Vir. 92 Fünftes Blatt LS7. Jahrgang Samstag 20. April 190* Erscheint täglich mti Ausnahme deS Sonntags. Die „Eietzener Zamllienblätler" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatl für den Kreis Siehrn" zweimal wöcheiallch. Der „hesfifche Landwirt"' erscheint monatlich emmoL Gießener Anzeiger General-Anzeiger sm Gderhessen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UnwersilälS - Brich- und Sieindruckerel. UL Lange. Dießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftiQBe ?. Ervedition und Verlag feg» 61. Redaktion: 112. Lel.-Rdr^ An-eigerGießm. Aus dem Keichsrag. R. Berlin, 19. April. parlcunentarifctye». — Die Wahl des Nachfolgers des Prinzen Arenberg für den Wahlkreis Malmedy-Schleiben dürfte noch harte stampfe ab leben. Wahrend der vom Kreiswahllomitee auf den Schild et 1)0bene Dr. Ferwers in Call sein Programm entto itfeü, hält die bäuerliche Wählerschaft au der Kandidatur des Grafen S p e e, des Vorsitzenden des rheinischen Bauernvereins, fest. Höchst resigniert erllärl die „Rhein. Bollsstimme": „Die Bauern der ganzen Rheinprovinz wollen nunmehr wissen, ob die Lerspreckj- ungen, die ihnen während der Wahlnöte der letzten Monate gemacht wurden, als ein Manneswort gehalten werden, oder berefts vom Winde verweht sind." AnußlschiS Abgivldnerenyaus. Berlin, 19. .April. Zunächst findet eine Besprechung statt über die Mosel-, Saar- und L a h n - La n a l i s i e r u n g. Abg. EahenSlY (Ztr.) fordert die möglichste Beschleunigung der Lahnkanalisierung. Minister B r e i t e n b a ch erklärt, die Regierung stehe den 6ter in Frage stehenden Kanalisierungen wohlwollend gegenüber, die Vorarbeiten seien im Gange. Abg. Stock mann (kons.) bittet um möglichste Beschleunigung der Arbeiten. . Es erfolgt die Besprechung über das Kanalproiekt Campe-Dörpen. Minister Breitenbach erklärt, er habe gegen das stanal- projett eine Reihe von Bedenken; falls es feste Formen angenommen haben werde, werde sich das Laus damit zu beschäftigen haben. Es folgt die Besprechung des W ass e rft r a ß enb eir a ts. Minister Breitenbach erklärt, die Einrichtungen des (Elfen* bahndeirars würden auf den Waiferstraßenbeirat übertragen wer- bcn. Für die Arbeiterschaft werde seitens des Wasserstraßen» heir tj i.i sozi.lec Begebung gejoigt werden. Daß der Lanlwirt- jujoit und der Jnoustrie keine Aroeiter entzogen würden, dafür solle Vorsorge getroffen werden. ES folgt die allgemeine Besprechung zum Etat der Bauverwaltung. Abg. Goldschmidt (frs. Vpt.) bittet bat Minister, sich des Bauarbeiterschutzes besonders anzunehmen. UnterslaatSsekretür Holle meint, es fehle nicht an Unfall» verhütungsoorschriften, nur an der nötigen Kontrolle, die verstör tt werden mühte. Der Ernführung von Kontrolleuren aus dem Arbeiterstande stehe die Regierung ablehnend gegenüber. r Abg. Hammer (kons.) weist daraus hm, daß tue tfeuer» gefährlichkeit der Warenhäuser am besten zu mindern wäre durch Festsetzung einer bestimmten Anzahl von Personen, die zu gleicher Zeit in einem Warenhause weilen dürften, wie es bei Theatern und anderen Sälen der Fall sei. Abg. S q w a r z e - Lippstadt (Ztr.) klagt über bie Verluste, die das Baugewerbe beinahe alliährtich durch die Streiks der Bauarbeiter erleide. Tie neuerdings in Anwendung gebrachte Methode der Dauersitzungen bis in den späten Abend hinein wirlt nicht fördernd auf die Lrbeitsfreudigkerl der Abgeordneten., Das hat sich gestern gezeigt, als die Befchiußunfähigkeit des Dauses festgestellt werden mußte. Es war kein rühmliches Schauspiel in dem mit Anwesenheitsgeldern bedachten Parlament. Doch die Volksvertreter sind sozusagen auch Menschen, und wer wollte eS il)nen verdenken, menn sie die abgespannten Nerven durch einen -Lpazier- gang im lenzgrünon Tiergarten erfrischen? Auch die VLrttttcr der Presse felyen sich genötigt, das Präsidium um Rücifia-t- nahme auf üjre physische Leistungssähigteit zu bitten. Aeber eine Eingabe in diesem Sinne soll heute durch eine Konferenz im Lesezimmer der Presse Beschluß gefaßt werden . Daß die Forderung zum Ausbau der öopronigsburg heute durch den „Block" bewilligt werden konnte, hat die Regierung den Freisinnigen zu danken, die das Gelingen der Lppositionstaktik des Zentrums ge,lern vereitelten, Fm übrigen wurde auch heute wieder ein buntes Aiosaik von Forderungen und Anregungen zu den Spezialtiteln des Etats des Innern in stundenlanger Rede und Gegenrede entrollt. Man ’oörte vom „Siegeszug der Reblaus" in Elsaß- Lothringen, von Baugenossenschaften und Wohnungs° Politik — wobei Graf Posadowsky unter Hinweis auf bie Verhältnisse in England bemerkenswerte Ausführungen über das Erbbaurecht machte —, und anderes mehr. Erst am Spätnachmittag konnte der Staaissekreiär fein umfangreiches Attenmaterial zusammenpacken und dem Kolonial- bireitor Ternburg bas Feld überlassen zur Einführung des Nachtragsetats, durch den für Hülseleistung an die Farmer in Südwestafrika 7 Vs Millionen Bkark gefordert werden. xa£ beigegebene Begründung ist etwas lückenhaft ausgefallen; es wird einfach auf frühere Denkschriften verwiegen, aus denen der geneigte Volksvertreter sich den Sachverhalt im Einzelnen zurechrlegen kann. Die mündliche Begründung Dernburgs war in der Sache auch ziemlich kurz und bündig. Er stellte die idealen Gesichtspunkte in den Vordergrund, und Prompt beantragte Dr. Spahn die Verweisung des Etats an die Budgetkommission, wo man die Sache gründlich untersuchet wolle. Die Tendenz her Zentrumsrede war naturgemäß kritisch, doch auch Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) erklärte, bei allem Wohlwollen, weitere Aufklärung in der Äomminion tut