(Unberechtigter ' erboten.) Angekl.: Ich habe Wieland klagte hat das nie behauptet. ’^/erre. 4- < ‘r’i/A?nj inb u nb rronzi rngSkürper Foyer empor. S. u. H. Karlsruhe, 22. Juli. Fünfter Tag. (Vormittags-Sitzung.) Der Angeklagte hatte vor der Verhandlung noch eine längere Unterredung mit dem Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Eller. Ter Gerichtshof stellte die Geduld der Prozeßbeteiligteil auf eine harte Probe. Mit dreiviertelstündiger Verspätung erschien er im Gerichtssaale. Vors.: Es sind noch einige Zeugen geladen worden. — Staatsanwalt: Ich habe erklären, daß ich den Diener Wieland geladen habe. Ich habe von seinem jetzigen Tienscherrir auf einem Gut bei Kiel gehört, daß sich Wieland dort befindet. Er ist telegraphisch geladen worden und wird um 12 Uhr erscheinen. Verteidiger: Mir ist natürlich die Anwesenheit des Zeugen höchst erwünscht. Mit der Täterschaft har er freilich nichts zu tun. — Ein Beisitzer ruft halblaut: Der Angeklagte hat das aber behauptet. — Verteidiger: Tas ist unwahr. Der Ange- Gesichtskreis Sie in Erstaunen versetzen würde. Wer weiß übrigens, ob wir in fünfzig Jahren, wenn wir einmal wohlhabend geworden sind, nicht wieder das Volk der Künstler und Philo- sophen werden, das wir einmal waren! Die Geschichte der geistigen Entwickelung der Völker folgt wie das Meer, dessen Rauschen wir hier vernehmen, den Gesetzen von Ebbe und Flut/' Zum Schluß kam man auf die Küche zu sprechen. Die Gerichte, die wir aßen, waren vorzüglich zubereitet, sie waren das Werk eines französischen Kochs, des Herrn „Misöre". „Diesen Spitznamen hat ihm der Kaiser gegeben," sagte der Fürst. „Sie kennen diese Geschichte? Wir waren rn Italien, und er war schon viele Jahre in unseren Diensten. Da kam eines Tages die Nachricht, daß ich zur Leitung des Auswärtigen Arntes nach Berlin berufen sei. Ich ließ mir den braven Mann kommen und sagte ihm, daß wir Rom verlassen und nach Berlin Übersiedeln müßten, und daß unser neues Heim im ganzen und die Küche im besonderen kleiner sein würden als die des Palazzo Caffarelli; hierauf fragte ich ihn, ob er mit uns gehen wolle. Er bat um eine halbstündige Bedenkzeit. Dann kam er und sagte mit rührender Einfalt: „Ich habe reiflich überlegt und bin entschlossen, mit Ihnen zu ziehen. Wenn man eine so gute Herrschaft hat, wäre es unrecht, sie zu verlassen, wenn sie in's Elend gerät. („Quand ils tombent dans la misöre.") Als ich dem Kaiser 'diese Geschichte erzählte, lachte er aus vollem Halse; seither nennt er meinen Koch „Monsieur Misöre". Vor zwei Jahren hat ihm der Kaiser übigens eine goldene Uhr mit einer sehr schönen Kette geschenkt." Der Fürst kam dann darauf zu sprechen, wie eigenartig der deutsche Charakter sei, und wie er trotz allem an der Tradition festhalte. „Welcher Unterschied mit Frankreich!" sagte der Fürst. „Bei Ihnen hat der Konvent, der doch immerhin eine große Sache war, mit einem Schlage alles gleich gemacht und verfügt, daß von dem alten Gebäude nichts stehen bleiben dürfe. In Deutschland hingegen hatten wir nie eine richtige Revolution; das wäre dem deutschen Geiste entgegen. Sie sehen auch jetzt noch neben Mecklenburg, das feudaler ist als irgend ein Staat im siebzehnten Jahrhundert und keine Konstitution haben will, die Republik Hamburg. Jeder strebt danach, sich nach seinen Gefühlen und nach seiner Tradition zu entwickeln. Als es sich im Jahre 1867 oder 68 in dem Herzogtum Lauenburg, das damals höchstens 60 000 Einwohner hatte, darum handelte, eine neue Währung einzuführen, sagte Bismarck zu dem herzoglichen Minister: „Wollet: Sie den durchaus eine Revolution?" Vergleichen Sie solche Dinge mit der französischen Anschauungsweise und denken Sie an die Leichtigkeit, mit der man einen französischen Staatsbeamten von Brest nach Carpen- tras, von Arles nach Guingamp versetzt, ohne daß sich irgend ein Widerstand geltend macht. Hier bei uns wünscht man, daß jeder Staatsbeamte aus der Gegend stamme, in der er Dienst tut, oder daß er zum mindesten Land und Leute aufs genaueste kenne. Bismarck Was uns hier zunächst überrascht, ja geradezu überwältigt in seiner ganz unerwarteten, ilaunenswürdigen Schönheit, das sind die Kunstverglajungen der Fenster. Gleich wundervollen, graziösen jpitzenartigen Geweben von feinstein modernem Geschmack üben sie eine höchst entzückende Wirkung aus von so aparter Art, daß eine Steigerung der exquisiten Schönheit sich kaum ausdenken läßt. Ueberhaupt gehören sämtliche übrigens von der Darmstädter Firma Benz u. Na st ausgeführten Kunstglaserarbeiten des Hauses zu seinen hervorragendsten Sehenswürdigkeiten, jo z. B. die in ihrer schwungvollen Musterung wunderhübschen Treppenfelister 2C. 2C. Von großer Vornehmheit und ruhiger Eleganz ist auch der riesige, vielteilige, von der Decke herabhängende blendende und blitzende Glaslüster, der dem in seiner Ornamentik etwas unruhigen Plafond 311 höchstem Vorteil gereicht und dem ganzen Raume die Harmonie verleiht. Im übrigen ist dieser als Erfrischunge- und Wandelraum dienende Saal daL Hauptrepräsentationsstück des ganzen Hauses. Außerordentlichen Prunk trägt er zur Schau. Vier Pfeiler von feinpoliertem altgrünem Kunstmarmor mit rot-weiß geaderten Sockeln teilen ihn von der Rotunde ab. Die hübschen Armleuchter an ihrer Innenseite, mildern ein wenig ihre kompakte Massig- keit. Im Ganzen herrscht hier wohl eine zu große Buntheit vor, aber alles Einzelne trägt den Charakter des Gediegenen, Kostbaren, Prachtvollen. Die beiden Marmorkamine aus edlem Skyros mit ihrem strotzenden Bronzepanzer, die Spiegeleinlagen, die starken und trutzigen Pilaster neben den Fenstern und manches andere noch verleihen dem Saale vielfache Reize. In dunklen Grundtönen gehalten, wirkt ec namentlich durch die Menge seiner allenthalben an Simsen, Leisten und Rahmen 2c. angebrachten imitierten Metallsüllungen, diirch seine außerordentliche Farbenfreudigkeit überaus üppig. Für das gejamte Publikum am interessantesten aber ist natürlich der Zufchauerraum unseres im ganzen unendlich anmuienden, teilweise mit geradezu verschwenderischer, nur selten aufdringlicher Kunst ausgestatteten Heimes der Bühnendichtung. Wenn nicht schon in den übrigen Räumen, so erhält man hier den Eindruck: es ist kein Huppenheiin, um einen neuklassischen Ausdruck zu n.. j(on, in seinen Formen und Farben; einzig v gleicht nur, wenn man mit Grotzsiadtmaßen mißt. Man fühlt sich wohltuend angeheunelt in diesem nie als den Täter hingestellt. Er hat mir den Eindruck eines harmlosen beschränkten Menschen gemacht. Verteid.: Ich stelle fest, daß der Artikel in der „Badischen Presse", der damit beginnt: „Seitens der Großh. Staatsanwaltschaft wird