Mittwoch Z, Oktober 1907 Erstes Blatt die Begründung des Urteils heben wir sol- Angeklagten der Schutz hat davon auszugehen, 157. Jahrgang vertraut machen wolle. Welche Tendenz Herr Dr. Holte uuJ-cu 'uauuuopq uatjaj nL uvm qauu z;ßjoJag (pijpiat es sich um die Frage der weltlichen Schulaufsicht handelt, die auch in der nächsten Session Gegenstand ernster Diskussionen sein dürfte. zu können, ist es aber notwendig, Urteils kennen zu lernen. Aus der langen Begründung des Rr. 231 Br|d)ei«i täglich außer Sormtaq». Vrnr Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit >en> befsifchen Landwirl )ie Sietzener Familien- ijatter viermal in der Uocye beitU’leql und .weinml wöchentlichdas {etisbiatt für den Kreis Kietzen. Fernsvrech-An- ctjiuül. d. Redaktion 112 3erlag u. Expedition 51 Ubrefie für Depeschenr «nzetg-!'- Gießen. Iie Volksschule. Die jüngsten Veränderungen im Kultusministerium crben sich nur auf dos Gebiet der Universitäten und höheren ohranstalten erstreikt, während das nicht minder wichtige jebiet der Volksschule keine Personalveränderung auf- utveisen hat; verschiedentlich hatte man dies doch er- )artet, nunmehr aber hat der Kultusminister Dr. Holle usdrücklich erklären lassen, daß er keineswegs beabsichtige, .ch von der bewährten Kraft des Dr. Schwarhkopf zu rennen. Dieser Umstand mag nicht überall mit Befriedi- ung verzeichnet werden, denn der genannte Ministerial- irektor galt als der Inspirator der letzten Volksschul- esetze, die zum Teil im Parlament auf lebhaften Wider- and gestoßen sind; man sah auf der Linken in Herrn (chwartzkopf den Träger einer rückschrittlichen Schulpolitik, nd er mußte gleichwie Herr von Studt scharfe Angrisfe iu Wgeordnetenhause über sich ergehen lassen. Man nahm ayer an, daß auch er nach dem Einzuge des Herrn Holle ehen werde, und es hieß sogar bereits, daß er für den 'osten des Präsidenten am Oberverwaltungsgericht aus- rsehen sei. Nunmehr aber will Herr Holle ihn doch halten, )(i3 an und für sich noch kein Stein des Anstoßes zu sein raucht, denn es gibt hohe Ministerialbeamte, die sich nach en Tendenzen des Ressortleiters richten und auch nach incm Systemwechsel gewissenhaft ihren Dienst versehen und .ch dem Umschwung anzupassen vermögen; man hat dies i im Auswärtigen Amt und bei anderen Behörden gesehen, nd warum sollte dies im Kultusministerium außer dem Bereiche der Möglichkeit liegen? Die Beibehaltung des )errn von Schwartzkopf besagt somit durchaus nicht, daß >crr Holle auf dem Gebiete der Volksschule in den Bahnen nner Vorgänger verharren wird, wenngleich an einen ölligen Bruch mit den bisherigen Heb erlief er ungen bei er ganzen Sachlage in Preußen natürlich nicht zu denken st. Wie sich Herr Dr. Holle bewähren wird, und nach sicher Richtung hin, läßt sich heute kaum sagen, wenn- -,eich er nach berühmten Mustern eine sich ihm bietende '.legenheit benutzt hat, um eine Art Programmrede zu .llcil Bei der Einweihung eines Bereinshauses Berliner ji rer hörte man eine längere Ansprache des Ministers, -an und für sich recht schön klang, im großen und ganzen bor ziemlich farblos gehalten war. Der Minister erklärte ch darin gern bereit, die Bestrebungen der Lehrer zu Ordern, welche auf die Erfüllung berechtigter Wünsche tu ihre Gesamtlage gerichtet sind, aber er vergaß nicht en Passus hinzuzufügen: „Soweit sie sich in den berech- .glcit Grenzen halten-." Das ist also eine Mahnung, von )m als neuen Herrn nur nicht gar zu viel zu erwarten. Litern Anschein nach will Herr Dr. Holle ängstlich beruht bleiben, nach keiner Seite hin anzustoßen und sucht uf solche Weise zu lavieren. Indessen ist es erfreulich, aß das Lehrerbesoldungsgesetz entgegen den jungst auf- anchenden Gerüchten unter allen Umständen in der nächsten Zession an das Abgeordnetenhaus gelangen wird, nachdem bereits ein wenig Lehrerfreundliches Blatt schadenfroh rklärt hatte, man könne es dem Minister nicht verdenken, jcmi er damit zögere, weil er sich genau mit der Materie sie doch in der Forderung, daß der Mensch sich in diesem Leben praktisch betätigen und bewähren müsse; darum solle ihm die Schule vor allem das geben, was im Leben nützlich und brauchbar sei. Ferner war es der Neuhumanismus, jene in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkommende hohe Wertschätzung des Griechentums, der die griechische Literatur in weiterem Umfange als Bildungsmittel für unsere Gymnasien erobert hat, und dem auch der griechische und nicht minder der lateinische Unterricht — wie oben gezeigt — eine neue Zielsetzung verdankt. Der Lehrplan weist so bei Beginn des 19. Jahrhunderts — abgesehen vom Turnen — alle die Fächer auf, die er auch heute enthält. Aber damit war freilich noch nicht gewährleistet, daß diese auch im Unterricht, wie er tatsächlich war, eine entsprechende Berücksichtigung erfuhren; faktisch kam vielmehr beim Urteil über Versetzung und Reife der Schüler noch immer fast allein das Lateinische in Betrackst. Auch hier hat erst das 19. Jahrhundert — und zwar nur ganz allmählich — einen wirklichen Wandel geschaffen. Es mußte nämlich ohne große praktische Bedeutung bleiben, wenn man diese oder jene neuen Lehrfächer auf den Lehrplan setzte, solange nicht auch für diese Fächer tüchtig vorgebildete Lehrer vorhanden waren. Dafür hat man aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ausreichend Sorge getragen. Bis zum Ausgang des 18. gab e5. noch keinen eigenen Obcr- lehrerstand. In den katholischen Territorien hatten meßt L)r- densleute, besonders die Jesuiten, den Gymnasialunterricht m den Händen, in den protestantischen Gebieten waren die Gymnasiallehrer in der Regel auch Theologen, die gewöhnlich nur solange im Lehramt blieben, bis sie in ein Pfarraiut eurrücken konnten. Das ist um die Wende des 18. und 19. hundert anders geworden. Der Neuhumanismus brachte das Studium der klassischen Philologie zur Blüte, Jetzt mehrto sich die L>ahl derer, die — den: Beispiele Friedrich August Wolfs Mgenb — sich auf erd Universität nicht mehr als Studrosi der Theologie, sondern der Philologie immatrikulieren ließen und von vornherein die Lehrtätigkeit am Gymnasimn als Lebensberns m Aufsicht nahmen. So bildete sich ein besonderer Stand von Oberlehrern; aber während mehrerer Jahrzehnte überwogen m ihm durchaus die klassischen Philologen — noch heute ist w die Bezeichnung der Oberlehrer als „Philologen" dem populären Sprachgebrauch geläufig. Und da diese an den Gymnasien un wesentlick-en das lehrten, was sie an der Universität gelernt Iratten, so ist es wohl begreiflich, daß die klassische Philologie lange Zeit dem Gymnasialunterricht sein eigentliches Gepräge verlieh. Erst allmählich kamen auch — entsprechend der Entwick- luiig dieser Disziplinen im Universitätsunterricht —- tüchtig vorgebildete Lehrer für Mathematik und .Naturwissenschaften, Geschichte und Geographie, Deutsch und neuere Sprachen in größereck Zahl hinzu. Sie sorgten dafür, daß diese Fächer nicht mehrt bloß — auf dem Lehrplan standen. Daniit stellte sich freilich auch die Gefahr einer Ueberbürdun^ der Schüler ein, und daraus ist es — abgesehen von anderem —; wiederum verständlich, daß sich in den letzten Jahrzehnten deÄ abgelaufenen Jahrhunderts in gesteigertem Maße das Bedürfnis geltend machte nach einer wissenschaftlichen Ausgestaltung dev Lehre von Erziehung und Unterricht. In der Pädagogik uiüN Didaktik tritt uns