amles schafft. 2. Gesetzliche Beitunmungeli über die Formen trifft, in denen die Arbeiter diirch Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung gemeinsamer Au- gelegenheiten beteiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei Verhandlungen mit den Arbeitgebern und mit den Organen der dlegicrung befähigt werden; ferner cm Antrag deS Grafen von Hompesch Gen. betreffend die Arbeitsordnung der AergiverkSbetriebe. — Ter Toleranzantrag wird vom Zentrum im Reichstage wieder eingebracht werden. — Die ZentrumSabgg. Tr. Hitze und Trimborn haben mit Unterstützung ihrer Fraktionen beim Reichstag eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung um Auskunsl iiwCt ihre auf sozialpolitischem Gebiet beabsichtigten Maßnahmen ersucht wird. — Der Elsässer Prei ß, Hospitant der Zentrums- Partei, hat beim Reichstag einen Antrag emgebracht, die bestehende A uönahmeste llung Eisatz-Lothringen s zu beseitigen und das bisherige freie ReichSland Elsaß- Lothringen als weiteren Staat den Staaten, auS denen das Teiitsche Reich besteht, hinzuzufügen. lieben Absatz zu regulieren, ».ußergewölmliche Ueberrafdjung.m uni) Verluste werden hierdurch in ihrer Wirkung berabgcminbtrl. Eine ebenso ergiebige Quelle mit immer höher werdenden Einnahmen hübet die Umfommeniifuer, d.e 1901/02 mit 7 950 OOU Mark vorgesehen war und für 1907 mit 10 300 000 Mark eu> geftellt ist. Tie Vermögenssteuer ergab bei ihrer erstmaligen Veranlag» img mit Zugrundelegung eines Vermögens vvn 4 105 969 090 Mk. unb bei einem Steuersatz von 65 Pjg. für etwa 1000 Mk. 1901/02: 2 258 233 Mk. 1902/03 bei bem erhöhten Satz von 75 Pfa. für 1000 Mi 3 103 090 Mk. bei einem schon aus 4 137 453 333 Mk gestiegenen Vermögen. Für 1907 ist eine Einnahme auS ber Vermögenssteuer von 3 3O0 000 Mk. vorgesehen- ihr liegt ein geschätztes Vermögen der Steuerzahler von 4 4u0 000 000 Mk. zu gründe. Tie vorgesuhrten Zahlen legen Zeugnis ab von ber günstigen Entwicklung ber wirtschaftlichen Verhäwiisse bes £unbcS ui den letzten sieben Fahren. Bleibt bie Cutiuüflung all' dieser Einnahmen (auch die der Stempelsteuer/, wie in ber Vergangenheit, eine stetig wachsenbe, so wird sie eine starke Stütze der Finauzresorm werden. Sind die Laubstände bereit, den vvrgeschlogcnen Resormw.'g zu betreten, so werden in erster Linie bie Mittel gewonnen, unabweisbare Bervilichtungen oes Staates zu ersüllen und gleich- zeitig bie Staatssinanzen in geordnete Wege zu leiten. Ate Stttiaiijlaßc in Kijfen. In der Einleitung zu dem Bericht des Finonzausschuffe» der 2. Kammer stellt ber Vorsitzende Abg. Neinhart iolgenbe Be» tracytungen übet bie Lage der hessischen Staatssinanzen an. Aus dem Vorwort zum vorliegenden Hauptvoranschlag der Staatseinnahmen unb -Ausgaben ergibt sich zunächst, baß die für 1904 unb 1905 vorgesehenen Fehlbeträge von zusammen 1823 259.63 Mk. nur einen wirklichen Fehlbetrag von 1 731 664.27 Mk. ergeben haben. Bei ber Ausstellung des vorliegenden Voranschlags, unter Beibehaltung ber alten Verhältnisse, hat cS sich nicht ermöglichen lassen, diesen ohne einen Fehlbetrag von 72o 122.42 Mk. avzuschließen. Trotz stetig steigender Einnahmen — wir verweisen nur au die Mehreinnahmen aus direkten Steuern, aus Stempelabgaben und aus der Hessisch-Preußischen Eisenbahnbetriebsgemeinschas: — kommen wir nicht aus der Fehlbelragswir.sä>ast heraus. Unsere Ausgaben steigen in verstärktem Matze: hierzu treten neue AuSgabeverpslichlungen, denen ber Staat sich nicht entziehen tarnt. Wollten wir künftig die zur Beseitiguna der Fehl- betrage nötigen Mittel aus bem noch vorhandenen Vermögensbestand entnehmen, so würde dieser in der kürzesten Frist aufge- brauiyt (ein. Aua) nach unserer Meinung muß dieses System verlassen werden. Eine nachhaltige Gesundung der Finanzverhältnissc des Landes ist dringend geboten. Zn ber Sitzung vorn 12. unb 13. Juni 1906, gelegentlich der ßeryanbiuiigen in der Zweiten Kammer über den voui Finanzausschutz dec 2. Kammer eingebrachten Antrag: „Großh. Negierung zu ersuchen, bereits im nächsten Voranschlag des Staatshaushalts eine jängeinefienc Beihülse für die Wohiiungsbedürsnisse der Beamten vorzusehen", wurde fast allseüig betont, datz in den letzten Jahren eine wesentliche Lebensmittel- und besonders in den Stödten auch eine Woh- nungspreivsieigcrung eingetreten fei. Em berechtigter Ausgleich für die teurer gewordene Lebenshaltung ber Beamten ohne Dienstwohnung tod.ee durch Gewährung von Wohnungsgett» in die Wege zu leiten. Dec Herr Staats muttster erklärte damals immens der Regierung, bti Vorlage tinbtinaeii zu wollen. Er schätzte die Ausgabe (Uil 600 000 bi» bOO 000 Mk., bie ohne Steuererhohung aufgebracht Werber» könne. Aber nicht allein die Lösung dieser Frage war notwendig: bü Regelung der Gehalte der Votksschullehrer unb derjenigen der seminactstiscy gebilbueu und der technischen Lehrer an den Smals- entla.itn Lmuit unter leinen Umständen verschoben werden. Die ganz ungewöhnlich niederen Gehalte unb Vergütungen ber Schrerbgehülsen aller Ressorts erforderten ebenfalls geo'.eterisch eine Aeuoconung, für bie ein Betrag von 52 892 Mk. eingesetzt ist. Für die Schaffung eines Dispositionsfonds zur Erhöhung der Bezüge älterer Pensionäre wurden 60 000 Mk. oorgefehen. Aach ben bttresse..den Regierungsvorlagen sind notroenbig: 1004 877.68 Mk., bie durch neue Eiunahmen au decken sind. Ter einfachste Weg zur Beschaffung dieser Mehraufwendungen wäre toobl eine eiusprechettde Erhöhung entweder der Uintomnicn- steuer allein oder der Einkommelt- und Vermögenssteuer. Aach einer Berechnung Großherzoglicher Regierung wäre bei Heranzie- hung nur der Einkouimensteuer diese um rund 13 Prozentu erhöhen, was bei dem höchsten Einkommen in Hessen eine Steuer» oetastung von 6.65 Proz. zur Wirkung haben wurde. Wollte man dagegen die Lasten auf Einkommen- unb Berinögeiissteuer gleich- mützig (egen, so mußte immer noch ein Aufschlag vvn 10 Prozent au| beibe erfolgen. Angesichts dieser Wirkung unb beS Umstandes, daß Hessen setzt schon die höchsten direkten Staatssteuern besitzt, ist weder bei der Regierung nou# den Staiiden Lust zu einer weiteren Erhöhung der direkten Steuern vorhanden. Um eine Steuererhöhung zu umgehen unb gleichzeitig die Grundlage für bie Herstellung eines Gleichgewichts unserer Fi- naiijen zu bilden, geht bas Fütanzministerium von ben folgenden GesicytSpunkten aus: 1. Durcy bas ^uftanbetommen bei Neichssiwanzreform, L. bura) die Erhöyung ber EinnalMeanschlage mfoige andauernder Bessrung dec wirti'chasiüchen Verhattniife, 8 durch eine stärkere Heranziehung der Einnahmequellen des Aus- gteichiolibs, 4. durch die Erhöhung beS Stempels für den Jmmobilienbesitz- wechsel findet das Finanzministerium einen gangbaren Weg, bie nach- ballige Gesundung unserer Finanzen su lohnen, ^-rmidsätzriche Kinweiidungen haben wir hiergegen nicht zu äußern. Der Ubrgci'u/iagene Weg u-ngeht Oie krryuyang der direkten Steuern, legt die Auchringung von 1 100 OOo Mark auf den Jm- mobiliarwechsel, unter dem ausdrücklichen Hinweis, daß ber kleine länbaaje 0-ruiiodeiitz „tunliaju" von c,Lmpeteryoyung de,re.t bleibe. Der größere Teü des Ergebnisses wirb, wie b.cs bie der Vorlage beiliegende Tabelle zeigt, aus den 8tobten fließen. Aus dem Ausgieichsfonds werden 630 000 Mk. herubergenommen, so bau eine Einnahme entsteht von 1 730 030.