notwendig. Der Gouverneur der Kolonie, £>err v. xinbequilt, beeilte sich, burch eingehenbe Schilderung der Sachlage eine der Kommissionsberatung günstige Plattsorm zu schäften, und sein -ruhiger, von Uebertreibungen freier Vortrag begegnete bei allen Parteien achtungsvollem Interesse. Freilich konnte er den Gouverneur, dem vor allem um „zufriedene Stimmung' un Schutzgebiet zu tun ist, nicht verleugnen. . An diesem Punkt setzte Bebel mit einer scharfen Krntik ein. Ihm graut vor den Konsequenzen dieser Zuwendung an die yarmer, ba doch auch in Zukunft mit kolonialen Aufständen gerechnet werben müsse. _ , . ~ . ,. Dem pflichtete Abg. Kopsch (Fr. Vp.) bet; von Freigebigkeit auf Kosten her Steuerzahler wlll er nichts wissen. „Prüfung unter bem Gesichtspunkt ber Billigkeit" — so urteilen bie entschieden Liberalen, die hier den Ausjcylag geben. Es ist also Wohl möglich, daß ein Abstrich an der Forderung vorgenommen Wird. Einstimmigkeft besteht einstwellen nur in bem Wunsch nach ausreichender Versorgung der in Südwestafrika Hutterblie- beueu. Relikten. Stellvertretender Äolonialbireftor Ternburg: Gestatten Sie mir, daß ich auf die für die Entwickelung deS südwestafrikanischen Schutzgebietes so wichtige Vorlage kurz eingehe. ES ist die dritte Vorlage, die sich mit Hilfeleistungen beschäftigt, die den Ansiedlern gegeben werden sollen für Verluste, die sie sowohl in dem Krieg mit den Herero als auch später in den Hottentollenaufstqnben erlitten haben. Es wird wohl in Ihrer aller Erinnerung sein, daß zunächst eine Entschädigung von zwei Millionen Mark gegeben wurde; später hat man sich auf weitere 8 Millionen geeinigt Eine weitere Hilsleistung wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß noch nicht festgestellt '"ei, ob die Verwendung dieser Summe tatsächlich dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Schutzgebietes zu gute komme. Man hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß eine rechtliche Verpflichtung des Reiches für diese Leistungen nicht vorliege, und daß man sie nur dann ge* währen wolle, wenn man bie Sicherheit habe, daß damit tatsächlich Gutes geschaffen werde. Man hat dabei im Auge gehabt, daß vielleicht ein großer Teil hiervon durch Schuldenbezahlung und ein anderer Tell durch deo Lebensunterhalt aufgezehrt werde. Nach den Feststellungen der Vorsitzenden der EntschadigungS- kommisiion Dr. Rohrbach und Dr. Meyer kann man konstatieren, daß der weitaus größte Teil zur Wiederan schaffungvon Vieh und zur sonstigen Wiederher st ellung der Wirtschaft verwendet worden ist Ich glaube also, daß die verbündeten Regierungen den Nachweis erbracht haben, daß die Hilfeleistung hn wesentlichen, soweit es überhaupt nachweisbar ist, zu den beabsichtigten Zwecken verwendet worden ist. Es sind 17 Millionen Mark Schäden angemeldet worden. Hiervon sind 4 Millionen abgesctzt, also ein gutes Viertel der angemeldeten Summe. Bei der Gewährung der ersten Beihilfe ist vielfach die Frage aufgeworfen, ob es nicht möglich sei, an Stelle von nicht rückzahlbaren Beihilfen den Farmern mit Tarlehnen zu helfen. Die erste Vorlage spricht sich dahin auS, daß die ungünstigen Erfahrungen, die sonst mit solchen Darlehnen gemacht worden finb; in unseren Kolonien noch Schwierigkeiten im höheren Grade zeigen werden. Tie Erfahrungen, die seitdem in Afrika gemacht worden find, unterstreichen diesen Satz. Ta ist zunächst die Frage der Sicherung des TarlehnZ. Man gibt das Tarlehn ohne eine materielle Sicherheit, c3 ist nur ein Druck auf den persönlichen Dar> lehnsnehmer, gibt aber keine Gewähr dafür, daß es rückgezahlt wird Jedenfalls wird eine Eintragung auf den Grundbesitz des betreffenden Farmers nicht gegeben. Man hat damals gegenüber dieser Argumentation eingewandt, daß man in den Schutzgebieten ja späterhin viele Tarlehne Nachlassen könne. Tas von vornherein auszusprechen, ist sehr gefährlich, denn man verläßt sich bann darauf, daß die Darlehne nicht eingefordert werden. Tas ist eine Prämie für den Faulen. Ich muß Ihnen aufs allerdringlichste und wärmste die Genehmigung der vorgeschlagenen Summe anempfehlen. Man hat diese Hilfeleistungen früher mit Beihilfen, die bei sonsttgen wirtschaftlichen Kalamitäten wie Hagelschaden usw. «neben worden sind, verglichen. Allem hier muß man doch m Betracht ziehen, daß sich diese Leute unter Hintansetzung ihrer Jitteresien, ihrer eigenen Familie dem Trnlschen Reiche zur Ver- . fügung gestellt haben, und in vielen Fallen nicht nur ihr Gut, l sondern auch ihr Leben verloren haben. Jnfolgedenen mutz man > bie Sache von einem anderen Standpunkte als dem der rem mitte- ' ri-ll-n gntf^äbidung bmacht-L Nachdem ich ^ab«. daß bie beantragte» Mittel un wesentlichen zur WiederDeutscher Reichstag. ÖJ. -oivuag am Lu. Entsprechend einem Anträge der GeschästsorbnungS- konrmission beschließt ba» Haus, die nachgesuch^e Genehmigung zur Strafverfolgung des $105. Hilpert wegen Beleidigung für die Dauer der Session n 1 ch t zu erteilen. — Sodann wird die Beratung des (Lat5 des Reichsamts des Innern, „Extraordinär.um", fortgesetzt. Es ist zunächst abzustimmen über die Forderung (siebente iRcue; für Hoh- königsburg. Tie Genehmigung erfolgt gegen die Stimmen von Zentrum, Polen und Sozialdemokra.en. — Bei der Forderung für Forschung der Forschungen auf dem Gebiete der Rebiausvekämpsung weist Abg. Preiß (Els.) hm auf die Erfahrungen, die man in Frankreich mit der widerstandsfähigeren, amerikanischen Rebe gemacht habe. Weiter wendet sia; Redner gegen das „Ausrottungsverfahren". Abg. Blantenhvrn (nl) steht in dieser Beziehung auf einem abweisenden Standpunkt. Die Regieruitg solle keinesfalls