Nr. 196 Zweites Matt 157. S l Erscheint tSgllch mit Ausnahme deS Sonntags. General-Anzeiger für Gberheffen DR EC seEM34ffHta «II Ui. er 4 *• Zur Das Großh. dringlich vor Gebäude und zur Annahme der von der deutschen Delegation vorgelegten Resolution. Pflicht der sozialistischen Frauenbewegung in allen Ländern ist es, sich an allen Känrpfen, welche die sozialistischen Parteien für die Demokratisierung des Wahlrechts führen, mit größter Kraftentfaltung zu beteiligen, aber auch mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allgemeinen Frauenwahlrechts nach ihrer grundsätzlichen Wichtigkeit und praktischen Tragweite ernstlich verfochten wird. * Am Nachmittag besichtigten die Genossen in corpore die Stadt und machten Ausflüge nach den Schlössern Rosenstein und Wil- hlelma. Für den Abend war eine große Volksversammlung mit Dr. Pernerstorfer-Wien, Frau Lily Braun-Berlin und National- rat Greulich-Zürich als Rednern vorgesehen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion.^OllZ. Tel.-AdruAnzeigerGießen» Ans StaSt nnd Land. Gießen, 22. Aug. 1907. Beachtung für Eltern und Erzieher. Polizciamt Gießen warnt (s. amtl. Teil) ein-- dein durch Kinder verübten Beschmieren der Einfriedigungen, und weist darauf hin, daß im ^nimuitioiialer SoziaListen-Kongreß. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) IIL S. u. H. Stuttgart, 20. Aug. Donnerstag 22. August 1907 Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Die „Siebener ^amUienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. . Deute trat der Internationale Sozialisten-Kongreß zu seiner ' rsten Plenarsitzung unter denr Vorsitz Singers zu- rmmen. Nach der offiziellen Feststellung sind insgesamt 886 jj)elegierte anwesend. Zunächst wurden alle seit dem Amster- 1 !nn^r Kongreß vom Internationalen Bureau gefaßten Resolu- onen en btoc gebilligt. (Beifall.) Die erste dieser Resolutionen erhebt „im Namen des Pro- tariats aller Länder den entschiedensten Protest gegen die preußische P o l it i k der G e r m a n i s i e r u n g Polens." ine zweite Resolution fordert denSchutzderausländifchen Arbeiter. Eine dritte Resolution protestiert gegen die A u s - < eisung fremder Arbeiter aus Argentinien und ne vierte nimmt gegen d i e V e r fo l g un g derrussischen S ozialisten rn Deutschlan d Stellung. In einer fünften ^psolution spricht sich der Kongreß für die Unabhängigkeit er balkanischen Völker aus. I Die sozialistische Einheit in allen Ländern be- p -isst die nächste Resolution. Die siebente und letzte Resolution $ trifft die antimilitaristische Propaganda und be- 1(3 rot: Sobald die Ereignisse einen Krieg möglich oder wahr- peinlich nrachen, werden sogleich die sozialistischen Parteien der :troffcnen Länder miteinander in direkte Verbindung treten, m ein gemeinsames und übereinstimmendes, proletarisches und >zialistifches Vorgehen zur Verhütung des Krieges festzusetzen Kleines Feuilleton. — Aus den Frankfurter Theatern. Aus ankfurt wird uns unter dem 21. ds. geschrieben: Als ste Premiere brachte unser Opernhaus gestern Anton ubinsteins schon über 30 Jahre alte und bei uns Deutschland trotzdem nirgend eingebürgerte, in Frank- rt sogar noch ganz unbekannte Oper „Der Dämon". :r lebhafte Erfolg, den die Aufführung fand, hat gezeigt, ß die große Mühe, die sämtliche Mitwirkenden an die sung ihrer Aufgaben setzten, sich gelohnt Hut. Man nicht blind gegen die Schwächen des Werkes, aber man teilt setzt milder über sie, da man dieses Werk schon :hr historisch ansieht und an eine Konkurrenz Rubin- ins mit Wagner nicht mehr ernstlich denkt. Daß der off, der einer Dichtung des großen russischen National- hters Lermontofs entstammt, nicht dramatisch ist, daß - Gestalt des Dämon, der bald mächtiges Elementarsen, bald menschlich schwach ist, und sein Kämpf um - Liebe der schönen Prinzessin Tamara keineswegs klar irakterisiert sind, daß es der großen enttcheidenden Vrbesszene im letzten Akt an dramatischer Wucht und Irtvoller Leidenschaft fehlt, ist heute ohne jede Diskussion I r. Aber die echt musikalischen, in Rhythmus und Melo- 11 ost mit glücklicher Hand national gefärbten Stzenen, 5 c allem das hinreißend schone Ballert im dritten Akt b doch Perron, deren Glanz hell genug erstrahlt, um ' • Ausführung der Oper auch heute, im Zeitalter Wagners j b Richard Strauß' noch erfolgreich zu machen. Die rstellung war szenisch glänzend und darstellerisch aufs bufic gelungen. Zu nennen ist an alererster Stelle ) au He n ser - Sch weitzer als Tamara. Neben ihr Herr :eiten selb als Dämon, Herr Wirk als Prinz. .Dr. > t t e n b e r g dirigierte brillant. Intendant JMfen hat Frankreich nur 12 264 neue Werke jährlich auf den Markt wirft gegen 27 606 neue deutsche. — Unter den alten Akten der früheren Universität Wittenberg ist ein interessantes Schriftstück aufgefunden worden, das ein Stück Wittenberger Sittengeschichte aus der Mitte des 1 6. I a h r h u n d e r t s enthält. Die Studenten jener Zeit waren nämlich groß im Schuldenmachen bei Gastwirten und Schneidern. Um diesern Unwesen zu steuern, erließen die Stadt Wittenberg und die