1S7. Jahrgang Erstes Blatt General-Anzeiger für Oberheffen hculige Yuurmer umfaßt 20 Seiten. k die Frage in diesem intionfilltb:ra!c inc sehr scharf, sei, so Hobe cr inn einen Bcr< Mar? Acchen- 5000 Mar! sich Herren der Gesellsck-aft, zu denen auch Professor Borges; gehörte, in einen der Enipsangssalons zurück. Wie wir Ijören, scicljmete der Monarch die amerikanischen Marine- uni> Militärattaches Gieszener Stadtthecrter. Trilby. Vor einem Jahrzehnt wütete auf den Bühnen aller Länder die Trilby-Seuche. Georges du Maurier,^ ein geistreicher und übermütiger Karrikaturenzeichner aus Paris, Halle einige Jahre vorher in einer amerikanischen Zeitschrift in englischer Sprache einen Roman veröffentlicht, der einen ungeheuren Erfolg hatte. Er fand seinen Weg durch die ganze Welt. Wie Prof. Dr. Ed. Engel in seiner »Geschichte der englischen Literatur" (6. Aufl. Leipzig, Jul. Baedeker 1906) erzählt, »wurden in zwei Jahren zwei Millionen Abdrücke davon verkauft". In manchen Großstädten sah man damals in den Auslagen der Putzmagazine Trilbyblusen und Trilby- hüte. Und heute sind ja wieder englische Möbel, englische LandhauSbanten und englische Effektstücke (Sherlock Holines!) in der Mode. Darum tat Frau Bayrhammer nicht unklug, zu ihrem Benefiz auf »Trilby" zurückzugrerfen, ein Stück, von dem mir nicht weniger als drei deutsche Bearbeitungen bekannt geworden sind, deren es aber wohl noch Mehr hat. Der Noman, den man einst in der inzwischen leider längst entschliimmerten guten .Romanwelt", s. Z. heraukgegeben von Otto Neumann-Hofer, las, hatte zweifellos seine Vorzüge. In seinem Mittelpunkt steht Trilby, das Mädchen mit den schönsten Füßen, daS nicht nur für diese, sondern auch »für alles Uebrige" Modell steht. Als weibliches Seitenstück zu jenem Schnadahüpfler und Schwerenöter, der da singt: »Schöne Madeln hab i gerne ganze drei an der Zahl: die eine küß i, die zweite lieb i, Kis dritte heirat' i amoal/ Nr. 64 «rfftetni täglich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gietzener Famtlten- btätter viermal in der Woche beigelcgt um zweimal wöchentlich da>. Hrdsblott für den Krtb Gießen. Yernsvrech-An- schlußl.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 l>): Politiker Singe inben Hai, gebe Erst im Laufe herausgcbüdet, &enfo ist ti ! erfoäfyiic, fo einen solchen hn für durch- oh bei solchen n Lohne sieht, ich, daß bet olitif bon der mentlich Ä<-'l ndnisse an die ; .sionzessioncn ciikung in der diePost 'SIL 3.— viert et- jährl. auSschl. Bestellg, Annahme von Anzeige« für die TageSnuininer bis vormittags 10 Ubt, Zeilenpreis: lokal 16 Pi, auSioartS 20 Pfennig, Verantwortlich iür den pohL und allgem. Teil: P. Witiko- Tüt »Stadl und llanir und .GerichtssualV Ernst Heß', hit den Anzeigenteil: Hans Beck Wefle für ®epefd)en: Roiallon,druck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such. und Slelndruckerel. n. r-mg«. Rebaftlon, «jpebifion und Druckerei: rchulstratze ? Anzeiger Gießen. lediglich Ic- ii t fennt den LogrnphicrieS ; a'ogcsch'-ossen äernchmnngen icht die Leiter (Sehr richtigl digt. .. ^worden, die Diese Politi! bic Stellung, hat stets vcr- nut wirtlichen chen. (Dcifall 1 erklären, das» ) die Webe bei . Industriellen ,c "lnschauuiiff anderen dem müsse. Hierzu tGnlciijt wor. 'aiangchellien OTt. Ts» in-omm» ibeeinflui 1N Innern, c" aufgestelli Materiell W werden Eine deutsch-französische Annäherung. Berlin, 15. März. Ans Einladung des Präsidenten der deutschen Kolonial- gesellschast, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg hatte sich heute abend eine stattliche Anzahl Kolonial- fremwe eingefunden, um die Vorlesung des französischen Abg. Lucien Hubert, über F r an z ö si sch-W e st a fr i k a zu hören. Erschienen waren u. a. Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Unterstaatssekretäc Dr. v. Mühlberg, Kolonialdirektor Dernburg, der französische Geschäftsträger Lecomte usw. Herzog Johann Albrecht eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er ausführte: Seit den letzten Monaten habe das in der deutschen Kolonialpolitik sich regende frische Leben bei den französischen Kolonialkreisen lauten Widerhall erweckt. Nach den über die zusammenschließende, einigende Kraft des kolonialen Gedankens bei unseren sonst so weit auseinander stehenden Parteien gerade jetzt gemachten Erfahrungen dürfe man der Hoffnung sein, daß eine Verständigung und ein Zusammenarbeiten auf dem kolonialen Gebiete auch zwischen uns und dem französischen Volke eine Brücke zu gegenseitigem Verständnis schlagen werde. Redner begrüßt bann den Abg. Hubert, der nicht nur einer der Urheber des Gedankens der französisch-deutschen Annäherung aus dem kolonialen Gebiete, sondern auch einer der besten Kenner der französischen Kolonien in Westafrika sei. Redner schloß mit dem Wunsche, daß der betretene Pfad empor führen möge zu den lichten Höhen des wahren Friedens. Hierauf erhielt der Abg. Hubert das Wort. Er begann mit der Bemerkung, man könne gewiß ein sehr guter Deutscher und ein sehr guter Franzose sein und doch beklagen, daß die Fügung der Umstände die Beziehungen zwischen den leiden so großen Völkern getrübt habe. Jedenfalls könne man sich aber auf kolonialem Gebiet begegnen und ft ei und offen sich über das gewaltige Werk unterhalten, an das sich die weiße Nasse in Afrika gewagt habe. Redner ging hierauf zu seinem eigentlichen Thema über: Die Tätig- Samstag 16. März 1907 —, Bezugspreis: Q moi. ailich 7b P>., viertel- ▼ jährlich Mk. 2.20; durch jA. Abhole- u. Zweigstellen monatlid) 65 burd) ft®* »■ hat i Sä .1,1 uoch Qu Ätz Lne 9"HiäS »SÄ ,on: nicht ?|onen anf Syeimniffe J18! ionbern e i"? 'ne., y-’ tn eine ■ ntuttcni$ ?* auch "^uerbingz ! d'e $ätifl5 •^n, die ber- -n Besttz d!; ’ßieit bet e‘e i-h-n und • kl out ennnilien nicht läßt sie sich von Makern umschwärmen, bis der Vampyr kommt, ein genialer, schmutziger, frecher, feiger Musiker namens Svengali, ein Galizier. Tie Galizier sind übrigens — Tatsache i __ nahezu alle stark musikalisch. Soweit der Roman sich in der Pariser Künstler-Boheme abspieit, ist er wirklich von anziehendem Humor, liebevollen intimen Schilderungen, reizender Kleinmalerei, wenn er sich auch stark an Murgers „Boheme" anlehnt. Doch mit dem Auftreten Svengalis, dieses Hexenmeisters, dieses Satans im Frack, gewinnt der Roman sofort ein zweites Gesicht. Tie Suggestion kommt zur Anwendung und zum Siege. Die absolut unmusikalische Trilby, von der Natur mit wunderschönen Stimmmitteln ausgerüstet, vermag durch Suggestion ihres Meisters Svengali die schwierigsten Arien korrekt und bezaubernd zu singen und gelangt dadurch zu enormem Ruhm und Verdienst. Das klingt recht schön, ja gut und edel, aber wenn man sich's ein ganz klein bischen überlegt, ist's übelster Unsinn und schmeckt nach Barnum, der vor Jahr und Tag behauptete, in seinem ZirkuS sei die 160jährige Amme des amerikan. Staatsmanns Washington zu sehen. Freilich hat