ili ü i i),< f k I ie Nr. 199 Zweites Blatt 15V. Jahrgang Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Die ..Siebener Familienblatier" werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigclegt, das „Krcisblah für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Montag 26. August 1907 AA Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen AniversitätS - Buch- und Steindruckerei. H R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei! Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^^N2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Ans Nusjlnnd. Petersburg, 24. Aug. Als Termin für die Du m a w a h l e n in Petersburg und Mos Lau ist der 28. Oktober festgesetzt worden. — Tie r u s s i s ch e u n d j a p a n i s ch e Negierung beschlossen, ihre Gesandtschaften in Tokio und Petersburg zu Botschaftern zu erheben. Odessa, 24. Aug. Ter Matrose Matuschenke, der Führer der Meurerei auf dem Panzerschiffe „Fürst Poiemttn" im Juni 1005, der nach der Rückkehr aus Rumänien unter falschem Namen in Nikolajew lebte, wurde hier verha s t e t. _______ _ Defterreich-Ungarn und Italien. , Semmering, 24. Aug. Titton: empfing heute voö- mittag den Vertreter des Wiener Korrespondenzbureaus, beml gegenüber er seine außerordentliche Befriedigung zum Ausdruck brachte über die Haltung, die die ößerreichi,ck)-ungarische Presse ohne Unterschied der Parteicichtung seinen, sowie des Freihcrrn von Aehrenthal vereinten Bemühungen gegenüber an den Tag gelegt habe, das Verhältnis zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien zu einem v e r t r a u e n s v o l l e n und d u r ch a u s h e r z- tichen zu gestalten. Auch über die Liebenswürdigkeit und Wärme des ihm nicht nur vonseiten der offiziellen Meiste sondern auch von der Bevölkerung überall bereiteten Empfanges Mach Litton: m Worten herzlicher Dankbarkeit. In gleicher Werse sprach Tittoni auch den Vertretern der Wiener Presse, Die er zu gleicher Zeit empfing, seinen Tank aus, indem er den Wunsch zum Ausdruck brachte, die österreichisch-ungarische Presse möge fortfahren, die Bestrebungen zur Herstellung eines durchaus vertrauensvollen Verhältnisses zwischen den beiden Nachbarstaaten zu unterstützen. $^en, 25. Aug. Tas „233 : en er F re m d c n b l a t t" schreibt: ^er ungeivohnlich warme Empfang, den Titwni go, schtden hat, wird für ihn eine Ermutigung sein, auf dem, eingeschlagenen Wege auszuharren und wird sicher auch vontt italienischen Volke als ein Z e i ch e n u n s e r e s freundschaftlichen Willens aufgefaßt- Tic Wiederausschaltung jener künstlichen Hemmungen, die bald durch die Leidenschaftlichkeit voii Gefühlsoemagogen, bald durch Absichtlichkeit von Pfeudopolitikern m unsere Beziehungen eckigeschaltet worden waren, bckdete ein- schweres Werk für die loyale, verständige, unermüdliche Staats- kunst, das aber , heute mit allen Anzeichen des endgültigen Erfolgs gelungen ist, ohne daß in Tesio oder am Semmering ein konkretes Abkommen getroffen worden ist. Fest und treu, stehen Oesterreich-Ungarn und Italien auf der Basis des D r e i - dleserFignr vermenschlichenden Spiele, das Darauf ausging, ihr Wesen 1 begreiflich, logisch, janahezu verzeihlich zu machen. Herr Kirch > dagegen erschöpfte die schwierige Rolle des Dr. Schön erheblich eher. Sein Toi: war durchweg der deS Bändigers der „blonden Bestie . Er bemühte sich nicht iveitcr um eine Verinnerlichung, °ie auch nur die Unzulänglichkeiten der Wedekindereien auibccfcn mußte. Er veräußerlichte, wie meistens, und das ivar hier das Rechte. Der Uebergang zurBersklaverung blieb allerdings in seuierDarslellinig völlig unverständlich. Den charakterischen Linien der Wedekindsehen Kunst am nächsteii aber kam Herr Bayrhammcr als der alte Schigolch. Im ganzen jedoch fam eine Ausführung heraus, in der dem Wedekmdschen Geiste das Burleske fehlte, imö so war c5 öemi natürlich, daß bei Dem ivohlerzogeiien Frank'urler Publckun: ent starker Beisall das Zischen sehr wesentlich übertönte. P. W. Eine Hinrichtung zu Frankfurt im 15. Jahrhundert. Tie im Besitze des Begründers des Sprudelöades Vilbel, Derrn Earl Brod befindliche Burgruine Vilbel ruft in diesem Monat denkwürdige Erinnerungen toach In den Jahren 1412—1416 war der damalige Burgritler Bechtram von Vckbel Frankfurteo Stadthauptmann gelvordcn- Er Eountc aber sein altgewohntes Räuberhandwerk nicht lassen- Ernstliche Drohungen vonseitei: Frankfurts, das ihm zum Zweck seiner Rechtfertigung Geleite gab, bewogen ihn im August 4420 zu dem Versprechen.