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Ann. 190» -•« =<-«* äs v » Air • jscscsa» 7-^-?^ flÄi Af* A*t A*f 11 HIAtAAl« dem fiefstfchen Landwirt M MW H fl JF $L»k R7 E K 87 AJ ES SM H 7 9 i M I V bieiioft*DtL8.-oteti* die Siebener Lamllien- TN W M W SßF l2 Kg AM U B jährl. auSschk. vestellO. y V, I IIf l vr I ▼ ▼ Bis« ExSE General-Anzeiger für Oderhessen WJß Adresie tüt Depeschen: ttA, „ .Genchtssiral^: Ernst Anzeiger «ietzen. «orattomdruck unb Verlag der vrühl'schen Univ^Vllch- und Steindruckerei. L Lange. Redattio«, LxpedMon und Druckerei: Zchulstratze r. ^Igmteii^ Ha^s «eck Ire heutige Dummer umfaßt 10 Seiten, Ai- Keidetöergcr Tagung dcs Datiuoalvereins. Am Samstag und am Sonntag wurde das jüngste Kind des Liberalismus auS dcr Taufe gehoben. Man hat den Umstand, daß der Nationalverein aus bayrischen Verhältnissen erwachsen ist, als ein Bedenken gegen ihn, als einen Beweis der engen Grenzen seiner Existenzberechtigung bezeichnet. Aber dte Heidelberger Tagung hat bewiesen, daß er schon Ausbreitung in nicht unerheblichem Maße über Bayern hinaus gefunden hat. Freilich vorerst hauptsächlich in den deutschen Gauen südlich des MaineS. Die Teilnehmer aus Preußen waren vereinzelt. Unser Hessen war, wie wir hören, nicht nur durch den ReichStagSabg. Dr. Osann aus Darmstadt und Pfarrer Korell, sondern auch durch eine Reihe weiterer liberaler Männer gut vertreten. AuS Baden und auS Elsaß- Lothringen war eine beträchtliche Anzahl von Liberalen aller Schattierungen, gleichgültig ob organisiert ober unorganisiert, zusammengekommen, weniger allerdings aus Württemberg. In den Ländern südlich des Main, wie ja erfreulicherweise auch bei unS in Gießen, sind eben vielfach die Unter- schiede der liberalen Gruppen nicht mehr so groß wie in Preußen. Im Süden hat die Einigung des Liberalismus die größten Erfolge zu verzeichnen; im Süden ist daher die politische Stimmung vorherrschend, die ein Verein wie der neue Nationalverein für seine das Gemeinsame in den Ueber- zeugungen betonende Tätigkeit braucht. Die Führer des Gießener Freisinns z. B. sind, wie wir vernehmen, entschiedene Anhänger der Nationaloereinsidee, im Gegensatz leider zu unseren Nationalliberalen. In Preußen vermögen sich Nationalliberale und Links- liberale noch nicht zu verständigen, das politische Wollen beider ist hier noch nicht in seiner gemeinsam einzuschlagenden Richtung geführt worden. Der neue Nationalverein will ein liberaler Verein fein. Das hat er auch äußerlich dadurch manifestiert, daß er in seiner Mitgliederversammlung beschlossen hat, sich fortan zu nennen: „Nationalverein für daS liberale Deutschland^. Die neue Gründung hat unseres Erachtens gut daran getan, ihren Namen so umzuändern. Der Name »Nationalverein* schlechtweg hätte Viele bestimmen können, ihm beizutreten, die wohl national, aber nicht liberal waren. Der Nationalverein für daS liberale Deutschland scheidet sich also reinlich von allen nicht liberalen Politikern. Sehr scharf ist daS von Prof. Gothein-Heidelberg über die „Zukunft des Liberalismus^ zum Ausdruck gekommen. Keine Gemeinschaft mit Konservativen, Antisemiten, Mittel st ändlern alter Schule, feine Gemeinschaft auch mit den Sozialdemokraten, obwohl taktrfche Vereinbarungen mit ihnen durchaus in der Richtlinie liberaler Politik liegen können, keine Gemeinschaft vor allem aber auch mit dem Zentrum. Daß eS dem Nationaloerem ehrlich um Verbreitung liberaler Gesinnung zu tun ist, darf man ihm nunmehr glauben. Freiheit der Persönlichkeit, Fortschritt auf allen Gebieten des Geistes- und Wirtschaftslebens — daS war das Leitmotiv, daS durch alle Reden klang. Ehrlicher Wille zur liberalen Arbeit war auch daraus zu erkennen, daß Gin- slimmigkell darüber herrschte, die Sozialpolitik, die Hebung des vierten Standes sei eine unbedingte nationale Notwendigkeit und eine der großen, wenn nicht die Hauptaufgabe des Liberalismus. Man hatte als zweites Hauptthema der Tagung die Arbeiterfrage mit drei Referaten bc6 Arbeitersekretärs Erkelenz-Düsieldorf, des Fabrikanten Kopp» PirmasenS und deS Landgerichtsrats Kulemann-Bremen auf die Tagesordnung gesetzt, lieber die Möglichkeit, dem Liberalismus wieder die Arbeitermassen zuzuführen, und über die Wege, die zu diesem Ziele führen, gab es unter den Refe. reuten und den zahlreichen Tebattern verschiedene Ansichten. Gar keinem Zweifel aber unterlag eS, daß die Arbeiterbewegung als solche unbedingt vom Liberalismus zu unterstützen fei; die Arbeiterbewegung wohlverstanden, nicht die Sozialdemokratie; waS diese anlangt, so wurde auch in bezug auf ein taktisches Zusammenoperieren die entgegenkommende von dem Demokraten Haas-Karlsruhe und die ablehnende Richtung von mehreren Seiten mehr ober weniger scharf vertreten. Aber bic Ausführungen des Ar- beitersekretärL Erkelenz, des Fabrikanten Kopp und des LandgerichlSrats Kulemann haben den erfreulichen Eindruck hinterlassen, baß es bem Nationalverein mit der Arbeiterfrage wirklich ernst ist. An den guten liberalen Absichten der liberalen National- oereinler in ihrer sachlichen Stellungnahme ist daher fein Zweifel möglich. Den Eindruck wird auch der Widerstrebende nicht ableugnen können. Wie die neue Gründung jedoch vom taktischen Standpunkte zu beurteilen ist, darüber werden die Ansichten auch nach der Tagung von Heidelberg leider nicht übereinstimmend lauten. Was will der Nationalverein? Zweierlei vor allem, wenn wir richtig sehen. Zunächst liberale Gesinnung pflegen auf breitester Basis der Agitation, liberale Redner auBbilben, VolkSbilbungsvereine gründen, Flugblätter und Broschüren in Mafien unter baS. Volk bringen. Sobann als