du Maurier mit einer Routine, die einer besseren Sache würdig wäre, auf die Voraussetzung des hypnotischen Unsinnk, daß man jemandem durch die Hypnose die Stimmbänder umändern könne, also einer geradezu tollen Annahme, die Effekte aufgebaut. Läge etwas Wahres darin, dann wären unsere Musik-Konservatorien mangelhaft organisiert und müßten sofort einen Lehrstuhl für Hypnose Mit den nötigen UebungS- kursen einrichten; denn alle Gesanglehrer der Welt können ja ohne sie einer unfähigen Schülerin nicht dazu verhelfen, daß sie eine zweite schwedüche Nachtigall wird, die mit ihrem Ruhm die Erde und die umliegenden Gestirne erfüllt. Bei der hypi ' eben Lehrmethode n.nr geht, so will uns Tu Maurier aben machen, das Gerne des Meisters ganz von selbst in . hypnotisierte Schülerin über. Also braucht nur ganz besonders aus. U. a. sprach sich der Kaiser sehr looendt übet den Erfolg aus, den die Militärbehörde mit der Ansck)offung von großen Samowars für die Kantinen und für die Manöverlager erzielt habe. Die Soldaten hätten den l-eißen, zu allen Tageszeiten zu habenden (Tee sogar dem Bier vorgezogen. Im Lause k^es Gesprächs über diesen Gegenstand stellte dann der Kaiser noch mehrere Fragen über das amerikanische „anti-liquor law" (An t i a l ko ho l g e se tz) und meinte, daß das Gesetz, wenn auch an Wnb für sich segensreich, doch iwch verbessernngssühig sein dürste. Z. B. habe er gehört, daß Leute, die in ihrem Heimatsstaat alkoholische Getränke Sonntags nicht erlangen könnten, in die chlimmen Spelunken getrieben wurden, die an der Grenze des Nachbarstaats nur des leichten Prv,its halber und mit zur Umgehung des Gesetzes eröffnet würden. Der wachsende Anbau der Karw fsel in, Deutschland sei allerdings hauptsächlich der Spiritusindustrie zu danken, aber die LUndwirte in sterilen Gegenden hätten gerade aus dem Anbau dieser Frucht die meisten Vorteile gezogen und dadurch wenigstens Mittel i nd Wege gefunden, um über die, für die Landwirtschaft schlimmsten, jetzt glücklicherweise zurückliegenden traurigen Zeiten, Hinwegzukommen. Qkg-m 10 Uhr öinrde im Herrenzimmer der zee serviert, aber die Uhr näherte sich der elften Stunde, ehe der Herrscher daS gastliche Haus verließ. Noch beim Abschied erwiderte er einem der anwesenden amerikanischen Herren auf eine diesbezüglick>c Andeutung hin in englischer Sprache: „O ja, ich möchte di« Vereinigten Staaten schon besuchen. Aber nicht als „Kaiser", sondern «als „private gentleman" und nicht auf vierzehn Tage, »vie es bei den „globe-trvtters" Mode, sondern auf mindestens ein Vierteljahr. Mer, wer soll mich hier unterdessen vertreten, und ivas würde Kollege Roosevelt von mir denken, wenn ich seine Theorie vom! „l-ard Work — litlle play" (harte Arbeit — wenig Feste) Lügen strafen wollte?" ß t 6er 1 t S'f'“ w dir ereui «j®. ® „ii i die : Ä- * der Lehrer Genie zu haben ... ja wenn nur daS immer der Fall wäre! Herr Svengali, der große Hypnotiseur, hat überdies etwas Masochistisches an sich. (Sacher-Masoch war ja auch ein Galizier.) Der Teufelskerl zählt nämlich auch Prügel zu seinen magnetischen Mitteln. Doch das Verhängnis bleibt nicht aus. Durch allzu reichliches Abgeben von eeelenftoff verfällt er dem Tode aus Mangel an Willen — eine Todesart, über die sich Schopenhaiier gefreut hätte. Tie Potter'sche Bühnenbearbeitung deö Romans trifft im allgemeinen den richtigen Ton, der zwischen dem Zigeuner- und dem Gouvernanten-Milieu lustig hin- und herwandelt. Freilich kommen die Personen herein und laufen hinaus, wie es die Handlung braucht, sie haben kern eigenes Gesicht sie bewegen nur die Fabel. Blos Svengali und trilby sind gezeichnet, aber nicht in den Proportionen der Statur, sondern sie haben einen einzigen, ms Ungeheure verzerrten Zug; man mag an antike Masken denken. Svengalt ist nichts als Macht, Trilby nichts als Unschuld, das andere Leben ist aus ihnen weggelassen. Dazu kommt, daß der Dramatiker die rohesten Mittel nicht verschmäht. Es ist gewiß ein ganz unlitterarisches Stück aber es wirkt und man denkt von weitem an die Spukgestalten E. T. A. Hoffmanns. Der aber war mit all seinen Verkehrtheiten ein Dichter, während du Maurier nur ein geistreicher Lustigmacher war, von dem gleichgültigen Bühnen- Bearbeiter gar nicht zu reden. , DaS Stück hätte in Deutschland wohl noch mehr Aussehen gemacht, wenn nicht ein widriges Geschick dazwischen gekommen wäre. Atittetwurzer, der größte Bühnenkünstler der letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts, hatte sich üorgenonuuen, die Rolle des Zauberers Svengali zu meistern. Er sah, wie viele hervorragende Mimen, nie auf den litte- raUschen Gehalt un. Wert eines Stückes, sondern betrachtete es allein aus dem Gesichtswinkel des Packenden. Em jäher Man schreibt uns aus Berlin: Das erste diplornatisckie Diner, dias der Kaiser in Jahre mitmachie, führte ihn am Donnerstag abend in das prächtige Heim d.s amerikanischen Botschafters am KÄnigsplatz. Der Kaiser war, wie Uran uns mitteilt, ganz aiyzerordentlich gut gelaunt und überreichte Mrs. Charte mag ne Corner gleich nach seinem Eintritt ein Flieder- und Veilchenbukett sowie zwei Photographien von sich, die ihn m der auf bem kürzlichen Kostümfest des Kronprinzen getragenen triebetu zionischen Tracht bürftellen und unter die er gleichzeitig, mit Bleistift seinen Warnen setzte. Für die Kinder des Botschafters AÜlows Rede bei dem Bankett des Deutschen Landwirtschaftsrats wird wegen ihrer Tendenz viel Kommentare Hervorrufen. Ihr Grundton ist durch unddurch agrarisch; der Reichskanzler erklärte selber, daß er mit seinem ganzen Herzen bet den Agrariern sei und nach wie vor diese Bezeichnung als einen Ehrentitel ansehe. Auch seine ganze bisherige Politik trug ganz agrarisches Gepräge zur Unlust derer, welche befürchten, daß Handel und Industrie darunter zu leiden hätten. Nun haben die Neuwahlen nach der Reichstaosauflösung eine Verschiebung int Parlament gebracht, eine Einigung zwischeü der Rechten und Linken hat trotz bestehen bleibender grundlegender Differenzpunlte stattgesunden, sodaß die Regierung sich genötigt sah, dem Rechnung zu tragen. Dies Entgegentommen gegenüber der Linken hat aber wiederum in agrarischen Kreisen die Ver- mutung l/ervorgerufen, daß nunmehr infolge dieses Einten lens die Landwirtschaft zu kurz kommen konnte. Diese Bedenken zu zerstreuen, scheint sich Fürst Bülow als Aufgabe gestellt zu haben, hieraus ist auch wohl der überaus agrar- sreundliche Tou feiner Rede zu erklären, die gleichfalls als captatw benevolentiae auszufassen ist. Tie Linke sieht natürlich, daß der Kanzler des Guten zuviel getan hat, indem er es so darstellte, als wenn er sich den Agrariern mit Haut und Haaren verschrieben habe; und an lebhaften Angristen von radikaler Sette, welche das Zusammengehen der Linken mit der stiegierung überhaupt nicht gern sehen, wird es nicht fehlen, insbesondere wird man der Akeinung Ausdruck geben, daß die