Nv. 197 Zweigs Erscheint ISgNch mit Ausnahme des SonnkügS. Die „Sietzener Lamittendlatter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „KreisMatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. 157. ang i * itag IF. August 1997 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei» N. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion:e^H2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. kleines Feuilleton. 5 — Der „B o m st e r". Ain 70. Geburtstage Trojans teilten oir dessen köstliche Verse von den gräßlichen 68 er Weinen mit. Darin findet sich am Schlüsse folgende Stelle: - Wenn du einmal kommst In diesem Winter nach Bomst, Deine Erfahrung zu mehren, i Und man setzt, um dich zu ehren, Dir heurigen Bomster Wein vor, Dann bitt' ich dich, sieh dich iein vor, Daß du nichts davon verschüttest Und dein Gewand nicht zerrüttest, Weil er Löcher frißt in die Kleiber uft Und auch in das Schuhwerk leider. Nun hören wir, daß von manchem unserer^ Leser behauptet > rorden ist, von den Bewohnern des Posenschen Städtchens Boinst -erde überhaupt kein Wein gebaut, Trojans witzige Verse seien ,tz lso nichts als ein auf Erfindung beruhender Scherz. Dem ist ■büd) nicfit jo. Im Kreise Bomst sind tatsächlich ungefähr 7o0 Ä 'loraen mit Wein bebaut. Die Hauptorte für den Weinbau find .6 Io in ft, Körnitz und Ehwalim, das allein 400 Morgen Wemberge ' esitzt. In diesem Jahre sieht es freilich, wie es heißt, m jenen !l 6embergen ebenso bedenklich aus wie Anno 1888. Infolge des ii ihlen Welters im Juli und Anfang August sind die Beeren noch j anz klein, und wenn nicht noch anhaltend warme Witterung, । crmentlich Sonnenschein kommt, was ja wohl ausgeschlossen ist, \\ > ist an ein Reiswerden des Weines in diesem Jahre überhaupt n. % kriegerischer Zusammenschlüsse. Missionsresolution. iaures e r ö 6 bitten wir dringend, uns die zu nehmen. (Beifall bei den die Verhandlungen auf Mitt- gestimmt haben, sondern und Wurm geschart habe, daß die Kommission für 8» Freiheit der Entschließung nicht deutschen Delegierten.) Hierauf vertagt die Sektion woch vormittag 10 Uhr. nur ein Teil, der sich um Ledebour (Beifall.) Singer teilt dann noch mist das Frauenstimmrecht folgende während der Zeit rüsten zwei der zu neuen Kriegen. Im Haag sitzen Staaten wollen nur ihre Ausgaben verringern. ^Eduard Bernstein empfiehlt Frauenronferenz und erklärt sich mit den dort aufgestellten Forderungen solidarisch. Insbesondere sind die sozialist. Parteien aller Länder verpflichtet, für Einführung des allgemeinen Frauen st immrechts z u kämpfen. Der Kongreß weist das beschränkte Frauenstimmrecht als Verfälschung und Verhunzung des Prinzips der Gleichberechtigung beider Geschlechter ab. Er fordert bas all gern. F r a u e n st i m m r e ch t, das allen großjährigen Frauen zusteht, und weder an Steuerleiftung noch an die Bildungsstufe geknüpft ist. Am Nachmittag wurden die kolonialen Fragen weiter behandelt. Als erster Redner nahm Q u e l ch von der „So- eialdemocrat Föderation" das Wort. Er führte aus: Wir müssen die kolonialen Fragen praktisch behandeln. Ich bin auch bet Ansicht, .daß wir uns nicht in Utopien verlieren sollen. Auch wir verdammen die kapitalistische Kolonialpolitik mit allen ihren Greueln und Ungeheuerlichkeiten. Ter Sozialismus muß hier eingreifen. Die internationalen Verständigungen der jetzigen Staatsregierungen führen nicht zum Ziele. Das sehen wrr im Haag, wo ihre Vertreter zusammcngekommeu sind, angeblich, um ben Krieg zu verhindern. Tort sitzt und rät man und gegen die jetzige Kolonialpolitik zu begründen. Von neuen Kolonieen sei keine Rede. Es handelt sich nur um die bestehenden, zu deren Bewirtschaftung man Stellung nehmen müsse. Tie Sozialdemokratie gewinne überall eine steigende Macht und könne nicht wie Pontius Pilatus sagen: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Man kommt nicht damit über die Frage hinweg, wenn man sagt, ich habe damit nichts zu tun. Die Kolonieen sind dai Eine gewisse Vormundschaft der Kulturträger über die anderen muß auch da sein. Die Erde gehört der ganzen Menschheit. Was sich nicht entwickeln kann, muß von dem Höherstehenden unterworfen werden. Wir bilden vielfach das Zünglein in der Wage. Wir müssen daher Stellung nehmen. Wir können die Kolonieen nicht aufgeben, weil sie sonst anderen Eroberern in die Hände fallen würden. Wir brauchen auch die Kolonialprodukte, .^ir müssen die Kolonieen erhalten, wem: wir nicht der Wahrheit und Geschichte ins Gesicht schlagen wollen. Es wäre z. B. besser, wenn der Kongostaat nicht Privateigentum eines Königs wäre, sondern von einem Parlament verwaltet würde, in welchem an,ch Sozialisten sitzen. (Beifall.), Ledebour sprach nun im Namen der Minorität der Kommission. Er müsse die Vorwürfe des Referenten van Kol mit IurernuUonttler Sozialisten-Kougretz (Unberechtigter Nachdruck verboten.) IV. dort beteiligten Nationen Mörder und Diebe. Die für Mord und Totschlag Singer stellt sest, daß nicht alle deutschen Delegierten gegen die Resolution der Majorität . ,, , die Annahme der Kom- Es handele sich darum, die Opposition wagen in der Kaserne haben auch wir die Mittel, welche die französische Resolution Vaillant angiebt. Seine Resolution fit für uns, rund heraus erklärt, einfach und für allemal in allen Teilen unannehmbar. Wir begreifen ja sehr gut, daß die Agitation gegen den Militarismus durch die Aufklärung der Massen langsmn, zu langsam, geht und daß man auf Mittel sinnt, die