aber eine weitere geistige Potenz entgegen^ die für die Gestaltung des Lehrplans und noch mehr dcs( Lehrverfahrens und der Lehrerbildung recht bedeutungsvoll worden ist. Tas zeigt sich gerade in der Geschichte des Gießener Gymnasiums besonders klar, wenn man die Wirksamkeit Hermarnck Schillers betrachtet. — Je reicher und komplizierter die modernes Kultur geworden ist, umso schwieriger wird auch die Aufgabe der Schule, ihre Zöglinge zur Anteilnahme an dieser Kulturarbeit zu befähigen. Wenn aber auf allen Gebieten menschlichen^ Wirkens zu der rein instinktiven Betätigung mehr ,und mehr eine reflektierte, ihrer selbst bewußte hinzugetreten ist, so wird^ dies auch für die erzieherische und unterrichtende Tätigkit; gelten müssen, zumal ihr Gegenstand der wertvollste ist: ms Heranwachsende Generation, der Träger unserer liebsten Host-, nun gen. Geschichtliche Erforschung der Entwicklung unseres Bck-i dungswescns und Feststellung seiner Ziele und Wege im Einklangs mit dem Geistesleben und der ganzen Kultur der Gegen-, wart, das sind Aufgaben, die heute die Arbeit von Fachmännern; erfordern. Durch die wisfenschöstliche Pädagogik soll und kanw aber natürliches Erziehungsgeschick und instinktives pädagogstchesi Taktgefühl nicht überflüssig gemacht werden: diese Eigenschaften, werden jedoch dadurch Klärung und Leitung erhalten. Heber all den erwähnten Faktoren materieller und geistiger Art, die im Laufe von drei Jahrhunderten eine so grosch Wandlung wie in unserem Bildungswesen überhaupt, so mich in unserem Gymnasium herbeigeführt haben, ist nun endlich, einer nicht zu vergessen, der freilich neben den anderen emc; eigenartige Stellung einnimmt: der Staat. Er konnte die materiellen Mittel, die dem Schulwesen heut? in so viel reicherem Maße zu Gebote stehen als vor 300, und! selbst noch vor 100 Jahren,^ nicht aus nichts hervorzauvern; er konnte auch die geistigen Kickste, die in der Schule Uurksan» sind, nicht aus dem Boden stampfen: so wenig die geistigen Güter, ivelche die Bildungsstoffe aus machen, wie die Personen, die iureti Lebensberuf darin finden, diese geistigen Schütze der hernn- wachfenden Generation jimi innerlichen Eigentum zu machen. Aber er kann organisieren, und ec kann jene materiellen und geistigen Potenzen in den Dienst der Wdnngszlpecke stellen, und Ium Iuviläum unseres Gymnasiums. *) Von Professor Dr. August Messer. (Schluß.) Vergleichen wir mit dem damaligen Lehrplan den heutigen, ) fälii zunächst seine außerordentliche Bereicherung auß Eine air.c Reihe neuer Fächer ist hinzugekommen: Deutsch, Geschichte, -ickurgeschichte und Naturlehre (Physik und Chemie), Französisch, iurncn, Zeichnen als obligatorische Fächer, Hebräisch^mld Englisch ls farültativ; dazu wird Mathematik und Griechisch in viel reitercm Umfange gelehrt. Die Kosten hatte hauptsächlich das iateinische zu tragen; aber es hat nicht nur an Stundenzahl eträchiliche Einbuße erlitten, auch das Ziel des Unterrichts at sich geändert: Nicht mehr gilt als solches die Beherrschung er Sprache zu eingnem mündlichem und schriftlichem Gebrauch. :oweit in es angestrebt wird, soll es nur Mittel sein für den igenHidjcn Zweck: die Fähigkeit, die lateinischen Klassiker zu erstehen und da so durch Quellenstudium das Altertum selbsr, a me seine geistige Art, kennen zu lernen. Ganz ent- r c end wird auch das Ziel des griechischen Unterrichts Faktoren, die diese reichere Ausgestaltung des Lehr- lans bedingt haben, smd mannigfacher Art: ,die Entwicklung es nationalen Bewußtseins und der natwnaielr Spcacyrm har das 'ateinisch^' aus der Stellung der internationalen Gelehi-teniprache e'rdränar. Für uns Deutsche kam der glückliche Umstand hinzu, aß un - in den Tagen Goethes und Schülers eine Hämische w-onale Literatur erwuchs und damit ein neues Vildungsgut on dauerndem Wert. Auch die Wissenschaften ^von Natur und seickstchte (im weitesten Umfange) haben sich erst im Laust der rei Wen Jahrhunderte zu „Wissenschaften" im heutigen Sinne es Wortes entwickelt. Endlich haben die ünmer reger sich estallenden Beziehungen zu den wichtigsten westeuropaischeri Kul- urnationcn die Kenntnis von Französisch und Englisch wunschens- JC^llrilrc’C teil'"1 geistigen Strömungen, die auch die Tendenz n sich trugen, das Bildungswesen diesen veränderten Verhalt- uüm cmMnb zu gestalten, sind im 18. Jahrhundert zu- läcyst Piel'st-mus und Aufklärung zu nennen. Sie standen zwar n tiefem inneren Gegensatz: der Pietismus war dem jenseits, "e AuMrung tat Weit« zug-waM, ab« eintg »«en .. C ,, Crften Teil dieses 9lu(iatje5 finden sich mehrer« Truck- „!V, ?. Z e si nstö ende feie.' hier richtigstem: gleich m der ; ’ Ille5™!; cs beiücn: .die Äclchichle der Anstalt tu ihren jnnut >> ’n" (statt Hauptj weigen), und ui der 12. Zelle (vom -chlutz au gerechuel»: „das Neue Testauieut war der einjtge teiestoss (statt Lehr stoss) im Griechischen". gen des hervor: Es fragt sich, ob dem des § 193 zur Seite steht. Das Gericht , „ „ , , daß der Angeklagte mit den in seinem offenen Brief ausgestellten Behauptungen an und für sich ein berechtigtes Interesse verfolgt hat. Tie Gründe sind folgende: Ein Disziplinarverfahren gegen Schmidt schwebte nicht und konnte nach seiner Entlassung aus dem Dienst auch nicht anhängig gemacht werden, so daß dem Angeklagten keine Gelegenheit gebot e n w a r , s i ch ö f f e n t l i ch zu rechtfertigen. Andererseits batte sich der Privatkläger Roeren geweigert, außerhalb des Reichstages die Beschuldigungen gegen den Angeklagten zu wiederholen. Gerichtlich gegen den Privatklüger Roeren vorzugehen, war für den Angeklagten aussichtslos, da ersterer als Abgeordneter bekanntlich immun ist. In dieser Lage bleibt dem Angeklagten Schmidt als einziges ihm zu Gebote stehendes Mittel übrig, den Kläger Roeren zum gerichtlichen Vorgehen gegen ihn zu zwingen. Der Angeklagte hat jedoch durch die beleidigende Form des offenen Briefes gezeigt, daß es i h m n i ch t n u r u m d i e V c rfo l g u n g seiner berechtigten Interessen zu tun war, sondern daß er es geradezu auf eine Beleidigung des Klägers abgesehen hatte. Diese Absicht der Beleidigung ist erkennbar in der Aeußerung: „Ob der Kläger des preußischen Richteramtes noch würdig ist, mag die preußische Regi.'rung entscheiden." Dieser Satz stellt eine Beleidigung im Sinne des § 185 dar, da der Angeklagte ihn nicht zur Wahrnehmung berechtigter Interessen, sondern nur bei Gelegenheit der Wahrnehmung seiner Interessen geschrieben hat. Tie Frage, ob der Privatkläger Roeren noch länger würdig sei, im Richteramt zu bleiben, hatte nicht der Angeklagte Schmidt, sondern die-Justizverwaltung zu ent- sck>eiden. Durch diese Anzweiflung der Würdigkeit, des Klagers Roeren als Richter und durch den weiteven Vorwurf der F-eigheit hat der Angeklagte Schmidt die Grenzen der Rechtswahrung in bewußter Weise überschritten. Der Schutz des § 198 ist dem Angeklagten zu v-ersagen, und er ist überführt, ^durch den offenen Brief in ber „Rationalztg." und in der „Tgt. Rdsch." den Kläger Roeren beleidigt und durch dieselbe Handlung nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet und den Kläger verächtlich gemacht, und. in der öffeittlichen Meinung herab gewürdigt zu haben. Als strafverschärfend ist in Betracht zu ziehen, daß der Angeklagte Schmrdt die denkbar schwersten Beleidigungen gegen den Richter und Reichstagsabgeordneten