Linke nur dcyzu dienen sollte, der Regierung gegenüber Zentrum und Sozialdemokraten die Kastanien aus dem Feuer zu holen und daß man ihr den Tank dafür in einigen leeren Bei sprechnngen abstatten will, während im übrigen in der inneren Politik alles beim alten bleiben sollte. Aber man darf wohl bei Beurteilung der Rede Bülows, ähnlich wie dies oft bei Kaiserreden geschieht, nicht vergessen, an welcher Stelle sie gehalten worden ist, indem ihr der Stempel des Ortes aufgedrückt ist. Man darf auch nicht vergessen, daß Fürst Bülow üi seiner Rede vor den Landwirten sich sehr entschieden für eine Börse nresv rm ins Zeug legte und den Herren sehr eindringlich zuredete, (in ureigenstem Interesse sich einer solchen Reform nicht ablehnend gegenüber zu verhalten, wobei er sich nicht scheute, den Agrariern zu zeigen, daß manche von ihnen Sibeuklappen besäßen, und daß es förderlich sei, auch anderen Zweigen des Wirtschaftslebens im Interesse der Ecsamtheit Beachtung zu scheuten, des weiteren legte er auch dar, daß er an der Reform des Vereins- und V e r s a m m l u n g s r e ch t s, sowie der Strafordnung scsthaue, um unzeitgemäße Zustände zu beseitigen. Etwas anderes hat Bülow auch tut Reichstage nicht gesagt, und man darf wohl annehmen, daß er sein Wort auch einlösen wird. Es hat auch wohl niemand vom Fürsten Bülow aHQeiioiniiieii, daß er angesichts der neuen Zusammensetzung des Reichstages aus seiner alten Haut heraus in eine neue« schlüpfen werde. Bülow hat bisher eine agrarische Politik betrieben und wird diese auch fortsetzen, wenngleich er dabei gewillt ist, einigen Wünschen der Linken ent- gegenzukommen. Wer sich anderen Jllnsionen hingegeben hat, hat die Verhältnisse nicht berücksichtigt. Aus Berlin wird uns geschrieben: Uy hat beim Festmahl des Deutschen L a n d w i r t s ch a f t s -- l a t ä lange Gesichter gegeben, als Fürst Bülow über die Wünsche der büraeHid^n Linken, insbesondere über die Not- toenbigteit einer Börsenreform sich äußerte. Soviel Wohlwollen für die Börse, bemerEten, wie uns berichtet wird, nachher Teilnehmer des Mahles, habe miau von einem „agrarischen" Reichskanzler unmöglich erwarten iöniien! Zn der louseevat. was die So- rgerlichen W kanzlet gewese n." , t Ä , Höflicher und liebenswürdiger als bas Hcmptorgan der Kvnser- valivcn ist die b.mbllrische „T a g c s z t g". Zwar konstatiert sie auch mit einigem Verdruß über bas vom Reichskanzler angeweudcte Bild: „Wir tragen keine Scheuklappen und brauchen sie deswegen nickst abzulegen." Auch «mag die „Tagesztg." nichts von einer Abschwächung des Bötsengesetzes hören, das trotz seiner Mängel doch die schlimmsten Auswückste der Börse beseitigt habe. Immerhin schlägt die „Tagesztg." im Ganzen einen freundlicheren Ton an; sie glaubt bestimmt, daß der Reichskanzler das vseine dazu tun werde, um stürmische Auseinandersetzungen mit der Landwirtschaft über die Wörsenvorlage zu verhindern. Ob wohl Fürst Bülow den Ausgang deS Kampfes erlebt als aktiver Staatsmann? Wäre dav Wott vom „polit. Lcichenstein" etivas wie eine Ahnung gewesen? _______ Parlamentarisches. Berlin, 15. März. In der Budgetkommission des Reichstages erklärte Staatssekretär kraetke bei der Beratung des Postgesetzes auf ErzbergerS Frage, ob eS wahr sei, daß von der Firma TippelSkirch fü; die von ihr gemieteten Postgeschäftsräume in Kiautschan eine unverhältnismäßig hohe Miete gezahlt werde, das sei nicht der Fall. Dann entwickelte sich eine GehaltSdebatte. Es dreht sich darum, ob entsprechend einem Zentrumsantrag die Aufbesserungen sofort in den Etat eingesetzt werden, oder ob die Form einer Resolution gewählt werden und die Erklär- ungen der Regierung abgewartet werden sollen. Letzteres wird beschlossen. — Die Budgetkommission deS Abgeordnetenhauses beschloß heute die Beratung deS freis. Antrages auf Gleichstellung der Oberlehrer in Gehalt mit den 23er- waltungSbeamten und Richtern, sowie der konservativen Anträge, welche wesentliche Erhöhungen deS EndgehalteS und angemessenere Rcgeliing der übrigen Verhältnisse der Oberlehrer beantragen, zur ü ckzu siel len, bi3 zur Beratung der übrigen AufbcssetungSanträge. Regierungsseitig wurde bezüglich des Austausches junger Philologen mit öem AuSlande mitgeteilt, daß Verhandlungen schweben, daß die deutschen Kandidaten in Frankreich Renume- rn Honen bekommen. Ter Austausch mit England sei nicht in Fluß gekommen. Die englischen Schulen schienen diesem Tlustausch nicht günstig zu sein; eS sei deshalb Nor d- a m e rika für diesen Austausch in Aussicht genommen. politische CagesschaV. Der Kaiser auf der amecikanische» Botschaft. „Kreuzztg." smdet heute abend die Verstimmung der Börsen-1 hatte der Kaiser Spi e lsa cheii mitgebrackst, bi.1 er ii^iien uo\ gegner drastischen Ausdruck. Eine genaue Untersuchung, so schreibt dem Tiner selbst übergab. Gegen 8u Uhr war tüv Tiner, zu dem die „Kreuzztg ", wird sick«w ergeben, daß nickst wir die ©d>eu» | 24 Gedecke gelegt waren, beendet imb der Kaiser zog sic!,- mit den k'lappenträger sind. Der Kanzler sei über den Einfluß des Börsengesetzes nickst gut unterrichtet worden. Die Sache verhalte sich ganz anders. Fürst Bülow habe sich selbst einte Binde vor die Augen legen lassen, wenn er meine, das Börsengesetz mit seinem Terminregister und seiner Emsckstänkung des offiziellen Terminhandels habe die Berliner Börse gegen die Börsen von Paris uni) London in Nachteil gebracht. Kurzum, die „Kreuzztg." will die Inschrift einstweilen nickst gelten lassen, die Fürst Bülow für seinen politischen Leichenstein beilnumt: „DieserifteinagrarischerReichs- Veit Frankreichs in Westafrkka. Er führte n. a. aus: Der Grundsatz Frankreichs sei, jede Kolonie durch eine Eisenbahn bis an den Nigger zu führen und durch Schienenwege untereinander zu verbinden. Leute rentieren sich die schon bestehenden Schienenwege vollauf. Sie hätten neues Leben geschaffen, der Landet hätte sich ungeheuer gesteigert. Zum Entschluß entwarf der Redner ein Zukunftsbild von Französisch-Westasrika. Nachdem der Redner geendet hatte, dankte ihm Herzog Johann Albrecht und sprach den Wunsch aus, der Vortrag möge dazu bienen, die beiden Völker einander n ä her zy bringen. Deutsche» Reich. Berlin, 15. März. Die „Rat. Ztg.