uns geschrieben", und worin cs fett gedruckt heißt: „Hau stellt die Schuld nicht in Abrede", und ivorin weiter gesagt wird, die Sache sei gar nicht so mysteriös, entweder vom Staatsanwalt, oder aus seinem Bureau gekommen ist. — Staatsanwalt : Als ich den Artitel fand, der allerlei Irrtümer enthielt, ging ich zur „V. P.", wo mir Redakteur Freiherr v. Seckendorfs mitteilte, der Artitel rühre von dem Journalisten Schwe- der aus Berlin her, der erklärt habe, er sei bei Tr. Dietz ge-, wesen und habe von ihm die nötigen Informationen erhalten. Verteidiger Dr. Dietz: Herr Schweder ist in meinem Bureau gewesen, um von mir Auskunft zu erhalten. Ich habe ihm aber jegliche Auskunft über den Prozeß Hau verweigert. Ich stelle den Antrag, den Journalisten Schweder zu laden, der be- kundeir wird, dpß er von mir reine Mitteilung erhalten hat. Ich habe ihm nur gesagt: „Die Sache ist absolut nicht so einfach, wie sie der Staaatsanwalt hinstellt." Darauf wurde der Journalist Schweder als Zeuge aufgerufen. I Ergibt an, daß er in seinem Bureau ine Zeitungsartitel über K»e Hrnrvechuttg »es neuen Krrßener Stüvtttzeaters. u. Gießen, 24. Juli. • Zu der Beurteilung des Innern des ) aus es muß mein eine Scheidung eintreten affen zwischen dem Teile, der der Zujchauer- chaft nur für eine kurze Spanne Zeit zum lufenthalt dient, und dem, innerhalb dessen »er komplizierte Apparat der Bühnenleitung >on früh bis spät tätig ist. Fünf Türen vermitteln durch eine Vor- )Q(lc hindurch den Zutritt zum Hause. Harmo- lisch intime Verhältnisse wirken hier ein. Der n der Mitte gegenüber den drei Haupt- üren sich erhebende Kassenstand gibt dem licht hohen Raume etwas Behagliches. In einem untern Teile marmorn, im mittleren ins Holzschmtzmerk, im oberen massiv, werden eine Fenster von so kostbaren als reizenden Miniatursäulen aus echtem Onyx flankiert. £cr graue Terrazzo-Estrich, die schöne matt- zoldene Panzeroerkleidung der Kamine, der ünsseldrige, ornamental die gerade Linie levorzugende und in modernen, würdigen und .ugleich diskreten Formen gehaltene, feine md zarte Vergoldungen zeigende Plafond timmen aber doch ernst und tragen den Stempel des Distinguierten und Gewichtigen Zugleich. Wir wissen sofort, es erwartet uns Glänzendes, Strahlendes, Superbes. Schon von hier aus trennen sich die Wege nach den verschiedenen Rängen, sowie rach rechts und links, entsprechend der Platzierteilung im ganzen Zuschauerraume. l,’lL vaar Stufen aus gelbem Marmor fuhren zur Hotunbe, in bet sich, wie and) in ben beiba )beten Stockwerken, seitwärts bie toarterubm- äume von crsteulich großer A^behnung i- utben lieber sie werben bie Gießener niM örtwährenb zu klagen haben DieBeb.enung der Sarberoben geschieht übrigens bind) Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 24. Juli 1 »07 ÄftrfA AM AA. Ä ▲ A ▲▲ ne «leftener Kamillen- ■ WM M M W ■■ ,lütter viermal in der M W M W ■A B V* W W M JF H MW ■ ■ JF 6K ’ Md monatlich SS Pf.: durch Woche beigcleqt und M W W B Br B B B< B /■ El Ak B< B M W W bi«PostM.S.-»t«rt-l. gvemml wochriuiichdad MLt!" M B W W Bk W W W. A W W W Ml BL B W B Bk B iährl. ausjchl. Besteüg. ■ IJ VI >1V ie Zurückhaltung üben? — Angekl. (mit erstickender Stimme): Ja. Verteid.: Ich stelle nun fest, daß eine Verletzung bei der Geburt die Ursache des Leidens ist und nicht etwa eine Infizierung durch den Angeklagten, wie die Anklageschrift behauptet. Ter Staatsanwalt erklärt, daß er schon bei dem Tode Frau Hau's gesagt habe, daß er auf diese Beschuldigung nicht mehr zurückkommen werde. mit, daß er gegen .. , . _____ -ergehens gegen8 17 des Preßgesetzes erstattet habe. Vors.: Wieso fühlten Sie sich dazu veranlaßt? — Zeuge: Ter Staatsanwalt stellt mit großem Eifer Strafanträge gegen Journalisten. Tann kann auch ein Journalist ihn denunzieren. Staatsanwalt: Werden L>ie für Ihre Berichte nicht von einem Mitgliede der Familie Hau bezahlt? — Zeuge: Es ist unglaublich, so etwas zu behaupten. — Verleid.: Man kann krank Vors.: Was haben Sie am Mordtage gemacht? Zeuge: Ich brachte das Gepäck von Fräulein Fanny Molitor nach der Bahn. Um 3/i6 Uhr oder 6 Uhr ging ich von dort zum Stellenvermittler, in ein Warenhaus und daun zum Fleischer und schließ^- lich nach Hause. — Vorsitzender: Wann waren Sie am Bahnhofs — Zeuge Wieland: Vielleicht kurz nach Uhr. Ich stellte das Gepäck in^das Coupö und ging dann wieder fort. — Bors. : Was hatten Sie an? — Zeuge: Eine blaue Nocklivree mit Metallknöpsen wnb eine Tienermütze. — Vors.: Wohin gingen Sie dann? — Zeuge: Ich ging die Kaiser-Wilhelmpraße herauf und iah viele Leute. Ich fragte, was los sei. Man sagte mir, p-rau Moliwr sei erscyosie« worden. Ich wollte eilig hin und stieg über einen kleinen Gitterzaun, wobei ich mir die Hose zerriß. Tann ging ich in die Villa Helena und fand dort die Leiche. — Vorp: Kannten Sie Hau? Zeuge: Ja.— Vors.: Haben Sie etwas Verdächtiges um die Villa herum bemerkt? — Zeuge: Nein — Vorf.:- Sie wissen nicht, wer der Täter ist? — Zeuge: Nein — Vors.: Sie haben sich nicht absichtlich versteckt? — Zeuge: Durchaus nicht. — Vors.: Sie haben mit dieser Mordtat weder direkt noch indirekt etwas zu tun? Sie wissen absolut nichts? — Zeuge: Nein. — Vors.: Haben Sie gegen Frau Molitor Nachegedanken gehabt? — Zeuge: Keine. — Vors.: Ter Angeklagte hält den Diener Wielano nicht für den Täter? —Angekl • Nein. Tarauf wird der Zeuge vereidigt. Ter Vorsitzende teilt mit, daß der Zeuge Lenk nicht zu finden sei. Weihegiuß, feiert den behandelt die Beziehungen die Wirkung des Theaters an die Erfolge und die Halle und die brellen Gänge und ergießt sich m den lchimmern- den Saal. Vom Plafond rieselts und strömt es von Fluten des Lichtes. Zwei chromatische Kränze, legen sich die beiden Ränge um die Runde, und ebenso schlmmerts im Parkett von leuchtenden Farben. „Der schönste Schmuck des Theaters ist das festliche Publikum", sagt Semper; ja, aber nicht nur der Schmuck, auch die Seele, von der Leben, Licht und Inhalt aus- strömt. Und diese Seele teilt sich dem ganzen Festhause mit Mes glänzt und strahlt und leuchtet hinüber und herüber. Loch der 1600 Menschenaugen Freudenlicht eint sich schließlich im Anblick des farbenfreudigen Vorhangs. Er ist von Hans Koberstein gemalt und vom Künstler dem Gießenei: Stadttheater als Spende dargebracht. Eine ivohl einzig in ihrer Art dastehende Mumsizenz, die um so höher zu preisen sich nahezu das gesamte Gießener Publikum angelegen sein läßt, als das Werk seinen vollsten Beifall findet. Er stellt „das Mädchen aus der Fremde" dar. Das süße, liebliche Geschöpf in luftigem weißem Gewände reicht feine schwellenden und duftigen Gaben allen auf lichter blühender Au um sie