Nr. 63 Erscheint tSgltch außer Sonnlag». Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamttlru- blätter viermal in der Woche beigelegt inu zweimal wöchentlich das «retrblaN für den Kreis Sieben. Fernsprech-An- schlußs.d. Redaktion 113 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießer». Erstes Blatt 187. Jahrgang Freitag 15. März 1907 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Rolatlonrdnick und Verlag der Vrühl'schen Univ.-vuch- und ZteindruSerei. N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. vezu gsp retSr mor. atlich 75 Ps., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zroeiqslellen monatlid) 65 t>f.; durch die Post AU. 3.— viertel» jährl. auSschl. Bestellst. Annahme von rlnzeige» sür öie LageSnununer bis vormittaae 10 Ubr. ZeilenprerS! lokal 1b Pi^ auSwartS 20 Piennig. Verantwort lich tür den polit. und öligem. Deil: P. Witt ko- tüt „Stadl und Vanö' und -Gerrchtssaal'. Ernst Heß'. sür den Anzeigenteil: HanS Beck Ale Heutige Fummer umfaßt 12 Seiten. Aie FUvatveautten vor dem Aeichstage. R. Berlin, 14. März. Es ist eine erfreuliche Erscheinung des sozialpolitischen Lebens, daß über der chutzgesetz^ebun g für die Arbeiter die Sorge für die beoluftigen Schichten des Mittelstandes nicht vergessen wird. Hier ist ein weites Feld für die Betätigung der Staatshülfe, und darüber besteht kein Zweifel unter den politischen Parteien, bau kaum ein Problem so dringend der Lösung bedarf, wie das der Pensions- und Hinterblrebenen-Ber- sicherung der Privatange st eilten. Abg. Frhr. v. Hehl, der diese Frage heute in Gestalt einer Interpellation wieder zur Sprache brachte, nannte die Privatbeamten den „neuen Mittelstand", ja die eigentliche Kern truppe des Mittelstandes. Insofern gewiß mit Reck)!, als die moderne Entwicklung des taufmännischen, gewerblichen, inbuftriellen Erwerbslebens aus Verringerung der selbständigen Existenzen und entsprechende Vermehrung der großen Zahl der Angestellten abzielt. Auch die vielen geistigen Arbeiter gehören zu diesem neuen Mittelstand, dessen Lebensschifs aus den wechselnden Wogen wirtschaftlicher Konjunkturen und sonstiger Zufälligkeiten nicht selten verhängnisvoller Unfrcher- hett preisgegeben ist. Hier das Trübste abzuwenden, die Lebenslage arbeitsunfähig gewordener Privatangestellten, das Schicksal ihrer Witwen und Waisen von der drückendsten Sorge zu entlasten, muß Ausgabe der staatlichen Versicherung sein. Dank dem Umstande, daß Graf Ptvsadowsky Minister für Sozialpolitik ist, sind die Grundlagen solcher Versicherung nunmehr in einer dem Reichstag noch teilte zugehenden Denlschrift nach der wirtschaftlichen und finanziellen Saite dargelegt. Ein wesentlicher Fortschritt, sür den die Redner der Parteien, zugleich im Namen der Privatbeantten, dem Staatssekretär freudig Dank sagten. Ä?unmehr ist wenigstens der Boden gegeben, auf dem weiter gearbeitet werden kann. Hub cs wird seitens des gieichstagis eifrig und einmütig gearbeitet werden, unter Zurückstellung fraktioneller Sonderwünsche, um baldmöglichst die gesetzliche Lösung dieser für mindestens zwei Millionen Angestellte unendlich bedeutsame Verjicherungsfrage herbeizuführen. Die Entschlossenheit hierzu klang aus den Erklärungen aller Redner heraus, so wenig diese auch ein Hehl daraus machten, daß über die Wege, auf denen die Lösung an- zusireben sei, Meinungsverschiedenheiten bestehen. Mehrfach wurde auf das jüngst in Oesterreich.erlassene Privatbeamten-Versicherungsgesetz hingewiesen. Indessen, wo ein Wille ist, da wird sich auch ein für beide gesetzgebenden Körperschaften, Reichstag und Bundesrat, gaugbarer Weg fänden. Vom Grafen Posadowsky darf mau iiberzeugt sein, daß er seine ganze Kraft einsetzen wird, um die Zustimmung der Verb. Regierungen zu dem entsprechenden Gesetzentwurf zu erlangen. Mit aufrichtigem Mitgefühl erwähnte er heute die betrübende Tatsache, daß viele Privatbeamte trotz eines in Fleiß und Redlichkeit verbrachten Lebens im A l t e r der ö f f endlich e n Wohltätigkeit anheimfallcn, nicht zuletzt Angestellte aus der Landwirtschaft. D-ieser Hinweis mißfiel den Konservativen, denn es ist bei der ganzen sozialen Schutzgesetzgebung unvermeidlich, daß die Arbeitgeber einen Zuschußtzu ben Kosten leisten. Von den ländlichen wird aber fortgesetzt behauptet, sie seien durch die sozialen Lasten bereits übermäßig in Anspruch genommen. Kommerzielle Unternehmer haben sich indes bereits grundsätzlich bereit erklärt, einen Zuschuß zu den Kosten der Pensionsversicherung ihrer Angestellten zu leisten, in Anerkennung des großen Verdienstes dieser Angestellten an der unübertroffenen Leistungsfähigkeit der wirtschaftlichen Produktion Deutschlands. Selbstverständlich muß auch von R e i ch s w e g e n ein beträchtlicher Zuschuß zu den Versicherungsbeiträgen geleistet werden, denn 19 Proz. ihres bescheidenen Einkommens für die Pensionsversicherung zu opfern, ist für die An gestellten ein Ding der Unmöglichkeit. Aus der, der Bedeutung der Sache entsprechend ausgedehnten Debatte ist bemerkenswert das Eingeständnis des Abg. Heine (Soz.), daß die wirtschaftliche Lage der Privatangestellten vielfach ungünstiger sei, als die der Arbeiter. Weiterhin die tentpe* ramentvolle Jungfernrede des Abg. Linz (Rp.), der bei der Wahl in Elberfeld den Sozialisten Molkenbuhr aus dem Sattel gehoben hat und heute