- berichtet, daß der österreich. Thronfolger Erzherzog FranzFer- dinand zwei Tage in vollstem Inkognito in Berlin geweilt und mit dem Kaiser lange und eingehend konferiert habe. — Fürst Karl zu SolmS-Hohensolms-Lich ist auS Schloß Lich in Berlin eingetroffen. — DaS Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Fortsetzung der Beratung des KultuS-Etats, wobei fast ausschließlich über den polnischen Sch ulst reif debattiert wurde und im zweiten Teil der Sitzung mit dem Anträge, im Volksschulwesen auf die Einführung der fachmännischen Schulaufsicht Bedacht zu nehmen. Der Minister hält zurzeit eine Neuregelung dieser Angelegenheit nicht für opportun. — Der deutsche Landwirtschaftsrat beriet heute über Maßnahmen zur Steigerung der deutschen Vieh- und Fleischproduktion, und zur Verbilligung der städtischen Fleischoersorgung. Es wurde beschlossen, eine größere Anzahl der von den Referenten aufgestellten Anträge und Leitsätze dem Reichskanzler und den verbündeten Regierungen als Material zu überweisen und daran das Ersuchen zu knüpfen, jedenfalls für die wissenschaftliche Seuchenforschung und für die praktische Seuchentilgung größere Drittel als bisher in den Etat einzustellen. Neues aus Rußland. Zum Teckeueiusturz in der Duma tvird weiter berichtet: Durch einen sonderbaren Zufall stürzte im Sitzungssaal der Reichsduma am Freitag der größte Teil der Decke ein. indem der Stuck mit Brettern in den Saal herabfiel uno einen Teil der Abgeordnetensitze zerschmetterte. Anfangs glaubte man, daß dieser Deckeneinsturz durch böswillige Hände hervorgerusen worden sei und sprach von einem Attentat, doch lehrt ein einfacher Blick auf die Decke des Saales, daß hier eine Nachlässigkeit der Bauleitung vorliegt, die in dem alten zur Reichsduma umgebauten Palais die Decke aus ihre Dauerhaftigkeit Nicht genügend geprüft hat. Wäre die Decke während der Sitzung eingestürzt, so hätte das leicht 200 Abgeordneten das Leben kosten können. In den Couloirs herrschten daher ziemlich erregte Gespräche, die die Schuld an dem Vorfall völlig der Regierung in Rechnung stellten. Stolypin war um 10 Uhr morgens eingetroffen, um sich die Katastrophe anzusehen. Gegen 12 Uhr fand im Kuppelsaal eine kurze Sitzung der Duma statt, in welcher das Präsidium beauftragt wurde, ein neues Lokal für die Tumasitzungen au beschaffen. Die Wahl wird wahrscheinlich auf den Saal der Adelsversammlung fallen, in welchem der Reichsrat tagt. Ter Tnmasaal zeigt ein trauriges Bild der Zerstörung, Fast drei Viertel der Teckenbekleidung sind herab gestürzt und haben die Sitze der Linken, des Zentrums und eines Teils der Rechten verunstaltet und mit Trümmern bedeckt. Die Architekten erklären den Einsturz der Decke damit, daß der Sitzungssaal ursprünglich ein niemals geheizter Wintergarten war, der auch noch während der Tagung der ersten Duma nicht geheizt wurde. Ter jetzt durch Heizung und Lüftung herabgesührte Temperaturunterschied habe offenbar den Umfang der mit konischen Nägeln befestigten Holzbalken verändert, weshalb die Stukkatur herabstürzte. Ter Deckeneiusturz lastet wie ein Alp auf allen Gemütern. Ueberall aus den Straßen besprechen heftig erregte Gruppen den Vorfall in der Ueberzeugung, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Tie reaktionären Gruppen der Duma reden von einer Strafe Gottes, die über die Tama hereingebrochen sei Tie Mitglieder der Rechten hielten in der T-umakapelle einen Tankgottesdienst ab, wobei sie das Gericht Gottes auf die Linke herabriefen. Zwei Kommissionen traten zusammen zur Untersuchung des Unglückes. Man konstatierte, daß die Decken berierdung noch aus der Zeit Potemkins stammt und mittelst Holzplanken /befestigt war, die durch Nägel zusammengehalten wurden. Diese saßen im Holz nicht genügend fest. Tie sonst immer feuchte Lust des früher als Wintergarten benutzten Raumes ist jetzt durch das fortgesetzte Heizen warm und trocken geworden, wodurch das Holz zusammentrocknete und die Verbindung mit den Nägeln gelöst wurde. 20 000 begann gegen Schluß des vorigen IahreS der Ort kg ewerde- Kilogramm von 300 Qm. Fläche sind abgestürzt. verein Gießen eine neue Schule zu erbauen. Schon seit Die Erbitterung ist um so größer, als der Abg. Tol- Jahren waren die Räume in der alten Schule am Asterweg shenskow, der schon der ersten Duma angeh orte, erklärte, jU eng geworden und der Behelf war groß. Viele Schüler Bau Kommission her ersten ^^erung mu^en wegen Mangels an Raum zurückgewiesen werden. macht ^tte0 U $aumei^erQ| SÖruni, der Erbauer des Duma- Um diesen Wich stand abzustellen, hat der Gewecbeverein nach gebaudes, entschuldigte sich damit, daß ihm zu wenig Zeit lahrelangen Arbeiten m seinem Bauausichnß sich an den gelassen worden sei, um einen radikalen Umbau vornehmen Neubau herangewagt. Nach langen Verhandlungen mit der zu können. Stadt rourbe ihm ein Bauplatz in der Kirchstraße (angrenzend Tie Tumasitzungen sollen nächsten Mittwoch wieder auf- an das Gelände der Stadtknabenschiile) überlassen, wo bis genommen werden Am Zarenhof hat .die Kunde von je$t der Bau bis zum ersten Stockwerk gediehen ist. Die be- dem Unfall furchtbaren Eindruck gemacht, ^rer Zar ^ibenen Mittel des Vereins reichen aber bei weitem nicht S^b^ort dre strengsten Befehle,^aßEren zu um das Schulhaus zu vollenden. Deshalb ist aus den treffen und dre Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. rogüebern bc§ Gewerbevereins eine Kommission bestellt Moskau, 15. März. Die Revolutionärin und Kämpferin für die Frauenbewegung, Frumkina, wurde gestern in der Nähe des Opernhauses in dem Augenblick verhaftet, als sie den Stadthaupimann General Reinbott er- schießen wollte. Tie Revolverkugeln waren vergiftet. Aus Srudt mhO Land. Sprechstunden der Redaktion: Va 12—1 Uhr vorm., V2 7—y2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag). Gießen, den 16. März 1907. '* * Dreihundertjahrfeier der Landesunioer- sität. Die Abgg. Dr. Gutfleisch, Dr. Schmitt, Adelung, Auler, Bähr, Best, Brauer, Breidenbach, Damm, Erk, Finger, Dr. Frenay,. Dr. Fulda, Dr. Glässing, Hauck, Hirschel, Horn, Leun, Mollhcm, Noack, Peiinrich, Reh, Reinhart, Seelmger, Stöpler, Ulrich und Dr. Weber haben bei der Zweiten Kammer beantragt, für das bevorstehende Jubiläum der Landes- imlversttät im Staatsvoranschlag den Betrag von 30 00 0 Mark in Ausgabe zu beivilligen zu Gunsten der Uiiiversität und zu Lasten der Vermögensreste vorderer Jahre. Da der Antrag die Unterschriften dec Mehrheit dec Kammer, die sich ails Mitgliedern aller Parteien zusaiiimensetzt, gefunden hat, ist an seiner einstimmigen Annahme nicht zu zweifeln. ** Abschiedsaudienz. Am Freitag mittag 1 Uhr empfing Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog den bisherigen österreichisch-ungarischen Gesandten Frhrn. 0. Pereira aus Stuttgart in Abschiedsaudienz. Der Gesandte und seine Gemahlin nahmen hierauf an der Mittagstafel im Neuen Palais teil. ** Erledigt sind zwei Lehrer stell en an der Volks- chiile zu Gießen, von denen die eine mit einem eoang., die aridere mit einem kath. Lehrer zu besetzen ist. ""In den Ruhestand versetzt wurde der Amts- gecichtsdiener bei deui Amtsgericht Homberg, Karl Gust. Witt, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang- jährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens mit der Inschrift: »Für langjährige treue Dienste". • ’ Portepee-Unteroffizier Jsmer wurde bei der Kadetten-Arislellimg 1907 als Leutnant im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 an- gestellt. * * Die Erste Kammer der Stände wird, n. d. „Darmst. Ztg.