Vec- sammelten. Eine reizende malerische Verkörperung des schönen Lchillerschen Gedankens von der Macht der Poesie. Das Kunstwerk sttahlt eine sonnig heitere, glückliche Stimmung aus. Und nun rauschen aus der Tiefe des verborgenen Orchesters die Klänge der Weberschen Jubelouvertüre, nicht, wie das Programm verkündete, der „Weihe des Hauses" von Beethoven zur Höhe. Als sie verklungen sind, erhebt sich in der Stadtratsloge, m der man auch den Ehrenbürger Gießens, Se. Exzellenz Finanzminisler Dr. Gnauth, sitzen sieht, del Oberbürgermeister. Er preist ui langer Rede das neue Werk und seine Meister und dankt allen, die am Werke tätig waren bis hinab zum letzten Arbeiter. — Und dann steigt der Vorhang. Frl. Riza Bajor aus Köln spricht mit ihrer Kehle tiefem Wohllaut warm beseelt, luenn auch mit etwas tragischerem Tonfall, als hier angebracht, einen Prolog, gedichtet vom heimischen Poeten Alfred Bock. Die in freien Rhythmen gestaltete, nur in ihrem zweiten Teil gereimte Dichtung knüpft an das Standbild des Apollo auf dem Theater an, bringt der Thalia ~ Verleid.: Ich falle feg, baß Frau Hau dem sie in München behandelnden Arzt Prost Tr. Klein ausdrücklich verboten hat, über chr Leiben Auslagen zu machen und daß trotzdem der Staatsanwalt den Versuch gemacht hat, den Professor Klein zu einer Aussage zu bewegen. Tas kann eine strafbare Anstiftung fein, die mit Gefängnis bestriaft wird. Prof. Tr. Klein hat feine Auslage, wie er muß, versagt. Ich halte den Beweis gegen dm Staatsanwalt für geführt. Tie Situation in diesem Pro- seß ändert sich fortwährend. Ich stelle den Anttag, den Frhr v. Secrendorsf zu laden. Ter Staatsanwalt hat behauptet, dieser habe ihm erzählt, Herr Schweder habe fein Material von Dr. Tietz erhalten. Ich erhalte eben einen Brief des Fr hm von Seckendorfs, worin er mir mitteilt, baß diese Behauptung des Staatsanwalts unwahr ist. — Tas Gericht beschloß, die Ladung des rzrhrii. v. Reckendorfs äbzulehnen. Ten Geschworenen wurden dann verschiedene Photographien Urkunden u,w. vorgelegt. Verschiedene Urkunden über bas Vermögen der Familie Molitor sollen verlesen werden Vor,.: T>as Geiamtvermögen betrug 947 202 38 Mk Auf jedes Kind kommen also 135 314.63 Mk. Ter Anaeklaäte bat mLk.d000. Mk. erhalte«. Er hatte insgesamt" ema noch 70 000 Mk. zu bekommen. Ter Verteidiger ftegt bann urkundlich fest, daß Hau >vvhl den Mgeblichen Verlust 'W Schecks meldete, daß er aber Lrnerlci Äderung stellte, Tie Bank teilt s, Zt, Hau mit, daß Hau den Verlust werde tragen müssen. In einem Telegramm erklärte der Angrlsagte day er wisse, daß er den Schaden zu tragen habe. Die Sache ist alw genau umgekehrt, als die EManwattstchatt angenommen hat. — Im Anschluß an die Verteid.: Es heißt, er will sich verstecken, um nicht aussaqen zu müssen. Rechtsanwalt Vögele: Ich habe mit Herrn Lenk gebrochen. _ Zch haoe ihm geraten, nicht vor Gericht zu erscheinen, wett er seine Auslagen gemacht habe und weil er weiter nichts sage« werde, trotz der Zwangshaft. — Vors.: Wissen Sie sein Versteck? — Zeuge: Es handelt sich um kein Versteck. Das Amtsgeheimnis zwingt «iich, die Adresse nicht anzugeben. Zum Schlüsse tritt noch Journalist Schweder vor und erklärt: Er habe die Frage des Staatsanwalts, ob er für seine Berichte von der Familie Hau bezahlt werde, vorhin in ihrer beleidigenden Art nicht erfaßt. Erst nach Rücksprache mit dem anwesenden Ehefredakteur der ,/Bad. Prepe", Herzog und dem Chefredakteur des^RhE^ Kur, st Röder aus Wiesoaden, sei er auf den lieferen Die CröftttUttgsvorsteüung. _ Die prachtvollen alten Kastanienbäunie des ehemaligen Lchüler'fchen Gartens am Neuenweg neigen ihre Wipfel zusammen und schütteln die unzähligen Blätter. Durch die ckkacht geht ihr leises verwundertes Rauschen. Denn aus den prachtvollen Fensiern des neuen Hauses schießen die Strahlen weit hinaus auf die Straßen und Anlagen ringsum und triumphieren über Abenddunkel und Baumesschatten mit festlichem Glanze. Wie eine Schlange wand sich der Zag der Wagen unter ben -bäumen hervor, schillerte von Seide und Spitzen und roiiger Haut, und schlangelte sich ichwarz wieder die Rampe huiab. r Flut der eilenden Menschen treibt durch die Vor- warmtömgen Raume, m dieser Symphonie von mildem Rot, in diesem reichen und doch geschmackvoll abgedäinpften Ltlcht, das aus dem Lichtring von dem mit seinen groß- schnörkligen Goldwindungen freilich nicht ganz im Einklänge tnit der sonstigen vornehm ruhigen Musterung stehenden Plafond hernieüerflutet. Nicht an das schlichte bürgerliche Schauspiel vom Ausgange des vorigen Jahrhunderts, aiich nicht an die großen heroischen Tragödien des Altertums oder die grandiosen historischen Staatsaktionen Schillers schließt sich wesensähnlich dieser Rauni. Es >oill mir viel- mehr scheinen, als ginge von ihni au§ so etwas wie ein Hauch unserer nun auch in der drainatischen Kunst anhebenden Neocomantik, die freilich das rechte charakteristische Gepräge und vor allem den national deutschen Untergrund unter sich noch mcht gefunden hat. Doch die Stimmung für „die Braut von Messma" oder die .Iphigenie" zu wecken scheint er mir sehr wohl berufen. Und Goethe oder Schiller, Shakespeare oder Sophokles erzeugen ja auch selbst die Stiiiimung, deren sie bedürfen, während unsere Jüngeren viel mehr den Stimmungsanreizen untertan sind, der Hülfe der anderen Künste. s raöeu beider Ränge, die die Reliefporträts unjerer größten drarnatifchen und Tondichter tragen, drängt sich im ersten Rang das Purpurrot zweier sich gegenüberliegenden Logen, hinter denen übrigens im Wandekgange zwischen den Garderobeständen kleine vornehme mit hellblauen Plüsch- iafas ansgestattele salonartige Plauderecken sich befinden. Von den einen offiziellen Eindruck machenden Proszeniumslogen wird die vom Zuschauer aus links im ersten Rang legende durch das in leuchtenden Farben gemalte großh. hessische Wappen als Hofloge gekennzeichnet; die Bestimmung der rechts als Bürgermeisterei- und Stadtratsloge erkennt man aus dem Gießener Stadtwappen. Parkett und zweiter Rang iveisen gleichfalls hübsch und bequem eingerichtete Logen auf. Allenthalben haben die Sitze die nötige Breite und bequeme Armstützen und vor jedem befinden sich Tablettchen zur Niederlegung des Opernglases. Eine weitere Annehmlichkeit des Gießener Schauspielhauses, die m iedeni Theater vorhanden sein sollte, in den meisten aber sehlt (das neue Breslauer Schauspielhaus bildet nächst dem unseren die einzige mir bekannte Ausnahme) ist der Umstand, daß erstens alle 802, oder wenn man die durch die Versenkung des Orchesters niüheloS 311 gewinnenden Zwei weiteren Sitzreihen mitrechnet, 833 Plätze Sitzplätze sind, und zweitens, daß