von dem Ausroriungsversahren, das sich in Deutschland und auch in Elsaß-Lo Ihringen bewährt habe, abgehen. Staatssekretär Graf Posadowsky widerspricht ebenfalls den Ausftihrungen des Abg. Preiß. Der Titel wird genehmigt. Bei dem Schlußtttel von vier Millionen zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in dem Reichsbetrieoe und Verwaltungen durch Darlehen an PrUcue und gemeinnützige Unterneh- mungen (BaugenossensciMtler usw.) äußerte Abg. Jäger (Ztr.) verschiedene Wünsche in Bezug aus die Darlehnsgewährung. Staa^ssekreiär Gras PosadowSiy bemerkt, wenn der Wohnungsnot wirksam abgeholfen werden sollte, so ist vor allem dazu nötig eine Ausdehnung des Systems der Erbpacht. Tie Kommunen sollten es sich angelegen sein lassen, Grund und Boden anzumufen und ihn parzellenweise in Erbpacht zu geben. Geraoe mit der Entwicklung dieses Erbbaurechts würde man auch, wie rnehrhundert- jährige Erfahrungen in England zeigen, der ungesunden Bodenspekulation entgegenwirken. Abg. Brüh ne Soz.) weist auf die schlechten Arbeiter- Wohnungen im Osten hin. Abg. Singer (Soz.) macht den Staatssekretär aus- merksam auf die großen Schwierigkeiten, die der Durchführung seiner Vorschläge enigegeniräten. Damit ist der Etat des Reichsamts des Innern erledigt. Es folgt die erste Lesung des zweiten Ergänzung s e t a t s pro 1907, der ?i/2 Millionen Bkark auswirft zurEntschadigungderFarmerinSüdwest- afrila, sowie 30 000 Mk. für dortige Beamte bezw. deren aufrichtung beS Schutzgebietes bienen sollen, glaube ich Ihnen auS voller Ueberzeugung Die Annahme dieser Summe anempfehlen zu dürfen. Ich wünsche nur, daß bie Farmer dadurch in den ^-tanb gesetzt werben, sich auch künftig ihres Besitzes zu erfreuen. (Beifall.) Abg. Dr. Spatzn (Ztr.): Ich möchte Vorschlägen, bie Vorlage an die Budget! orn - Mission zu uberrocijen. Der ReichSlag hat früher die Entschädigung abgelchnt, weil sich gar nicht abschen ließ, wie weit der Ausilaub Verbreitung finden unb welches Ergebnis man fdüiefc* lich vor sich haben würde. Run, schließlich ist man ubetemge- lommcn, Geldmittel zu bewilligen. Doch fragt es sich, ob man ]ic alß Tarlehne oder als Hilfeleistungen bewilligen foIL ±te Mit- teilungcn, bü uns die Denkschrift gegeben hat, bedürfen meiner Ansicht nach ncch in mancher Beziehung der Nachprüfung. z.ic EntschädigungSkou misiion hat sich dahin auSgcfprochen. dag oyne Rücksicht auf SaS Bedürfnis Unrersttitzungen gewahrt werden sollen, unb zwar gleichmäßig, nach feststehenden prozentualen matzen. Ich bin nun ber Meinung, man sollte sich immer vor -äugen halten, bah nicht alle gleichmäßig ber Unterstützung bedürftig Md Wir haben ba Aktiengescllsä-aften, bei benen ohne weiteres daS Bedürfnis zur Hilfeleistung gar nicht in Frage kommt. Eine Reihe von Farmern findet es auch vorteilhafter, baS erhaltene Geld zurückzulegen. statt es zu neuen Ankäufen von Vieh iftw. Zu verwenden. Wir müßen uns doch gewärtig halten, datz bie Mittel bewilligt werden aus Gelbem von Steuerzahlern minderbemittelter Volkskrcise, daß man daher ganz genau barm fern muß. Meiner Ansicht nach sollte die Liommission bie Frage ber TartchnS« gcwichrung noch einmal näher prüfen. Die Erfahrungen, die man in Preußen mir NotstandLdarlehcu gemacht yar,^kommen hier nicht in Frage, weil hier gänzlich anberc Veryaltnipe obwalten Also die Kommission sollte sich doch lieber für Tarlehne enftcheiden. Allerdings müßten sie unoerzinLlich sein. Sollte Re Kommftiion aber zu einer anderen Ansicht S.clangen, statt Daphne Unterstützungen gewähren, bann wird ]ie fcdenfalls den Grundsatz ber Gleichmäßigkeit verlassen müssen. Man wird mt ©cgcnteil öon Fall zu Fall prüfen müssen, wo eine Unterftützung am Platze tst Unb in welcher Höhe. Shg. Frhr. v. Rickstbofen (lonf.) sck .eßt sich dem Anträge auf KommisiionSberatung «n. Die Gelbe-c, die an Farmer gegelten werden, können nicht den Lharaktcr von Schadenersatz haben, sondern sollen ihnen die Mogllchkel^: be» Wiederaufbaues ihrer Wirtschaften ßeoen An bi cf en Gesichtspunkt hat sich bie Kommission brausten nicht immer gehaltem Mit besonderer Freude habe ich begrüßt, datz bie Frage, ob die Gesellsäiafiei auch Entschädigungen bekommen fallen, m der Haupt fache erledigt ist; ein Teil der Gesellfchaften h^t verzichtet, ber einem Teil ist es abgelehnt worden; wo eS bewilligt wird, sind Gründe dafür vorhanden. Die Auslänberfrage^ bedarf noch wetteru Aufklärung; es spielen ba gewih auch internationale GefichtSpuntte mit Eine Entschädigung muffen auch bie Hrnt^bliebenen der m den Aufständen gefallenen Farmer erhalten. Bei uns besteht die größte Sympathie für die Bewilligung ber ganzen angeforberten Summe. (Beifall rechts.) Gouverneur v. Linbequist: Der Aufstand ist soweit niedergeschlagen, baß mmmehr, von ffinÄclheitcn abgesehen, ber wirtschaftliche Betrieb wieder miTge* rammen werden kann. Diese Hoffnung hat lange suruckgehalten werben müssen. Man halte sie bereits wenigstens für einen Teil zur Tat gemacht bei ber ersten Bewilligung zwei Millionen Mark. Mit den 2 unb 3 Millionen, die das Haus oewilligt hat, ist em aroster Segen geschaffen worden. Das Schutzgebiet wirb bankbar ?afur sein, daß damals so schnell Hilfe gewahrt worden ist. Tas geht auch aus den Berichten hervor. G» ist nicht zu viel ge sagt, daß ohne die damalige Hilfeleistung cm allgemeiner Rum un Schutzgebiet eingetreten Ware. Es Ware wirkl.ch zu emer gtoßeu allgemeinen Katastrophe, zu einem ganz allgemeinen Konl^urie ge^ kommen. Es ist von der Enlschabigungslommipwn in eingehenb- fter Weise durch Einsichtnahme von Buchern festgepellr worden, daß sogar kaufmännische Betriebe, von denen man annahm