6. WS K ?ting •ting °a». Erstand. an die cn ' sScsscst lerbundes Lumda L W */. I & Asprion. a 3. VfaWrt. M Ter Vorstand. Chatiia 'n'ei« ftontovbi« ” “■ *juK 1907 'M Mvenkonzert. »rträge. - "®X • U ru Marburg stell, . . [OÜ52 beitens gesorgt. Philipp Sommer. - Nehl. " Pauli. ” "«••cs» uni d. K itjLK-4 tfieä® A^g-kss ,tzt täglich- , Marburgerstrasse^ 5 Uhr, miamöW Gartenzelte lsigvM len, ReM en etc. jsenmäber. jzMät 13. '• 4i"dÄ d-- >»- (300 S&» ÄSföaÄs *» s-ittü", Ucber ^unde von Moza». ‘ ' " gtoBinann, » Pauli. Nr. 138 Erstes Blatt 157. Jahrgang Montag 17. Juni 1807 Erscheint täglich «»«v Ä vezug»pret»r außer Sonntag». MiiäS» /XTT O monallich7bPs^viertel- Ei'S-sfjÄi AMAMA^ 1| i|4AtAA<»Ss -MMlesMkt AUjvlQvl^a gg General-Anzeiger für Oberhesien WM 2ldresle für Depeschen. »^artchtS^aal » Ernst Anzeiger Gießen. Botationsbrud und Verlag der vrühl'fchen llnio.-vuch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Lxpedttion und Druckerei: Zchulstratze r. ^Ateti-$an« Beck Zle heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Sie Suma ist aufgelöck! Am Sonntag früh erhielten wir folgendes Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben: Peter 8b u rg, 16. Juni. Turch kaiserlichen Ukas an den Senat vom 16. Zuui ordnete der Kaiser an, die Tuma anfzulösen nnd die neuen Wahlen ab 14. September an- zusehen und als Zeitpunkt der Einberufung der Tuma den 14. November 1907 festzusetzen. Außerdem wird heute ein kaffer- licheS Manifest und ein neues Wahlgesetz veröffentlicht. Heute früh ging unS der Wortlaut des Zareumanifestes zu. ES besagt im Wesentlichen folgendes: MeteUsburg, 16. Juni. In dem am 16. Juni erschien neuen Manifest tot der Zar zunächst feinen Untertanen lund und zu wissen, bpß gemäß seinem Befehle und seinen seit der Auslösung der ersten Nieichsdumagemachten Verheißungen die russische Regierung eine Reihe von Maßnahmen ergriffen iyale, um das Land zu beruhigen und eine regelmäßige Abwickelung ber Stoatsgeschaste herbei zufuhren. „Die zweite von uns emberufeue Reichsdume," so heißt es in dem kaiserlichen Manifest weiter, „wurde zusammenberusen, um in angemessener Weise an der Beruhigung Rußlands beizutragen, hauptsächlich durch gesetzgeberisch, s Wirken, ohne daß das Bestehen des Staates und die Ausgestaltung seiner Verwaltung unmöglich ist; ferner durch die Prüfung der BudgeteiunaHmen und Ausgaben, wodurch die RegA- mLßigkeit der nationalen Wirtschaft bestimmt wird; endlich durch den weisen Gebrauch dcs Rechtes der Interpellationen an die Regierung zu dem Zwecke, die Wahrheit und die Gerechtigkeck überall zu befestigen. Diese von uns erwählten und der Nation anvertrauten Pflichten legten dieser eine schwere Verantwortlichkeit und die heilige Verpflichtung aus, ihre Rechte zu gebrauchen für eine vernünftige und fruchttragende Arbeit zum Wohl und zur Befestigung des russischen Staates. Zu unserem Kummer rechtfertigt« ein beträchtlicher Teil der Mitglieder der zweiten Reichsduma unsere Erwartungen nicht. Nicht mit reinem Heizen, nicht mit dem Wunsche, Rußland wieder zu befestigen und die Verwaltung zu vervollkommnen, haben sich viele Abgesandte des Volkes an die Arbeit gemacht, sondern in der auSgespwchenen Absicht, die Unruhen zu vermehren und zur Zersetzung des Staates beizutragen. Infolge der Tätigkeit dieser Personen hat die Reichsduma ein überwind- liches Hindernis für eine fruchtbare Arbeit gebildet. Ein feindseliger Geist wurde in die Tuma selbst hin eingetragen und verhinderte dort den Zusammenschluß einer genügenden Anzahl von Mitgliedern, die gewillt geivesen wären, für die Interessen des Vaterlandes zu arbeiten. Indem die Reichsduma sich weigerte, Morde und Gewalttaten zu mißbilligen, hat sie auch der Regierung bei der Wiederherstellung der Ordnung die moralische Unterstützung nicht geleistet und Rußland leidet nach wie vor unter der Schmach einer verdre cherischeu Zeitperiode und großem Mißgeschick. Tas Recht, Interpellationen an die Regierung zu richten, wurde von einem beträchtlichen Teil der Duma in ein Mittel zur Bekämpfung, ber Regierung und zur Erregung von Mißtrauen gegen sie in weiteren Schichten des Volkes unrgewandell. Endlich wurde ein in den Annalen der Geschichte unerhörter Akt begangen. Die Gerichtsbehörden entdeckten eine Verschwörung eines Teils ber Tuma gegen den Staat und die kaiserliche Gewalt; Lder als unsere Regierung die zeitweilige Ausschließung bis zum endgültigen Urteilsspruch von 55 des Verbrechens an geschuldigten Dumamitgliedern und die Verhaftung der am meisten Verdächtigen von ihr fordert, erfüllte die Tuma nicht unverzüglich die gesetzmäßige Forderung der Behörden, Ivelche einen Aufschub nicht zuließ. Alle diese Umstände zwangen uns, durch unseren Erlaß vom 16. 6. an den Senat die zweite Tuma aufzulosen und als den Tag der Zusammeirberufung der neuen Duma den 14. September festzusetzen. Im Vertrauen auf die ^Vaterlandsliebe rmb den politischen Sinn unseres Volkes sehen wir jedoch die Ursache des zweimaligen Mißerfolges der Tätigkeit der Reichsduma darin, daß wegen der Muheit des Werkes und wegen der Unvollkommenheit des Wahlgesetzes diese gesetzgeberische Einrichtung sich aus Mitgliedern zusammensetzte, die nicht die wahren Vertreter der Bedürfnisse und Wünsche des Volkes waren. Jnchlgedessen haben wir, indem wir alle durch das Manifest vom 30. Lkwber 1905 unseren Untertanen erteilten Rechte und Grundsätze in Kraft ließen, den Entschluß gefaßt, das Verführen für die Berufung ber VolRvertrewr in die Reichsduma abzuändern, damit jeder Teil unseres Volkes in ihr seine Vertreter habe. Tie Duiwa, die berufen ist, den russischen Stchtt zu festigen, muß russisch sein ihrem Geiste nach. Die anderen Nationalitäten, die unserem Reiche angehören, sollen in der Reichsduma ebenfalls Vertreter ihrer Bedürfnisse haben, aber sie dürfen und werden nicht in einer Zahl in die Erscheinung treten, die ihnen die Möglichkeit gibt, in rein russischen Fragen zu entscheiden. In den Staatsgebieten, wo die Bevölkerung noch kaum die genügende Stufe der bürgerlichen Entwicklung erreicht hat, müssen die Reichs- dumawahlen einstweilen ausgesetzt werden. Auf dem gewöhnlichen gesetzgeberischen Wege durch die Reichsduma, deren Zusammensetzung von uns wegen Unvollkommenheit des Verfahrens zur Wahl ihrer Mitglieder als unzulänglich erkannt ist, wurden alle diese Mänderungen ber Wahlordnung nicht ein geführt werden können. Das Recht, dieses Ge'etz abzuändern und durch ein neues zu erfetzen, umn nur der Macht zukommen, die das erste Wahlgesetz gegeben hat, nämlich ber historischen Macht des rufst Kaisers. Unsere kaiserliche Macht über unser Volk verlieh uns Gott. Aus dem Vertrauen hierauf schöpfen wir den festen Entschluß, das von uns begonnene große Werk zu Ende zu führen, das Weük ber Reformätion Rußlands, dem wir ein neues Wahlgesetz geben, mit dessen Veröffentlichung wir den Senat beauftragen. Von unseren getreuen Untertanen erwarten wir einen einmütigen kraftvollen Dienst in der von uns angegebenen Richtung für das Vaterland, dessen Söhne zu jeder Zeit eine feste Sttltze feiner Macht, seiner Größe und seines Ruhmes gewesen sind. Gegeben Peterhvf, 16. Juni 1907. Nikolaus." Mas kommen mußte, kam: Der Duma letztes Stündlein hat geschlagen. Die Kommission der Reichsduma sieht nur sieben von den Abgeordneten, auf die sich der bekannte Re- gierungsantrag bezieht, für genügend belastet, um ihre AusDeutfches ReZch. Berlin, 16. Juni. Der Kaiser beglückwünschte den Staatssekretär v. Tirpitz zu dessen heutigem 10jähr. Ministerjubiläum. — Die „Tägl. Rundschau" meldet, der Reichskanzler habe auf das an den Kaiser gerichtete Huldigungstelegramm des antiultramontanen Reichsverbandes von dessen Eisenacher Delegiertentage an den Vorsitzenden des Verbandes, Admiral v. Knor-r folgendes Antworttelegramm gesandt; S. M. der Kaiser und König beauftragen mich, Sr. Exzellenz für die patriotischen Begrüßungen des gegründeten Verbandes Seinen Allerhöchsten Tank zu übermitteln. Se. Majestät hoffen, daß der Verband, der