ausgesprochen hat; strafmildernd, daß der Angeklagte, wenn er auch in seinem Privatleben, wie er selbst sagte, fein Engel gewesen ist, sich bisher, straffrei geführt I>at und in dienst! i'her Hinsicht nach der Aussage des Dr. Stuebel ein außeror^ntlich tüchtiger, fleißiger und sehr ener- aisck-er Beamter gewesen ist, der sich in seinem Bezirke grotze Verdienste crlvorben und den Bezirk in guter Ordnung gehalten und nach einem großzügigen Plane verwaltet hat. Zu berücksichtigen war außer der Wahrnehmung seiner berechtigten Interessen, endlich, daß der Angeklagte Schmidt durch die von Roeren gegen ihn erhobenen Beschuldiguilgen äußerst gereizt worden ist, und zwar Herr Roeren. Wir haben das Urteil im Prozeß Roeren-Schmidt veröffentlicht. Hiernach ist bekanntlich der frühere Bezirksleiter im Togogebäet, Geo A. Schmidt, wegen Beleidigung des Herrn Roeren zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Um die Tragweite dieses Urteils richtig verstehen BezugSprei-r . monatlich 75Pf^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch» Abhole- u. Zwetgstelleir monaHtd) 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— oierlel- jährl. ausschl. Bestellg. ßeilenpveiS: lokallbPf* auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich General-Anzeiger für Oberhessen' MM Annahme Anzeigen 1 o i V u. Land" und „Gerichts- >u o-nnmuA'iö'üh^ Kotfltion$6ru(f und vrrlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. H. Lange. Redaition, Expedition und Druckerei: Schulfiratzr r. Art, die zum Teil strafbar fein w ürden, wenn der Ankläger Roeren nicht durch die^Jmmunität als Reichstagsabgeordneter vor Strafe geschützt wäre. Insbesondere hat der Klager Roeren den Llngeklagten einen Sittlichkeitsverbrecher genannt und Ausdrücke, wie Tro--en^ koller, verrückt, wahnsinnig usw. gebraucht. Dem Tlngeklaglrn, einem verdienten Beamten, der freiwillig aus dem Dienst ge- schieden äst, wurde der Vorwurf gemacht, er sei für unsäh'.g erachtet worden, weiter ein Amt zu führen. Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände hielf das Gericht trotz der Schwere der Betest digung eine milde Strafe von 100 M k. für ausreichend Herr Schmidt ist nun zwar verurteilt worden, aber, Herr Roeren wird sich über das Urteil wohl wenig freuen. Unter dem Schutze der Immunität als Abgeordneter hatt^ Herr Roeren am 3. Dezember im Reichstage die benfbar schärfsten Angriffe gegen Herrn Schmidt gerichtet und noch ausdrücklich versichert, daß alle seine Behauptungen wahr seien, nicht entstellt und nicht übertrieben. Die Gerichts^ Verhandlung hat aber ein ganz anderes Bild geliefert, toie\ die Begründung des Urteils darlegt. Herr Schmidt hab seine gegen Roeren veröffentlichten Beleidigungen mit; einer Strafe von 100 Mark zu büßen. Von Roeren aber heißt es in der Begründung des Urteils, duß seine Beschuldigungen gegen Schmidt strafbar fein würden, wenn der Ankläger Roeren nicht durch die Immunität als Reichs- tagsabg. vor Strafe geschützt würde. Nicht ganz Unrecht: hat daher die Vos fische Zeitung, wenn sie ihre Meinung über diesen Prozeß folgendermaßen zusammenfaßt: Mit hundert Mark glaubte der Gerichtshof die gegen Herrn; Roeren verübten schweren Beleidigungen genügend gesühnt. Die öffentliche Meinung aber, wenn auch Weits entfernt, alle Handlungen des Herrn Geo A. Schmidt zw entschuldigen, wird nicht anstehen, Herrn Roeren als, den wirklich Verurteilten zu betrachten. Ins noch weit schärferer Form spricht sich die Kölnische £eü tung gegen Herrn Roeren aus. Der 27. Parteitag der Deutsche»! Bolkspartei. Konstanz, 29. Sept. Im Laufe der Diskussion brachte Landtagsabg. Verredey Be-i denken gegen die Blockpolitik vor, denen sich zum Teil auch Professor Onidde anschloß, der aber eine abwartende Haltungi empfahl. LandtagsacI. Heimburger-Karlsruhe erklärte u. a.: „Mit der Soziachnnokratie können wir gar nicht zusammen gehen, werL zum Zusammengehen zwei gehören. (Sehr wahr!) Wir b ü xA fen uns der Sozialdemokratie nicht immer an dem Hals werfen und von ihr nur Grobheiten ein4 stecken. Unsere Reichstag sfr akcion bürgt dafür, daß an unseren! Prinzipien nick-ts verdorben wird. Wir bringen ihr cholles Ber-f trauen entgegen. (Beifall.) Redakteur Goldschmidt- Franks fort a. M. führte aus: „Praktisch müssen wir ur^ doch sagens daß nach 20 jähriger Karrenzzeit, in der wir zwar reden konnten^ aber nrchts zu sagen hatten, jetzt endlich unsere Wünsche gehört werden und daß wir endlich ein Stück demokratischer Politik drrrchsetzen können. Das: Alles oder Nichts! hat, die Sozial-s demokratie zu ihrem dcachteil srhon genügend betrieben. (Lebh< Beifall.) Der größte Gegner für jeder: Fortschritt ist nach meincnt inneren Gefühl die klerikale Demagogie. (Lebh. Beisakt.) Tick Sozialdemokratie hat den schärfsten Kampf nicht gegen diese Re^ aktion, sondern gegen den Freisinn geführt. Darum müssen loch' unseren Führern dankbar sein, daß sie trotz dieser Gegnerschaft uns die dNöglichkeit praktischer Fortschritte verschafft haben. (LebÄ Beifall.) Nachdem noch ein Vertreter der jungen Volkspartet in gleichem Srnne gesprochen hatte, erhielt Reichstagsabgeordn^ tat freier läge Ctx • , . , . r . . . ^tuuujt x^uyvil uuu; ILJLC ALUaUH cts- ^reihundertjahrselor bcS GymnasiumZ. über. Bei den meisten löste die Sache, nachdem mm festgesetzt t Frellag, 11. Okt., I über die Lage klar geworden war, große Heiterkeit Q1L;. als und von der Um- wne die smd. toir über die vergleichende Betrachtung der Ver- gangenheit und Gegenwart unserer Schule schon hinausgegangen zu erneut Wunsche für die Zukunst. Und noch ein z-weiter Wunsch mag hier seine Stelle finden. Unsere Darlegungen dürsten gezeigt haben, wie die Schule in ihrer Gestaltung und Entwicklung von allen wesentlichen Kultur sakeoren : Religion und Sittlichkeit, Wirtschaft und Staat/ Wissenschaft im Kunst bedingt ift^ Damit aber ist gegeben, daß die zeitgemäße Fortbildung des Schulwesens eindringende Sachkunde und voriichtige und weitblickende Erwägung fordert. Nun fehlt es aber auch heute nicht an Schulverbesserern, die die Sache so hinstellen, als seien unsere Schuleinrichtungen eine geradezu himmelschreiende Versündigung an unserer Jugend, als seien sie lediglich eine Ausgeburt philologischer Pedanterie, unnationakn vn' ^ltfremden, stubenhockerischen Gelehrtentums usw. Man könnte solche Deklamationen, die ihren Weg auch in die Tagespresse finden, mit Stillschweigen übergehen, wenn dadurch nicht unnötige Mißstimmung gegen die Schule bei Eltern und erwachsenen Schulern wachgerusen würde. Im Gegensatz dazu möge uirser H-est durch den Rückblick auf die auf steig ende Entwicklung unlerer Schule das frohe Bewußtsein wachrufen, daß es auch hier vorwärts geht, und den Vorsatz erwecken, auch in der Zukunft treulich am Fortschritt mitzuastbeiten. Daniit zugleich möge aber auch das Vertrauen der eitern und Schiller gegenüber der Schule in ihrer Gesamtheit wie gegenüber den einzelnen Lehrern sich starken und festigen. Dami wird das,Fest nicht nur früheren schillern Gelegenheit geben, sich wiederznfehen und frohe Jugend- erinnerungen aufzufrifchen, sondern es wird auch für das weitere Gedeihen unserer Anstalt selbst von günstigen Folgen sein. Von Ergebnis letzterer am Montag nach Ablauf der vertragsmäßigen Kündigungsfrist fein Amt als Postvertrauensarzt nieder- gelegt. Es ist der Postverwaltung nicht gelungen, einen