Mädchen u-Wch »ädcbeu infl gesucht. [18U ecltcroiDtflSU, fe eät,”"6 ^j^utnljauep £ uff5® t iu '"lonigein xiaJ?Su!!tnoef. 3*^ n^uHKr- ". gute® OeNt, fttige hvhl (Renten. turi9ÖPßl^—- Lu°r?S L««tefa^ ÜWti. r ;6nÄe‘HUjt I gesucht: Mädchen 'lucht. E L^wiofttaw L *• ^tadcher^uss Neus sucht. : UlbUl Schubwarenbaus, lchuaichn Vagetmsse S. [01724 mann emvsiehtt sich it d. Bücher u. biitei cb.a-Arlin od.au^ iaubete Auss. jugr Anträgen uni. Oltff :r Hiwwt erbew. er, tibiolu. d. tki? miiabi, bißt). ita cht n.l. April LteL. ch/le/iurbur. Schr. uü.Äie».M.erb. iaujmann miilie, mit gute •nntnüfen m miß sucht verl.Av.nl . Engros-GeichA Lbote unter 0W er Anzeiger erbet M ZKr herrl^ Unterricht, nlerrtchl erteil! ju Möbl,.Timzlehlv. ^oitnensitage ö.—. «phe Arbeiten MLeroiellawE ^iL^iaitbineniN ipt angeserttgt dmfw^2!L -eöRealgomnaiumS ' Mn ine Pe»fu"l.IM oerWA^— MW SKs ’S»« Zanuiie ’J tet Nr. 67 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«. Die „Sietzener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Der „heffifche Landwirt" erschemt monatlich einmal. 157. Jahrgang Mittwoch, 20 Marz 1907 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Vderhessen Rotationsdruck und Verlag der BrübNcheu UnwersitäkS - Buch- und Sremüruckerei. 9t Lange, Dieben. Redaktion. Exveditton und Druckerei: Schul- stratze 7. Eroedinon und Verlag; e*ä» 6L Reüaktwme-^IIL. TeU-Adr^ LlnzetgerDieben. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet Deutscher Reichstag. 22. Sitzung vom 19. März. 1 Uhr. Am BundesratStisch erscheint nur kurze Zeit Frhr. von Stengel, der aber, als die JnterpellationSdebatte beginnt, wieder verschwindet. Zunächst wird in der Schlußabstimmung der Gesetzentwurf betreffend die Vornahme einer Berufs« und BetriebS- zählung im Jahre 1907 endgültig verabschiedet. ES folgt die «erste Beratung des Vertrages zwischen dem Deutschen Reiche und Luxemburg vom 2. März 190*7 über den Beitritt Luxemburgs zur norddeutschen Brausteuergcmeinschaft Das Wort wird nicht verlangt , eS wird sofort in die zweite Lesung eingetreten, in welcher der Entwurf unverändert angenommen wird. Sodann setzt das HauS die Beratung der sozialdemokratischen Interpellation über angebliche amtliche Wahlbeeinflussungen fort. Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.): Meine Bemerkung über einen Wahlfonds der Regierung ist mißverstanden worden. Ich habe nichts weiter gewollt, als daß der Regierung etatsmäßige Mittel zur Verfügung gestellt würden, um ihre Wahlparole kundzugeben und um die Wähler über ihre Absichten aüfzuklären. Bisher stehen der Regierung nur der „ReichSanzeiger" und die „Norddeutsche' Allgemeine" zur Verfügung, die nur wenig gelesen werden.. Der Ausdruck „Korrup- tionswahl" trifft uns nicht, denn meine Partei hat keine Gelder von der Regierung erhalten. Zum Schluffe gebe ich noch der Hoffnung Ausdruck, daß bei den nächsten Wahlen die Sozialdemokraten noch weit mehr Verluste erleiden, sodaß von Herrn Mugdan biö zu Herrn von Normann eine lückenlose Mehrheit da ist. (Heiterkeit.) Dbg. Bebel (Soz.): Das wollen wir abwarten. Wir greifen den Reichskanzler nicht deshalb an, weil er sich gegen uns wandte, sondern nur wegen der Art und Weise, in welcher dies geschah. Denken Sie nur an den letzten Satz des Silvesterbriefes der direkt beleidigend war. Wenn der höchste Beamte des Reiches in den Wahlkampf eintritt, soll dies in objektiver Weise geschehen. Es handelt sich hier um ein ganz bestimmtes System, gegen das wir energisch protestieren muffen. Der Reichskanzler rühmt sich ja geradezu, daß er sein Amt mißbraucht hat. (Unruhe rechts.) Der Reichskanzler sagt, er hat das Geld nicht selbst verteilt, aber darauf kommt eS nicht an. Er gibt ja selbst in der „Norddeutschen Allgemeinen" zu, daß er den Präsidenten des Flottenvereins, den Fürsten Salm, veranlaßt hat, Geld herzugeben. In welcher Weise man gegen uns vorgeht, zeigt der Umstand, daß jetzt sogar der Staatsanwalt gegen unS mobil gemacht wird, weil wir hier im Reichstage eine Versamm» lung abgehalten haben. Ich weiß nicht, ob diese Zeitungsnotiz wahr ist. Aber wenn sie wahr sein sollte, dann zeigt sie nur, daß cs für die Arbeiter und die Sozialdemokraten kein Recht und keine Gerechtigkeit gibt. (Lachen rechts.) Jede Partei hat noch solche Versammlungen abgchalten, und kein Staatsanwalt kräht lanach. (Heiterkeit.) Wenn man die Erklärung des Reichskanzlers bei der 12 000 Mark-Affäre sich ins Gedächtnis zurückruft und dann an den Silvesterbrief denkt, dann muß man sagen, daß der Reichskanzler vom 31. Dezember 1906 durch den Reichskanzler von 1900 moralisch totgeschlagen ist. Bei den Wahlen haben die Schüler der höheren Lehranstalten den bürgerlichen Parteien Schlepperdienste geleistet; wenn junge Arbeiter so etwas tun, spricht man von grünen Jungen. Ein Freisinniger, der Abg. Hermes, ist sogar in seinem Wahlkreis herumgercist und hat sich als „Regierungs- kandidat" angevriesen. Im Wahlkreise Köln ist Herr Dr. Semlcr als