eil schcml llildidlltcn Z, soildm mlratie N ihre «3 HU ist NcJ irbcm und l Bekicbc, VaisenkaK jccilt Mittwoch 23. Januar 1907 157.^rtT)rflrtnfl Drittes Blatt Nr. 1» Giehener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme deö Sonntags. General-Anzeiger für Gberhegen Redaktion, Expedition und TruHrei: ScknI- stvaße 7. Expedllion und Verlag: «LHK Redaktion112. Tel.-Adr.:AnzeigettA«h«. Tie „Siebener ZamiliendlLtler" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblatt für den Kreis Liehen ' zweiinal wöchentlich. Ter „heffifche Landwirt" erscheint monatlich emmaL Rotationsdruck und Verlag der Brüblffchen UnwersitälS - Dnch- und Stemdrnckerei. R. Lange, Gießen. Ker neue Zterchslug. In wenigen Wochen tritt der neue Reichstag zusammen. Er wird vermutlich dem alten recht ähnlich sehen. Wir wollen uiu heute nicht in Mutmaßungen darüber ergehen, toic der kommende Reichstag aussehen rotrb, sondern ein wenig die Ausgaben in ßctraQjt ziehen, die er zu lösen hat. Tie ganze gesetzgeberische Arbeit des verflossenen Reichstags war nutzlos, soweit fie nicht abgeschlossen wurde. Alle Gesetzentwürfe, die zur Hälfte ober zu drei Vierteln fertiggestellt wurden, müssen erneut in Angriff genommen werden, wenn die Regierung fie dem neuen Reichstag wieder vorlegt. Doch in erster Linie wird der neue Reistag die brennenden Tageösragen erledigen müssen. Dazu gehört vor allem anderen der Etat. Tatz die Fertigstellung des Etats zur gesetzlichen Frist, zum 1. April, ein Ting der Unmöglichkeit ist, versteht sich von selbst. 3n ein paar Wochen können sich auch die gewiegtesten Etatkenner durch die umfangreiche und schwierige Matern nickt durcharbeiten, da man zur Beratung deS Etats des Reichs- amts des Innern bisher in zweiter Lesung allein mindestens 14 Tage gebraucht hat. Uebers Knie dürfen solche Fragen keinesfalls gebrochen werden, und der kommende ReickMag wird dazu auch nicht Lust haben. Man darf sich also ün voraus auf ein Etatnotgesetz gefaßt machen, das uns ja nichts ungewohntes ist. Mit diesem E.atnotgesetz wird der neue Reichstag vielleicht bis Ostern fertig werden — bann steht a.so noch ber Gesamtetat zur Beratung. Und außerdem muß in der allerersten Zeit deS Bei- fanunenfeinß der RcichLboten doch vor allen anderen Dingen der Rachtragsetat für Deutsch-Südwe st afrika beraten wer» den TaS wird aber wohl keine einfache Gesdfick/te werden, denn ohne weiteres werden die augenblicklichen Oppositionsparteien ihren bisherigen Standpunkt nicht preisgeben. Das Zentrum wird sich auf alle Fälle den Rückzug decken wollen. 'Man darf sich also auf recht lebhafte Debatten gleich beim Zusammentritt gefaßt machen, und darüber wird einige Zeit verstreichen. Abgesehen noch von den prinzipiellen Auseinaiidersetz- ungcn zwischen ber Regierung, dem Zentrum, ber Sozialderno- Iraiie und den übrigen Parteien, die bei dem scharfen Wind, ber augenblicklich weht, auch zicnttick) leidenschafllicher Natur fein dürsten. Auch bei oberflächlicher Betrachtung ergibt sich zur Evidenz, daß der neugewählte Reick-Stag in feiner ersten Session recht wenig gesetzgeberische Arbeit wird leisten können. Und baß man «!wa gar dazu kommen kömtte, an große Fragen heranzutreten, wie an die S t r a f p r o z e tz r e f o r m , ist ausgeschlossen. Abgesehen davon, daß die Regierung einen fertigen Gesetzentwurf noch immer nid/t vorlegen kann, der Reichstag käme nie dazu, ihn im laufen- J»cn Jahre durchzuberaten, und selbst für die übernächste Session »leiben so viele dringende Fragen übrig, daß auch im nächsten Jahre noch nid)t an eine Fertigstellung zu denken ist. AuS diesem stunde ist die Reichstagsauslösung bedauerlich, denn sie ver- jgert die gesetzgeberische Arbeit ganz enorm. Zur Erdbcbcutatastrophe auf Jamaita. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Hamburg, 21. Januar. Eine erschütternde Aufllärung hat nunmehr die Strandung her „Prinzeß Viktoria Luise" gefunden, jenes erst- Muffigen Vergnügungsdampfers ber Hamburg-Amerika-Linie, der vor wenigen Wochen bei der Einfahrt in den Hafen von stingfton strandete und dessen Kapitän Brunswig sich daraufhin das Leben nahm Brunswig, der seinerzeit die Waldivia-Expcdition deS Tiesseeforscherö Dr. Chun (Leipzig) begleitet hat und bann ber Reihenfolge nach Kapitän auf dem Riviera-Tampser „Prinzessin Heinrich", dem Bergnügungsdampfer „Meteor" und der Lust- -acht „Prinzeß Viktoria Luise" wurde, sollle bekanntlich versucht haben, den mit amerikanischen Vergnugungsreisenden angefüllten letztgenannten Dampfer in der Nacht selbständig in den Hafen von Kingston hineinzusteuern lÄnb taffadjlidj ist dicS auch geschehen, jedov- erst nachdem Brunswig trotz wiederholten Anrufs keinen Lotsen an Bord bekam und die Zeit drängte. Dazu kam, daß Brunswig ats eine Autorität auf dem Gebiete der Navigation an ber Hand feiner Karten und Pläne sehr wohl bic Einfahrt allein wagen konnte, zumal er schon früher mit HandelSdampfem Jamaika angelaufen und auch mit ber „Prinzeß Viktoria Luise" schon mehrfach Exkursionen nach der schönen Insel ausgeführt hatte. Im Anschluß an das jüngste Erdbeben auf Jamaika ist nun auch festgestellt worden, baß die Haseneinfahrt von Kingston eine völlige Veränderung zurch dieses Erdbeben erlitten hat. Ter Meeresboden ist an Dielen Stellen von 11 auf 7 Faden gestiegen, während die Stadt , lingston allmählich versinkt. 'Nachdem nun auch noch die Dampfer „Prinz Waldemar" und „Prinz Ettel Friedrich' in den letzten Tagen bei Kingston gestrandet sind, — ber „Prinz Titel Friedrich' ogar in unmittelbarer Nähe des Wracks der „Prinzeß Viktoria Luise" — erschien eS den hiesigen Schifiahrtskreisen ganz zweisel- loS, daß ber bedauernswerte Kapitän Brunswig ebenfalls ein Opfer dieser vulkanischen Erscheinung geworden ist. Er hat noch urz vor seinem Tode zu seiner Umgebung geäußert, daß nach den Schiffslarlen an der Strandimgsstelle sich nicht ein einziges Riff befinden könne und daß cs ihm unerttärlich fei, wie das Lch^fs fcaue auflaufen können. Ter Umstand, daß er sich wenige Augenblicke später in seiner Kabine eine Kugel durch den Kopf jagte, hat leider verhindert, daß er wenige Tage später der Zeuge des schrecklichen Erdbebens und der damtt verbundenen Strandung der beiden Schwestcrschifse wurde. In hiesigen Schiff- sahrtskreisen, die zunächst geneigt waren, seine selbständige Einfahrt in den Hafen von Kingston als unsack-gc.näß zu verurteilen, sprechen ihn heute von jedem Verschulden an Dem bedauerlichen Unfall des schönen Schiffes frei, da es nunmehr außer Zweifel steht, daß bic „Prinzeß Viktoria Luise" auch nut einem Lotsen an Bord ausgcfahren wäre. Für die Bestattung Brunswigs, bcssen Leick-e aus Veranlassung seiner hiesigen Anverwandten der nunmehr auch gestrandete „Prinz Eitel Friedrich" an Bord nehmen und nach Hamburg heimsühren sollle, sind größere Trauerfeierlichkciten geplant. Au» 5»aot uiic Luno. Sprechstunden der 'jieb-c.'t 11—1 Uh.