Nr. 101 157. Jahrgang Mittwoch, 1. Mai 1907 Erscheint tLgN- mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Sieheirer LamlNeadlStter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsblott für den llreir Liehen" zweimal wöchentlich. Der.^elfische tanbroirf* erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger flr Oberheijen Rotationsdruck und Verlag der Brühlsschen Unwersuäl» - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7.' Expedition und Verlag: 61* Redaktion: 112. Tel.-2ldr^ AnzetgerDießen. von Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 42. S i tz nn g v o m 30. A p r il. 1 U h r. Am BundeSratstisch: Fürst Bülow, Frhr. Lschirschky, Graf Posadowsky, Dernburg u. a. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des E t a t s des Reichskanzlers und der Reichskanzler und deS Etats des Auswärtigen Amtes. der Meinung, daß eine Besprechung der auswärtigen Politik der geeignete Platz wäre, um die Polemik fortzusetzen, die wir vor einigen Wochen gegen den Reichskanzler zu fuhren veranlaßt waren. (Beifall im Zentr.) Wir sind der Meinung, daß bei Be- sprechung der auswärtigen Politik jede Erinnerung an innere Zwistigkeiten zurückzutreten hat. (Beifall im Zentr.) bin durchaus gewillt, diele Dinge gänzlich sine ira zu behandeln (Verfall im Zentr.), aber gewiß nicht sine Studio (Heiterkeit). Da-, sind wir der Ehre des deutschen Namens schuldig. Als wir vor einem Jahre uns hier über die auswärtige Politik unterhalten haben, konnte der Reichskanzler seiner Befriedigung über den AuSgang der Konferenz von Algeciras Ausdruck geben. Sowohl bei dem Zusammentritt als auch beim Ausgang hätten etwaige Bemühungen, Deutschland auszuschaltcn und von der Regelung gewisser Verhält- nisse in Marokko auSzuschlietzen, keinen Erfolg gehabt. Nun ist ein Jahr ins Land gegangen, und ich weiß nicht, ob diese Befriedigung beim Reichskanzler noch besteht. Ich erinnere mich auch, in der letzten Zeit gelesen zu haben, die Konferenzakte von Algeciras sei schon heute das Papier nicht mehr wert, worauf sie geschrieben worden sei. Ich erinnere mich gelesen zu haben, es sei rückwärts gegangen, man sei wieder auf dem Zustande angc- langt, der vor dem Zusammentritt der Algeciraskonscrenz bestanden hat. Jedenfalls ist richtig, daß die Beunruhigung in Marokko sowohl als auch die Beunruhigung über Marokko zur Zeit noch nicht aufgehört hat. Bei un§ in Deutschland will man gerade die neulich vollzogene Besetzung von Udschda als einen Anlaß zur Unruhe nehmen. Es ist zu beachten, daß diese Besetzung in der französischen Presse vielleicht noch einen viel stärkeren Widerhall gefunden hat. Ich bitte» sich daran zu erinnern, welchen Lärm die französische Presse geschlagen bat, als bei Telegraphenarbeiten und zuletzt noch bei Kanalbautcn deutsche Firmen berücksichtigt wurden. Ich glaube, daß in weiten Kreisen noch Mißverständnisse über die Bedeutung der Algeciras-Akte bestehen. Man berücksichtigt zu wenig, daß in AlgeciraS die beson- deren Beziehungen Frankreichs zu Marokko anerkannt worden ^ Frankreich sind als benachbartem Sanbe gewisse Pflichten auferlegt worden und ihm auch gewisse Rechte zugebilligt worden. Ich hoffe, daß der Reichskanzler uns in dieser Hinsicht beruhigende Versicherungen wird geben können, wie es der französische Minister des Auswärtigen, Herr Pichon, auch seinerseits getan hat. Von besonderem Interesse ist aber bei dieser Kontroverse, daß französische Stimmen sich haben vernehmen lassen, es könnte vielleicht Marokko als Ausgleichsobjekt dienen. Nun weiß ich nicht, was derartigen Verlautbarungen tatsächlich zu Grunde liegt. Ich habe in einer ernsthaften französischen Revue, der „Revue de Par.S", einen Aufsatz gelesen, in dem hervorgehoben wird, daß wir andere Interessen hätten, die uns wichtiger sein könnten als Marokko-Interessen. Der Artikel weist dann auf die Bagdad-Bahn hin. Ich kann einen solchen Zusammenhang nicht finden. Soweit ich unterrichtet bin, hat allerdings ein deutsches Konsortium im April 1904 von der ottomaniscken Regierung die Konzession erhalten, die Bagdad-Böhn in der Richtung nach dem Persischen Meerbusen hin weiter auszubauen. Wir haben jedes Interesse daran, daß es dem deutschen Kapital gelingen möge, das alte Kulturland neu zu erschließen, und die Manner der Wissenschaft freuen sich darüber im Interesse der Wissenschaft. Aber daß hier ein Objekt für politische Unterhandlungen liegen soll, glaube ich nicht. Wichtig scheint mir nur das zu sein, dag mit allem Nachdruck darauf hingewiesen wurde, wie groß unsere Interessen im Orient überhaupt seien. Man kann auch der Meinung sein, daß wichtiger als in Marokko, die Sache in Konstantinopel ist. Von besonderer Wichtigkeit ist aber, daß Deutschland den Einfluß, den e§ bisher hier gehabt hat, nicht verlieren möge. Ich würde es bedauern, wenn gewisse Nachrichten richtig wären, die von einer Abnahme der Freundschaft der Regierungen von Berlin und Konstantinopel svrechen. Ich wende mich zu dem Artikel, der die allerschwärzesten, die düstersten Prophezeiungen enthält und die herbste Kritik an der Vertretung unserer Politik. Ich meine die sogenannte Einkreisungs- politikdes Königs von England. Sehen wir uns zu- 'nächst einmal die tatsächlichen Verhältnisse an. Es ist richtig, es besteht eine englisch-französische oder eine englisch-italienische, eine englisch-spanische Entente. Wir hören von Abmachungen zwischen England und Rußland, wir hören von, sehr engen Beziehungen zwischen England und Japan. Bei allem ist von Deutschland nicht die Rede. Das ist nicht schmeichelhaft und ist auch vielleicht nicht angenehm. Man soll aber die Dinge nicht übertreiben. Ich habe kürzlich in der „Jndependance Velpe", also in einem in einem neutralen Staat erscheinenden angesehenen großen Blatte, gelesen, diese neue Gruppierung gehe nicht darauf aus, Deutschland zu isolieren und seinen Einfluß in Europa zu vernichten, sie sei vielmehr bedingt durch die Notwendigkeit, ge- meinsame politische und wirtschaftliche Interessen zu schützen. Aber was dann das belgische Blatt noch hinzufügt, das klingt doch fast wie eine böswillige Insinuation, der gegenüber doch daran zu erinnern ist, daß eine böswillige und feindselige Ausbeutung der zuvor von mir erwähnten tatsächlichen Gruppierung der Mächte gar nicht allein, vielleicht auch gar nicht zuerst von der deutschen Presse ausgesprochen ist, sondern bis in die neueste Zeit hinein von der französischen Presse. (Sehr richtig I) Ich habe noch kürzlich in der „Libre Parole" von Paris gelesen, sie sei gut unter- richtet, wenn sie sage, daß der König von England darauf aus- gegangen sei, Deutschland gänzlich zu isolieren und es eventuell auf einen Krieg ankommen zu lassen, um sich der deutschen Flotte zu bemächtigen und Deutschlands Handel zu ruinieren. Ich brauche nicht zu sagen, daß das die Sensationsmache eines Boule- vard-Blattcs ist. Aber es gibt doch auch ernsthaftere Auslassungen ernster französischer Organe, die es doch begreiflich machen, wenn man auch deutscherseits ein gewisses Mißbehagen empfindet. In der „Nouvelle Revue" finden Sie einen Artikel von einem, der sich nicht genannt hat, der sich aber weitgehender Information zu erfreuen scheint; da wird die deutsche, angeblich leidenschaftliche Politik in Gegensatz gebracht zu der besonnenen zielbewußten Politik des Königs von England, der sich dabei in völliger Uebereinstimmung mit der Politik des früheren Ministers Delcasse befindet. Als das Ziel dieser Politik wird bezeichnet, die Beseitigung von Fesclavage allemand. Es wird gesagt, es sei durchaus notwendig, das zerstörte Gleichgewicht in Europa wieder herzustellen, es sei notwendig, die Nationen in die Lage zu bringen, frei atmen zu können, ohne in Deutschland erst danach fragen zu müssen. Derartige Auslassungen richten sich im Grunde selbst. (Sehr wahr l) Wo sind denn die Tatsachen, die zu solchen Auffassungen berechtigen? Welche Nationen haben denn in Berlin bisher angefragt, ob sie frei atmen dürfen? Sieht es denn so aus, als ob wir eine derartige lastende Oberherrschaft in Europa oder darüber hinaus ausübten? Wenn ich unter diesem Gesichtspunkte Die zuvor angeführte Gruppierung der Mächte noch einmal Revue passieren Iqsse, so wissen wir, daß die französisch-englische Enkente ja nicht von heute ist, und wir müssen anerkennen, daß eine Gefährdung des Friedens dadurch nicht cingctrctcn ist. Sie geht auf Jahre zurück, und man kann nicht sagen, daß durch sic eine Gefährdung des Friedens eingetreten ist. Wir hören weiter von einem A b - kommen zwischen England und Rußland. Ich lr^itz nicht, ob diese Abmachungen schon zum Abschluß gediehen fmp. Ich glaub« auch nicht, daß sie unsere Interessen berühren wurden, ich glaube nicht, daß sie dahin führen könnten, daß man die Werbetätigkeit des deutschen Kapitals in Persien ausschließt oder es dem deutschen Vertreter Übelnehmen könnte, wenn er innerhalb ferner Korn- petenz und der durch das Völkerrecht gezogenen Grenzen für deutsche wirtschaftliche Unternehmungen nadjbrüdlüf) eintritt. — WaS Englands Annäherung an Japan anlangt, so ist das ja leider memS Neues, und vorläufig scheint nichts daran zu ändern zu sein, nachdem nadj Beendigung des japanisch-chinesischen Krieges eine gewisse Verstimmung auf feiten Japans Deutschland gegenüber eingetreten ist. Ich fürchte, eS werden Jahre vergehen, ehe die früher starke Freundschaft mit Japan wicderkommt. Indessen eine Gefahr erwächst aus dem japanisch-englischen Bündnis für unS nicht. Es sind ja indessen nicht diese älteren Beziehungen, die die öffentliche Meinung erregt haben, sondern die neue Annahe- rung En glandsanoie Mittelmeerstaaten, an Spanien, an Italien. Es find die Zusammenkünfte in Cartagena und Gaeta, die unsere Presse über das sonst gewohnte Maß überreichlich erregt haben. Ich bin nun der Meinung, daß man fürstlichen Zusammenkünften doch fein so großes Gewicht beilegen soll. (Sehr richtig I) Es haben schon früher Monarchenzusammenkünfte statt- gefunben, eS sind schon früher mehr oder minder fteundschaftliche Redewendungen ausgetauscht worden, ohne daß jedeSmal eine poli- tische Wirkung bemerkbar wurde. Warum sollte eS hier anders fein? Was speg.ell Spanien betrifft, so sind die phantastischen Gerüchte, daß die spanische Flotte durch englisches Geld neu erbaut, daß die spanischen Küsten durch englisches Geld neu befestigt werden sollten, inzwischen bereits in Seifenblasen zerplatzt. Uebrtg geblieben sind fteundschaftliche Annäherungen der Monarchen Englands und Span-enS und dann auch noch wohl die Tatsache, daß die englische Industrie bei der Herstellung der spanischen Flotte, die durch Spanien selber erfolgt, beteiligt sein wird. Besonders Anstoß erregt hat der B e s u ch dcS englischen Königs in Gaeta. Wir sollten nun aber durch unsere Haltung nicht eine Bevormundung über das Ausland zur Schau tragen, die die fremden Nationen verstimmen muß. Wenn wir die Sache ruhig überlegen, so finden wir: England und Italien find von Natur auf freundschaftliche Beziehungen hingewiesen. Italien, das mit Recht ganz Küste genannt wird, kann nicht in einer unfreundlichen Stellung zu England