- „Daß er ir vnd der ircn vird der gemeinen Straßen schonen wold vnd daruff utt grifen oder schedigen, sunderlich, die Geste vnd Kauflude". Aber schon auf beni Heimwege fangt er^ sein Versprechen vergessend, den Conrad Schwarz, genannt Schwebele, Diener des Handlungshauses Ulrich Arzt aus Auyvburg und schleppt ihn nach Neufalkenstein. Tort nötigt er diesen, einen Brief an seinen Wirt nach Fwantsürt zu schreiben, um Geld zu verlangen,- aber der Wirt zum Einhorn hielt klüglich damit zurück- Wenige Tage nach diesem auf offener Straße verübten Gewaltstreich, am 2 6. August 1420, reitet Bechtram zu einer Unterredung mit den: Grafen von Eatzenelnbogen nach dem Hain- Auf dem Rückwege fallt er gegenüber dem Gutleuthof aus dem linken Main- nfer einen Kaufmann Hans Ducke an; der Stadt Söldner, die chon aus Umlauern, setzen schnell Durch den Fluß, warfen ihn mrt zwei Knechten nieder und bringen ihn gefangen naci) Frant- urt« Aus dem Gefängnis muß er alsbald folgenden Brief an eine HauLsrau schreiben, um Die Loslassung des Schwebele zu bewirken: ,,^er „Der erberu Elsen von Vilwyl miitcr nun „lAhuen srunllichen Gruß zuvor, libe HußFruwe ich laste Dich wißen, daß mich die von Frankfurt gefangen bau, Darbnt so heißen ich Dich, du stiehest den Gefangenen daz Schweden: von stund vß, vnd lassest in laufen. Den ich wol er- unden han daz ich mit ime noch er mit mir nit zu schicken hat, iZstöu daz Dult, so mir lib ist- Geben unter mein Ina eß: off den Montag, nach ot Bartholomäus zum war-eichen jo sende ich Trr die eigen Jngeß." Ter Gefangene ward ledig gegeben und schon am folgenden £ag den 27. August ließ der Rat in Frankfurt Den Bechtram Don Vilbel^iiut seinen zwei Knechten tzinrichien- Auf der so- guiuiiiurn SchMt vor Lvr wur ein schivi Zedetinds „Erdgeist" im Frankfurter Schauspielhaus. Im Frankfurter Schauspielhanse erschien am letzten SamStag rs den weübebentenben Brettern der Erdgeist. Nicht der ans Dem oetheschen Faust, der Dem Mensck)en zürnst: „Du gleichst dem Geist, n Du begreiist, — nicht mir", sondern Der Frank Wedekinds, eses wunDerlichsten Unheiligen der modernen deutschen Literatur, och auch sein „Erdgeist" richtet einen ähnlichen Zuruf an ein eraturunkundiges Publikum. Au ein Publikum, das dem Aden- nerium, Der moralischen Verworfenheit einer glücklicherweise rschwindend geringen weltstädtischen Minderheit ahnungslos gegen- er steht; unb das Wedekind, dies bizarre, kraflgeuialische, imcm§- ijorene und wohl auch nie ausgärende Unikum des Deulschen irnasses, nic()t kennt, geschweige denn e r kennt, durchschaut. llnD doch gt Dem, Der offene Augen hat, schon der Prolog Dieser burlesken Lragbbie", was Darin, um mit Grabbe zu reden (Dem Wedekind ahlverwaudt ist), Scherz, Ironie, Satire unb tiefere Bedeutung ist. lesen Prolog, Den vor Drei Jahren bei einer Berliner Aufführung edekind selber sprach und der Die mittelalterliche HaiiSivurstkoniödie ffnscht, versetzte Dem Frankfurter Theaterpubliknm Herr Pfeil. ■ rotem Frack und martialisch hergerichtetein Schiiurrbart erschien vor Der Rampe. „Herrreilispaziert, meme Herrschaften I", und mit ilscheu- unb in Pistolenknall betlamierte unb phrasierte er mit »ist unb Würde, statt in marktschreierischer Artistenart, Webekinbs rse, iii Denen u. a. die immer wiederkehrenben Gestalten diese austiere", unserer Durchschnittsbühnenliteratur mit den „Haus- oen" im Parkett, also dem Theaterpublitum, so freutidlieh als chmackvoll verglichen werden. Die „Schlange" seiiier Akenagerie, Darstellerin der weiblichen Hauptrolle seines Stückes, wird U)renbDefseu in schimmerndem Pierrotgewande als bas ivahre :r, bas ivilde, schöne Tier", von einem „August" hergetragen. Unb bann kommt bie „Traaöbie". Drei Liebhaber bleiben r ber Strecke. Vom Weibe zu Tode gehetztes Wild. Den erften rft der Schlag, ber zweite schneidet sich Den Hals mit dem isiermesfer durch, unb deS Dritten Leid enden fünf Nevolvertugeln. v Herr Chefredakteur Dr. Schön hat sein Schätzchen, dessen kaiintscha't er einst dadurch machte, daß er des Kätzchens Samt- uchen in seiner Tasche bemerkte, als sie ihm seine Uhr slibitzeti Uten, an einen Eheherrn gebracht, den alten Medizilialrat . Goll, Der Lulu mit dem Maler Schwarz überrascht. Goll bt aus Groll am Schlage. Als Golls lstachsolger sieht Schivarz d fürchterlich schwarz die Zukunit vor sich liegen unb schneibet । ben Hals ab. Nun erst beußt sich Schön unter Lulus Ehejoch, in Sohn verliebt sich in die Stieimutter unb bie schotte Frau )ön begeht einen kleinen Gattenmorb. Das ist bas Enbe. Das 131, nur das Ende des „ErbgeislS". Die Fortsetzung dieser 5nen Geschichte voller Schreck unb Dreck unb Granen, „bie Aste der Pandora", bie man vor ein paar Jahren gesträubten ares in ber „Insel"Bierbaumslas,zeigtLuluzuerstalsHochstaplerin Salon unb zuletzt als Straßenbirne, Die ein Opfer Jacks des fschlitzers ivirb. Erfand ©ne, ber längst mit Recht Vergessene, atz gleich Gräßliches unb Greuliches, über bie Massen Ab- uliches? Aber der Prolog deutete ja schon an: O ihr Leute v heute,. tvaZ M tz.hr doch MA! Sctu Mr nchM ihr has Leben ernst! DaS Leben ist eine Burleske, seht ihr das nicht? Ironie, das ist der einzig richtige