sich gegen eine Vermischung von Religion und Politik wendet, in den eigenen Reihen diesem Irrtum keinen Raum geben und nicht vergessen wird, daß eine Besserung unferer politischen Verhältnisse nur auf der Basis derParität der Konfessionen möglich ist. — Der Lordmayor von London, Sir William Treloar und 52 Mitglieder berLondonerStadtverwaltung sind heute abend hier eingetroffen und vom Bürgermeister Reicke, Stadträten und Stadtverordneten, empfangen worden. Die Herren begaben sich in mit englischen und deutschen Flaggen geschmückten Automobilen nach den Hotels. — Besprechungen zwischen Vertretern der maßgebenden Parteien und der leitenden Kreise haben Ucbereinftimmung darüber bekundet, daß bei dem bevorstehenden Rücktritt des Kultus» Ministers nur ein Nachfolger in Frage kommt, der derselben politischen Richtung angehört, wie Herr von Studt. Ein Systemwechsel dürste zurzeit nicht beabsichtigt fein. Breslau, 16. Juni. Während eines etwa halbstündigen Aufenthaltes, den der Kronprinz gestern auf dem hiesigen Bahnhof hatte, ließ er die neueste Nummer der „Zukunft" kaufen. Hamburg, 16. Juni. Der Kaiser ist heute früh hier eingetroffen und schiffte sich zur Kieler Woche auf der „Hohenzollern" ein. Um zehn Uhr hielt der Kaiser auf der „Hvhen- zollern" Gottesdienst ab. lieferung zu beschließen. Da die Regierung an ihrer Forderung der unveränderten Annahme ihres Antrages, der Auslieferung der 16 Meistbelaüeten und Unteranklagestellung sämtlicher 55 beschuldigten Abgeordneten festhält und jeden anderen Vorschlag für unannehmbar erklärte, so war die Auflösung unvermeidlich. Ter Nero ber Opposition in der Kommission sind die Polen, die die Bauern in ihrem Sinne umzustimmen verstanden. Es konnte ja schließlich auch nicht anders kommen: eine Institution, bte sich nicht nur derartig unfähig zu praktischer Arbeit — das wäre vielleicht noch verzeihlich gewesen — gezeigt hat, sondern auch in der wüstesten Weise jeden Halbwegs verständigen und für die jetzigen Verhältnisse in Rußland allenfalls passenden Nejormoorschlag wütend und in den feindseligsten Weise bekämpfte, hatte das Recht verwirkt, auch nur den geringsten Anspruch aus Existenzberechtigung zu erheben. Man iteUe sich die Lage der letzten Tage vor: In der Wohnung des lettischen Duma- abg. Ohsol, eines übeloeleumdeten Subjekts, der die deutsche Stadt Riga im russischen Parlament vertritt, haben Verschwörersitzungen stattgefunden. Dori haben sieben Matrosen, Gefreite und <5;cmeine, in Zivittleidung den Revolutionären des vom Untersuchungsrichter beschlagnahmte Schreiben eingehändigt, das die Meuterei ber Truppen und Verbrüderung mit der Duma verspricht. Bewiesen ist, daß nach dein Komplott eine Interpellation über das Soldateneleud das Signal geben sollte, um die Armee zum Voll hinüberzufuhreu, een Zaren zu entthronen und die sozialistische Republik zu gründen. Jede dieser Drohungen würde in jedem panametttar. Staat, und sei es der freieste, die gerichtliche Verfolgung der bded.gten Parlamentarier nach sich ziehen. Sie stellen sich eben außerhalb des Gesetzes. Die Verschwörung des Militärverbandes zeigt, wie jammervoll gering auch bei der zweiten Duma das Verantworttichkeitsgefühl war, zeigt, dag sie über die Taktik des Putschismus noch immer nicht hinaus ist. Angesichts dieser Verhältnisse war für die russische Negierung der entdeckte Komplott der gefundene Aniaß, durch einen Gewaltstreich der Tuma ein rasches Ende zu machen. Aber auch kurz vorher haben einige Preßorgane die Behauptung ausgesprochen, daß dem Zaren nur dann ein Helfer aus seiner jetzigen Situation entstehen könne, wenn er aus der Mehrheit des Parlaments d. h. aus den Revolutionären, ein neues Kabinett bilden wollte. Man stelle sich vor aus den russischen Ministerstühlen: den Herrn Ohsol, den Sozialistenjüngling Alexinski, den Bramarbas Kuttner und ähnliche Gestalten — wäre das nicht etwa dasselbe, als wollte man Wilddiebe zu Forstaussehern und Falschmünzer zu Bankdirektoren machen? Im Heer herrscht Disziplinlosigkeit und Meutereien sind an der Tagesordnung und im Offizierkorps ist Aufsässigkeit und Feigheit das Charakteristikum; m den Städten tobt der Terror; auf dem Lande herrscht Hungersnot und Verzweiflung und man ist längst einer Volksvertretung müoe, bereit Tätigkeit in nichts anderen bestand als in ber krassesten Negation. Kenner russischer Verhältnisse sagen: Ein Land, in dem Hunderttausende mit ihren Haustieren auf gleicher Kultur stehen, von bem ber größte Teil ber Einwohner weder lesen noch schreiben kann, ein solches Land kann nicht sozusagen im Handumdrehen in einen parlamentarischen Staat verwandelt werden. Man kann nicht Trauben lesen von Krüppelftchten. Man kann auch nicht von Bolksstämmen, in denen ohedem noch die Nagaika (die Knute) die oberste Herrscherin war, erwarten, daß sie von ihrer parlamentarischen Freiheit denselben verständigen Gebrauch machen, wie bas bei den westeuropäischen Nationen der Fall ist, die sich ihren Konstitutiona- tismus und Parlamentarismus vielfach in wilden, jahr- zehnte währenden Kämpfen erst erftreiten mußten! Doch jetzt entsteht wieder die bange Frage: was nun? Man will zum dritten Mal mit einer Tuma den Versuch machen und will verhindern, daß eine dritte Duma noch revolutionärer werde als die bisherigen. Tas neue Wahlgesetz ist da. Es-ist zu befürchten, daß dieses auch nur einen erneuten Quacksalberversuch geben wird, ohne bem erkrankten Leibe auch nur im geringsten zu Helsen. Vorläufig jedenfalls sieht es noch nicht so aus, als ob sehr bald Rettung kommen werde diesem unglücklichen Lande. Das neue Wahlgesetz. Petersburg, 16. Juni. Das heute veröffentlichte neue Wahlgesetz läßt die allgemeinen Grundlagen des bisherigen Fortbestehen. In den Gouvernements werden die Wahlen wie bisher durch besondere Versammlungen der Wähler der Bevölkerungs- klassen bewerkstelligt, welche auch früher wählten. Nicht eine Klasse, nicht eine Person, welche das Wahlrecht bisher besaß, verliert dasselbe, und alle werden an der Wahl der Dunka- mitglieder in der bisherigen Ordnung teilnehmen. Tie Verschiedenheit des neuen Wahlgesetzes von dem alten besteht darin, daß durch das neue Wahlgesetz jeder Bevölkerungsklasse, nämlich Den Grundbesitzern, den Bauern, den Städtern und den Arbeitern eine bestimmte Mindestzahl in der Volksvertretung zugcsichett wird. Andererseits gibt es dem intelligenten und in sozialer Hinsicht widerstandsfähigeren Klassen einen Vorzug bei den Wahlen, indem es die Zahl ihrer Wähler in den Wahlversammlungen im Verhältnis zu Den Vertretern der nichtintelligenten Klassen vergrößert. Das Ueberroiegen der letzteren bei der ersten und bei der zweiten Wahl hatte eine lieberfüllung der Tuma mit Abgeordneten zur Folge, welchen jegliche Vorbereitung für das Verständnis der Angelegenheiten der Staatsverwaltung abging, und von welchen ein bedeutender Teil selbst der elementaren Blldung bar war. Schließlich fetzt das neue Wahlgesetz die Zahl derjenigen Grenzmarken Rußlands, Polens und des Kaukaius herab, welche mit dem Reiche noch nicht bis zu einem solchen Grade verwachsen sind, daß ihre Vertreter von Verständnis für die Gemeinsamkeit ihrer Interessen mit denen der echtrussischen Bevölkerung durchdrungen sein können. In den Grenzmarken, in denen Die wirklichen Beziehungen nodj gänzlich unentwickelt sind, so in Turkestan, Den Steppengebieten und Dem Jakrttsk- gebiet, werden die Wahlen zeitweilig eingestellt werden. Jichem das neue Wahlgesetz den extremen Charakter des früheren beseitigt, verspricht es, eine Reichsduma zu schaffen mit einem Bestände von Vertretern, welche bereits in Der lokalen Selbstverwaltung Erfahrung haben und an friedliche und ruhige Arbeit gewöhnt sind Im einzelnen ist noch folgendes zu melden: Die erste Sitzung der Du ma am 15. d. M. war bei Beratung über Die Justizreform gewidmet. Der sozialistische Schlußantrag wurde von Zereteli begründet. Er sagte, man könne sich im Augenblicke ber höchsten Gefahr nicht mit Der Justizresorm beschäftigen, am Vorabend des