157. Jahrgang Nr. S20 Zweites Blatt Erscheint tä-llch mit Ausnahme des Sonntags. Frau Klara Zetkin- Skull- tarismus treiben wolle. en Tätigkeit unserer Ab gart betritt dann in ziemlicher Aufregung das Redner- Podium. Sie erklärt: Wenn wir nicht mehr ausgiebige mit der In der Nachmittagssitzung erklärte zunächst Honrath- Aachen, daß es sich bei all den Streitereien nicht um Noske handele, sondern darum, ob man opportunistische und grundsätzliche sozialdemokratische Politik gegen den Mili- Landratsamts zu .Biedenkopf wurden die Volkslieder und Hansinschriften innerhalb des Kreises gesammelt und herausgegeben, ferner bildete sich im letzten Jahre der „Hinterländer Geschichtsverein", über dessen Zweck und Ziele wir berichteten. Alle diese dankenswerten Anregungen entsprangen den Wahrnehmungen über den Zurückgang des Volkstums und den Verlust geistiger Schätze. Nun wendet sich das dortige Landratsamt in einem recht schätzenswerten Auf- und Mahnruf an die Baulustigen und Bauunternehmer des Kreises. Es wird darin erwähnt, daß, wie anderwärts in hessischen Gegenden, auch dort das malerische Aussehen der ländlichen Ortschaften im Schwinden begriffen ist. An Stelle der althergebrachten, in einfachen wirkungsvollen Formen hergestellten Fachwertbauten, die durch die verschiedene Färbung von Holz und Gesuchen in ihrer Verbindung mit Bäumen, Sträuchern und Hecken einen wohltuenden Anblick gewähren, treten immer mehr nüchterne Z.eaelbauten ohne Verputz und Anstrich und ohne jeden Versuch, die Oede ihres Aussehens zu mildern. Um nun die Bauweise im allgemeinen zu heben unb insbesondere die charakteristische heincische Faa)lverkbauweise zu erhalten, hat der Kreis zwei Sammlungen preisgekrönter Mu st ereu twürfc für Klei n w o h it u 11 g e ii, die vom Verein zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens in Frank,urt a. M. und vom Ernst- Ludwig-Verein in Darmstadt herausgegeben sind, angeschasst und, aus dem Laichratsämte zu jedermanns. .Ginsicht aufgh- Die „Gießener Zamllienblätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS „Krdsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:^^I12. Tel.-AdruAnzeigerGießem Donnerstag 1$>. September 1907 Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. amt werden wir auf das Niveau Kritik an der parlamentarisch« geordneten üben dürfen, o unserem Parteitage bald Lvzialdcmotratijcher Parteitag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.! IIL S. u. H. Essen, 17. September. Nach Eintritt in die Tagesordnung erstattete Neichstagsabg. Dr. Südekum den Bericht über die parlamentarische Tätigkeit der Fraktion im Reichstage. Zu diesem Thema lagen eine Reihe von Anträgen vor. Ein Antrag, der sich gegen die Aeußerungeu des Genossen Noske in Sachen der Militärfrage im Reichstage richtete, ist vonr sozialdemokratischen Verein in Ml gestellt. Ein Antrag der hessischen Genossen beauftragt die Fraktion, die geeigneten Schritte zu unternehmen, daß die Ausdehnung des FahrkartensieUergesetzes auf Bureauarbeiter, Lehrlinge und solche Arbeiter und Arbeiterinnen, die nicht in einem festen Vertragsvcrhältnis zu einem Arbeitgeber stehen, durch das Rcichsschatzamt wieder rückgängig gemacht werde; im Bedarfsfälle soll eine Interpellation durch die sozialdemokratische Reichst tagssraktion vorbereitet werden. — Ein Antrag des Genossen v. Randow-Greifenhagen erklärt: In Anbetracht des Um- standes, daß bei den Reichstagslvahlen verschiedentlich Suppenschüsseln, Zigarrenkisten usw. als Wahlurne benutzt und hierdurch das Wahlgchcimips vollständig aufgehoben wurde, beschließt der Parteitag: Die Reichstags'fraktion wird beauftragt, dahin zu wirken, daß zur besseren Sicherung des Wahlgehcim- n isse s überall Wahlurnen von gleicher Größe gesetzlich vor- geschriebcn werden. — Ein Antrag Mülhausen-Langensalza fordert: die Reichstagssraktion wolle dafür Sorge tragen, daß der Termin zu den engeren Wahlen, ebenso wie der der Hauptwahlen, vom Bundesrat gleich bei Ausschreibung der Wahlen mir sestgclegt werde. — Ein Antrag Aachen erklärt: Der Parteitag ersucht die Reichstags, raktion, die Abschaffung der Bühnenschiedsgerichte und die lieber Weisung de r Kun stund Theaterinstitute unter die Zuständigkeit der Kaufmanns -oder Gewerbegerichte zu beantragen. — Ein Antrag von Genossen aus Gelsenkirchen verlangt die Annahme folgender Resolution: Die Reichstagsfraktion wird beauftragt, einen erneuten und energischen Vorstoß zugunsten einer r e i chs g e s e tz l i ch e n Regelung der Bergarbeiterverhältnisse zu machen, vor allen Dingen müssen! rcick)sgesetzliche Bestimmungen für den Schutz der Gesundheit und des Lebens der Bergarbeiter getroffen werden. Ferner sind die knappschaftlichen Entrechtungen der Bergleute reichsgcsetzlich zu beseitigen. Den Arbeitern ist ein tatsächlicher Einfluß auf die Verwaltung der Knappschaftskasscn einzuräumen. Eine Reihe von anderen Anträgen zu demselben Thenia fanden nicht die nötige Unterstützung und wurden daher von der Tagesordnung abgesctzt. Ter Bericht über die parlamentarische Tätigkeit der sozialdemokratischen. Fraktion legt dann eingehend die Stellungnahme der Sozialdemokraten zu den einzelnen Gesetzesvorlagen und Interpellationen im Reichstage dar. Mit Beifall und Zurufen begrüßt nahm dann das Wort der jugendliche ReichstagSabgevrdnete sJi o 5 ie (Chemnitz), der in letzter Zeü viel von sich reden gemacht hat, zunächst weil er im Reichstage beim Adilitäretat von der „VaterlandÄiebe" der Sozialdemokraten sprach und auch dann weil er in Stuttgart aus seiner Abneigung gegen stiosa Luxeurburg kein Hehl gemacht hat. Er verteidigte seine Ausführungen im Reick-Stage. Er erklärte: Wenii jemand sagt, wir wären Vaterlandsvcrräter, so nennen wir ihn nut Recht einen Lügner. Wozu also der Lärm? (Beifall und Widerspruch.) Ich habe nichts anderes gesagt, als was im Handbuch der sozialdemokratischen Wähler steht. Was kann ich dafür, wenii dann das „Berl. Tagebl." einen dummen Artikel verbricht. (Große Heiterkeit.) — Dr. Lenz von der „Leipz. Volkszeitung" grift dioske heftig an. — Hauschild (Kassel): Wegen des Falles Noste ist ein gewaltiges Geschrei erhoben worden, das absolut nicht notwendig war (sehr richtig). Ueberall wirst man uns unsere Vaterlandslosigkeit vor; der Reichsverband, der uns bekämpft, hat sie sogar geschickt in den Mittelpunkt der Agitation ge,ullt. Da war die Rede Noske einmal ganz gut am Platze. (Beifall und lebhafter