te* 246 Vicrres ItKMnt mit Ausnahme des Sonnr^Xg?. L5?. Jahrgang Blatt Redaktion, Crvedition und Druckerei: Schul- strave 7. (Srpebihon und Derlaq: 51. Redaktwm112. Tel.-Abru AnzergerGießen. Die ^Sietzener FamiUerrblStler" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da2 Krebblatt ?ßi den Kreis Gietzen" zweimal sSchenttrch. Der „hesstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Samstag 19. Oktober 1907 Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitäts - Buch- und Stemdruckerei. ,9L Lange, Gießen. politijd?c CeÄgesjcdLsrL. Für die Zigarren-Banderolensteuer tt Tritt Lebhaftigkeit ein Dr. Lißner in einer Disser- ! ion ein, die im staatswissenschaftlichen Seminar von i £>i- Breslau entstanden ist. Lißner nimmt eine i ondere Autorität für sich in Anspruch, weil er sich seinen ltswirtschöstlichen Studien erst nach 15jähriger Tätigkeit s widmet habe. Er betrachtet in seiner Dissertation, wie r der „Köln. Ztg." entnehmen, eine weitere Besteuerung Tabaks als selbstverständlich und kommt zu dem Schluß, - ß der Weg des deutschen Tabaksteuer-Reformers nur k Zigarren-Banderole führen könne. Aus dieser Ban- jolenftcuer will er ein Plus von 50 Millionen I ar! herauSschlagen. Die „Köln. Ztg." ist sehr befrie- kt von Lißners Ausführungen und plädiert gleichfalls ; eine erhöhte Tabaksteuer schon im Interesse der aus- -ichenden Gerechtigkeit. Denn nach dem Inkrafttreten \» neuen Zig ar ettensteuerges etzes sei sogar der feine Tabak i ch geringer besteuert als die gewöhnlichen Zigaretten, tts rheinische Blatt vergißt nur, so bemerkt hierzu die ■rff. Ztg.", daß der Effekt einer besonders hohen Be- I mng des Zigarettentabaks ausdrücklich dem Gesetzgeber ; Erlaß des Gesetzes vom Jahre 1906 vor geschwebt hat, । il man aus einer Reihe von Gründen dem Konsum c Zigarren vor dem der Zigaretten den Vorzug geben i müssen glaubte. Den deutschen Tabakinteressenten aber [ cd es wenig angenehm sein zu hören, daß man sich schon I eder ernsthaft den Kopf darüber zerbricht, wie man die > idakinduslrie schröpfen kann. Bon den verantwortlichen । eilen des Reichs ist zwar eben noch versichert worden, i ß an neue Steuergesetze im Reiche und insbesondere eine Tabaksteuer zurzeit nicht gedacht werde. Aber itzdem weiß man nicht, was demnächst kommen kann, d deshalb wird es angebracht sein, beizeiten den auf die fürwortung der Zigarrenbanderole gerichteten Bestrebrm-- a entgegenzntreten. „Wie Polen lieben und hassen!" Die „Post" schreibt: „Grundfalsch ist es, mit der pol- l'ctycn tyrage andere Fragen der inneren Politik ver- üpsen zu wollen und die Haltung der Polenpolitik gegen- er abhängig zu machen. Selbst die Sozialdemokraten ben eingesehen, daß alles Tun und Trachten der Polen f Gründung eines neuen Polenreiches gerichtet ist und ben sich auf dem Parteitag in Essen geweigert, diese ationalen Bestrebungen' weiterhin zu unterstützen. Was er die Sozialdemokraten nicht mehr tun wollen, das t leider ein Teil des deutschen Zentrums mib ein er- .