anderen Vertrauensarzt zu finden. Die eigentlichen Leidtragenden sind nun die Unterbeamten, die von Lage sein wird, von diesem Rechte in dem bisherigen fange Gebrauch zu machen, wird davon abhüngen, die Gestaltung des neuen australischen Zolltarifes deutsche Einfuhr im Verhältnisse zu der des englischen Mutterlandes beeinflußt. Wie die „Voss.Ztg." hört, wird zur Neuregelung der deutsch-englischen Handelsbeziehungen dem Reichstage gleich im Beginne der Tagung eine Vorlage zugehen, durch die der Bundesrat wiederum ermächtigt werden soll, Großbritannien und seinen Kolonien die Rechte meistbegünstigter Nationen auf eine Reihe Jahren zu verteilen. Ob der Bnndesrat dann in Die kmrftigeu Gehälter der Eisenbahubcamterl. Den „Deutschen Nachrichten" gehen von zuständiger Seite Mitteilungen über die künftigen Gehälter der E i s e n b a h n b e a m t e n zu. Darnach wünscht der Eisenbahnminister bei den Eisenbahnassistenten ein Anfangsgehalt von 1800 Mk., das sich von drei zu drei Jahren steigert aus 2000, 2300, 2700, 2900, 3100, 3300 sowie daß das Höchstgehalt statt wie ursprünglich vorgesehen in 21 Jahren bereits nach 18 jähriger Dienstzeit erreicht wird. Mr die Eisenbahnvorsteher bewegt sich das Gehalt nach der Neuregelung zwischen 2000 und 3900 Mk., wobei die Erreichung des Höchstgehalts ebenfalls schon nach 18 Jahren eintritt. jetzt die Kosten der ärztlichen Behandlung aus eigener Kasse bestreiten müssen, nachdem sie während der Ämts- t)aner des in die freiwillige Betätigung der Sa,— — Verliebt. Em Uebermaß von Reglementierung und Kontrolle be- eintracht.igt leicht Freiwilligkeit und Freudigkeit bei Lehrern und Schulern. Was Jie erreichen kann, ist im besten Fall, daß in ge- llcrt ücrgefdjrieb enen Formen korrekt gearbeitet wird, und gewiße Pensen erledigt werden. Wird aber lediglich solche Pflichtarbeit geleistet, so werden die feinsten und tiefsten Wirkungen c^jule fehlen. Daß aber Lehrer und Schüler etwas von ihrer Personliauell, von ihrem wertvollsten Innenleben in ihre Tälig- ieit hlueuilegen, das laßt sich nicht durch Verfügungen erzwingen und nicht durch Kontrolle feststellen. Wünschen wir also, daß nn- |erem -Schulwesen überhaupt wie insbesondere unserem Gym- nastum Ordnung und Freiheit in richtigem Maße zuteil werden, und daß ihm vor allem die positiven geistigen Kräfte niemals fehlen, die für Ordnung wie für Freiheit er>r den wertvollen Jn'halt schaffen. Payer das Schlußwort. Er führte aus, daß sachlich sich alle Redner auf >n Boden der Politik der Reichstagssraktion ge- stellt haben. Niemand habe eine andere Taktik vorgeschlagen. Zertrümmern des Blocks würde nur dem Zentrum und der EozmLbemolratie Freude machen. Die Sozialdemokratie würde jubeln, was für elende und erbärmliche KVrle die Freisinnigen feien, noch unsimchtbarer als die Sozialdemokratie, und das wäre rm graufamer Vorwurf. (Große Heiterkell.) Es'sei lebhaft zu begrüßen, daß der Liberalismus die Möglichkeit habe, freiheitliche FvNichrrtte in Deutschland zu erreichen. Denn den Tag der großen Verbrüderung aller Freiheitsfreunde unter dem Banner der Sozialdemokratie würde ja doch keiner der Anwesenden erleben. Der ReiiMkanzler habe wertvolle Reformen angekündigt und ihre Verwirklichimg werde ein entschiedener Fortschritt fein. Darum bürrc sich der Liberalismus nicht in die Rolle hineinspielen, als ob er nur zu nehmen habe, sondern er müsse ehrlich ver- suchen, mit den Lstonservativen zusammenzuarbeiten. Eine Partei müßte jedes Gefühl der Selbstachtung verlieren, wenn sie alles ruhig von der Sozialdemokratie hinnehmen wollte. Die Deutsche Volkspartei könne sich glücklich preisen, daß sie beide Arten von Politikern besitze, die eine Partei brauche: die eine, die das Prinzip Hochhalte und fortwährend den Führern das Gewissen schärfe, die andere, die praktisch in der Politik des Tages zu erreichen suche, was zu erreichen fei, die etwas ermüdet und abgerackert, aber immerhin noch brauchbar im Reichstage die nndantbare Aufgabe verrichte, den schweren Karren der freiheitlichen Entwickelung Deutschlands ein Stückchen vorwärts zu bringen. (Große Heiterkeit.) Aber auch diese Tätigkeit fei nützlich, nicht nur für die Partei, sondern auch für das deutsche Volt) das den Kulturfortschritt brauche. (Stürmischer Beifall.) — Ein Beschluß zu dieser Frage wurde nicht gefaßt. Hierauf referierte Q u i dde über das V e r e i n s r e ch t. Er legte eine Resolution vor, die in folgender Fassung ein- stimmig angenommen wurde: „Die Deutsche Volkspartei fordert von dem in Aussicht stehenden Reichsveremsgesetz die Durchführung des Grundsatzes, daß alle Eimvohner des Deutschen Reiches uneingeschränkt berechtigt sind, zur Erreichung gesetzlicher Zwecke Vereine zu bilden und Versammlungen zu veranstalten. Insbesondere aber darf dieses Vereinsgesetz keine Ver- fchlechterung gegen die bestehenden Bereinsgesetze in irgend ■ cmem Bund cs,taute mit sich bringen. Weiter fordert die Deutsche ' Volkspartei einen wirksam:u Rechtsschutz für diese gewährleistete i Versammlungsfreiheit." von Wien und Petersburg stellen deshalb fest, daß Artikel 3 das Verschwinden der Banden für einen längeren Zeitraum zur Voraussetzung habe, auf verhältnismäßig geringfügige Aenderung zwecks Erleichterung der Tätigkeit der Lokalbehörden abzielt und daß die Abgrenzung keinesfalls durch terroristische Tätigkeit bewirkte nationale Verschiebungen berücksichtige, sondern sich auf den status quo ante und unparteiische Lokalerhebungen stützen werde. Die Ententemächte messen diesen Erklärungen große Bedeutung bei und beauftragen ihre Vertreter, in Athen, Belgrad und Sofia diese den Valkanregiernngen zur Kenntnis zu bringen. — Das soeben erschienene erste Heft des 11. Jahrganges der „Deutschen Kumst ^nd Dekoration" (Verlag bisherigen Postarztes (fast 14 Jahre) die Wohl- ärztlicher Behandlung genossen haben. bringt Skulpturen August Rodins, die Äußenarchitektur ur. eine Anzahl von Meisterwerken aus den Abteilungen „W nungskunst" und „Malerei" der Kölner Kunstausstellui Stickereien von Margarete von Brauchitsch, viel neues ve der Darmstädter Kün st l e r k o l o n i e, darunter am ein paar Abbildungen der freilich wenig schönen, lang c; streckten niedrigen Hauptgebäude der Ausstellung des Jahr 1908,_ sehr sein, streng skizzierte künstlerische Plakate ur Buchschmuck von Kleukens, silberne Prunkgesäße von En Riegel, auch die neue goldene Kette des Gießern Universitätsrektors, Gläser aus der Großh. Edk glas-Manusaktur-Darmstadt, Arbeiten des Goldschmied Lettre-Berlin usw. Es gibt wohl kein Gebiet der hch und angewandten Kunst, für das die Zeitschrift im Sgl ihres zehnjährigen Daseins nicht eine große Anzahl v- Beiträgen in Bild und Wort geliefert hätte. Wer c irgend einem dieser Gebiete schaffend tätig ist, wer m Kunstwerken und kunstgewerblichen Gegenständen Hand oder wer sie zu erwerben wünscht, wer sich neu einzurichl gedenkt oder auch nur seinen Geschmack veredeln will, W die „Deutsche Kunst und Dekoration" mit Nutzen studiere Möchten die sichtlichen Bemühungen dieser Zeitschrift, d Beste zu bieten, viel Verständnis und Unterstützung sind — Das literarische Echo, die bekannte Hai Monatsschrift für Literatursreuude (Herausgeber Dr. K Ettlinger, Verlag Egon Fleische! L Eo., Berlin W. 35), ' mit dem eben erschienenen 1. Oktoberheft in ihren zehn! ■ Jahrgang eingetreten. Aus dem Inhalt