mit Nachdruck auf die Notwendigkeit beschleunigten Schutzes der Privatange- stellten hinwies, um sie bei den Fahnen der bürgerlichen Parteien zu halten. Das „Automobiltempo" der So- zialrefornl, das dem Grasen Posadowsky zum Vorwurf gemacht wird, ist in der Tat in diesem Falle das einzig erwünschte. Hier gibt sicher doppelt, wer schnell gibt. Möchte es dem Staatssekretär vergönnt fein, durch Ausarbeitung eines Pensionsverftcherungsgefetzes für Privat an gestellte noch in der ersten Legislaturperiode des neuen Reichstags feinen Verdiensten um die hart mit dem Leben ringenden Volksschichten ein neues, und nicht das geringste, hinzuzufügen ! «Hessische Zweite Kammer. R. B. Darmstadt, 14. März. Am Ministertische: Staatsmmister Ewald, Finanzminisler Dr. Gnaulh, 9)linifter des Innern Braun, Geh. Rat Dr. E i s e n h u l h und mehrere Ministerialräte. Die Sitzung wird vom Präsidenten Geh. Rat Haas um 9*/4 Uhr eröffnet. Das Haus tritt sofort in die Etatsberatuug ein und zivar bei Kapitel 116b Stachträge infolge neuer Gesetze und in Verbindung damü die Gesetzentwürfe, betr. die Aenderunq des Gesetzes über den Urkundenstempel, belr. den Wohnungsgeldzuschuß der Staatsbeamten, betr. die Aenderungen des Gesetzes über die B e s o l d u n g e n der Staatsbeamten betr. die Gehalte der V o l k s s ch n l l e h r e r und belr. die Aenderung deö Gesetzes über die Bildung eines Ausgleichs- f o n d s. Staatsminister Ewald richtet an die Kammer die Bitte, den neuen Gesetzesvorlagen eine günstige Ausnahme zu bereiten. Die Großh Regierung erachte öie Einbringung dieser Vorlagen als im staatlichen Interesse liegend. Die Beamten und Lehrer im Lande würden enttäuscht und ihre DienstwlUigkeit und Arbeitssreudigkell beeinträchtigt werden, wenn die jetzigen Vorlagen der Regierung nicht zur Annahme gelangten. Die Aufbesserung der Beamte ii- und Lehrergehalte müsse aber mit der ganzen Lage unserer Finanzverhällnisse in Einklang gebracht werden, und dürfe dabei vor allem nicht außer Acht lassen, daß im Grunde genommen auch der jetzige Slaatsvoranschlag noch mit einem Fehlbeträge von 7250 00 Mark abschließe. Sowohl für diesen, wie für die erhöhten Ausgaben für die Beamten und Lehrer müßten also die erforderlichen Deckungenuttel beschafft werben, wobei indes von einer Erhöhung b e r direkten Steuern abgesehen werden solle. Der Jmmobilienstempel, der nun zum Teil als Teckungsnnllel mit herangezogen wurde, fei in allen Nachbarstaaten höher als bei uns in Hessen und die Erhöhung dieser Slempelscitze könne nicht als eine zu große Belastung empfunden werden. Der Staatsminifter hofft, nicht fehl zu gehen, wenn et die Erwartung zum Ausdruck bringe, daß die Kammer durch ihre Beschlüsse em warmes Herz für die Beamten und Lehrer zeigen werde. (Beifall). Abg. Dr. Okann bemerkt einleitend, die jetzt beantragte Besserstellung der Beamten und Lehrer sei in geschickter Weise mit der allgemeinen Steigerung der Einnahmen verknüpf worden. Der Finanzausschuß habe die seit Jahren sich wieberholenben Vor- fteUungcn der Beamtenschaft in wohl,Vollender Welse geprüft und Die Wunsche zumeist als berechtigt anerkennen müssen, iniolgedesjen ailch die Vorlage, betr. die Wohnungsgelbziischüsse sehr sympathisch begrüßt. Redner führt weiter aus, er stehe auch dem Verlangen der unverheirateten Beamten nach Gleichftellung ihrer Bezüge mit denen ber Verheirateten sehr wohlwollend gegenüber; man dürfe aber nicht übersehen, daß ber Unverheiratete für ferne Wohnung meist doch nicht so viel auszugeben brauche, wie die Familienväter, und da für die Gleichstellung leider nicht die nötigen 'JJhttel vor- yanden seien, so werde man wohl den tni Gesetz gemachten Unterschied zwischen Verheirateten und Unverheirateten auch beibehalteu müssen. Den Lehrern sei der Finanzausschuß ebenfalls so weit als möglich entgegengetommen und habe einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen auch erfüllt Redner erklärt, daß es ihm und seinen Freunden erwünschter gewesen sein wurde, wenn die für die Besserstellung der Beamten und Lehrer erforderlichen A.'ehraui- Wendungen nicht aus dem Jmmobilieiistempel gedeckt worben wären, denn allgemeine Ausgaben sollten auch von ber Allgemem- heit getragen werden. In Baden habe man behufs Durchiübrung der Gehalisaufbefserung für die Beamten und Lehrer eine Erhöhung der Einkommensteuer um 20% eintreten .assen. Der überall als eine sehr lästige Steuer empfundene Jmmobilienstempel müsse zum allergrößten Teil von den Städten gezahlt werben, auf welche ja auch die Wohnungsgeldzuschüsse roicber zurücksielen. Der Immobiliarbesitz habe im Laufe ber Jahre eine sehr wesentliche Wert- fteigerung erfahren, und da könne man nichts dagegen enuvciiben, wenn em Teil des ohne weiteres Zutun erreichten Gewinnes an Die Allgemeinheit abgeführt werbe. Eine Deckung für die erforberlichen Mehrausgaben müsse doch unter allen Umständen gesunden werden. Finanzminister Dr. G n a u t h ist erfreut, daß sich der Vorredner au, den von ihm bargelegten Standpunkt gestellt habe. Es wäre allerdings sinanzpolitlfch richtiger gewesen, wenn die erforderliche Deckung der Mehrausgaben nicht auf notdürftige Weise durch bie Stempelerhöhung, sondern durch die allgemeinen Staats- erträgmfie hätte erfolgen können. Aber wenn wir jetzt in der Zeit der Hochkonjunktur nicht aus ber Desizitwirtschaft