Widerspruch). -L>ie hat uns absolut nichts geschadet; im Gegenteil, sie hat nur genützt. (Lachen.) Lachen ist noch lange kein Gegenbeweis. (Beifall und lärmende Zurufe). — Weißmann- Karlsruhe hält es für wünschenswert, oaß für die sozialdemokratische Reichstagssraklion ein K o l o n i a l b e i r a t geschaffen werde, der sich auch Kenntnisse über die Verhältnisse m den Kolonien anderer Länder schassen müsse. (Widerspruch und Rufe: Dernburg.. Heiterkeit.) — Bre- cour-Kiel: Der Unwille über die Noskesche Rede ist in weite Kreise gedrungen. Wir wollen nicht ins Lager der Anarchisten gehen, aber auch nicht ins Lager der bürgerlichen Parteien. (Beifall. — Dr. Lenz von der „Leipz. Volksz." erhält zum zweiten Mal das Wort. Er wird mit Unruhe und Beifall begrüßt. Er wendet sich wieder gegen Noske und erklärt, daß dessen Ausrede ganz unhislorisch sei, denn die Gefahr eines Angriffskrieges liege für Deutschland absolut nicht vor. Jetzt sei kein -Ltaat mehr vorhanden, von dem eine Gefahr für die nationale Unabhängigkeit der deutschen Nation befürchtet werden könne. — Wetzker- Bochum: Unsere Parteigenossen dürfen nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheiten patriotische Reden halten. (Beifall.) Das glaubt unS ja doch kein Mensch. (Große Heiterkeit.) Wir dürfen aber unseren Zorn nicht allein über Noske ergießen. Er hat nichts anderes cruärt, als was andere Parteigenossen im Reichstage auch gesagt haben. (L-ehr richtig.) Noske istein- fa ch das O ps e r seines Glaubens an Bebel geworden. (Große Heiterkeit.) Wenn man Noske so scharf l-ernimmt, dann sollte man auch den Mut haben, den Abg. Bebel zur Verantwortung zu ziehen. (Beifall und Lärm.) — Rcichstagsabg. L e h- mann- Wiesbaden: Auch Bebel hat gesagt, wenn es gegen RußKleines Feuilleton. — Hefter den Selbstmord des Kammersängers Buff-Gießen schreibt man aus Dresden: Die Passagiere des Samstag mittag einlaufenden Berliner Schnellzuges zeigten große Bestürzung. In einem Abteil zweiter Klasse, das nur von ihm allem besetzt war, hatte sich der von Berlin kommende Königl. Kammersänger Hans Buss-Meßen den Tod gegeben. Der berühmte Sänger hatte sich fast unmittelbar vor Ankunft des Zuges auf dem Dresdener Hauptbahnhofe eine Revolverkugel in den Kopf geschossen; der Schuß hatte den sofortigen Tod des Sängers herbeigesührt. Die in den benachbarten Abteilen mit- fahrenden Passagiere hatten von dem Knall nichts vernommen, erst als Dresden in Sicht kam und die Reisenden sich zum Aussteigen vorbereiteten, fand man den Sänger aus dem Polster hingestreckt, Neben ihm lag der Revolver. Man benachrichtigte das Zugpersonal, und als der Zug in Dresden ein lief, verständigte die Bahnhofsinspektion die Polizei, auf deren Veranlassung die Staatsanwaltschaft erschien. Diese nahm an Ort und Stelle den Tatbestand auf. Ueber die Beweggründe verlautet nichts bestimmtes, doch wird versichert, dan pekuniäre Sorgen nicht die Veranlassung zum Selbstmorde oes Sängers gewesen seien. Man nimmt vielmehr an, daß ein vegmnenoes körperliches Leiden Den Künstler veranlaßt hat, sich das Leben zu nehmen. — Mahnruf an Aaulustige. Aus Anregung des land gehe, dann sei auch er bereit, die Flinte auf den Buckel zu nehmen. (Lebhaftes hört, hört.) Noske ist also nicht ein so schwerer. Verbrecher. Er hätte freilich der Mißdeutung seiner Rede mit einer öffentlichen Erklärung entgegentreten sollen. — Neichstagsabg. Ulrich- Offenbach: Ich habe von der Rede Noskes nicht den Eindruck gehabt, den die „Leipz. Bolksztg." gezeigt hat. Ich gestehe es ganz offen, daß es bei derartigen Ausführungen zum größten Teil auf die Art des Vortrages! stnkommt. Der Ton macht die Musik. Die Noskesche Rede war nicht im geringsten zu deuten als eine Aendcrung in unserer Stellung zum Militarismus. Die historische Gelehrsamkeit des Dr. Lenz möchte ich mir nicht zu eigen machen. (Sehr richtig.) Wer sagt ihm denn, daß wir nicht einmalJien Schießprügel gegen Rußland in die Hand nehmen müssen. (Sehr gut.) Alle Achtung vor jedem Doktor (Heiterkeit), aber Lenz hat den Befähigungsnachweis für den Doktor nicht dadurch erbracht, daß er sich in politischen Prophezeiungen übt. (Heiterkeit). Die Art der Politik in d e r „L e i p z. V o l k s z t g." ist nachgerade zum Skandal geworde n. (Beifall und Widerspruch, lärmende Zwischenrufe). Man darf nicht den Worten Begriffe unterlegen, die der Redner nicht im Auge gehabt hat. (Beifall und Lärm, Ulrich wendet sich zu den Lärmenden): Es ist Ihr Recht anders zu denken, ich lasse mir aber mein gutes Recht nicht nehmen. (Beifall und Lärm.) Wenn wir anfangen alles auSzulegen und alles mögliche zu unterstellen, dann sind wir eien fertig. (Beifall und großer Lärm, verschiedene Genossen schlagen mit den Fäusten erregt auf die Tische, Ledebvur stürzt zur Vorstandstribüne und meldet sich erregt zum Wort.). Dic selbsAndige Gewährleistung des vaterländischen Bodens isk iür die Sozialdenwkratie selbstverständlich. Wer anders denke, nmsse mit Schimpf und Schande aus der internationalen Sozialdemokratie ausgeschlossen werden. (Beifall und großer Lärm.) — Ledetv ur: Noske hat nicht als Fraktionsreduer gesprochen, also kann man seine Ausführungen auch nicht der Partei an die Schöße hängen. Gegen den Vorschlag eines Kolonialrats wende ich mich mit aller Ent- schieoenheit. Wie haben mir immer gehöhnt über die bürgerlichen Spritzfahrten nach den Kvlonieen. (Sehr richtig.) Da können wir unmöglich selbst solche einsühren. Wir werden auch ohne diesen Kolonialrat gegen die jetzige schändliche Kolonialpoli- t i k mit Erfolg kämpfen.1 (Lebhafter Veisall.) Reichstags.wg. Stadthagen »leigt auf die Rednertribüne. Der Saal beginnt sich zu leeren. Er wendet sich gegen die Einschränkung der freien Kritik, von u>elcher Seile sie auch komme. — Neichstagsabg. No s ke-Chemnitz verteidigt sich iwchmals gegen die gegen ihn gerichteten Angriffe. — Dr. Karl Liebknecht: Noske hat gerechten Anlaß zur Klage gegeben. Im Parlament muß jedes Wort auf die Wage gelegt werden. Der Grundton der ^Noske'schen Rede war di.e starke Betonung der Notwendigkeit einer starken Rüstung. Wollen wir denn nicht den Soldaten den K a s e r n e n d i e n st verekeln? Gibt es einen Sozialdemokraten, der daS nicht tut? Darauf stützt sich ja unsere ganze antimilitaristische Agitation. Es fragt sich nur, wie daS am besten geschehen kann. Wo fangen mir aber sonst unsere Kämpfe gegen den Militarismus an, wenn nicht bei