des neuen & heben wir den Leitaufsatz von Dr. Heinrich Spiero ü ■ „D ie Dichter und die Politik" hervor, ferner ei . Studie von Kurt Martens über den vielumstrittenen M i Wedekind, sowie größere Vuchkritiken von Rudolf Pre b e r, dem verstorbenen Wilhelm Holzamer usw. $ I Rubrilen „Echo der Zeitungen", „Echo der Zeitschriftc: i „Echo des Auslandes" sind in gewohnter Ausführlich! ] vertreten. ** V o m Wetter. Gestern mittag etwa um 12i/,^ gab cs ein ziemlich heftiges Gewitter, das von einem Qu‘ giebigen Regen begleitet war, aber sehr rasch vorüoergll- Es wurde vorübergehend so dunkel, daß zahlreiche fri? Licht brannten, etwas, was selbst in diesem an abnorm" Witterungserscheinungen so reichen Jahr noch nicht not war. — Aus Butzbach wird uns geschrieben: Um 12 Ufr 20 Minuten Dienstag mittag verbreitete sich über mü- Stadt ein fast nächtliches Duntcl, dem nach etwa 10 Minute: ein kurz anhaltendes Gewitter mit starkem Regen folgt Die plötzlich hcrciubrechende Dunkelheit war selbst für unser ältesten Einwohner etwas Ungewöhnliches. Schon kurz nas i/2l Uhr schickte die Sonne wieder ihre ersten Strahlen.- Von Friedberg wird unS r.nterm gestrigen gemeldet Heute mittag kurz vor i/2l Uhr zog ein Gewitter üfre unstre Stadt mit Blitz und Donner. Es verursachte ein solche Dunkelheit, daß es plötzlich Nacht zu werden droht- Sämtliche Bureaus mußten Licht anzünden, auch in Privathüusern wurde teilweise Licht gebrannt. ' Die ü- scheinung dauerte ungefähr 10—15 Minuten, worauf bc Zwitter nach Gießen zu weiter zog. — Auch in Fran! surt wurde es gegen 12 Uhr stockdunkel. Der Blitz sch ft in ein Haus der Friedberger Landstraße und stürzte c: Türmchen herab. Größerer Schaden entstand nicht. — ; Darmstadt zog das Gewitter, das ebenfalls mit greif' Finsternis verbunden war, um 11 Uhr vorüber, tz brauchte also von dort bis Gießen etwa iy2 Stunden. - Heftiger war ein Unwetter, das am Montag abend ii Bingen niederging. Ein wolkenbruchartiger Regen, ir. man ihn seit Jahren nicht beobachtete, ging dabei niete In einem Zeltzirkus, der Vorstellungen gibt, entstand fr Ausbruch des Unwetters eine Panik, die dadurch verftW wurde, daß plötzlich das elektrische Licht erlosch. Die 'zü schauer drängten dem Ausgange zu, vor dem sich eial Grube von i/2 Meter Tiefe befand, die mit Wasser gefüJ war. Viele Männer zogen Stiesel und Strümpfe auS M wateten hindurch. Manche trugen auch ihre Frauen hiü NN-,,. Bei den meisten löste die Sache, nachdem man & .Nach der Wiederwahl des alten Vorstandes und nachdem befchlogen worden war, den nächsten Parteitag in Württemberg abzuhalten, wurde der Parteitag geschlossen. Am Nachmittag fand em Festessen statt. Payer erwähnte hierbei, daß das ihm zu geschriebene Wort dem Reichskanzler gegenüber, die Freisinnigen loollten nach der Suppe auch Gemüse ünd Brocken sehen, von ihm> nie gebraucht worden fei. Er hätte zum mindesten für die Freisinnigen Br Men gefordert.__________________________ Neuregelung der deutsch-euglischen HandelsSeziehrrugen Mazedonien. Oesterreich - Ungarn und Rußland ist der Konferenzen zwischen Iswolsky _____ Aehrenthal eine Note an ihre Gesandten in den Balkanländern ergangen. Diese Note erklärt, daß die Tätigkeit der christlichen Banden in Mazedonien mindestens zum Teil durch eine sehr verbreitete irrtümliche Interpretation des Artikels 3 des Mürzsteg er Programms hervorgerufen worden fei. Dieser Artikel besagt, daß nach der Beruhigung des Landes von der Türkei eine Aenderung der Territorialabgrenzung deS Verwaltungsbezirks im Sinne einer regelmäßigeren Gruppierung der verschiedenen Nationalitäten zu verlangen sein werde. Die revolutionären Komitees wollten nun offenbar die Territorialsphäre ihrer Nationalitäten erweitern und hoffen, daß diese Ausdehnung seinerzeit als Grundig- der neuen Abgrenzung dienen werde. Die Kabinette nachm. 5 Uhr, in der neuen Universitätsaula: 1. orchester: Allegretto aus der Symphonie Nr. 11 von I. 2. Einführender Vortrag de? Unterprimaners Kann. 3. Usch-deklamatorische Aufführung von Sophokles Antia 4. Schülerorchester: Adagio für Streichorchester und Kt? von W. 9L Mozart. Samstag, 12. Oft., vorm. ig n. 5 e ft n f t in der neuen Univer'sitätsaula: 1. Allg. Lobe den Herrn. 2. Gebet, gesprochen von Prof. D. 6t' 8 3. Begrußungsworte des Direktors. 4. Schüterorchch Andante a. d. Symphonie Nr. 1 von L. van Beetho 5. Festrede des Prof. Dr. Nlesser über die beschichtet Gymnasiums. 6. Chor: „Verleih uns Frieden gnädicü^ 7. Ansprachen. 8. 'Allg. Gesang: „Nun danket alle Nachmittags 3 Uhr auf der Liebigshöhe geselliges Zusannnk. sein aller Festteilnehmer mit turnerischen unD anderen A i I führungen. ** Ueb erwach nng des alten Schlosses. Qn;or ber Einrichtung des allen Schlosses ist der hiesigen lind Schließgesellschaft die Ueberwachung des Schlosses übti tragen worden. ’ Wie uns mitgeteilt wird, hat die Tötiqk der Wach- und Schließgesellschaft hierbei volle Anerkennnp gefunden, und cs ist ihr eine Gratifikation bcifiir bciuiü' worden. ** Für die Sitzung der Stadtverordnete,- Versammlung am Donnerstag, 3. Ott., nachm. 4i'„nj ift sotgende Tage2orduung aufgestellt.- 1. Baugestw) August Scheppelmann für die Romistraße. 2. Desql fr! Ludivig und der Mathilde Herbert für die WagenM 3. Desgl. des Kan Wehrum für den Wiestckerweg. 4. Te^- des Johann Georg Pfaff für den Wismarer weg. 5 sfc gcbniig der Lieferung von Zementrohren und Eisenle^ sur dre Kanalisation. 6. Tie Löhne der städtischen Pflai, rer. 7. Verpachtung von städtischem Gelände an der furwr Straße. 8. Einrichtung des Schuwades in der St^ madcyenschulL in der Schillerstraße. U. Verabreichung wo' men Frühstücks an bedürftige Schulkinder. 10. AM-' lung des Adreßbuchs. 11. Erhebung von Kana/ gebühren. Cergessetz^U« Ter „Fall Schellenbcrg" in Wiesbaden ist jetzt aus dem Stadium der theoretischen Erörterungen in den Zustand der akuten Krisis übergegangen. Nachdem das Reichspostamt sich nicht dazu hat verstehen können, die Kündigung des Dr Schellenberg zurückzunehmen, hat er hat dies,— zumal während des letzten Jahrhunderts — in’ großem Umfange, und in dankenswerter Weise getan. ?i€ SSijfungai, die das intensivere Eingreifen der Staatsgewalt für das Bildungswesen gehabt hat, sind freilich nicht alle ohne weiteres als Gewinn anzusehLn. Unverkennbar herrschte im älteren Schulwesen mehr Freiheit. konnten sich auch Lehrer und Schiller ausschließlicher dem widmen, wozu innere Neigung und Befähigung trieb. Auch ruar eS 5. B. begabteren Schülern möglich, viel rascher die Schule §u absolvieren. Für ihr Vorwärtskommen war ja im weientliwen nur der Grad einer Fertigkeit maßgebend: ihr Können im Latein: heute muß jeder in so und fo viel Fächern so und 0 viel Rillen ausweisen, um zur höheren Stufe emporzu- 1 teig en. ^lich kam jener ältere Zustand nur den nach der spracylicyen Seite besoiwers Begabten zugute: anders gerichtete ^yegabuiigen fanden um so viel weniger ihre Rechnung in der alten Schule. Ueberhaupt darf man die Kehrseite nicyt über- sehen. ^ene große Freiheit war doch nur ein Vorteil, wo wirklich wertvolle Kräfte in Lehrern und Sckchtern vorhanden waren, die baburcL}i die Möglichkeit hatten, sich ungehemmt zu regen uno zu betätigen; sie wurde zum schweren Nachteil, wo solche Pontiven Kräfte fehlten: Vernachlässigung des Unterrichts, Faul- l)eit und Disziplinlosigkeit der Schüler, unzulängliche Vorbildung