— Mk. gegenüber der Ausgabe von 1 004 877.58 Mk. Der Ueberschuß von 725 122.42 Mk. wird zur Seaung des Fehlbetrages verwendet. Bei dem Versuch, unsere Finanzen aus eine fehlbetragslose Basis zu stellen rund gleichzeitig dringenden Bedürfnissen abzu- helsen, hat man es untenancn, die als Erganzungssteuer eingeführte Vermögenssteuer aus den urfprünglicyen Steuersatz von 55 Pfg. für IcOU Mk. wieder herabzusetzen, wohl aus dem tristigen Grund, weil hierdurch ein Eumcchmeausfall von rund 680 000 Mk. eingetreten wäre. Jeden,aus aber kann die mit ber vorliegenden Finanzrefprm erzielte ycfcitigung der Fehlbetragswirlschast nur so lange aufrecht erhalten blcioen, als es danach gelingt, die steigenden Bedürf- niste unb neuen Ausgaben des Staates im Nahmen dec r g.(mäßigen Einnahmesteigerung zu befriedigen, oyne miß der sä/liaat rückständig wird in Erfüllung kultureller Aüfgaben. Wir gestatten z.ns, noch wenige Bemerkungen von allgemeinem Interesse bcizusügen. Das er.reutichste Biid fortgesetzt steigender Ueberschüi'se bietet bie Preußisa>Hessuche E^fenbahngemeinschait. Die Verkehrszunahmc ist eine ganz außergewöhnliche. Die Gegenüberstellung des Ergebnisses aus dem Jahre 1902 mit 11 000 000 Mk. und demjenigen für 190/ mit 15 000 000 Mk. spricht für sich fv mächtig, ikiß wir eS unterlassen können, ein Wort hinzuzufügen. Aber auch die Teilungszincr bewegt sich unaufhörlich zu unseren Gunsten aufwärts, wenn auch klein in ihrem Prozentsatz, so doch , wirffam für unsere Einnahmen. Die Verkehrsentwicklung unserer , Eiseichahnen beruht aus wiNschastlicher Lage des Reichs: bleibt । diese wie in den letzten Jahren, so sind steigende Uebcn'chüsse auch ; ferner zu erwarten. Rur ein Jahr des Rückgangs ist in ben letzten 10 Jahren s 8u verzeichnen gewesen. Dann folgte, von Jahr zu Jahr steigenb, j etn Ausfchwung auf fast allen Gebieten bes wirtschaftlichen Levens tut Reich. < Wohl ist vvrauszusehen, daß Zeiten einer Stockung wieder- । «hren können: wir vertreten aber bie Meinung, baß Krisen von ( äner Tauer, wie solche vvc Jahrzehnten von Zeit zu Zett em» < traten, so lange nicht wiederkehren können, ais die großen Ver- , eimgungen der wichtigsten Industriezweige es sich zu einer Haupt- r ouigabe gemacht haben, ihre Prubuttionen nach dem ovroussicht- Der (Empfang de» Sicichstagspräsidiums beim Kaiser. Berlin, den 25. Februar 1907. Der Kaiser empfing gestern mittag im Schloß bad Präsidium des Reichstages. Uhl den Herren des Prä- sidlums verweilte der Kaiser P/4 Stulide lang im Gespräch. Aus den Worten des Kaisers klang immer wieder aufs neue die freudige Genugtuung durch, daß durch die jüngsten Reichstagswahlen den nationalen Gedanken der Sieg beschieden gewesen sei. Auch die Wirkung dieses Sieges gegenüber dem Auslande betonte der Monarch. Das Ausland müsse den Ausfall der Reichstagswahlen nach der Stimmung bewerten, die in nationalen Lingen die Mehrheit des deutschen Volkes beherrsche, und eine solche Wahrnehmung könne nichts anderes als eine rückwirkende Kraft ausüben auf die Stellung der anderen Riächte Deutschland gegenüber. Labei nahm der Kaiser Gelegenheit, über das allgemeine Wahlrecht zu sprechen, und er gelangte zu dem Schluß, „daß dieses so vielfach angefeindele Wahlrecht sich durchaus bewährt habe", ^lit besonderer Lebhaftigkeit beschäftigte sich der Rkonarch mit dem Ausfall der Wahlen im Königreich Sachsen. Eines sei jedenfalls sestgesieUt und festzuhalten als das lehrreichste Ergebnis der letzten Wahlen, dieses sei die Tatsache, datz der Ansturm der Sozia Id e m okra t ie zerschelle, sobald die bürgerlichen Pariei-en sich zusammenschließen. Bezüglich des Zentrums ließ der Kaiser durchblicken, daß ihm die Verschiederchett zwischen der regierungssreundlichen Haltung des Episkopats und der der Zentrumspartei nicht entgangen sei. Auf diese Verschiedenheit stutzte der Monarch die Hoffnung auf eine künftige ersprießliche Politik des Zentrums. Die weltpolitische Lage berührte der Kaiser ebenfalls unb zeichnete in großen Umrissen bie Konstellation der Mächte, iüie sie nach den Ereigniffcn im fernen Ollen und durch diese sich ergeben habe. Las Fazit seiner Betiachtungen zog der Kaiser in einem für bie Erhaltung des Friedens höchst günsttgem Sinne. Auch die Entmickelung unserer Kolonien wurde von ihm erörtert. Auch an Bemerkungen persönlicher Art ließ es der Rauer nicht fehlen. Den ziveilcn Vizepräsidenten, Stadtältesten Kämpf, hatte der Kaiser mit bei» Worten begrüßt, daß er sich freue, den Vertreter des ersten Berliner WahtkreijcS, in welchem er selbst ja wohne, willkommen heißen zu können. Ltoch dec Audienz beim Kaiser wurde daS ReichStagS- präsidliim von der Kaiserln empfangen, die ihren» Jnleceffe an dem persönlichen Verhältnis der Herren Ausdruck gab. Ausland. London, 24. Febr. Auf Anfrage erklärte ein Ver- freier der Regierung im Unterhaus, daß den, neuen Bot- fchaftcr in Washington künftighin L. 10 000 (200000 Mark) im Jahr bezahlt werden sollen, während der Posten jbisher nur mit L. 7 800 dotiert war. Die Summe von L. 10000 ist dieselbe, die auch der Präsident der bereinigten Staaten gegenwärtig bezieht. In Europa tfl der bestdotierte britische Botschaftsposten der von PanS. Der dortige Botschafter erhält L. 9 000 (180 000 Mk.). Dann ,'kommen Berlin, Wien und Konstantinopel mit je L. 8 000, Petersburg mit L. 7 800, Rom mit L. 7000, Madrid mit ,L. 5500 und endlich Tokio mit L. 5000. Budapest. Hier droht ein neuer Skandal auS- zubrechen. .Budapesti-Hirlap* meldet, daß der frühere Ministerpräsident TiSza aufgefordert werden soll, 'über die Verwendung b e 8 Dispositionsfonds von 200 000 Kronen detaillierte Angaben zu machen. Das .Blatt berichtet weiter, daß an9 den, dem Parlamente vor- ■gelegten Alten hervorgehe, daß ein früherer