Donnerstag 16« Mai 1907 157. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 113 <■ ; \ Erscheint tLgllch mti Ausnahme des Sonntag?. General-Anzeiger fSr Vdertzeffen Rotationsdruck imb Verlag der vrühNchen Unwerstlät« - Buch- und Sreindruckeret. Ä. Laag«, Dreßen, Redaktion, Expedition und Druckerei? Schul- straße 7. Expedition und Vertag i e4@ 61» Redaklioiue^SIIL rel.-Adr-2ln-el4«Dreh«» Die „Siebener ZamlNenblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, da? „UreKblatl für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Volk freuen Reform des rückständigen Wahlrechts verlangt, aber eS hat im Parlamente großer Mühe bedurft, um die Vorlage unter schiebungen erfahren. Auf der anderen Seite konnte man von vornherein mit den geringen Erfolgen der deutschen Fortschrittspartei rechnen, deren Schicksal große Aehnlichkeit mit dem ihrer Gesinnungsgenossen in Deutschland hat. Einst auf stolzer Höhe stehend und einen dominierenden Einfluß ausübend, schmolz die Partei bei dem Ansturm von links und rechts und infolge des auch in der Donaumonarchie auftretenden Jnteressenkampfes mehr und mehr zusammen, um schließlich im Parlamentskonzert nur noch eine zweite Geige zu spielen. Genau wird sich das Resultat natürlich erst übersehen lassen, wenn die Stichwahlen stattgefunden haben; ob bei Wiederzusammentritt anfang Juni Freiherr von Beck in gleicher Weise über eine bestimmte Majorität verfügen wird, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da gerade in Oesterreich zu viel Interessen durcheinander laufen, aber eß wäre im Interesse der Entwicklung deS Landes dringend zu wünschen, wenn das Kabinett einen festen Rückhalt hätte und namentlich auch in der Lage wär«, der ungarischen Aspiration ein energisches entgegen» zurufen, zumal durch sie dis Grobmachtstellung der Donaumonarchie gar leicht in die Brüche gehen könnte. einzelnen Rationalitäten genau versteht außer Frage, daß die schroffen gerade in Böhmen bedeutend ge- mon noch vor wenigen Jahren für völlig Dach und Fach zu bringen, nachdem sie noch m letzter Stunde am Widerspruche beß Herrenhauses zu scheitern drohte. In allen Parteien war man aber von der Unhaltbarkeit deS bisherigen Zustandes durchdrungen, selbst zwischen Tschechen und Deutschen war eS über die Wahlreform zu einem Einvernehmen gekommen, so daß die Vorlage schließlich in den icheren Hafen laufen konnte. Brachte dieselbe auch ferne idealen Verhältnisse, so war sie doch immerhin als ein bedeutender Fortschritt zu bezeichnen, da sie vor allem daß allgemeine und gleiche Wahlrecht in sich barg, so daß zahl- reicheVolkSschlchten in weiterem Umfange eine Vertretung im Reichsrate fanden, deren sie bisher infolge der Ungerechtigkeiten des in Kraft befindlichen MahlmodnS entbehren mußten. Taktisch klug verfuhr man vor allem in der Ausschaltung deS bis dahin gerade bei den Wahlen stets zu hohen kann. Seit vielen Jahren hatte man eine Krr Wahlen in Hesterreich. 3um ersten Male standen innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle die Wahlen zum Abgeordnetenhause auf Grund deS neuen allgemeinen und gleichen Wahlrechts statt, einer Errungenschaft, welcher sich das österreichische vornherein in Mandate auf die teilt waren. Es mildert haben, was , _ . ausgeschlossen hielt. Soweit die Wahlresultate bisher bekannt geworden sind, entsprechen sie im Großen und Ganzen, wenn auch verschiedentlich Ueberraschungen wie immer nicht ausgeblichen sind, den Erwartungen, vor allem war eß klar, daß die Ausdehnung deS Wahlrechts gerabe denjenigen Parteien zugute kommen mußte, welche ihr Schwergewicht in die intensive Vertretung des sogenannten kleinen ManneS legen. ES kann daher nicht überraschen, wenn tn Wien und Oberösterrcich die Christlichsozialen eine beträchtliche Menge Sitze eroberten, weil gerade diese Partei unter der Führung eines Lueger überaus populär ist, da sie c8 war, welche gegen den Schlendrian ziemlich rücksichtslos zu Felde zog und mit Forderungen auftrat, welche ihr die Sympathien des Mittelstandes sichern mußten. Ebenso ließ sich voraussehen, daß die Sozialdemokraten eine beträchtliche Reihe von Mandaten gewinnen würden, in Böhmen sind bereits im ersten Wahlgange nicht weniger wie 21 Sozialisten gewählt worden, die sich ziemlich gleich auf Tschechen und Deutschen verteilen. Der Besitzstand der Nationalitäten in Galizien, Tirol, Kärnten und anderen Kronländern dürfte nicht allzu große Ver- Gegensätze sich Flammen emporschießenden Nationalitätenkampfes, indem von gemischtsprachigen Kronländern die ein klein wenig nach Selbstüberhebung schmeckt. Daher hat ar nicht vergessen, in der Vorrede beizusügen, daß ,stier Mann, bet so eifrig das Glöcklein schwingt, auch für sich selber läutet". Er ist weit davon entfernt, sich für unfehlbar zu halten. Aber andererseits darf er sich im stillen lagen — laut sagt er's nicht —> daß er sein Lebtag strebend sich bemüht. hat, das Gute zu fördern im einenen Herzen und im Herzen anderer. Und damit hat er nun im Alter wohl das Recht erlangt, gleich einem alttestamentlichen Propheten seinem Volle und allen, die ihn zu hören kommen, ins Gewissen zu reden. — Von Obersta. D. G a e d k e, der 10 Monate lang auf dem Kriegsschauplätze geweilt hatte, werden im Maiheft von „Nord undSüd" (S. Schottlaenders Schlesische Verlags-Anstalt, G. m. b. H., Berlin, W. 35) „Rückblicke auf den russischjapanischen Krieg" veröffentlicht, diejenigen Völker werden, wie Gaedke schließt, in einem zukünftigen Kriege die größten Aussichten des Erfolges Ijaben, die die tüchtigsten Feldherren und die bestaeschulren Unterführer besitzen, die es am besten verstehen, Persönlichkeiten heranzuziehen. — Einen weiteren interessanten Beitrag bringt das Maiheft von „Nord und Süd" in dem Aussatze: „Fürst Thlodwia zu Hohenlohe - Schillings für st, seine politischen Amchauungen und feine politische Tätigkeit bis zum Jahre 1870" von Tr. Ernst Salzer. Sein politisches Verhalten, auch seine Gegnerschaft gegen den Ultramontanismus, war wesentlich bedingt durch seine starke nationale Gesinnung, die nur insofern einen gewesen stammes- partikularistischen Ausgangspunkt hatte, als er größeren Anteil Süddeutschlands an der Lenkung der Geschicke der Nation wünschte. Dr. Ludwig F u l d aus Mainz beschäftigt sich mit der „Französischen Eherechtsrefor m". Es handelt sich vornebm- lich um die Ehescheidung auf Grund gegenseitiger Lieber* einjtinimung, wegen Unverträglichkeit der Charaktere, deren Zulässigkeit die in Frankreich zur Vorberatung der Reform des Eherechtes eingesetzte Kommission tu Vorschlag gebracht hat und die auch von dem Verfasier als zweckmätzig anerkannt wird, lieber „Kunftliebende Fürsten im alten deutschen Reiche" schreibt Pros. Arthur Kleinschmidt. — „RudolfPresbe r", mit dessen Bildnis (in Radierung von Andreas Pickl in Nürnberg) das Heft geschmückt ist, wird von Karl Bienenstein in feinen Leistungen als Lyriker, Novellist, Dramatiker und schließlich auch Uebersetzer gewürdigt. In der Erzählung „T h e a t er e b e", von Karl Hans Strobl, sind die Charaktere im allgemeinen scharf gezeichnet, die Handlung unterhaltsam und mit Humor vorgetragen. — Das Maihest der Monatsschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" (Verlag Alexander Koch in Darmstadt) bringt zu einem Bericht über die L Graphische Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Leipzig eine Anzahl trefflicher Reproduktionen von Arbeiten, die dort zur