Erstes Blatt 157. Jahrgang Donnerstag SO. Jim« 1907 Sonntag ££& I & XKTT Q nÄ&Ä =■*fl& wr A & xää zweimal wöchentlich das ■ ■ äB ZeileiipreiS: LraUb^ Kreisblatt für den Kreis |\/ auswärts *) EBE General-Anzeiger für Oberheffen WM Ltdresie ffit Depeschen: n -Genchtsfaat^'. Ernst Anzeiger Gießen. Botation$bni(f und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. RedaMo«, Expedition und Druckerei: Zchulfttatze r. v.eb; jur den An- _______________ ________ jeiqentcu: pon« vta Aer ZSinZerLrieg in Frankreich. . Die Deputierten aus dem Süden Frankreichs, die am Montag m der Äiaimncr crttoteu, daß blutige Ereignisse unmittelbar bevor,landen, icheirum Recht zu behalten. Mch der B e r h a f t u n a de- SauptfLürer der Winzer scheint Elemenceau aus alles gefaßt zu lern. Tie Nächst zum Mittwoch hat er in seinem Bureau cm Ministerium, in der „boutiauc", wie er in ruhigen Tagen zu scherzen pflegte, auf improvisiertem Bett zugebracht, um jeden Augenblick bereit zu fein, den Kampf rücksichtslos durch- zuführen. Tie Regimmng der Siepublik scheint an Milde gegenüber den Beiehlshabern der Winzer nicht zu teufen. Die Angesa-ul- digten werden auf Grund von ArtiLln des Strafgesetzes verfolgt, die jede Verabredung über den Gesetzen zuw iberlau sende Mast- nahnren mit Gefängnis von zwei bis zu sechs Moiraten bestrafen Sie können in gleicher Weise bestraft werden mit Aberkennung der bürgerlichen Ehvenrechde unb eines öffentlichen Amtes auf die Sauer von zehn Jahren; öffentliche Beamte, bic der Pflicht- Vergessenheit schuldig befunden werdeii und bie Ausübung ihres Dienues eingestellt haben, außerdem mit bürgerlicher Degradation. Inzwischen hat die Bewegung erhebliche ß-ortschritte gemacht. In Nardonne, wo der Oberst des 100. Regiments Marne seines Dienstes enthoben ist, hat, el-e Bürgermeister Ferroul, einer der Winzersührer, nach dem Bahnlsvf transportier: wurde, die Revolution ihren Willen buticrt, den Willen zur Auflehnung oder zur Nachgiebigkeit, wie es ihr genehm war. Noch am T-ienstag wurde die 'Sturmglocke auf dem NachanS geläutet, um die Bevölkerung, die in den Straßen am Bau von Barrikaden arbeitete, dorthin zu berufen. Ferrvul hielt eine Ansprache an die Menge, in der er sagte, er wolle keine Barrikaden. Er werde sich der Justiz stellen; er wolle nicht, daß Blut vergossen werde. Er forderte die Bevölkerung auf, die Barrikaden nieder- z u r e i ß e n, und legte selbst Hand an. Ter Aufforderung wurde Folge geleistet. Bei der Verhaftung Ferrouls aber nahm die Erregung zu. Die Stadt ist von 10 000 Mann Militär besetzt. Tie Osflziere wurden von der Menge ausgepsiffen und verhöhnt. Alle Läden und Werkstätten, selbst die Bauten, sind zum Ze^-cn der Trauer geschlossen. Eine johlende und pseifende Menge umgab den Wagen, in ivelchcm der Bürgermeister Ferroul weggebracht wurde. Tie Infanterie, welche mit gefälltem 93 a jo miet vorging, zerstreute, unterstützt von der Kavallerie, die Kundgebung. Ter Oberst eines Kürassier^Neglments wurde durch einen Stefti- wurf getroffen. Nach einer Meldung der „Tebats" haben sich die Winzerführer Marcellme Albert, Cathala und Renard in Naroonne selbst als Gefangene gestellt. Im Ministerium des Innern hat man dagegen eine Bestätigung dieser Meldung noch nicht erhalten. Aus Lyon wiro telegrafiert, es geue uort das Gerücht, daß mehrere Kürassiere vom 7. und 10. Regiment sich weigerten, aufzufitzen; sie sollen in Hast genommen worden fein. Ein Attentat gegen eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Narbonne-Montpellier wurde verübt. Eine halbe Stunde, nachdem der Zug, der die gefangenen Winzerfühcer enthielt, die Brücke passiert hatte, flog diese in die Lust. Ter Zug sollte erst um 8 Uhr die Brücke passieren, cs geschah aber schon eine halbe Stunde früher; es wurde niemand verletzt. Es geht das Gerücht, daß das Militär in Narbonne mit der Volksmenge zusammengestoßen sei, und daß mehrere Personen schwer verletzt wurden. Doch fehlt bisher eine Bestätigung. Ein Zug von 50 Eigentümern und Arbeitern aus Cazouls mit dem Präsidenten des Lokalkomilees an dec Spitze, ist ub.r unter Ausstoßung von Verwünschungen gegen Clemenceau nach Argclliers abmarschiert, um gegen die Festnahme von Komitee- Mitgliedern zu protestieren. Es heißt, daß gewisse Regimenter aus den städtischen Tc- parlemcnts verlegt werden sollen, wie jja die Strafversetzung des gesanrten 100. Regiments aus Narbonne nach Lcrzae schon erfolgt ist. Bis Freitag ist dem Kabinett nunmehr Aufschub der Antioort auf 'die Interpellation Md:> und der Rechen Schaft über „Gewalt- maßnahmen" bewilligt worden. Tie gerichtliche Verfolgung der Bürgermeister scheint unabwendbar zu sein; und gerade diese .Frage hat den Zusammeichalt des Ministeriums Clemeneeau erschüttert, so loyal auch dar Unterstaatssekretär Sarraut seine Demission begründet ha:. Bis zum Freitag muß Jaures sich Mit der halben Ansage, daß dieser Regierung keine Vollmacht Mehr gegeben werden dürfe, begnügen. Und bis zum Freitag mag Elemenceaus listiges Wort, daß die sozialistische Opposition die größten Schwierigkeiten von Frankreichs Läge nicht kenne, in den Fraktioilszimmern seine Wirkung tun. Aie Ariedeuskonserenz. Haag, 19. Juni. In der heutigen Konferenzsitzung beantragt Freiherr Marschall von Bieberstein die Einsetzung einer höheren internationalen Instanz, welche über die Beschwerden betreffend die Urteile lokaler Prisengerichte endgültig entscheiden soll. Der Antrag wurde von England und den Unionstaaten unterstützt. Die Frage des Sitzes und die Zusammensetzung dieses OberpriscngerichteZ wird spater eröUert werden. Nach offiziellem Kommunique verlas ein Delegierter der Vereinigten Staaten von Amerika ein Schreiben an den Präsidenten Nelidow, in dem sich der erste Delegierte der Vereinigten Staaten von Amerika das Recht vorbehält, der ersten oder einer anderen Kommission die Frage der gewaltsamen Eintreibung öffentlicher Schulden oder irgend einer anderen im Programm nicht erwähnten Frage vorzutrageu. Nelidow gibt diese Möglichkeit zu, bemerkt jedoch, daß nach der'Geschäftsordnung jeder neue Antrag zunächst schriftlich dem Präsidenten übermittelt werden müsse. Auch der englische Delegierte behielt sich das Recht vor, späterhin neue Anträge zu formulieren. Nelidow verlas Depeschen der Königin der Niederlande und deS russischen Kaisers, dec der Konferenz seine besten Wünsche übermittelte. Die Konferenz beschloß, daß interessierte Personen mit der Genehmigung des Präsidenten zu den Sitzungen zugelassen werden. Dagegen, daß eine Delegation sich durch bic einer anderen Macht vertreten lassen könnte, erhoben der deutsche unb der englische Delegierte Widerspruch. Bourgeois erklärte, dec Paragraph wäre eingefügt worden, um in den Fällen die Abstimmung zu erleichtern, wo eine Delegation auS zwingenden Gründen abwesend wäre und an der Abstimmung Interesse hätte. Es genüge aber, daß eine einzige Delegation in der Bestimmung einen