-, zur Beratung des Budgets, sowie der sonst noch vorliegenden Gegenstände Montag, 25. März, vormittags 10 Uhr, und folgende Tage zusammentceten. • * Handarbeitsunterricht. Die von den Besuchern de§ Kurst,s für erziehliche Knabenhandarbeit gefertigten Gegenstände werden nächsten Sonntag, 17. d. 9JL, von 11 bis 2 Uhr im Knaben schul hause an der Nordanlage ausgestellt. Dec Besuch ist um die angegebene Zeit jedermann gestattet. * * Einen weiteren Preisabschlag ließen die hiesigen Schweine metzger von heute ab in Anbetracht des Rückganges der Schlveinepreise eintreten. Schweinefleisch (Bailchstücke) kosten nunmehr statt 80 70 Pfg. das Pfund, magere Stiicke (Kotelette und Bratenstücke) statt 84 Pfg. 80 und rohes Schweinefett statt 80 Pfg. jetzt 70 Pfg. • * Militärisches Leichenbegängnis. Heute vormittag 10y2 Uhr fand die feierliche Ueberführung der Leiche des am Mittwoch an Genickstarre gestorbenen Musketiers Müller in seine Heimat Wenings statt. Auf dem Weg zum Bahnhof spielte die Regimentsmusik Trauerweisen und dem Sarge folgten außer den Angehörigen des so jäh aus dem Leben Geschiedenen die Ofsiziere, Unterofsiziere und Mannschaften der 5. Kompagnie. * * Neubau der Gewerbeschule. In aller Stille worden, die über Mittel und Wege zur Beschaffung weiterer Unterstützungen beraten soll. Dec Gewerbeverein ist sich klac darüber, daß er mit seinen Zielen nicht allem tn Handwerkerkreisen, sondern auch in allen Schichten der Bevölkerung Gießens und der Umgebung der bellen Sympathie sich erfreut. Er ist überzeugt, daß ihm für die Fertigstellung des dringend notwendig gewordenen Neubaues von allen Seiten die tatkräftigste Unterstützung wird und wendet sich deshalb in den nächsten Tagen vertrauensvoll mit einer Aufforderung in diesem Sinne an die Bürgerschaft und alle Freunde der Sache, durch Zuwendungen das Werk zu fördern, das zum Segen unseres einheimischen Handwerks dienen soll. ” Sie Anlagenmuslk findet Sonntag vormittag IP/2 Uhr in dec Südanlage statt. Der Spielplan lautet: 1. Ouvertüre zur Oper r9locma* von Bellini. 2. Martin- Walzer, von Millöcker. 3. Phantasie aus »Die Aftlkareise" von Supp6. 4. Armeemarsch Nr. 10. *' Alicefrauenoerein für Krankenpflege. Wie aus dem Inseratenteil heroorgeht, läßt der Alicefrauenoerein wie in früheren Jahren so auch dieses Jahr Vorträge für Frauen und Mädchen über die Pflege Verwundeter und Kranker halten. Die Vorträge finden Freitags von 5 bis 6 Uhr im Zeichensaale der höheren Töchterschule statt und sind unentgeltlich. Beginn am 5. April d. Js., 6 Uhr nachmittags. Der Kursus wird für alle Teilnehmerinnen von großem Nutzen sein, da sie das hier Gelernte im täglichen Leben vielfach verwenden können. Im Interesse des guten Zweckes, den der Alicefrauenoerein verfolgt, ist zu wünschen, daß die Vorträge recht gut besucht sein werden. Amneldungen werden von dec Oberlehrerin der Aliceschule, Fräulein Möser, und Frau Kaufmann Fuhr, Sonnenstraße, entgegengenommen. * * Diebstahle. In der Nacht vom 14. auf 15. l. Mts. wurde in dem Keller eines Hauses in der Liebigstraße das Wasserleitungsrohr (zirka'8 Meter Bleirohr) nebstZapf- rahnen abgeschnitten und gestohlen. Ferner wurden von einer 'Baustelle in der Frankfurterstraße etwa 2 bis 3 Zentner altes Bleirohr gestohlen. "Die Betrügerin, welche vor einiger Zeit unter falschem Namen sich als Haushälterin bei einem hiesigen Witwer vermietete, ihm die Ehe versprach, zur Herausgabe von Wertgegenständen veranlaßte und dann auf der angeblichen Fahrt zu den Eltern auf dem Bahnhofe in Darmstadt im Stiche ließ, ist in der Person der oft vorbestraften Maria Schock aus Bolsdach ermittelt und zu König i. O. verhaftet worden. - m Friedberg, 15. März. Das früher Frau Dr. Dieckmann Witwe gehörige Haus an der Mainzer Notanlage ging für den Preis von 48 500 Mk. in den Besitz des Hofbäckers Karl Engel über. — Die Bäckerei von Ludwig Walther in der Kaiserstraße ging für den Preis von 38 500 Mk. an Ludwig Balser von Steinbach über. ** Kleine i 11 e i 111 n n e n n u s Hes 1 en und den Nachbarstaaten. Die Gastwirte zu Lich sind entschlossen, mit dem 1. April einen Bi erauischlag eintreten zu lassen. Ter Schoppen Bier (5/10 Liter) soll 15 Pfg. und das Glas Bier C7io Liter) 12 Pfg. kosten. — Die Spar- und Darlehn s° kajse zu Wallen rod feiert dieser Tage ihr 25 jähriges Bestehen. Kirr paar neue KrubenuuglücksMe im Saar-Aevier. Die Fälle der entsetzlichen Katastrophen, der schweren Unglücksfälle, die eine Menge von Menschenopfern fordern, mehrt sich von Tag zu Tag. Dem Reedener Unglück folgte das furchtbare Ereignis von Holk, der Untergang des Dampfers »Berlin-, dann kam die »Jena-.Katastrophe, und heute früh, kurz nach 8 Uhr, erhielten wir folgenden Draht- bericht, den wic alsbald durch Anschlag bekannt gaben: Tod riß ihn vor einem Jahrzehnt aus dem Kreise der Lebenden. Ein paar Bühnenoirtuojen nahmen sich dann des Stückes an, das sie indeß auf den deutschen Bühnen nicht zu erhalten vermochten. In einem Roman läßt man sich manche auch pathologisch unmöglichen Vorgänge eher gefallen; die Bühne aber eignet sich nicht zu einer Arena für Hensensche Experimente. Der Roman gewährt auch mehr Raum für zusammenhängende Motivierung; auf der Bühne werden nur einzelne leichter verknüpfte Effektstellen herausgegriffen. Der Svengali, den Herr BayrHammer aus Frankfurt spielte, hat einigen Reiz für die schauspielerische Kunst. Die Wiederholungen in Rede und Geberde sind ja nicht seinem Schuldkonto beizumessen. Sehr gut stellte Herr B. das Pathologische dar, und Satans spitze Krallen woben sichtbar- lich das Garn für Trilbys Seelchen. Von einer Verkörperung rmer solchen Rolle aber kann schlechterdings keine Siebe fein. Poseure wie öocngali lassen sich nicht verkörpern, weil sie keine Konturen haben. V. es Aeußecliche war natürlich bei einem so meiilerhasten Techniker wie Herrn B. durchaus gelungen, die Mauschelmaske im Anfänge, dann die überragende Eleganz, das Augenspiel rc. Der Schlußtric, das Rückwärtsfallen über den Tisch beim Sterben, erweckte Brausen. Echt und überzeugend war die menschlichere Trilby der Frau BayrHammer. Ihr erstes Auftreten im Soldaten- rock, dem höchst ärmlichen und erbärmlichen Unterkleidchen machte sie noch kaum Eindruck. Das ungezwungene naive Modell zeigte aber schon em warmes Herz und eine reine Kmdesseele, als sie bann zur reizenden Gcijelte um- geiuanbelt erschien. Und im zartlilafarbenen reichen Konzert- Kleide trat ihre Schönheit und liebenöiüürbige Anmut fiegbafter hervor als jemals. Rian begreift, wie das Konzeripublikmu schon von der Erscheinung dieser Sängerin enthusiasmiert war; das Publikum im Theater war nicht minder bezaubert. Dabei machte sie auch das Doppelleben des einfachen Mädchens und des hypnotisierten Mediums, das Geheimnisvolle glaubhaft. Freilich fehlte ihr nicht sowohl das Schwärmerische, als das pathologisch Krampfhafte neben Freund Höllenlärm. Aber man hörte doch auch manche eindringlichen, rührenden Haiinele-Töne. Dem