Nr. 194 Zweites Blatt 157. S Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonnys. nfl.nl Nach mittag um 5 Uhr, ist, "ach dem Tagebuche des umfaßt, durch den plötzlichen Schluß des Theaters m eine recht nlfpn (SSiPtaonPvci. Vxata an hnitntfl »mavSoi» __"tu. < r> - \ . . . um die mißliche Lage versetzt worden. Die neue Spielzeit des Theaters sollte bereits am 1. August beginnen; da aber polizeilich ein U m b a u gefordert wurde, mußte der Wiederbeginn der Vorstellungen verschoben werden. Die „Gleßcne. §amillenblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Verhandlungen aus dem Deutschen Tage. (Nachdruck verboten.) alten Gießeners, Heß enthauptet ivordeu. Demnach also müßte die hübsche Anekdote von den „vttte Atädercher, die mit dene kurze Rock un de tuntige Strumbennel," die aus Butzbach gekommen waren, um „de Heß köppe 31t sehe- und denen er den „Spaß gründlich verderwe" wollte, wenn sie überhaupt wahr ist, bereits kurz nach dem Widerruf seines Geständnisses sich abgespielt haben. — Die Dramatisierung des Falles Hau hat dem Direktor des K ö p e n i ck e r S t a d t t h e a t e r s nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Trotz aller Reklame blieb der geräumige Saal des Stadttheaters ungefüllt. Einem Bericht über die verunglückte Aufführung entnehmen wir folgendes: Ter „Dichter- des Stückes nennt sich M. Kühne, mit) „mehr als kühn" war c5, einem Großstadtvorort ein solches Machwerk zu bieten. Jeder Akt zeitigte unfreiwilligen Humor, der laute Heiterkeitsausbrüche zur natürlichen Folge hatte. „Rührend" war besonders der dritte Akt, die Schlußszene in Baden-Baden. Zwei vermummte Manner als Repräsentanten der Männer mit dem schwarzen und grauen Bart, zwei betrunfene Arbeiter, von denen der eine prophetisch kündet: „Es liegt was in der Luft, es schlägt heute noch ein I" Es folgen Olga Molitor und ihre Mutter, sich ängstlich umschauend, worauf der Schuß fällt. Tie beiden nächsten Akte werden durch die Gerichtsverhandlung gefüllt, das Todesurteil wird verkündet, der Vorhang fällt. Verblüfft sahen die Theaterbesucher einander an, man war im Zweifel, ob noch ein Akt kommen werde. Endlich entschloß man sich zum Gehen, aber noch rechtzeitig trat der Direktor vor den Vorhang und verkündete herzhaft, daß der Schlußakt von der Polizei gestrichen worden sei. Es wollte uns cheinen, als hätte das Publikum darüber eine herzliche Freude empfunden/ — Der Wiener Korrespondent der Münchener ,Allg. Ztg." erfährt zuverlässig, daß Weingartner zum Direktor der Wiener H 0 f 0 p e r ernannt ist. Boston, 19- Aug. Ter 7. internationale Zoologen-, kongreß ist eröffnet worden- Professor Hertwig von der Münchener Universität, einer der dcittschen .Delegierten, sprach stbe.r Protozoon- l Dienstag 2v. August 1907 r Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.: Anz-igerGießen. Aus Stadt und Land. Gießen, 20. August. ** Das Wasser der städtischen Wasserleitung wurde, wie wir dem Bericht des hiesigen chemischen Untersuchungsamtes entnehmen, auch im letzten Jahre wieder einer chemischen und bakteriologischen Untersuchung unterzogen. DieUntersuchung ergab, daß die chemische Zusammensetzung und die physikalische Beschaffenheit des Wassers aus den Quellen zu Qneckborn säst die gleiche geblieben ist wie im Vorjahr. Die qualitative Untersuchung ergab wie im Vorjahr wenig Kalk und Spuren von Eisen, während Die un vergangenen Jahr beobachteten Spuren uon Salpetersäure im letzten Jahr verschwunden waren. Das Wasser roch nicht uiid hatte keinen Bodensatz, der Geschmack ivar normal und es luar klar und farblos, Das Wasser entspricht in Bezug auf die chemische und physikalische Beschaffenheit den an gutes Genuß- und Hausgebrauchswasser von der Hygiene zu stellenden Anforderungen vollkommen und kann lUcinc» Feuilleton. — Die Trauerseier für den verstorbenen Pr 0 - essor Joses Joachim hat am Montag nachmittag in der önigl. Hochschule für Musik zu Charlotten bürg stctttge- inden. Als Vertreter des Kaisers erschien der Flügelaojutant vei'tteutnant von Chelius- Ferner stellten sich ein der Fürst ,n Rcuß-Köstritz, der,Komponist, Abgesandte des Berliner und harlottenburger Magistrats, studentische Abordnungen rc-, selbst is Ausland hatte Delegierte entsandt- Die HonnemÄ machte w Sohn des Verstorbenen, der Hauptmann Joachim- Geheim- lt Open, Präsident der Akademie der Künste, hielt die Go- ichtniSrede- Prediger Nithack-Stahn segnete die Leiche ein. en Zug eröffneten Studenten in vierspännigen Wagen. Ui> ittelbar dahinter kam der sechsspännige Leichenwagen- Eine «me und ein Herr trugen den von der Hochschule gespendeten oßen Krunz- Militärische Abordnungen schlossen sich au. Pro- isor Joachim wurde auf dem Friedhof am Fürstenbrunner Weg l der Seite seiner ihm vor neun Jahren in den Tod voraus- gangenen Gattin beigesetzt- — Während der Trauerfeier wurde rinz Friedrich Heinrich von Preußen von einer leichten Ohnmacht fallen und mußte aus dem Saale geleitet werden- — Ueber Gießener Originale plauderte kürzlich an eser Stelle aus Anlaß des Universitätsjubiläums einer unserer itarbeiter, u. a. auch vom Kirchenrätchen Enge l. Am klassischsten »enialls war seine bekannte Tröstung beim Begleiten eines R a u b- brders namens Heß zur Hinrichtung. Nachdem er bei dem mischen Sünder die ganze Kunst seiner Beredsamkeit vergebens fgeboleii hatte, redete er endlich eindringlich mit dem Zuspruch f den Verbrecher ein: „No, Heß, jetzt lut mir de einzige Gelen, laßt Euch köppel" Heute erhalten wir nun durch Zufall "sicht in das Tagebuch eines alten Gießeners aus dem Jahre 17 und sülden da die Eintragung, daß man am 28. Mai jenes hreS den Heß ans „Schaffoot" und wieder in die Stadt bringen )/ „weil er", wie neulich eine Weilburger Dame ganz richtig ühlt hat (vergl. unsere Nr. 184), „sein früheres Geständnis wider- r. Doch nicht wenige Tage später erst, sondern an demselben Oekonomierat Kennemann-Klenka: Früher gabs überhaupt keinen polnischen Bürger st and, derselbe sei erst durch dre Fürforge der deutschen Regierung geschaffen worden. Und der polnische M i t t e l st a n d sei d e r ü r g st e F e i n d d e r Deutschen, dieser innere Feind sei recht ernst zu nehmen. Mit Rücksicht auf die polnische Gefahr müsse das ostmärkische Deutschtum sich energisch zur Wehr setzen. Redner bittet um einmütige Annahme der Resolution. (Lang anhaltende Bravo-- rufe.) Diese Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. Generalsekretär Voßberg-Posen sprach sodann über die Erleichterung des Real- und Personalkredits in den 0 st märkischen Städten. Der Referent hebt hervor, daß die Provinzial-Hilfskasse einen sehr schwerfälligen, langsamen Betrieb habe und infolgedessen die Vorteile dieser Kasse für den deutschen Mittelstand fast illusorisch seien. Auch der Betrieb der Kreis- und der flädtischen Sparkassen sei sehr schwerfällig; die ersten Hypotheken seien ebenfalls sehr teuer. Redner legte sodann im einzelnen die bestehenden Verhältnisse dar; es sei geradezu unmöglich für die Hausbesitzer mehrerer kleineren Städte einen billigen, unkündbaren amortisablen Hypothekenkredit zu erlangen. In diesen Ver- Ixiltnissen sei unbedingt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das Deutschtum vorhanden, indem dadurch die Seßhaftigkeit des deutschen Mittelstandes erschwert werde und somit ein Hindernis in der Verdeutschung der kleineren Städte sei. Die Deutschen sind eben leider gezwungen, sich an polnische Banken und Dar- lehnsinstitute zu wenden und somit tragen dieselben indirekt zur materiellen Hebung des Polentmns bei. Aber auch die Deutschen sind gezwungen, ihre Grundstücke an die Polen zu veräußern. Unbedingt sei daher die S ch a f f u n g eines Hypothekeninstituts, wie wir es wünschen, nötig, und zwar muß dasselbe auf deutscher Grundlage beruhen. Die Gründung einer solchen Kreditanstalt ist bereits am 19. Dezbr. 