Uebelstand sehe, um sie zu streichen. Das wurde dann auch beschlossen. Zu Ehrenpräsidenten wurden ernannt in der ersten Kommission: Merey von Kapos-Meco (Oesterreich- Ungarn), Sir Edivard Fry (England) und Ruy Barboso (Brasilien); in dec zweiten Kommission: Freiherr Marschall von Bieberstein (Deutschland), Porter (Amerika) unb Marquis Lou Tseng-Tsing (China) unb Turkhan Pascha (Türkei); in der vierten Kommission: Villa beS Urrutia (Spanien) und Kirokii Tsudruki (Japan). Die österreichische Thronrede. Wien, 19. Juni. Unter dem üblichen Zeremoniell fand heute in der Hofburg die feierliche Eröffnung der 18. Session beS Reichsrates statt. Der Kaiser, umgeben von den Erzherzögen, Ministern und obersten Hofchargen, verlas bedeckten Hauptes die Thronrede. Tie Wahlre form, so heißt es in der Thronrede, die durch die Vescililpmg jeglicher Vorrechte am Wahlrecht alle Smalslmrger münbig gesprochen unb jedem den gleichen Einfluß auf die öffenl- lieben Angelegenheilcn emgcraumt Hal, i|t begründet auf dem Vertrauen, das ich in die Slaalstreue meiner Völker setze. Es ivivb die besondere Aufgabe des neugcwählien Abgeordnetenhauses sein, dieses Vertrauen zu red)t:eüigcn und zu beweisen, daß die umfassende Erweikerung dec polnischen Rechtsgrundlage Hand ui Hand mit einer Zusammeniaslung und Steigerung der politischen Kräfte des Lia a les geh,, denn das Recht der 'Dlii- beflimnumg begründet die Pflicht der Mitverantwortung iür das Schicksal des Ganzen. Tarrim erwarte ich, daß die aus dem allgemeinen Slimmrecht hervorgegangene Volksvertretung, erfüllt von Dem Bewußtsein ihrer Pflichten gegen den Staat, bereit sein wird, mit meiner Regierung für die Befriedigung der staatlichen Lebens- bedürfnisfe zu sorgen und fruchtbringende Arbeit zum Beflen des Vaterlandes zu leisten. Ebenso erwarte ich, daß das Herretihaus, für dessen hohe Bedeutung durch gewichtige Gesetzesbestimmungen eine neue Gewähr geschaffen wurde, seiner rühmlichen Ueber- lieferung getreu wie bisher so auch in Zukunft eine Stätte gerechter Einsicht bleiben wird/ Die Thronrede, die längste, die je hier gehalten wurde, bringt bann die Ankünbigung der Reform des poliltschen Verwaltungsdienstes, dte Schaffung der Alters- und Jn- validitätSvecsicherung und der Arbeiterschutzvoclagen, sowie Vorlagen zur Förderung deS Gewerbes unb der Landwirt- ichaft, spricht von dec Fortsetzung der Eisenbahnoerstaat- lichungsaklion, Wahrung des religiös-sittlichen Charakters der Volksschule unb Aufrechterhaltung ber pragmatischen Gemeinsamkeit. Der Kaiser wurde beim Erscheinen unb Verlassen des Zeremoniensaales mit begeisterten Hochrufen begrüßt. Vettt?ches Reietz. Berlin, 19. Juni. Der Unterstaatssekretär deS Reichs- Kolonialamtes, v. Lindeqnist, wird seine Ausreise nach Deutfch-Südweslafrika mit einem heute von Hamburg ab» fahrenden Dampfer antreten. Herr v. Lindequist übernimmt bis zum Eintreffen des Gouverneurs v. Schilckmann nochmals in vollem Umfange die Geschäfte des Gouverneurs. Ter Unterstaatssekretär wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Oktober nach Deutschland zurückkehren. Er wurde gestern vom Reichskanzler empfangen. — Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist man mit den Vorarbeiten zur Begründung einer Pensionstasse für die Bauarbeiter beschäftigt nach dem Vor- bilde der für die Arbeiter der Eisenbahnverwaltttng bereits bestehenden Kasse. — Wie die „Bert. N. Nachr.^ melden, hat der preuß. Finanzminister sämtliche Ressorts zur äußersten Einschränkung ihres Geldbedarfes, besonders in den Extra-Ordinarien des Etats für 1908, im Hinblick auf die Aufbesserung der Beamten gehälter angeregt. Diese Aufbesserung wird sich auf die unteren, mittleren unb oberen Beamten beziehen, soweit sie überhaupt zu berücksichtigen sind, unb soll so bemessen werden, daß für eine ganze Reihe von Jahren ein Abschluß erreicht wird. — Im Reichsamt des Innern wird der Entwurf eines neuen Weingesetzes auSgearbeitet, der in den Hauptpunkten die vom Reichstage wiederholt unterstützten Wünsche berücksichtigen und dem Reichstage voraussichtlich in der nächsten Tagung zugehen wird. Hamburg, 19. Juni. Die Bürgerschaft nahm einstimmig debattelos einen Dringlichkeitsantrag deS Senats betreffend Landerwerb auf der Eldinsel Neuhof für 5 800 000 Mk. zur Hafenerweiterung an. Kiel, 19. Juni. Um 81/« Uf)r lief die ,Hohenzollern" mit dem Kaiser im Kieler Hafen ein. Mit dein heutigen Tage begann die Kieler Woche, die sich als JubiläurnS- woche darstellt, da un JcE.re 1882 die erste veranstaltet wurde. Mannheim, 19. Juni. Geh. Kommerzienrat Karl La den bürg hat anläßlich der Feier seines 80. Geburtstages unter anderen wohltätigen Stiftungen eine Summe von 80 000 Mark zur Errichtung eines Heimes für allein- stehende Frauen gespendet. Bonn, 19. Juni. Ter an Magenkrebs erkrankte Abg. Dasbach wurde heute operiert. Ter Zustand soll kritisch sein. Kolonialpoft* Der Feldwebel der ftaiferhchen Schuhtruppe Franz, bisher Leiter der Nebenstelle Jkombe im Bezirk Langenburg, hat den Andru Kerani, einen Schwarzen, welcher nach eigenem Geständnis in der Nacht zum 1. Januar 1905 die StationS- kasse mit mehreren 1000 Rupien Inhalt gestohlen hatte, zum Zwecke der Wiedererlangung des Geldes in grausamer Weise gepeinigt. Kerani verstarb auf dem Wege nach dem Gericht in Langenburg. Das Kriegsgericht hat einen Zusammenhang zwischen der Peinigung unb dem Tode deS Kerani nicht angenommen unb ben Franz wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 300 M. verurteilt. Ter Gerichtshof hat gegen dieses Urteil alsbald bic Berufung eingelegt, bie Angelegenheit kommt daher demnächst in Berlin erneut zur Verhandlung. Ausland. Brüssel, 19. Ium. Die deutschen Delegierten Westdeutschlands sind heute vom König empfangen worden. Lissabon, 19. Juni. Eine eigenartige Demonstration fand in Oporto statt. Ministerpräsident Franco kam in Oporto an, um einem politischen Bankett beizuwohnen. Ec ranb alle Geschäftsläden geschlossen, die Häuser mit schwarzem Tuch überzogen, wie bei einem Leichenbegängnis. Manner promenierten auf den Straßen in schwarzen Masken. Die Volksmenge schrie: ob dem Tyrannen!" Die Polizei griff die Volksmenge an, es entstand ein Straßenkampf. Viele Bürger erlitten schwere Verwundungen. Bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Manifestanten bei dec Rückkehr des ^Ministerpräsidenten hierher wurden zwei Personen getötet unb mehrere leicht verletzt; 17 Personen würben verhaftet. Cettinje, 19. Juni. Seitens des deutschen Minister- residenten unb des Vertreters dec fürstlich montenegrinischen Regierung ist ein die Meistbegünstigung im Handelsverkehr zwischen Deutschland unb Montenegro feft* setzender Vertrag unterzeichnet worden. 