Bedauern, respektable Künstlerschaft an eine derartige Figur verschwendet zu sehen, gesellte sich das Bedauern über ihren bevorstehenden Fortgang von Gießen. Wir verlieren in ihr eine Künstlerin von hoher, sich stetig entwickelnder Befähigung, von jugendlicher Geschmeidigkeit und Schönheit, von raffigein Temperament und mitreißender Herzhaftigkeit. Die Blumenfülle, mit der sie überschüttet wurde, erwies zur Evidenz die große Beliebtheit, die sie bei Gießens aufrichtigen Theaterfreunden unverlierbar besitzt. Am Kasseler Hoftheater geht Frau B. höheren Zielen entgegen. Sie darf der AufwärtSiveifung ihres Geschickes getrost folgen im Vertrauen auf die Fülle ihrer Gaben. In den wenigen Liebesszenen, in denen Frau B. mit eigener, nicht geborgter Empfindung gestern zu wirtschaften hatte, fällt die Führung eigentlich dem jungen William Bagot zu, den indes Herr Greeff mit geradezu erstaun- lichec Empfindungslosigkeit spielte. Die Herren Kost und Kober versuchten einen frischeren Ton in die Handlung zu bringen, aber der offenbare Mangel an genügenden Proben behinderte sie allzu merklich auf Schritt und Tritt. Der fünfte Verehrer der Trilby, Gecko, ist nur skizziert, und Herr Kraus wiißte ihm abfolut keine Physiognomie zu geben, und Frau B 0 nö schien als Niadame Bonard auf dec ersten Probe zu stehen. Gute Rtasken boten dagegen die Herren Lippert und Reimer, wahrend dem Hunioc der Herren von dec Staffage die Ungebundenhett an allen Ecken und Enden fehlte. Die Pagenarie aus den »Hugenotten-, die, wie ich höre, Frau Reimer-Schlegel hinter der Bühne sang, gehörte jedenfalls zu dem Besten des ganzen Theater- abends. p yy * «s Conan Doyle erkannt wurde. Als Conan Doyle, der Erfinder der Teiektiv-Gestalt Sherlock Holmes m Boston ankam, um dort eine Vorlesung zu hallen, wurde er oiort von dem Droschkenkutscher erkannt, von dem er sich fahren liefe. Als Conan Toyle am Ziel seiner Fahrt angelangt war und bezahlen wollte, sagte der Droschkenkutscher: .Wenn es Ihnen recht ist, nehme ich statt des Fahrgeldes eine Eintrittskarte zu Ihrer Vorlesung. Falls Sie ferne bei fid) haben, genügt es ja, roenn Sie Fh"" Namen aut em Stuck Papier schreiben.- Conan Doyle lachte und fragte wie er ihn denn erkannt habe, woraus der Kutscher entgegnete. »Wir Droschkenkutscher wußten alle, daß Sie nut diesein Zuge ankommen wurden. Wem, Sie mir ein offenes Wort nicht ubclnehmen, so steht Ihr Paletot aus, als ob er von beu New-Aorker Reportern mitgenommen wurde, Ihr Haar, als wenn es m Philadelphia aeschmuen wurde, und Ihr Hut, als ob eie m Chicago daram gestanden hätten, Ihr rechter Stiefel zeigt den Schinutz von Buffalo und- - der Kutscher machte eine Pause unb lächelte .auf Ihrem Koffer stand in großen Buchstaben .Conan Doyle . ' F"), Insel-Verlag zu Leipzig ist unlängst ein Band „Kleine gramen von H ug 0 von pof man nsthal erschienen. Er bietet in einer vornehm ausgestatieten und doch zugleich billigen Ausgabe^dre. ferne Werke des Dichters, „Das Bergwerk zu fhpÄaa. ter unb dste Hexe- und „Das kleine hV Ini °h 6 r sm tMQ”ul'cu nut dem geistvollen Jngendwerke des talentvollen Wiener Dichters, dem auch in Gießen durch den O"sgewerbevere,n bekannt gewordenen mb .b e r ? 0 b ' bev iu einem Emzelbändchen eben- Krnn pn"^Jn ‘^1 fUüfle ^ranSgekommen ist, bergen die „Kleinen Dramen den echte|ien, Kartellen Honnannsthal. Ein stiller Dichter^ spricht hier zu .ms voll Sehnsucht und tiefer Innerlichkeit, m ■berjen von hoher Schönheit und reichem Stilgefühl. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Moutag, den 18. März 1007 vormittags 9 Uhr beginnend, werden in den Waldungen der Stadt Gießen in den Drstrikten Hegstrauch, Stolzenmorgeu und Pbiloiovhenwald versteigert: 72 rvichlenstäuune mit 22,02 Fstm., 2 Kiefernstämme „ 0^3 „ 88 Fichten-Derbstangen mit 12,72 Fstm- 20 ^ichten-Reisstangen „ 0,20 „ 28 Eschen-Derbstangen „ 0,53 n 1 Rm. Eichen'Scheitholz, 9 „ Birken-Kniippelholz, 1L „ Fichten-Änüppelholz, 25,2 u Fict^n-Stockholz, 400 Wellen Buchen-Reisig, 3900 „ Eicken-Reisig, 2080 „ Fichten-Reislg. Die Zusammenkunft ist für den Distrikt Legstrauch um 9 Uhr auf der Licher Strane am Waldeingang; für die übrigen Distrikte um 10 Ubr aus der Strage nach Rödgen an der Ochsenwiese. Greven, den 15. März 1907. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. .__I. B.: Curschmann.__________________B16/3 Verdingung. Die Lieferung von 300 Stück Eichenbolzvsählen für den neuen Friedhof soll Montag, deu 25. März d. Ts., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind spätestens zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Ein L'iusterpsabl kann in unserer,Schreibstube angesehen werden. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gieven, 16. März 1907. Städtisches Hochbauamt. Gerbe_________________________ B16/3 Brennliolzversteigerung. Dienstag, deu 19. März, vormittags von 10 Uhr ab werden rm Anichlun an die Holzversteigerung im Domanial- distriktNieder-Leilbach g aus den Frcrhcrrlich R. u.W. von Schützbar gen. Milchliug'schcn Ober-Scilbachswaldungen versteigert: Scheiter 9im.: 218 Buche, 9 Eiche; Knüppel Nm.: 96 Buche, 4 Hainbuche, 34 Eiche; Reina Rm.: 480 Buche, 150 Eiche; Stöcke Rm.: 51 Buche, 12 Eiche. Zusammenkunft am Jagdhäuschen. Großh. Forstwirt Hör es zu Treis a. Lda. erteilt auf Wunsch weitere uiSrunft. Treis a. Lda., den 15. März 1607. Schneider, Forstmeister. D16/» Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Jndnstr Frankf nrter Börse 3^7O Reichsanleihe . . 95.90 3% do. . . 84.70 3J4°/o Konsole .... 95.90 3% do.....84.70 3K°/„ Hessen .... — 3^°/n Oberbessen . . . 94 00 4% Oesterr. Goldrente. . 99.00 4l/8 % Oesterr. Silberrente 99.60 4% Ungar. Goldrente . . 94.55 4% Italien. Rente . . . 103.20 3% Portugiesen Serie I . 68.40 3% Portugiesen „ III 68 50 4>4oI6 russ.Staatsanl. 1905 90.15 4K°/o japan. Staatsanleihe 90.90 4% Conv. Türken von 1903 94.50 Türkenlose ... . . 142.80 4% Griech. Monopol-Anl. —.— 4% Äussere Argentinier . 83.10 3% Mexikaner, . . . 65.55 4X°/a Chinesen .... 97.00 Aktien: Bochum Guss ..... 226.30 Buderus E. W . . . . 120.75 Tendenz: fest. Berliner Börse, 16 Canada E. B......176.00 Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 235.40 Dortmunder-Union C. . . 74.50 Dresdner Bank . . . 149.10 Tendenz: fest. e. Gl Assen. . 16. Mürz. 1.15 Uhr. FJektriz. Lahmeyer . . . 133.00 Elektriz. Schnckert . . . 113.00 Esch weil er Bergwerk . . 222 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 199.701 Hamburg - Amerik. Paket*. 140.00 Harpen er Bergwerk. . . 209.50 Lanrahütte...... 228.00 Nordd. Lloyd . ... 124.60 Obei seist es. Eisen-Industrie 111.20 Berliner Handelsges . . 163.10 Darmstädter Bank . . . 133.60 Deutsche Bank . . . 235.501 Deutsch-Asiat Bank . . 168.25 Diskonto-Kommandit. . . 177.20 Dresdner Bank . . . 149.00 Kreditaktien ..... 213.00 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 101.40 Gottbardbahn . . . . —.