Standpunkt, Denn wahnsinnig verdreht ist der ganze Weltlauf; unb auch mich nimmt niemand von euch ernst, obwohl ich euch bie Tragödie des Mannes von beute vorführe. Denn das Weib, ober vielmehr die Dirne regiert ben Mann, und so die ganze Welt in unserer schönen Zeit der sogen, hohen Kultur, in dieser Blütezeit edler Geistigkeit. Ach, chr lieben Brüder, noch immer, und wohl immerdar bleibt cs doch wahr, daß „aus Gemeinem ist der Mensch gemacht". Niedriger Erdgeist macht uns untertan der Sexualität. Wir sind unsern geschlechtlichen Trieben rettungslos verfallen. Sie versklaven uns und peitschet: und vernichten uns. Das Leben ist eine gemeine käufliche Dirne voll roher Grausantkeit, wenn auch oft zu schauen oden der Akte von Algeciras zu verharren, ist bei den Monarchenbegegnungen von Swinemunde, Wil- ^elmshöhe und Ischl ebenso wie durch die Unter* cedungen bei dem Empfange des französischen Ministerpräsidenten Clsmenceau durch den König von England neu gefestigt worden. Das gleiche ist von den Besprech- rngen des Reichskanzlers Fürsten v. Bülow mit )em französischen Botschafter Cambon zu erwarten. Es regt sonach nicht der geringste Anlaß zu der An- rahme vor, Frankreich wolle sich über die in Algeciras rbernommenen Verpflichtungen hinwegsetzcn. Abgesehen -iervon aber scheint uns die in einigen Blättern auf- ;etauchte Vermutung, die französische Regierung plane die Eroberung Marokkos, angesichts der Tatsache inigermaßei: absonderlich, daß die gesamte Streitmacht, >ie General Drude zu befehligen haben wird, auf h ö ch - rens f ü n s t a u s e n d M a n n gebracht toerbiyt soll. Daß nit einer solchen Truppenmacht Marokko „erobert" werden onnte, dürste nur jemand glauben, den: die Verhältnisse ftefes Landes, sowie bie Natur seiner wilden Bevölkerung gänzlich unbekannt sind. Ucber die Lage in Marokko liegen uns heute folgende Neidungen vor: Paris, 24. Aug. In einem Telegramm vom 23. Aug. >er:chtet Admiral Philibert: Die politische Lage n den Küstenstädten ist anscheinend ruhig. 0ie Stämme scheinen weder für noch gegen Muley Hafid wartet genommen zu haben. Die Aufklärungsritte vor Casa- >lanca wurden sechs oder sieben Kilometer weit ausge- .ehnt, ohne daß man auf Widerstand stieß. Die einge- orenen Schützen töteten eine Anzahl Marodeure. Der ö-esundheitszustand der Truppen ist ausgezeichnet. Casablanca, 24. Aug. Die spanischen Drup- >en haben die Stadt verlassen und suchen einen essenden Platz für das Lager, da sie nicht nach der Stadt urückkehren werden; sie gehen Hand in Hand mit den Franzosen vor. — Von Kriegsschiffen befinden sich ter die Panzerkreuzer „Gueydon" und „Gloire", der Tor- edobootszerstörer „Cassini" sowie die spanischen Kreuzer Älvarode", „Bazan" und „Rio de Laplata". — Gestern bend wurden zwei Mauren, die man für Diebe hielt, rschossen, als sie die Stadt zu betreten versuchten, ümpfe sanden nicht statt, auch wurden Schüsse nicht gehört. Der französische Transportdampfer „Vinblong" kam tit 120 algerischen Freiwilligen, einem Bataillon Scharf- chützen, 150 Pferden sowie großen Vorräten an Munrtion nd Nahrungsmitteln an. Tanger, 25. Aug. Zahlreiche Privatbriefe bestä- igen die Ausrufung Malay Hafids zum Sul- a n, er soll bereits Minister ernannt haben. Man laubt, daß er die Proklamation nur angenommen habe, m zurzeit dort für die Siuhe zu sorgen und die Stämme t seinem Gebiet in Ordnung zu halten. San Sebastian, 25. Aug. Die spanischen Konsuln in n marokkanischen Häfen haben dem Minister des Aeußeren ftegraphisch mitgeteilt, sie hätten Nachrichten erhalten, daß Lulay Hafid auf Casablanca marschiere. London, 25. Äug. Hiesige Blätter berichten aus anger, daß der neue Sultan einstimmig von den erschiedenenStämmenproklamiert worden ist. icser lehnte die Wahl ursprünglich ab, gab aber schließlich un anhaltenden Drängen nach und erließ den Befehl, . Katholikentag. Würzburg, 25. Aug. In der festlich geschmückten Stadt begann heute vormittag der 54. deutsche Katholikentag mit einem feierlichen Gottesdienst im Tom. Mittags folgte ein Festzug von Arbeitervereinen, an dem 300 Vereine teilnahmen. An den Festzug schlossen sich in vier Sälen Versaminlungen für bie Teilnehmer an. In den Versammlungen erschienen, von lebhaftem Beifall be- seine Ernennung in der Moschee bekannt zu geven. Dies ist bisher nicht geschehen. S p ä t e r w i r d e r i n Fe z feierlich zum Sultan gekrönt werden. — Der Observer versichert, daß man an maßgebender Stelle von einem angeblichen Angebot Raisulis Mac Lean preiszugeben gegen Sicherung seines eigenen Lebens nichts wisse. Paris, 24. Aug. Aus Tanger wird gemeldet, daß Mulay Hafid von den Stämmen in der Gegend von Marrakesch seit dem 16. August feierlich zum Sultan ausgerufen worden ist und einen Hof eingerichtet hat. Als sein Kalifat bezeichnet er Fez. Sein Bruder, Mulay Mohammed, wird