5um Nylversttätsjubiläum. Anmeldungen der ehemaligen Studierenden. Die Zahl der beim Universitäts-Sekretariat eingegangenen Anmeldungen zur Beteiligung an der dritten Jahrhundertfeier der Universität entspricht noch immer bei weitem nicht der Zahl der mit Sicherheit zu erwartenden Festgäste. Es scheint, daß viele die Anmeldung deshalb nicht für nötig halten, weil sie ja bereits mit Wohnung versorgt seien. Aber die Feststellung dec Namen ist unter allen Umständen für alle Festteilnehmer erforderlich, schon wegen des Verzeichnisses der Festgäste, das in der Hauptsache noch vor dem Fest gedruckt werden soll. Es wird außer Namen, Stand und Wohnün der Festteilnehmer auch bereit hiesige Wohnung und die ungefähre Zett ihres Studiums enthalten, sodaß jeder Besucher des Festes leicht die gleichaltrigen alten Herren herausfinden und auffuchen ober von seiner Anwesenheit benaeptichtigen kann. Die Anmeldung liegt somit durchaus im Interesse der Festteilnehmer selbst. Die Nichtanmeldung aber bedeutet für den Empfangs- und Wohnungsausschuß, dessen Arbeitslast ohnedies k.ine Heute ist, eine autzecordenlliche Erschwerung des Geschäftsbetriebs. Es ergeht somit an alle, die bie dritte Jahrhundertfeier mitzufeiern vorhaben, nochmals bic dringende Bitte, sich möglichst balD mit dem Universitälsferetariat anzumelden. Die Lertrctuug der auswärtigen Hochschulen und Akademien. Das Hauptkontingent dec zahlreichen Ehrengäste, die zur dritten Jahrhundertfeier der Universität von Rektor unb Senat eingeladen sind und ihr Erscheinen endgültig zugesagt haben, bilden natürlich auswärtige Gelehrte, die die reichsdeutschen Universitäten, diejenigen Oesterreichs und der Schweiz, bie Schwester- Hochschule in Darmstadt, bie Akademien der Wissenschaften, und sonstige ihnen gleichstehende gelehrte Korporationen vertreten. Die meisten Universitäten entsenden ihre Rektoren, die Akademien der Wissenschaften haben vorwiegend solche Mitglieder delegiert, die mit Gießen nähere Beziehungen unterhalten. Zu diesen offiziellen Vertretern kommen dann noch solche Professoren hinzu, die früher dem Lehrkörper der Ludovieiana angehört haben. Vom 31. Juli bis 3. August wird also bie Stadt in ihren Mauern eine höchst illuftre Gelehrtengesellschaft, unter denen sich manche Namen äfften Ranges befinden, beherbergen. Wir haben sie nach Fächern gruppiert: 1. Theologen: a) evangelische: Julius Kaftan (Rektor der Universität Berlin), Adolf Harnack (Vertreter der Akademie der Wissenschaften in Berlin), Eduard Grase (Rektor von Bonn •, P. Ewald (Rektor von Erlangen., F. Looss Halle), Ferdinand Kattenbusch (Halle), E. Troelqch (Heidelberg-, E. Schürer (Göttingen-, W. Walther lRoswck-, K. Müller iTübingen), Arnold Meyer (Zurich); b- katholische: M- Sdralek (Rektor von Breslau), Anton Pieper (Rektor von Münster) unb A. Thürlings (Alt- katholik, Rektor von Bern). 2. Juristen: Franz von Liszt (Berlin), Georg Jel» kinek (Heioelberg-, Rudolf Loening (Relwr von Jena-, Lothar v. Seuffert (München., Karl Gar eis (München), Th. Niemeyer ^Rektor von Kiel), O. v. Wendt (Tübingen-, Reinhard F r'an f (Tübingen-, Ernst Beling (Tübingen-,^E. Hruza (Rektor von Innsbruck), H. Rehm (Straßburg, Rudolf Stammler (Halle), Erich Jung (Greifswald), Konrad Eosack (Bonn), G. Hanau» sek «Rektor von Graz). 3. Nationalötonomen: G.org Friedrich Knapp (Rek^ tor vor Straßburg-, Eugen v. Philippovich (Prorektor von Wien), Lu.wig Pohle (Rektor an der Akademie für Sozial- und Handels- wffsenschaften in Frankfurt a. M.) und Rodert Lief mann (Freiburg i. B.). 4. M ed i zsiner: Heinrich Curschma nn (Rektor von Leipzig), Hugo -Sattler (Leipzig-, Felix Marchand (Leipzig-, Franz Kehrer «Heidelb.-, M. Hofnteier (Würzb.), K. Kißkalt (Berlin-, Georg G a f s k h Berlin), F. B e st (Dresden-, Ahlfeld (Marburg), Edinger Frankfurt a. M.), Exzellenz Morin Schmiot Frankfurt a. M.), v. Hippel (Götttageu-, Friedrich M.oritz (Straßburg), v. Tabor a (Straßb.), Volhard (Dortmund), F. Römer (Frankfurt a. M., Scnckenbergische Gesellschaft). 5. Philosophische Fakultät: a- Philologen: Albrecht Dieterich (Heidelberg!, Richard Wünsch (Königsberg), Wetz (Freiburg), Eduard Schröder «Rektor von Göttingen,', John Meyer (Rektor von Basel): b) Historiker: Otto Seeck (Rektor von Greifswald!, Kornemann (Tübingen., .Heinrich Ull- mann (Greifswald), R. Dieterich (Darmitadt), Frhr. von der Rovv (Marburg); c) Kunsthistoriker: Matthaci (Danzig), L. von Sybel (Rektor von Marburg»; d) Mathematiker: B. Gordan (Erlangen), Lothar Heffter (Kiel), Haußner (Jena), Wiener (Darmstadt), Dingeldey (Darmstadt); c) Physiker: Himstett (Freiburg i. B.), P. Volkmann (Rektor von Königsberg); f) Chemiker: Lang (Griesheim), Finger «Darmstadts, Eidmann (Griesheim;; g) Mineralogen: Reinhard Brauns (Bonn;, E. Koken (Rektor von Tübingen); h) Zoologen: Ludwig (Bonn), Seitz (Frankfurt am Main), ö. Wagner (Graz); i) Ingenieur- und Maschinen- wissenschasten: Eduard Schmitt (Darmstadt) und Max Guter- nutth (Rekwr von Darmstadt). Die Zusagen der Universitäten Prag und Czernowitz stehen noch aus. Dasselbe gilt von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Wenn zusagende Antworten von dort eiirgetroffen sind, werden alle deutschsprechenden Universitäten und Akademien in Gießen vertreten sein. Unter den Delegierten befinden sich 14 Magnisizenzen, darunter zwei gebürtige Gießener (Curschman n und Knapp). Der studentische Fackelzug am 31. Juli. Der langersehnte Beschluß der Studentenschaft, S. K. H., dem Großherzog, als Rektor Magnifizentissimus, einen Fackelzug zu bringen, ist endlich einstimmig gefaßt worden. Er findet am 31. Juli statt und wird vom Großherzog vom Balkon 'des Kollegiengebäudes abgenommen. Gartenfest im Botanischen Garten. Das offizielle Festprogramm hat insofern eine Erweiterung erfahren, als der Groß her zog die Fest- und Ehrengäste auf Freitag, den 2. August, zu einem Gartenfest im Botanischen Garten einladen wird. Aus Staat una Land. Abdruck unserer durch Korrespoudenzzeicheu keunMch ge* machten Orgiualartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Auz.) gestattet. Gießen, den 20. Juni. — Daö Großherzogspaar in England. Ihre Kgl. Hoh. der Großherzog und die Großherzogin werden am 20. d. MtS. ab Mainz 2 Uhr 41 Min. nachm. eine Reise nach England zu vierzchntägigem Besuch des Großbritannischen Hofes antreten. Im Gefolge befinden sich Hofdame Freiin v. Rotsmann und Flügeladjutant Freiherr 'v. Masienbach. Die Großherzoglichen Herrschaften werden, n. d. Darmst. Ztg.^, am 21. früh in London eintrcffen, im Buckingham-Palast absteigen und sich abends zu längerem Aufenthalt nach Schloß Windsor begeben. ** In Audienz empfangen wurde, wie wir hören, gestern von S. K. H. dem Großherzog in Sachen des hiesigen Stadttheaterß Professor Dr. Fromme. S. K. H. Ler Großherzog erkundigte sich eingehend über das Theater unb stellte sein Erscheinen bei der Eröffnung in sichere Llrrssi cht. *• Aus dem Militär-Wochenblatt. Brustmann, Mzefeldwebel, zum Leutnant d. Res. des Jnf.