Zweigs Blatt Ur» 193 157. Erscheint tLgllch mit Ausnahme des SonnKrgS. Expedition und Druckerei: Schul- Redaktion, straße 7. Die „Gießener ZamiUenblatter" werden dem ^Anzei^er^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. A Expedition und Verlag: 51. Redaktion:^AN2. Tel.-Adr.: AnzetgerGießen. Montag 19. August 1907 AA Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen ^uiversitäts - Buch- und Steindruckerei. b R. Lange, Gießen. 5>u ^lage in Marokko. Die letzten Tage haben, soweit bis jetzt Meldungen vor- egen, an der allgemeinen Lage wenig geändert. In Casa- lanca, wo der Kommandeur des französischen Kreuzers Äloire", Fregattenkapitän Lesguivit, inzwischen zum Kommandanten der Stadt ernannt worden ist, herrschte am Z. August Ruhe, so daß die eingeborenen Behörden das tineret und die Moschee, die bei den letzten Kämpfen zer- ört wurden, wieder ausrichten. In M o g a d o r und F e z ingegen soll die Lage infolge der gegen die Fremden beiebenen Agitation ziemlich beunruhigend sein imb der marokkanische Minister des Auswärtigen hat den sranzösi- hen Konsul in Tanger ersucht, den Franzosen nicht zu e statt en, sich auf den Straßen der Stadt zu eigen angesichtsderErregung, welche die Ereig- isse in Casablanca unter der Bevölkerung hervorgerufen abeu. Wie sehr die Eingeborenen sich auch jetzt noch als erren der Situation fühlen, geht aus der Meldung des euterschen Bureaus aus Casablanca hervor, daß in der acht vom 15./16. General Drude eine Botschaft von ab y len erhalten haben soll, worin seine sofor- ige Ergebung gefordert wird, w i d ri g e n f a l l s roßeScharen von Arabern die französischen ruppen von: Erdboden vertilgen unt> die tadt zerstören würden. Unter solchen Umständen müssen die Europäer natürlich ündlich auf neue Angriffe gefaßt sein. Wie der „Temps" us Casablanca meldet, herrschte dort am 17. ds. roße Aufregung, da man glaubte, daß ein A n g r i s f er Stämme erfolgen werde. Tie spanischen Truppen iib die französischen Scharfschützen machten eine Rekognos- eruug • allein der Angriff erfolgte nicht. General Drude »11 diesen Angriff gewünscht haben, um die Eingeborenen c Ueberlegenyeit der französischen 'Streitkräfte fühlen zu mssen. Wie von anderer Seite gemeldet wird- soll neuerdings e Uneinigkeit der Stämme zunehmen. Der tedjunastamm soll beabsichtigen, sich zu unterwerfen. — em „Matin" wird aus San Sebastian berichtet: Der Minister des Aeußeren sei sehr optimistisch gestimmt. Er .aube an eine glatte Lösung der marokkanischen Frage, ie Nachrichten von Agitationen in maroktani- chen Häfen seien übertrieben. Dem „Matin" rfolge äußerte der französische Konsul in Casablanca i einem Interview, er glaube, wenn die Stämme den An- ciff erneuern sollten, so würde dies die letzte Anstrengung in; sie begännen an Munition und Lebensmit- elnMangel zuleiden. Bedrohliche Lage in Lüdwestafrika. Berlin, 17. Aug. Bon wohl informierter Seite er- ilt das Berliner Tageblatt folgende Mitteilung: Nach den t Laufe der letzten stunden bei dem Oberkommando er Schutztruppe eingelaufenen telegraphischen Mel- rngen ist die Situation im Schutzgebiet außer- rdentlich ernst, nicht minder ernst, als sie im Januar M bei dem Ausbruch' des Herero-Aufstandes war. Man bt sich darüber keinem Zweifel hin, daß Morenga, der, ie bereits gemeldet, mit 400 Anhängern, von denen 150 mit Martinygewehren bewaffnet sind, deutsches Gebiet betreten hat, alsbald zur Offensive übergehen wird. Oberstleutnant v. Estorfs wird sich mit seinem Stabe, den Hauptleuten Heye und Banszus, zurzeit in Windhuk, nach Ketmanshop begeben. Ein tzeranziehen der Truppen aus dem Norden nach dem bedrohten Süden ist seitens des Oberstleutnants Estorfs in die Wege geleitet. — An amtlicher Stelle lag bis gestern mittag keine weitere Nachricht über Morenga vor. Auch steht noch nicht fest, ob dem Ablösungstranspvrte, der am 11. Aug. nach dem Schutzgebiet abging, weitere Truppenergänzungstransporte folgen werden. Cs wird dies von der Gestaltung der Tinge in nächster Zeit abhängen. — Ter „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht zahlreiche Verleihungen von Kriegs-Dekorationen an die Angehörigen und bisherige Angehörige der Schutz truppe in Südwestafrika. Kapstadt, 17. Aug. (Reuter.) Tie Kappolizei der inländischen Bezirke und die berittenen Jäger sind an die deutsche Grenze gesandt worden. _________ Der Weltfrieden auf 25 Jahre gesichert Paris, 17. Aug. Liberte veröffentlicht auf Grund einer angeblichen Unterredung mit einem italienischen Diplomaten einen Artikel, wonach König Eduard bei seinen Begegnungen mit dem deutschen Kaiser und Kaiser Franz Joseph diesen einen Plan unterbreitet haben soll, welcher dem europäischen Coneern eine neue Grundlage geben soll durch Abschluß eines Vertrages zwischen allen europäischen Mächten. In diesem Vertrage soll die Unantastbarkeit des Gebietes der betreffenden Mächte garantiert werden. Die. Mächte sollen sich verpflichten, keinen Angriff vorzunehmen und alle Meinungsverschiedenheiten in friedlicher