Wahlvermittler erschienen und ist da geradezu als RegierungS- kommiffar aufgetreten. (Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Auch der Oberpräsident der Rheinprovinz hat sich in den Wahlkampf eingemischt. Hoffentlich kommt so etwas nie wieder vor, napoleonische Wahlen wollen wir nicht. Früher hatten wir uns höchstens über einen Landrat zu beschweren, jetzt ist der ganze Regierungsapparat vom Reichskanzler bis zum Polizeidiener in Aktion getreten. Selbst der Kaiser hat vom Schlöffe aus geredet und einen Satz aus dem Prinzen von Homburg zitiert, daß der Feind unter allen Umständen niedergeritten werden müßte. Dies heißt doch, daß es die Hauptsache sei, zu siegen, auch wenn der Wahlkampf auf die allergemeinste Art geführt wird. Herr von Liebert hat mir vorgeworfen, ich hätte in München die Bauern schwer beleidigt, während ich nur von Agrariern gesprochen hatte. Wenn man zitiert, Her^ v. Liebert, dann muß man auch anständig und wahrheitsgemäß zitieren. Unsere Gegner beschweren sich über den Ton unserer Redakteure. Was würde abc~ aus unteren Redakteuren werden, wenn sie sich die Gepflogenh. ' n b' Hern- r von Hammerstein zu eigen gemacht hätten? (Unru., Die Lüge, die infame Lüge und Verleumdung wurde als Hilfsmittel gegen die Sozialdemokratie gebraucht. So das mit den „zweibeinigen Tieren". Mein Freund Lie^*-echt (it feiner- zeit gesagt, die Militärverwaltung behandle die Cl..boten . 18 zwei- beinige Tiere, l'nd das wird umgelogen und Lrclknecht ji le verächtliche Bezeichnung als eigene Meinung in den Mund gelegt I llnd Hunderte seiche Lügen, nichts als Lügen I Wenn ma i dann fich einen solchen Schmierfinken langt und eine Ricktigstcll .ng verlang!, so kann :s einem gehen, wie jetzt einem meine. Partei- zenoffen, der einem „Generalanzeiger" eine Berichtigung brachte, und dem man dort auf der Redaktion sagte: „Gegen die Berichtigung haben wir nichts einzuwenden, aber wenn wir sie bringen sollen, so zahlen Sie mal zunächst 20 Marti" (Hört! Heiterkeit.) Man sollte ein • solche Schamlosigkeit nicht für möglich halten. Die ganze Tätigkeit des RcichsverbandeS besteht ja nur darin, Lügen und Verleumdungen über die Führer der Sozialdemokraten zu verbreiten DaS sagt ja auch schon der bekannte Sozialisten- toter Max Lore.iz. (Schallendes Gelächter rechts. Zuruf des Abg. ». Liebert) Ach, Herr von Liebert, wenn Sie doch einmal ruhig sein könntenI (Große Heiterkeit.) Warten Sie doch erst ab, was ich sage! Also dieser Herr Lorenz berichtet selbst, daß er nicht in t>en Reichsverband cingctreten sei, weil dort von ihm verlangt trmröe, die Führer persönlich anzugreifen. Also selbst Herrn Lorenz ist so etwas zu viel. Herr von Liebert hat ja auch eine kieichsvcrbandbroschüre herausgegeben, die Material gegen die Sozialdemokratie liefern soll. Ich muß sagen, eine lotterigere und oberflächlichere Arbeit ist mir noch nicht vorgekommen. Und immer wieder die alten aufgewärmten Verleumdungen! So die gegen meinen Freunv Singer wegen deS Rates an die Mäntelnäherinnen, auf die Straße zu gehen. Sie wiffen ganz gut daß Herr Singer nichts dafür kann, daß ein Kompagnon seines BruderS. Herr Rosen- bäum, jene gemeine Aeußerung getan haben soll. Selbst für den eigenen Bruder kann man nicht verantwortlich gemacht werden, wie viel weniger für irgend einen fremden Menschen, der zufällig Kompagnon deS Bruders ist. Das wiffen Sie ganz gut Trotzdem gehen Sie nicht gegen Herrn Rosenbaum, sondern gegen meinen Freund Singe: vor. Natürlich! Denn wer ist Rosenbaum? Rosenbäume gibt eS hunderte und tausende. (Große Heiterkeit) Da würde sich lein Mensch drum kümmern. Aber Herrn Singer in den Schmutz zu ziehen wider, befferes Wiffen, das scheint Ihnen lohnend' Hen von Dirksen beschimpft hier persönlich die sozial- demokratische Fraktion — wird aber nickt zur Ordnung gerufen, nohl aber mein Freund Kaden, der ihm entrüstet: „Schon wieder gelogen!" zurief. Ick hoffe, daß der Präsident nackträglick Herrn von Dirksen zur Ordnung ruft Der Oberbürgermeister Beutler bcfchimpf! die gesamte Dresdner Wählersckaft Ein Dresdner Re- gierungsblatt beröffenllidhl ein Gedickt auf „die Rosa und die Lily" voll bodenloser Gemeinheit und Lümmelhaftigkeit Eine Dame aus der „guten Gesellschaft" droht mir, es gebe auch in Deutschland nack Charlotte Cordavs; ich wollte der Dame sckon mitteilen, wann sie mich im Bade treffen könne. (Große Heiterkeit) Ein anderer soll den Reickstag mit „Bande" tituliert haben; das war kein Sozialdemokrat. (Heiterkeit.) Also bitte: reden Sie nickt "brr unseren „Ton": Wer im Glashause sitzt, soll nickt mit Stein-n werfenI (Lärm rechts.) Herr von Siebert nannte die letzten Wahlen die Stimme des Volkes. Nun wohl: Nur 5.2 Millionen standen auf feiten der Blockparteien, aber 6.2 Millionen auf s-iten der Opposition! (Abg. von Oldenburg: Aber was für welcheI Bloß Industriearbeiter!) Ja, sind denn Ihre Landarbeiter, diese rechtlosen Heloten, mehr wert als die deutschen Jndustriearbe