eine schnellere und wirksamere Bekämpfung des Militarismus möglich erscheinen lassen. Aber bei allen diesen Untersuchungen ist nichts brauchbares herausgekommen, nichts als alte Rezepte, die Deutschland und die internationale Partei schon wiederholt zurückgewiesen haben. Sie verkennen den ganzen Zusammenhang der sozialistischen Bewegung, weil Sie anstatt die soziale Frage in ihrem Kern zu erfassen, sich lediglich an die einzelnen Erscheinungen halten. Die Idee, durch den Generalstreik den Krieg aus der Welt zu schaffen, erscheint so töricht, wie durch einen Generalstreik über Nacht den Kapitalismus zu vernichten. Ich glaube, daß es ein Schritt vom rechten Wege wäre, wenn Sie diese Taktik einschlügen. Mir würde es am besten erscheinen, wenn wir in ber Frage des Militarismus einfach die Züricher Resolution erneuerten. Aber nachdem wir einmal in die Beratung eingetreten sind, verstehe ich es ja, daß Sie eine neue Resolution gefaßt sehen wollen. Wenn sie auch nicht mehr sagt, so ist es doch wenigstens etwas Neues. Ich kann Sie versichern, daß wir den ganzen Gang eines Krieges kennen, und genau so wie jede andere Fraktion des Sozialismus bereit sind, alle Mittel anzuwenden, die uns zur Verfügung stehen, um der Völkerverhetzung Einhalt zu tun und Einfluß auf Regierung und öffentliche Meinung zu gewinnen zur Vermeidung * ' —r Aber in Bezug auf die Mittel Sre an den Amerikanern. Wie wäre es um die heutige Gesellschaft, wenn fern Kaffee, kein Indigo aus den Kolonieen käme. Also nochmals Herr Ledebour: Seien Sie nicht so utopiftisch (Heiterkeit.) Versetzen Sie sich mehr in die Wirklichkeit. (Beifall bei den Holländern und Engländern.) Man kann nicht alle Kolonieen aufgeben. Auch unter einem sozialistischen Regime können sie notwendig fein. Für viele Staaten sind sie eine Lebensfrage. Wohin sollten die überflüssigen Arbeiter und woher sollten wir die Rohmaterialien beziehen. Ter Wert der Kolonieen wird mit der Zeit noch gesteigert werden. Es wäre gut, wenn die Großmächte sich über die Kolonieen verständigten. Leider über, wirkt eine Verständigung der Großmächte stets! reaktionär, wie wir im Haag gesehen haben. Die deutsche Sozialdemokratie hat auf kolonial emGebiete ihre Schuldigkeit nicht getan. Der Genosse Ledebour hat im deutschen Reichstage sehr beredt gegen die Kolonialgreuel gekämpft. Aber positive Sozialpolitik hat die deutsche Sozialdemokratie nicht geleistet. Sie hat feinen Vorschlag zur Besserung gemacht. (Ledebour: Das können mir nicht.) Sie haben es nicht, getan. Warum sind Sie nicht erst in die Kolonieen gegangen, um sie zu studieren. Sie haben sich um nichts g e f üm m c r t. (Beifall bei den Holländern und Engländern, Widerspruch bei den Deutschen.) Aus dem Schmollwinkel heraus haben Sie Kolonialpolitik getrieben. Praktisch haben Sie nichts geleistet. (Unruhe bei den deutschen Delegierten.) Wo ist das Kolonialprogramm der deutschen Sozialdemokratie? (Erneute Unruhe bei den Deutschen.) Wenn Sie sich mit der Kolonialpolitik beschäftigen würden, würden Sie Millionen neuer Anhänger erwerben. Das hat auch Genosse Dernburg im Reichstag gesagt. (Große Heiterkeit; Ledebour ruft: So muß es noch kommen! Erneute große Heiterkeit.) Tie Kolonieen sind nicht ganz unnütz. Auch in ihnen kann und muß der Klasfenkampf geführt werden. Für die Eingeborenen würden sozialistisch geleitete Kolonieen sehr segensreich sein. Sie würden hygienisch und sozial gehoben werden. Tie Kolonialpolitik beherrscht zurzeit die Welt. Der drohende Krieg zwischen Amerika und Japan wird am Ende durch die Kolonialfrage verursacht. Auch ein Krieg zwischen Deutschland und England kann von ivegen Der Kolonialfrage kommen. (Zurufe und lebhafte Unruhe.) Darum muß sich die deutsche Sozialdemokratie mehr um die Kolonieen kümmern. Das ist jetzt ihre erste Pflicht. (Beifall bei den Engländern, Holländern und Amerikanern, Widerspruch bei den Deutschen.) würdig durch Wilbrandls Gestaltenmelt hindurchschlägt und ans seinem innerlichen Bedürfnis hervorguillt. Eine iveitunnassende Idee, die dem Dichter wie „eine Insel aus dem Ozean der Dichtung emporfteigt", tritt hervor in seinem großen Drama „Meister von Palmyra". In ihm erhalt man nahezu ein Gesamtbild von den großen Tendenzen des Dichters und Denkers. — D : eWölflin g-A d a m o m i c z°S cheidung (Wölfling ist bekanntlich ein früherer österr. Erzherzog) fit richtig schon dramatisiert! Aus Wiesbaden wird mitgeteilt: »Der Bürger- prinz" nennt sich ein neues abendfüllendes Lustspiel von Wilhelm Jacoby und Harry Pohlmann, das demnächst im hiesigen Residenz- tbcatcL- zur Uraufführung kommen wird. Die Handlung des Stückes lehnt fiel) an die Affäre Wölfling-Adamowicz an. „In die Fixigkeit" sind die Verfasser unseren bedeutendsten Bühnendichtern ,über\ * Ter heutigen Plenarsitzung präsidierte wieder Singer. .Sie war zu Anfang sehr schwach besetzt, weil die meisten Delegierten noch in den Kommissionen zu tun haben. Einzelne Delegierte sollen schon wegen Zwistigkeiten ab - g er eist sein. Es fiel auf, daß zunächst die französischen Telegierten nicht anwesend waren. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Singer: Genossen! Gestern nachmittag und heute nacht ist in der Nähe von Stuttgart ein großes Brand- unglück vorgekommen, wodurch eine Reihe von Leuten des betreffenden Ortes schwer geschädigt worden find. Tas internationale sozialistische Bureau schlägt Ihnen vor, zum Zeichen des Mitgefühls 50 0 Mark aus der Kasse des internationalen Bureaus zu bewilligen. Die Versammlung stimmt dem unter großen Beifallskundgebungen zu. _ Es wird dann bie Kolonialfrage behandelt. Der Referent van Kol weigert sich anfangs, in Abwesenheit der französischen Delegierten zu sprechen. Die Sitzung wirb darauf vertagt und die französische Delegation herbeigeholt. Der Besprechung liegen folgenbe Resolutionen zu Grunde: Eine Resolution van Kol: „Der Kongreß stellt fest, daß der Nutzen der Kolonialpolitik allgemein, besonders aber für die Arbeiterklasse stark übertrieben wird. Er verwirft aber nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kvlonialpolitik, die unter sozialistischem Regime zivilisierend wird wirken können." Diese Resolution hatte die Zustimmung der Kommission gefunden. Ferner liegt eine Resolution der Minderheit vor. Der Berichterstatter van Kol führte aus: Wir sind nicht hier, um einzelne Reden zu hören, sondern um Beschlüsse zu fassen. Zwei Strömungen finden Sie in unserer Partei hinsichtlich der Kolonialfrage. Manche wollen von Kolonieen überhaupt nichts wissen, andere möchten sie unter gewissen Voraussetzungen behalten. Wir haben viel Kolonialtheoretiker und wenig Kolonialpraktiker. Warum sollen wir ohne weiteres über die Kolonieen den Stab brechen. Die in der Minderheit gebliebene Resolution geht viel zu weit. Auch ein sozialistischer Staat kann Kolonieen besitzen und zivilisatorisch wirken. Ich verstehe nicht, wie da der Genosse Ledebour mit allen Mitteln gegen bie Kolonieen kämpfen will, ohne sie selbst zu kennen und ohne an ihrer Entwicklung mitgewirkt zu haben. (Beifall bei den Englänbern.) Die, Kolonieen bestehen nun einmal, es ist das ein fast accompli, mit dem man rechnen muß. Mit bloßer Negation kommen wir nicht vorwärts. Gehen Sie hinaus in die Kolonieen und ftubieren Sie sie, Herr Ledebour, das ist besser, als Opposition zu machen. Man hüte sich vor Ueber- treibungen. Ihr Minister Dernburg sagte, Kolonieen seien für die Industrien der Mutterländer unentbehrlich. Sie sagen: Holland, England und Frankreich könnten ganz gut ohne Kolonieen bestehen. Gegen Ihre Kolonialpolitik muß mau Protest erheben. Ich sage, fort mit der kapitalistischen Kolonialpolitik. Tie Kvlonialpolitik muß im sozialdemokratischen Geiste geführt werden. Gegen bie Kolonialgreuel muß man mit aller Macht protestieren. Aber das kann nicht bie ganze Arbeit fein. Tie Deutschen, bie Franzosen unb die Polen beschränken sich leider darauf, negativen Protest zu erheben. Damit allein ist es nicht getan. Auch praktische Arbeit ist nötig. In dieser Beziehung sind die Holländer vorbildlich, die Großes zum Segen ber Kolonieen erreicht haben. Die deutsche Resolution verstößt gegen die Wahrheit. Es ist ihrer nicht würdig, sich nur auf ben Protest zu verlegen. Kolonialpolitik kam: unter Umständen auch eine Kuiturmission sein. Herr Ledebour, Sie sind uto- pistisch. Es ist mir unbegreiflich, wie Sie eine, solche Resolution Vorschlägen konnten. Wie kann ein Denker und Akademiker wie Herr Ledebour (Heiterkeit) eine solch widerspruchsvolle Resolution Vorschlägen. Kolonisation ist notwendig. Sie ist eine Kulturstufe. Daß man erfolgreich kolonisieren kann, sehen nicht zu denken. C......e... _,..v . „ Dem Kladderadatsch-Redakteur aber wollen wir wünschen, daß ihm als nachträgliche Spende zu seinem 70. Geburtstage noch ein Fäßchen heurigen Bomsters zu Teil werde, damit er Gelegenheit findet, feine lustigen 88 er Hyperbeln noch zu übertrumpfen. Wir möchten ihm jedoch empfehlen, bei einer Reise von Berlin nach seiner schönen Heimatstadt Danzig die Stadt Bomst zu vermeiden, denn die Bomster lassen auf den „Bomster" nichts konunen, auch keine boshaften Verse; und wenn sie gar voll sauren Bomsters find, dann dürfte Herrn Trojan noch etwas anderes passieren als nur Zerrüttung des Gewandes und bc5 Schuhwerks. — Der Kaiser und Uh land. Bei seiner letzten Anwesenheit in Kassel wohnte der Kaiser bekanntlich auch einet Anf- sührmm des Moser-Schönthan'schen Lustspiels „Krieg im Frieden" bei. Rach der Vorstellung unterhielt sich der Kaiser, wie wir bereits berichteten, mit einigen Darstellen: und bemerkte, daß er dieses Stück wohl schon fünfundzwanzig 9)lal gesehen habe. Tann gedachte der Kaiser seiner Kasseler Gymnasialzeit und fügte hinzu, unter den vielen Stucken, die er als Gymnasialschüler im Kasseler Hosthealer gesehen habe, hätte ihm immer eins von Uhlanb besonders gefallen, nämlich „Ludwig der Bayer". Er bedauerte, daß heute folche Stücke nicht mehr gegeben würden; einen wie nachhaltigen Eindruck das Uhland'sche Drama damals auf ihn gemacht habe, gehe am besten daraus hervor, daß er sich noch heute aller Vorgänge der Handlung genau entsinne. Jauräs: Wenn ich Hervä bekämpfe, so geschieht es nicht, m weil ich überhaupt keine Aktion will, sondern weil ich die Mittel, , deren sich Hervä bedient, für falsch halte. Wenn Hervä gestern die deutsche^ Partei zu kritisieren gesucht hat, so hat er nur gezeigt, daß er ein echter Internationaler ist, Tenn sonst i hat _ er jahraus, jahrein diese Angriffe gegen die 9 französische Partei gerichtet. Wenn ich jedesmal, wenn Hervä ' mich angriff, einen Schmiß bekommen hätte, sähe ich aus, wie Lein deutscher Korpsstudent. (Große Heiterkeit.) Hervä st will das Vaterland zerstören, wir wollen es zum Nutzen der Proletarier so zialisieren durch Ueber- t fichrung der Produktions'mittel in das Eigentum aller. Die Nation ist das Schatzhaus des me::schlichen Genies und