Erstes Blatt 157, Jahrgang Mittwoch 21. August 1907 m 13 Nationali- warcn dafüc. Die verehrlichen Pfarrämter Vermittlung von Spenden. Stationen lautenden, bis zum 1. September allgemein durch- gesührt sein. Die Verhandliingcn lassen aber erkennen, daß eine Regelung er> auch bezüglich der letzteren bald folgen ivird. Frankfurt a. M., 20, Aug. au§ Berlin berichtet wird, hat der Wie der „Frkf. Ztg." Kultus Minister die Mit Beziig auf nachstehenden Ausruf lade ich Alle, welche sich an einem Hüifskomitee für Herbstein beteiligen wollen, zil einer Besprechung auf Donnerstag den 22. TLugust, nachmittags 4 Uhr, in den Sitzungssaal des Regierungsgebäudes in Gießen, Landgraf Philipp.Platz 3, ein. Gießen, den 18. August 1907. Der Großh. Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen. Dr. Breidert. Wirte! Das altehrwürdige Städtchen Herbstein im hohen Vogelsberg ist von einem schweren Brandunglück heimgesucht worden. 34 Anwesen sind in wenigen Stimden ein Raub der flammen und an 5 0 Familien obdachlos geworden. Der Schaden berechnet sich wohl auf eine Million Mark. Die Betroffenen, meist unbemittelte Landleute, Handwerker, Taglöhner und kleine Beamte, sind zum Teil gering, zum Teil gar nicht versichert. Schleunige Hülfe tut not! Edle Menschenfreunde bitten wir um freundliche Gaben an unsere Adresse. Deutsche- Äeich. Berlin, 20. Aug. Die Regelung der Tarife für einfache Fahrkarten nach dem Aiislande wird, wie die „Voss. Ztg." erführt, mit Ausnahme dec auf russische Nr. 195 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werdeii im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Krtisblah für den Kreis Gießen. Fernsprech-An- schluß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Eine „Marokkokonfereuz" in Norderney. Die Einladung des französischen Botschafters in Berlin, Cambon, seitens des Fürsten Büloiv zu einer Besprechung m Norderney macht in Paris einen guten Eindruck. Sie dürfte auch Herrn Cambon selbst angenehm berühren, der sich bekanntlich gekränkt fühlte, als während der Kieler Woche der frühere französische Kriegsminister Etienne über den Kopf des Botschafters hinweg mit den maßgebenden deutschen Persönlichkeiten verhandelte. In Paris ist man der Meinung, die Oefsentlichkeit werde nunmehr mit Befriedigung erfahren, mit welchem Ernst und Eifer der Botschafter Cambon und Fürst Bülow diirchaiis nützliche Politik zu machen bemüht seien. Nichts wäre in der Tat erfreulicher, als solches Wicken in Eintracht zum Nutzen beider Länder, doch bei dec Konferenz in Norderliey ivird wohl etivas Wasser in den Wein geschüttet werden. Das Auftceten Frankreichs in Marokko ist nicht danach angetan, die Verständigung zwischen der Repiiblik iind Deutschland zu erleichtern. Es fommen • von deutscher Seite an§ Casablanca lebhafte Klagen über das „jeder Beschreibung spottende" Vorgehen dec französischen Truppen. Selten habe die Welt eine so leichtfertige Aktion gesehen. Ruhe und Ordniing sei den Konsulaten vom französischen Kommandaiiten schriftlich zilgesichert, und dabei iverde von fernen Soldaten ganz ungeniert geplündert, selbst im Anwesen eines Deutschen. Die deutsche Kolonie in Casablanca sieht mit Empörung, mit welchen Unwahrheiten die französische Presse arbeitet, um ganz Europa hinters Licht zu führen. Die „Voss. Ztg." schreibt: „Es ist nackter, mir durch die Agcnturdepeschen verblümter Massenmord, ivas da vor den Augen der ganzen zivilisiecten Welt vor sich geht." Herr Cambon wird also wohl in Norderney keinen ganz leichten Stand haben. Immerhin ermöglicht die persönliche Aussprache prompte Entschließungen in der sich ernster und ernster anlassenden Nlarokkosrage. und Bürgermeistereien ersuchen wir um gütige Weitergabe dieser Bitte und eventuelle auch von den Regierungen anerkannt. In Preußen müssen dre Regierungspräsidenten jetzt regelmäßig Nachweise über die Zahl der ausländischen Wanderarbeiter einsenden, und rn Essen a. d. Ruhr hat im vorigen Herbst die Polizeiverwaltung den Unternehmern mitgeteilt, daß für den Bezirk eine weitere Einstellung von russisch-polnischen Arbeitern nicht zugelassen werden kann. Am meisten mutz verhütet werden, daß sich die ausländischen Arbeiter einer bestimmten Nationalität in größeren Ansammlungen niedcrlassen. russische Revolution die äußerste Bedrängnis des Zarismus und der benachbarten Kaiserreiche zeige, sei es dvppcuc Pflicht der Genossen, gegen den Militarismus und die internationalen Konflikte durch parlamentarische I nt erv entionen und öffentliche Agitation biß zum Massenstreik und zum Aufstand Stellung zu nehmen." Regierungspräsidenten um Gutachten und Vorschläge zur Einstellung von Weinkontrolleu.ren im Hauptamte ersucht. Damit ist diese vielbesprochene und viel umstrittene Frage ihrer Lösung näher gerückt. Köln, 20. Aug. Wie dec Berliner Korrespondent der „Köln. Ztg." hört, wird Kriegs mini st er v. Einem den Kaiser wahrscheinlich auf der Reife nach England begleiten. v. Einem würde dabei einem englischen Wunsche folgen, dec wohl auf die persönlichen Beziehungen zurückzuführen ist, die bei den vorjährigen deutschen Manövern zwischen ihm und dem englischen Kciegsminister Hal da ne entstanden sind. — Dec „Berl. Lokalanz." meldet aus Trier: Unter Verwerfung eines früheren Gemeinderatsbeschlusfes entschied sich die Gemeinde Rehden a. d. Saac für die Errichtung einer Simultan schule anstatt zweier konfessioneller Schulen. Witzen hausen, 20. Aug. Entgegen dem Studt- schen Brems-Erlaß hat jetzt die Kasseler Regierung dec von den städtischen Körperschaften zu Witzenhausen beschlossenen Erhöhung der Le hrergehältec ihre Zustimmung erteilt. Internationaler Sozialisicn-Kongreß. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) II. S. u. H. Stuttgart, 19. Aug. Die Verhandlungen des Internationalen Sozialisten-Kon- gresses wurden am heutigen Tage in der Liederhalle fortgesetzt. Um 11 Uhr traten die Sektionen zur Vorberatung der Tagesordnung zusammen. In der ersten Sektion stand „Der Militarismus und die internationalen Konflikte" zur Debatte. Die deutsche Delegation ließ hier durch Bebel die von uns bereits erwähnte Resolution vorlegen. Die französischen Sozialisten legten ebenfalls eine längere Resolution vor, die gegen Militarismus und Imperialismus Stellung nimmt. Die antimilitaristische Politik sei einzig und allein eine Verteidig nngspolitikdersoziali st isch en Partei, und die Arbeiterschaft wird daher ermahnt, zu diesem Zwecke, „die militärische Entwaffnung der Bourgeoisie und die Ausrüstung der Arbeiterklasse durch Einführung der allgem. Wehrpflicht des Volkes zu fordern." Schließlich erinnerte die Resolution an die Maifeier, die als eine Kundgebung veranstaltet werde, um diese Solidarität und die unbedingte Folge daraus, die Beibehaltung des internationalen Friedens, zu fördern. „Im Augenblicke, da die Die belgische Arbeiterpartei hatte Leon Troclct-Brüsscl zum Berichterstatter über diese Frage bestellt, der in seinem Referat bie wechselnde Stellungnahme des internationalen Sozialismu-' zu dem Schema des Antimilitarismus eingehend erörterte. Auf dem internationalen Kongreß in Brüssel 1891 sei der Vorschlag ausgetaucht, eine Kriegsankündigung mit einem Bolksauf- ruf zum General streik zu beantworten. taten sttmmttn gegen diesen Vorschlag, nur 3 v«|Uu Zwei Jahre spater, auf dem Kongreß in Zürich, sei wohl allerdings auch noch vom Generalstreik gesprochen lvorden, doch erschien dieses Mittel nur mehr als nebensächlich. Die Hauptlache war der „Militärstreik". Dieser Vorschlag hatte aber dasselbe Schicksal wie der erste. Der Kongreß nahm vielmehr mit großer Maiorttät einen verbesserten Vorschlag der deutschen Sozialdemokratie an, welcher dahin ging, daß die Sozialisten alle Militärkreditever weigern,gegen d i e st e h e n- d e n H,e e r e pr o t e ft i e r e n , d i e A b r ü ft u n g verlangen und dieienigen Vereine unterstützen sollen, welche sich den allgemeinen Frieden zur Ausgabe stellen, und daß sie endlich in der Armee Propaganda machen sollten. Der Referent erwähnte dann die Behandlung der General- streikvidee unb der Frage der antimilitaristischen Propaganda durch Herve, der die Fahnenflucht der konskribierten Genossen und den Streik der Reservisten als das beste Mittel bezeichnet Hal. Man mufle staunen über die großartige Naivität, die Hervö mit diesem Vorschläge bekundet habe. Selbst der Anarchist Domela Nreuwenhuis habe mit Heftigkeit gegen die Hervefche Theorie Einspruch erhoben. , Es gehe nicht an, zu sagen: „Was nützt es mir, daß ich Fraiizose, Engländer, Deutscher, Oesterreicher, Italiener oder Belgier usw. bin? Als Proletarier habe ich lucber SU gewinnen noch zu verlieren?" Das widerspreche der Idee des Internationalismus. In Wahrheit bedeute der „Jnternatio- nalismus" durchaus nicht das völlige Verschwinden der Nativ- nalitaten, wie dieselben durch die politischen und geschichtlichen Verhältnisse gegründet worden seien. Sondern der Jnter- n a t i o n a 1 ismus fei gleichbedeutend mit Verständigung, unmittelbarer Verbrüderung der unabhängigen Völker. ,So wie dem einzellien ein gewisses Maß von Unabhängigkeit nötig sei, um seine Eigenart frei jur Entwicklung zu bringen, so bedürften auch die Völlrerschaften einer gewissen Selbständigkeit, um die ganze Kraft ihrer Ursprünglichkeit und ihren individuellen Geist in den Dienst der Verwirklichung des s o z i a l i st i s che n R e g i m e s stellen zu können. Widersetze man sich dieser Idee, so huldige man derst Rückschritt. Die belgische Arbeiterpartei habe demnach einstimmig die durch die französische ergänzte Resolution der deutschen Sozialdemokratischen Partei angenommen. In der z w e i t e n S e k t i o n des Kongresses beschäftigte man sich mit den Beziehungen zwischen den politischen Parteien und den Gewerkschaften. Von deutscher Seite lag hierzu die Antwort des Parteivorstandes vor, in welcher die Beziehungen der deutschen Sozialdemokratie zu den Gewerkschaften als die allerbesten bezeichnet und die Gewerkschaftsführer fast ausnahmslos als „patente Genossen" bezeichnet werden. Die Antwort der „Sozialdekratic Federation" Englands nimmt Bezug auf die Stellungnahme der englischen Partei gegen die intime Allianz mancher leitender Mitglieder mit der. kapitalistischen liberalen Partei, was die Uebernahine von hohen Staatsämtern und sogar den Eintritt in das Kabinett zur Folge gehabt habe. Diesen Verrätern der Interessen ihrer Genossen habe man stets deutlich die Meinung gesagt. Die Beziehungen der Partei zu den Gewerkschaften seien demnach als freundschaftliche zu bezeichnen, soweit die werkschaften gegen den Kapitalismus vorgehen. Und die englische Partei lege viel Wert auf deren wachsende Tendenz, sich dem Sozialismus zu nähern. — Die Trade-Unions machten offiziell keine sozialistische Propaganda, aber 75 Proz. der Mitglieder der Federation seien gleichzeitig Gewerkschastsmitglieder, und durch ihre Vermittlung dringe der Sozialismus fortwährend in die' Trade-Unionistischen Reihen ein. Wenn die alten, ganz im dem Geiste und der Aktion zur Schule der- Bourgeoisie gehörenden Leader verschwinden oder in Ruhestand versetzt würden, so sei es außer Zweifel, daß sie Sozialisten als Nachfolger haben; würden und tatsächlich geschehe gegenwärtig der Beamtenwechsel in dieser Weise. Die