der Untergrabung derDisziplin- ReichstagSabg. Dr. David-Mainz: Warum hat die Fraktion, die jede Woche zusaimnentr^lt, an Kioske keine Ktitik geübt? Warum richtet man den Swß nur gegen Noske und nicht gegen Bebel? Warum hat Liebknecht sich das gesck-enkt? Warum fordern wir ein Vollsheer, doch nicht uni daS Land wehrlos zu machen? Noske sprach nur von frivolen Angriffen und selbst Bebel hat erllärt, daß er noch den Schießprügel auf den Rücken nehmen loürde, nicht nur gegen Rußland. Darum sollte man mit 9doske nicht so scharf ins Gericht gehen. Darauf wurde die Diskussion geschlossen. legt. Diese 98 Entwürfe sind sowohl hinsichtlich des gefälligen Baustils als auch ihrer Einfachheit und Billig reit wegen zur Ausführung sehr geeignet. Alle Baulustige und Bauunternehmer des Kreises läßt die 5treisverwaltmigl bitten, diese Entwürfe durchzusehen und nach Möglichreü praktisch zu verwerten. Möchte dieser Mahnruf nicht nur im reizend gelegenen Biedenkopf und dem ganzen wälder- reichen Hinterlande, sondern auch bei uns zu Lande Beachtung finden und die plan- und gedankenlose Errichtung häßlicher Bauten verhindern! — Für den Bau von Wohnhäusern in den Gemeinden des märkischen Kreises Niedet- barnim wird soeben ein Wettbewerb ausgeschrieben, der vier Gruppen umfaßt: 1. Toppelwohiihaus. 2. Einseitig angeb-autes Wohnhaus. 3. Freistehendes Wohnhaus. 4. Zwei Fronthäuser im Gebiete der geschlossenen Bauweise. CS sind im ganzen neun Preise von insgesamt 6400 Mark ausgesetzt. — Heirats-Weisheiten der Stubaital Leute. In einem Feuilleton der „N. Fr. Pr." verösseubi licht llniversütätsprvjtffor Minor Häuser- und <üraufjci'rij- ten, die er in Fulpmes und Umgebung im Sutbaitale ist Tirol fand. Auf einem Hause steht zu lesen cm Mann heiratet, so muß er haben: 1. ei ftreitf er viel durch die Finger felgen kann; 2. einen g.when Hu-s, damit er viel schlucken kann; 3. eine feste Leber, weil viel darüber kriecht; 4. ejn, steinhartes Herz, damit er dw Stich uU gspürt." gestalten. Beim Militär haben iuii d . lingk der herrschenden Klassen und die „Gemeinen", wie man sie schnöderweise nennt, als gehorsame l Unterdrückung des Volkes im Falle der Eöesahr. Wir brauchen uns aber keine Mühe zu geben, die Disziplin dieser „Gemeinen" gegenüber d,en Söldlingen der bürgerlichen Gesellschaft, den Ossizieren, zu lockern. Das besorgen unsere Gegner schon selbst. (Beifall.) Dr. Karl Liebknecht (mit Unruhe empsuugen): Tie Wehrkraft ist von unserem Standpunkt aus etwas anderes als vom Standpunkt des jetzigen.Militarismus. Mir bekämpfen den Kasernendrill, vom Reoolutioiiiereu in teil Kasernen habe ich nichts gesagt, es handelt sich darum, die Soldaten unbrauchbar zu machen als ioillige Elemente des Kapitalismus ihr Leben einzusetzen. (Beifall.) — Gmo ll- Essen wendet sich gegen die Kanonensirma Krupp und ihre Pensionskassen. Inzwischen war Bebel erschienen und nahm alsbald das Wort: Die ganze Fraltiou unterstehe in ihrer Tätigkeit der Kritik ihrer Parteigenossen und keiner entziehe sich dieser Kritik. Die Rede Noskes ist in der Fraktion in keiner Weise kritisiert worden (lebhaftes hört! hört!). Eine ganze Reihe von Ausführungen Noskes sind von uns zustimmend ausgenommen worden, wenn ich auch nicht jedes Wort unterschreibe. Noskes Rede war nicht gerade welt- bedeutend, aber jedenfalls war sie als Jungfernrede ganz gut. Man kann nicht immer nur gute Reden halten, man wiederholt sich auch einmal. Die heutige Rede der Genossin Zetkin war z. B. auch nicht befonders (große Heiterkeit). Was aber unser Vaterland anlangt, jo wollen wir es zu einem Lande machen, wie es sonst nirgends in der Welt da ist. Die Frage, wie wir uns im Kriege verhalten, muß von Fall zu Falt gelöst werden. Mein Ausspruch von der Flinte, die ich als alter Kerl noch auf die Schulter nehmen will, bezog sich nur auf Rußland, weil durch das russische Zarenrum der bei uns herrschende Kapitalismus die stärkfte Unterstützung findet. heute hier über den inneren Feind gesagt worden ist, das habe ich schon hundertmal gesagt, es ist nicht mein Geschmack, mich immer zu wiederholen. (Vereinzelter Beifall.) In der weiteren Debatte führt v. Vollmar aus: Die Noskesche Rede war in allen wesentlichen Teilen vollkommen korrekt. Nahezu bei jedem Satz heißt es im stenographischen Bericht: „Beifall bei bep Sozialdemokraten". (Lebhaftes hört! hört!) Wir haben immer den Unterschied hervorgerufen zwischen unserem Patriotismus und dem des Kapitalismus. An dem Kampf mit dem Militarismus müssen wir mit äußerster Vorsicht Herangehen. Wir treiben von jeher Antimilitarismus. Die deutsche Sozialdemolvatie war in dieser Beziehung geradezu vorbildlich. Wir wollen die uns zugängliche Jugend bearbeiten, aber nicht mit Redensarten, sondern, indem wir ihr Bildung nach jeoer Richtung hin beibringen. Wir müssen das Gefühl der Jugend erwecken, damit sie sich beim Militarismus nicht als Sklaven betrachten, sondern, daß sie auch im Soldatenrock ihre Bürgerrechte ausrechterhalten. (Beifall.) — Reichs- tagsabg. David- Mainz erklärt zunächst, daß die Ausführungen Klara Zetkins durchaus nicht am Platze gewesen wären. Klara Zetkin habe sich wieder einmal verrannt. Die slritik an den Reichstagsreden wolle er schon um deswillen nicht einschränken lassen, damit auch die Rede Stadthaaens kritisiert werden könne. (Gr. Heiterk.) Wenn Liebknecht sagt, man müsse den Soldaten den Militärdienst verekeln, so müsse das aufs schärfste zurückgewiesen werden. Wenn wir das tun wollen, dann dürfen wir nicht! die Soldatenmißhandlungeii bekämpfen, denn durch diefe wird den Soldaten das Leben verekelt. Dann dürfen wir auch nicht eine Erhöhung der Löhne fordern. — Ein Antrag aus Schluß der Debatte wirb aftgelehnt. — Reichs- tagsabg. Ledellour weist nochmals darauf hin, daß Noske die Abstempelung als Musterpatriot durch die bürgerliche Presse sich habe ruhig gefallen lassen. David habe in geradezu unglaublicher Weise die Sachlage entstellt. Es sollte damals in Deutschland Stimmung gemacht werden für einen Krieg mit England. Die angeblichen Einkreisungsideen und Angrifsspläne haben damals die bürgerliche Presse beschäftigt und anderer dummer Schwiuoel mehr. David zeige bereits einen ganz bürge r l i ch e u I d e e n g a n g. (B^if. u. Lachen.) — Kantst h- Berlin: Nicht der Gesichtspunkt, ob es sich um einen Angriffs- oder Verteidigungskrieg handelt, darf für uns maßgebend sein, sondern der, oft irgendwelche proletarische