herauskanien, wann solle dies denn ba überhaupt geschehen? Anbererseits sei doch zu bedenken, daß man nicht, wenn man ein paar Hunderttausend Mark für Gehaltsverbefserungen gebraucht, nun gleich mit einer Erhöhung ber direkten St-euern kommen könne, mit denen wir überhaupt schon an ber S p i $ e in Deutschland marschieren, obgleich ja wohl die Regierung darüber mit sich reden lassen würde (Rufe: Hört, hört und Heiterkeit), sondern da ansetzen müsse, wo wir in Hessen noch „rückständig" sind den anderen Staaten gegenüber, wie es beim Urkundenstempel ber Fall sei. Em äußerst glücklicher Zufall wolle es auch, baß bie Mittel, welche aus bem Jmmobilienstempel gewonnen werben sollen, für bie Wohnungs- gelbzuschüffe Verwendung finben, bie ja wieder im engsten Zusammenhang stehen mit ber Werlsteigerung bes städtischen Immobiliarbesitzes. Er erkenne es bantbar an, baß auch bie stäbtischen Vertreter in ber Kammer bem Jmmobilieiistempel zustimmten trotz der vielen Anfechtungen, bie sie barüber erfahren haben. Es müffe hier auch in Betracht gezogen werden, baß ja nicht bie Mehrerträgnisse ans bem Stempel allein, sonbern auch em Betrag von mehr als 600 000 Mark aus ben fteigenben Einnahmen aus ben Eisenbahnen mit zur Deckung herangezogen werde. Mit ber Ausbringung der Mehrausgaben burch Erhöhung ber bireften Steuern würbe man auch ben Beamten unb Lehrern keinen guten Dienst erweisen. Es könne jetzt nicht darauf ankommen, ob man in Einzelheiten über die Vorlagen anderer Meinung sei, rote roeit z. B. die Grenze bezüglich der unverheirateten Beamten gezogen werde re., sondern daß zum Besten des Gros unserer Beamtenschaft in Hessen etwas Ersprießliches zustande komme. (Zustimmung.) Abg. M o 11 h a n erklärt, er stimme namentlich den letzten Sätzen deL Fmanzministers vollkommen bet. Die neuen Vorlagen würden sehr zur Erhöhimg der Arbeilsfreudigreit unserer Beamten beitragen. Die ganze Vorlage sei einheitlich onfgebaut unb jeher Umstand wohlerwogen, nur hätte er es für richtig gehalten, wenn auch bie unverheirateten ben verheirateten Beamten bezüglich ber Wohnungsgelbzuschüsse gleich gestellt worben wären, umsomehr, als bie ganze Mehrbelastung mir 13 000 Alk. betrage. Rian biirfe aber auch nicht nach dem Grundsatz »Alles oder Nichts" handeln wollen; es gebe auch viele Hundert Lehrer in Hessen, die dankbar bie Ver- befferung ihrer Gehaltbezüge anerkennen. Abg. Dr. Heidenreich führt aus, daß eine eüent. ©teuer* erhöhung für die Ausbesserung der Beanitengehälter keine Zustimmung in der Kammer finden würde. Die indirekten Steuern seien auch im Auslande viel höher, als bei uns. Die Erhöhung des Jmmobilienftempels sei gerechtfertigt durch die Wertsteigerung des Grundbesitzes, die dem Besitzer mühelos in den Schoß falle. Abg. Wolf (Bauernbund) legt in längeren Ausführungen Dar, die Lage unserer Beamtenschaft sei namentlich im Vergleich zu den Gewerbetreibenden und dem Bauern- st a n d lange nicht so ungünstig, als man sie darzustellen sich bemühe. Er habe z. B. noch nie gehört, daß einem Beamten wegen nidjt genügender Leistungsfähigkeit seine Gehaltszulage verkürzt worden wäre. (Heiterkeit.) Er führe ein sorgenfreieni Leben als der Mann aus dem Mittelstände, und sei für sich unb die Seinen sein ganzes Leben versorgt. Auch der überaus große Zudrang zur Beamtenkarriere beweise, daß es darin nicht so schlimm bestellt sei. Im übrigen ist der Redner der Meinung, daß die in Rede stellenden Gesetzentwürfe infolge der jüngsten Reichstagswahlen überhaupt nicht die für so wichtige Dinge erforderliche gründliche Durchberatung erfahren hätten und legt bas des Näheren dar. Wenn die Beamten mit Dienstwohnung den Mietswert an bie Staatskasse zurückzahlten, erhielte dieselbe eine ganz erhebliche Summe. Die Beamten in der Stadt hatten überhaupt keine Bevorzugung nötig, da dort z. B. die Kinder- erzichung leichter unb billiger sei. Seine Parteifreunde w ü r o en gegen d i e Service-Skala unb auch gegen die Wohnungsgeldzuschüsse im allgemeinen stimmen. Abg. Dr. Schmitt polemisiert in längeren Ausführungen gegen ben Vorredner. In Preußen, das ebenso glänzend wie sparsam seine Finanzverwaltung führe, werde auf eine genaue Abstufung der Wohnungsgelder gehalten. Redner kommt zum Schluß auf die Wohnungsverhältnisse in Mainz unb kritisiert, daß z. B. den Gefangenenwärtern unb -Wärterinnen, denen nur eine Arrestzelle mit einigen Bilderchen als „Dienstwohnung" biene, ein Wohnungsgeld in Anrechnung gebracht werde. Abg. ll e b e l erklärt, er sei enttäuscht darüber, daß man bei den jetzigen Vorlagen gerade die mittleren Beamten und die Lehrer nicht in ihren Wünschen ganz befriedigt habe,' auch unter ben kleinen Beamten herrschten bedeutende Notstände. Abg. Neiir- hart, der sich im vorigen Jahre dieser Beamten warm annahm, habe dies jetzt leider nicht getan. Dagegen hofft Redner, baß bie Beamten mit einem Anfangsgehalt von 2800 Mk., bie meist ein Durchschnittsgehalt von 4000 Mk. bezögen, in Zukunft ihre Vorstellungen um Aufbesserung unterlassen werden. Nach der Statistik hätten in Hessen 91 Proz. aller Steuerzahler nur ein Einkommen bis zu 2600 Mk. und was würde man sagen, wenn die auch alle ihre Notlage beklagen würben? Die Beamten namentlich auf bem Lande sollten sich mehr auch in anderen Kreisen bewegen und mehr Verkehr im Voltsleben suchen. Die jüngeren