der Studenten waren dann die Folgen. Es ist doch nicht zu beizeiten, daß hier die Sorge des Staates für Lehrerbildung fo* wie 1 chartere Aufsicht und Kontrolle ourch Prüfungen günftig gewirkt gaben : em gewisses, wenn auch bescheidenes Maß relativ vielseitiger Ausolldung wird jedenfalls heute bei einer viel größeren Zahl von Schülerii erreicht als ehemals. Außerdem ist der Staat mit (Sriolg bemüht gewesen, früher allgemein verbreitete Mißstände wie unzureichende Besoldung der Lehrer, mangelhafte Beschaffen- hett der Schulraume und der Lehrmittel, zu beseitigen: endlich bedarf ein Jo großer Organismus, wie unser Bildungswe-sen, zu seinem Bestehen und feiner Fortentwickelung nicht nur der freien und lebendigen Regsamkeit seiner Glieder, sondern auch einheitlicher Regelung und Ordnung. Freilich, geistiges Leben ist ein außerordentlich zartes und fernes Ding, . und Freiheit ist recht eigentlich die Atmosphäre, ore.es zu seinem Gedeihen gebraucht. Daß auch unsere Staats- reglerung von dieier Ueherzeugung durchdrungen ist, das hat tte erst bet dem Uiiiversitäisjubiläum wieder beiriefen, indem unier Landessurst wie sein erster Minister der Hochschule in £orm die Wahrung der akademischen Freiheit zugeiichert haben. Mutatis mutanbid hat aber nicht bloß für die vochichiile, jondern auch für das ganze Schulwesen das Prinzip oer Freiheit neben dem Prinzip der Ordnung eine grundleaende Bedeutung Die Tätigkeit des Lehrers und Erziehers erfordert u cm3 bcjoiiberem Maße freiwillige und freudige Hingabe uno fic unrZ) nur dann wirkliche Geistesbildung fördern, wenn I ^(c^anber Koch in Darmstadt) ist wieder eine Glanzleistm; "Es enthält nicht weniger als hundert Illustrationen, te unter fünf farbige und zwei in reichem Golddruck. 6 Aus Stadt 88nO Land. Gießen, 2. Olt. 1907. Vom Groß h erz 0 glich en Hofe. Prinz Heinrich von Preußen trifft in Begleitung des persönlichen Adjutanten KorvettenkopitänZ v. Egidy heute abend 511 mehrtägigem Besuche in Jagdschloß Wolssg..Aen ein. Am Dienstag besilchte I. 51. H. die Großherzogin die Haushaltungs- schule in Langen, S. K. H. der Groß Herzog die Aiis- Itcllnngsbaulichkciten aus der Mathildenhöhe. Nachmittags trafen zuni Besuch aus einige Stmidcn der Fürst, sonne P^rinz Viktor 5 u I s e n b u r g - B i r st e in auf Jagdschloß Wolfsgarten ein. Aiii Dienstag empfing Se. Kgl. Hoh. der Großhcrzog in Wolfsgarlen den Geh. Regiermigsrat Professor Dr. Messel. ** A nszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Oberlehrer an dem Seminar für Volksschul- lehrerinncn Hch. Matthes und dem Oberlehrer an der Realschule zu Wiinpfen Jakob Sieben den Charakter als Professor sowie dem Oberförster der Oberförsterei Burg- Gemünden Friedrich Kullmann zu Burg-Gemünden den Charakter als Forstmeister erteilt. Erledigt i|t eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerste lle an der Gemeindeschule zu Nieder- Erlenbach. ** Le hra mtsassess 0 ren. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern vom 1. Oktober 1907 wurden bic Lehramtsreferendare Nck. Axt zu Offenbach, Karl Becker zu Lau.bach, Fried. Bender zu Offenbach, Alex. Binz el zu Groß-Umitadt, ?llb. Die mer und August Förster zu Alzey, O. Dr. Theodor Friedrich und Llldwig Gengnagel zu Mainz, Theodor Heuß zu Bad-Nauheim, Joh. Huthwohl zu Babenhausen, Hch. Mischler zu Bingen, Dr. Adolf und Hans Seiler zu Worms zu Lehr- amtsassessoren ernannt. ♦* Eine Stenographenfeier. Die am vorigen Samstag im Philosophenwald stattgefundene freier des : tenographenvereins nach Gabelsberger, >v ymnasium Gießen, war von Eltern und Vereins- nrgehörigen überaus gut besucht. Nicht nur, daß alle 7linilervereine Oberhessens durch Vertreter oder brieflich hre Grüße dem Jubelvereine übermittelten, auch die beiden Gießener Hauptvereine und der von Heuchelheim hatten hrc Vertrete entrsandt. Von den Lehrern der Anstalt pcimt zwei Oberlehrer und fünf Referendare anwesend, ''ml] der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden )? c D c r gab das Ehrenmitglied des V"-eins, Referendar Töpfer, in seiner fesselnden Festrede einen Abriß der beschichte der Gabelsbergerschen Stenogravhie und der Kon- urrenzsvsteme. Als Vertreter der Direktion und des Lehrer- -ates sprach Oberlehrer U r st a d t seinen Dank aus und eine Ueberraschung, eine solche in allen Teilen wohl- gelungene Feier vorzufinden. Große Begeisterung rief die liede des Direktors Dr. Pitz-Alsfeld hervor; er über- -aschte näml'ch die Anwesenden mit einem Vortrag über ien Wert der Stenographie, besonders für die Schüler, ind über die zurzeit schwebenden Einheitl'bestrebungcn und miete damit, wie alle Festredner, brausenden Beifall. Ebenso beifällig wurde ausgenommen die Begrüßungsrede m Lehrers Kling vom Verein Gabelsberger Gießen und ne des Herrn Roloff, Vorsitzenden des Vrudervercins nn Nealgv'.nnasium-Obprrealschule. Ein Festspiel auf Babelsberger und ein Lustspiel, beide flott gespielt, wie ntch einige humoristische Vorträge vermehrten die allgemeine Festesfreude. Ein gemütlicher Tanz beschloß die Z-eier. '* Ueber die Leipziger Quartett- und Konzert- änger, di morgen abend nn dienen Saalban ein Konzert oercmstaltcn, lesen wir in der „Mühlbäuser Ztg.": Das reichhaltige Programm gab den Mitgliedern der seit fahren bestehenden, beslbekannten Gesellschaft vollauf Gelegenheit, ich von der günstigsten Seile jm zeigen. So bewährte sich Herr <-r)(e als gediegener Hnmorist, während Herr Mühlau als Komiker iiid Jnstrnmeiitalvirtnose brillierte. Formvollendet und klangrcich varen auch bic Darbietungen des Herrenguartetls, von dem überdies die Herren Schmidt und Swiner sich als Solisten anszeichnetcn. viii samoier Dameniniitator n ar Herr Jebben. Besonders hervor- ilheben ist noch die dlnfführnng zweier Possen, ivelche, wie auch ne übrigen P''ogrammnnmmern, vom Publikum mit lebhaftem Beifall ausgenommen nuirben. Wir wollen hoffen, daff uns recht mld wieder Gelegelibcit geboten ivird, iinsere Bekaiintschaft ntit dein, lorznglichen Ensemble in unserer Stadt zu erneuern. ** I n Amerika verstorbene Hessen. Frau Katharina Tender, geb. Uhl, aus Niederbiehl (Kr. Weh- ar), 72 Jahre alt, zu Alleghany, Pa. — Fran Regina 'tönt 3, geb. Hartmann, aus Dorn-Dürkheim, 82 Jahre alt, zu Cincinnati, O. — Heinrich Kittel! aus Langen- .ergyeim, 68 Jahre alt, zu Topeka, Kans. Z Hungen, 1. Okt. Der Geflügel- und Vogelzucht- oerein für .Hungen und Umgegend hält vom 1.