157. Jahrgang Nr. 9 daß der Kaiser nicht nur der britischen Armee als Feldmarschall, Ehren-Admiral der Flotte und Chef eines Regiments angehört, sondern daß er auch als Mitglied einer Reihe britischer Klubs eine Art von Bürgerrecht auf dem Boden des Jnselreiches besitzt. So ist er Ehrenmitglied des „3unter United Service Club", wo sein Name u. a. neben denen des Königs der Belgier und des Königs von Italien steht. Dieser Klub verdankt seine Entstehung hauptsächlich dem Herzoge von Wellington und zu seinen Mitgliedern zählen 2000 britische Offiziere. Als Ehren-Oberst des 1. Dragoner-Regiments ist der Kaiser auch Mitgli.d des „Ca- valry Clubs", d.essen stattliches Haus sich in Piccaditty erhebt. Und endlich ist der Kaiser Mitglied des Segelsport-Klubs, der die Wettfahrten in Cowes arrangiert und dessen Titel „Royal Yacht Squadron" lautet. Selbstverständlich erhält der Kaiser infolge dieser Mitgliedschaft regelmäßig eine Einladung zu den Regatten von Cowes. Stehen. Fernwrech-An» schlußt.d. Redaktion 112 B er tag u. Expedition 51 sibrrfe ftrt T°v°ich°n! noia(ion$6nli und vtrlag der SrühNchen Unw.-Vuch. mtö Stetnöruderel R. Lange. 8edaM„, «rpedttton nnö ©rnderci: rchulstratze 7 Anzeiger Gießen. _______ । m reife im Hinterland der Negerrepublik Liberia begriffen, ifl >ei einem Kampfe zwischen aufständigen Negern und fron- . ösischen Truppen im Dorfe Boussedon tm Beylalande Französisch-Guinea) von Negern, die ihn vermutlich im Dorf gefangen gehalten hatten, ermordet worden. Dr. Volz war im Januar von Mario westlich von Monrovia ins Innere gegangen und beabsichtigte, durch Französisch-Guinca an die !rüste zurückzugelangen. Ter tüchtige Gelehrte hatte schon Forschungsreisen in Niederländisch-Jndlcn gemacht. IColonialpoft, — Ein Kolonialmord. xr. Walter Volz auS Aarberg (Kanton Bern), Privatdozent der Zoologie an der Neues aus Rußland. In Odessa wurde der Gefängn iS d irektor Sak- haruk durch zwei Uebeltätec ermordet. Die beiden Männer hatten sich in einem Graben versteckt und verwundeten Sak. haruk durch Schüße siebenmal. Als die Uebeltäter verfolgt worden, warfen sie zwei Bomben ohne Resultat. Der eine Verbrecher erschoß sich, als er auf der Flucht durch Gendarmen verwundet wurde; der andere verbarg sich in einem benachbarten Hause, wurde verhaftet und in das Gefängnis abgeführt. Wie Blätter auS Lublin melden, versteckte sich em dort von der Polizei verfolgter Räuber in einer Schmiede. Polizei- und Militärabteilungen umzingelten diese. Der Räuber feuerte und tötete einen Polizisten und verwundete einen anderen. Hierauf wurden Kanonen aufgefahren, deren Feuer gegen die Schmiede gerichtet wurde. Diese wurde zerstört und der Räuber hierbei schwer verwundet. In Moskau hat sich der Direktor der Fabrik Palm, in welcher vorgestern eine Explosuon erfolgte, erschossen. Der Selbstmörder war bereits seit längerer Zeit politisch verd ä chtig. Ureuhlsches Abgeordnetenhaus. B e r l i n, L4. April. Zunächst wird die Beratung über den zurückgeslellten Titel deS Etats des Finanzministeriums fortgesetzt. (Einmalige Unter- stützung von Beamten.) , Abg. Lnsensky (nl.) erklärt, für den Antrag Fischbeck, auch den mittleren Beamten eine Unterstützung von 150 Mk. zu gewähren, könne feine Partei angesichts der sinonzrelien Verhältnisse nicht stimme'». Abg. v. Z e d l i h (ff.) führt aus, es wäre wichtig, wenn die iür nächstes Jahr von dem Finanzmintster -»gesagte Regulierung der Beamtengehälter für alle Beamtenklassen, auch für Die oberen und zwar nach dem wirklichen Bedürfnis gleichmäßig erfolgen würde. Natürlich müsse das Staatsganze und die Steuerkrast der Bevölkerung in Betracht gezogen werden. Finanzminister Frhr. v. Rhetnbaben erwidert, er habe nicht gesagt, daß im nächsten Jahre nur die mittleren Beamten auigebessert werden sollen. Er möchte eine abschließende Ausbesserung der Beamtengehälter herbeiführen. Die Ueberjchüfse würden wohl nicht, wie er sie geschätzt habe, 30 Millionen, sondern darunter betragen. Vor einer weiteren Ausdehnung der Anleihe- Wirtschaft möchte er warnen. Vorübergehend Zuschläge auf die Einkommensteuer zu erheben, fei aber nicht möglich, denn es handle — Für Stadttheater in eigener Verwaltung oder an Subventionen geben die Verwaltungen der größeren Städte in Deutschland durchschnittlich auf den Kopf der Bevölkerung ans: Mannheim, das eine rein städtische Bühne mit einem von der Stadt angestellten Intendanten Hal. 4,63 M., Wiesbaden 3 26 M., Frankfurt a. M. 2,04 M., Mainz 1,86 M., Hamburg 0,12, Bremen 0,34, Lübeck 0,61 M., Dresden 0,004, München 0,002, Stuttgart 0,08 uno Berlin 0,000 Mk. Die letztere Aufwendung von 0 M. und die sehr geringen Der zuletzt genannten Residenzstädte erklärt sich dadurch, daß diese Städte reich subventionierte Hoftheacer und gute Privcftunternchmmigen haben. parlamentarisches« R B Darmstadt, 24. April. Der Finanzausschuß der zweiten hessischen Kammer hielt am Mittwoch vormittag unter Vorsitz des Abgeordneten Reinhart eine gemeinschaftliche Sitzung mit der Regierung ab. Der Ausschuß erledigte verschiedene kleinere Vorlageii und Anträge und beschäftigte sich dann noch eingehend mit der Frage des Kreisgeometerinstituts und Bermessungswesens. Auf Antrag des Abg. Molthan wurde beschlossen, von der Regierung noch Die Vorlage weiteren Materials zu erbitten jinb sie zu ersuchen, über die diesbezüglichen Verhältnisse in den anderen Bundesstaaten bei den Regierungen von Preußen, Bayern, Württemberg und Baden eine weitere Umfrage zu erlassen. Die Vorstellung des Stadt- und Kttchenvorstanoes zu Alsfeld betr. die Renovierung der W a l p u r g i s k i r ch e daselbst wird der Regierung zur Berücksichtigung empföhle,'.. Tie nächste Sitzung des Ausschusses findet Donnerstag vormittag 10 Uhr statt. Berlin, 24. April. Tie B u d g e t k o m m i ss i o n des Reichstages genehmigte heute zunächst den Rest des ordentlichen Etats für Ostafrika und wandte sich dann den einmaligen Ausgaben zu und bewilligte auf Befürworten des Kolonialdirektors 120 000 Mark als erste Rate für ein neues Fort in Vuansa, . — Dem Abgeordnetenhause gingen die Entwürfe eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die Pensionierung der Lehrer und Lehreri nnen an den öffentlichen Volksschulen vom 6. Juni 1885 und der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die F ü r s o r g e für die Witwen und Waisen der Lehrer an den öffentlichen Volksschulen vom 4. Dezember 1899 zu. In der Begründung wird ausgeführt, daß beide Gesetze möglichst wörtlich an die Bestimmungen der Entwürfe über die Abänderung der Beamtcnpe'.isions- und Relittengesetze angeschlossen werden; so werden die Fälle des Ruhens der Pension erweitert, die Erhöhung des Gnadenmonats wird auf den Betrag eines Gnadenvierteljahres angeordnet. Der Gesetzentwurf zum Reliktengesetz erhöht die Höchstgrenze von 2000 auf 3500 Mk. Der Kaiser als Klubmann. Für das Klubwcsen an sich hat Kaiser Wilhelm H._ niemals, auch nicht vor seiner Thronbesteigung, viel Interesse gezeigt. So weiß man, daß Prinz Wilhelm nach seiner Ernennung zum Kommandeur des Garde-HusarLN-Regiments in Potsdam seinen Offizieren dienstlich den Besuch eines der ersten Berlner Sportklubs verbot, wo zu jener Zeit, wie man wohl zu sagen pflegt: fließig „die Karte gebogen wurde." Dieser Befehl des Prinzen rief in der Berliner Gesellschaft damals Aufsehen hervor, denn an der Spitze des Klubs stand einer der vornehmsten fürstlichen Magnaten Preußens und in der Liste seiner Mft- glieder begegnete man fast ausschließlich den ältesten und an- gesehendsten