1906 erfolgt. Dieselbe soll zur Beschaffung billigen Kredits für Beleihung städtischer Haus- und Grundstücke in den Provinzen Posen und Westpreußen dienen. Der Staat gibt zu dem Grundkapital einen , Zuschuß von V/j Millionen Mark. Der Referent meint, daß die Bank dazu beitragen würde, in den unleidlichen Kreditverhältnissen eine Sanierung herbeizuführen und anderseits der Polonisierung der kleinen und mittleren Städte in der Ostmark einen Riegel vorzuschieben. Es gelangte sodann eine in diesem Sinne gehaltene Resolution einstimmig zur Annahme. Heber den Punkt 7 der Tagesordnung: Vereins- und preßgesetzliche Maßnahmen im Interesse des Deutschtums und Schreibweise weiblicher polnischer Familiennamen berichtet Justizrat Siebert-Lyck Ostpr., der die Annahme mehrerer Resolutionen zu dieser Materie empfiehlt. Eine Resolution wurde einstimmig angenommen. Es heißt dort u. a.: Das deutsche Reich ist kein nationales gemischtes, sondern ein einheitlicher deutscher Nationalstaat, die deutsche Sprache ist die ausschließliche Staatssprache; sie muß daher als Wahrzeichen der Staatseinheit im gesamten öffentlichen Leben zur Anwendung gebracht w erd en. — Durch testamentarische Verfüg u n g' von Dr. Paul Wolfs kehl in S) a v in ft ab t ist der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen ein Kapital von 100000 Mark zugefallen, das die Gesellschaft bemjentgen znerkennen soll, der den Beweis des Fermatschen Satzes, daß die Gleichung x“ +yn =zn (u> 2) niemals in ganzen Zählen auflösbar sei, durchführt. Bis zur Lösung beS Problems sollen die Zinsen bes Kapitals zu Zwecken ber mathematischen Wissenschaft verwendet werben. — Die neueste Nummer ber Frankfurter Musik- u n d Theater-Zeitung bringt it. a. einen größeren Aufsatz über die Darstellung von Wagnergestalten durch Ejnar F 0 r ch h a m nie r, ber . einen fesselnden Einblick in die Rollen-Auffassung dieses genialen Künstlers gewährt, und eine Vorbesprechung von Rubinsteins „Dämon", ber vor 14 Tagen zum ersten Riale in Frankfurt zur Aufführung gelangen sollte nnb nun für ben 24. d. M. in Aussicht steht. Tie Franks. Musik- und Theater-Ztg." erscheint im Verlage von Veldkamps-Manu in Frankfurt a. M. — Das Reinhardsche Deutsche Theater in Berlin verliert einen seiner glänzendsten Stars, die Sorma, die zum Kleinen Theater übergeht, und gewinnt dafür eine neue, vielversprechende Kratt in Wilhelm D i e g e l in a n n, ben Frankfurt sehr ungern ziehen ließ. Der Künstler dürfte in ber kommenden Saison den König Lear spielen, ben das Deutsche Theater seinen bisherigen Shakespeare-Erfolgen anzugliedern hofft. — Die Gesellschast L 0 r tz i u g - T h e a l e r m, b. H. in B e r l i n hat den K 0 n k u r s angemeldcl. Wenn auch der bisherige Direktor Liebau bemüht sein will, die Oper in der bisherigen Weife weilerzusüyren, so ist doch der allergrößte Teil des Personals, bas mit Chor und Orchestermitgliedern ungefähr hundert Köpfe schlage vor. In der sich entspinncnden lebhaften Dis- tufsion äußerte ber Delegierte Schmaus-Leipzig Bedenken dahin, daß das Enteignungsgesetz allein mit dem Einspruchsrecht nicht genügen würde, die wirklichen Werte für den enteigneten Boden zu bezahlen; die Grundstücke würden also naturgemäß in den Preisen bedeutend heruntergehen. Redner ist der Ansicht, daß das Enteignungsgcsetz gar keinen Nutzen bringen würde. Pfarrer Paarmann-Jankeudorf äußert Bedenken gegen verschiedene Absätze der Resolution; er meint, das Enteignungsrecht würde auch zur Folge haben, daß man sich dafür bedanken müßte, in der Osttnark Gutsbesitzer zu sein. Er halte es für angebracht, daß man lieber die heutigen unzulänglichen Verhältnisse bestehen lassen solle, als dieselben durch ein unzureichendes Gesetz zu ändern. ~ Oberregierungsrat a. T. Bey er-Zoppot sprach sich für das Enteignungsgesetz aus; das Deutschtum müsie unbedingt geschützt werden. daher mederüm als vortrefflich geeignet zue Speisung einer ösfent- •cben Wasierlettungsanlage bezeichnet werben. Tie bakteriologische Untersuchung ber an ben verschiedenen zugänglichen Stellen ber Leitungsanlage von ben Quellen bis zu bem Eintritte in ben Hochbruckbehalter bezw. ben Ortöbehäller von Queckborn entnommenen Wasserproben hat ben im vorigen Jahre erhaltenen ganz ähnliche Resultate ergeben, wäljrenb das Wasser des Hoch- druckbehätters in Queckborn in biesem Jahre höhere Keimaehatte aufgeiviesen hat, als im Vorjahre. Die gefundenen Keimzahlen stlbst in den Inhalten des Hochbruck- bezw. OnsbehälterS von Queckborn können als hygienisch unbebenkliche bezeichnet werden Tas Wasser aus bem Saugbrunnen 1 unb III, das ja bereits eine sehr niebrige Keimzahl ergeben hat, wirb vermutlich noch günstigere Zahlen anhueijen, wenn die in ber Nähe ber beiden Saugbrunnen z- Zt. ber Probeentnahme noch im Gange befindlichen Er'darbeilen zur Errichtung eines weiteren Saugbrunnen» 2c. abgeschlossen jein werben. Die chemische Untersuchung einer in gleicher Weise wie in früheren Jahren gewonnenen Wasserprobe aus der älteren Wasserversorgungsanlage der Stadt Gießen (Quellen bei Großen- Buseck und im Licher Walde) ergab Spuren von Salpetersäure, Schwefelsäure und Eisen, sowie wenig Kalk. Das Wasser war klar und farblos und ,sein Geschmack normal. Es kann daher auch das Wasser aus ber älteren Wasserversorgungsanlage ber Stadt Gießen auf Grund ber bei der chemisch-physikalischen Untersuchung desselben im verflossenen Jahre erhallenen lliesultate wiederum als von großer Reinheit im hugienischen Sinne unb wohl geeignet zur epeifung einer öffentlichen Wasserleitungsanlage bezeichnet werben. Die bakteriologische Untersuchung des Wassers an den verschiedenen ziigänglicheil Stellen ergab ebenfalls einen günstigen Befund. Das Wasser des Huberliisbrimnens, sowie die Wasserproben aus dem Nieberdruckbehälter weisen wesentlich höhere Keimzahlen auf, die sich vermutlich durch eine starke