verharren. . Aber die freundschaftlichen Beziehungen Italiens xu England sind noch nichi dazu angetan, Italien aus seiner Dreibundstellung hinauszudrängen, lieber den Besuchen in Cartagena und Gaeta ist ein anderer Besuch weniger beachtet worden: der deS Königs von Italien in Athen. Ich habe nicht gehört, daß dieser Besuch in das schwarzseherische Programm aufgenommen ist, ich gäbe nicht gehört, daß der ftötrs von Italien als Pionier des Königs von England nach Athen gereist fei. Inzwischen find allerhand Vermutungen aufgetaucht, aus denen auch ein ängstliches Gemüt Trost schöpfen könnte. Ein italienischer Deputierter, Herr Raffaelli, hat vor wenigen Tagen im „Messaggcro" einen Bericht veröffentlicht und darin gesagt, in Athen habe man den Besuch des Königs von England in Gaeta gar nicht sehr günstig ausgenommen; denn in Griechenland sieht man unausgesetzt nach Mazedonien, und man fürchtet, daß man dort auf feindselige Bestrebungen Englands stoße, das mit den Bulgaren gemeinsame Sache mache. Damit wird ein Punkt berührt, der gelegentlich zu einer ganz anderen Gruppierung der Mächte hinsühren könnte, als die zuvor erwähnte. Vor einiger Zeit sand tm ungarischen Abgeordnetenhaus« eine Interpellation wegen der Unruhen auf dem Balkan statt. Es wunde von den Interpellanten dort darauf hingewiesen, daß England ein autonomes Bulgarien begünstige, daß aber ein solches Großbulgarien durchaus nicht im Interesse Oesterreich-Ungarns gelegen fei. Der ungarisch« Ministerpräsident Wekerle hat darauf beruhigende Versicherungen abgegeben. Wir sehen auch da, daß eine ganz andere Gruppierung der Mächte ftattfinben kann; auf dem Balkan würde jederzeit Rußland an der Seite Oesterreich- Ungams stehen und es würden beide nur die Politik dort vertreten, die auch das Deutsche Reich zu der feinigen gemacht hat. Auch der Abgeordnete Raffaelli hat seinerseits erklärt, Jtanens Balkanpolitik müsse auf die Erhaltung des Statusquo abzielen, sodaß also die Dreibundmächt« dort vollkommen vereint waren. Die gegenwärtige Gruppierung der Mächte kann somit in keinem Falle so gedeutet werden, als ob nun England, Frankreich, Rußland, Italien, Spanien wie eine geschlossene Front Deutschland gegenüberstehen. Dazu fehlt es zu sehr an übereinstimmenden, auf die Dauer gleichmäßigen Interessen dieser Mächte. WaS Spanien betrifft, so hat man schon ftüher daraus hingewiesen, daß eine Anlehnung Spaniens an England schwerlich nach dem Geschmack Frankreichs sein würde, da Spanien ein unbequemer Konkurrent Frankreichs in der Mittelmeerstellung dadurch werden könnte. c , . . . Y. *' Müssen wir denn an eine dauernde feindselige Stimmung Englands und Frankreichs gegen Deutschland denken? Ich meine, wir können tm Bewußtsein unseres guten Rechts, im Bewußtsein, den Staaten letnen Anlaß zu solcher Haltung gegeben zu haben, diese tftaße ber- neinen. Ich hege die Hoffnung, daß eme freundschaftliche Verständigung mit England Fortschritte machen wird, daß die ftied- lichen Gesinnungen, die wir unzweifelhaft haben, uns hierzu führen werden. Auch in Deutschland liegt die Entscheidung nicht ausschließlich in der Hand eines einzelnen, um wieviel weniger kann das in England der Fall fein? Wenn der König von England gewisse Antipathien haben sollte, so liegt zwilchen Zhuen und einer feindseligen Politik gegen Deutschland denn doch noch-em^sehr weiter Weg. (Sehr richtig! im Zentrum.) 2BaS Frankeich betrifft, so haben wir allerdings zu unserm Bedauern bemerken müssen, daß feindliche Unterströmungen gegen uns noch immer vorhanden sind — auch die jüngste.bedauerliche Entgleiiung Clemenceaus spricht dafür —. aber ich bin der Meinung daß auch Frankreichs Haltung der Natur der Sache nach ftiedlich fern wird und muß. (Sehr richtigI im Zentrum.) habe neulich gelesen, daß 1905 zur Zeit der größten Spannung m der Marokw- fraae in Paris das warnende Wort gefallen fern soll, man möge bedenken, daß auf dem Wege von Berlin nach Paris engluche Kriegsschiffe die deutsche Armee nicht würden aushalten können; aber ganz abgesehen davon, meine ich: diejenigen, die in Paris das Steuer in der .Hand haben, werden nicht daran denken, die Stellung, die sie haben, durch kriegerische Abenteuer aufs Spiel zu setzen. (Sehr richtigI im Zentrum.) Ich. hoffe, daß ent friedliches Zusammenwirken zwischen Fran k- r e i ch und Deutschland sich ermöglichen lassen wird. Ich sage das ohne jeden Vorbehalt; nur die Bemerkung muß ich machen, daß meine Sympathien für Frankreich nicht soweit gehen, Auch hierzu liegen einige Resolutionen vor. Zum Etat des R e i ch s k a n z l e r S fordert Abg. Dr Jäger ; '(Zentr.) Erhebungen über das E r b b a u r e ch t unb eine Reform des Wohnungswesens, während Abg. Dr. Ablas? (frei,. Volksp.) verlangt, daß die Bestimmungen über den Verlu st deSWahlrechtö bei öffentlich en Unterstützungen refor- , miert werden. Zum Etat des Auswärtigen Amtes liegen zwei Resolutionen vor: die Resolution deS Abg. Grafen v. Hompesch (Zentrum) u. Gen.: den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag periodisch über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reichs urkundliches Material zugehen zu lassen; und die des Abg. Dr. Ablaß (freis. Vp.) u. Gen.: den Reichskanzler zu ersuchen, Schritte zu tun, um durch internationale Verhandlungen eine Vereinheitlichung des Wechselrechts der für den Wechselverkehr vorwiegend m Betracht kommenden Staaten in die Wege zu leiten. Die Beratung beginnt mit dem ersten Ausgabetitel: Reichskanzler, einschließlich 64 000 Mark RepräsentationLkosten (außerdem freie Dienstwohnung mit Geräteausstattung) 100 000 Mark. Präsident Graf Stolberg: Meine Herren, ich schlage Ihnen vor, di« Diskussion über diesen Titel zu teilen und zuerst über Fragen der auswär11 - gen Politik und sodann über die Fragen der inneren Politik zu verhandeln. — DaS Haus ist damit einverstanden. Ich eröffne die Beratung über die Fragen der auswärtigen Polin!. Abg. Frhr. v. Hertling (Ztr.): Der Umstand, daß wir den Reichskanzler auf seinem Platze erblicken, läßt uns erwarten, daß unS der verantwortliche Leiter her auswärtigen Politik demnächst in autoritativer Weise Mitteilungen über die Lage der auswärtigen Politik, insbesondere dir Stellung Deutschlands den anderen Mächten gegenüber machen werde. Ich würde daS nicht nur außerordentlich begrüßen, sondern ich halte es bis zu gewissem Grade für geradezu notwendig. Unser deutsches Volk, daS ja nach feiner Gewohnheit, nach der Art feiner historischen Entwickelung, nach seiner Neigung jederzeit reblick) bestrebt ist, sich auf allen Gebieten der Kultur ftiedlicher Arbeit hinzugeben, sieht sich seit Wochen und Monaten beunruhigt durch unkontrollierbare Gerüa)te, durch pessimistische Zeitungserörterungen, durch Behauptungen, als ob eine unmittelbare Gefahr unS bedrohe, und der Einfluß derartiger Nachrichten und Erörterungen ist umso größer, als tn sehr weiten Kreisen eine mehr ober weniger vollständige Unbekanntschaft mit den Verhältnissen der auswärtigen Politik zu bestehen scheint. Auch wir Abgeordnete sind ja in der Regel nicht tn der Lage aus eigenem Wissen über diese Verhältnisse hier zu sprechen Auch'wir haben, wenn wir diese Themata hier berühren, jederzeit daS Gefühl, daß wir uns auf diesem Boden nur lastend bewegen können, und daß uns die feste Unterlage zu eigenem Urteil fehlt. Ich halte das nicht für einen befriedigenden Zustand. (Sehr richtig I) Ich bin vielmehr der Meinung, daß es ,ehr nützlich wäre, wenn der deutsche Reichstag sich öfter, als dies bisher der Fall war, mit diesen Fragen der auswärtigen Politik beschäftigen würde. Ich meine, daß wir dadurch, namentlich wenn authentisches Material von den amtlichen Kreisen hierzu geliefert würde, über jenen unbefriedigenden Zustand einigermaßen hinauskommen würden. Meine Freunde haben deshalb ja auch zum Auswärtigen Amte eine Resolution eingebracht, worin wir den Reichskanzler ersuchen, dem deutschen Reichstage in Zukunft periodisch über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches urkundliches Material zugehen zu lassen. Nun würden sich ja derartige Mitteilungen selbstverständlich immer nur auf Dinge beziehen können, die abgeschlossen hinter uns liegen. Aber auch das würde ich für wichtig oen-ig halten. Wir würden bann boch in ber Sage fein, unS wenigstens darüber ausreichend zu unterrichten, wie die Dinge wirklich ge chehen sind, wie die Gruppierung ber Mächte war, . welche Stellung Deutschlanb eingenommen hat, in welcher Weise bie Soßung ge» sucht unb gefunben würbe, unb wir würben über die Verhalt- nisse im Auslande besser unterrichtet sein als bisher. Wenn wir öfter in ber Lage wären, uns über Fragen ber auswärtigen Politik zu unterhalten, würben ja auch diejenigen Personnch- leiten, die den Dingen berufsmäßig nahestehen, unS die ausführlichen Auskünfte geben können unb geben, sodaß wir diesen Fragen besser gegenüberfteben würden. Eine häufigere Beschäftigung des deutschen Reichstages mit Fragen ber auswärtigen Politik würbe auch bazu beitragen, manche sehr irrigen Anschauungen im Auslanbe zu berichtigen. (Sehr richtig!) In ber ausländischen Presse begegnet uns gar nicht selten die fonder- bare Auffassung, als sei Deutschland ein autokratisch regiertes Land. Auch eine im übrigen durchaus freundliche Stimme, bte kürzlich von Amerika hinübergedrungen ist, sagt ja geradezu: in der Hand des deutschen Kaisers liege die Entscheidung über Krieg und Frieden. Wenn wir uns hier häufiger mit der auswärtigen Politik ßu beschäftigen hätten, so würde diese falsche Auffassung berichtigt werden; man würde im Auslände erkennen, daß Deutschland kein Einheitsstaat, sondern ein kompliziertes Staatswesen, ein Bundesstaat ist, der garnicht autokratisch regiert werden kann, unb baß auch in Deutschlanb eine Politik nicht nwg- lich fein würbe, bie sich im Gegensatz zum Willen beS deutschen Volkes befände. Ehe ich auf allgemeinere Fragen eingehe, mochte ich noch eine Bemerkung vorausschicken. Ich glaube, es war vor den Osterferien, als ich in ber Zeitung gelesen habe, meine Freunde warteten nur auf bie Beratung ber auswärtigen Politik, um bann eine grünblidjc K r i- tiI an bem Reichskanzler vorzunehmen. Diese Nachricht war eben so g undloS unb kindisch, wie viele andere der letzten Zeit, über die Stellung meiner Freunde. Wir sind nicht tote fie rmlängst auf der linken Seite des 'Haukes geäußert wor- jden find. Die Kirchenpoliti! Frankreichs beklage ich. Wenn uh mich aber auch mit der offiziellen Politik Frankreichs nach innen nicht einverstanden erklären kann, so hindert mich das nicht, einer friedlichen nnd freundlichen Verständigung zwischen den beiden Nationen das Wort zu reden. (Beifall.) Nun ein Wort über die aufgeworfene Abrüstungsfrage. Ich meine, daß es fich hier eigentlich von vornherein um ein ganz falsch gestelltes Problem handle. An eine Abrüstung zur Anbahnung des ewigen Friedens denkt ja auch unter den proponic- renden Mächten keine einzige. Wir haben ja gehört, daß Präsident Roosevelt in der letzten Jahresbotschaft von 1906 gesagt hat, daß es verbrecherisch sei, wenn ein Volk sich nicht im Frieden für den Krreg rüste, und wir