-ulicherweise recht kleiner Bruchteil der deutschen Freü- tnigen immer noch. Das Zentrum will im Osten wußens, wie der Abgeordnete Bachem einmal offen wäh- nd seiner Anwesenheit in Posen ausgesprochen hat, seinen reiten breiten Fuß auf preußischen Boden setzen, da es rchtet, daß es auf die Dauer auf dem einen Fuße, der "t aus dem Westen steht, doch ein wenig inS Schwanken mm en könnte. Aus diesem Grunde stellt sich ein Teil s Zentrums auf die Seite der offenen Feinde Deutsch- nds! Versteckter Krieg ist aber im Osten seit Jahr- hnten der dauernde Zustand; die Polen sind bereit zum jenen Losschlagen und lauern nur auf eine 'günstige Gelegenheit. Wenn sie sich in der Macht befänden oder die Deutschen nur einmal ins Unglück kämen! Da würden die Polen den Deutschen zeigen, wie man den Augenblick ausnützt, während die Deutschen ein Jahrhundert der Macht ungenützt verstreichen ließen. Man muß es aber selbst aus persönlicher Anschauung heraus erfahren haben, wie des polnischen Volkes ganze Sehnsucht auf Deutschlands Unglück gerichtet ist. Der Priester redet von diesem Uw glück mit seinem Schäslein, der Edelmann mit dem Bauer, die Frau mit ihrem Manne. Ein Beispiel für viele. In Posen lebt eine Familie mit deutschem Namen, deren Mitglieder sich aber durch den Vater, der eine Polin heiratete und zum Katholizismus überging, als Polen ansehen. Das hindert sie allerdings nicht, daß die Töchter für deutsche Familien arbeiten und der Sohn eine Stelle aus einem Regierungsbureau entnimmt. Im langen Verkehr mit den Deutschen wußten diese Polen sich aus Geschäftsinteresse zu beherrschen, bis bei einer Gelegenheit einmal ihre wahre Anschauung zutage trat. Da wußten die Frauen zu sprechen von den „deutschen Hunden", mit denen die Polen niemals Frieden schließen würden, und selbst wenn es die Männer wollten, so würden dies die Frauen niemals zulassen. Sie wußten zu erzählen von dem neuen Po lehrreiche, das ganz bestimmt kommen werde, und zwar bald, denn bald schon werde Deutschland in einen schweren Krieg verwickelt werden, und alsdann habe England den Polen seine ganze Flotte zur Verfügung gestellt, auf der die Tausende von polnischen Kriegern, die sich in Amerika für die heilige polnische Sache mit Flinte, Speer und Schwert ausgebildet, sofort nach Europa befördert würden, um die Deutschen vertreiben zu helfen. Ernsthaft sagen die Frauen das, mit einem fast erschreckenden Fanatismus und ohne zu stocken, so daß man merkt, es handelt sich um ein Thema, das schon oft von ihnen behandelt worden ist. Sind die Frauen etwa selbst auf derartige Gedanken gekommen? Nimmermehr — sie sind ihnen vorgepredigt worden von ihren polnischen Priestern, unter deren Einfluß sie stehen; sie sind ihnen erzählt worden von den Agitatoren auf den kleinen geheimen Versammlungen, zu denen die polnischen Frauen so gern ihre Schritte lenken. Erzählungen sind das, die unter den Polen von Mund zu Mund gehen, von dem Volke fest und sicher geglaubt werden, aus denen das Volk seine Zukunftshoffnung fangt, mit denen es feinen Haß führt gegen alles, was deutsch heißt. Zum Losschlagen bereit wären alle Polen genau in dem Augenblick, wo ein Unglück Deutschlands Kraft behindern würde. Das sollte sich jeder Deutsche vor Augen halten und danach sein Verhalten ben Polen gegenüber einrichten. Bis heute tun die Deutschen, die doch in der Macht sind, noch lange nicht genug, um den Stunden der Gefahr im Osten vorzubeugen!" ♦ Der zweite deutsche Arbciterkongreß. Am Sonntag tritt zu Berlin der zweite deutsche Arbeiterkongreß zusammen. Als vor nunmehr vier Jahren zu Frankfurt a. M. der erste sich versammelte, hatte er mit starkem Mißtrauen von hüben und drüben zu kämpfen. Der grundsätzlichen