Erstes Blatt Donnerstag 27. Inn, 1907 157. Jahrgang «w Wascht SRt. 148 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener graniten- blätter viermal in b. Woche beigelegt un. zweimal wöchentlich das Kreisblatt fflr den Kreis Sieben. Fernsprech-Anschluß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 61 prächtigen p Glanz ^«uzet^r Botatiottsbrud und Verlag der Vrühsfchen llnlo.'vuch' und Ztelndruckerei. E. Lange. Redattio». Expedition und Druckerei: Lchulstraße r. den ersten Gesetzentwurf zur Wahlreform schnell erledigt I )üben. Er dürste bam; auch mit dem GesetzgebungsauS- chufse des anderen Hr.useS in Verbindung treten. Ob dabei aber etwas herauskommen wird, steht dahin. Möglich wäre eS immerhin, wenn, vielleicht durch die neuen Männer, em neuer Gc4ft in die Erste Kammer zöge. Jedenfalls aber darf daS hessische Volk noch länger auf das direkte Wahlrecht warten. «Hessische Zweite Kammer. R.-B. Darmstadt, 26. Juni. Die Zweite Kammer ist heute vormittag zu einer kurzen Tagtiug zusammengetreten. Am Ministertijchc nahmen Staatsminisler Ewald, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda und Ministerialrat Lorbacher Platz. Tie Kammer trat sogleich nach Eröffnung der Sitzung in die Tagesordnung ein: Gcschästsbehandllmg der drei Gesetzentwürse, betr. 1. die Abänderung der Art. 67 und 75 der Bcrfassuugöurluude, 2. die Landstände und 3. die W a h l k r c i s e i n t e i l u n g. Staatsminister Ewald gibt eine nähere Darlegung über die Gründe, welche die Negierung veranlaßt haben, die drei Gesetzentwürfe unter Bezugnahme aus das Gesetz vom Jahre 1836 ein- PS SchVesle^08' Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen .MWtotoÄ’ Ä-Mgesuü)! rLHyvolhetmirTSWM utem Zinsme von lolibem läftsmann bei priuia* Offerten müLS.1° an Be-ngSprets: monailidj 75 'Ct, otexttl* jährlich Mk. 2J3O; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 66 Pf.; durch diePost Alk. 2.—otcrtd* jdbcL auSschl. Bestell-. Annahme ooe Lnzeche» für bie TaqeSnummer biß vormittags 10 Uht, ZeUenprei»: lokal 16 iM« auswärts 20 Pfenmch. Verantwortlich Mr den polit. und ärgern. Teil: P. Wtttko: für .Stadt und Vanb* und -Gerichts! aal*: Ernst peß-, für den Anzeigenteil: HanSBeck 'SSE LNL*. ** machen werden. Sie Helsen einem Zustande ab, der, wie mir viele Fachgenossen und Künstler bestätigt haben, n i ch t s o bleiben kann. Sie nähern sich dem Ideal, die Bilder, Skulpturen usw. in solch stimmungsvoller Umgebung, wie etwa in dem Dause eines vornehmen Kunstfteundes darzubieten, eine Wirkung, die alle modernen Museen, ich nenne das L>taedelsche Jnstituri n Frankfurt, das neue Darmstädter Museeum, das Kaiser-Friedrich-Museeum in Berlin, sowie alle guten Kunftsalons anstreben. Die Landes-Universitätsstadt von 30 000 Einwohnern in einem Lande, dessen Fürst der einzige und erste war, der für moderne Kunst tiefgehendes Verständnis durch die ^.at bewies, ist sich einfach schuldig, auf diesem Gebiet nicht w weit zurüäzubleiben, wie man das nach dem heutigen Zustand des Kunstvereinslokals uno nach der Art der Ausstellungen schließen müßte. Einen Anfang zum Fortschritt habe ich in dieser Ausstellung veranlaßt: das Massengut wurde ausgefchieden und die zurückbleibenden besseren Bilder nach modernen Prin- vien gehängt; sodann habe ich zur Verbesserung der _L*ur uät Ernst Biedermann gebeten, auszustellen. Ich hoffe, daß jeber von der wohltuenden Harmonie und Ruhe, die letzt >awn gegenüber dem bisherigen Zustande herrscht, überzeugen wird. — Der Landschaftsmaler Ernst Biedermann .der m Jena lebt, ist einer der berufensten Vertreter der tzeimatkunst. Er verbindet virtuose Beherrschung moderner Licht- und Luftmalerei, wie sie uns Menzel und die Franzosen gelehrt haben, mu einem außerordentlich feinen Gefühl für den StimmungSrelz der Farbe und der Farbenabstufung, wie sie der Wechsel der Tages- und der Jahreszeit bringt. Eine Verbindung von Mitteln, die das, was man Stimmung nennt, in ieinen Bildern rast vollkommen macht: Auf allen sieben Bildern scheint die Sonne. Aus dem Bilde Märzschnee kontrastiert die Kälte des --vchnecs mubem warmen Lauch der Vorfrühlingssonne daii'.verhin. Die mit Nacht- tau gesättigte Luft von der FrühlmgsionnL durchlpielt aus der niederdeutschen Dorfstraße des Bildes 'J-korgewönne; tarbig außerordentlich fein ist die durch die Feuchtigkeit nach Blau^ hm bewirkte Abwandlung des Ziegelrots der Hauswaiib und das tiefblau der Haustür. Leises Abtönen und Serklingen der Tagesfarben auf dem Bilde Dämmerung nut.Dc:" leicht grünlich, '^unmernben Himmel, dem perspektivisch raumschasienden H-lußlaus, den dekorativ aneinander gesetzten Farbflächen der Felder und Baunimaften. Durch feuchte Luft wieder aus einen Ton gebracht de. Farben- ÄchttW Bildes „Welkes Laub." mit dem mcrmen Kontrnft funden werden müsse. Abg. Bähr schließt sich der ausführlichen Darlegung bc» Vorredners an Auch er und seine Parteifreunde wollen die Einführung des direkten Wahlrechts. Aber der Preis, den man dafür zahlen solle, fei zu hod). Die jetzige Vorlage sei em tot-' geborenes Kind, man werde sie wohl unter den Tuch fallen lassen Auch seine Partei bebraere lebhaft, daß die Regierung nicht den Intentionen der zweiten Kammer gefolgt sei und von Verfassungsänderungen abgesehen habe. Abg. Pennrich erklärt lur^, daß er und seine Parteifreunde, die Vorlage für unannehmbar betrachten urid sie ablehnten. Er befürwortet die Annahme des Ausschußantrages. Abg. Ulrich betont, das Ansinnen der Regierung inbetreff des Gesetzes von 1836 müsse unter allen Umständen abgelehnt werden. Die Regierung habe die Absicht, die Wahlvorlage aus einem Landtag in den andern überzuspielen. Auch er mäste bedauern, daß man die Parteiführer der zweiten Kammer vorher überhaupt nicht -gefragt habe und er wünsche, daß seine Worte. des tiefen Braun in der Ecke rechts vorn. Verhältnismäßig am wenigsten befriedigt mich das Bild Frühling. Wohl ift der blühende Fliederschmuck sehr fein vor das Dunkel der Hmter- grunbbäume gesetzt; aber die weibliche Figur im Vordergrund lügt der Stimmung nichts hinzu; sie wirkt als Zuviel. Das Heidebiw gibt, was mit anderen Mitteln der große tzeidedichter Storm gab: Es ist so still, die Seide liegt im warmen Mi trage-- sonnenstrahte, ein rosenroter Schimmer fliegt um ihre alten Gräbermaie; die Kräuter blühen; der Leidenduft steigt in die blaue Sommerluft. ... In der Ferne schweben schon die Farben des kommenden Herbstes. — . Hammachers Eigengebiet ist die See, bie er in einem praAvoll dekorativen tiefblauen Ton zu gestalten weiß; weniger die Landschaft. Tas Wogen und Schäumen der glasigen Elemente und die Reflexe der Abendsonne auf den zerrissenen Sturmwolken find auf o,m großen Seestück vorzüglich gegeben, vorzüglich auch die flimmernden Reflexe von Licht und Wasser auf dem Bilde rechts Weniger gut, etwas zerrissen und Verblasen ist die Landschaft links neben der großen Marine, von dekorativer Wucht und doch großer Feinheit wieder in dem Kontrast blauer und gelbblauer Töne die große Landschaft auf der linken Wand. Anna B o r n e m a n n ist ein vielversprechendes Talent. Sie weiß in moderner Auffassung und breiter Pinselführung sehr zarte Wirkungen wie die wasfergetränkter Lufl, oder der Licht- und Farbenbrechung im Interieur wiederzugeben, sie versteht auch im Porträt zu charakterisi-ren; nur ein klein wenig mehr Festigkeit ist ihrer Technik zu wünschen. — . All diese modernen Bilder, ine malerisch faroige, nicht zeichnerische dekorative Wirkungen verfolgen, darf man nicht, wie das leider noch üblich ist, aus nächster Nähe betrachten, sondern