haben auch neulich wieder in demselben Sinne von ihm gehört: das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens ist die Vorbereitung zum Kriege. In ähnlichem Sinne hat man sich vcr kurzem in England geäußert. Also an eine volle Abrüstung im eigentlichen Sinne denkt niemand. Wenn man aber nicht an die volle Abrüstung denkt, dann ergeben sich von vornherein in der ganzen Frage sofort die größten Schwierigkeiten. Wo soll denn der gemeinsame Maßstab gefunden werden, an dem sich die Abrüstung für die verschiedenen Völker bemessen läßt. (Sehr richtig!) „ Einen solchen Maßstab kann man nur finden, wenn man die besonderen Verhältnisse und Bedürfnisse der einzelnen Länder mit in Betracht zieht. Aber es bedarf doch nur eines ganz kurzen Blickes auf die verschiedenen hier in Betracht kommenden Länder, um die ganzen unlösbaren Schwierigkeiten herausfinden zu lasten. Denken wir an die ganz eigenartige Stellung der Vereinigten Staaten im nordamerikanischen Kontinent, im Osten und Westen vom Meere begrenzt, im Norden an Kanada anstoßend, dort ist nicht einmal eine erhebliche Armee vorhanden; oder denken wir an England auf seiner, wie gesagt wurde, Jnselburg, wo seit Jahrhunderten der Fuß eines Eroberers nicht mehr gesehen worden ist — und vergleichen Sie die Lage Deutschlands in der Mitte Europas, an acht fremde Staaten angrenzend. Oder denken wir an die Lage Rußlands, das sich über zwei Kontinente ausdehnt und mit schwierigen Verhältnissen zu ringen hat. Oder denken wir an Oesterreich-Ungarn, das inimer noch vom Balkan Gefahren aufstcigen sieht. Welche Ab- rüftungen soll man denn gerechtcrweise den ganz verschiedenen Nationen nach ihren Bedürfnissen und Verhältnissen zumuten? Es ist gar nicht möglich, hier einen gerechten, einen billigen, einen vernünftigen Maßstab zu finden. (Sehr richtig!) Ich halte die Ab- rüstungsftage im besten Falle für eine akademische Doktorfrage. (Lebhafter Beifall.) Ich bin der Meinung, daß dem europäischen Frieden sehr gedient sein würde, wenn diese Frage auf Jahnzehnte von der Tagesordnung gänzlich verschwinden würde. (Laute Bravo!-Rufe.) Wenn auf der Friedenskonferenz von den verschiedenen Mächen die Abrüstungsfrage diskutiert werden wird, wird Deutschland das auch nicht hindern können; aber ich bin der Meinung, daß man deutscherseits sich am besten an der Diskussion dieser Frage da nicht beteiligen sollte. (Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Mögen die anderen Nationen sie diskutieren, sie werden alsdann finden, daß die sich hier ergebenden Schwierigkeiten gar nicht lösbar sind. Es wird sich zeigen, daß, wenn da oder dort eine Verständigung gefunden werden sollte, das eine bloße Schein- Verständigung ist. (Sehr richtig!) Es wird sich zeigen, daß, wenn etwa Beschlüsse gefaßt werden sollten, diese Beschlüsse wegen Undurchführbarkeit auf dem Papier stehen bleiben. Ich glaube, bei der zweifellos friedlichen Gesinnung Deutschlands wird es die verständigste Politik sein, die Behandlung dieser akademischen Frage denen zu überlassen, die daran Gefallen haben, unsererseits sich aber nicht daran zu beteiligen. (Beifall.) Ich komme zum Schluß. Meine Darlegungen haben vielleicht zum Teil nicht dem entsprochen, was neuerdings in der deutschen Presse zum Ausdruck gebracht worden ist. Ich nehme an, daß das durch andere Redner noch geschehen wird. Aber ich glaube, in zwei Punkten sind wir in diesem Hause alle einig. Wir wollen eine ruhige, konsequente, friedliche Politik. (Sehr wahr! Beifall.) Aber wir wollen dabei den Schein vermieden sehen, als ob wir uns dabei von einem Gefühl der Schwäche leiten lassen. (Sehr gut! Lebhafter Beifall.) Wir wissen, daß wir dazu keinen Grund haben (Sehr richtig!), und wir haben neuer- dings aus den Worten des Herrn Kriegsministers die Versicherung bekommen, daß wir dasjenige besitzen, was der Präsident Roosevelt als das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens bezeichnet hat. (Beifall.) Und zum zweiten meine ich, wenn sich um uns herum Freundschaften bilden, an denen wir nicht beteiligt finb, so wollen wir das aufmerksam, wachsam, aber ohne Empfindsamkeit beobachten. (Zustimmung.) Aber wir wollen auch nicht den Schein aufkommen lasten, als ob es keinen Wert hätte, die Freundschaft des mächtigen Deutschen Reiches zu besitzen. (Allseitiger lebhafter Beifall. Fürst Bülow nickt zustimmend.) Abg. Winckler (kons.): Es freut mich, daß ich hier im Auftrage meiner politischen Freunde sprechen kann. Die Rede des Abg. Frhrn. v. Hertling bestärkt mich in der festen Zuversicht, daß die heutigen Verhandlungen ein großes Maß von Einigung in der Frage der auswärtigen Beziehungen zeigen werden. Ich kann mit Freuden an die letzten Worte des Abg. Frhrn. v. Hertling anknüpfen. Zunächst habe ich zu sagen, ebenso wie es der Frhr. v. Hertling getan hat, daß auch meine politischen Freunde dem Reichskanzler dankbar sein würden, wenn er uns beute Auskunft geben wollte über die auswärtigen Beziehungen des Reiches und die internationale Lage. Ich würde mich freuen, wenn diese Aufklärungen, die der Reichskanzler geben kann, denselben optimistischen Grundzug zeigen werden, von dem die Worte des Vorredners getragen waren, die das Vertrauen in die Aufrechterhaltung des Friedens stärken werden. Ich will weder optimistisch, noch pessimistisch sprechen, aber ich glaube wohl sagen zu können, daß der E r n st der Situation uns vollkommen vor Augen steht und daß die ganze Lage doch wohl geeignet ist, uns auf die Worte der Thronrede von 1905 zurückzuführen, wo auch die Rede davon war, daß Deutschlands Absichten verkannt werden. Auch jetzt stoßen wir überall auf Verkennung von Deutschlands Absichten. Herr v. Hertling sprach von einer vcrhällnismäßig freundlichen Bemerkung aus Amerika; ich habe sie nicht so sehr freundlich gesunden, im Gegenteil, sie ist mir so recht ein Beweis gewesen für die Verkennung deutschen Wesens und deutscher Sinnesart. Wenn gesagt worden ist, der deutsche Kaiser möge sich doch auf die Höhe seiner Pflichten besinnen, daß der Krieg aus der Welt verschwinde — eine wunderbare Auffassung, als wenn lediglich der Wille des Kaisers maßgebend wäre, und hinter ihm ein geknechtetes Volk stände, und als wenn Deutschland allein Schuld daran wäre, wenn nicht der Friede der Welt gesichert sei. Ein deutscher Mann, Pro- festor Münsterberg, hat da Carnegie die rechte Antwort gegeben, daß Deutschland durchaus nicht unter seiner Militärlast seufze, weder ideell noch materiell; und wenn Herr Carnegie ihm darauf erwiderte, er wolle einen deutschen Professor nicht vom Gegenteil belehren, so erkläre ich: das, was Prof. Münsterberg ausgeführt hat, war nicht die Ansicht eines deutschen Profestors, sondern die deutsche Auffassung. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich möchte hier auf der Tribüne des Reichstages dem Mann danken, der als Deutscher so in Amerika gesprochen hat. Die Worte, die Roosevelt vor einigen Tagen gesprochen hat, die als ein rocher de bronzc gelten und als ein feststehender Grundsatz hingestellt werden, daß die beste und sicherste Art, einen Krieg zu vermeiden, die sei, vorbereitet zu sein, diese Worte haben auch für uns Bedeutung. Im Auftrage meiner politischen Freunde möchte ich gerade aus unserer heutigen Sitzung heraus dem preußischen K r i e g s m i n i st e r danken für die schlichten und in ihrer Schlichtheit swlzen Worte, die er heute vor acht Tagen in diesem «aale gesprochen hat. Es waren Worte ohne Ruhmredigkeit, schlichte Worte, wie wir sie von unserem Kriegsminister zu hören gewohnt sind. Wir haben von ihm gehört, daß unsere Armee schlagfertig ist. Wir haben mit Freuden gehört, daß die Heeresverwaltung selbst die Armee als "ein Friedensinftitut betrachtet. Wir freiten uns, von ihm bte Anerkennung gehört zu haben, daß der Reichstag der Heeresverwaltung alles bewilligt hat, was sie von ihm verlangt hat zur Vervollkommnung der Bewaffnung der Armee. Wenn wir noch einmal auf diese Worte des Kricgsministers zurückkommen, so hat das eine doppelte Bedeutung. Es ist nicht nur die Bedeutung eines Rückblicks in die Vergangenheit, sondern auch die Bedeutung eines Ausblicks in die Zukunft. (Hört! Hört!) Auch in Zukunft soll unser Kriegsminister so sprechen können; dafür werden wir sorgen. (Beifall rechts.) Lassen Sie mich in diesem Zusammenhänge noch einmal an das Wort des Generalfeldmarschalls Moltke erinnern, das dem Auslande klar macht, zu welchem Zwecke wir unsere Rüstung haben. Er sagte: Was wir in einem halben Jahrhundert erworben haben — cs war nach dem Kriege von 1870 bis 1871 —, das werden wir ein halbes Jahrhundert hindurch zu verteidigen haben. Von dem halben Jahrhundert sind 36 Jahre verflossen. 36 Jahre hat unser Volk bewiesen, daß es seine Rüstung auftecht erhält, um zu verteidigen das, Ivas es erworben hat. Man sollte mit der Tatsache mehr rechnen, als es tatsächlich geschehen ist. Wir haben neulich in einem beachtenswerten Artikel eines Berliner Blattes gelesen, daß eine Fülle freundlicher Gefühle für Deutschland allerorten in der Welt vorhanden sei. In der auswärtigen Presse ist auch auf diesen Artikel hingewiesen worden. Er knüpfte an an die bevorstehenden internationalen Verhandlungen und die Abrüstungsfrage. Diese Abrüstungsfrage ist in den letzten Monaten in den Vordergrund der politischen Erörtetungen getreten. Man hat von der Behandlung dieser Frage sogar eine Verschiebung der Gruppierungen erwartet. Ob diese Verhandlungen dazu wirklich führen werden, werden wir ab- warten, und wenn sie ein Prüfstein werden sollten der bisherigen Gruppierung, so soll es uns auch recht sein. Wir wollen gern hell sehen, und das, was wir wollen, kann das helle Licht vertragen. Die russische Regierung hat zuerst diese Frage zur Behandlung vorgeschlagen. Jetzt geben die Bestrebungen der russischen Regierung darauf hinaus, die Humanisierung des Landkrieges auf den Seekrieg zu übertragen. Es wäre erfteulich, wenn das erreicht werden könnte, waS ein halbes Jahrhundert vorher auf der Seerechtskonferenz in Paris im Jahre 1856 nicht erreicht worden ist. Damals brachten die Vereinigten Staaten von Amerika den Antrag ein, daß Privateigentum nicht als Kontrebande zu betrachten sei. Wenn wir die letzten Jahre überblicken, so finden wir, daß sich der Landkrieg immer humaner gestaltet hat, daß aber der Seekrieg immer inhumaner geworden ist. Das hat der Burenkrieg und der russisch-japanische Krieg gezeigt. Ein Seekrieg ist jetzt geradezu ein Weltkrieg, bei dem ganz andere Faktoren beeinflußt werden, als bei einem Landkriege. Wir haben in dem letzten Kriege selbst peinliche Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht. Wir können nur wünschen und hoffen, daß diese Bestrebungen der russischen Regierung Erfolg haben. Wenn in dieser Beziehung die Konferenz Erfolg hat, so wäre damit der Sache der Humanität ein großer Dienst geleistet, den niemand lebhafter begrüßen wird, als wir in Deutschland. Die Abrüstungsfrage stand nicht auf der von der russischen Regierung vorgeschlagenen Tagesordnung, sie ist von englischer Seite auf die Tagesordnung gesetzt. Da kann ich mich nur den Worten des Herrn v. Hertling