zweites: ein Sammelbecken sein für alle, die auf neutralem Boden für die liberale Sache in allgemeinen großen Zügen arbeiten wollen, ein Sammelbecken für alle die insbesondere, die sich bisher nicht entschließen konnten, einer bestimmten Gruppe des Liberalismus anzugehören. Der Nationalverein will keine Partei fein, sondern nur ein Verein, etwa also eine Organisation wie der katholische Volksverein oder der unS übrigens niemals sehr sympathisch gewesene Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Er hat deshalb beschlossen, keine Ortsgruppen zu gründen, er wird folgerichtig keine Kandidaten zu irgendwelchen Wahlen aufstellen. Hin Aoveü'enöuch von Alfred Uock. Jmmermann, der große Theaterreformator, war's, der (im Oberhof des „Münchhausen") sich zuerst berufen fühlte, bas deutsche Dorf als eine poetische Welt für sich aufzusassen und dar- zustellem Seinem bahnbrechenden Vorangange verdanken wir die Dorfgeschichten Auerbachs und Steubs, wie später die Roseggers und Ganghofers. In einer der Auerbachs, des spinozistischen Pantheisten, ähnlichen Geistessphäre aber erwuchs Alfred Bock, der .hessische Dorfdichter. Auch sonst findet mau manche Parallele zwischen Bock und Auerbach. Eins der Erstlingswerke Auerbachs war der Roman „Spinoza". Auch Bock widmete in jungen Jahren einen tragischen Einakter in Versen dem großen Philosophen. Es war ein dramatisches Gedicht voll Kraft und Geist. Doch ebensowenig wie Auerbachs Anfangswerk, so verrieten weder dieses kleine Bühnenweck Bocks noch seine anderen ersten dramatischen und novellistischen Versuche etivaö von dem naiv-frischen Tone, der erst in den Dorfgeschichten beider gleichsam emporsprang. Wie Auerbach legte Bock einen vielgewundenen Weg zurück bis zur Erkenntnis seiner Eigenart, bis zur Einführung der erdschweren overl;essischen Charakterart in die deutsche Dichtung. Wie Auerbachs Talent zum Dorfdichter, so flammte das Bocks ganz plötzlich auf, erst in den Jahren der Steife und nach bescheidenen Anfängen auf den verschiedensten litterarischen Gebieten. Heute gehört Bock zu den ersten Dorfdichtern Deutschlands. Sein bestes Buch war biäfcer nach meinem Empfinden feine im Vorjahre in 2. Auflage erfebienene „Pflastermeisterin". Seine soeben bei Egon Fleischet & Co. in Berlin herausgekommenen, unter dem Titel „Hessenluf t" vereinigten Siovellen, denen übrigens der vortreffliche Ubbelohde einen zeichnerisch wesensverwandten, wuchrig schönen Einband gegeben hat, bedeuten jedoch einen außerordentlichen Fortschritt über die „Pflastermeflterin" hinaus. Die sechs Novellen dieses Buches werden bei allen Freunden oberhcssischen Bauernlebens freudiges Erstaunen Wicken; denn sie zeugen von einer Kraft der Menschenschilderung, von einer Kenntnis der Menschenseele, von einer Versenkung in bäuerliches Denken und Fühlen, Handeln und Reden, von einer Ruhe und Sicherheit in der Charakterisierung, wie wir sie in der neueren Novellenliteratur nicht häufig finden. Der Dichter hat den Bauern tief in die Herzen geschaut. Er hat sie in ernlten und heiteren Stunden belauscht und ihnen nachgefühlt, und von ihren schmalen Lippen, aus ihren stählernen Augen gelesen, was sie hartnäckig verschtveigen oder nur ihrem Seelsorger, wenn sie in höchste Herzensnot gerieten, anzuvertrauen sich zu_ entschließen vermögen. Der Bauer ist ihm kein Rätsel, er weiß, daß unter der harten Schale em Herz steckt, zart und weich, aber auch Versuchungen zugänglich wie, das des empfindsamsten Städters, leidenschaftlich und oon heißem Blut umwallt, und daß gar mancher unter ihnen eine erstaunliche Verschmitztheit in Anwendung zu bringen vermag, wenn es sich um die Erreichung eines von ihm gesteckten Zieles handelt. Ehrlich aber und sich selber treu, auch bereit, sich zu opfern, wenn das unevschütterliche Stechlsgefühl es heischt, bleibt ber oberhessische Bauer stets. So schildert ihn Bock, der den geWmnisvollen Mterströmungen im Leben der Bauern nachspürte, die oft so tragisch gefesselt sind an Haus und Hof, an Gewöhnung und Ueberlieferung, an Sitte und Rechtsbewußtsein. Es wechseln in diesem Buche miteinander Ernst und Scherz, Tragik und Humor. Die erste Novelle, „Der SlapoIcon", ist eine Bauernttfagödie, knapp umrahmt, aber in ihrer Ge- schlossenheit und Gedrungenheit, in der Klarheit ihrer Darstellung meisterlich. Der protzige, aber kem^rfte Bauer, der aus brüderlicher Liebe eine Untat begebt, der Sohn, der den beschimpften Vater rächen will und dem "Keffer eines Raufboldes verfällt, und dann der dem Rechtsempfinden Genüge tuende un- abwenbbarc Ausklang, — diese Menschen wie ihre Handlungen unterliegen einem unerbittlichen Naturgesetz. Die Allweishett des veriöhnenden und sühnenden Rechtes siegt. Mit dramatischer Kraft vollzieht sich der Wendepunkt des Strafgerichts. Von höchst ro infam er Drastik sind ,.DerBackftei n", „W i e die Gri tt auf den Bräuwagen kam" und auch, wenigstens stellenweise, „TerStammhal ter". Der sehr delikate Stosi aller drei Novellen ist mit köstlich frischer, ursprünglicher Originalität ohne konventionelle Brille humorsroh gemeistert. Die heikle Geschichte vom Backstein im Bette des Dorfschulmeisters ist weitaus die heiterste des ganzen Buches. Tie vollendetste Technik aber zeigt „Ter Stammhalter". Das retardierende Moment, das hier der Verfasser mit virtuoser Kunst einsührt, erhöht sehr ergötzlich die Spannung. Mit nur wenigen Strichen wird jede Situation trefflich gezeichnet. Ter Höhepunkt in der dramatischen Spannung ist das' Auffahren des empörten Pfarrers gegen den in seiner Ratlosigkeit über die Folgen eines Iugend- fehltrittes zum äußersten Freimut getriebenen