Antwort der b e l g i s ch e n Arbeiterpartei konstatiert, daß neun Zehntel der Gewerkschaften zur Partei gehörten. — Die polnische sozialistische Partei teilt mit, daß die Gewerkschaftsbewegung in Polen erst in letzter Zeit er* standen fei. Die Gewerkschaften hätten eine PrinzipienerkläruuL angenommen, welche auf die Notwendigkeit einer gleichlautenden Aktion der Arbeiter und der politischen Parteien Hinweise und als Endziel beider Aktionen die vollständige Befreiung der Arbeiterklasse bezeichne. Die sozialistische Partei Italiens bemerkt in ihrem Bericht: Es gebe sozusagen keine Gewerkschaft, keine Arbeitskammer, oder Fachorganisation, die nicht von Mitgliedern der svzialisttschen Partei angeführt und gestützt werde. Jedoch gebe es keine offizielle Verbindung der Partei mit den Gewerkschaften. In der dri 11 en S e kt io n des Kongresses stand die kolonial frage zur Debatte. Von deutscher Seite war hierzu kein Antrag eingebracht. Das Referat hatte die sozialdenwkratische Arbeiterpartei Hollands übernommen. Dort hieß es u. a.: Insbesondere seien für Deutschland, das so groß fei und sich o rapid entwickelt habe, Kolonien nochnichtno t w endig und würden es wohl auch nicht werden. Die deutsche Regierung habe keineswegs die industrielle Entwicklung des Landes im Auge, sondern, wenn sie ungeheure Territorien an ich reiße, so leiteten sie ganz andere Beweggründe: militaristische, i m p e r i a l i ft i s ch e und k a p i t a l i ft i s ch e. Und es fei für die Sache noch bezeichnender, daß zway Englands Kolonialreich e i n F ü n f t e l der ganzen Erde einnebme, daß aber trotzdem sein Nationaleinkommen zu 95 Proz. nicht von den Kolonien, sondern von der Arbeit feiner Proletarier in den Fabriken, feinen Häsen und feinen Berg! werken herrühre. Der Bericht der englischen Genossen zur Kolonialfrag? protestiert gegen eine Expansion auf kolonial. Gebiete. Der Referent der französischen Delegation: Paul Louis-Paris, konstatiert, daß der Sozialismus dem Kolonialismus, welcher auf der Zwangseroberung beruhe, und die Unterwerfung asiatischer und afrikanischer Völker organifierc, notgedrungen feindlich gesinnt sein müsse. BezrrgSpretsr monatlich 75 Pf., viertel« jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— oiertel- jährl. ausschl. Beftellg. ZeilenpreiS: lokal I5Pf., auswärts 20 Pfennig. /ßsr " — w __ **4*^^r Verantwortlich Semral-Anzei-er für Mecheffeii -ZZW Rof(if!oitsbru(! und Verlag der Brubl fchen Univ.-Vuch- und §terndrnckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstraße 7. E. Heß; rü, den --------- -------- ।, „ U1_ _ a ___ Anzeigenteil: H. Bech Herbstein (Oberhessen), am 15. August 1907. v. Bechtold, Kreisrat (Lauterbach), Cramer, Gcoßh. Amtsrichter, Daus, katholischer Pfarrer, Ruhl, Großh. Beigeordneter, Schneider, Gcoßh. Bücgecmeistec, Zinn, evangelischer Pfarrer. politifc^c 6agcsfd?au. Die ausländischen Wanderarbeiter. . Tie Zuwanderung ausländischer Arbeiter nach dem deut- jchen Reiche bestand schon von jeher; ebenso wie deutsche Arbetter nach Oesterreich, nach Frankreich, nach den skandi- >ravischen Ländern, nach Holland und der Schweiz gegangen 'wb, ebenso wanderten auch von diesen Landern Arbeiter nach Deutschland ein. Diese Wanderungen nahmen jedoch lur einen verhältnismäßig geringen Umfang an, höchstens ^ohmtsche Bauarbeiter zogen in jedem Jahre in oemerkens- r.>crrer Zahl nach Deutschland und waren besonders in den preuzbezirken zu finden. Mit der Erweiterung der deutschen 3nbu)men, mit dem enormen Anwachsen des Bergbaues nrt der Vermehrung der öffentlichen Arbeiten imb mit der Zunahme der „Leutenot" in der Landwirtschaft, wurde edoch em solcher Mangel an Arbeitskräften bemerkbar, daß -re ausländischen Arbeiter in großen Massen herein- tromen tonnten. Zwei Umstände kamen noch hinzu, die ruf dre Wanderbewegung der ausländischen Arbeiter cin- virkten, auf der einen Seite die wirtschaftliche Stagna-- ron der Länder, aus denen hauptsächlich die Wandcr- irbciter zu uns kommen, das sind Rußland, Oesterreich rnd Italien und auf der anderen Seite das Uebergehen der >eutsck>en Arbeiter zu körperlich leichteren und qualifizieren Beschäftigungen, so daß den Ausländern meistens die Arbeitsstellen bleiben, bei denen es in der Hauptsache nur uif körperliche Kraft ankommt. Am . gewaltigsten ist der Zuzug der ausländischen Wanderarbeiter in der Landwirtschaft. Wie die „Sachsen- länger" von Ost nach West abwandern, so macht sich als Z-olgc dieser Bewegung eine andere Bewegung bemerkbar, >ie gleichfalls, wenn auch in vorgeschobener Position, von Dst nach West geht: die Bewegung der russisch-polmschen ind galizischen Arbeiter nach den östlichen Provinzen von Creußen zur Auffüllung des durch die Sachsengängerei utstandenen Mangels an Arbeitskräften. Tie Zahl der nthenischen Bauern, die im vergangenen Jahre nach Deutschland gewandert sind, soll allein hunderttausend er- mcht haben; im ganzen werden in der östlichen Landwirt- chast mehrere hunderttausend ausländische Wanderarbeiter 'eslhastigt. Im Ruhrbergbau wurden im Jahre 1905 über 9 000 Ausländer gezahlt; die meisten dieser Ausländer »aren Galizier, weiter waren aber auch Russen, Holländer 'nid Italiener in größerem Umfange vertreten, dagegen mirden nur verhältnismäßig wenig belgische Arbeiter ge- ählt. Im lothringischen Bergwerksgebiet setzt sich die Beleg- chast der Bergleute zu 38 Prozent aus Italienern zusammen md in einzelnen Gruben sind sogar mehr Italiener be- chästigt als Deutsche und sonstige Ausländer zusammen, die Galizier sind noch stark vertreten in den Jutefabriken mb in der Ziegeleiindustrie, die Italiener hauptsächlich im