Interessen auf dem Spiele stehen, so sei z. B. ein Krieg um Marokko nicht das Blut eines einzigen Proletariers wert, auch nicht, wem: es sich um einen Angriffskrieg! handele. Aus dem Stuttgarter Kongreß habe es sich gezeigt, daß die deutschen Sozialdemokraten ihren internationalem Pslichteneberll^^iacHkommem General-Anzeiger für Gberheffen Katholikentage herabsinken. (Beifall.) Zwischen unserem Patriotismus uno dem Patriotismus der herrschenden Klassen existiert kein Unterschied des Grades sondern ein Unter- lchied des Wesens. (Die Rednerin spricht sich immer mehr in leidenschaftliche Erregung hinein, wild schlägt sie mit der Faust auf das Pult, während ihre Stimme jortwährend riberschnappt. Zahlreiche Genossen, und vor allem die weiblichen, jubeln ihr nach jedem Satze Beifall.) Wir müssen ihn von innen heraus bekämpfen; wir müssen dafür sorgen, daß unsere Jugend erst in die Kasernen kommt, nachdem ihre Köpfe bereits eine sozialdemokratische Erziehung genossen haben. Wir müssen die Jugend sozialdemokratisch erziehen, damit sie schon, wenn sie ins Heer kommt, zur Partei gehört. Dann ist auch das Heer unser. (Lebhafter Beifall.) — ReichstagSabg. Stadthag en: Wir wollen nicht den Soldaten den Militärdienst vereteln, dem ihnen den Dienst angenehm und menschenwürdiger tuar. Den Schlüssel hallen bie beiben abgezogen unb mitgenommen, ebenso eine Axt, bie sie, ba sie ihnen jebenfalls zu schwer würbe, vor ber Tür in ein Wasser- faß versenkten. Die Täter sollen sich nach Lauterbach zu entfernt haben. Ans StaM und Lantz. Gießen, 19. Sept. 1907. ** Erledigte Lehrerstellen: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an ber Gerneinde- schllle zu Klein-Welzheim; bie mit einem evang. Lehrer zu besetzenbe Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu W a l l e r n h a u s e n. ,** Zum Vorsitzenden beZ Verbandes ber oberhessischen Geflügelzuchtvereine würbe in einer kürzlich hier abgehaltenen Sitzung Herr Sö b l e r - Meber- Gemünben und als dessen Stellvertreter Herr Holler- Lauterbach gewählt. bemofratcn. Zuerst ftno wir Proletarier, und dann Deutsche (Beifall). ** In Amerika beworbene Hessen. John Kemmer aus Alsfelb, 75 Jahre alt, zu Warsow, Jll. — Frau Anna Elisabeth Treiber aus Walb-Michelbach 80 Jahre alt, zu Chillieotha, O. — John Paul aus Essel- I born, 81 Jahre alt, zu Bicknell, Jnb. — Georg I. R e u t e r 'aus Laubenheim, 77 Jahre alt, zu Pittsfielb, Mass. — Johs. Reitz aus Messel, 69 Jahre alt, zu Pertone, Jll (A.) Altenburg, 17. Sept. Bei einem hiesigen Stellmacher trafen gestern in bessen Abwesenheit zwei Handwerksburschen ein unb ersuchten bessen Gesellen um eine Unterstützung. Der Geselle ging ins Haus um Gelb zu holen, wührenb ber Zeit begaben sich bie beiben in bie Werkstätte, nahmen verschiebenes Handwerkszeug an sich unb verschwanben. Heute früh entbeckten bie Vorauf würben bie Verhandlungen aus Mittwoch UvilU Ul. R. B. Darmstadt, 18. Sept. Eine seltene Auszeichnung ist dem langjährigen Mitglied unserer Hofbühne, Hof- schauspreler und Regisseur Georg Hacker, zu teil geworben; ihm würbe vom Kaiser von Rußland bas R i t t e r- kreuz bes Stanislaus-Orbens verliehen. Herr Hacker gehört bem Verband bes Hoftheaters seit bem Herbst bes Jahres 1880 an. (fc.) Frankfurt a. M., 18. Sept. Im Iahre 1894 ^^rbe in Berlin in ber Borsigstraße bie Prostituierte Anna Winkler in ihrer Wohnung erwürgt aufgefunden. Als mutmaßlicher Mörber würbe bamals ber Aussetzer bei ber hiesigen stäbtischen Straßenreinigung Friebr. Aug. Gebauer in Hast genommen. Gebauer hielt sich zur Zeit bes Morbes in Berlin auf, um seine Frau, die ihm durchgebrannt war, zu suchen, und war in bem Hause, in bem bie Winkler wohnte, gesehen worben. Erwürbe nach kurzer Zeit „wegen erwiesener Unschuld" wieder freigelassen. Heute erschien er nun auf ber hiesigen Kriminalpolizei unb bezichtigte sich, doch ber Mörder Zu sein; er wolle enblich Ruhe haben unb bie Tat sühnen. Man nahm ihn vorläufig in Haft. Gr hatte ein Vermögen von 150 000 Mark, bas ihm seine Frau, eine ehemalige Kellnerin, burchbringen half. Dann trennte sie sich von rhm. Zuletzt war Gebauer hier als Ausläufer beschäftigt. — Der hier unter bem Berbacht, am Lanbesverrat des Schriftstellers Schiawara beteiligt gewesen zu fein, festgenommene Reservist vom 3. (branbenb.) Fußartillerie- regunent würbe vorläufig wieber auf freien Fuß gesetzt, weil bie Verbachtsgrünbe eine weitere Untersuchungshaft vorläufig nicht rechtfertigen. . < Gericht schildert Mnnbie Lage der Diaspvragcmcinden Lra s ■ Helgen Zandern „Ter französische Protestantismusl schien, I als bi e ^rcnnungslgesetze kamen, der Hilfe der Glaubens- ! oenoslen aus ganz Europa zu bedürfen, und wir Deutschen^ hätten SSS^t. Uber cs ist anders gekommen. Er hat sich niann- hast erhoben und erk.art, seine eigentlichen kirchlichen Bedürfnisse eigener Kraft tragen ,zu wollen. Nur hier und da in der wiaspora dürfen wir cinsetzen, aber diese ist in Tonkin oder ^;9^r' - /o viele Leute in der Fremdenlegion dienen, auch ^n Italien ist die chiesa evangclica in die epiöcopal Methodist church übcrgegangen und damit der Pflege des Veanns entnommen. In Rußland hatten vornehmlich die baltiichen Gemeinden infolge ber letzten Unruhen Unterstützung die brasilianischen Verhältnisse zu ftudieren, ist der Generalsekretär des Vereins, Pastor Braunschweig, zurzeit dort Der äußere Bestand des Vereins hat wieder zugenommen "Ä 9%air P J^glaiiit 38, so daß die Zahl der Zweigvereine letzt 2021, die der rauen vereine Go6 beträgt. Außerdem bestehen brei stuoentifche Guftav Adolf-Vereine in Heidelberg, Königsberg unb ^trafeberg l E. Die Einnahmen der Zentrallässe an Beiträgen der Vereine betrugen 696 258,08 Mk., gegen 665 662,37 Mk im Vor/cchre, die Ausgaben 682 789,52 Mk. Der Gesamtbetrag der dem Verein im^'letzten Jahre zugefallenen Legate beläuft 1 ich auf 185 7o7,03 Mk. Das Vermögen der Zentcaltässe betrug Ende v. -x)1. 