muß sich sorgfältig den entfernten Standpunkt suchen, für den sie berechnet sind. Für Biedermanns Bilder steht das Sofa ungefähr an Dem richtigen Platz für den Beschauer. Sie Plastik ist nur durch em einziges ^Beispiel vertreten; die Melviller Bronzestatuette Schwälmer Bauern ist sein und charak- schließlich noch, wie Schulze-Naumburg uns das gelehrt: hat, alles was ich angeführt habe, durch die starke Wirtang des Gegenbeispieles zu bekräftigen, habe ich eine kleine Wand aus dem früheren Bestand mit „Kitsch' bepackt, stehen laftW. Christian Rausch. Air Ausstellung unseres Kunstvereins. Gießen, 27. Juni. Es ist das große Verdienst unseres Trüberen Oberbürgermeisters, des jetzigen Finanzministers Gnauth, den Aus- stellungen des Künstvereins in dem Hause am Brand em festes fceim geschaffen zu haben. Das Haus selbst freilich ist in einer Zeit gebaut worden, da noch nichts von dem Kunstfruhllng, in dem mir jetzt leben, zu merken war. Zum mindeften oer Raum, in dem die Ausstellungen selbst stattsinden, bedarf dringend der Reform, die aber mit verhältnismäßig geringem Aufwand ins Werk zu setzen ist. Die moderne Museumsteckftnk hat Mittel ausgebildet, jedem guten Kunstwerk bie Wirkung, die sem Schöpfer von ihm erwartet, zu verschaffen. Zunächst durchs die Wahl eines passeiiden Vintergrundes, der neutral wirkt, die rtz-arbcn und Formen der Kunstwerke nicht beeinträchtigt, sondern steigert. Sodann dadurch, daß man wenige, aber gute Kunstwerke ausstellt, sodaß keins das andere stört, datz ledcs isoliert ,ur sich betrachtet werden und voll für sich wirken kann und vor allem gut beleuchtet ist. Das ist freilich nur möglich, rndem man den „Kitsch" des gewöhnlichen Ausstellungsgutes a^scheidet,. anstatt mit An die Wände so zu belasten, daß der Blick des Beschauers verwirrt über den bunten Krimskrams hinirrt, ohne einen F ea zu finden, auf dem er haften und ruhen und ftch vertiefen kann Und selbst die wenigen guten Kunstwerke, die man zur Ausstellung bringen soll,, müssen, wie schon getagt, torgtam gegen einander abgewogen werden, daß eins das andere tM einer -^r- kung, vor allem der Farben, durch geschickt gewählte Kontrast-oder auch Angleichungswirkung fcbe. Ein guter Vinter gründ ist der heutige Wandanftrich in schmutzigdunklem vompeianftcktem Sw nicht. Er stört die meisten Bilderfarben und schluat Diel zu Diel Licht. Eine Stoffbespannung etwa in grauem Rupfen wurde am besten an die Stelle treten. Tie Decke, die heute mft mitz- verstandeneni pompejanisierenbem Ornament in tchristlichen Farven „geziert" ist, wird am besten einfach geroeißt, um möglichst Diel &t ans die Bilder herunterzureftektteren. xic Fenster ftnd mit doppelten Vorhängen zu versehen. Mit dünnen meitzen, um das Sonnenlicht abznblinden, und mit undurchsichtigen schwarzen, um nötigenfalls das störende Reflexlicht aut, einer Seite ab- schließen zn können. Das find alles wenig wsttpielige ^nde- rungen, die leicht aus Mitteln des laufenden Etats bestritttn werden können und sich durch ihre; große Kfththg bezahlt zubringen. Tie Regierung glaube mit dieser Darlegung manches Mlßvcrstänbnis beseitigen und zur Abkürzung der Verhandlungen beitragen zu können. Die Thronrede vom 20. Dezember 1905 bezeichnet es als eine Aufgabe der Regierung, die Wahlrcchtsvorlage zu fördern, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die GrunD- lagen für eine Verständigung finden würden. Daraus ergibt sich, daß auch Staalsniiinster Rothe die Ueberzeugung auf eine Verständigung hegte und c5 als eine Ausgabe der Regierung betrachtete, eine Verständigung zu suchen. Tie Differenzpunkte, die sich früher in den beiden Kammern über die Wahlrechtsirage ergaben, waren nicht von solcher Ledeulung, daß man bie Hoffnung darauf hätte aufgeben müssen. Den Hauptpunkt bilde jetzt die Forderung der Erweiterung deS Budgelrechls und der Steuerbewilligung der Ersten Kammer und wenn dieselbe auf ihrer Forderung beharren, so bestehe für die Regierung keine Möglichkeit, sie zur Aiisgabe dieser Forderung zu zwingen. Auch sein AmtSvorgäuger habe mit der Möglichkeit einer Äenderuug der Art. 67 und 75 gerechnet, und er müsse deshalb Widerspruch gegen den Vorwurf in der Presse erheben, daß er in der Wahlrechtsfrage die Grundlagen seines Amtsvorgäligers verlasjsn habe. Die Regierung habe den Weg aus Grund des Gesetzes von 1836 un Interesse aller beteiligten Faktoren für den zweckmäßigsten gehalten und sie wolle mit der Abänderung der Art. 67 und 75 der Verfassung durchaus fein Ultimatum geben, sondern nur einen Vorschlag zum Zwecke emeS Ausgleiches mit der Ersten Karniner. Tas Gesetz von 1836 fei besonders werwoll, weil es in Art. 4 die Alöglichkeft bietet, die Arbeiten auch nach Schluß des Landtags fortzusetzen, damit sie nicht nutzlos unter den Tisch lallen. Art. 6 des Gesetzes weise ausdrücklich den Weg, auf dem bei gemeinsamer Beratung eine Verständigung ermöglicht werden könne. Der Herr Allnister geht nun auf bie Frage näher ein, ob die drei Gesetzentwürfe als cm „größeres Werk der Gesetzgebung" betrachtet werden können. Schon in der landständischen Geschäftsordnung von 1856 sei auf die Bestimminigen des Gesetzes von 1836 zuiuckgegriffen worden und 1874, als alle größeren Aufgaben der Gesetzgebung längst auf das Reich übernommen waren, habe man diese Bestimmungen ebenfalls ausrecht erhalten. Alan sagte also damals damit, daß auch in Zukunft „größere Aufgaben der Gesetzgebung" zu erledigen jein würden. Ob da§ Gesetz zur Anwendung fommen solle oder Nicht, have jeder der drei Faktoren der Gesetzgebung, die Erste und die Zweite Kammer und die Regierung, selbfländig zu entscheiden und die Aniveiidung könne nur erfolgen, wenn alle drei Faktoren darin einig seien. Taß das Gesetz noch in Kraft stehe, könne keinem Zweifel unterliegen. Verneine aber die Kammer das Vorliegen eines größeren Werkes der Gesetzgebung, so gebe er zur Erwägung, einen Sonderausschuß zu bilden und der Regierung das Recht zu geben, die Bestimmungen des Gesetzes von 1836 auf den letzteren anzuwenden. Dadurch werbe der Weg einer Verständigung in bester Weise geebnet werden. Abg. Dr. Osann weist einleitend darauf hin, daß bet Gesetz- gedungsausschuß einstimmig bejckftossen habe, bie brei Wahl- rechtsvotlagen nicht als ein größeres Werk bet Gesetzgebung tbaltcwi IllchtrteUr, m Lüge. Uebernunmt auch bai Mrid.Blikherrc.illb.Miib. n. Schrift! A-u. ML an "ebener Anzeiger erbeten, tgnes Mädchen, Leamten- r lucht stelle in bess. Kam. rlern.d.HMsh. des. i. Loch, idjt ohne gegenseil. LeraL nftl Angebote unter Oßö n Gießener Anzeiger eck: 2] Sin AWr. Mädchen such ing in besserem Hause, du en Hetteygajit 1. Begräbnis der Yess. Wahlreform, Man schreibt unS aus Darmstadt: Abermals, zum brittenmat nun ist bie Wahlrechts« reform in Hessen gescheitert. Das war leider seit Monaten Vorauszuseyen. Tie Regierung hatte im Zusammenhang mit der Einführung des direkten Wahlrechts eine Verfassungsänderung zu gunften der ersten Kammer vorgeschlagen. Tas mochte natürlich die 2. Kammer nicht. An der Bahre der vorigen Wahlrechtsvorlage, die die erste Kammer &u Fall brachte, beschloß die zweite Kammer (am 23. Oktober 1905), „unter keinen Umständen eine Aenderung der Artikel 67 und 75 der Verfassung" zu genehmigen, wie sie der damalige Initiativantrag der ersten Kammer an» strebte. Dennoch wurde ein solches Ansinnen an bie zweite Kammer gestellt, obwohl eine unverkennbare Mißstimmung gegen die erste Kammer wiederholt in der zweiten Kammer — nicht nur auf den Bänken der Linken — zutage getreten war. Die Regierung hat am Mittwock in der Kammer