Fort- ' schritts und es stände den: Proletariat schlecht an, diese kost- 7. baren Gefäße menschlicher Kultur zu zertrümmern. Wie wir den j Kapitalismus und den Klerikalismus bekämpfen, so müssen wir auch gegen den Militarismus vorgehe::, ber die Leiber des st Proletariats in Chauvinismus, Haß unb Zorn einander entgegenwirst. (Beifall.) Wir können offen genug sagen, daß to:r zwar die Unverletzlichkeit eines jeden Landes anerkennen und - es nicht der Ausfvlgung und Unterdrückung von Fremden preis- s peüen werden, daß wir aber keineswegs zugeben werden, das internationale Proletariat hinschlachte:: zu lassen. Wir können , jede Regierung in die größte Verlegenheit bringen, wenn wir b sie im Falle eines internationalen Konfliktes auffordern, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen, und sie als größre Feindin des Weltfriedens brandmarken, wenn sie sich dessen weigert, y Die ganze bürgerliche Welt blickt auf diese Beratung, sie ist überrascht durch die Kraft des internationalen Sozialismus und Hein Wachstum. Die bürgerliche Welt erzittert und tu diesem Augenblick wollen Sie selbst Jid) unfähig bekennen, ' wollen Sie selbst ben Bankrott der Sozialdemokratie erklären'? 1 (Lchhaster Beifall.) v. Bo Ilmar wendet sich 'gegen Hervä. Wenn Hervä meine, I bie Deutschen feien gutmütige Leute, so habe er vollkommen recht gesehen, benn es werbe nicht in vielen Säubern Parteigenossen geben, bie fick) solche Reben mit solcher Geduld und Gutmütigkeit anhören würben. Unsere Selbsfichätzung verbietet und, dergleichen Ausführungen ernst zu nehmen unb herüber — Adolf Will) r'a n d t begeht morgen, am 24. d. M., feinen 70. Geburtstag. Seine ungewöhnlich reiche, hochgestimmte Künstlernatur führte ihn zu so vielseitigem als impofanteni dichterischen 1 noch ein Wort zn verlieren. (Beifall bei den deutschen Delegierten.) Jauräs meint, wir sollten die Person Herväs nicht illzu ernst nehmen. Ach, wenn nur Frankreich feine Ideen nicht allzu elrnst nähme und nicht nur zur Hälfte zurückwiefe, vährend es seine Schlußforderungen annimmt. Was Jauräs - ins hier gesagt hat, das sind Alltäglichkeiten, mit denen man vielleicht in einer schwungvollen Rede Eindruck machen kann, die ins aber doch gar nichts neues sagen. Ich bin kein kritik- J oser Lobredner meiner Partei, aber ich kann sagen, daß in M "einer Partei die nationale Befangenheit eine geringere Rolle 1 lespielt hat, als in der deutschen Sozialdemokratie, und daß । nirgendwo der Militarismus und die Kriege von Anfang an ■ michiedener bekämpft worden sind, als von der deutschen Sozial- »emofratie. Wir werden in der alten Weise unermüdlich unb rnablässig ben Kampf begen ben Militarismus und die Kriegs- je fahr fortsetzen. Aber wir werden uns den Sinn dieses 5lämpfes ] iidjt entstellen lassen. Es ist nicht wahr, daß wir Tein Vaterland .haben. Die Liebe zur Menschheit kann Z ms in keinem Augenblick daran hindern, gute Deutsche zu ein. So sehr wir bie gemeinsamen Kulturinteressen anerkennen, d o wenig geben wir uns utopiftischen Bestrebungen hin. Als j >b es wünschenswert fest Nationen aufhören zu lassen unb: "X inen unterscbleblosen. Völkerbrei daraus zu machen. (3“*“ ' J uft: Wer will benn das?) Genosse Jaurös, solange H ( sij:och in Ihrer Partei sitzt, jind Sie für ihn verantwortlich, und können Sie diese V e r a n t - iä oortung nicht mit einem einfachen Achselzucken tih b l e b n e n. Liebknecht hat einmal gesagt, daß die deutsche 5 ^ozialbemokratie mit ihrem Wachstum den Krieg bekämpfe durch $ »ie Gewinnung des Parlaments und der öffentlichen Meinung, rnü sie aber dep. Krieg nicht verhindern werde und wolle durch JJ indische Revolutionsspielereien in der Kaserne. Sluf diesen Standpunkt hat sich.die erdrückende Mehrheit ber ul -eutschen Sozialbemokratie stets gestellt. Zu kindischen Verschwö- Einen ertra guten Essig dürfte es freilich geben. Schaffen, das von tiefen Lebenstendenzen erfüllt ist. Seme Werke A ' rv ’ ” r-' -r- bilben eine Bibliothek und auch im Alter noch überrascht er seine Verehrer mit neuen und neuartigen Schöpfungen. Eiii psychologisch treues und literargeschichtlich vollständiges Bild voll ihm zu geben wäre leine kleine Aufgabe. Es gehöre dazu zum mindesten die Straft, sich mit Schwierigem zu befassen. Bewundernswert fit im Lebensbilde des Dichters besonders das immer siegreichere Herausarbeiten seiner Eigenart. Wilbrandls norddeutscher, Atecklenburger Humor ist mit viel Feinheit und Eharakterstärke gepaart, und bedeutend das Verhältnis des Dichters zur Nationalität und Humanität, zu den Erziehungs- und Frauenfragen und zu den metaphysischen Problemen. Hervormheben ist auch das pädagogisch-sokralische Element, das in unzähligen Lebensformen immer wieder liebens- Y S. n. H. Stuttgart,.21. Aug. T:e heutige zweite Plenarsitzung des Internationalen sozial. ?k^ugrefies begann wieder um 10 Uhr. Mehr und mehr zeigte es sich aber, daß ber Schwerpunkt ber ganzen Verhandlung des u Kongresses ebenso wie schon in Amsterdam in den Sektionen II • öl $ie bmter _ verschlossenen Türen weiter tagen, während || ITn Plenum allerlei^ nebensächliche Tinge behandelt werden. Wir geben deshalb nachstehend bie weiteren Reden zum Thema: t Militarismus und internationale Konflikte- Saillant (Frankreich) führte aus, daß er nicht hierher . gekommen fei, um irgend einer Fraktion des internationalen Sozialismus Steine in ben Weg zu legen; im Gegenteil, wir IM füllten uns gegenseitig förbern und wollen auch der