ter? (Lärm rechts.) In Wahlzeiten kommen auf allen Seiten Ausschreitungen vor. Aber die Sozialdemokratie bat anders als die übrigen Parteien sich bemüht, den Kampf rein sachlich zu führen! (Lochen rechts.) Abg. Zimmermann (Reformpartei) besteigt die Bühne, begleitet vom Abg. Bindewald, der einen mächtigen Folianten hinter ihm bersckleppt und auf einen Tisch neben das Rednerpult legt —: In manchen Völkerschaften ist es Sitte, daß bei Trauerfällen Klageweiber in Tätigkeit treten. Herr Bebel hat heute hier die Rolle eines Klageweibes gespielt. (Heiterkeit.) Wenn man sich erinnert, wie Herr Bebel früher von dieser Stelle Anklagereden in den Saal schleuderte, und damit seine heutige Resignation vergleicht, so kann man sagen: Armer Bebel, wie hast Du Dir verändert! (Große Heiterkeit.) Klagen, nicht» als Klagen! lieber eins hat er sich allerdings mit Recht beklagt, und das ist das unglaubliche Vorgehen des Staatsanwalts gegen die sozialdemokratische Fraktion wegen einer Konferenz, die hier hn Hause stattgefunden hat. Wenn das der Anfang der heileren Versammlungsfreiheit sein soll, die der Reichskanzler uns versprochen hat. dann danken wir dafür. Sämtliche Parteien haben ein Interesse daran, gegen ein solches Vorgehen aufs schärfste Stellung zu nehmen. Was aber den Wahlkampf betrifft, so hat Herr Bebel uns wirklich nichts vorzuwerfen. Sachlich soll er geführt worden sein. Ja! gegen mich wurde er damit eröffnet daß man von meinen Schlemmereien den Wählern erzählte. Ich soll nämlich Rotwein getrunken haben. (Heiterkeit.) Herr Bebel beklagte sich über die Vorwürfe, die gegen Herrn Singer erhoben werden. Aber eS ist gerichtsnotorisch festgestellt worden, daß Herr Singer Compaauon des Herrn Rosenbaum blieb, als er von dessen verwerflichem Verhalten bereits Kenntnis hatte! Der Wahlfonds, der dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt Imrrbc, soll aus den Kreisen der Börse stammen, und zwar, wie böse Zungen behaupten, als Cuittung für das Borsengesetz. Sollte dies wahr sein, so würden meine Freunde diese Quittung nicht unterschreiben. Nach Herrn Bebel ist feder, der für die Sozialdemokraten eintritt, der reine Engel, auch wenn er im Sauherdenton spricht, wer aber die Sozialdemokraten bekämpft, der ist unter allen Umständen ein niederträchtiges Subjekt. Wie würde es aber im Zukunftsstaate fein, da würde es dock gar keine Freiheit geben, da würden die Sozialdemokraten noch ganz anders, als jetzt die Regierung, reden. Schon fetzt übt die Sozialdemokratie einen unerträglichen Terrorismus aus, und gerade deshalb haben sich die Bürger und zahllose Dauern gegen sie erhoben. Dbg. Dr. Darenhorst (Reichsp.): Die Sozialdemokraten suchen jetzt in ihrem Unmut über ihre Niederlage nach einem Sündenbock, nach einem Karnickel. Und da soll es nun der Reichskanzler gewesen sein! Die Sozialdemokraten selbst haben sich aber nicht gescheut, von gestohlenen Briefen Gebrauch zu macken. Der „Bayrische Courier" hat diese gestohlenen Briefe veröffentlicht, und der Hehler ist so gut wie der Stehler. Was ist nun bei der Interpellation herausgekommen? Cs ist nur eine Wahlleeinflussung nachgewiesen, und daS war • Auflös ng des Reick^ages. Da hat der Kaiser und der Bun- ' 'rat ;ef Igt: den Reichstag will ich nicht, ich will einen anderen. ’ > da' war das gute Recht der Regierung, sie wäre eine Schlaf- — gewesen, wenn sie anders gehandelt hätte. Redner fährt fort, fegen die Soziald-"nokra:e- zu polemisieren, und wirft ihnen vor, Fic Landarl-iter gegen jie Grundbesitzer zu verhetzen und Terrorismus zu tret.. «jei einem Bierstreik in Harburg wären die Sozialdem -raten sogar in die Keller gestiegen und hätten nach- geschnüffelr. o nicht fremdes Bier getrunken würde. Da hätte sich daS Bürger ;m aufgemacht und einen Sckutzverband gegründet, ^-es wa vtr Anfang des Reichsverbandes. Wir sind stolz darauf, den ^eichSverband aus den Windeln gehoben zu haben. (Große Heiterkeit.) Daß der Reichßverband seine Schuldigkeit getan hat, zeigen die Angriffe der Abgeordneten Bebel und Fischer, zeigt die Anerkennung, die er gefunden hat, von dem „Hannoverschen Courier" bis zur „Germania". (Heiterkeit.) Abg. Dr. Wagner (kons.): Herr Bebel hat gar nicht davon gesprochen, daß den Sozial- demoftaten jüdische ausländische Studenten Schlepperdienste geleistet haben. Herr von Liebert wird für alles moralisch verantwortlich gemacht, was hn Reichsverband geschieht, aber Herr Singer kann nach wie vor in der Firma bleiben. In München hat Herr Bebel die Bauern gemeint, dies geht deutlich aus dem Text seiner Rede hervor; wenn er nun sagt, er habe die Bauern nicht gemeint, so hat er die Unwahrheit gesagt. Vizepräsident Dr. Paasche ruft den Redner zur Ordnung. Aog. Dr. Wagner (fortfahrend) erflärt, daß seine Partei der Regierung das Recht zugesteht, bet den Wahlen einzugreifen; wie weit dies zu Gunsten einer bürgerlichen Partei geschieht, fei Sacke deS Taktes und des politischen Augenmaßes. Tie Sozialdemokraten