sozialdemokratischen Unduldsamkeit galten die, Christlichen" wie die „Hirsche" schlechthin als „Unternehmerfchutztruppc"; auf der anoeren Seite nahm man hier und da Anstoß an der Unverbindlichkeit des Tons, dem selbstbewußten Austrumpfen, das stellenweis den Kongreß beherrscht halte. Ganz jiiw Die je viet-eiau mehr ä,che- tischeu a!S politischen Bedenken auch heute noch nicht geschwunden. Man wird sich noch des Auss^ruchev des preußischen Herrn Hanoetoministers erinnern,'der im Vorjahre einmal beweglich darüber flagie: in den christlichen Arbeiterversammlungen toürrcn öie-weuen Reden geführt, die sich schlecht mit oem Kiuftchoch vertrügen, jie nach Brauch und §er!ommen attemal eröffne. Gelegentlich verstimmte — und das wohl mit mehr Recht — an oiesen christlichen und nationalen Arbeiterorganifationen aber noch etwas anoereS: mitunter stellten sie sich in dem psychologisch durchaus verständüchen Wunsch, in ixr Betretung von Ar- beiterintevessen nicht Zurückzustehen, und sich ja nichts zu vergeben, mit den soziatdemotra lisch en Organisationen auch da in Reih und Glied, wo es sich um spezrstft.) sozialdemokratische Machtansprüche handele. Wir wissen, daß man aus solchen Beobachtungen heraus wohl manchmal gerufen hat: lieber die Sozi als die Christlichen! Aoer das sind Verstimmungen, wie sie aus örtlicher Reibung und Rivalität leicht entstehen. Noch hasten der Bewegung mancherlei Eierschalen an; noch zeigt sie mitunter sich ungelenk, anl. bebürftig und unselbständig. Aber das wird sich geben, je mehr sie erstarkt und der eigenen Originalität sich bewußt wird. Schon heute stehen in ihren Rechen etwa eine halbe Million Arbeiter. Das ist immerhin eine Macht, die das Gesetz für ihr Borgehen getrost in sich selbst suchen darf. In diesem Sinne — als eine Etappe auf dem Wege zur Erstarkung und Verselbständigung der natwnalen Arveiter- organisatronen — begrüßen wir Den ar;.. Sonntag anhebenden Kongreß mit sympathischer Anteilnahme. Wenn er vorüber ist, werden über Ergebnisse und Bedeutung noch ein paar Worte zu sagen sein. AvszkZ L!tS iikZ Llkbrrss»>!srrzMr« ütr Stsii Kjrz«. Aufgebote. Oktober. 12. Karl Becker, Taglöhner, mit Helene Muhm, beide in Stauienberg. 14. Ernst Kaper, Oberkellner in Wetzlar, mit Diargarete Wmnecker dahier. 15. Richard Lüdtke, Rechtsanwalt imb Notar in Recklinghausen, mit Anna Atachaleu dahier. 17. Friedlich Henne, Lokomotivheizer, mit Emma Gräi, beide dahier. 18. Wil» heim Spengler, Bahnarbeiter in Klem-Lünden, mit Katharine 'Müller dahier. Eheschließungen. Oktober. 12. Dr. phü. Otto Saame, Chemiker, mit Auguste Elisabeth, gen. Else Schellhaas, beide dahier. 12. Karl Stickel, Kaufmann dahier, mit Emilie Emma Emmeline Augnsle Tina Hillerl in Ätainz. 12. Friedrich Stickel, Techniker, mit Johanna Stuhl, beide dahier. 12. Johannes Fleischhauer, Bahnarbeiter, mit DZatta Schäler, beide dahier. 12. Heinrich Benz, Formermeister in Fulda, mit Anna Kreiling dahier. 12. August Keppler, Schmiedemeister, mit Luise Walther, beide dahier. 12. Eduaro König, Kaufmann in Fraiikiurt a. 3)L, mit Elisabeths Walther dahier. 17. Wilhelm Reusch, Uhrmacher und Goldarbeiter, mit Marie Steinbach, beide dahter. Geborene. Oktober. 7. Dem Musiker Karl Schneider eine Tochter, 9)1 ar-1 garete Karoline. 8. Dem Postschaffner Heinrich Münch ein Sol-n, Karl Philipp Rudolf. 9. Tem Glaser August Kopp eine Tochter, Marie Anna Susanne. 