Schon gestellt waren. Häuser im Harz", war das Thema eines zeitgemäßen Wettbewerbs, den im vorigen Jahre einige Braunschweiger Herren ausgeschrieben hatten, besorgt um die Schönheit des Bades Harz- burg, das, von aufdringlickjen protzigen Vlllenbanten entstellt, seinen landschaftlichen Charakter von Jahr zu Jahr mehr ein» büßt. Sie wußten, daß Aufklärung allein hier nicht viel ändern würde, es vielmehr ratsamer sei, durch bessere Vorbilder erst das Verständnis dafür zu wecken, daß ein Landhaus sich seiner Umgebung harmonisch einfügen muß. Nicht kostspielige Villen wurden daher verlangt, sondern kleine Landsitze im HerstellungS- vreis von 7500 Mk. Von dem beispiellosen Erfolg des Preisausschreibens berichtet das Aprilhcft mit einer Reihe bunter Abbildungen, die auch die farbige Wirkung dieser Entwürfe erkennen lassen. Die zahlreichen Arbeiten verschiedener Art, mit denen in demselben Heft der Wiener Architekt Hans Ofner zu Worte kommt, lassen von neuem erlernten, daß sich der neuen Wiener Kunst, so kapriziös sie sich auch manchmal gibt, Form- liest man im Maiheft, daß der sogenannte „Fachverband für die gesühl und Geschmack nicht abstreiten läßt. — Mit Befremden wirtschaftlichen Interessen des Kunstgewerbes" — veranlaßt durch den im Februarheft der „Dekorativen Kunst" erschienenen vortrefflichen Aufsatz „Die Bedeutung des Kunstgewerbes" von Hermann Muthefius — sich vermessen hat, beim preußischen Handelsminister eine Beschwerde einzureichen mit dem Ersuchen, dem Genannten seine fernere schriftstellerische Tätigkeit und die Verbreitung solcher Anschauungen zu untersagen. Da nun Muthesius einer der kenntnisreichsten und erfahrensten Vorkämpfer für eine Gesundung der künstlerischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Architektur und Handwerk ist, muß man schon annehmen, daß den Herren das Unüberlegte und Zwecklose ihres Vorgehens nicht Har geworden ist. — Von Peter Roseggers Schriften, Volksausgabe, 3. Serie in 80 Lieferungen ä 35 Pia. (L. Staackmann, Leipzig) gingen uns die Lieferungen 52—58 zu. Diese Lieferungen enthalten die Fortsetzung und den Schluß deS Bandes „Das Sünderglöckel". Im Vorwort sagt der Verfasser: „In alten Zeiten soll die Sirte gewesen sein, daß des Abends spät, wenn die Kinder schlafeii gegangen waren, über der Stadt em Glöcklein läutete. Es wurde gelautet zur Mahnung und Warnung den Zechern, Balgern und Schleichern, den Versuchten und Verirrten und allerhand Sündern. .Dann wurde es auch geläutet bei Gerichten und Hochgerichten, bei feindlichen Ueberfällen und Elementarereignissen und endlich an Buß- und Versöhnungs- tagen zum Weckruf den Versumpften und zum Tröste den Verzagten. Das Sünderglöcklein war es genannt. — Und das soll diesmal unser Zeichen fern." viosegger, der feinfühlige Poet, hat natürlich selbst zu allererst begriffen, daß ein solches für die Zeitgenossen Armensünberglöcklein-Läuten oder — mit anderen Konferenz über und stellt fest, daß die englische Initiative zur Erörterung der Begrenzung der Rüstungen nichts als eine Reproduktion der russischen Initiative von 1898 sei und ebenso wenig zu Befürchtungen Anlaß geben könne, wie seinerzeit diese. Die Frage stelle sich heute unter den nämlichen Bedingungen dar wie damals, die englische Regierung verhehle sich das nicht. Tie englische Regierung schließe es vollkommen aus, daß ihr Vorschlag aus irgend welchem Grunde Anlaß zu Reibungen zwischen den Mächten geben könnte. Welche Formel auch immer England Vorschlägen werde, wenn sie nicht von allen Groß- mächten als praktisch und annehmbar erachtet würde, werde ic keine Folge haben, und die Frage werde vertagt werden. Diesen Standpunkt der englischen Regier".ng müsse jeder besonnen und verständig finden. t _ . ., „ Nach dem Hinweis auf Deutschlands und Lestcrreich-Un- garnö ablehnende Haltung bezüglich der Erörterung der Abrüstungsfrage auf der Konferenz spricht Sittoni, nachdem er kurz hie Erklärungen Bulows über die A b r Ü st u n g s s r a g e im Reichstag, sowie Campbell-BannermanS Rede über denselben Gegenstand in deren wesentlichen Inhalt skizziert hat, die Meinung aus, diese letzten Erklärungen Bulows und Scanner man» tüten den Gegensatz sehr gemildert, der zwischen dem deutschen und dem englischen Standpunkt zu bestehen schien. Vielleicht habe sogar Dcuuierman das letzte Wort in der Frage gcspvocheu, deren Lösung zweifellos der Zukunft Vorbehalten ist. Der Minister betont, daß er im Jahre 1906, als Grey im Unterhaus und Lord F-itzmauriee im Oberhaus dem Streben nach Begrenzung der Rüstungen beredten Ausdruck verliehen hatten, fane beifällige Zustimmung ausgesprochen habe. Er habe aber nicht Unterlasten, klare und ausorückliche Vorbehalte bezüglich der Möglichkeit zu machen, eine praktische, von allen annehm-, bare Formel zu finden. Er halte heute die Zustimmung zu den höchstedlen Absichten aufrecht, lvelche die hochherzige Initiative von England bestimmten und halte auch die Vorbehalte aufrecht betreffend die Möglichkeit, diese Initiative unmittelbar in die Tat umzusetzen. In diesem Punkte stimme er vollkommen mit den Vorbehalten überein, die Deutschland und Oesterreich-Ungarn gemacht haben. Zwischen dem Standpunkte Bülows und Aehrenthals und meinem besteht kein Unterschied als bezüglich des einzuschlagenden Verfahrens. Ich glaube, daß Italien an der Beratung teilnehmen kann, indem cs sich gleichivohl die nämliche öreibeit der Prüfung und Würdigung hinsichtlich der Ergebnisse der Beratung Vorbehalt Deutschland unb Oesterreich, bte es vvrzichcn, an der Beratung nicht teilzunehmen. Auch nicht im Traume kann man aus dieser leichten Differenz in der Methode schließen, daß die Verbindung zwischen den Staaten des Dreibundes weniger fest, und das Einoerstäiidnis zwischen ihnen weniger vollkommen sei. Bei dem Ideenaustausch, der zwischen Bülow, Ael-renthal und mir ifcatigcfunbeii hat, haben erstere, nachdem die Wesensgleichheit unserer AnschauungÄveist feügeuellt war, anerkannt, daß Italien recht wohl das Verfahren ein* schlagen könne, das ihm am besten diente. Nachdem Tittoni noch den Vorwurf zurückgewiesen hat, daß er im Widerspruch mit sich selbst Lcfiitbc, sprach er die Ueberzeugung aus, daß er das Bild der italienischen Politik, wie ec es im Dezember gezeichnet bat, heute ergänzt habe, und schloß init der Aufforderung an die Kammer, seinem Programm ihre Zustimmung zu geben. Die Rede wurde mit sehr lebhaftem Beifall ausge- rumimen. Rom, 15. Mai. (Deputiertenkammer, Schluß.) Nach Tittoni sprechen verschiedene Deputierte. Sodann nimmt der Minister nochmals das Wort und erklärt, die Beziehungen zwischen Italien und der Türkei seien vortrefflich, und tn Konstantinopel habe nimt die Hindernisse beseitigt, die in Kyrenaica und Trftwlitanien gegen das Vorgehen Italiens ent* standen seien. Tas sei ein wahrhafter Freundschaftsbeweis seitens der Pforte gewesen. (Beifall.) Alerner Feuilleton. — Kaiser Wilhelm II. als Odysseus. In einem längeren Aussatz über Korfu, die Kaiserin Elisabeth und das Achilleion schreibt die „Neue Freie Presst: Nun tritt der Hohenzoller das Erbe der Kaiserin Elisabeth an. Er wird es nicht verkümmern lassen. Wilhelm II. ist ja der Mann der idealen Bestrebungen, der in seiner Brust eine gewisse Romantik neben den Regierungssorgen beherbergt. Im Achilleion wird es fortan etwas geräuschvoller hergehen, die Emsiepelei wird sich mit Gästen bevölkern, die Hausgötter, durch Stille verwöhnt, werden ein