augenblicklich vom Sultan in Gefangelischast gehalten. Die Europäer, die Fez heute verlassen, werden am 30. Aug. in Larasch sein, und bitten um die Entsendung eines Kriegsschiffes, das sie aufnehmen soll, politische Tagesseharr. Franzosen unb Spanier. In der Marottoasfäre liegt der Akzent des Tages auf dem offenen Gegensatz zwischen ber Taktik Spaniens unb derjenigen Frankreichs. Tie „Tisch. Tagesztg." meint, daß bei der Zurückhaltung der Spanier Wohl eine gewisse nationale Abneigung mltspreche, die in der Geschichte beider Völker begründet sei. Für die Entschließungen ber Madrider Regierung ist dieses Moment schwerlich mitbestim- mend, sie sieht wohl einfach, wie andere Leute auch, mit jedem Tage mehr, daß das Vorgehen Frankreichs in Marokko sich zu einem Abenteuer auswächst, von dem der Verlauf und die Tauer ebenso ungewiß, wie die Kostspieligkeit gewiß ist. Herausschauen wird für Spanien aus dem ganzen Marokkohaildel nichts, denn ber „große Bruder" in Paris hat nur seine eigenen Interessen im Auge. Zu dessen Nutzen sich in Unkosten und am Ende gor in diplomatische Verwicklungen zu stürzen, diese ehrenvolle Aufgabe lehnt Spanien denn doch ab — seit langer Zeit wieder einmal ein Zeichen von Nationalstolz und Staatsklngheit. Der Besuch des französischen Botschafters beim Reichskanzler. Norderney, 25. Aug. Der französische Botschafter Canibon machte gestern balb nach seiner Ankunft Den: Reichskanzlerpaare einen Besuch. AnschließenD barmt hatte er eine kurze Besprechung mit ben: Kanzler und wurde zur Frühstuckstafel geladen. Abends wurde bie Unterredung fortgesetzt. Herr Jules Canibon nahm dann das Diner in der fürstlichen Familie ein. Die Abreise erfolgte heute nachmittag um 2 Uhr. Der „Berl. Lokal-Anz." weidet aus Norderney: Der Besuch Lambo ns bei dem Fürsten Bülow war der Ausdruck der gegenwärtig zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden ruhigen, korrekten unb freundlichen Beziehungen. Er schließt sich damit an die Monarchenbegegnungei: vor Swinemünde und in Wilhelmshöhe, die wiederum ergänzt werden durch die Begegnung Aehrettthals unb Tittonis auf bene Semmering, den Besuch König Eduards in Ischl und die Begegnung des Königs Eduard unb Clemenceaus in Marieubad. Alle biese Begegnungen unb Besprechungen können nur bazu beitragen, die in Europa unb in ber Welt eingetretene allgemeine Beruhigung zu kon- solwreren. grüßt. Bischof Dr. v. Schloer-Würzburg, Der Fürstbischof von Larbach und ber Missionsbischof von Süb-Schantuna. Ter Bischof von Würzburg spendete den Segen. Die Ausweisung des Engländers Quelsh^ (Stuttgart, 24. Aug. Ter „Staatsanzeiger" veröffentlicht heute eine amtliche Mitteilung zu ber Ausweisung des Englänbers Quelsh. Danach hat bas Ministerium bes Innern in ben von Deut Delegierten Quelsh geäußerten Worten über den Haager Kongreß eine unzweideutige unb schwere Beschimpfung ber Delegierten ber in ber Haager Konferenz vertretenen Regierungen und mittelbar bieder Regierungen selbst gesehen und deshalb dem Vorsitzenden des Kongresses, Singer, noch an demselben Abend ein Schreiben zustellen lassen, in welchem verlangt war, daß Quelsh die fraglichen Worce bei Beginn Der nächsten Plenarversammlung ausdrücklich unb uiibeDmgt zurüu- nehme, widrigenfalls seine sofortige Ausweisung veranlaßt würde. Da nun Quelsh in seiner am anderen Tage abgegebenen Erklärung, bie von ihm, wenn auch in abgefchwüchier Form, selbst zugegebene Besa-impfung der in Der Haager Konferenz vertreteneil Regierungen nicht nur nicht zurück n a y m, soiibern sie a u s b r ü ck l i ch a u f r e ch t erhielt, hat seine so fo r t i g e Au s w e i sun g erfolgen müssen. Bundes Aut') auf Denr heiklen Gebiete der V a l k a n po l i t i k konnte die absolute Gleichartigkeit der Ziele fesiM stellt tverden, da die Ueberzeugung gewonnen und bekräftigt wurde, daß die Ziele Oesterreich-Ungarms auf dem Balkan keine anderen sind, a'.ö diejenigen, welche für die Interessen Italiens ans deut Balkan maßgebend erscl-eincn- Die Annahme der mazedonischen Justiz re form durch die italienische Negierung ist als erster fraktischcr Beweis des erzielten innigen Einvernehmens zu begrüßen, und es besteht die Hoffnung, daß infolge diese- Einvernehmens beide Reiche fortan durch dauernd gefestigte Bande verknillfft bleiben, ein Resultat, zu dem Oesterreich-Ungarn und Italien einander gratulieren dürfen. Ischl, 25. Ang. Die Minister Tittoni und Frhr. v. Achren- thal und beute vormittag um 11 Uhr vom Kaiser in Audienz empfangen worden- — Die Audienz Tittonis beim Kaiser dauerte gegen dreivicrtel Stunden. Der Kaiser empfing Tittoni in überaus wohluwllendcr, sehr l>erzlicher Weise; nach Tittoni wurde Aehrenthal empfangen- Ilm 2 Uhr nachmittags nahm Tittoni au der kaiserlichen I-rühstückstafcl teil- Deutsches Nesch. Schwerin, 25. Ang. Leute mittag nm 12 Uhr fand im Garten