1850 76a,o3 9Jif. 36 Kirchen bezw. Kapellen wurden im letzten <3ahre emgeweiht, zu mehreren der Grundstein gelegt, -o ^isen- und KvnfirmandenHäuser eingeweiht. r>2 Gemeinden fchieden mit Dank aus der Pflege des Vereins aus. . Anfchlufz an die Delegicrtenversammlung fanden abends in der ^Ltadt- und in der Garnisonkircye die Eröffnunas- Spttesdienste statt. Um 7y3 Uhr abends versammelten sich die Feftteilnehmer im großen Saale des Volkshauses zur Be- g^rußung s Versammlung. tp., August Bebel wendet sich gegen Kautsky, den sein Scharfimn verlassen zu haben scheine. — Daraufhin wurde bie Debatte geschlossen. ^ch einigen persönlichen Bemerkungen nimmt Reichs- 'Lr‘ Ubekum das Schlußwort. Er konstatiert J™ Genugtuung, baß im allgemeinen man an der Tätigkeit der Relchstagsfraktwn wenig auszusetzen oehabt habe. Aus der lgngen Erörterung über beu Fall Noske sei nicht zu entnehmen gewesen, daß in ber grundsätzlichen Stellung! der Reichstagsfraktion in Sachen bes Militarismus iraenb- welche Ausstellungen zu machen seien. Es werde unter- /chü^k, was die Reichstagsfrakrion im Kampfe gegen ben Militarismus getan habe. Die Noskesche Rede tonne nicht eine zehnjährige parlamentarische Arbeit aus ber Meld ichusstn. (Beifall, Zurufe: Das hat auch niemanb behauptet.) stelle fest, baß die Partei mit der Fwaktion zufrieden tst. (Lebhafter Beifall.) Bei der Abstimmung wurde der Antrag, der die Fraktion verpflichtet, bei der Auswahl von Rednern nur solche zu bestimmen, die entschieden gegen ben Militarismus Stellung nehmen, mit großer Mehrheit ab gelehnt. Die anberen Anträge wegen reichsgesetzlicher Regelung ber SergarbeitcrJ ?^haltni>se,. Anschaffung gleicher Wahlurnen, Abschaffung der Buhnenfchiedsgerichte usw. wurden dem Borftaube als Material überwiesen. ferner würbe noch ein Antrag zur Erwägung bem Vor- slkÄ- ubertoteieit der gesetzliche Bestimmungen für die Wohlfahrts- unb Pensionstasjen verlangt, wodurch der Anspruch der Mitglieder gesetzlich festgelegt und das Recht der weiteren Versicherung beim Ausscheiden der Arbeiter aus bem Betriebe verliehen werden soll usw. Der Antrag richtet sich gegen bie bei ben Kruppschen Werken eingerichteten Wohlfahrts- unb Pensionskassen. . Daraus berichtete Neichstagsabg. Singer über ben internationalen Kongreß in Stuttgart. Er führte aus, ber Kongreß sei eine kraftvolle und achtvolle Kundgebung ber Sozialdemokratie aller Länber gewesen.! < 4)^etar^at sich vor, im gegebenen Moment alle tel anzuwenben, um seine Forderungen burchzusetzen. Die deutsche Sozialdemokratie freue sich, baß der erste internationale Kongreß aus beutschem Boden so gnt verlaufen fei. Daran ändere auch der Zwischenfall Quelch nichts. Die Regrerung habe nur gegen ihren Willen wieder einmal dre Sozmlüemokratie gefordert. Die deutsche Sozialdemo- kratie )ei so revolutionär wie bisher. Sie werde Schulter an Schulter mit ben ausländischen Bruderparteien kämpfen.! Erst müssen die Köpfe und Herzen revolutioniert werden dann werbe man auch die Hände habetr. (Lebhafter Beifall.) Smger bittet, sich mit ben Beschlüssen bes Internationalen Kongresses euwerftauben zu erklären. — Neichstagsabg Ledebour erklärt, baß sämtliche Zwangsmittel gegenüber fremben Volkern unter keinen Umsränben geduldet werden ^5^n, denn sie schlügen den sozialistischen Grundsätzen ins Gesicht. — Ottilie Bader betont, baß auch die ?^^nationale Frauenkonferenz wichtige Arbeiten geleistet habe, über bie man nicht mit Stillschweigen hiu- weggehen burfe. (Widerspruch.) — Wa gne r-Wilhelms- haven: Die Kvlonialsrage steht im engsten Zusammenhänge mit der Flottenfrage. Wir im Ktiegshafen Wilhelmshaven, ber nur der Flottenpolitik seine C-ntstehung verdankt sind in etwas anderer Lage als die Genossen im Jwlande' ^rotzdem haben wir mit ber Verwerfung ber Kolomal- halUik gute Erfolge gehabt. Wir verwerfen bie Kolonial- halrtik grunbsatzlrch, unb die Arbeiter sehen die Notwenbig- teit ein. u , Mannheim, 16. Sept. Auf Veranlassung des Zentralverbandes deutscher Arbeitgeber in den Transport-, Fuhrwerks- und ähnlichen Gewerben fand gestern eine Versammlung statt, die von 79 Delegierten aus 21 südwest- deutschcn Städten besucht war. Nach einem Referat des Generalsekretärs Wolff wurde die Gründung eines süöwest- deutjchen llnrerverbandes einstimrnig gutgeheisten Der Verband führt den Titel „Südwestdeutscher Arbeitgeberverband der Transport-, Handels- und -Berkehrsgewerbe" "ud hat seinen Sitz in 5zeidelberg. 59 bedeutende Firmen m. 20 Städten haben ihren Beitritt erklärt.. Eingesandt. (uür Form und Inhalt üller uitiei uicicc Rubrik ftebenben 9Trfifpr ubermmmt die Redaktion dem Publikum gegmllt« k-iÄ Verantwortung.) Zur Köhlerscheu Reform des Schulwesens. Woche ohne Antrag Köhler! Diesmal hat sich der Oielgefüjafiige unb ersindungsreiche Abgeordnete wieder einmal dem Schulwesen zugcwandt. Er will, wie er selbst sagt eche ,Frage vor der breitesteir Oesrentlichkeit aufrollen/Vor- n^^bNvetze hat er sein jüngstes Geisteskind mit der Marke ,/Uicht fertige Sache in die Welt hinausgesandt. Sein Antrag ^^r_ eine unfertige Skizze unb enthält grobe Indern ist auch in einem Grundgedanken vollkommen VLI. I uL/ll. I Neue D-Z üge Frankfurt-Berlin. Vorn 1. Oktober ab wirb em neues D-Zugspaar zwischen Berlin | unb Frankfurt a. M. eingerichtet. Es finb bies ber Schnell- gug, ber morgens 5.57 vom Schlesischen Bahnhof, 8.13 vom Bahnhof Friebrichstraße über bie sog. Kanonenbahn, Sangerhausen unb Kassel nach Frankfurt geführt wirb, unb sein Gegenzug, ber auf bemselben Wege abenbs 10.43 auf Bahnhof Friebrichstraße eintrifft. Der Zug ist in Frankfurt a. M., abenbs 7.05 unb geht von dort 12.08 mittags Zurück. Er ist mit burchlaufenben Wagen aller brei Klassen zwischen Berlin unb Metz unb zwischen Berlin unb Luxemburg ausgestattet unb führt einen Speisewagen zwischen Berlin unb Trier. Herr Abgeordneter Köhler-Langsdorf schreibt uns in Bezug auf den gestrigen Artikel bes Herrn Dr. Strecker „Wohin gehört bas geplante 4. persische Lehrerseminar. „ , Ich kann wirklich Herrn Dr. Strecker nicht recht Der. stehen, ^ch habe doch, über allen Zweifel erhaben, aus- . geführt, baß ich die Forderung stellen „nachfolgendes Studium der Pädagogik". Wenn ich in der Se. ■ grundung zu meinem Antrag sagte, daß ich mich in keiner Weije sestlegen wolle, so meinte ich damit doch nur, daß lch nicht in eigenwillig, hartnäckiger Weise auf irgend etwas ! beitehen wolle, was mir Fachkreise nachher als irrig oder uuzlveckrnäßig in meinem Antrag unb in seiner Begrünbung n°chwersen tonnten. Diese Bescheidenheit wird nur ton ' Herrn Dr. Strecker schlecht gelöhnt, indem er Zweifel zu hegen scheint in Bezug- meines Beharrens auf dem System — ! Damit nun auch diese Zweifel schwinden möchten, will'ich : hiermit erklären ohne Vorbehalt, daß mir breierle i erscheint: 1. Meine Forderung, daß ' bet Lehrerbildung eine einheitliche Grundlage zu geben sei die, modifizierte Realschule, 2. meine Forderung ; daß diese mit dem Studium der Pädagogik (auf der 1 LandesuniDeriltats abzuschließen hätte und 3. meine Forde- ' rung, daß die erste nach dieser Idee einzurichtende Real- Ichnle zu Ltch, also auf dem Lande, zu errichten sei. Ich gehe also, soweit es bie Lehrerausbilbung als solche angeht ganz einig mit Herrn Dr. Strecker; ein anderes i ift es wohin der Sch ber ersten Reformschule zu verlegen sei. Doch^baruber, glaube ich mit Herrn Dr. Strecker in tne\nem toinne auch noch einig zu werben. Herrn ^/^bcker unb allen benfenigen aber, bie der neuen c jre huldigen, wäre bringend zu empsehlen, b i e P l a tz - frage letzt und auch später nicht zu berühren, benn es tonnte der Reform, bie wir b o ch alle wünschen Längen Schaben bringen. Uebrigens ist es zurzeit höchst notig, alle- barau zu setzen, unb erst einmal m i t ?