Rauschen und Klingen zu hören bekommen. Ter neue Herr wird Feste geben, odysfeeische Feste vielleicht. Auch er schwärmt für die Zauber dec Vergangenheit, und auf seinen Wink wird Vergangenheit zur Gegenwart. Als er die S a a l b u r g einweihte, gab es ein römisches Imperatorensest. Er ließ sich von Legionären im echten Kostüm, von Zenturionen und Prätoren begrüßen, wäre wohl selbst gern als Antonius Pius erschienen. Nun gilt es viel weiter zurückzugreifen, die mykenische Zeit auf* zuwecken. Wer wird Alkinoos, der Phäakenkönig Jein? Wilhelm II. gewiß nicht, für einen vielgeplagten Herrscher ist das feine Rolle. Möglich aber, daß er, der ja auch einer der „meer- durchschifsenden Männer" ist, Odysseus wird fein wollen. Sein Kanzler wird ihm Eumaios sein, er wird Penelope vom Schwarme dec Freier erlösen, feinen Sohn Telemach rufen, daß er ihm helfe. Bei einem. Manne so lebhaften Geistes begreift man reden Sonnenflug, jeden Ritt in jedes romantische Land . . . . Doch schon sinkt der Abend, schon schlägt aus den Tälern herauf die Stunde ,wo er widerstandslos einem großen Ruhebedürfnis sich hingibt. Ter Jubel schweigt, der Augenblick ftiedlicher Selbsteinkehr ist getonnnen. Dann steht der Hohenzoller auf der Hermesterrasse des Achilleions — ein merkwürdiges Bild, rote es kein Brandenburger je sich träumen ließ — dann sicht et und laßt den Blick in die Weite schweifen und sinnt wieder gesenkten Hauptes nach über alle Unrast seines Herrscherbetuses. Ist ihm doch, als wäre auch der Monarch mit allen seinen Palästen der ewig Unbehauste. Und dieses schmerzliche Empfinden mischt sich mit den landschaftlichen Herrlichkeiten rings umher, mit allen Wonnen, die jein Auge trinkt, und dies und das verschmilzt in seiner Seele zu einem wundersamen Akkord Der stillen Wehmut und deS höchsten Naturgenufses. Was soll er da tun, als vor ihm auf diese Stelle jene Frau getan? Er zitiert seinen Homer: .Lange stand bewundernd der irrende Dulder Odysseus." Wir aber denken uns: Odysseus ist heute ein deutscher Kaiser. — „Dekorative Kun st". Zeitschrift für angewandte Kunst. .Herausgegeben von Hugo Bruckmann. 10. Jahrgang, Hcft 7 und 8. April und Mai 1907. Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., 'München. Vierteljahrspreis 3.75 Mk. Einzelpreis deS Heftes 1.50 Mk. — „MusterentVükje für kleine LandMimltec Hittonl über die inierntdionale Lage. Nom, 15. Mai. (Teputiertenkammer.) Bei der Beratung deS Budgets des Aeußern hielt der Minister des Auswärtigen, Tittoni, eine Rede, in der er einleitend bemerfic: Nach feinen ausführlichen Darlegungen der auswärtigen Politik Italiens im Dezember des Vorjahres, auf die er sich in allen Stücken beziehe, werde er sich heute auf wenige Erklärungen, die nur neue Ereignisse und neue Kundgebungen betreffen, beschränken. Zwischen Rapallo, Athen und Gaska oestehe kein Gegensatz, sondern nur Harmonie. Es seien Namen und Daten, die feinen Mißklang untereinander ergeben, sondern sich ergänzen und eine würdevolle Friedenspolitik zusanimenfassen. die von Italien im vollen Sonnenlicht mit großer Aufrichtigkeit und Loyalität betrieben werde. ES sei keine ungewisse oder zickzack vorgehende, sondern eine durchaus klare und bestimmte Politik, der auch bisher odr Erfolg gelächelt habe trotz aller düsteren Vorhersagungen.^ Tittoni fährt, indem er auf die Behauptungen von der angeblichen Unvereinbarkeit zwischen dem Bündnis mit Deutschland und Italiens Freundschaft mit England Bezug nimmt, fort: Zur rechten Zeit tarn das autoritative und wirksame Wort Bülows; es war so klar und offen, daß man wohl sagen kann, eS habe Tür immer jede Befürchtung und jeden Zweifel beseitigt. Es faßt zusammen, daß Deutschland und England ihre Beziehungen immer mehr zu bessern und in sreundschasilicher Weise jeden Jnieressen- (onfli?t, der entstehen könnte, zu lösen wünschen, und daß Italien dein Bündnis mit dem einen Volk wohl treu bleiben kann, ohne der Freundschaft für daS andere Eintrag zu tun. Tie italieniiche Nation begrüßte den Fürsten Bülow in Rapallo voll Freude als Vertreter einer verbündeten Macht, mit der sie so viele Bande einen. Voll Freude war die italienisck>e Nation auch über die Begegnung des Königs von England mit dem König von Italien in Gaeta und wandte einen Gedanken der Sympathie der seit so vielen Jahren befreundeten britischen Nation und einen solchen der Dankbarkeit dem König Eduard zu, der, als er kürzlich den Herzog der Abruzzen in London empfing, fo herzliche Worte für Italien und den savoyischen Stamm gesprochen hat. Also die alte Formel: unerschütterliche Treue zum Dreibund, aufrichtige Freundschaft für England unb Frankreich und herzliche Beziehungen mit allen anderen Mächten bleibt immer der Exponent unserer Politik, und die aufrichtige Art, in der diese Politik von Italien verfolgt wird, ist die einzig mögliche. Die von vereinzelten Stimmen in Italien zeitweilig geübte feindliche Kritik dieser Politik zerschelle an der Tatsache, daß alle anderen Machte dieses System der Bündnisse, Freundschaften und Sonderabkommen betreiben, sowie an der Tatsache, daß die italienische Politik von den verbündeten Staaten unb den befreundeten Staaten gewürdigt und gebilligt wird. Tittoni kommt im weiteren Verlaufe auf den bevorstehenden Besuch des Barons v. Aehreiithal in Rac- conigi zu sprechen und stellt dabei fest, daß die Beziehungen zwischen OcftcrreidpUngarn und Italien jetzt wirklich ausgezeichnete seien. Der Minister tritt der von dem ^Deputierten Banzilai kürzlich in der Kammer vertretenen Auffassung entgegen, daß Aehrenthal, der auch offiziell in so warmen und aufrichtigen Ausdrücken von Italien gesprochen habe, beabsichtige, die Hauptstadt Italiens unb bainit bie Anerkennung der italienischen Einheit zu ver- meiben. Ist denn, so fragt der Minister, diese ausdrückliche Anerkennung seitens Oesterreich-Ungarns nicht erfolgt? Ist sie nicht eine wesentliche Voraussetzung beim Bündnisvertrag? Das nationale Recht Italiens auf seine ewige Hauptstadt hat es nicht nötig, von Zeit zu Zeit durch fremde Dazwischenkunft anerkannt und bekräftigt zu werden. Das nationale Recht Italiens auf Rom ist unverletzlich und unverjährbar, und die Anwesenheit oder Abwesenhen eines Ausländers in noch so ausgezeichneter Stellung kann ihm weder etwas zufügen noch etwas bgropn fort* nehmen. Die nächsten Worte Tittonis galten der Reise des Königs von Italien nach Athen. Sie betonen, daß der Besuch bie natürliche Folge beS Besuchs des GriechenkönigS in Italien war. Es sei natürlich, daß bei diesen Gelegenheiten die alten gegenseitigen Sympathien beider Völker wieder lebendig wurden. Bezüglich der Orientpolitik Italiens, die auf der Integrität des oltomcmischen Reiches, auf das vollkommene Einverständnis mit Oesterreich-Ungarn, Rußland und allen, anderen Signatarmächten des Berliner Vertrages gegründet sei, habe keine Aende- rung erfahren. Die italienische Politik hoffe, daß die christlichen Nationen des Balkans schließlich begreifen, daß sie nichts bei brudermörderischen Kämpfen zu gewinnen haben, welche sie zerfleischen. Sie sei immer bereit, für Eintracht und Frieden chre Tätigkeit zu entfalten. Tittonis Rede geht dann zur Haager Wien, 16. Mai. Äon den gestrigen Wahlen,'liegen jetzt vns sämtlichen Kronländern mit Ausnahme von Galizien vollständige Wahlergebnisse vor. Demnach sind gewählt 2 31 Abgeordnete, erforderlich sind 16 8 Stichwahlen- Wie gewählten Abgeordneten verteilen sich