-Rgts. Prinz !Karl (4. Großh. Heff.) Nr. 118 befördert. — Der Abschied bewilligt: Decke (IV Berlin), Lt. d. Res. des 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Rgts.Nr. 61, Hirsch (Gießen), Ober-Lt. der .Landwehr-Inf. 2. Aufgebots, dem Oberarzt der Reserve jDr. Sartorius (II Darmstadt), dem Oberarzt der Landw. 2. Aufg. Dr. Z inßer (I Darmstadt). ** Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamts- üspircmteu Karl Pfeiffer aus Seeheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Angenrod. — Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode-Gedcrn auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glaubcrg präsentierte Lehrer Karl Berg au er zu Nieder-Scemcn. — S. K H. der Droßherzog haben den Hauptsteueramtsassistenten bei dem i Hauptsteueramt Mainz Ludwig Bold ach zu Mainz zum Revisionskontrolleur ernannt. — Die Wander-Tuberkulosenausstellung der Landesversicherungs-Ansialt, die seit dem 25. Mai in der Turnhalle der Stadtknabenschule dem allgemeinen Besuch geöffnet war, erreichte am letzten Montag ihr Ende. Sie erregte hier und in der Umgegend außerordentlich großes iJnteresie, wurde sie doch im ganzen von rund 8000 Personen besucht. Die in dec Ausstellung aufgestellte 'Sammelbüchse für bedürftige Lungenkranke wurde reich mit größeren und kleineren Gaben bedacht und der gesammelte Betrag ist der größte, den die Ausstellung auf ihrer Wanderung durch die hessischen Städte bis jetzt erzielte. — Bon hier aus wird die Ausstellung nach Alsfeld gebracht, wo sie am nächsten Samstag eröffnet werden wird. ** Der nächste Verb andstag der mitteldeutschen Bäckerinnungen findet, wie auf dem nunmehr zu Ende gegangenen 13. Verbandstag zu Frankfurt beschlossen rvurdtz im Jahre 1909 hier in Gießen statt. •• Verhaftet wurde in Frankfil^t a. M. der von der hiesigen Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgte Landivirt Schellmann aus Geiß-Nidda, der verschiedene Personen um 10 000 Mk. geschädigt haben soll. •* Der Preis, den die Nudergesellschaft „Hassia" auf der Regatta in Offenbach am letzten Sonntag errang, ist in dem Zigarrengcschäft von Karl Heuser (Kreuzplatz) ausgestellt. ( Mainz, 20. Juni. Auf dem hier abgehaltenen Verbandstage des Mittelrheinischen Schützenbiindes wurde einstimmig beschlossen, das 2 3. Verbandsschießen des Mit telrh einischen Schützenbundes im Jahre 1908 in Offenbach abzuhalten. W. Mainz, 19. Juni. Der Präsident d.s R.ichsversiche- rungsamtä Dr. Kaufmann ist heute in Beglci.ung des Re- gicrungsrat von Witzleben zur Teilnahme an dec Genossen- schaftsversammlung der Steinbruchbcrufsgc- u o s s e n s ch a f t e n in Mainz eingetroffen. Dr. KauMann wurde Vormittag in Darmstadt vom Groß Herzog in Audienz .empfangen. Die Vertreter des Reichsversiu;erungsumts w.rdcn sich in Begleitung von Mitgliedern des Berufsgenossenschaft-:- vorstandes morgen zur Besichtigung von Steinbrüchen tu die Rheinpfalz begeben. Frankfurt, 19. Juni. Im Hörsaal des alten Sencken- bergianums hielt am Sonniag unter Vorsitz von Prof. Kobelt- Schwanheim der R h e i n - M a i n i s ch e V c r b a n d f ü r Volksbildung seine Jahresversamml ung. Nach dem von Verbandssekretär Lehrer Volk-Offenbach crltatieten Jahresbericht zählt der Verband sitzt 112 körperschaflliche und 485 persönl. Mitglieder. Sowohl die Zahl der Vortragsabende und Vortragsreihen, wie die der Volkstunstabende hat sicy vermehrt, 19 neue Manderbibliotheken konnten zusammengesiellt, 4 Kunst-Wanderausstellungen abgehalten werden. Wie Prof. Stein-Frankfurt in seinem Kassenbericht mitteilte, ist vom Institut für Gemeinwohl ein Fonds von 100 000 M k. für Volksbildungszwecke zur Verfügung gestellt worden, der in zwanzig Jahren aufgebraucht werden darf. Mit dem Verband Mütelrheinischer Bildungsvereine, der seinen Sitz in Wiesbaden hat, soll unter Währung beiderseitiger Selbständigkeit in völligem Einvernehmen gearbeitet werden. — In der Nachmittagssitzung beschäftigte, man sich nach einem einleitenden Referat von Regisseur Hausser-Hanau mit dem Verbandstheater, das sich nach der finanziellen unb künstlerischen Richtung bewährt hat, sodaß, seine Wiederholung für das nächste Winterhalbiahr gesichert erscheint. — Mit der Tagung war ein Ausstellung empfehlenswerter Bücher und küupterischen Wandschmucks verbunden. h. Homburg p. d. H., 19. Juni. Wie der Tauimsbotc schreibt, wurde durch beit nicbergeganger.en fliegen auf der Taunns- Rennstrecke bas Westrumit (Staubschutzmittel) von de" Chaussee abgeschwenkr unb floß in ben Emsba ch. Dadurch wurden eine Unmenge Fische getötet. In dem Bache gab es zahlreiche Forellen. X Launsbach, 19. Juni. Bei der am vergangenen Sonntag, 16. d. Mts., abgehaltenen Bundesturnfahrt des Turnerbundes Lahn-Dünsberg traten 74 Turner zum Turnen an, wovon 40 Turner die vorgeschriebene Punktenzahl erreichten. Den Ehrenpreis erhielt Mary Greiner, Wieseck, mit 36% Punkten; den 1. Preis Will). Lehr, Daubringen, mit 36 Punkten, den 2. Karl Weller, Wieseck, und Karl Reh, Bieber, mit je 338/c P., den 3. Otto Pfeiffer, Launsbach, mit 332/6, den 4. Karl Hildesheim, Daubringen, und Will). Pfaff, Launsbach, mit je 33, den 5. Heinr. Hofmann, Wieseck, mit 328/6, den 6. Heinr. Bernhardt, Bieber, mit 315/6, den 7. Adolf Hasselbach, Rodheim, mit 313/6, den 8. Gustav Weller, Wieseck, mit 31, den 9. Karl Schäfer, Launsbach, mit 305/6, den 10. Will). Willershäuser, Rod- Heim, mit 303/6 Punkten. X Krofdorf, 19. Juni. Die Gemarkung Krofdorf steht int Zusammenlegungsverfahren. In Anbetracht der großen Fläche wird die endgültige Vollendung, namentlich das ausgedehnte Wegenetz, wohl noch zwei volle Jahre in Anspruch nehmen. An dem Ausbau der Straße Krof» dorf-Gießen bis zur alten Seemühle wird eifrig gearbeitet. Nur noch mit Schrecken gedenken alle Passanten zurück an den letzten Winter, wo tatsächlich Menschen und Tiere auf dieser Neubaustrecke stecken geblieben sind. Einen erfreulichen Anblick gewährt die neue Straße durch die Feldmark der Stadt Gießen. Sie führt in kerzengrader Richtung vom hiesigen Viadukt nach der Schützenstraße. Zu beiden Seiten begrenzt sie ein erhöhter Bürgersteig, der wiederum von einer wohlgepflegten Baumanlage umsäumt wird. Ist erst unsere neue Straße gleichfalls so weit gediehen, so ist hoffentlich die Zeit nicht mehr ferne, wo man auf der schon oft erwähnten ^Elektrischen" von Krofdorf nach Gießen gelangen kann. ** Haiger, 19. Juni. Recht reichlich flössen die Kollektengelder bei der jüngst hier abgehaltenen Jahresversammlung des Hauptvereins Wiesbaden der Gustav Adolf-Stiftung. Die Einnahmen des Abendgottesdienstes betrugen 133,73 Mark, die des Festgottesdienstes 245,51 M. uüd die der Nachversammlung 90 M. Für Schriften und Postkarten gingen 180 M. ein. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In N i e d e r - W e i s e l findet am nächsten Sonntag das Bezirkskriegerfest des Hajsiabezirks Butzbach statt. — In Bingen starb der Beigeordnete Karl G e ß n e r L, der ein Älter von 63 Jahren erreichte. — In Hochelheim starb der 20 Jahre alte Joh. Faber an den Folgen einer Blutvergist- ung. — Mit den Posthilisstellen in Elpenrod, Hainbach (Kreis Alsfeld), Otterbach (Oberh.) und fliiilienrob sind Telegraphenanstalten nebst öffentlicher Sprechstelle unb Unfallmcldestelle vereinigt worden. — Der K r i e g e r v e r e i n M erkenfritz feiert am nächsten Sonntag Fähnenwechsest. — Eine 1 2 j ä h r i g e S ch ü l e r i n versuchte sieh in Hanau zu ertränken, aus Furcht vor der Strafe, weil sie die Schule versäumt halte. Em Arbeiter entriß das schon bewußtlose Kind den Fluten und brachte es wieder ins Leben zurück. — Das 18jährige Dienstmädchen, das sich, luie gemeldet wurde, am Dienstag erhängte, heißt Marie Happ und stammt aus '13 e n i n g s (Kr. Büdmgen). Der „Berschörlermigsverein" von Sieberrlehn. Tas sächsische Schustcrftädtchcn Siebenll'hn hat plötzlich eine Berühmtheit erlangt, bic es in den Annalen der Kriminalgeschichte dicht neben das Köpenick des Räuberhauplmanns Voigt treten läßt. Beherbergte es doch, wie wir gestern melbeten, in seinen Mauern einen „Verschöncrungsvcrein", wie ihn feine andere deutsche Stadt auszutveisen hat, der es fertig bekam, binnen 10 Jahren 65 Grundstücke, aus denen alte Wohnhäuser, Scheunen unb Ställe standen, dem modernen Städteweseil anzupassen, die alten Buden verschwinden zu lassen unb neue schöne Häuser an deren Platz zu stellen. Unb das alles ohne einen Pfennig Geild dafür zu verausgaben! Auch sirts zur Zufriedenheit der Bürger! Natürlich tonnte ein solches Niesenunteriwhmen, wenn cs keine sinanzielle Unterstützung hat, nur möglich gemacht werden, wenn jedermann in der Gemeinde dabei eifrig mithalf. Tas haben denn die Siebenlehner auchbrsav getan, allen voran ihr Bürgermeister Barthel, der gemau wußte, wo man den NLost zu holen hat . . . Daß es in deutschen Landen eine ganze Gemeinde geben könne, die kaltblütig unb plp.nmäßig mit ihren: Oberhaupt unter schnödestem Mißbrauch des hülfrcichen Feuer- wehramtcs M a s se n b r a n b ft i f t u n g e n ohne Zahl verübt, um ben Ort wie einen Phönix aus der Asche neu erstehen und daneben auch für hie einzelnen Mitglieder dieser wmmunalen „Kamorra" nette Prositchen mit Hülle von Ueberversicherungen der Möbel unb Diebstählen aller Art bei den angelegten Bränden abfatlen zu lassen — wer hätte das für möglich gehalten und bei der Erzählung solcher Mirakel nicht vielmehr daran gedacht, irgend ein Schalt habe sich einen Stoff ersonnen, nach dem unsere armseligen Possen- unb Operettenbichter mit b-eiben Händen greifen sollten? Unb doch ist's greifbare Tatsache, was bie verblüffte Oeffentlichleit im Siebenlehner Feucrwehrprozeß zu feheir unb zu hören bekam. Freilich, der erste Einbruck war der einer ungeheuerlichen Burleske. Man denke: Ein Bürgermeister und Brand bireTtor, als solcher zum Hüter unb amtlichen Be- tainpier des verheerenden Elements bestellt, leitet eine förmliche „F eu er po li t i t", bestimmt i m v o r a u s nach einer wohlgeordneten Liste bie niederzubrennenben Häuser, leitet persönlich das Zerstörungswerk, erfindet besondere Kniffe unb Pfiffe, um bas Brennen zu befördern, treibt die Frivolität so weit, daß er bie von ihm befehligten planmäßigen Branbstister sogar mit ben Belohnungen bedenkt, die der verilorbene König Georg von Sachsen für bic Tätigkeit der Feuerwehr auögefetzt hatte! Wozu finb Branb- kassen da, so dachte dieser Wackere, wenn nicht zur Vergabe von Gelb zum Zwecke der Gemeindeverfchönerung? Wenn bie Brandkasse zu wenig einsichtig ist, um hierzu freiwillig ihre Schatulle zu öffnen, so muß man durch künstliche Brände nachhelfen; unb bie Theorie wurde flugs mit gräßlicher Kvnfequenz in die Praxis umgefetzt. Dem feuermehrenden statt feuertoebrenben Bürgermeister stand ein würdiger Trabant zur Seite, der mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen geschmückte Haupt-llnterbranbstifter Nen- del, bet sowohl persönlich bei den Bränden hauste wie ein richtiger Räuberhauplmjaun, als auch seine „Feuerwehr" so gut dressiert hatte, daß sie nach der Bekundung von Siebmlehner Einwohnern ebenfalls ganz „ro i c eine Räuberbande auföie Läufer los ging". Jä, um bic groteske Tollheit auf den Gipfel jU steigern, ging diese „rechte Hand" des ehrenwerten Bürgermeister^ Oberbrandstifters auch noch bei den Leuten einzeln herum und fragt mit der ganzen ^elenruhe eines grundehrlichen Gemüts: „Vielleicht ein bischeil Ab brennen gefällig...?» Freilich in der letzten Zeit kamen die Brände auch bem| Bürgermeister gar zu häufig vor unb er befretierte, es solle „nicht so oft" brennen, dafür aber „or* deutlich!" Es kam ihm also darauf an, schneller ganze Arbeit zu machet!. Auch gab der Bürgermeister und Branddirektor die ^rmtlichen Bestätigungen für bie Versicherungsgesellschaften, ab, bescheinigte, das versicherte Haus fei 10 000 Mk. wert, auch wenn der ganze Plunder kaum 1000 Taler Wert präsentierte.^ Unb freute sich mit dem Versicherten, wenn dieser nach einem Brande noch derb verdiente! flNärnchmal kam es ja auch vor, daß jemand durchaus nicht „bei sich brennen lassen" wollte; aber bie Bedenken solcher Gemütsathleten wurden sehr bald im genuttlichsten Sächsisch beschwichtigt: „Halt er doch die Gusche! Ter Bergermeester hats ja befohlen!" Und schon flog der „rote Sperling", wie es im Siebenlehner Feuerwehrlatein hieß, zum Tachgiebel hinaus! Gewiß ist das eine Burlesk., wie sie selbst der schärfste Sa-- thriker nicht wirksamer er f in neu könnte. T ch das Lachen vergeht, einem nur zu bald angesichts des furchtbaren drehenden Ernstesi der Situation, der mit finsterem Angesicht hinter allen diese!« einer Reihe von Wahnsinnsgeburten ähnelnden Vorkommnissen lauert. Zwei Brandstifter haben, von Gewisfensbissen gefoltert, noch vor A'chchluß des Cerichtsverfahirens Hand an sich gelegt, die übrigen Angeklagten hat der sühnende Arm des Gesetzes mit scharfer Wucht getroffen. Mit dem Erkenntnis des! Gerichts ist aber der kpasse Fall für die öffentliche Meinung nicht abgetan. Es gift noch, in die psychologischen Jrrgänge dieser ungeheuerlichen Verfehlungen einzubringen unb auch den Finger auf die Stellen zu legen, wo sich ein augenfälliger Mangel an behördlicher Energie unb Umsicht zeigt. Ta fällt in enter Linie der geradezu epidemische Charakter des ganzen Treibens auf. Wie eine Art moralifcher Veitstanz ergriff es bie ganze Gemeinde, der eine steckte immer den anderen an, bis zuletzt alles in einem Taumel schwelgte, das Verbrechen zur Regel' wurde unb mit jeder neuen Untat das Gefühl für die Ruchlosigkeit ihres Tuns bei der „Siebenlehner Brandgenossenschaft" in höherem Grade sich abstumpfte. Die fchtveren Trohungetr unb tätlichen Angriffe, bic gegen den Gendarmen gerichtet wurden, als er Miene n^achre, ui bie Geheimnisse der Siebenlehner „Brandwirtschast", näher einzubringen, mögen wohl die wenigen, denen bas Gewissen schlug, unb die sich ebenfalls zu einer Anrufung der Behörden bequemt hätten, auch um ihre eigene Sicherheit besorgt gemacht unb vollends eingeschüchtert