ihre Gründe für die Bezugnahme auf das Gesetz vom Jahre 1836 dargelegt. Gleichwie vor Wochen in der ersten Kammer. Und wie dort, so hat auch jetzt im Abgeordnetenhause Staatsminister Ewald keine Geneigtheit gesunden, den von ihm vorgeschlagenen Weg zu gehen. Indessen war das mehr eine Formsache. Das Besondere deS gestrigen Tages war die e in - heilige Ablehnung, die Der Gesetzentwurf über die Aenderung der Artikel 67 und 75 dec Verfassung fand. Die Redner aller Parteien gaben diesbezügliche Erklärungen ab. Abg. Dr. Osann antwortete in breiten Ausführungen als erster Redner aus dem Hause dem Minister. Die Sprecher des Bauernbundes und des Zentrums, die Abgg. Bähr und Pennrich, beschränkten sich auf kurze Erklärungen. Dann aber brachte Abg. Ulrich einige seiner Bitterkeiten vor. Und auch bet bent Mg. Dr. Gut fleisch, wohl bem ruhigsten und geschätztesten Politiker der Kammer, klang der Unterton jener Mißstimmung gegenüber der ersten Kammer durch, von der schon eingangs die Rede war. Als praktisches und lehrreiches Beispiel aus der allerjüngsten Zeit wies der Redner auf die Behandlung der neuen Wert- zuwachssteuervorlage in der ersten Kammer hin; eine Arbeit, die die zweite Kammer p.flichtschuldigst mit rühmlichem Eifer leistet, um den gewiß nicht im Geldüberfluß sitzenden Kommunen eine Einnahmequelle zu erschließen, schiebt man in der ersten Kammer kurzerhand auf bie lange Bank. Wenn auf bem Bob en bieser Geschehnisse etwas anderes wachsen soll als Abneigung gegen bie Pairs- lämmer, bann muß sich bas hessische Volk freilich schon in ber Stimmung befinben, bie bie bekannte Vogtsche Anekbote schilbert (bie der Abg. Gutsleisch unter zustimmender Heiterkeit in Erinnerung brachte- von jenem Staatsanwalt, ber zu einem unschulbig Verurteilten sagte: „Komm, Heß, laß dich köppe, die Leut' fin’ boch nu mal da!" Staatsminister Ewald vertrat die Anschauung, daß das direkte Wahlrecht nur gewonnen werden könne, wenn man der Ersten Kammer Konzessionen macht in der von ihr angeslrebtcn Erweiterung ihrer steuer- und budget- rechtlichen Bcsugntsse. Tas wird man unter den nun cinma gegebenen Verhältnissen allerdings zugebcn müssen, ijt aber vom volksfreundlichen Standpunkte nicht sonderlich ersrcultch. Denn das Schwergewicht in der Gesetzgebung muß bei den vom Volke gewählten Vertretern liegen. Das sieht nachgerade selbst im Urlaube der Pairs, in England, ein liberales Ministerium ein. Was wird nun? Der GesetzgebungZausfchuß wird cherhalb, fofort un,v $*** MM MM «Ms Aä““3* I zu verachten und die Wahl cm»5 besonderen Äusichufjos nach dem Gesetz von 1836 abzuleh.-.erL Dor allem sei auch I in der Ersten Kammer von zwei hervorragenden Juristen in wirksamer Weise betont worden, doß daS Gesetz veraltet sei und hier keine Anwendung finden könne. Wer die damaligen Verhandlungen versolgte, müfie zu der Erkenntnis fommen, daß es sich hier um ein Ausnahmegesetz handelte, welches um 1841 einmal bei der Beratung des Sttafrcchts und 1858 bei einer Vorlage über das Pfandrecht zur Anwendung kam, bei allen späteren größeren Werken der Gesetzgebung, und) bei den verschiedenen Wahlgesetzen van 1856, 1872 und 1885 nicht. Das Gesetz sei eben nur bei juristischen Fragen angewandt worden, nicht aber bei politischen. Ter Sonderausschuß im Sinne deS Gesetzes von 1836 sollte auch nach Vertagung und Verabschiedung , der Kammer weiter arbeiten. Eine Vertagung trete aber heute kaum noch ein, und eine Frage wie daS Wahlrecht werbe auch jede Kammer selbständig bearbeiten müssen ohne viel nach den früheren Verhandlungen darüber zu fragen. Die öffentliche Meinung verlange dringend, daß jetzt sobald wie möglich die Einführung deS direkten Wahlrecht erfolge und das Gesetz könne auch sehr wohl nod) ui dieser Session erledigt werben. Tie jetzige Anwendung dcS Gesetzes von 1886 würbe auch zu einer Denachlelli- gung der Interessen der -weilen Kammer führen. Die beiden AnSschüffc sollten aus je 5 Mitgliedern bestehen, während die Erste Hammer z. Zt. nur 34, die Zweite Kammer dagegen 50 Mitglieder zählt. Tie Regierung habe es schon ,ctzt in ber Hand auf Grund des Art. 26 der landständischen Geschäftsordnung eine gemeinsame Beratung der Ausschüsse beider Kammern zu veranlassen und somit einen Weg zu gehen der zu dem gleichen Zieleführt, wie die Bestimmungen vom Jahre 1836. Redner gebt dann auf die materielle Bedeutung, der vorgeschlagenen Verfassungsänderungen -u Art. 67 und 75 näher ein. Er wolle nicht verkennen, daß die Reaierung durch den Initiativantrag Der ersten Kammer in eine schwierige Lage gekommen sei, aber er müsse namens seiner Parteifteunde fein Bedauern darüber aussprechen, daß die Regierung nicht vor Einbringung der neuen Vorlagen mit den Führern der Parteien in Der zweiten Kammer in Verbindung getreten sei. Die Regierung habe auch keine Rücksicht auf den Beschluß der »weiten Kammer vom 23. Oktober 1805 genommen, worin der Antrag Ulrich mit 39 gegen 3 Stimmen genehmigt wurde, daß, die Kammer keine Abänderung der Art. 67 und 75 der Verfassung zusrimmen würde. Angesichts dieses Beschlusses hätte man doch nicht schon l'/r Jahre später mit einer Vorlage kommen dürfen, die gerade das Gegenteil dieses Beschlusses enthielt. Nach ferner Meinung wäre eine Verständigung mit der ersten Kammer zweifellos leichter zu erreichen gewesen, wenn die Regierung der erftcn Kammer nicht von voriihcrein gar so sehr entgegengetomnien wäre. Staatsminisler Slothe habe seinerzeit ausdrücklich davor gewarnt, an der Verfassung zu rütteln und betont, daß sich bie letzigen Bestimmungen Der Verfassung seit 85 Jahren gut bewährt haben. Jetzt werbe eine Verstänbigung nur baburch zu ermöglichen sein, baß die erste Kammer nachgäbe. Redner erklärt zum Schluß, baß er unb ber allergrößte Teil seiner Parteifteunde oie Einführung bes birekten Wahlrechts wollten, baß fte aber geschlossen bie jetzt vorgeschlagenen Versassungsänberungen für unannehmbar halten. /Lebhafter Beifall.- Sie erachteten aber trotzbem bie Möglichkeft nicht für ausgeschlossen, baß eme anber^ Grundlage zur Verständigung gefunden werden könne unb go nicht nur vom Minister, sondern auch von der anderen Stelle verstanden werden, die den Austrag zur Einbringung gegeben habe. Er verstehe nicht, wie diese Stelle zu einer solchen Vorlage kommen konnte. Die Regierung bringe jetzt in konzilianter Form vollständig reaktionäre Vorschläge ein. Tas Ministerium sei reaktionär bis 'ans die Knochen. Nur die zweite Kammer solle ihre Rechte ausgeben und sich der ersten Kammer gegenüber degradieren. Die Gesetzentwürfe seien keine Grundlagen zur Verständigung, sondern ein. Stock, über den die zweite Kammer springen solle. Die Regierung habe die Herren der ersten Kammer um ihren Rat befragt, aber die Führer der zweiten Kammer nicht. Er protestiere gegen diese Behandlung der Volkskammer. Die Regierung habe mit der Einbringung der Vorlage wohl das direkte Wahlrecht verweigern wollen, denn sie tonnte nicht anncbmen, da stdie Mitglieder der zweiten Kämmer ihrem Beschluß vom 23. Oktober 1905 untreu werden und jetzt plötzlich anders suhlen und denken würden. Er halte lange Beratungen in ben Ausschüssen für gänzlich unnötig. Man solle die Gesetzentwürfe kurz und schmerzlos ablehnen. Das direkte Wahlrecht marschiere doch. Wir brauchen es, wir müssen es haben und wir werden es erhalten. Abg. Dr. Gutfleisch erklärt es für bedauerlich, daß die Regierung ihre Vorlagen damit begründet, die erste Kammer beharre auf ihrem Standpunkt und werde nicht nachgeben. Wenn wir bloß den Wünschen der ersten Kammer folgen sollten, brauchen wir ja