Vermehrung der ursprünglich vorhandenen Keime in ben mehr ober weniger stagnierenden Wässern erklären lassen. Zu sanitären Bedenken bieten dieselben keine Veranlassung. ** Gravelotte-Feiev- Zur diesjährigen Feier des 18- August hatten sich die Mitglwd-er der sämtlichen hiesigen Militärvereine mit ihren Fahiwn, die am Mare Aufstellung; fanden, recht zahlreich in b-er Stadtkirche eingefunden, wo ber Gottesdienst in Awvesenheit des gesamten Offizier-Korpsl und zahlreicher Gemeinde-Mitglieder ftattfanb- Pfarrer D. Schlosser wies mit ergreifenden Worten auf die Bedeutung des Tages hin. Nach Beendigung des Gottesdienft^Zl erfolgte der Abmars'ch nach dem alten Friedhof. Tas Regiment hatte in ^liebenswürdiger Weise Tags vorher das Schmücken der Denkmäler und Grabstätten vorgenommen. Oberst 0. Lindenau, begleitet vom ganzen Ofsizier-Kvrps und einer Abordnung von Unteroffizieren und Mannschasten,^ gebäre,mit kernigen Worten der Gefallenen des 18- August, ^eine Ansprache gipfelte in dem bekannten Tächter- worte: ,^Wohl wieget Eines viele Taten auf, Sie achten drauf. Das ist um Deines Vaterlandes Not, Ter Heldenwd." C. u. H. Bromberg, 17. Aug. östlich geschmückten Stadt begannen heute vormittag 10 Uhr im Saale des Zivilkasinos in der Danziger Straße Verhaildlungen des Deutschen O st m a r k e n v e r e i n s. Dre Verhandlungen eröffnete Herr v. Tiedemann mit etwa folgenden Worten: Infolge des aggressiven Vorgehens der Polen befinden wir uns leider noch in_ einem akuten Kriegszustände, wir müßten also alle auf die Schanzen. Ein Ausdruck des Kriegszustandes war auch der Schulstreik, der seitens der Polen mit geradezu verwerflichen Mitteln geführt wurde, leider unter aktiver Anteilnahme des verstorbenen Erzbischofs, sowie der polnischen Geistlichkeit; man ^önne jedoch die Zuversicht haben, daß der Vatikan die politische Stimmung respektieren, und daß nur ein Deutscher uw)euer Erzbischof werde. Vielleicht hätte die Regierung in dem Schulstreik schneller und energischer eingreifen müssen, aber sie kann sagen, daß sie den armen betörten Untertanen poln. Zunge Zeit liefe, zur Vernunft zu kommen. Verwerflich sei auch der infolge des Schulstreiks gegen die deutschen Lehrer verhängte Boykott, die unter den schwierigen hiesigen Verhältnissen einen, schweren Stand haben. Redner beleuchtete sodann in drastischer Weise die nationalen Forderungen der Polen. (Wieder- holte stürmische HeiterkeitserfolgeO Am besten wäre es, meint Nebner, wenn man mit ber „Kreuzztg." lakonisch sage: Am besten wäre es, man baue bas Polenreich vom Schwarzen Meere bis zur Ostsee wieder auf. Die wichtigste Frage, die ledoch uns hier beschäftigen wird, ist die Frage der Bodenpolitik. Es sei beschämend, wenn sich noch jetzt gewisse deutsche Biedermänner finden, die sich nicht schämen, ihre heimatliche Scholle an einen Polen zu verkaufen. Leider ist es den Polen gelungen, in der letzten Zeit von den Deutschen 50 000 Hektar zu erwerben. Wenn mau bedenke, daß es deutsche Nlänner sind, die durch solche Handlungsweise das Deutschtum direkt schädigen, bann höre die Weltgeschichte wirklich auf. Unter solchen Verhältnissen müsse mau eben auf Wanblung finnen, der Staat müsse und werbe auch neue Mittel und Wege finden, um diesen unerhörten Zuständen Einhalt zu gebieten. Man dürfe sich nicht von sentimentalen Rücksichten leiten lassen, wenn es gilt, eine solch prinzipielle Frage in der Oftmarken- politif zur endgültigen Entscheidung zu bringen. Wenn die Verfassung zur Annahme der Enteignungsvorlage nicht ausreicht, dann müsse die Verfas- lung eben entsprechend erweitert werden. Die Polen achten auch, nicht die Gesetze. Wo es gilt, 2as Staatsinteresse zu schützen und Wo es sich um allgemeine nationale Fragen bandelt, da müsse das Interesse des einzelnen lveichen. Wenn die Polen wirklich doch die Absicht haben, loyale jtreue Preußen zu werden, dann ^rauchten sie auch bas neue Gesetz nicht zu befürchten. Man darf den Friedensschalmeien der Polen nicht glauben, man müsse ben Kampf auf gut deutsch offen unb ehrlich bis zum Aeußersten ausfechten. (Bravo.) Gesandter a. D. Exzellenz v. Radschau -Berlin behandelte iunmel)r in recht ausführlichen Darlegungen die Kampfesweise >er Polen, insbesondere die Mittel, mit denen sie in der noßgebenden ausländischen Presse die Deutschen zu diskreditieren versuchen. In der letzten Zeit ist sogar in Wien ein be- onderes Preßorgan „Die polnische Post" zur Propaganda der polnischen Ideen gegründet worben. Freundlich zu begrüßen ei dagegen, daß die deutsche Presse im Westen unb im Süden >es Reiches nunmehr mit einem besseren Verständnis die poln. Frage zu beurteilen wisse. Heber „Gesetzliche Maßnahmen in der Bodenpolitik" wurde sodann von Bieler eine Resolution ben An- uefenben unterbreitet, die sich für ein Enteignungsgesetz aus- pricht. Der Referent schloß feine sachlichen Ausführungen, in jenen er speziell auch vom rechtlichen Standpunkt das Ent- ignungsproiekt behandelte, mit bem Satze: We r den Boden iat, der hat die Macht. Ohne das Enteignungsgesetz ässe sich eine deutsche Ostmarkenpolitik überhaupt nicht durch- Ühren. Justizrat Wagner-Berlin, der Verfasser der Broschüre »Enteignung und Einspruchsrecht", trat ebenfalls für die An- -ahme der vorgeschlagenen Resolution ein. Redner erläuterte uch vom juristischen Standpunkt die Voraussetzungen des neuen ''Eignungsgesetzes und kam zu bem Schlüsse, baß man gar eine Bedenken haben könne, die Annahme dieses Gesetzes zu efärworten. Den Polen steht ja nach dem Inkrafttreten des Gesetzes das Recht zu, in ben anderen deutschen Provinzen sich nzusiedeln, sie können ja auch schließlich nach dem Paradiese er politischen Freiheit, nach Galizien oder Rußland, gehen, ort Würden sie sich vielleicht Wohler fühlen, als unter „preuß. nechtschast". Die Polen behaupten doch, daß für sie die Grenz- fähle nicht bestehen. Nun wohl, die Deutscyen wären roh, die ungemütlichen polnischen Nachbarn los u werden. In Marienburg haben wir das Verlangen aus- efprochen nach gesetzlichen Maßnahmen in dieser Hinsicht, heute gen wir der Staatsregierung entfPrechende detaillierte Vor- und legte im Namen des Offizier-Kvbps einen Kpanz nieder, während die RcgimentK-Mufik diesen feierlichen Akt mit dem Liede „Ich butt/ einen Kameraden" begleitete- Ihm folgte Herr Bausch, Vorsitzender des Artillerie-Vereins. Sein Gedenken galt Freund und Feind, die für des Vaterlandes Ehre Gut und Blut geopfert, gemeinfam im ewigen Frieden ruhen. Seine beiben Kränze legte er an dem deutschen und französischen DenkmaL nieder- Tie Musik spielte, „Wie sie so sanft ruhn". Hieraus begab sich die Festversamtnlung an die Gräber der an den Felt> Lägen 1870/71 beteiligten Offiziere des Regiments 116, um auch deren Andenken durch Niederlegung von Kränzen zu ehren- Die in dem Ringen um des Vaterlandes Ehre Gefallenen, Lt- d. Nu Gail und Oberl- Kißner