Universität Edikte, die vorschricben, daß die Studenten jeden Freitag die Wirte bezahlen sollten. Geschah dies nicht und kreditierte der Wirt über ein gewisses Maß hinaus, so wurde er als Förderer der Lüderltchkeit bestraft. Das große Kreditedikt wandte sich aber besonders gegen die hohen Schneiderrechnungen. Es verordnete: „Dieweil die Pluderhosen eine schändliche Tracht sind, soll der Schneider, welcher sie gemacht, dein Rate 10 Gulden und der Student, welcher sie trägt, dein Rektor 10 Gulden zur Strafe geben oder drei Jahre relig'iert und dem Rektor solch Kleid zu überantworten schuldig sein." Im Jahre 1568 erschien eine ausführliche Wittenberger Kleiderordnung, die sogar den Macherlohn bestimmte, den die Schneidermeister nicht überschreiten durften. Nach ihr war ihnen erlaubt, für einen Mantel höchstens zwei Taler, für einen Rock von lundener Tuch höchstens 15 Groschen, für eine Hose 10 Groschen re. zu verlangen. — Der Zar als 9)1 äcen. Der Zar bringt der Kunst und der Wissenschaft ein großes Interesse entgegen. Besonders läßt er sich die Pflege der russisch-nationalen Musik angelegen fein, da et von ihr eine Förderung des nationalen Sinnes erwartet. Aus diesem Grunde hat er für russische Komponisten, die unterstützungsbedürftig sind itiYb Talent haben, Geldunterstützungen und Prämten bewilligt, die von ihm auf Vorschlag des Konservatoriums verteilt werden. In Aussicht genommen sind vor der Hand zwei Preise, einer von 5000 Mark und einer von 2500 Mark. Auch den wissenschaftlichen Arbeiten Rußlands kommt er fördernd entgegen. So hat ein russischer Ingenieur, namens Ssokolow, ein neues System fiir drahtlose Telcphonie erfunden, bei dem als besonderer Vorzug große Ersparnis von elektrischer Kraft genannt wird. Dieses System, das in jeder Hinsicht große Vorzüge haben soll, will sich nun der Zar persönlich vorführen lassen. ch nd zu vereinbaren. . vt Ter Vorschlag der südafrikanischen und französischen Dele- fl rtioncn, den Nutzen einer internationalen Hülfs- Sprache (Esperanto) zu betonen, wurde als verfrüht ab» ä 'lehnt. j Darauf wurden die Verhandlungen um V/> Uhr auf Mitt- l|t och 10 Uhr vormittags vertagt. 3 Tas Thema „Der Militarismus und die inter- , a t ion alen Konflikte" beschäftigt länger, als man ur- i,t wünglich glaubte, die erste Sektion des Internationalen Kon- iz cesses. Bebel als Referent für die deutsche Sektion gab I- iner Ansicht dahin Ausdruck, daß das Thema „Militarismus" e Internationalen Kongresse nachgerade genug beschäftigt habe, peziell das, was der Genosse Gustave Hervs in seinem Merke Leur Patrie" über den Antipatriotismus ausgeführt Tbe,, sei schon weit früher von Tomela Nuiwenhuis, dem j tzt ins anarchistische Lager abgeschwenkten Genossen, aus den $ ^nationalen Kongressen gesagt worden. Wenn Hervs sage, das aterland sei nichts für den Proletarier, weil es ausschließlich St r herrschenden Klasse dienstbar sei, so sei dem doch ent- et'geumhalten, daß die bloße Negation unfruchtbar ' Das ganze Kulturleben baue sich in Wirklichkeit auf natio- alem Boden und auf der Grundlage der Muttersprache auf. 3 weise speziell aus die Verhältnisse in Oesterreich und Polen i. Auch in Rußland werde die Nationalitätenfrage 2 )ch einmal erwachen. (Widerspruch Rosa Luxemburgs.) Er . innere ferner an die Freiheitskriege. Und wie habe sich lsas'Lolhringcn gegen die Trennung von Frankreich gewehrt, ir dem es trotz der deutschen Sprache so eng verwachsen ar. Ter Gedanke Herväs, daß das Proletariat kein Interesse j ran habe, ob Deutschland Frankreich oder Frankreich Deutsch- ’ nd erobere, sei absurd. (Zurufe: Tas ist gar kein Gedanke! j 'äerkeit.) Hervs würde einfach von seinen eigenen Landsleuten ucr die Füße getreten werden, wenn er diese Lehre einmal | ^wirklichen wollte. (Sehr richtig!) Was habe er, Bebel und d eblnccht, nicht 1870 am eigenen Leibe erfahren müssen, als u' sich nur der Abstimmung über die Kriegsanleihe enthielten, E ährend sie doch nur so gehandelt hätten, weil die Fä l- h u n g der Emser Depesche schon durchschaut und die s r iegsprovokation durch Bisnrarck erkannt hätten. Tie von eroe empfohlenen Mittel: Massenstreik, Fahnenflucht und Jn- rrcftion werden im Kriegsfälle untauglich sein, nicht mur in sch land, sondern auch in Frankreich. Würde die deutsche o Aaldemokratie die ihr durch die Gesetze aufgezwungene strenge 1 mttralität gegenüber der Armee aufgeben, so hätte sie gleich Paragraphen des Strafgesetzbuches auf dem Halse. (Sehr tjiig! bei den deutschen Delegierten.) Eine erfolgreiche i r c in i l i t ar i sti s ch e Agitation in Frankreich aber Irde, den W eltfr ieden gefährden. Tatsächlich verfolge der ' u t s ch e G e n e r a l st a b die gegenwärtigen Jnsurrektionsfälle ,L nerhalb der französischen Armee mit dem größten Interesse, J i! ein desorganisiertes H e er Ieine Schwierigkeiten j «cije. (Bewegung.) Ernsthaft wolle zurzett niemand in eutschland den Krieg, denn die Herrschenden Müßten ganz genau, daß sie sich nicht unter len Umständen auf die zwei Millionen sozial. and wehr männer verlassen könnten. Habe doch Fürst I Hon) sogar