Bauer. Und der schließliche Bescheid des befinftigten, ja erschütterte:' geistlichen Herrn ist so lebensklug als gut Auch „das s e ch ste Ge bo t" ist nicht ganz frei von mißlichem Geschehen. Doch hier verfahrt der Dichter, im Gegensatz namentlich zum „Backstein" und zur turiosen Geschichte von der pfiffigen Gritt und ihren arg übers Ohr gehauenen Liebhabern, nicht nur mit Behutsamkeck, wnbern er trägt Mutter und Sohn sein ganzes Mitgefühl entgegen. Und er tut recht daran, den Kvnslill hier mit hohem Emst zu behandeln. Auch hier wieder führt er als Löser des Knotens den Pfarrer ein. Er bofumentiert damit gleichzeitig, wie den Geistlichen im oberhessischen Torfe die Be- völkemng m ihrer Herzen tiefst - Falten f(bauen läßt, wie sie ihm ihr ganzes Vertrauen schenkt, welches Ansehen und welche Macht Pfarrer und Kirche bei unteren braven Oberhessen haben. Doch leider ist nicht jeder Pfarrer von der Weisheit des Geistlichen, den uns B. in seinem „Stammhalter" kennen lernen ließ. Nicht jedem berufenen Vertreter des Wortes GotteS ist es gegeben, heilendes, aujrichtendeZ Lebensöl in die Wunden der seelisch Bedrängten zu gießen. Tie unbegreifliche Unklugheit dcs Seelsorgers, den uns die letzte Novelle des Buches vorsichrt, treibt eine in heißer Auswallung vom Pfade der Tugend und der Pflicht abgewichene liebevolle und herzeilswarme Amtier unbedacht in den Tod, obwohl er sehr wohl bic Mittel in Hand hm, sie zur rechten,Buße und zurück zum rechten Wege zu leiten. Und die Mutter fände so Gelegen-- heit, um — voraussichtlich allerdings vergeblich — Verständnis Die ehrliche Absicht muß man glauben. Und ui Telegrammen, die Politiker verschiedener liberaler Richtung als Begrüßung sandten, und aus den Reden, die ReichStagSabg. Wölzl-München, Vertreter der lib. Landespartei Elsaß- Lothcingens, der württembergischen Jungliberalen und der badischen Demokratie, sowie Pfr. Korell als Vertreter der LinkSliberalen Hessens hielten — auS diesem allem klang deutlich daS Vertrauen heraus, daS den ehrlichen Absichten deS Vereins entgegengebracht wurde. Freilich wurde dies Vertrauen an die Bedingung geknüpft, daß der Verein in Gemeinschaft mit den Parteien, nicht ohne und nicht wider sie, seine Ziele zu erreichen strebe, damit seine Tätigkeit nicht zur Zersplitterung deS Liberalismus führe, wo er seiner Einigung und Stärkung dienen solle. Diese Mahnung möchten auch wir mit besonderer Eindringlichkeit wiederholen. Der künftige Weg des ftiationalvcremS birgt allerlei Klippen, die glücklich überwunden sein wollen. Eine wohlwollende Haltiing, die z. B. auch kürzlich der ReichStagSabg. Kopsch auf dem Parteitag der Freisinnigen in Baden-Baden eingenommen hat, ist ihm von Seiten eines großen Teiles deS LinkßliberaliSmuS gewiß. Seine Arbeit soll zum mindesten nicht gehindert werden und eS ist sehr zu wünschen, daß recht viele Mitglieder der lib. Parteien sich ihm anschließen als Einzelne. So wird der liberalen Einigung der Boden bereitet in gesunder stetiger Entwicklung. Dcr außerordentlich gute Besuch aber — wie eS in der »Neuen bad. Landesztg." heißt, füllten bei der SamStag- abend-Vcrsammlung wohl 2000 Menschen den Heidelberger Versammlungssaal — und der hohe Mitgliederstand von über 2000 nach kurzer Zeit deS Bestehens sichern dem Verein Achtung und Beachtung in der Oeffentlichkeit. Zur Luge. Der »Reichsanz.^ gibt bekannt: Dem Staatssekretär Staatsminister Graf Posadowskh wurde die nachgesuchte Dienstentlassung erteilt und er wurde von der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers entbunden. Staatsminister Dr. v. Bethmaun-Hollweg wurde zum Staatssekretär des Innern ernannt. Der preuß. »StaatSanz/ gibt bekannt: Dem Staatsminister Grafen Posadowsky und demStaats- minifter des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medi- zinalangelegenheiten v. S t u d t wurde unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsminifters die nachgesuchte Dienstentlassung erteilt, letzterer zugleich aus besonderem aller- höchsten Vertrauen auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Staatsminister v. Bethmann-Hollwea wurde unter Entbindung von der Verwaltung des Ötimfteriumd des Innern zum VizeprafidcntendesStaatsminifie- r i u m s, der bisherige Oberpräfident von Ostpreußen v. M o l l k e zum Staatsminister und Minister des Innern, ber bisherige Unterftaatssekretär int Ministerium der öffentlichen Arbeiten Dr. Holle zum Staatsminister und Minister der geistlichen, Unterrichts- und Mebizmalangelegenheiten ernannt. Dem Staatsund Finanzminister v. Rheinbaben wurde der Schwarze Adlerorden verliehen._______________________________ und Verzeihung bei ihrem Sohne zu erbetteln. Viel eher scheint mir, ' ähnlich wie in Dreyers „Siebzehnjährigen", dec 9Jiuttcr Sohn dem Verzweifluugstode verfallen. Und für vollends unglaublich halte ich es, daß dieser Sohn nach dem gewaltsamen Ende seiner Mutter, deren Tod der Pfarrer auf dem Gewissen! fyat, es noch über sich zu gewinnen vermag, dem Pfarrer gute Worte zu geben. Ich verstehe überhaupt den Mcrrrer nicht und das völlige Ausbleiben einer Selbstbezichrigung der Schuld am Selbstmorde dcr unglücklichen Frau. Schließlich meine ich, daß puch unter den dargestellten Verhältnissen mit dem Tode der Bäuerin die Novelle erheblich stimmungsvoller abschlösse, als mit dem vom Dichter noch beliebten Zusatze. Im übrigen aber Hal auch diese, ja gerade diese Novelle, ebenso wie die tief erschütternde Heine Tragödie vom „Schmerzens- k in de", die mis mächtig ans Herz greift und uns Tränen innigen Mitgefühls in die Augen zwingt, wenn ihr vielleicht auch die Einheitlichkeit