wurden durch eine^kurze Ansprache feitenS des Regiments-Kommandeurs 'besonders geehrt- Wahrend dieses F-estaktes war eine Abordnung von Offizieren und A^annschaften nach dem neuen Friedhof entsandt worden, um auch an dem Grabe des Obersten Haupt einen Kranz niederzulegen. Aber nicht nur der Offiziere des hiesigen Regiments War gedacht worden, auch die Kameraden anderer Truppenteile wurden durch Kranz- sperrden geehrt- Nach Beerdigung der Fwiedhossfeier erfolgte der Abmarsch nach dem Kriegerdenkmal, wo Herr Bausch im Auftrag der Militär-Vereine einen Kranz niederlegte- Tas übtick-a Promenaden-Konzert fand zur Feier des Tages am Kriegerdenkmal statt- Alsdann besuchten die Veteranen und bie Vorsitzenden der Militärvereine infolge einer Einladung des Offizier-Zlvrps das Offizier-Kasino, wo Major Mo hr einen Vorttag üoer die Schlacht am 18- August hielt, bie der Vortragende in vortrefflicher Weise schilderte. Nie Anwescuden folgten im Anschluß daran einer liebenswürdigen Einladung des Ofsizier-Kvrps zu einem Frühstück, welcher Einladung gern Folge geleistet wurde- In kernigen Worten begrüßte Oberst v- Lindenau die Anwesenden unb brachte ein Hoch auf den Kaiser unb den Gvoßherzog aus- Ein von Kommerzienrat Emmelius eingetroffenes Telegramm würbe freudig begrüßt- Kam. Bruchhäuser dankte im Namen der Mckitärvereu.ie ür die überaus herzliche Aufnahme und brachte ein Hoch auf daö Ofsizier-Kvrps aus- Die ganze Feier legte em beredtes Zeugnis dafür ab, welche schöne kameradschaftliche Beziehungen zwischen dem Regiment und den Militär-Vereinen bestehen und es wäre mit Freuden zu begrüßen, wenn dieses schöne Verhältnis immer weiter fortbest'ehen würde- 1 *• D i e Lehrer - Präpa randen-An st alten zu Lindenfels, Lich und Wöllstein hatten im Schuljahr 1906/07 zusammen 312 Schüler (Lich 147). Versetzt, bezm. auf das Seminar entlassen wurden 239 Schüler, während innerhalb des Schuljahrs 21 und am Anfang des Schuljahrs 24 Schüler ausschicden. Neu airfgenommen wurden 138 Schüler. Unter dec Gesamtzahl waren 220 evangelisch, 90 katholisch und 2 israelitisch. Es standen im 14. Lebensjahr 34, um 15. 126, im 16. 105, im 17. 35, im 18. 8, während 4 über 18 Jahre alt waren. Alls Starkenburg stammten 98, aus Oberhcssen 99 und aus Nheinhessen 106, während 9 Nichthessen waren. Söhne von Lehrern ivaren 12, von Landwirten 114, von Handwerkern und Geschäftsleuten 142, von Beamten 29 und von Eltern anderen Standes 15. ** Die Salzproduktion in Hessen. In Hessen bestehen ein Staatssalzwerk zu Bad-Nauheim, 1 Privatsalzwerk zu Ludnsigshalle und 2 Fabriken, in denen als Nebenprodukts Salz gewonnen wird. Die Gescuntialzprobultion betrug 1906 172 449 Doppelzentner gegen 148 282 Doppelzentner im Jahre 1905. Abgesetzt wurden davon 33 210 (1905: 32 050) Doppelzentner Siedesalz, steuerfrei abgetassen 32 661 (32 137) Doppelzentner denaturiertes Salz (Siedesalz) und 13 377 (15 26b) Doppelzentner undenutariertes Salz. Ter Stcuerbetrag für das versteuerte inländische Salz betrug 398 515 (384 592) Mk. In den freien Verkehr wurden 220 179 (210 552) Doppelzentner Salz gebracht, wovon 50 Doppelzentner aus dem Ausland (Portugal) stammten. Der Betrag der erhobenen Abgaben betrug: Salzsteuer 1 148 943 (1 111 966) Mk. und Salzzoll 40 (1206) Mk. Abgabefrei für landwirtschaftliche, gewerbliche und Heilzwecke verabfolgt wurden 124 435 (117 788) Doppelzentner und 1 364 971 (1 300 060) Hektoliter Salz. © Laubach, 19. Aug. Als Kuriosität sei mitgetcilt, daß ein Packet nach Gießen, das morgens hier auf der Post ani- gegeben wird genau so viele Zeit benötigt, bis es ausgetragcn wird, als es bis nach Berlin braucht; es gelangt nämlich er|t anderen Tages zur Bestellung. Frühestens wird das Paket 956 über Mücke befördert; es geht aber, wie man uns miueilt, aus Ersparnisrücksichten nicht mit dem Zuge ll07 weiter, sondern bleibt bis zum Nachmittage liegen, so daß es erst des anderen Tages um etwa 9 Uhr zum Austragen fomnit. Wer also noch will, daß sein Paket verspätet Gießen erreicht der beordere es abends vor 7 Uhr zur Post, sonst setzt er sich dein aus, daß er cs erst am zweit- nächsten Tag befördert erhält. Eine Eingabe an die Overpost- bireftton in Darmstadt dürfte am richtigen Platze sein. R. B. Darmstadt, 19. Aug. Die heute vormittag vorgenommene Sektion der Leiche des Landwirts Karl Gölz, der bei dem Zusammenstoß mit dein von Frankftirt kornrnen- den Automobil eines hohen Offiziers schwer verletzt imirbe und bald darauf verstarb, hat ergeben, daß der Tod infolge der schweren inneren Verletzungen, Nippenbrüche :c. herbci- geführt wurde. Die Untersuchung in der Sache ist übrigens nicht, wie eingenommen wurde, von der Militärbehörde, sondern von der hiesigen Staatsanwaltschaft eingeleitet worden, da der Lenker des Automobils ein Frankfurter Privatmann, ehemaliger Neserveoffizier, geivesen ist. Alzey, 18. Aug. Vor einiger Zeit machte eine Notiz durch verschiedene Zeitungen die Nunde, wonach Bürgermeister Dr. Sutor mit seinen Stadträten wegen Festsetzung seines Gehaltes in Streit geraten sei. Es hatte den Anschein, als habe Dr. Sutor die Gehaltsfrage angeschnitten. Nach einer Bekanntmachung der „Alzeyer Zeitung" hat das Großh. Kreisamt Alzey die Neuregulierung des Bürgermeistergehaltes in Fluß gebracht. In dieser Bekanntmachung heißt cs: „Nach emgehenden beiderseitigen Aussprachen wurde konstatiert, daß diese Angelegenheit der Neuregulierung des Bürgermeistergehaltes durch die Verfügung des Großh. Kreisamts vom 3. Januar 1907 zuerst in Lauf gebracht worden war. Durch diese wurde die Erledigung dec Verfügung Großh. Kceisamts vom 1. November 1905 in Erinnerung gebracht, in welcher die bestimmte Erwartung ausgesprochen worden wac, daß zum 1. Januar 1907 eine anderweite G'e'haltsfestsetzung getroffen und bis zil diesem Zeitpunkt hiec- übec Vorlage gemacht werde." — Daraus geht zur Genüge hervor, daß Bürgermeister Dr. Sutor in seinem Rechte stand und in ungerechtfertigter Weise eine Forderung nicht gestellt hat, zumal es sich in dec Hauptsache nur um die Beseitigung der Sporteln handelte, welchem Verlangen der Kreisausfchuß als begründet zustimmte. Ober-Ingelheim, 18. Aug. Auf der Waldeck in Nheinhessen wurde heute unter einer zahlreichen Beteiligung der Grundstein zur Bismarcksäule gelegt. Die Festrede hielt Rechtsanwalt Claß-Mainz. Die Urkunde enthält die Geschichte des Denkmals, süc das der rheinhessijche Bismarckverein die Mittel aufbrachte. Die Urkunde, die aus Pergament geschrieben ist, wurde mit verschiedenen Anlagen, darunter einer Flasche Ingelheimer Weines eingemauert. Während des Weiheaktes spielte die Musikkapelle das Tankgebet aus den niederländischen Volksliedern. Nach einem gemeinsamen Lied hielt Bürgermeister Saalwächter -Nieder- Jngelheim eine Ansprache. Ein Volksfest mit Ansprachen, Musik- und Gesangsvorträgen schloß sich an. Homburg v. d. H., 