Baugewerbe, bei Eisenbahnbauten, in Zementsabriken usw. die Zahl der 1905 in Deutschland beschäftigt gewesenen Italiener wurde mit annähernd 72 000 berechnet und da ich die Zuwanderung noch immer steigert, wird man die jahl dec liach Deutschland kommenderi Italiener für dies lahr wohl auf 100000 einschätzen können. Eine so nützliche Tätigkeit diese ausländischen Arbeiter uch meistenteils verrichten mögen, so ist doch dieser fort- lährende Zuzug von fremden Arbeitern mit einiger Be- orgnis anzusehen. Tenn diese Ausländer bringen häufig icht nur schlechte Sitten mit, sie zeigen sich sür den deut- chen Arbeiter als Lohndrücker und schleppen auch allerlei rankbeiten ein. Tie Italiener bringen vielfach den Typhus üt. die Belgier und Holländer die Wurmkrankheit, die küssen und Oesterreicher eine ganze Reihe von ansteckenden wankheiten. Daß diese starke Zuwanderung von fremden, uf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Arbeitern und Arbeiterinnen Gefahren mit sich bringen kann, wird ietzt In der vierten Sektion beschäftigte man sich mit der Ein- und Auswanderung der Arbeiter. , Tie bei dieser Frage am meisten interessierte sozialdemokrat. Partei der Vereinigten Staaten legte dazu eine längere Resolution vor, in welcher sie erklärt, den bona fide eingewanderten Arbeitern in ihren ersten Kämpfen auf dem neuen Boden mit Rat und Tat beistehen zu wollen, sie über die Grundsätze des Sozialismus und der Gewerkschaftsbewegung auszuklären und sie in ihre Organisation aufzunehmen. Dagegen werde sie mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln den kapital ist. Jmportbilliger ausländischer Arbeitskrästebe- kämpfen, da solche unerwünschte Einwanderer dazu bestimmt seien, die Arbeiterorganisation zu vernichten, die Löhne zu reduzieren, damit die Lage der arbeitenden Klasse zu verschlechtern und den Vormarsch des Sozialismus zu hemmen. I n S a ch e n d e r F a r b i ge n besagt die Resolution: Der Kongress beschließt, daß es Pflicht aller Parteigenossen und Freunde der Partei in ihrer Eigenschaft als Sozialisten, als Mitglieder von Organisationen wie als Bürger ist: für alle Bewohner der Vereinigteil Staaten ohne Rücksicht auf Rasse und Herkunft gleiche bürgerliche und polit. Rechte zu fordern und zu sichern einschließlich des Rechtes der Naturalisation für jedermann und der Nutznießung von Schulen und anderen öffentlichen Institutionen unter gleichen Bedingungen. . ,r, . , Morgen vormittag 10 Uhr werden die Ergebmge der Sek- tionssitzungen in der Plenarversammlung unter dem Präsidium Singers besprochen werden. An erster Stelle stehen der Militaris- mus und die internationalen Konflikte. . Verhandlungen aus dem Deutschen Tage. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. B r o m b e r g , den 19. August. Bei dem offiziellen Festmahl, das mittags 1 Uhr im Zivilkasino ftattfc.nd, nahm Oberpräsident v. Waldow das Wort zu einem längeren Toast, indem er die Kulturarbeit erwähnt, die unter dem Zepter des Hohenzollernhauses in der Ostmark geleistet wurde. Er schloß mit einem Hoch aus den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Erst gegen 3y2 Uhr srtzte sich der endlose F e ft z u g, an dem 12 Musikkorps, 120 Fahnen und Standarten sowie ca. 7—8000 Personen aller Berufsstände teilnahmen, in Bewegung, und erreichte erst gegen y2u Uhr den Festplatz, den hiesigen idyllisch gelegenen Schützengarten. Aus dem Festplatze entwickelte sich bald ein bnntbewegtes Treib-n. Gegen 6 Uhr nahm der Oberbürgermeister der Stadt Broulberg Knobloch den Platz am Rednerpult des Musikorchefters ein und hieß die zahlreiche Festversammlung namens der Stadt Bromberg willkommen. Das auf den Landesherrn ausgebrachte Hoch wurde von den.Festteilnehmern brausend aufgenommen. 'Mit lebhaften Bravorufen begrüßt, dankte sodann der Vorsitzende des Ostmarkenvereins Major a. T. D._ Tiedemann-Seeheim für den gastlichen Empfang. Redner schloß: „Unsere Heimat, die schöne Provinz Posen lebe hoch, hoch, hoch!" Die Musik intonierte die erste Strophe „Deutschland, Deutschland über alles", das von den Festteilnehmern stehend gesungen wurde. Es wurden dann Huldigungstelegramme an den Kaiser und den Reichskanzler geschlossen. Nach dem Abspielen der Weber'schen Jubel-Ouvertüre ergriff .Universitätsprofessor Dr. H öning er-Berlin das Wort zur eigentlichen Festrede. Er ermahnte zunächst die Anwesenden, die Wacht ander Wart he und der Weichsel, die in heutigen Zeiten viel wichtiger sei, als pste Wacht an: Rhein, zu üben. Keinewegs seien die Forderungen der Polen auf den ost märkischen Boden berechtigt, da abgesehen von der Tatsache, daß in den vorhistorischen Zeiten dieses Land zunächst von den Germanen bewohnt und erst dann den slavischen Nachzüglern überlassen wurde und die Deutschen durch ihre Kultur unleugbare Rechte an dieses Land haben. Auf die hiesigen Verhältnisse paßt so recht das Dichterwort: „Durch deutsches Wesen solle die Welt genesen." Es sei falsch, wenn behauptet wird, die Deutschen wollen die Polen «germanisieren; kein Mensch denke daran; Man verlange äber, daß die Polen loyale zuverlässige Bürger werden und nicht Preußen auf Kündigung, die sich jnit phantastischen Zukunftsgebilden beschäftigen, an den Untergang Deutschlands denken und die Hoffnung hegen, daß der weiße Adler einstmals seine Fittiche über Marienburg und Posen aus- hreiten werde. .In der bisherigen Polenpolitik sind zwar in den früheren Jahren mehrere Mißgriffe und Fehler begangen worden. Man zauderte, von sentimentalen Rücksichten geleitet, energische Maßregeln gegen die Polen in Anwendung zu bringen bis jetzt Endlich eine stetige Politik zur Anwendung