fehlt, alle die Vorzüge Bockscher Tarstellungskunst: den so ganz diejcn Charakteren iuie ihrer Heimaterde entsprechenden kargen Stil, dte fo ungemein kncyipe, kurzsätziae Ausdrucksweise, die frischblütige Anschaulichkeit, die zugespitzle Bündigkeit der Kompositton, die Klarheit und Präzision der Tarstellung. Auch die allenthalben sparsame Anwendung dialektischer Ausdrücke und Redeftgureu zeugt von gutem Geschmack. Einwendungen ließen sich freilich gegen den Titel des Buches erheben. »Hefsenlufi^ atmet allerdings das ganze Buch und dadurch rechtfertigt sich feine Bezeichnung. Aber es birgt die Hessenluft doch noch eine solche Fülle anderer Charaktere und anderer Leiden» fchaflen als die hier im wesentlichen dcrrgesteüten, daß der ver- aUgemeinembe Titel zu Mißbeutungen Anlaß geben kann. Plag man sich auch zu ber Gewagtheit ber hier mitunter gewählten Themata verhalten wie man wolle, so fegen wir bnh, daß Bock mit biesem Buche in ber Kunst ber bichterischen Darstellung, in Komposition unb Konzeption eine bisher noch nicht erlangte Höhe erreicht hat. JebenfaUs zeigt auch dieses Buch, wie manches andern Autors tüchtiges Werk, daß ein Dichter zumeist nur bann sortschreüet, wenn er sich und seiner Heimat treu bleibt. Die Bauernseele ist ein eigen Ding; ihre Untiefen und Strömungen, ihre Rätsel, ihre Güten unb ihre Harten, ihre Leiben- schasten unb Lütte sinb meist nur Eingewerhten erkennbar; dazu birat sie zu viel bem Städterauge fremde, schwer verständliche, ja manche feindselige Elemente. Wer sie recht verstehen will, muß lieben können unb verzeihen können wie ste, und fo etwas wie einen rückwärts gerichteten Blick besitzen, ber tief ins Volkstum unb seine Werdearr hineinsieht. Dem erscheinen bie guten unb bösen Eigenschaften, bte äußerlichen Ecken unb Schroffen, bie verborgene Zartheit und die oft wilde unb jähe, die Folgen nicht ermeßende Leiden- schaftlichkeit, als Aeußerungen eines einheitlichen, pähem Boden erwachienen Charakters. Alfred Bock ist ein solcher die Heimaterde verslehender Seelenkenner seiner oberhessischen VollSgenossen. So ward er zum Bauerndichter unserer Tage. Hoffentlich verliert Bock niemals, wie Holzamer, bie innere unb äußere Berbinbuug nut der nährenben, Kraft unb Einheit unb Ruhe -gewährenben Heimaterde, ber der Mensch mit aller Kulluv- unb GeistesfreiheU boch niemals entwächst und bte ihn an ihrenr zugleich unsichtbaren und unzerreißbaren Bande jesthaU, -o. des 3% . 93.70 Pnnce-Henri-Eisenbahu . 131.— 225.40 Berliner Börse, 26. Juni. Anfangskarse. gesessenen. Rentenempfänger eine Wasser- Verleihanstalt Sandheimer dt dichte Strupp tz-rankfurt a. M. hW6 . 118.25 . 103.90 . 220.60 . 192.40 troenoigieit überzeugt, oatz lungcn besondere Fürsorge, hauptsächlich in Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schnckert . . Eschweiler Bergwerk . Gelsenkirchen Bergwerk . 203L0 . 224.50 . 27.20 . 115.60 Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . Berliner Haudelsges . Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Canada E. B. . . , Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: fest. 93.75 83.45 94.- 83.60 92.65 94.00 98.60 99.30 93.45 103 20 65.70 66.10 90.40 92.— 93.70 84.50 63.- 96.00 Reichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen 27.70 142.70 4H°/o russ.Staatsanl. 1905 4%°J0 japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose ...... 4-6 Griech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . 4^°/0 Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W . . . Tendenz: fest . 168.50 . 128.90 . 222.80 . 71.50 . 138.40 Ans K.KSt utio Lulno. Gießen, 26. Juni 1907. •• Die Zeit der süßen Kirschen ist nahe herangerückt und bald werden diese saftigen Früchte, dank der in Aussicht stehenden vorzüglichen Ernte, bald in reicher Menge auf den Märkten unter dem Frühobst vertreten sein. Jung und Alt wird sich wieder an ihnen laben. Leider tritt dabei wieder die Unsitte zu Tag, die Kirschen samt den Kernen zu verschlucken. Die unverdaulichen Kerne geraten gar zu leicht in den Blinddarm und verursachen dort Entzündungen und Eiterungen, deren weitere Folge ein schmerzvoller Tod sein kann. Eine ebensolche Unsitte ist es, die Kerne auf den Fußsteig oder aus die Straße zu spucken, da schon mancher Fußgänger durch Ausgleiten, durch Kirschkerne hervorgerufen, einen schweren Fall mit Arm- oder Beinbruch davongetragen hat. Man sammele die Kerne und überliefere sie dem Komposthausen oder dem Feuer. * Kleine Tageschronit. Ein 13jähriger Knabe aus D i r s ch a u-Wiesen siel von einem plötzlich scheu gewordenen Pferde herab, blieb im Steigbügel hängen und wurde zu Tode geschleift.— In St. I n g b e r t wurden bedeutende Unterschlagungen des Rechtsanwaltes Hans Gries entdeckt. Derselbe entzog sich der drohenden Verhaftung durch die Flucht. jeder wirtschaften, wie er will. Er ist nicht an den Nachbar gv- pro qm und Woche 10 Pfg. 11 * 8 Landen, wenn er Bs- und Entwässerung per Grundstücke vor-1 Telephon M7. Telegramm-Adresse: Industriebedarfs Tektonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse 26. Juni, 1.15 Uhr. 4l/8?o Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4?o Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I . . 152.00 128.90 . 222.90 . 147.00 . 169J5 . 138.70 . 