Namen. Aber seitdem er Kaiser geworden ist, gehört Wilhelm II. doch einer Reihe von Klubs selbst an. Zunächst ist er Protektor der „Kasino - G ese llscha f t", die ihr fceun am Pariser Platze in Berlin in dem sogenannten „von Rohdichschen Legatenhause" hat, das einst der alte Marschall Wrangel bewohnte. Man Höri diesen Kiub »ft das „Adelige Kasino" nennen, und in der Tat befinden sich unter den Mitgliedern meist Angehörige der Hofgesellschaft, Hcrrenhausmitglieder, Hofbeamte, Diplomaten und Offiziere rier exklusiven Gaide-Regimenter. Unter den 333 Mitgliedern, die d as letzte Verzeichnis aufweist, sind, — von den ausländischen Diplomaten sehen wir ab — nur 18 bürgerliche Herren. Trotzdem der Kaiser der Schirmherr des „Kasinos" ist, hat er es, soviel wir wissen, nur selten oder gar nicht betreten. Auch der „Automobil - Klub" im ehemals v. Bleich- röderschen Palais am Leipziger Platz darf den Kaiser seinen Protektor und sich selbst seiidem „Kaiserlicher Automobil-Klub" nennen. Der Automobil-Klub ist in seiner Zusammensetzung demokratischer als das Kasino; er zählt zu seinen zahlreichen Mitgliedern Männer aus allen Ständen Der Gebildeten, Präsident des Klubs ist der Herzog von Ratibor, den der Kaiser, als einen Hohenlohe und Vetter der Kaiserin, duzt. Ter Herzog von Ratibor empfing den Kaiser, als dieser zum ersten Male die Schwelle des Klubs betreten halte, als seinen Gast zu einem kleinen Diner, an dem u. a. auch einige Berliner Großindustrielle teilnahmen, mit denen der Kaiser schwerlich zuvor je an einem Tische gesessen hatte. — Der dritte deutsche Klub, der den Kaiser in seinen Listen führt, ist der „Kaiserliche I a ch t - K l u b" in Kiel, der Veranstalter der vielbesuchten „Kieler Woche", der der Kaiser ein so starkes Interesse entgegenbringt. Der Kaiser wird „Commodore" des Klubs genannt, und er trägt bei den Wettfahrten und den Klubfestlichkeiten den Klubanzug _ wie die gewöhnlichen Mitglieder. Dieser besteht aus Jactet, Weste, Beinkleid und Mütze aus blauem Tuche nach Dem Schnitte des Bordenzuges der Seeoffiziere; die schwarzen Knöpfe zeigen einen Anker mit Der Kaiserkrone und den Buchstaben K. P. C. Daneben gibt es einen Gesellschaftsanzug, dessen Jacke die Form des Smokings hat und dessen Knöpfe golden sind. In einem Augenblicke, da die deutsch-englischen Beziehungen, wie man jetzt so häufig lesen kann, von neuem „im Mittelpunkte des Interesses stehen", ist es angebracht, daran zu erinnern. Aus dem Ieichslag. R. Berlin, 24. April. > Die alljährlich toieberfelyrettbe lange Rede des Abge- ' ordneten Bebel zum Militäretat stand diesmal nicht eben unter einem glücklichen Stern. Zunächst wirkte die über- zeugende Erklärung deS preußischen Kriegsministers nach, datz man zum Heere das vollste Vertrauen haben dürfe. Dann war der unermüdliche Ankläger Bebel nicht m der Lage, soviel Beschwerdematerial wie in früheren Jahren beyubnngtn. Datz Soldatenmißhandlungcn noch immer Vorkommen, ist ja leioer Tatsache, ab.r es läßt sich andrerseits die Abnahme der Mißhandlungen nickst bestreften, denn ui der Regel werden berartige Uebetgriffe durch die Militärgerichte gebuljrcni) geahndet. In der aUgemeüien Kritik Militär st cher Einrichtungen und Gepflogenheften stützt sich Bebel gern auf Sachverständige, doch ix entnimmt sie zumeist den Reihen derer, ^die i n ©ebrut und Wort gewissermaßen systematisch kritisieren, too gebt i>urd) Bebels Milftärreden ein agitatorischer Zug, der die trinftrua^ kraft manches zutreffenden Wortes absckstvächt. An der Bereft- wüligkeit der liberalen Parteien, alles zu bewilligen, um angesichts der unsicheren Weltlage das Schwert scharf zu halten, übte Bebel zwar seinen Spott, aber im Grunde seines Herzens ist auch der Sozialistenführer entfernt davon, der Beichasftnheft der Landesverteidigung gleichgültig gegenüberzustehen. Erscheint es i hm doch bedenklich, daß Die Tauglichkeitsziffer beim Veeres- ersatz zurückgehl; er meint sogar selbst, daß das aus die wachsende Industrialisierung Deutschland- zurückzusühren sei. Es handelt sich natürlich um die körperliche Tauglichkeit. , Was Die geistige Beschaffenheit der Rekruten anlangt, so befurchtet Bebel keinen Schaden von der Industrialisierung. Im Gegenteil: Je mehr Industrie, umsomehr Sozialdemokraten, und je mehr Sozialdemokraten, umsomehr Intelligenz bei den Rekruten, beim „die intelligentesten Elcinente int Heere sind Anhänger der roten Fahne". (Große Heiterkeit.) Ein Vertreter starren Preußentums, Abg. v. Oldenburg (kons.) unternahm es, dem Vorredner ,Lnstruktionsstunde" zu erteilen. Mit schmetternder Kommandostimme pries der ehemalige Offizier die Vorzüge des Parademarsches, der ein eminentes Mittel zur Förderung der Disziplin sei, wie beim überhaupt Armee und Marine als das beste Dolkserziehungs- niittel angesehen werd.n müßten. Hätten die Konservativen in L-achen der Haager Konferenz — Abrüstungsfrage — zu bestimmen, dann würden sie zum Delegierten den preußiichen Kriegsminister ernennen, der im Haag einfach »u, beantragen haben würde, daß Frankreich und England erst einmal ihre militärischen Aufwendungen auf den niedrigeren Satz Deulich- lands zurückschrauben möchten. Zurufe von links belehrten zwar den konservativen Redner, daß die Glaubwürdigkeit der von ihm benutzten Stattstik anfechtbar sei, doch er ignorierte das. Weniger hochgestiminte Redewendungen, aber sachlich bemerkenswerten Inhalt bot der Vortrag des Dr. Müller^ Meiningen (Frs. Vlksp.) über Bewucherung und Spiel- wut der Offiziere, Urteile von Kriegsgerichten, über ein „Protzen" mit militärischer Machtfülle gegenüber dem Bürgertum bei Kontrullversammlungen, über das Beschwerderecht usw. „Der Geist macht den wahren Wert der Armee aus, und diesen Geist zu einem unübertrefflichen zu machen, ist nichts so geeignet, als Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der militärischen Rechtsprechung!" An die Möglichkeit erheblicher Ersparnisse am Militäretat glauben die Liberalen nicht, doch sie werden stets bereit fein, das Vaterland über die Partei zu stellen. Es müsse dann eben bei anderen Etats das Sparprogramm des Reichskanzlers durchgeführt werden. Der Militärbsvollmächtigte Sachsens bestritt dem Abg. Bebel, daß die Armeekorps des Königreichs den Rekord hatten inbezug auf Soldatenmißhandlung. Mit diesem Thema beschäftigte sich auch der Kriegsminister * Kaiser Friedrich als Student in Bonn. Im Jahre 1875 wurde ich dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm von einem hohen Herrn vorgestellt. Eine der geläufigsten Fragen der hohen Herrschaften ist gewöhnlich: „Wo sind Sie her?" Als er hörte, daß ich gebürtiger Bonner sei, drehte er sich lachend auf dem Absatz hin und her und sagte in seiner jovialen Weise: „Ja, weißt du, L. (womft er den Herrn meinte, der mich vorgestellt hatte), mit Herren, die zu Bonn geboren sind, kann man schlecht abschneiden. Die haben schon als Kinder an der Brust der Alma Mater gelegen und Weisheit getrunken." Dann fuhr er ernster fort: „Auch ich war Studeni in Bonn. Eine herrliche Zeft! Eine meiner schönsten Erinnerungen!" — „Das hören wir Bonner mit Freude und Stolz", entgegnete ich. ,Lch erinnere mich noch des großartigen Fackelzuges, Den die Bonner Bürger Eurer Kaiserlichen Hoheit brachten." — „Da siehst du es ja", wandte sich der Kronprinz zu Dem andern, „da hast Du den Bonner. Nun will Der wissen von dem Fackelzug, der allerdings sehr schön war, und er lag doch damals erst in Den Windeln !" — „Ich kann mich noch gut des Fensters erinnern, an dem Kaiserliche Hoheit Den