zugegeben, daß jetzt ein Krieg der herrschenden Falle der Strafunmündigkeit der Schuldigen, deren Eltern, Vormünder re. zur Verantwortung gezogen werden. V o m L e h r e r b e r u f. Die kürzlich veröffentlichte Statistik über den Schülerbestand in den Präparanden- anstalten Hessens und die dabei vertretenen Berufsarten der Eltern wirft, wie man uns aus Lehrerkreisen schreibt, ein Schlaglicht auf die Schwierigkeit des Lehrerberufes, das keiner Erläuterung bedarf. Von 312 Schülern sind nur 12 Söhne von Lehrern! Auf die ca. 3000 Lehrer Hessens entfallen somit nur 0,4 %. Niemand vermag die Schwierigkeit und Anstrengung eines Berufes besser abzuwägen, als seine Glieder. Wenn nun nur eine so verschwindend kleine Zahl von Lehrern ihre Söhne wieder Lehrer werden läßt, so offenbart das klar, daß der Lehrerberuf Schwierigkeiten bietet, die vielfach unterschätzt werden. R- Odenhaus'e n, 20. Aug. Am Sonntag waren unserem sonst so stillen Dörfchen einige schöne Stunden beschieden, tnbcnti der Kriegerverein Kesse tbach, welcher noch eine stattliche Awzahl alter Kriegskameraden birgt, seine diesjährige Gravelotte^ feier hier abhielt. Mittags P/s Uhr kam der Verein mit benn Gesangverein Kisselbach. Lehrer Schmidt von Nüddingshäusen stellte sich mit seiner Schülerkapelle an die Spitze und unter den munteren Tönen der Musik ging es durch das Torf, nachdem sich der Gesangverein Odenhausen noch ängeschlossen hatte, nach dem nahen im schönen Wald gelegenen und für derartige Zwecke sehr passenden Festplatze. Der Präsideirt des Kriegervereins, Vete-^ ran Schomber, begrüßte die Anwesenden und hieß sie herzlich willkommen. Tie Schülerkapelle eröffnete die Feier mit einigen patriotischen Musikstücken, sodann fangen die Gesangvereine gemeinschaftlich unter Leitung ihres bewährten Dirigenten Lehrer Ziegler-Kisselbach einen Gesamtchor: Ter Feind rückt an, den Stahl zur Hand, zur Grenzwacht zieht das Heer! Präs-, Schomber hielt nun einen Vortrag über die Schlacht am 18- August 1870, indem er ihren Hergang, soweit er selbst daran beteiligt war, schilderte. Der alte Herr sprach mit solcher Wärme und solchem Eifer, daß manche stille Träne über die gefurchten Wangen der alten Meger rollte, aber auch die übrigen Anwesenden^ waren von seinen Worten sehr ergriffen. Ter Redner schtost mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den obersten Kriegs^ Herrn- Hierauf wechselten Gesangsvorträge und Musikstücke. Sodann ergriff Bahnhvfs^Aufseher W'eb er das Wort, um in längerer Ansprache unser schönes Vaterland und 'seine Machtstellung in der Welt zu feiern- Er brachte ein kräftiges Hoch auf die WiÄev- erbauer des deutscher: Vaterlandes aus- Veteran Becker-Kesselbach dankte in bewegten Morten allen, die zur Verschänerungj der Feier beMettagen und fprach den Wunsch aus, noch öfters solch traute Stundei: hier verleben zu dürfen- Kamerad Hill- giärtner sprach ebenfalls über den 18- August 1870. Den Vorsitzende des Gesangvereins K^esselbach feierte dann noch das deutsche Lied und feine Bedeutung- Tie übrige Zeit wurde durch Einzelchöre der beiden Vereine sowie durch Musikstücke ans gefüllt Der kleine Chor Knaben von 10—14 Jahren hat feine Aufgabe prächtig erfüllt und viel zur Unterhaltung der Anwesenden bevi getragen. Gegen Abend schieden die Gäste mit dem Bewußtsein^ eine würdige Feier verlebt zu haben und als sie von dem hochgelegenen Festplatze in das herrliche Lumdatal herabmarschiertenj und der Weg am Friedhöfe vorbeiführte, mag mancher alter Veteran der Kameraden im Stillen gedacht haben, die die kühle Erde deckt- , i v □ Ulrichstein, 21. Aug. Die Aufbringung bezw. Garantierllng der zum Bahn bau Mücke-Ulrichstein sich selbst um die Regie verdient gemacht. Ter Besuch ist sehr zu empfehlen. Dr. G. Z. — Heber Frau Bayrhammer als „Frau von Pöchlaar" in Schönthan-Kadelburgs „Goldfischen" lesen wir in Kasseler Blättern: „Tie Künstlerin war von entzückender Anmut und traf den Ton süßer Schelmerei mit der gleichen Sicherheit, wie den für ernstere Empfindungen." In einem anderen Blatte he:ßt es: „Frau Bayrhammer verdient entschieden einen ersten Preis. Unsere Bühnenleitung hat in dieser jungen Künstlerin eine Kraft gewonnen, zu der man sie nur beglückwünschen kann. Mit einem reichen Toilettenaufwand hielten die innerlichen Eigenschaften Schritt, so daß die Figur der verliebten jungen Witwe ihren vollen Reiz ausübte. Wie sie das Bangen, durch ihren unbesonnenen eifersüchtigen Schrttt, die Liebe Erichs wieder zu verlieren, zum Ausdruck brachte, das zeugte von wirklich starker Innerlichkeit des Empfindens. Alles in allem eine Leistung, an der man seine Freude haben konnte." E. K. Die Büch er pro duktio n der Kulturvölker. 