sind feine nationale Partei, sie haben 1870 bei der Kriegsanleihe sich der Stimme enthalten, sie haben gegen die Einverleibung Elsaß-LothringenS protestiert, und stets den Standpunkt vertreten, daß im Konflikt mit anderen Völkern Deutschland immer Unrecht habe. Die Sozialdemokraten haben nichts getan als geschimpft, gehetzt und den Klaffenhaß geschürt. (Lärm bei den Sozialdemokraten, Beifall rechtS.) Abg. Dr. Hermes (fretf. Vp.): Ich hät^ nicht das Wort ergriffen, wenn Herr Bebel mich nicht persönlich angegriffen hätte. Er hat sich darüber entrüstet, daß ich als ,)RegierungSkandidat" aufgetreten bin. Wenn er mit feinen Genoffen Singer und Stadthagen gesprochen hätte, würde er mich wohl nickt angegriffen haben, denn diesen Herren habe ick den Fall aufgeklärt. Die Sache liegt nun so: Ich habe m einer Versammlung gesagt: „Seit zwanzig Jahren vertrete ick den Wahlkreis. Jedesmal, wenn sonst eine Auflösung erfolgte, war sie gegen meine Partei gerichtet. Jetzt zum ersten Male bin ick in der ungewohnten Lage, für die Regierung, also ge- wiffermaßen Negierungskandidat zu fein, und muh also wohk meine Wähler fragen, ob sie mir noch ferner ihr Vertrauen schenken wollen." Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen, der von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten eingebracht ist. Persönlich bemerkt Abg. Singer (Soz.): Herr Zimmermann hätte auch ein anderes Urteil verlesen sollen, aus dem hervorgeht, daß es nicht erwiesen ist, daß die betr. Aeußerung gefallen ist und daß die Arbeiterinnen ausgebeutet werden UebrigenS bin ich am Ende deS,JahreS doch aus bet Firma ausgetreten, früher war eS nicht möglich. Abg. v. Liebert (Rp.): Ich sehe mich außer stände, auf die von Herrn Bebel erhobenen zahllosen Beleidigungen zu erwidern. Vizepräsident Dr. Paasche: Wenn Beleidigungen ausgesprochen worden wären, so wurden sie vom Präsidium gerügt worden sein. Dbg. v. Liebert (Rp.)t Also Beschuldigungen. Ick meine, wenn Herr Bebel so fortfährt, wäre das das beste Mittel zur Förderung unserer Bestrebungen. Abg. Bebel (Soz.): Ich werde meine Angriffe gegen den Reichsverband zur Verleumdung der Sozialdemokratie richten, so oft ich eS für gut befinde .... Vizepräsident Dr. Paasche: Der Verband heiß, nicht „Verband zur Verleumdung der Sl>- zialdemokratie". (Zurufe bei den Sozialdemorkaten: Er ist eS aber! Lachen rechts.) Wenn Sie immer wieder diesen AuSdmlck gebrauchen, so muß er allerdings vom Abg. v. Siebert aI3 Beleidigung aufgefaßt werden. Abg. Bebel (Soz.): Herr Varenhorst hat mir meinen Ausspruch vom Münchener Parteitag entgegengehalten. Ich erkläre, daß ich in dem betreffenden Passus kein Wort nachträglich verändert habe. Abg. Zimmermann: Ich habe den Fall Singer nur vorgebracht, weil Herr Bebel die Sache zuerst vorgebracht und gesagt hat, all dieses wären Verleumdungen. Im übrigen hat Herr Singer die von mir mrtge- teilten Tatsachen nicht erschüttern können. Damit wird dieser Gegenstand verlaffen. Es folgt die Interpellation der Polen, welche folgenden Wortlaut hat: Ist dem Reichskanzler bekannt, daß hn Bundesstaat Preußen aus höheren und mittleren Lehranstalten vielfach Schüler lediglich wegen der Stellungnahme ihrer Eltern in der Frage der Erteilung des Religionsunterrichts ausgewiesen werden, sodaß ihnen dadurch der Vollgenuß der durch Reichsgesetze gewährleisteten staatsbürgerlichen Rechte unmöglich gemacht wird. Was gedenkt der Reichskanzler demgegenüber zu tun? Staatssekretär Gras Posadowsky erscheint am BundesratStisch, nimmte die übliche Frage des P r ä* sidenten, ob und wann die Regierung die Interpellation zu beantworten gedenkt, entgegen und erklärt: Der Reichskanzler lehnt die Beantwortung ab, weil es sich um eine r e i n preußische Angelegenheit handelt. Hierauf verläßt der Staatssekretär langsamen Schrittes den Saal. Vizepräsident Dr. Paasche wartet eine Weile, und als sich niemand zum Wort meldet, erflSrf er, daß damit der Gegenstand erledigt sei. Den Polen kommt erst allmählich das Bewußrsein der Situation, dann aber beginnen sie zu lärmen und schreien: Besprechung! Besprechung! Vizepräsident Dr. Paasche erklärt, daß ein Antrag auf Besprechung der Interpellation nW eingelaufen ist. Er habe laut und vernehmlich gefragt, ob jemand das Wort wünsche. (Lebhafter Widerspruch. Wir haben nichts gehört!) Als keine Meldung erfolgte, erklärte ich: Wir verlaffen den Gegenstand. Wir können daher jetzt nicht mehr in eine Diskussion eintreten. Abg. Korfanty (Pole): Bei dem großen Lärm war es unmöglich, den Präsidenten zu verstehen. Ich mutz mick daher über solch unbegreifliches Benehmen wundern. (Lärm.). Vizepräsident Dr. Paasche: Sie haben nicht das Recht, eine Slellungnahme des Präsidenten zu fritifierei. und so zu qualifizieren. Ich rufe Sie zur Ordnung, «dg. »ro 1-arNnM (Pole)'? TS war doch ganz selbstverständlich, daß wir die Besprechung beantragen würden. Wie konnte man so darüber hinweggehen l Vizepräsident Dr. Paasche: Nun, dann mag daS