fast von jedem Platze im hufeisenförmigen Raume die Bühne ganz übersehen werden kann. Auch Säulen hindern den freien Ausblick nicht, denn die breiten Ausladungen der beiden Ränge werden nicht gestützl; bei der Festigkeit des als Baumaterial verwandten Eisenbetons ist das nicht nötig gewesen. In diesem weiten runden Raume gegenüber deni geheimnisvollen Reiche des Scheins hinter dein Vorhang soll sich nun an den meisten Winterabenden eine Flut blendender Helle auf Hunderte bunter Toiletten ergießen, hier soll der merk- würdigste Jnslrumentallörper, das Publikum, die im ganzen unt) großen sich zwar stets ziemlich gleich bleibende, aber in ihren Einzelheiten doch so variable Plauschsymphome spielen. Bei Tage wird Stille in diesem Raume herrschen. Zn stumpfer Dämmerung und gähnender Oede wird er da liegen, nur hier und dort wird sich ein weibliches Wesen mit Besen bewegen, dem die Reinigung anvertraut ist. Welche Gegensätze auch hier im Heime Thaliensj (Ein dritter Artikel folgt.) Erörterung der Scheckaffäre erktätt Angekl. Hau: ~ ' liegt nach der Korrespondenz klar. Ich habe den Schaden auf mich genommen. Von einem Betrugsversuch kann also nicht die Rede sein. Jcb habe das Geld erhoben und dann von Baden-Baden un die Firma den Verlust des Kreditbriefes angezeigt. Ter Schaden mußte, wie mir die^Firmu mitteilte, auf meinen schultern bleiben. Unter großer Spannung wird darauf der Zeuge Wieland aufgerufen. Allgemein fällt es auf, daß Wieland ein schlanker großer Monn i«, obgleich er von der Familie Molitor als klein hingeiiellt wurde. Er ist etwo so groß wie der Angeklagte und sieht mit seinem glltttrasierten Gesicht ihm etwas ähnlich. Ter Vorsitzende macht ihn besonders aus die Helligkeit des Eides aufmerksam. Beuge Schweder: Herr Vorsitzender, cs handelt sich um meine Eixiienz, wen« es nur den leisesten Anschein haben konnte, als ob ico-beiiLch^ch sei. T,as ist der schlimmpe Vorwurf, den man einem Journaluren nmcyeii kann. Ich mttangc den Schutz des Gerichts gegen bieje kiULt/ietliuig. Unu er« ais oer Staalsauwall sie wieoerholte, tat ich die Aeugerung, deren cctjaqe ich bedauere In der Sache aoer bleioe ich bei meiner Au,fussung, well ich mich durch de« StaabS^nwatt aufs schwerfa gctcanft fühle. — Vors.: Sie teviaaedi a.so d.e Sa-är^ Ihrer Aeußeruug und geben an, sich vom Staatsanwatt aujS schwer,*.e ve.e^.gr zu fühlen' — Zeuge: Jawohl. Tas Gerier äleht sich zur Teschlu'ßsassuug zurück und verkündet nach kurzer Beratung, daß der Zeuge wegen Ungebüb vor Gericht zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt sei. Darauf tritt die Mittagspause ein. Um 725 Uhr wird die ^ipung uei fast tropischer Hitze Wiede: eröffnet. Kutsiper Fviank aus Baden-Baden gibt an, daß v nichts davon weiß, daß der Tiener Wieland sich am sraglichen Tage seine Hosen zerr men habe. Am andern Tage aber sei Wielank zn ihm geEüimnen uno haoe zu ihm gesagt: „Tu hap doch gesehen datz meine Hosen zerrißen waren", was der Zeuge vernemle Referendar Lent ijt noch nicht er,chlenen, um Beschluß über leine iiochmalige Vernehmung wiro vis zum Schluffe bet Beweisaufnahme zuruckgestellt. Vert.: Der ruhenve '^ol in den Erscheinungen der Fluch! i,t das Delepyongeipruch, bas von 5.45 bis 5.4/ Uhr kauerte. H^ hat von der Po,t bis zu der Stelle wo u^eiirau v. Reitzenstein ihn sah, 1180 Pieter zuruckgelegt, Die er in 11 Minuten gemacht Hai Freifrau von Reitzenirein wttd zur Klärung der Sach nochmals vernommen. Bors.: Wann, wo und wie haben Sie ben Angeklagten gesehen? Zeugin: Ich trug einen Brief zum Bries- Lauen. Auf dem Rückwege begegnete icy einem Mann, der mit unheimlich wsar. Ter Verteidiger fallt fest, daß die Angabc der Zeugin mit der des Angeklagten auf den ZenibNieter stimme dann tras die Zeugcn die Damen Molitor. Als sie ins Haus trat schlug es 6 Uhr. Hinter den Damen Ättlikor ging eiu Mann der kleiner war als der Angeklagte. Man sah, daß er den Sarney direkt folgte. Es werden noch mehrere andere Zeugen zum zweiten Mal veriwmmen, die den Angeklagten an der betreffenden Stelle ge lehen haben. Verteidiger: Hinter den Damen Molitor ging also ein älterer Herr mit graumeliertem Vollbart. Wo ist dieser ölte Herr' Es müssen doch Erhebungen nach ihm stattgefunden haben. Wrr hat nach den beiden anderen Herren, die gesehen wurden, geforscht ' — Polizeikommissar Bering er : Nach diesen beiden Herren ii nicht geurscht worden, da Frl. Olga Molitor sie nicht gesehen hat. Es har sich niemand gemeldet, obwohl in den Tageszeitungen Aufrufe erlassen wurden. Es werden bann wieder Briese verlesen. Nach dem Eheverttag vom 11. Mai 1907 des Angeklagten hat Hau auf alles Erbteil verzichtet. Bert.: Er iß, also lein geldgieriger Räuber. Ter Verteidiger beantragt, den Zeugen vorerst nicht zu vereidigen. Staatsanwalt: Tie ganze Verhandlung hat nicht den ge- ringlten, Verdacht gegen den Zeugen ergeben. Tas Gericht bejchloß, die Verewigung auszusetzen. Vors.: Wlarum haben Sie Ihre letzte Adresse uns nicht angegeben? Zeuge: Ich hatte sie in Potsdam hinterlegt. Ich war von dort zu meinen Ettern gegangen und mußte annehmen, daß man ev. sich dort nach mir erkundigen würde. Meine Eltern kannte« meine neue Adresse. — Vorsitzender: Haben Sie davon gehört, in welcher Weise Ihr Name« mit der NUirdtat in Ver- vmduilg gebracht worden ijt? — Zeuge: Jawohl. Mein Herr zeigte es mir in einem Zeitungsbericht. Ich bat ihn darauf, fosort der ^laatsanwaltschast Mitteilung von memem Aufenthalt zu machen, um eventuell hier erscheinen zu können. Ter Vvrfitzende kommt alsdann auf die Sache selbst: Sie waren bei Frau Molitor. Haben Sie über sie räsoniert? Zeuge: Ja, sie war ost heftig und aufgeregt. Aber gescholten habe ich nicht. den Fall Hau habe sammeln lassen, da er über den Fall einen Artikel für die 250 deutschen Zeitungen, die er bedient, verfassen wollte. Tiefe Artikel seien wie immer je nach den Erklärungen des Staatsanwalts oder Verteidigers ausgesiebt worden, bis schließlich ein Material übrig blieb, das als authentisch gelten mußte, ha der Staatsanwalt es nicht angegriffen hatte. In Karlsruhe ging der Zeuge zur Redaktion der „Bad. Presse" und teilte dem dort anwesenden Redakteur Frhrn. v. Secken- borff mit, baß er nach feinem Material einen Vorbericht über den Fall Hau verfassen werbe. Von dem Verteidiger habe er kein Material erhalten. Zugleich teilt Zeuge 1 ' die Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Iße: .. Rot herrscht hier, wie gesagt, vor. Rot sind die Wände tapeziert und rot ist die Bekleidung der mahaqoni- artigen Sessel Wer das Innere zum ersten Aiale am Tage sah, den mutete dieses dunkle Rot wohl kühl und finster an den« die breiten grünen Streifen