80 OM neue Werke werden alljährlich in folgenden 11 Staaten mit zusammen 314 000000 Einwohnern- veröffentlicht: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schwerz, Belgien, Holland, Dänemark,^ Norwegen und Vereinigte Staaten. Das macht im Durchschnitt ein Buch aus 3920 Einwohner. D:e Schweiz hält den. Rekord der Fruchtbarkeit: Aus 448 Schweizer kommt jährlich ein Buch! Es folgt Holland mit erneut Bande auf 1600 Einwohner, und weiter schließen sich mit folgenden Zahlen an: Dänemark 1618, Deutschland 2085, Belgien 2700, Norwegen 3146, Frankreich 3180, Großbritannien 4642, Italien 5320, Vereinigte Staaten 10171, Oesterreich- Ungarn 20 454. Das französische Blatt, das diese Zahlen zusammenstelltt bebt nocy besonders hervor, haß Militarismus als solcher sei man sich ja vollkommen einig. Tie deutsche Sozialdemokratie bekämpfe den Krieg und den Militarismus durchaus, aber sie könne und werde sich darüber hinaus nicht zu Schritten drängen lassen, die dem ganzen Parteileben, ja der Existenz der Partei im höchsten Maße ae- fähtlich werden könnten. Gustave H e r v 6 , mit Beifall und Zischen begrüßt, der zusammen mit Jaurös, Guösde, Vaillant die ftanzösische Delegation in der Sektion darstellte, führte auf diese Angriffe Bebels hin aus, er wisse nicht, ob wiEch der General st ab in Berlin seine Agitation mit so großem Interesse und solcher Freude verfolge, wie Bebel es' dargestellt habe. Aber das eine wisse er gewiß, daß die g an z e s o z ial ist is ch e W e l t mi t Erstaunen und.Trauer auf diegegenwärtigeHal- tung der deutschen Sozialdemokratie zum Militär :smus blicke. (Beweaung.) Die französische antimilitar. Propaganda sei in dem Augenblick brutal, rücksichtslos und wild geworden, als die russische Revolution ihren Höhepuntt erreichte und täglich die preußischen Bajonette auf die russischen Revolutionäre loszugehen drohten. W:r fragten uns, was wird dagegen die deutsche Sozialdemokratie tun und mußte:: fürchten, daß sie gegen so ein frevelhaftes Begmnn: nichts' als „das moralische Gewicht ihrer drei Mill. Stimmen in die Wagschale werfen" werde. (Große Heiterkett.) Dann kam die schreckliche Spannung der Marokkoaffäre, da die Kriegsfurie über Deutschland und Frankreich schwebte. Und wieder fragten wir uns, und wieder hatte die deutsche Sozialdenwkratie als Antwort nur das moralische Gewicht ihrer drei Millionen Stimmen. Bebel hat mich gütigst darüber belehrt, .daß die „Vaterländer" im gegenwärtigen Europa eine historische Tatsache sind. Aber ich habe von Bebel noch mehr Interessantes gelernt. In Amsterdam sagt er uns: Ob deutsche Monarchie oder französische Republik, ist ganz gleich. Genau dasselbe sage ich euch heute. Meine antimilitaristische Agitation sollte ein lauter Schrei, ein Warnungsruf an die deutsche Sozial- demokratie sein, ihrerseits ihre Pflicht für die Internationale LU tun und den Krieg unmöglich zu machen. Meine Agitation hatte den größten, durchschlagendsten, großartigsten Erfolg. (Heiterkeit.) Ist nicht schon das ein Erfolg, daß ich in jeder Stadt, in jedem Dorfe Frank- reichS dieJdee desVaterlandes verlachendurfte, ohne in Stücke gerissen zu werden? Ich verkenne die großen Verdienste von Marx und Engels, Lassale und Kautsky, Bebel und auch Bernstein — des einzigen, der in Deutschland noch Mut hat — durchaus nicht. Aber jetzt seid Ihr nur noch eine Wahl- und Zahlmaschine, eineParteimitMandaten undKassen. Mit dem Stimmzettel wollt Ihr die Welt erobern. Aber ich frage .Euch: Wenn deutsche Soldaten abgesandt werden, den Thron des russischen Kaisers wieder aufzurichten, wem: Preußen Frankreichs Proletarier überfällt, was werdet Ihr tun, was werdet Ihr tun?.? Und nun antwortet nicht metaphysisch und nicht dialektisch, sondern offen und klar, praktisch und taktisch: Was werdet Ihr tun? Was soll Euch im Kampfe gegen den Krieg der Stimmzettel? Ich weiß, im Jahre 1871 ging Bebel als Rebell ins Gefängnis. Aber jetzt fürchtet Ihr den Kampf mit der Regierung, habt picht mehr dm Mut, dem preußischen Zuchthaus zu ttotzen. (Rosa Luxem-burg: Das ist unwahr!) Sie meine ich natürlich nicht, aber sonst hört man nichts mehr davon, daß ein deutscher Sozialdemokrat Mut auch vor dem preußischen Gefängnis hat. (Bebel: Sie wissen ja gar nichts! Zehnmal mehr Gefängnis nehmen wir auf uns, als die französischen Antimilitaristen!) Nein, jetzt ist die ganze deutsche Sozialdemokrat:e verbürgerlicht und Bebel unter die „Revisionisten" von Marx gegangen, indem er sagt: „Proletarier aller Länder mordet Euch!" (Große Unruhe!) Ich war gespannt darauf, die deutsche So- zialdemokratte persönlich kennen zu lernen, die ich seit Jahren nur mit Achselzucken aus dem silbenstecherischen, haarspaltenden Kampf um die Auslegung von Karl Marx kannte. Jetzt habe ich sie in den Straßen Stuttgarts gesehen, die deutschen Proletarier: Meine naiven Illusionen sind alle zerstört, jetzt weiß ich den Wert ihrer radikalen Phrasen zu schätzen; es sind gute, heitere, zu- friedene satte Spießbürger. (Schallende Heiterkeit.) Der französische Generalstab ist durchaus moralisch entwaffnet; er weiß, daß der Krieg den Aufstarch des Proletariats bedeutet. Der Internationalismus der deutfchen Sozialdemokratie ist Lipp en dienst und Kongreßbummelei. Sie hemmt, sie erdrückt uns. Und so nehme^ ich an, daß bei dem Kadavergehorsam, den die deutschen Sozialdemol'raten dem Kais er Bebel entgegenbringen, sie dem Kaiser widersta::dslos in den Krieg folgen und ihre Bajonette auf die Brust der