kommt. , Der Redner nahm sodann die Katholiken gegen unbe< rechtigte Angriffe von protestantischer Seite in Schutz und meinte, daß man mit solcher Methode der katholischen Kirche bitter Unrecht tue. Man müsse bedenken, daß im Mittel- alter, noch vor der Reformation die katholische Kirche als ein Germanisierungsfaktor par excellence gewesen sei und baß es die katholischen Mönchsorden waren, die deutsche Kultur in der Welt verbreiteten. Man dürfe natürlicy die katholische Kirche nicht mit dem Ultramontanismus identifizieren. Natürlich müßten zur Pastorisierung der deutschen Katholiken in der Ostmark deutsche und nicht polnische Priester herangezogen werden. Denn es sei unbedingt notwendig, daß der depravierenden Arbeit der polnisch-katholischen Geistlichen ein Ende bereitet werde und daß selbstverständlich nur e i n d e u t s ch e r Priester den Posener Erzbischofsstuhl besteige, aber kein Pole ä la Florian v. Stablewski. Tann würden nicht nur die Polen, sondern auch die deutschen Katholiken mit den geistlichen Behörden zufrieden sein. Man dürfe übrigens die hiesigen Verhältnisse nicht mit denen der siebenbürgischen Deutschen und Schwaben vergleichen, weil diese ihre Pflichten gegen die Ungarn getreu erfüllen. Es folgten dann verschiedene Vorträge des Posener Provinzialsängerbundes; zahlreiche Frendenfeuer flammten bei Eintritt der Dunkelheit von den anliegenden Anhöhen auf, ein reichhaltiges Feuerwerk bildete den Beschluß der glänzenden Veranstaltung. Am Montag fand für die Festteilnehmer eine Dampferfahrt an die Weichselbrücke bei Fordon, der größten Eisenbahnbrücke Deutschlands, sowie ein Ausflug nach verschiedenen Ansiedlungsgütern statt, wobei Oberreg.-Rat Grashoff-Posen die Führung übernahm. Aus Ktaöt und Land. Gießn, 21. August. ** P e r s o u a l i e n. S. K. 5). der Gr o ß h e r z o g haben den ordentl. Professor der Baukunst an der Technischen Hochschule Frieor. Putzer zu Darmstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner ersprießlichen Dienste von der Stelle als Tenkmalpsleger für die Baudenkmäler der Provinz Rheinhessen enthoben und die Stelle eines Tenkmal- vflegers für die Baudenkmäler der Provinz Rheinhessen dem Architekten Prof. Paul Meißner z-u Darmstadt, bis auf weiteres übertragen. ** Aufgeregte Kranke. Die Direktion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten sieht sich veranlaßt, nutzuteilcn, daß die Klinik bei der Uebersüllung der Landes-Irrenanstalten und dadurch erschwerter Evakuation der Klinik aufgeregte Kranke vorläufig nicht mehr aufnehmen kann. Stadtbriefe für drei Pfennige. Wie die „Berl. Börsenzlg." erfährt, erscheinen demnächst in Berlin Kartenbriele mit eingedruckter 5-Piennigmarke zum Preise von 3 Psg. das Stück. Diese neuen ftartenbriefc, deren Format durch D. R. P. 9tr. 151 005 geschützt ist, bestehen aus einem Briefbogen beliebigen Formals, der mit einer gummierten und durchlochten Verschlußklappe veriehen ist, die beim Oeffnen abgetrennt wird, ohne den Briefbogen im geringsten zu verletzen. Dieser Brief ist so zusammengefaltet, wie die Briefe früher vor der Benutzung besonderer Umschläge zusammengelegt wurden. Auf der Außenseite befindet sich em Vordruck für die Adresse und eine von der Reichsdruckerei eingestempelte 6 Pfg.'Freimarke. Für die Einführung dieses neuen Briestormulars in Berlin und Umgegend, hat sich eine Karienbriefgesellschaft m. b. H. gebildet. Tie neuen Formulare sollen in Kurzem in verschiedenen Größen auch ohne Freimarke zur Ausgabe gelangen. Tie oben erwähnten mit einer 5 Pfg.-Marke versehenen Exemplare sind soeben dem Verkehr übergeben. Ter Verkauf dieser neuen Kartenbriese unter Markenwert wird dadurch ermöglicht, daß ein Teil der Außenseite des Briefbogens zu Reklamezwecken Venvendung findet. Jeder Kartenbries enthält zur Bequemlichkeit ein kleines Löschblatt, so daß er überall sofort mit Time beschrieben werden rann. Selbstverständlich können Briefe nicht nur für den Stadtverkehr, sondern unter Zusatz einer weiteren 5 Pfg.-Marke für den Fernverkehr und unter Zusatz von 15 Pfg. in Freimarken auch für das Ausland benutzt werden. — Das ist gewiß eine originelle Neuerung und ihre Eillführung wäre ihrer Billigkeit wegen auch für Gießen wünschenswert. Dabei können findige Köpfe noch em besonderes Geschäft machen. Tie Reichspost tauscht bekanntlich unbrauchbar gewordene gestempelte Formulare nach Abzug eines Piennigs für jedes Stück um gegen andere Postwertzeichen. Es würde also an jedeni Kartenbrief auf diese Weise noch 1 Pfennig profitiert. Ob die ReichSpostverivaltung, aber dem nicht bald einen Riegel vorschieben wurde? ** Die Beitreibung der direkten Steuern (Einkommen- und Vermögenssteuer) und allg. Kirchensteuer in Hessen gestaltete sich im Rechnungsjahr 1905 wie folgt: Tie Steuerschuldigkeit betrug 13 912 266 Mk. in 2169 333 Posten. Nach den Mahnlisten blieben hiervon 449 235 Posten mit 2 592 483 Mk. rückständig, wodurch 36 364 Mi. Mahngebühren entstanden. Vor Ausstellung der Pfandbefeyle wurden noch bezahlt 244119 Posten mit 1678 588 Mark, jo daß noch 205 116 Posten mit 913 895 Mk. rückständig vlieben. In den Pfauboefehlen gestrichen wurden 26 73d Posten mit 109181 Mr., zur Pfändung gekommen sind 178 381 Posten mit 804 714 Mk. Wirklich vorgenommen wurden 89 865 Pfändungen mit 521 3 ZI Mk. Steuerrückstand, Beschlagnahmungen infolge von Hindernissen wurden vollzogen 22 768 mit 52 991 Akk. Geldbetrag, bei 43 839 Posten mit 143 454 M. Geldbetrag wurden Hinoernisse zur sonstigen Erledigung konstatiert, während 21909 Posten mit 8 Z198 Mk. als uneinbringlich konstatiert wurden. Von den Rückständen des ganzen Jahres