Beamten seien häufig „zu forsch" gegen das Publikum, es sei bekannt, daß man im Ministerium selber freundlicher behandelt werde, als bei dem jüngsten seiner Beamten. Bedauerlich sei, daß man nicht aiudj zu einer Gehaltsaufbesserung der Lehrerinnen sich entschlossen habe. Die Sitzung wird daraus kurz vor 1 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachmtttag 3 Uhr. Nachmittags sitzung. Bei Fortsetzung der am Vormittag abgebrochenen Debatte bemerkt Abg. Noack, man dürfe den verschiedenen Vorstellungen ans den einzelnen Interessentenkreisen nicht zu große Bedeutung beilegen, weil sonst das Ganze nicht ge,ördert werden könnte. Redner spricht sich dann für eine Besserstellung der Beamter, an der Main-Neckarbahn aus und erklärt, daß man im ganzen Lande für das zu er-mrtende Zustandekommen der fünf Gesetz-, entwürfe dankbar sein werde. Abg. Dr. Glässing widerlegt verschiedene Anschauungen der Abgg. Wolf und liebel. Man solle doch nicht nur immer Wünsche vortragen, sondern auch die Nüttel zu deren Veftiedigung angeben. Daß sich die Beamten auf dem Lande von der übrigen Bevölkerung abschlössen, sei unzutreffend. Man solle auch dco, tauf bedacht fein, die Interessen an Stadt und Land mehr auä* zugleichen. Die Lehrer würden mit bem jetzt Erreichten zufrieden und der Regierung bofür dankbar sein. Abg. Adelung erklärt stch zustimmend zu der Anregung des Abg. Dr. Osann, einsen Teil der Mittel durch Erhöhung bet direkten Steuern aufzubringen unb bedauert, daß ein solcher Antrag nicht im Finanzausschuß gestellt wurde. Er unb feine Genossen würden bet Erhöhung des Jmmobilienstempels nicht zustimmen. Ministerialrat Dr. Becker hegt die Erwartung, daß das Haus trotz der Erklärung bie erhöhten Stempelsätze doch bewilligen werde. In der Frage der direkten Steuern mUfte Hessen auch Rücksicht auf die Nachbarstaaten nehmen. Die Erfahrung lehre, daß der Steuerzahler, dem bie Wahl feines Wohinttzes sreisteht, sich natürlich da niebetliaffe, wo er am billigsten mit der Steuer roegtomme. Auch die Vermögenssteuer fei bei uns schon höher, als in Preußen, Sachsen, Braunschweig usw. und bei uns beginne die Steuer schon bei 500 Mi. Einkommen, in ben Nachbarstaaten dagegen erst bei 600 und 700 Mk. Abg. Reinhart hebt hervor, daß im Auslande die indirekten Steuern meist viel höher seien, als bei uns, so namentlich in Frankreich und Amerika. Abg. Dr. Osiann wolle mit ber, statt des Jmmobilienstempels gewünschten Steuererhöhung die Einkommm aller Steuerzahler ist Anspruch nehmen, während die Soziale bemo traten nur die Steuern für die größeren Einkommen -rc* höhen wollten. Er halte aber den Weg der Steuererhöhurra überhaupt für ungangbar. Eine Pflicht des Hauses sei es, auch an eine Erhöhung des Lehrerinnengehaltes heranzutreten. Abg. B e st beschäftigt sich mit dem Urkundenstempel und befürwortet zwei von ihm dazu gestellte Aitträge. Abg. Dr. Weber tritt dafür ein, bay Beamte mit Dienstwohnung für diese an den Staiat Miete zahlen und dafür bann ebenfalls Wohnungsgeldzuschüsse erhalten. Abg. Orb meint die reichen Leute zögen mcht der billigeren Steuern wegen aus Mainz, Worms, Offenbach a. M. weg, sondern weil sie ein bequemeres Leben führen wollten, al- cs die Fabnk- städte böten. Der Jmmobilienstempel treffe nicht die reichen Besitzer, sondern werde auf die Wirte rc. abgewälzt. Abg. Reh wendet sich gegen die Sozialdemokratie, die bisher noch keinen greifbaren Vorschlag darüber gemacht habe, wie sie denn eigentlich die Mittel aufbringen wolle. Die jetzige Bewilligung für die Lehrer könne er nur als eine Abschlagszahlung gelten lassen. „ . ., _ . _. _ , Abg. v. Brentano erörtert bie Frage ber Dienstwohnungen unb macht die Regierung darauf aufmerksam, daß sich namentlich die Dienstwohnungen der älteren Beamten meist in einem recht schlechten Zustand befänden; man sollte den Wünschen derselben! möglichst entgegenkommen. Den Beamten mit Dienstwohnung füllte man wenigstens ein kleines Aequivalent bieten für die Zersplitterung ihrer Hoffnungen. ..... Abg. Kor eil ist mit den Aussührungen des Abg. Uebel einverstanden, nur habe es derselbe an positiven Vorschlägen fehlen lassen. Er werde den Antrag stellen, ben Wohnungsgeldzuschuß bei Gehalten von weniger als 2000 Mk. auf 10 Proz. unb bei mehr als 2000 Mk. auf 6 Proz. festzusetzen. Finanzminister Dr. Gnauth wendet sich gegen die Ausführungen und stellt an ber Hanb ber Statistik fest, daß bie Beamten mit weniger als 2000 Mk. viel weniger Dienstwohnungen haben, als die mit höherem Einkommen. Wir wollen doch aber aerobe den kleinen Beamten weiter entgegentommen. Der Vorschlag Korells aber würde diese wesentlich schlechter stellen. Von h in hn Tiens! 10 Uhr ar 26 6v 11 F> 289 Fil 127 2 9?» 158 , 228 , 16 . 2 , Sie Zu Distrikt Jung Utc^Pr N4.rh j Nachvcrzi Mainzlar foi 2 Fichten 6 21 ' 118 " 2 Kiefern. 