nach ihrer Parteirichtung wie folgt: Deutsche Volkspartei 5, deutsche Fortschrittspartei 7, Christlichsoziale 69, Sozialdemokraten 57, katholisches Zentrum 28, Jungtschechen 4, Alttschechcn 2, tschechische Nationalsoziale 1, tschechische Agrarier 5, klerikale Tschechen 4, deutsche Agrarier 9, Alldeutsche 3, Ruthenen 6, Rumänien 2, Italiener 10, slovenische Volkspartei 19, liberale Slovenen 4, Kroaten 1, Freisinnige 1, polnische Klerikale 1 und Deutsch klerikale 1. Die auffällige Erscheinung bei den Wahlen ist die große Anzahl von Stichwahlen, die in Wien und in allen Kronländern notwendig sind, und die sich durch die unverhältnis- mäßige Menge von Kandidaten erklärt, wodurch eine Zersplitterung der Stimmen bei allen Parteien bewirkt wurde. Am bemerkenswertesten ist das Anschwellen der sozialdenwkratischen Partei in allen Kronländern und in Verbindung damit , der numerische 'Rückgang der christlichsozialen Partei, die ihre Erfolge namentlich 'in Wien und Nieder-Oesterreich nur mit sehr geringen Majoritäten errang und bei den Stichwahlen wenig Aussichten hat, wenn die Freisinnigen und die Sozialdemokraten sich gegenseitig unterstützen. Von oen großen Parteien des früheren Reichsrates erlitten die deutsche Volkspartei in Steiermark und Kärnten und die Jungtschechen in Böhmen und Mähren starke Einbußen durch das Vordringen der radikalen Elemente. Von den 130 auf Böhmen entfallenden Mandaten ist des Ergebnis in 126 Wahlkreisen bekannt, darunter 71 tschechischen, 54 deutschen. In den tschechischen Bezirken sind 45, m den deutschen 31, also insgesamt 76 Stichwahlen erforderlich. In 49 Wahlbezirken, darunter 26 tschechische und 23 deutsche, sind endgültig gewählt: 4 Jungtschechen, 1 Alttscheche, 1 böhmisch .nationaler Sozialist, 8 Freialldeutsche, 7 deutsche Agrarier, £9 Sozialdemokraten, davon 12 deutsche, 17 tschechische. — In den 19 deutschen Wahlbezirken Mährens sind 5 deutsch-fortschrittliche, 2 dcutschvolkliche, 2 Sozialdemokraten gewählt., Zehn Stichwahlen sind erforderlich, an denen 7 Sozialdemokraten, 3 deutsch- fortschrittliche, 3 christlichsoziale, 3 deutschvolkliche, 2 Alldeutsche, i deutscher Agrarier und 1 selbständiger Kandidat beteiligt sind. 'In den 30 tschechischen Wahlbezirken Mährens sind gewählt: 4 Kompromißkandidaten der Christlichsozialen und Konservativen, 3 Sozialdemokraten, 2 Alttschechen, 1 Agrarier. An den 20 ^notwendigen Stichwahlen sind 14 Sozialdemokraten, 11 Kompromißkandidaten oer Christlichsozialen und Konservativen, 6 Jungtschechen, 4 Agrarier. 2 Alttschecheu, 1 Anhänger der Gewerbepartei, 1 Reaüst und 1 selbständiger Kandidat beteiligt. In Deutsch-Tirol 10 Christlich-Soziale, 3 Kompromiß- kandidaten des katholischen Zentrums und der Christlich-Sozialen gewählt. I« Stichwahl kommen 1 Kandidat der deutschen Volkspartei gegen einen Sozialdemokraten, ein Christlich-Sozialer gegen einen Sozialdemokraten, ein Kandidat der deutschen VolkS- partei (Perathoner) gegen einen Kompromißkandidaten der Christlich-Sozialen und Konservativen. — In Italienisch-Tirol sind 7 italienische Konservative gewählt. In Sttchwahl kommen bei Jtalienisch-Liberale Malfattt gegen den Jtalienisch-Kvnser- vativen Zanoni, der italienische Sozialist Avantini gegen den italienisc^n Konservativen Conci. — In den vier Wahlbezirken Vorarlbergs sind durchweg Christlich-Soziale gewählt worden. — Unter den in Steiermark Gewählten befinden sich '4 Sozialdemokvaten, von denen Rese zweimal gewählt ist, 8 Mitglieder des katholischen Zentrums, 2 Christlich- soziale, 1 Deuts Radikaler, 5 Slovenen. In Stichwahl kommen 4 Kandidaten der deutschen Vvlks'partei gegen Christlich soziale, 1 Alldeutscher gegen Christlichsozialen, 1 Christlichsozialer gegen Sozialdemokraten, 1 Deutschagrarier gegen 1 Kandidaten des katholischen Zentrums, 1 slowenischer Fortschrittler gegen einen slowenischen Klerikalen. — In den 12 Wahlbezirken Krains find gewählt: 10 Mitglieder der Slovenischen Volkspartei, ein Deutsch-Fortschrittlicher (Fürst Karl AuerÄperg in Gottschee). In einem Wahlbezirk ist Sttchwahl nötig zwischen dem Bürgermeister von Laibach, Gribar. (nattonalfortschrittlich) und Kregar (Slovenische Volköpartet). — In den sechs Wahlbezirken von Görz und GradiSca wmLen gewählt: 2 Italienisch-Konservative, 1 Italienisch-Liberaler, 1 Slovenisch-Liberaler, 1 Slovenisch- Klerrkaler. In einem Falle findet Stichwahl zwischen dem Slovenisch-Libevalen und dem Slovenisch-Kvnservativen statt. — In den 6 Wahlbezirken Istriens sind 3 Slavisch-Nationale gewählt. In drei Bezttken findet Stichwahl zwischen drei Italienisch-Liberalen einerseits, 2 Slavisch-Nationalen und einem Christlich-Sozialen andererseits statt. — Wie aus Triest gemeldet wird, wurden Von 6 Mandaten ein Slowene und ein Sozialdemoktttt gewählt; zwischen 3 Italienisch-Liberalen und 3 Sozialdemokraten haben Stichwahlen stattzufinden. — In der Bukowina, auf die 14 Mandate entfallen, sind gewählt: 5 Jungruthenen, 1'Freisinniger, 1 konservativer Ruthene, ein Deutschfvrtschrittlicher, 1 Parteiloser und 1 rumänischer Demokrat. In vier Wahlkreisen findet .Stichwahl statt. Wien, 15. Mai. Der Unterrichtsminister M archet hat sich mit .Rücksicht auf den Ausfall der Wahlen veranlaßt gesehen, dem Ministerpräsidenten Beck das Portefeuille zur Verfügung zu stellen. Beck gab der Anschauung Ausdruck, daß hierzu Veranlassung nicht vorliege, und hat sich auch die Ueberzeugung verschafft, daß diese Auffassung an oberster Stelle gebilligt werde. — In dem niederösterreichischen Bezirk Heiligenkreuz ist der frühere Minister des Innern Graf Bylandt- RHeidt, der Urheber des Wahlreformgesetzes, gegen den sozial- demokratischen Kandidaten unterlegen. Deutsches Reich. Wiesbaden, 15. Mai. Zur heutigen Frühstücks- tafel beim Kaiser war außer dem Abt Fidelis von Stot- zingen von Maria-Laach auch dessen Begleiter Pater Placidus von Spee geladen. Heute nack)mittag machte der Kaiser eine Automobilfahrt zur Platte und von da einen Spaziergang bis zur Eisernen Hand. Der Kaiser hat den Kriegsminister v. Einem ä la suite des Kürassierregiments von Driesen Nr. 4 gestellt. Der vierte Abend der Festspiele brachte Saint-Saens „Samson und Dalila". In der großen Hofloge erschien unter Fanfarenklängen der Kaiser und Prinz August Wilhelm und die Exzellenzen v. Lucanus und Gras Hülsen-Häseler. — Nach einer Meldung verläßt das Kaiserpaar am Freitag abend Wiesbaden und führt nach Potsdam- Wildpark zurück, wo es Samstag früh 11 Uhr eintrifft. Potsdam, 15. Mai. Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist heute mittag nach Madrid abgereist, um als Vertreter des Kaisern an den dort stattfindenden Tauf>cstlichkeiten teilzunehmen. Berlin , 16. Mai. Ein deutsch-dänischer Handelsvertrag befindet sich in Vorbereitung. Anfangs Junr werden zwei dänische Unterhändler hier eintreffen, um wegen eines solchen Vertrages in Verhandlungen einzutreten. — Das Abgeordnetenhaus hat heute die letzte Tagung vor Pfingsten abgehalten, um vor dem 5. Juni nicht wieder zusammenzutreten. Ter Präsident will auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung u. a. den Nach- iragsetat stellen. Heute versagte das Haus zunächst die Genehmigung der Vernehlnung des Abgeordneten v. Kar- dorff als Zeugen, erledigte dann debaltelos mehrere kleine Vorlagen und Rechnungssachen urtb verwies die Wegeordnung für die Provinz Posen an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Das Jagdgesetz wurde dann in 3. Lesung angenommen. — Wie die ,Moss. Ztgi" erfährt, schweben zwischen dem preuß. Justizministerium und dem Kultusministerium gegen- WärtiA Verhandlungen zur Abänderung der Prüfungsordnung für GerichtZreferend are. (SS handelt fich dabei um den Ersatz der häuslichen Examenarbeit durch Klausurarbeiten. Als wahrscheinlich ist anzunehmen, daß die neue Prüfungsordnung vom 1. Januar 1908 an in Kraft treten wird. — Die Deutsche Armee-, Marine-und Kolo- nial-Ausftellung wurde heute vormittag 10 Uhr eröffnet. Der Ehrenvorsitzende des Arbeitsausschusses, Generalmajor z. D. v. Poser und Groß Naedlitz, dankte in seiner Rede dem Kronprinzen für die Uebernahme des Protektorats, v. Poser legte dann den Zweck der Ausstellung dar und brachte ein Hoch auf den Kaiser, den Schutz- und Schirmherrn der Kolonien, aus. Der Kronprinz erwiderte darauf, er erklärte hiermit die Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung für eröffnet. In demselben Moment flogen 2000 Brieftauben auf, um die Mitteilung der Eröffnung überallhin zu tragen, auch an den Kaiser. 9Icrch der Ansprache des Vorsitzenden des Arbeitsausschusses Wilhelm Backhaus, die mit einem Hoch aus den Kronprinzen und den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg endete, erfolgte ern Rundgang der Erschienenen, unter denen man auch den Generalmajor v. Deimting und Kolonialbirektor Dernburg bemerkte. Straßburg, 15. Dtai. Professor Curtius hatnunmehr endMtig die Absicht ausgegeben, sein Demissionsgesuch einzureichen. Eine von den evangelischen Laien und Geistlichen des Lauoes unterzeichnete Bitt- eiugabe, weiter im Amte zu bleiben, ist ihm gestern unterbreitet worden. Daraufhin soll sich Curtjus entschlossen haben, im Amte zu bleiben, solange er auf das ungeschwächte Vertrauen der protestmittscyen Kirche in den Reichslandeir rechnen dürfe. Thorn, 15. Mai. Der Streik der polnischen Schüler in Westpreußen ist feit Ostern zwar um weitere zehn Prozent zurückgegangen aber keineswegs erloschen. Nach der letzten amtlichen Erhebung streiken in Westpreußen noch 1449 Schüler in 69 Schulen. Im Regierungsbezirk Danzig hält der Streik viel hartnäckiger an als im Regierungsb ezir'k Marienwerder. Ausland. London, 15. Mai. Die Atorgenblätter bezeichnen übereinstimmend als bas wichtigste Ergebnis der gestern geschlossenen Verhandlungen der britischen kolonialen Staatsmänner, daß die Reichskonserenz eine bleibende Einrichtung geworden sei, die den Kern weiterer Entwickelung in sich trage. Nichtamtlichen Mitteilungen zufolge kam es in der gestrigen Schlußsitzung zu einem peinlichen Auftritt zwischen dem Premierminister von Neufundland und Lord Algin, weil Sir Robert Bond darauf bestand, Neufunblands Beschwerden über das von England mit Amerika zum Nachteil der Neufundländer Fischer abgeschlossene Abkommen der Konferenz in langer Rede vorzulegen. Auf Lord Elgins Weigerung, in die Sache einzutreten, soll Sir giobert Bond den Saal verlassen haben mit dem Ausruf: „Die Konferenz i'ft eine demütigende Posse." Brüssel, 15. Mai. Der König unlerzeichnete heute einen Erlaß, durch den der ehemalige Minister des Aeußern, Baron de Fav er eau und der belgische Gesandte in Berlin, Baron Greindl zu Staatsministern ernannt werden. Paris, 15. Mai. Clemcncecku hatte heute im Elysse eine längere Unterredung mit dem Präsidenten Fallier es. Dieselbe betraf, wie eS heißt, die gestrige Debatte und Abstimmung in der Kammer. Man glaubt, daß Clemenceau dem Präfibenten das Programm der Regierung unterbreitet hat. Es beirisst u. a. die Einführung der Einkommensteuer, Rückkauf der Westbahn und verschiedene andere sozialpolitische Reformen. — Nach einem zwilchen den Unterrichtsministern von Sachsen und Frankreich getroffenen Uebereintömmen werden die sächsischen tWittel]djiden eine Anzahl fran- zösischer Schüler und die französischen Mittelschulen eine Anzahl sächsischer Schüler aufnehmen, welche die Aufgabe haben werden, mit ihren Mitschülern praktische Ge- jprächsübungen in ihrer Muttersprache zu hatten. 9Lach demselben Uebereintömmen wird vom 1. Januar 1908 ab aua? ein gegenseitiger Austausch von je zwei Hilfslehrern erfolgen, welche das Vesahigungszeugnis als Mtttelschullehrer besitzen müssen. Madrid, 15. Mai. Die außerordentlichen Gesandtschaften treffen am Freitag ein. König Alfons hat Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef, König Eduard und König Karlos eingeladen, Eyrenzeugen bei der Taufe zu sein. König Eduard 'wird sich vertreten lassen durch den Prinzen Don Connaught, der Kaiser von Oesterreich durch den Herzog Eugen und der König von Portugal durch feinen Bruder, den Herzog von Oporto. Bei den Feierlichkeiten wird der größte Pomp entfaltet werden. Tanger, 15. Mai. Die letzten aus Marakesch ein- getrossenen, vom 8. d. M. datierten Nachrichten melden keine Veränderung der Lage. Die Stämme in der Nachbarschaft sind sehr erregt und man befürchtet weitere Plünderungen. Die Europäer haben fast alle die Stadt verlassen und befinden sich auf dem Wege nach Saffi. Unruhen sind auch im 9coeben des Landes ausgebrochen und bei Elazaar .ist es zu einem Kampf ezwischen zwei Stämmen gekommen. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten beträgt 10. Mehrere Ansieblungen sinb zerstört. In Fez unb Umgegend herrscht Ruhe. New York, 15. Mai. Legationssekretär v. Rabo- w i tz von ber beutschen Botschaft burchfuhr in einem Automobil bas Dorf Gien Echo in Marylanb in einem Tempo, bas bem dortigen Konstabler gesetzwidrig schnell vorkam. Es scheint, daß der Konstabler den Legationssekretär angerufen hat, daß dieser den Ruf aber nicht hörte. Als er den Dorfrand erreichte, glaubte der Konstabler ihn nicht mehr einholen zu können und feuerte daher die in solchen Fallen üblichen Sck)reckschüsse ab. Radowitz hielt daraus und wies sich als Diplomat und also als nicht verhaftbar aus. Angeblich erklärte er gleichzeitig, dem Auswärtigen Amt von bem Vorfall Melbung machen zu wollen. Ebenso plant ber Torfichulze, die Angelegenheit bem Auswärtigen Amt zu berichten. Nach bieser Sachlage ist also bas Deutsche Reich mit dem Vorgänge, oer Rabowitz lediglich als Privatmann angeht, nach den bisher vorliegenden Meldungen nicht interessiert. Albany, 15. Mai. Die gesetzgebende Versammlung des Staates N e w y o r k hat bie Bill betreffenb bie gemeinnützigen Einrichtungen (Utilities Bill) einstimmig angenommen. Tie Bill wirb wahrscheinlich auch vom Senate bes Staates Newyork angenommen werben. Diese Bill sieht zwei Kommissionen vor, bie eine für die Stadt Newyork, die andere für den Staat Newyork, mit ber Befugnis, bie Passagier- u n b Frachtsätze zu regulieren nnb einen angemeijenen Dienst zu erzwingen. Verschmelzungen von Korpora iioiuu int öffentlichen Vcrkehrsbienst sind verboten, außer wenn die Kommissionen dazu ihre Zustimmung gegeben haben. Es ist mögliche bag im Senate die Bestimmung ber Bill hinsichtlich ber Verschmelzung abge- änbert werben wirb. Die Bill unterstellt ben Kommissionen alle Eisenbahnen, bie Schlafwagengesellschaften, bie Gas- unb Elektrizitätsgesellschaften rc. im Staate Newyork. Neues aus Rußland. Petersburg, 15. Mai. Der Reichsrat lehnte ben von ber Duma ausgearbeiteten Gesetzentwurf bctr. bie Aufhebung ber Felbgerichte unb auf Revision ber von biesen gefällten Urteile ab. Der Justizminister wies in längerer Rebe nach, baß ber Gesetzentwurf unannehmbar sei, ba er von ber Duma ohne Beoback)tung ber gesetzlichen Formalitäten