anschließen. Bei unserer Ueberzeugung, daß das sicherste Mittel den Krieg zu vermeiden, die Schlagfertigkeit der Armee ist, können wir uns auf keine Verhandlungen einlassen, die geeignet sind, uns die freie Entschließung über den Grad unserer Rüstung zu nehmen. Wir wollen doch ruhig einmal abwarten, wie es dann aussehen wird, wenn der Zeitraum zu Ende fein wird, von dem Moltke sprach. Noch fehlen 14 Jahre an dem halben Jahrhundert. Wenn nach 14 Jahren die Welt sich geändert haben sollte, wer weiß, wie dann auch wir zu dieser Frage Stellung nehmen werden. Vielleicht hat sich dann manches in der Welt geändert. Vielleicht hören wir dann von Tagesbefehlen französischer Kommandeure an unserer Grenze, die Friedfertigkeit atmen. Vielleicht ist dann auch eine Wandlung bei unseren Vettern jenseits des Kanals geschehen. Ich möchte bei dieser Frage au das edle Wort des Präsidenten Roosevelt erinnern, daß alle Völker die Fortschritte der anderen Völker als ihre eigenen begrüßen sollten. Hat sich die Welt dann so gewandelt, bann werden wir darüber reden können. Zum Schluß möchte ich unserer Regierung ein ernstes Wort zurufen. Ein Zeitalter, wie es für unser Volk das Zeitalter Kaffer Wilhelms und beS Fürsten Bismarck gewesen ist, hinterläßt tiefe Spuren in seinem Denken, in seinem Fühlen, in seinem Wollen. Wie tief bic Spuren sein werben, das wird sich bann zeigen, wenn es heißen sollte: Das Vaterlanb ist in Gefahr. Unser Volk hat ein feines Gefühl für unsere nationale Ehre unb Würde, und das macht sich heute ganz besonders geltend. Mögen die Haager Fxiedensverhand- lungen von unseren Vertretern so geführt werden, wie es dem Empfinden unseres Volkes entspricht, das heißt in der Richtung einer ruhigen unb festen Ablehnung aller der Bestrebungen, welche barauf abzielen könnten, unserem Volke die freie Entschließung über bas Maß bet Rüstungen, die wir zur Wahrung unserer nationalen Machtstellung für richtig halten, aus der Hand zu winden. Wenn der Reichskanzler diesem Willen unseren Vertretern im Haag mitgeben wird, dann findet er bic Zustimmung ber übergroßen Mehrheit unseres Volkes unb seiner Vertretung hier im Hause. (Lebhafter Beifall.) Abg. Bassermann (nat.): Zunächst den Ausdruck des Bedauerns, daß in Bezug auf die auswärtige Politik wir in ber Hauptsache auf Zeitungsnachrichten angewiesen sind und daß uns das amtliche Material nur in sehr geringem Umfang zugänglich gemacht wird. Das bezieht sich z. B. auch auf die Verhandlungen der Haager Konferenz, die Rundschreiben an die Mächte. Es wäre sehr wohl möglich, durch Weißbücher oder Blaubücher, wie bei anderen Nationen, das amtliche Material ober wenigstens eine Auswahl dem Reichstage zugänglich zu machen. Wir werden daher für die Resolution Hompesch stimmen. Auf die marokkanische Frage will ich nicht eingehen. Wir begrüßen es, daß der Grundsatz der offenen Tür, ber ja damals in den Vordergrund gestellt wurde, nunmehr zum Teil in die Praxis übersetzt ist, daß deutsche wirtschaftliche Unternehmungen dort Boden finden und daß auch, wenn auch noch ab und zu Ausdrücke des Unwillens kommen, die Franzosen im großen unb ganzen Deutschland das Recht, wirtschaftliche Unternehmungen in Marokko zu entrieren, zugestehen. Ich hoffe, daß die verbündeten Regierungen in ber Lage sein werden, die Errungenschaften der Algeciras-Akte in dieser Richtung aufrecht zu erhalten. Meine politischen Freunde begrüßen es, daß unsere Beziehungen zu Amerika freundschafllicher geworden sind. Wir werden ja, ehe der Reichstag auseinandergeht, über das provisorische Handelsabkommen mit Amerika zu sprechen haben. Ich gebe aber der Hoffnung meiner sämtlichen politischen Freunde Ausdruck, daß an das Provisorium sich in nicht zu langer Zeit ein definitives Handelsabkommen anschließen möge; die Bestrebungen machen sich dahin ja auf amerikanischer Seite sehr intensiv geltend. Mögen sie auch bei den Vertretern der verbündeten Regierungen von Erfolg gekrönt fein. (Beifall.) Auf dem Haager Kongreß wird die Frage der Unverletzlichkeit des schwimmenden Privateigentums und die Frage ber Seern inen eine Rolle spielen. Bei aller Anerkennung ber hohen Bedeutung der privatwirtschaftlichen und humanitären Bestrebungen, die sich in diesem ganzen Seekriegsrecht mit Recht geltend machen, und bei allen Sympathien meiner politischen Freunde für bic Weiterentwickelung des Seekriegsrechts will ich doch das eine sagen: Sie müssen zurücktreten hinter nationalen Rücksichten und Rücksichten des Staates. Die deutschen Interessen weisen zwingend darauf hin, daß die Frage der Unverletzlichkeit des Privateigentums zur See nur im Zusammenhang mit der Frage des Blockaderechtes gegenüber reinen Handelshäfen behandelt wird. (Lebhafte Zustimmung.) Dasselbe gilt bezüglich ber Frage der Seeminen. Sie sind ja im russisch-japanischen Kriege zu ungeahnter Bedeutüng gekommen. Es ist das eine Waffe, bif im wesentlichen zum Schutze ber deutschen Küsten für uns eine! Rolle spielen wird, und darum kann sie nur aus dem Gesichtspunkte des nationalen Interesses bcs Schutzes unserer Küsten behandelt werden. (Sehr wahr!) ... Seit der letzten Besprechung der auswärtigen Politik int November ist eine gewisse S p a n n u n g unserer: internationalen Politik weiterhin zu verzeichnen. Der Beweis ergibt sich ohne weiteres aus einem Blick in die Presse, man kann wohl sagen, nahezu aller Länder, und bei uns in Deutschland aller Parteien. Daß die Lage gespannt geworden ist, kann man auch entnehmen aus den Darlegungen des Abg. Bebel vom 24. April 1907, ber sich dahin ausgesprochen hat, daß im gegenwärtigen Augenblick ber politische Himmel nichts weniger als unbewölkt erscheine. Ich kann mich ber, wenn auch nicht optimistischen, so doch leidlich optimistischen Schilderung ber Lage des Frhrn. v. Hertling für meine Person und für meine Partei nicht anschließen. Daß die (Spannung zugenommen hat, scheint mir auch aus einem letzthin erschienenen hochoffiziösen Artikel der „Norddeutschen Allgem. Zeitung" hervorzugehen. Auch ich möchte Hinweisen auf die Verhandlungen beim Etat des Kriegsministeriums, auf die Darlegungen des Äriegsministers in feiner außerordentlich friedlichen Rede, in ber aber doch zu unserer Freude konstatiert ist, daß der Reichstag der Negierung alles gegeben hat, was notwendig war, um unsere Kriegsfertigkeit aufrcdir zu erhalten, daß unsere Armee triegsfertig ist unb baß es fein stetes Bestreben sein wird, sie stets kriegsfertig zu erhalten. Es sind Aeußerungen, die im Auslände gehört zu werden verdienen unb bic auch im Auslaube gehört worden sind. Ich möchte auch an die Ausführungen des Abgeordneten Noske am 25. April dieses Jahres erinnern, wobei hervorgehoben wurde, daß bereits Bebel erklärt habe, daß selbstverständlich die Sozialdemokratie die Flinte auf bic Schulter nehmen würbe, um Deutschland im Falle eines Angriffskrieges zu verteidigen. Er erklärte: „in der Beurteilung von Angriffskriegen stimmen wir mit Ihnen überein." Das sind Bemerkungen, bic im Auslanbe gehört worden sind, die auch von ber ausländischen Presse aufgegriffen worben sind, und die hier und dort im Auslande bic Illusion zerstört haben, als hätten wir im Kriegsfälle zunächst innere Unruhen zu regeln. Im Vorbergrund ber politischen Situation steht heute die Haager griebcnSEouferen3. Die erste Fricbenskon- ferenz hat ben Friedensfreunden und uns allen eine gewisse Enttäuschung gebracht, aber es waren ja auch überschwengliche Hoffnungen damals an das Manifest des Zaren geknüpft worden unb an die daran anschließenden Verhandlungen der Mächte. Aber auf die Haager Friedenskonferenz folgte der Burenkrieg, und ber russisch-japanische Krieg. Der Erfolg für England war ja durchaus erfreulich. Sein maßgebender Einfluß in Afrika war durchaus gesichert. Mit Rußland war es anders. Die russische Flotte blieb auf dem Platze, und das Prestige der russischen Landarmee wurde zerstört. So haben diejenigen Recht behalten, und zu ihnen gehört auch die Sozialdemokratie, die von Anfang an behauptet haben, daß durch Friedenskonferenzen die Kriege nicht aus der Welt geschafft werden können. Der „Vorwärts" hat seiner Zeit geschrieben: Die Interessengegensätze ber Nationen haben sich so wenig wie die Klassengegensätze vermindert, sondern verstärkt. Und ähnliche Bemerkungen hat auch neulich der Abg. Noske hier gemacht, als er ausführte, daß die wirtschaftlichen Gegensätze ber Nationen mit der Zeit so stark werben, daß kein einzelner Staat allein an bic Abrüstung denken könne. Es scheint notwendig, gerade angesichts der Haltung der Auslanbspresscn, über diese Dinge hier unumwunden zu sprechen. Es herrscht jetzt das Gefühl einer dauernden Unbehaglichkeit. Wir können nun aner- nnen, daß, wenn England die Abrüstungsfrage auf die Tagesordnung der Haager Konferenz gesetzt hat, dafür in erster Linie Rücksichten der inneren englischen Politik maßgebend waren- In den Wahlkämpfen, die zur Berufung eines liberalen Ministeriums geführt haben, hat die Abrüstungsfrage eine große Rolle gespielt. Eine starke Strömung war dafür, internationale Schiedsgerichte einzurichten für die Schlichtung internationaler Konflikte auf friedlichem Wege für die Minderung der Rüstungs- kosten. Man sprach davon, daß die kriegerische Haltung der Mächte zum Fluch für die Völker werde. Diesen Rücksichten mag Rechnung getragen sein, als die englische Regierung die Abrüstungsfrage in den Vordergrund schob. Für uns sind diese Rücksichten aber nicht maßgebend, wir haben die Frage aus unseren Bedürfnissen heraus zu prüfen. Abg. Frhr. v. Hertling hat schon darauf hingewiesen, daß die Frage an und für sich eine unlösbare sei, daß bei vielen Staaten die wirtschaftlichen Interessen, die Handelsinteressen, die kolonialen Fragen, hineinspielen und sie zwingen, das Maß ihrer Rüstungen zu erweitern, daß Inselstaaten andere Interessen haben als Kontinentalstaatcn und dergleichen mehr. Diese Darlegungen des Frhrn. v. Hertling haben auch in ber Auslandspresse Berücksichtigung gefunden, und man hat vielfach den Abrüstungsplan als unausführbar, als den Interessen ber Staaten wibersprechenb bezeichnet. In bet „Wiener Neuen Presse" wurde ausgeführt: Es sei ein sonderbarer Widerspruch, daß in demselben Augenblick, wo die englische Diplomatie ein ganzes Netz von Alliancen unb Ententen flechte, von ber englischen Regierung ein Abrüstungsantrag borbereitet werbe. Wenn Englanb bic Abrüstung wolle, warum rufe es ben Eindruck hervor, als gehe seine Politik darauf aus, Deutschland zu demütigen ober gar zu überfallen? Daburch luerbc eine schwüle Stimmung erzeugt, Deutschland» habe jebensalls allen Grunb zur höchsten Vorsicht. Auch bic amerikanische Presse hat sich in bic- sein Sinne geäußert. In der Newyorker Staatszeitung las ich: Die Notwenbigkeit einer starken Flotte ist für Amerika durch die Verwicklungen mit Japan erweisen; Amerika wird sich darin durch England keine Vorschriften machen lassen. Es wäre von Interesse, was Frhr. v. Hertling heute angebeutet hat: Daß ber deutsche Einfluß in Konstantinopel in den letzten Monaten eb’r gesunken als gestiegen sei. (Hört!) Man kann sagen, es geht durch bic verschiedensten