65 fönne; ft«“ ßemai ißerlteio 1. Dien Mcrtmcie Stämme: <» 5L1 fife Lie mH Haieukm, D Uulerivalr,Ä Stamme: m. itanocn:« in LchiÄw Stämme: 2 C, Ü,1O ollL-. WhS 10 Am. Ul Luche, 20,: Siem, 11, 2010 Eiche Nm. S MRm. 6t6eiter: 4 3 Hainbuche stocke: 2, Des we tilfoeljegt litze Niiuagspauie Weitere GM. Sürstei röegimi t am akaöemischi Tas Sich Giegeii, 6 T*i Wni^1 2** ii S Mas.! eur9etnKiit(R . Z'iin (h ^geladen. ** folgt. bie Industrie hlü.ht, das Gedeihs« des einen Erwerhzweiges ist Eommnete die Gäste. Tann ertyob sich der Reichskanzler. Bülows Rede. Aus Anlaß der Tagung gab der Landwirtschaftsrat heute abend ein Festmah l, zu welchem der Reichskanzler, 5-erzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Minister v. Rbein- baben, Lmidwirtschastsminister v. Arnim-Criewen, Handelsminister Delbrück, Mlonialdirektor Ternburg, Reichstags- Präsident Graf Stolberg, Professor v. Behring und andere hervorragende Persönlichkeiten geladen waren. Ter Präsident des LandwiNjchaflsrats, Gras Schwerin-Löwitz, wies in seiner Rede auf den wirtschaftlichen Aufschwung hin, den die deutsche Landwirtschaft unter den Einfluß des neuen Zolltarises oenommen und der sich auch in der Steigerung der Biehproduktion und in der Erteilung bedeutender Aufträge an die der Landwirtschaft nahestehenden Industrie geäußert habe. Toch auch in nationaler Hinsicht sei ein Aufschwung zu verspüren gewesen, denn erst nachdem die wirtschaftliche Sorge von den Landwirten genommen sei, sei es ihnen möglich gewesen, sich an der Lösung der nationalen Aufgaben zu beteiligen. Tiefe Tatsache sei aus den Ausgang der Wahlen nicht ohne Einfluß geblieben, die zugleich eine B i l l i g u n g d e r w i r t s ch a f t l i ch e n P o - litik des Fürsten Bülow enthielten. Redner schloß mit einem Ho ch auf d en Aaiser. Ter stellvertretende Vorsitzende M eh wert bewrll- n1Tx ftnHfhTdi daraetan. ' Tie Nutzanwendung dec Vcrsuchs- ergebMe im Interesse der Mensch en tuberkulöse könne bloß eine Frcme der Zeit sein. Ter deutsche Landwirtschaftsrat stimmte tm werteren Verlaufe seiner heutigen Sitzung dem Anträge zu, den Reichskanzler dringend zu bitten, baldigst dafür zu sorgen, daß die Fo rs ch uu gen B e hr i n g s v om Reich e u n - terstützt werden, damit namentlich ähnliche Verbuche, wie solche in Argentinien in Aussicht stehen, auch bei uns vorgenommen werden können. den 8329 Beamten werden im ganzen 756 mit Dienstwohnungen versorgt; ob dabei viel mehr herauskäme, wenn em Aeil bcrielben etwas höher eingeschätzt Wörde, sei doch recht, fragliche Wenn man jetzt sage, daß eine Reform der Beamtenbesoldung besser gewesen wäre, so habe man jetzt schon einen ichönen Petitionssturm erlebt. Eine Beamtenbesoldungsreform würde einen „bTrieg aller gegen alle" bedeuten und dann wäre auch der Hauptzweck der jetzigen Vorlagen, die rasche Hülfe, vereitelt, denn eine Besoldungs- resorm würde jahrelange Bearbeitung erfordern. s Abg. U e b e l wendet sich gegen einzelne Ausführungen des Ministerialrats Dr. Becker und präzisiert seme Stellungnahme bezüglich der Lebrer und deren unbeftiedigte Wünsche. Abg. v. Brentano bemerkt, daß er nur ein wenig mehr -Entgegenkommen für die bescheidenen Wünsche der Beamten bezüglich der Wohnungsfrage^ gewünscht habe.. . Abg. Bähr meint, batz die Gefetze durch eine fUWige -Beratung nur leiden würden, es komme auf 14 Tage früher oder später doch nicht an. Im Ausschuß seien bei der Beratung auch bisweilen nur 3 Mitglieder zugegen gewesen. Redner stellt alsdann den Antrag, den ganzen Nachtrag (Kap. 11,6) an den Finanzausschuß zurückzuverweu en. Es leien w auch von anderer Seite noch neue Anträge gestellt worden und da tollten Ausschuß und Negierung noch einmal alles recht genau prujen. Finanzminister Dr. Gnauth bemerkt dagegen , batz man das Kapitel 116 nicht einfach aus dem Etat herausschälen rönne, es würde damit auch die rechtzeitige Fertigstellung des ganzen Budgets sehr in Frage gestellt werden. . Abg. Dr. Gut fleisch erklärt, wenn man einen io wüver- Wiegeuden Antrag stelle, wie Abg. Bähr, so müßte man doch muh wenigstens die Punkte näher angeben, über welche der Auvl^utz noch einmal in Beratung treten soll. Im übrigen schließe er sich ganz den Ausführungen des Ministers an. 9r n =, Abg. Bähr verteidigt seinen Antrag und wirst dem ckus schuß vor, daß er mit Leichtfertigkeit seine Beratungen 06 DieÄgg. Molthan und Dr. Osann erbeben energischen Protest gegen die dem Ausschuß gemachten Vorwurfe. .ter Letztere weist auf die lange emsige Arbeit des sonders aus die eingehenden sachlichen Berichte des Abg. ^r. Gutsleisch hin. .. «f P Abg. Bähr erklärt daraus, e8 mutze demnach über die Ans° fchußberatungen salsch berichtet worden sein und er ziehe darnach seinen Antrag wieder zurück. Abg. Reinhart meint, daS Verhalten der Abgg. Wolf und Bähr lasse die Vermutung zu, daß sie das Zustandekommen bei Vorlagen nur verschleppen wollten. Er sei gern bereit, dem Abg. Bähr die Protokolle des Ausschusses zur Versügung zu stellen, aus welchen er die inlenstve Arbeit desselben erkennen könne. Rach kurzen persönlichen Betnerkungen zwischen den Abgg. BLHr und Reinhart hält der ~ ,, „ Ausschußreferent Dr. Gutsleisch das Lchlußwort. Derselbe weist den eben gehörten Vorwürien gegenüber darauf hin, daß er und mehrere andere Ausschußmilglicder schon seil Oktober fast unausgesetzt mit den Vorlagen beschäftigt gewesen wären und die Beratung garnicht gründlicher hätte von stallen gehen können. Man habe alle vorgeschlagenen Wege zur Anfbrmgung der Mittel geprüft und er habe sich nur schwer zur Erhöhung der Stempelsätze entschlossen, weil sie ihm als freisinnigen Mann kehr fern liege. Aber angesichts der ganzen Sachlage müsse sich auch hier in der Beschränkung der Pleister zeigen. Er hoffe, daß hier nut den möglichst besten Mitteln ein gutes Werk im Interesse einer