auf den ausgedehnten Flächen der roten Tapete wirkten fast grau, und das Rot der Tapete nahezu schwarz Erst d,e Beleuchtung stellte di- volle Harmonie her. Darum sollte man nte ein unbeleuchtetes Theater beurteilen Ohne Licht und obendrein noch ohne Vorstellung und ohne Zuhörerschaft gleicht es einem Etui, dem der Schmuck fei lt Seine Stimmung, ferne Wesensart, ferne Seele ist nur -u erkennen, wenn es von dem Leben erfüllt ist, für das man es schuft E,n Theaterbau am Tage .st so etwas wie ein Buchdrama. Es verhalt sich zum belebten Theater wie eine gefchnebene dicke Partitur zum rauschenden, seelebestrickenden Tonwerke wie d,e botanische Klassifikation zur leuchtenden, duftenden Blume. „Licht es ist der große Mittler zwischen Gott und z.vifchen Menschen", sagt Ptaten. So traf ichs denn gut, daß man bei meinem letzten Besuche des Theaters vor seiner Eröffnung gerade die Beleuchtung probierte. Als von der Decke und von allen Seiten gedämpftes, aber kräf- Uge» weißes Licht den weiten Raum durchstrahlte, da erst gewahrte ich die vornehme Farbentönung. In ruhiaer Harmonie verbindet sich mit der dominierenden roten Farbe das Rotbraun dec Holzte,le, und effektvoll steht zu ihr das gar reichüeh verwendete Gold sowie der leuchtende Glanz des ^,8,elMn,a^DOa« ^s-rve angebrachten Messingbeschlags und zahlreichen Beleuchtungskörper. Längs der Wand oben lauft eine sehr diskret und fein getönte Friesborte. Das Pcoseemum hat eine überaus breite, in. E, allzu prunkende Goldumrahmung erhalten Tie zierliche Souffleurmuschel mitten >m unteren Kranzteile aber nimmt sich allerliebst aus. Ueber den obersten Logen fällt das in seinen geraden Linien vornehm und ruhig wirkende Rtuster angenehm auf. Die weiß.goldene Decke mit ihrem gewundenen Linienspiel bildet dazu eine seÜfame Antithese. In die Weiße der Leiden goldornamentierten Ballust- Und Thalia zieht, nach dec Einleitung zum dritten Akte von Wagners „Lohengrin", in ihren neuen Tempel em. Drei ihrer größten Priester deutscher Zunge sollen zu Worte tonunen. Wies ihm gebührt, Hal Goethe den Vortritt. „Dat Vorspiel auf dem Theater" aus „Faust". Wir sehe» em kleines Zimmer im Empiregeschmaek. Zum Dichter und der luftigen Person tritt der Theaterdircltor. Sie freche» ihren Part freilich recht hastig herunter. .Es kribbelt unS . di- „Hessenkunst" unter Großherzog Ernft Ludwig über Deutschlands Grenzen hinaus errungen hat. Die schöne, über den Tag hinaus wertvolle Dichtung findet den ungeteilten lebhaften Beifall der versammelten Feslgesellschast. Leider waren Ihre König!. Hoheiten durch den Besuch eines indischen Fürsten verhindert, dem schönen Festabende beizuivohnen. Tie^ Sach^ Si«n ver Tacye auTmernam worden, irr frage Darum Den StaaiL “ anwalt, ob er wirklich die Frage getan habe, ob der Zeuge Don der Familie Hau bezahtt werde Tcr Staatsanwalt bejaht & da«, er die Frage in diesem -sinne gestellt habe. Zeuge: Sann verlange ich den Schutz des Gerichts. Ser Vorsitzende blättert in feinen Notizen. Ser Zeuge fragt nochmals: „Also Herr Staatsanwalt, xsie halten viele Fwage aufrecht." Sief er nickt. Sami erklärt der Zeuge mit erhobener Stimme: „S>ann erkläre ich, bna durch diese Frage die gesamte deutsche Presse und die gesamter Berufskollegen beleidigt find. Dagegen muß entschieden Wahrung eingelegt werden. Sie Frage des Staatsanwalts iß eine niederträchtige JnMmie. Vorsitzender: Wie tonne« Sie es wage«, so etwas zu sagen? Sas Gericht zieht sich zur Beschlußfassung zurück und et- scheint er,l nach längerer Beratung wieder. Es hat das Gericht beschlofie«, de« Zeugen Schweder noti einmal zu hören. — Bors.: Wie konnten Sie sich so etwas herausnehmen? IW Ci) einmal das geliebte Wett zu seyen. wie möglich d.abei an. Ein Mörder, Ec stellte es so dumm *: RhNıl ^ier tonnnt cs, daß Sie erst am Sonnabend den ' i . ^^rer 0fahrt nach Baden-Baden angaben und hier so lange M Kl P. w, des kJ angeregter Unterhaltung zusammen. Im Uli inj ibfl [DJ oj Sodann gedachte mahl in, die sich seres Regiments erworben hatten. Frau und Herrn reden erschöpft, 61 de- en! Le KU ä» Le iet di nie oit u.f V1 ml Im Anschluß an die Erösfnungsfeier sand im großen Saale Gesellschastsvereins^Hauscs eine zwanglose gesellige Bereit'. ilfl ^e K« S* )0ll eut gk Hl Ai ,d» w Ult Bei infl ml ma 4 oa ä l|lii )IE I uni tri ^am IDlt hi 'en l'cht ni q nee Glück auf 1 Gott grüß die Kunst! $ rascher als jeder vorherige Kommandeur uu- die (allgemeinen Sympathien der Bürgerschaft Er trank auf das Wohl von Fräulein Bajor, von XHnbcnau. Damit war die Reihe der Tischaber noch lange blieben die Teilnehmer in W M !UQ * ■ X schwiegen auch nach dein J^r ^a u? 1 ' i.h. baß für Familienangehörige Kornpli- Ca turnen_burct) meine Auslagen erstehen könnten. Bors.: Hatten Sie Anhaltspunkte, baß etiva Frl. Olga mit Beziehungen unterhielt? — Angekl.: Durchaus nicht dann nicht in Betracht kommen, daß Frl. Olga etwa.selbst bei der Tat beteiligt ist? — Angekl.: Das halte ich für gänzlich ausgeschlossen. Es wird daun nochmals Frl. Olga Molitor vorgerufen Bor,.: Haben Sie auf jemand anderen Verdacht als den Angeklagten? Zeugin: Nein. Bors.: Haben Sie den Angeklagten nicht gesehen- nicht ge- spwchen? Zeugin: Nein. Darauf wird die Zeugin nochmals vereidigt und darauf die m Beweisausnahme geschlossen. £ _ Bor sitz ende stellt an die Geschworenen folgende Schulb- fragen: nigung Mtt, die recht zahlreich besucht war. Im Verlauf des Abends sprach der Dorschen de des Theatervereins, Professor Tr. Fromme, all beit Gästen, bie der Einladung Folge geleistet hatten, sowie allen am Bau des Hauses Beleiligien herzlichen Tjant aus. Er betonte des weiteren, daß man auch fernerhin bestrebt sein werde, das Gießener Stadttheater immer mehr Nehmen wir alles nun in allem, so ist festzustellen: Feierlicher und prunkhafter hätte man den Einzug Thaliens in ihr neues schönes Heim nicht begehen können, als es geschehen ist. Wir haben gebauet ein stattliches Haus, drin wir bequeme Sitze, gute Lust und ausgezeichnete Akustik haben. Nun ist es geweiht zum edlen Zweck. Daß es seine Bestimmung erfüllen wird, dem Kunstleben unserer Stadt neue Fülle und Krast zu geben, dafür bürgt wohl der ungewöhnliche, für eine Stadt von der Größe Gießen geradezu gloriose ^bürgerliche Gemeinsinn", dessen unvergängliches Denkmal eS darstellt. Darüber hinaus aber verspricht es die Universitätsstadt Gießen, die wissenschaftliche Zentrale des Großherzog- tums, zum Kunstmittelpunkt dec Provinz und weit darüber hinaus zu machen. Für das Gießener Theater heißt es daher fortan: Post nubila Phoebus! 