ausgearbeitet sei. — Der Kongreß ber „Schwarzen Hunbertschaf- t en" ist gestern in Moskau geschlossen worben, nachdem er in einer Resolution folgende Postulate aufgestellt hatte: Auflösung der Duma, Einsührung ber Diktatur, Entwaffnung aller revolutionären Organisationen, Bewaffnung aller Monarchisten, Konfiskation bes Eigentums ber Revolutionäre, Ausschluß ber Juden vom Staatsmilitärdienst, Aushebung der Autonomie der Hochschulen, Russisizierung der Grenzmarken, Unterdrückung der ganzen linken Presse, Sck)affung nationaler Blätter, Einsührung eines Bildungszensus für Redakteure usw. Aus Staot uno eano» Gießen, 16. Mai 1907. * Städtisches Dreimillionen-Anlehen. Wie wir erfahren, hat die Mitteldeutsche Kreditbank das Höchstgebot für das neue Anlehen der Stadt Gießen mit 98,91 Proz. eingereicht. Die Vergebung erfolgt in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung. — Parlamentarisches aus Hessen. Der Gesetzgebungs-Ausschuß hat am Mittwoch seine Beratung über den Jagdgesetz-Entwurf zu Ende geführt. Die von der Landwirtschaftskammer beantragten Abänderungsvorschläge wurden zumeist abgclehnt. Es bestehen sonach nur geringfügige Dissensen mit der Negierung, so daß, wenn die Erste Kammer den Entwurf annimmt, eine glatte Verabschiedung des Gesetzes zu erwarten steht. Der AuSschuß- bettcht, den Abg. Reh abfassen wird, soll in der nächsten Sitzung, Freitag nach Pfingsten, genehmigt werden. Alsdann wird der Llusschuß an die Beratung der von der Regierung zur Wahlreform Vorlage vorgeschlagenen Verfassungsänderung herantreten. • • Neue Ne gierungS baumeister. Ernannt wurden die Regierungsbauführer Hans Bierbaum auS Berlin, Karl H offerb ert aus Darmstadt, Ludw. Ho lzmann auS Darmstadt, Jak. Kumpf aus Weiher i. O., Ludw. Leicht weiß aus Eberstadt (Kr. Darmstadt), Gg. Sehrt auS Wirberg (Kreis Gießen), Hugo Völker aus Frankfurt a. M. und Wilh. Zwilling aus Worms a. Rh. zu Regierungsbaumeistern. * • Erledigt ist die Stelle dcS Forst war tS der Forstwartei Homberg, Oberförsterei Homberg, mit Wirkung vom 1. Juli 1907 ab. "Das Kolosseum hat seinen Spielplan geändert. Es spielt heute und morgen, dagegen Samstag und Sonntag nicht. Heute ist vollständiger Programm- und Personalwechsel. Von den auftretenden Künstlern seien namentlich die Solotänzerin Rose! del Jerno von München und der sog. Ausbrecher-König Nurdini als hervorragende Speziali- täten erwähnt. E i n Bergrutsch in Hessen. Der in weitesten Kreisen bekannter „Hesiischer Bergkönigs Äteißner bei Kassel zeigt schon seit Wtonaten bedeutende Erdrutschungen. Jetzt hat das bei Touristen beliebte Logier- und Gasthaus „Schwalbental* geräumt werden müssen. Von sachverständiger Seite wird angenommen, daß ungeheure Wassermassen im Innern des Berges gegen die Oberfläche drücken und so veranlaßt haben, daß jene Gebäude, weil sich mächtige Risse und Senkungen zeigen, jetzt geräumt werden mußten, zum großen Bedauern der Besucher des Meißner, denen sich vom herrlich gelegenen „Schwalbental* eine entzückende Fernsicht bot. Mit Sicherheit darf angenommen werden, daß im Innern des Berges Kohlenflöze ms Glühen geraten sind, da häufig aus einigen Erdlöchern Dämpfe heroorbrechen. ** „H ei nz e l m ä n n ch e n." Am Dienstag sand in dem Haus- und Küchengerate-Geschäst von August Kröll die 2. praktische Vorsührung der Heiiizelmäimchen-Back-, Brat- und Koch- apparate statt. Den anwesenden Damen wurde wieder vor Augen geführt, wie man durch Ersparnis von Kohlen und Gas die Haus- yaltungskosten bedeutend vermindern kann. Die fertiggestellten Braten und Kuchen gefielen allgemein. △ Mücke, 15. Mai. Daß endlich die Eisenbahnfrage Mücke—Ulrichstein ihre Lösung gefunden hat, erfüllt alle Freunde des Projektes mit Genugtuung. Zwar Hot baS Ohmtal-Projekt in seiner ersten Aufstellung, wie eS der rührige, leider zu früh verstorbene Vorsitzende des ersten Komitees, Dr. med. Schmidt zu Ulrichstein, geplant hatte, eine Ablenkung durch die Petitionen der Gemeinden Groß-Eichen und Höckersdorf erfahren. Diese Wünsche können aber erfüllt werden, ohne daß die neue Bahn ihren Charakter und ihre Bestimmung als eine „Ohmtalbahn* verliert. = Sanier bad), 15. Mai. Zwischen hier und Fulda stürzte ein verheirateter Bahnbeamtcr aus Betzdorf in voller Fahrt von der Ataschine und verletzte sich so sd)wer am Kopfe, daß er an seinem Aufkommen zweifelt. § AuS dem Vogelsberg, 16. Rtai. So verspätet die Obst bau mb lüte, so ungewöhnlich rasch verblüht sie. In nur drei Tagen war bie Kirschbaumblüte vorüber, sonst braucht sie deren bis zu 14 Tagen. Gleichfalls mit dieser Geschwindigkeit verblüt der Raps. Kaum leuchteten seine dottergelben Streisen aus dem Felde, so sind sie auch wieder verschwunden bis auf den matten Ueberrest der Rachblüte. Die Zwetschenbäume, die im vorigen Jahre so überreich trugen, haben ganz vereinzelten Blütenansatz. Wer als B i e n e n b e s l tz e r in den ersten kalten Maitagen seinen Völkern keine Sorgsalt widmete, hat noch im Mai, wo schon draußen die Natur die Tafel für bie Bienen deckte, den Verlust von Völkern zu beklagen gehabt, die glücklich durch den langen Winter gekommen sind. FC Offenbach a. M., 15. Mai. Die Polizei setzte auf die Errnittelung des Bombenattentäters eine Belohnung von 500 M. aus. b. Frankfurt a. M., 15. Mai. Der Rendant der Holzmannschen Betriebs-Krankenkasse, namens Hopf, wurde heute vormittag wegen Veruntreuung von 8000 Mark v erhaf tet. — Am Obermainufer wurde gestern abend ein Mann von vier Personen seiner Barschaft von 85 Pfg. beraubt. Die Täter wurden verhaftet. Mannheim, 15. Mai. Der in der hiesigen IubiläumS-AuSstellung befindliche Fesselballon hat sich durch Abknicken deS Seiles an der Rolle von seiner Befestigung gelöst und ist mit fünf Insassen in der Richtung nach WormS davongcf logen. Unter den Paffagieren befindet sich ein geprobter Führer, außerdem ist der Ballon für Fernfahrt eingerichtet. Es scheint für die Insassen keine Gefahr zu bestehen. Der Ballon wurde mit Automobilen verfolgt und ist in später Abendstunde ohne Unfall auf dem Exerzierplatz bei Frankfurt a. M. gelandet. *♦ Kleine Mitteilungen 11 u £ Hessen und den Nachbarstaaten. In Weibersbrunn (Unterfranken) kain am Sonntag ein junger M a n n ans O s s e n b a ch a. M. an, drang in die Wohnung seiner ehemaligen Geliebte, die in Offenbach gedient hatte, ein und gab einen Revolverschub aus sie ab, der sie unerheblich verletzte. Der junge Mann würbe iesigenommen. — Mil der -t.oilhilsstelle in Brauerschwend ist eine Telegraphen- anstatt nebst öffentlicher Sprechstelle und Niifallrneldestelle vereinigt worden. — In Alsfeld wurden die Brotpreise um 1 Psg. für das '/, Kilo erhöht. — In Waldkatzenvach (Odenwald) wurde der 65 jährige Gemeindercchner Münch durch einen Huslntt seines P'erdes gelötet. Vcrmijcbtcs» * Berlin, 15. Mai. .Auf Beranlaffung der hiesigen Kriminalpolizei ist gestern der'22jahrige Sohn eines angesehenen Bürgers in Grotz-Lichterseldc aus Dem Bette heraus verhaftet worden. Ter junge Mensch, der recht leichtlebig veranlagt ist, steht unter dem schweren Verdacht, gemeinsam mit einem Postgehilsen Postanweisungen gefälscht und die Beträge abgehoben zu haben. Die erschwindelten Geldsummen verjubelte er mit seinem Kumpanen in leichtsinniger Gesellschaft. * Brand und Blitz. In Klosterhausen bei Kissingen schlug der Blitz in zwei gefüllte Scheuern, die völlig cingeäschcrt wurden. Ein vierjähriges Kind des Besitzers wurde getötet. — InGlogau