des Greenhauscs, des Sommcraufenthalts der Großherzogin Alexandrine, in Gegenwart des Kaisers und des Großherzogs die E n t h ü l ku n g des ihrem Andenken ge- lvidmetcn Denkmals statt. M e tz, 25. Ang. Bei der heutigen Bezirkstags Wahl erhielten der Einheimische M a u j c a u 680, der Sozialist Schleicher 461, Stadtrat Konrath, Kandidat des Innungsansschusses, unter- stützt durch das Zentrum, 342, der abgestoßene Sozialist Boort- mann 62 von 1564 abgegebenen Stimmen. Nachwahl ist erforderlich. Saargemünd, 25. Aug. Tas Resultat der Bezirkstag s e r s a tzw ah l ist: Schaeffer, Lothringer Gruppe der 'Altdeutschen 1957, Jeanth, Lothringer Gruppe der Einheimischen, 1372, de Hody, Zentrum, 1072 Stimmen. Eine Gemeinde steht noch aus, die aml Endresultat nichts ändert. . Es ist Nachwahl erforderlich. Berlin, 24. Aug. Ter „Neichsanzeiger" meldet: Der Kaiser ernannte den Generalfeld mar schall v. Hahnkc zum Kanzler des Ordens vom Schwarzen Adler. Aus Stadt 11116 Land. Gießen, 26. August. ** Hilfe für Herbstein. Bis Montag früh sind weiter in unserer ^Geschäftsstelle eingegangen: Ungenannt 3 Mk., von Kurt Tietz gesammelt 1.50 Mk., Sch., Treis an der Lumda 3 M., V. Fuchs 3 Mk., Frl. B. 2 Mk., Frau A. S. 1 Mk., Tr. A. Mettenheimer 20 Mk., L. A. H. 2 Mk., N. N. 2 Mk., R. St. 2 Mk., L. Süß 3 Mk., Guldan 1 Mk., Geh. Rat Gebhardt 10 M5,1. I. Lauer 20 Mk , E. Kaufmann 10Mk., W. K. 1 Mk., zusammen mit den bereits früher quittierten 3280.95 Mk. bis jetzt 3367.45 Mk. Weitere Gaben werden in unserer Geschäftsstelle angenommen. — Zwei größere Wohltätigkeitsveranstaltungen für Herbstein lverden in den nächsten Tagen hier abgehalten. Am nächsten Sonntag vormittag findet im Botanischen Garten ein Doppel- Promenadekonzert statt, bei dem die Regiments- kapetle und die Beteranenkapetle und zusammen konzertieren werden. Ferner hält Tirektor Rappmann vom Kolosseum am Mittwoch abend eine Wohltätigkeits- vorftellung ab. In Anbetracht des guten Zweckes wünschen wir beiden Veranstaltungen einen vollen Erfolg. ” 2er LudwigSorden bestand gestern 100 Jahre. Ter vom Großherzog Ludwig I. gestiftete Orden, der am 14. Dezember 1831 neue Statuten erhielt, zerfällt in Groß- kreuze, Kommandeure 1. und 2. Klasse und Ritter 1. und 2. Klaffe. Außerdem ist ihm eine goldene und eine silberne Medaille angegliedert. Tas OrdenSzeichcn besteht aus einem gekrönten achtspitzigen schwarz emaillierten Kreuze, dessen runder roter Metallschild den Buchstaben L und auf weißer Umfassung die Worte »Für Verdienste", im AverS ,Gott, Mre und Vaterland " auf schwarzem Email tragt. Tas Band ist schwarz mit roter Einfassung. , ** Hohe Gäste. II. KK. HH. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen kamen am Sonntag mittag 1.20 Uhr, von Homburg kommend, hier an und fuhren um 1.40 Uhr nach Kassel weiter. Während deS hiesigen Aufenthaltes wurde für die hohen Herrschaften und Gefolge von dem Vahnhofsrestaurateur Niemann daS Lunch im Salonwagen serviert. Ter Prinz erkundigte sich durch seinen Adjutanten, bei welcher Gelegenheit Vorsteher Eckhard sich die Rettungsmedaille verdient habe. Bei der Abfahrt des Zuges zeigten sich die Herrschaften am Fenster. ** Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Hch. Kullmann in Altenschlirf die evang. Pfarrstelle zu Berstadt übertragen. **AusAnlaßdesLudwigstages, desherkömmlichen Namensfestes unseres Fürstenhauses, waren gestern die öffentlichen Gebäude beflaggt. ** Ueb erfahren. Am SamStag nachmittag würbe in den Neuen Bauen ein dreijähriges Kind von einem Bierfuhrwerk überfahren und nicht unerheblich verletzt. Den Fuhrmann soll kein Verschulden treffen, da daS Kind beim Spielen rückwärts gegangen und so vor das Hinterrad deS Wagens geriet, während dec Fuhrmann vorne bei seinen Pferden war. ** Uebersahren wurde im Seltersweg ein etwa löchriger Junge von einem Radfahrer. Ten Radfahrer trifft keine Schuld; er fuhr in sehr langsamem Tempo dem Kreuzplatz zu und klingelte. Ter Knave wollte einem vom Kreuzplatz tommenden ^uhrwert ausweichen und sprang Tuch hingcbreitet, ein Kruzifix, zwei Lichter, Totenbahre und -^arg ftanoen zur Seite. Ties betrachtend und ohne sich die Äugen verbinden zu lassen, wird Bechtram enthauptet. Die deioen Knappen wurden an gewöhmict-er RmMalte hmgerichtet- Bcchcrams Leichnam ward, nach seiner Bitte, in der St. Ehatarinen- Kirche begraben, später aber, da man in Erfüllung brachte ia}} er tm Bann gcfiowen war, Wied c ausgegraben und auf dem Gansgraben — dem jetzigen Baugraben — verscharrt- L lLersncrs Cl/wnik- Thl. 1, S. 492) — Wie der .Wurttemb. Slaatsauz." milteilt, ist Professor Tr. Bolbach m IN ainz zum U n i v e r f l t ä t 2 - M u s l k» direttor in Tübingen ernannt worden. Morgan hat dem M e t r o v o l i t a n - M n s c u m in Newri ort seine wertvolle S k u l p t u r e n s a m m l un g zum Gesche n k