Fackelzug abnahmen." — „Wo war das?" fragte der Kronprinz rasch und schneidig, als wollte er mich festrennen mit der Antwort. — „An dem Pavillonvorbau des Universitätsgebäudes, dem sog. Bonner Weiher im Hofgarten zu", entgegnete ich. — „Das stimmt", erwiderte der Prinz. „Wie alt waren Sie damals?" fragte er erstaunt. — „Fünf Jahre. Mein Vater nahm mich auf den Arm, um mir das Schauspiel zu zeigen. Und so habe ich es nie vergessen." — „Alle Achtung vor Ihrem Gedächtnis" meinte Der Prinz. — Durch die Liebenswürdigkeit des Kronprinzen mutig gemacht, fuhr ich fort: „Ich erinnere mich sogar noch mancher Einzelheiten. So, wer Die Fahne der Schneiderrnnung trug. Das war ein großer burnder Mann namens Senf." — „Wie haben Sie das behalten können?" — „Well Meister Senf unser Familien- schneider war. Seine Würde als Fahuenttäger im Fackelzug hat mir jo ungemein imponiert, daß ich ihn von Da an mit größter Achtung anschaue." — Da lachte der Kronprinz, nahm — lieber ihre Stellungnahme zu dem Projekt einer Berliner Weltausstellung im Jahre 1913 hat die „Münchener Allg. Ztg." eine Reihe bayerischer Großindustrieller betragt. Aus Den abgegebenen Gutachten, die ausnahmslos ablehnend lauten, klingt eine absolute Abneigung, Unlust und Ausstellungsmüdigkeit. Allenthalben wird die Bedürfnisfrage entschieden verneint und besonders vor Veranstaltung einer Weltausstellung gewarnt, da diese sich überlebt hätten, kein Interesse dafür vorhanden sei, die schweren Opfer in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen unb die Ausstellung nur eine Art lästiger Repräsentation bedeute. v Einem unter Hinweis auf entsprechende Urteile der fron-1 Universität zu Bonn, seit einem Jahr auf einer For'chungs. zösischen Militärgerichte. In der Abwehr Bebels war der Minister - * * v K "..... u, e ' — •* glücklicher als in Der Polemik gegen Dr. Müller-Meiningen. Was er z. B. über die Disziplin bei Kontrollversammlungen sagte, spiegelte eine etivaö unübertriebene soldatische Auffassung wieder. Es ist doch wohl schließlich kein Kapitalverbrechen gegen den militärischen Geist, wenn ein Ersatzreservist sich in höchster Rot die Nase schneuzt. Mft Beklemmung wftä> der Teil des riffizier- korps, den es angeht, Kenntnis davon nehmen, daß ihm der Münster ein unglaubliches Maß von Naivität im Verkehr nut Wucherern zuerkennt. Um wenigstens einiges Licht der Erkenntnis zu verbraten, sollen jetzt auf den Kriegs, chulen Kur,e im Wechselrecht veranstaltet werden. Zu einem fmarfen Zusammenstoß mft der äußersten Linken kam es, als der Mmister vom „disziplinfeftidlichen" Einwirken der Sozialdemokraten auf die militärpflichtige Jugend sprach . Der Abg. v. Siebert (Rp) stellte den einmaligen Regimentskommandeur heraus, nebenher den bayrischen Mitttärbe- vollmächtigteu apostrophierend, und Abg. Liebermann von Sonnenberg erklärte mft gewohnter Kraft, man solle das Gerede über Abrüstung „den alten Weibern beiderlei Geschlechts' überlassen. Des beunruhigten Umherreisens des Königs von England gedachte schließlich mit einem „freien Hessenworl" 2lb- geordneter Bindewald. Der Akzent des Tages lag auf Dem Wort „national". sich um dauernde Ausgaben. Abg. B r ö m e l (frs. Vgg.) tritt roarm für den freisinnigen Antrag em. Die Bedenken des Fmanzminislers seien vollstanoig unbegründet. Die Kommission werde sich mit Der Deckungsfrage schon eingebend zu beschäiligen haben. Die Notlage der Beamten seine Holzpieise, wenn ich mich recht erinnere, war es ein Ulmer Kopf, aus dem Munde und sagte Hefter: „So weit geht mein Gedächtnis nicht, aber das sage ich Ihnen nochmals: an die Bonner Zeit d'enke ich mit Freude Lftnd Behagen zurück." — Ich hätte dein hohen Herrn noch mit einer Erinnerung an eine Szene, die ihn in Bonn betraf, dienen können, bei der ich anwesend war. Die behielt ich für mich. Im Jahre 1868, als Bonn das großartige Universitäts-Jubiläum feierte, nahm auch Prinz Wilhelm teil. Ein besonders schönes Fest fand im großartigen Garten von Kley statt, und die Universiiätsbehörde hatte in trefflicher Weise den „Alten Zoll" mfthereingezogen. Tausende von Menschen freuten sich da des herrlichen Abends. Auf einmal hieß es: „Der Kronprinz kütt!" Der Prinz kam vom 5tleyschen Garten herauf, ging durch die Menge, überall leutselig grüßend. Die Menge war glanz närrisch vor Festesjubel und umDrängtc den beliebten Prinzen derart, daß dieser kaum vorwärts konnte. Als er Der Mauer entlang ging, von der sich der Rheinstrom und das Siebengebirge so prachtvoll Darbieten, wurde das Gedränge immer stärker. Und nun ließ sich jemand aus dem Gefolge hinreißen, mit der Degenscheide auf Die Beine Der Herandrängenden zu schlagen. Da entitand aber sofort ein drohendes, unwilliges Gemurre, und gegen den Uebereifrigen kamen harte Worte zum Ausdruck. Der Kronprinz mochte etwas gemerkt haben. Er drehte sich um, sah scharf auf das Gefolae hin und setzte Dann seinen Weg fort, umjubett von Der Menge. Am andern Tage erzählte man sich. Der Kronprinz habe Dem betreffenden Herrn gesagt: „Derartiges lassen Sie künftig bleiben. Das können die Rheinländer nicht tiertragen. Die sind von anderm Stoft als Ihre Landsleute." M Erstes Blickt 157. Jahrgang Donnerstag 25. April 1L07 /KM d & W I l'3v ™ >lv V General-Anzeiger snr Oberhessen @0 » yeß, tüt den An- • zeigenteil: HanS Beck Erfordere es, daß auch die mittleren Beamten berücksichtigt werden. Das Reich fei mit gutem Beispiel vorangegangen. Preußen habe ldie moralische Verpflichtung zu folgen. Der Antrag Fischbeck wird an die Dndgetkommission verwiesen. Di« Auffüllung des Unter st ühungsfonds für lUnterbeamte um etwa 300 000 Mark wird nach bem ^Anträge der Budgetkommifsion genehmigt. — Beim Titel * Allgemeine Finanzverwaltung" bedauert Abg. von Arnim-Züsedom (kons.) lebhaft den Tiefstand |bet preußischen Konsols. Abg. Lahensly (Ztr.) bemerkt, es sei höchst bedauerlich, daß unsere Staatspapiere so niedrig stehen. A>n schlimmsten stehe es mit den 3 prozentigen. Infolge dessen kaufe Las Publikum minderwertige Austandspapiere Hiergegen Maßregeln zu ergreifen, möchte er beit Finanznnnister bitten. Unter diesen Verhaltttissen sei er mit der Mehrzads feiner Freunde mit der Ausgabe von Schatzanweisungen einverstanden, wenn er auch Len hohen Prozentsatz von 4 % beklage. Abg. Dr. Friedberg ml.) erklärt, wenn wir einmal aus Anleihen angewiesen feien, so fei es unter den jetzigen Umständen wohl richtig gewesen, Schatzanweisungen auszugeben, da eine SV2 Proz. Anleihe zur Zeit doch nicht hätte untergebracht werden können. Der Shire der Staatspapiere würde auch gehoben werden, .toenn die Sparkassen einen größeren Bestand an Reichs- und Staatsanleihen hielten. Eine andere Frage sei, ob die Sparkassen Lazu gezwungen werden könnten von Staatswegen. Finanzmtnister Frhr. v. Rheinbaben verkennt nicht, daß der niedrige Stand unserer Staatspapiere mit der günstigen Entwickelung unserer Industrie zusammenhänge. Er halte es aber nicht für berechtigt, daß unsere 3 Proz. Anleihen schlechter stehen, als die französischen mW englischen. Eine Börsenresorm halte -er für richtig, er glaube auch, das Termingeschäft werde wieder gestattet werden müssen, aber nur in Effekten und von gewerbs- 'mäßigen Kreisen. Redner sei aucb für Popularisierung unserer ^-Anleihen eingetteten, künftig würden die Zinsscheine unserer Anleihen an allen öffentlichen Kassen, abgesehen von den Eisenbahn- 'kassen angenommen. Abg. Dr. Arendt (ft) ist mit dem Vorgehen des Ministers einverstanden. Für sehr Wünschenswert hält Redner die Ausgabe von Anleihen bis zu 50 