1 4 L sich «uÄmbT "tief ers-Mtert, als jetzt der Vorsitzende mb™/'"4 T0H baS ,bSmannte T«stament der Mau verlesen zu einer wahren Statte der Bildung und Kunst zu machen. Sein Hoch galt dem ferneren Blühen und Gedeihen des Theaters. Finanzminiscer Exz. Tr. G n a u t h dankte für bie Einladung zur Theater-Eröffnung und bemerkte unter Heiterkeit der Zuhörer, er leite die Veranlassung zum Reben für seine Person daher, daß er ebenfalls unter den Zuständen des alten Theaters gelitten habe. Auch er dankte allem die am Theaterbau mitwirkten, und bemerkte weiter, daß die Gießener Bürgerschaft mit dem Bau ein leuchtendes Vorbild weit über die hessifchen Grenzen hin- laus gegeben habe. Die Aufbringung der Mittel habe ihm als Finanz Minister umso besser gefallen, als er damit eine Waffe der Abwehr erhalten habe, die er als Beispiel gegen die anwenden könne, die immer nach der Staatshülfe schrieen. Er leerte [ein Glas auf das Wohl aller Mitarbeiter. Direktor St ein- go etter dankte im Namen des Künstlerpersonals für dte großartige Kunststätte, die man ihm bereitet habe. Als er das neue Haus zum erstenmal gesehen habe, sei ihm zumute gewesen wie einem Kinbe, das den Weihnachtsbaum sehe. Tu|es Gefühl habe such immer mehr und insvesondere heute verstärkt. Zum Schluß brachte der Redner ein Hoch auf den Theaterverein und feinen verdienstvollen Vorsitzenden Prof. Fromme aus. Oberst von Sinbentau feierte den Dichter des Prologs und gedachte seiner als Förderer der Hessentünst, indent er Die Hoffnung ausiprach, daß der Dichter auf dem betretenen Wege fortfchreiten und uns ein echtes deutsches Drama bescheren werbe. Herr Alfred Bock bantte, indem er ausführte, daß der Hauptteil des Dankes der liebenswürdigen Interpretin 1 einer Verse gebühre. er des Obersten von Lindenau und seiner Ge- k «Angeklagte schuldig am 6. November vorigen Jahres, Enos. 6 Uhr, seine Schwiegermutter, die Geheimratin Molitor vorsätzlich getötet zu Haden? Im Falle der Bejahung dieser Fauige: Ist er schuldig, bie Tat mit Ueberlegung vollführt zu haben? _ Auf Wunsch ber Geschworenen würbe beschlossen, heute bie Affäre zum Abschluß zu bringen. Es wurde daher um Vs 10 Uhr mit den Pläboyers begonnen. Staatsanwalt Tr. Bleicher führt aus, daß die schlimmsten Tragödien nicht auf der Bühne, sondern in der Wirklichkeit spielen. Maglose Geimßsucht und Geldgier haben hier einen Mord veranlaßt. Tückisch lockte der Mörder eine angesehene, geliebte, be- iabrte Dame in den Hinterhalt und schoß sie meuchlings nieder. Seine Gattin suchte verzweifelt den Tod im Pfäffikoner-See. Ter Vater erlitt einen Schlaganfall, von dessen Folgen er sich noch nicht erholt hat. Ein viertes Opfer ist das unschuldige Kind, das ewig den Makel, einen Mörder zum Vater zu haben, tragen muß. Ter Angeklagte hat sich in Amerika bemüht, sich einen Erwerb zu schaffen. Im Jahre 1906 fing das Leben des Angeklagten an, einen ruhelosen Verlauf zu nehmen. Er ging nach dem Klontinent, stieg in Wien mit zwei Damen vb, mit denen er das Zimmer teilte, ging nach Konstantinopel und weiterhin. Der Angeklagte brachte in dieser Zeit sein ganzes Geld durch, bis auf etwa 10 000 Mk. Im Oktober finden wir ihn in Wien. Hier beginnt das Verbrechen. Hier begann der Schwindel mit dem Kreditbrief. Er wjar mittellos. Er hatte keine «andere Geldquelle als diesen Kreditbrief. Und immer spielte er den großen Herrn. Er sah feinen finanziellen Zusammenbruch vor sich und trug das Todesurteil gegen die Frau, bereu Gastfreundschaft er genoß, schon im Herzen. Dann ging er nach Paris. Mit einem Telegramm lockte er seine Schwiegermutter nach Paris. Um Mitternacht kam Frau Molitor in Paris an. Tas war der erste Versuch des Angeklagten, feine Schwiegermutter aus dem Wege zu schaffen. Vielleicht hätte er sie getötet ober sie unter ein Automobil geworfen. Von Pvris ging er nach London. Tort gab er selbst eine Depesche an sich auf, bie ihn n,ach dem Kontinent berief, und mit der er feine Frau be- etne künstlerische Veranstaltung, er trägt auch vornehmen gesellschaftlichen Charakter. Und wieder ruft bie Klingel. Man bricht auf, schnell wird noch einem bet beiden reich besetzten Büfetts ein kurzer Besuch adgestnttet und dann sitzt man wieder auf feinem Platze. Nach dem FinnländifchenReitermarsch ans dem 30jährigen Kriege — vielleicht wäre noch passender Smetanas symphonische Dichtung „Wallensteins Lager" gewesen — entfaltete sich vor unfern Augen Schillers buntfarbiges kriegerisches Lagerbild. Die Trommeln rollen und die Hörner klingen. Ums schwelende Lagerfeuer drängt sich die Fülle der Uniformen, flattert die leichte Beute der Solbatendicnen. Der Wachtlueistcr (Herr Bakos), sekundiert vom Trompeter (Herr Krauß) packt seine bieber-heitere Weisheit aus, hell auf iobert bie rasche Wildheit ber Höllischen Jäger (Herren Roben unb Goll) grämlich meckert bazivischen bie spleßecige Bebächtigkeit beS Arkebusiers (Herr Lippert). Der Kroat (Herr Fredy) wirb um seine Beute geprellt, ber Bauer nebst feinem Sohn (Herr Gareis und Frl. Winbetstein) schmählich um bie Frucht feiner spitzbübischen Rache gebracht. Dummfrech lacht ber Rekrut (Herr Schür- niann) in bas Gezeter bes Kapuziners (Herr Schlegel), lustig imb schlau schlüpft durch das Gewimmel die gefchäftige Gustel von Blajewitz (Frl. Lautermann). Unb all ben schwankenben Wirrwarr faßt zum festen Entfchluß zusammen der männlich ernste Kürassier (Herr Weingärtner). Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd! fchmettert das Lieb vom freien, frohen Solbatentum. Dieses wundervolle Meisterwerk eines stilvollen Realismus bot Anlaß zur Entfaltung all ber reizvollen Künste, die unsere neue Bühne zu bieten vermag. Wir sahen ein reich ausgestattetes winterliches Kriegs- unb Kulturbilb. Die bebeutenbe Tiefe ber Bühne erlaubte es, ein lebendiges Zu- unb Abstürmen von Volksmengen ungezwungen ins Werk zu setzen unb ben Raum auch dekorativ wirkungsvoll auszunutzen. Den Vorbergrunb und bie Mitte nahmen bie Solbaten am Wachtfeuer, Marke- ienbcrinnenÜänbe, Zelte unb Wachtbuben mit ihrem Hin unb Her ein, während den Hintergrund bie erhöhte Lagerbefestigung mit Geschützen abschloß. In ber Ferne ragten Pilsens Mauern und Türme. Die Darsteller der verschiedenen Soldatentypen kehrten allesamt in ihren historisch treuen Trachten die malerische Erscheinung unb das rauh-romantische Wesen der damaligen Soldateska überzeugend hervor. Die Kostüme waren ja freilich sehr neu, wie aus dem Ei gepellt, und straften somit die strapaziösen Abenteuer ihrer Trager Lügen. Aber bie Bewegung der Massen gelang im allgemeinen recht natürlich, wenngleich immerhin der Wunsch übrig bleibt, daß die handfesten gelockerten Sitten jener Zeit noch schärfer hervortreten kömiten. Ein paar Männlein unb Weiblein aber fah man boch auch