r. 24« Drittes Blatt SaMst^^ 10. Oktober 1907 trfdjctni tkylich mit Ausnahme be« Sonntags. Seneral-AKzeiger für Gdecheßen W 157. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen UnwersttätS - Buch» und Gretnüruckerel. R. Lange, Greben. Redaktion ErvedMon une Druckerei Scbul- slrave 7. Erpedttwn und Vertag 61 Redaktion.112. Lel.-Adr. An»eigera vierzehn Tagen erkrankten greisen Kaisers Franz Josef j reu recht beruhigend, aber es fällt doch auf, daß jftese üchte sehr allgemein gehalten sind und kein deutliches d von dec Krankheit des Kaisers geben. Nun sind aber p verschiedene Gerüchte im Umlauf, die das Befinden | Kaisers von Oesterreich viel weniger günstig darstellen, st die Lage in Wirklichkeit doch ernster ist als man i zielt zu'geben möchte, scheint auch daraus hervorzugehen, > der Kaiser in den letzten Tagen keine Besuche mehr i psangeu hat, nicl)t einmal den seiner Enkeltochter. Selbst | Besuch seiner Tochter, der Erzherzogin Marie Valerie, c auf Verlangen der Aeczte nur kurz. Unter diesen - ständen sieht inan allen weiteren Meldungen über die | mkheit des Kaisers mit großer Besorgnis entgegen. Es gibt wohl kaum einen Fürsten, der schwereres Leid ! seinem Leben durchgemacht hat als Kaiser Franz Josef, he Reihe unglücklicher Kriege hat seinem Reiche große her an Gut und Blut aufgelegt und die Grenzen des ! rdes nicht unwesentlich verringert. Auch im Innern Reiches sieht es trübe genug aus. Der Kampf der tionen und Natiönchen gegeneinander drohte die Mon- hie fast jeden Augenblick in Zerfall geraten zu lassen ;> eigentlich ist es doch nur die allverehrte Gestalt des ' ijen Kaisers gewesen, die in dieser Beziehung das | limmste verhütet hat. , Wenig Glück und Freude hat Kaiser Franz Josef in hem Familienleben gehabt. Sein Bruder, der Kaiser ! ximilian von Meriko, wurde bekanntlich erschossen. Seine chmhlin, mit der er nicht gerade in sehr glücklicher Ehe ?bt hat, wurde von einem jungen italienischen Anac- ren in Genf erdolcht. Sein einziger Sohn, der Kron- nz Rudolf, wurde ihm durch ein dunkles Verhängnis 1 rissen. Die Katastrophe in Meyerling liegt nun freilich d 20 Jahre zurück, doch es gibt sensationsbegierige ster genug, die noch heute in Hellen Eifer geraten, rn das Liebesabenteuer der schönen Baroneß mit dem । gen österreichischen Kronprinzen erwähnt wird. Rätsel- i t und dunkel war die Katastrophe am österreichischen e. Sie ist es bis auf den heutigen Tag auch geblieben, gleich sich manche berufene und unberufene Feder ge- । den, die Enthüllungen und Entdeckungen verbreiten * Ute. Der Tod schweigt sich aus! Erfahren werden wir's . welche Taten und Geschehnisse das idyllische Jagdschloß ^erling gesehen, welche Seufzer zwei junge blühende 'stchen hinter seinen Mauern ausgehaucht!*) Von allem ' er en, was Kaiser Franz Josef durchgemacht hat, ist Tod seines Sohnes wohl das Schwerste gewesen und und Frohsinn ist seitdem vom österreichischen Kaiser- e gewichen. Mit innigster Teilnahme hat man auch im deutschen *) Im Verlag von A. Piehler u. C o. in Berlin hat em Buch scme 20. Auflage erlebt, das manchen Siegel c die äußeren Umstande der Tat löst. Es ist eine Denkschrift Mutter liiicr unglücklichen Baroneß Mary Betsera. Nach neulichem Bemühen ist es dem bekannten Schriftsteller und hier Ernst Edler v. d. Planitz gelungen, den wortgetreuen iiti(t dieser Denkschrift zu erhalten und der breiten Masse zu- .gig zu machen. Tie Denkschrift ist wie ein Vermächtnis, ein Tagebuch, das eine wahrheitsuchende, tief gekrankte Men- nfeele schrieb. Impulsiv sind die Gedanken und Mutmaßungen, eit sie sich an die Mayerling-Katastrophe knüpfen, zum 3brud" gebracht. Oft ist die Schreiberin U eigene Widersprüche