Be- völkerungsklaffe zu Stande gebracht werde, die es verdient habe. (Bravo!) Damit schließt die Generaldiskuffion um 61/« Uhr und Die Sitzung wird vertagt. Nächste Sitzung: Freitag früh. Berlin, 14. März. In der heutigen Sitzung hielt Staatssekretär Graf ÄZvfadowsky eine Ansprüche, worin er die Versammlung Degrühte, den hohen Wert der Tätigkeit des Landwirt- schnftsrnts hervsorhob und weiter ausführte, btc heute auf der Dcrgesiordnung stechende Frage, die Bekämpfung der Mindertuborkulvse, sei besonders wichtig für die Entwicklung der deutschen Viehzucht, die eine der akutesten fragen der deutschen Landwirtschaft sei. Er hoffe, daß es mit Hülfe des im Herbst dieses Jahres dem Reichstage dorzulegenden Viehs euch engesetzes und gestützt auf die fortschreitende Erlenntnis der Wissenschaft möglich sein werde, die Rindertuberkulose ebenso wirksam zu bekämst,en wie die Lungenseuche und andere Viehkrankheiten nieder- vekämpft worden seien. Seinerseits werde stets alles geschehen, um die technischen Bestrebungen des deutschen Landwirtschastsrates wirksam zu unterstützen. Im Lause der dann folgenden Debatte über die Bc- räuipfung der Rindertuberkubose führte Geheimrat von Pehring uns, die Parole für die Öffentlichkeit solle nicht sein, mit schädlichen Keimen durchsetzte Milch nicht in den Verkehr zu lassen und. hinterher unschädlich zu machen, sondern die Parole nrüsse lauten: es darf überl)aupt keine Milch mit KrankheitsLeimen, ipeziell mit Tuberkulosebazillen in den Verkehr Lammen. Der Redner stellte ferner fest, daß das Bovivaccinatiousversahren Anerleunung erfahren seine Unschädlichkeit sei erwiesen, seine Nützlichkeit Bei dem heutigen Festmahl deS der Reichskanzler Fürst Bülow folgende . Nach einem für das Hand und für mich bewegten Jahr stehe ich wieder vor dem deutschen LandwirtschaftZvat. Ein ernster und schwieriger politischer Kamps liegt hinter uns, der viel Aufregung hervorgernsen, aber auch gefunben Sinn, lrästiges Nationalgefühl im deutichen Volke von neuem hervortreten ließ, denn der Kampf ist der Vater «aller Pinge. Ein Band ist in diesem Kampfe nickt gelockert worden, wie ich hoffe, sondern noch befestigt worden, das Vertrauen zwischen dem deutschen Reich und der Landwirtschaft. (Leöha,tes Bravo.) Dieses Vertrauensverhältnis wird auch leinen W a n d e 1 erfahren, dessen bin ich sicher, wenn ich mich a n s ch i ck e W ü n s ch e zu erfüllen, die bertiiS seit langer Zeit von den Parteien der bürgerlichen Linken gehegt werden. Wenn ich int Reichstage unter Anderem meine Bereitwilligkeit erklärt habe, eine Reform des Vereins- und Versammlungsrechtes, des S t r a s re ch t e s und der Strafpozeßord- nung durchzuführen, so leitet mich dabei die Ueberzeugung, daß ein führender und verantwortlicher Staatsmann nicht zögern soll, U'M unzeitgemäße Zustande durch sachgemäße Reformen zu ändern. Ich gehöre nicht zu denen, die altes Fremde, weil es fremd ist, bewundern, aber es war, wie mir scheint, eine große Weisheit der englischen Aristokralle, notwendige ^ivnzen'wnen rechtzeitig zu machen. Als eine Folge dieser Weisheit sehe ich es an, daß England seit mehr Ms 200 Jahren von reoolutioimren Erschütterungen verschont geblieben ist, die die römischen Länder in diesem Zeitraum so oft heimgesucht haben. Ich sehe hierin auch den Grund, das in England die große Menge in den Städten, die kleinen Leute in Stadt und Lanv glanz überwiegend staatserhaltend gesonnen sind. Auch über die von mir im Reichstag angekündigte Reform des Börsengefetzes werde ich mich hier ganz vfseti aussprechen. Wir werben bei dieser notwendigen und dringeiwen Reform nichts bringen, was die Jnterefjen der Landwirtschaft schäbigen könnte. (Bravo.) Ich erwarte deshalb piuch, daß die Vertreter der Laridwictschast im Reichstage den Enuour, vorurteilslos prüfeii werden. Die Landwirtschaft hat kein Jntevefse bUvan, baß durch bie Börsengesetzgebung .treue und Glauben im Geschäftsverkehr erschüttert werden. Auch die Landwirtschaft h!at Interne daran, daß unsere Börse gegen- ab.r d.n Blrf.n d.s A>..sia-d.s ni^t in den Zustand der Inferiorität gerat, baß der hohe Bankdiskont der mit eine Folge unserer Börsengesetzgebung ist, erniebrigt wirb; auch die Lanbwirt- fchast hat kein Interesse daran, bay die Börsen twn Paris unb London bie Berliner Börje ganz überflügeln, kein Jntevefse, daß das deutsche Kapital ins Ausland wandert, kein Jnteresie, daß bie kleinen Banken ausgejogen werben durch bic großen; auch bie Landwirtschaft hat ein Interesse daran, baß bie Börse als hochwiastiges wirtschaftliches Instrument erhalten unb leistungs- ,ähig erhalten bleibt. Wir haben in Deutsächmb noch zu viel Vorurteile in allen Lagen, bei allen Parteien, in allen Schichten ber Ve ölkerung. Wir haben zu viel vorgefaßte Meinungen, die als Scheuklappen den Blick eunmgen. Vor Jahren sagte mir einntal ein liberaler Professor, ein ganz verstänbiger Mann (Heiterkeit): Wie rönnen Sie, Herr Reichskanzler, eine agrarische Politik machen, wo Sie doch so gebilbet sind (Heiterkeit), als ob man Nicht gebildet und dabei ein Agrarier sein könnte. (Sehr richtig!) Ich kenne aber auch Konservative unb Agrarier, welche in Hanbel und Börse, wenn nicht ein unsittliches, jeboch vielmehr ein verderbliches Element sehen. Das sind Scheuklappen, die wir ablegen müssen, Einseitigkeiten, die man in anderen