deutschen U Sozialdemokratie ihre Aufgabe erleichtern. Wie es den einzelnen Nationen am besten möglich ist gegen den Krieg vorzugehen, müfie ihnen überlassen bleiben. Wir können uns aber nicht nut Agitation unb Organisation begnügen, benn in bem ökonomischen Kampfe begegnet uns überall bie gefährliche Macht 4z des Gegners. Wir müssen ben Staat entwaffnen, bas Heer demokratisieren und bie auswärtige Politik kontrollieren. Tie Nationen sind nicht nur nützlich, sondern sogar notwendige Elemente ber menschlichen |lq Entwicklung. ____ Resolution beschlossen hat: Der internationale sozialistische Kongreß beschließt: Der Kongreß begrüßt mit großer Freube bie erste internationale Vermischte». * Ein Kirchen streik in dem Orte Breitenbach bei Worbis im Eichsfelde ausgebrochen, lieber dessen Ursachen werden jetzt erbauliche Einzelheiten bekannt. Im Kveisblatt befindet sich ein Eingesandt von „Ausstündigen", das die volle Namens- Unterschrift von 20 bekannten Einwohnern von Breitenbach trägt. aller Entschiedeuheit zuruckweisen, van Kol habe positive Arbeit gefordert. Wir haben immer positive Arbeit geleistet, auch in der Kolonialpolitik. Wenn van Kol das nicht weiß, so wundert mich das nicht, aber Bernstein scheint ganz das Gedächtnis verloren zu haben, seitdem er nicht mehr im Reichstage sitzt. (Beifall und Widerspruch.) Wir haben ständig gebohrt und haben getan, was wir tun konnten (Ledebours Stimme schlägt über, er schlägt wütend auf das vor dem Präsidenten stehende Pult, sodaß der daneben sitzende van Kol erschrak, van Kol ruft: Wo ist Euer Programm?) Wir brauchen kein Programm, wenn wir nur richtig handeln. Sollen wir uns ein Programm aus den Aermeln schütteln? (Beifall bei den Polen und Schweden.) Wenn wir uns auf ein Programm einlassen, werden wir bald in den Kolonialsumpf geraten. Bernstein weiß es besser! Das ist derselbe Bernstein, der, als Kiautschou erworben wurde, sagte: „Das ist kein schlechter Streich!" Wenn Bernstein eine Dummheit macht, so überschlägt sich Bülow vor Begeisterung und lobt den großen Geist Bernsteins. (Große Heiterkeit.) Dann ist Bernstein plötzlich ein großes Licht, das Bülow über den grünen Klee lobt. (Bernstein lächelnd: Hier denkt Kautsky genau so wie ich.) Ledebour will dann des längeren auf den russisch-japanischen Krieg eingehen, der Vorsitzende Singer läßt das aber nicht zu, worauf Ledebour mit einem Protest gegen Bernsteins Stellung zur Kolonialpolitik seine Rede schließt. .(Beifall und Hochrufe, besonders auf den Tribünen.) Singer: Es ist vorhin gesagt worden, daß im Haag Diebe und Räuber zusammensitzen. Ich nehme an, daß damit nicht die Personen gemeint sind, die dort versammelt sind, sondern daß nur die kapitalistischen Interessen, die dort gewahrt . werden, mit dieser Bezeichnung belegt werden sollten. (Zustimmung.) Abg. Dr. David (Mainz): Ein großer Teil der Delegierten wird für die Resolution der Kommission eintretcn. Die Angriffe Ledebours auf uns beruhen auf irrtümlichen Anschauungen. Wir wollen die jetzige kapitalistische Kolonisationsmethode gewiß nicht rechtfertigen. Wir bekämpfen sie mit aller Energie. Trotzdem müssen wir uns an der Kolonialpolitik beteiligen. Sonst ist jedes Eintreten für koloniale Reformen ein Unding. Ledebour will von Kolonialpolitik nichts wissen. Dabei verlangt er, daß wir für die Eingeborenen cintreten. Wo bleibt da die Logik? Er soll nicht anderen Unlogik vorwerfen, wenn er selbst sich auf unlogischem Boden sich bewegt. (Beifall.) (Ledebour: Wir sollten die ganzen Kolonieen abschaffen.) Dann mögen die Engländer und Franzosen, die glauben, daß die Verhältnisse in den Kolonieen nicht zu bessern sind, beantragen, daß ihre Kolonieen zunächst abgeschafft werden. (Bei- fall.) (Ledebour: Unsinn und Verdrehungen.) Genosse Ledebour, ich habe Sie nicht unterbrochen und verlange dieselbe Höflichkeit von Ihnen. (Beifall.) Kurz vor Auflösung des Reichstages hat am 1. Dezember 1906 Bebel im Reichstage namens der Partei erklärt, daß Kolonialpolitik betreiben nicht an und für sich zu verwerfen fei. Kolonialpolitik könne unter Umständen eine Kulturmission sein. (Lebh. Hört! Hört! Ledebour schlägt erregt auf den Tisch.) Nun sagt Ledebour: Kein Volk hat das Recht, fremde Völker zu bevormunden. Wie reimt sich das zusammen. Ledebour hat selbst eine Kolonialpolitik zur Erziehung niedrigerer Völker für berechtigt erklärt. (Lebh. Hört! Hört! Ledebour ruft: Schwindel und Verdrehung!) Ledebour durfte nicht Bernstein angreifen und ihm nicht etwas vorwerfen, was zurzeit des Kulturkampfes geschehen ist. Wir müssen die Kolonialpolitik zulassen, wenn wir gegen uns selbst konsequent sein und nicht bloß Phrasen dreschen wollen. Auch unsere Kolonieen müssen eine Wandlung vom Kapitalismus zur modernen Entwicklung durchmachen. Schmerzenswege bleiben der Menschheit nicht erspart. Wir dürfen nicht nur Kritik üben, nicht nur protestieren. Wir müssen auch positive Ideale und unser Ziel schrittweise zu erreichen suchen. Nehmen Sie unsere Resolution mit großer Mehrheit an. — Singer: So geht das nicht weiter, sonst fitzen wir noch 3 Wochen hier. Morgen werden wir über die Geschäftsführung sprechen. Darauf wurden die Verhandlungen nach 6 Uhr abends auf morgen vertagt., Heute abend geben die Stuttgarter Genossen ein Fest. Stuttgart, 23. Aug. Ter englische Delegierte Quelch erhielt durch die Stuttgarter Polizei-Tirektion den Befehl, bis heute früh 6 Uhr Stuttgart zuverlassen. Tie Ausweisung ist 'auf 'die Angriffe, welche