überhaupt nicht erst lange zu verhandeln. Es sei ein Sturm des Unwillens durch das ganze Land gegangen, als das andere Haus dem Volke das Recht vorenthielt, seine eigenen Befugnisse durch die Einführung des direkten Wahlrechts zu regeln. In einer Zeit, in der man allenthalben daran denke, die Tätigkeit der ersten Kammern zu beschränken, in der Zeit, in der sich überall eine herbe Kritik gegen die ersten Kammern wende, sei es unverständlich, daß man bei uns die Rechte derselben noch erweitern wolle. Es könne niemand das Bedürfnis haben, die Sonderausschüsse beider Kämmern jahrelang zusammen tagen zu lassen. Wenn eine gemeinsame Beratung nötig sei, so könne dieselbe auch jetzt schon auf Grund der landständischen Geschäftsordnung erfolgen. Die Vorlage sei ein recht bedenkliches Experiment und sie könne nur eine endgültige Verständigung erschweren. Staatsminister Rothe habe die mit Jubel begrüßte Erklärung abgegeben, daß er an der Verfassung iiicut rütteln werde: er würde niemals ein «solche Vorlage wie die jetzige eingebracht haben. (Lebh. Beifall.) Staatsminister Ewald wendet sich zunächst gegen mehrere Ausführungen des Abg. Dr. Osann und führt dann aus, daß er gerade in der Weitertagung der Ausschüsse auch nach der Land- tagsvevabschiednng, wie sie das Gesetz von 1836 vorschreibe, einen großen Vorzug erblicke. Dem Äbg. Dr. Osann sei wohl .der Initiativantrag der ersten Kämmer nicht mehr gegenwärtig, in welchem auch die Abänderung des Art. 110 verlangt werde. Tie Regierung hab? ausdrücklich die weitergehenden F-orderungen des Initiativantrags abgelehnt. Er müsse sich auf gegen den Vorwurf verwahren, d,aß er nur mit Mitgliedern der ersten Kammer und nicht auch mit solchen der zweiten Kammer vor Einbringung der Vorlagen verhandelt habe. Er habe sich nur darüber informieren wollen, ob die erste Kämmer nicht doch von ihrem Initiativantrag abgehen wolle. Bei der vvrgeschlagenen Abänderung des Art. 75 würden keine Bolksrcchte, sondern ein Kronrecht preisgegeben, denn di' Regierung würde bei der Festsetzung einer Zweidrittelmehrheit bei gemeinsamen Abstimmungen an wesentlich größerer Anzahl an Mgeordneten für sich haben müssen. Im übrigen mache er darauf aufmerksam, daß nicht eine Kammer die Durchstimmung verlangen könne, sondern daß es das Recht der Regierung sei, eine solche zu veranlassen. Wenn er jetzt mit den Wahlvorlagen die Hand bu*u biete, so müsse es ihn sehr sonderbar berühren, wenn er von Mitgliedern dieses Hauses als reaktionärer Mann hingestellt werde. Abg. Dr. David führt aus, das Streben der erften Kämmer geht dahin, dsas Steuervecht in ihre Gewalt zu bekommen und dabei werde ihr von der Regierung noch Vorschub geleistet. Nach Annahme der Verfassungsänderung würde die erste Kammer in Hessen mit mehr Rechten ausgestattet fein, als diejenigen in den übrigen Bundesstaaaten. Staatsminister Ewald bestreitet dem Vorredner gegenüber entschieden, daß die erste Kammer in Hessen besser gestellt werden würde, als die erste Kämmer in den anderen Staaten. Selbst wenn die Verfassungsänderung angenommen würde, stände die erste Kammer in Hessen noch immer ungünstig da. Es stehe z. B. in Baden im Belieben der ersten Kämmer, ein Scheitern, des Budgets herbeizuführen. Inzwischen haben die Abgg. Dr. Osann und elf Genossen den Antrag eingebracht gemäß Art. 26 der Geschäftsordnung die Beratung der Gesetzentwürfe in beiden Kammern zu veranlassen. Ter Antragsteller bemerkt boau, er wolle den Ausschüssen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht auferlegen, miteinander ins Benehmen zu treten. Er sähe keinen ein, den feit langen Jahren ausgeübten Usus der Rekommandation zu beseitigen und deshalb einen Kämpf mit der ersten Kammer heraufzubeschwören. Nachdem Präs. Haas erklärt hat, daß die Vorlagen ja bereits beiden Kaminern zugegangen feien und der neue Antrag demnach überflüssig erscheine, zieht Tr. Osann seinen Antrag wieder zurück und die KAmmer nimmt darauf einstimmig folgenden Ausschußantrag an: „Tie zweite Kämmer möge die Wahl eines beson -> her en Ausschusses irn Sinne des Gesetzes vom 14. Juni 1836 äblehnen und die Entwürfe betr. Wahlreform dem zweiten Ausschüsse zur Beratung überweise n." Tie Kammer verweist daraus eine Anzahl zur beiläufigen Beratung im Plenum gestellter Anträge und Vorstellungen an die zuständigen Ausschüsse. Ter Antrag des Abg. Dr. G lass in g betr. Revision des Gesetzes über das Verss'ahren der Zwangsvollstreckung im Verwaltungswege vom 30. September 1893, sowie der Aus- sührungsvorschristen zu diesem Gesetze wird aus Antrag des Aus- schußberichterftatters Abg. S e e L i n g e r für vorläufig erledigt erklärt. Bezüglich der Vorstellung des Vorstandes des Hessischen Lande slehrervereins „u dem Antrsag des Frhr. v. Hehl u. A. über die Einstellung von 10 000 Mk. in das Staatsbudget zum Zwecke weiterer Ausbildung der Voltsschullehrer durch Gewährung von Stipendien zu R c i se n indasJn-undAus- land liegt die Mitteilung der ersten Kämmer vor, daß dieselbe dem Antrag zustimml. Auch die zweite Kämmer stimmt dem Vorschlag ihres Ausschusses -entsprechend dem Antrag zu unter Ablehnung eines Gegenantrags des Abg. Wolf. Dem Antrag des Berichterstatters Noack entsprechend wird dann die Vorstellung des Kanzleigehilsen am Oberlandesgericht, Georg Bickel, um Anrechnung feiner Militärdienstzeit auf die Probedienstzeit der Regierung zur Berücksicht i gu ng empfohlen. Jnbetr. der Vorstellung des Stadt- und Kirchenvorstlands zu Alsfeld um Gewährung eines Zuschusses zur Renovierung der Walpur gi s k ir ch edort beschließt die Kammer dem Ausschustair- trag entsprechend die Vorstellung der Regierung zur Berücksichtigung zu .überweuen mit dem Ersuchen, in dem nächsten Hauptvoranschlag einen entsprechenden Beittag zur Renovierung der Kirche ein zu stellen. Auch Abg. Reh empfiehlt das wertvolle Bauwerk her vollen Beachtung der Regierung. Die Sitzung schließt daraus 1 llhr. Nächste Sitzung morgen vormittag. politische Tagesschan. Die beiden Neuen. Man schreibt uns aus Berlin: Moltke und Holle. Um beide dreht sich der Streit der Meinungen. Dr. Holle stammt vom Rhein, ans einer Juristenfamil! >. Sein in Dortmund lebender Vater ist Geh. Justizrat und Ehrenbürger der Stadt. Der Sohn gilt in feiner Heimat al» alles andere, nur jl.ijcbt glS *^erikal. Berl. Lagebl. unfc Voistsche veröffentlichen fast.in jeder Nummer Briefe aus dem Leserkreise, deren Schreiber angeblich dem heimischen Bekanntenkreise des Dr. Holle angehören und diese Auffassung immer wieder bestätigen. Auf solchen Schreiben baut man die kühnsten Hoffnungen auf. In den Kreisen hoher kirchlicher Würdenträger Berlins schüttelte man den Kopf über diese Ernennung eines homo ignotus. Man. hatte noch nie etwas von ihm vernommen. Aber in der Berliner Geistlichkeit behauptete man auch aufs allerbestimmteste, daß Dr. Holle ein durchaus ftren ggläubiger Ehrist sei — ganz wie sein Vorgänger: daß er ein reges Interesse für Kirchentum und kirchliches Leben bekunde — ganz wie Studt. Auch macht sich der hohen Geistlichkeit bei dieser Ernennung nicht im geringsten die nervöse Unruhe bemerkbar, die man bekundete, als von einer Ministerkandidatur Harnacks gemunkelt wurde — der beste Beweis für die Richtigkeit jener Behauptungen. Und dann: „in seiner Heimat gilt Dr. Holle nicht für klerikal." Dafür „gilt" am Rhein niemand, der nicht katholisch und Zentrumsmann ist. Die Worte „nicht klerikal" bezeichnen int Grunde nichts anderes, als das der neue preuß. Kultusminister nicht zu der Zenttums- klicke des Rheinlandes gehört, was sich bei einem evangelischen