französischen Proletarier setzen werden, die die Barrikaden mit der roten. Fahne der Revolution verteidigen. (Unruhe und Lachen.) * .Die internationale Fr auen konf er enz kam nach zweitägigen, endlosen Debatten über das Frauenstimmrecht Leiter geforderten 370000 Mark begegnet in den interessierenden Gemeinden doch weniger Sympathie als man nach Lage der Angelegenheit anzunehmen glaubte. Ein großer Teil der Gemeinden glaubt mit der ersten Zeichnung ihrer Beiträge im Gesamtbetrag von 370 000 Mark und freie Gclände- stellung hinlänglich genug Opfer für die projektierte Bahn zu bringen. Auch wirkt die Aussicht des Bahnbaues bis nach Ulrichstein statt einer Durchführung nach Lauterbach in die Bahnbegeisterung hemmend. Ueberhaupt geht das allgemeine Verlangen nach einer Vollbahn von Mückc-Ulrichstein-Lauter- bach, die dann in der ebenfalls bereits projektierten Weiter» sührung Mücke-Marburg eine ganz andere Bedeutung gewänne. Für eine „Bimbelbahn^, wie man die Sekundärbahnen hier zu nennen pflegt, hat man angesichts der erforderlichen Opfer wenig Sinn imb Wille. -j- Lauter, 21. Slug. Auf dem Terrain des staatlichen Wasserwerks werden augenblicklich größere BaUmpflanzungen, Sitzplätze und ausgedehnte Anlagen ins Leben gerufen. + Lauterbach, 21. Aug. Unter außergewöhnlich starker Beteiligung der Wählerschaft fand geitern die Gemeinderatswahl statt. Von 704 Wahlberechtigten machten 381 von ihrem Stimmrecht Gebrauch, eine Zahl, die bis jetzt m unserem Städtchen noch nie erreicht wurde. Gewählt wurden Zimmcrmeisicr Henkcl mit 361, Kaufmann C. Finger II. mit 341, Metzgermeistcr Suppes mit 297, Hch. Krömmelbein VI. mit 204 und Spediteur Alp mit 168 Stimmen. Letzterer als Ersatzmann auf 6 Jahre. ]. Schotten, 21. Aug. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Bezirks-Lehrerverein Schotten auf dem reizend gelegenen Lehrerheim eine Familienkonferenz der Lehrer Oberhessens. Die Versammlung findet Samstag, 4. August, nachmittags 3 Uhr statt. Lehrer Floch, Rain- rod, hat einen der Bedeutung des Tages entsprechenden Vorrag übernommen. Wie alljährlich, so gibt auch Heuer wieder diese Ludwigstag-Konferenz allen Freunden des Lehrcrheims willkommene Gelegenheit zu zwangloser, fröhlicher Zusammenkunft. «= Rudingshain, 20. Aug. Unser Dorf ha Telephonanschluß nach Schotten erhalten. § Vom Vogelsberg, 21. Aug. Die Getreideernte wird sehr erschwert durch das ungünstige Wetter, da§ noch genau so unbeständig, regnerisch und kalt ist, wie beim Aus dem Jahresbericht der Handelstammer Friedberg. IV. < Industrie und Gewerbe. Möbelfabrik. Ter Absatz in Massenartikeln war ein befriedigender, die Preise jedoch nicht entsprechend den erhöhten Herstellungskosten. — Tie Fabrikation von kunstgewerblichen Gegen- ständen nahm weitere Ausdehnung und sand in Holz- und Emaille- artikel bereits Export nach Frankreich statt. Mineral b ru nn en. Diese Branche krankt an lieber- Produktion und sucht seit Jahren vergeblich eine Einigung zu Stande zu bringen, um der andauernden Unterbietung der Preise ein Ende zu machen. Al ü h l e n. Die wachsende Konkurrenz der Niesenmühlen erschwert rnunermehr das Geschäft unserer mittleren und kleineren Betriebe und sind gerade in letzter Zeit wieder einige mittlere Mühlen unseres Bezirks eingegangen. Man fordert in den Kreisen dieser Mühlen die Einsührnng einer Umsatzsteuer, eine Verbilligung der Gelreidefracht und Erhöhung der - Mehlfracht und Kontingentierung des Mahlquantums der großen Mühlen, sowrc größere Kontrolle des ausländischen Getreides, über dessen Unreine irnmer- mehr geklagt wird. P a p i e r i a b r i k a t i o n. Bei allgemeiner guter Beschäftigung — besonders für den Export — hält das Mißverhältnis in den Preisen der Nohmaterialien und Preise noch an. Pappenfabrikation. Diese für unseren Bezirk junge Industrie war zufriedenstellend beschäftigt bei sehr gedrückten Preisen, deren Erhöhung bald notwendig ist. Photographische Papiere. Der Absatz lichtempfindlicher Papiere zeigt weitere Steigerung, ivährend der von Albuminpapiere langsatn zurückging. Schuhfabrik. Bei ziemlich gutem Umsatz war ein den erhöhten Rohmaterialien entsprechender Aufschlag für das Produkt nicht zu erzielen. Woll-Spinnerei. Bei flotter Beschäftigung waren infolge der großen Konkurrenz, des Aufschlages der Rohmaterialien und der gestiegenen Kosten entsprechende Preise nicht zu erzielen. Wolle bleibt weiter steigend. Ziegeleien. Der Absatz besserte sich int Laufe des Sommers, dagegen blieben die Preise der Russensteine trotz der erhöhten Löhne stabil. Z u ck e r f a b r i k a t i o n. Die enorme Produktion ivurde durch einen stärkeren inländischen Verbrauch, vor allem aber durch den infolge der Cubawirren entstandenen flotten Export nach Nord- Amerika glatt untergebracht. Die Preise für 88°/ggen Rohzucker stiegen bis auf 10 Mk. in Magdeburg. Nach Beendigung der cubauischeu Wirren trat wieder ein größerer Rückschlag ein, der die Preise bis Ende des Jahres wieder auf ca. 8.50 Mk. zurückgehen ließ. — Eine Fabrik unseres Bezirks wird ihren Betrieb in der neuen Campagne einstellen und erscheinen