203.70 nehmen oder Abzugs- und Vorftutsgraben instand halten will, und hat zu seinen Grundstücken jederzeit freien Zugang. Uebri- gens hat Altenkirchen trotz seiner abgeschiedenen Lage große Fortschritte in der landwirtschaftlickeu Entwicklung gemacht. Zum Beweis sei nur die vor wenigen Jahren gebaute Quells Wasserleitung erwähnt, worüber letzt nur ein Lob besteht. ? Aus dem Hinterlandkreis, 24. Juni. Die letzten Tage brachten unserem scheidenden Landrat v. Heimburg Ehrungen schöner und erhebender Art. Am Donnerstag waren die Bürgermeister des Kreises zur letzten Sitzung in der Kreisstadt versammelt. Bürgermeister Grünewald- Biedenkopf hob in treffenden Worten die Verdienste des scheidenden Landrats um den Hinterlandkreis hervor. Im Namen der Versammelten überreichte er eine auS Bronze gefertigte Uhr in Form eines von einem Adler gekrönten Denkmals. An demselben Abend ging ein von der Stadt Biedenkopf veranstalteter stattlicher Fackelzng vor sich. Ein fröhlicher Kommers, der durch Musikvorträge und Gesänge der Vereine gewürzt wurde, vereinte hunderte Bürger und Beamte nochmals mit unserem Landrat. Nicht minder zahlreich waren am Sonntag die Vertreter der Kriegervereine zum Abschied um ihren langjährigen Vorsitzenden versammelt. 4- M erkenfritz, 26. Juni. Ter Kriegerverein feierte am 23. und 24. Juni das Fest seines 12 jährigen Bestehens, verbunden mit der Weihe seiner Fahne. Gegen 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Torf. Zimmev- mann Langlitz begrüßte die erschienenen 26 Vereine und Gäste und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf unsere obersten Kriegsherren aus, worauf die Regimentskapelle 116 Kaiser Wilhelm „Heil dir im Siegerkranz" anstimmte. Pfarrer Kumpf aus Wenings hielt sodann die zu Herzen gehende Weiherede, in der er auch eines tzapferen Soldaten aus Merkensritz, der im Krieg 1870/71 eine Fahne gerettet hatte, gedachte und die Mahnung daran knüpfte, diesen Braven nicht zu vergessen. Hierauf sprsach Fräulein Ganz von hier einen Prolog und den Tank sin die Frauen und Jungfrauen in Merkenfritz, die zur Anschaffung der Schleife zahlreiche Gaben gesperrdet hatten. Auch der Fahnenträger sprach Worte des Dankes für das Ehren? amt, das ihm übertragen sei. Zum Schlüsse sang der Gesangf- verein Merkensritz das zur Bedeutung des Liedes passende Lied: „Gott sei mit dir mein Vaterland". Wenn auch das Wetter am Morgen zweifelhaft war, so hatten sich doch eine große Menge Gäste in den beiden großen Festhallen, die am Abend elektrische Beleuchtung zeigten, eingefunden. Am zweiten Tage ging nochmals ein Zug durch den Ort, bei dem hauptsächlich die Schuljugend allgemeine Bewunderung erregte. Auf dem Festplatze nahe a m Waldesrande fanden nun Volksbelustigungen statt: Sacklaufen, Topfschlagen, Schwebebaum, Brvtessen, Schuhausziehen sowie andere Spiele. Noch hange werden die Kinder, die schöne Geschenke erhielten, sowie alle Teilnehmer an das schöne Fest zmüLrenken. „ . Tie Zusammenlegung unserer Grundstücke ist nänv- lich unter der Oberleitung von Regiecungsassessor von Morew- hoffen seit gestern beendet und findet die Verausgabung der einzelnen bis 10 Ätvrgen großen Parzellen statt. Soviel können wir schon heute konstatieren, haß sich unsere Ortsbevölkerung! überaus lobend über das Verfahren ausspricht; denn jetzt kann Portugiesen „ III Bezug auf Wohnung, Verköstigung und ärztliche Behandlung bedürfen, hatte die Versicherungsanstalt vor einigen Monaten, um einen Ueberblick über die Zahl der zu dauerndem ober wenigstens längerem Aufenthalt in solchen ArrMlten bereiten Rentenemp- Wl. 3% Wio 3% Wlo 3Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrente. . Kutscher, bei der nächsten Apotheke oder Drogerie halten Sie an! Ich hab' keine Jayo ächte Sodener Mineral-Pillen mehr daheim gehabt und will mir schnell noch ein paar Schachteln kaufen. Wer kann wissen, ob man in der Sommerfrische welche bekommt und ohne Fays Sodener Mineral Pillen kann ich bei der Empfindlichkeit, mit der ich aus leben äußeren Einfluß reagiere, einfach nicht sein. Fays achte Sodener kosten 85 P'ä. ver Schachtel und sind in jeder Avocheke, Drogen- oder Mineralwasserhandlung zu haben. Alle Nachahmungen, ici es mit ober ohne Zusatz, weise man entschieden zurück. hv26/« Reise. Die Pläne für die Sommerreise sind gemacht, die Vor- bereitungen haben begonnen. Die Hausfrau hat die letzte Wäsche angesetzt, sie sorgt für die Garderobe und macht sich schon Gedanken über das Einmotten. Der Hausherr ist ruhiger, er glaubt, er hat genug getan, wenn er das nötige Reisegeld beschafft. Genügt das wirklich? Erinnert er sich nicht des unruhigen Gefühls, das ihn im vorigen Jahre beschlich, als er von Einbrüchen in leer stehende sparen, er braucht nur l anzulegen I Geld für ** Eine segensreiche und ebenso auch für andere Landes-Versicherungsanstalten enrpfehlenswerte Einrichtung hat jetzt die Gr. Hessische Landes-Versicherungsanstalt getroffen, indem sie für lungenkranke Rentenempfänger, die in einer Lungenheilanstalt leine Aufnahme mehr finden können, Sanatorien errichtet hat bezw. «richten wird. Von der Notwendigkeit überzeugt, daß lungew- Wohnungen las? Diese Unruhe kann er sich sparen, er wenige Mark für eine Einbruchdiebstahl-Bersicherung .. Wenn er. eine Reise macken kann, hat er auch noch das <■ diese Versicherung. Die Prämie hierfür ist int allgemeinen kleiner als für die Feuer-Verfichernng. Die Bedingungen der Victoria, Feuer BersicherungS-Aktlen-Gesellschast, sind in verschiedenen Punkten für die Versicherten günstiger als die anderer Gesellschaften. Bei einer Bersicherungsdauer von mindestens 5 Jahren nt bet ihr die Zahlung der Prämie in Wochenraten zulässig. Die Rette legt auch den Gedanken an die lebenslängliche Eisenbahn , und Damvfschifs- Unglück-Bersicherung wieder nahe. Die Victoria gewährt diese Versicherung ach die ganze Lebenszeit gegen eine einzige Jahres- prämie, die in Wochenraten von 20 Pfg. an entrichtet werden kann. Ihre Versicherung