Manne von selbst verstehen sollte. — Aber der andere „Neue", Herr v. Moltke. Erst hieß es, im Tone trübseligster Resignation, er sei konservativ bis auf die Knochen. Jetzt flackert aber ein Hoffnungsschimmer auf. Moltke hat einen feiner Söhne Bahnbeamter werden lassen und auf einer kaufmännischen Festlichkeit in Königsberg einen Toast — um Mitternacht — gehalten, der ein hohes Lied des de ut- s ch e n Kaufmanns war und sogar einigeSpitzen gegen das Agrariertum enthielt. Auf Grund dieser Rede in später Stunde wiegt man sich in kühnen Träumen: „An dem Mann ist Hopsen und Malz doch noch nicht ganz verloren!" Immerhin sollte der Liberalismus eingestehen, daß in Berlin die liberalen Elemente wohl für gut genug gehalten werden, den Paarungsblock zu bilden, nicht aber, ihnen auch nur ein wenig cntgegenzukommen. Irrlichter auf Vern Sumpf. Von unferent römischen Mitarbeiter wird uns geschrieben : In Trapani auf Sizilien ist der frühere Minister Nasi mit einer Mehrheit von 200 Stimmen wiedergewählt worden. Alle gegen den Betrüger, der den Staat um 100000 von Lire schädigte, erhobenen und nachgewiesenen Beschuldigungen, mit denen sich jetzt der Senat beschäftigen wird, haben es nicht vermocht, ihm die Liebe der Trapanesen zu entziehen. Durch die Wiederwahl ist Nasi abermals auf eine Zeitlang der irdischen Gerechtigkeit entrückt, da er vorläufig sich wohl seiner Immunität erfreuen dürfte. Aber bezeichnend für die Zustände in Süditalien ist der Freudentaumel, mit dem Nasiis Wahl gefeiert wurde; Polizeipräsident, Bürgermeister und andere Notabilitäten hielten Ansprachen, aus Palermo waren etwa 1000 Personen zur Feier erschienen und am Abend erstrahlte die Stadt in einer feenhaften Illumination. Das Völkchen fragt dort nicht danach, ob jemand ein vollendeter Lump ist/ man begnügt sich damit, daß der Betrüger Nasi von seinem ergaunerten (Selbe viel für seine Vaterstadt geopfert hat, und das ist in den Augen der wackeren Trapanesen em Verdienst, das auch durch die schmutzigsten Skandalgeschichten nicht geschmälert werden kann. Angesichts solcher Zustände wundert man sich über nichts mehr. Aber selbst wer jahrelang die Entwieklung Italiens verfolgt hat, vermag jetzt einen Augenblick in seinem Urteil irre zu werden, wenn er die einander überstürzenden Sensationsnachrichten über kamorristische Verbrechen und Einflüsse, Korruption an den höchsten Gerichtshöfen und die Einzelheiten der geradezu abenteuerlichen Nasi-Tragikomödie liest. In der Kammer tobt der Kampf wegen des verbrecherischen Zusammenarbeitens von Kamorra und Polizei nicht nur in Neapel, sondern in ganz Süditalien. Interpellation folgt auf Interpellation, aber der unbeteiligte Zuschauer wird daZ Gefühl nicht los, als ob hier eine kleine Minderheit gegen eine Macht ankämpfe, die sich nicht als das zu et-fennen gibt, was sie wirklich ist, die selbst insgeheim mit tausend Banden in die Elemente verflochten ist, die sie bekämpfen soll, sich den Anschein gibt, als ob sie sie bekämpfe und doch durch ihre Trägheit, welche mit schuld ist, beschützt. Muten sie nicht als zwei ganz verschiedene, völlig getrennte Bahnen beschreibende Welten an? Das Italien, ivelches in Kammer, Presse und Cafe über die Verderbtheit der Verivaltung und andere moralische Gebrechen des jungen Königreichs debattiert, und das andere Italien, welches rauschende Maschinen in Bewegung setzt, schweigend die fleißigen Hände rührt und am Taunus beim Automobilrcnnen wohlverdiente Früchte seines industriellen Strebens und Könnens erntet? Ganz grob kann man ja unterscheiden zwischen dem Süden des Landes, der stiehlt, so lange bis der Diebstahl entdeckt wird, um sich dann, ein einziger, gewaltiger, gebotener Advokat, gegen die Entdecker mit glänzender Suade zu verteidigen, und dem 9iorben, Verarbeitet und nicht redet und Werte schasst. Als im Frühjahr 1898 in Mailand die Revolution aufflammte, ward ein Plan bekannt, der phaiilaslisch war, aber mit grellem Blitzlichte Lage und Gegensätze in Italien beleuchtete. Man wollte eine lombardisch -1ieinesische Republik gründen und sich voni übrigen Italien, das als Ballast empfunden wurde, loslösen. Inzwischen haben Regierung und Parlament Millionen auf Millionen für den Süden aufgebracht; das schöne feuerängige, aber kranke Kind Hesperien wollte inan mit aller Gewalt aufpäppeln. Aber die Auswanderung hält an, die Armut stirbt — außer in der von Nasi großmütig reich beschenkten Stadt Trapani — nicht aus, die Geheimgesellschaften rauben und morden, der „König" üon Neapel, Errieone, Kamorrist und Meuchelmörder, verteilt Nationalkokarden an die Spitzbuben und macht im Namen seines „Kollegen" Viktor Emauiiel III. gemeinsam mit der Quästur und der Präfektur die Wahlen. Und unter Giolitti pflanzt sich die Korruption der Gerichtshöfe nach dem Norden fort. Dieser Tage ist nun auch ein Regierungskommissär nach Genua abgercifi, um dort die Zustände bei den Gerichten einer Prüfung zu unterziehen. Am schwersten belastet erscheint der Landgerichtsrat Laporta. Anläßlich der jüngsten Börsen- krise in Genua und der gräßlichen Untersuchung, die sie nach sich zog, soll er sich schwere Rechtsbeugungen zuschulden kommen taffen haben. Aber siehe da! Laporta hat jahrelang in Palermo und Messina als Richter gewirkt. Die gegenwärtige Prüfung seiner genuesischen Amtstätigkeit ruft die Erinnerung wach an die mehr als zweideutige "Rolle, die er im Casfibi!.-Prozesse zu Messina spielte, wobei es sich um Millionen bar...! c. Em anderer, höherer richterlicher Beamter, der gleichfalls die kamorristische Schule des Südens durchgemacht hat, brachte Verwandte bei großen Handelshäusern unter, die gerade prozessierten und das größte Interesse daran hatten, eine Justitia zu finden, die auf einem Auge blind war. Zu diesen allen kommt, täglich ganze Seiten der Presse des laudeS füllend, die alles beherrschende Affäre Nasi. Rian glaubt sich in die Zeit der Räuberromantik zurückversetzt, wenn man die täglichen Enthüllungen über Nasis Flucht, Leben in der Verbannung und Heimkehr ins Vaterland lieft. Vertraute Freunde, die bis sehr hoch hinaus, reichen mußten, ermöglichten Nasi einst die Flucht auf dem Automobil nach der Schweiz, vertraute Freunde, die bis sehr hoch hinaufreichen mußten, sorgten dafür, daß die Geheimpolizei, die sonst die kleinen Diebe findet, das Nest nicht aushob, welches Nasi barg. Immerhin benützten Nasi und sein ehemaliger Kabinettschef Lombardo die Vorsicht, sich lange Bärte wachsen zu lassen, der Lombardo auch jetzt noch schmückt, während Nasi sich präsentiert, wie er als Minister wirkte, stahl, litt und die Flucht ergriff. 9iafi führte beständig einen geladenen Revolver bei sich, um bei etwaiger Verhaftung sich sofort eine Kugel durch den Kopf schießen zu können , — so erzählen jetzt die Freunde — Nasi hatte einen wahren Horror vor dem Gefängnisse, eine Abneigung, die er mit vielen Menschen teilt. Wenn man den Apparat betrachtet, den die Negierung gegenwärtig gegen die Korruption einschließlich 9la|"i§ aufwendet, so könnte man glauben, es ginge dieser wirklich an den Kragen. Allem die Erfahrung lehrt, daß gerade derartige Erhebungen, Untersuchungen, Drohungen sich stets als die zuverlässigsten Blitzableiter der öffentlichen Erbitterung, die sich hier bald genug verflüchtigt, erwiesen haben. Aus Studt und Lund. Abdruck unserer durch Korrcfpondenzzeicheu keuutlich gemachten Orginalartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Anz.) gestattet. Gießen, den 27. Juni. •• Ordensverleihung. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Schriftführer des Landesausschusses hessischer freiwilliger Feuerwehren, Gerichtsvollzieher Karl Vetzberger zu 9libba, das Ritterkreuz 2. Klaffe und dem Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr in Ortenberg, Alb. Söhnge in Ortenberg, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Die Großh. Hessische Gesandtschaft in Berlin, lieber die in verschiedenen Blättern enthaltene Nachricht, daß der Großh. Hessische Gesandte v. Neidhardt in den Ruhestand trete, ist, wie die „Darmst. Ztg." offiziös mitteilt, an maßgebender Stelle nichts bekannt. (Wir hatten von der Meldung, die alljährlich z. Zt. der Heuernte in bestimmten Blättern aufzutreten pflegt, keine Notiz genommen. D. Red.) ** Lebensretter. Ter Küferlehrling Joh. Elfi n g^e r zu. Worms hat am 21. März 1907 einen Knaben vom Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von S. K. H. dem Großherzog eine Geldprämie verliehen worden. ** Unsere Anlagen sind mit Recht der Stolz und die Freude aller Anwohner, gar nicht stolz braucht man aber auf den üblen Geruch zu sein, der dem Schoorgraben in der Süd-Anlage zunächst der Bleichstraße zur Sommerszeit entströmt. Durch Beseitigung dieses Mißstandes, die am besten durch Ueberdeckung des Grabens vorgenommen würde, könne untsere Anlage nur gewinnen. ** Ucber übermäßigen Hasenschaden in den Feldern auf dem Sand (am Rudererhaus) werden uns aus unserem Leserkreis Klagen mitgeteilt. Hoffentlich bedarf es nur dieses Hinweises, um die betr. Stellen zur Abhilfe zu veranlassen, damit den dortigen Grundbesitzern! kein unnötiger Schaden entsteht. ** I n v a l id e n - V e rs i ch e r un g. Nach § 42 des Jnva^ liben-Bersicherungsgesetzes haben weibliche V e r s i ch e r t e, die sich verheiraten, einen Anspruch auf Rückzahlung der Hälfte der gezahlten Beiträge, falls sie eine Rente noch nicht beziehen und mindestens 200 Wochenmarken geklebt haben, vorausgesetzt, daß der Antrag auf Rückzahlung innerhalb eines Jahres nach der Verheiratung gestellt wird. Wenn nun auch die Rückzahlüng dieses verhältnismäßig geringen Betrages besonders den Minderbemittelten bei deren Verheiratung sehr zu statten kommt, so darf man nicht verfehlen, sich darüber klar zu werden, welche Vorteile der jungen Frau durch die Rückerstattung verloren gehen, denn es erlöschen mit der letzteren sämtliche Ansprüche. Besonders in Arbeiter- und Handwerkerkreisen ist es durchweg der Fall, daß die Frau einige Jahre nach der Verheiratung entweder durch allzu anstrengende Arbeit oder durch die Sorge nm die mehr ober minder große Familie, oder durch schlechte Ernährung krank und erwerbsunfähig wird; wie schön ist es in einem solchen Falle, die Wohltaten der Invalidenversicherung, sei es durch Bezug einer Rente ober durch Behandlung in einer Heilanstalt ober dergleichen zu genießen. Diese herrlichen Vorteile kann sich die junge Frau aber nur dadurch sichern, daß sie, nach dem Austritt aus der Zwangsversicherung von der Weiterversicherung Gebrauch macht, indem sie sreiwillig weiter klebt. Tie Aufwendungen für die Weiterversicherung sind im Verhältnis zu ben dadurch zu erlangenden Vorteilen äußerst gering; es ist nur notwendig, daß innerhalb zweier Jahre nach dem auf der Quit- tnngskarte ersichtlichen Ausstellungstage 20 Wachenbeiträge der niedrigsten Klasse geklebt sind, bay ergibt eine Beitragsleistung von 10 X 14 Pfg. = 1.40 Mk. pro Jahr. Verzichtet also die junge Frau beim Eintritt in die Ehe auf die Rückerstattung der Hälfte der gezahlten Beiträge L ; s^u " bi- fcJ?** 4 ; AS"1* Umrunde bi®J bcm ?"■ d->b üi1“18* i™i>ti, hg" Hi«,. ,,n bl«6yen » - ■rbo di, m ?Ti Wi °«b°,dö S^* H rt, roie ,i nod) ;. 31«ii ü 's mimil« "b.i ItS^Mnb.g 5&Sii ®ntig«ng bie ”*n ■JsüS 9 5kGcht.gt, enoich» Lantz. 'Uzzeichca kenntlich :6en- k" 27. Juni. Se; si«igl. H°h. b,t •eti»«fab(SnuS|H(5 Gerichtsvollzieher Karl rcui 2- ^asje und bem euerwehr in Ortenberg, Silberne Kreuz des Ver» zen verliehen. : Gesandtschaft in nen Blättern enthaltene handle v. Neidhardt „Dannst. Ztg.' offiziös t§ bekannt. (Wir hatten Zt. der Heuernte in bc> keine Notiz genommen. iiserlehrling Joh. El. !ärz 1907 einen Knaben Als Anerkennung hier- ßherzog eine &elb> it Nedjt bet Stolj und d)t ftolj braiufjt man der bem Sdjoorgraben hsttM W 3omm«4« AMandrs, bie 9>taben§ Vorkommen Die Verunreini Dm Sonntag fand in Handel 93.7Ö | Elektriz. Lfthineyer . 116.00 Obeischles. Eisen-Indnstrie 100.10 93.70 4‘‘6 Couv. Türken von IdUJ . 189.40 93.70 Priuce-Hcun-Eisenbalm . 130.40 220.80 4l It 4?0 396 396 27.00 142.50 3157. ö% 315 7. 3% W!» Laurahütte . Lordd. Lloyd 118.50 104.50 220.10 191.00 130.20 203.20 223.50 83.65 93.85 83.70 92.70 94.00 98.60 99.20 93.50 . 83.20 . 63.50 . 96.90 Harpener Bergwerk Laurabütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . lilrkenlose . . , 222.50 . . 146.00 . . II . . 137.90 . . 203.00 65.80 66.10 90.75 ■6 Uesterr. Silberrente Ungar. Goldrente . . It ilien. Bente . . . Portugiesen Serie I Elektriz. Scbuekcrt . . . Eschwciler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Arncrik. Paket?. Harpener Bergwerk. . . Reichsanleibe do. Konsols . . do. Hessen . 202.00 . 224.30 . 26.90 . 115.90 . 139.— ‘ Törkeulose..... 496 Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 37» Mexikaner . 4>a70 Chinesen . . . Aktien: Bochum Guss .... Buderus E. W - Tendenz: schwacher. . 160.60 . 129.20 . 222.90 . 70.60 138.75 Berliner Handelsges . . 151.70 Darmstädter Bank 1*9.10 Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . Gottuardbahn . . Lombard. Eisenbahn Uesterr. Staatsoabn . 3>6 7o Oberhessen . . . 4 96 Uesterr. Goldrente. . Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, nütgetellt von der Bank 111 r und Industrie, Giessen. Frankfurter Börae 27. Juni. 1.15 Uhr. Berliner Börse, 27. Juni. Anfangskurse. Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwächer. pärllcher Bevölkerung laufen Das rhönische Hochplateau ist von allen Seiten mit dem Dagen zugänglich — Marburg, 23. Juni. Hier findet am 6.—8. Juli ein vom Gesangverein Liedertafel veranstalteter Gesangs- Wettstreit statt. Gegen 1800 auswärtige Länger haben ich bereits angemelüet und 40 Vereine aus Kassel, Gießen, Hanau, Frankfurt a. M., Mainz usw. werden sich int Wett j ui gen begegnen. Tie wettstrcilenden Vereine singen in vier Klassen im Musenmssaale, im Turner- und Säsloß garten. Tie drei Vereine, die tu ihrer Klasse die höchsten Punktzahlen erreicht haben, werden zum Ehrenklassensingen jugelassen. Namhafte Preise jind in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt worden. '21 ud) die Universität hat einen Preis genistet. Tas Prcisnchierkollegium be- teht aus neun bcrodqncn Fachleuten. Mit dem Gcjangs- weltftreit ist em dreitägiges Sänger t e ft verbunden. Bestimmungsgemäß hat nanuich jeder preisgeirönte Verein die Verpflichtung, önentliü) in der Fejthaile einen Ehor vorzutragen. Ten Teilnehmern an dem Längerfefte, das im übrigen volkstümlich ausgestaltet ist, stehen somit genußreiche Tage bevor. ... Portugiesen „ HI 4}67o russ.Staatsanl. 