Mk. hinunter, die auch keine bestimmte Rückzahlung enthielten, die Aufnahme dafür würde im Publikum außerordentlich hoch sein. Außerordenttich wichtig sei es, fest- zustellen, daß es sich jetzt nicht um ein Sinken der preußischen und deutschen Papiere allein, sondern um ein Sinken erstklassiger Staatspapiere handle. Man solle also davon aüsehen, schwarz zu malen und darüber zu klagen, daß wir eine schlechte Aufnahmefähigkeit für unsere Staatspapiere hätten. Das Börsengesetz habe mit dieser Frage garuichts zu tun. Für eine Erleichterung des Absatzes der neuen Anleihe müsse energisch gesorgt werden. Deshalb müsse er sich auch für die Sparkassenvorlage des Ministers erklären. Auch die Errichtung von Postsparkassen müsse man ins Auge fasten. Abg. Dr. Er ü g er-Hagen (frf. Vpt.) erklärt, wenn der Minister meine, sdtLß von den Kursverlusten der Staatspapiere die unteren und mittleren Kreise zumeist betroffen würden, so ^möchte er dies doch bezweifeln, denn gerade in diesen Kreisen 'pflege man die Staatspapiere zu behalten. Fürst Bülow habe die letzige Börsengesetzgebung auf das schärfste verurteilt, der Minister scheine dies nicht so ganz zu tun. Wo bleibt denn die Novelle zum Börsengesetz? Die Diskonierhöhmig lasse sich auf künstlichem Wege nicht beseitigen, da sie eine Folge unserer wirtschaftlichen Lage fei. Ebensowenig könne man einen künstlichen Einfluß auf die Kurse unserer Staatspapiere ausüben. Unter den heutigen Verhältnissen konnte die Verwaltung nichts anderes tun, als Schatzanweisungen auszugeben. Davor möchte er aber warnen, irgendwie den Versuch zu machen, den Kurs der Staatspapiere künstlich hu beeinflussen. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hält es für Pflicht eines jeden Finanzministers, nach DLöglichkeit die Schwankungen der Kurse zu beschränken. In England hatten die staatlichen Veranstaltungen Einfluß auf den Kurs der Staatspapiere gehabt, die Aufnahme von Staatspapieren durch die Seehandlung habe auch Einfluß auf die Kurse der Ltaatspapiere gehabt. Abg. Brömel (Frs. Vgg.) erklärt, auf den Kurs der Staatspapiere würde wohl auch ein fester Bestand der Sparkassen an solchen Papieren nicht einwirken, ihre Liquidität -würde vielleicht ein wenig gehoben, doch könnten im Falle von Kursrückgängen auch erhebliche Verluste eintreten. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angeiwmmen. Der Etat der allgemeinen Verivattung wird angenommen. Da- mtt ist die zweite Etatsberatung erledigt. Ans Staöt nnd Land. Gießen, den 25. April. ** Justizpersonalien. S. K. H. der Groß Herzog Haven den Gerichtsassessor Dr. Hans Mich. Minnich aus Oppenheim zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Pfed- dersherm und den Gerichtsassessor Ernst Schmidt aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lfsen- bach ernannt. **An den Fahrkartenschaltern auf hiesigem B a h n- h o f e tritt mit Beginn des bevorstehenden 1. Mai insofern eine Aenderung ein, als die V e r k a u f s s ch a l t e r nicht mehr nach Richtungen, sondern lediglich nach Wagenklasseu getrennt werden. Hierdurch ist natürlich die Orientierung für das Publikum wesentlich erleichtert. Vom 1. Mai ab werden zunächst 5 Schalter eingerichtet werden und zwar zwei mit Fahrkarten vierter Klasse und drei mit Fahrkarten 1.—4. Klasse. Die letzteren Schalter werden vorläufig im allgemeinen nur Fahrkarten 1.—3. Klasse verkaufen. In Kürze werden dann noch drei weitere Klassenschalter mit der nötigen Einrichtung aus- aestattet werden, so daß dann acht Schütter zur Verfügung stehen, die je nach Bedarf geöffnet werden können. In der Nacht zum 1. Mai wird die Ausgabe der neuen Fahrkarten beginnen; cs sind Einrichtungen getroffen, daß sich die Aenderung trotz der völligen Umgestaltung der hiesigen Fahrkartenausgabe glatt vollziehen wird. Von welchem Umfang die eintretende Aenderung ist, erhellt daraus, daß neue Vertäufsschränke aufgesteltt sind, die 13—14 000 Gefache für Fahrkarten enthalten. — Zugleich mit dieser Neuerung tritt der neue Per- Ionen- und Gepäcktarif ins Leben. Damit sich die Reisenden über die neuen Einrichtungen vorher unterrichten können ist eiine Bekanntmachung „Der neue Eisenbahn-Personen- und Gepäck taris" hergestellt, der in der Nähe der Fahrkarten- und Ge- päch'chatter auf den Bahnhöfen angebracht wird. Tie Eisenbahn- -Verwaltung überweist ferner ihren Fahrkarten-Ausgaben das ^Merkbuch für Rei sende" sowie das Druckheft „Der neue Eisenbahn-Personen- und Gepäcktaris" zur kostenlosen Abgabe an das Publikum. Es empflehlt sich also, von dem kostenlosen Bezüge dieser Drucksachen in weitestem Umfange Gebrauch zu machen. — Eisenbahngüterdienst. Dem Wunsche der Interessenten entsprechend, hat die Eisenbahnvcrwaltung im Schaltervorraum der Güterabfertigung Gießen einen Fernsprechanschluß anbringen lassen, sodaß den Güterauflieferern nunmehr Gelegenheit geboten ist, unentgeltlich vom Güterschuppen aus in telephonische Verbindung mit der Stadt treten zu können. Die Einrichtung ist am 19. April 07 in Betrieb genommen worben und kann von jedermaiin benutzt werden. X Butzbach, 24. April. Mit Unierftübung des Main- Rhein-Verbands für Voltsbildungswesen wird demnächst hier em V o l k s t h e a t e r durch das Hanauer Stabt Theater mehrere Tage gafiteren und mehrere Voltsschauspiele aus- Weru - Tas K-ieger fest des hiesigen Hassm-Bezirks Tinbet am 23. und 24. Jun: m Nred er-Weisel statt. — Im nahen Hoch weifet fand Beigeoronetenwabl statt, es erhielten Ph. Diehl 51, Dämon 50, Frey 30 St. nächste Woche ist Stichwahl. ' cd Rosbach bei Friedberg, 24. April. Im hiesigen Mangan-Eisenwerk stürzte der Bergmann Reinhardt in einen 15 Meter tiefen Schacht und erlitt derartige Verletzungen, daß man ihn in die Gießener Klinik verbringen mußte. (P.) Schlitz, 24. April. Ein ehrenvoller Auftrag ist einem Sohn unserer Stadt geworden. Herr Otto Stockhausen, Ingenieur bei der Stadt Harnburg, dem bei der gepumten Hafenregulierung der Bau eines Elbetunnels übertragen wurde, ist von der Stadt Hamburg mit noch zwei Ingenieuren nach Amerika gesaubt worden, um an dortigen ähnlichen Bauten Studien zu machen. Es ist das um so bemerkenswerter, als Herr Stockhausen erst 29 Jahre alt ist. Wie die Newyorker Revue schreibt, suhlt man sich dort sehr geschmeichelt, daß man Amerika zu solchen Sru- dien aufsucht, macht jedoch dem Staate gleichzeitig den Vorwurf, warum man in Amerika nicht auch wie in Deutschland Siaatsbeamte nut derartigen Ausführungen betraue, sondern alles privaten Unternehmern überlasse. Das deutsche System habe den gewaltigen Vorzug^ daß oer städtische Techniker dann später in allen solche Werke betreffenden Fragen bewandert sei. Möge es unserem itartb5manne gelingen, sich drüben recht viele Kenntnisse zu sammeln. X Bad Salzhausen, im April. Wir schreiben heute den 23. April. Ain 1. Mai beginnt in den Bädern die „Saison". Bei uns wird es immer etwas später, bis sie beginnt. Es wäre aber auch em Dmg der Unmöglichkeit, am 1. Mai hier Badegast zu sein. Wie sieht es hier aus? Das neue Badehaus ist noch lange nicht fertig; das alle lann ja vorerst noch genügen. Ader es ist ja kaum hinzukommen. Vom Hofe des Kurhauses durch das Portal über Die Straße liegt eine Feldbahn; die Umgebung des neuen BadehauseS ist mit Stein-, Sand- und Schutthaufen angefüllt, links lagern mächtige Rohre, vor der Terrasfe Geröll und Schutt. Quellen, die mit schöner Fassung versehen sind, sind ebenfalls mit Baumaterialien umlagert. Die Schwefelquelle sieht man überhaupt nicht mehr, ein trüber Waffer- tümpel umgibt die