daß sie tto^ des Unglücks noch verhättnismätz'g günstig bastehen wuracn, ohne die Lilselcisttrng, bie zunächst zwei Fünftel des Schadens ausmachte, sich nicht hätten halten können, ,andern zugrunde gegangen wären und baß dieser Un.ergang der Kaufleute w-eber -'ne Reche von Handwerkern usw., die von dem kaufmännischen Betriebe ao- hängen, nach sich gezogen Härte. Nun ist vielsmch nefagt worben, es haben bre Leute wahrenb be5 Feldzuges viel verdient. Das ist mir sehr bedingt su sagen. Es sind allerdings einzelne, welche verdient haben, aber auch bttfc haben in der ersten Zeit des FeWzuges nichts verdient, sondern verloren, unb es haben allgemein nur bie verdient, welche tote Geschäfte an der Küste halten. Diejenigen, toclcqc im ^nnern De^ Landes waren — ba5 geht sowohl bie Kaufleute wie die acmneu Handwerker an —, sind dadurch geschädigt worben, daß die D ^hrsverhältnisie absolut unzulänglich waren, sowohl nn Norden wie im Süden des Schutzgebietes. Es ist nicht unfclannt, bcch bie Bahn von Swakopmund nach Winbhuk m keiner Weise aenüqt hat, baß sie nicht einmal bazu ausreichte, den notigen Proviant für bie Truppen heranzuführen, unb baß beshalb futbte Zwilbevölkerung mir so v.el Zufuhr auj die,er Bahn erlaubt werden Lunte, baß sie eben nicht verhungerte. In noch höherem Maße gut das was uh hier vom Norden des Schukgebietes gesagt habe, von seinem Süden. Verhältnismäßig ist überdies der Verdienst lehr gering gewesen. Li- Leute haben zum größten Teile wahrend des Kr eaes, wo sie unter normalen Verycüiniycri ja allerdings hatten I verdienen können, zugcsetzt. Tas gilt schon von den Äaufleu-en, das gilt ganz besonders von den Farmern, welche jahrelang chren «Betrieb nicht wieder aufnebmen konnten, unb endlich von ^" Handwerkern. Nun hat ber Hohe Reichstag im Mai v I. sich Prinzipiell in keiner Weise ablehnend gegen eine weitere Hilfeleftttrng gefüllt. EZ ift zunächst von ihm nur verlangt worden, daß eine Nawweifung darüber borgelcgt würbe, wie die Gelder verwandt worben find. L'ese Nachweisung ist gegeben, und wie Sie aus der letzten Sci.e ersehen, haben nur 102 157 Mk., d. H..2 Proz. der ganzen Summe, nicht nachgcwiesen werden können, während b.e übrigen nach Den dort ausgestellten Rubriken: Lebensunterhaltung, Schuldentilgung, Neuerwerbungen usw. nachgewicsen worden sind. Weil nicht mehr genügend Gelder vorhanden waren, ist nun, nachdem zwei Siebentel zunächst gezahlt worben waren, an bie» jenic-en, welche es am notwendigsten hatten, nämlich an bie Quasi-Farmer, eine weitere Entschädigung von zwei e-ebenteln gezahlt worden, so baß die meisten bisher nur zwei Siebentel erhalten haben, die übrigen vier Siebentel. Es ist dabei von der Dank so vorgegangen worden, daß eine absolute Garantie dafür gegeben ist, daß von diesen Geldern, die über die ersten zwei Siebentel verwandt worben sind, jeder Heller und Pfennig für den Wiederaufbau der Farmen angelegt werben mußte. Tie Kassea haben auf eine Verfügung hin nur noch gezahlt, wenn im einzelnen, das heißt auf Grund von bezahlten Nechnungea oder soa« nacFgdDteTnt toirrbe, daß das Gekd tatsächlich nn Getriebe angelegt worden war. Zum großen Teil ist es auch in der Weise geschehen, daß von Regierungswegen Vieh angeschafft worden ist, und daß nun den Farmern dieses Vieh zu den Selbstkostenpreisen der Regierung gegeben worden ist, wogegen dann das ^Geld nicht gezahlt wurde. Die Ansiedler haben früher wohl auf dem Standpunkt gestanden, daß sie einen Rechtsanspruch auf die Bewilligung der Gelder hätten. In dieser Beziehung darf ich hier sagen — und ich habe überall, wo ich Gelegenheit gehabt habe, mit Farmern zu sprechen, sie darüber nicht im Unklaren gelasicn, — daß ihnen ein Rcchtsanspruchnicht zusteht; und sie sind heute voll und ganz davon überzeugt, daß dieses nicht der Fall ist. Dagegen glaube ich allerdings auch mit dem Frciherrn von Richt- hosen, daß eine Ehrenpflicht des Deutschen Reiches und des deutschen Volles dahin besteht, daß diejenigen, welche ihr Hab und Gut in diesem Vertrauen geopfert haben, wieder so weit mit Geld versehen werden, daß sie in der Lage sind, ihren Wirt- schastsbetrieb wieder voll und ganz aufzunehmen. Die Leute haben ja tatsächlich nicht nur sich selbst, nicht nur ihr Leben und Eigentum, sondern auch das Schutzgebiet verteidigt, sie sind jahrelang unter den Waffen gewesen, )ie haben während dieser Jahre nichts erwerben lönnen und haben die Strapazen des Krieges gern und freudig getragen. Es ist gar kein Zweifel, daß die Plätze im Innern des Landes, wie z. B. Windhuk und Okahandja, nicht hätten gehalten werden können, bevor eine Verstärkung der Truppen eingetroffen war, wenn nicht die Ansiedler und Farmer in jeder Beziehung ihre Pflicht getan hätten, wenn sie nicht zu den Waffen geeilt wären und ihre Farm im Stich gelasien hätten. Es wäre im hohen Grade bedauerlich, wenn diese Leute, die in diese Plätze geeilt sind, nicht um sich in Sicherheit zu bringen — sie hätten vielleicht ganz gut, indem sie sich, um sich zu wehren zuiammenschlosien, ihre Formen verteidigen können — sondern um dort dem Ruhme der Fahne zu folgen und für das Deutsche Reich zu kämpfen, dadurch nun Schaden erleiden sollten und nicht dafür entschädigt würden. DaS Schutzgebiet liegt arg darnieder, e5 blutet jetzt noch aus tausend Wunden. Was ihm fehlt, ist eben vor allen Dingen das Geld, damit die Betriebe wieder ausgenommen werden können; vor allem die Farmen, aber auch die anderen Betriebe. Es ist daher nicht nur für die Einzelnen, sondern auch für alle Gemeinden von größter Bedeutung, daß jetzt mit der Hilfeleistung nicht gekargt wird, sondern daß sie