—4. November oicses Jahres int Gasthaus zur Traube in Hungen seine 2. Lokalausstellung ab. Einladungen zur Beschickung der Ausstellung, die Hühner, Enten, Gänse, Truthühner, Tauben, -'rgeflügcl, Singvögel, Eier, Gerätschaften, Futterproben und Literatur ornithologischen Inhalts umfaßt, sind ergangen an die Geslügelzuchtvereine Lich, Grünberg, Lau- bach, Schotten, Nidda, Echzell und Friedberg. Neben sieben von dem Provinzialausschuß der Landwirtschaftska:..mer unb mehreren von Vereinen, Gemeinde und Privaten ge- fnfteten Ehrenpreisen kommt eine große Anzahl höherer ckcldpreise zur Vergebung. Während der Ausstellung werden mittels einer Tombola Gebrauchsgegenstände und Geflügel ausgefpielt. Am letzten Ausstellungstag findet in dem vergrößerten und neuhergerichteten Saal zur Traube großes Konzert statt. Annteldungen zur Ausstellung, die in eine Zeit füllt, in der das Geflügel sich in denkbar bester Verfassung präsentiert, sind bc^eits in großer Anzahl eingetroffen. -1. Weickartshain, 29. Sept. Heute hielt Herr Lehrer Will von Rendel in unserem Krieger verein einen Vortrag. Der Vorsitzende eröffnete die gut besuchte Versammlung mit einem Kaiserhoch. Der Redner sprach über die soziale Frage und Bedeutung der Kriegervereine sowie über Veteranenbeihilfe und die Frage, betr. frühzeitige Heranziehung der männl. Jugend zu den Krieger- oereinen. Reicher Beifall und herzliche Dankesworte des Vorsitzenden lohnten den Redner für seinen bedeutungsvollen Vortrag. Herr Will kann überzeugt sein, daß seine Worte hierorts auf guten Boden gefallen sind. Der Vorsitzende unseres Bezirks, Kamerad Ranft von Grünberg, nahm im Lause der Versammlung noch Gelegenheit, die hiesigen Kameraden über die Zeitungs- und Sterbekassenfrage aufzuklüren und zum Beitritt zu ermuntern. Unsere Vereinskapelle trug wesentlich zur Hebung der Feier bei. P. Schlitz, 1. Okt. Heute feiert, wie schon kurz gemeldet wurde, die Firma Gg. Lang Heinrich das Fest ihres 7 5jährigen Bestehens, ebenso der derzeitige Direktor- dl. Haag sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus den kleinsten Anfängen heraus bat sich die Firma, die heute mehrere Hundert 'Arbeiter beschäftigt, zu einem der bedeutendsten Geschäfte in der Textilbranche entwickelt. Nicht nur in der Heimat, sondern auch im Auslande genießen ihre Erzeugnisse einen , Weltruf. Gestern, am Vorabend, wurde von den Arbeitern ein La mpionzu g dargebracht. Heute werden sämtliche dlngestellte (auch die früheren), sowie die Arbeiter sich mit ihren Familien zu einem Festessen vereinigen. Wie bestimmt verlautet, sind für heute Auszeichnungen an ältere Arbeiter von der Regierung und der Zentralstelle des Landesgewerbevereins zu erwarten. . — 'Alsfeld, 1. Okt. Die Landw. Wtnterschule Alsfeld, die im letzten Wintersemester von 45 Schülern besucht war, eröffnet ihren diesjährigen Winterkursus am 5 November. Die Anmeldungen laufen schon sehr zahlreich ein, so daß voraussichtlich die Schülerzahl diesmal die Zahl 50 übersteigen wird. Neben den fonft üblichen von dem Großh. Miuistcnum vorgeschriebenen Unterrichtsgegenständen sollen in diesem Winter einige Slundeu Unterricht in Wohlfahrts- ein richtunge n erteilt werden; ebenso soll der Unterricht in Fel dm essen auf besondere dtachmiltagsstunden im Freren verlegt werden. Der Unterricht in Obstbau wird in diesem Winter durch einen Obstbautechniker erteilt. Im Ganzen unterrichteten an der Schule drei Laudwirtschaftslehrer, ein Kulturtechmter, ein Obslbautechniker und vier tzülsslehrer. (fc.) O f f en Vach a. M., 1. Okt. Gestern morgen wurden am Main zwei Strohhüte, ein .Herrn- und ein Damenhut, gefunden. Es steht ziemlich fest, daß es sich um den Doppelselbstmord ecknes Liebespaares handelt- Der junge Mann ist der 19 jährige Sohn eines hiesigen Schneidermeisters, seine 17 jährige Geliebte die Tochter einer hiesigen Familie, die in den letzten Jahren schwer durch Schicksalsschläge heimgesncht ist. Einen tieferen Beweg- grund soll das Paar nicht gehabt baben. (fc.) Mainz, 1. Okt._ In einer Wirtschaft auf der Amöneburg gerieten gestern abend Arbeiter und Amöneburger Bürger in Streit. Nachdem die Streitenden die Wirtsch.. . verlassen batten, warf em Arbeiter irP einem Backstc'' nach dem Spezereihändler Jos. Schmidt "-nd traf ihn so f-.rchtbar an den Kopf, daß der Schädel zerschmettert wurde. Der Mann war sofort tot. Zwei Verhaftungen wurden vorgcnommen. Landwirtschaft. ** Ein Ob'st-, Ge mü se- und Kartoffelmarkt, verbunden mit Obst- und Gemüse-Ausstellung, findet vom 19. bis 21. Oktober zu Darmstadt statt, Hweck der Veranstaltung ist, gute n.nd preiswn"dige Produkte, sowie hervorragende Leistungen zur Anschauung und zum Angebot zu bringen, sowie den Konsumenten Gelege'.:l)eit zu geben, gut und zu annehmbarem Preise einzukaisien. Die Beschickung kann aus ganz Hessen erfolgen. Es können sowohl Proben ausgestellt werden als Obst, Gemüse und Kartoffeln direkt zum Verkauf gebracht werden. Namentlich ist letzteres erwünscht und nach den gemachten Erfahrungen für Verkäufe^ wie für Kmuumenten zweckmäßig. Mit dem Markt wird eine Prämiierung in größerem Umfange verbunden. Auch ist der Ankauf erheblicher Mengen von Obst, Gemüse und Kartoffeln für die Verlosung vorgesehen. Die Landwirte sowie Obst- und Gemüsezüchter seien auf die vorteilhafte Gelegenheit zur direkten Verwertung ihrer Produkte aufmerksam gemacht. + Alsfeld, 1. Okt. Sonntag, 29. Sept., hielt das landw. Kränzchen Alsfeld nach längerer Sommerpause seine erste He rb st ve r s a m mlu n g ab. Um 4 Uhr wurde dieselbe durch den Vorsitzenden, Gutsbesitzer Schadt, mit einem freundlichen W-ltkommengruß an alle Teilnehmer, ca. 65 Herren, eröffnet. Mit dem Hinweis auf die seitherige günstige Entwicklung des landw. Kränzchens vmband der Vorsitzende zugleich die Erklärung, daß wohl auch in Zukunft ?ne gerichtliche Weiterentwicklung des Vereins zu erwarten sei, in den die Mitgliederzahl dauernd wachse und auch für die heutige Versammlung sechs neue Ätitglieder an gemeldet seien. Rach Erledigung einiger weiterer geschäftlicher Bemerkungen wurde sodann Privatdozent Dr. Kleberger das Wort erteilt zur Erstattung eines Referates über „Neuerungen auf dem Gebiete der Ernährung und Haltung unserer landw. Nutztiere." An den Vortrag, der im.Hess. Landwirt abgedruckt werden wird, schloß sich eine außerordentlich interessante und angeregte Debatte, an der neben anderen Herren besonders Oekonomierrt L e i t h i g e r - Alsfeld sich beteiligte. Er wies besonders darauf hin, daß das von dem Referenten eingehend behandelte Kellnerschc Verfahren der Wertschätzung landw. Futtermittel i ifofern eine besondere Bedeutung habe, als eS ermögliche, besser als alle seitherigen Systeme die verabreichten Futterwerte zu den Leistunge.: der Tiere in Beziehung zu setzen. In voller llebereinstimmung mit dem Referent, n müsse er jedoch bemerken, daß die Einführung des KAlnerschen Systems in die Praxis als zieml'ch schwierig angesehen werden müsse. Ferner warnt er die Landwirte vor Einkauf unbekannter Futtermittel und daiwc dem Referenten für die interessanten Auskünfte über die betreffenden neuen Futtermittel. — Von verschiedenen praktischen Landwirten wurden dann über Erfahrungen aus dem Gebiet'? der Anlage von Selbsttränken gesprochen, so'.vie Fragen über die Durchführung von Trockensüttcrung gestellt, die teils von dem Referenten, teils aus der Versammlung beantwortet tvurden. Gegen 7 Uhr schloß der Vorsitzende mit ein ein Dank an den Referenten sowie an die Tecknehmer die Versammlung. * Wie man am Hofe zu Berlin trauert. Der kaiserl. Oberzeremonienmeister Graf A. Eulenburg ließ folgende Ansage ergehen: Der Königliche Hof legt heute für S. K. H. den Großherzog von Baden die Trauer au vier Wochen, und zwar bis einschließlich den 26. Oktober an. Die Damen tragen schwarzseidenc Kleider, und zwar die ersten drei Wochen bis einschließlich den 19. Oktober mit schwarzem Kopfputz, schwarzen Handschuhen, schwarzen Fächern und schwarzem Schmuck, die letzten acht Tage mit weißem Kopfputz, grauen Handschuhen, weißen Fächern und Perlen. Die Herren nehmen sirr die ganze Zeit der Trauer einen Flor um den linken Arm. Die 5^errcn vom Zivil tragen zum gestickten Rock in den ersten drei Wochen bis einschließlich den 19. Oktober bei großer Gala schwarze Kniehosen, schwarze