gemacht. — Vor dem Kaiser hielten nm Freitag der Generaldirektor der HonigL Museen, Geheimrat Bode und Baurat Dt e j \ c l in Wilhelmshohe Vorträge über, die gr. uucitcruiigdbauten der Berliner Museen. Ter Kaiser hm sich mit den ihm vorgelegten Bauplänen Messet- vollkommen e t n v e r st a nö c n erklärt. l^S handelt sich dabei uni vier Sten-, resp. ErweilerungS^ banten, für die Bode cm großzügige- Programm in einer Tcnk- schr'll lrbec die Znkunit der 'JJiu|een nicbergelegl tjat. Messel ist M-nnih* , ein geborener Veffe unb alS Architekt von höchster — Gi ne sonderbare Inschrift findet sich am Tor os« emer kleinen deinem.c ui btt Nähe ton Ticppe: meinderates werben hier nur die Toten veerbigt, die in der Gemeinde leben." dem Radfahrer direkt vor das Rab. Er kam zu Fall und erlitt anscheinend außer einigen Hautabschürfungen keine weiteren Verletzungen. * 1 ? H euchelhei m , 26. Aug. Gestern feierte man hier Kirchweih, die neben der „Wiesecker Kirmes" als eine der größten in den Nachbarorten Gießens gilt. Wie in früheren Jahren, so beteiligten sich auch gestern zahlreiche Gießener an dem überaus gut besuchten Volksfest. Auch das Wetter ivar zur Feier wie geschaffen, und das Biebertalbähnchen war in allen Zügen gut besetzt, zumal auch in Nodheim a. d. Bieber Kirmes angesagt war. In der breiten Dorfstraße zu Heuchelheim stand Verkaufsbude an Bude, und auf dem freien Platz vor deut Rathaus fehlte auch für die Jugend das Karussell nicht, die alle lebhaften Zuspruch fanden. Gute Geschäfte machten die Wirtshäuser, die den Nachmittag und Abend dicht besetzt waren. In nicht weniger als sieben Wirtschaften wurde zum Tanz aufgespielt. = Villingen, 25. Aug. Ter in weiteren Krisen bekannte Gastwirt I. C. Döll hat seine Gastwirtschaft „Zum wilden Mann" verkauft. Er beabsichtigt, sich in Hungen niederzulassen, wo er sich eine Villa bauen läßt. O Beltershain, 24. Aug. Bei der heute hier vorgenommenen G e m e i n d c r a t s e r s a tz w a h l, bei der die Wogen sehr hoch gingen, wurde Gastwirt Max Becker mit 58, Landwirt Heinrich Erb mit 52 und Maurermeister Wilhelm Müller mit ebenfalls 52 Stimmen gewählt. Beide Erstgenannten waren seither schon Mitglieder des Lrtsvorstandes, letzterer wurde neu gewählt. Sein Gegner Landwirt Heinrich Münch erhielt 21 Stimmen. ? Hungen, 25. Aug. Unser Schützenverein hielt heute bei schönstem Wetter ein Scheibenschießen ab, bei dem Provisor Rolsss als bester Schütze hervorging und mit der altehrwürdigen Schützenkette geschmückt wurde. Er lud deshalb seine Schützenbrüder zu einem stattlichen Faß Bier ein, welche Einladung mit großer Freude aufgenommen wurde. ^V. Bad-Nauheim, 21. Aug. Der ehemalige englische Kriegsminister Arnold Forster unb der Opernkomponist Alberto Franchetti auS Florenz sind hier eingetroffen und haben im Hotel Metropol bezw. im Kaiserhof Wohnung genommen. sd. Darmstadt, 25. Aug. Zum Bicken buch er Raub- und M o r d a n f a l l können wir mitteilen, daß der Zustand des Räubers, der sich angeblich Wesselik nennt und aus Herrmannstadt in Oesterreich sein will, sich wesentlich gebessert hat. In seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft wurde sortgesahren. Es steht fest, daß seine Personalangaben nicht stimmen können, da er eine ganz andere Sprache, mehr rheinischen Dialekt, spricht. Er kann sich bei gutem Willen jetzt ganz deutlich verständlich machen. Bei seiner Festnahme wurden bei ihm aufgesunden: ein sechsläufiger Lefaucheux-Revolver mit einigen Kugeln und Platzpatronen, ein kleines Dessertmesser mit schwarzem Holzgriff, von einer Frankfurter Firma, ein dreikantiger, zirka 20 Zentimeter langer, am Ende mit einer 10 Ztm. breiten Schneide versehener sog. Tiamant-Magnet-Stahl mit breitem Holzgriff, ein rötliches Ernteseil, sowie ein längeres Stück Körtet, ein Bund mit zirka zehn kleinen Schlüsseln für Kommoden, Schränke usw., zwei kurze Hausschlüssel, ein kleiner Kofferschlüssel, ein zirka 1 Meter langes, 25 Ztm. breites leinenes Handtuch, an den Enden rot durchwirkt, eine Schachtel Wachshölzer, ein leeres Lederportemonnaie und endlich ein schwarzes Tuch aus Satin, an den Enden zusammengebunden und mit zwei Löchern für bic Augen ber* sehen, so daß es sich für eine Maske vorzüglich eignet. Man sieht auS allem, daß die Burschen mit großem Raffinement zu Werke gegangen sind. Seine Stiefel, die er auf dem Lagerplatz angeblich zurückließ, wurden bisher nicht entdeckt, auch hat man feinen wahrscheinlichen Genossen Henning noch nicht aufgefunden. Das Befinden der Frau Posthalter Freund ist immer noch sehr bedenklich. — Schon wieder ein Eisenbahnunfall ist am Samstag abend nach 9 Uhr durch eine Lokomotive der Nebenbahn- strecke Bickenbach — Seeheim, die erst om Tage vorher in Seeheim aus dem Gleise gekommen war, auf dem Gleise der Hauptstrecke der Main^)teckar-Bahn auf der Station Bickenbach vorgekommen. Tie Maschine rangierte auf diesem Hauptgleise, sprang aus dem Gleise und fiel quer über beide Gleise der Durchgangsstrecke Frankfurt—Heidelberg, den Verkehr sperrend. Man' machte rasch das eine Gleise frei, so daß die Züge eingleisig verkehren konnten. Sie erlitten aber trotzdem erhebliche Verspätungen. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt. Nachts gegen 4 Uhr gelang es, die beiden Gleise wieder frei zu machen. H. Offenbach a. M., 24. Aug. Stadtbauinspektor Eber har ot-Frankfurt wurde von der Stadtverordnetenversammlung in nichtöffentlicher Sitzung zum Direktor der Technischen Lehranstalt an Stelle dos pensionierten Professors Schurig gewählt. h. Frankfurt a. M., 26. Aug. Tie Beerdigung des früheren Neichstagsabgeordneten Wilhelm Schmidt er* olgte unter Beteiligung von etwa 30 000 Personen. Tie Trauerreden hielten Reichstagsabgeordneter Brühne und Stadtverordneter Quarck. 81 sozialdemokratische Korporationen legten K-ränze nieder. h. Wiesbaden, 21. Aua. Ter 31 Jahre alte Sänger Franz Adam, der seit 1902 als Baß-Busso in beit hiesigen königlichen Schauspielen wirkt, hat sich heute in der Wohnung seiner Mutter erschossen. Adam war erst seit 4 Wochen verheiratet unb kam am Dienstag von seiner Hochzeitsreise zurück, um am 1. September seine Stellung wieder anzutreten. Adam war aus Grüneck in Bayern gebürtig. ** kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Schotten feiert ant 5. September Herr Jakob Bauer in körperlicher unb geistiger Frische seinen 100. Geburtstag: er wurde am 5. September 1808 geboren. — Mit den PosthilssteUen in Dannenrod unb Ober-Ofleiden sind Telegraphen cmstalteu nebst össentlicher Sprechstelle unb llnfalfmelbc- Nelle vereinigt worden. — Tas fafl der goldenen Hochzeit feiern Montag am 26. August unter körperlicher Rüstigkeit unb geistiger Irische die Eheleute Karl Marx, Lehrer, dahier- Ter Jubilar einer der verdienstvollsten Lehrer im Gwßl-erzogtum Hessen, ist 8d unb feine Ehefrau 75 Jahre alt. — Der auch in Oberhessen bekannte Frankfurter Arzt, Lanilälsrat Dr. de B a ry, erhielt den Titel Geheimer Sanitälsrat. <$crid?tsfaalt Wetzlar, 22. Aug. Ter sozialdemokratische Agitator Joachim hatte in einer Versammlung vor der letzten Relchstagsnmhl erklärt, der verswrbeue Fürst lyeorg von Solins Braunfels „habe es verstauben, Millionen in Monte Earlo au icrfuielen, den Arbeitern .Hungerlöhne von 1.60 Mk. zu zahlen, ,)te Arbettcrknappschastskasse zu sprengen und zu flüchten." Gegen dteie Aeußerung erljob Prinz F-riedrich von Solms-Braunfels, i5!$IflinAO5’^nrtC’ ''ll ^'ässengerichtsverlMidlung vom 26. April btefetf Jahres war der Angeklagte freigesprock-cn worden, da das Gertcht eine Behauptung wider besseres Wissen nicht für vorliegend erachtete. Tie Strafkammer kam dagegen zu der kenntnis, daß der Angeklagte rvidep besseres Wissen gehandrh habe mtb daß Beleidigung vonliege- Tas Urteil lautete ni]5 150 M k- (55 c f b fl r a f c unicr Zubilligung mildernder Umflänb^ Vermischtes. * Dur ch Wespen getötet wurde in dem Orte <5aant a. b. Ruhr ein alter Feldarbeiter, der einem Wespennest zu ug()c gekommen war. Seine Leiche wurde uon den Tieren übel zu^, richtet, später auf dem Felde vorgewnden. Wahrscheinlich ist Greis infolge der Aufregung gestorben, in die er durch ben Angriff der Wespen versetzt worden war. * T i e neuesten E i s e n b a'h n u n f ä lle. Der (?r, Preßzug nach Paris ist in der Nacht voll Samstag zu Sonntag bei Coutras entgleist. Tie Entgleisung soll durch einen Zusammenstoß mit einem Güterzuge herbeigeführt worden sein. Nach den bisherigen Feststellungen wurden elf Personen getötet und 20 verletzt. Deutsche befanden sich nicht unter den Toten ober Verletzten. — Bei einem Eisenbahnzusammenstoß zwischen Petersburg unb Pawlowsk sinb ein Schaffner und zwei Passagiere getötet und mehrere verwundet worden. — Ein von Budapest abgelassener Personenzug entgleiste aus un- bekannter Ursache in der Nähe der Stadt Karoag. Tie Lokomotive stürzte den Bahndamm hinunter. Von den Passagieren wurden die Offiziere und eine Dame schwer ver. letzt. * Zum Falle Hau. Unter den vor einigen Tagen aus Veranlassung der Fanlilie Molitor veröffentlichten Briefe^ deren wesentlichste wir seinerzeit auszugsweise wiedergegeben haben, hatte sich auch ein Schreiben deS Professors Aschaffen, bitrg an Frau Lina Hau befunden, in welchem er seiner Ueberzeugung von der Schlild ihres Gatten Ausdrcick gegeben halle. Demgegenüber veröffentlicht Professor Aschaffenburg jetzt eine Erklärung, in der er näheres über die Umstände nütleilt, die ihn zur Abfaffring jenes Schreibens veranlagt haben. Professor Aschaffenbrirg gibt bekannt, daß sein Bries an Frau Harr vom 12. April die Antwort war „auf ein von der unglücklichen Fracr an ihn gerichtetes, verzweifelte Schreiben^. Zu dieser Zeit habe er weder