10. Tem Schloffermeister Heinrich Schön ein Sohn, Heinrich Ludwig. 13. Dem Flnanzaspiranten Ernst Lehr eine Tochter, Ottilie Anna Karolina. 15. Dem BäckeriTreister Ludwig Atüller IV. eine Tochter. Gestorbene. Oktober. 11. Karl Traugott Seifert, 81 Jahre alt, Lokonwtiv- führer i. P, Neuen Baue 5. 13. Dtarie Lony, geb. Kuntz, 51 Jahre alt, Bahnhofstraße 27. 13. Heinrich Kern, 67 Jahre alt, Bahnwärter i. P., Kirchenplatz 12. 14. Wilhelm Krere, 61 Jahre alt, Werkführer, Klinikstraße 22. 15. Karl Heller, 3 Wochen alt, Schützen- slraße 37. 15. Heinrich Schlierbach, 30 Jahre alt, Schriftsetzer, Lndwigstraße 8. 17. Marie Becker, 7 Atonale alt, Neustadt 49, Aus Liebigs Leben. In der schönen Festschrift unserer Universität zu ihrer r?ihundertjahrfeier widmet ihrem berühmtesten Lehrer ib dessen Beziehungen zu Gießen Kurt-Brand einen Artel, der manches neues Material zur Lebensgejchichte des :oßes Chemikers beibringt. Besonders hell tritt die Liebe und Anhänglichkeit des elehrten an die Universität und sein hessisches 5-eimatland ährend der zahlreichen Berufungen hervor, die ihm bald )n verschiedenen Seiten zuteil wurden, nachdein sich sein us als vorzüglicher Lehrer und glänzender Forscher schnell .‘rbreitet hatte. Liebig war bereits bei seiner Studienreise ach Paris vom Großherzog Ludwig I. tatkräftig unterstützt orden, und nachdem er sich die Teilnahme und Für- >rache Alexander von Humboldts erworben hatte, mit tum 21 Jahren zum außerordentlichen und kurz daraus im ordentlichen Professor der Chemie in Gießen ernannt orden. Der junge Professor gestaltete nun den chemischen nterricht an der Universität völlig um und betonte be- rnders die beim Chemiker so notwendige Verbindung von Sijj’en und praktischem Können, so daß er bald eine große sthor ton Schülern um sich versammelte. Doch das Lich^, nb dieser Stern am wissenschaftlichen Himmel aus strahlte, nir zu groß, um nicht bald allenthalben die Blicke der elehrten Welt und auch der Regierungen auf fich zu ziehen, nd es dauerte nicht lange, bis glänzende Versprea-ungen iebig für größere Hochschulen zu gewinnen sucyten. Boran ing wohl die belgische Regierung, ISoo erhielt -}ebig inen Rus an die Universität Antwerpen. Die hessische legicruna erkannte, welchen Verlust ihre Landesumversitut urch den Fortgarig ihres stärksten Magneten erlewen )ULue. Sogleich beantragte das Ministerium eme Ge- altserhöhung für Liebig, durch dessen „Bemuhung und Bligkeit des chemische Laboratorrum emen Aufschwung ciümmeTt unb eine Stufe errercht habe, auf eer es sich 'über nicht befand, so daß es als eine Schule für Lhennker nur in UtfAtanb, sondern auch im Ausland be- ■ Trf)tct werde " Di- Forderung wurde auct) bewrllrgt, aber sich 1 12 Stück 1 Mart. f ^mWäldßcb^uijttil6 12 Stück 1.65 Mark. * Adler-Drogerie, Seltersweg z 2 61921 EI-chLe fe-ekÄiaf. , erhalten Sie: Uhren, Gold» und Silberwaren, Fahr» rüder. Wasch-, Wring;- u. Nälimaschiu., Mangeln, Spreehapparate u. Pbo< nopraphen, sowie Platten u. Walzen, Spieldosen, s&mmtliche Muslkin- strumente u. Apparate, Feldstecher, Photogr, Apparate, ILederwaren, Scisusswaffen,Koffer, Lampen und Kin» ' derwngen etc. bei VA Gebr.Gerhard, XVK Mainz, Er. ;^x Verfangen Sie reich- illustr. 2000 Abbildg. , ' anthaltend. Katalog. KHItt RiDchcer, ßkfah. 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