Weise erledigen. . Auch sollen sie auf jede koloniale Ausdehnung verzichtendes sei denn, daß alle Mächte mit einer eventl. kolonialen Erwerbung seitens eines Staates einverstanden wären. Das Abkommen soll auf 25 Jahre abgeschlossen werden. Es gestatte, die militärischen Budgets zu verringern. Bis jetzt sollen Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Rußland und die Türkei dem englischen Vorschläge zugestimmt haben. Nur Deutschland und Oesterreich sollen noch dafür zu gewinnen sein. — Der „Figaro" stellt fest, daß die Besuche König Eduards bei dem deutschen Kaiser und dem Kaiser von Oesterreich beruhigende und zuversichtliche Eindrücke hervorgerufen haben. „Gaulois" bedauert, daß Frankreich bei den edlen Bestrebungen, die .soeben zu den Begegnungen in Swinemünde, Wilhelmshöhe und Ischl Veranlassung gegeben haben, nicht auch Sitz und Stimme gehabt habe. Die „Humanste" beklagt die Ermutigung, die dem Vorgehen Frankreichs in Marokko bei diesen Zusammenkünften geworden sei. Es verlange nur eins, sagt das Blatt, nämlich den Frieden. Berlin, 17. Aug. Die Zusammenkünfte in W il- helmshöhe und Ischl haben, wie der „Voss. Ztg." mitgeteilt wird, u. a. zu dem Ergebnis geführt, daß zwischen. England, .den drei Kaiser Mächten und Italien.^ ine völlige Uebereinstimmung in den Balkan fragen speziell bezüglich des mazedonischen Reformwcrkes erzielt wurde. Rußland und Oesterreich-Ungarn werden weiter die Reformen ausbauen, deren Ausdehnung auf die albanesischen Vilajets nicht beabsichtigt ist. Wien, 17. Aug. Das „Neue Wiener Tageblatt" veröffentlicht einen aus Rom ihm von besonderer ^eite zu-, gegangenen Artikel, worin konstatiert wird, daß Italien die | bei der Jschler Entrevue getroffenen Vereinbarungenüber Mazedonien als mit dem Ergebnis der Besprechungen Aehrenthals und Tittoms in Desto völlig identisch anerkennt, Deutsches Reich. — Ter Für st von Schaumburg-Lippeund der Fürst zur Lippe, die sich in dem Prozeß um die Thronfolge in Lippe so lange feindlich gegenüberstanden, sind am Sonntage gleichzeitig Gäste des" Kaisern Paares auf Wilhelmshöhe gewesen. Berlin, 17. Aug. Generalleutnant Frhr. v. Wieting- hoff wurde unter Beförderung zum General der Kavallerie definitiv zum kommandierenden General des 9. Armeekorps ernannt. Ferner wurde der Inspekteur der Feldartillerie Generalleutnant Schubert zum General der Artillerie befördert. Bromberg, 17. Aug. Unter gewaltigem Fremdenandrang aus allen Teilen des Reiches begannen heute in der festlich geschmückten Stadt Bromberg die Verhandlungen des „deutschen Tages". Ueberall sind Ehrenpforten errichtet, überall wehen Fahnen. Tie Tenk- mäler Friedrichs des Großen und Kaiser Wilhelms I. zeigen Blumen-Arrangements und Girlandenschmuck. Zu Ehren des „deutschen Tages" sollen heute abend auf den Anhöhen von Bromberg Freudenfeuer abgebrannt werden. Um 10 Uhr vormittags trat der Vorstand des Ostmarken-Vereins im Zivil-Kasino zu einer vertraulichen Verhandlung zusammen, wo der Vorsitzende Freiherr v. Tiedemann-Seeheim die große Anzahl der Teilnehmer willkommen hieß. Es wurde zunächst der Geschäftsbericht erstattet. Posen, 17. Aug. Am polnischen Schul st reit in der Provinz Posen sind jetzt nur mehr 250 Schulkinder beteiligt. Nach halbamtlicher Mitteilung erreichte der Schuld streik am 14. November v. I. seinen Höhepunkt mit 46 886 Streikenden allein in der Provinz Posen. Oppeln, 19. Aug. Das Zentrumsblatt „Oppelner Nachrichten" meldet, von hochgeschätzter Seite sei ihm die Mitteilung zugegangen, daß der Erzbischofs st uhl von Posen dem geistlichen Rat Schirmeisen ausOppeln angeboten worden sei. Der Rat habe sich jedoch Bedenkzeit erbeten. Ausiamd. Haag, 17. Aug. Die Friedenskonserenz nahm heute in einer Plenarsitzung mit einigen Abänderungen und Reserven den Antrag über den im Jahre 1899 getroffenen Beschluß bezüglich des Kriegsgebrauches zu Lande und zu Wasser, sowie die Erneuerung der Erklärung von 1899 bezüglich der Untersagung des Gebrauches von Ge-^ schossen und Explosivstoffen durch Luftbad l o n s an. Die Konferenz nahm hierauf mit 27 gegen 7 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen das Abkommen cm, betreffend das Bombardement von Hafenstädten und Dörfern durch Kriegsschiffe. Hierauf verlas der englische Delegierte Fry einen längeren Bericht über die Einschränkungen der Rüstungen zu Lande und zu Wasser. Schließlich wurde per Akklamation der Wunsch des englischen Delegierten angenommen, der auch von Rußland unterstützt wird und der die Notwen-! digkeit und NützlichkeitderEinschränkungew derRüstungenanerkennt. Kleine» Feuilleton. — Die historische Kommission für Hessen und Waldeck bt in ihrem 10. Jahresbericht Aufschluß über den der- itigen Stand ihrer wissenschaftlichen Unternehmungen, eber das „Urkundenbuch der Wetterauer eichsstüdte" wird berichtet: Tr. Wiese-Marburg hat e Archivalien der Stadt Wetzlar bis zur Mitte des 16. Jahr- rnderts aufgearbeitet und hiernach die Archive von armstadt, Koblenz und Marburg sowie die Sammlungen 's Germanischen