touroeit ohne Verkauf der Pfänder bezahlt 9b505 Posten mit 542 611 Mk. (Pfändungsgebühren 34 961 Mk.), durch Beschlagnahme eingeoracht 24 2:90 Posten mit 53 845 Mk. (Beschlagnuhmegebühren 11465 Mk.), durch Verkauf der Pfänder 14o4 Posten mit 4335 Akk. (Psändungs- gebühren 490 Mk.). Definitiv ulieinbringlich wurden 18 785 Posten mit 140 64o Mk. wegen Wegzug oder Todesfall und 8121 Posten mit 52OH Mk. wegen Mangel an Pfändern (Armut), zusammen 26 909 Posten mit 192 /16 Mk. Es verblieb ein zu liquidierender Rückstand von 729 Posten mit 15 306 Mk. Von den definitiv uneinbringlich gewordenen Steuerrückständen kamen auf die Einkommensteuer 182 943 Mark, aus die Vermögenssteuer 2354 Mk. und auf die allgemeine Kirchensteuer 7419 Mark. HI R o d h e i m a. d. Bieber, 21. Aug. Die uralte Schmitter-Mühle ist Henle nacht bis auf den Grund niedergebrannt. Das Feuer entstand in den Speicher- väumen und fand in dem alten Gebälk und der inneren Einrichtung der Mühle reichliche Nahrung. Trotz rascher Hülfe der hiesigen freiwilligen Feuerwehr konnten nur wenige Frnchl- und Mehloorräte gerettet werden. Es kostete gewaltige Anstrengung, um das Wohnhaus der Mühle sowie das angrenzende Herrenhaus des Gutes zu retten, zumal alle Gebäude eng zusammenhängen. Der gewaltige Feuerschein hat bald die Wehren, selbst der weiteren Umgegend, herbeigelockt. Wie bei früheren Fällen, so trat auch diesmal wieder die Feuerwehr von Vetzberg zuerst in Tätigkeit. Selbst von Frankenbach, Crumbach und Waldgirmes traf nach und nach Hülfe ein. Neben dein Liederbach, dessen Wasser benutzt ivurde, kam so recht die Wasserleitung zur Geltung. Es mußte alle Zuschauer eingentümlieh berühren, daß das Mühlrad immer noch ging, obgleich schon die Mühle in Trümmer lag. Der Brandschaden dürfte ziemlich bedeutend fein, x Nidda, 19. Aug. Gestern wurde der Tag von Gravelotte hier besonders gefeiert. Um 10 Uhr traten der Kriegerverein und der Vereranenverband von Nidda, die Kriegervereine von Kohden und Michelnau an zur Kirchen Parade. Pfarrer Werner predigte auf Grund von Psalm 103, B. 1 u. 2. Tie Feier solle sein: den Gefallenen zum Gedächtnis, den Uebertebenden zur Anerkennung, dem nachkommenden Geschlecht zur Nacheiferung und Gott zur Ehre. Nach dem Gottesdienst begab sich die Versammlung zum Kriegerdenkmal, wo Oberst Weimer und Gerichtsvollzieher Vetzberg er, ersterer namens des Krieger- vereins, letzterer namens des Veteranenverbandes des denkwürdigen Tages gedachten und Kränze niederlegten. Nach- mittags um 2 Uhr versammelte sich der Veteranenverband Nidda und Umgegend im Garnbrinus- wie alljährlich. 72 Veteranen waren anwesend. Ter Verband zählt 104 aktive und 41 passive Mitglieder. 3 Mitglieder sind seit Jahresfrist verstorben. Tie Einnahmen des Verbanos betragen 556 Mark, die Ausgaben 440 Mark. An Sterbegelder wurden seit Bestehen des Verbands 880 Mark bezahlt. Unterstützungen Lebender wurden aus den Zinsen des Kapitals bezahlt. Einem an S. K. Hoheit den Großh-erzog abgesandten Huldigungstelegramm folgte schon am Abend der Allerhöchste Tank. Hierauf blieben die alten Kameraden im regen Gedankenaustausch noch versammelt und schieden auf ein Wiedersehen im nächsten Jahre. X Lauterbach, 19. Aug. Tas in der Bürger-Versammlung am 21. März 1903 beschlossene Kriegerdenk- m a l wurde gestern feierlichst enthüllt. In vollem Pracht- gewande prangte schon Samstagabend unsere Stadt, fast jedes Haus war geschmückt und alle Straßen mit Fichten besetzt. Ter Feier ging am Vorabend ein Kommers voraus. Am Festtage begann nach vorausgegangenem Festgottesdienste und Empfang der auswärtigen Gäste gegen 1 Uhr die Ausstellung des Festzuges, an dem sich jung und alt beteiligte. Voran die Schuljugend, Blumensträuße und Girlanden tragend, hieran anschließend der Stadtvorstand und ein Heer von Festdamen, rote es unsere Stadt seit Jahrzehnten nicht aufzuweisen hatte, in Begleitung der hierfür bestimmten Feftherren. Ter Zug führte von der Lindenstraße zum Denkmal. Nach einem Choral durch die Musik trug ein Massenchor unter der Leitung des Dirigenten Rinner das Lied: „Tie Himmel rühmen des ewigen Werke" vor. Schulrat Andres hielt in sehr begeisternden Worten die Weiherede, übergab das Denkmal in das Eigentum und den Schutz der Stadt und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Bürgermeister Stvpler übernahm das Tenkmal und dantte namens des Stadtvorstandes. Hauptmann Hoos legte im Namen des Offizierskorps des 116. Regiments einen Kranz nieder. Tas Lied der vereinigten Gesangvereine „Sind wir vereint zur guten Stunde" bildete den Schluß der Feierlichkeit. Hierauf bewegte sich der Zug durch verschiedene Straßen der Stadt nach dem Festpiatze. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Rechtsanwalt Sch,e e r, hielt die Begrußungsanjprache und toastete auf das Vaterland. Eine unerwartete Menschenmenge füllte den Festplatz und bis zum frühen Morgen vergnügte sich die tanzlustige Jugend. Auch der zwecke Festtag erfreute sich eines guten Besuches. An dem erfolgten Umzüge beteiligte sich wiederum eine stattliche Zahl Teilnehmer. Hauptlehrer Tr. Köhler richtete einige Worte an die Jugend. Rechtsanwalt Scheer dankre in kurzen Zügen der Bevölkerung Lauterbachs für das gezeigte Interesse, ferner allen Mitwirkenden. Reges Leben entspann sich auch diesmal wieder auf dem Festplatze und eine zu Ehren der Festjungfrauen veranstaltete Kaffeevisite bot einen hübschen Anblick. In zündenden Worten gedachte Herr Finger hierbei der deutschen Frauen und Jungfrauen und schloß mit einem Hoch auf sie, was mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurde. Auch für das Arnüsement der Jugend war bestens gesorgt und so konnte jeder Tei« nehmer das herrliche Fest mit Befriedigung beschließen, § Vom höheren Vogelsberge, 19. Aug. Di^ Heuernte ist jetzt allenthalben beendigt und brachte wider Erwarten volle Scheuern. Viele Landwirte müssen wegen Ramnmangel von ihren Erträgen absetzen. Da das Wetter m den letzten Wochen „ivirkliches Heuwetter^ war, so laßt auch die Qualität des Heues nichts zu wünschen übrig. — Die Getreideernte hat ohne Zwischenpause begonnen und sind die Erträge, mit Ausnahme des vielfach ansgewinterten Kornes, bei allen Fruchtgattungen sehr zusriedenslellend. Fällt aiich die Kartoffelernte noch gut aus (was allem Anscheine nach der Fall ist, fo kann der Vogelsberger Landwirt mit dem Erntejahr 1907 wohl zufrieden fein. ■----------. ... ■ -ü— ...