Quelch während seiner Rede auf dem internationalen Sozialisten-Kvngreß gegen die Mitglieder der Haager Friedens-Konferenz richtete, zurückzuführen. Aus Stadt rind Land. Gießen, 23. Aug. 1907. ** Ordensangelegenheit. Se. Königl. Hoh. der Groß her zog haben bcm Oberbürgermeister Mecu m zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dein König von Preußen verliehenen Kronenordens 3. Klasse erteilt. ** Ernannt wurden die Negierungsbausührer Aug. Dogny aus Berlin, Otto Hauck aus Wiesbaden, Hch. Häusel aus Höchst i. O., Hch. Knöll aus Heubach i. O., Ernst Stegmayer aus Gießen, Fritz Thierolf aus Darmstadt, Rob. Wagner aus Darmstadt, Rich. Weine rt h aus Michelstadt i. O. und Gust. Weskott aus Bannen zu Negierungsbaumeistern. ** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Joh. Alt aus Nainrod, Kreis Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Gras-Ellenbach, Kreis Heppenheim. — Erledigt sind eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Walldorf und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Airlenbach. Dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu ihr zu. ** Zeitgenräßer Reiseplan für Touristen nach d e m Vogelsberg. Abfahrt von Gießen 815 mit der Oberhess. Bahn nach Lauterbach; von hier Benutzrmg der Strecke Lauterbach-Grebenhain-Stockheim. Arckunft in Herbstein lln. Besichtigung der Brandstätte und Fußtour nach Ilbeshausen. Besuch des reizend gelegenen Luftkurortes „Hochwaldhausen". In der Villa des Direktors Bcrlit wird ein Druckbogen „empfehlenswerter Spaziergänge und weiterer Ausflüge in den Oberwald" in liebensivürdiger Weise umsonst verabreicht. Jedem Touristen ist zu empfehlen die schönste Partie des Vogelsberges, „das Schwarzbachtal" bis „zur Burg", ein höchst interessanter Basaltfelsen, ähnlich der Teuselskanzcl im Hangelstein bei Gießen. Nicht zu versäumen ist ein Gang nach dem aus einem Höhcnzug gelegenen „Spitzen Stein". Hier bietet der Vogelsberg dem Besucher eine Naturseltenheit, wie sie in ganz Deutschland wohl nicht wieder zu finden ist. Der „Spitze Stein" zeigt in typischer Form einen erloschenen Krater, der riiißSum von haushohen Felsspitzen kreisförmig eingcschlossen ist. Die lichte Weite des Kraters beträgt im Durchmesser 70 dl Von hier zur Oberwaldstraße nach dem Taufstein, Hoherodskopf, Michelbach und Schotten. Abfahrt Bahnstrecke Schotten-Nidda 830, Ankunft in Gießen 1059. ** Prozesse wegen indirekter Abgaben. Zölle und Steuern des Reichs und innere indirekte Abgaben sind in Hessen während des Rechnungsjahres 1906 1256 anhängig und 1223 erledigt worden. Wegen Defraudation wurden 137 Personen im ersten Fall verurteilt, während Rückfälle nicht vorkamen. Der Betrag der hinterzogenen einfachen Gefälle betrug 1400,91 M., der der erkannten Geldstrafen 4867,79 M. Wegen Verstößen gegen die Hundesteuer wurden 74 Verurteilungen mit 1070 M. hinterzogenen Gefällen und 1834 M. Geldstrafe ausgesprochen, wegen der Wechsclstempelsteuer 35 mit 1,80 M. Gefällen und 250 M. Strafe, wegen der Jagdmasfenpaß-Abgabe 22 mit 885 M. Strafe, wegen der Branntweinsteuer 3 mit 314,70 M. Gefällen und 1773,08 M. Strafe, wegen der Zigarettensteuer 2 mit 1,56 M. Gefällen und 100 M. Strafe, Uebergangsabgabe von Vier, bezw. Branntwein eine mit 12,85 M. Steuerbetrag und 25,71 M. Strafe. Wegen Ordnungswidrigkeiten wurden 752 Verurteilungen mit 2541,50 M. Geldstrafe ausgesprochen. Auch hierbei standen die Verfehlungen gegen die Hundesteuer (502 Verurteilte mit 1413 M. Geldstrafe) an der Spitze. Es folgen Verfehlungen gegen die Branntweinsteuer (89 mit 320 M.), Zölle (58 mit 93 M.), Zigarettensteuer (20 mit 78,70 M.), Jagdwasfen- paßabgabe (16 mit 213 M.), Tabaksteuer (15 mit 204 M.), Reichsstempelabgaben (15 mit 204 M.), innere indirekte Abgaben und Steuern anderer Bundesstaaten (13 mit 63 M.), Abgabe von inländischem Salz (12 mit 46 M.), Brausteuer (5 mit 44 M.) und llebergangsabgaben von Branntwein nn5 Bier (4 mit 37,80 M.). Gar keine Verfehlungen kamen vor bei der Zuckersteuer und der Spielkartenstempelsteuer. ** Vom Manöver. Die ersten größeren Einquartierungen trafen Mittwoch und Donnerstag in der Wetterau ein. Die 115 er (Darmstadt) bezogen in Melbach (Regts.- Stab), Dorheim, Södel, Schwalheim Quartier, die 166 er (Hanau) und 81 er (Frankfurt) trafen gestern in den Orten Stockheim, Rohrbach, Düdelsheim, Hainchen, Rommelshausen und Umgegend ein, um hier Regiments- und Brigadeexerzieren abzuhalten, während gleichzeitig die Regimenter 80 und 88 bei Nordenstadt üben. Nächsten Mittwoch treffen auch die 116 er (Gießen) in Münzenberg, Wölfersheim und Wohnbach ein; dann ist die 49. Infanterie- Brigade vereinigt. Der Brigadestab kommt nach Wölfersheim, der Stab der 42. Infanterie-Brigade nach Stockheim. Bei den Regimentern 166 und 168 werden dritte Bataillone formiert, zu diesem Zwecke werden Reservisten zu einer vierwöchigen Uebung eingezogen. Die Bataillone werden nächsten Samstag in Hanau bezw. Offenbach gebildet und rücken eine Woche später ins Manöver. Die 50. Infanterie- Brigade (117 er und 118 er) trifft am 6. September bei, Friedberg, Assenheim, Büdesheim, Groß-Kürben, Kaichen' ein, der Brigadestab kommt nach Büdesheim. Heute sind auch die beiden Artillerie-^Brigaden des 18. Armeekorps in der Umgegend von Vilbel eingetroffen. DaS 25. Feld- Artillerie-Regiment bezog in Nieder-Wöllstadt, Assenheim und Bruchenbrücken, die 61e r Artillerie in Rendel, Petterweil, Okarben, Groß- und Klein-Karben Quartier, während das Artillerie-Regiment Nr. 27 (Mainz) nach Vilbel, Nieder-Erlenbach und Umgegend kam. Die 21. Artillerie- I Brigade übt vom 4. September ab bei Oberseemen, Wenings, Gelnhaar. Die stärkste Einquartierung trifft in der Wetterau am 12. und 13. September ein, fast alle Orte erhalten in diesen Tagen Massenquartiere, nach Friedberg kommen etwa 2800 Mann, nach Bad-Nauheim 1800 Mann, nach Büdingen am 10. September 1700 Mann; auch die Ortschaften erhalten eine um diese Tage sehr starke Einquartierung, da sich dann fast das ganze 18. Armeekorps zwischen Friedberg-Bad-Nauheim und Büdingen-Stockheim konzentriert. Die Korpsmanöver sind vom 14.