Staatsstreiches müsse die Duma ihre Anschauungen über wichtigere Fragen hurt)- geben, als das Budget und das Agrargesetz. Prof. Kiesewetter erklärte, die Kommission, welche mit der Prüfung der Angelegenheit der in Anklagezustand versetzten sozialistischen Abgeordneten betraut ist, werde ihre Arbeit nicht vor Montag beendigen können. Die Tuma beschloß hierauf Schluß der Sitzung und Abhaltung einer neuen Sitzung am Montag. Diese Sitzung findet also nicht mehr statt. Die Kommission beschloß mit Rücksicht darauf, daß nach dem bis jetzt vorliegenden Anklagematerial die Anklage gegen alle 16 Sozialdemokraten gemeinsam erhoben worden ist, das Material gegen jeden einzelnen Beschuldigten getrennt vom Unieisuchuiigsrichter zu fordern. Diese Kommission bildeten 11 Kadetten, 2 Polen, 3 Sozialrevolutionäre, 4 Mitglieder der Arbeiterpartei und zwei Volkssozialisten. Selbst Die Kadetten sprachen sich ablehnend gegen den Regierungsantrag aus. • Petersburg, 16. Juni. Von den 16 sozialdem. Duma- abgeorbneten, deren Auslieferung Ministerpräsident Stolypin gefordert hat, haben sich sieben der Verhaftung zu entziehen gewußt. In der vergangenen Nacht haben etwa 700 Verhaftungen ftattgefunben. Die Garnison wurde durch Kavallerie und Infanterie bedeutend verstärkt. Ein Erlaß des Stadthauptmanns verbietet die Veröffentlichung von Artikeln und Mitteilungen, die eine feindliche Stimmung gegen die Regierung erzeugen können, Verbreitung verbotener Schriften und öffentliche Zustimmung zu Verbrechen, in welcher Form sic auch erfolge, ferner Den Verkauf ober öffentliche Ausstellung von Schriften, durch die Verbrecyen gutgeheißen werden; des weiteren die Verbreitung lügenhafter Angaben über Die Negierung, Regierungsbeamte, Kommandeure und Truppen, wodurch die öffentliche Meinung gegen diese aufgereizt werden könne, ferner Die Verbreitung unwahrer, die öffentliche Meinung erregender Gerüchte über die Maßnahmen der Regierung und über die angeblich unglückliche Lage der Gesellschaft und anderes. Die Schuldigen sollen auf administrativem Weae mit Geldbußen bis zu 3000 Rubeln oder Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft werden. Petersburg, 16. Juni. Ohsol ist auf der Flucht auf dem Finnländischen Bahnhof verhaftet und in der Peter- Paulssestung interniert worden. Er hatte sich durch Abnahme des Barles unkenntlich zu machen versucht. Zur sonstigen Lage in Rußland. In Sewastopol wurde der Gehllfe des Hafenkomman- banten, Gussakowsky, nachmittags durch einen Revolverschuß in Der Nähe des Trockendocks getötet, ber Mörber verhaftet, lieber Vorgänge auf den Panzeffchiffen „Ssynop" und „Tni-Swia- titclia", Die zur ber Verhaftung und Lanbung einer Anzahl von Matrosen wegen Meuterei geführt haben, mclbet bie „Pet. Tel. Agentur": Als bas Geschwaber bes Abmirals Tfiwinsley kürzlich in Tenbra angekommen war, beteiligten sich bie Mannschaften ber beibeit Panzer an Versammlungen, bie an ber Küste abgehalten würben und machten barauf Versuche, sich zu empören. Sie wollten bte Offiziere ins Meer werfen tmb von bem Geschwader Besitz ergreifen. Die Ausführung des verbrecherischen Anschlags wurde zur rechten Zeit verhindert bank ber Wachsamkeit ber Offiziere, bte unverzüglich entschiebenc Maßnahmen ergriffen unb baut ber Treue bes größten Teiles ber Besatzung bes „Ssynop". Ungefähr sechzig Matrosen wurden verhaftet. Wie aus Wilna gemeldet wird, wurde dort eine revolutionäre Militärorganisation entdeckt. Eine Anzahl Personen wurden verhaftet, eine große Menge revolutionärer Aufrufe an das Militär, Revolver unb Settern gesunden. In Stwirsensk bei Radom (Polen) überfiel eine Räuberbande ein Geldwechslergeschäft unb raubte 20 000 Rubel. Eine vorbeikommeu.be Militärpatrouille verfolgte bie Räuber unb schaffte das geraubte Geld wieder herbei. Drei Räuber wurden getötet, einer schwer verletzt Zur Aesorm der Yess. Lcrndgemeindcordnung. VI. Ter Regierungsentwurf bestimmt in Artikel 82, daß der Bürgermeister uni) die Beigeordneten auf zwölf Jahre gewählt werden. Nach geltendem Gesetz ist die Ämtsdauer nur neun Jahre. Zur Begründung ihres Vorschlages führt die Negierung au, das; ja auch in den Gemeinden mit Ltädtcordnung auf 12 Jahre gewählt werde, und „daß schließlich durch Verlängerung der Wahlperiode die Zahl der Wahlen überhaupt in den Landgemeinden um etwas beschränkt wird, was einer ruhigen Entwicklung derselben nur förderlich sein kann." Der Ausschluß hat indes beschlossen, es in diesem Punkte bei dem geltenden Gesetz zu belassen, und die Regierung hat sich damit einverstanden erllärt. Tie Referenten des Ausschusses, die Abgg. Köhler und Uebel, hatten als folgenden neuen Artikel vorgeschlageu: „Wird ein Bürgermeister nickt wiedergewählt, so erhält er das Recht auf Führung des Titels „A l t b ürg e r me i ste r" und auf Sitz und Stimme im Gemcinderat. Beide Berechtigungen stehen dem nicht wiedergewählten Bürgermeister inso- lange zu, als er wahlberechtigt in der Gemeinde bleibt." Zu diesem Vorschläge bemerkten die Antragsteller: „Wenn eine in den Grenzen der Sachlichkeit sich bewegende Opposition in einem Gemeindcwesen nur günstig wirken kann, so ist jedoch eine Orts Parteilichkeit, die nur lals ein Ausfluß von Machtbestrebungen von Blutsverwandtschaften und anderen Cliquen sich darstcllt, als eine das Gemeinwesen schädigende Erscheinung zu betrachten. Wenn darum aus ihr die Nichtwiederwahl eines Bürgermeisters sich l-crlcitet, so mag es als richtig erscheinen, daß >als ein Korrektiv hiergegen die Verleihung von Sitz und Stimme im Gemeinderat an den nicht wiedergewählten Bürgermeister gesetzlich angeordnet wird. Wenn ein Bürgermeister infolge des Umstandes, daß er in scharfer Meise Kulturfortschritte in seiner Gemeinde gegen den Willen der rückständigen und störrischen Einwohnerschaft herbeigcführt hat, nicht wiedergewählt wurde, dann sollte ihm doch die Möglichkeit verbleiben, seine Ansicht an maßgebender Stelle weiter zu vertreten. Auch würde es alsdann ausgeschlossen sein, daß sich eine unzufriedene Clique außerhalb des Orlsvorstandcs an seine Nockschöße hängen würde, die er mit Unzufriedenheit gegen das neue Oberhaupt nährt. Tenn jedermann würde ihm sagen können: Du bleibst 'ja Gcmeinderatsmitglicd, gehe doch hin und sage es dem ,Ortsvorstand selber. Ein nach langer Tienstsührung freiwillig .ausgeschiedener Bürgermeister würde weiter seinen guten Nat in i'.ben Dienst der Oefsentlichkeit stellen können. Im Falle mangelnder persönlicher Würdigkeit würde der „Altbürgermeister" raum ^irgendwelchen Einfluß int Gemeinderat erlangen." Was die Beftätigu n g der Bürgermeister und Beigeordneten anlangt, so hat der Ausschuß den bezüglichen Arttirel 85 wie folgt formuliert: 1. Tie gewählten Bürgermeister und Beigeordneten bedürfen der Bestätigung durch den Kreisrat. Nimmt der Krcisrat Anstand, die Bestätigung zu erteilen, so hat er die Entschließung des , Kreisausschusses einzuholen. Ter ergehende Beschluß des Kreisausschusses ist dem Gewählten zuzustellen und kann sowohl von diesem wie vom Kreisrat innerhalb einer Frist von zwei Wochen mit Beschwerde beim Provinzialausschuß, loelcher enbgühig entscheidet, angefochten werden. Tie zweiwöchige Frist beginnt für Den Kreisrot mit dem Ablauf des Tages der Beschlußfassung, für den Gewählten mit Ablauf des Tages, an dem ihm der die Bestätigung versagende Beschluß zugestellt worden ist. 2. Wird, die Bestätigung eines Gewählten rechtskräftig versagt, so ist eine zweite Wahl vorzunehmen. Wird auch diese nicht bestätigt, oder wird der nach der ersten Wahl nicht Bestätigte wiedcrgewählt, so ist das Ministerium berechtigt, nach Anhörung o.s Kreisausschusses die erledigte Stella durch einen von ihm zu ernennenden Beauftragten für drei Jahre auf Kosten der Gemeinde zu besetzen. Das gleiche gilt, wenn in einer Gemeinde aus sonstigen Gründen eine Wahl nicht zustande kommt. 