Museums in Nürnberg teils vollständig, ils größtenteils erledigt. Eine unerwartet reiche Aus- ute ergab das fürstlich Solms'sche Archiv in Braun- -1 ls (Kloster Altenburg) und das des Stiftes Wetz- i r. Hiernach bleibt nur noch das Archiv in Frankfurt ; berücksichtigen, so daß die Trucklegung des ersten Bandes ohl noch im Lause des nächsten Berichtsjahres beginnen ird. Tie Fortsetzung des Friedberger Urkundenbuches ird demnächst in Angriff genommen werden, nachdem e Stadtverordneten Friedbergs in dankenswerter Weise e erforderlichen Mittel der Kommission bewilligt haben, ie historische Kommission begrüßte diesen Beschluß mit inz besonderer Freude als einen vorbildlichen, denn ihre cht beschränkten Mittel haben sie bisher wiederholt ge- oungen, von gar manchen Arbeitsplänen Abstand zu neh- en. Tie Bearbeitung des zweiten Bandes hat Oberlehrer reher in Friedberg übernommen; er gedenkt damit als- ild zu beginnen. — Von den „L an d g r a fen g e ste n" it Herr Tr. Grotesend-Marburg den Druck der ersten Ab- ilung begonnen. Sie wird bis zum Tode des Landgrafen ünrichs 1. (21. Dez. 1308) hinabreichen und im Laufe s nächsten Berichtsjahres ausgegeben werden, lieber die ublikation „Quellen zur Geschichte des geisti- en und kirchlichen Lebens in Hessen und aldeck" wird berichtet: Professor Dr. Köhler-Gießen ar während eines Teiles des verflossenen Jahres durch Jubiläum der Universität Gießen in Anspruch ge- immen, doch hat er die Wiedertäuferakten und die aus ls Interim bezüglichen Archivalien ausarbeiten können rd ebenso die Akten zum Schmalkaldener Tage von 1535/36, weit sie die Stellung der hessischen Theologen zur Kon- ^ssrage betreffen, ausgebeutet. — Von der „Hessischen ehö rd en - Organisation" hat Stadrarchivar Dr. nndlach-Kiel den urkundlichen Teil und die Bearbeitung s „Tienerbuches" soweit gefördert, daß er dicht vor ren Vollendung steht. — lieber die Publikation „Quel- ii zur Geschichte der Landschaft an der e r r a" wird berichtet, daß Tr. Huyskens-Marburg die mrbeitung des Archivs der Augustiner zu Eschwege voll- indig und das der Prämonstratenserinnen zu Germerode s zum Ausgange des 14. Jahrhunderts erledigt hat. Der ruck des die vier Klöster der Landschaft an der Werra nsassenden Regestenwerkes wird voraussichtlich im Laufe s Herbstes begannen werden. — In Arbeit befinden sich »ch weiter die Publikatch.n.en „Beiträge. Mr Mrgeschichte der Reformation in Hessen", „Sturios Jahrbücher der Grafschaft Hanau von 1600—1620", „Münzwerk", „Chroniken von Hessen und Waldeck", „Fuldaer Urkund en buch", „Landtagsakten". Ueber eine neue Publikation „Lehenstaat" wird berichtet: „Auf den Antrag des Archwrats Dr. Küch- Marburg beschloß der Vorstand der historischen Kommission, Archivassistenten Dr. Knetsch-Marburg mit der Bearbeitung und Herausgabe eines Werkes zu betrauen, welches die hessischen, fuldischen, hanauischen und wal- deckischep Lehen und ihre Inhaber von. der ältesten Zeit, in der es schriftlich fixierte Belehnungen gibt, bis zum Ende des Lel)nswesens in übersichtlicher Weise verzeichnen und zusammenstellen soll. Tie Arbeit wird nicht nur in hervorragendem Maße der Geschichte der hessischen Adelsgeschlechter zu dienen berufen sein, sondern auch ein lange ersehntes Hilfsmittel für eine große Reihe von allgemein- und lotalgeschichtlichen Studien schaffen. Sie bildet in gewisser Beziehung ein Gegenstück zu der von Dr. Gundlach-Kiel herauszugebenden „hessischen Behördenorganisation" und ist ferner dazu geeignet, ein künftiges bessisches Siegelwerk vorzubereiten. Tas letztere liegt freilich wegen seiner Kostspieligkeit noch in weiter Ferne. In den Ausschuß für diese neue Publikation wurden Baron von und zu Gilsa auf Gilsa, Prof. Dr. Küch-Marburg und Geh. Reg.-Rat Professor Dr. G. Frhr. von der Ropp-Mar- burg delegiert. — Aus alten Gießener Stammbüchern, wie sie in früheren Zeiten „die Studenten auf Universitäten und Reisen den ProKssoriölls und anderen vorneynren und gelehrten Leuten, allch guten Freunden, offerierten, damit selbige ihre Wappen, Symbolen und Namen zum Andenken hineinschrieben", teilen sowohl R. A. Fritzsche in der ersten Nummer der „Ludoviciana", dieser würdigen, in sechs Nummern erscheinenden, reich illustrierten Jubi-- läums-Festschrift, wie Erwin Preuschen im neuesten Bande deö „Archivs für hessische Geschichte und Altertumskunde" eine Anzahl vo»i Eliitragungen mit, aus den verschiedensten Stimmungen und Gesiiinungell heraus entstalideu. Beide zitieren folgendes jokose Verslein eines gewissen I. L. Mayer ars dem Jahre 1752: In Gießeri geht es liederlich, So heißt es überall, Allein, mein Freuiid, erkundge dich, Wie geht es anderswo und sonst in diesem Fall? So wirst dii bald erfahren müssen, Es gehet dorten ivie in Gießen. Eckstein schreibt die zivei^Tugendlvege ins Stainmbuch: Zwei silid der Pfade, aus welchen der Alensch zur Tugend emporstrebt; Schließt sich der eine dir zu, tut sich der andre dir auf. Handelnd erzwingt der Glückliche sie, der Leidende duldend, Wohl dem, den