uns die Aussichten dieser Industrie für die Zukunft sehr ungünstig. Beginn des Sommers. Das Korn hat man sehr rasch ein» gefahren; noch steht aber auch solches auf dem Felde, ja wird noch geschnitten. Jetzt reifen Weizen und Gerste, während der Hafer noch meist grünt. Letzterem ist das nasse Wetter am meisten zu gute gekommen; sein anfänglich schlechter Stand ist einem üppigen Wachstum gewichen. Ueberhaupt sind die Ernteerträge gut bis recht gut zu nennen. Das Korn hat schwere Aehren und vollkommene Körner; der Weizen ist besonders gediehen. Zu Klagen hat der Landwir trotz des schlechten Sommers keine Veranlassung. § Vom Vogelsberg, 21. Aug. Zwischen Birstein und Hartmannshain strebte man die Errichtung einer Automobiloerbindung an. Man hat nun diesen Plan fallen gelassen; statt dessen aber plant man eine zweimalige Fahr- po st Verbindung zwischen beiden Orten. Diese Post soll von Birstein über Fischborn, Lichenroth, Vetzberg nach Hart- mannShain führen. — In Lichenroth wird gegenwärtig eine Wasserleitung hergestellt, die zu 35 000 M. veranschlagt ist. — In Arnsheim sind unter den Schulkindern die Masern und der Keuchhusten ausgebrochen, die Schule mußte geschlossen werden, da von 66 Kindern 47 krank sind. sd Darmstadt, 21. Slug. Ein französischer Luftballon ist gestern bei Wiebelsbach i. O. gelandet. Die beiden Insassen konnten sich bei dem Versand der Hülle mit den Stationsbeamten so wenig verständlich machen, daß ihre Abreise nach Darmstadt nur mit Mühe erfolgen konnte und der Bahnbeamte nach Darmstadt telephonierte. Hier wurdne, weil man in ihnen französische Offiziere vermutete, durch die Bahnpolizei und einen höheren Bahnbeamten ihre Personalien festgestellt. Sie waren Vertreter einer französischen Ballonfabrck bei Paris. -o- Dorlar, 20. Aug. Auch hier wurde die wirtschaftliche Zusammenlegung der Grundstücke beschlossen. Der Flächenrauur der Gemarkung beträgt 548 ha, worunter sich 159 ha Wald befinden. Die Bewohner beschäftigen sich mit Ackerbau und Viehzucht, daneben sind auch viele an der Bahn bedienstet. Ueberhaupt huldigt unsere Gemeinde dem Fortschritt. Mit einem großen Kostenaufwand wurde eine Güterverladestelle geschaffen, die auch den benachbarten Genieinden Atzbach und Waldgirmes zugute kommt. Dazu baut zurzeit die Gemeinde eine neue Schule. X Groß-Rechtenbach, 20. Aug. Für unsere 106 Schüler wurde mit Ostern eine 2. Klasse eingerichtet. Rach wie vor sind aber die beiden Lehrer auf einen Schulsaal angewiesen. Erst mit Beginn des Winterhalbjahres soll das bisherige Gemeindezimmer als Unterrichtsraum für die eine Klasse benutzt werden. Auch hier sieht der Schulhaus- Neubau in Aussicht, zumal auch Lehrerwohuungcn geschaffen werden müssen. — Greifenstein (Dill), 20. Aug. Gegenwärtig werden unter Leitung des Fürstl. BraunfelSschen Baumeisters Seiler an unserer Burgruine Aufräumungsarbeiten vor- genominen. In 10 Jahren gedenkt man sämtlichen Schutt zwischen den Ueberblcibseln der Feste beseitigt und die einzelnen Mauerteile für längere Zeit vor weiterem Verfall gesichert zu haben. Eben i|t man damit beschäftigt, denMünzturm in Stand zu setzen. Das hier einst geprägte Geld hatte eine tellerförmige Gestalt. Verschiedentlich hat man hier solche Münzen gefunden und dem Fürstl. Solmsschen Archiv in Braunfels zur Aufbewahrung übergeben. Auch Geschosse, Lanzen, Waffensplitter re. hat man schon aus dem Schutt heroorgebracht. Der Eingang zu einer unterirdischen Rößmühle liegt frei. Es führen etiva 20 Treppenstufen in die Tiefe. In dem oberen Teile dieser eigenartigen Mühle bemerken wir 5 und in dem unteren 4 Schießscharten, deren Bildung besonders interessiert. Die Mauerdicke beträgt annähernd 5 Meter. Die größte Slusmerksamkeit lenkt der auf einem Turm befindliche Greif auf sich. Er besitzt Adlerkopf und -Flügel, Löwentatzen und einen Schlangenschwanz. Es ist zu schade, daß nirgends ein Plan zu finden ist, der uns den Greifenstein in seiner ursprünglichen Gestalt zeigt. Aber immerhin wird man sich nach Beendigung der jetzt planmäßig ausgeführten Arbeiten ein Bild von unserer Burg machen können. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 20. Aug. iin Unverbesserlicher. Im verflossenen Frühjahr kam der Schreiner I. St. aus Gettenbach nach Friedberg, um in einer Möbelfabrik um Arbeit nachzusuchen. Als seine Annahme erfolgte, bat er um 2 Mark Vorschuß, um seine angeblich an der Bahn befindlichen Effekten abholen zu können. Nachdem ihm das Geld behändigt war, begab er sich in die Wohnung eines ihm bekannten Arbeiters, wo er dessen Frau antraf. Dieser gab er an, er sei in Not und habe kein Geld, um das an der Bahn befindliche Gepäck einzulösen, sie möge ihm doch 2 Mark geben; sobald er die Arbeit angetreten habe, werde er sich Vorschuß geben lassen und das Geld zurückerstatten. Er bekam auch hier den erbetenen Betrag, aber statt seine Arbeit aufzusuchen, fuhr er nach Hanau und mietete sich ein Zimmer mit Kost, indem er angab, er stehe da in Arbeit. Tatsächlich trieb er sich aber beschäftigungslos umher, um dann, als ihm der Boden zu heiß wurde, zu verschwinden