3. Einer rechtskräftigen Versagung der Bestätigung ist es gleich zu achten, wenn der zunr Bürgermeister Gewählte eine Gast- oder Schankioirtschaft betreibt, und erklärt, auf Ein- r.stellung des Wirtschastsbetriebes nicht eingehen zu können. r Der Regierungsentwurf enthält in Alisas 1 noch den Zwischensatz, djaß die Versagung der Bestätigung „nur bei Unfähigkeit ober Unzuverlässigkeit des Gewählten in Bezug auf das von ihm zu 'bekleidende Amt geschehen darf". Der Ausschuß hat diesen Zwischensatz gestrichen. Ebenso hat er als letzte Berufungsinstanz das Ministerium des Innern durch den Provinzialausschuß ersetzt. Während im letzten Absatz der Ausschuß sich strikte auf den Standpunkt stellt, daß dem Bürgermeister ein Geschäft als Wirt nicht gestattet werden darf, will der Regierungsentwurf dem Bürgermeister die Däöglichkeit offen lassen, sein Wirtsgewerbe unter gewissen Bedingungen weitcrzuführen. Ter angezogene Artikel 124 lautet: 1. Ter Betrieb des Gewerbes eines Gast- oder Schankwirts ist dem Bürgermeister nur mit Zustimmung des Kreisausschusses und unter den von diesem etwa feslzusetzenden Bedingungen gestattet. Für den Fall der Erteilung der Zustimmung ist stets zur Bedingung zu machen, daß sich das Amtslokal des Bürgermeisters im Gemeindehaus, oder, wenn ein solches nicht vorhanden ist, in einem Haus befindet, in welchem Wirtschaft nicht betrieben wird. ,2. Eine erteilte Zustimmung kann durch Beschluß des Kreis- ausschusses widerrufen werden, irenn sich aus der Wirtschaftsführung Mißstände für die Ausübung des Bürgermeisteramts ergeben ober die gestellten Bedingungen nicht "eingehalten werden. 3. Durch vorstehende Bestimmungen werden die besonderen Vorschriften des Artikels 124 a nicht berührt. (Nämlich, daß ein Berufs-Bürgermeister ein Nebengewerbe nicht betreiben soll.) Ter Entwurf der Regierung folgt hier im wesentlichen geltendem Gesetz mit Ergänzungen, die sich zumeist decken mit den Vorschlägen einer Ausschußmajorität bei Beratung des Entwurfs von 1891. Ter jetzige Ausschuß hat dagegen beschlossen: „Ter Betrieb einer Gast- oder Schankwirtschaft ist weder dem Bürgermeister selber, noch seiner Ehefrau, noch allen feinen im selbigen Hause wohnhaften Angehörigen gestattet." Tie Regierungsvorlage zur Landgemeindordnung von 1874 enthielt ursprünglich keine Bestimmung in dieser Sache. Auf Antrag Schaub wurde dann beschlossen: Tas Geschäft eines Wirtes ist neben der Ausübung des Bürgermeisteramtes nur mit Zustimmung des Kreisausschusses 'gestattet. Es darf hier daran erinnert werden, was der genannte Abgeordnete zur Motivierung seines Anttages ausführte: „Tas sittliche Gemeindegefühl wird nicht gehoben, wenn in der Bürgermeisterei durch Branntweinzapf dem Laster der Trunkenheit Tür und Tor geöffnet ist, und die Elemente der Gemeinde in der Bürgermeisterei ihren Sammelplatz finden, dre das Familien- und Gemeindeleben untergraben und hindern. Diejenigen-schichten der Gemeindebürger, Die durch ihre Arbeit oder ihren Gemeindedienit in einem Abhängigkeitsverhältnis von der Gememde resp. dem Bürgermeister stehen, werden leicht genötigt, einen Teil ihres Lohnes in der Bürgermeisterei zu verzehren, -ter Bürgermeister, der im Besitz eines Vrannt- weinzapfes ist, wird in der Regel die Ortsvolizei nur in lässiger Weise üben und dem Wirtshaus- und Spinnstubenunfug zu neuern selten die Kraft haben. Kurz, schon die Repräsentation der Gemeinde, die dem Bürgermeister obliegt, verträgt lich mcht mit seiner Stellung als Branntweinzäpfer." Ter Beschluß des Ausschusses ist nur zu begrüßen, weil es zweifellos fast immer von Nachteil für eine Gemeinde sein wird, wenn das Bürgermeisteramt in engen Beziehungen zu einem Wirtschaftsbetriebe steht. Die Bestätigungsfrage im allgemeinen ist un- Merfelhaft eine der wichtigsten Punkte in der ganzeii Reform Man kann nicht lagen, daß die vom Ausschuß formulierte Fassung des Artikels 85 Abs. 1 eine die fortschrittliche Anschauung zufriedenltellende Lösung darstellt. Die Bestätigung iß ein Teil des Aufsichtsrechts des Staates. Die Gründe „Unfähigkeit oder Unzuverlässigkeit des Gewählten" (wie sie die Regierungsvorlage ansührt) fördern ein subjektives Urteil heraus^ sodaß der Ausschuß sie gestrichen hat. AnsöanH. Stockholm, 15. Juni. Heutt wurde hier die Verlobung des Prinzen Wilhelm, Herzogs von Södermanland, mit des Großfürstin Maria P a w l o >v n a , der Tochter des Großfürsten Paul Alerandrowitsch, veröffentlicht. London, 15. Juni. Trotz strömenden Regens hatte sich zur E n t h ü l l u n g d e s T c n k m a l s f ür den Herzog von Cambridge eine zahlreiche Menschenmenge eingefunben. Der König begrüßte den Feldmarschall Hahnke und die anderen deutschen Offiziere^ Der Herzog von Connaught hielt eine Rede über die Verdienste des verstorbenen Herzogs von Cambridge. Hierauf hielt der Koni g eine kurze Ansprache, die er mit den Morien schloß: „Ich möchte noch ein Wort sagen, um meine Anerkennung auszusprechen für die hohe Ehre, d i e K a i f c r Wilhelm mir dadurch erwiesen hat, baß er den Generalfeldmarschall Hahnke gesandt hat, um der Enthüllung des Tenk- mals b.nzuwohnen, dies zeigt, in welcher Weise der H-rzog gewürdigt wird." ..Nach der Enthüllungsfeier folgten die deutschen Offiziere einer Einladung zur Frühstückstafel bei dem König und der Königin. ~ Paris, 16. Juni. Eine HavaSnote besagt, baß zwischen Frankreich und Spanien eine Note ausgetauscht wurde, in der sie sich gegenseitig den status quo in den Teilen des Mittelländischen Meeres und des Atlantischen Ozqaiis garantieren, welche für die Verbindungen mit den respektiven Besitzungen interessieren: Canarische Inseln, Balearen, Algerien und Tunesien. Dieser ?kkt ist keine Alliance und keinerlei militär. Ä'onüt ■ tioit; er bildet ein neu"s Unterpfand des Friede ns. Spanien und England hoben eine Note desselben Sinnes ausgeta'.'scht. Uebrigenö' haben Frankreich, Spanien und England daraus gehalten, zu zeigen, daß sic keinerlei Hintergedanken hatten. — Tie Regierung beschloß, die Führer ber Winzerbewegung in den Än klag ezuftand zu versetzen und eventl. zu verhaften. Äus Stadt rrnd Land. Gießen, 17. Juni. • * Ein pietätvoller Akt des Kaisers. An dem Schmerz der Angehörigen des beim Kaiserpreisrennen verunglückten Mechanikers Faber von hier nimmt auch Se. Maj. der Kaiser Anteil, wie aus folgendem Telegramm zu ersehen ist, das gestern dem Oberst v. Lindenan zuging: Seine Majestät der Kaiser lassen Euer Hochwohlgeboren ersuchen, Seine Majestät bei dem Leichenbegängnis des beim Aus- scheldungsrennen verunglückten Chauffeurs Ludwig Faber, Sohn des Wagnermeisters Louis Faber-Gießen, Wolkengasse 11, zu vertreten und Kranz niederzulegen, der Ihnen von der Schatull- verwallung aus Berlin zugehen wird. gez. Eulenburg. * • Non unserer Garnison. Heute sand eine Bataillons-Besichtigung im Biebertal statt, zu der der Korps- kominandeur, General der Infanterie v. Eichhorn, der Divisionskommandeur Generalleutnant v. Strantz und der Brigadekommandeur Generalmajor v. Hartmann hier ein- getroffen sind. " Siegreiche Ruderer. Der Ruderklub „Hassia" errang gestern bei der Regatta in Offenbach im Anfänger- Vierer den 1. Preis. * * Konzert. Wegen der heutigen Batl.