die Llkten durchgearbeitet, noch den Angeklagten selbst gesehen. Sein Brief an Dr. Dietz vom 20. Juli, in bem er von der Schuldlosigkeit deS Hau spricht, sei bet Ausdruck seiner inzwischen auf Grund der LlktenkenntniS, längerer eingehender Unterredungen mit Hau, bei Ergebnisses der Hauptvcrhandlung und sehr ernster Er, wägungen gewonnener Ueberzeugung gewesen. — TaS Nemsionsmaterial in Sachen Hau ist in einer sehr umfangreichen Kiste an daS Neichßgcricht Leipzig abgegangen. • Von bet portugiesischen Jeunesse d o r 6 e. AuS Lissabon wird gemeldet, daß die Polizei mehrere junge Männer, die begüterten Familien angehöreü, wegen unerhörten unsittlichen Treibens verhaftet hat, das an die Grausamkeiten zu NeroS und CaligulaS Zeiten erinnert Der Schauplatz ihrer Schandtaten war das einem jungen Fabrikanten namens RimeS gehörige Landgut unweit bet portug. Hauptstadt. Dorthin lockten die Bestien junge Mädchen, die sich nach wüsten Gelagen durch Knechte gewaltsam entkleiden und mißhandeln lassen mußten und in diesem Zustande den fürchterlichsten körperlichen Qualen unter* ivorfen wurden. Märkte. ic. Frankfurt a. M., 26. Aug. (Orig.-Telegr. deS „Guhe-.r Anz/) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarttpreise. Weizen Alk. 20.25—20.50, Knrheffischer Mk. 00.00—00.00, La Plato Mk. 22.00—22.75, Kansas Alk. 22.00-22.75, Roggen (hiesiger, Mk. 18.00—18.50, Gerste (Wettercmer) Mk. 18.25—18.50, Faulen- selber Mk. 18.75—19.00, Hafer 20.00—21.00, Mais Mt. 14.50-15.00. Weizenmehl Mk. 29.50—30.00, 00—00, 2. Qualität Mk. 27.00 bis Mk. 28.00, 3. Qualität Mk. 25.50—26.00, Roggemnehl 00 Mk. 29.50-30.00, l.Qunlität Mk. 28.60-29.60, Weizenkleie Mk. 10.75. biS Mk. 11.00, Roggenkleie Mk. 12.00—12.50, Mcuskeime Alk. 11.25 bis Mk. 11.50, Franken, Pfalzer, Ried Mk.00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. ke. Frankfurt a. M., S6.Aug. (Telear. Orig.-Bericht des.Gies. Anz/). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zu», Verkarcfe standen: 431 Ochsen, 131 aus Oester-reich, 51 Süllen, 0 auS Oesterreich, 0 auS Dänemark, 926 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 auS Dänemark, 354 Kälber, 293 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1730 Schweine. Bezahl! wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 84—87 Mk., 2. Qual 77-80 Alk., 3. Cual. 70—72Mk.; Bullen 1. Qual. 72 Ina 74 Mk., 2. Qual. 64—71 Mk.; Kühe 1. Qual. 76—78 Mk., 2.Qual, 73—75 Nlk., 3. Qual. 65-67 Alk, 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual.92— 97 Psg., Lebeudgewichtb5—58H, 2. Qual. 80—90 Psg., Lebendgewicht 48—53 Psg., Schlachi- gewicht 62—67 Psg. Schafe: 1. Qual. 84—00, 2. Qual. 68—78 Pst, 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 72-00 Pfg., Lebdaem. 66.50—00.00 Psg., 2. Qu. 71-00 Psg., Lebeudgew. 56.00—00 Pst, 3. Qual. 62—64 Pfg. Lebeudgew. 00 Psg. Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstaud uubedeutend; bei Kleuwieh gut, kein lieber- stand. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche 20itteruug für Hesjeu am Dienstag ben 27. August: Meist heiter und trocken. 9tachts kalt, bei Tage nm(iig warm. Schwache westliche Winde. . .1. ■ wirr ! — ...■■! ■ .1 II — ■ - Telefonisch© Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen. Franklnrler Börse, 26. Ang., 1.15 Uhr. 3^% Beichaanleihe . . 92.251 Elektrbs. Lahmeyer . . . 113,5c 3% do. . . 91.75 .Elektriz. Schlickert . . . 97.21 3%°/e Konsols .... 92.60 3% do. .... 82.50 3>j°/0 Hessen . . . . 91.30 3H°/o Oberhessen . . . 90.00 4% Uesterr. Goldrcutö . 97.70 4l/8 % Uesterr. Silberrento 97.20 4^o Ungar. Goldrcnte . . 92 20 4% Italien. Heute . . . 103.00 3-6 Portugiesen Serie I . 66.00 3% Portugiesen „ 111 — 4>£°/0 russ.Staatsaul. 190b 90.80 japan. Staatsanleihe 88.35 4 % Conv. Türken von PJU3 93.30 Türkenloso 139.10 4% Gricch. Monopol-Aul. . 46.50 4% äussere Argentinier . 81.60 3% Mexikaner . . . 60.70 4)i7e Chineseu .... 94.25 Aktien: Bochum Guss 206.20 Buderus E. W 110 80 1 a Tendenz : fest. Berliner Börse, Canada E. B 159.60 Darmstädter Bank . . . 123.70 Deutsche Bank . . . . Dortmunder-Union C. . . 61.5ü Dresdner Bank . . . , 135.90 Tcudcuz; ruhig. Eschweiler Bergwerk . . 201.51 Gelsenkirchen Bergwerk . 186.71 Hamburg-Amerik. PukeLL 124.81 Harpencr Bergwerk. . . 187.81 Laurahütte 218.W Nordd. Lloyd 109.2' Obeischles. Eisen-Industrio 98.0' Berliner Handelsges. . . 160.01 Darmstädter Bank . . . 124.2' Deutsche Bank .... 221.7' ch-Asiat l'.unk . . 138.6' Dibkonto-KommandiL . . 166.9 Dresdner Bank . . . 36.1 Kreditaktien 197.81 Baltimore- und Oldo- iJscntahu .... 89.2 Gottbardbahn .... Lombard. Eisenbahn . . 801 Ocsterr. Staatsuolin . . . 187.5 Pnnee-llcnri-Eiseubabu . 124." 16. Aug. Anfaugekune. 11. ipeuor Borgwerk. . . 87.4 1 ir ah litte .... 218. LvHiuarden E. B. . . . — Nordd. Lloyd .... 108.1 liukenlusc . . . . . 139,4