ohne Kost und Wohnungsmiere zu begleichen. Hierfür und wegen eines weiteren zu Frankfurt a. M. begangenen Betrugs, ist er inzwischen abgeurteilt worden, welche Strafen er zurzeit in der Strafanstalt Lichtenburg verbüßt. Nach seinen Angaben hat ihm ein Betrug fern gelegen; Bekannte in Hanau hätten ihn davor gewarnt, in der genannten Fabrik zu arbeiten, weshalb er nicht nach Friedberg zurückgekehrt sein will. Er ist aber nicht in der Lage, die Leute zu nennen, die ihn von seinem Vorhaben abgebracht haben. Unter diesen Umständen und mit Rücksicht darauf, daß er die letzten fünfzehn Jahre fast ausschließlich wegen Betrügereien in Gefängnissen und Zuchthäusern zugebracht hat, ging das Gericht wohl nicht fehl, wenn es annahm, daß der Angeklagte von vornherein die Absicht hatte, nicht in Arbeit zu treten. >.Es wurden ihm wegen Betrugs im wiederholten Rückfalle je 6 Monate Gefängnis zudiktiert, die in 8 Monate Zuchthaus umgewandelt mit 4 Monaten auf die in Frankfurt a. M. und Hanau erkannten Strafen aufgerechnet wurden, was eine Gesamtstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus ergab. Gleichzeitig wurde auf eine Geldstrafe von 150 Mark erkannt, die im Uneinbringlichkeitsfalls mit 15 Tagen Zuchthaus zu verbüßen ist und ihm weiter die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkannt, sowie die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht ausgesprochen. Vertagt. Dem Landwirt G. Sch. von Geiß Nidda ist zur Last gelegt, daß er Kaufschillinge von Liegenschaften, bezüglich derer die Verkaufsverhandlungen noch nicht abgeschlossen waren, an die Langsdorfer Spar- und Leihkasse zediert hat, um so auf betrügerische Art und Weise in den Besitz von Geld zu gelangen. Nachdem ihm dieses gelungen war, soll er unter den nämlichen Umständen die Kasse seines Heimatsorts um einen größeren Geldbetrag geschädigt haben. Die Sache war ohne den früher in der Angelegenheit tätig gewesenen Revisionsbeamten nicht aufzuklären, weshalb Vertagung auf nächsten Freitag nachmittags 3 Uhr eintrat, wozu der genannte Beamte geladen wird. vermischt«». * (Sine brütende Frau. Die Sonne hat zwar in diesen Hundstagen uns nicht gerade durch sengende Glutstrahlen verwöhnt und die Phantasie in ungewöhnlichem Maße angespornt, trotzdem wird in Schleswig-Holstein ein Hundstagsgeschichtchen kolportiert, das sich tatsächlich im Amtsbezirk Rapstedt zugetragen haben soll: Die Henne einer Bauernfrau hatte diese zur üblichen Zeit durch eine Anzahl Küchlein erfreut, war aber nicht dazu zu bringen gewesen, noch länger auf zwei Eiern sitzen zu bleiben, denen die Insassen noch nicht entschlüpft waren. Was tun? Auf den Rat kluger Frauen beschloß die junge Frau, das Brut- geschäft persönlich zu Ende zu führen und die Kücken durch die eigene Körperwärme zum Ausschlüpfen zu bringen. Sie wickelte die Eier in ein Stück Watte und legte das Päckchen unter ihre Bluse; das war am Morgen. Am Nachmittag aßen einige Frauen, darunter unsere angehende Kückenmama, bei einer Nachbarin gemütlich plaudernd bei Kaffee und Kuchen, als plötzlich das lebhafte Gespräch wie auf Kommando ins Stocken geriet, denn „Piep, Piep" erscholl es mit einem Male, und das Piepen wiederholte sich, obgleich der bis dahin so gesprächige Mund sämtlicher Kaffeeschwestern fest geschlossen blieb, dafür die Augen argwöhnisch um so lebhafter umherflnnkerten, bis sämtliche Augenpaare sich auf die »brütende" junge Frau vereinigten, deren Antlitz eine Blutwelle nach der anderen überflog. Des Rätsels Lösung ergab ich denn nach verlegenem Hin und her mit der Feststellung, daß zwei muntere Küchlein an so ungewöhnlicher Stelle das Zehen Sie, meine Herren, ich bin überzeugt @e daß ich heute sterbenskrank wäre, hätte ich gestern, als ic I g in die Schneespalte fiel und erst nach drei Stunden roicoc heraus kam, nicht eine SchachtelFays ächte Sodener Minera Pastillen bei mir gehabt. Ich bad die ganze Schachtel au B gebraucht, das ist wahr, aber ich bin dafür auch ohne E' 3 kältung davongerommen und das ist doch die Hauptfach 8 Lernen Sie an meiner Erfahrung und versäumen Sie nl' I Fays ächte Sodener zum Reisegepäck und in den Ruckia zatdot zu stecken. Die Schachtel kostet 85 Pfg. und ist übera WW erhältlich. vh" I Licht der Welt erblickt hatten. Die bei der Kaffeesitzunq durchlebten peinlichen Minuten sind aber der jungen Frau f3 ungemütlich gewesen, daß sie sich vorgenommen hat, re§ me wieder zu tun". Universitäts-Nachrichten. — D i e Zahl der deutschen Universitätslehrer betrug ivährend des letzten Semesters 3132. Darunter sind 123. ordentliche und 729 außerordentliche Professoren, 116 Honorar. Professoren und 1054 Privatdozenten. An der Spitze der beutfcbci' Universitaten steht Berlin mit 477 Dozenten; dann folgen Münchc., mit 226 und Leipzig mit 224. Die geringsten Zahlen weisen Rostow mit 61, Erlangen mit 69 und Münster mit 73 ans. Gießen zäh!, 93 Lehrkräfte. Die meisten Privatdozenten befinden sich in Berlin wo nicht weniger als 245 dozieren. Erst in weitem Abstand folger München mit 81 und Bonn mit 71. Gießen hatte 19 Privatdozentei! Kandel. — 