sein Geschick liebend auf beiden geführt. Ein vieleriahrener weiser Frauenkenner schreibt: Ei»i Alädgen voller Weisheits-Gründe Hält jeden Kuß siir eine Sünde, Bis ihr ein Freund gefällt; Hat dieser dann sie überwunden, So sagt sie selbst in frohen Stunden: ^Das ist der Lauf der Welt l* — Tie „Coul eur" an den Handelshochschulen ist kürzlich, sowohl wie in kaufmännischen als in akademischen Kretsen, aus 2lnlaß eines Berliner Vorfalles erörtert ivorden. Es dürste daher von Interesse sein, einiges darüber zu erfahren, wie sich die verschiedenen deutschen Handelshochschulen zu der Frage farbentragender Verbindungen gestellt haben. In 5k ö l n, wo der erste Studiendirektor, Pros. Schumacher, em ausgesprochener Anhänger von „Eouleur"-Verbindungen tvar, haben sich drei solche Verbüid- ungeit gegründet: „Hansea", „Salia" und „Ubia"; auch die akademische Turnerschaft „Arminia" trägt Farben. Der amtliche Bericht über die Handelshochschule berichtet jedesmal auch über das Verbindungsleben und schätzt die Zahl der Studierenden, die zu diesen Korporationen gehören, auf etwa 15 Proz. der immatrikulierten Studierenden, (das ift mehr als an mancher Universität), In Franks u r t a. M. besteht eine Verbindung „Franeonia", die aber Alütze und Band nur aus ihrer Verblndungskneipe trägt und nach außen nicht in „Couleur" auftritt. Der Versuch einiger Studierender der Berliner Handelshochschule, eine Verbindung unter dem Namen „Sugambria" zu begründen, wurde sofort wieder aufgegeben, als 2iettor und Kollegium die Frage, ob ihnen das Schwarze Brett zu Anschlägen emgeräumt werden würde, verneinten. Aus Leipzig und Aachen liegen feine Nachrichten vor, weil die dortigen Handelshochschulen nicht selbständige Anstalten, sondern lediglich an die Universität bezw. die technische Hochschule finge« gliedert sind. Im Ganzen zeigt dieser Ueberblick, und namentlich die Abweichungen zwischen Köln und Berlin, die Verschiedenheit des Temperaments in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. In dem lebenslustigen Rheinland kommt die bunte Farbe mehr zu ihrem Rechte. In Berlin, wo auch an der Universität die farben- tragenden Verbindungen sehr zurücktreten, ist hierfür kein Boden. Ter schärfste Widerstand gegen Couleurverbindungen geht in Berlin von der Studentenschaft selbst aus. — H einrich Hansjakob, der bekannte schwäbische Schriftsteller und kath- Stadtpfarrer von Freiburg t. B., begeht heute, am 19. August, seinen 70. Geburtstag. Hansjastb nennt sich selbst mit Vorliebe einen Bauern schriftsteller, und er liebt das Bauerntum, das naturstische Volk und die Scholle, auf der es haust mit der gleichen Inbrunst, mit der er alle großstädtische Hhperkultur, alle Lehensverfeinerung haßt- Ta-« bei ist er selber, feiner Empfinden und Bedürfnis nach, unbewußt ein Kulturmensch, aber er leidet unter der Llulturlast unserer Zeit, und da er einst in einer poesieoollen Jugend das große Glück eines von Külturplagen unbeschwerten Lebens selber gerwsseu und damals wie auch später bei anderen beobachtet und mitempfunden hat, deshalb flüchtet er aus der Kültur zurück in die einfachen, gesünderen Zustände der mit der Scholle verwachsenen natürlichen Menschen und wird bewußt und geistig ein Bauer und Kulturträger, der er Physich zu fein weder die Gesundheit iwch die Kraft der ^Nerven hätte- Diesen Gesichtspunkt, diese Stimmung muß man festl-alten, wenn man an viele von Hansjakobs Schriften mit rechtem Lerständniss und feinerem Genuß herantreten will, und luo diese Stimmung fehlt, da wird ein großer Teil von seinen Werken gerade nach ihrer interessantesten eeite hin nicht gewürdigt werden können-. , — Der Kaiser und die Kaiserin ließen durch den Direktor der Akademie der Künste zu Berlin der Akademie le 15ft ebenso wie der Familie des verstorbenen Professors Joachim ihr Beileid aussprechen. Bei den Beerdigungsfeierlichkeiten lvird sich der Kaiser durch einen feiner Flügel-Adjutcutten vertreten lassen- $9 i e n*7 17. ÄüZ. Die Börlo 5*u n g der Erzherzogin Gabriele mit dem Prinzen Georg von Bayern wird dementiert. (Fr. Z.) London, 18. Aug. Nach einer Meldung des Reuterbureaus aus Georgetown in Britisch-Guinea von gestern hat ein Offizier mit einer Abteilung der Grenzwache einen Posten Guttapercha aufvenezuel an i s ch em Gebiet beschlagnahmt und auf britisches Gebiet zurückschafsen lassen. Der venezuelanische Grenzkommissar hat dieS ge- scheheu lassen, da er es nicht verhindern konnte, aber seiner Regierung^ davon Meldung gemacht. Auch der venezuelanische Konsul in Georgetown hat gegen diese Gr en z- Verletzung Protest erhoben. Sidney, 17. Aug. Die Firma Burns, Philip and Co. brachte bei der Bundesregierung eine Beschwerde über eine angeblich französische Mißachtung des neuen Hebriden-Abkommens ein. Die Gesellschaft verlangt, die Bundesregierung möge von England fordern, Frankreich aufzusordern, das Abkommen einzuhalten. Petersburg, 18. Aug. Hiesige Blätter berichten von einem neuenvereitelten Attentatsversuch auf den Zaren. Die Uebersiedelung