brach in einem bedeutenden, am Markt gelegenen Kvlonialwarengeschäft Feuer aus, das binnen wenigen Minuten das ganze Geschäft in Brand setzte. Als die Feuerwehr beim Löschen war, erfolgte plötzlich eine Petroleumexplosion. Vier Feuerwehrleute und vier Angestellte des Geschäfts wurden dabei so schwer verletzt, daß sie sofort nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden mußten. — Durch ein schweres Gewitter entstanden gestern abend in den Kreisen Ätarienburg und Preußisch-Holland viele Schadenbrande. Unter anderen ist Opitten, eine deutsche Besitzung, mit sämtlichem Vieh verbrannt. — In Hohenstein-Ern st t Hal äscherte ein Großfeuer, das infolge von Brandstiftung entstanden war, sechs Wohngebäude sowie mehrere Hintergebäude ein. 13 Familien, die zum Teil sehr arm sind, sind obdachlos geworden. Bereits im vorigen Jahre wurde Hohenstein-Ernstthal von einem ähnlichen Brandunglück heiingesucht, das ebenfalls äuf Brandstiftung zurückzuführen war. — Bei einem Brande, der in einem Etablissement in Newyork stattfaud, wurden zahlreiche Feuerwehrmänner durch giftige Gase betäubt und zu Boden geworfen. Zivei Feuerwehrmänner erlitten schwere Verletzungen. * Abermals ein Automobilunfall. Unweit Wesseling wurde der Begleiter eines Pulvertransportes von einem Automobil überfahren und derart verletzt, daß später des Weges kommende Fußgänger für die alsbaldige Ueber- sührung des Verunglückten ins Kölner Hospital sorgten. Auch in diesem Falle suchten die Insassen des Automoblls unerkannt, den schwerverletzten Mann seinem Schicksal überlassend, davonzueilen. | • Unfälle bei militärischen Hebungen. Während der Brigadebcsichtigung im Lockstäbter Lager stürzte Hauptmann Frhr. v. Schleinitz vom Schweriner Grenabierregiment Nr. 89 mit dem Pferbe und würbe schwer verletzt mittelst Krankenwagens in bas Barackenlazarett gebracht. — Aus dem Exeizier- vlatze des Lüneburger Tragonerregiments Nr. 16 beiWenbis ch- Evern ereigneten sich infolge ungeheurer S t a u b e n t w 1 ck e l u n g zahlreiche Unfälle. Mehrere Dragoner der 3. Schwabron stürzten, einer würbe burch einen Lanzenstich schwer verletzt, zwei durch Hustritte lebensgefährlich, mehrere leicht verletzt. * Newyork, 14. Mai. Heute früh fand nach Ueber- windung Vielsacher Hindernisse die Be r m ä h l u n g des vielfachen Millionärs und Präsidenten des Stahltrustes William Eins Corey mit der Schauspielerin Mist Maoelle Hol- m a n statt. Der Bischof Bürgeß harte die bevorstehende Che scharf verurteilt, weil Corey sich im vorigen Juli in Nevada von seiner ersten Frau, die ihm viele Jahre treu zur Seite gestanden hat, scheinen ließ, nachdem ihm große Reichtümer in die Hände gefallen waren. Infolgedessen weigerte sich ein Geistlicher nach dem andern, die Trauung, zu vollziehen. Tie Heirat hat Corey bereits 24 Millionen Mark gelt oft et 20 Millionen gab er seiner ersten Gattin und verschiedenen Verwandten als Abstand und vier Millionen vermachte er feiner neuen Frau. — Das junge Ehepaar trat von Newyork aus auf dem Schnelldampfer „Käfter Ml- helm II." seine Hochzeitsreise an. * Kleine Tageschronik. Im Spoy-Kanal in Eleve sind Drei Personen ertrunken — In Buschhausen wurde der Arbeiter van Peer mit 20 Messerstichen im Bett tot aufgefunden. Der Mann, Later von vier Kindern, ist einem Raubmord zum Opfer gefallen. Ter Mörder ist unerkannt entkommen. — In Kindelbrück (Pr. Sachsen, schlug während eines Gewitters der Blitz in eine Gesellschaft von acht Personen. Ein 43- jähriger Mann, Vater von sieben Kindern, wurde sofort getötet, seine Ehefrau sowie zwei andere Personen wurden leicht verletzt. Die übrigen Personen wurden nur betäubt, haben jedoch das Bewußftein rtneber erlangt. — In Aken erkrankten von 24 Hochzeitsteilnehmern zehn, die Rinderbraten genossen hatten, derart, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Das Brautpaar ist am schwersten erkrankt. — Nachdem in Metz die Pockenepidemie fast völlig erloschen war, wurden jetzt in dem benachbarten Maizieres zwei Kinder von der Seuche ergriffen. Tie Schulen wurden geschlossen. — Bei einem Brauereibrande in Regens st auf in der Oberpfalz wurden durch ciif einstürzendes Gewölbe fünf Feuerwehrleute verschüttet, von denen einer an den erlittenen Brandwunden gestorben ist. — In Schweidnitz flüchteten bei einem Unwetter sieben Soldaten des Grenadierregiments Nr. 10 in die Schießstände, wo ein Blitz einschlug. Einer wurde getötet. — In Neu- Wernsdorf (Böhmen) erwürgte der Arbeiter Nake sein Kind und erhängte sich dann selbst. Ein zweites Kind rettete sich. — Ein Schnellzug erfaßte beim Stanger Tunnel den Bauunternehmer Groß, der eine Wegverlegung um den Tunnel beaufsichtigte, und zerriß ihn in Stücke. — In Wiener-Neustadt wurde die junge Tierbändigerin Cäcilie Winkler bei der Dressur eines Bären von diesem ins Knie gebissen und erlag bald darauf ihren Verlegungen. — Im Distriktskrankenhause Verlad) sind zwei ältere Pftündnerinnen an den schwarzen Pocken gestorben. — In einem Antwerpener Bureau wurden die Geldschränke erbrochen und Werte in Hohe von 110 000 Franks entwendet. Tie Polizei hat die Spur der Verbrecher gefunden. — Aus der Fahrt von Salzburg nad) Wien wurde die 1Kjährige Konzertsängerin Binz aus Madrid im Eisenbahncoupv plötzlich irrsinnig und mußte in eine Irrenanstalt überführt werden. — In Lemberg ist eine Masern- epidemie ausgebrochen, von der zahlreiche Personen, alt und jung, bcfallen roovDcn sind._____________________________________ Kandel. Innere Anspannung auf dem Geldmarkt. Die nun vollzogene entgültige Erledigung der deutschen und preußischen 87,°/0 Anleihe von 19u5 hat zur Folge gehabt, klar zu legen, wie schwach noch die Geldverhältnisse vieler ersten Banken sind. Bekanntlich Hal ein erheblicher Posten der vorjährigen Anleihe beim Publikum keine Unterkunft gesunden und ist daher zu den Ueber- nahmeronsortiums-MitgUedcrn zurückgewandert. In anbelracht der Geldoerhaltnisse Hal die Seehaublung längere Zeil hindurch der Uebernahmegruppe einen Lombardvorfchuß auf den unverkauft gebliebenen Betrag gegeben und nunmehr, nachdem die neue 4°/0 Anleihe niitergebrachl war, handelte cs sich noch um die Ab- ivicklung des übrig gebliebenen Restbetrags der 3l/,°/0 Anleihe. Es ist anfänglich verjucht worden, diese Maßnahme in Verbindung mit den neuen 4% Schatzscheinen zu bringen. Allein dafür hat fid) fein Weg ergeben, sodaß jetzt die Gruppe unter anteiliger Verleitung des Restbetrags fid) aufgelöst hat. Da in den letzten Atonalen von einzelnen Mitgliedern der Gruppe schon einige Posten davon übernommen worden waren, handelt es sich nod) um rund 120 Mill. Alk. 3l/2°yo Anleihen des Reichs und Preußens. Die Abnahme dieses Betrages hat nun die Versteifung des Privatdiskonts und die Schwäche der 8*/2°/0 Anleihen zur Folge gehabt. Ter Privatdiskont ist schließlid) gestern bis 46/,°/0 gestiegen und die 3'/,°/0 Deutsche Reichsanleihe nachdem sie an den vorhergegangenen Tagen schon ziemliche Rückgänge erlitten hat, an einem Tag von 95.20 bis 94.50 geiallen, d. i. em Kurs, den sie bis jetzt noch nid)t gesehen hatten. Ende vergangenen Jahres schloß sie 98.—, sodaß also inzwischen ein Verlust von 3°/0 eingetreten ist. Es ist sehr bedauerlich, daß burd) die jetzt oorgenommenen Verkäuse der Anleihemarkt luieber aufs neue so außergewöhnlich, beunruhigt wird und daß es nicht gelungen ist, einen Weg zu finden, um derartige, das Ganze schädigende Vorgänge zu vermeiden. • • Konkurse in Hessen, lieber den Nachlaß des Holz- und Kohlenhändlers Georg Bopp 1. in Kostheim, verstorben daselbst am 9. Tezbr. 