ohne theatralische Zimperlichkeit miteinander verkehren unb die Dirnen-Tanze am Schluß entäußerten sich besonderer Rücksicht auf die Zartheit bes Parketts. Vornehmlich Anerkennung uerbient Herr Schlegel für ben Kapuziner, ben er ganz bet Rolle entsprechend halb als Zeloten, halb als den Volksrebner spielte, der, wie Kleists Adam, .sich selbst an feinen Witzen unb Wortspielen unb an deren Wirkung auf seine Zuhörer erfreut unb belustigt. Ter Angeklagte ist ganz zusammengesunken unb geistesab- wesenb. Erst nach mehrmaligem Anruf fährt er verstört empor und erklärt auf bie nochmalige Frage, ob er noch etwas zu sagen habe, mit lauter Stimme: „Nein!" Ter Vorsitzenbe gab den Geschworenen die Rechtsbelehrung, worauf fie sich zur Beratung zurückzogen. Um % 2 Uhr nachts verkündete nach einstündiger Beratung der Obmann der Geschworenen auf die Frage: „Hat der Angeklagte die verwitwete Frau Geheimrat Nkolttor vorfätzlich er- inorbet?": Ja, mit mehr als 7 Stimmen. „Hat er mit Ueber- lcgung gehandelt?": Ja! Ter Angeklagte wird in ben e>aal geführt. Die Antworten ber Geschworenen werden nochmals verlesen. Staatsanwalt: Ich bitte auf die im Gesetz vorgesehene Strafe zu erkennen und aus'Aberkennung der Ehrenrechte auf die Tauer von 10 Jahren. — Verteidiger: Ich habe keine Anträge mehr. — Angekl.: Ich auch nicht. Das Gericyt rieht sich zur Beratung zurück. Nach kurzer Beratung verkündet ber Vorsitzende Las bereits mitgeteilte Todesurteil. Vorsitzender zu Hau: Haben Sie noch etwas zu erklären? — Hau: Nein. Er wird hinausgeführt, das Publikum nahm das Urteil mit Ruhe auf. Dr. Dietz hat bereits Revision eingelegt. h. Karlsruhe, 23. Juli. Der vom Verteidiger Haus, Rechrsanwalt Tr. Dietz, eingereichte Revisions-Antrag! stützt sich auf eine Reihe prozessualer Verstöße. Das Befinden Haus war heute sehr gut. Tas Todesurteil hat feinen deprimierenden Eindruck stuf ihn gemacht. Er ist von besten Hoffnungen über ben Erfolg ber Revision erfüllt. Er beschwerte sich seinem Verteibiger gegenüber, ber heute vormittag eine längere Unterredung mit ihm hatte, in erster Linie über bie Höhe ber verhängten Ehrverluststrafe, bie vom Gerichtshöfe auf zehn Jahre festgesetzt würbe. Mit bitterem Ernste betonte Hau, baß acht Monate Uittersuchungshaft für ein verunglücktes Renbe^wus eine völlig ausreichenbe Strafe gewesen Ware. Ein Todesurteil deshalb über sich ergehen lassen zu müssen sei kaum glaublich. Tie Familie Molitor wurde heute nacht unauffällig durch eine Seitentür aus dem Gerichtsgebäude gelassen, worauf sie ein Wagen nach Ettlingen brachte, weil in Karlsruhe für ihre Sicherheit sehr zu befürchten war. nidttV^S Ast« feiner Fr-u enthält. Gr wolle alles zugeben Famillenangelegenherteu ““l bie Verlesung verzichten. ' '- ± Verlesung M Testaments wohl in ben Ohren, allein zum Herzen bringt es nicht." Aber dieser Prolog, in dem sich Dichterresignation, Theater- unb Weltklugheit zu einem unvergänglichen Terzett vereinigen, Übt doch einen unverwüstlichen Reiz unb Zauber aus unb es wäre zu wünschen, daß sich das Theaterpublikuni ihn zu öfterer Lektüre erwählte. Goethes Verse auch dem ferneren Ohr wirklich zu' Dank zu sprechen ist aber ganz außerordentlich schiver. Nikolais immer junge, immer frische Ouvertüre zu den ^Lustigen Weibern" Leitet bann ben „Zerbrochenen Krug" von Heinrich v. Kleist ein. Obwohl bie Entstehungsgeschichte dieser unsterblichen Dichtung bekannt ist, bleibt es ein Rätsel, bas nur in dem Genie des Dichters seine Erklärung findet, wie dieser Melancholiker ein so köstliches, nie alterndes Lustspiel schaffen konnte. Feiert es doch im nächsten Jahre seinen 100. Geburtstag! Da Herr Al-ois Wohlmuth, kgl. Hofschauspieler in München, einer der hervorragendsten deutschen Darsteller des Dorsrichters Adam, zu diesem Weiheabenb gewonnen worben war, so war eine nicht alltägliche Aufführung gewährleistet.") Unb sie riß das festlich versammelte Publikum hin. Der breit angelegte unb höchst humorvoll zugespitzte Abam trug allein bicse unbändigste aller deutschen Komödien. Das Bäurische, Rauhbeinige brachte Herr W. mit innigem Behagen heraus unb bie tiefernfie Seite der luftigen Sache, bie grenzenlose Justizrohheit, ließ er gerabe burch seinen starken Farbenauftrag burchflackern. Ec gab einen Abam, der über ber Freude an dem eigenen Witz bie verzweifelte Lage fast vergißt, ber sich mit köstlichem Galgenhumor, mit aller Geistesgewalt aus der fchon eng ben Hals ihm fchnüren- bcii Schlinge herauszappeln will m einer unvergleichlichen Art tollen GaubiilNis an der eigenen Klemme — eine ganz wunderbare Spielart der eigenen Schadenfreude. Uebrigens hatte er der gewaltsamen Theaterbeacbeitung, m der leider fast allenthalben noch, und ebenso bei uns auch bisher, das Kleist'sche Drama erscheint, den Garaus gemuckt unb sich säst genau, nur mit einigen Kürzungen, an das Original gehalten. Bon so sastigem, oft überwältigend prächtigem Humor Herrn W 8 Leistung als Adam aber auch ist, sie zeigte sich docy als Virtuosenstück, da nicht der rechte Zusammenklang geivahrl ivar. Es schien, als rechneten alle übrigen Darsteller den Adain zu jenen Sündern, die ernst zu nehmen smd, jo sehr sie auch ergötzen- sie hatten auch nut dieser Auffassung S° UÄ"Ä fällt und hinans drängt die festliche Schar der Gäsie, während der großen Pause sich m den breiten lichtüurchfluteten Wandelgängen 311 ergehen. Und ms p>-acht>ge ^oner hinein ergießt sich unabläßüch der Strom der froh erstaunten Wandler. Die Augen glänzen, mancher rosige Nacken leuchtet, die Seide rauscht, neben der schwarzen Feierlichkeit der Fräcke blitzt sparsam die bunte Pracht der Uniformen, hier merkt mans wahrlich, dieser Festabend ,st nicht nur •> Herr Wohlmull) hat sich auch als Schriftsteller einen Namen /»emneht Recht amüsant sind namentlich seine „Ferlen-^iaume rmuneben 1904), die den dichtenden Mimen hinausfichren aus ben .himmlischen Soffiten" unb ber „angestrichenen Natur in Walbe^- luft und Blütenwelt. umnebelt. Wicktia Ü iii7t's.. -A? /"erieiung oes Moments anberung des Kinbes gebeten iuirlL Um A a •« Uofl <"X V w. Ohug dsann nach Franlsurt, - nach Karlsruhe, unv i iMeßlich n/ach Baden-Baden. Hier trieb er sich am 6. dkvvem- 1 ber in den eimfecn umher und berief bann vor 6 Uhr nach- - mittags Frau Molitor telephonisch nach der Poss. Nach der ' •jat floh er nach Brüssel, wo er seiner Frau telegraphierte. : Zer Angeklagte gab einen Grund für seine Reise nach Baden- Baden an. Dieies Motiv iss aber absolut ausgeschlossen. Es ' lpußte nientianb etwas von feiner großen Leidenschaft, insbe- ' onbere nicht ber Gegenstsanb seiner Neigung. Statt fofori nach Baden-Baben zu eilen, bleibt er einige Tage in