reichlich gegeben wird, und auch in einer Weise, daß sie für die Einzelnen nicht drückend ist, damit sie nicht gleich bei Empfang des Geldes daran denken müssen, wie sie es einmal wieder znrückgeben können. Es kann in jeder Beziehung eine Garantie dafür geboten werden, daß alles Geld, welches jetzt noch gegeben wird, voll und ganz der wirtschaftlichen Entwickelung des Schutzgebietes zukommt. Dies war in der ersten Zeit deswegen noch nicht möglich, weil schnell geholfen werden mußte und weil man von den Leuten einen Nachweis der Verwendung noch nicht verlangen konnte. Die Entschädigungskommission konnte damals nickt anders handeln. Dagegen liegt jetzt die Sache anders. Jetzt ist es überall möglich, den Wirlschaftsbetrieb wieder aufzunehmen. Aber das geht erst in allerneuester Zeit, und auch nur sehr langsam. Als ich vor fülifviertel Jahren in dem Schutzgebiet war, war es den meisten Farmern noch unmöglich, den Betrieb wieder aufzunehmen, und zwar scheiterte es daran, daß der Kommandeur der Schutztruppe erklärte, nicht in der Lage zu fein, die für die Wiederaufnahme des Betriebes notwendige Anzahl der Truppen zu stellen. Wenn Sie jetzt reichlich geben, so geben Sie eS nicht den einzelnen Ansiedlern, sondern auch dem Reick, denn das Reich wird dann auch eher Freude an dem Schutzgebiet haben. Bedenken Sie: Selbst wenn Sie eine Hilfeleistung im vollen Maße gewähren, so werden die Ansiedler trotzdem nicht voll entschädigt fein, schon deshalb nicht, weil sie auf Jahre hinaus die Nachzucht verloren Haben. Dann aber hat die Kommission nur immer diejenigen Preise eingesetzt,, die in Geltung waren, als der Aufstand ausbrach. Mittlerweile find die Preise enorm in die Höhe gegangen. Eine Kuh kostet jetzt z. V. das Doppelte. Also auch eine nominelle Hilfeleistung im dellen Maße bedeutet tatsächlich nur eine .solche von 75 Prozent. Es kommt immer darauf an, die Ansiedler begeisterungsfähig und arbeitsfreudig zu erhalten. Erfreulicherweise hat sich jetzt eine Anzahl junger Leute gemeldet, die bereit sind, dorthin zu fahren. Verschiedene sind bereits abgedampft. Sie haben zum größten Teil das sehr verständliche Bestreben, zunächst einmal sich in den Farmerbetrieben der Kolonien umzusehen, anders geartete Verhältnisse kennen zu lernen. Sie sind zum größten Teil nicht unvermögend, sie können sich ruhig ein Jahr oder neun Monate im Schutzgebiete auihalten, ohne etwas zu verdienen. Ich war nun bestrebt, diese Ankömmlinge in unserer RegierungS- Farm in Neudamm unterzubringen, aber sie reicht nicht aus. Ich habe nun an meinen Vertreter telegraphiert und gefragt, welche Farmer sonst noch bereit wären, sie aufzunehmen. Bis jetzt hat sich nur eine kleine Anzahl gemeldet. Das liegt wohl daran, daß die Leute ihren Wirtschaftsbetrieb noch nicht ausgenommen haben, also auch nichts zeigen können. Es ist aber von größter Bedeutung, daß diele Farmer als Lehrmeister erhalten bleiben, aber nicht so, daß sie mühsam hinvegetieren, sondern daß sie mit Lust und Liebe uns Musterbetriebe vorführen können. Sic glauben garnicht, von welcher Bedeutung es für jemand ist, der in ein neues und unwirtliches Land kommt, daß die alten Bewohner ihm sofort mit Klagen und Beschwerden entgegentreten. Sonst bemächtigt sich der neuen Einwanderer eine große Unlust. Eine Anzahl, verliert den Mut, und sie gehen dann bald wieder zurück. Diese Gesahr besteht nun, wenn Sie nicht dafür sorgen, daß die Leute so zufrieden gestellt werden, wie sie glauben, daß sie erwarten dürfen. ES würde zu nichts führen, wenn man die Frage anregte, ob und wie weit da? Reich eine Mitschuld an dem Äufstandc trägt kann auf das • . weisen, was Generalleutnant Sixt von Arm. in der Kommission vor- getragen hat. Das Kriegsministerium iji der Ansicht, daß einen Teil der Schuld der Umstand trage, daß zu Bes>" in des Aufstanoes eine viel zu kleine Truppe im Schutzgebiet vorhandeü war. Wenn Sie bedenken, daß in diesem kolossalen Lande bei Beginn des Aufstandes nur 700 Mann anwesend waren, so werden Sie sich den Gründen des Kriegsministeriums nicht verschließen können. Wie dem auch fei, jedenfalls ist in Südwestafrika allgemein die Meinung verbreitet, daß das Reich mit schuld fei an dem Aufstand, und infolgedessen glauben die Leute auch, daß sie mehr als sonst ein Recht, einen Anspruch darauf haben, mit Wohlwollen von dem Reichstage, von . dem Vaterlande behandelt zu werden. Für die Hinterbliebenen soll nach Möglichkeit gesorgt werden, das ist auch Ihr Wunsch, das heißt, es soll eine tatsächliche Hilfe gegeben toerban, eS soll bares Geld Uwährt werdest^ohne trnff fite Auflage T5tJ5en Empfänger darauf ruht, wieder nach Afrika zurückgehen zu muffen. Im Schutzgebiet wird nun bitter empfunden, daß diejenigen, welche in Deutschland bleiben, die volle Hilfe bekommen, während diejenigen, die dort verharren, um die Wirtschaft wieder aufbauen zu helfen, keine bare Hilfe, sondern nur ein Darlehn^ erhalten. Diese Frage ist ja bereits in der Budgetkommission erörtert, ich will deshalb nur darauf Hinweisen, wie allmählich der Reichstag selbst vomStandpunkt des Darlehns mehr und mehrzu dem der wirtlichen Hilfeleistung übergegangen ist. Die Beamten und Mililärpersonen, denen erlaubt worden ist, dort einen Farmbetrieb zu eröffnen, und welche nur. um sich das Geld baffir zu erwerben, Beamte geworden sind, mü]")en natürlich wie die Ansiedler behandelt werden. Ich erwähnte auch, daß auch Ausländer berücksichtigt worden sind. Ich habe in meiner Eigenschaft als Generalkonsul in Kapstadt während des Burenkrieges Gelegenheit gehabt: auf das Energischste dafür einzutreten, daß auck unfere_ deutschen Untertanen dort von den Engländern entschädigt würden. Es ist mir das auch sowohl für Transvaal sowie für Oranje geglückt. Ein Reckt auf Entschädigung ist zwar nicht anerkannt, wohl aber ein Billigkeitsanspruch. Wie haben aber die Engländer dielen Billig- keitsanspruÄ ausgelegt? Sie haben den Buren zum Aufbau ihrer Farmen nicht weniger als 60 Millionen Mark gewährt, sie haben den britischen und ausländischen Untertanen nicht weniger als 40 Millionen zur Wiedereinrichtung ihrer Betriebe gegeben.