19ua 4>au/0 japan. Staatsanleihe rcintgung des Mainstroms. Aschaffenburg unter dem Vorsitz des Geh. Rcgierungsrates Frhrn. o. Ltein im Reichsamt des Innern eine vom Reichsgesundheitsamte, vertreten durch den Präsidenten Bumm, Preutzen, Baden und Hessen besuchte Konferenz statt. Tie Verhandlungen betrafen gemeinsame MVaßnahmen der Uferstaaten, betr. die Flußverunreinigung. Mit der Konserenz war eine Besichtigung der dortigen Weißpapierjabrit und jener in Ltockstadt, sowie eine Flußbereisung verbunden. ** In Amerika verstorbeneHessen. Frau Anna Maria anders, geb. Laubenstein, aus Nierstein, 74 Jahre alt, zu Brillion, W-isk. — Frau Magdalene Beriet, geb. Lenz, aus Bernsburg, 73 Fahre alt, zu Wallace, Lnt. ** V o n d e r B e r u f s z ä h 1 u u g. In einem Vogelsberger Torfe schrieb em Gewerbetreibender hinter die Frage: „Benutzen Sie in Ihrem Gewerve Arbeitsmaschinen usw. : „Frau und T o ch t e r." △ Mücke, 2b. Juni. Auf bent benachbarten Eisen- Eiu vheschcidungsprozetz. Nachdruck verboten. H. F. Berlin, 25 Juni 1907. Ein Ehescheidungsprozcß vescyäftigte heute die 34. Zivil- kamrncc des Landgerichts Berlin 1. Ter erste Sekretär der deutschen Botschaft in London, Geh. Legationsrat von Ecthardstein lernte vor mehreren Jahren in London das einzige Kind des Londoner Möbelkaufmanns Maple kennen. Letzterer, der vor einiger Zeit gcswrben iü, wurde der Londoner Möbcllönig genannt. i^r soll em unermeßliches Vermögen hinterlassen Haden, da- gänzlich der alleinigen (rrbm, seiner Tochter, zugefallcn ist. Tiese hatte dem Geh. Legationsrat vor etwa acht Jahr.n die Hand zum Ehebunde gereicht. Der Ehe ist ein jetzt fahriges Töchterchen entsproisen: doch war die Ehe nicht glücklich. Tie junge Baronin war nervös und mußte aus ärztliches Anraten em Sanatorium aussuchen. Tort lernte sie einen hübschen Arzt namens Tr. Williams leimen. Dieser soll den Ruf eures Schwerenöters 1-aben. Er ist unverheiratet. Zwischen der jungen Baronin und Tr. Williams soll sich ein innmes Verhältnis entspannen haben. Tas Paar unternahm vielfach gemeinschaftliche Vergnügungsreisen, wohnte und dinierte in den ersten Londoner Hotels, besuchte gemeinschaftlich Theater usw. Der Geh. Legationsrat stellte seine Gattin zur Rede. Tre Baronin aber bezeichnete die ganze Lache als böswilligen Klatsch. Ta aber, die Gerüchte mit immer größerer Bestimmtheit auftraten, so ließ Freiherr v. Ecthardstein dem Tr. Williams eine Herausforderung au f Pistolen zugehen. Tr. Williams lehnte jedoch die H e r a n s f o rd e r u n g mit der Versicherung a b, daß das Gerücht grundlos sei. Ties vermochte aber den Geh. Legationsrat keineswegs von der. Grundlosigkeit des Gerüchts zu überzeugen. Es soll zwischen den Eheleuten zu argen Szenen gekommen sein, sodaß Freiherr v. Eckhardstem eines Tages den Versuch unternommen haben soll, seine Gattin zum F e n st e r h i n a u s z u w c r f c n. Freifrau v. Eähardstem strengte gegen ihren Gatten veint Gericht in London wegen schlechter Behandlung die Klage auf „Separation" an. Inzwischen not Freiherr v. Eckhardstem, der vor einiger Zeit zur Tispositton gestellt wurde und in Berlin wohnt, beim Landgericht Berlin 1 die Ehescheidungsklage gegen seine Gattin angestrengt. — In der heutigen Verhandlung war Rechtsbeistand des Kmgers Geh. Justizrat Tr. Kempner, Rcchtsbeistand der Ehefrau Rechtsanwalt Tr. Robert von Simson (Enkel des ehemallgen Präsidenten des Reichstages und des Reichsgerichts. Tr. v. Simson bestritt die Zuständigkeit des Berliner Gerichts, da der Kläger nicht m Berlin wohne und auch nicht mehr exterritorial sei, denn er sei nicht mehr Mitglied einer Botschaft. Geh. Justizrat Tr. Kempner beantragte, eine Auskunft des Auswärtigen Amts einzufordern, aus der hervorgehen werde, daß der Kläger noch Mitglied des Universitäts-Nachrichten. — Znni Rektor der dentschen Universität in P v a g wurde Tr. August Sauer, Professor der deutschen Sprache und Litera- tue, gewählt. _ _ _ LamiUen-Nachrichten. Geborene: Herrn Lberlehrer Dreher in Friedberg ein Sohn. Verlobte: Frl. Bella Bachrach in Marburg (2ahn) nut Herrn 21. Sichel jr. in Schlüchtern. v _ r, Gestorbene: Herr Kirchenrechner Konrad Knllmann in Ober-Mockstadt. Herr Philipp Schleicher m Tauernheim. Herr Landwirt Richard Moscherosu, ui Burg-Graienrode. steinbergwerk in ter Gemartung Ilsdorf „Luse" verunglückte ein junger Bergarbeiter aus Flensungen dadurch, daß ein Erdklumpen aus den Wagen fiel, aus dem er stand. Ter Bergmann stürzte zu Boden uno bvach den linken Unterschenkel. 88 A u s d e m O h m t a 1, 26. Juni. Taß man zur Zeit der Heuernte friert und zur wärmeren Bekleidung greifen muß, ist doch eine meteorologische Seltenheit, die nicht alle Jahrzehnte auitrin. Ter ganze Juni verureicht, olync bay selbst her abgehärtetste Junge cm Flußbad nehmen kann. Aus den Wiesen lagert das Heu ausgebreitet oder gekegelt, aber an em Dörrmachen ist seit dem Beginn dieser Woche nicht zu denken. So verliert das mächtig gewachsene Heugras seine Farbe und seine Qualität. Auch im vorigen Sommer war der Wettcr- charakter nur beständig im Wechsel, aber der Landmann vermochte dessen ungeachtet gutes Heu zu ernten, was gegenwärtig aber nicht möglich i|t. Wenn das Wetter sich nicht halb zum guten wendet, erleidet die Heuernte großen Schaden. -s- Angers buch, 25. Juni. Tas diesjährige Missionsfest im Dekanat Lauterbach findet am 12. Juli hier statt. Die Vorbereitungen hierzu find in vollem Gange. Der Gottesdienst beginnt vormittags 10 Uhr. La ndenhausen, 25. Juni. Gegen das Urteil des Kreisausschusfes des Kreises Lauterbach vom 30. Mai d. Js., das die Wahl des mit 61 gegen 60 Stimmen zum Bü rger meist er gewählten Hch. Kühl II. für ungültig erklärte, wurde heute seitens deS Anwalts der unterlegenen Partei NekurS an den Provinzialausschuß eingelegt. — Alsfeld, 26. Juni. Ter Tuberkulose-Ausstellung, die in Gießen von über 8000 Personen besucht war und oie sich gegenwärtig hier befindet, wird überall großes Interesse enlgegengebracht. Am vergangenen Sonntag wurde sie von dem Präsidenten des Kais. Gesundheitsamtes in Berlin, Tr. Bumm, und von dem vortragenden Rate im Reichsamt des Innern Frhrn. v. Stein unter Führung des Geh. Regicrungsrats Tr. Tietz besichtigt. Tie genannten Herren sprachen sich höchst anerlennend über das Gesehene aus und'es besteht die Absicht, gleiche oder ähnliche Einrichtungen für ganz Teutschland ins Leben zu rufen. Tie Gesamtbejucherzahl ist nunmehr weit über 60 000. Fu 1 da, 26. Juni. Nicht bic Lüneburger Heide unb nicht die Eisel, sondern bic viel zentraler gelegene Rhön kommt an erster Stelle inbetracht bei Anlegung der vom knierliajen Automobilklub beschlossenen künstlichen Rennbahn. Hiesige Behörden sind nut Ausarbeitung diesbezüglicher Pläne beaunragt. Die Streäe zöge demnach über die hohe Rhön, Wasserkuppe, Tann, Nüslerrasen und würde fast nur auf der Landstraße bei diplomatischen Kvrps, mithin ertemtprifll sei. ferner General v Rabe und Rentier S Gretor als Zeigen zu laden die nicht bloß bekunden werden, daß bic Beziehungen der Beklagten zu Dc. Williams zu einem öffentlichen Skandal m London .1 Matz gegeben haben, wnbern auch, daß bic Beklagte und -tr Williams in Londoner und anderen Hotels in einer Wene gelebt hoben, daß jebee Zweifel bemqlick ehebrecherischen Verkehrs aiisgesch.'-sicn ei. - Der Gerichtshof gab diesen Anträgen statt unb vertagte bic Verhandlung _________ Arbeiterbewegung. KB. Darmstadt, 26. Juni. Zur Beilegung des Streiks der M ö b e 1 t r a n s p o r t c u r c sollte heute vor bent Gewerbegericht eine Verhandlung staimuden, die aber r e s u l l a t l o s verlief, weil die Aibcugebei eine Verhaudltuig ablehnicn, angebhd-, weil die Streikenden sich iingebuhrlich benommen, besonders die Arbeitswilligen belästigt hauen, ^as Ge- iverbegcrichi Hai nun vorgefchlageii, das Euugungsamt als solches anjurmen, da an Beilegung dieses Streiks iveite Kreise der Bei'o!leli:ua inieieNuii '.nd. — ^vomnm. )asenschaden in den dererhaull werden unv itgeleilt. hossenllich bc» )ic betr. Stellen zur Abdorligen Grundbesitzen! ltg. M § 42 bes W ^KtieSeriidjerlc.bie ii Mzahlung der W Rente noch nicht bcuei n j ebt haben, vorausgeietzh M s alb eines ^hns nach K Sä* «SO HMD nüu et heilanM indlM tn jann n4 ?rfl gering, es '. £luu- ' nach bent j Lge der ergibt eine < t fll|0 di SW ZSs-r Irieiverke^IghchM WW HW \V- ginller ($1 s 4t, LS a o Ift) O ia> E = er o e c s cz> c- er o- c R. ro «1 er o - irv K) P 5 to er— (Di s er» s> s p T r-, *-• Uu <3^0 CT-^ o = n er - er § r~. F S »3. er S> to efr-.er S>’ l'J.Z’) .°°»e -So' - l.s^s P ttu 1 Ko- p. p§-