-Besichtigung fällt das Konzert im Renen Saalbau heute abend aus und findet morgen statt. * * Die Eise nbach »Verwaltung hat sich gezwungen gesehen, dem lebhaften Unwillen, der sich in der Bevölkerung über die große Zahl der zuschlagpflichtigen Schnellzüge geltend gemacht hat, Rechnung zu tragen und in eine Revision der Unterscheidungen zwischen Schnellzügen und Eilzügen einzntrcten. Das Ergebnis dieser 9ie=* vision ist gewesen, daß eine Reihe von Direktionsbezirkcn mit dem 15. Juni bezw. 1. Juli den Kreis der zuschlagsfreien Schnellzüge eriveitert hat. Wir hoffen, auch ans unserem Bezirke darüber schon recht bald nähere Mitteilungen machen zu können. * * Radaubrüder. In der Nacht von Samstag auf Sonntag verursachte eine Anzahl angetrunkener junger Burschen in der Sonnen- und Schulstraße einen Menschenauflauf da- durch, daß sie sich einer Schutzmannspatrouille, anstatt deren Mahnungen zur Ruhe zu folgen, widersetzten und die Beamten tätlich angrtffen. Einer war festgenommen worden und nun versuchten andere, diesen zu befreien. Es wurde auch nach Den Beamten mit Backsteinen geworfen. Die Schuldigen werden wohl eine exemplarische Strafe erhalten, hatten sie doch vorher schon einen ahnungslosen Bürger auf der Straße verfolgt und angegriffen. — In der Grünberger Straße wurden die Anwohner von vier jungen Herren in ihrer Nachtruhe erheblich gestört. Ter Skandal dauerte etwa eine Stunde lang. Es ist Anzeige erhoben. * * Sin Sittlichkeitsattentat. Heute morgen gegen 77* Uhr machte ein junger Mensch in der Anlage einen un- sitllichen Angriff auf ein kleines Mädchen. Der Mensch ging sofort flüchtig, wurde aber eingeholt und festgenommen. Die Polizei stellte fest, daß dieser gefährliche Patron der Maler Gustav Schwarzer von Eisenach ist, der seit 10 Tagen hier Arbeit gefunden hatte, aber vom Amtsgericht Eisenach steckbrieflich verfolgt wird. ** Des Großherzogs Kunftschätze. Der Großherzog hat seine überaus interessanten und wertvollen Privatsammlungen von Porzellan und Glasgegenständen aller Art, die bisher meist im alten Palais untergebracht waren, nunmehr weiteren Kreisen zugängig gemacht, indem er das in dem Hermgarten hinter dem Hoftheater liegende Prinz Georg-Palais nach eigenen Ideen zu diesem Zweck Herrichten ließ. Zahlreiche Holzschnitzereien und Stuckarbeiten im ersten Stock des vom Landgraf Ludwig VIII. erbauten Palais, wurden von ihren alten Ueberstrichen gereinigt, sodaß sie jetzt erst recht erkennen lassen, welche tüchtige Künstler damals mitwirkten. Besonders angefertigte Glasschränke werden die meisten Ausstellungsgegenstände ausnehmen. || Lang-Göns, 16. Jnni. Gestern sand hierunter dem Vorsitz des Beremigungskommissars Schnittspahn eine wichtige Sitzung in Sachen der Feldbereinigung statt. Am Dienstag hatte auf dem Rathause eine Versammlung stattgefunden, in welcher Vorschläge gemacht wurden zur Wahl der Kommissionsmitgllcder. 91 m Freitag wurden die Herren Johs. Anton Müller, Anton Becker zu Mitgliedern und Johs. Wilhelm und Johs. Faber zu stellvertretenden Mitgliedern gewählt. Die Entscheidung über die Aufbringung der Kosten iverde, nachdem man sich auf IV-Vo Abzug von den Grundstücken zur BildiiNg von Massengelände geeinigt hatte, getroffen. Vorher war ein Antrag der Kommission, 2% als Massengrundstücke zur Verfügung zll stellen, mit allen gegen 1 Stimme abgelehnt worden. Zu Mitgliedern des Schiedsgerichts, welches hoffentlich -nicht in Tätigkeit zu treten braucht, wurden Rechner Feuerbach in Ochsradt und Bürgermeister Krämer in Steinbach gewählt. Es ist hervorzuheben, daß die Beschlüsse alle einstimmig gefaßt wurden. In der Vorversammlung dagegen war es sehr heftig hergegangen. 9lber es kam wie immer: wenn cs gilt, sind die Lang-Gönser einig! 0 Allendorsa. d. Lda., 16. Juni. Das 3. B u n d e. s s e st des Lahntalradlerbundes sand heute hier statt, verbunden mit Preis- und Korsofahren. Das Tanersahren wurde durch Regen unterbrochen, doch wurden von allen Teilnehmern 60 Kilometer gefahren. Um V23 Uhr wurde ein Festzug veranstaltet. Der Vorsitzende Formhals hielt die Begrüßungs- und Festrede. Bürgermeister Schmidt-Lollar, der 1. Bundesvorfitzende, nahm die Preisverteilung vor. Im Dauerfahren erhielten folgende Vereine Preise: 1. Klein-Linden, 2. Allendors, 3. Londorf, 4. Gr.- Linden; im Korso fahren 1. Lollar, 2. Kl.-Linden, 3. Allendors und Gr.-Linden; im Mannschaftsfahren errangen 1. Preise Londorf, Klein-Linden und Großen-Linden, 2. Lollar, 3. Allendors. (-b) Nieder-Bessingen, 16. Juni. Ein Junge, der mit einem Revolver im Schießen sich üben wollte, schoß einem vierjährigen Knaben aus Unvorsichtigkeit eine Kugel i.n den Unterliefet. Das verletzte Kind mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. n- B ü dingen, 15. Juni. Heute fand im Rathaus- saale die Bezirkslehrerkonferenz der Bezirkslehcerver» bände des Kreises unter Leitung des Schulrats Scherer statt. Aus der Tagesordnung stand ein Vortrag über die Entwicklung des Bauernstandes. Lehrer De greis von Lindheim führte uns den Werdegang dieses überaus wichtigen Standes von der Römcrzcit bis zur Jetztzeit klar vor Augen. Ein eigentlicher Bauernitand existierte erst zur Zeit Karls des Großen, seine Blütezeit erreichte er unter Den fränkischen Kaisern. Durch die Ritter damaliger Zeit fand nach und nach die ärgste Entrechtung und Unterdrückung dieses so wichtigen Standes statt. Die Bauernkriege zur Zeit der Reformatlon haben darin ihre Ursache. Nach blutiger Niederwerfung der Bauernaufstände dauerte e§ 300 Jahre bis die Bauern gleiche Rechte mit übrigen Bürgern erhielten und auch ein menschenwürdiges Dasein führen konnten. Dieser Uebergang konnte aber auch nur allmählich vor sich gehen und kann mit dem Jahre 1848 als beendet angesehen lverdcn. Wertvolle Ergänzungen des Vortrags erfolgten durch die Herr Spiel mann und Vollrath. Schulrat Scherer erörterte wie der Geschichtsunterricht zu reformieren sei, indem man in den ländlichen Schulen die Geschichte des Bauerstandes in den Mittelpunkt desselben stelle. sd D a r m st a d t, 17. Jnni. (Tel.) Der Erb groß- Herzog von Baden wird morgen vormittag auf Schloß Wolfsgarten eintreffen, an der großh. Familientafel teil- nehmen und am Abend nach Karlsruhe zurückkehren. (sd.) Worms, 16. Juni. Das vierte Rosenfest wurde gestern durch einen Minnesänger-Abend im Festspielhaus eingeleitet, wobei das Reim-Orchester unter Leitung von E. Kaiser, sowohl während der Feier, wie bei dem nachfolgenden Richard Wagner-Abend im Festhaus-Garten mustergültiges leistete, gleichen Beifall errangen Frl. Eva Martersteig vom Kl. Theater Berlin, durch einige wirkungsvoll vorgetragene Minne lieber, die unerschöpfliche und unverwüstliche Elsa Laura von Wolzogen durch ihre Originallieder zur Laute, die geradezu Beifallsstürme verursachte. Wir erwähnen nur: Die Königstochter und der Tod, sowie „Fräulein, darf ich mit Euch gehn!" Auch Otto Stöckel-Düsseldorf fand für seine Rezitationen verdiente Anerkennung. Dr. Herbert Eulenberg- Düsseldors hielt einen mit vielem Beifall ausgenommenen Vortrag über das Wesen und die Bedeutung des Minnesanges. Heute, Sonntag, sand im Festhaus mit Gartenanlagen ein imposantes Rosenfcst mit großartiger Dekoration, Basar, Konzert usw. statt, das bei herrlichem Wetter gut besucht war und einen guten lleberschuß bringen dürste. W. Homburg v. d. H., 15. Juni. Der Kaiser fuhr um 7 Uhr im Sondcrzuge von hier nach Hamburg. Zum Abschiede hatten sich auf dem Bahnhofe eingefunden: Regierungspräsident Dr. v. Meister, Landrat Dr. Ritter von Marx, Oberbürgermeister Maß und Geh. Baurat Jacob!. ■— Als Abschluß des Kaiferpreisrennens fand heute abend im Musiksaale des Kurhauses auf Einladung des Kaiserlichen Automobilklubs ein Festmahl statt. Kurz vor Beendigung dec Tafel ergriff der Herzog von Ratiboc das Wort und brachte ein dreifaches Hurra auf den deutschen Kaiser aus. Er gedachte der günstigen Resultate der Firma Opel und feierte den Sieg des Fiat-9lutomobils. Seine Worte klangen aus in ein Hoch auf das Fabrikat, den italienischen Automobilklub und Italien. Ein Vertreter des italienischen 9lntomobilklubs erwiderte mit einem Toast auf den Herzog von Ratibor und den Kaiserl. Automobilklub. Regierungspräsident von Meister begrüßte die fremden Gäste, insbesondere die Vertreter der fremden Regierungen, der Präsident des französischen Automobilklubs van Ziiylen toastete in französischer Sprache auf den deutschen Kaiser, Dr. Levin-Stölping auf die Presse, Redakteur Passauer auf das gute Einvernehmen zwischen Presse und Automobilisten. Der Kurpark war glänzend beleuchtet. Nach Schluß des Diners wurde ein prachtvolles Feuerwerk abgebrannt. Generalversammluttg Les Gcselligkeitsvereins Gleiberg. th. Gießen, 17. Juni. Am Samstag nachmittag waren die Burgherren ver- aus zahlreich auf dem Gleiberg versammelt. Es war die stärkstbefuchle Generalversammlung, die der Gleibergverein seit langen Jahren abgehalten hat und ist es erfreulich, daß die Zahl der Getreuen, die der altehrwüdigen Burg ihr