der Zarenfamilie von Petersburg nach Zarskoje Selo soll hiermit in Zusammenhang stehen. Bialystok, 18. Aug. Der Kommandant des BahnhofsvonBialystok, Oberst S ch r öt t e r, wurde ermordet. _____________ Aus Stadt und Canö. Gießen, 19. August. ** Die Hälfst ätigkeit für Herbstein hat nunmehr an zahlreichen Orten begonnen, und viel Geld wird nötig sein, um den Bewohnern des so schwer betroffenen oberhessischen Städtchens auch nur einigermaßen ausreichend zu helfen, weshalb wir uns nochmals an den so oft betätigten Wohltätigkeits- und Gemeinsinn unserer Lefer wenden. .Für die Provinzialhauptsladt Gießen ist es eine Ehrenpflicht, dem kleinen Schwesterstädtchen in seiner Not helfend zur Seite zu stehen. Konnte die Stadt Gießen vor Kurzem erst unter- freudiger und neidloser Anteilnahme ganz Hessens ein hohes Freudenfest begehen, Jo gilt es jetzt zu zeigen, daß sie ihrerseits am Geschick der Landsleute in der Provinz in den Tagen der Not werktätigen Anteil nimmt. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog hat für die Abgebrannten 1000 Mk. gespendet. Die Staatsregierung spendete zur Linderung der Not der Obdachlosen 600 Mk. Bis heute mittag sind bei uns eingegangen: A. K. 1 Mk., Familie Heinr. Selbst 5 Mk., N. N. 5 Mk., O. S. 4 Mk., L. F. 2 Mk., Dr. St. 2 Mk., I. B. 3 Mk., Theobald 10 Mk., Oberstleutnant Winter 10 Mk., Häuser 1 Mk., A. G. 2 Mk., Heinrich Emmelius 50 Mk., in Hausen durch Lehrer Nikolaus gesammelt 30.65 Mk., Zigarrenfabrikant Nattmann 10 Mk., Frl. Henny Weigand 3 Mk., Bürgermeister Wetz- Münzenberg 5 Mk., Louis Lotz 20 Mk., E. D. 1 Mk., Fritz Nowack 20 Mk., Geheimrat Pasch 10 Mk., B. St. 2 Mk, Ungenannt 20 Mk., W. D. 2 Mk., E. Kratz 2 Mk., Leni Opper- ntoitn, .Schwester des Ev. Diakonissenheinis 2 Mk., Karl Haus sen. 5 ML, Pfarrer Scriba 3 Mk., Karl Stückrath, Möbelfabrikant, 10 Mk., Landgerichtsrat i. P. Gustav Kullmann 20 Mk., A. H. 2 Mk. Hierzu die bereits am Samstag quittierten 146.80 Mk. Der Gesamtbetrag unserer Sammlung ist also bis jetzt 4 0 9.4 5 Mark. Hiervon wurden bereits 400 Mk. an das Hülfskomitee iy Herbstein, z. ,H. des Kreisrats v. Bechtold, abgesandt. * * Zur Hilfeleistung in Herbstein sind von -unserem Regiment 1 Offizier, 3 Unteroffiziere und 66 Mann abgegangen. * * Unser Regiment fährt heute nacht zur Teilnahme an der Truppenschau um 2 Uhr 16 Min. ab und kommt um 6 Uhr 30 Min. in Budenheim bei Mainz an. Die Rückfahrt erfolgt morgen nachmittag 6y2 Uhr von Kastel 'ab, die Ankunft hier um 9 Uhr 15 Min. • * Vorn Manöver der Hess. Division. Bezüglich des Manöverpjanes ist in letzter Stunde infolge ungünstigen Standes der Erntearbeiten eine Aenderung eingetreten, da die Hebungen in dem in Aussicht genommenen Gelände entweder verschoben werden müßten oder gewaltiger Flurschaden entstehen würde. Die Bevölkerung der in Betracht kommenden Orte war deshalb vorstellig geworden. Bezüglich des Uebungs- geländes der 49. Infanterie-Brigade bei Wölfersheim und Södel ist zwischen den Gemeinden und der Brigade lebhaft verhandelt worden. Die Landwirte erhalten zur raschen Ab- erntung des Hebungsgeländes eine große Anzahl von Soldaten. Durch eine Verfügung der Militärbehörde ist dec für Samstag bestimmte Einquartierungsvlan in letzter Minute vollständig geändert worden und es ist fraglich, ob die 49. Brigade auf dem in Aussicht genommenen Gelände manövriert. Die 168er, die am Samstag in den Orten des Wettertals, Bad-Nauheim und Ober- und Nieder-Mörlen eintreffen sollten, sind sämtlich in Butzbach einquartiert worden, das 1. Bataillon blieb in der Kaserne, das 2. Bat. kam in die Stadt, es traf Samstag nachmittag 2 Hhr von Offenbach ein. In der Stadt liegen somit etwa 1000 Mann. Der Exerzierplatz der 49. Infanterie-Brigade ist in das Gelände zwischen Butzbach, Griedel, Nockenberg und Nieder-Weisel verlegt. ** Flottenv erein. Die Hauptversammlung des hessischen Landesverbandes des deutschen Flottenvereins findet am 1. September in Lauterbach statt. In Mörstadt hat sich eine neue Ortsgruppe des Flottenvereins gebildet. ** Fi sch sterb en. -In der unteren Wies eck konnte man am Samstag mittag tausende Fischleichen schwimmen sehen. Es wird vermutet, daß die Fische infolge .eines Ausflusses aus der Gasfabrik zu Grunde gegangen seien. *• Selbstmord. Gestern morgen bemerkte der Bleicher Schüßler auf dem Mühtwehr am Woog einen Hut und entdeckte bei näherem Nachsehen im Woog eineMannes leiche. Sie wurde gelandet, als die des Arbeiters Johannes Will von hier erkannt und nach der Leichenhalle am neuen Friedhof gebracht. Will, der dem Trunk ergeben war, hatte schon häufig geäußert, daß er in die Lahn gehen werde und hat dann auch am Samstag abend, nachdem er tagsüber die Wirtschaften stark besucht hatte, sein Vorhaben ausgeführt. •* Gefährlicher Dieb. Gestern abend entwendete /in unbekannter junger Mensch in dec Brandgasse ein Fahrrad, das von dem Eigentümer vor einer Wirtschaft ausgeste llt worden war und fuhr damit die Marburger Straße hinaus. Der Eigentümer und sein Begleitec verfolgten