^ und das alles nicht als Darlehen, sondern als Hilfeleistung. Die Ausländer sind voll entschädigt worden. Ebenso sollten auch wir handeln. Nachdem alles glücklich überwunden worden ist, sollten wir nun das Werk auch damit frönen, daß nichts gespart wird an Mitteln, die produktiv sind, die das Schutzgebiet wieder wirtschaftlich in den Sattel heben. Die Dankbarkeit des Schutzgebietes wird Ihnen sicher sein. Gewähren Sie nur ein Darlehn, so bleibt das unbehagliche Gefühl bet den Empfängern zurück, daß man hier die Schwierigkeiten und Dornen übersieht, welche der wirtschaftlichen Erschließung sich in den Weg stellen. Ich möchte Sie noch einmal dringend bitten, daß Sie dadurch das Werk, welches Sie durch die Bewilligung der ersten 5 Millionen begonnen haben, vollenden und krönen, daß Sie diese weiteren 7^ Millionen, welche ange ordert werden, unter denselben Bedingungen wie die ersten gewahren. (Lebhafter Beifall.) Abg. Bebel (Sozd.)r Der Vorredner hat etwas zu sehr den Standpunkt des Gouverneurs von Südwestafrika betont und zu wenig den, den wir hier zu vertreten haben. Der Gouverneur meinte, es wäre gut, wenn er bei feiner Rückkehr nach Südwestafrika keine Klagen mehr hörte. Von solchen Anschauungen dürfen wir uns hier doch nicht leiten lassen. Wenn wir jetzt alles bewilligen, , werden wir in Zukunft alle ähnlichen Forderungen bewilligen müssen. Wenn wir in Deutschland mal einen Krieg bekommen, werden alle Geschädigten auch zu uns kommen und sagen: Die Leute in Südwestafrika habt Ihr entschädigt, da müßt Ihr uns auch entschädigen. An diese Konscguenzen müssen wir doch auch denken. Der Gouverneur wies auf England und den Burenkrieg hin. Aber da handelte es sich um ein Land von hunderttausend Einwohnern, bei denen ganz andere Werte vernichtet wurden als in Südwestafrika. Wenn England da 60 Millionen zahlte und wir 12^, so zahlen wir doch ganz enorm mehr. Bei uns handelt es sich um 956 Menschen, da kommen also ca. 13 000 Mark auf den Kopf. Das ist doch ganz horrend. Wir stehen jetzt vor der Frage, ob wir nochmals 7% Millionen bewilligen sollen. Da ist besonders interessant, was am Schlufie der Denkschrift steht. Da heißt es: „Für die Entscheidung über ja oder nein, über Gewährung oder Versagung der Hilfe werden allerdings weniger die Erwägungen über die Bedürftigkeit der Ansiedler als die über den Wert oder Unwert der Kolonie a n s i ch entscheidend fein.* Demgegenüber ergibt sich der Standpunkt meiner Partei von selbst, wir werden gegen den Ergänzungsetat stimmen. Mg. Dr. Semlcr (ntl.) : Mit Herrn Bebel betrachte auch ich die Angelegenheit vom Standpunkt des Deutschen Reichstages. Ich hccke das, was ich mitzuteilen habe, in meinem Buche mit der Bemerkung eingeleitet: Die Aufgabe, auf dem Lande ein Farmergeschlecht zu erhalten, sehe ich zunächst nt einer beschleunigten Beendigung des Aufstandes — ich schrieb das zu Anfang 92otiember vorigen Jahres —, die Entschädigungsfrage für die Farmer oder bester gesprochen die Frage: Wie erhalten wir die Farmer in der Kolonie?, bildet heute den Mittelpunkt aller militärischen Interessen in Südwestafrika. Ich habe dann weiter versucht, historisch die Dinge darzustellen, ich bitte Herrn Bebel, das nachzule>en, dann würde er vielleicht die Frage anders beurteilen, ob schon vor dem Hereroaufstande die Kolonie bankerott war oder nicht. Richtig ist nur, daß die Kolonie sehr verschuldet war. Wer ich kann nur wiederholen, eine Verschuldung, die sich nicht vergleichen läßt mit der des Bankerotteurs, sondern eine Schuld, die man haben kann, wenn man in einer gesunden, wirtschaftlichen Lage Kredit nimmt. Es war der Kredir von den Kaufleuten und den Storebesitzern an die Farmer. Schulden, die zu ertragen waren, die abzu stoßen die damalige Zukuntt der Kolonie, wie sie vor dem Aufstand den Farmern vorschwebte, sehr wohl möglich machte. Dann kam der Herero-Aufstand; alles andere ist vernichtet, geblieben sind die Schulden. Ich habe damals mitgeteilt: An der Entschädigung des Reichstages liegt heute alles, nämlich, ab der Farmer sich genügend Muttervieh für seinen Betrieb beschaffen kann oder nicht. Wird heute — also damals im November — die Beihilfe gewährt, so ist die frühere Entwicklung nur um 5 oder 6 Fahre verschoben; wird sie abgelehnt, so kommt erst die eigentliche Krisis. Wie wett soll man nun in der Entschädigung gehen? Ein Teil des erlittenen Schaden? kann der Farmer nicht mittragen, denn et hat nichts als seine Schulden, und mit Schulden kann man keine Schäden bezahlen. Man muß also ganz und nicht teilweise geben. Was die Buchführung anlangt so wird Herr Oberrichter Meyer, der ja hier im Saale ist, Auskunft darüber geben können. Sowett ich urteilen kann, find bei den meisten der bärtigen Kaufleute und Storebeiitzern doch ordentliche Büchet vorhanden, die eine gewisse und vielleicht eine genügende Unterlage der Kommission bieten. Was nun die Frage anlangt ob Beihilfen ober Datlehne, so kann ich die Anwendung der pteußiscken Erfahrung auf Südwestafrika nicht zugeben. Ich halte es für zweckmäßiger, die Gründe in der Kommission zu sagen. Trotz der Verdienste des Generalkonsuls