—17. September, am 18. September nimmt das Manöver voraussichtlich im Nidder- und Seemental sein Ende. Das Generalkommando des 18. Armeekorps kommt nach Gedern. ** Die spanischen Schatzschwindler sind wieder an der Arbeit. Da sie zurzeit wieder unsere Gegend heimsuchen — es liegt uns ein an einem Geschäftsmann in Reiskirchen gerichteter Brief vor, der diesem „nur" 270 000 Franks Gewinn verspricht, wenn er auf den Schwindel hineinfüllt — so fei wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß alle derartigen Angebote plumper Schwindel sind. Bedauerlich ist bei der Sache, daß es den spanischen Behörden an dem guten Willen zu fehlen scheint, diesen jetzt schon jahrelang be- I triebenen gemeingefährlichen Unfug zu beseitigen. ** In Amerika verstorbene Hessen. Peter Pfeif aus Geilshausen, 76 Jahre alt, zu West-Burlington, Java. — Georg Balzer sen. aus Rommerz, Kurhessen, 73 Jahre alt, zu Pittsburg. Großen-Linden, 22, Aug. Der Briestauben- Sportverein Preungesheim bei Frankfurt ließ heute hier eine größere Anzahl Brieftauben ausfliegen, die alsbald südliche Richtung einschlugen. Nieder - Florstadt, 22. Aug. Der 23 Jahre alte Weißbindergeselle Schmidt stürzte heute mittag vom Gerüste eines Neubaues zwei Stockiverke in die Tiefe, wo er bewußtlos und blutüberströmt liegen blieb. Er war beim Fallen mit dem Kopf mehrmals auf Stangen aufgeschlagen und trug eine schivere Gehirnerschütterung und äußere Verletzungen davon. /\ Sichenhausen, 21. Aug. Bei der heute vor- genommeuen Ersatzwahl zum Gemeinderat wurden gewählt: Heinrich Haas VIII. mit 37, Heinrich Adolph III. mit 32 und Wilhelm Schultheis mit 26 Stimmen. ? Burkhards, 22. Aug. Eine im Greisenalter stehende Frau fiel rücklings die Haustreppe hinab und starb an den erlittenen Verletzungen. R.B. Darmstadt, 22. Aug. In der heutigen Sitzung der S t a d t v e r o r d n e t e n widmete Herr Oberbürgermeister Morneweg dem verstorbenen langjährigen Mit- glied Otto Wolfs kehl einen tiefempfundenen Nachruf. Der Oberbürgermeister rühmte die ausgezeichneten Eigenschaften des Dahingeschiedenen als Mensch und Mitbürger und schilderte dann die unvergeßlichen Verdienste, die er sich in seiner 33 jährigen Zugehörigkeit zur Stadtverordnetenversammlung, sowie 20 Jahre hinourch als Vorsitzender des Finanzausschusses erworben. Namens des gesamten Stadtverordneten-Koltegiums rief Stadtv. Justizrat Schmeel I. dem dahingeschiedenen Kollegen und Freund ebenfalls herzliche Dankesworte nach. Nachdem dann die Versammlung noch auf dringlichen Antrag beschlossen hatte, zum Besten der von dem Brandunglück in Herbstein Betroffenen ben Betrag von 1000 M a r k zu bewilligen, schloß der Oberbürgermeister zum ehrenden Gedenken an den Verstorbenen die Sitzung. In diesem Eingesandt heißt es: „Wäre vom Pfarrer Köhles die, Einführung des neuen Gesangbuches in der geschilderten Weise erfolgt, so hätte kein vernünftiger Mensch etwas dagegen einzuwenden gehabt. Aber wenn, wie geschehen, Kir- chenbesuchern während der heiligen Handlung solche markanten Worte wie „Grölpelze, Dickköpfe, Bläh, fchafe, Pack" usw. entgegenschallen, so muß dies unbedingt böses Blut erregen. Sofort nach diesem Vorfall ist der Kirchenvorstand geschlossen nach der Pfarrei gegangen und hat.sich eine solche Behandlung ganz entschieden verbeten. Tie Einführung des Gesangbuches hätte in ruhiger, sachlicher Weise sich recht gut durchführen lassen, aber wenn kultivierten Leuten solche Worte an den Kopf geworfen werden, so weiß man nicht, ob man sich auf dem Kasernenhose oder in der Kirche befindet." * Kleine Tageschronik- Am 21. August erschoß sich Hauptmann H a g e m a n n vom Infanterie-Regiment 68 auS Coblenz im Barackenlager Friedrichsfeld- Der Hauptmann sollte in einem Prozeß als Zeuge vernommen toerben- — Musikdirektor Stein del in Stuttgart hat sich dem Urteilsspruch der Strafkammer, die ihn, wie bekannt, wegen Mißhandlung seiner Söhne zu sieben Monaten und drei Tagen Gefängnis verurteilte, unterworfen. Tas Urteil ist: Immit rechtskräftig geworden. Die drei Söhne haben nach ihrer bitterbösen Lehrzeit auf ein weiteres Auftreten als Künstler Verzicht geleistet und wollen sich anderen Erwerben zuwenden- Die beiden jüngsten Söhne lernen unter Aufsicht des VormundschastsgerichteS das Lithographenhandwerk. Tas Steindelauartett ist damit endgültig aufgelöst. — In Berlin wurde d-er Laufbursche Emil Weiland, als er mit seinem Zweirade durch "die Straße fuhr, von einem Pri- vatautomobil überfahren. Man brachte den Schwerverletzten zu einem Arzt, wo er kurze Zeit daraus verstarb- — In Kalw in Württemberg wurde seit neun Tagen der siebenjährige Pslegesohn eines Gast Hofbesitzers vermißt- Jetzt ist seine Leiche in einem verschlossenen Kvffer auf einem Bühnenraum entdeckt worden- Tie gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. — Unweit von Paler mo wurden zwei Kisten, die die Leiche eines vornehmen Jünglings enthielten, auf freiem Felde brennend vorgefunden- Die Kisten waren vorher mit Petroleum begossen worden. Tie Polizei nimmt an, daß es sich um das Opfer eines Liebesromans handelt- — Bei Leob sch ü tz wurde der Versuch gemacht, den von Teutsch-Rasselwitz eintreffenden Personenzug zum Entgleisen zu bringen- Am Ucbergange war ein Drahtseil gespannt worden, welches der Zug zerriß- Als Urheber dieses Anschlages wurde der frühere Eisenbahnarbeiter Brandel ver« haftet- Tübingen, 21. Aug. Die Dorstandschaft der medizinischen Poliklinik nnirbe dem Prioaldozenten Gottfried Müller unter Verleihung des Titels eines außerordentlichen Professors übertragen. Der frühere langjährige Kirchenrechtslehrer, Professor T hu d i ch u m, ieierterte jein goldenes Doktorjubelfest. Die Universität Gießen übersandte ihm ihre Glückwünsehe und erneuerte das Doktordiplom. ----- ■ - .......... ■ —-------- ---- Kandel. — Roosevelts n e n e st e Rede. Mit großer (Spannung wurde Roosevelts neueste Rede von der Börse erwartet und iin allgemeinen war man darüber befriedigt. Ter Präsident erklärte selbstverständlieh, daß er auf seiner Antitrustpolitik bestehen bleibe. Er ließ mich keinen Zweifel darüber, daß er die ungesetzlichen Auswüchse des amerikanischen Großkapitals verfolgen werde und betonte, daß Verbrechen nicht dann milder behandelt werden dürfen, wenn sie von reichgewordenen Leuten begangen werden. Aber ans feinen Ausführungen ging auch hervor, daß die Bekämpfunsi der Trusts mehr ein künftiges Programm bilden soll, als daß es sich auf vergangenes erstreckt. Auch erklärte Roosevelt, daß die Regierung feine Aktion unternehmen werde, wenn durch die Straf- maßnahmen die unschuldigen Fondsbesitzer und das Publikum als ganzes in Mitleidenschaft gezogen würden. Daraus wurde geschlossen, daß die Strafen künftig in erster Linie die schuldigen Personen und nicht die Finanzen der Gesellschaften treffen fotzen. Alles in allem kann man sich aber doch nicht des Eindrucks erwehren, daß auch in Regierungskreifen die Meinung besteht, mit dem ersten Urteil gegen d.StandardOil Company habe man nicht ganz das Richtige getroffen, und daß man es in Zukunft besser und sicherer machen ivolle, so daß die Geldmärkte weniger davon beeinflußt werden können. Ob und wie dies gelingt, ist eine Frage der Zukunft. — Aus der Tabak-Industrie. In den dtnsehtert Berichten des Jahresberichts der Mittelfränkischen Handelskammer in Nürnberg teilt eine Nürnberger Tabak- und Zigarrenfabrif mit, daß der Verbrauch von Sumatra- und ebenso von Havanna- tabak so zugenommen hat, daß die Ernten nicht mehr ausreichen; Amerika allein nimmt riesige Massen davon vom Markte, wobei es für feinste Waren Preise bezahlt, wie sie in Deutschland niemals angelegt werden können. Dazu kommt für die Zigarrenindustrie eine weitere Schwierigkeit, als es Mode geworden ist, nur ganz helle Farben zu verlangen. Der Fabrikant steht ost ratlos ibia, weil es gar nicht möglich ist, diesem Wunsche zu entsprechen. Lkttgesandr. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Unsere Stadt hat eine Ausdehnung erreicht, die die Errichtung einiger Bedürfnishauschen s ü r Frauen unumgänglich notwendig macht und zwar würde an die Herstellung mehrerer, anständiger Toiletten mit Wartefrauen zu denken sein, welche gegen ein kleines Entgelt die Abteile dauernd in Ordnung zu halten hätten, ivii dies in größeren Städten allerorten anjutreffen ist. Vielleicht geben diese Zeilen unserem verehrt. Stadtvorstand Veranlassung, dieser 2higelegen()eit näher zu treten. N Telefonische des Giessener Anzeigers, mitge und Industi Frankfurter Hör 3/4% Reichsanleihe . . 92.00 3% do. . . 81.65 3 XÄ % Konsols .... 92.10 3% do. . « . . 81.65 3^% Hessen . . . . 91.30 3/4% Oberbessen . . . 99.00 4% Uesterr. Goldrente . 97.60 4l/6 % Oesterr. Silberrente 96.90 4% Ungar. Goldrente . .-- 4% Italien. Rente . . . 103.00 3% Portugiesen Serie I . 66.00 3% Portugiesen „ III 66.50 4>^% russ.Staatsanl. 1905 90.80 4/6% Japan. Staatsanleihe 88.20 4% Conv. Türken von 1903 93.40 Türkenlose 139.60 4% Griech. Monopol-AnL . 46.40 4% äustere Argentinier . 80 50 3% Mexikaner . « . 60.70 4>6% Chinesen .... 94.40 Aktien: Bochum Guss 205.70 Buderus E. W. . . . . 111,00 Tendenz: fester. Bierliiier Börse, Canada E. B 160.75 Darmstädter Bank . . . 124.00 Deutsche Bank .... 221.60 Dortmunder-Union C. . . 62.10 Dresdner Bank .... 166,80 Tendenz: schwächer. Kursberichte teilt von der Bank für Handel : ie, (liessen. se, 23. Aug., 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . , . 113.50 Elektriz. Schuckert . . . 97.00 j Eschweiler Bergwerk . . 201.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 188.00 • Hamburg- Amerik. PakelL 125.20 Harpener Bergwerk. . . 188.90 1 Laurahütte 219.50 s Nordd. Lloyd 109.60 j Oberschi es. Eisen-Industrie 97.50 i Berliner Handelsges. . . 149.60 • Darmstädter Bank . . . 124.20 Deutsche Bank .... 221.60 J Deutsch-Asiat Bank . . 138.50 £ Diskonto-Kommandit. . . 166.70 < Dresdner Bank . . . 136.25 , Kreditaktien 197.50 , Baltimore- und Ohio- Eisenbahn .... 90.20 , Gotthard bahn 188.5^ ’ Lombard. Eisenbahn . . 30.2' Oesterr. Staatsbahn . . . 137.7^ • Prince-Henri-Eiseubahu . 124.5U ? 3. Aug. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 188,50- Laurahütte .... —1 Lombarden E. B. ... 80.3( i Nordd. Lloyd —j Türkenloae . . . . . 140,4t y