Zeitungen die Grundanschauung, daß die ganze Erörterung der Abrüstungsfrage den Zündstoff vermehrt hat. Den Standpunkt meiner Freunde kann ich kurz dahin präzisieren: Wir sind ber Meinung, daß Deutschlanb das Maß seiner Rüstungen zu bestimmen haben muß, einmal nut Rück« sicht auf unsere geographische Lage, bann mir Rücksicht auf die Wertschätzung, die wir unseren Bündnissen angedechen lassen, jeden- falls aber in ber Ueberzeugung, baß es die vitalsten Interessen Deutschlands sind, um die es sich hier handelt, so daß toir uns nicht daraus c i r. I a f f c n können, durch eine Konferenz unsere Rüstungen uns beschränken zu l a s s e ,i. (Lebh. Zustimmung.) Die Abrüstungsfrage hat schon an fich zweifellos die Spannung vermehrt. Sobald ein Schiedsgericht berufen ist, über vitale Interessen einer Nation zu entscheiden oder auch nur zu beraten, bann wirb es — das haben die Tatsachen, das hat die Ent- Wickelung dieser Monate gezeigt — nicht friedlich wirken, sondern die Situation verschärfen. Wird nun die Abrüstungsfrage einer Großmacht gegenüber behandelt, wie sie Deutschland ist, wo man weiß, daß die Lebensinteressen dieser Macht jeoe Diskussion über das Maß einer Abrüstung ausschließen, bann wird eben der Verdacht erweckt, als ob es sich darum handelt, Deutschland als einen Störenfried zu bezeichnen. Das ist ja zum Teil auch ganz offen in der englischen Presse unb in anderen Pressen ausgesprochen worden, auch in unserer sozialdemokratischen Presse. Ter frühere Reichstagskandidar Braun sagt in feiner Zeitschrift „Die neue Gesellschaft" von der Haager Konferenz, diese biete nur eine ausgezeichnete Handhabe für diplomatische Jntriguen aller Art, und ganz ähnliche Aeußerungen finden wir in einem unlängst erschienenen Buche, worin es beißt, daß das ganze Vorgehen nur den Zweck habe, Deutschlands Politik in den Äugen Europas zu diskreditieren. Diese Aeußerungen haben natürlich auch ihren Widerhall gefunden in der französischen Presse. Für uns ist die Situation vielleicht darum um so unbehaglicher, als wir mit den Erfahrungen von Algeciras zu rechneii haben, mit der dort tatsächlich hervorgetretenen Isolierung Deutschlands — abgesehen von Oesterreich, S-S ^nalis-öc" A der A körrlA^. tick Ä-ra et* JSn br^«criM Ä ÄS -gh S-L w« laM. U sammcnkunst 1 _ bei den » Baben ja B Die menti zu glauben auch 'E V-rtw Ich mub Herr" lantt durch eme anderer Richtung MittelmeerpouNl der französischen rein strategischen Wiederaufbau dc an der Men^ drohung Sei internationalen - So tritt die tannen, die uich tritt hinzu das J reich, ob man i und ob man an d biet der Fabel Lei noch bestehen am einer vielleicht ni Politik, das ist ' meinen politische, Volk als solches auch in Einschätz Gbancen eines auch hier diese Herr werden kön Presse, die zuer Clemenceau aui Monatshefte", französischen M tonen, wen» mc und Deutschland vorragenden Sti bei solchen Neus Glemenceau erQi timten, mit bene empfing, bann h seinem Herzen fd doch Äußerungen, wisse Verstimmun stehen. $f) hch Balten gesprochei nicht viel anbeti, tvo Sie wollen, Ansicht auZgespi eine sehr erheb! bund bleibt, da Italien notwenl Gefahr. Eren Gnttmdlung, die land anlangt, so gesichts der Bez tor im Kriege 1 biplomatifie Unt ähnliche erfreulich n't man nervös. ! Politikern, dass < fammentiinfte uni nicht die Rede ' 9e*n zu anbei E hat ja bet Re tout, sprach, übet hu bekommen bw S,le L'n« Ne fe Naatsmani An sogenannt ftt: Einkreis Politik, bic i Der Reichst seine Meinung ij ^sprechen. V 2nc„ communis < Nnnigechresse s7.ia auch im t ^.chskanzler nun fe’Wungl W N Sä« AzP .Ne trifft i 1 nähme ilhr Leni furr^^et 5. Unsere s,C1 stellen fcl§fl sich jss °ke>t dgc "■b:” te ... „, 1 «nz in ^«T‘ä KLZ 'S °»nmifti, iüi "*« ™ L ,l0^ Zu unferer f^ung alles 6Cs 'L'V°uft?chr unb dotz es sein $u ^halten. (?z lc“ben verdienen JWe ou6 ??^upnl diese; “<$ bereits Mel ^ratie bie ^inte 15 im ijQnc eines " «t Beurteilung Taz sind unb, die auch von wd, unb die hier ;n- als hätten mir ln. 'N steht heute die -rste Fricdenslon. l eine getvisse Em« sschuiengljchc Hoff, knüpft luorbcn unb '« Mächte. Aber !urenlrieg und der cmb lvar ja durch, Astila war durch, die russische Flotte ilifchen Lanbarmu ilten, und zu ihnen lang an behauptet iege nicht aus der is" hat seiner Zeit onen haben sich so sondern vcrstärrt. er Äbg. Aosle hier chen Gegensätze der lin einzelner Staat ieint notwendig. ge> n, über diese Dinge ;t das Gefühl einer können nun anu- ige auf die Tageö- 'ür in erster Linie afigcbciii) waren, i liberalen Äini- cinc große Solle internationale internationaler ,g der "Jliiihinfle= he Soltung der a Rücksichten mag egicrung die Ab- u uns sind diese Frage ans unseren Hertling hat schon sich eine unlosbait en ^ntercsien, die einspielcn und sie eitern, dasi Jasel> taljtaatcn und der. v. Lertling haben esundcn, und man bar, als den Inter, In der .Äiencr sonderbarer Äder- Fische Diplomatie flechte, non bet eng* vorbereitet werbe. , rufe es den um* Lutschlaudzu , werde eine |W D allen G-und j ! reffe bat s«h / *l, jaaiszeilung la- r Amerika durä d,e »ilbii4Sw .K-rqesiwkcn »* Ulrf» s* i"«1 fann "v 7 *Ss d)t in k‘ w®** N‘V> * Zeitlch^' ine M .biete nur >en 0^ ^schieneneu unlä"L den F die bevorstehende berührt worden. Haager Konferenz , Ich werde über diesen Gegenstand zunächst daS Vie unS einen derartigen Hang zurrauen. Sollten totr nn8 solcken Gelüsten hingeben, so würden wir uns nur zu leicht daran den Magen verderben, und daS wollen wir nichr. Dir verlangen nicht von'anderen Nationen, daß sie andere als ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen, aber wir verlangen dafür alß Gegen« leistung. daß man eS unS nickt verübelt, wenn wir unser eigenes Hau-s nach den eigenen Bedürfnissen cinridbten., (Beifall.) Ta wir nun niemand bedrohen. so ist eS nach Ansicht meiner Freunde das Beste, wenn wir uns bei der bevorstehenden Konferenz auf die A b r ü st u n g s f r a g e überhaupt nickt e i n l a s s e n. (Erneuter Beifall.) Unsere Ausgaben für die Rüstungen sind im Verhältnis zu denen anderer Staaten immer noch pro Kopf der Bevölkerung sehr gering: und doch haben wir noch eine Menge unerschlossener Steuerqucllcii. (Große Bewegung links.) Das sind unsere Reserven. Dir können eine ganze Anzahl von Millionen mehr auf« bringen, wenn es notwendig ist. Wir glauben, daß cS _ neue Quellen von Verwickelungen geben könnte, wenn wir den scklüptrigen Weg derallgemeinenAv üstung betreten wollten. (LebhafteZustimmung.) Tabei verkennen wir durchaus nicht den Wert der^Agitation der allgemeinen Friedensliga und der internationalen Schiedsgerichte, und die letzteren werben nach meiner Ansicht um so nützlicher wirken können, wenn sie auf eng umfriedete Gebiete begrenzt sind. Zu dem Unbehagen über die gesamte Situation ist in letzter Zeit noch eine gewisse Nervosität hinzu- gekommen. Ick stimme dem Gedanken vollkommen bei, daß es uns im großen und ganzen garnickts angeht , wenn auswärtige Monarchen befreundete Höfe besuchen oder nicht. WaS würden wir beim sagen. wenn auswärtige Blätter über einen Besuch unseres Kaisers bei einem befreundeten Monarchen Klage führen wollten? Wir würden uns eine solche Em» Mischung in unsere Angelegenheiten höflichst verbitten. Speziell das Mittelmeer kommt ja für uns überhaupt erst in zweiter Linie in Betracht. Zum mindesten haben wir dort keine vitalen Interessen. Dem Unbehagen und der Nervo,itat ist in letzter Zeit auch durch die Haltung mancher Blatter neue Nahrung gegeben worden. Ein süddeutsches Blatt weist mit Reckt darauf hin, daß die Schuld an der Nervosität und dem Unbehagen nicht zum wenigsten au5 der Haltung mancher Zeitungen resultiert, die das Unbedeutende zum weiter,ckUtternden Ereignis aufbauscheu, das Wesentliche von dem Unwesentlichen nicht zu scheiden wissen und nur dem Sensationsbedürfnis Rechnung tragen wollen. Manche macken sich ein förmliches Geschäft daraus, überall Unheil z» wittern und Wetterwolken am politischen Horizont zu sehen. Ich glaube, das Land würde dem Reichskanzler dankbar sein wenn er in der Lage wäre, durch beruhigende Erklärungen dazu beizutragen, daß das Unbehagen und die Nervosität wieder verschwindet. (Lebhafter Beifall.) Presse, die zuerst das Mißtrauen gegen den Ministerpräsidenten Clemenccau ausgesprochen hat, „Vorwärts" und „Sozialistische Monatshefte". Herr bon Hertling hat von der Entgleisung des französischen Ministerpräsidenten gesprochen. Auch ich möchte betonen, wcnii man auf friedliche Beziehungen zwischen Frankreich unb Deutschland sieht, was wir doch tun, bann müssen die hervorragenden Staatsmänner, die das Ruder in der Hand haben, bei solchen Aeußerungen besonders vorsichtig sein. Wenn Herr Clemenceau erklärt: Wenn die Herren Die Worte hätten hören tonnen, mit denen ich den General Bailloux in meinem Kabinett empfing, bann würden sie verstehen, baß, die Gefühle, die in seinem Herzen schlagen, auch in meinem schlagen, so sind das doch Aeußerungen, die auch dahin wirken, daß in Deutschland gewiße Verstimmungen unb auch Besorgnisse für die Zukunft bestehen. Ich habe im November über unsere Beziehungen zu Italien gesprochen. Sie sind im großen unb ganzen seit jener Zeit nicht viel anders, nicht viel besser geworden. Lesen Sie die Blätter, wo Sie wollen, im Inland und Ausland, überall werden Sie die Ansicht ausgesprochen finden, daß das Bündnis für Deutschland eine sehr erhebliche Bedeutung nicht hat. Daß Italien im Dreibund bleibt, das ist ohne weiteres klar. Der Dreibund ist für Italien notwendig als Rückversicherung gegen die österreichische Gefahr. Er ermöglicht die weitere wirtschaftliche und militärische Entwicklung, die Italien dringend nötig ist. Was aber Deutschland anlangt, so ist die Uebcrzeugung überall verbreitet, daß angesichts der Beziehungen Italiens zu England und Frankreich wir im Kriege nicht auf Italien rechnen können, unb was bie diplomatische Unterstützung anlangt, so hat uns Algeciras eine ähnliche erfreuliche Lehre gegeben. Auch in der italienischen Presse ist man nervös. Wir haben Aeußerungen von Luzzati und anderen Politikern, daß Deutschland eine Kontrolle über Monarchenzusammenkünfte unb dergleichen ausüben wolle; davon ist ja gar nicht bie Rede. Aber baß wir, die Beziehungen unserer Vundes- genosien zu anderen Staaten sorglich im Auge behalten müssen, das hat ja der Reichskanzler selbst bekundet, als er von der Extratour sprach, über die der Ehemann nicht gleich einen roten Kopf zu bekommen braucht. Nun, aus der einen Extratour ist mittlerweile eine Reihe von Touren geworden. Wenn aber ein italienischer Staatsmann auf die Frage: was sägen Sie zu der englischen sogenannten Einkreisungspolitik gegen Deutschland? erwidert: Einkreisungspolitik, was soll das heißen? jeder treibt die Politik, die ihm paßt — so sagt das genug. Ter Reichskanzler wird ja wohl heute in der Lage sein, uns seine Meinung über die sogenannte Einkreisungsbestrebungen auszusprechen. In der deutschen Presse herrscht bei allen Parteien eine communis conscnsus darüber, bei der „Germania", in der Abg. Fürst Hatzfeld (Np.): Die Leitung unserer auswärtigen Politik liegt nach Ansicht meiner Freunde in zu guten