1906, wurde am 1. Mai nachm. 4'/, Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtspraktikant Karl Ka11ausch in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 15 Juni bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — Ueber daS Vermögen des Bauunternehniers Theodor Jakob Z w i n g m a n n in Bretzenheim wurde am 2. Mai, vorm. 10 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Laaff in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurssorderungen sind bis zum 5. Juni bei dem Amtsgericht Mainz anzimieldeii. — Lieber den Nachlau des Schreiner' H e i n r 1 d) Metzger, 2. in Vendersheim, wurde am 3. Mai, vorm. 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Notanatsgehilfe Jakob Streu der in Rieder-Saulheim wird zum Konkursverivalter ernannt. Konkurs- forberungen sind bis zum 20. Mai bet dem Amtsgericht Wörrstadt anzumeldeu. — Lieber das Vermögen des Privatiers Hugo H 0 p d) e ii in Mainz wurde am 8. Mai, nachm. bl/4 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. B i 11 h a r d t in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Ronhirfforberungei sind bis zum 10 Ium bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. Arbeiterbewegung» Berlin, 15. Mai. In den gestern abend abgehaltenen esi Mitgllederverjammlungen der zeiitralisierten Zimmerer wurde mit Heftigkeit der Streik verlangt, weil man nicht warten will, bis die Unternehmer mit der Aussperrung beginnen. London, 15. Mai. 3000 Dockarbeiter in Montreal stellten ohne Kündigung die Arbeit ein, weil die Reeder die geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligten. 18 große Ozeandampfer liegen im Haken. LingesanSt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Seit einer vollen Woche, d. h. mindestens seit Mittwoch dem 8. Mai, fehlt der an der Ecke Goetheslraße-Südanlage angebrachte Briefkasten. Einsenderist täglich beS WegeS gcioanbelt, in ber Hoffnung, ihn wieder an seiner Stelle zu fmbeu. Immer vergeblich, es galt immer wieder einen anderen Briefkasten auszusuchen, unb die sind in der Nähe nicht bid)t gesäet. Dian kann sich kaum vorstellen, wie ber Briefkasten ausgesehen haben mag, baß eine Woche ober mehr erforbcrlid) ist, um ihn wieder in Stand zu setzen. 91 od) weniger freilich, warum die Post nicht in ber Lage ist, inzwischen einen anderen — und wäre eS der älteste — an seiner Sielle an'.ubrniaen' X. kirchliche Nachrichten. Israelitische Religtonsgemelude. Hottcsdienlt in der Synagoge (Südanlage). SamStag, den 18. Mai 1907: Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbatausgang 0 Uhr. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 16. Mai. (iteiegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtlid)e 9loticrungen ber heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 51 Ochsen, 00 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 76 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 1218 Kälber, 40 Schafe und Hämmel, 1 Ziege, 20 Ziegenlämmer, 3 Scha'lämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 80—85 Mk., 2. Qualität 71—75 Mk., 3. Qualität 65—67 Mk.: Bullen 1. Qual. 71—73, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 72-75 QJIL, 2. Qual. 69—71 Alk., 3. Qual. 60—62 Mk., 4. Quak 00—00 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kalber 1. Qual. 100-000 Psg., Lebendgewicht 60—00 Psg., 2. Qualität 92—96 Psg., Lebendgewicht 53—57 Pfg., Schlachtgew. 67—72 Pfg.; Schafe: 1. Quak 80—00 Psg., 2. QuaL 76—78 Pfg. Geschäft: mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. Limburg a. d. L., 15. Mai. F rud) Unart L Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) 00.00 Alk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 00.00 Alk., Gerste 00.00 Alk., Haser 9.57 Alk. Erbsen 0.00 Alk., Kartoffeln 0.00 Mk. Original-Drahtmel-ungen. London, 16. Riat. Der KrlegsINinister H a l d a n e hielt gestern im Alexandra-Palaste eine bemerkenswerte Rede. Vor Eröffnung der Versammlung mußten mehrere Frauenrechtlerinnen gewaltsam auS dem Saale entfernt werden, weil sie versucht hatten, Ansprachen an das Publikum zu halten. Der Kriegsminister machte in seiner Rede Anspielungen auf die ernste Lage in Indien. Auf die englisch-deutschen Beziehungen eingehend, drückte er die Hoffnung ouS, daß diese sich beffern würden. Er tadelte diejenigen Blätter, welche versuchten, die Beziehungen zwischen den beiden Mächten zu verschlechtern. London, 16. Mat. Der ,$ribuna* zufolge hat der englische Gesandte in Eosta Rica im Auftrage der englischen Regierung der Republik drei Wochen Bedenkzeit gelassen, um die England gegenüber eingegangene Schuld von 50 Millionen zu bezahlen. Dieser Betrag ist jedoch, da seit 14 Jahren keine Zinsen gezahlt wurden, auf das Doppelte angewachsen. Budapest, 16. Mai. In der Ortschaft Gyorsar wurden 37 Wohnhäuser und 45 Nebengebäude durch ein Großfeuer eingeäschert. 40 Stuck Zuchtvieh und 20 Pferde verbrannten. Kaschau, 16. Mai. Der nach Budapest abgelassene Personenzug Nr. 105 stieß bei der Station Cftrny auf einen Güterzug. Lokomotive und 2 Wagen des Personenzuges wurden zertrümmert. Drei Personen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Auf Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTTMAO, Giessen, Blockstrasse 14-16. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, baß die «Vricbböfe vom 16. Mai bis 15. August von morgeuS 6 bis abcubd 9 Ubr geöffnet sind. Die Schließung des Friedhofes wird durch Läuten derFried- hosöglocke angezeigt. Bei Beginn deS Läutens nurß der Friedhof sofort ucrlaffen werden. Eine Viertelstunde nach dem Väuten werden die Friedhofstore geschlossen. Gießen, den 11. Mai 1907. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Ate cum. Bw/6 Vergebung. DaS für 1907 im Justizgebäude zn Gießen erforderliche Das Konkursverfahren über denRachlaß des August Röder und dessen Ehefrau Anna Elisabelhe geb. Euler von Dorf-Gill wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. b,6/6 Lich, den 13. Mai 1907. Großherzogl. Amtsgericht. Sctioü’s Weinstube. Strohhüte Herrenhüte Knabenhüte von 75 Pfg. bis 30 Mk. von 40 Pfg. an u. höher Heizungsmaterial als Tannenscheitholz, Buchenprügelholz, Ruß- unb Anthrazit-Kohlen I. Qualität sowie Briketts soll im Verdingungswege beschafft werden. Verschloffene Angebote können bis zum Eröffnungstermm: SamStag, den 8. Juni 1907, vormittags 11 Uhr im Zimmer Rr. 33 des Justizgebäudes ntedergelegt werden. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialeclaß, betr. daS Verdingungswesen, enthaltenen allgemeinen und den dahier ausgestellten besonderen Bedingungen, welche dahier offen liegen bezw. kostenfrei erhältlich sind. Letztere dürften eine Lieferung auswärtiger Bewerber erschweren. Nähere Auskunft erteilt auch der Großh. Hausmeister Goßmann. Der Zuschlag bleibt zehn Tage vor- behalten. Gießen, den 14. Mai 1907. Der Großh. Landgerichts-Sekretär. I. V.: _______________Seibert, Gerichts-Assessor. d1*/, Männer-Badeverein. 3364 Die We-Anstalt iß eröffnet, sä Täglich frische Maibowle im AuSschank. 2867 Prim Apfelweine im Zapf. 3222 Zelicukeller. >90 L. Steinhäuser 17 Neuen Baue 17 ' [. Mail 10 Psd. aiit-Lto 5 „ „ -3) js.Melmejl (Ludwigcchaseuer 0) 10 Psd. All. 1,75 _ Kinderhüte weiss u. farbig, von 75 Pfg. an bis zu den feinsten. 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