18. Aug. Im königlichen Schlosse wohnen immer noch Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die anfangs nächster Woche unsern Kurort zu verlassen gedenken. Großsürst Alexis Alexandrowitsch meilt nun auch schon mehrere Wochen zum Kurgebrauch hier. Graf Witte, der ehemalige russische Ministerpräsident, hat nach vierteljährigem Aufenthalt Homburg verlassen. Der russische Flnanzmimster Kokowzew trifft in den nächsten Tagen zu längerem Kuraufenthalt hier ein. In dieser Woche wird der König von Siam mit seinem Bruder, dem Erbprinzen und noch einem Prinzen im Grand Hotel erwartet. Ferner hat eine Anzahl Sportsleute aller Erdteile ihr Eintreffen zu dem am 22. beginnenden internationalen Lawntennis-Tiirniec sich angemeldet. Ein großes Saisonfest von ganz besonderem Glanze mit Feuerwerk, Doppelkonzert und feenhafter Garten- illumination ist für kommenden Freitag vorgesehen. X. Fulda, 18. Aug. Aus Anlaß der Feier des 25jährigen Jubiläunis der Aebtissin des hiesigen evangelischen Stiftes Wallenstein, Jreiin von H a m m e rst e i n - E q n o r d, haben gelegentlich des abgehaltencit Generalkapitels die Damen des Stiftes ein mit Brillanten reich besetztes goldenes Kreuz als Ehrengabe gestiftet, welches voni Kaiser für die Jubilarin unb deren Nachfolgerinnen als erbliches Ord enskreiiz bestätigt ivurde. Das Kaiserpaar, die Land- gräsm von Hessen, der Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau, der Kasseler Regierungspräsident sandten Glückwunschtelegramme. Süddeutscher Malertag 1907. R. B. T a r m st a d t, 18. August. Ter 3. süddeutsche Malertag ist heute vormittag verbunden mit einer reichhaltigen Malerfachausstellung, im städtischen Saalbau eröffnet worden. Zu den Beratungen, die in dem prächtig mit Schmuck von den hiesigen Fachgenossen ausgestatteten großen Saal stattfanden, waren mehr als 500 Teilnehmer erschienen; besonders stark waren München, Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Mannheim usw. vertreten, aber auch die hessischen Städte, ferner Frankfurt a. M und Wiesbaden, sowie eine größere Anzahl Handwerkskammern, der elsässische, der rheinisch-westfälische, der schlesische Verband, die Düsseldorfer und die Hamburger Malerinnung und noch andere hatte Vertreter entsandt. Als Vertreter der Großh. Regierung wohnte Ministerialrat Dr. Uf in g er, als Vertreter der Zentralstelle für die Gewerbe Negierungsrat Noack, als Vertreter her Stadt Oberbürgermeister M orneweg, für die technische Hochschule Geh. Oberbaurat Klingelhösfer, für die Handwerkskammer Gewerberat Falk, Stadtv. Rockel und Syndikus Engelbach usw. bei. Der Vorsitzende der hiesigen Vereinigung der Weißbinder-, Maler- und Lackierermeister von Darmstadt, Justus Weber, hieß die Kollegen herzlich willkommen. Die Rede schloß mit einem dreifachen Hoch auf S. K. H. den Großherzog. Ministerialrat Dr. Usinger begann seine Ansprache mit einem hübschen Scherz: Sonst pflege man Weißbinder und Tüncher nicht freudig zu begrüßen, sondern man sei froh, wenn sie wieder zum Hause hinaus seien. .Hier heiße er sie namens der Großh. Re-gierung aufs herzlichste willkommen. Die Regierung nehme gern an den Beratungen Anteil. Wie das 19. Jahrhundert als das politisch-kämpfende, so könne man das 20. Jahrhundert als das wirtschaftlich-kümpfende bezeichnen. Deutschland stehe jetzt in diesen Kämpfen mitten drin. Es müsse jetzt gelten, die Gegensätze auszugleichen und ein dauerndes Einvernehmen zwilchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen. Man müsse sich aus beiden Seiten versöhnlich zeigen, das sei eine durchaus gerechte Forderung, die auch die öffentliche Meinung im vollen Maße für sich habe. Nachdem auch Oberbürgermeister Morne weg die Teilnehmer in Darmstadt begrüßt hatte, erfolgte die Eröffnung der Fachausstellung und ihre Besichtigung. Ten eigentlichen Beratungen ging eine Bureauwahl voraus, bei der der 1. Präsident Sto l z-München, zum Vorsitzenden, Justus Weber zum Stellvertreter, F. Emin e r t-Tarmstadt zum Schriftführer und eine Anzahl Beisitzer gewählt wurden. lieber das „Verhalten der Kollegen bei Streiks" in Stadt und Land erstattete Neichstagsabg. Irl-Erding ein Referat unb A. Rommalsbacher- Stuttgart das Korreferat, die Versammlung nahm ein- stimnng folgende Resolution an: „Dcc 3. süddeutsche Matertag erblickt in den fortwährenden Streiks eine schwere Beunruhigung unb Schädigung unserer gesamten wirtschaftlichen Entwickelung. Zur Abwehr dieser Geiahr wirb allen in unseren Verbanbsbezirken wohnhastenKollegen bringenb empfohlen, sich dem Verbanb anzuschließen, unb die von ber Ver- banbsleitung zum Zweck einer Besserung dieser Verhältnisse beschlossenen Maßnahmen zu befolgen." lieber „Tie Wichtigkeit und Notwendigkeit der Streikklausel in den Bauverträgen" referierten Th. A. Winter-Würzburg und Fr. A. Eymer-Frankfurt a. M. Tie Versammlung nahm hierzu folgende Resolution Winter an: „Dec heute tagende 3. süddeutsche Malertag bittet die Ze»,trat- leitung des Verbandes selbständiger Maler, Tüncher, Vergolder, Weißbinder und Lackierer Süddentschlands, mit aller Energie für die Eiusührung der Streitklausel in die Akkorbverträge unb Bau- debingnisse, sowohl bei den staatlichen und städtischen, wie privaten Behörden arbeiten zu wollen und ersucht ben Verband, hierzu Anschluß an andere Arbeitgeberverbände unb Vereinigungen zum gleichen Zweck 311 suchen. Empfehlenswert als Form der Streik- llauscl ist der Wortlaut der vom Arbeitgeberverband für das Bau- geivetbe vorgeschlagenen Klausel, welche lautet: .Eine Arbeitsniederlegung ober Aussperrung der Arbeftnehnter in einem für die Erfüllung des übernommenen Werkvertrages unmittelbar oder mittelbar erforderliche Betriebseinstellnng bewirkt die Verlängerung aller Fristen bezw. Hinausschiebung aller Termine um bie Tauer der Arbeitsniederlegung oder Aussperrung'." lieber die Frage der Tarifverträge und deren möglichst einheitliche Ausgestaltung erstatteten L a c r 0 i x- Karlsruhe und das Mitglied der 1. Württembergischen Kammer, Schindler-Göppingen Bericht. Die hierzu angenommene Resolution lautet: „Der Malertag erblickt in der Gründung von Tarif- g e m e r n s ch a f l e n unb dem Abschluß von Tarifverträgen ein Mittel zur Anbahnung besserer Verhältnisse zwischen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, zur Einschränkung' der durch fort- währeiide Lohnkäiiipse eiitsteheiideii öcuimil)igungen unb wirtschaftlichen Schädigungen des Malergewerbes, zur gleichmäßigen Gestaltung der Lohnverhältnisse, zur Herstellung einer sicheren Grundlage zivischen Konsument unb Produzent ui Bezug auf Berechnung der Arbeitsleistung, zur Besserung des Submissions- unweselis unb enblich zur Einschränkung ber Schmutzkonkurrenz. Er beschließt t Ter Malertag wird beauftragt, die Vorarbeiten zur Gründtlug vo>t Tarisgemeinschaflen Abschluß von Tarifverträgen im Malergewerbe baldmöglichst in Angriff zu nehmen." Eine längere Debatte rief dann das Thema „Submissionswesen" hervor, worüber A. Müller-Freiburg das Referat erstattete. Die hierzu schließlich angenommene Resolution lautet: „Ter Malerlag erblickt in der vielfach gegenwärtigen Art der Vergebung vor, ösfenlllchen Arbeiten schrvere Schädigung des Halidwerkerstandes, weil dadurch der Handiverkerstand maicriell geschädigt unb ein erfolgreiches Zusammenwirken des Haiidwerks sehr ost verhiiidert wird. Der Atalerlag spricht bie Erwartung ans, daß bie neuen Submissionsverorbnungen nicht nur un ivohl- wollenben Sinne ber Gesetzgebung von ben inaBgebenbcn Behörden ourchgesührt werben, soiibern daß dieselben in nächster Zeit eine weitere Umgestaltung erfahren, die den gerechtfertigten Wünschen des Handiveikerstanbes näher eiitspricht." Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Referat von tz. Schmidt-Pirmasens über „Bildung und Erziehung in unserem Gewerbe". Den Beratungen schloß sich nachmittags ein gemeinsames Mittagessen und abends Festkonzert an. * Darmstadt, 19. Aug. Im Anschluß an die Beratungen des süddeutschen Malertages erfolgte heute vormittag 11 Uhr, nachdem die Teilnehmer zuvor das neue Landesmuseum besichtigt hatten, die Eröffnung der 7. Tagung des Verbandes der Maler, Tüncher, Vergolder, Weißbinder und Lackierer Süddeutschlands. Die Verhandlungen, denen als Vertreter der Zentralstelle für die Gewerbe Negierungsrat Noack beiwohnte, waren zumeist vertraulicher Natur und wurden vom 1. Präsidenten, Nik. Stolz- München, geleitet. Aus dem vom Schriftführer der Zentralleitung,' Jos. L e i p f i n g e r - München erstatteten Tätigkeitsbericht ist zu bewerten, daß bie Zentralleitung eine sehr umfangreiche Tätigkeit entfaltet At. Die Zahl der Wt- gliebet hat sich verdoppelt und beläuft sich zurzeit auf über 3500. I)er Bericht konstatiert, daß sich int abgelaufenen Jahre die Lohnbewegung sehr bemerkbar machte und in zahl, reichen größeren Orten Süddeutschlands Streiks eintraten, doch sei es dank des Solidaritätsgefühls der Verbandsmitglieder gelungen, dieselben schnell wieder zu beendigen. Am 15. Febr. hatte sich in Frankfurt bie Gründung des Landesverbandes Groß^ Herzogtum Hessen und Hessen-Nassau vollzogen. Aus dem Kassenbericht geht hervor, daß die Einnahme und Ausgabe mit 20 568 Mark balanciert. Der Redner brachte dabei die Gründe für die Entfernung des früheren Verbandsleiters zur Erörterung und betonte, daß die Kassenbücher bei dessen Fortgang sehr in Unordnung befunden wurden. Die weiter darüber gemachten Mitteilungen wurden als diskret behandelt, ebenso die Berichte über die Tätigkeit der einzelnen Verbandsinstitute usw. Als Ort für ben nächstjährigen Verbandstag wurde Karlsruhe gewählt, woselbst dann auch der nächste süddeutsche Malertag stattfindet. — Am Nachmittag unternehmen die Teilnehmer einen Spaziergang nach der Ludwigshöhe, wo ein Gartenfest mit Illumination usw. abgehalten wird. Für Dienstag vormittag ist eine Besichtigung der Stadt, der Künstlerkolonie und der Holbeinschen Madonna im Rcsidenzschloß geplant, am Nachmittag erfolgt eine Extrafahrt nach Auerbach mit Spaziergang durch das Fürstenlager und daran anschließend ein Waldfest an den „neun Aussichten". Heber den Verlauf der diesjährigen Beratungen und der Fest, Veranstaltungen herrscht unter den Berufsgenossen nur eine Stimme ber Befriebigung. vermischte». iß'11 hei W Igel M kai kn kd hei hi hfl [ [5t 3« Lui ;!J I bet Lil en la * Im Herrenbade von Norderney ist ein Kur- g a ft ertrunken. Das Versinken des Badegastes wurde vom Auffichtspersonal am Strande zunächst überhaupt nicht bemerkt. Erst als die Gattin des Ertrunkenen nach stundenlangem Warten im Herrenbade nachfragte, forschte man nach dem Vermißten. Nach einer anderen Version fand man am Schluß der Bade^eil beim Ordnen der Kabinen die Kleider des Ertrunkenen. Die Lerche selbst wurde nach etwa drei Stunden erst angeschwemmt oder durch die Ebbe sichtbar. Es fragt sich nun, wie konnte bas Unglück überhaupt vorkommen, ohne daß das Aufsichtspersonal es bemerkte? Sind die vorhandenen Sicherheitsmaßregeln ungenügend oder handelt es sich hiev nur um eine Verkettung verhängnisvoller Zufälligkeiten? Es würde sicher zur Beruht, gung des Badepublikums beitragen, wenn die Badeverwaltung völlige Aufklärung über den Unglücksfall geben wollte. * Das Automobil. Bei Neustadt im Schwarzwald ist der Architekt Müller aus Mannheim bei einer Automobil- fahrt verunglückt, infolge Versagens ber Bremse des Automobils. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert. Müller erlitt einen Armbruch, dagegen sein Mitfahrer einen Hüftenbruch. — Bei einer Probeauto mo bi lfahrt, welche der Chauffeur Prull mit seiner Familie in der Umgebung von Wien unternahm, stürzte das Gefährt bei einer scharfen Kurve um. Die Insassen kamen dabei unter dasselbe zu liegen und wurden mü Ausnahme des Chauffeurs sämtlich schwer verletzt. — Laut „Lothr. Volksstimme" haben junge Bergleute einen Racheakt gegen einen Artilleriemajor ausgeführt. Sie, bauten in Fo rb ach auf der Straße, die der Major passieren mußte, eine Barrikade. Das heranbrausende Automobil, in dem sich auch die Frau des Majors befand, wurde zerschellt, während die Insassen mit dem Schrecken davonkamen. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt von ber Militärzeit her handelt. * Aus den Bergen. Auf den Mallnitzer Tauern (Steiermark) gerieten am 17. August der Schneidermeister Pichler aus Mallnitz sowie dessen Gattin und Gehilfe in einen Schnee- stur m. Das Ehepaar blieb entkräftet liegen und verschmachtete. Der Geselle schleppte sich nach dem Tauernhause und wurde morgens schwerkrank mit den beiden Leichen von einer Rettungs- expedition zu Tal gefördert. — Der Braunschweiger Tapezierer Woratz ist bei einem Bergaufstieg, den er von Tägerschen (Schweiz) unternommen hatte, abgestürzt unb tot liegen geblieben. Die Leiche wurde gefunden. — Am letzten Mittwoch unter nahmen drei in Luzern wohnhafte Touristen, ber Schreinenmister Lehmann, der Spengler Biedermann und der Holzbildhauer Lehm- kul eine Besteigung der Jungfrau. Nach mehrtägigen Nachforschungen wurden die drei, die abgestürzt waren, als Leicher gefunden. Wegen Lawinengefahr konnten die Leichen aber bisher nicht geborgen werden. * Vergeßliche Chirurgen. Eine seltsame Sta- tistik hat der Dr. Mac Leren für die chirurgische Abteilung des Bundes der amerikanischen Aerzte ausgearbeitet: erhandelt sich um alle die Instrumente und Gegenstände, dic bei Operationen im Körper des Operierten vergessen worden sind. Die Fälle sind keine Seltenheit, und über sie existierl eine ganze Literatur. Schon früher hat Dr. Neugebauci den amerikanischen Aerzten eine gleiche lange Statisn! überreicht; sie wurde 1899 veröffentlicht und umfaßt 191 Fälle; aber in den folgenden Jahren mußte bald eint Zusatzstatistik angeführt