Strümpfe, Schuhe mit schwarzen Schnallen und Degen mit schwarzer Scheide, in den letzten acht Tagen blanke Schnallen, zur halben Gala die goldbeziehungsweise silberbordierten Beinkleider von der Farbe der Uniform und in dem einen wie in dem anderen Falle den gold- beziehungsweise silberbordierten Hut mit weißer Feder; zur kleinen Uniform dagegen schwarze Unterkleider (beziehungsweise Kniehosen, schwarze seidene Strümpfe, Schuhe mit schwarzen Schleifen und den dreieckigen Hut mit schwarzer Feder). In den ersten drei Wochen tragen die Herren schwarze wollene Westen und schwarze Handschuhe, in den letzten acht Tagen schwarze seideire Westen und graue Handschuhe. *Vom Schmied zum Ehrendoktor. Die Universität Leeds ernannte den amerikanischen Pfarrer Eollyer, der sich in England auf Besuch befindet, zum Ehrendoktor. Der Geehrte ist in England geboren, 84 Jahre alt und hat einen merkwürdigen Lebenswandel hinter sich. Ter junge Eollyer wurde Grobschmied, studierte jedoch, während er am Blasebalg arbeitete, alle Bücher, deren er habhaft werden konnte. Aus dem Grobschmied würbe ein angesehener Tierarzt und später ein Theologe, der, als er im Jahre 1859 nach den Vereinigten Staaten auswanderte, zum Pfarrer einer Gemeinde gewählt wurde. Der vielseitige^ Mann hatte hervorragende Freunde, wie Emerson, Longfellow und Hawthorne, die alle vor ihm in das Grab gestiegen sind. dToch als Pfarrer blieb er seinem ersten Beruf als Schmied treu. Der Ehrendoktor erwähnte in seiner Dankesrede, daß die Bücher seine Begleiter und Freunde geworden seien, die er säst so hoch schätze wie seine menschlichen Freunde, * Ein Thron zu verkaufen! Der Negerkonig Morshi, der über das Land Aybosme in Afrika herrscht, bietet in den Zeitungen seine Krone, sein Seepter, seinen Thron, sein Land, seine Untertanen mit dem Recht über Leben und Tod zum Verkauf aus, alles für die mäßige Summe von einer Million, ein wahres Spottgeld! Dieser kleine Staat, der von der Bolta durchflossen wird, besitzt, wie der „Cri de Paris" zu berichten weiß, eine Oberfläche von 400 Kilometer Länge und 160 Kilometer Breite. Der König, der hier unumschränkt a'P Souverän herrscht, verfügt über eine Leibgarde von 209 Amazonen, die sämtlich in den Dienst des Käufers gestellt werden würden, und 28 Flauen, die der König vielleicht für sich behalten würde, vorausgesetzt, daß sein Nachfolger nicht einige von ihnen gegen Extrabezahlung sich selbst zulegen möchte. Seine Krone, sicherlich ein ganz einzigartiges Prachtstück, ist eine Art Tiara, gemacht aus drei übereinandergestellten Totenschädeln, und sein Thron selbst erhebt sich auf einem Knochen- Haufen aus menschlichen Schädel- und Deinknochen. Und warum, glaubt man wohl, will Morshi all diese Schätze dem Meistbietenden veräußern? Der König hat von den Wundern der modernen Kultur reben gehört, von den kleinen Pariserinnen, von den großen Varietes und asi den Annehmlichkei^-n modernen Lebens. Er will auch Anteil haben an dm Vergnügungen Europas und in alle: Ruhe seine Million verzehren, im Besitz eines Automobils unt)’ eleganter Kleidung. Man darf annehmen, daß ein Rivale Jacques Lebaudys sich diese seltene Gelegenheit nicht' entgehen lassen wird. * Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Diese wichtige Frage hat jüngst das populäre Londoner Wochenblatt „Tit Bits" den Junggesellen unter seinen Lesern vorgelegt. Tas Blatt hat 17 300 Antworten erhalten. Einige Leser schätzen bei einer Frau die Schönheit, andere die Verschwiegenheit; noch andere das — Mundhalten. Das alles scheint aber noch nicht das männliche Ideal, d. h. das Ideal der Männerwelt zu sein, denn von den 17 300 Antworten stellten mehr als 16 690 übereinstimmend fest, daß die weitaus interessanteste Eigenschaft der Frau das „Kochenkönnen" ist! Rache ist süß! Folgendes Inserat läßt, wie wir in der „Berliner Zeitung am Mittag" lesen, auf ein angenehmes Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter schließen: „Acht bis zehn lebende Ratten edelster Abstammung, vortreffliche Nager, ohne Scheu vor Menschen, suche als Ersatz für diejenigen, die ich in IV2 Jahren in meiner Wohnung gefangen habe, zum 1. Oktober 1907 zu kaufen, um die Wohnung bei meinem Auszuge wieder so instand^ zu setzen, wie -es der Hauswirt von mir verlangt." LZrrivcrnLüts-NLrcHrschten. — D e n k m a l v i l e g e n (§ Lehrfach. Wie mir hören, ist eine Dozentur für praklifche Denkmalpflege in der Architektur- abteilung der Berliner Technisch-: Hochschule begründet und dem Regicrnngsrat im preußischen Kultusministerium, Stellvertreter des Staatstonservators in Preußen, E. Blunck übertragen morben. des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank ftlr Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Wirse, 2. Oktober, 1.15 Uhr. 3X°/° Beichsanleihe . . 94.00 n% do. . . 84.90 3>5°/. Konsols .... 94.45 3% do. .... 84.90 3%°/0 Hessen . . . 92 80 3)40/ö Oberuessen . . . 92.00 Oesterr. Gold reute . 98 05 4','a% Oesterr. Silberrente 98 35 4% Unaar. Goldreute . . 93 40 4% Italien. Rente . . 101.20 3°6 Portugiesen Serie I . 65.50 3% Portugiesen „ III 66 90 4 x/4 °/0 rnss.Staatsanl. 1905 93.00 4% japan. Staatsanleihe 90.80 4% Gonv. Türken von 1903 93.50 Türkenlose 145.20 4% Griech. Monopol-Anl. . 48.50 4 % äussere Argentinier . 84 80 3°/0 Mexikaner < « . 62.90 4>n% Chinesen . . « . 95.50 Aktien: Bochum Guss 206 00 Buderus K W. . . . 117.00 Tendenz: schwächer. Berliner Börse, 2. Canada E. B 162.00 Darmstädter Bank . . . 129.00 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 62.00 Dresdner Bank .... 142.70 Tendenz: matt. Eloktriz. Lahmeyer . , 121.40 Elektriz. Schnckert . « . 104 00, Escbweiler Bero-werk . . 216.00 Gelsenkirchen Berg-werk . 200.25 Hambnrir- Amerik. Paket!. 130.80 Harener Bergwerk. « . 205.25 Laurahütte —.— Nordd. Lloyd .... 115,20 Obeischles. Eisen-Industrie 104.00 Berliner Handelsges, . . 157.00 Darmstädter Bank . . . 128.60 Deutsche Bank .... 231.50 Deut sch-Asiat Bank . . 138.50 Diskonto-Kommandit. . . 173.30 Dresdner Bank . . . 143.001 Kreditaktien 202.60 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . . . 91.50 Gottbardbahn .... —.—- Lombard. Eisenbahn . . 30 80i Oesterr. Staats bann . . . 141.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 128.50 Oktober. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 205.00 Laurahütte .... 224.50 Lombarden E. B. ... 30.60 Nordd. Lloyd .... 116.00 Türkenlose .»•••. 144,90 Kesiiaeber^p SeidenfabriKt., Zürich Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art. Zollfrei! — Muster an Jedermann! D2/i0 Em gsster Suruf! Die Ilnterichrist des nachstehenden Brieses ist amtlich beglaubigt: 5köln,23. Mai 07. Der Poliäei-Kommiffar Faber. Köln» Nrppes, Nieblerstr. 119, d. 10. Mai 07. Heute möchte ich allen: Blutarmen und Schwachen Zurufen: „Braucht Bioson und ilir werdet gesund!" Ich habe das Biason jetzt zioei Jahre gebraucht, fühle mich sehr kräftig, sobald ich eine Tasse geuoimuen und kann mir mit einem Wort gesägt fein anderes Präparat, von denen ich schon so viele! versucht habe, das Biosou ersetzen. Da meine Familie und meine Bekannten mich früher immer schwach, blaff und kränklich sahen, habe ich mit weniger Atübe selbige überäeugt von der guten Wirkung des Präparates und mit Erfolg immer weiter empfohlen. Achtungsvoll! Frau Zaun. 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