Interesse zuwenden, von Jahr zu Jahr zugenommen hat. Der Vorsitzende, Geheimerat Dr. Breid e rt, begrüßte die Versammlung, darunter besonders die Vertreter der preuß. Aufsichtsbehörde, Landrat Dr. Sartorius und Kreisbau- inspelror Stief-Wetzlar. Er gedachte sodann in warmen Worten der im Geschäftsjahr verstorbenen Mitglieder des Vereins (Prokurist SpeiG Stadtv. Jean Kirch, beide in Gießen, Hütteningenieur Fecker in Lollar und Stations- verfteher l sticken. Hannover, 15. J-.ini. Zn der anläßlich der Fertigstellung der 5000. Lokomotive von der Hannoverschen Maschineubau- Aktiengcsellschast veranstalteten Feier, überbrachte Handelsinimster Delbrück die Glückwünsche der Regierung und gab im Anschluß daran mehrere Ordensverleihungen dekamil. Der Tireklor der technischen Hochschule Hannover überbrachte die Erneminng des Direliors Einst Veit er 511m Doktor-Ingenieur ehrenhalber. Auitst und rvissenschaft. — Im F r a n k s u r t e r Opern hause wurbe unlängst des Wiener Ensler Operette ü n ft l e r b 111 t* mit Glück heraus- gcbracht. Ter Text der Herren Leo Stein mib Karl liiiibmi ist leidlich amüsant und bietet dankbare Rollen. Tie Musik ist zwar ivcbcr originell, noch tiei, ober sie bleibt gefällig. Alles in allem ein Erfolg, an dem mit den Sängern auch Kapellmeister und Regisseur, ber das Werkchen im verlangten Geschmack der Biedermeierzeit recht hübsch iiiHeniert hat, Anieck haben. vermisehtro. * Ein Erholungsheim für Studenten beabsichtigt die Universität Kiel zu errichten und, hat zu diesem Zweck die am Beginn von Düsternbrook in nächster Nähe der Universität idyllisch an der Vieler Förde gelegene alte Seeburg von der Stadt für 200 000 Mark angekauft. Das dort zu errichtende Gebäude, das u. a. einen großen Festsaal enthalten soll, unter welcher Bedingung ein hiesiger Professor zu den Kosten einen Beitrag von 100 000 Mark leistet, ferner einen Turn- und einen Fechtsaal, wird in einem großen, mit alten Baumen bestandenen parkartigen Garten liegen, in dem Tcimisplätzc usw. angelegt werden sollen. Tas Haus, das für die ^Ltudenlenschast ein „Mittelpunkt der geistigen Erholung und der Pflege von Leibesübungen" werden soll, wird den Namen „^ville-Heim, fuhren nach dem Stifter des für den Ankauf zur Verfügung stehenden Willeschen Legats in .Höhe von 55 000 Mark, um das zwycpeu Stadt und Universität ein jahrelanger streit geführt werben ist, der schließlich durch einen Vergleich beendigt wurde. ^,ic „Seeburg", eines der ältesten Gebäude Kiels, steht mit der Familiengeschichte des Bismarckschen Hauses, in Verbindung. Zu dem früher weit nach Norden bin sich erstreckenden Besitz der Grafen v. Rantzau-Oppendorf gehörig, der größtenteils parzelliert worden ist, war die Seeburg in den 70 er Jahren des Id. ^ahr- liunderts Sitz der durch ihren Geist und ihre Wohltätigkeit ausgezeichneten Gräfin Charlotte v. Rantzau, geb. Z-renn ^icde v Fürstenstein. Im Jahre 1902 ging das Grundstuck für 220 000 Mark in den Besitz der Stadt über. ...... »Kleine E ageschr 0 n k Als em häufig vorbestrafter Mensch von Düsseldorf ins Gefängnis nach LMlrmghausen zuruck- flenihrt werden sollte, überrumpelle er im Eifenbahncoupee ben Transporteur, schlug ihn zu Bobeu, entsprang aus bem fahrenden Bune und entkam ; ber Zustand des Transporteurs ist bcbeuklich. — Ter Arbeiter Wisniewski, ber in Westfalen beschäftigt war, kehrte plötzlich nach seinem Heimatort Mltukowo in Posen zurück, ba ihm ein Mitarbeiter, ber soeben von dort m Westfalen ei »getroffen war, ungünstige Nachrichten über das Treiben ftmer Ehefrau gebracht hatte. Wisniewski fiel, als er m seiner Wohnung angelangt ivar, ohne Weiteres über seine Frau her und mißljan- bdte sie' schwer. Als die Mutter ber Frau ihrer Tochter zur Hu.fe sprang, stürzte sich Wisniewski auf sie uub tötete ste. Untcr- bcfi'en hatte sich bie Frau des Wisniewski gefluchtet und Nachbarn herbeigeholt, denen es gelang, ben Wüterich festzunchmen. — Im Städtchen Gochsheim om Steigerwald fuhr ber B l 1 tz m bie Wohnung des Bürgermeisters Bernhard und tötete un 7-ohn- zimmer die am Ösen mit einer Handarbeit beschäftigte Gattin des Bürgermeisters. - Im 127. französ. Infanterieregiment zu Baien- ciennes durchbohrte sich ein Soldat ber zweiten Kompagme Die Brust. Er ist schwer verletzt. Hungernd hatte er auf Schild- wache gestaiideii und fand nirgends etwas zu essen. — In Paris sand zwischen dem Schriftsteller tflers und Pierre Weber em Duell statt. Beim ersten Gang würbe Weber am Oberarm verletzt. — JnO b e r it b 0 r f (Schwaben) ist der M a j 0 r Klumpp mit seinem achtjährigen Söhnche n imolge Um tippen.» ehte-3 Bretterfloßes im Neckar ertrun ken. — Im ocerfcani. Torfe Hirschaid wurde eine Engelmacherin verhaftet, der ^0 Verbrechen wider leimendes Leben zur Last gelegt werden. — ^n Berlin versuchte die Frau des Mplers Temin nach einem Streit ihren 'HZann zu erschlagen. Sie brachte dem Schlafetiden am klopfe und am rechten Arm schwere Verletzungen bei und hätte ihn wahrscheinlich getötet, wenn nicht ihre Söhne dazwischen gesprungen wären. — In Köln war ern 18 jähriger Bursche mit seiner Braut in Streit geraten, und feuerte drei Revolverschüsse auf sie ftb. Ms ep das Mädchen schwer verletzt; einsmitgliede 300 Mk. etc. Geheimerat Tr. Breidert bemerkt, daß der unbekannte Geber inzwischen wertere 200 Mark für die Burg iljm übersendet hat und daß es Tank dieser Gaben möglich war, nicht nur die Sicherungsarbeiten an der eigentlichen Burg weiterzuführcn, sondern auch die Kosten der neuen Wortanlage zu bestreiten. Außerdem langten die vorhandenen Mittel aus, um im Kaisersaal und im Landsknechtraum (dem gemalten Zimmer zu ebener Erde) die Decken und Wände auffrischen lassen zu können. Ten Einnahmen stehen in der Hauptsache als Ausgaben gegenüber 436,42 Mk. Kapitalzinsen, 110 Mk. 10 Prozent. Abtragung an dem von der Sparkasse Wetzlar geliehenen Kapital, 3708 Mk. für Bauten, Mobilien, Steuern und Prämien für Versicherung gegen Feuersgesahr. Im lausenden Geschäftsjahr ist in Aussicht genommen, ben Bergfried einer umfassenden Reparatur zu unterziehen, nachdem dies im letzten Jahre bei dessen Sck;ildmauer geschehen ist, außerdem wird das Mobiliar vervollständigt und ergänzt werden. Es ist in Aussicht genommen, die Sicherungsarbeiten an der eigentlichen Burg, mit denen man schon zwei Jahre beschäftigt ist, so zu betreiben, daß sie bis 1910/11 beendet sind. Für diese Arbeiten (teilt der preußische Staat und die Rheinprovinz jährlich 600 Mark als Beihilfe zur Verfügung unter der Bedingung, daß der Gleibergverein aus eigenen Mitteln 600 Mk. jährlich dafür verwendet. Da biermit das Bauprogramm für die kommenden Jahre feststeht, beschließt die Versammlung, es dem Vorstande zu überlassen die Sauarbeiten anzuordncn und zu vergeben. Ferner wird der Antrag gutgeheißen, einen genauen großen Plan der Burg und ihrer Anleger herzustellen. Der Plan soll am Eingang der Burg zum Aushang gebracht werden, damit der Besucher in die Lage versetzt wird, sich zu orientieren. Der Vorsitzende bittet die Mitglieder des Vereins und ganz besonders alle Ein wohner der Städte und der Kreise Wetzlar und Gießen, dem Vorstände Mitteilung zu machen über etw a noch vorhandene ältere Abbil- dunaen und Pläne de s Gleibergs. Man ist nämlich oer Ansicht, daß hier und da im Privatbesitz manches Bild sich befindet, das einzusehen von großetn Mert für den Gleibergverein sein würde. Hierauf lourbc das Burgwirt Riebergall'fche Ehepaar gebeten, in die Versammlung einzutreten. Gcheimerat Tr. Breidert wies darauf hin, daß Herr Niebergall und dessen Ehefrau am 1. April d. I. 25 Jahre lang als Burgwirte auf dem Glen berg gewirkt haben. Er sprach Namens des Vereins den Jubilaren die besten Glückwünsche au5 und überreichte eine silberne Schale als Geschenk des Gleibergvereins. Ein Bild des Niebergall'schen Ehepaares wird auf der Burg seinen Platz erhalten. Ueberrafchl und gerührt dankte Burgwirl Niebergall dem Verein für die ihm und seiner Ehefrau erwiesene Ausmertsamkeit und sprach den Wunsch aus, daß es ihnen vergönnt sein möge, noch Jahre hindurch zur Zufriedenheit des Gleibergvereins die Wirtschaft auf der Burg führen zu können. — Ein Rund gang durch die Burg zeigte, daß im abgelaufenen Jahre dort tüchtig an dem aiten Mauerwerk gebessert ist. Tie alten hochragenden Giebel und Mauern sind teilweise ausgebessert und gegen den weiteren Verfall geschützt und gesichert worden. Bei den Ausbesserungsarbeiten hat man es meisterlich verstanden, den Fugen des Mauerwerks den Stempel des Alten zu geben. Bet diesen Arbeiten hat sich Straßenmeisler Mohr- Gießen, der sie ehrenamtlich leitet und beaufsichtigt, ein ganz besonderes Verdienst erworben. Erst turz vor 8 Uhr verließen die letzten Teilnehmer der Gieibe.rg-Bersammtung in gehobener Stimmung die Burg, hatte man doch wieder einmal nach dem gepflogenen Rat einige Stunden gesellig verlebt und hatte man doch wieder durch eigene tleberzeugung die Gewißheit ausge- srischt, daß der Rundblick von unserem Gleiberg per schönste in unicrcr ganzen Gegend ist. freilich, bie zu ihrer Erfüllung eben doch gebesserter Tendenz bedarf und danach ficht es vorläufig nicht auS. Märkte. .'c. Frankfurt a. M., 17.Juui.