Handelß- minister 19000 Kronen im eigenen Interesse aus dem Dispositionsfonds verwendet habe. Belgrad, 23. Febr. Bei der Verhandlung in der heutigen Skupschtina über den Handelsvertrag mit Fraiikreich äußerte sich der ehemalige Handelsminister Traschlowitsch da- hin, Serbien könne nirgends einen günstigeren Markt für -seinen Viehexport finden als Oesterreich. Die8 veranlaßte -en Altradikalen Stanko Petrowitsch zu dem Zwischenruf, Draschkowitsch spreche, als ob ihn Oesterreich in die Skupichtma geschickt hätte. In größter Aufregung verlangte dieser vom ^Vizepräsidenten JoSwanowitsch die Maßregelung des Zwischen- rufers, sonst werde er den Vizepräsidenten selbst prügeln. Seine Gesinnungsgenossen unterstützten ihn, indem !fie einen wüsten Lärm verursachten und sich um das Prä- 'sidium scharten. Der frühere Justizminister bearbeitete nut wuchtigen Faustschlägen deu Präsidententlsch, daß die Tinte auS den Tintenfässern herumspritzte. Da sich die Altradikalen in den Tumult einmischten, drohte die (Se- ifahr eines ernsten Zusammenstoßes. Die Sitzung mußte -unterbrochen werden. Prätoria, 23. Febr. DaS erste in Transvaal nach -der neuen Verfassung gebildete Ministerium besteht ausschließlich aus Mitgliedern der Partei .Hot boll”. Labst jnettschef ist General Louis Botha. Neues Bombenattentat in Nufiland. Auf den Polizeimeister von GeSberg in Odessa nvurde ein Bombenattentat verübt. Der Polizeimeister wurde schwer verwundet, sein Klltscher betäubt, die Equipage total zertrümmert. Drei Täter flohen auf einer iDroschke wurden aber bald verhaftet. Schwer verletzt wurde auch ein in der Begleitung deS Polizeichefs befindlicher Polizeiagent. DaS Unglück ds- Dampfers „Berlin st Hoek van Holland, 23. Februar. Dem ßvrbrtngcn bet Rettungsmannschaften, die mit Todes- Verachtung ihr schweres Werk voll-oaen, ist es gelungen, die drei liebten Ueberlebenden auf dem Wrack deS DampserS '-„Berlin", Frau Wenberg, ihr Kin-erfräulein Minna Rippler aus Wiesentyal bei Berlin unfb Fräulein Margarethe Theile, Chor- isängerin aus Dresden, zu retten. Die Gesamtzahl ber®e- fetteten beträgt also 15, darunter 6 Frauen. Der Kapitän des Schleppdampfers „Wotan", der auö freien Stücken die Rettung dcr letzten drei Ueberle- b c n b e n vom Wrack der „Berlin" unternommen und glücklich durchgeführt hat, erzählt, daß das Rettungswerk 'nur eine halbe Stunde in Anspruch genommen hat, aber reich an aufregenden und igefahrvollen Momenten wor. An Bord des Wracks befänden stich noch zehn bis zwölf Tote. Gegen 1 llhr nachts ging der „Wotan" mit einer kleinen Holle im Schlepptau nach dem Wrack. Der Kapitän des Schleppers, Sperling, stieg auf die Mole hinab, kletterte auf das Wrack, band bann den Frauen Stricke um den Leib und ließ sie in die Jolle hinaub. Die Geretteten wurden von dort an Bord des „Wodan" gebracht, der sie gegen 3 Uhr früh in Hoek van Holland landete. Man transportierte sie sofort in ein Hotel, in welchem ihnen die ausgesuchteste Pflege zuteil wird. Als der Schleppdampfer „Wodan" vom Wrack zurückkehrte mch am Quai ankerte, ertönte ein langes vieltausendstimmiges „Hurra", das aber sofort verstummte, als der erste Gerettete, ein Mann, Dessen Gesicht mit einer Decke verhüllt war, an das Uf.r getragen wurde. Ein Matrose war der nächste, der vergnügt allen zurief: „Mein Name ist Fischer." Dann kam eine Frau. Deren Gesicht war nach mit Decken verhüllt, aber ihr langes, schwarzes Haar floß über das Kissen, auf dem ihr Kopf ruhte, während die eine erfrorene Hand an der Seite der Bahre herunterhing. Als Prinz Heinrich an das Land kam, das Gesicht .strahlenb vor Glück, brach die Menge in ein in Holland selten gehörtes donnerndes Hurra aus. Bewundernswert war die zärtliche Sorge, mit der die Wärterinnen die Geretteten umgaben, und mehr als einer tollten, gar nicht im Einklang mit ihrem schweren Beruf, Tränen aus den Auaen. Mehrere ängstliche Verwandte -rangen in das Hospital. Als ihnen mit der Polizei gedroht --wurde, mutierte etn junges Mädchen: „Polizei oder nicht Polizei, sich gehe nicht, ehe ich nicht weiß, was ich wissen will." Als es .darauf einige Minuten später hieß, der Gesuchte sei nicht hier, swankte sie, in ihren Hoffnungen zerschmettert, fort r<. Die vom Bord der „Berlin" ge retteten Frauen er- holten sich trotz der ausgestandenen Qualen, obschon viele die toanbe unb o'üfce erfroren hatten, verhältnismäßig rasch. Fräulein Gäbler UN besonders stark unter der Kälte und war fieberig lerregt, als sie Es Land gebracht wurde. Die ersten Worte, ■die Fräulein Schröder hervorbcachte, waten: „Ach, wir sind so hungrig. Wann das Unglück geschah", fuhr sie fort, „kann ich Kenan nicht lagen, aber nie wecke ich die furchtbaren Stunden -et Angst und der Verzweiflung vergeßen, die wir durchmachten, ^während wir die heldenmütigen Mannschaften der Rctluugsboolc innb Schleppdampfer sich abmüben sahen, im Kampfe mit den Wogen, uns dem_4,obe zu entreißen. Mittwoch nacht stieg unsere 8 C01 Slur'n. schien furchtbarer als je zuvor. Haushohe, eiskalte Wogen brachen iede Minute über das Schiss iberein. xer köstliche Anblicks der Lichter von Hoek van Holland .wurde uns durch beii dichten L-chneesturm entzogen. Etwa bVs Uhr SSFttÄi-ra1 h??r k dm.Sirene des ankommenden Schwesterichists der „Berlin , der „Vienna ." Fräulein Bul- siet aus Berlin schrie mit der Kraft der Verzweiflung in den heulenden Sturm hinein: „Wit sind hier!" So oft wir ein Fahr- zeug vorbeikommen sahen ober hörten, riefen wir es laut an denn wir fürchteten, man nehme an, baß nichts mehr zu retten se 3d) mußte zusehen, wie Frau Bertram und fast alle meine Bekannten von der See weggeipült wurden und ertranken. Als 'unsere Retter gekommen waren, verfolgten wir ihr Tun mit atem- biet Spannung. Als wir schließlich ihre Maßnahmen begriffen und uns klar wurde, baB Aussicht auf Rettung unseres Lebens fei, trauten wir kaum mehr unseren Augen. Wir waren von Frost, Hunger, Erregung und Mühsal so erschöpft, baß auch die Freude, das Leben wieder zu haben. Fein Lächeln auf unser Anttti fein .23ort über unsere Lippen brachte. Dos erste, was wir nach der Rettung taten, $kr, daß wir unsere fteifgefrorenen Kleidungsstücke abri fielt. ~ c • sr-rl. Gablet erzählte auch, daß verschiedene Frauen, die stark sic betten, ihren Durst nicht unterdrücken konnten und M ec r- toaffer tranken. Eine von ihnen wurde darauf wahnsinnig und die Wellen schlugen sie über Bord. „ Fm ganzen waren 144 Menschen an Bord der „Berlin , und zwar 91 Passagiere und 53 Mann Besatzung, sodatz bei der Katastrophe im ganzen 129 Menschen