— Lombard. Eisenbahn . . 27 30 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 137,50 . März. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 208.30 Lanrahütte .... 227.20 Lombarden E. B. ... 27.20 Nordd. Lloyd.....123.60 Türkenlose . ... 142.90 Sonntag 4—-9 Uhr 1897 Nur Engel-Apotheke offen. St. Johann, 16. Marz. In bet Grube Klein- Nesseln (Lothringen) ereignete sich gestern abend zwischen 10 unb 1! Uhr eine schwere Schlagwetter-Explosion. Bis seht sind von bett etwa 100 eingefahrenen Bergleuten 53 geborgen. Davon find 2 5 tot und 12 schwer verletzt. Tie übrigen gelten als tot. . Nach einer späteren Meldung sind 80 Bergleute etn- Oefabren, von denen 65 tot und 12 schwer verletzt sind. Die drei übrigen Bergleute befinden sich noch in der Grube. Eine zweite Drahtmeldung brachte folgende betrübliche Kunde: , _ , B ölklin gen a. d Saar, 16. Marz. Heute früh 6'-, Uhr stürzte auf der Seilbah n des Mathildenschachts der Grube Gerhardt infolge Bruch des Seiles der Ford er korb in die Tiefe. Don den 30 in dem Förderkorb befindlichen Bergleuten sind 22 tot und 8 sch wer verletzt Nach einer Mitteilung der Königlichen Bergwerks- direttion St. Johann befanden sich 2 2 Leute auf der Förderschale, über bereit Schicksal nichts bekan nt ist. Nach Mitteilung des Saarlouiser Journals sind die 22 Bergleute sämtlich tot. Die meisten der Verunglückten stammen aus Derlen und Baus. Don der „Zeria"-Kt a > B l a it k e n e s e e r m o r d e t e it Z a h >t n r z t e s G l a tl ß e n hat, gegen den E i s e n b a h n f i S k u s einen Prozeß nttf Entschädigung von 3000 Mk. vorbehaltlich weiterer An- svrüche angestrengt. Tie Klägerin macht beit Eisenbahnsiskus haltbar, weil in dem Zug nicht die neuen Turchgangivagen, sondern die alten Eisenbahnwagen in Benutzung waren. Nach ihrer Ansicht hätte das Verbrechen in einem Tnrchgangwagen nicht mit olckter Leichtigkeit ausgeiührt werden können. 2lrbciterbcivc$ung. Leipzig, 15. März. Tie Verhandlungen der Damenschneider und Schneiderinnen mit den Arbeitgebern vor dem Gewerbegerichte sind gescheitert. Ter Ausstand ist beschlosten. Mailand, 15. März. Der allgemeine 91 n § ft a it b in den staatlichen T a b a f f a b r t f e n ist dank der Zttsage der Regiertutg den Beschwerden abztihelsen, als beendet zu betrachten, dagegen sind in Turin gegen 10,000 Arbeiter der A u l o nt o b i l s a b r i k e n etc, wegen Lohnstreitigkeiten i' den Ausstand getreten. Kandel. Kleine Fin an z chr o n i k. Tie Zeichnung auf die neue Frankfurter Stadt» nleihe von 9 Millionen Mark hat bei allen Stellen einen befriedigenden Verlauf genommen. Mzu groß muß der Andrang jedoch nicht gewesen sein, denn sonst hätte die offizielle Mitteilung, wie dies früher üblich war, gelautet: ist gleich nach Eröffnung geschlossen worden. — Die neue 4p»ozent. AschaffenburgerStadtanleihe ist an der Kiftugl. Bank in Nürnberg, in Verbindung mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und dem Bankhaus Merck, Finck u. Co. in München zu 99,77 Proz. vergeben worden. — In der Hauptversammlung der ^Deutschen Pttroleum-Mt.-Ges. in Berlin wurde beschlossen, den Reingewinn von 1082 870 Mark vorzutragen. — Die Verein. Fabriken englischer Sickierheitszünder, Drahle u. Kabelwerke in Nethen verteilen diesmal 17 Prozent Dividende gegen vorjährige 15 Prozent. —>3 Mill. Mk. 4 Prozent. Königsberger Stadtanleihe sind zu 100 Proz. freihändig begeben worden. — Auf die neue 4 Prozent. Casseler Stadt- a n l e i h e von 1 Mill. Mk. hat ein Konsortium unter Führung der Darmstädter Bank das Höchstgebot mit 98,78 Proz. abgegeben. — Obwohl die neue 5 prozentige argentinische Anleihe noch nicht definitiv abgeschlossen ist, werden in Paris bereits die Titres von 504 Frs. nominal zu 98 14 Proz. plaziert. In London und Berlin soll die Zeichnung später erfolgen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter an er Rubrik stehenden Artikel Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der Frühling naht mit Brausen, jegliche Kreatur freut sich auf den baldigen Einzug des Götterknaben, die Knospen springen, die Brust dehnt sich und neues Leben kommt über uns arme Menschenkinder in der Vorahnung des Frühlings. Aber die reale Wirklichkeit dämvft bald dieses selige Empfinden. Ueberall wo das Auge hinsieht kommt mit dem Früh- lingswesen auch der Schmus, der unsägliche Schmutz, dem unsere liebe Vaterstadt schon letzt eine Reihe von Jahren verfallen ist, zum Vorschein. Hier ein Haufen klebriger Lehm, dort ein Haufen, hier ein Graben, dort ein Loch, kurz überall wo man hiublickt Wühlerei und Unrat und kein Ende ist abzusehen. Die Segnungen der Kanalisatwn sind allgemein anerkannt, doch will es uns bedüngen, als wenn wir hier in Gießen mit ganz außerordentlicher Schwierigleit in den Besitz dieser Segnung kommen sollten. Woran liegt das? Welche Ursachen entsprechen den oben geschiilderten Wirkungen? Die ganze Kanalisation wurde, wie ja Viele wissen, -am falschen Ende angesangen, die Kanäle zuerst und die Ausmündung, d. h. die Klärbecken, zuletzt. Nachdem nun das Kanalnetz glücklich verlegt, macht man den weiteren Fehler, die Anschlüsse überall gleichzeitig zu gestatten. Wir sehen jetzt Schmutzhaufen in allen Stadtteilen, jeber macht seinen Anschluß, w«ann es ihm gefällt, der eine heute, der andere Über ein Jahr, so wird nie etwas fertig und die geplagte Einwohnerschaft fcnn sich in dem Schmutzbad. weiter wohl fühlen. Wir richten durch dieses Eingesandt nochmals einen dringenden Appell an die städtische Verwaltung imb die Stadtverordnetenversammlung, daß fte dock' endlich chtH mal mit Energie diesem Schlendrian ein Ende machen sollen. Die Anschlüsse müssen straßenweise bezw. auartierweise zu gleicher Zeit ausgefübrt werden, direkt bis in das Innere einer jeden Hofreite oder Hauses, ganz einerlei, ob der Besitzer bic; innere Kanalisation ausgesührt hat oder nicht. Die betrefFeit-’ den Stellen des Einganges in die Häuser sind leicht festzustellen und zwar in Gemeinschaft mit dem Hauseigentümer. Weigert sich dieser, dann ohne ihn, es fallen ihm bann spätere Mehrausgaben zur Last. Es ist doch Tür jeden leicht einzusehen, daß dies mit einigem guten Willen leicht ausgeführt werden Tann.' Ist dann der Anschluß für eine Straße oder Stndtteil, der einige Tage beansprucht, darck^eführt, so bnt man Muße, ber Boden! kann sich gleichmäßig setzen und die Umvflasterung kann in absehbarer Zeit erfolaen. Wäre die ganze Kanalisation in dieser einzigen richtigen Weise von vornherein angevackt worben, wären wir heute schon längst darüber hinaus. Was hier geschrieben, ist kein billiger Rat, bas ist das Empfinden eines Jeden, ber die Cache von Vorurteils-, freiem, nicht bureaukratischen Stanbvunkte ans betrachtet. Wie der Unterzeichnete hört, soll auch noch eine säst allgemeine U m l e g n n q d e s Gasrohrnetzes stattsinden. Auch hier sei noch die dringende Diite ansgesproeben, so schnell und so praktisch