den Dieb und trafen ihn auch in der Marburger Straße mit dem gestohlenen Na de an. Er ivarf das gestohlene Rad von sich und flüchtete. Als seine Verfolger ihn em- geholt hatten, gab er drei Schüsse auf sie ab, wovon aber nur ein Schuß den Rockärmel des einen streifte. E§ gelang dem Täter zu entkommen, jedoch verlor er seinen Rucksack, in dem sich Gegenstände vorfanden, die jedenfalls zur Feststellung seiner Personalien führen werden. Anscheinend ist der Mensch ein Oesterreicher oder Pole, der sich auf der Wanderschaft befindet. ** Unter Leidensgefährten. Drei zugereiste Handwerksburschen entwendeten gestern abend auf der Herberge einem Fremden ein Packet mit Kleidern und Schuhen 2C. und suchten damit das Weite. Sie wurden aber alle drei eingeholt und festgenommen. Ihre Tat beschönigen sie damit, daß sie betrunken gewesen seien. Lich, 18. Aug. Aus Anlaß der Gravelottefeier veranstaltete der Kriegervereinsbezirk Lich heute hier ein Hon* kurrenzs chieß em Auf je 15 Mitglieder der einzelnen Vereine wurde ein Schütze zugelassen. Es erhielten die drei ersten Preise: 1. Ludwig A l b a ch - Harbach, 2. Hermann Noth II.-Langsdorf, 3. Wilhelm Lotz-Nieder-Bessingen. Auch Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich wohnte längere Zeit dem Schießen bei, das unter schattigen Eichen am Albacher See abgehalten wurde. A Grünberg, 18. Aug. Heute mittag sand hier im Gasthaus „Zum Hirschen" unter Vorsitz des Kammervorstandsmitgliedes Köhler-Langsdorf und unter Teilnahme des Vertreters Großh. Regierung, Regierungsrats Dr. Merck, die Konstituierung des 4. Oberhessischen landwirtschaftlichen Bezirksausschusses für Grünberg-Homberg a. d. O. statt. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Bürgermeister Heß von Büßfeld, als dessen Stellvertreter Bürgermeister Schmidt von Queckboru gewählt. Mit dieser Konstituierung sind nunmehr sämtliche Bezirksausschüsse, soweit sie den Kreis Gießen berühren, in Wirksamkeit getreten. Es bleibt nunmehr zu wünschen und zu hoffen, daß die Ausschüsse alsbald ihrer Aufgabe sich gewachsen zeigen, die Hauptsäa)- lich d arin zu bestehen hat, daß sie das innerste Fühlen und Denken aus der Mitte und der Tiefe des Bauernstandes unmittelbar heraus, der Landwirtschastslammer und bo damit dec gesetzgebenden und staatsverwaltenden Behörden nachhellrg und klar zur Kenntnis bringen sollen. W. Bad-Nauheim, 19. Aug. Zur Kur im Hotel Kaiserhof ist abgestiegen Dir. Mactagan, Erzbischof von Port, der höchste Geistliche der anglikanischen Hochkirche. □ Au s der Wetterau, 18. Aug. Spurlos verschwunden ist das Dienstmädchen El. Me nz, das bei Landwirt K. Grieb in Holzheim diente. — Einen wertvollen Mü nzfu nd entdeckten in Massenheim die Maurer gelegentlich eines Neubaues des Landwirts Schmidt. Sie fanden in dem Boden in einer Blechbüchse römische Münzen und Schmucksachen. = Lang-Göns, 19. Aug. Gestern feierte der Turnverein sein Abturnen. Sämtliche Korporationen beteiligten sich an dem Festzug. Turnwart Will). Dern hielt eine treffliche Festrede, in der er auch der alten Krieger gedachte, die vor 37 Jahren in der Schlacht bei Gravelotte siegreich kämpften. Durch Schauturnen und Gesangsvorträge verlief das Fest in schönster Weise. + Schotten, 18. Aug. Das Klubhaus auf dem Hoherodskopf wird zurzeit durch ein zweites Stockwerk vergrößert, da bei der steigenden Frequenz die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen. Der Erweiterungsbau ist im Rohbau fertig und soll bis 1. Oktober ganz vollendet sein. Er erhält eine größere Anzahl Wohn- und Schlafzimmer für Touristen und Sommerfrischler. Der Touristenverkehr auf dem Vogelsberg ist gegenwärtig sehr stark. Dem Fortgang der Arbeiten am Bismarckturm, der auf dem höchsten Gipfel unseres Gebirges erbaut wird, bringen die Wanderer reges Interesse entgegen. Er ist jetzt zu 8 Meter Höhe gediehen; die Gesamthöhe ist 22 Meter. Der Turm wird im Rohbau noch im Herbst, und zwar etwa Mitte Oktober vollendet. Die Einweihung erfolgt im nächsten Sommer, voraussichtlich gelegentlich des Iahresfestes des Vogelsberger Höhenklubs. + Geiß-Nidda, 17. Aug. Bei der heute hier abge- halteuen Gemeinderatswahl wurden die drei ausscheidenden Herren Will). Reinhardt mit 50, Konrad Scherer mit 41 und Johs. Kreutz mit 40 Stimmen bei geringer Wahlbeteiligung wiedergewühlt. — Einem hiesigen Landwirt wurden die halv- erwachsenen Dickwurz eines Äckers von bübischer Hand ausgerissen. Anscheinend liegt ein Racheakt vor. — Kirtorf (Oberhessen), 17. Witg. Bei der heute abgehaltenen Gemeinderatswahl wurde Otto Hartmann mit 152 und Adam Ratz mit 119 wieder-, Carl Letz mit 93 Stimmen neu gewählt. hc. Marburg, 19. Aug. Ein unentgeltlicher ärztlicher Fortbildungskursus wird vom 7. bis 16. Oktober d. I. an der hiesigen Medizinischen Klinik und Poliklinik abgehalten. Das Thema ist begrenzt auf die Therapie innerer Krankheiten. Anmeldungen sind bis zum 15. September an das $e;cf)äft^ zimmer der Medizinischen Klinik zu richten. Gießener Strafkammer. ) ( Gießen, 17. August. Wege» einer