ihr Leben etn- büßten Am 23. b. M. wurden in Nienwhellevoel, südlich von Hock, noch Leichen angespült. Der Schiffer Sperling der die letzten überlebenden Schiffbrüchigen rettete, fah überall an Bord noch Leichen von Menschen, die an Entbehrung gestorben waren. Der Kapitän Parkeson ist wieder gesund. . Rekognoszierte Leichen mit deutschen Namen sind tolgenbe: DaS siebenjährige Töchterchen von Frau Wenberg, die ielbft im Sterben liegt; Moritz Alfred Rank; Dr. Emil Schickholb, Kreisarzt aus Weststernberg; ferner eine weibliche Leiche mit bet Wäschemarke C. S., einer Börse mit deutschem Gelbe unb einer Karte mit dem Namen Franz Meyer, Instrumentenmacher, Berlin, und auf der Kehrseite die Adresse Mary Toeppe. In Vlissingen sollen noch 10 weitere Leichen angeschwemmt worden fein. Im Kranken-Hotel geht es befriedigend. Der Zu- tritt zu den Patienten ist streng bewacht. Ein Posten mit Gewehr und zwei Polizisten halten die Treppe besetzt. Am besten befindet sich Fräulein Buttel, während Fräulein Theile noch sehr schwach ist. Frau Wenberg hat sich auch seelisch etwa serholt. Der Schweinemetzgergeselle Ernst Jung ist in besonders peinlicher Lage. Sein Onkel ist hierher gekommen, aber obwohl er einen Ausweis hat. wird er vom Posten nicht durchgelasfen. Die Helden des Tages sind die Mannschaften des Dampfers „Wotan". Der Kapitän van Rees erklärte, es habe an einer einheitlichen Rettungsarbeit gefehlt. Das Rettungsboot ist eine nur wenig seetüchtige Pinalse unb ihre Bemannung wollte nicht das Leben daran wagen. Ein Londoner Blatt veröffentlicht eine Unterredung mit einem Matrosen, der sich an Bord des Rettungsdampfers befand, als die Rettung der ersten elf Schiffbrüchigen vollzogen wurde. Der Matrose erzählt: „Daß die Rettung überhaupt gelang, muß als ein Wunder bezeichnet werden. Mein Kamerad, der mit eigener Lebensgefahr in einem ganz kleinen Boot sich dem Wrack näherte unb an Borb kletterte, leistete Unmenschliches. Jeden Augenblick glaubten wir, daß fein kleines Boot an dem Wrack zerschellen müsse, aber jeder von uns war bereit, den Versuch sofort zu wiederholen. Es war ein Augenblick des unbeschreiblichsten Triumphes, als unser Kamerad mit seiner großen Kraft auf Deck des Wrackes emporkletterte. Die Schiffbrüchigen stürzten ihm weinend vor Freude entgegen; sie waren alle durch die Nervenerschütterung hysterisch geworben unb wußten kaum, was sie taten." Nach einer amtlichen Meldung des beutid^n Konsuls sind von den Verunglückten als Deutsche rekognosziert: Herr Weinberg, wahrscheinlich aus Stirn eben, August Hirsch, sieben Jabre alt. Von der Openigeselistiast waren eingeschrieben: Frl. Buttel, Berlin, Frl. Sternsdorf, Berlin, Frl. Th. und Frl. H. Lehmann, beide Berlin, Frl. Schrotter, Berlin, Herr unb Frau Trester-Weinberg nebst Dienstmävchen, Herr Stellmach, Köln, Opernhaus, Frl. Wild, Berlin, Herr Franz Startmann, Berlin, Herr Otto Dora, Trier, Stadttheater, Frl. Gäbler, Dresben, Frl. Thiele, Dresden, Herr und Frau Rank, Psinkow, Herr Heilbronn, Berlin, Frl. Schöne, Mannheim, Frl. Grüneberg, Dresden. Es wurden gerettet: Frl. Buttel, Frl. Schrvtter, Emil Jung, Gerabriinn (Württemberg), Herald Probussen, Aitona, Fran Weinberg, das Dienstmädchen Minna Ripler, Berlin, Frl. Thiele. Die Lieb errege der „Berlin" liegen auf dem Wrack des Dampfers „Leeds", der genau an derselben Stelle im Jahre 1882 scheiterte. Die Mehrzahl der Verunglückten ist zweifellos in den Kabinen des gesunkenen Schisses. Es wurde eine neue Untersuchung des Wracks vvrgenommen, wobei wieder 16 Seiden gesunden wuttxn. Es sind nun insgesamt 56 Leichen geborgen, von denen eine große Anzahl bereits nach England überführt ist. Der Sänger Stellmach hat vor etwa vier Jahren dem Darmstädter Hostheaterchor angehört. Etwa 12 Mitglieder des Darmstädter Hostheaters wurden vor dem Unter* gaua bewahrt. Sie alle waren im Besitz von Verträgen des Londoner Unternehmens. Ein Urlaub konnte jedoch, da die Engagements in die Darmstädter Spielzeit fielen, nicht genehmigt werden, und wohl nur diesem Umstande haben sie es zu verdanken, daß sie einem schreckt icl-en Tod entgingen. Zwei Brüder Lehmann aus Berlin, die ihr- Schwestern fudjten, unb der Direktor des Konservatoriums in Stettin, Paul Wild, der seine Tochter verloren hat, sind hier eingetroffen. Die drei jungen Mädchen waren von Jugend auf befreundet, haben ihre Studienzeit iufammen verlebt, gemeinsam das erste Engagement angetreten unb nun zusammen b e n Tob gefunden, Elisabeth Wild an dem Tage, an dem ihre Eltern die silberne Hochzeit feierten. Ihr Glückwunsch war ihr letztes Lebenszeichen. Die Gemeindebehörden widersprechen der Nachricht von einer angeblichen Beraubung der angeichwemmten Leiden von dem Dampfer „Berlin" durch Strandräuber. Diese wnren Polizeibeamte in öibil, die beauftragt waren, den angespülten Leichen die Wertsachen abzunehnien unb bei den Behörden dieselben ab» zuliesim. Am Strande fand ein Loste die Versicherungspolize einer deutschen Gräfin über 19 500 Mk. versicherter Kleinodien. Die Kinder des verunglückten Amsterdamer Diamant- Händlers Raismann fanden in der Brusttasche ihres Vaters im Portefeuille die Diamanten unb Perlen im Werte von 250000 M k. unversehrt vor. Die in Stuttgart lebende Braut des beim Untergänge um* gekommenen Opernsängers Dara aus Trier verfiel beim Empfang der Unglücksbolschaft in Wahnsinn. Nach einstimmigem Beschluß des Ministerrats erteilt die franz. Regierung der C o m 6 b i e f r a n q a i f e bie Erlaubnis, eine Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten der verunglückten deutschen Kunstkräfte und ihrer Angehörigen zu veranstalten. Weitere Schiffsunfälle und Schnee- und Sturmschäden. K a n e a (Kreta), 23. Fcbr. Dcr Dampfer „Jmpera- trix" des österreichischen Lloyd ist bei Kanea auf ein Riff geworfen worden unb zerschellt. Er befand sich auf der Reise nach Bombay mit einer Zuckkrladung, hatte eine Besatzung von 12 0 Mann und 20 Passagiere an Bord. Der Dampfer war für 2,4 Millionen Kronen gebaut. Ein russisches Torpedoboot beridjtcl: Das Hiuttrsc^isi der „Jmperatrix" ist unter Wasser, daS Vorderschiff ragt Uns dorn Wasser hervor. Mgenbttckuch iinb der französische Kreuzer „Faucon", der russische Kreuzer „Ehiwinetz:" und das italienische SchulscM „Curatone" bei gutem Wetter am Werke, um Halse zu leisten. Bereits wurden 17 Personen gerettet; dieselben sind jedoch in einer Ber- laifung, daß sie über Einzelheiten nicht berichten können. Man gefürchtet, daß das Unglück, da es uack)ts eintrat, viele Opfer gefordert hat. — Nach