-iarp?insten bie ^oform an sich zu förbern, rnsbesoubere auch die Regierung^ für bie Sacye zu gewinnen Dann können wtr ja noch immer unb in nebensächlichen 6 e n untereinanber in altgewohnt bculsch-grünblicher Weise genügend Froschmäusekrieg führen. 69. Haupt-Versammlung des Evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung. i. O. B. Ie n a, 17. Sept. Die freundliche Uiiiversitätsstabt hat zu Ehren ber Vereinigunq ein reiches Festkleid angelegt. Von ben Türmen herab und last an lebem Burgerhause gruyen Fahnen in ben Farben bes Reiches bes Grotzherzoglums unb der Stadt. J * 1 * * * s Was der Gustav Adolf-Verein, ber bemnächst fein 75. Lebensjahr vollenbet, geleistei hat, zeigt ein Blick in ben vom Superintendenten O.vr. Hartung-Leipzig vorgelegtm Geschästs- t1QQ9 442 wck. sind seit ber Begrünbung bes Vereins Unterstützung hmausgegangen für Kirchen- usiv. Bauten, für schul- und Pfarrhau er, für Psarr- und Lehrergehälter, ur Semmarien, Goltesbienst, Pastoration, Konfirmanden-, Waisen- und Tiakonißen'Anstalten, Wiliventafsen, Friedhöfe u. a m Tns- ge,amt wurden 1906 unterstützt, 2>76 Gemeinden, davon neu' 99 mit l 694 629,86 Alk., wovon 316191,02 Mk. aus bei- Zenttalkasse Der Geschäftsbericht gedenkt ber Paul Gerharbt - Feiern bes verfloßenen Jahres bie den zerstreuten Gemeinden zum Bewußtsein gebracht hatten, welchell Reichtum gemeinsamen Schatzes wir in P. Gerhardt, m unserem Lürchenliede haben. Mit stets wachsender Kraft habe der Gustav Adolf-Verein hü? ^^lgabe erfüllt. Einzelne Länder, wie ^ld^nbarg, Wachsen-Weimar und Waldeck konnteir üifolge- deisen aus dem LrebeÄverk des Greins entlassen werden. Auch "ud ui Bayern ist es besser geworden. Vcrhältnismäßia recht gering ist der Wechsel der unterstützten Gemeinden in Oester- relch-Ungarn gewesen. 1 11 Saft alle Gebiete, in denen der G. A.-V. arbeitet, haben cm der vermehrten Unternützung leilgenommen, in Deutschland aiJ3ci'lte Westen, denn Lothringen ist innerhalb ber utzten Jahrzehnte erst geworden für den Verein, >vas es Ml w, und oer Osten, in denü die nationalen und die konfessionellen bwnit ue?881 08eÄn sind W-slprcuß-n z. B. hat im AA Mtnrs zu 1O81-82 das zehnfache erhalten. In Oesterreich bat Böhmen, und Steiermark den meisten Anteil, S ? B rn Schlesien wenig neues entstanden ist. Keinesfalls könne mmi sagen, daß der Auyoanb tüt das Ausland unverhättn sE-i hugenommen habe. ’ lllUßl9 Tie Verwendungen des Vereins betrugen 1881-82 775 94c -A pr°rl und 19OGX)7 1024 029,8G Mk. Unser Volk, so heißt s mdem Bericht weiter, iilj in den letzten Jahrzehnten reicher geworden, über es ist auch evangelisch bewußter geworden. Wie das Mädchen aus ber Fremde hat Herr Köbler in stand" —Begründung Gaben ausgeteilt: Dem Lehrer- ' ■ 0 cm freilich in unannehmbarer Forni — die Eriüllvna Sladt Lich eine neue Lehrerbildungsanstalt unb unserem Schulministerium, das er offenbar für berfnnrfiprf ■ und altersschwach hälü eine Rüge. Einleüend weist der L daraus hin, daß in der Lehrerbildungsfrage schon seit Jahrzehnten bei uns etwa 2, denn unser vor 35 Rubren o?sanisiertes Schulwesen erfreute sich lange des besten Rufes — ^,,.^uderung erstrebt werde. Diese Wünsche sind richtig an- A?deutet. Aber Herr K. hat in etwas eigentümlicher Weise einen zwischen unserem Schulministerium und dem hessischen ^ehrerstand gezeichnet. Hierüber wird ihm unsere Schulabteilnng ^a9en- Jeder Lehrer weiß, daß unsere Schul- behorde sich schon lange den Kopf darüber zerbricht, in welcher \ ^^^^d^dungswesen aus- oder umzugestalten sei ^drplänen ber Lehrerseminarien mancherlei ^±Un9en vorgenommen worden sind, um die Lehrerbildung Ln Modernen Anforderungen besser entsprechen zu lassen. Aus den Worten dev Herrn K. klingt aber der Vorwurf heraus daß man m unserem Schulminifterium einfach fortwurstele Aller- oings tragen die Herren Minister und ihre Räte die volle Ver- io ^stürmisch Ausgang einer Reform und können nicht so stürmisch drauf losgehen wie „parlamentarische Redner die keinerlei Veranttvortlichkeit für. ihre Reden und Tun besitzens Ivie Bismark sich emmal — freilich etwas scharf ausdrückte Hat öwei Lager vorausgesetzt, so ist es ihm durch'seinen S“? gelungen, em drittes zu bilden, denn was er vor- chlagt, wollen beide Telle gewiß nicht. Herr K. hat die G r u n d - l ag e ber Wunsche im Lehrerstanbe völlig verkannt Die Lehrer wollen die Fachausbildung nur als Krone einer all- Abwemen Ausbildung und wünschen, daß erstere eintrete, luenn Oie ledere g cm e i n i am mit anderen auf einer möglichst breiten Basiv gewahrt werde, nicht aber eine Lehrer- zuchtung durch frühes Hineinpressen inden Leb- .doch das Wesen der Vorschläge des Ljj" E d h.l e r i ft. Denn ganz im Gegensatz z u den Lehrer n w i l l H e r r K. schon die neunjährigen I u n - hnU1 Le hr erber uf h i n e i np r e s s e n. Das bangt n°irL u^ü5J,ar mtt dom, Vorschlag zusammen, die Lehrerschüler sin ^er MCuene^^uI% ^WN Unterricht genießen, während )ie anderen zahlen. Kaum glaublich! In unseren höheren Schulen orgt man, um das Zartgefühl ber Stipendiaten zu schonen, dafür, daß die übrigen Schüler nicht erfahren, wer ein Stipen- -vZU Herrn Köhlers Reformwerk würden die Lehrer- schuler Schuler zweiter Klasse neben den zahlenden sein. Wahrlich, r m e n ) cb u 11 a u f b a b n wollen unsere Lehrer für den .lachwuch^ lhres Standes nicht. Will man etwa Zustände wie in Frantreich schassen: Freie Kost und freies Logis für die Seminaristen und eine erbärmliche Bezahlung der Lehrer, von )enen einer in jeher Gemeinde noch das Amt eines Gemeinde- schreiberS als Knochen zum Abnagen erhält? Denkt Herr K. beim Vorschlag eines Reverses der Lehrer- aiuler nicht an die oftmalige Schwierigkeit bei etwaiger Rüct- gablung ber Schulgelder für die 8 Jahre? Und neunjährige Kuaben sollen einen .Revers mi ter schreiben oder für sich unter» Bebel erklärt: Ich konnte den Kolonialdebatten auf bem Internationalen Kongreß nicht beiwohnen. Mein Seiten so viel genannt worden, ?ter &ra0c' oL) eine sozialdemokra- tifc9e Kownialpolitik gibt, Hütte gar nicht in die Debatte ae- ^gen werden sollen, weil sie ein Streit um des Kaisers Bart ist. (Sehr^ richtig.) Was in der Zukunft einmal kommen wird, weiß ich Nicht. Es ist das. em Streit, der nicht die! Zerr und das Papier lvert ist, die man darauf vervi-pnd^i ikyx < c ~ ° ■■■■ ।