haben. So feierten denn in Siebenlehn bie Verbrecher lange Zeit hindurch ungestört wahre Orgien und angesichts der Erfolge ihres Treibens machte sich in der Gemeinde ein Zynismus breit, wofür z. B. auch die Tatsache charakteristisch ist, daß eine Feuersbrunst immer ein F^est für Siebeen lehn war, da die Ab- g corannten Schmäufe ausrichten mußten. Unb ein besonders starkes Stück ist die Aeußerung eines der Missetäter, der die Hauptrolle bei der flZieberbrennung eines Hauses spielte, er habe geglaubt, „aus reiner Christenpflicht" in solcher Weife dem Eigentümer des Gebäudes „helfen" zu müssen. Verwundert wird man angesichts solcher an den wilden Westen Ameritas cr.nncrnber Zustände die Frage erheben, wie es möglich war, daß die Untaten Jahre lang ihren Fortgang nehmen konnten, ohne daß es inmitten einer sehr dichten Bevölkerung und unter der Obhut eines gut funktionierenden amtlichen Organismus zum behördlichen infa;reiten kam. Man sollte meinen, daß die häu- tgen Brandfälle gleich im Anfang den Verdacht der Aufsichtsbehörde hätten erregen müssen. Aus Grund dieses Verdachtes wäre in Siebenlehn ein gründliches Ermittelungsverfahren geboten gewesen, das Lei rechtzeitiger Anwendung zur baldigen Aufspürung des Brandstifternestes geführt und eine so kolllssale Ausdehnung iUes verbrecherischen Unwesens verhindert hätte. Wenig erfreulich ist auch die Lässigkeit, bie bei ber ärmlichen Behandlung der vom Bürgermeister bestätigten viel zu hohen Versicherungsanträge zu Tage gc.reten ist. Aus dem Aufbecken dieser Praxis ergivt sich jedenfalls die Lehre, daß die Zügel hier künftig schärfer angezogen werden müssen. Ter Landwirtschaftsbetrieb der Reichshauptstadt. Die Verwaltung der Berliner Rieselfelder Hal umfangreich« Versuche angcstellt, um Werte, die bisher bei ber Bewirtschaftung verloren gingen, für die Landwirtschaft zu retten. In ber Hauptsache handelt es sich um bic Ausnutzung ber Rieselfelder, den Anbau von Gras, um neue Verfahren zum Trocknen des Rieselgrases, um die Ausnutzung dieses Rreselheues zu Mastzwecken unb schließlich um eine bessere Fleischversorgung ber Großstäbte mit Rieselfelbwirtschaft. Tie Versuche finb, wie die letzte Mastviehausstellung gezeigt hat, von Erfolg gcioefen. Sie haben gezeigt, daß cs möglich ist, künftig viel von dem wieder erscheinen zu sehen, was bie Städte durch bie Kanalisation an das Land abgeben, wenn auch nur in Gestalt von Viehfutter. Ucbcr die Versuche, die für die gesamte Landwirtschaft von großem Interesse sind, wird berichtet: Die Produktion des frischen Rieselgrases war unb ist auch noch abhängig von ber Absatzmöglichkeit, bic, obgleich ein Versand mit ber Eisenbahn möglich ist, immerhin eine beschränkte sein wird. Die Verwendung von Grünfutter Bietet große Vorteile, ist aber nicht immer durch- zuführen. Um Rieselheu zu gewinnen, wurden im vorigen Sommer seitens der Gutsverwaltungen Versuche mit etwa 25 000 Doppelzentner Rieselgras angestellt, u. a. mit einem Trockenapparat in Großbeeren, bann mit einem sogenannten Natur- trocknungsverfahren, ober Brennheuverfahren unb schließlich mit dem Trocknen auf Gerüsten, 2 Meter hohen Rauter, sog. Hicsel, daher ber Name Hieselhen. Alle drei Heusorten erhielten schließlich ben Namen „Kraftheu" wegen ihres hohen Nährstoffgehaltes, ber ben des gewöhnlichen Wiesenheues im wichtigsten Bestaub- teil, dem Protein, fast um bas Doppelte übersteigt. Um festzustellen, ob bic Untersuchungsergebnisfe ber Chemiker für bie Praxis zutreffen, würben Fütterungsversuche mit je 12 zweijährigen Stieren unb je 20 Schafen von brei Gutsverwaltungen gemacht. Außerbem finb solche Versuche mit Milchkühen vor- genommen. Die Ergebnisse lassen bie Hoffnungen berechtigt erscheinen, bie man daran geknüpft hat. Die Wertbemessung des gewonnenen Heues hat nicht getrogen. Ein erster Preis wurde dem mit Hieselhen gemästeten Schafe zuerkannt, während bas „Kunstheuschaf" einen zweiten Preis erhielt. Die Sonder-Ausstellung bekam noch 5 Preise für lebende unb 2 Preise für geschlachtete Schafe. Bei ber Klassifizierung ber~ ausgeschlachteten Stiere standen die Heufuttergruppen an erster Stelle. Besonders beweiskräftig waren die Ergebnisse der Milchviehfütterung. Nach diesen hat eine Gabe von 8—10 Kilogramm Rieselheu mit der Beifütterung von 40 Kg. Rüben pro Kopf und Tag mindestens dieselbe Acilchmenge erzeugt, als die gewöhnliche aus Rüben, Wicsenheu und Kraftfuttermitteln bestehende Futlermischung. Bewertet man bie Rüben mit 1.20 Mark, bas Wiesenheu mit 4 Mark, Stroh mit 21/« Mark pro Doppelzentner, die Kraftfuttermittel nach dem Marktpreis, so ergibt sich eine Verwertung 'des Ricselheues mit im Mittel rund 8 Mark für ben Doppelzentner. Wenn es nunmehr gelingt, dem Krafthen Eingang in die Landwirtschaft, besonders in Mästereien zu verschaffen oder im großen zu verfüttern, dann steht zu erwarten, daß der Nutzen ein allgemeiner sein wird, zum Frommen von Stadt und Land. Landwrvtschaft. Wien, 18. Juni. Nach dem S a a t e n sl a n d s b e r i ch t des Ackerbauimnifteriums war der Stand Ntilte Juni folgender: Die Witterung seit der letzten Berichtsperiode war allgemein günstig. Die Feldfrüchte und FlUlergewächse lassen zumeist gute Mittelernte erwarten. Tie Wintersaaten haben sich erholt und gebessert, Weizen und flioggen werben im allgemeinen Mittelernle abwersen. Der JSctrag b,s Roggens nnd Wetzens verhält sich luie 1 zn 3. Tie Sominerfrüchte iveisen schönen Stand auf. Gcrslensaate n, Hafcrfaaten und 2)iais stehen durchweg gut. Die Ernte- J’wiEmS «mb- y ■ ■ :>. 1'iir - 'N.. Kr»^ SÄ r «ttuJW auch hm'>naTein^ W kain is i?^ nnen lasses Ma Lll-4 °urdrn Z Alte: tt N bie ,$°MloqL®U,c6i! en bt.Ä Ergeht 8«*Ä »ss -i»» ubä* Men TrA «pH ed bie gZ S°N' bis S M n zur Segel- die 5 L^'bnoiienschasi" fc^lpertn Twhungen §°>ftichtet wurden, t,,e der eicbmlchntt "n M die wenigs "enlalls zu einer An, m ihre eigene Sicher- suchten haben. & L-?9e H hindurch RO gc ihres Treibens tus breit, lvosür z. $ -ue Feuersbrunst [ war, da die Ab -n mußten. Und ein ues der Misseiätn, bt eines Hauses svick ris^snpflicht" r ebäudcs „hels,! : an den wilden fern -rh-kn, wie es chlich ilgang nehmen kviun, öevöllerung uii mwi ichen Organis2i- zum meinen, iwEb.e hau- Erdacht der Aufsicht- und dieses verdachtes Uttelungsversahm gt- ung }ut baldigen Au>- eine fo lallcfjale ?liiy tynberi höhe. Wenig mihäien '-Behandlung phen ÄersiS)erungs Sechen dieser Prays 1 hier Vachig Myer KeichshauPtstadt. elder Hai uni'wteitbf a bei der Bmir^f rqdiait zu rem 3” lusnutzung bet W iersahren zum Mtm es Rrcjelheues ztir-nr- ; Fleischversorgun: : t der Äsenbahn M'ü D e Verwende inibtn « "E ,M em ,09eva.-J;c61id) wil int w'chttM je]1, .fte überM^ ® ßlC IC w 5" 12 M- n drei. vor' che, w' ^7reckngt er« &* M--°d df A>»dn-^ k S®Ä S £ v und - ^.Machtest" OG SSs 'N ,r,zd--i< liile J (1ugen’e'lJiiemi£ i ■»"Ä ® ftrt i’1"!