Frankfurt unb. ■ ragt dort nach Dirnen. Die gräßlichß-en Seeleuqualen über Die Tat erlitt seine Frau. \yie war von ber Schuld bes Angeklagten überzeugt. Nach dem Tode ber Frau war ber Angeklagte von 1 allen Rücksichten frei: Warum sagte er nun nichts von beut Renbez-vous in Baden? Tas iss ein untrüglicher Beweis, baß er bie Tat begangen hat. Jeber Mittel bar, tötete er die Frau, durch deren Tod er Kredit und später. eine Erbschaft erhielr. öu spat gab der Angeklagte sein Motiv an. Und warum? Wegen der Komödie Senf. Ein Zeuge nxir es, der im Gefängnis mit ihm fiaß, deiseu freisprechendes Urteil noch nicht rechtskräftig iss. Ein Mfann, der feine Frau in ben Tob gehen läßt, verkauft sein Gel-eimuis um 30 Mk. Er hat bie Dreistigkeit, um das zu sagen. Ter Verteibiger iss bis heute in derselben Ungewißheit über die Einzelheiten btt Tat, wie wir. In Sonbon jagte ihm ber Angeklagte: „Nehmen Sie nur an, ich hätte bie Tat begangen unb richten Sie Ihre Verteibiguug barnach ein." Es iss nicht der geringste Zweifel, daß ber Angeklagte ber Täter ist. Tauu ergriff der Verteidiger Dr.. Dietz bas Wort. Er erklärte: Ich bitte Sie meine Herrn Geschworenen um das Leben des Angeklagten, um seine Freisprechung. Ter Angeklagte ist emes ber größten Rätsel, bas es gibt. Er legte seinen Kvpf bis unter bas Fallbeil, um einer T^rne, bie er unerlaubt liebte, zu ersparen, baß ihr Name in allerlei Beziehungen gebracht werbe. In solchem Flalle kann man nicht kommen unb sagens „Ter Mann iss verdächtig. Er git im letzten Moment eine unglaubhafte Erklärung." Wo ist der vornehme Herr, ber hinter den Tarnen Molitor I^rnef, wo bie anderen beiden Herren, bie auf ’ber Straße herumivimmetten? Unsere sinbige Kriminalpolizei konnte sie nicht auffinben. Sie sind aus ber Welt verschwunden. Wenn das Verbrechen ungesühnt bleibt, bann bebauten-Sie sich bei ben Leuten, bie lauf bie falsche Spur hmgewiesen haben und bei "ber UntersuchungsbeHörde, die so wacker gearbeitet hatte, bie, in bem kleinen Baben-Baben bie vier Herren nicht finben tonnten, llnb wenn bie Wett voll Staatsanwälten wäre, die bie Zeitungen vorher bearbeiten unb ihnen bas fertige Urteil probuzieren, Sie, meine Herren Geschworenen, dürfen sich dadurch nicht beeinflussen lassen. Tie, Annalen dieses Prozesses sind ja noch nicht geschlossen. Die Sache wird an anderer Stelle weiter au^getragen werben. Nun zum Jnbizienbeweis. Ein solcher muß stets mit Vorsicht angewenbet werden. Ter bes Staatsanwalts ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Dieser „Raubmörber" ist ein sonderbarer Raubmörber. Er vermummt sich. Man benkt an ben Schinberhanues unb anbere Gestalten. Ter hochintelligente, vornehme Universitätsprofessor macht eine solche Vermummung, baß bie Kinder über ihn lachten und er den Leuten wie ein „Fliegender Holländer" vorkam. Der „Raubmörder" läßt sich in Frankfurt einen Bart anlegen, im Hotel, wo alles darüber lacht, er sagt, er geht nach Baden-Baden, damit alle Leute in Frankfurt am nach neu Tage gleich wissen: „Aha, das ist "ja unser sauwser „Raubmörder". Sie kennen den Mann, der so vermummt umberläuft, an allen Orten. Das ist der blindwütige Verliebte. Wenn bie Liebe in Betracht kommt, bann werben nicht nur Weiber zu Hyänen, sonbern auch Rechlsanwalte zu Eseln. Pros. Aschaffenburg hat mir geschrieben, er habe vom ersten Tage an, nachdem er ihm in bie Augen geguckt hat, sich von seiner Nichtbeteiligung am Morbe überzeugt. Tas ganze Vorleben bes Angeklagten weist auf eine Dekadenz hin. Was treibt er nicht alles in seinen sexuellen Abnormität. In Paris sah er ein, daß das dreieckige Verhältnis — an bem Frl. Olga Molitor vollkommen unschuldig ist — nicht weiter geht, b,aher das Telegramm, das der Staatsanwalt als Mordversuch auslegt. N,ach Baden-Baden ging er vor der Abreise nach Amerika, um wie möglich dabei an. Ein Mörder, ein Raubmörder ist es nicht, wohl aber ein verliebter, abscheulicher Mensch. In Baden- Baden irrt er umher, telephoniert, stürzt nach der Villa. Aber wer tritt heraus? Frl. Olga mit seiner Schwiegermutter. Ta sah er, baß fein Plan mißlungen war und er stürmte davon. So hat sich ber Vorgang abgespielt. Mein Mann fuhr mit bem nächsten Zuge bavon. Der Mann bes Staatsanwaltes schoß inzwiicheir unb lief die Linbenstaffeln entlang, springt über bas eil eene Gitter in seinem langen Paletot, läuft die langen belebten Straßen an unb kommt keuchend auf dem Bahnhofe an. Tort treffen sich die beibem Mein Msann fommt gemächlich per Trofchke an, ber des Staatsanwalts kommt leuchenb an. Der bomeljmc graue Herr rennt auch irgenbwo zur Bahn. Alle brei reimen also zum Bahnhof unb fahren bavon. Da kommt ber Staatsanwalt unb sagt: „Einer iss es, ben Hau haben wir, also köpfen wir ihn." Ich plaibiere nicht für milbernbe Um- stänbe ober Unüberlegtheil. Wenn Sie, meinen Herren Geschworenen als Schöisen ber Mann wegen Schießens an unerlaubten Orten auf Gruub bieses Jnbizienbeweises mit brei Mar! bestrafen sollten, Sie würden dem Anwalt ins Gesicht lachen. Sprechen Sie den Mann frei. Ter Prozeß hat wieder gezeigt, wie notwendig bie Aufrechterhaltung des Schwurgerichts ist. Weil wir gesehen haben, wie unsere juristischen Formalitäten nicht nur Hab unb Gut vernichten, sonbern auch ben Tob bringen. Nur Morb gibks nach dem Gesetz. Keine verminberte Zurechnungsfähigkeit, keine milberubeii Umstänbe unb keine Berücksich- tigüng ber Psychopathie. Meine Herren Geschworenen! Sprechen Sie meinen Klienten frei! Damit werben eie wirtlich auf bem Boben ber neuen Zeit stehen. Vorsitzender zu dem Angeklagten: Wollen Sie noch etwas sagen? E^wuÄeÄnn hal nuv einzelne Teile verzichten. J verlesen. bann bad Testament ber Frau Hau vom Mai 1907 r * Of'CT sstzt um 7 Uhr eine Pause machen Wirb^!"0^ UÖ C eT^art abn:: bitte, baß jetzt ein Enbe gemacht EE Jn Schuhwaren jSt das ßßStß im Gebrauch stets das Billigste l 5£mt,iche 5ommer-5chuhwaren in .guten Qualitäten werden zu billigsten PrßlSßn verkauft. 4688 Verschiedene tt/ uiiu Vecueijir. io ]inü i -- und 5-Zimmer-Wohnungen, der A Alte Lebensversichcrnngs-Ge- UieUiPlt PtlffllT PttTAPV mH LUaä iniltfliAH i-.tr-C-i+ >>!.. ft* _____ .. n 7 Zimmer j J^unb 4-Zimmerwohf 46^/] Ä-tarburger Si 3 Zimmer Kaplansgaffe 27. 14725 Zur Leitung einer & Zimmer Sonntag, 88. Juli I——7 Sonntag, 88. Juli FamilikllaGH nach d. LndwigLbrunnen. foiurt gesucht. [4755 Sägewerk Georg Schubecker. ihuif-(r>enid)r Nachmittags 2—5 Uhr Sonntags von 10—12 Uhr. I Zimmer Reichhaltigste Auswahl 4870 Mansarde an ruhige Leute zu oernneten. Süd-Anlage 10, [1334 'nung zu v. llratze 60. Herr sucht ab 1. August möbl. Zrmmer mit Klavier. 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