den letzten Meldungen werden etwa 50 Personen, meist Matrosen, vermißt. Chambery, 23. Febr. Heftige Schneestürme werden aus dem ganzen A l p e n g e b i e t gemeldet. Die meisten Züge treffen mit großen Verspätungen ein. In Ni er an e ist ein Zug mit 500 italienischen Emigranten im Schnee stecken geblieben. Jeden Augenblick gehen Lawinen auf den Bahnkörper nieder. Bei Cham- b.ri) sind drei Wohnhäuser einge stürzt. In vielen Lttidmiten herrscht große Panik. Bei Nivolet ist ein^40 Meter tief gelegenes Tal üoll]tänoig~niit Schnee ungefüllt. Seit Men- schengedenken sind so große Schneemengen nickst niedergegangen. Ehristiania, 23. Febr. In Gliranger/ Amit bwrnsdal, wurden vier Bauerngüter durch Schnee stürz zerstört. Alle Gebäude wurden fortgerissen; auf einem Gute find drei Personen getötet worden. Auf einem anderen werden zehn Personen vermißt. Ter Viehstand ist zum Teil umgekommen. Guelmo (Algerien), 23. Febr. In de ml Dnar Mecha- halla der gemischten Gemeinde Laverdure stürzten infolge deS sck)lechten Wetters mehrere Hütten ein. 31Leichen wurden geborgen; man befürchtet, daß noch eine große Zahl Opfer unter den Trümmern liegt * -r Bad-Nauheim, 23. Febr. In die hochgebende Ufu stürzte ein waghalsiger Knabe, der am Ufer Eis loshackte. Dabei 'kürzte er in die Fluten unb geriet in Gefahr, zu ertrinken. Der zufällig vorbeigehende Ingenieur Dörrzopf sprang hinein unb rettete den Knaben. k. Schotten, 23. Febr. Die Personenpost Ulrich- t e i n — S ch o t t e n , die im Winter mit lenkbaren Schlitten aufrecht erhalten wird, fiel gestern mir der Hohe um. Dabei erlitt der Postillon eine Quetschung des Brustkastens, indem er vom Bock gegen einen Baum geschleudert wurde und der fallende Schlitten ihm gegen die Brust flog. Er befindet sich in Schotten in ärztlicher Behandlung, unb auch ein Teil der Passagiere mußte ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen. Unlängst fiel ein Postschlitten ebenfalls um unb wurde zertrümmert, verletzt wurde damals niemand, nur mußte sich der Postillon in Schotten einen Jagdschlitten leihen. Am besten bewähren sich gegenwärtig als Bewegungsmittcl bie Schneeschuhe, Fußgänger seien dagegen zur Vorsicht gemahnt. Der Fuhrwerks- resp. Schlittenverkehr über die im Herbst eröffnete Karl Theobald-Straße bewährt sich gut. W. Rodheiin a. d. Bieber, 24. Febr. Tas Gewitter am Mittwoch hat in unserer Gegend besonders heftig getobt. Im Kirch- verser Forst Tjat der Blitz mehrfach Schaden angerichtet. Dem Jagbhüter Voß von Crumbackp der bei dem Unwetter im Walde zu tun hatte, zerschmetterte der Bich bas Gewehr, das er kurz vorher wenige Schritte von seinem Standort an eine Fichte gestellt hatte. Der Baum wurde bei dem heftigen Schlag voll- tändig zerrissen. Der Jagdhüter Voß blieb unversehrt, obgleich der Blitz unmittelbar in seiner Nähe niedergefahren war. Aus s.uot uho tano. Gießen, den 25. Februar. " Vom Großh. Hofe. Zu mehrtägigem Besuch traf am Freitag Prinz Albert zu Schleswig-Holstein im Neuen Palais ein. Am SamStag nachmittag trafen der Burggraf und Graf sowie die Gräfin ztt D o h n a - S ch l o b it t e n zum Besuche de8 GroßherzogSpaareS im Neuen Palais ein. •• Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besehende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glau berg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode-Güdern steht das Präsentationsrecht zu. •• Da§ Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S.K. H. des Großherzogs den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Schotten Adam Hofmann, Hch. Kromm III. und Leop. Stern I. A Lahnkanalisierung. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Bezüglich der in letzter Nummer aufgeworfenen Frage, ob auch für Gießen eine Hafen- a n l a g e zu envarten sei, kann eine beruhigende Antwort gegeben werden. Bei dem Komitee, dem auch Vertreter der diesseitigen Interessen angehören, bestand m keiner Zeit ein Zweifel darüber, daß zur größeren Ncntablität die Schisfbannachung bis Gteßen angestrebt iverden müsse, da für unsere Stadt ein sehr bedetttender Umschlagsverkehr in sichere Aussicht genommen werden kann. — Zunächst handelt es sich um bie Genehmigung des Projektes auf vreußischem Gebiete. Nachdem diese erfolgt fein wird, ist der Zeitpunkt gekommen, in dem die beiderseitigen Negierungen in Verhandlungen eintreten können über oie Krönung deS Projekts, die Schiffbarmachung der Strecke Wetzlar-Gießen, die einen verhältnismäßig geringeren Kostenaufwand erfordert. — Schmuggler. Durch die Verhaftung zweier Schmuggler in Kaldenkirchen ist auch ein hiesiger Geschäftsmann der LebenSmittclbranche in eine unliebsame Lage gekommen. Die Schmuggler brachten Sacharin über die holländische Grenze, dessen Einführung durch das Süßstoffgesetz vom 7. 7. 02 verboten ist und setzten dieses dann an Geschäftsleute innerhalb Deutschland unter dem Siegel der Verschlviegenheit ab. Da Sacharin bei Zubereitung von Lebensmitteln nicht verwendet werden darf, wurde der noch vorgefundene Bestand beschlagnahmt und der Geschäftsmann zur Zlnzeige gebracht. ** Geflügel- und Vogelzucht-Verein Gießen und Umgegend E. V. In der gestrigen Generalversamin- lung des Geflügel- und Vogelzucht-Vereins, der im April d. I. auf eine 10jährige für die Hebung der Geflügelzitcht in unserer Gegend segensreiche Wirksamkeit zurückblicken kann, wurde einer Verschmelzung mit dem neuen Geflügelzuchtverein Gießen zugestimmt, wodurch dem älteren Verein 30 neue Mitglieder zilgeführt wurden. Als Vorstand wurden wiedergewählt: Aiig. Schwan, Vorsitzender, Ludw. Hanau, Schriftführer unb Aug. Felsing, Rechner. In den Verwaltungsausschuß wurden wiedergewählt: Neuling, Nübsamen, Schäfer III., Stohr unb Troß, neugewählt: Peter Berg, Seipp unb Apotheker Welket ans Allendors a. d. Lda. als Vertreter der auswärtigen Ntit- gliebec. Beschloßen wurde, auf Vereinskosten in der öffentl. Lesehalle am SelterStor zwei Zeitschriften über Gegügelzucht zur Auslage zu bringen. Ebenso wurden die Kosten einer Junggcflügelschau bewilligt, die 1907 abgehalten werden soll. Die Versammlung genehmigte noch einen Betrag zur Veranstaltung eines öffentlichen Vortrages über Geflügelzucht, der von einem auswärtigen Redner gehalten werden soll, unb 200 Mk. Zuschuß für cm geeignetes 'Mitglied, daS die große Geflügelausslellung im Kristallpalast zu London besuchen wird, die bedeiitendste 9lu§fleUung dieser Art in der Welt. Auch die fühltet für ein Mitglied, der eine der großen deutschen Geflügel-AuSstellungen zu besuchen beabsichtigt, wurden bereit gestellt. •* Sine