werden, die 87 neue Fälle umfaßte Und ein anderer ärztlicher Statistiker hat 155 Fälle zu eh I W I lec | lai I ihl Ium 112 be 2r To tni mr -ro an cei h L r P r?; h sammengestellt. * Ein blutiges Familiend ram a. Aus New- Iork wird gemeldet: Ein Deutscher namens Wasser, bei seit fünf Jahren von feiner Frau getrennt lebte, weil ei sie eines unsittlichen Lebenswandels beschuldigte, kehrte zi ihr zurück und erjuchte sie, ihn wieder aufzunehmen. All die Frau sich weigerte, zog er einen Revolver und schol auf sie. Darauf ergriff die Tochter Wassers, eine ver toitiuete Frau Langlotz, ebenfalls einen Revolver und feuert; auf ihren Vater. Zwischen Tochter und Vater kau es zu einem heftigen Kugelwechsel. Der fünfte Schuß de Tochter streckte den Vater nieder. Mutter uni Vater starben im Hospital. Einige Stunden darauf wuid die unverletzte Tochter verhaftet. Sie erklärte, sie sei kein Mörderin, jondern nur die Rächerin ihrer Mutter. * Geprellt. Aus eigenartige Weise ist ein in de Nähe Posens wohnender Gutsbesitzer geprellt lvorden. Zwt gut gekleidete Herren fuhren im Automobil bei ihm vo Einer wies sich als Regierungsassefsor v. Rigo, Dezerne: bei der königlichen Ansiedlungskommission, aus, der anbei als sein Sekretär. Der letztere holte mehrere Formulai hervor, unb der Assessor eröffnete dem Gutsbesitzer, da er 8000 Mk., die er der Ansiedlungskommission für Zuchtvü schuldig sei, einziehen wolle. Dem Gutsbesitzer kamen d Herren gänzlich unerwartet, und er bat ben Assessor, fi zunächst mit 6000 Mk. zu begnügen. Der Assessor gab fi denn auch damit zufrieden und steckte das Geld ein. T Gutsbesitzer war äußerst erfreut über diese Liebenswürdig^ und lud die Herren zu einem Imbiß ein. Diese ließen es fi dann auch gut schmecken. Am nächsten Tage erfuhr b Landwirt, daß er zwei Betrügern in die Hände gefall' war. Tie Kriminalpolizei hat ermittelt, daß die Täter e Handlungsgehilfe und ein Angestellter der Ansiedlung tommission sind. Sie sind aber noch nicht ergriffen. * Schiller unb die höhere Tochter- In ber B läge ber „Königsb- Allg. Zig." lesen wir folgendes Jbyll a Schillers Sterbezimmer in Weimar: „Als ich vor einiger L Weimar berührte, konnte ick)s — trotzdem die Zeit drängte doch nicht übers Herz bringen, dort vorüberzufahren-^ Ich wände ins Städllein hinein- Wohin anders, alA nach den Stätten, die 1 Erinnerung an die größten beiden deutschen Dichter gewc sind, zur Fürstengrnft, zum Goethehause und zum Sterbcha Schülers- In tiefer Ergriffenheit standen wir Besucher — ' Sachse, ein Deutsch-Russe aus den baltischen Provinzen und Ostpceuße — vor den Särgen der beiden Tichtersürsten unb iv gekrönten Gönners, mit einem Gefühle l-eilig)ter Allmacht betra wir das Arbeitszimmer desi Olympiers, blickten wir in i einfache, gänzlich schmuck lost Gemach, .in, bqn. sich, um 9 n 9 Frühlings - Tug - und Nachlgteiche bed Jahres 183ü iciii gigantischer Geist von dru Asseln deS müden KörpcVs löste- T^nn gings _Äii SchMer-.'. Wie n'ibxenb bescheidi-u ist hier alles! Ter kleine Schreibtisch Mit den VerRrenf darauf liegenden Manuskripten, den letzten Frbcrzügeu des rastlos Sck>affcndcn, daS schmale hötzenie Bettgcstell, aus dem der Dichter des Wallenstein" und der „Braut von Messina" herausgePoben wurde in den notdürftig gezimmerten Tannensarg, um dann in nwudh-eller lieblicher Maiennacht beim ülagetou bet Nachtigall in das feuchte, modrige Kassengewölbc lnnabgesenkt zu werden, das schmale Spinett, dessen Tönet: er noch in den letzten Krankhritstagen lauschte! Und wälzend wir in: Geiste die bescheidenen Räume mit den Gestalten bevölkern, deren Mittelpunkt er, her Unvergeßliche, war, treffen unser Ohr plötzlich — die Klänge des „Floh valiers", die ein wahrsckwinlich ebenso bildungs- als erbarnmugsbedürftiges Exemplar einer sogenannten höftern Tochter den Saiten des Spinetts entlockt- So geschehen im Sterbezimmer Schillers! Zwar gab es sofort die gebührende Zurechtweisung, die mit einem eisigen, norbdeutschen Blick und einem verachtungsvollen Achselzucken quittiert wurde, t Beu die unglaubliche, tief beschämende Tatsache bleibt doch bestehen, daß eine „gebildete" beutsche Jungfrau im Jahve 1907 derartiges am Totenbette Schillers fertig brachte-" * T c r Reifrock alsFallschir in. Ein Selbstmordversuch mit komischem Erfolge wird dem „L.-A." aus der Nheinpwlz berichtet: Von der Zinne des 28 Meier hohen Anssicbtstnrmes auf dem jagenberilhmten Tri'els bei Anmveiler stürzte sich eine lebensmüde Maid ans Ludwigshafen in bie Tiefe. Ihre Röcke, unter bcnen ein krinolineartiger gewesen sein muh, bilbete jeboch einen Fallschirm, so bau bie Jungfrau scinftiglich zu Boben schivedte. Sie lanbete zu allem Ueberslnst auf einem Düngerhausen, womit ber sonberbare Selbstmorbversuch seinen Abschlnst fand. * Die Familie Molitor hat sich genötigt gesehen, einem Freunde Aktenstücke über den Prozest Hau zur Verfügung zu stellen. Die Ereignisse nach der Hauptverhandlnng legen diesem die Pflicht auf, mit der Veröffentlichung nicht länger zu warten. In einem Briefe von Frau Lina Hau an, ihre Schwester Olga vom 23. Januar 1907 hecht es: Liebe Olga! Ich frage, willst Du nicht von der Zeugenschast zurücktreten? Die arme Blutter ist tot, aber Bebi und ich leben. Ich werde zerfressen von Weh um den Aermsten. Wenn er mir um Gotteswillen nicht den Schuh z u g e st e h t. In einem Briefe des Rechtsanwalts Dietz vom 12. April 1907 an Frau Karl Hau in Oldenburg heisst c§: An einen F r eispru ch ist nach der heutigen Sachlage n i ch t z u denken und ich habe darüber auch Herrn I. B. Han und Frau Dr. Müller schriftlich und mündlich gar keinen Zweifel gelassen. Das Gutachten des Geheimrats Hoche wird, wie er mir bereits mitteilte, dahin ausfallen, dost er Karl Hau für vollständig zn- rechnmigsfähig Halle imb ich kann nur hoffen, daß die von lins nun ziisammengetraqenen yjiomente in ber Verhandlung so viel ergeben, das; eine Verminderte Zurechnungsfähigkeit angenommen werden kann, wobei ich ouf Professor Aschaffenburg rechne, und bah dann entiveder die Geschworenen die Ueberlegimg verneinen, sodast nicht eine Verurteilung zum Tode, sondern nur einer Freiheitsstrafe erfolgen kann ober doch ivenigstenS ber sichere Boben für eine Begnadigung geschaffen wird. * Kleine Tageschronik. Bei Halle a. d. S. verunglückte Rittmeister Arnold mit Frau und Kind schwer auf einer Wagen fahrt- Der Wagen schlug um und alle drei-flogen auf einen Steinhaufen- — In der vergangenen Nacht sand in San Leonards, einem Vorort ber Stadt Parma, ein arger Wirtshaus- Tumult statt- Karabinieri versuchten die Ruhe wieder herzuftellen, wurden aber mit Steinwürfen empfangen, durch welche ein Brigadier schwer verletzt wurde- Nun -gaben die Beamten Revvlverschüsse ab, die den an dem Vorgang gänzlich unbeteiligten Redakteur der Gazetta di Parma töteten- Einige Personen wurden verwundet. — Am Sonntag wurde auf dem