Haus entscheiden. Ich bitte diejenigen, welche gewillt sind, in eine Besprechung einzutreten, sich von ihren Sitzen zu erheben. Sozialdemokraten, Polen, Zentrum, Freisinnige und ein TeU der Nationalliberalen erheben such. so frivol Uber ihre heimische Art gesprochen würde, wie die« von Seiten der Polen mit der preußischen Kultur geschieht. (Lachen bei den Polen.) Wir müssen unS bald auf uns selbst besinnen. Es ist erstaunlich, wie wenig die Mittel- und die Süe- deutschen unsere Verhältnisse kennen. Sie wissen nicht, welche Rolle die polnische Presse spielt, welche Artikel sie bringt, um die Bevölkerung aufznhetzen. Die preußische Regierung müßte ja mit dem Dämelsack geschlagen sein, wenn sie gegen diese Polen nicht energisch und kräftig aufireten wollte. Denn ans Haß gegen das Deutschtum treten sie alles mit Füßen und predigen Auflehnung gegen die Obrigkeit. Der Präsident erklärt: DaS ist die Mehrheit. Wir treten in die Besprechung ein. Abg. Seyda (Pole) führt in längeren Darlegungen aus, es sei unbegreiflich, wie die Regierung so hätte vorgehen können. Die jungen Leute hätten nichts getan, nicht einmal sich gegen die Schulgesetze vergangen. Es handle sich hier nicht um eine politische Angelegenheit, sondern um eine Frage der Religion und der Erziehung. Die Maßregeln der preußischen Negierung seien durchaus barbarisch . . . Präsident Dr. Graf zu Stolberg: Da? dürfen Sie nicht sagen. Der Ausdruck ist durchaus un* zulässig. Abg. Seyda (fortfahrrnd): Es ist eine Rechtsverletzung, wenn die Schüler ohne Schuld von den höheren Lehranstalten ferngehalten und so der Möglichkeit beraubt werden, sich höhere Bildung zu verschaffen. Abg. von Normann (kons.) r Meine Freunde lehnen es ab, sich an der Besprechung zu beteiligen. Wir halten die Interpellation, im Reichstag eingebracht, für eine..Gchwächung der Autorität der preußischen Regierung. Vg. Fritzen (Ztr.) verweist auf die Erklärungen seiner Fraktion im preußischen Abgeordnetenhause bei der Schulstreik-Debatte. Wir können die weitere Maßregel, daß Schüler wegen der Haltung ihrer Eltern und Geschwister von den höheren Schulen entfernt werden, nicht billigen. Wir halten sie für inhuman und für unpolitisch. Man fwrngt dadurch jene Schüler, ausländische Lehranstalten aufzu- uchen. Wenn diese dann^ zurückkehren, dann werden sie glühende Hasser des Deutschtums stin und werden, wenn sie gereiste Männer geworden sind, gerade die Träger deS Großpolentmns werden, das Vr alle bLkampf^. («ifall im Zentrum.), Abg^Dr. Orte! (natl.): Fast jedeSmal, wenn hier von einem Mitglied der polnischen Fraktion gesprochen wird, kann man als Preuße auS den östlichen Provinzen im Innersten sich gekränkt fühlen. Welchen Ton würden wohl bte Mitglieder der anderen Bundesstaaten anschlagen, wenn Der Präsident unterbricht den Redner mit den Worten: Ich setze voraus, daß Sie nicht von Mitgliedern des Hauses sprechen. (Heiterkeit.) Abg. Ortek (fortfahrend): Herr Schrader hat den Wunsch ausgesprochen, mit den Polen zu einer Verstä^igung zu kommen. Da kennt er die Polen aber schlecht. Denen ist gar nicht an Frieden gelegen, der nähme ihnen ja die seelische Festigkeit. Und dabei sind doch wir Deutschen diejenigen, welche rhnen die Kultur gebracht haben. Denn woher sollte sie ihnen wohl sonst gekommen sein? Doch nicht von der Schlacht«? Doch nicht von dieier politisch zerlumpten . . . (Großer Lärm bei den Polen. Abg. v. Czarlinski schreit wütend: WaS wagen Sie zu sagen?) auch nicht von ihren polnischen Bauern. Nein, das waren deutsche Handwerker. Und dann heißt es: man drängt uns Polen die deutsche Kultur auf! Ach, die wird doch nur zu gern genommen, denn Sie wissen, was Sie durch diese werden. Versuchen Sie es doch einmal mit Ihrer polnischen Kultur 1 Dann werden Sie elendiglich zugrunde gehen. Sie machen dem Land nur blauen Dunst vor mit Ihren Klagen. Sie fühlen sich bei uns recht wohl. Die Maßregeln der Regierung sind in diesem Falle nur voll und ganz berechtigt. Der Schulstreik ist nur durch die großpolnische Agitation in Szene gesetzt, die Unruhen sind nur der Erfolg von Agitatoren, die von Haus zu HauS ziehen und Bauern und Arbeiter aufreizen. Auch ich wünschte, daß der Schulstreik bald beendet würde. Wenn wir aber den Polen nachgeben würden, so würde das das deutsche Bürgertum vor den Kopf stoßen und es veranlassen, sein Bündel zu schnüren und das Land zu verlassen. Trotz alledem, was Deutschland für die Polen getan hat, schimpfen sie hier im Reichstag. (Präsident Graf Stolberg erklärt dies für unzulässig.) Die weiteren Worte des Redners werden fortgesetzt von Zurufen und Lachen der Polen und des Zentrums begleitet, sodaß sie kaum verständlich sind. (Präsident Graf Stolberg bittet wiederholt um Ruhe, da er auch den Redner nicht verstehen könne.) Die polnische Presie und ein Teil des Klerus bringt die polnische Jugend in Gefahr, und wiegelt die Bevölkerung auf, trotzdem der Religionsunterricht in vielen Orten in der Muttersprache