Sauberexgefdjidjte. Arn vergangenen Sonntag abend gab bei Hoftünttler Bellachiniim Boegerschen Saale in Londorf eine Zaubervorstellung. die auch von auswärts zahlreich besucht war. Unter anderen Vorführungen zeigte der Künstler auch, wie man aus einem leeren Kopskissenüberzug stäche Gier holen könne. Scherz eich bemerkte er, das sei febr leicht, es solle es nur jeder zu Hause probieren, man brauche nur „lud, tuck" zu sagen unb (wie er jebesmal zeigte) immer könne man ein Ec herausholen. Zum Beweise ließ er auch Damen unb Herren aus bem Publikum Eier aus dem Ueberzug holen. Ein junger Burjcye aus einem Orte der pia> enau hatte nun gut zugesehen unb gehört. Als er natits nach Hause kam, war sein erstes, sich den Ueberzug vom Kissen herunter machen. Verwundert frug bie Mutter, die schon zu Bette lag, was er da machen wolle. Ei Motter, sagte unser Held, loß mich nor emol giclj, ach hu en Lonorf gelernt, wäi met Aejec trieje kann, uhuc Hüttel. Etz gäb emol ocht, wenn ich etz tuck tuck ja, greif ich ett bie Koppezüg on hoin e Acg eraus. Mit großen Augen schaute die dAuller bem Experiment zu, doch mochte der angehenve Kuiistter so viel und so laut tuet tuck rujen, wie er wollte, die Eier wollten mcht kommen. Verflucht nock) emol, meinte nun ber enttäuschte ouiitie, enüueber hör e nett alles gesät ober hun eichs nett richtig gemocht. ±t (^roßen-£inben, den 24. Febr. -Tie Arbeiten «ur Wiederher stellung unserer Kirche werden dieser Tage vergeben, da sie schon im März begonnen werden sollen. Projektiert ist u. a., daß die Kirche in ttzemcinschaft mit dem Schulhaus Zentralheizung erhält. Tie Kosten der Wiederherstellung werden ca. 45 000 Mk. betragen, wovon der Staat 8000 Mk. bewilligt hat. Die Kirche steht unter Denkmalschutz, und ihre Einweihung soll im Herbst erfolgen. (!) Pohl-GÜns, 24. Febr. Heute wurde Kirchen-und Gemeinderechner Kollmar beerdigt. Er war etwa 34 Jahre in diesem Amte tätig, während er vorher old Straßeuwärter und Straßengelderheber über 25 Jahre im Dienste beß Staates stand, sodaß er im Herbst 1906 sein 50j ährigeS 3itbild u ni als Staats- bezw. Gemeindebeamter feiern konnte. Dabei erhielt er von S. K. H. dem Großherzog eine Ordenßauß- zelchnung. ? Lollar, 25. Febr. Die Submission auf die Regulierung der Lumda in (Scmarlung Lollar ergab folgendes Resultat: 1. Georg Richl, Lollar, Mk. 22 207,28; 2. Franz Reckling, Metz, flick. 22 708,91; 3. Ackermann, München, Mk. 46 576,95. Das niedrigste und das höchste Gebot weichen um rund Mk. 24 370 voneinander ab. Wer hat nun richtig kalkuliert? x Londorf, 24. Febr. Vom 1. April ab wird von Rüddingsh aus en nach Nordeck eine Fahrposl eingerichtet. Sie fährt morgens früh über Londorf nach Rordeck und nachmittags wieder zurück nach Rüddings- hauscn. Von letzterem Orte sowohl als auch von Rordeck wird diese Einrichtung mit Freuden begrüßt, da beide Orte noch keine Bahnverbindung haben. || Butzbach, 24. Febr. (Beuern abend zwischen 6 und 7 Uhr brach in dem Wohnhaus des GerbcreibesitzerS Freitag ein Schorn sl einbrand auS, der im ersten Augenblick ge- sährlich zu werden schien. Es war deshalb innerhalb weniger Minuten die Freiwillige Feueripehr ziir Stelle, die aber, ohne in Tätigkeit zu treten wieder abrücken konnte, da der Brand von Hausbewohnern inzwischen gelöscht war. g. Bad-Nau heim, 23. Febr. Auch in unserer Stabt hat die evangelische Gemeinde eine Gedächtnisfeier zu Ehren des 300 jährigen Geburtstages des Kicchcniiederdichters Paul Gehrvardt neplant. Tie Feier findet am 13. März in der Danll-slirche statt. J?Tuf die Einladung des Kircheiwsr- standes Haven sich die hiesigen Männergeiaugvereine zu einem ISbor vereinigt, der unter der Leitung des Lehrers und Organisten Bechwlsheimer die Feier durch einige Motette Bccl)cvrlid)ti. wird. — Friedberg, 24. Febr. Im besten Mannesalter von 35 Jahren ft a r b hier her Lehrer an der Taub- slummenaiistalt Friedrich Himmelreich, eine als Präsident des Wetteraucr Bicnenzüchlervereins in Jmkerkreisen befamite und beliebte Persönlichkeit. -i- Friedberg, 25. Fcbr. Ter Direktor des hiesigen Predigerseininars, Professor Dr. W u r st e r ist mit Wirkung vom 1. April d. Js. uit zum Professor der Theologie an der Universität in Tübingen ernannt worden. Sein Weggang wird hier namentlich in kirchlich gesinnten Kreisen sehr bedauert, denn er hat auch außerhalb der Grenzen seiner Berufspflichten viel zur Belebung christlich-religiösen Geistes getan. Darmstadt, 24. Febr. Herr I. Schottenhaml, Besitzer des CafeS .Ernst Ludwigs beadsichllgt, im Herrngarteu em Sommere ass zu errichten, und hat dieserhalb vor längerer Zeit Verhandlungen mit den maßgebenden Faktoren eingeleitet, die demnächst 311 einem Abschlüsse gelangen dürften. Professor Olbrich hat die Pläne bereits auSgearbcilet. Danach wird, iüic man dem .Tarmst. Tagebl.' milteilt, beabsichtigt, ein Cass allerseiusten Stils zu errichten, das eine Sehenswürdigkeit unserer Stadt bilden soll. Ter Herrngarteu selbst soll nicht der geringsten Veränderung unterworfen werden. Alle Wege, Anlagen und Bäume usw. sollen erhallen werden. Lä. Sprendlingen bei Darmstadt, 24. Febr. Ein br ei ft et Raubaufall sollte am Dienstag abend auf den 18 Jahre alten Gewerbeschüler Gottfried Pfaff von hier allsgeüvt worden sein, als er nach dem Vereinslokal des Fiißballsportvereins, dessen Rechner er ist, gehen wollte. J>i der Tat ronrbe er vor dem Hause seiner Eltern stark verletzt aus mehreren Kopfwunden blutend aufgefunden. Er gab an, daß er von zwei kräftigen Btirschen in der Nähe des Eisenbahndammes an der Bahn nach Ober-Roden Überfällen und der von ihm vereinnahmten Vereinsbeiträge von Mk. 84.— sowie seiner Uhr beraubt worden sei. Man habe ihn mit Steinen gehauen, sodaß er ohnmächtig liegen geblieben fci und sich später nach seiner Wohnung geschleppt habe. De: Anzug war voller Schmutz, die Knöpfe abgerissen, auch klag'.- er über starke Schmerzen in der Seite. Die durch ben 'Jl;;i1 Amtlicher ‘gtiL Gießen, 22. Februar 1907. Betr.: Tas Landgestüt, hier ben Abgang der Landgestütsbe- schälcr nach den Landgestütsstationen. Das Großherzogliche Krelsamt Gußes an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen, daß die Landgestütsbeschäler für die Landgestütsstationen Berstadt, Butzbach und Grünberg abgegangen sind. _______________I. V.: Lang er mann.