Katze. Ter in Bad Nauheim zur Kur weilende Direktor F. K. aus Berlin hatte in seinem Garten eine sich lästig machende Katze erschossen. Tie bei den: Schreinermeister Fr. W. H. wohnenden Kurfremden beschwerten sich über das Schießen, auch hörte man eine Reihe gemeiner Ausdrücke und Drohungen, von denen K- annahm, H. habe sie gegen ihn gebraucht. Er erhob Privatklage, aber das Schöffengericht kam mangels BeweiseA zum Freispruch, da H. die Aeußerungcn bestritt und auch niemand nrit Bestimmtheit angebett konnte, daß er es war, der die Beleidigungen, ausgesprochen hat- Ter Kläger verfolgte Berufung und versuchte dem Angeklagten doch die Täterschaft nachzuweisen. Eine Frau will ihn bestimmt an der Stimme erkannt haben. Ta dem Gericht diese Aussagen nicht genügten und der Kläger. Beweise durch Augen- unb Ohrenzeugen bnbot, erfolgte Vertagung zwecks weiterer Beweiserhebung. Die unterlaßene Einladung. Gegen den Bürgermeister O- D. war von F. W. Sck. zu Ober-Schmitten Wegen Beleidigung Privatklage erhoben worden- Ter Kläger hatte die Erfahrung gemacht, daß der Bürgermeister als Kriegerbereinspräsident bcni Diener untersagt haben sollte, den Kläger zum Besuch der Schlachtfelder, die der Verein gemeinsam besichtigen wollte, einzuladen und Mar mit dem Bemerken, er sci aus dem Verein ausgestoßen, da erSo z i a l- d emo trat sei- Vor dem Schöffengericht tonnte jedoch nur festgestellt werden, daß der Angeklagte ohne jegliche Grruldangabe dem Diener gesagt habe, der Kläger solle nicht eingeladen werden- Unter diesen Umständen mußte das Schöffengericht zum F r e i s p r u ch gelangen und es bürdete dem Kläger die sämtlichen Kosten auf- Dieser erhob Berufung und versuchte den Nachweis zu erbringen, daß der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Aeu- ßerungen doch getan hat, da der Vereinsdiener 'dies an verschiedenen Orten ausgesprochen hat- Wenn auch in der Berufungsverhandlung sestgeftellt wurde, baß der Kläger auf Grund der Statuten vom Vereiir ausgestvßen tvordew ist, so mar dem Bür- germ'eistK dD^^Aichk nachzuMiscn, daß er eine beleidigens Aeußerung "getan hat, weshalb das Urteil seine -VeWigung Eine unklare Bcleidigungsgeschichte. Ter Handelsmann G- H. hatte gegen den Schlossermeisier A- M. von N i e d e r -M o ck st a d t wegen Beleidigung Privatklao? erhoben unter der Beschuldigung, daß er ihm mit einer Eisen. Hange drohend zurief: „Betteljud', du willst mich betrügen!" % nur der Lehrling des Angeklagten bei dem Vorfall zugegen roar un\ dieser am Schöffengericht die Aeußerungen des Klägers nicht beste, ligen konnte, erfolgte mangels Berveiscs Freispru ch Ter Kläger verfolgte Berufung, Indern er auf einen Vergleich hinwies, wv. nach sich der AugEagte verpflichtet hatte, 15 Mk- Buße i- einem Wohltätigkeuszwecke zu zahlen, sowie eine im Kreis- blatt zu veröfsentlichcnde Ehrenerklärung abzugeben, und sann- liche entstandenen und noch entstehenden Kosten zu tragen Ter Angeklagte, der die Beleidigung bestritt, behauptete den fraglichen Vergleich, der allerdings später nnderrufen wurde' nicht gelesen und auch nicht vorgelesen bekommen zlr haben' wenn er dessen Inhalt gekannt hatte, so würde er ihn nicht unterschrieben haben- Ter Kläger bot noch weitere Bewem an, weshalb die Sache, da sie nicht aufgeklärt genug erschien zur weiteren Beweiserhebung vertagt wurde- Märkte. ic. Frankfurt a. M., 19. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gießen, Anz.") Amtliche 9totlernngen der heutigen Fruchtmarklpresie Weizen Wik. 00.00—00.00, Knrhessischer Mk. 00.00—00.00, La Mal Dik. 22.00—22.75, Kansas Mk. 22.00—22.75, Roggen thieslger Aik. 18.00—18.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.25—18.50, Farne», felder Alk. 18.75—19.00, Hafer 20.00—21.00, Mais iDtf. 14.50—15.00 Weizenmehl Mk. 29.50—30.00, 00—00, 2. Qualität Mk. 27.0t, bis Mk. 28.00, 3. Qualität Mk. 25.50—26.00, Roggenmehl ’ot Mk. 29.50—30.00, l.Quatität Mk. 28.50—29.50, Weizenkleie Mk. 13.00 bis Alt. 13.50, Roggenkleie Mk. 12.00—12.50, Marskeime Alk. 11.2z bis Alk. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Rlk.00.00—00.00. Alles uv 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 19. Aug. (Telegr. Qrig.-Bericht des ,Giet Anz/'). Amtl. 9lotierungen der heutigen Viehnrarktpreis e. Zu«, Verkaufe standen: 390 Ochsen, 00 aus Oesierrelch, 69 Bulleit 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 920 Kühe, Fersen, Stiere uiii Rinder, 0 aus Dänemark, 301 Kälber, 206 Schafe und Hammel 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1881 Schweine. Bezahl! wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 85—88 2. Qual 76—80 Alk., 3. Qual. 70—72Alk.; Bullen I.Qual. 71 b-- 73 Alk., 2. Qual. 68-70 Mk.; Kühe 1. Qual. 76-78 Mk., 2.Qual 73—75 Alk., 3. Qual. 65-67 Alk, 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual 00—00Alk. Kälber: 1. Qual.92—95 Pfg., Lebendgewicht55—57 Pi 2. Qual. 80—88 Pfg., Lebendgewicht 47—52 Pfg., Schlacht gewicht 62-67 Pfg. Schafe: 1. Qnal. 84—00, 2. Qual. 68—78 Pfg, 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 73-00 Pfg., Lebdgew 57.00—00.00 Pfg., 2. Qu. 71—72 Pfg., Lebendgew. 