«11 "»«»""'S Ä'»'" äussichten in Kartoffeln finb imbcftimmt, doch ist gutes Aufgehen dec Knollen zu verzeichnen. Tie Zuckerrübe ist in der Entwicklung stark zurückgeblieben, daher sind die Ernteaussichten ungewiß. Futtettüben und Kovitraul sind befriedigend. Fisolen, Bohnen, Erbsen und Wicken sind ungleich entwickelt und daher die Aus- sichren noch ungewiß. Hopsen zurückgeblieben, Klee und Wiesenbestände stehen gut, Weinstock mittelmäßig bis gut. C b ft läßt ausgesprochene Mißernte erwarten, rtamcntlich infolge Verwüstungen durch Insekten. B u d a p e st, 18. Juni. Ter Saaten st andsbericht des lUckerbauministerlums vom 16. Juni gibt den Herbstweizen auf 81.74 Millionen Meterzentner an, Roggen auf 10.14 gegen 9.93, Gerste 12.68 gegen 12.81, Hafer 11.49 Millionen Meterzentner. Tie Rapssaaren sind qualitativ behiebigenb, quantitativ schwach mittel. Mais, Kartoffeln zeigerl befriedigende Ennvicklung. In der Zuckerrübe sind Insekten ausgetreten, die Schaden verursachen Gartengewächse und Hülsenfrüchte bejriedigend. X 2k u S dem O h m t a l, 19. Juni. Trotz des unbeftändigeii .Welters nimmt die Heuernte ihren Anfang. Die Wiesen haben einen ganz ausgezeichneten Bestand im Heugras. Durch den vor- züglich geratenen Klee ist kein Mangel aii Erünsutter, infolgedeffen sind bie_ Preise bei den jetzigen Heugrasversleigerungen nicht hoch. Tabei sind die reichen Heuvorräle aus dein vorigen Jahre noch nicht alle aufgebraucht. Die Qualität des Heues hängt allerdings voll der Witterung ab. Detmtfdfrtes» • Einen teuren Radausflug hat der Mühlen- bescher Wiesenhüller aus Großbrambach bei Buttstädt in Thüringen unlängst unternommen. Er hatte bei e ner Bank in Dresden zwei Schecks im Gesamtbeträge von 17 9 000 Mark sowie zehn Hundert- und zwei Fünfzigmark-Scheine in Empfang genommen, um davon ein Elektrizitätswerk in Weimar zu errichten. Auf der Heimreise begriffen, beschloß er, einen RadauLflug in die Lößnchortschasten bei Meißen zu unternehmen. Dort bemerkte er zu seinem nicht geringen Schreck den Verlust der Brieftasche. Diese ist weder in Dresden, noch auf den Polizeistationen der von ihm durchfahrenen Ortschaften als gefunden angezeigt worden. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib dec Wertpapiere waren bisher erfolglos. • (Sin reicher Volksschullehrer. Der kürzlich in sehr hohem Alter in Posen verstorbene pensionierte Volksschullehrer Skalski soll ein Vermögen von 1 100 000 Mark hinterlassen haben. Der größte Teil dieses Vermögens verbleibt in der Familie des Verstorbenen; 300000 Mark erhält der polnische MarcinkowSki-Verein, 10000 Mark hat die Familie zur Verteilung an die Armen bestimmt. * Ein sonderb a^res Vorkommnis wird in Oldenburg viel bcjprochen. Dem Oberamtsriäster a. D. Führten wurde am Sonnabend seine 30jährige natürliche Tochter, eine Geisteskranke, zwangsweise abgcnommen und nach der Anstalt in Wehnen gebracht. Das Mädchen war früher als eine Schönheit bekannt, soll aber auch ziemlich leichtfertig gewesen sein, offenbar i>t es geistig nie ganz normal gewesen. Jetzt hat man es schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Ter Vatre hat es in seinem stets verschlossenen Hause gefangen gehalten, dessen Fenster er teilweise vermauert hall--. Auch Führten selbst, der früher lange Jahre in Elsfleth Amtsrichter war, dann Oberamtsrichter in Oldenburg war, wird, wenn er vluch sonst allgemein als ein Mensch geschildert wird, der niemandem etwas zuleibe tun könnte, als nicht zurechnungsfähig bezeichnet Wi' toe.t die Berichte über die Behandlung, die Fuhrken dem Mädchen angcdeiheg ließ, zutresfen, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Tasiachc ist, daß das Mädchen völlig, unbekleidet gef.tnden wurde, und daß überhaupt keine Frauenkleider im Hause waren. Er soll das Mädchen, das mit keinem anderen Menschen in den letzten Jahren zu- sammengelommen ist, nur mit einem Brei von Milch und Zwieback ernährt haben. * Kleine Tageschronik In Berlin hat sich die 19jährige Weißnäherin Gröger mit ihrem Geliebten, dem 24jährigen Lazarettgehilfen Leonhard aus Potsdam, mit Salzsäure zu vergiften versucht, angeblich, weil ihr dieser mitgeteilt habe, er sei vom Kriegsgericht zu 5 Jahren Gefängnis verurteil worden. Als die jüngere Schwester der Gröger ins Zimmer trat, stürzte sich Leonhard in voller Uniform aus dem Fenster bc3 vierten Stockwerks, in dem die Wohnung der Gröger liegt. Schwerverletzt wurde er nach der Unfallstation geschafft. Tas Mädchen dürste am Leben erhalten bleiben. — In Brügge traf für die AuS- ftallung des Goldenen VliesseS die Sendung Spaniens ein, die für 61/, Millionen Franks versichert ist, und den spanischen K r o n s ch a tz, sowie die Schätze von San Fernando und aus der Kathedrale von Toledo enthält. 12 Lanzenträaer unter Befehl eines Offiziers begleiteten den Transport. — Im Stahlwerk Donawitz (Steiermark) sand eine Schlacken- ex p l o s i o n stau. Ter Ingenieur Rodolph und ber Vorarbeiter Guggl wurden getötet, ber Werkmeister Geuer leicht verletzt. — In Jia t herein an der preußisch-öslerreichuchen Grenze kam e5 zwischen zwei Zigeunerbanden nach einem Streit zu einem erbitterten Messerkampf, wobei eS zwei Tote gab, während einer schwer verletzt wurde. Tie Verwundeten wurden in das LandeS- krankeuhauL zu Troppan gebracht. Tie Uebrigen flüchteten auf preußifchcs Gebiet. — Unweit Lennep (Rhtd.) entstand eine Schlägerei zwischen Arbeitern, wobei drei durch Mefferstiche lebens- gesährlich verletzt wurden. Einer st a r b sofort, während die zwei Aiideren dem Krankenhause zugestihrt werben mußten. Die Täter »vurden verhaltet. — Bei Gelsenkirchen verlor ein Arbeiter, der in einem Teich badete, die Kräfte und sank unter. Sein Freund wollte ihn retten, jedoch ertranken beide. — Tas Automobil eines Herrn Jungkuntz in Dietenhofen fuhr gegen einen Straßenbahnwagen und wurde stark beschädigt. Ein Insasse wurde veUci-l. GerSchtrjaaL. D a r m ft a b t, 19. Juni. Vor dem Schwurgericht stand heute ber 24 Jahre alte, bereits beftraitc Arbeiter Michael Han- s ch »l h von Roßdori, der deschuldigl ist, am 1. Januar 1906 und am 2. April bs. Jahres in Roßdori verschiedene Scheunen vorsätzlich in B r a n b ß e ft e cf t zu haben. Es mürben 45 Zeugen vernommen, ba ein Indizienbeweis geführt werben mußte. Tie Geschworenen bejahten bie Schuldirage in beiden Fällen, gleichzeitig auch die vom Gericht gestellte Nebensrage auf mildernde Umstände. TaS Urteil lautete'auf eine Gesamlstrafe von vier Jahren Gefängnis. Frankfurt a. M., 19. Juni. Vor ber Strafkammer hatten sich heute die Geschäf.sinhaber L:vi Plaut, Leo Boden- Heimer und der Mag zincr Max Mendel wegen fahr^ lässiger Tötung zu verantworten. In dem Geschäft der beiben Erstgenannten stürz'e der Lehrling Jo.ef Strauß^von dem Auszug, dec an der Hosieste die Waren in die ooeren Stockwerke befördert und slaro an d n Folg.n der Ler.epungen. Tas (Scriait verurteilte Plaut zu einer Woche, Badenheimer zu 2 Monaten Gefängnis. Mendel wurde freigesprochen. Das Gericht