______________ Basaltpfiafteistriiidruch-Verpachtung. Der der hiesigen Gemeinde gehörige Basaltpflastersteinbruch soll Montag, den 4. Marz, vormittags 10 Uhr, auf sechs Jahre unter den auf der Bürgermeisterei zur Entsicht liegenden und bei Verpachtung bekannt zu gebenden Bedingungen verpachtet werden. Ettingshausen, den 21. Februar 1907. Großh. Bürgermeisterei Ettingshausen. Heil. 1264 an dem Kopfe Vorgefundenen starken Verletzungen waren so schwer, daß zunächst in die Angaben deS Pf. kein Zweifel gesetzt wurde, obwohl einzelnen die Cache recht nnglanb- wurdig erschien. Ter am Freitag hier erschienene Kriminalkommissar Daniel hat aber den Sachverhalt doch bald auf- acflärt, da bei näherer Prüfung sich herauSstellle, daß der angeblich Uebersallene trotz geringer Mittel von Hause ein eifriges Mitglied deS FnßballsporlvereinS ist, ziemlich Geld auSgibt und auch schon ein Verhältnis hat. In die Enge getrieben, gab Pf. endlich unter Tränen zu, daß er an dem fraglichen Abend die vereinnahmten Vereinsgelber abliefern sollte, waS er aber, da er sie für sich verbraucht hatte, nicht konnte. Er habe darum ben Raubanfall fingiert und bie Uhr in bet Rahe bcS Tatortes vergraben. Tie wirklich nicht imbebeutenben Wunben hatte er sich bann in bet Nähe ber Wohnung beigebracht. Tie Uhr wurde in dem Eisenbahndamm vergraben aufgefunben. WormS, 28. ßebr. Auf die beiden Eingaben der hiesigen Handelskammer wegen der Abfertigung unversteuerten i n l ä n b 11 ch e n TabakSin den Privatniederlagen unter amtlichem Muverschluß hat das Großh. Fiuaiizmiuisteruun die Antwort erteilt, daß es mit den zuständigen bayerischen und badischen Behörden inS Benehmen getreten sei und daß nach den ihm von diesen Stellen gewordenen ÜJlüieiltmgen schon jetzt die Erfüllung eines Teiles der von der Stammet vorgetragencn Wünsche der beteiligten Tabathandlnngen in 'Aussicht gencllt werden könne. Nach Abschluß der Berhaudluugeu und Ermittelungen werbe die Abteilung iür Steuertvesen die ersorderlichen Anordnungen unverzüglich heben. (Ski. Zig.) X Wetzlar, 24. Febr. Tic Stadtverordnetenversammlung beschloß mit 13 gegen 7 Stimmen die Aufhebung des Bürgerrechts gelbes. ][ Wetzlar, 24. Febr. Heute nachmittag fand hier im Hotel Kessel unter dem Vorsitz deS Pfarrers G ruh n-Bis- tirchen em sehr gut besuchter Bezirks-Gcnossenschafts- tag statt. General-Sekretär Sperling sprach über die Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens und über die damit erzielten wirtschaftlichen Erfolge. Direktor Feldmann von der GenosienschastSbank für Rheinhessen referierte über Kreditgenossenschaften und deren Stellimg im Wirtschaftsleben. Hieran schloß sich eine zwanglose Ansprache über Fragen der Buchhaltung, über Angelegenheiten der Verwaltung und über die Art und Weise ber Abwicklung von Warengeschäften. Tic BezirksgeuossenschastStage werden auf Veranlassung des Verbandes ber rhein-preußischen Genossenschaften, deren Zentrale ihren Sitz in Bonn hat, abgehalten. SDlan bezweckt damit zwischen dem Verband resp. dessen Leitung und ben einzelnen Genossenschaften in ber Provinz Fühlung zu unterhalten. Vermildyte», • Selbstm0rb unb Mordtaten. AuS Gram über den Tod ihres Gatten ertränkte sich die Frau des Steuererhebers Prohl in Mottlau (Westpr)— Im Dorfe Sprindt im westpr. Kreise Schweiz wiirbe nachts der Käthuer Friedrich Behrendt auf dem Wege vom Gasthause ermordet. Die Lerche wurde mit zerschlagenem Schädel und mit Messerstichen morgend auf der Landstraße aufgefunden. Der Tal verdächtig ist ein 18-jähriger ArbeitSbursche, ber sich an Behrendt rächen wollte, weil dieser an einem Streik der Ziegelarbeiter nicht teilnehmen wollte. — Unweit Hamberge bei Lübeck er »nordete auL Eifersucht ber Arbeiter Martin den Bäckerknecht Tam anß Großenhain. Der flüchtige jDlÖrber wurde in Gadebusch verhaftet. — In Augsburg hat ber 25jährige Metzger Reinstlen auS Burghausen im Gasthaus zum goldenen Ritter eine Frau, deren Perfönlichken bisher noch nicht festgestellt ist, erdrosselt. In demselbei- Znumer, in dem der Mord geschah, schliefen zwei Knaben, die sich auS Furcht nicht zu rühren wagten. — In dem Berliner Vororte Wilmersdorf wurde ein 19-jährigec Dienstmädchen verhaftet, die ihr neugeborenes Kind in Kleidungsstücke gewickelt lebendig im Keller eingegraben hatte, sie gestand die Tat ein. * Kleine Tageschronik. Gegen den flüchtigen Rechtsanwalt Ernst Schreyer aus Wilmersdorf bei Berlin ,.at die Staatsanwaltschaft in Berlin einen Steckbrief erlassen. Schreyer, der sen zwei Wochen aus Wilmersdorf verfchwunden ist, hat sich des Betruges und der Unteifdilagung schuldig gemocht; seine Sachen sind bereits burch die Kriminalpolizei mit Beschlag vetegt worden. — Auf dem im Hafen zu Konstantinopel liegenden großen russischen Passagierdampfer .Korrnlow" spielte sich ein furchtbares Drama ab. Ter zweite Kapitän Karlowsli erschoß angeblich durch unglücklicheu^Zufall mit seinem Ftobert- gewehr den Jtonimaiibanien des Schiffes, Kapitän Kobeschkm. Karlowski stellte sich selbst den Behörden. — In Moria ix (Frkr.) hat ein Ingenieur, in dessen Wohnung gerichtliche Siegel angelegt worben waren, um sich zu rächen, die Frau des Gerichtsbcainten t r f d) 0 i j e n und ihren Gauen schwer v e r w u n ö e t. Ter Mörder wird in seiner Wohuimg, in der er sich verbarrikadiert hat, von der Gendarmerie belagert. — In Berlin brach in einem uralten Hause der Spreellraße, einer ber filterten Straßen Berlins, em GolmunqSbraud aus, der die Treppen in Rauch bullte. Ein Teil der Mieier fluchtete über die Tücher der Hinterhäuser. Tie rtenenoehr rettete eine Uran und bereu beide Kinder au# dem zweiten Stock. — Aiik die Melbung. daß in Tlülbeim (fftubr) eine Diebesbande verhaftet wurde, bei der zahlreiche Juwelen iiiid Wertsachen gefunden winben, reifte ein Beamter des ülber- felbcr L'cibbaulea nach Mülheim und besichtigte dort die gefundenen Wertsachen und Juwelen. Stach den in den Büchern des Elberfelder Leihhauses enthaltenen Beschreibungen sind die dort gefundenen Wcrisachcii und Juwelen Nicht nut den m Elberfeld gestohlenen idrniifch. lüik,rnlli:* r jirbrrhOit örr Cobeslätlr in örr statt uif .fu 7. Woche. Vom 10.—16. Februar 1907. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 ÖOU unfl. 1600 Alaun Militär) SterblichkeitSzifser: 29,96%., nach Abzug vou d Ortsfremden: 16,86 7oo. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom 1. L'edenSjahr: 2.— 16. Zov» Tuberkulose 4(2) 4(2) — — Lungenentzüubung 1 1) 1 U) — — verzleideu 4(8) 4(3) — — BrouchiliS 1 1 — Blludbarmentzündung 1 (1) KD — —- L'eberschwelluug 1 — 1 — Tlvhtheiie KD — — 1 (1) Oteyirugefchwillst 1 — — 1 Rhachius 1 — 1 — llubet. Ursache 2 1 1 — Smmue 17 «8, 11 (7- 4 2 (1) A n m.: T ic ui Klauunern gefegten Hifiem geben an, wie viel ber Tobesfälte in Der beirelieiiben Krankheit auf von auSiuävt» nach Gieüeu acbraclue Kranke kommen. Märtic. fc. Frankfurt a. M., 26. Febr. (Orig.