nten, in verworrene Aufstellungen und Behauptungen. Ernst er v. d. Planitz gibt alles so wieder. Als echter Autor aber ingt er seine eigenen Betrachtungen hinein. Er philosophiert r Dem schwierigen Problem, er stellt Vergleiche an, er forscht ein Kriminalist, und es gelingt ihm auf diese Weise, die .en G. :üu)Le, bie bie Vetsera-Affäre umgeben', Lügen zu strafen. Reiche die Nachricht von der Erkrankung des uns befreundeten und verbündeten Monarchen Oesterreich-Ungarns ausgenommen. Auch hier hosft und wünscht man, daß diese Krankheit bald glücklich überwunden sein möge. * Wien, 19. Okt. Die Aerzte äußerten sich gestern über das Bejinden des Küisers durchaus nicht befriedigend. Der Katarrh hat eine beträchtliche Bersch l i rn m e r u n g erfahren uno der Hlch^n ist sehr stark und trocken, so daß Lewurzt Dr. StersI zu »einer gestrigen Bisi.e den Hosrat Dr. Chiari zuzog. Nachmittags wollte die Gräfin Lonyah den Kaiser in Schönbrunn besuchen, es wurde ihr aber erklärt, daß sie nicht empfangen weroen könne. Nachmittags erschien tzofrat von Vorubarh und erstattete dem Kaiser Bericht über bie Ausnahme des Ausgleiches in Ungarn. Da der Monarch sich matt fühlte, ging er um 8 Uhr zu Bett, nachdem ihm ein schlafstärlendes Beruhigungsmittel gegeben worden war. AiLche und — Die kirchlich-positive Bereinigung für Hessen wurde am 4. Oktober 1905 in Frankfurt a. M. gegründet und hat seitdem an Mitgliederzahl in den drei Provinzen stetig zugcnonrmen. Die Zahl der Laien, die allen Ständen angehoren, übersteigt die der Geistckchen. An verschiedenen durch ihre Lage hierzu geeigneten Litten (Darmstadt, Worms, Gießen, Friedberg u. a.) Huben sich Bezirks- Vereinigungen gebildet, die zum Zweck gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit regelmäßige Zusammenkünste halten. Wie schon früher berichtet, soll die diesjährige Hauptver- s a m m l u n g in dec kommenden Woche hier in Gießen im Neuen Saalbau (Steins Garten) ab gehalten werden. (Siehe Inserat in der heutigen Nummer.) Dienstag, den 22. ds., abends 8 Uhr, wird Lie. 2c. Jeremias vhn Leipzig reden über den „wachsenden Einfluß Babyloniens auf das Verständnis des Wen Testaments". Mittwoch, den 23., beginnt die Versammlung vormittags 10 Uhr, mit einer kurzen Andacht, auf die ein Vortrag des Professors D. Stange von Greifswald folgt über „Das Frömmigkeitsideal der modernen liberalen Theologie". Um 3 Uhr nachmittags spricht Lie. Dr. Dunckmann, Direktor des Predigersemmars zu Wittenberg, über die Frage: „Bedeutet die Paülinische Predigt vom Kreuz eine Veränderung des einfachen Evangeliums Jesu?" Sämtliche Versammlungen s nd öffentlich, und nach den einleitenden Borträgen soll freie Besprechung der be- regten Gegenstände statt find en. Die Teilnahme von Damen ist nicht bloß gestattet, sondern sehr erwünscht. Der öffentlichen Versammlung geht Mittwoch morgen 9 Uhr eine geschlossene voraus, zu dec nur Mitglieder zugelasjen sind. Ohne Zweifel wird die bevorstehenoe Tagung mit ihren hochinteressanten Referaten jedem Teilnehmer eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten. Die Referenten sind hervorragende Vertreter der theologischen Wissenschaft. Außer an die theologischen Professoren dec hiesigen Universität sind auch nach Kurhessen und Nassau Einladungen ergangen, so daß auf Zuspruch auch aus diesen uns benachbarten Gebieten gerechnet werden darf. Bei dem allgemeinen Interesse, das man heutzutage allenthalben religiösen Fragen entgegenbringt, steht zu erwarten, daß nicht nur die Mitglieder der Vereinigung sich zahlreich einfinden, sondern auch die Kreise zum Besuch der Versanimlungen veranlaßt werden, die der kirchlich-positioen Sache seither fern.gestanden