Ländern nicht kennt, wo bas Gefühl ber Solidarität der verschiedenen Seiten des vielseitigen Wirtschaftslebens unb ihre Vereinigung im hohen Interesse des Ganzen stärker entwickelt ist, als dies bei uns seither der Fall war. Wenn iü) Ihnen Resocmeii in Aussicht stelle, so bleibt unangetastet das W i r t s ch a f t s p r o g r a m m, das ich seit bald 7 Jahren vertrete unb burchsühre: Schutz ber internationalen Arbeit, Schutz unserer Probuktion, Schutz unb Fürsorge insbesondere für die Landwirtschaft. (Lebhafter Beifall.) Ich habe vor Jahren einmal gesagt, daß ich die Bezeichnung als Agrarier als Ehrentitel ansehe, als rühmliche Anerkennung. (Bravo.) Und wenn ich mich einmal aus dem öfsentlichen Lebeii z u r ü ck z i e h e, dieser Augenblick wird ja mal kommen, wenn auch vielleicht nicht sobald, wie bas Dieter ober jener zu wünschen scheint (Giwße Heiter- leitst so mag man auf meinen po litis chen Leichen st ein schreiben: Dieser ist ein agrarischer Reichskanzler gewesen. (Lebhafter Beifall.) Unb warum will ich bad unb werbe ich bas unb werbe es b£ eiben? Weil eine vernünftige Agrarpolitik meiner vollen Ueberzeugung entspricht, weil biese sich ioinschaftlich unb Politisch wohl bewährt hat. Ich sage politisch, auch im Rückblick auf bic Wahlen. Mit Recht hat mein Freunb, Herr v. Olbenburg, barauf hingewiesen, baß wir bem braven Schwein Dank schulben. (Stürmische Heiterkeit.) Gar inancheii Abgeorbneten hat es durch ben reißenden Wahlstrom getragen. Schon darum gebe ich es nicht preis, sondern schütze cs vor ber Pest. Daß aber diese Politik sich auch Ivirtschastlich bewährt hat, bqioeift bic gegenwärtige Lage. (Sehr richtig.) Die Laiibwirtschast fängt an, sich enblich z u erholen, Derücksichltigung der trio. land wir tschastliche .... wert bezeichnet. Außerdem fand noch ein Antrag des Majors Enoell Annahme, den Reichskanzler zu ersuchen, baldigst die Kommission zur Begutachtung der Rechtsver- fhältnisse der Landgesellschaften wieder in Tätigkeit treten tzu lassen. Morgen: Fortsetzung der Beratungen. haß die Berbesserutrg aller Verkehrsmittel, insbesondere durch den Eisenbahnbau, zur Erschließung der Kolonien gefördert werden müsse. In einem gleichsaNs angenommenen Zusatz wird die Vorbereitung der Aufforstung kahler Flächen in den afrikanischen Kolonien, sowie die pischen Agrikultur auf den n Hochschulen als wünschenL- terfeit), denn für mich als Reichskanzler kann es nur eine einzige Richtschnur geben, das wohlerwogene Gesamtinteresse des Landes, daher fann ich mich nie einer Partei, einer Richtung ganz zu Eigen geben unb Der Bund der Landwirte ist seiner» jeitS kem offiziöses ober offizielles Organ; er steht auf eigenen Füßen. Wohl möglich, baß bie Deulsche Tagesz., bereit Haltung ich neulich verbleute Anerkennung gezollt habe, mal wieder mit mir ins Gericht gehen wirb (Heiterkei:). Ich werbe aber irotzbern dem Bund ber Üanbwirte stets Gerechtigkeu wibersahren lassen und ich hoffe, daß er fortiahren luirb, tapfer aber auch klug, mit Ent- schiedenheit, aber auch mit politischem Geschick unter Anerkennung Der berechtigten ForDerungen anderer Erwerbsstände für die Landwirtschaft einzutreten. (Lebhafter BeiwU.) Die Landwirtschast aber möge überzeugt sein, daß ihre wiilfchaftliche, fozialpolitische und politische Bedeutung von den verbündeten Regierungen v e r st a n d e n und gewürdigt wird. Sie wird auch an Derjenigen Stelle gewürdigt, eeren Graf Schwerin joeben in fo schönen unb beredten Worten gedacht Hal. Als ich vor einigen Jahren die Söhne unseres Kaisers in Plön besuchte, führten sie mich nach einer Insel im Plönsee, wo ihnen ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb eingerichtet worben ist. Auf dem Häuschen, bas in bresem Betriebe liegt, standen bie Worte: nihil melius nihil nomine libero dignius quam agricultura. Nichts besseres gibt es, nichts, was b es freien Mannes würdiger wäre, als die Landwirtschaft. Landwirtschkiitsrates hielt e einen Versuch — die Schachtel kostet ja nur 85 Pfg. UeberaU erhältlich. Nach' ahmmigen weise man zurück. hv*/o Frisclu gewagt ist halb gewonnen hv"/. B Aach zu haben bei den königl. preuss. Lotterie-Einnehmern and in allen Los- und Zigarren-Geschäften gehoben. [B16/, und Stargard i. P Prenzlau, Spremberg Leipzig, Offenbach a. M oder auf Nationalbank, bei Deutschen der Bremen in Diskonto-Bank, Breslauer auf Deutschen Natioualbauk, Kommandit- Gesellschaft ii i.Pr. der Ostbank für Handel uab Gewerbe. 26 1,41 Fm. kann mit Rm. Gichen-Scheit. G OSß II n dem am Waldeingang vor Die Zusamlnenkunft ist S^^chbareBoden^^ 1730 W 1816 Drchin. 6,77 40—49 cm Fichten von eckig Drahtgeflechte auf das gefamfe Holz, als auch Angebote Es können Drahtwäscheleinen 1719 Das Holz lagert im Distciki getrennt gemacht werden. Emil Pistor Nacht, Giessen Heckenstrauch, 3 Kilometer Billigste betriebskraft der Gegenwart! fl a Chemisch? Fabrik Moritz Hille, Dresden-Löbtau (G.m.b.H.) ' Tharandterstrasse No 30. Achtung! Achtung! SSW/8 Wasche mit Ld wäscht am besten BU/3 verzinkter schlauten, sechseckig 2 6 21 118 2 H Ii II II 12,44 27,61 81,62 1,71 n ii 4 21 56 14 BreSlau Dortmund den dec den der den Gießen, den 8. März 1907. Großherzogliches Amtsgericht. 