gilt für alle Eisenbahnen, Straßenbahnen usw. der ganzen Erde und iür Dampfschiffe und Motorboote auf europäischen Binnengewässern. Der Preis der Versicherung ist verschwindend klein, beträgt er doch auf die ganze Lebenszeit verteilt, nur wenige Pfennige für die Woche. Je früher man ne nimmt, je billiger rechnet sie sich. Einbruchdiebstahl-und Elienbahn^Unglück-Versicherung haben bauernhen Wert. Es wird nn ganzen Jahr eingebrochen, und man fährt fortwährend auf Schienen, ohne gerade eine «Reise" zu machen. C25/» fön gern zu gewinnen und bevor sie weitere Schritte zur Der- ■ wirklichung dieser Pläne unternahm, durch Zirkulare Anfragen an solche Kranke gestellt, ob diese-^gegen Abtretung der Rente Aufnahme in ein solches Sanatorium wünschten. Eine größere Anzahl, meist ledige Rentenempfänger, haben sich zum Aufenthalt in einem Ssanatorium bereit erklärt und steht jetzt dte Landesversicherungsanstalt mit den noch in Frage kommenden Anstalten und Krankenhäusern des Landes wegen Schaffung geeigneter Räum- lichkeiten in Unterhandlungen. — Wie uns jetzt mitgeteitt tourb, inb die Unterhandlungen so weit gediehen, daß bis zum Herbst )ie Belegung dieser Anstalten erfolgen kann. ** Buchführung für Handwerker. Alljährlich wenn )ie Steuerzettel den einzelnen Steuerpflichtigen zugestellt werden, hört man besonders in Handwerkerkreisen sehr viel Klagen über zu hohe Einschätzung; daß aber nicht die Behörden, sondern die Handwerker selbst die Schuld hierbei tragen, dürfte Vielen nicht bekannt sein. Tie meisten Handwerker, welche zu food) eingeschätzt zu sein glauben, reklamieren gegen die Veranlagung, können aber dann, wenn dies von der Steuerbehörde verlangt wird, keinen Nachweis erbringen, daß sie wirklich, ein geringeres Einkommen haben, denn es fehlen ihnen zu einem solchen Nachweis die Unterlagen. Wenn auch die Handwerker nicht verpflichtet sind, Bücher über Geschäfts-Einnahmen und -Ausgaben zu führen, so kommt ibnen dies besonders bei etwaigen Steuerreklamationen doch sehr zu statten. Selbstverständlich kann man von den Handwerkern nicht verlangen, daß sie sich eine kaufmännische Buch- ührung anlegen, denn dazu haben die meisten keine Zeit, es genügt vielmehr, ein einziges Buch, in das sie die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Geschäfts eintragen. Hierbei dürfen allerdings nicht die im Haushalt verbrauchten Bettäge in Ausgabe gestellt werden, da sonst die Feststellung des steuerpflichtigen Ein- bmmens sehr erschwert wird. Hat ein Handwerker im Laufe >er Woche keine Zeit, die Einnahmen und, Ausgaben zu buchen, o notiert er sie sich in ein kleines Notizbuch und es ist am Sonntag nur eine Stunde Zeit nötig, um die einzelnen Posten zu Luchen. Auf diese Weise erhält der Handwerker zu jeder Zeit ein kleines Bild über die finanziellen ^Verhältnisse und auch bei etwaigen Steuerreklamationen ist es der Steuerbehörde möglich, >as wirkliche Einkommen des bett. Handwerkers festzustellen und zu versteuern, wodurch sowohl der Behörde wie dem Steuerpflichtigen manche Arbeit und mancher Verdruß gespart wird. ** Heimarbeit-Ausstellung zu Frankfurt a.M. Am 20. d. Mts. fand in Frankfurt a. M. eine Sitzung des Hauptausschusses statt. Es wurde namentlich die Aufstellung des Finanzplans erledigt. Die Gesamtkosten des Unternehmens wurden auf 62 000 Wf. veranschlagt; auf die wissenschaftlichen Arbeiten entfallen hiervon 32 000 Mk. An Einnahmen stehen den Ausgaben bis jetzt nur Beträge des Freien Deutschen Hochstifts und der Polytechnischen Gesellschaft von je 500 Mk. und ein Beitrag der Frankfurter Stadtverwaltung von 15 000 Mk. gegenüber. Es wurde beschlossen, sich an auswärtige Stadtverwaltungen zu wenden, um sie ebenfalls zu festen Beiträgen zu bewegen. Die in Bettacht kommenden Städte haben an dem Zustandekommen )er Ausstellung dasselbe soziale Interesse wie Frankfurt, da auch die in ihren Bezirken vvrkommenden Heimindustrieen Gegenstand der Untersuchungen bilden. Für den Rest der ungedeckten Ausgaben ist ein Garantiefonds eingerichtet worden. lieber den Stand der ehr umfangreichen wissenschaftlichen Vorarbeiten erstattete Professor Arndt Bericht. Es sind ungefähr 50 Sonderausschüsse zur Untersuchung der einzelnen Zweige der Heimarbeit im Bezirke der Ausstellung gebildet worden. Zahlreiche freiwillige Hülsskräste aus Unternehmer- und Arbeiterkreisen haben sich zur Verfügung gestellt. Im Interesse der Gründlichkeit der Untersuchungen ist die Verschiebung der Ausstellung vom Herbst d. Js. auf das Frühjahr 1908 beschlossen worden. Tie hygienischen Verhältnisse der Hausindustrie sollen Gegenstand genauerer Unter» üchungen bilden; ein hauptsächlich aus Aerzten bestehender besonderer hygienischer Ausschuß wird diese Arbeiten organisieren. ** In Am erika v erstork ene Hessen. Professor Karl Brauer, 77 Jahre alt, zu Nvtt)-Tonawanda, N.-J. — Jakob Faubel aus Schönstadt (Kreis Marburg) 82 Jahre alt, zu Baltimore. — Prediger Wilhelm Felsing aus Eberstadt, 73 Jahre alt, zu San Antonio, Texas (F. war von 1852—1854 Seiner in Kesselbach. — Jab)b M. Petri aus Berkach, 68 Jahre alt, zu Newyork. — Johs. Seibert jaus Hamm, 87 Jahre alt, bei Okaneatales, N.