Hofraum in einer Wirtschaft zu Lochhaufen (Oberbaheru) der Ausläufer Krampfberger von dein als Okft anwesenden 20jährigen Hotelportier Kurkral aus Böhmen erstochen- Sechs weitere Personen wurden in ber darauffolgenden Rauferei verwundet- Kurkral luurbe verhaftet. — In ber Kaserne des 75. Insameru>Regtrnents zu H alte a. S. zeigten 58 Soldaten Zeichen von Vergiftungen- Aehnliche Erkrankungen traten int Altersheim -Riebeck-Stift auf, das den selben Fleischwarenlieserantcu wie die Kaserne hat- Die Erkrankungen sind durch verdorbenes Hackfleisch hervvraerufen worden- Auch die Gesellen des Fleischermeisters, aus dessen Laden das Fleisch stammte, erkrankten- — Der Pariser Bankier Perrin, der in einigen O^cntcinben des Departements Jsöre Gelder eiiv- kassrert hatte, wurde bei Vivesses in seinem Wagen von drei ^^^n räubern überfallen, die ihn seiner Barschaft von 15 000 Fr. beraubten und ihn nn einen Baum banden. Er wurde erst nach drei Stunden aus dieser Lage befreit- — Im U l t e u t a l (Tirol) ist ein Bauernhof niebergebrnnnt- Der 8jährige Sohn rettete feine zwei Geschwister unb lief nochmals ins Hauses, nm die Eltern zu holen, doch ist er mit ihnen verbrannt- Oben nn Hause schlafende Holzknechte schlugen mit den Aexten eine Wand em und konnten sich dadurch reffen. — Als der Lnstschiffer F-rench im Staat Connectieut einen Aufstieg im Ballon untere nahm und ans einer Höhe von mehreren hundert Metern einen A. b st u r z mit dem F a t l s cp i r m versuchte, versagte der Apparat und der Luftschiffer stürzte zur Erde, wo er als unförmliche ME^^cn ^eb- Neber taufend Personen waren Zeugen dieses grastlichen Vorganges- — Eine Statistik der deutschen studentischen Korporationen teilt die „Zeifschr. des Verbandes deutscher Hochschulen mit. Danach existieren an 46 Hochschulen deutscher Nation 1280 studentische VereiNiguiigen: 704 unter diesen haben sich mit ai reu ihnen t'ihnlicheu Korporationen in 33 Verbänden zu faonm geschlossen. Ter Kösener S.-C. (Senioren Konvent der Korp.» umfastt 87 Korps mit zusammen 2864 Mitgliedern. An Zahl ber Aktiven — 2735 steht ihm bie deutsche Burschenschaft W nahe, bie 63 einzelne Burschenschaften in sich begreift. Ferner äu crwähiien u. a. ber Kobnrger Landsmannschaft Konvent, 38 LanbSmannfchaften mit 1239 Aktiven, ber Kpffhäuser-Verband ber Vereine^0111^.etubenten, der 26 Korporationen und 1176 Aktive zahlt, der Mmgolsbund nut 23 Korporationen und 612 Aktiven. Recht stark ist das konfessionell katholische Element vertreten; wir finden da einen Kartellverband katholisch-deutscher Studentenverbindungen mit 43 Korporationen unb 1693 Mitgliedern, einen katholisch-deutschen Verband mit. 7 Korporationen und 319 Mitgliedern, einen Verband katholischer Studenteuvereine Deutschlands mit 43 Korporationen und 1722 Mitgliedern, einen wissenschaftlichen katholischen Studentenvereiii Unitas mit 15 Korporationen und- 506 Mitgliedern, endlich ein Kartell katholischer süddeutscher Studentenvereine mit 4 Korporationen und 201 Mitgliedern. Das ergibt zusammen also 112 konfessionell katholische Korporationen mit 4441 Mitgliedern. Auch 2 Verbände jüdischer Studenten (Bund jüdischer Korporationen und Kartell-Konvent Tend. Verb, jüdisch Gläubiger) zu je 8 Korporationen mit 310 unb 251 Mitgliedern werden aufgeführt. Ten Rest bilden im wesentlichen die Verbände der akademischen Turn-, Gesa.igS- und wissenschaftlichen Vereine sowie ein akademischer Ruderbund. Tie Summe der Korporationen ist, wie gesagt, 704; die Summe aller Aktiven dieser 704 Korporationen ist 23 907; dazu bie ,alten Herren" und Ehrenmitglieder 110 482, der Gesamtbestand also 134 389. Was die Stellung ber Korporationsstudenten zur Tuell- frage angeht, so geben von allen 1280 Korporationen 712 ober 55 v. H. grundsätzlich unbebingte Satisfaktion; 385 ober 30 v. H. geben bedingte Satisfaktion oder nehmen keine grundsätzliche Stellung dazu, 183 oder 15 v. H. verwerfen Duell und Mensur. tiJieftcncv Wetterdienst. voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch den 21. August: Meist heiter, trocken. Nachts kühl, am Tage mäfrig warm. Friscbe westliche Winde. Sport. Frist ball. Vergangenen Sonntag beteiligte sich derGiestener Fußballklub von 1900 an bem Bezirkssest in Siegen unb a 'olnüe Erwlg e: JUU m Laut 3. Breis; Uugel,kotzen, 3. fPreiS, 400 in Lauf 1. Preis; Dreikampf 3. Preis (Hochsprung, 50 m Lauf und Diskuswerfen), .Hürdenlauf 110 m 3. Preis und kck os? ?. Breis. Am Nachmittag spielte die 1. Mann- fdmft gegen de gleiche des Fustdallklubs Jahn, Stegen "Nb blieb auch hier mit 2:1 Toren Sieger. Giesten stellte eine &enCin(prdniiad^nnschgit, wahrend Siegen ihre Mannschaft durch tnmwe " nnb Düsseldorf verstärkt hatte. Tas knappe Rcknltat druckt keineswegs das Stärkeverhältnis beider Mannschaften auch Giesten drückt fast während des gaiizen Spieles dipbpMAnnpCmi.^N illlc! bes Siegener Torivächters hat Siegen die knappe Niederlage zu verdanken. Das Zusammenspiel Gießens war zeitweise hervorrageiid. 11 Telefonische ECorsbeHchte JpiilplnK d-r srrriniqicn Frankfurter Ztadtthcater. Opernhaus. Dienstag deii 20. Angnstt): Z u m ersten Male: Der Mittwoch den 21. August: „Tmu,h°»,->-» Tonne'rstag den 22. v(uguft: „Lärmen." Freitag den 16. Aiignst abends halb 8 Nhr: „Die lustige Witwe." Samstag den 24. August • D er Dämo n." Soniitag den 25. Shiguft, abenb5 halb 8 "llhr- „Salome." Montag den 25. Augiist, abends halb 8 Mr - Geisha." } Schauspielhaus. Dienstag den 20. August*): „Herthas Hochzeit.* Mittwoch ben 21. Aiignst: „Der G'wisseuSwurm." Donnerstag den 22. Aiig abends halb 8 Uhr: „Die Rabensteinerin." Freitag deii 23 Ang • „Herthas Hochzeit." SamSlag den 24. August: Z >l m ersten Male: „Erdgeist." Tragödie in 4 Aufzügen von 'V rauf Wedekind. Sonntag ben 24. Augiist, nachmütags halb 4 Uhr: „Die Rabensteinerin." Abends 7 Uhr: „Erdgeist." Atoiitag ben 26. August: „Herthas Hochzeit." *) Anfällig, ivemi nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. des Giessener Anzeigern, mitß'e und Indnsli Frankfnrter Hör 3la°/0 Beichsanleihe . . 92.00 3% do. . . 81.25 3 yA °/0 Konsoh .... 92.10 do. ... 81.40 3^°/0 Hessen . . . . 91.30 3>4°/o Oberhensen . . . 90.00 4 % Öcsterr, Goldrente 97.00 4‘/b °,o Oesterr. Silberrente 96.05 4 % Ungar. Goldrento . .-- 4% Italien. Rente . . . — 3% Portugiesen Serie I 66.00 3% Portugiesen „ III 66 00 4 /£°/0 russ.Staatsanl. 1905 90.80 4^°/0 Japan. Staatsanleihe 87.80 4 5L Gonv. Türken von 1903 94.30 Türkenlose ..... 139.60 4% Griech. Monopol-Anl. . 46.00 4% äussere Argentinier . 80 50 3°/0 Mexikaner « . 60.70 4^7o Chinesen .... 99.90 Aktien: Bochum Guss 201.50 Buderus E. W. . . . 108.75 Tendenz: schwächer. Berliner Börse, Canada E. B 159.60 Darmstädter Bank . . . 124.20 Deutsche Bank .... 220.25 Dortmunder-Union C. . . 62.20 Dresdner Bank .... 134,80 Tendenz: ruhig. teilt von der Bank für Kandel io, Giessen. *