Händen. (Beifall.) Ich meine^ es wird im Reichstag nur wenige Mitglieder geben, welche die Ortung dieser Politik in andere Hande übergehen lehen mochten. (Lebhafte Zustimmung.) Tie Angriff, welche unsere Vertreter im Ausland in der Presie aefunben haben sind nicht begründet oder doch wenigstens stark Übertrieben. Ich will Anen Ncmien nennen: nomina sunt odiosal aber ich ^nn mich nicht des Em drucks erwehren, daß diese Angriffe gemacht werden von Hintcr- treppenleuten, wie man sie ehedem als Maulwurfe bezeicknete. Seitdem die auswärtige Politik mehr unb Ehr von wirtschaftlichen Fragen beherrscht ist, wird es er|m:bcrlid) sein, gerade aus die wirtschaftliche Seite besonderes Gewicht zu legen. (Sehr wahr!) Es wird sich vielleicht empfehlen, die Kreise, au» denen unsere Diplomaten genommen werden, etwas weiter zu ateljen. Immerhin halten unsere Vertreter im Ausland durchari» noch den Vergleich mit denen anderer Machte aus. (Na! Na! bei den Abg. Dr. Wicmcr (Frs. Vp.): Qit der vorhandenen Spannung und nervösen Beunruhigung hat n'ckt wenig die Tatsache beigetragen, daß einzelne Aeußerungen von Parlamentariern anscheinend von den fragelustigen Vertretern ausländischer Blätter mißverstanden sind, nickt weniger aber auch Die Flut sensationeller Broschüren über Zukunftskrieg .und Kriegsgefahr. (Zustimmung.) Diese Broschüren fördern eme chauvmistiiche Stimmung, die niemals zur Beruhigung dient. Wie die heutige Verhandliing zeigt, ist daö deutsche Parlament frei von wich er Unruhe und Nervosität, frei von jeder Gespensterseherei. Es halt es für seine Aufgabe, mit klaren und offenen Augen die gegebenen Verhältnisse zu würdigen und danach, seine Haltung emzu- r ich teil. Tas wird umso besser geschehen können, toenn wir über die tatsächlichen Vorgänge eingehender als bisher unterrichtet werden. (Zustimmung.) Meine Freunde sind daher geneigt? dem Anträge des Zentrums znzustimmen. Bei allem Vertrauen, das wir zu der berantiuortlidien Leitung unserer au.-« wartigen Politik haben, meinen wir allerdings doch nicht, daß keinerlei Fehler vorgekommen seien; aber darauf will ich heute nicht näher etriqeheii. In der der d -ooll hinter sich haben. (Lebhafter Beifall.) Paz uns ja fteu.idlich zur Seiw uanb —,.unb weil wir der De- < sorgnis Ausdruck geben müssen, va§ vielleicht auch in Dieser A - rüftungSfrage durch die Art, wie sie behandelt wird, eine gctoiHc Isolierung Deutschlands eintritt. Wir werden uns gegcn d.e Ab- niitung erklären müssen auch angesichts der ganzen Entwickelung der englischen Politik. Dcr englffche Mtrinemnitstcr hat noch kürzlich erklärt, gegenwärtig habe England zur «ee unbestrittene Oberhand: trotzdem sicht Englands Schisssvolitik nicht nach Abrüstung aus. Im Gegenteil, im Schiffsbau ist dort eine ganz neue Dcra angebrochen, es sind zur Zeit ,m Bau Nicht ivcniger aL acht aroße Linienschiffe, und an diese schließt sich noch der Bau einer Reihe großer Panzerkreuzer usw. Das hängt ja zusammen mit dem Plane einer großen militärischen Organisation, die ba» ganDc britische Weltreich umfassen soll, und Führer der früheren konscr- vaiiven Regierung in England haben ja selbst auf bjc,cn Widerspruch der englischen Politik im Unterhause aufmerksam gemacht, darauf, daß die englische Regierung doch unmöglich dem Volke die Notwendigkeit der Verstärkung auseinander setzen und zu gleicher Zeit vom Auslände erwarten könne, daß es an die Abrüstung glaube. Diese Stimme aus dem englischen Lager legt doch immerhin es einem nahe, mit Mißtrauen der ganzen Entwickelung entgegenzuschen, mit dem höchsten Mißtrauen, wie gestern cm führendes süddeutsches Blatt gesagt hat. Es kounnt dazu das neue Unbehagen durch die englische M i t t e l m c e r - Politik. Herr von Hertling hat die Frage ja eingehend behandelt. Die Beziehungen zu Portugal, zu Spanien, die Zusammenkunft in Gaeta, Die Gerüchte über eine Verpflichtung Englands bei den Neubauten der spanischen Flotte und auch bei der Küstenbefestigung: das ist mittlerweile dementiert worden. Wir haben ja jetzt die Wahl, entweder die erste Nachricht ober daS menti zu glauben, je nachbem wir Lust dazu haben; es brauchen ja auch nicht Verträge zu sein, es können ja andere Abmachungen sein. Ich muß Herrn von Hertling auch ohne weiteres recht geben, es kann durch eine solche Betriebsamkeit unter Umständen auch nach anderer Richtung ein Zündstoff geschaffen werden. Wie diese ganze Mittelmcerpolitik, d>c Beziehungen zu Spanien, in den Rahmen bei französischen Politik passen, ist ja eine andere Frage. Der „Xailt) Expreß" schreibt im Anschluß an die Mittclmeerpolitik, aus rein strategischen Grüiiden habe England ein Interesse an dem Wiederaufbau der spmiischen und auch der japanischen Flotte und an der Konzentrierung im Aermelkanal — mithin eine B c - brohung Deutschlands. , Als sorgfältige Beobachter der internationalen Lage notieren wir diese englischen Preßstimmen. So tritt die Haager Friedenskonferenz unter Auspizien zusammen, bie nicht gerade dim Frieden günstig erscheinen. Es tritt hinzu das Verhältnis Englands zu Frankreich, ob man das nun eine Entente, ein Bündnis nennen will, und ob man an die Militärkonvention gleißt oder sie in das Gebiet der Fabel verweisen will. Daß in Frankreich Verstimmungen noch bestehen aus der ganzen marokkanischen Affaire und au5 einer vielleicht nicht in allen Phasen vollständig klaren deutschen Politik, bas ist verständlich; auf der anderen Seite bin ich, mit meinen politischen Freunden der Meinung, daß das französische Volk als solches friedliebend ist und keinen Krieg will, vielleicht auch in Einschätzung der für Frankreich nicht so sehr günstigen Chancen eines Krieges mit Deutschland. Aber cs liegen doch auch hier diese Gründe des Mißtrauens vor, über die wir nicht Herr werden können. Auck hier ist es wieder die sozialdemokratische ^^^Ende"des ^Jahres 1901 hat der Herr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Einladungen zu einer neuen Haager Konferenz ergeben lassen. Sie sollte angesichts mancher wahrend des rmsisch-iapanischeii Krieges ahit gewordener NeutralitcstS ragen sich auch mit der Weiterbildung des Seekriegsrechts bcscha tigen. Diese Anregung ist dann im Jahre 190o von der russischen Regierung aufgenommen worden. Die Vorarbeiten ur die KonserenAhaben sich zu einem eingehenden Programm verdichtet, das °uf ruffffcheii Vorschlag die Zustimmung der Machte gesunden hat. Nach diesem Pro gramm soll sick die ziveite Haager Konierenz mit der Vervefferung oder Erdung der Bestimmungen, der ^ei Haager Ablomm u über Schicbsspicchung, über Landkrieg und über b,e..Sl”l”cngF0 der Genfer Konvention auf den Seekrieg, sowie mit der Au. arbeilunq eines Seekriegabkommens befallen. Aus der Tbronrede ist Ihnen bekannt, daß die deutsche Politik, diese ru||iscken Dpr- schläac sympathisch begrüßt hat und daß sie verettwilligst Mitwirken wird, um ein praktisches Ergebnis der zweiten Haager Konferenz zu sickern. Das Programm der Konferenz ichemt uns kweckmätzia ausgewählt zu fein. Es umichließt folge Fragen, 9für die Fortschritte des geltenden Völkerrecht- besonders erwünscht sind. Wir haben deshalb die Einladung der rnssisckcn Regierung gerne angenommen. W^alb des von Rußland ansgestaltcten Programms haben sich bie Machte auch mit der Frage beschäftigt, ob es zweckmäßig sei, auf der Haaqcr Konferenz Gedanken zu erörtern die bezug haben auf einen Stillstand oder eine ö.nmnberung bet Rüstungen. Diese Er- örlernnqeii sind bisher noch nicht zur Formulierung eines bestimmten Vorschlages gediehen. Die englische unb bie spanische ^Regierung unb ähnlich auch bic russische haben sich nur bas Recht voroehalten, diese Frage auf der Haager Konferenz zur Diskusston zu stellen. Tie Verfechter der atbrüstungsivce sreisinnigenPresse — ick erwähne den Artikel bcS Dr.Müller-Sagan — ja auch im „Vorwärts". Also wir werden abwarten, ob der Reichskanzler nunmehr in der Lage ist, die Befürchtungen nach dieser Richtung zu zerstreuen. Wenn man nach dem Grunde fragt, weshalb die Entwicklung der internationalen Politik unerfreulich geworden ist, weshalb, wenn auch keine Kriegsgefahr, doch die Spannung vorhanden ist, die sich bald mehrt, bald wieder abflaut, so ist die Sozialdemokratie ja immer rasch bei der Hand, sie macht für die Verschlimmerung der internationalen Lage die Fehler der deutschen Diplomatie verantwortlich. Wir sind . wett entfernt, uns auf den Standpunkt zu stellen, daß nicht, im Laufe der hinter uns liegenden Jahre Fehler gemacht worden sind, daß nicht vielfach statt einer Politik großer Taten, eine Politik großer Worte gemacht worben ist. Aber den Kernpunkt der Sacke trifft bas nicht. Daß Dcutschlanb unbeliebt ist, hängt zusammen mit dem raschen Wachsen der deutschen Macht, mit der Zunahme unserer Bevölkerung unb mit der Tatsache, daß wir als Konkurrenten in wirtschaftlicher Beziehung auf allen ausländischen Märkten auftreten. (Sehr wahr!) Wir müffen mit unserem Menschenmaterial hinaus, der deutsche Kaufmann, der deutsche Techniker dehnen den deutschen Einfluß aus. Das muß naturgemäß bet den anderen Völkern unangenehm empfunden werden, daß wir, um unsere Interessen zu wahren, eine Kriegsflotte bauen usw. Auch da erhebt die Sozialdemokratie den Vorwurf gegen die deutsche Politik, das sei der Ursprung der Spannung zu Englands Nun, unsere Flotte ist keine Drohung gegen England unb wird sich niemals zu einer Drohung gegen England auswachscu. Sie soll unsere Handelsflotte decken, soll einen Schutz der Kolonien dar- stellen, soweit das bet der Kleinheit unserer Flotte überhaupt möglich ist, sie soll unsere Küsten verteidigen. Das sind die Zwecke der Fkottenvorlage gewesen. Es wird wohl niemand in Deutschland sein, der nicht einen AngriffskrieggegenEnglandfür ‘ einen hellenWahnsinn hält. Andererseits müßten wir aber Beratung auf Sodann vertagt das Haus die weitere Mittwoch 1 Uhr. Schluß 6 % Uhr. / Abg. v. Bollmar bemerkt, er habe nicht gesagt, daß der Abg. Semler die Tendenz verfolgt habe, aufzureizen, er habe nur gesagt, daß diese Rede in Frankreich so wirken könnte. Hiermit ist die Debatte über die auswärtige Politik beendet. Abg. v. Bollmar (Soz.), sehr schwer verständlich, da er der Tribüne Len Rücken dreht: Wenn der Reichskanzler gesagt, er habe schon früher hier und da dem Parlament Mitteilungen über die auswärtige Politik ge# geben, so sind sie auch danach gewesen. Man vergleiche nur das, was uns über die Marokkoaffäre mitgeteilt wurde, mit den ausführlichen Aktenstücken, die der französischen Deputiertenkammer borgelegf wurdeni Dein Antrag' Graf Hompesch stimmen wir zt Die auswärtigen Angelegenheiten werden in letzter Zeit auffallenv schwarz in schwarz gemalt. Das birgt eine große Gefahr in sich, es soll wohl nur dazu dienen, den Reichstag militärischen Forderungen geneigter zu machen. Ein allgemeines Mißtrauen greift Platz. Unsere auswärtige Politik läßt Zielklarheit und Sicherheit vermisien. Die vielen Reden und Demonstrationen sind ja wohl nicht so schlimm gemeint, wie sie klingen. M>er das Schlimme ist, daß sie im Auslande ernster genommen werden, als in Deutschland. Wir haben keinen Anlaß, unser Mißtrauen zur Regierung