11 289 127 2 158 228 16 2 u ii Knüppel. Reiser. Stöcke. ii u M H tl II Draht, Stachelzaundraht, Draht- Hasenschutzgitter, Rabitzgewebe, „ Neustadt a. H. „ Pforzheim „ Posen ii n Dresden Hamburg Heilbronn Königsberg Mainz Mannheim München H der den tömme M Kommandit-Gesellschaft Aktien, 0 0 n u Kiefern. 30—39 , 25—29 , 14—24 , 22 u. 24 „ Konkursverfahren. utas Konkursverfahren über das Vermögen beS Schreiner- meistecs Emil Schön in Gießen wird, nachdem der in dem Vergleichstermine vom 23. Januar 1907 angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 29. Januar 1907 bestätigt und der Schlußtermin abgehalten ist, hierdurch auf» Düsseldorf Il|l Akhrogestllschifq eurParkett.bnoleumugestrichenenBöden nach Gebrauchsanweisung mühelos Hochglanz ohne CI Ölte erzielen. Feuchtes Aufwischen möglich.ohne Flecken zu hinterlassen, geruchlos. 1 Zu haben in den einschlägigen Geschälten; wo nicht, beliebe man sich an: J. 6 KJPP» Franks. a.M., Am Tiergarten 18 zu wenden. lSB /, Fichlen-Stämine mit 2,94 Im. Fichten-Derbstangen mit 11,28 Fm. Distrikt Jungenholz. Londorf, den 13. März 1907. Großh. Bürgermeisterei Londorf. 91 u m a n n. Aktien, Herren Albert Kuntze & Co., Lereiusbank in Hamburg, Herren Rumelin & Co., Ostbank für Handel und Gewerbe, Herren Schmitz, Heidelberger & Co., , Wingenroth, Soherr & Co., „ Bierck, Finck & Co., Bayerischen Bank für Handel und Industrie, Herren Eduard Loeb & Co., Bankkornrnandit-Gesellschaft, „ Fuld & Co., v , 7r . vorn Bahnhof Mainzlar entfernt. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Martini 1907 gestattet. 1817 Sonstige Auskunft erteilt Forstwart Zecher, Staufenberg. Offerten sind verschlossen mit der Aufschrift Holzsubmission bis zum 23. März 1907, nachmittags 3 Uhr auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, wo alsdann Eröffnung Itattftndet. Zum Eröffnungstermm sind sämtliche Submittenten Holzverfteigernng in den Waldungen der Gemeinde Londorf. Dienstag, den 1v. Marz l. IS. von vormittags «ingeladen. Mainzlar, den 14. März 1907. Großh. Bürgermeisterei Mainzlar. Vogel. , Reisslängen mit Rm. Bnchen-Scheit. Filialbureau: Ingenieur P. Schneider, Frankfurt a. M. Günthersburg-Allee 76. Kaffees 10 Uhr an sollen versteigert werden: Eichen-Stämme von 27—55 cm Durchm. mit 22,09 Fm., (meistens schönes Schnittholz, für Glaser geeignet) lose ä 2 M. 11 Lose 20 R. Feed. ScBelfer, Strassburg Els, Langstr. 113 Darmstadt, den 15. März 1907. Sank für Handel und Industrie Parcns. Heddert ch. Bank für Handel und Industrie. 54. ordentliche Generalversammlung. Wir beehren unS hiermit, unsere nach §§ 24 und bezw. 27 der Satzungen berechtigten Herren Aktionäre zu der Samstag, den 6. April a. c., vormittags 11V, Uhr, in unserem Geschästslokale dahier stattsindenden oierundfünfzigslen ordentlichen General- Vv OGSOOGvO^GOGOOOOO G Mclirirs Dienstag den IS. März Einzäklnng der £e$e - Ziehung am 20. Mrz Strassb ierie tose - z iw. u tose 20» Hauptgew. W. 40885. 28008. 18809 3,63Mk.ei2Q)0iID0 ' *»^******B'^ aus Anthrazit, Koks, Braunkohle, Holz etc. Meine Wohnung und meine Bureaus befinden sich ab heute 5= Qoeihestrasse ZZ = Bay-, Nutz- uiiii Brkyllhelz-Lttstchet'Llig. Versteigert werden: . 1 Ticuotaa. den 19. L Mts. aus den Domamalwalddiitriklen Nlostcrwicic und Uurerwald der Forsiwartei Baumgarten: ^♦limine• 20 stiefcni 111. Ml. '30—öS) cm) — 25,48 Fm., 164 Sticfern ®1V ftL 29 cm) = 122,88 Fm., 250 Kiefern V Kl (unter SB cm) 124 27 1 Lärche IV. StL = 0,/4 che Ä .,Äoie sind bis Tienstag, den 10. d. MrS., vormtttagö 10 HÜ« c iu-9eüigungen liegen bei uns auf Zimmer Nr. 3 zur Einsicht offen. . Gießen, den Städtisches Hochoaucom. Gerdel. Holzsubmission. Nachverzeichnctes Hoiz aus den Waldungen der Gemeinde Mainzlar soll auf dem Submifsionswege vergeben werden: ----- - e nn Fm. feine Rtischungetr, tägliche 9iöftung per Pfd. -^0, 1.10, 1.20, 1.40, 1.60, 180. 11826 Bei Rückgabe von 8 Gutsch. 1 Pfd. Würfelzucker 20 Gutscheinen V, Pfd. Kaffee »er gratis. "W Reine Schokolade per Pfd. von 85 Psg. an. Reiner Kakao per Pfd. Mk> 120, 1.60, 2.-. 2.40. Tee neuer Ernte per Pfd. Mk. 120, 2.-, 3.-, 4.— L. Steinhäuser 17 Neuen Baue 17 , Knüppel. r „ Reiser. w „ Stöcke. , Fichten-Stöcke. Z J. Rosenthal | Immobilien-, Hypotheken- und Versicherungs-Geschäft I 1 Versammlung einzuladen. In derselben werden die in § 30 der Satzungen unter Nummer 1—4 genannten Gegenstände der Tagesordnung der regelmäßigen Generalversammlungen verhandelt werden. Die Hinterlegung der Aktien in Gemäßheit des § 24 der Satzungen hat spätestens am 2. Avril a. c. während der üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen, und zwar entweder bei dcu Niederlaffungen unseres Instituts in Darmstadt, Berlin, Frankfurt a. M., Halle a. S., Hannover, Stettin, Straßburg i. Els., Cottbus, Forst i. L., Frankfurt a. O., Gießen, Greifswald, Guben, Lahr i. B., DrÄÄ II II 4% Hamburgische amortisable Staatsanleihe vom Jahre 1907 im Nennbeträge von 60 Millionen Mark, Gesamtkündigung frühestens zum 1. April 1915 zulässig. ---. III ’ — Unser Institut hat im Verein mit anderen Bankhäusern UM. 60000 000 B'aufes*. Anleihe übernommen und werden dieselben am Oaenstag, den 82. fiÜärz 6SO7 zur Zeichnung ä 100,25% aufgelegt. Anmeldungen nehmen wir von heute bis Dienstag, den 19. März 1907 zu den Bedingungen des Prospektes entgegen. Mitteldeutsche Kreditbank. Filiale Giessen. Heichelheim. Andrea®. 1 Auswehl Federn 30 Pf MA, Dynamos 1 O Os !Z! 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