erteilt wird. Den Agitatoren ist es nicht um die Religion, sondern um die Agitation zu tun. Meine Freunde halten tue ganze Frage nicht für eine preußische, sonbern für eine eminent deutsche, unb hoffen, daß die Negierung alle« hm wirb, um deutsche Kultur und deutsche Bildung im Osten zu verbreiten. Ferner hoffen wir, daß die Regierung ruhig unb konsequent ihre Politik weiter verfolgen und der polnischen Agitation gegenüber die Augen offen halten wirb. Abg. von Oertzen (Reichsp.) erklärt, daß seine Partei sich an der Debatte nicht beteiligen werde. Abg. Gyßling (freis. Vp.) führt aus, daß seine Partei den Schulstreik, und diejenigen, die ihn in Szene gesetzt hätten, verurteilte. Mer ebenso verurteilte sie die Relegationen von den Gymnasien, denn hier würden Personen getroffen, die nichts gesündigt hätten. Seine Freunde hätten sich über die Frage des Schulstreiks ausführlich im Abgcordnetenhause ausgesprochen, sie ließen keinen Zweifel darüber, daß sie die preußische Polenpolitik für eine falsche hielten, (seine Freunde würden den Polen gern alle politischen Rechte zubilligen, richteten aber auch an die Polen den Appell, in ihrer Agitation Maß zu halten, dann würden sie sich wohlverdient um das Vaterland machen. (Beifall.) Mg. Ledebour (Soz.)' polemisiert gegen die Abgg. Ortel und Gyßling und meint, die Polen würden von der preußischen Regierung schikaniert unb drangsaliert. Die Sozialdemokraten hätten ein weit besseres Gefühl für nationale Ehre als die Rechte, die nur polizeiliche Schikanen wolle. (Lachen rechts.) Die preußische Polenpolitik ist unglaublich töricht und verderblich. Vizepräsident Dr. Paasche * rügt diesen Ausdruck. Mg. von CzarlinsN (Pole)' begrüßt die Rede des Wg. Ledebour mit Genugtuung und polemisiert gegen den Abg. Ortel, dessen Rede gar nicht zum Gegenstand der Interpellation gepaßt hätte. Wenn der Abg. Ortel nochmals das polnische Volk angreifen wollte, möchte er es vorher sagen, damit man nicht gezwungen sei, dies anzuhören. (Heiterkeit.) Wg. Stychel (Pole) meint, die preußische Negierung hätte ihre Macht mißbraucht und ihre Kompetenz überschrstten. Hiermit schließt die Besprechung. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: 1. Definitive Präsidentenwahl. 2. Zweite Beratung deS Kolonial-Notetats. 3. Dritte Lesung des Etats-Not- g e s e tz e s. 4. Zweite Lesung des Branntwein-Kontingentfuß.Gesetze ö. 5. Interpellationen bett. Grubenunglück in Lothringen. Schluß 7 Uhr. Aus Stafct und Land. Sprechstunden der Redaktion: 12—1 Uhr vorm., V» 7—Vs 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag). Gießen, den 20. März 1907. — Ausstellung der Aliceschule. Wieder hatten sich die Pforten der Aliceschule geöffnet, um die Besucher in die zu Ausstellungsräumen umgewandelten Lehrsäle eintreten zu lasten. Die mannigfaltigsten Arbeiten boten sich hier in malerischer Anordnung dem bewundernden Auge dar. Ein schöner Brauch am Ende eines Kursus in einer Ausstellung der Oeffentlichkeit gegenüber Zeugnis abzulegen, daß in Anstalt etwas tüchtiges geleistet wird, und daß der ausgezeichnete Ruf, den die Schule überall genießt, wohl- begründet ist. Vorgestern und gestern hatten der Bügel-, Schneider- unb WeißnähkursuS ihren Ehrentag. Fräulein Roll, die Leiterin deS BügelkursuS hatte eS verstanden, ihre Schülerinnen in der Kunst, beschmutzte Wäsche, Stickereien ic. in neuem Glanze erstrahlen zu lasten, zu unterweisen. In einem anderen Raume waren die Kleider ausgestellt. Unter der Leitung von Fräulein Sack hatten die jungen Mädchen oder vielmehr Damen recht geschmackvolle Blusen, Halls-, Straßen- und Ballkleider angefertigt. Am schönsten und sorgfältigsten waren wohl die Arbeiten detz Weißnähkursus ausgeführt. Dank der vortrefflichen Unterweisung von Frl. Bräun in g waren von den jungen Damen mit großer Sorgfalt und Geschmack alle erdenklichen Artikel zur zukünftigen Ausstattung angefertigt worden. Die Ausstellung hatte sich eines regen Besuches zu erfreuen, was wohl der schönste Lohn für die Mühe der Lehrerinnen und Schülerinnen war. Internationaler Kurs der gerichtlichen Psychologie und Psychiatrie vom 15. bis 20.April 1907. Wie uns geschrieben wird weist die Liste der Teilnehmer an dieser demnächst in unsrer Stadt tagenden Versammlung bereits über 100 Namen auf. Mit Rücksicht auf die Raum- Verhältnisse der Psychiatrischen Klinik und im Hinblick darauf, bafe eine allzugroße Hörerzahl nicht wünschenswert erscheint, ist die Liste nunmehr geschloffen worden. ** Das Feldbergfest wird in diesem Jahre am 2 3. Juni abgehalten. DaS Wetturnen, an dem sich nur Angehörige der deutschen Turnerschaft beteiligen können, besteht aus Stabhochsprung, Freihochsprung, Steinstoßen und Laufen über 100 Meter. Zum Siege berechtigen 24 Punkte. = ßict), 19. März. Im Juli dss. Js. feiert der Gesangverein „Cäcilia" das Fest seiner Fahnen» weihe. Die Vorbereitungen dazu sind im besten Gange. Der Verein, der bei allen festlichen Veranstaltungen der Ge» meinde