-Telegr. des „Gießen Anz.') Amtliche Notterrmgen der heutigen Fruchtmarklpreis e. Wetzen Alk. 18.50—18.76, Kurhessifcher 'JJ-L 18.60—18.76, Ca Plata Alk. 20.25—21.25, Kansas Alk. 20.26—21.26, Roggen (hiesiger) Aik. 17.50—17.75, Gerste (Wetterauers Alk. 17.00—17.75, fyianten- selber Mk. 18.50—19.25, Hafer 18.50—19.25, MaiSMk. 1U.50-13.75, Weizenmehl 27.00—28.25, Al. 00—00, 2. Qualität Alk. 25.25 bis '.Ulf. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.25—23.75, Roggenmehl 0 Alf. 26.50—27.00,1. Qualität Mk. 26.50—26.00, Weizenkleie Alk. 10.00 bis Alk. 10.50, Roggeuklele Alk. 11.00—11.25, Mcuskeuue Alk. 11.00 bis Alk. 11.60, Franken, Psälzer, Ried Alk.18.60—19.25. Alles per 100 Kg. ab hier. tc. Frankfurt a. 9)1., 18.Febr. (lelear. Orig.-Bertcht bei .Dies». Auz.',. '2linil. 'Jloncrnnqcn bei heutigen Biehmarktpreis e. Zum Aerfaufe ftaiiben: 441 Ochsen, 72 aus Oesterreich, 63 Bullen, 00 aus Oester reich, 0 atlS Tänemark, 808 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 auS Tänemark, 372 Kälber, 352 Schafe und Häuunel, 00 Schafe and Oesterreich, 2 Ziegen, 1044 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPsnnd Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 80—82 Alk., 2. Qual 69—72 Alk., 3. Qual. 63—67 Alk.; Bullen l.Qual. 12 bi« 74 Alk., 2. dual. 69-71 Mk.; Kühe 1. dual. 72—74 Alk., 2.dual. 68—70 Alk., .3. dual. 60-62 Alk, 4. dual. 00—00 Alk., 6. duaL 00—00Alk. Kälber: l.diial.100—104Psg., Cebenbgewicht 60—62 Bf., 2. dual. 86—90 Psg., Lebendgewicht 61—54 Pfg., 3. duaL 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 65—70 Pfg., Schafe: 1. dual. 83—85, 2. dual. 75—86 Psg., 3. dual. 00—00 Psg.; Schweine 1. duaL 60-61 Psg., ifeböflew. 48.00—00.00 Psg., 2. du.58 - 69 Illg., Vebeub- gcw. 47.00—00 Psg., 3. dual. 52—54 Psg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh schleppend, Ueberftanb unbebeutenb, bei Kleuivieh gilt, tein Ueberftanb. §pulplaK der »errimgten Frankfurter Ztadtthrater. vperuhani. Dienstag ben 20. Februar, abeubi halb 8 Uhr: .Salome.* Schauspielhaus. DfeuStag ben 26. Februuar, abeudi 7 Uhr: »Maria Stuart.' XVivtvvivivgi|aje toeuuat^iuiigen der Station Gießen. ^tesjcller Wrlteroteuft. Februar 1907 iasi?n(,sa oO MV 1313111010^2 6 -ceinperamr ber Cutt Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit c E 2 *6 T vG i > 1 x> - Z Wetter 24. 2n 748,3 4- 3,2 3,8 66 WNW 4 Bew. Himmel 24. 9" 747,9 + 0,5 4,0 83 NW 2 Schneefall 25. 7» 746,9 + 1.6 4,6 89 NW 2 Bed. Himmel Höchs e Tem leratur am >4.-2 >. Februar -- — 8,2'0. 'Jhebrinfie - . 24.-25. ff = — 1,9'0. Bor-antzsichtliche Witterung für Hessen am Dienstag, den 24. Februar: Aletst trüb. Geringe 9tiederschlfige. Temperatur nicht verändert. Schwache westliche Winde. (DrighiabjDratytmelöiuiaen« Rom, 2ö. lyebt- Gestern ereigneten sich m Italien Drei Eisenbahnunsälle, ocr eine in Piemont, der andere in Benecia uno der dritte bei Spezia. Mehrere Personen sind dabei ums Leben gekommen. Madrid. 25. Febr. Ein Telegramm aus Manila bt# richtet, daß ein hestiger Chklon auf ben Südrnseln schwere Verheerungen angerichtet hat, 200 Personen sollen umge« kommen sein, während Tausende obdachlos feien. Vergebung. Für die Großh. Klinik für psychische und nervöse Krankheiten sollen sür das Rechnungsjahr 1907 auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden: a)Tie Lieferung von: 1. Backivaren, 2. Fleischwaren, 3. Spezereiwaren und Ver brauchsgegenständen, 4. Di.lch, 5. Butter unb Eiern, 6. Bier, 7. Mineralwasser, 8. Eis, 9. Emaillewaren, 10. Bürslenwaren unb Toi- lettegegenstänben, 11. Porzellan- unb GlaS- roaren, । 12. Schreibmaterialien, 13. Kleidern für Kränke unb Personal, 14. Schuhe für Kranke unb Personal. b) Tas Reinigen beS Küchenherbe- unb ber Oefen. c) DaS Leerfahren ber Senkgruben unb Fottschaffung beS KehrrichtS. ll)Die Abgabe von Knochen, leeren Flaschen unb Gespül. Die Bebingungen liegen an ben Wochentagen, nachmittags von 4—6 Uhr auf bem Verwaltungsbureau zur Einsichtnahme offen. Angebote fiiib verjchlosien unb mit ent- fprechenber Llufschrift versehen bis zum EiäffnungStcriuin Dienstag, den 12. März a. c., vormittags lll/g Uhr auf bem oben erwähnten Bureau abzugedeu. Der Zuschlag eifolgt bis zuin 2ü. Aiäcz 1907. Gießen, ben 20. Februar 1907. Großh. Direktion ber Klinik für psychische unb nervöse Krankheiten Sommer. bm/i Holzversteigerung im Gemcindewald zu BerSrod. 1. Freitag, den 1. März 1907, von vormittags 91/, Uhr anfangend, kommen zur Versteigerung aus ben Distrikten Brand, Linbenftrulh, Struth, Schwalb und Gaulseck: 103 Nm. Buchen-Scheit, 2 Rm. Eichen-Scheit, 290 Nm. Buchen-Knüppel, 4 Nm. Eichen-Knüppel, 2 Nm. Kiefern Knüppel, 210 Rm. Buchen-Neis, 4 Nm. Eichen-ReiS, 105 Rm. Buchen-Stock, 5 Buchen-Siämme mit 5,29 Fstm., 23 Elchen-Stämme mit 6,51 Fftm., 7 BucheN'Dcrbstangen mit 0,20 Fstm., 5 Eichcn^Derbstangen mit 0,34 Fstm., 239 Fichten-Derbstangen mit 20,39 Fftm. 2. Samstag, den 2.März 1907, von vormittag- 91/, Uhr anfangcud, kommen zur Versteigerung aus den Distrikten Waldiviese, Lanbwehrschlag, Wanimberg und Rosenberg: 2d Rm. Buchen« Knüppel, 2 Nm. Eichen-Knüppel, 18 Nm. Fichteu-Kuüppel, 24 Rm. Ktefern-Knüppel, 26 Rm. Buchen-NciS, 52 Rm. Eichen Neis, 134 Rin. Fichten Reis, 2 Nm. Buchcn-Stock, 20 Nm. Fichten-'Stock, 38 Fichten-Derbstangen mit 1,84 Fstm., 135 Stück Bohnenstangen. Zusammenkunft an beiden Tagen im Ort. Bersrod, den 21. Februar 1907. 1261 Großherzogüche Bürgermeisterei Bersrob. Reu schling. lfrO7< Snilsbiirsche — aus die 0120? 4 Zimmer (4 Wb.) Weißbrot 1 L. Steinmüller, Gr.-Linden 52 I Vf. Havvel. 089] 25 der 25 I Verschiedene J 46 (1104 vermieten. 33 mieten. [1178 V69/, KlTl 8 cyücf)tine8 Laufmädchen gesucht. ~ 1284] Goetbestr. 46, II. B»/2 | 01197] Steinstrane 14. 01163] Dammstraße 20. Lindenplatz 12. 82] Eine WeEatt au vermieten. Löwennasse 30. 01142] 4 240 Vogler. [1299 e- 01172] Hammstraste 9. zu vermieten. 113 SW WWW Uliifiirrndie WWrAkW llcrrdjieticnc 27 54 die das daß und (Bern. Brot Dein. Brot Kornbrot Kornbrot BO H 75 , 23 , 46 . entpültig Ziehung < Strassburger H aasenstein A.-G.. Cassel. Holzverfteigerung im Steinbacher Gemeindewald. Mittwoch, den 27. Februar 1007 sollen im Stein. 'Lacher Gemeindewald Distrikt Helgenwald und Seeheck oer> steigert werden: In meinem Neubau Wflstelm- strafie sind noch 2 berrschaftl. 6—7 - Zimmerwohnunacn mit Bad und reicht. Zubehör au Rm. 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