56.50—00 Pfg 3. Qual. 62—64 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft: bei Horn. vwh gut, Ueberstaiid gering; bei Kleinvieh Ueberstand gering, * Kleine T a g e ö Cl) r o n i t. Ter Großkausmann Weitz in Lüneburg, Oberleutnant der Reserve, hat sich wegen verfehlla Spekiilatioiien in Kaliwerten und dadurch verursachten Vermögelis» vertust von über s/4 Millionen Mark erschossen. — In Straß- b n r g (i. Elsaß.) erschoß sich in der Nacht zum Sonntag der Oberleutnant Orsell von den neunten Husaren. — Ein schwererAuto- mobil Unfall ereignete sich in Perlach in der Nähe cor München. Ein mit drei Chauffereii besetztes Automobil fuhr in vollem Lauf an einen Baum an, sodaß die drei Insassen heraus- geschlendert wurden und lebensgefährliche Verletzungen erlitten; sie blieben bewußtlos liegen. Zwei der Verwund!en sind wieder zum Bewußtsein gekommen. — Aus Old Orchard im Staate Manie ivird berichtet, daß dort siebzehn Hotels und Landhäuser durch eim große Feuersbrunst zerstört wurden. Die Zahl der Per- soiieii, die die ganze Nacht ohne Uni erfüllt waren, wird auf 700t geschätzt. Vier Personen kamen bei dem Brande ums Lehen. Ter Schaden wird auf 2 Millionen Dollars angegeben. Zlvanzig Eisen» bahnzüge trafen in dem Orte ein, um die Obdachlosen ausiunehmen. Dabei entstand ein erregter Kampf um die mitgebrachten Lebensmittel, Kleider sowieumdiePlätze. — Am 15. August brach auf dem Hamburger Dampfer »Wik" auf der Höhe von Mitamoto Feuer aus; es erfolgte dann eine Explosion, wobei ein Leck in den Schiffs- rümpf gerissen luurbe. Eine Person ist umgekommen, die übrigen an Bord befindlichen Personen sind gerettet worden. — In 93 r et- lau ereigneten sich schwere Stürze am Sonntag aui der Radrennbahn. Benn 100 Kilometer-Rennen kam der Rennfahrer Przyreinbel durch Platzen des Hinterreifens seiner Führung-' inaschine mit dieser zusammen zu Fall und zog sich einen doppelten Armbruch unb einen Rippenbruch zu. Im Rennen der B. Klass: wurde der Schrittmacher Hecker gegen die Barriere geschleudrw Er erlitt einen Beckenbruch und eine Quetschung der Wirbelsäule unb wurde ins Krankenhaus gebracht. — In Dömsi wurden am Samstag die 12 Opfer der Explosion in der Dynamik fabrif zur letzten Ruhe bestattet. Nur drei von den Toten waren von den Angehörigen wiedererkannt worden, die anderen waren so furchtbar verstümmelt, daß sie nicht zu erkennen waren. Gretzencr Wetterdienst. Voranssichtliche Witterung für Hessen am Dienstag ben 20. August: Wolkig. Meist trocken. Mäßig warm. Schwach, iveslliche Winde. _____________________________________ Hunderte von blühenden tlindern sterben in jedem Somme: an Brechdurchfällen. Hiergegen vietet eine rationelle Säugling ernährung mit „Kufet'e"-Kinderrnehl und Milch den besten Schch ^lufete"-Mehl macht die Atrlch leichter verdaulich, vermindert bu Darmgärungen und entzieht Krankheitserregern den Nährboden Ueberhaupt macht „Kufeke"-Mehl und sein reicher Gehalt an Nähr stoffen den gesamten Organismus und damit auch den Magen unö Darm widerstandsfähiger gegen Krankheitskeime.__ UnliÄna 14Unda wird man stets haben durch den täglich tjClWliü -ELallUü Gebrauch der Myrrholin -Seife, bet einzigen hygienischen Tviletteseife, welche den tosmetischen Bestand teil — das Myrrholin — mit anerkannter und bewährter Schöw heitswirtung auf die Haut enthält. b7/? Griginat-DrahtmelSttngen« Nizza, 19. Aug. Waldbrände im Departement der Seealpen dauern an. In St. Etienne und Trn6e sind 30 Häuser durch die Feuersbrunst zerstört worden. Truppen versuchen augenblicklich, des Feuers Herr zu werden. Bis jetzt sind drei Personen in den Flammen um gekommen. Mehrere Orte sind bedroht. Der Unterpräfell von Toulon ist an Ort und Stelle. Das Feuer wütet auf einer Fläche von 18 Quadratkilometer. London, 19. Aug. Nach aus Tanger eingetrofsenen Nachrichten fühlt sich der M a g h z e n ohnmächtig, de. hauptsächlich gegen die Franzosen gerichteten Anrifremdcn- bewegung wirksam zu begegnen. Ter Minister des Aeußern bat daher den französischen Ltonsul, die Franzosen von dem Betreten der Straßen abzuhalten. London^, 19. Aug. Tie „Times" berichten aus Tanger: Der Sultan veranstaltete am letzten Mittwoch in1 Hose des Palastes eine Truppenschau, zu welcher er die Mtimas, eine Anzahl Sheriss und sonstige Notablen ein* geladen hatte. An die Truppen wurden Gewehre und Munition verteilt. Als der Sullan die Behörden empfing, erklärte er, Frankreich habe seine Befugnisse überschritten und es sei notwendig, Maßregeln zu treffen, um das Land gegen deü französische" Angriff zu schützen. Der Sultan verfügte sodann, daß eine Abordnung von 38 Mitgliedern der verschiedenen tablen-Gruppen Anstalten treffen sollen, um nach Tanger abzureifen und den Mitgliedern der Signatarmachte von Algeciras eine Protestnote gegen das französische Vordringen zu überreichen. Man glaubt, bah hstfe Delegation Fez in wenigen Tagen perlassen werde.