Fassung. Der Gradierbau ist oben abgebrochen, die faulen Balken lagern im GraS nebenan. Ein größerer Kontrast als diese Zustände auf der einen Seite und der im schönsten Frühlingsschmuck stehende Park auf veränderen, ist kaum zu denken. Die Bohrung an der neuen Quelle geht ihren Gang ungehindert weiter. Soll aber das Bad bald eine andere Gestalt annehmen, so sind viele Arbeitskräfte nötig. § Ermenrod, 24. April. Wenn sonst hier aus den umliegenden Domaniaiwaldungen die letzien Ho lzverst eigerungen stoltsauden, so war das Brennholz meist billiger, wie bei den vorausgegaugenen anderen Holz- versdeigerungen, weil der Bedarf an Holz meist schon gedeckt war. Heute war das nicht der Fall, das Brennholz war im Gegenteil sehr teuer. Die Ursache liegt in dem außergewöhnlich kalten Frühling, wodurch bis heute noch nicht die Zimmerösen außer Brand gesetzt werden konnten. Man bezahlte für vier Raummeter Buchenprügel bis zu 27 Mark, vier desgleichen Scheit bis zu 36 Mark, ebenso waren Stöcke und Reisig hoch im Preise. () Aus dem Ohmtal, 24. April. Die ersten Schwalben — Rauchschwalben — sind mit dem gestrigen Tage wieder in unsere Taldörser zu beit alten Niststätten zurückgekehrt. Nun wirb es enblich wärmer werben. 2In den Ruckzug der Schwalben knüpft sich stets diese Hoffnung. Sollte sich letztere aber nicht erfüllen, dann gehen wir vor allem schlechten Futteraussichten entgegen. Schon steht der Mai vor der Türe, und das Wachstum steckt noch in den Winterschuhen. Ganz außergewöhnlich spät ist die Obstbaumblüte: noch hat keine Kirschbaum- blüte sich erschlossen, während sie sonst um diese Zeit schon ausgeblüht waren. Tie Schlüsselblume, die gewöhnlich Ende März blüht, wird zur „Maiblume", da sie jetzt erst zu blühen beginnt. (-d.) Aus dem Kreis Büdingen, 24. April/ In den Orten Borsdorf und Ober-Wibdersheim sinb Telegraphenbetriebsstellen mit Telephon- einrichtung eröffnet worben. (fb.) Tarm stadt, 24. April. Am verflossenen Mittwoch kühlte ein seit einigen Jahren bie hiesige Technische Hochschule besuchender Student R., der Sohn eines hiesigen Polizeibeamten, seine Wut dadurch, daß er einem anderen Studenten, mit dem er ein kleines Renkontre hatte, gelegentlich des össentlichenMilitärkonzer- tes, das regelmäßig am neuen Palais am Wilhelminen- platz vor der kath. Kirche stattfinbet, coram publico ein Paar gehörige Ohrfergen verabreichte, sodaß mtt Unterstützung der beiderseitigen Freunde zwischen 12 und 1 Uhr eine regelrechte Keilerei entstand, die erst durch die Polizei unterdrückt werden konnte. Der Anstifter wurde auf drei Jahre, mehrere andere auf kürzere Zeit relegiert. sd. Darmstadt, 25. April. (Tel.) Erschossen hat sich der Gardist Joh. Christoph Sauer aus Bodenheim, 3. Komp. Ins. Regt. 115, mit seinem Dienstgewehr durch einen Schuß ms Herz. — Der Gardist Gries aus Gontershausen (Kreis Alsfeld), der sich mit einer Platzpatrone einen Schuß beigebracht hatte, besindet sich auf dem Wege der Besserung. W o r m s, 24. April. Der st ä d t i s ch e V o r a n s ch l a g, der int Truck vorliegt, sieht eine Steuererhöhung von 95 auf 971/2 Prozent vor. Die Mehrausgabe für Beamte und Voll'sschullehrer sieht 43 000 Mk., der Zuschuß zur elektr. Straßenbahn 44 000 Mk. vor. Im ganzen ergibt sich ein Um.age5ei.rag von 1203372 Mark gegen 1119 521 Mark im Vorjahr. (sc.) Frankfurt a. M., 24. April. Der am 4. Juli 1905 hier verstorbene Rentier" Ludwig Joseph Pfungst aus Worms hat, wie seinerzeit berichtet, die Stadt Frankfurt zur Erbin eingesetzt mit der Bestimmung, daß die Zinsen des Kapitals zur Anschaffung von Kunstwerken lebender Künstler für bie öffentlichen Sammlungen der Stadt verwandt werden. Nach Abrechnungen von Abfindungen bleibt, wie der Nachlaßpfleger jetzt mttteilt, ein Nettovermogen von 1360 000 Mark. — Einsam und verlassen starb im Hause Katharinenpforte 5 das 81jährige Fräulein Elisabeth Reutlingen. Das alte Fräulein hatte eine bescheidene Wohnung inne und gelebt, wie Leute leben, bie in dürftigen Verhältnissen sind. Umsomehr war man erstaunt, als sich herausstellte, daß bie Verstorbene bei einer hiesigen Bank ein Depot von 400 000 Mark hatte. — Gestern starb im 78. Lebensjahre Freiherr Friebrich Karl Anton von Holz Haus en, ein Sproß bes ältesten Frankfurter Patrizierhauses. Ter Verstorbene hatte als Offizier ber östreicyischen Armee die Feldzüge 1848/49, 1859 und 1866 mitgemacht. Wiesbaden, 24. April. Der Kaiser ist heute morgen im Automobil von hier nach Homburg v. d. H. abgefahren. Auf der Fahrt nahm ber Monarch bie für bas Au t - mobilrennen i in T a u n u s bestimmte Route in Augenschein. Zu diesem Zweck traf der Kaiser in Königstein mit dem Prinzen Heinrich, dem Landrat von Marx, Freiherrn von Brandenstein und Herrn de la Croix zusammen und befuhr mit ihnen die Rennstraße. Tie Wege waren vorzüglich. Die Ankunft in Homburg erfolgte II1/2 Uhr. Ebingen (Dill), 23. April. Trotz wieberholier Vorstellung war Ebingen bie einzige Gemeinde bes unteren Dilltals, obgleich unmittelbar an ber Bahn Teutz- Gießen gelegen, die noch keine Personenhaltestelle hatte. Wie wir jetzt erfahren, wird nunmehr auch diesem Wunsche entsprochen. Unsere Lrtsbehorde hat nämlich im vorigen Jahre mit der Königlichen Eisenbahnbirektion eine Vereinbarung getroffen, wonach letziere einen Perfonen- haltepunkt für bie Gemeinbe Edingen herstellt. Letztere zahlt an die Eisenbahnverwaltung einen Barzuschuß in Höhe ber durch die geplante Neueinrichtung entstehenden Kosten. Die Haltestelle wirb in erster Linie ben vielen hiesigen Arbeitern zugute kommen, bie zu Sinn, Herborn unb Wetzlar beschäftigt sinb. () Kirchhain, 24. April. Ein Lehrling von hier, ber jebeit Abenb von Marburg nach Haufe fährt, hatte, gestern abend das Aussteigen versäumt und sprang aus Dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Der Unvorsichtige erlitt schwere Verletzungen. Düsseldorf, 24. Aprtl. Tie Ausstellung ber Deutschen Lanbwirtschastsgesell schäft wirb am 6. Juni in Vertretung bes Kaisers burch den Prinzen August Wilhelm eröffnet. §er Kaiser und der Kroßherzog in Kießen° Gießen, 25. April 1907. Die Jubelrufe sind verklungen, Kaiser unb Großherzog haben unserer Stadt bereits den Rücken gekehrt, wenn diese Zeilen unseren Lesern zu Gesichte kommen. Graue Alltäglichkeit lagert wieder über den Straßen der Stadt..... Es waren Stunden patriotischer Erhabenheit, die hinter un§ liegen. Was sich doch alles in einer so winzigen Spanne Zeit bei einem solchen Fürstentage zusammendrängen kann! Ein nentwirrbares Chaos von Bildern, das jeder einzelne geschaut hat und jeder anders geschaut hat. Natürlich hatte sich Gießen schleunigst ein Festkleid angelegt. Obwohl noch am Mittwoch Nachmittag manches weit zurück war, heute vormittag war des Rätsels Lösung doch aufs beste geglückt. In den Tagen zuvor hatten ganze Rotten der wackeren Gießener Schmutztruppen die nicht gerade blanken Parkettfußböden gleichenden Straßen mit wahrem Feuereifer von den Schlamm-Sintfluten mühsam befreit und passierbar gemacht. Straßenwalzen hatten dahinter das Ihrige zur Glättung der Wege getan unb herkulische Arbeiter das hier und da aufgerissene Pflaster schnell repariert. Und so sahen denn alle die Straßen, die die beiden Monarchen durchsausten, recht nett und sauber aus und im ersten Schmucke des jungen Lenzes präsentierte sich ihnen unser Gießen fast als ein Kind moderner Städteeleganz. Aber da tut sich plötzlich ein Durchblick auf und was sehen wir? Hundert Schritte von dieser Anmut und wohlhabenden Gediegenheit ein Straßenbild Altgießens von