3proz. Deutsche Reichsanleihe. Tie Zprozenti^ Deutsche Reichsanleihe hat am Montag ihren niedrigsten Stand mit 81,10 erreicht; an gestriger Börse stand sie 81,25. Sie steh, gegenüber dem Kurs im Emissionsjahr 1895 um ca. 20 Prozeß schlechter, gegenüber der kritischen Zeit in 1901 um ca. 5 Proz. und 8 Proz. niedriger als i. V. Märkte. -th. Gießen, 22. Aug. Der Austrieb auf dem gestrige! Sch weine markt bestand ans ca. 600 Ferkeln und Saufet. Der Handel war überaus flau und war nur in Läufern und Einleg. schweinen ein Geschäft zu machen, wobei die Preise sich ziemllä hoch hielten. Ferkel waren fast unverkäuflich. Es wurden ge handelt: Ferkel, 5—8 Wochen alt, Mk. 27—35, dis 13 Woche?, alte Ferkel Mk. 40—60, Läufer Mk. 80—100, stärkere Läufe: Alk. 120—140, das Paar Einlegschweme wurden das Stück mi; Mk. 75—85 bezahlt. Fette Schweine werden in der Gegend nv; Mk. 53—55 lebend oder Schlachtgewicht mit Mk. 70—72 der Ztnr bezahlt. Nächste Marktage 3. und 4. September. Am 4. Seu fernher H e r b st - P f e r d e m a r k t. ? Gedern, 20. Ang. Der heutige Sommermark. (Schweinemarkt) war gut befahren und emwickelte sich alsbald ei lebhafter Handel. Die Preise waren ziemlich hoch und bestand bt sondere Nachfrage nach Schweinen der englischen Rasse. Seitz Wochen alte Ferkel wurden durchschnittlich mit 30—40 Mau 10 Wochen alte mit 46—60 Mark, sogen. Läufer mit 80—120 Mat das Paar bezahlt. Limburg a. d. L., 21. Aug.. Fruchtmarkt. Durchschliitts- preise pro Alalter. Roter Weizen (Nassauischer) 00.00 Alk., weißu Weizen 00.00 Alk., Korn (neu) 14.40 Mk., Gerste 00.00 Alk., Hasri 00.00 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 7.00 Alk. Uirehiiehe Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdienfl in der Synagoge (Südaulage). Samstag, den 24. Aug u st 1907; Vorabend 7.15 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Schrifterklärung. Sabbatausgang 8.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 24. August 1907: Freitag abend 7.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.15 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.00 Uhr. jamilien41aiv^^kn. Geborene: Herrn Oberlehrer Reuter in Friedberg eint Tochter. Herrn Lehrer Rochelmeyer in Vadenrod ein Sohn Han^ Verlobte: Frl. Mathilde Göbel mit Herrn Heinrich Spou beide in Wetzlar. Frl. Friederike Gruner mit Herrn Wilhelm Jc'- beide in Laubach. Verstorbene: Herr Gastwirt Peter Schäfer in Altenkirch^! Lehrerin Frl. Thekla Engel in Biedenkopf. Fran Katharine (Srauei geb. Schwarz in Butzbach. Herr Invalide Philipp Hubert 1. n> Klein-Altenstädten. Herr Schneidermeister Adolf Locke in Wetzla. Frau Marie Fittica geb. Schier in Marburg. Frau Brunnen- meister Stork Wwe. in Eibelshausen. Herr Pfarrer Rndo!^ Baustädt m Marburg. Herr Heinrich Matthäi in Marburg, H'aroluie Müller Wwe. geb. Klein in Usenborn. Frl. Elisabeih^ Kasper in Reibertenrod. Herr Caspar Schwaner in Marburg. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für llandvi und Industrie, Giessen. Frankfurter Rör.ie, 22. Aug., 1.15 Uhr. 3j^°/0 Reichsanleihe . , 92.001 Eiektriz. Lahmeyer . . . 113 2 3% do. . . 81.20 Eiektriz. Schuckert . . . 95" 3^70 Konsols .... 92.20 3% do. .... 81.30 3J4°/o Hessen .... —.— 3>£°/o Oberhessen . . . 90.00 4-6 Oesterr. Goldrente . 97.10 4l/6 % Oesterr. Silberrente 96 40 456 Ungar. Goldrente . .-- 456 Italien. Reute . . . 103.00 356 Portugiesen Serie I . 66.00 356 Portugiesen „ III 66.50 4)60/'q russ.Staatsanl. 1905 90.60 456% japan. Staatsanleihe —.— 456 Conv.Türken von 1903 93,00 Türkenlose......138.20 456 Griech. Monopol-Anl. . 46.30 4% ävs>ere Argentinier . 80.60 3% Mexikaner < . . 60.70 456% Chinesen .... 94.40 Aktien: Bochum Guss..... 203.50 Buderus E. W. . . . . —.— Tendenz: etwas fester. Eschweiler Bergwerk . . 1963 Gelsenkirchen Bergwerk . 188.m Hamburg-Amerik. Paket!. 124.91 Harpener Bergwerk. . . 188a< Laurah litte......216.5 Nordd. Lloyd . ... 108? Obeischles. Eisen-Industrie 95 -" Berliner Handelsges. . . 148 Darmstädter Bank . . . 124.11 Deutsche Bank . . . , 220.1 Deutsch-Asiat Bank . . 138 > Diskonto-Kommandit. . . 166,- Dresdner Bank . . . 135.25 Kreditaktien.....196 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn ..... 89.3C Gotthard bahn..... Lombard. Eisenbahn . . 29 ’ Oesterr. Staats bahn . . . 1367' Piince-Heuri-Eiseubahn . 123,ik Berliner Börse, 22. Aug. Anfangskurse. Canada E. B. . . . . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwächer. 159.00 123.70 220,60 61.30 135.40 Harpener Bergwerk. Laurahütte . . Lombarden E. B. . Nordd. Lloyd . . . Tiirkenlose . . . . 187.41 . 217.01 107.71 . 139.0l n — Wintprlf lir für Kranke. Warme geschützte Lage gg 01,1101 ,UI am Südabhange des Taunus. Behag- SCfiB* ■«. ««« —lieh eingerichtete kleine Anstalt, «Tag Spezial Heilanstalt. Central-Hef (Epp w «e B S™ zung u. Beleuchtung, geheizte Liege- H BTW B H ö halle und Corridore. Sorgsame ■ «2 ■ W n ss Behandltinir und Verpflegung. Diätkuren. (D^pendanc^ tür Minderbemittelte.) Prospekte franko- Dr. HI. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt. Sanatorium Hofheim im Taunus.