----/ wVv Ledebour fyit einmal gesagt, Bebel sei kein Papst »um Bewohner des Hauses, daß die Werkstätte verschlossen Eck haben wir keinen Papst in der Partei. Und wenn 5)6,1 @r6ra,M “6 * *.....- --*■ man mich dazu wählen sollte, würde ich mich entschieden weigern. (Heiterkeit.) Wenn jemals eine Dornenkrone ae- tragen worden ist so würde der Papst in der Sozialderno- kratie die jchwerste zu tragen haben. Nach unserem Programm haben wir nur die Ausgabe, das Los der Unter- BeiM) Unb Zertretenen nach Möglichkeit zn bessern. (Lebh. (w.) Wetzlar, 18. Sept. Nach den Herbstferien wird Seminarlehrer Gern einen sechstägigen Spielkursus für Lehrer des Kreises Wetzlar abhalten. — Um der schulentlassenen männlichen Jugend eine gute Unterhaltung besonders an den Sonntagen zu bieten, ist den Dorfgemein- ! ben unseres Kreises die Einführung von Jugendspielen - empfohlen worden. Der Kreisausschuß gibt nötigenfalls Mittel zur Beschaffung der Spielgerätschaften. Hörnsheim hat zuerst im Kreise einen Spielplatz für die schulentlassene Jugend geschaffen. () Marburg, 18. Sept. In der heute abgehaltenen Srtzung der Stadtverordneten kam auch die Frage des Umbaues unseres Rathauses, selbstredend unter - Wahrung des altertümlichen Charakters des Baudenkmal^ zur Sprache. Zur Ausarbeitung des Projekts wurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt und 1500 Mk. für die Vorarbeiten b ewilligt. Bezüglich der Frage der Umwand- , Ung der Pferdebahn in eine elektrische Bahn soll zu- ; nächst die Ansicht des Regierungspräsidenten gehört werden. , Vom vierten Lehrer-Seminar. schreiben lassen, der sie fürs Leben fast völlig bindet! Ein unglaublicher Gedanke! ' Nun zu der finanziellen Seite des Antrags. Die Aus- hilduua in einer selchen Anstalt müßte viel teuerer kommen als jetzt, da die Schüler fast sämtlich vom neunten Jahre ab , in Lich in Pension sein müssten. Der fakultative Musikunterricht und die vorgeschlagene Mehrbelastung im Deutschen wurden sicher »ine Ucberbürdung Hervorrufen und ersterer Unterricht, würde aiegen der vielen Stufen schultechnisch große Schwierigkeiten bereiten. Wie wenig durchdacht der Plan des Herrn Köhler ist, mögen folgende Bemerkungen zeigen. Herr K. weiß nicht einmal, daß die Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung seit Jahren 1 Jahr früher gegeben wird, als er angibt, d. h. am Ende der Unter- Sekunda. Der Lehrvlan für mtferc Ober-Realschulen enthält schon lange für den deutschen Unterricht die Forderung: Lektüre auch aus der klassischen Literatur und Proben von neueren Dichtern. Rur fällt dies in die Prima. Wie Herr Köhler glauben kann, man könne bis zu dem von ihm bezeichneten Zeitpunkte (Qimbe der Ober-Sekunda) die neuzeitliche deutsche Literatur stark heranziehen, das begreife, wer's kann. Herr K. rechnet überdies von Sexta bis Ober-Sekunda acht Jahre, es sind aber nur sieben. Welche Oberflächlichkeit! Herr Köhler meint, mit Abschluß der Ober-Sekunda — eigentlich denkt er tatsächlich an Unter-Sekunda — könnten die jungen Leute an der Universität Pädagogik studieren. Da mußten wohl besondere Kurse mit elementarer Vortragsweise an der Universität eingerichtet werden. Und wie sollen die angehenden Lehrer für die praktische Lehrtätigkeit vorgebildet werden? An diese Frage hat der Herr Reformer gar nicht gedacht. Wahrlich, so oberflächlich hätte ich mir die parlamentarische Arbeit nicht gedacht! , Der heutige Lehrerstand will in seiner Mehrheit eine breitere Grundlage für die spätere Fachausbildung, etwa volle Ober- Realschulbildung mit nachher erfolgender, Fachbildung an der Universität, oder Aufbau der Lehrerseminarien auf die Ober- Sekunda einer solchen Schule. In welcher Weise die Fachbildung zu gewähren wäre, und in welcher Zeit, darüber herrschen ebenfalls noch Meinungsverschiedenheiten. Heute ist fast in jedem Städtchen eine leicht erreichbare Höhere Bürgerschule oder Realschule, fast in jeder Stadt eine ansgebaute neunklassige höhere Schule. Daher sind diese namentlich mit Hilfe unserer Bahnen viel leichter zu erreichen als unsere Präparandenschulen und die vorgeschlagcne Lehrerschule in Lich. Ihr Besuch ist somit viel billiger als das, was Herr K. will. Eine Lehrerbildungsreform auf deren Grundlage hat Verfasser dieser Zeilen schon vor 15 Jahren befürwortet und verteidigt. Lehrermangel braucht hiermit nicht notwendig verbunden zu sein. Ausreichende Besoldung wird diesen Ucbelstand beseitigen, bezw. ihn nicht auskommen lassen wie bei anderen Berufen auch. Unsere Lehrer wollen besoldet sein wie andere Beamte, mit denen sie etwa gleiche Bildung haben. Auf diesem Wege sind wir in unserem Hessenlande seit 1874 namentlich in letzter Zeit tüchtig vorwärts geschritten. Nur Kleinmütigkeit kann an der Erreichung des obigen Zieles verzagen. Der Unterschied war früher riesengroß, und die Finanzen des Staates müssen stets berücksichtigt werden. Nur schrittweise ist das gesteckte Ziel zu erreichen. Es muß und wird erreicht werden. Die Lehrerbildungsfrage ist nicht nur eine schultechnische und kulturelle, sondern auch eine finanzielle Frage. Je näher das von den Lehrern erstrebte Ziel herangerückt ist, umso mehr wird auch unsere Schulbehörde einen etwas kräftigeren Schritt in unserem Lehrerbildungswesen wagen können, ohne befürchten zu müssen, daß es an der nötigen Zahl von jüngeren Lehrkräften fehlen werde; denn die Stellung an sich würde die Jugend dann anziehen, nicht aber Einrichtungen, die wegen ihrer angeblichen Billigkeit als Lehrerzüchtungsanstalten angesehen werden müßten. Ich kenne die Pläne unserer Schulabteilung nicht, weiß aber, daß man dort keine solche Anregungen, wie sie der Antrag des Herrn Köhler ist, braucht. In letzter Zeit hat