stets zur Mitwirkung bereit war, darf bei dieser Feier der Anteilnahme aller Bürger unseres Städtchens sicher fein. , -O Trais - Horlofs, 17. März. Auf der G r u b e F r i e d- e t ch entstand am Freitag abend ein B r a n d, dem der P s e r d e - stall mit Heuboden zum Opfer siel. _ *k- cP ! U * ..e n' März. Eine Illustration zu der kürzlich bei der Bürgermeisterversammlung in Hungen gemachten Bemerkung daß die Zigeuner besonders die .Kreisgrenzen um über machen, erlebt gegenwärtig unser Dorf. Ein Z i g e u n e r- weib wurde vom Storche überrascht imb rourhe, da man für ne em Unterkommen verlangte, in das hiesige Gemeindehaus verbracht, wo sie eines Kindes genas. Währenddessen hat die „Verwandtschaft' im Walde auf der Kreisgrenze ein Lager er» r^sbt, von wo aus die Gesellschaft nun die umliegenden Orte des Kreises Gießen und Schotten unsicher macht. -th Deckenbach bei Homberg a. d. O., 19. März. In unserer altrenommierten Wirtschaft „Zur Rabenau-, Besitzer Gg. Müller, wurde heute ein seltenes Jubelfest begangen. Es sind heute 5 0 Jahre vergangen, seitdem die Inhaber der Wirtschaft ununterbrochen' von der Likörfabrik I. Kann Söhne, früher in Mainzlar, jetzt in Gießen, ihren Bedarf an Spirituosen beziehen. Die alte Frau Kornemann, die frühere Wirtin und die Schwiegermutter des jetzigen Wirtes, die noch regen Anteil an allem nimmt, was die Wirtschaft angeht, bewahrt noch das Kontobüchelchen auf, in dem die Bezüge von I. Kann Söhne und besonders der erste Bezug von Waren am 20. März 1857 eingetragen, in Guldenwährung berechnet unb quittiert ist. Herr Moritz Kann, der Chef beS Hause? Kann Söhne, hatte es sich nicht nehmen lasten, bie treue Kundschaft dadurch zu ehren, indem er persönlich nach Deckenbach kam, um gemeinsam mit ihr das seltene Jubiläum zu begehen. O Bad-Nauheim, 19. März. Bezüglich des projektierten Ankaufs der Kirche zu Helpershain bei Ulrichstein zu einem Heimatmuseum sei bemerkt, daß auch hier eine frühere Kirche als Museum benutzt wird. Unsere Stadt hat nämlich vor einiger Zeit zu diesem Zwecke die Nein- hardskirche für 31 000 Mk. angekauft. Nachdem dies die Kirchenbehörde beim Kauf gestattet hat, ist bereits eine Anzahl Altertümer darin untergebracht worden. A Bingen, 18. März. Kürzlich ging die Nachricht durch die Zeitungen, daß der Besitzer deS hiesigen Zentrums- blatteS, Buchdriickereibesitzer Ernst Steinhäuser, in Konkurs geraten sei. Nunmehr erläßt Herr Steinhäuser in der „Nhein-Nahe-Zeitung^ eine öffentliche Erklärung, die so schwere Anschuldigungen gegen den Landtagsabg. Pennrich und den Geistl. Rat Engelhardt in Bingen enthält, daß die öffentliche Meinung nicht daran vorüber- gehen kann. St. kaufte 1902 den „Bingener Anzeiger" und die dazu gehörige Driickerei auf Grund der Angaben ihres Besitzers Pennrich und der Darlegung des Geistl. Nates Engelhardt für 85 000 Mk., welcher Preis nach feiner heutigen Erklärung viel zu hoch war. Immer klarer sei ihm (St.) ziim Bewußtsein gekommen, daß er beim Ankauf übervorteilt worden sei. Ferner habe P. ihm das Druckereilokal ehrenwörtlich für 1000 Mk. Miete jährlich zligesichert, er habe aber dann 1700 Mk. zahlen müsten. Später habe man ihm, als er sich in Zahlungsschwierigkeiten befunden habe, Hülfe geleistet, aber diese Hülfe sei ihm zum Strick geworden. Man habe eine Gesellschaft gegründet, in der der frühere Besitzer erster Stimmführer gewesen sei, unb sich vertraglich ein weit- gehende? Kontrollrecht vorbehalten. Als der für ihn sehr drückende Vertrag, von dem Geists. Rat Engelhardt, erklärt habe, daß er nur auf dem Papier stehen werde, abgeschlossen gewesen sei, habe man ihn drangsaliert unb schikaniert, um das Geschäft wieder ganz in die Hand zu bekommen. Die Gesellschaft habe ihm das Angebot gemacht, das Geschäft zu übernehmen, und ihn: für diesen Fall die Zlirückzahlung der Hälfte des von ihm eingelegten Vertrags zugesagt. Um ihn zur Annahme dieses Angebots zu bestimmen, habe ein anderer Gläubiger von ihm auf telegraphische Weisung des Abg. Pennrich, der in Darmstadt weilte, die Eröffnung des Konkurses beantragt. — Wir geben diese Mitteilungen unter allem Vorbehalt wieder, glaubten sie aber angesichts des UmstandeS, daß Pennrich Abgeordneter ist, unseren Lesern nicht vorenthalten zu sollen. Worms, 18. März. Gestern fand hier eine Versammlung des Landesverbandes hessischer Geflügelzüchter statt. Der Besuch war so stark, daß das Lokal viel zu klein war und viele auf den Besuch verzichten mußten. Der Vorsitzende Müller-Bingen leitete die Verhandlungen mit einem Rückblick auf die Geschichte und die Gründung des Landesverbandes ein und mies auf dessen Zweck und die zu erstrebenden Ziele hin. Im Ganzen gehören dem Verbände, dem nunmehr über 60 Vereine mit etwa 6000 Mitgliedern beigetreten sind, geschlossen an Rheinhessen und Oberhesten, während in Starkenburg nur noch ganz wenige Vereine den gemeinsamen Bestrebungen fern» sieben. Der Verband sucht mit der Landwirtschaftskammer