-P. X Laubach, 23. Juni. Unser Luftkurort hatte heute abend eine besondere Üeborraschung durch den von den Herren Opern- und Konzertsänger I. Müller (Tenor) und Musiklehrer Herm. Puff, beide aus Fr-ankftrrt a. M„ veranstalteten Arien - und Liederabend im großen Saale des Silmser Hofes, der sehr zahlreich besucht wsctt. Herr Müller hatte ein sehr abwechslungsreiches Programm gewählt, denn er sang mit seiner sympathischen Stimme außer beit Opern-Piöceu: Romanze aus Postillon von Lonjumeou, Arie aus Martha, Stretta aus Troubadur, die tief» empfundenen Volkslieder: An der Weser, Unter dem Lindenbaum, Es waren meine schönsten Tage, Der Negersklave, und zum Schlüsse als besondere Ueberraschung die beiden fein humoristischen Gesänge „Lied über die Entstehung des ersten Kusses" und „Tie falsche Pepita". Herr Müller wurde von Herrn Puff wirkungsvoll unterstützt, er spielte außerdem noch einige effektvolle Musik- Piecen. § Sichertshausen, 24. Juni. Gestern wurde hier ein auch von weither sehr zahlreich besuchtes Missionsfest gefeiert. Der Festplatz in dem mit schattenspendenden Obstbäumen bestandenen Grasgarten des Bäckermeisters ßemmer war geräumig und zweckentsprechend ' hergerichtet. Der Pvsaunenchor von Ebsdorf hatte praktisch Sitz und Standort auf dem mitgebrachten Leiterwagen genommen. Festpv-diger waren Pfarrer Heermann von Marburg und Pfarrer Trautwein von Goßfelden. Nach Beendigung des Festes verteilte sich der Mensckenstrom, um in den einzelnen Häusern des Ortes gastfreundliche Ausnahme zu finden. 2B innen, 25. Juni. Mittwoch, 3. Juli d§. Js., feiert unser Lehrer FrieLleben, welcher 50 Jahre bei uns un Schuldienste treu gewirkt hat, sein Jubiläum. Die kirchliche Feier beginnt um 11 Uhr vormittags und die Schulfeier etwa 121/2 Uhr nachmittags. Das Festessen sindet wegen Mangels an einem größeren Festsaale hier zu Nordeck bei Gastwirt Stelzenbach statt. Mainz, 23. Juni. Mit der Zustimmung des Reichsmilitärfiskus wird das Festungsgelände zwischen Gau st raße und dem Linsenberg, das sich hinter dem Kästtich hinzieht, m das Bebauungsgebiet der Stadt Mainz einbezogen. Ter Bebauungsplan harrt nur noch der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Ein Teil des freiwerdenden Festungsgeländes ist von zwei Aktiengesellschaften zu Jndustriegebäuden erworben worden, doch bleiben immer noch 8 Bauguadrate zur Bebauung übrig. , (Franff. Ztg.) g. Grävenwiesbach, 24. Juni. Die hiesige, von Dekan a. D. Deißmann-Eubach ins Leben gerufene Korbfl echteschule blickt mit diesem Sommer auf ein 25jähriges Bestehen zurück. Die Anstalt erfreut sich des besten Rufes und der Geschäftsbericht des letzten Jahres lautet äußerst günstig. Die Einnahmen betrugen 41 245.41 Mk., die Ausgaben 41 130.75 Mk. Das Anstaltsvermögen ist auf 17028.22 Mk. angewachsen. In der Generalversammlung wurde beschlossen, die 25jährige Jubelfeier in Gestalt eines Volksfestes zu begehen. + Altenkirchen (Kreis Wetzlar), 25. Juni. In größter Spannung befinden sich in den letzten Tagen unsere Dorfein!- Die „Nordd. Allg. 3tg.* schreibt: Der Reichskanzler empfing den Finanzminister Frhr von Meinbaben, den Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg, ,ben Unterftaatssekretär des Ministeriums der öffentlichen Ar- ibeiten Dr. Holle. Das ,Berl Tagebl." bezeichnet einen Artikel, worin Fmanz- minifter v. Rheinbaben „das Haupt.ein er preußischen Fronde" genannt wird, als zweifellos offiziellen Ursprungs. Tas Matt ist wegen seiner schlechten Manier in der Verwendung des Wortes offiziös bekannt. Es ist auch diesmal auf falscher Fährte. Der betreffende Artikel hat weder amtlickien noch halbamtlichen Ursprung. Wir können versichern, daß sich Fürst B ü - Toro mit dem Finanzminister v. Rheinbaben in gutem ^Einverständnis befindet." I Dem ,W. T. B." zufolge wird der Oberprandent der Provinz Heffen-Naffau, v. Wind he im, als Nachfolger des zum Staatsminister und Minister des Innern ernannten bisherigen Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, v. Moltke, ferner Umerstaatssekrctär im Staatsministerium, Hengstenberg, zum Oberpräsidenten von Hessen- Nassau und der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Staatsministerium Dr. v. Guenther zum U nter- staatssekretär im Staatsministerium ernannt werden. Bei diesen Meldungen ist mancherlei bemerkenswert. Graf Posadowsky wird ohne jedes Wort der Anerkennung, ohne jede Auszeichnung in den Ruhestand geschickt, Herr v. S t u d t dagegen „aus allerhöchstem Vertrauen" dem Herrenhause als Mitglied zugeteilt. Graf Posadowsky empfing seine Berufung ins Herrenhaus freilich schon vor ein paar Monaten; aber daß sein Scheiden aus dem Rerchs-« dienste ohne jede äußere Anerkennung vor sich geht, ist doch recht auffallend und charakteristisch für die Stimmung sn den oberen Regionen. Oberpräsident v. Windheim, der von Kastel nach Königsberg geht, gehört bekanntlich zu den intimen Studiengenossen des Kaisers. Er amtierte in jüngeren Jahren lange als Landrat in dem ostpr. Städtchen Ragntt und kennt also den Osten. Freilich dürfte er von Kassel nicht sonderlich gern scheiden und wird diese Zurückversetzung wohl kaum als besondere kaiserliche Gunst auf» ! fassen. Herr v. Rheinbaben erhielt den Schwarzen Adlerorden. Es wurde an dieser Stelle bereits bemerkt, daß der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben vielleicht als Nachfolger für den Reichsschatzsekretär Frhrn. v. Stengel in Betracht komme. Es ist kein Geheimnis, daß der Ehrgeiz des Frhrn. v. Rheinbaben größere Aufgaben ersehnt, als ihm zurzeit in Preußen beschieden sind. Der rednerisch hervorragend gewandte „Schüler Miquels" möchte in der Reichspolitik eine Rolle spielen. Frhr. v. Rheinbaben hat denn auch jede Gelegenheit wahrgenommen, mit der Eigenart des Reichstags sich vertraut zu machen. Er war am Regierungstisch stets einer der aufmerksamsten Zuhörer und ein Beobachter, dem nicht leicht ein Vorgang im Saale , entging. Für die Reichsfinanzreform in vermehrter Aus- Ifage, d. h. für neue Steuern, bedarf es einer jüngeren, mehr Energie und mehr Ueberzeugungskraft entfaltenden