--iß Vermischter. * Einbruch in ein mu|cum. In der Nacht von Montag aus Tienstag ist in das D r e s d e n e r kgl. mineralogisch-geologische Atuseum ein schwerer Einbruch verübt worden. Ter Täter wurde von Museumswächtern überrascht und verließ sluchtartig barfüßig das Museum. Er hat einen Strohhut zurückgelassen, in dem sich als Einlage der „Weltspiegel", eine Beilage des „Berl. Tagebl." vom 8. August o. I. befand. Man nimmt an, daß der Verbrecher aus Berlin srammt. Obwohl der Mufeumsdieb mitten in seiner Arbeit überrascht wurde, hat er doch eine reiche Beute gemacht. Es sind in seine Hände gefallen: 33 große Diamanten bis zur Größe einer starten Erbse, 8 mittelgroße Stücke gediegenen Goldes, viele werrvolle Edelsteine, besonders Saphire und Smaragden, Platin, Jri-s dium und Jridosmium. Die Glaskasten waren sämtlich! zerschlagen worden. Tie Kriminalpolizei zu Dresden hat aus die Ermittelung des Täters eine hohe Belohnung ausgesetzt. Sämtliche Dresdener Juwelierläden werden von Kriminalbeamten überwacht. * Ein Professor des Automobilismus. Aus Amerika kommt eine seltsame Kunde: In St. Louis ist in aller Form ein Lehrstuhl für Automobilismus errichtet worden; Professor Calvin M. Woodward hat ihn übernommen. Seine Lehrtätigkeit wird sich nicht auf die Theorie beschränken; auch praktische Uebungen sind vorgesehen. Bereits im September werden die Vorlesungen ihren Anfang nehmen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller i.mcr Dicicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktio t ru.: Ravlckum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Den Schreiber dieses hat es sehr erfreut, vor einiger Zeit iw dem Wieseuwege von der Dftanlage z u m Philosophenwalde sührend, in der Rahe der Wieseckbrücke eine Ruhebank auigeftellt zu sehen. Daß die Ausstellung einer Bank an dieser Stelle einem allgemein geiühlten Bedürfnisse zu entsprechen scheint, dürste daraus hervorgehen, daß diese Gelegenheit zum Ausruhen von einer ganzen Anzahl von Passanten des Weges fleißig benutzt wurde. Bedauerlicher Weise dauerte die Freude jedoch nicht lange, denn nach wenigen Tagen war die Bank wieder verschwunden. Es ivürde gewiß von den verschiedensten Seiten lebhaft begrüßt werden, wenn die Bank an dem alten Platze wieder aus- gestellt würde. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter 3J^°/O Reichsanleihe . . 3% do. . . °/0 Konsols .... 3% do. .... B^°/o Hessen .... 3 % °/0 0berhessen . . . 4% Üesterr. tioldrente Börse, 21. Ang., 1.15 Uhr. 92.00 I Elektriz. Lahmeyer . . . 81.55 Elektriz. Schuckert . . . 92.10 81.50 90.00 97.10 Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurahütte 113.00 94.40 193.00 186.3t 124.40 186.2V 216.70 41/, % üesterr. Silberrente 96.30 4% Ungar. Goldrente . .-- 4% Italien. Reute . . . 103.00 3-» Portugiesen Serie I . 66.00 3% Portugiesen „ III 66.40 4^°/0 russ.Staatsanl. 1905 90.95 4Jiü/0 japan. Staatsanleihe 87.80 4% üouv.Türken von 1903 93.30 Türkenlose 138,40 Nordd. Lloyd 109.25 Obcischles. Eisen-Industrie 94.5t Berliner Handelsges. . . 148.1t Darmstädter Bank . . . 124.2t Deutsche Bank .... 219.8t Deutsch-Asiat. Bank . , 139.0t Diskonto-Kommandit. . . 165.30 Dresdner Bank . . . 134.50 Kreditaktien 196.75 4-6 Griech. Monopol-Anl. . 46.00 4-6 äussere Argentinier . 80.00 3°/0 Mexikaner . « . 60.70 4 >6% Chinesen .... 99.90 Aktien: Bochum Guss 203.50 Buderus E. W 109.20 Tendenz: etwas besser. Baltimore- und Ohio- Eisen Iah u 89.00 Gotthard bahn — Lombard. Eisenbahn . . 29.5t1 üesterr. Staats bahn . . . 136.5t* Prince-Henri-Eiseubahn . 123.10 Berliner Börse, 21. Aug. Anfangskurse Canada E. B 160.25 Darmstädter Bank . . . 124.00 Deutsche Bank .... 219.70 Dortmunder-Union C. . . 60.30 Dresdner Bank .... 134.40 Tendenz: unentschieden. Harpener Bergwerk. . < 186.9t Laurahütte .... 216.7t Lombarden E. B. ... 29.5i Nordd. Lloyd 109.21 Türkenlose . .... — Kann es einen bessern Beweis geben, als das nachstehende, unterschriftlich beglaubigte Zeugnis! Dölau, b. Halle a. S., den 7. Mai 1907. Meine Tochter war durch lange, schwere Krarckheit abgemagert uni heruntergekommen,- die Schute konnte sie monatelang nicht besuche» das Gehen hatte sie verlernt und tvir hatten wenig Hoffnung, dieiei schwachen Körper zu erhalten. Wir versuchten viel, auch Biojoi und obwohl ich bei dem ersten Paket nichts merkte, so wurde id gewahr, daß bet dem zweiten und dritten Paket Gewichtszunahim Appetit und Kräfte sich einsteüten. Jetzt besucht meine Tochter d> Schute und wer die Kleine vorher sah, wundert sich über ihr gute Aussehen und ihre Munterkeit. Sie trinkt früh und abends ein Tasse stall Kakao und ich kann versichern, daß Bioson nut Vorlieb genommen wird und der Preis ein geringer ist. — Da ich bei meine: Kinde die Ueberzeugung gewonnen habe, daß das Bioson ein ieidi verdauliches Kräftigungsmittel