haben. Börseuw o-chertbericht. ---- Frankfurt a. M., 18. Okt. Als die Reichsbank über den Quartalswechsel ohne Diskouto- erhöhung hinausgekomnien war, herrschte an der Börse ein Gefühl der Erleichterung. Man knüpfte daran die Hoffnung, daß auch der Rest des Jahres besser verlaufen werde, als man bisher befürchtete. Inzwischen hat sich die Lage des internationalen Geldmarktes aber doch wieder ungünstiger gestaltet, die Wechselkurse stehen für Deutschland nicht günstig und wenn die Reichsbank von einer Erhöhung ihrer Rate bisher auch noch Ab- stano genommen hat, so muß man doch damit rechnen, daß sie zum Anziehen der Diskonto sch raube täglich gedrängt werden kann. Jedenfalls sind die Besorgnisse wegen der Entwickelung der Getd- verhältnisse wieder in den Vordergrund getreten. riber auch verschiedene andere Dinge beschäftigen die Börse heute in hohem Grude. Die Folgen der Ausschreitungen, die wt .rend der Hochkonjunktur begangen wurden, treten immer d. tua>er in uic Erscheinung und schlagen so tiefe Wunden, daß das geschäftliche Vertrauen aniängt zu wanken. Die bckioyorier Bvr.e besinoct piO) in großer Aufregung, der scharfe Rückgang d?s Kupferpreafes hat neue Verlegenheuen an die Oberfläche gebracht und wenn von ersten Hausern uno Banken auch intervenier: iuirb, so konnte drüben doch noch keine Ruhe zurücköehren. Den Insolvenzen in Holland und Jtanen folgte diese SSod/e auch der Zu s a m m c rr- b_r u ti) beS altangesehenen Hamburger Banki/auies Hallor Soehle u. Co., aus sich in der Industrie zu stark engag.ert hatte und gept ein Opfer dieser leeiligen E^chasts^ ^r.mg geworden ist. Daß dec Zusammcnsturz eines solchen Hauses weitere Kreise zieh., liegt aus dec Hand und so muß man darauf vorbereitet sein, daß andere Vertegeuhecken noch nachsolgen. Durch all diese ungünstigen Einflüsse ist diese Wock)e auch die Tendenz der deutsck-en Vdärkte, die bisher eine relativ sehr gute gewesen ist, erfchüttect worden. s Publikum wurde dadurch^ abgeschreckt und die Spekulation hat gleichfalls den Piut verloren, lveil die Aspekte sür die nächste Züt nicht gerade günstig ,ind. Deutsche Fonds gingen wieder ellvas zurück, weck oie Nachfrage daftr nach ließ und die Geldverteuerung naturgemäß drüut, auch aus- ländisck-e Femds gaben durä>veg nach. B a n k a t t i e n gingen meljrcrc Prozent zurück. W.e weck die verschiedeneu Banken durch die Hamburger Insolvenz und andere Zahlungseinsteckungen in Mitleidenschaft gezogen werden, Lbt fiQ noa) nicht genau überblicken. T r a n s po r t w e rft e mußten der allgemeinen matteren Tendenz gleichfalls ihren Tribut zollen. M o n t a n p a p i e r e verloren einige Prozent. In anderen In du st r i e pa p ie re nl sanden stärkere Iiealisationcn statt, namentlich in Ackien der chemischen unb elektrischen Industrie, für die sich in der letzten Z:ck die SpekulaiLN mtevessieck hatte, ü^olgedessen sind hier auch die Rünschlüge ziemlich erheblich. Drivatdiskontv 4 7/b Prozent. E>^rmifd?e jrößiet iddilHdicn Rlnderwagenlabrili Julius Trefbar in Grimme $?!. Einxifle Kinderwogenlaiirt*, »eidit dirckj «ti Priwui Uem Ingenieur Richard Fertsch Vertreter für Oberhessen und Lahngebiet. asr Seilersweg 1 ______Haus- und Küehen-Geräie-rflagazin. «- Schwcukkcsscl,, 30-40-60 Tciajchüssei „ 15-30-50 Wanertopf „ 20-40 Eigene Werkstätte Möbelmagazin W ringmaschinen W äschemangeln empfiehlt billigst Giessen D1Vm ßAUMATEKlAUth- 6ff°SSnAHüLi>N6 ^Spt(iAi-6E5WAri TÜR AuSFuh^uns Von KoorntttLAtitn um Fee,Aa2B§'LG»rr,l»ses Zahüpkhiu Murner, Zement und 4orz -^ ©ebiffe; Reparaturen äuverst Umarbettuufl ^Kchonendste Behandlung. — Prompte Bedtenung. toneU u^&"^T- ^rec6ftunben von 9 bis 5 Uhr. Wtrwrr & \n SWn \ er»*PX<'^s