zurückzunehmen. Unsere innerpolitischen Verhältnisse sind dazu angetan, uns im Auslande unbeliebt zu machen. Dazu kommt noch, daß ein großer Teil des deutschen Volkes schimpflicherweise als „innerer Feind" bezeichnet wird! Herr Bassermann, der sich heute sehr liebenswürdig mit der Sozialdemokratie beschäftigt hat, äußerte seine Genugtuung über die Rede meines Parteifreundes Noske. Nur ein politischer Tor kann in diesen Auslastungen etwas Nagelneues erblicken. , Doch das nur nebenbei. Daß Deutschland zunehmend isoliert wird, haben wir Sozialdemokraten schon vor Jahren gesagt, als der Reichskanzelr noch erklärte, die französischenglische Entente berühre die Interessen Deutschlands gar nicht. Aber man soll die Reisen des Königs Eduard auch nicht überschätzen! Das englische Parlament gestattet keine absolutistischen Neigungen. Wenn die Einkreisungsbestrebungen überhaupt irgend einen Erfolg haben, so ist das lediglich der deutschen Politik zu verdanken, die eine einzige, ununterbrochene Kette von Fehlern darstellt! (Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.)' Leider haben sich an der Hetze gegen England auch Mitglieder dieses Hauses beteiligt. Herr Bastermann hat heute sehr viel anders gesprochen als früher. Er wunderte sich über die „Nervosität" des Auslandes. Aber einen nervöseren Parlamentarier als Herrn Wassermann in Magdeburg, habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Von einem anderen Mitglied der nationalliberalen Partei ist heute hier unverdientermaßen noch gar nicht die Rede gewesen: von Herrn Semler. Was Herr Semler neulich einem Interviewer erzählt hat, das war so ziemlich da§ Aeußerste; und das geschah nicht etwa in der Hitze des Gefechts, nein, er ließ es sich noch schriftlich geben. (Heiterkeit links.) Wenn durch seine Redensarten die Stimmung im Ausland nicht verschärft wurde, so ist das wirklich nicht fein Verdienst. Ich will mich nicht weiter mit Herrn Semler aufhalten, aber das muß ich doch sagen: wir muffen Verwahrung dagegen einlegen, daß das Ausland derartige Ergüsse irgendwie als Meinung des deutschen Volkes betrachtet! Wer so leichtfertig sprechew.-'Änn, tut nichts, als Oel ins Feuer gießen. Bezüglich der Abrüstung stehe ich auf einem anderen Standpunkt als alle Vorredner. Ich meine, daß eine Nichtbeteiligung an der Debatte über die Abrüstung der größte Fehler wäre. Die anderen Staaten würden dann Deutschland mit Recht als einen Störenfried ansehen. Auf der ersten Haager Konferenz hat Deutschland einem Beschluß zugestimmt, der sich im Prinzip für die Abrüstung aussprach und eine bestimmte Formulierung forderte. Deswegen verlangen - meine Freunde, daß Deutschland sich nicht nur an der Haager Konferenz, sondern auch an der Debatte über die Abrüstung beteiligt. Gewiß gibt es in Frankreich Nationalisten, die gegen Deutschland hetzen, aber die Maste des französischen Volkes will nichts davon wissen. Am allerwenigsten will es sich in ein Abenteuer einlassen, anderen zu Gefallen. Es gibt viele Leute in Frankreich, die ein besseres Verhältnis zu Deutschland wollen, aber anstatt solche Bestrebungen zu fördern, hemmt man sie. Denken Sie nur an die Marokkofrage. Wir wollen eine Politik der Annäherung, des Friedens, die den Wünschen und Interessen der Völker entspricht. ^(Beifall bei den Soztaldemo- kraten.) Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Vgg.): Der Vorredner hat sich über den Ausdruck „innerer Feind"' beschwert. Aber ich könnte vieles anführen, was für die Berechtigung dieses Wortes spräche. Ich unterlaste es, weil ich nicht ba8 Bild ändern will, das sich auch beim Militäretat zeigte. Freilich, vor den Wahlen fvrach man anders, wie der Abg. Noske beim Militäretat. Wenn Deutschland sich an der Abrüstungsdebatte beteiligen wollte, würde gerade das erreicht werden, was die Sozialdemokraten vermeiden wollen. Deshalb ist cs weit bester, wir reden nicht. Wir haben das Spiel durchschaut und machen nicht mit. Die heutige Debatte hat ergeben, daß der Reichstag den Dingen mit Ruhe cntgegenschaut, daran ändert auch die Rede des Vorredners nichts. Abg. Schrader (frcif. Vgg., schwer verständlich): Von allen Seiten ist diesmal die Kritik zurückgestellt worden. Wir waren alle einig in dem Vertrauen auf die feste, unangreifbare Stellung unserer Nation. Wir brauchen uns nicht über jede Kleinigkeit zu grämen; daß wir „isoliert" fein sollen, brauchen wir nicht so tragisch zu nehmen. Was nun die Haager Konferenz anlangt, so können solche Kongresse doch sehr nützlich fein, um immer mehr die Mittel zu fördern, die vorhanden find, um den Krieg zu verhindern. Ich denke dabei an Schiedsgerichte. Wenn ich den Reichskanzler recht verstanden habe, hat er sich ja auch bereit erklärt, alle friedenfördernden Bestrebungen zu unterstützen. Nach den neuesten Kundgebungen von sozialdemokratischer Seite können wir jetzt mit Ruhe sagen, daß uns im Falle eines Krieges innere Schwierigkeiten nicht entstehen werden. Die Sozialdemo- Iratie fühlt jetzt, wie alle Parteien, wir können jetzt beruhigt iy die Zukunft sehen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Zimmermann (Reformpartei)':' Die große Unzuftiedenheit ist nur durch die Verleihung deS Schwarzen Adlerordens an den Fürsten von Monaco entstanden. Meine Freunde find stets Gegner des Zickzackkurses und der Plötzlichkeiten in unserer Politik gewesen. Wir fordern eine ruhige und stetige Politik, von der leider in den letzten Jahren wenig die Rede war. Abg. Dr. Semler '(natl.): Herr v. Bollmar hat mich wegen meines Interviews angegriffen. Ich hätte mich ja nun entschließen können, gar nicht zu antworten. (Lebhaftes: Sehr richtig! auf allen Seiten des Hauses.) Aber dazu hatte ich keine Veranlassung. Wer einigermaßen ruhig meine Steuerungen liest, wird finden, daß der Wunsch nach Frieden sie mir eingegeben hat. Ohnedies ist ja, Gott sei Dank, in Deutschland immer noch ein offenes Wort erlaubt, mag das nun Herrn v. Vollrnar und der offiziösen Presse gefallen oder nicht. gebrauche wie die Herren Vorredner der Kurze halber bWn »uSdruck — wollen mit der Verwirklichung dieses Gedankens bessere Bürgschaften für den Frieden schaffen. Wer wollte solche Motive nicht durchaus billigen? Es fragt sich nur, ob die Erörterung dieser Frage auf einer Konferenz ein geeignetes Mittel ist, um diesem Gedanken naher zu treten. (Beifall.) Die Erörterung auf der früheren Haager Konferenz hatte nur das Ergebnis, daß die Machte aufgefordert wurden, daS Problem näher zu prüfen. Die deutsche Regierung ist dieser Aufforderung nachge- lommen, hat aber keine Formel gefunden, die der großen Verschiedenheit der geographischen, wirtschaftlichen und politischen Lage der verschiedenen Staaten gerecht würde und geeignet wäre, diese Verschiedenheiten zu beseitigen und als Grundlage für ein Abkommen zu dienen. Mir ist auch nicht bekannt, daß andere Regierungen glücklicher gewesen wären und eine solche Formel gefunden hätten. Solange aber nicht einmal sichere Hoffnung auf eine befriedigende Lösung der Frage und auf die Möglichkeit ihrer praktischen Durchführung besteht, vermag ich mir auch von einer Erörterung auf emerKonferenz nichts zu versprechen. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Es liegt im Gegenteil die Gefahr vor, daß durch die Berührung jeder widerstreitenden Interessen eine zweckwidrige Wirkung einträte. (Lebhafte Zustimmung.) Ick kann nicht bestreiten, daß schon die Aussicht auf eine Behandlung dieser Fragen auf der Konferenz eine beunruhigende Wirkung auf die internationale Lage ausgeübt hat. (Sehr richtig!) Als es sich, ich glaube im Jahre 1873, darum handelte, auf einer Brüsseler Konferenz das Kriegsvölkerrecht zu beraten, erklärte der englische Delegierte im Namen der englischen Regierung, die englische Negierung könne sich an der Konferenz nur beteiligen, wenn die Frage des Kriegsbeuterechts weder mittelbar noch unmittelbar berührt würde. (Hört I Hört!) Und das gleiche hätten wir jetzt auch tun können und unsere Beteiligung an der Haager Konferenz davon abhängig machen können, daß die Abrüstungsfrage nicht berührt werde. Mit Rücksicht auf das russische Programm haben wir das nicht getan, sondern wir beschränken uns darauf, diejenigen Mächte, die sich einen Erfolg von der Diskussion versprechen, diese Diskussion allein führen zu lassen. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Ist es nun zu befürchten, daß diese unsere Zurückhaltung in dieser Spezialfrage und in den Nuf bringen könnte, aus heimlicher Kriegslust oder aus militärischem Ehrgeiz oder ans sonstigen selbstsüchtigen Motiven ein edles friedfertiges Werk zu stören? Ist es zu besorgen, daß wir dadurch den Zorn aller Friedensfreunde auf uns laden würden ? Nun, meine Herren, ich habe Grund zu der Annahme, daß auch andere Mächte eine der unfrigen ähnliche Haltung einnehmeu. Es gibt in England, in Frankreich, in Italien, in Amerika Freunde des Friedens und der Zivilisation genug, welche dem Frieden am besten zu dienen glauben, wenn sie keine Illusionen aufkommen lassen und bei der Verfolgung idealer Zwecke die Realitäten nicht aus dem Auge verlieren. Zu meiner Befriedigung ist unsere Auffassung ja neuer« dingS sogar in einem deutschen sozialdemokratischen Blatt zum Ausdruck gekommen. (Fürst Bülow macht eine Handbewegung zu den Sozialdemokraten hin.) Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. (Große Heiterkeit.) Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem ersten Schritt zu einer realpolilischen Beurteilung der Verhältnisie. M. H., Deutschland kann nicht unter einen Druck gestellt werden, auch nicht unter einen moralischen. (Sehr richtig!) Um unsere Ruhe nach außen zu sichern, sind wir bisher nach dem Grundsatz der Kriegsbereitschaft verfahren, und dieser Grundsatz hat sich bewährt. Trotz allem in der Welt gegen das deutsche Volk heimlich vorhandenen Uebelwollens ist Deutschland seit der Errichtung des Reichs von keiner Seite angegriffen worden. Ich füge so'ort hinzu, wir haben auch niemanden angegriffen, wir haben unsere militärische Stärke niemals mißbraucht und werden daS auch in Zukunft nicht tun. (Lebhafter Beifall.) Nicht nur technisch, auch moralisch haben sich unsere Rüstungen als ein gutes Friedenßwerkzeug bewährt. Daß wir uns dieses Werkzeug erhalten wollen, kann uns niemand verargen. (Allseitige lebhafte Zustimmung.) Wir wünschen nicht wieder in einen Zu stand zu geraten ähnlich dem, wo man fang: Was ist des Deuischen Vaterland? rSehr gut!) Nun ist mir ja von manchen Seiten geraten worden, wir möchten uns, um den kriegerischen Schein zu vermeiden, an der Diskussion über die Abrüstungsfrage beteiligen, da bei einer solchen doch nichts anderes herauskommen werde als allgemeine Redensarten. Ich glaube nicht, daß wir durch eine solche Taktik einen besseren Schutz gegen ungerechte Verdächtigungen unserer Friedensliebe, eine aufrichtigere Anerkennung der Schwierigkeit unserer geographischen Lage erreicht haben würden. (Sehr lebhaftes Sehr richtig 1) Dazu haben wir schon zu viel ungerechte und tendenziöse Verdächtigungen unserer friedlichen Absichten erlebt. (Zustimmung.) Es erschien mir richtiger, klüger und auch