erolidte eine Fahrlässigk.it darin, daß die Geschäftsinhaber als Geweroe- Unternehmer nicht dafür sorgten, enlfprechend dem § 120 a der Gewerbeordnung Leben und Gesundheit der Arbeiter ausreichend zu schützen. . , r 0 Marburg, 19. Juni. Tas Schwurgericht veichai- tigte sich heute mit einer Anklage lvegen D ra n dstJ f t u n g gegen den etroa 30 Jlahre allen Schreinergesellen Peter S ch e l d t aus Weidenhausen im Kreise Bieoenlopf. Dem Manne wurde zur Last gelegt, am 7. Mai d. Js. zu nächtiger Stunde sein gut versichertes aber leerstehendes elterliches Wohnhaus.in dem etroa eine Stunde von Weidenhausen entfernten Nunzhausen angezunoet zu haben. Scheldt, der sich in seiner lu’uenjjeiinat Weidenhausen ein Häuschen envorben harte, bestritt jede, Schuld und gab an, er sei an dem Abend überhaupt, niajt aus seinem Hauie gekommen. Er war '.tämlich dadurch in den böse.: Verdacht geraten, weil man vvli der Bpandstälte aus quer durch Feld und Wald eine Spur gesehen hatte, in die seine Stiefel genau paßten. Scheldt wurde schließlich schuldig gesprochen um, zu 1 Vr Jahren Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe verurteilt. M ü n d) e n, 19. Juni. In bem großen W u ch e r e r p r o - zesse ivurbe heute abend nach jechsivöchentlicher Verhandlung bas Urteil gefällt. Ter Angeklagte Hanmaiin erhielt 2 Jahre 6 Monante Gefängnis unb 3000 Mark Gelbstrase, Oiser 2l/4 Jalwe Gefängnis und 30U0 Mark Gelbstrase, Massai senior l‘/t Jahr Ge- fängills unb 600 Alark Gelbstrase, Maffoi junior l1/, -stahre Ge- jängnis unb 4500 Mark Gelbstrase. Sechs weitere Slngeklagte erhielten 3 bis 6 Monate Gesangnis nebst ben entsprechenden ®clb- strasen. Härtling, Bieber, Schmibt ruib Ebner ivurbeli freigesprochen. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 20. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notieruiigen ber heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe flanben: 52 Ochfen, 00 ans Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 66 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinber 0 ans Rumänien, 585 Katber, 85 Schafe unb Hämmel, 8 Ziege», 3 Ziegenlämmer, 1 Schaflamm. Bezahlt wurde für bas Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 78—80 Mk., 2. Qualität 70-74 Mk., 3. Qualität 63—66 Mk.; Bullen: 1. Qual. 00-00, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 73-75 Mk., 2. Qual. 70—72 «DIL, 3. Qual. 61—63 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kalber l.Qnal. 96—100 Psg., Lebendgewicht 58—60 Psg., 2. Qualität 88—90 Psg., Lebendgewicht 50-54 Psq., Sck)lachtgew. 65—70 Psg.; Schase: 1. Qual. 82—00 Psg., 2. Ciml. <8—80 Psg. Geschäft: bei Hornvieh gut, Ucberftonb unbebeiUenbi bei Kleinvieh gnt, kein Uebersland. (?) Herchenhain, 18. Juni. Der heutige Schweine- markt (Johannismarkli war stark befahren: es standen etwa 600 Schweine zum Verkauf. Dementsprechend waren ■bic Preise niedrig. Kleinere Ferkel kosteten das Paar im Durchschnitte 26 Mk., größere 30—36 Mk., Einlegschweine 60 Mk. Der Handel war außerordenilicb lebhast. UniverNtäts-r^achrichte«. — Wie der Prorektor d.'r Universität Jena bei der akademischen Preisverteilung mitteüte, wird die Einweikung des neuen Heimes der Universität im nächsten Jahre zusammen mit dem 350jährigen Universitätsjubilänm erfolgen. Bon Jnterejse dürfte es noch fern, daß in der Vorhalle des neuen Kollegiengcbäudes eine Minervabüstc von dem französ. Bild« Hauer Rodin AufüelInng finden nurd. Arbeiterbewegung. ?. Schlitz, 19. Juni. Zu der am 13. bs. gebrachten Notiz, betr. bie ailsgevrochenen Differenzen zwischen ben iUl a n r e r n unb bereit Arbeitgebern, kamt ich Jhtten heule mitlcilcn, baß bie gepflogenen Verhanblungen zu keiner Einigung gesührl Haden unb heule mittag 12 Uhr bie Arbeiter bis auf wemge in ben Streik cmßetvetcn sind. Wie ich erfahre, sind bie Pleister nicht bereit, irgenbwelche größere Konzessionen zu machen, zinnal bte Arbeit sickt in bicjcnt Sommer nicht bränge. Offenbach a. M, 19. Juni. Die in ber Maschinenfabrik A.^G. Dornt. H art mann u. E o. erneut ausgebrochencn Disserenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern find bei g^l e g t worben. _ ^kkf.__Ztg )__11 ” Ar-chttche Nachrichren. 3draclüi|d)c RcligtotlSaejellfchaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 22. Juni 1907: Freitag abenb 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 9.40 Uhr. Wochengottesbienst: morgens 6.00 Uhr, abends 8.00 Uhr. Israelitische Religiousgcmetnde. Hottesviemt uv Ser Synagoge (Südaulage). Santstag, ben 22. Juni 1907: Dorabenb 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Lchrifterklärung. Sabbalausg a n g 9.40 Uhr. Gießetter Wetterdienst. BoranSsichtlichc Witterung für Hefte» am Freitag ben 21. Ium: Heuer und trocken. Wärmer. Leichte iiilb subliche Winbe. Original-Drahtmeldnngen. Berlin, 20. Juni. Em crj^ütternber Vorgang spielte sich in ber Qudenarberstraße ab. Wegen einer harten Züchtigung, die er durch seinen Vater erhalten hatte, sprang der 12jährige Sohn Adolf des pensionierten Lokomotivführers Petzold aus bem Fenster des zweiten Stockes nackend^ auf die Straße, wo er mit schweren Verletzungen liegen; blieb. Der Vater wurde verhaftet. Bad Gaslein, 20. Junt. Ein au§ Preußen gebürtiget Bahnarbeiter tötete aus Rache zwei Kameraden und verwundete vier lebensgefährlich. Der Mörder wurde verhaftet. Wien, 20. Juni. Der Statthaltereirat Freiherr Paul von Bamberg verübte in einem Sanatorium ©elbfU m ord durch Erhängen.j. \ Couverts mit Firma billigst _________vrübl'iche UnwerNtätr-Druckerel. Cieftttt- (Offnir S'tfllm Pensionierten © • Beamten aller Klassen bietet ein vornehm angelegtes aktuelles Unternehmen aller Orten bequemen hohen Verdienst! Lediglich durch Wirken in Be- tannlenkreisen. — Keine Ver- slcherunge>iachc! — Standes- angclegenbeit! — Gesl. Ange boie unter „D. 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Wie bisher wird die entfallende Dividende auch auf die Gescbäftsguthaben von mindestens Mk. 500.— in bar ausgezahlt und bleibt es dem freien Ermessen der Mitglieder fiberlassen, das Geschäftsguthaben über den Betrag von Mk. 500.— hinaus bis zum festgesetzten Betrag des Geschäftsanteiles von Mk. 1000.— zu ergänzen. Indem wir diesen Beschluss zur allgemeinen Kenntnis unserer Mitglieder bringen, bemerken wir noch, dass Voll Einzahlungen der Geschäftsanteile, die noch vor dem 1. JuK er. an unserer Kasse geleistet werden, ausnahmsweise schon an der diesjährigen Dividende und zwar vom 1. Juli er. ab tcflnchnacn. Colosseum Giessen Telephon 644 (früher Caf6 Leib, Walltorstrasse.) Telephon 644 Direktor und Inhaber: Albert Rappmann. Weltstadt-Programm vom 16. bis 30. Juni 1907. IchischeLanMer : bei Ballen 95 Pfg. per Pfund Pslai!!c»bi!!ttt per Pfund 56 Pfg. reines [4078 Zchminkschmch per Pfund 60 Pfg. L. Steinhäuser 27 Seltersweg 27 17 Sieuen Baue 17 Ä Dampfmolkerei Gießen Jac. 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