wie nur möglich, damit endlich, endlich einmal Ruhe wird. Also ztnn Scktlttsse nochmals die Bitte an Alle, die eS angeht: Man schaffe ettdlich durch oernünftine Veritignngen Ordnung in die oben besprochene Angelegenheit, damit wieder normale Zustände in unserer Vaterstadt platzgreiien. Es kamt und wird gehen, denn überall, wo ein Wille ist, ist attch ein Weg. OrsgZnal-Drnhtmieldnngeir. Toulon, 16. März. Die Untersuchung '.ur Feststel- luna der Ursache der Katastrophe auf dem Panzer „Jena" wird eifrig fortgesetzt. Andererseits ist ein Ausschuß ernannt worden, welcher versuchen wird, Mittel und Wege zu finden, um die noch an Bord der „Jena" befindliche Munition, speziell die geladenen Granaten aus dem Schiff zu entfernen. Man befürchtet nämlich bei der geringsten Erschütterung gefährliche Explosionen. Paris, 16. Mär?. Die hiesigen Blätter heben hervor, daß der Zar der einzige Monarch sei, der sich der Entsendung eines Kondolenztelegrammes an den Präsidenten der Republik aus Anlaß der Katastrophe in Toulon bisher enthalten hat. LtüHtischer Wchmgsnnchmis Gieße». Gartenstraffe 2, Zimmer 2. (Geschäftsstunden von 8—1 unb von 3—6 Uhr ) ES sind zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmern, 2 Wohnungen von 6 Zimmern, 4 Wohnungen von 5 Zimmern, 6 Wohnungen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 3 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern, 4 möblierte Zimmer, 2 Werkstätten. Zu mieten gesucht: 38 Wohnungen von 1—7 Zimmern. [B16/3 Wjchs-PsttdeiM in Wen. Wie in früheren Jahren beabsichtigen wir auch bei dem am Mittwoch, den 27. Marz stattfindenden Pserdemarkt eine Pferdeschau mit Prämiierung abzuhalten und zwar speziell für im Privat besitz befindliche Reit-, Wagen- und Arbeitspferde; dieselben können unter dem Reiter, ein-, zwei- oder vierspännig auch im Geschirr oorgesührt werden. Die Prämiierung beginnt vormittags 11V, Uhr, die Vorführung und Preisverteilung vormittags 121/, Uhr in dem hierfür vorgesehenen Prämiierungsring. Während der Vorführung findet Konzert statt. Es gelangen nur Ehrenpreise zur Verteilung. Anmeldungen haben hiS zum Montag, den 25. März bei ^rrn August Schwan, Wcinbändler in Gießen zu erfolgen. Pserdebesitzer laden wir zur Beteiligung ein. Gießen, den 14. März 1907. Die städtische Pferdemarkt-Kommisfion _________________________Jean Kirch.__________ B16/a Hofreite-Versteigeruug. Montag, den 18. März l. I., nachmittags 1 Uhr, sollen auf hiesigem Rathause die zum Nachlasse der verst. M. Wallenstein Eheleute dahier gehörigen Hofreiten, bestehend in 2 Wohnhäusern mit Stallung, Schlachthaus und Laden, im einzeln oder auch zusammen unter den bei der Versteigerung noch näher bekannt zu gebenden Bedingungen öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung versteigert werden. Bemerkt wird, daß in dem Anwesen schon seit vielen Jahren eine Metzgerei mit gutem Erfolge betrieben worden ist. Großen-Buseck, am 14. März 1907. Großh. Ortsgericht Großen-Buseck Schwalb. [1859 Mtischtt Arbeitsnchms Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer 2. Es können eingestellt werden: \ 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, Bau-, Rohr- unb Maschinen-! schlosser, 4 Schmiede, 3 Wagner, 1 Buchbinder, 1 Tapezier und Polsterer, 6 Schreiner, 2 Holzdreher, 2 Schuhmacher, 3 Jnstal- latenre, 1 Kanalarbeiter, mehrere jugendliche Arbeiter, 5 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen. j Lehrlinge: 4 Schlosser, 1 Schmied, 1 Elektromonteur, 1 Mechaniker, 1 Wagner, 2 Buchbinder (gegen Vergütung-, 1 Schirm- macher (gegen Vergütung), 1 Schreiner, 2 Bäcker, 2 Friseure^ 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Glaser, 1 Installateur, 1 Schreiber., Es suchen Arbeit: Bia/,\ 1 landwirtschaftl. Arbeiter,.! Heizer, 1 Buchbinder, 1 Schreiner, 1 Schneider, 1 Putzfrau, 1 Lausfrau, 1 Bureaugehilfe, 1 Kochfrau. Lehrlinge: 1 Elektromonteur. Holzversteigerung. Donnerstag, den 21. ds. Mts. wird in hiesigem^ Gemeindewald, Distrikt Roterde und Schwarzwald folgendes Holz versteigert: 4 Eichen-Stämme, 3—5 m lang, 26—47 cm Durchmesser. 16 Kiefern-Stämme 3—13 m lang, 17—36 cm Durchm.. 23 Fichten-Stämme, 9—13 m lang, 12—21 cm Durchm? 180 Fichten-Derbstangen 100 Ftchten-Reisstangen 36 Rm. Kiefern-Nutzknüppel, 3 m lang 49 Rin. Kiefern-Knüppel 39 Rm. Kiefern-Stöcke 700 Buchen-Wellen 1030 Kiefern-Wellen Donnerstag, den 21. d. M. soll im Alten-Busecker Gemeindewald Distrikt Seewald und Secacker folgendes Holz versteigert werden: 6 Eichenstämme, 18 Fichtenstämme von 17—24 cm Durchm. — 7,57 Fstm., 102 Kiefernstämme „ 17—32 „ „ und 7—15 m 480 Fichten-Wellen. Zusammenkunft mittags l1/, Uhr im Distrikte Roterde an der Rehschneise. 1874 Großen-Linden, am 15. März 1907. Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. , Länge — 42,93 Fstm., 150 Stück Fichtenderb- und Neisstangen, 33 Rm. Nadel-Knüppel, 1050 Nadel-Wellen, 14 Nm. Nadel-Stock. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Distrikt Seeivald. Alten-Buseck, am 15. März 1907. Großh. Bürgermeisterei Körber. _ 1857 Brennholzverftergernng. Tienstaa, den 19. März, vormittags von 10 Ubr ab werden^ im Domamaldlstrikl Nicder-^cilbach a versteigert: Scheiter Rm. 13 Ctche, 3 Kiefer; Kllüvvcl Rm.: 2 Buche, 93 Eiche, 2 Asve- 27 ftieier u. 1 Fichte; Reisig Rm.: 3 Buche, 494 Eiche u. 80 Kieier' «tptfc uim.: 30 Eiche, 2,5 Mieter, 6 Z-iäste. Zusammenkunft an Ctf und »teile. Großh. Forstwart Höres zu Treis a. Lda. erteilt meitere Auskunft. Treis a. Lda., den 15. März 1907. Großherzogliche Oberförsterei Treis. Schneider. B“/,’ Anfang 4 Uhr. Eintritt 40 Pfff. C,a/3 ein L°/s Gros. Rvdheisu a. d. Bieber l-ch teilweise. 11881 1896 Karl Stork, Gasthaus zum goldenen Becher KBBti 1766] Der Vorstand. 1887 Gutes Fabrikat. Reelle Preise. Friedrich Magmas, Wei-WlisselO. vach a Und % & 1867 NB. 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' Rts.. nachm. 1 Uhr im „Caf6 Ebel stattfindenden Vcteranen- vcrsammlung Hessens kamerad- chaftlichst ein v18/, Der Vorstand. Auf Veranlassung des unterzeichneten Vereins werden auch in diesem Jahre Borträge für Frauen und Mädchen über DieMege verwundeter und Kranker abgehalten. Die Vorträge sind unentgeltlich und finden im Saale der höheren Mädchenschule, Sch in erstraße 8, Freitags von 5 bis 6 Uhr nachmittags statt; sie beginnen Freitag, den 5. April 1007, nachmittags 5 Uhr. Anmeldungen werden in der Aliceschule, Kirchstr. 20 und bei Frau Kaufmann Fuhr, Sonnenstraße entgegen- genommen. j)1’/ Alicefraueiwcrein für Krankenpflege. Schriftliche Arbeiten Herstellung von Vervielfältigungen re. in Hand- u. Maschinenschrift werden prompt angefertigt 01271] Wilbelmstrasse 53, UI. 1—LSchüler des Realgymnasiums od. Realschule finden nach Ostern gute und billige Pension. 101080 Stähereö in der Exp. d. Bl. Für ein Geschäftssräulein wird Kost u. Wohnung bei Familien- anschluh gesucht. 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