ist, so will ich jetzt Bioson trinke: denn ich leide an Ütervenletden und Blutarmm und hoffe, den gleiche Ersolg zu sehen wie bei der Kleinen. Achtungsvoll! Frau Bali: schaffner A. Hirsch. Unterschrift beglaubigt: Dölau 30. Mai 190 Der Gemeinde-Vorsteher Henke. Bioson ist m Apotheken, Drogerie usw. das Paket zu drei Atark erhallltch, welches für circa 14 Tac ausreicht. VK Gewerbebank LoÜar Meo-GesMlist Statt besonderer Anzeige ~ Infolge Errichtung einer Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht wurde in der am 31. Juli 1907 stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung unserer Aktionäre einstimmig die Liam» dation unserer Gesellschaft beschlossen und fordern wir die Gläubiger unserer Gesellschaft gemäß 8 297 H. G. B. auf, ihre Ansprüche bei uns anzumelden. Dl9/8 Lollar, den 19. August 1907. Der Vorstand. OOGGGGOOVGGGHGGKVGGG Frische Trauben Die trauernden Hinterbliebenen. Rodheim a. d. Bieber, den 19. August 1907. feinste italienische Kur- und Tafel-Trauben Gebrüder Berdux Bahnhofstraße. 097 Grebenhain, Gietzen, 21. August 1907. Großherzogliches Amtsgericht. B21/s täglich frisch bei 13893 )iese b«>/8 [4607 ab Station Echzell B2V* Rodheimerstr. 2. 5324] a) vormittags n H1 /1 6) e) nachmittags 2 Uhr 5 Altcestr. 28. 5280] B17/a Fluß- und Seefische I. V.: Wallek. B17/, 47 haus: Schutzmarke ermund, Wolkengasse 19. erteilt einem Ober- der- realschule gründliche GEGR.1786. GEGR 17S6- 4 WWMWE VersaumeivSie^ " l/oino er. Öcrfd)i ebene le e. b) c) Ktutz- u. See-K»sche, feinst. Maft-Gesiü«el anerkanrrt nur erstklass. Qualität Ludwcg Erb, Echzell (Wetterau), Lkartoffel-Bcrsandgeschäft. 9 Uhr 9V- ,, IOV2 „ Nachhilfe in itllathemattk. Schriftliche Angeb. unter 05951 an d. Gietzener Anzeiger erbeten. und Damengarderoben jeder Art ' . Reelle u. saub. Bedien. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachm. 4 Uhr in Gietzen von der StopeUe des neuen Friedhofs aus statt Früh-Kartoffeln Gelbe Perle und Frübroscn ä Ztr. 3,— und 2,75 Mk., inkl. Sack versendet unter 'Nachnahme [4594 Konrad Haub,Echzell(Wetterau). Skat MWrWla Olclbc Perle v. Erfurt 3.- Mk. Friihroseu 2.75 Mk. pro Ztr. inkl. Sack versendet unter Nachnahme im Neustädterfeld, an Ort u. Stelle von den Wieseckböschnngen, in der Restauration v. Melch. Schäser Ww. in der Grünbergerstrage von den Wiesen im Heegstrauch und im Rügland, an Ort und Stelle vom Friedhof nm Nahrungsberg, im Philosophenwald von den Wiesen am Fürslenbrunnen im Wiesecktal, von den Hofpitalwiesen in der Gemarkung Wieseck, an Ort und Stelle von den Wiesen in der Schwarzbach, tritt ein jüngerer BmeattgehUfe ßeW. Bewerber mit guter Handschrift wollen ihre Gesuche unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes und etwaiger Zeugnisse, sowie unter Angabe ihrer Gehaltsansprüche alsbald, spätestens aber bis 1. September d. Fs. bei der unterzeichneten Behörde einreichen. Gietzen, den 20. August 1907. Grotzherzogliche Bürgermeisterei Gietzen. I. B.: Curschmann. Koche auf Vorrat zur richtigen Zeit Kommst niemals in Verlegenheit. Kellerns neuest. verbefs. LtelilißelllDttllt Heute abend entschlief sanft nach langem, schweren Leiden unser lieber Herr Andreas Baad®n8iöfer im Alter von 62 Jahren. in 8 Pfd. Kisten per Pfd. 36 Pfg., ausgewogen per Pfd. 40 Pfg. empfehlen ans täglich frischen Zufuhren ^erbinguiio m Snnn^eiiriieitcii. Für die Feldbereimgung Rodheim b. Hungen sollen )ie zur Ausführung der für den Herbst 1907 vorgesehenen Drainagen erforderlichen Graben- unb Nohrverlegungs- rrbeiten — 34400 m sowie das Anfahren oer Röhren — 3500 Zentner —. Samstag, den 24. d. Mts., norm. 10 Uhr auf dem Nathause zu Rod heim durch öffent- lches Ausgebot vergeben werden. Die Verdingungsunter- agen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Rodheim iuc Einsicht offen. Gießen, den 9. August 1907. Grosth. Kulturinfpettion Gießen. schien. Gietzen, den 17. August 1907. Grotzherzogliche Bürgermeisterei. F. V.: Eur sch mann. Je Me Schulhof Telephon 119. 'Broewter Versandt nach «uB» 0. G. Kleinhenn Bahnhofstratze 59 Telephon 66 Eigene Eis-Kühl-Aulage Prompt. Versand nach auswärts. assen. Gietzen, den 17. August 1907. Grotzherzogliche Bürgermeisterei. I. V.: Eurschmann. Einen Posten Futter-Kartoffeln, per Zentner 2 Mark, empfiehlt [5251 I. Weisel, Sonnenstratze 6. Achtung! Bringe morgen auf dem Brand eine gr. Partie Einmachgurken in allen Grötzen [keine rheinischen) prima unübertroffene Qualität. Feinste Einmachbobuen per Pfund 12 Pfg. Frau Hammel, Sonnenstr. 31. 059801_________Telefon 634. zur Frischhaltung aller Nahrungsmittel unübertroffen. 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Mts. beschlossen, für die Folge in allen Füllen, in welchen ädtisches Eigentum (Stratzen, Plätze usw.) durch autzergewöhnliche lorfprünge an Bauten, wie Erker, Balkoue und dergleichen, verbaut oder sonstwie in Anspruch genommen werden soll (§ 2 lbs. 4 der Lokalpolizeiverordnung vom 6. Juli 1888) ihre Genehmigung ierzu nur unter der Bedingung zu erteilen, datz für die Benutzung es städtischen Geländes eine einmalige Gebühr entrichtet wird. Bekanntmachung. In das Handelsregister $(bt. A. des unterzeichneten Gerichts wnrde eingetragen: Die Firma Christian Fughard zu Lollar. Gießen, den 17. August 1907. SMWr Arl>eit§Nhttis Ökjjcii. Gartenstratze 2, Zimmer 2. Es können eingestellt werden: 1 Bauschlosser (auswärts), 1 Schmied, 1 Schmied (auswärts), 1 Maschinenschlosser, 1 Wagner, 1 Wagner (ausw.), 1 Glaser, 1 Glaser (auswärts), 3 Schreiner, 6 Schreiner (auswärts), 1 Tapezierer, 1 Anstreicher, 1 Bäcker (auswärts, 4 landwirtschastl. 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