in Kapstadt ist der Schaben aus dem Burenkriege den Deutschen. voll ersetzt worben, ich werbe beim Etat des Reichskanzlers gewisse Fälle zur Sprache bringen. Gewiß kann man den Schadenersatz ohne Rück- zahlur.H'oen,' 'aber Sann wird man sich r'ckt wundern könne < wenn den Andeutungen des Dr. Spahn zufolge man sich frag:, ob mit Rücksicht auf die Steuerkraft die Boträge in toto gegeben werden können, oder ob man sich mit einem lehr viel'sparsameren Betrage abfinden lassen muß, und das wäre ein sehr, schwerer Fehler. Denn was braucht diese neu erstehende Kolonie? Sre braucht Geld, viel Geld. (Gelächret dcr Sozialdemokraten nnd im Zenttum.) Ja, ich nenne die 8 Millionen sehr viel Geld, rro^- dem gegenüber den ungeheuren Verlusten; den Hunderten von Millionen, die wir haben bewilligen müssen, die Ablehnung dieser 8 Millionen zur Sicherung des Wiederaufbaues her Kolonie wahrlich nicht die Weise eines verständigen Hauswirte? wäre. Aber den Kolonien ist nur mit der ganzen Summe gebient. Wenn man statt besten ihr 2 Millionen als Geschenk geben würde, so würde das dem einzelnen, insbesondere auch demjenigen, bet nichts die Absicht hat, in der Kolonie zu bleiben, vielleicht angenehmer sein. Wer für die Kolonie ist es viel wichtiger, wenn das Gelb gegeben wirb, den Schaden auszugleichcn. Daher habe ich vorgeschlagen, man gebe die von der Ent- schädigungskommission anerkannten Restbeträge als Darlehn, da? nach 5 Jahren rückzahlbar ist, und zwar nicht in. bar rückzahlbar, sondern in einer auf den Grundbesitz zu legenden Rente zur Der- zinsung und Amortisatton Mit 5" Prozent. Die Grunde sind, wie ßcfagt bester in der Kommission zu erörtern, als hier öffentlich, wo es nur zu leicht von den Farmern draußen mißverstanden wird. Wegen meines wohlmeinenden' Vorschlages, die 8 Millionen ctts Darlehn zu geben, bin ich damals in der füdafrikanischen Presse in der unerhörtesten Weise von den Farmern angegriffen worden; das ivar der Dank. (Lachen der Soz.> Von der anderen Sette bin ich natürlich auch angegriffen worden. Mein Vorschlag bewegt sich also, wobl auf der mittleren Linie. Ich habe damals mit einem der kundigsten und besten Farmer des Landes gesprochen, und ira? gab er mir zur Anttuort, als ich l5n fragte: Tut es nicht auch ein Datlebn? „Ja, Sie haben recht*, sagte er, „aber bitte, sagen Sie es nicht, daß ich es zugegeben habe, denn da? würden mir nutne Kollegen nicht verzeihen.* In der Kommission werden wir mit vollem Wohlwollen, aber auch mit Rücklicht auf die Steuerkraft des Reichs die Angelegenheit prüfen. (Lebhafter Beifall.), , Wg. Kopsch (fretf. Dp.) r In den Ausführungen des Gouverneurs hat es mich angenehm berührt, daß er anerkannte: die Forderung von 7 Millionen würde dem Reichstag nicht leicht werden. Frhr. von Richthofen will freilich darüber hinaus noch „freigebig" fein. Wer diese „Freigebigkeit* geht auf Kosten der Steuerzahlerl Dem Anrrag auf Uebcrweisung an die Dudgetkommrssion stimmen, wir zu. Weder die Denkschrift, noch die Ausführungen des Kolonialditektors ermöglichen es uns, die Vorlage gleich hier rm Plenum zu bewilligen. Wir dürfen nicht tiergeben, daß solche Entschädigungs- bewiiligungen auch Konsequenzen für die eigene- Heimat nach sich ziehen. Man kann nicht gut südwestafrikanischen Farmern Entschädigungen zahlen, schlesischen Besitzern aber, die durch lieber» schweinmungen ruiniert find, sie verweigern. Wir werden gleichwohl die Vorlage mit Wohlwollen prüfen, unter Berücksichttgmig der Interessen des Mutterlandes, wie der Kolonie. Wg. Herzog (wirrsch. Vgg.) führt aus, daß seine Freunde für die Bewilligung stimmen würden, da die gezahlten Summen für das Mutterland sicher einmal fruchtbringend werden würden. Wg. von Siebert (Rp.): Meine Freunde werden ebenfalls für die geforderte Summe stimmen, da es sich um eine Ehrenpflicht des Reiches handelt. Gefreut hat cs mich, aus dem Mimde des Wg. Dr. Spahn zu hören, daß auch das Zentrum die Beihilfe nicht verweigern rorrb. (Widerspruch im Zentrum.) Ich bin andererseits darüber erstaunt, daß Herr Bebel, der. früher Südwestafrika al5 „Sandwüste" bezeichnete, jetzt von dem fetten Weideland dort sprach. Meine Freunde sehen in der Vorlage eine nationale und eine wirtschaftliche Sache. Südwestafrika soll ein Neudeulsckland werden. Was die wirtschaftliche Seite be- trifft, so braucht man bloß auf die Bedeutung von Canada. Australien und Südafrika für England zu sehen, um sich denken zu können, was Südwestafrika für uns werden kamt. Also: doppeb gibt, wer schnell gibt! (Beifall.) Damit schließt die Debatte. • Persönlich bemerkt J Wg. Bebel: Herr von Siebert hat mich mißverstanden, ich habe keineswegs meine Anschauung über die Kolonie geändert. Ich habe nur gesagt, daß der Grund und Boden sich durch den Krieg nicht verändere hätte und daß nach dem Regen das Gras wieder wüchse. Die Vorlage wird an die Budgetkommission verwiesen. Präsident Graf Stolberg erklärt, daß man nun zum nächsten Punkt der Tagesordnung, dem Justizetat, übergehen wolle. Wg. Bebel (Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich beantrage die Vertagung. ES ist der Wunsch ausgesprochen worden, daß der Reichstag möglichst vor Pfingsten in die Ferien geht. Dieser Wunsch darf aber nicht erfüllt werden auf Kosten der übrigen. Es geht nicht, daß wir Tag für Tag bis in die Nacht hinein sitzen. Ich erinnere an die Mitglieder der Kommissionen, die vom Morgen an arbeiten. Dann noch eins! Wir haben tagelang über Arbeiterschutz gesprockeu.. Da wollen wir ihn aber doch auch selbst üben. Ta wollen wir Rücksicht nehmen auf die Beamten des stenographischen Bureaus, dann auf die Herren dort oben auf der Tribüne. (Er zeigt auf die Journalistentribüne.) Das ist ja eine dauernde Ueberarbeit, welche die Herren leisten. (Lebhafte Zustimmung aus der Jour- nallstentribüne.) Außerdem kann eine Reihe von Zeitungen nicht nach 7 Uhr abends Berichte bringen. Wir sehen also, daß die Sache selber auch unter der Art der Behandlung leidet. Darum beantrage ich Vertagung. Präsident Graf Stoib ergt Ich schließe mich diesem Anträge an. (Beifall.) Die Vertagung fit also beschlossen. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Gebührenordnung für den Kaiser Wilhelm-Kanal, : Rechnuugssacheu und Etat der R e i ch § j u st i z v e r w a l- t u u g. . . , , . Schluß Uhr. AüöM «VS dkll LtslMsMisrryEu örr Ltadr tztestrn. Aufgebote. Aprilll. Georg Martin Ludwig Karl Euler, Schlosser dahier, mit Auguste Friederike Weisgerber in Herborn; — Karl Heinrich Kratz, Eijenbahnarbeiter mit 9) im na Roth, beide in Langsdorf. 12. Georg Kalbfleisch, Gr. Regierungsbaumcisler dahier, mit Anna Sabine Hildegard Weiß in Mosbach; — Karl Braun, Schlesier in Cöln» Teutz, mit Christiane Kreiling dahier; — Johannes Heizer, mit Auguste Schneider, beide dahier. 13. Johann.:- Feldmar, Eisendreher dahier, mit Elise Geßner in ©lcbenba<;„ 15. Friedrich August Oßrnann,^Kaufmann dahier, mit Katharine Pauline Müller in Griebel. 16. Franz Weinhardt, Schlosser, mit Anna Arnold, beide dahier. 17. August Hauck, Kaufmann, mit Elimbclb'Scherff, beide dahier; — Ludwig Kröll, Kaufmann, mit ':c Väth, beide dahier; — Ludwig Liejenroth, Steinhaner in Atten'Buseck, .mit Marie Grein dahier. 18. Tr. phil. Mar Kugel, Chemiker in Wiesborf, mit Magdalene Siegel dahier. Eheschließungen. April 18. Karl Reitz, Buchhalter im Elektri-ttätswerk, mit Luise Wagner, beide dahier. Geborene. April 1. Dem Fuhrmann Heinrich Seibel eine Tochter, Erna Anna. 9. Dem Postillon Karl öleltud cm Sohn, Kart; bem Kutscher Adam Lebus ein Sohn, Erwin Christian. 10. Dem Schlosser Karl Gerkach ein Sohn, Kart. 11. " cm Straßenkehrer Heinrich Grebe eine Tochter; bem Maschinisten Karl Wallboit ein Sohn, Wilhelm; dem Glaser Karl Kalbfleisch eine Tochter, Katharina Marrn. 12. Dem Schirmmacher Johann Radestnsky cind Tochter, Maria Antonia: bem Schneider Heinrich Ludwig Steinbrecher eine Tochter, Lina Marie; bem Schuhmacher Heinrich Prescher eine Tochter, Therese; dem Assistenzarzt Tr. Franz Nürnberg ein Sohu, Gustav Ludwig Werner. 13. Dem Küfer August Klemmrath eine Tochter; bem Lokomotivführer Johann Pfeiffer ein Sohn. Ernst. 14. Tom Schneider Georg Rennert eine Tochter, Dorothea; bem Schreiner Martin Lämmer ein Sohn; bem Erdarbeiter August Lehrmuud ein Sohlt, Heinrich. 15. Dem Lokomotivführer Jakob Vrofitlich ein Sohn, Fritz; bem Metzgermeisler Carl Pirr em Soöli, Ludwig Georg. 18. Dem Schlosser Wilhelm Otto eine Tochter; dem Uhrmacher Heinrich Aiarx eine Tochter. Gestorbene. April 16. Clisabethe Schwan, geln Nadler, 82 Jahre alt, Llcherflraße 74. 18. Lina Wilhelmine Ho'mann, geb. Hochmuth, 27 Jahre alt, Robhelmersrraße 36; Marx, ohne Vorn., 3 St. alt, Selters weg 34. ELsenbahn-Zcstung. — Tie v9u)ibb. Allg. ZtgD schreibt^ mit Bezug auf die von den deutichcll Regierungen beschlossene Beseitigung der von Rerfenben vielfach als Belästigung empfundenen Vorschrift, Fahrtunterbrechung bejchcinigen zu lassen: Wenn neuerdings in der Presse verlangt wird, daß man feine Reife beliebig, auch mehrmals, ohne Bescheinigung, unterbrechen dürfe, wenn weiterhin ge» fordert wird, daß den Fahrkarten eine längere Geltungsdauer gegeben werden möge, als bis zum folgenden Tage, so scheine hierzu ein Bedürfnis nicht vorzuliegen (? D. Red.) ganz abgesehen davon, daß bei den langfristigen Fahrkarten, die ohne alle Kontrolle von beliebigen Stationen aus benutzt werben können, der Reiz zu Fahrgelbhinlerziehungen. in noch größerem Umfange als bei den heutigen Rückfahrkarten vorliegen würde. Wer längere Reifen machen wolle und fein Gepäck beliebig vorausfchicke und die Fahrt wiederholt unterbrechen wolle, dem ständen auch künftig bte Vereinsfahrscheucheite zur Verfügung. L*niverntäts-Nachrrchten» — Tie bayr. UnioersuätSrektoren wurden vom Kulttisministe- rium ermächtigt, Hörerinnen in bet philosophischen Fakultät zuznlassen ohne Einholung mtnifterieller Genehmigung, wenn der Nachweis über den Besuch einer Lehreriiiiienbllbungs- anftalt und die erfolgreiche Ablegung der Semiuaischlußprükuug ober der Nachweis über ben Besuch einer höheren Mädchenschule und die erfolgreiche Ablegung bet Lehretinnenprüfuug ui den neueren Sprachen beigebracht wird. -uß- d.° Ä* (rrntil J|( Iltgelfvkons £iite Lan heute hier, i bands jU" Deutschlands delegierte E satiouen der Orb erschiene Arbeiterielrel' Ausdruck. , In Berhtni abg. Dr. Fr« heim über Zn salion. Die - mentlich gelle schastliche sest das Militär d der stets als gerusen werde Mischen Zug Teuiscylard/ d KE« Ätz in Mann! oder rentraüs! sttztercn Amt hast der Lug< schasten Zuze Das zwei bach. Er ma öorwurf, da ivirlschafl w Loltsschulunl um müsse bi tvissenschastlick verjäume. M Volkserziehun, der eigenen j eingepslanzt rc biejer Mlt, Es sei nottoen wie manche Ät ox\\ tot Lttm Uellniveri ihr Wesen tr ning, daß \ gewährt wer teren Lolkss Zeitabschnitt dem Volte gk streiten. wenn er in b Wen Heiß, Zufall, baß . Piden Mensche kratie müsse t sein. Tie Arbe man lehren. < Familienzwist Mädchen und hätte. Ls Hal Lu schimpsen es gelte mi W Niän wrge nur w oivecken dient würden nur; dem eig, der Partei ur -ougenb annej ., Dem mjt We am Na . .darnachw Wn bildet , unojibeiterinr Ä ben Boi fern* ^bisher K .,. - AI? b M bem foid Mnen y-Ni, ^llb aller ch, fai' 7 i«™= i fc ■«•