Fühlung zu bekommen, um gemeinschaftlich die Ziele zur Hebung der Geflügelzucht zu erreichen und hat zu diesem Zwecke den Wunsch, daß die Kammer die Vertretung deS Landesverbandes mit beratender Stimme zuläßt. Mit dem gemeinsamen Bezug von Futter- und Bedarfsartikeln erklärt sich die Versammlung einverstanden und überläßt es dem Vorstände, die einleitenden Schritte zu tun unb der nächsten Versammlung darüber Mitteilung zu machen. Tie Landesverbandsausstellungen sollen abwechselnd m den drei Provinzen fiattfinben; als nächste ist für 1908 Darmstadt in Aussicht genommen. Eine längere Besprechung veranlaßte nach der „Worms. Ztg." die Gründung einer Fachzeitschrift für die Hess. Geflügelzüchter. Die Notwendigkeit eines solchen FachorganS wurde allseitig anerkannt. Eingesandt. ^Für Form und Inhalt a l?r >mer .W: Rubrik stehenden Artikel übernimmt die giebciti^' b-nt Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, den 19. März 1907. Ein geschätzter Leser, dem der Schmutz den Humor noch nicht verdorben hat, schreibt uns: Heute möchte ich mir erlauben Sie unter Bezugnahme auf das am Samstag erschienene Eingesandt, höfl. bitten, gleichsam als poetische Vervollständigung dieser Klage, nachstehende Verse au6 „D i e Bürge r" (Hermann u. Dorothea.) zu veröffentlichen: Denn was wäre das HauS, was wäre die Stadt, wenn nicht immer Jeder gedächte mit Lust zu erhalten und zu erneuern, Und zu verbeffen auch, wie die Zeit uns lehrt daS Ausland! Sieht man am Hause doch gleich so beut'icb, weß Sinnes der Herr sei, Wie man das Städtchen betretend die Obrigkeiten beurteilt. Denn wo die Türme verfallen und Mauern, wo in den Gräben Unrat sich häufet und Unrat auf allen Gaffen herumliegt Wo der Stein aus der Fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt wird Wo der Balken verfault und das Haus vergeblich die neue Unterstützung erwartet — der Ort ist übel regieret. Denn wo nicht immer von oben die Ordnung und Reinlichkeit wirket, Da gewöhnet sich leicht der Bürger zu schmutzigem ©aumfal, Wie der Bettler sich auch an lumpige Kleider gewöhnt. Oesfentlicher Dank gebührt Herrn Justizrat Dr. Gut« fleisch für seine uneigennützige, am 12. März in der zweiten Ständekammer gestellte Forderung für Beseitigung des A rr w a l t z w a n g e s. Sicher hat Herr Dr. Gutfleisch auch erkannt, daß durch unser seitheriges Gerichtsverfahren nicht afiein gut '/, aller Reichsunzilsriedeneii erzeugt wird, sondern ihnen auch den Nährboden abgibt. Auch muß dringend gewünscht werden, daß jeder seinen Anwalt selbst bezahlen muß. Am besten wäre, wenn vorläufig alle Beleidigungsprozesse dtirch unbezahlte bürgerliche Ehrengerichte — ähnlich den Gewerbege- richten — erledigt würden. Die Zahl der Prozesse würde sich dadurch bedeutend vermindern. Auch eine gründliche Remedur des Gerichtsvoll- z i e h e r w e s e n s gegenüber den „Mühselig und Beladenen" sei ivarm enlpfohlen. Ein Bewohner des Vogelsbergs. Einer von den vielen die im Sommer ein Lahn-Bad dem Baden im geschloffenen Raum vorziehen, erlaubt sich jetzt schon anztifraqen, ob es nicht möglich sei, einstweilen statt der vorgesehenen Straße von der Unterführung an der Geilfusschen Böschung nach der Lahn einen Fußpfad an den Schulbaracken entlang herzustellen? Das kleine Opfer stände in keinem Der- hältnis zu der Wohltat für alle, die den großen Umweg von da aus entweder an dem Elektrizstätswerk oder an der Biebertalbahn vorbei täglich machen müssen, um an die Lahn zu kommen und unsere Sladtväter könnten sich des größten Tankes aller Badenden versichert halten 1 • W i es e ck. Der Storch ist angekommen und sucht sein Futter auf der Bleiche, die Wiesecker Frauen suchen aber immer noch vergebens auf der Bleiche die so lang ^ersehnten Wäschepfähle. Q" eckborn 18. März. Unsere Gemeinde steht unter dem Zeichen des Wahlkampfes. Bei der am 16. l. Mts. vorgenommenen t i ch w a h l zur Wahl eines Beigeordneten wurde Herr Ludwig A f f 3. mit 73 Stimmen gewählt, während der ®egen- fanbibat nur 62 Stimmen erhielt. Tie Verbitterung zwischen den Parteien ist eine so große, das; Familienzwistigkeiten entstehen und Beschwerden unb Klagen in Hülle unb Fülle in Aussicht gestellt werden. Ja sie war soweit gestiegen, daß von Angehörigen der unterlegenen Partei Leute, die der Wahl vollständig fern'standen und überhaupt nicht wählen durften, bei Anwesenheit in einem öffentlichen Wirtslokale (zufällig war hier das Wahlbureau dieser Parte,) belästigt und mit Hmauswerfen bedroht wurden. Es soll ia zu Gunsten der hier-bei Beteiligten in Betracht gezogen werden, daß sie r.n er dem Emfli.ff des Alkohols standen, aber es steht von der Reichstagswahl her noch in guter Erinnerung, wie sich viele eflT^C2t ÜOm ^Uommlungen betragen haben und mit welchen unsauberen Waffen gekämvft wurde.__ Landwirtschaft. v DD?ar burg 13. März. Tie Pferdezucht-Genossen- c. r. ”r^'e.?,.^Qrburg beschloß, mit dem am 21. März hier abzuhallenden pruhiahrs-Pserdemarkt eine Prämiierung zu »er-