windschiefer, zusammengequetschter, verschrumpelter Beschaffenheit. Wo aber findet man in den deutschen Städten solche Gegensätze nicht? Man denke selbst an Frankfurt, Köln, Hamburg! Es ist eine alte, allgemeine Lebenserfahrung: Les extremes se touchent! An mehreren Straßenkreuzungen hatte inan blendend weiße Flaggenmasten errichtet und von Mast zu Mast Tannen« guirlanden gezogen, sie an passenden Stellen mit Schleifen in den deutschen Farben versehen. Die Kaserne, baS KreiS- amt, die Bürgermeisterei, die Loge 2c. hatten wieder besonders reichlichen Schmuck erhalten. Besonders hübsch aber hatte, man den nun allgemach endlich sein definitives Zierkleid erhaltenden Landgraf Philipp-Platz hergerichtet. Das seiner eigentlichen Bestimmung noch harrende, mit einer Stein- cinfassung bereits versehene Rondell hatte man dicht mit Fahnenmasten bekränzt und alle Häuser ringsum trugen schönen unb reichen bunten Schmuck. — Auch die beiden alten Tor- häuschcn neben dem neuen Theater waren ganz in Tannengrün eingehüllt worden. Fast möchte man wünschen, daß dieses Grün ihnen erhalten bliebe. Denn das einsam dem stattlichen Theaterbau vorgelagerte plumpe alte Kästchen macht „nackt" doch einen geradezu unseligen Eindruck jetzt, nachdem so viele der schonen Bäume des ehemaligen Schüler- scheu Gartens gefallen sind. Vordem fchaute es anders drein und bildete eine durchaus notwendige, in feinem gemütlich altfränkischen Kleide ganz erfreuliche Ergänzung zu dem einheitlichen alten Gartenbilde. Jetzt aber, da dieses nette alte Stadtbild eine so durchgreifende Aenderung erfahren hat, hat es, im Gegensatz zu seinen „Kollegen" an den anderen Toren und selbst zu dem Nachbarhäuschen, feine Existenzberechtigung nicht nur vollkommen verloren, sondern es wirkt direkt störend. Früh begann heute der Trubel in den Straßen. Das Volksbild ist in einer Universitätsstadt bunter als in anderen Städten, frischer, lebendiger. Studentenblut, heißes Jugendblut gibt ihm Farbe und Fröhlichkett, und die Keckheit, mit der die jungen Burschen die Straße zum Minneplatz machen, das verstohlene Spiel der Blicke nut den neugierigen Schönen geben der treibenden Ni affe etwas jugendlich UebermütigeS. Auch der Bahnhof und die Zugänge dazu waren zu Ehren S. K. H. des Großherzogs reich geschmückt. An der Ecke der Alice- und Liebigstraße waren große Ehrenbogm mit reichem Flaggenschmuck errichtet, ebenso zu beiden ©eiten des Abfahrweges. Nördlich des Bahnhofhauptgebäudes war die Sperre für den Austritt ©einer Kgl. Hoheit des Herm Großherzogs unterbrochen. Zu beiden Seiten des so geschaffenen Weges, der bis an das Gleis mit Teppichen bedeckt war, sah man reichen Blumenschmuck, der durch viele Lorbeerbäume, Fächerpalmen und andere Topf- und Kübelpflanzen noch mehr verziert war. In diesen Tagen ist die Zahl der Studenten in Gießen größer als sonst Ende April. Die Herkunft des Kaisers und des Großherzogs hat selbst den faulsten Semesterbummler aus den verlängerten Ferien 31t den offiziell am 22. eröffneten Vorlesungen der Alma Mater gerufen. Wie bunt und abwechselungsreich muß der Mulus das Leben in Gießen träumen, der jetzt zum ersten Male die hessische Nfusenstadt betritt. Obwohl man hier beim Wandeln durch die Straßen sich kreuz und quer durcheinander zu schieben pflegt, anstatt hübsch rechts zu geben, spiette sich doch alles sehr ruhig und>. d» > Süi-st ■tegfi einen Ä n' ‘""9 “-Ä Äm wd,p°7' kte äfr li u 9 Öli ^Unvorsichtig Wellung der ** ÜfrtaJ J ’tt Kietzen. ■ April 190?. «frS ®to^era°9 2^ehrt, wenn dien n- Graue Alltag. :t Stadt.. 11 Ebenheit, die'hiM winzigen Spanne Wendrängen kann! bfi5 jeder emzelne it. 1 ein Festkleid au> achmitlag manche; des Rätsels Lösunc zuvor hatten ganzen die nicht gerat: ^en mit wahren mühsam besreit um dahinter da§ Jhri^ ulische Arbeiter dL repariert. Und sz beiden Monarch,! is und im erste sich ihnen uii eganz. Aber da tä 'ctjtn wir? HiM tn Gediegenhs ein ammengeqi,echter, ^ndü >M in der M btwVt sei.! , in# alte, nUgeme- ientl Ite man blendet l zu MastLanm« eüen mit Sdjltiftn ’ maserne, das ftrei». , len wieder btionbtti hübsch ab« W nitives Zieckid «• ichtet. TaS \w mit einer 61* itte man dicht - gsuin trugen sche» e beiden alten ’n ganz in 2anrK- man wünschen, mn das einsam mipe alte üäsüir eimen Eindrurk ehemaligen Schuld nute es anders dm in seinem gemui. länzung zu dem l ^d° b*1* ng *«« e dw lrmrttdiiM-» dl» Simsen. » unkt >" J blut, unb di- ,"dlichU-b-""^ Sk-sä ÄbÄ *5-* . ifl Stüde" (<>* len #« ■ließ an' 9f unb & en 'N 2 belcitl. durch6I< r10|t hübl^ Ä * Die oberen Räume schäften gefunden haben werden. Auf Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTTMAO, Giessen, Blockstrasse 14-16. :) 2853 Versteigerung. Namensänderung. Der Kaiser reichte sämtlichen Herren die Hand und dankte mit herzlichen Worten; zum Oberbürgermeister sagte er, nach- dem er einige Worte mit dem Großherzog gewechselt hatte, er freue sich sehr, wieder einmal in Gießen weilen zu können. Unter begeisterten Hochrufen des Publikums setzte sich sodann der glänzende Reiterzug zum Exerzierplatz in Bewegung, wo das in Paradeaufstellunb stehende Regiment seinen kaiserlichen Chef begrüßte. ^€^1 fand Parademarsch statt, daran anschließend die Besichtigung von drei Kompagnien und eine Gefechtsübung. Die Spalierbildnng vollzog sich in etwas anderer Form wie im vorigen Jahre. Die Studentenschaft begrüßte S. M. den Kaiser und S. K. H. den Großherzog in der Grünberger Straße; die Schulen hatten in der Senckenbergstraße Aufstellung genommen und die Vereine auf dem festlich geschmückten Landgraf Philipp-Platz. Die näheren Arrangements wurden hier vom Vorsitzenden der Gießener Turnerschaft, Stadto. Helm getroffen. Es beteiligten sich u. a. die Gießener Turnerschaft, die beiden Feuerwehren, die Bürgergesellschaft, Maschinenbauer-Gesangverein, Konkordia und Harmonie, Die Kriegervereine von Gießen und einige aus der Umgegend hatten bei der Ankunft des Kaisers auf dem Trieb Aufstellung genommen. Einrichtung (Kamin, Tapeten :c.), und es sind da überaus würdige und gleichzeitig höchst behagliche Interieurs geschaffen (Empfangszimmer, Schlaf- und Badezimmer) sind in ihrer Einrichtung noch nicht vollendet, sollen aber bis zum Uni- oersitätSjubelfeste vollkommen fertig sein. Die Treppe war mit blühenden Azaleen und anderen Pflanzen hübsch geschmückt. Rach Besichtigung des alten Schlosses begibt sich der Gr oßherz og im Automobil nach Lich. • - Soweit wir bisher gehört haben, hat auch diesmal kein Mißton Gießens Kaiserstunden gestört, die unserer Bürgerschaft immer in angenehmer Erinnerung bleibeu werden. Sie war stolz drauf, Kaiser und Großherzog zum ersten Male in trauter Gemeinschaft zu sehen, und sie tat, so viel sie konnte, um die beiden Monarchen zu feiern und zu ehren. Der 25. April 1907 offenbarte ursprünglich und stürmisch die Treue und Anhänglichkeit Gießens zum Kaiser und zum angestammten Herrscher. Wilhelm II. wie Ernst Ludwig von Hessen haben heute einen vollzähligen Beweis erhalten von dem patriotischen Geist, der hier herrscht, und der Kaiser obendrein wahre ein schönes Bild davon, wie herzlich die Liebe der Hessen zu ihrem Herrscher ist. Ludwigstraße 26 vis-i-vls der Aula Besserer Privat-Mtagstislh (non 12—2 U6r) 1 Gang 75 Pfg^ 2 Gänge 95 Psg. Abendtisch (von 7—9 Uhr) ä Portion 60 Psg. Berichtigung. Der Mtglledersland des Svar- u. Lorichußvercins Beuern II., e. G. m. u. H., zu Beuern beträgt nicht rote versehentlich angegeben 80, sondern 78. [2933 Für den Vorstand: Hrch. Ad. Lindcnstrutb HU Rechner. Der naslnosaai, m