Persönlichkeit, als Frhr. v. Stengel sie darstellt. Dafür ist Herr v. Rheinbaben, dem Konservative und Zentrum von vornherein Vertrauen entgegenbringen, der geeignete Mann. Die Ordensauszeichnung mag Herrn v. Rheinbaben freilich zum Trost dafür zuteil geworden sein, daß Herr v. Bethmann-Hollweg statt seiner zum Vizepräsidenten des preuß. Staatsministeriums ernannt ist. Herr v. Rheinbaben hatte der Anciennität nach das größere Anrecht auf dies Amt. Wird er in ba§ Reichsschatzamt berufen, dann kann man sich auf Steuervorlaaen allerkrästigster Art gefaßt machen. Als Letter der preußischen Finanzverwaltung hat Herr v. Rheinbaben feinen Blick dafür geschärft, wo auf den kunstvollen Wegen der Steuertechnik, mit den Mitteln sinnreicher Ausführungsbestimmungen und Aenst- anweisungen, aus Einkommen und Vermögen für den Fiskus Erkleckliches herauszuholen ist. In dieser Geschicklichkeit übertrifft Rheinbaben sogar noch seinen ^Meister Miquel, und der gute Frhr. v. Stengel erscheint lihm gegenüber als ein friedlicher Waisenknabe. | Fürst Bülow scheint einigen Wert daraus zu legen, insbesondere im Reichstag erprobte „Sprechminister" zu bekommen. Herr v. Bethmann-Hollweg gehört ebenfalls zu diesen. "So braucht Fürst Bülow sich um die Einzelheiten der inneren Politik weniger zu bekümmern und gewinnt dafür Zeit und Bewegungsfreiheit für die äus- iwärtige Politik. Die Beschäftigung mit ihr ist zweisel- jlos die erste und dringlichste Aufgabe für den Reichskanzler, denn Frhr. v. Tschirschky kann so schwierigen und in mancher Hinsicht gefährlichen Situationen, wie sie fast 'jeher Tag herbeiführt, mit seinem Maß von Erfahrung und diplomatischer Gewandtheit nicht gewachsen sein. Fürst Bülow dürfte den Staatssekretären in der Hauptsache die Vertretung der inneren Politik nach seinem Programm überlassen. Daß Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg gleichzeitig mtt dem Kaiser dem Korps Borussia in Bonn angehört habe, leugnet die „Poft". Sie stellt fest, daß Herr v. Beth- mann weder mit dem Kaiser bei dem genannten Korps aktiv gewesen ist, noch mit ihm zusammen ftubiert hat. Er hat überhaupt keinem Korps angehvrt und niemals in Bonn studiert. Hamborg-Amerik. Paket?. 180.40 Harpener Bergwerk. . . 203.50 Laurahütte...... 225.00 Nordd. Lloyd .... 116.10 Oberschles. Eisen-Industrie 101.50 Gcgr. 1898 im 15. L Die Beei B guter Ga' U Ach jeder Art mit Tpezialit Rcnptätterei. 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Derselbe ent« e Flucht. berichte der Bank für Handel i, 1.15 Uhr. r Bergwerk. ■ itte • • ’ den E. B. • • Lloyd • • ■ • lose. ' ' . 20 27.20 . 115.60 sein-, > i ied^Me M' I I I I iie lind «S’ftcS* £e®r. ZtzZ 6Ä»»*S« ss^s. 'S»** hsfjsife Todes-Anzeige Schwarz (7/7 XXX- WM Fluß- und Seefische im 75. Lebensjahre. Giessen (Mittelweg 7), Frankfurt a. M.> 26. Juni 1907. Zkreuzplatz. c,TA Brennstoffe.) Ergin, Acetylen etc. jj 3690 _LML ö Zahlreiche Anerkennungsschreiben J. Däuser, Liscn- imS MMlnciihonbtiiug 3 Mechaniker, 1 Schreiber. !Ä- L I Leuchtgas, Benzin, Benzol, Spiritus, ♦ * * * C-l 05 Telephon 487 mann (leichte Lehrlinge * * * Die Beerdigung findet auf Wunsch des Entschlafenen in aller Stille statt. 4210 Eier und Butter kaufen Sie s et? frisch u. billig bei 0422B] W. Ullrich, Schloßgasse 7. Seine lieben a. H. a. H. und. i. a. C. B. i. a. C. B. erlaubt sich unterfertigter C. C. von dem am 24. d. Mts. zu Giessen erfolgten Ableben seines lieben a. H. 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Sattler (aus- w^ts), 1 Glaser, 1 Glaser (auswärts >, .2 Tavezlerer, 1 Buch- binder, 2 Schneider (auswärrsi, 7 schreiner, 4 Schreiner (aus warL,2Flickfrauen, 2Putzfrauen,2Schumacher, ISchichmacher muswarls), 2 Friseure, 1 Wärterin, 2 Wärter 2 Fahrburschen, 1 Haushälterin, IZeüungsträgcrm, 2Vausburschen,8 Lmifrrauen. 1 Waschfrau, 1 Kutscher, 9 Dienstmädchen, 1 Zimmermädchen, zwei 8-uhrknechte, 3 Fubrknechle (auswärts). 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Iuti 1K8 betreffend die RechtSverbalmme der SttucheShei^ri"des GronHerzogtums in Art. 33 uns verliehenen Be^ Mgnis dasÄministrative Beitreibungöverrabrcn gemah Ge etzes nom 30 Sevtember 1893, der Verordnung vom i. -lltavz irÄt sowie hei- bestehenden AuSfuhrungsvorschristen in den naaniehenden zum &irk der Gräflichen Slairdesberrschaft Solms-Laubach gehörigen r?(st^nartunaen: Lauback, Freieuscen, Gonterskirchen, Ruvvertsburg, Lüctterfcld, Lardenbach, Solms-Ilsdorf und den Laubackcr Waldgemarkuirgeu I7I11 nel.n9?.?brrnBrobt Der Groühcrzogliche Gerichtsvollzieher 8iarl Hcrrnoroot zu Laubach ist mit Genehmigung Grotzh. burdric nc zum Gräfl. Vollzichuugsbcamteu von uns ernannt und durck) ieme vorgesetzte staatliche Behörde vereidigt worden. Laubach, im Juni 1907. 16 Gräflich ^olms-Laubach'icke Rentkammer. B i r n v au m.__Vamvurger. * Garten- n.Veraträa-jtoel' Allgemeine Kenten-Anstalt Hegründet 1833. zu Stuttgart Neorgarustert 1855. 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Mchast gesch Kolonie beruh <_ Der Pensr Schutztrut He hen Z^bei niqt'g Wegerin S Elchen fei **en gw wieder 7? dem Ausi Sn die Betre ^en die Asch, °"echt gewest L°ch-, 4[J 6-erabr«u & L d-r-wn ‘"liiere Ü tootben lailöe^ fe&®e Von bei- c, llma SW ■b Sagotz Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank) Depositenkasse Giessen Giessen Telefon 120 ----- Bankgebäude: Johannesstrasse I (Am neuen Stadttheater). Aktienkapital and Reserven: 1831/«, Millionen Mart Niederlassungen im Darmstadt, Berlin, Cottbus, Forst, Frankfurt a. M., Frankfurt a. 0., Guben, Halle, Hannover, Uhr, Leipzig, Offenbach a. 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