würdiger, offen zu sagen, an einer nach unserer Ueberzeugung wenn nicht bedenklichen, so doch unpraktischen Diskussion können wir uns nicht beteiligen. Wir denken aber nicht daran, diese unsere Auffassung anderen aufzwingen zu wollen, und wenn bei der Erörterung der Abrüstungsfrage etwas Praktisches herauskommt, so werden wir bann gewissenhaft prüfen, ob es dem Schutze unseres Friedens, ob es unseren nationalen Interessen, ob es unserer beionberen Lage entspricht. Ich stelle mit Genugtuung und Dankbarkeit fest, daß die Gesichtspunkte, die ich soeben entwickelt habe, sich im wesentlichen mit den Ausführungen der Vertreter aller bürgerlichen Parteien decken. Gestützt aufdieseEinmüti gleit wird Deutschland auf der Haager Konferenz durch fein tatsächliches Verhalten beweisen, daß wir alle Bestrebungen, die geeignet sind, den Frieden, die Zivilisation und die Menschlichkeit praktisch zu fordern, aufrichtig unterstützen. (Allseitiger Beifall.) Meine Herren, ich möchte jetzt auf den von mehreren Se'ten berührten Antrag Hompesch und Genoffen eingehen. Der Herr Staatssekretär des Aeußern wird sich über bie Stellung des auswärtigen Amtes zu diesem Anträge, ebemo wie über die Grundsätze, die im auswärtigen Amt maßgebend sind für die Rekrutierung rind Ausbildung unseres diplomatischen Personals seinerzeit äußern. Ich will meinerseits nur daS nachstehende bemerken: Ich Balte den von mehreren Herren Vorrednern ausgesprochenen Wunsch des Reichtages, über Gang und Stand unserer auswärtigen Politik unterrichtet zu werden, für durchaus berechtigt. Seitdem ich an dieser Stelle stehe, bin ich bemüht gewesen, diesem Wunsche Rechnnng zu tragen. (Zuruf von den Soz.: Davon haben wir nichts gemerkt!) Meine Herren, es gibt wohl kaum einen leitenden Minister, der sich gegenüber auswärtigen Fragen so oft und so eingehend ausgesprochen hat Ivie ich. (Sehr richtig !) Diese Anerkennung habe ich selbst in gegnerischen Blättern gelesen- Wenn der Antrag Hompesch sich auf diese Stellung beschränken würde, dann würde icb ihm nicht widersprechen, sondern gern eine entgegentommenbe Erklärung abgeben. Der Antrag fordert aber mehr, er verlangt, bafj dem Reichstag periodisch über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches urkundliches Material unterbreitet werde. Dieser Forderung muß ich widersprechen, und zwar aus schwer- toiegenben Gründen. Dieser Antrag enthält ein Verlangen, das auef) in anderen Ländern, auch in rein demokratischen oder parla- mentarild) regierten Staaten nicht gestellt, geschweige denn erfüllt wrrd, denn seine Erfüllung muß die salus publica gefährden. 2,ch mochte bei dieser Gelegenheit an einen Vorgang aus jüngster Zeit erinnern In der französischen Deputierteiikammer wurde der französische Miiiisterpräsident gefragt, ob zwischen grants reict} und England eine Militärkonvention bestünde. Gewiß eine fanucriüicgenbe grage von großer Bedeutung für das franzö- filcge Bclk. Der Herr Ministerpräiident antwortete schlank- fbegT Ich loWTs üTdft ober tif glaube es vkchk. eiferfett) Der Fragesteller nannte diese Antwort zwar ungeheuerlich, die Mehrheit der Kammer fand bie Antwort ganz verständ- lich. Im englischen Parlament ist es häufig vorgekommen, daß Minister auf bringende und eingehende Fragen über wichtige Probleme der auswärtigen Politik entweder garniLt oder nur mit ja ober nein geantwortet haben. Die Führung ber auswärtigen Geschäfte ist ein belikates Metier. Da kann bie Verantwortung sehr schwer geteilt werden. Da müssen bie entscheidenben Beschlüsse derjenigen Stelle Vorbehalten bleiben, die allein informiert ist, der das ganze Material zur Verfügung steht unb bie in ber Lage ist, sich über jede Einzelheit, über jedes Detail zu orientieren. Ich werde bestrebt fein, dem berechtigten Wunsche der Volksvertretung nach Klarheit auf dem Gebiete ber auswärtigen Politik auch ferner zu entsprechen. Ich kann mich aber nicht einer Verpflichtung unterwerfen, bereu Erfüllung llnzuträglich- feiten für bas Land zur Folge haben würbe. (Sehr richtig! rechts.) Es gibt Verhältnisse unb Umstände, wo durch jedes vorzeitige Wort Schaden entstehen unb Nachteile zugefügt werden können. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Ich gehe jetzt über zu unserer internationalen Lage und,zu unseren auswärtigen Beziehungen. Der Abg. Bassermann hat neulich draußen im Lande seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß die Periode der vielen Reden nach und nach in den Hintergrund getreten wäre. (Heiterkeit.) M. H., ich halte nicht alles für gut, was bei diesem Anlaß der Abg. Bassermann über die internationale Lage und über unsere auswärtigen Beziehungen geäußert hat. (Sehr richtig! rechts.) Aber seine Ansicht über bie Nachteile des zu vielen Redens teile ich vollkommen. (Große Heiterkeit.) Und ich werde deshalb heute Ihre Zeit auch nur kurz in Anspruch nehmen. (Erneute Heiterkeit.) Es gibt Zeiten und Umstände, lvo es angezeigter ist, sich kurz zu fassen. Ich will heute nur wenige Fragen und nur solche behandeln, von deren Erörterung ich ein nützliches Ergebnis erwarte. In einem großen Teil unserer Presse ist üi den letzten Wochen die Ansicht entwickelt worden, daß Italien nur noch als ein unsicherer Teilnehmer am Dreibünde gelten konnte. Diese Meinung ist namentlich in Betrachtungen über die Begegnung von Gaeta geäußert worden, die im Gegensatz zu den ruhigen und sachlichen Ausführungen, die wir soeben von allen Seiten deS Hauses gehört haben, vielsach den Charakter einer Nervosität trugen, die im Anslande niemanden imponiert, weil sie kein Zeichen von selbstbewußter Kraft ist (Lebhafter Beifall), und vor ber sich des- fialb unsere Presse hüten sollte. (Erneute Beifallskundgebungen.) So oft unser Kaiser im Msitelmeer geweilt hat, ist er von dem König von Italien begrüßt worben, ist er mit dem König von Italien zusammengekommen. ES war ganz natürlich, daß ber König von Englanb, der die italienische Küste berührte, von dem Herrscher des befreundeten Landes begrüßt wurde. Zwischen England und Italien haben freundschaftliche Beziehungen von ber Zeit ab bestanden, wo Italien seine nationale Einheit erlangte. Solche Beziehungen sind vorhanden gewesen, seitdem der Dreibund besteht. ES ist mehr als einmal von dieser Bank aus bargelegt worben, daß solche freundlichen Beziehungen zwischen Italien und England nicht nur mit ber Stellung zum Dreibunbe vereinbar sind, sondern daß sie an und für sich nützlich und erwünscht sind. Die Vorgänge in Marokko verfolgen wir aufmerksam, aber ohne Anlaß zu Argwohn. Wir rechnen auf allseitige loyale Einhaltung ber in der Algeeiraskonferenz eingegangenen Verpflichtungen, lieber Einzelheiten des Vorgehens können ja zwischen den Unterzeichnern der Akte Meinungsverschiedenheiten entstehen. Ich rechne aber für alle solche Fälle auf bie Ilärenbc Wirkung einer unmittelbaren Aussprache. Nach wie vor verfolgt Deutschland in Marokko keine anderen Zwecke, kein anderes Ziel als Gleichheitsberechtigung im wirtschaftlichen Wettbewerb. Wie ich somit keinen neuen Anlaß zur Trübung unseres Verhältnisses zu Frankreich sehe, vielmehr auf ein allmähliches Schwinden des Mißtrauens zwischen Deutschen und Franzosen hoffe, so stelle ich auch gern fest, daß zwischen uns und England keine Streitfragen sind, durch welche die von den besonneneren Elementen in beiden Ländern unterstützten freundschaftlichen Bestrebungen gestört werden können. (Beifall.) Auch in Persien nehmen wir ohne politische Hintergedanken nur wirtschaftliche Bewegungsfreiheit für uns in Anspruch. Gestützt auf Zusicherungen, die uns von beiden Seiten spontan gegeben worden sind, sehen wir dem Abschluß ber englisch- russischen Verhandlungen ruhig entgegen. Der gleiche, ruhig abwartende Standpunkt gilt für das, was Rußland und England als asiatische Grenzmächte über Grenzfragen vereinbart haben oder noch vereinbaren werden. Ich sehe voraus, daß man mir wieder vorwerfen wird, ich nehme die russisch-englische Annäherung zu gleichgültig hin. Nein, ich nehme sie einfach als das, was sie ist, »änilich als den Versuch, auf einem uns ziemlich fernliegenben Gebiet alte Streitfragen auszugleichen. Ich nehme sie aber auch als Bekräftigung einer Ansicht, die ich als nüchterner Beobachter schon vor Jahren aus dem Auslände hierher mitgebracht habe, nämlich, daß wir den Gegenstand zwischen Walfisch und Elefant als veränderten Faktor in unsere politische Rechnung einstellen müssen. Es gibt überhaupt keinen Gegensatz zwischen zwei Mächten, den Deutschland dauernd als eine Gelegenheit für sich unb als eine Ungelegenheit für andere ausnutzen könnte. Das kann man offen aussprechen, ohne Leichtherzigkeit, aber auch ohne Pessimismus. Ich will bei dieser Gelegenheit nicht wiederholen, was ich gelegentlich über die Nachteile einer übertriebenen Kritik der auswärtigen Politik ausgeführt habe; ich will nur darauf Hinweisen, daß eine ruhige, feste und mutige Beurteilung der Lage noch lange keine Schönfärberei ist. (Sehr richtig!) Daß wir von Schwierigkeiten unb Ge'ahren umgeben sind, weiß niemand besser als ich, sic sind unsere ständigen Begleiter als Folge unserer schon ans geographischen Rücksichten exponierten -Lage; aber um solche Schwierigkeiten und Gefahren zu überwinden, ist ruhiges Selbstbewußtsein und Vertrauen in die Kraft ber Nation nötig. (Beifall.) Erhalten wir uu5 das Vertrauen unb die Achtung, bie unsere Macht unb unsere Friedensliebe einflößen, legen wir unsere Freundschaft in unsere Bündnisse, unb wir brauchen nicht ängstlich zu sein, wenn Ententen abgeschlossen werden über Dinge, die uns nicht unmittelbar berühren. Von Feindschaften anderer unter einander können mir nicht leben. Lassen wir anderen die Bewegungsfreiheit, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen, und bleiben wir uns vor allem bewußt, daß wir Schwierigkeiten um so eher und um so sicherer überwinden werden, je mehr wir eine ruhigere, stetige, sachliche auswärtige Politik treiben, und je mehr wir uns entschlossen zeigen, unseren Frieden, unsere Ehre, unsere Wcltstellung durch Sammlung aller Kräfte im Innern zu wahren, und wenn es >iot tut, einmütig zu verteidigen. (Lebhafter Verfall.) M». Rämp seiner Partei, in i verlangt wirb, Lag unb anderen osjei «frage lammen roii Äwnahme in eine sintznnzrn, die vor «haltet worden auigeiiihnen Miß gesetzlichen Besim dem Rechtsbewuß Forderungen des Slaalssekr. ( Antrag schon ein; gestellt, aber noc (ei. Der Borredn gespielt, wonn bei ht bie (öewähriü, j'f beseitigen, (jr,» gewandt nut der ob von diesem Erl Jjfaterial emgegan w>t den Regierung '"wieweil die gek ^t ju erholten o vorgeiallen sind, \\ * den Eharak wo»« werde nick Antwort aus den voluischen (Seine senden Gesetze t vornehmen. Äg. Götz i dem ich kertkal ober säS Jfcn, ich f.; ' nito 'Wen, L-Kl ÄS habe Mt K d°r Sei yunh,s, l,ur nie Mi Ä 'ch hören ^tar Ä u 10 bi' „I 77- äi fjk tepe wti äiinilt'r - Der österttul »Sie Unterredung- Lrond MM diesem- paiell'en ist- Midlg sst, langjähngen vesi to betonen. A &bcn wotfaU der SingobW Losie Gegenstand fotuten sei Ter JeJJ tljat die Mcht Kaiser WR Siem. 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