« , O ’ o,® X’ 2 o—2° - 0,2’° 5 ** 3 2 e r-, ° o> — n cr>c er - n s © s c: ^"2.2.= O o to"5. = p H & 3 2. ~ 2- ~ 2, 'n •D'tjt'" »SÖS4 5 o* er p u - (Di er s er(D>-^ ct — — © - er2 «• LP" *2.: -er: •s WO c?'“' = 2^2. iS 2 ©■ • •^erZer '=’" erro p sa o •— “ _-,Z.'or_ — Pf 2 v *' —T 2 cr> en £.0^2 = -•« r2 '-•a-w- - _ e M SA' r n _ =r>&*- - " er- 2 2 -T<= - 2 “ ’r-. * —■5' O ° ~ O - - _c s ern 13 «Jb n ' --- 4 • n to—. n, ! ~ <3-„ « 77 P = Sf WZ .o — = 5 s s __-O- -e. r-, _ c e c Ls-S- - = »i o' = 2 w L WO1 ° «a» 2Hp n di — rs — — s- — iS «-« _ <-> er—tEi‘e(— S 2 S. _ 'A"—, - —,5. A i cs — o — c** e** 1 s c5 ■»' © ™ -! 3 ~ P “-c22ssSc' 2,5-0 - = = o 2 0-2 0 =■ So raj-. ** iS o-2" & CO S a- $5 - S 8' isblatt für den Kreis Gießen Garanfcirt chlorfrei SS «/a Denkbar* grösste Auswahl! BilSEgste Presse! Komplette WohnungS"EinHchfyngen in allen Preislagen stets fertig aufgestellt am Lager. Besichtigung meiner Läger ohne Kaufzwang gerne gestattet. Eigene Schreiner-, Polster- und. -. 3Dekorations-Werkstätten /. Lieferung durch eigenes Fuhrwerk frei ins Haus YollständigerAnsverkan des BIöbel-FabrMagers n. Äasstathmgs-Seschäft Peter Kranenberg | Telephon 388 GIESSEN Kaplansgasse 18 Mich W» g i t ;b W näend ? ' V weisse Wäsche 1 z; im Laden des Herrn Cha liier am Neuen weg. ;ÄWJoh.Vaillant Remscheid gmamtascheid peualfabrikfarQas-ßadeöfen. L ill 0*3 werden an allen ^-kläkrn oam- \ 7\ haffgemachi Neues Stadttheater. Gesamtgastspiel des Frankfurter Opernhauses am Freitag, den 26, Juli Figaros Hochzeit Komische Oper in 4 Akten von Mozart. M Der Verkauf der Plätze beginnt Donnerstag, den 27. Juni W Heute eingetroffen. Feinste neue Matjes-Heringe »er Stuck 9 Pfg. [04438 neue Kartoffeln y. Pfd. 10 Pfg. neue dttiicbcht ». Pfd. 11 Pfg. C. liotii 11. Sachf. Walltorstr. 5 Teleph. 322 । mit ( Wohnung L befindet sich von he heute ab in 3962 Schloßgaffe 19 — L< Telephon 305. Brüder Schmidt Süßrahm-Butter sowie [4230 Gewerbebank zu Giessen Giessen, 21. Mai 1907. Koche aus Vorrat Meck's Apparate u. Gläser Krumeich's Krüge Ideal-Gläser Meine und Hofgut-Buiter stets frisch empfiehlt H. F. Nassaner. Neuenweg 15. Kreisstraftenmeisters Listmann, Gießener Straße 4 (neben dem Postamt). Abfahrt zur Teilnahme am Fesizuge 2 Uhr 18 Min. Sonntagskarte. Um recht zahlreiche 'Beteiligung bittet Der Vorstand. — seit Jahren bewährt — empfehlen v97fi ASIeFarben trocken und extrafern in Oel gerieben, Möbel- und Fuhboden-Lacke, Pinsel und Mal- utenstlien jeder Art kauft man am betten und billigsten in der Germania-Drogerie öae*8 Seihe® 8959 Frankfurt. Str. 39 Telephon 593 NB. Farbengesäfte gratis. Ber Vorstand der Gewertet zu Giessen. LOOS- Walther. M o e s e r. O F , ss Es wird um als- *• ?• w baldige Rückgabe der entliehenen Bücher u. Zeitungen gebeten,- eoem. bezüglich der ersteren um Erneuerung des Scheines. [B27/« Täglich frische Erdbeeren stets zu haben. (4023 I. Hankel, Neuen Baue 7. Neue Kartoffeln prima Qualität empfiehlt billigst [4213 J. Weisel, Sonnenstr.6, Tet.235 WMLnMkr bei Ballen Mk. 1.05 per Pfund so lange Vorrat [4042 Jakob Maternus Älinikstrahe 22. Die gestern ofierierten W Fische fallen besonders schön aus, wir entpsehleu noch feinsten, blutfrischen Cabliau per Pfd. 25 Pf., int Ausschn. 30 Pf. Hochachtend [a ’■% Gebrüder Berdux SPtzenems GikKn. Das Probeschießen für das Prciöschießen des Gaues Hessen-Nassau findet kommenden Freitag von 4 Uhr ab auf allen Scheiben statt, dagegen fällt das Tages-Schießen kommenden Montag, aus gleicher Veranlassung aus. Dampfmolkerei Gießen Jac. Persyn [04430 Schanzenstr. 14 u. Lindcnplaß 8 empfiehlt lägt, frisch in bekannter, vorzüglicher -Qualität feinste Ziltzruyisdutttt sA prima Safgntbnttrr TÄ Gebrüder Kaufmann, Seifenfabrik Marburger Strasse. Telefon 335 gg^i —-------- Bestellungen zeitig' erbeten.-- In der ausserordentlichen Generalversammlung unserer Bank vom 14. Mai er. wurde der Besehlms gefasst, den Betrag des Geschäftsanteil« von Mk. 500.— auf Mk. 1000.— zu 2[!her .W!5d dle ^fallende Dividende auch auf die Geschäftsguthaben von mindestens Mk. 500 - m bar ausgezahlt und bleibt es dem freien Ermessen der Mitglieder über- tesen, das Geschäftsguthaben über den Betrag von Mk. 500.— hinaus bis zum festgesetzten Betrag des Geschäftsanteiles von Mk. 1000.— zu ergänzen. & Indem wir diesen Beschluss zur allgemeinen Kenntnis unserer Mitglieder bringen be- merken wir noch, dass Vollemzahlnngen der Geschäftsanteile, die noch vor dem aDn™S®re^ KaS8e geleistet werden, ausnahmsweise schon an der diesjährigen Dividende und zwar vom 1. Juli er. ab teilnehmen. la. weifte Kernseife bei 5Pfd.29V° Pf., bei 10 Pfd. 29 Pf., la. gelbe Seife [4220 bel5Pfd.28'/r Pf., bet 10 Pfd. 28 Pf., Sa. weifte Schmierseife bet 5 Pfd. 19V, Pf., bet 10 Pfd. 19Pf., in schön. 10 Pfd.-Zinkeimern 2 2)tf. Sa. gelbe Schmierseife bei 5Psd. 18V2 Pf., bet 10 Pfd. 18 Pf., i. schön. lOPfd.-Binkeimernl,90 L>dk. L. Steintiäuser, Neuen Baue 17. Seltersweg 27. nut Nachglanz, rasch und hart trocknend, eleganter, dauerhafter Anstrich in 8 Farben Oelfarben, Lacke, Pinsel Füsstoogjgm-Qeae Parkettwichsc, Stahlspähnc empfiehlt in bekannter Güte Adolf Bieler [3912 Viktoria-Drogerie Marktstr. 5. Eine große Partie Tapeteu-Keste hon 5 bis 20 Rollen, fast nur bessere Qualitäten und moderne Muster, 3982 weit unter Freis. Hemrick Hochstätter. Bad-Nauheim. 34. Turnfest des Sams heffeu ~ ZO., 30. Juni und 1. Juli 1907. eew Ium, abends 8 Uhr: Kommers aus demFestplatj, (^mngsvortrage, Turnerische Ausführungen. Sonn- ■9 Konzert auf dem Festplah, nachmitt. d/e Stadt nach dem Festplais, daselbst Festrede, n V ^trsbemsttgungen:c., abends Preisoerteilung, Tanz. 1.Juli: EmzelwetUtrnen,Konzert,Festzug, Juxplatz,Turn- imb Jugendsptele, Tanz, «vestpiatz, ca. 20000 am grob, wird durchweg elettruch beleuchtet. Ausfuhr!. Programm enthält die Festzeitung. Zu reger Betetltgung ladet höflichst ein der festgebende Turnverein Bad Nauheim. Verlosung und Volksfest Robert Stahl" Neustadt 21/23 Ol 20., 21. Uttd 22. Juli 1907. empfiehlt zu billigsten Preisen: [3809 »ÄÄÄZt Sommer-Hemden und Hautjackeu St© Touristen -Hemden, Unterhosen, Socken aefiafeTfutotacnfü“e,:una Mui a,,1'at Das Komitee^”' Frauen- und Kmderftrümpfe. ---------- Fernsprech-Anschluß Nr. 33 -------- Hungen, 25. Juni 1907. 4222 Sandmann, Rechtsanwalt. Bad-Nauheim. '| Wetterauer Keflügelzuchtverein I Sektion Bad-Äauheim. II. große allgemeine HeMgei-| und Kaninchen-Ausstellung j sowie Jnnggeflügel-Schau verbunden mit W =3 Jllomioolrons-Läfflpohen Lackfarben werden zum Universitätsfest geliefert, auch alte frisch gefüllt erteilt gründlichen Privat- unterricht im SeßiiiMkll vou pstWjill? Schriftl. Angeb. m. Honoraranspr. u. 04608 an den Äieh. Anz. erbet. Fein- u. Glanzbügeln erlernt man in 4 Wochen gründlich. Da« selbst wird aller Art Wäsche zum Bügeln angen. Walltorstr. 2, II. ______________03933______________ pich hami kjggchellt wert 91611] ____________Lahnstraße 5. Kapitalgesuch! Kür 2. Hypothek mit 75000 Mk. zu gutem Zinsfuhe von solidem Geschäftsmann bet prima Sicher' leit. Offerten unt. R. S. 10 an Rudolf Mosse, Frankfurt a. M, erbeten._______________________Iss-/* Mahl Häku des Ustr. v.