weichem dos Gssen pauftndet, weist prächtige Tafel- und Saaldekorationen auf. Besonders geschmackvoll mit Pflanzen und Büsten von Fürstlichkeiten geschmückt, ist die Wand fläche, in deren Rahe der Kaiser sitzt. Die Tafel stellt die Form eines Hufeisens dar. Der Kaiser nahm in der Mitte der Schmalseite Platz, rechts neben ihm unser G r o ß h e r z o g, links Oberst o. Lindenau, dann General der Infanterie v. Plessen und der Rektor der Universität Geheimrat Bebaghel, rechts vom Großhcrzog saßen Fürst Karl von Solms- Hohensolms-Lich und wiener al Leutnant Graf Hülsen- Stacf elcr, gegenüber vom Kaiser der kommandierende General v. Eichhorn, rechts Major v. Wunsch und Major v. Dewitz, links Oberst v. Conta und Provinzialdirektor Geheimerat Tr. B r c i b e r t. Vorgesehen waren u. a. deklamatorische Vorträge durch die Kinder des Hauptmanns Schröder. Besuch des alten Schlosses. Gegen 3 Uhr war ein Besuch das restaurierten alten Schlosses am Brandplatze vorgesehen. Die unteren Räume, die sich aus einem Audienz-, einem Eßzimmer und einem Salon sowie einem kleinen RauchLmmerchen zusammensetzen, sind soeben mit einem Kostenannvande von 45 000 Black aus Mitteln der Provinz Oberheffen durch die Darmstädter Möbelfirma Gluckert vornehm unb gediegen ausgestattet worden. Prof. Olbrich in Darmstadt hat die Zeichnungen zu jedem einzelnen Möbelstück geliefert wie zu der gesamten GrigruaL-DrahtmeL-rrngen. Berlin, 25. April. Nach der Berl. Morgenpost ist dem General-Konsul Tr. Paul Schwabach, dem Inhaber des Sani» Hauses S. Bleichröder, der preußische erbliche Adel verliehen worden. Reichenbcrg (Böhmen), 25. April. Die Handelskammer! richtete eine Eingabe an die Regierung, sie möge die Umgehung der internationalen Stromfreiheits-Verträge und Handelsverträge! durch Erhebung von Elbzötten in Form von Schiffahrt S- a b g a b e n nicht zulassen und die Bedrohung der österreichische^ Aus- und Einfuhr verhindern. San-Francisco, 25. April. Ter amerikanische I o u r - nalist"Jacques London hat mit Frau und fünf Kindern in einem einfachen Segelschiff eine Reise um die Welt angetreten. Die Tauer derselben ist auf sechs; Jahre bemessen. * Nach Schluß der Redaktion eingetroffcn. Hd. Berlin, 25. April. Gestern nachmittag ist Prinz Eitel Friedrich, ivie erst heute bekannt wurde, auf dem! Truppenübungsplätze so unglücklich von seinem Pferde gestürzt, daß er eine Gehirnerschütterung erlitt. Außerdem hat der Prinz durch einen Hufschlag des Pferdes im Gesicht leichte Hautabschürfungen erhalten. Das Befinden des Prinzen gibt indeß feinen Anlaß zu Besorgnissen. Mainzer Aktienbier *4 Flasche 18 Pfg., V, Flasche 10 Pfg. — empfiehlt — ■■ — Gotthili Röhrle, Biergrosshandlung, Telephon 344. Marburger Strasse 7. Gras von Hülsen-Haeseler, General der Infanterie und Chef des Militärkcrbllretts, General-Adjutant und Chef des Haupt- quartters von Plessen, General der Infanterie, General- kapitän von Scholl (ein geborener Darmstädter), diensttuender Flügeladjutant Oberst Lauenstein, Flügeladjutant Major von Friedeburg, Vizestallmeister Major von Esebeck, Rittmeister von Holzing und Oberstabsarzt Tr. Riedner. Am Schützenhause erwarteten die Spitzen der Behörden die hohen Gäste. Erschienen waren S. Magnifizenz der Rektor Geheimer Hofrat Professor Dr. Behaghel, Geheimerat Prvvinzial- direktor Tr. Breidert, Regierungsrat Weicker, Polizeiamtmann Herberg, Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Hebligen- staedt und Curschmann und die meisten Stadtverordneten. Begrüßung. Geheimerat Dr. Breidert begrüßte den Kaiser im Namen der Provinz und des Kreises: S. Magn. Geheimrat Tr. Betz a g h e l überbrachte die Grüße der Landesuniversität mit folgenden Motten: „Gestalten Eure Majestät, daß ich Eure Majestät begrüße im Namen der Landesunioersilat mit den Worten Walters von der Vogelweide: Her, keiser, ait ir wülekomen, iuwer hant ist krefte und Die Ankunft des Kaisers. Zwischen r/,10 und 10 Uhr verließ der Kaiser mit seinem Gefolge Homburg. Um 10 Uhr 42 Minuten fuhren die kaiserlichen Automobile durch Butzbach. Die Orte, durch die der Kaiser fuhr, hatterr großen Festfchmuck angelegt, die Straßen in Lang-Göns, Großen-Linden und Klein-Linden waren mit Fahnen, Girlanden, Kaiserbildern geschmückt, vor den Dörfern waren Ehrenpforten errichtet, Schulklassen, Vereine und Ortsvorstände hatten Aufstellung genommen und bildeten Spalier. Besonders kaiserfroh zeigte sich unser Nachbarort Klern-Linden; fast kein Haus war dort ohne Bilder-, Kranz- und Fahnenschmuck, und die Schulkinder hatten sich samt und sonders mit Fähnchen versehen, um dem Reichsoberhaupt, von dem sie so oft singen, „Der Kaiser ist ein lieber i>Namt, er wohnet in Berlin", in jugendfroher Begeisterung zuzujauchzen. „Und wär es nicht so weit von hier", sagt das Verschon weiter, „so ging ich heut noch hin". Nun aber tont er selber, und die liebe Fugend brach denn auch in brausende Hurrah- und Hochrufe aus, als nach saft einstündigem Warten endlich das kaiserliche Automobil um die Waldecke bog. Die Borbeifahrt durch die fpalierbildende Jugend erfolgte in ziemlich langsamem Tempo, sodaß man des frischen AussehensdesKai- iers sich erfreuen tonnte. Auf das Hurrarufen dantte er lachend und grüßend nach beiden Seiten. Dem Wagen des Kaisers folgten noch vier Automobile. In Lang-GönS, Großen-Linden und Klein-Linden hatten sich auch Hunderte von Bewohnern des nahen Kleebachtals aus dem preußischen Kreis Wetzlar eingefunden, um hier ihren Kaiser und König zu begrüßen. Die Bewohner Lützellindens und Rechtenbachs strömten schon heute früh zu Hunderten durch Klein-Linden der Stadt Gießen zu, und eine zahlreiche Volksmenge traf per Bahn aus den Nachbarstationen in Gießen em, sodaß in Gießen selbst Straßen und Wirtschaften dicht gefüllt waren. Alles wogte nach dem ,2rteb* zu, wo sich eine nach Tausende zählende wogende Menschenmenge eingefunden hatte. Der Kaiser hatte das Weichbild der Stadt erreicht, die drei kaiserlichen Automobile bewegten sich kurz nach 11 Uhr durch die Straßen der Stadt zum Trib hinaus, hell umjubelt von der Stadt Gießen. 10 Minuten nach 11 Uhr fuhren die fünf kaiserlichen Automobile unter lebhaften Hochrufen des Publikums im neuen Kasernenhofe ein Die Fürsten begrüßten sich auf das herzlichste und bestiegen alsbald die Pferde, um die Grün- berger Straße hinauf bis etwa zum Schützenhaus zu reiten. Links vom Kaiser, der die Uniform seines hessischen Regiments trug, ritt der Großherzog in Garde-Uniform. Unmittelbar dahinter ritten Oberst von Lindenau, der Fürst zu Lich, die (Generalität, die Herren des großherzoglichen und kaiserlichen Gefolges. Letzteres bestand aus den Herren An dem Frühstück in der alten Kaserne nahmen einige 80 Personen teil. Die Kaserne selbst und der Kaseruenhos sind mit Girlanden und Fahnen reich geschmückt. Im Hintergründe des Hofes ist an einer sonst wenig schön wirkenden Mauer eine 'Riesendekoratton in Form eines Wappens angebracht, welches aus Girlanden hergestellt das Regimentszeichen „W" mit der Krone darüber aufweist. Der Eingang zum Kasinosaal und zu den Gemächern des Kaisers ist prächtig mit Pflanzendekorationen verziert, deren Mittelpunkt eine große bronzene Kaiserbüste bildet. Der für den Kaiser be- sttmmte Raum ist von der Firma Carl Stückrath vornehm und elegant ausgestattet worden. Durch einen aus rotem Samt her gestellten, baldachinartig wirkenden Vorhang in zwei Abteilungen geteilt, dient die vordere größere als Arbeits- bezw. Empfangszimmer. Er ist mit modernen Möbeln und allen Bequemlichkeiten ausgestattet