(Telear. Orig.-Bericht deS »Gieß. Anz/s. Auitl. Noiieruugcu der heutigen Viebmarkt preise. Zum Verkaufe stauben: 527 Ochsen, 126 auS Oesterreich, 46 Bullen, 12 aus Oesterreich, 0 auS Dänemark, 815 Hübe, Fersen, Stiere und Rinder, 2 aus Dänemark, 331 Kälber, 185 Schafe und Hänuncl, 00 Schafe aus Ceftcrrcicb, 0 Ziegcu, 1736 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPsuud Schlachtgewicht: Achsen 1. Dualität 78—81 'Mk., 2. Qual 70—74 Mk., 3. Quäl. 63—6üMk.; Bullen l.Qual. 69 bis 71 Mk., 2. Qual. 65-67 Mk.: Kühe 1. Qual. 70-73 Mk., 2. Qual. 68—70 Ttf., 3. Qual. 60-63 Ml, 4. Qual. 00—00 Ml., 5. Qual. 00—OOMk. Halber: 1. Qual.95—98 Pf«., Lebendgewicht 57—59 Pf., 2. Qual. 82—90 Pfg., Lebendgewicht 48—53 Pfg., Schlachtgewicht^-68 Psg. Schafe: 1. Qual. 82-00, 2. Qual. 82-00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Qual. 58—00 Pfg., Lcbdaew. 45.50—00.00 Pfg., 2. Qu. 57-00 Psg., Lebeubgem. 45.00—00 Psg., 3. Qual. 50—52 Pfg. Lebeubgew. 00 Pig. Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstanb gering; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstaub. je. Frankfurt a. M., 17. Juni. (Lrig.-Telegr. beS „Gießen. Anz.') Amtliche Nolierungcu ber heutigen Fruchtmarttpreif e. Weizen Alk. 20.75—21.00, Kurhefsifchcr Mk. 20.75—21.00, La Plata Mk. 21.25—22.25, KaiifaS Mk. 21.25-22.25, Roggen (hiesiger) Mk. 19.75—20.25, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.25—18.50, Faukcn- felbcr Mk. 18.75—19.00, Hafer 19.75—20.50, Mals Alk. 14.75—15.00, Weizenmehl 9)tf. 29.25-29.75, 00—00, 2. Qualität Mk. 27.25 bis Mk. 27.75, 3. Qualität Mk. 25.25—25.75, Noggcumehl 00 Mk. 29.00—29.50,1. Qualität Mk. 28.60—28.50, Weizenklcie Mk. 11.00 bis Mk. 11.50, Noggeukleie 2)1 f. 11.50—12.00, Maiskeune Mk. 12.00 bis Mk. 12.25, Frauke», Pfätzer, Rieb All.00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. zusammenbrechen sah, richtete er die Waffe gegen sich und brachte sich einen lebensgefährlichen Schuß in den Kopf bei. Beide wurden ins Hosr-iial gefdyxfft. — In Neuß erhängten sich in einem Hause gleichzeitig ein Fobntarociter und cm Fuhr knecht — In Berlin wählte eine schreckli che Tode sart für ich und ihr Kind die 24 'Jahre alte Frau des Bäckergesellen. Prömel. In Abwesenheit ihres Mannes übergoß sie sich und ihr Kind mit Petroleum und zündete es an. Einzelne Störpcricilc der Frau waren völlig verkohlt. Noch lebend wurde die Frau ins Krankenhaus gebracht. Auch das Kind und der Ehemann, ber kurz nad) der Tat hinjufam, erlitten schwere Brandwunden. Das Motiv der Tat scheint momentane Geistesstörung zu sein. — Tie deutsche Zweir adfahrcrin Hildegard Morgenrot stürzte int Hippodrom zu Belfast (England) in Anwesenheit ihres Vaters und ihrer vier Brüder vom Zweirad und starb an einem Schädelbruch. — Unweit Groß- Wardein >Ungarn explodierte bei Schießübungen eines Regiments ein Shrappnell. Leutnant Rapp wurde lebensgefährlich, ein Soldat leichter verletzt. — Das Gebiet von Sinj (5)a.i» maticn) wird fortwährend von Erdbeben heilNAesucht. Nach den Gutachten der Geologen dürften die Ortschaften Turaee und Trigl gänzlich vom Erdboden verschwinden. Landwirtschaft. -st Aus dem Kreis Wetzlar, 14. Juni. Ter Obstbau m ä u cl) t wendet man im hiesigen Kreise sorlgefetzt bie größte Anfmerksanikcit zu. So wurde ui diesen Tagen durch bie Orts- jchelle zum gemeifameu Bezug von Klebegürtelii anfgeforbcrt. Gilt dock) gerabe der Kreis Wetzlar nisolge seiner günstigen Lage als ein giites Obsllanb, in bem auch eblc Obstsorten mir Erfolg gezogen lucrbcn können. 2lin ber etwa 40 Prozent beS Kulturlanoes aus- inachenben Acker- niib Garlenstäche macht sich iiberall ein reger Forlichritt in ber Obsibanmzncht bemerkbar. Durch Abhallnng von Untcrrichtskurf'en an bet Lbstbaunifchnle zn Wetzlar, bnrch lliiter- weiiunqen m ben einzelnen Gcmeinben burch Kreis-Obstbaumlchrer 5iilb ivub bie Zahl ber Lbstbaumfrennbe immer größer imb auch in ben höher gelegenen Orten werben fortgesetzt Anbanversuche gemacht. So ist es beim gckoinnien, baß ber Obstbau bis heule eine Hauptciuuahmcgllette unserer Lanbleule geworben ist. Für bieses Jahr steht iviebcr eine reiche Zwelscheuerute in Aussicht; bei Birnen imb vor allem bei Aepfeln ist dagegen nur auf eine biiutige Ernle zu rechnen. __ Kandel. Tie Duma-Auflösung kam, roeun vorerst auch nur zum Teil ui ber K ur sg e st al t un g zum Ausbruck. Die Kursbewegung ber 1902er' Russen bilbele ben Barometer ber Börseu- flimnumg. Noch waren bic Kursrückgänge mäßig, da bie Peters- biußcr Börse selbst feste Kurse saubte. 1902er Russen verloren jcit- ivciie ls/4°/0; bic russischen Eifenbahnobligalioneu bnrchfchiiitllich a/4° „. Tiefe Bewegung wirb sich in ben nächsteii Tagen >vohl günstiger gestalten, befonbers wenn in Rußlanb infolge ber Aiiflösung Un- rnhen ausbrechen. Ter russifche Berfasfnngsstaat scheint nichts anbers al5 eine Komöbie zu fern imb Kaiser Nikolaiis will |id) neid) w,e vor als Selbstberrfcher bcs Zarenreiches fühlen. '21 ls solcher hat ihn erst biefer Tage wicber Witte bczeichnel. Dies trifft aber bie Börse bnrchans ilnangenchm, wenn anch nicht unerwartet, ba zilviel des Tcvriinicrcnben in neuer Zett mneinanber folgt erst bic Londoner Börfen'allisfemeuts, bcsgl. Pariser Falliffenieuts, Tcutfchc GolbvcrsleifiNig im Zuja>umcuhang mit dem Rückgang ber Eifenpresic, brasilianische Balorifationsnote, Verslannng ui ber amerikanischen Eifeiiinbustric, Furcht cor emem abermaligen Rnck- gaug ber Eijenbahnattieii 2c. „„ t , Depositen. Wir lesen in einem Berliner Borienbencht der F. Z., baß eine starke Zunahme ber Tcpositengelber bet ben Banken üattgefimben hat und zwar gerabe infolge der nnifang- rcicheil Efiettenvcrkäufe, bie in ber letzien Zeit vorgekommen sind. Tiefem Umslanb legt man bejonberc Bebeittnng bei, in ber Annahme, sobald bie Besorgnisse etwas geichivunben sind, und bie Stimmung sich mir ein wenig bessert, würbe cm großer Teil solcher Gelber wteber Anlaae in Jndustriepaptcren sinden — eine Erwartung ®(eiew1; «i. ?ieSe"' tcn 1» di. xTLbie und ’j* ‘ ^uig $ allt 8“ M# ? eii)ert'v'L preO S"->.S i -.S^S'S 11S>: beließ. Lgenbt? I allerem !