man Kurse eingerichtet, um Abiturienten neunklassiger Schulen in je einem Jahre theoretisch und praktisch in der Pädagogik vorzubereiten. Diese Einrichtung ist zunächst wohl technischen Forderungen entsprungen. Vielleicht sammelt man aber zugleich dabei Erfahrungen für eine künftige Reform des Lehrerbildungswesens. Solche Dinge gestatten keine Ueberstürzung, sondern genaue Berücksichtigung der verschiedenen oben angedenteten Seiten dieser wichtigen Frage. Gewiß kann, auch die Mitarbeit von Nichtschulmännern bei der Lösung dieser Frage von Nutzen sein, und Behörden und Lehrer werden eine einsichtsvolle Mitarbeit willkommen heißen. Für sochle Kuren, wie sie Herr Köhler unter völliger Verkennung der Verhältnisse vorschlägt, wird man sich aber im Lehrerstand bestens bedanken. Ein Schulmann. Vermiete», * Brände. In Toulon wurde durch eine Feuersbrunst, welche in einem Lagerhaus durch Selbstentzündung von Baumwolle entstanden ist, das monumentale Treppenhaus des nebenan gelegenen Hauptmagazins des Arsenales zerstört. Der Schaden ist erheblich. — In Madrid zerstörte ein Feuer 14 Häuser und ein großes Holzlager. 20 Personen wurden verwundet, und viele Leute konnten nur mit Mühe das nackte Leben retten. Zahlreiche Familien kampieren obdachlos auf der Straße. — In Hamburg ist die Nachricht eingetrofsen, das; das ganze Lager der Firma Gildemeister in Jquique (Chile) durch Feuersbrunst zerstört wurde. Große Salpetervorräte sind dem Feuer zum Opfer gefallen. — Wie aus Tokio berichtet wird, ist der Dampfer „Dafu-Maru" von der Linie Nissen-Kissen-Kaisha in der Nähe von Chiang- Kiang verbrannt. Es heißt, daß 100 Personen bei dieser Katastrophe umgekommen sein sollen. * Da s neue ft e Eisenbahnunglück. Am 18. Sept, ist ein Personenzug der Halle-Hettstedter Eisenbahn zwischen Volkstüdt und Helmsdorf aus bisher unbekannter Ursache e n t g l e i st. Die Lokomotive und zwei Wagen stürzten die ein Meter hohe Böschung hinab. Die Entgleisung ist nach den bisherigen Feststellungen anscheinend durch einen Schienenbruch herbeigeführt worden. Hierdurch ist zuerst die Maschine entgleist und die Böschung hinuntergefahren; die nachfolgenden beiden Personenwagen haben sich quer auf das Gleise gestellt und sind durch die darauffolgenden Wagen ineinandergeschoben worden, der 3., 4. und 5. Wagen wurde ebenfalls ineinandergedrückt. Zwei Reisende, sowie ein Angestellter der Halle-Hettstedter Eisenbahn haben geringe Verletzungen, die nach Angabe des Arztes von weiteren Folgen nicht begleitet sind, davongetragen. Etwa 30 Minuten nach dem stattgehabten Unfall sind zwei Aerzte bereits zur Stelle gewesen. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend. Vorläufig wird der Verkehr durch Umsteigen aufrechterhalten. Zum Anwaltstage in Mannheim. Herr Rechtsanwalt Grünewald schreibt uns: In Nr. 217 Ihres Blattes ist bezüglich des Anwaltstages in Mannheim berichtet, das; der Unterzeichnete „erregten Widerspruch" gegen die Entlastung des Vorstandes erhoben habe und daß dem Vorstande „mit überwiegender Mehrheit unter lebhaftem Beifall" ein Vertrauensvotum erteilt worden sei. Beide Angaben sind unrichtig. In Wahrheit hat Unterzeichneter lediglich einen Auftrag zahlreicher in einer Vorversammlung vereinigt gewesener Rechtsanwälte aus Berlin, Rhein- und Süddeutschland erfüllt, indem er in ruhiger und sachlicher Form — wie allseitig anerkannt wurde — und unter lebhafter Zustimmung Verwahrung erhob gegen das satzungswidrige Verhalten des Vorstandes in der Frage der Einberufung eines außerordent- lichen Anwaltstages. Der Vorsitzende, der die Redezeit des Unterzeichneten auf 10 Minuten beschränken wollte, ist von der Versammlung ersucht worden, denselben seine Rede beendigen zu lassen. Aber hierauf kommt es im Interesse einer wahrhaftigen Berichterstattung weniger an als auf die Tatsache, daß der Vorsitzende den gestellten Antrag so wenig wie den Antrag Oelenheinz, zu dessen Gunsten Unterzeichneter schließlich zurücktrat, zur Abstimmung stellte, sondern einen Antrag, der zwar die Inkorrektheit des Verhaltens des Vorstandes zum Ausdruck brachte, aber diesem doch das Vertrauen der Versammlung aussprach. Dieser Antrag ist, obwohl der Vorstand ausdrücklich seinen Rücktritt vom Amte für den Fall der Ablehnung erklärt sowie „weitere üble Konsequenzen" in Aussicht gestellt hatte, nicht mit überwiegender Mehrheit sondern wenn überhaupt mit einer solchen, mit ganz geringer angenommen worden. Nach der Gegenprobe zur Abstimmung, die sich als notwendig erwies, war „das Bureau der Ansicht, daß die Mehrheit für den Antrag sei". TeEefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse, 19. Sept., 1.15 Uhr. 3^°/0 Reichsanleihe . . 93.70 3% do. . . 84.00 3%°/0 Konsols .... 93.80 3% do. .... 84.20 3^°/0 Hessen .... 92 25 3%°/0 Oberhessen . . . 92.00 4 % Oesterr. Goldrente 98.00 4^6 % Oesterr. Silberrente 97.90 4% Ungar. Goldrente . . —.— 4% Italien. Rente . . . —.— 3% Portugiesen Serie I 65.90 3% Portugiesen „ III 67 00 4^°/0 russ.Staatsanl. 1905 92 00 4%°/n japan. Staatsanleihe 90.80 4% Conv. Türken von 1903 93.75 Türkenlose 141.40 4% Griech. Monopol-Anl. . 48.75 4% äussere Argentinier ♦ 85 00 3°/0 Mexikaner . . 62.15 4^% Chinesen .... 95.20 Aktien: Bochum Guss 208.00 Buderus E. W. ... 114.00 Elektriz. Lahmeyer . . . 119.00 Elektriz. Schlickert . . . 103 00 Eschweiler Bergwerk . . 213.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 197.00 Hamburg - Amerik. Paket! 128.70 Harpener Bergwerk. . . 199.25 Laurahütte 220.50 Nordd. Lloyd . . . . .111.80 Obeischles. Eisen-Industrie 100.90 Berliner Handelsges. . . 154.20 Darmstädter Bank . . . 126.60 Deutsche Bank .... 226.40 Deutsch-Asiat. Bank . . 139 50 Diskonto-Kommandit. . , 170.30 Dresdner Bank . . . 139.25 Kreditaktien .... 201.00 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn 92.80 Gotthardbahn — Lombard. Eisenbahn . . 3100 Oesterr. Staats bahn . . . 140.75 Prince-Henri-Eisenbahu . 127,00 Tendenz: behauptet. berliner .Börse, 19. Sept. Anfangskurse. Canada E. B 164.00 Darmstädter Bank . . . 126.40 Deutsche Bank .... 226.30 Dortmunder-Union C. . . 64.80 Dresdner Bank .... —.— Tendenz: lustlos. Harpener Bergwerk. « « —.— Laurahütte .... 220.00 Lombarden E. B. ... 31.00 Nordd. Lloyd 111.90 Türkenlose ..... 140.80 . ----------- ------ --------- ----■ j „Henneberg-Seide“ v. Mk. 1.10 ab'. — zollfrei! Muster an Jedermann t Da/10 Nur direkt v. Seidenfabrkt Henneberg, Zürich.