und weist auch einen Arbettstisch mit Tischfernsprecher auf. Kaiserliche Telegrammformulare liegen auf. Ein Telegraphen- afsistent ist für den besonderen Dienst anwesend. In einer Ecke des Raumes befindet sich ein Fahnenständer, in welchen die Fahnen des Regiments nach dessen Einzug unter- gebracht wurden. Der zwette Teil des Zimmers ist zu einem eleganten, in gelb gehaltenen Toiletteraum eingerichtet. Er enthält ein Bett, Wasch-, Toilettetisch und dgl. Für den Großherzog ist ein Offizierszimmer im Ka- sernen-Anbau (über der Wache) mit Toilettegelegenheit bereit gehalten. besonnen ab trab auch wo Menschemnauern besonders tiefe Spaliere bildeten, hatte das Roß des Gendarmen höchstens das Amt, mit seinem neckisch-tänzelnden Hinterbau gleichsam humoristisch - wohlwollend eine andeutungsweise Bewegung gegen daS Publikum zu machen, damit geschah, waS sich o ^^Ter Fürstenbesuch hatte viele Geschäfte veranlaßt, ihre Lädm heute gegen elf Uhr auf mehrere Stunden zu schließen. Ankunft des Großherzogs. Wie unS aus Darmstadt drahtlich gemeldet wurde, reiste S. K. H. der Großherzog um 8 Uhr 27 Min. mit Sonderzug nach Gießen ab. S. K. Hoheit der Großherzog traf um 10.30 Uhr vormittags, begleitet von Oberstallnieister Exzellenz Frhr. oon Riedesel, Generaladjutant Exzellenz von Wachter und Flügeladjutanten Frhrn. von Maffenbach hier ein. Zum Empfange besohlen waren die Herren Geheimerat Dr. Breidert, Polizeiamtmann Herberg und Gen- darmerieoberstt S ch m i d t. Außerdem hatte sich noch Oberst von Conta eingefunden, um den Großherzog im Namen des hiesigen Regiments zu begrüßen. Bor dem Bahnhofe hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Namentlich die ländliche Bevölkerung, die mit den Zügen um 10 Uhr in großen Scharen angekommen war, erwartete hier den Landesherrn. Pünktlich 10 Uhr 30 Minuten lief der Hofzug auf Gleis 1 ein. Ter Großherzog begrüßte die ihn empfangenden Herren durch Händedruck und beflieg sogleich das bereit* stehende Automobil, das ihn durch Bahnhofstraße, Alice- straße, Frankfurter Straße, Ost-Anlage, Gartenstraße, Grünberger Straße zum Trieb trug Um halb 11 Uhr begannen die Glocken der Stadt ihr feierliches Geläute. Dem Auto des Großherzogs fuhren Geheimrat Tr. Breidert und Polizeiamtmann Herberg in einem Wagen voraus. Ta sich der Großherzog allen höfischen Prunk und insbesondere die Vorreiter verbeten hatte, blieb er un Publikum vielfach unbekannt. Auf dem Hof der neuen Kaserne erwarteten S. Durch!, der Fürst zu Solms-Hohenfels-Lich in der Uniform als Husaren-Rittmeister seinen hohen Schwager. In Begleitung des Fürsten befand sich Kammerrait Freiherr von Löw. Kandel. Märkte. ke. F r a n t f u r t a. 9Jh, 25. April. (Teleyr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Diebmark t- p reise. Zum Verkaufe standen: 52 Ochsen, 00 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 50 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 930 Kälber, 69 Schafe und Hammel, 6 Ziegen, 79 Ziegenlämmer, 16 Schastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen L Qualität 82—85 Mk., 2. Qualität 71—76 Alk., 3. Qualität 68—70 Mk.; Bullen 1. Qual. 73—75, 2. Qual. 70—72; Kühe 1. Qualität 73-75 SDIL, 2. Qual. 70—72 Mk., 3. Qual. 60—62 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 100—104 Pfg., Lebendgewicht 60—62 Pfg., 2. Qualität 94—99 Pfg., Lebendgewicht 55— 58 Pfg., Schlachtgew. 72—76IPfg.; Schafe: 1. Qual. 80—00 Pfg., 2. Qual. 76—78 Pfg. Geschält: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Limburg a. d. L., 24. April. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) 00.00 Mr., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 00.00 Mk., Gerste 00.00 Mk^ Haier 9.60 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk. Turn-Verein Giessen (gegr. 1846). Sonntag, den 28. April d. J. Anturnen Von nachrmtags 4 Uhr ab Schauturnen mit Beteiligung gnotea vol.“ Ansprache de8 Oberbürgermeisters. Eure Majestät unb Eure Königliche Hoheit wollen huldvollst gestatten, daß ich in Gemeinschaft mit den hier versammelten Beigeordneten und Stadtverordneten ehrfurchtsvollen Tank dafür ausspreche, daß Eure Majestät und Eure Königliche Hoheit unsere Stadt wiederum mit allerhöchstihrem Besuche beglücken. Ich bringe den Tank einer freubig bewegten, jubelnden Stadt, und der Jubel ist umso größer, well uns diesmal vergönnt ist, unseren Kaiser und unseren geliebten Landesfürften Säte an Seite zu sehen. Ich bringe den Dank der Alten, die, bevor ., - - - - - - - - sie die Augen schließen, nochmals ihren Kaiser u nd ihren Groß- worden, die gewiß auch die Anerkennung der höchlten Herr. Herzog zu sehen und hier begrüßen zu dürfen begehrten. Ich '■ r u — 00x -**- bringe den Tank der Jugend, die in ihrem Streben auf der befruchtenden Grundlage des erstarkten Volkslebens und des großen deutschen Vaterlandes sich entwickeln kann. Ich bringe vor allem den Dank derer, die auf der Höhe des Lebens und der Arbeit stehen und für deren Schaffen und Wirken Eure Majestät den wellen Rahmen der ganzen Welt geöffnet haben. Wohl sind wir uns bewußt, daß der Besuch tn erster Linie unserem Regiment gilt; aber bei den innigen Beziehungen zwischen dem RegimeM und der Bürgerschaft fühlen wtr uns eins mit unserem Regiment unb mit ihm hochgeehrt. Zum dauernden Gedächtnis an die wiederhollen Besuche ihres Kaisers hat die Stadtverordneten-Bersammlung einstimmig beschlossen. Euer Majestät um die Erlaubnis zu bitten, diese Straße, die bisher die Grünbergerstraße hieß, von heute ab Kaiserallee oder Kaiserweg nennen zu dürfen, und von Euer Majestät erbitte ich die Ermächtigung zur Vornahme dieser Freitag, den 26. d. Mts., nachmittags 2'/. Uhr Dornigere ich zu Lollar gegen Barzahlung: ca. 100 Dutz. Tür- u. Schram beschläge, 1 Waschmaschine, 2 Ballen Reis, 100 Scheuertücher, 45 Schrankaussäye und 3 italienische Bettgarnituren. Die Versteigerung findet bestimmt statt. (?937 Born, Gerichtsvollzieher, Gregen. empfiehlt sich in und aUßer dem .parnc. Näh. Walltorstr. 2, IL .02688 ^riaane-f‘alxrräd.er £ Franko-Zusendung:. 5 Jahre Garantie. Konkurrenz-Fahrräder M. 44. m. Pneumatik M o4, Ariadne-Fahrräder M. 70, M. 75. M, 78 bis M- 116, Pneumatikdeck. M. 2L5. Schläuch.M. 1.95, Ariadne- Pneumatik 12—18 Monate reelle Garantie. Decken M k25,M.4.75.5bisM.7. Schlauchv.M.3 bisM.4. Grösste Auswahl Fahrrad-Zubehör bei billigsten Preisen. Verlangen Sic gratis und franko Katalog 61. Franz Verheyen, der Damenriege und Konzert. — Abends 8 Uhr Tanz. ------- Ter Borstand. photographische ■ Apparate um vollständig damit zu räumen. zu Einkaufspreisen. H. Kühn, Seltersweg. Für Vereine Vcrciusabzeichen, Rosetten, Schärpen, Fahnen liefert bi Limit Heinr. Büger. .«.Preuzplatz 4. 2786 U Blitz-Blank werden alle gZ ® e Herde ® e mit dem neuen Bo- Eerdplaitenputzer. Zu haben: [1715 MI Ludwig Kröll Flockst r. 10. ■■■■■■■■■■■■ ■ a a a ■ 0 3 Sestel Kinder-] Währung t It $ ri L to Hl ch Nb dm ff ernt ( Mi emjä im zi kiftei Er, bit 1 $or; Solb® fenöim miäjui Är Ei gart' 3' Deut gegense definit' Etat S D De ttoi) m Mn ich tool Rede h Sagen löge ai Mstun nötigen freijinn ob wir i Dies Ki Freilich Wen ir belanntli Die bildung, Minier! bie ichtv kennt. : Artilleri lerie sol Hebung toar nti Mtoei3 Armee I l'ch. D mehr G, nnglaubi kommt, h berühmte ®aeb!c: ' Ze-'t-rges, •“Wall nützen Pa Mgen 2 '«ne Ctim Seiten Knen Ar- iurzester' Mant wii ihnen Reiflich ^eiflung 'N'ndeikj ®ta Addie ®enn u Sfc> Aserer; ;,6®w Sf §Si chlnnm, ^mmen 1 Uchickt t Hes fta Gasthaus zum Württemberger Hof 02944 Tanz-Lehrinstitut empfehlen