>üs Z w KKS ^ungs-und Kltet. n«" ^Mlte, der CUle W? U Knem e*«t ftoit ? ,lbet dl! 6nt. Deorxis n. * üb-« wich" ! Srte M Seit er unter ben ,QlnaJ,9« Zeit sand *lnb U'iieidrückung «riegezurZüt Nach blutiger j «* « 300 Jahre en Burgern erhielten : ■ln führen kannten, allmählich vor sich >ls beendet angesehen | Vortrags erfolgten ! ollrath. Schulrat I richt zu reformieren | en die Gefchichte des i en stelle. >) Der Erbgroß« »rmittag auf Schtoß h. Familientasel^ teil» ! zurückkehren. le Rofensest wurde ! Abend im Festspiel- ter unter Leitung von I bei dem nachfolgenden ms-Garlen muftergühi* . Eva Martersteig kungsvoll vorgetragene d unverwüsilichc Elsa jimilüeber zur Laute, Mr ermähnen nur; raulein, bari id) mit ’borf fanb für feint cbcttEulenberg« ynommmm Ävinag ÄimieMges. itayu ein imtioiwii« BM, Ävnznl uiro. ffuchl war und einen ni. Ter Kaiser sch ich Hamburg. Zn- !ofe eingefunden: Re« brat Tr. Ritter von Geh. Baural Jacob, as fand heute abend (abung des Kaiser« -stmahl M. Kurz . Herzog von Ratibor urrn auf den deutschen n Resultate der Fmna ff-Rutomobils. Leine z Fabrikat, den italiem- Vertreter des,tal.em. einem Toast aus Automobilklub. jle di- ®* *** R-d°k>°ü' airfo- jtoodiS Snien’,t GerichtssaaU Berlin, 16. Juni. Ter Unteroffizier W i e g c r vom 1. Gaibcbragoncrreginicnt hatte sich wegen At i ß h a n b l u n g vor bem Kriegsgericht zu vcranwoitcn. Er suchte einen Dragoner auf, Der bie Zett verschlafen hatte imb schlug ihn mit einem Karabiner- uenicu auf ben nur mit bem Henib bcNeibeten Rücken etwa 15 Mal. Jin Stalle wieberholtcn fick; bie Mißhanblungen, sobaß ber Ge- fchlagene 14 Tage im Lazarett liegen mußte. Tas Urteil lautete auf 14 Tage Mttielarrcst. Berlin, 15. Juni. In der Angelegenheit des Fürsten Eulenburg, gegen den auf seinen eigenen Antrag von ber Staatsanwaltschaft in Prenzlau ein Strafermittelungsverfahren wegen Vergehen gegen § 175 R. St. G. B. eingeleitet worben ist, hat heute vor dem Amtsgericht in (Stjarlottenburg die Vernehmung des Schriftstellers Maximilian Harden als Zeuge ftattgefunben. Amtsgerichtsrat Tr. Schulz war mit dem Verhör beauftragt worden. Das Beweisthema lautete: Welche Tatsachen und Beweismittel kann Harden dafür anführen, daß sich Fürst Eulenburg im Sinne des § 175 strafbarer Handlungen schuldig gemacht habe? Tie Vernehmung dauerte etwa 3,4 Stunden. Wie verlautet, hat sic zu dem Ergebnis geführt, daß kc: ncrlci Momente zutage gefördert wurden, die ein Einschreiten ber Strafbehörde im Sinne des § 175 gegen den Fürsten Eulenburg rechtfertigen konnte. Elberfeld, 16. Juni. Die Strafkammer verurteilte den Arzt Dr. St r e 11 tj m a u 11 nu5 Mcttmaim, der un April mit feinem Automobil einen alten M a nn überfuhr und töt lieh verletzte, wegen fahrlässiger Tötinig zii einer Woche Gefängnis. Hem uten, 16. Juni. Tie Strafkammer verurteile den B e ii e f i z i a t Fuchsberger in Wertingen, der sich als öteligiouslchrer nn feinen Schülerinnen vergangen hatte, zu zwei Jahren Gefängnis uub brei Jahren Ehrverlust. R ante s, 16. Juni. Das Schwuigencht fällte m bem Prozesse ber Delegierten b es A rb e 11 e rb n u b e s Atarck und Pvctok, bic der Aufreizung 511m Dicbstahl imb ber Plüuberung befchnlbigl waren, bas Urteil. Atarek lumbe zu einem Jahr Gefängnis, Yvelot ju vier Jahren Gefängnis uub 100 Franken Geibbuße verniteilt. Arbeiterbewegung. X Offenbach a. M., 16. Juni. Ter vor wenigen Tagen au5gebrocl)cne s2l u s ft a n b ber B a n f u h r l e u l e ber sich auf iveuere Aibeileikrcise auszubehnen brohle, ist b e i g e l e g t ivorben. Ten AuSstänbigen luurbe bic gefoibeile Lohnerhöhung von 2 Atark für bie Woche bewilligt. ____ ______________________ EingcjanSt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) In Nr. 131 Ihres Blattes fanb ich einen Artikel: „Christliche Bücherlolvorcage". Aus Kreisen her oberhessischen Geist» lichkeit wird belauul gegeben, daß eine evangelische Buchhandlung in Hessen gegründet werden soll. Ich habe dem Artikel beim Lesen wenig Beachtung geschenkt, weil mir die begründenden Darlegungen dieses Artikels nicht verständlich waren. Da kommt mir durch Zufall ein Schriftstück in die Hand, mit welchem „Genossen" gesucht werden, meldje mit einem Anteil von Mk. 200 und vier Prozent Zinsen sich an einer neuen Buchhandlung unter der Firma „Wartburg-Buchhandlung" G. m. b. H. in Tarmstadt beteiligen sollen. Jc^t wurde mir ber Werbeartikel in Ihrer Nummer 131 klar. — Komisch, wenige Tage vorlier kam ich auf einer Reise in eine Stadt und las zum Zeck- bertreib das dortige Lokalblatt. In demselben sand ich langatmige Artikel für uub gegen die Grünbung einer Genosscn?« schaftsbäderei. Tie Herren Sozialdemokraten begründen eine Geuossenschaslsbäckerei und führen in ihren Blättern aus, daß sie bessere Ware billiger bieten würden, sie werben aud) Genossen mit Anteilscheinen. Tie bürgerlichen Parteien, voran die Slonservativen, mit ihnen der Geistliche, schreiben dagegen, schreien über die Sdffidiguiigen der bestehenden Bäckereien und verdammen das Vorgehen der Sozialdemokraten, die mit i breit genossenschaftlichen Gründungen den Mittelstand ruinieren. Hier ist es keine Genossenschafts-Bäckerei, sondem eine Genossen- schafis-Vuchhandlimg. Hier sind es nicht die Sozialdenwtraten, sondern die Geistlid)eu! Ja Bauer, das ist ganz was anbercsv Bücher sind aud) keine Backwaren, es handelt sid) hier nicht um materielle Kost, sondern um geistige Speise. Nun, mir ist dies gleichgültig, ob Brot ob Bücher. Ich frage, sind denn in ganz Hessen nicht genug Buchhandlungen, nicht gute Buchhandlungen? Gibt es nicht in Hessen sehr tüchtige Buchhändler, die auch den Bedürfnifscu der evangelischen Geistlidicn und evangelischen Gemeindeglieoer gern Rechnung tragen? Und gehört das Buch etwa zur Ware, welche je nach den Materialpreiscn zeitweise zu l)oci) im Preise stünde, und zu einer Gegcngründung gegen zu pro ilwütige Buchhandlungsinhaber nötigte ? Nein, jedes Buch hat den gleichen Preis au allen Orlen unseres deutschen Vaterlandes und der Preis desselben hängt nicht von „Konjunkturen" ab. Nun ist mir schon nicht sympathisch, daß Geistliche Gelder, Geschäftsanteile für geschäftliche Gründungen erbitten, das riecht etwas nach den „Vettelmönchen'. Tie Geistlichen sollen doch höheren Interessen dienen und nicht danach zu streben, Öen nossenschaften zum Betreiben von Geschäften zu gründen. Und daß damit den Buchhandlungen Hessens eine große Sbnw kurrenz erwachsen muß, ist dod) klar, denn die „Wartburg^ Buchhandlung" wird sich nicht allein mit Kolportage-Traktateü abgeuen, sondern alle Arten Büd)er führen, außer natürlich zweideutige Literatur, nun die hält jeder anständige, gebildete Bilch- Händler aus setnem Betrieb fern. Warum roenben sich die Herren Geistlichen nicht einer hessischen bestehenden Buchhandlung zu, oder einer solchen in jeder hessischen Provinz und sördern ihre Wünsd)e für den Vertrieb guter Literatur und frommer; Traktätchen, indem sie die Anregung zu deren Vertrieb geben unbi sid; mit ihrem Rat entlegen. Ich kenne mehrere tüchtige Buch-, Händler im Lande, die mir im Gespräch über diese Neugründung ihr Bedauern aussprachen, daß ihnen der Kamps ums Dasein der für sie schon schwer genug sei, noch fd)werer gemacht n>er* ben würde. Nicht die 7Partburg-Buchhandtung würde das religiöse Leben tut Lande Hirnen, sondern vielmehr die praktische Seelsorge, die praktische Betätigung in der sozialen Fürsorge, dio Einrichtung guter öffentlicher Vollsbibliotheken, unentgeltliche auf- klärende Vorträge, das Predigen wahrer Bruderliebe und so vieles andere mehr. Wenn die Herren Geistlichen Hessens auf- sordern würden, Geld zu spenden, um gute christliche Bibliotheken allerorts zu schaffen, da würden sich gern Genossen finden unix bas würde vornehmer dem Stande der Geistlichen anstehen, als oläSo$3t. Patentamt,L SBsch. No. 70198. Geruch- u. farblos. d. Kopfhaut von Schuppen, befördert den Haarwuchs, verhütet Zuzuff von Parasiten. Wichtig für boaulklnder, Ptosoho 60 ffg. bei C. Seibel, Drog., Frankf. Str. Scootistraße 7 zwei 3= eignet, sind sehr bitt abzug. [3M Wilh. Dürbeck, Lkrofdors.Str.15. 4 x 5-Zimm.-Haus in vornehm. Lage preiöw. zu verk. Schristl. Anfragen unter 04155 an den Gießener Anzeiger erbeten. Ankauf bei, Weißzeug, Gold- u. Silber- sachen von 02324 Jakob Ott, Neuen Bäue 21. Dobermann-Huno umzugshalber billig zu verkaufen. VulaKliukerfust, Bad-Nauheim. 2 Borge» Pim» ßcvgras zu veebr. Zuck, Steinstraße 84, Ludwiflstrasjc 30 l^llne aeräumige 4-Zimmerwohn. per 1. Juli zu verm. [3301 __________9lahereS im Kontor, ^ZimmcrTW^büüngeüH OUcui Zubehör zu vermieten. 0^_______Neuenweg 50. 8Su/j ' W" Neue große -ea Matjes-Heringe beste Qualität neue Kartoffcfu und Zwiebeln empfiehlt billigst [3964 (S. Dort, Walltorstraße 45.