- vom., 1 .-7—1 ;8 Uhr abb*. Gießen, den 23. Januar 1907. •• Die winterliche Kälte hat zu rechter Zeit erneut eingesetzt, denn noch landläufigen Beobachtungen soll gegen Ende deS Januar, wenn die Tage ansongen länger zu werden, normale Wtnterkülte herrschen. Bei verschiedenen Leuten herrscht immer noch der Gedanke vor, daß die Kalte nachteiligen Emsluß auf die Gesundhett deS Menschen anSubt, aber die in den letzten feuchten Winterwochen zahlreichen KrankheitS- fälle durften uuS eines Besseren belehren. Nicht der Genuß der falten Winterluft, sondern die Entbehrung derselben erzeugt vielfach Kiankhecken. Der Winter und die nut ihm auftceteudc Kalte verdient in hygienischer Hinsicht unser volles Lob, und eS gibt Aerzte und Laien, die behaupten, daß es dem mensch- lichen Leibe zuträglich ist, wenn er einmal ordentlich friert. Schon der Umstand, daß in den nördlichen Ländern die Sterblichkeit geringer ist, als nach dem Aequator zu, und daß die Menschen, bie ihre Tätigkeit auch im Winter bet an- haltenber Kälte im Freien vollbringen müssen, wie Holzarbeiter, Förster, Slraßenwärter und andere, als wetterfest gellen, sollte doch überzeugend wirken. Starke Muskeltätigkeit, Bcfreinng des Blutes von Kohlensäure, kräftige Herztätigkeit, tiefe Atmung sind bie wohltätigen Folgen energischer Bewegung in der Winterluft und haben ruhige Nerven, gefunden Schlaf, guten Appetit, geregelte Verdauung und fomit eine wesentliche Steigerung der Leistungsfähigkeit von Körper und Geist zur Folge. Tie Bewegung in frischer, kalter Wintcrluft ist daher em billiges Heilmittel, dessen segensreiche Einwirkung jeder feinem Körper cmgedechen lassen kann. -L Gründer g, 31. Ian. Gestern ab. tu» wnb in ber Turnhalle ein Famttienabend dcS Zweigvcrcins bcS Evangelischen Bundes statt. Pfarrer Dr. Becker au; Alsfeld hielr einen Vonrag über „Tic gegenwärtige Lage". Der Redner wieS an Hand ber Gesa>ich:e nadi, baß b r llltramon- tanismus allzett bestrebt gewcfe.i sei, daS Ansehen und bte wcttlichc Macht ber Päpste zu vergrößern, nur Kosten und zum Schaben bes Deutschen Reiches. Es sei ein großer Unicrioicb zwischen bem kathottschen Volke (bay wir achteten und mit dem wir in Frieden leben wollten) und der iiltrantoiüancn Partei in Deutschland, die ziemlich gleichbedeutend sei mir dem Zenrrum. Auf bie Reichstagsauflosung hinweisend, ermahme der Redner, mitzuwirkcn, baß bas Deutsche Reich frei werde von der Bcvor- munbung burd) das Zenttum, daS nur bem Kaiser und Reick» gebe, waS des Kaisers und deS Reiches sei, wenn es vorher wisse, oaß eS ein Geschäft dabei mach? Wenn aud) am 25. Januar, Dem Tage von Canossa, daS Reich noa> nicht von dieser anmaßenden Partei beireit werde, so solle der Mut nicht sinken, sondern weiter gearbeitet werben. Tie Versammlung zollte bem Üiebner reichen Beifall. Pfarrer Schmibttzvon hier laS dann noch einige Kapitel vor aus FrcnsjcnS Jud,: ^cicr Moors Ei' lebnisse ,in Südwestafrika, worin in fesselnder Weife der Kampf am Watcrdcrg und bic großen Strapazen geschildert wurden, welche unsere Truppen dort erdulden mußten. Der Gc.ang- Dcrein Grünberg erfreute die Anwesenden ourd den vorzüglichen Vor trag versdfiedener sd-öner Chöre und trug damit viel -vm Wohlgelingen bes FamilienaoenbS bei. q