157. Jahrgang Zweites ih?. »41 o Erlchewt tflgUd) mit Ausnahme des Sonnig. Blatt Die „Gktzrner Famillendlätter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS ^Kreisblott für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erjchemt monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktiom^^IIL. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Montag 14. Oktober 1907 a JkA Rotationsdruck unb Verlag der Brühllchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. m R. Lauge, Gießen. 23 die Anstalt erflehte. en. 4^oLiti§cye Lvochenschrru. Gießen, 14. Oktober 1907. ' Der Antimilitarismus hat die Sozialdemokraten ' nf ihrer letzten interrratioualen Versammlung recht lange 'jchäftigt, und man erinnert sich wohl noch, wie erregt : ie Debatten zum Teil waren. Die deutschen Sozialdemo- : aten uuißten sich namentlich von ihrem französischen Ge- oihLN Herve lvegen ihrer Zurückhaltung in dieser frrage >M unangenehme Dinge sagen lassen. Der Llntimilitaris- m's W in Frankreich schon viel mehr an Boden gewonnen nb Fälle von Insubordination, wie man sie neuerdings aus rankreich hört, sind bei uns glücklicherweise unbekannt. Die corbitoTTt hohen Str äsen, die im Deutschen Reiche auf lilitärischen Vergehen stehen, haben sich als ein sehr wick- ivres Ventil gegen etwaige sozialdemokratische Machtgelüste i der Kaserne erwiesen. 9tun hat aber auch Deutschland -inen Herve, wie der Prozeß Liebknecht gezeigt hat. rebknecht will, ebenso wie es Herve in Frankreich tut, seine •artet in eine Agitation gegen den Militarismus hinein- ;eiben. Durch Zeitungsartikel, Broschüren und Vorträge >ill er schon den jungen Rekruten die Kaserne verekeln. Sein Ziel ist es, jedem Menschen den Krieg und das Militär ermaßen zu verekeln, daß in Zukunft jeder Krieg unmöglich >erde. Selbst Vebel mußte jetzt vor Gericht erklären, daß c dieses Treiben Liebknechts ftir praktisch falsch und taktisch ngeschickt halte. Das Reichsgericht hat nun angenommen, aß Liebknechts Tätigkeit sich juristisch als eine Vorbereitung am Hochverrat darstelle und den Angeklagten zu einem .ahre und 6 MLonaten Festung verurteilt. Der Reichsanwalt atte sogar eine entehrende Zuchthausstrafe von 2 Jahren nd mehrjährigen Ehrverlust beantragt. Das Urteil des Reichsgerichts ist also verhältnismäßig milde ausgefallen, ber es läßt doch deutlich genug erkennen, daß man ein nwesen, wie das Herves in Frankreich, im Deutschen Reiche icht zu duldmr gesonnen ist. Ein Land von 60 Millionen «tcnschen, wie das Deutsche Reich, kann es nicht dulden, aß fanatische Schwärmer in ihrem törichten Wahne unterer kritiklosen Masse dafür agitieren, das Reich wehrlos zu rachen, damit es, wie ehedem, ein Spielball sremder Mächte -erde. Um uns unsere Freiheit und Unabhängigkeit in der Welt u erhalten, bedürfen wir des militärischen Schutzes, und _> ist daher sehr natürlich, daß unsere Heeresleitung unab- rssig darauf bedacht ist, die Berteidigungsmittel des Landes u vermehren. Eine hervorragende Rolle in einem Zu- unftst'riege wird ohne Zweifel das Kriegslustschifs spielen, nd dämm bringt man in den militärischen Kreisen der inzelnen Länder den neuen überraschenden Er- olgen der Lu f t s ch i f f a hrt ein ganz besonderes Jn- eresse entgegen. Frankreich ist in der Luftschisfahrt, ebenso ne seinerzeit mit der Einführung von Kriegsautomobtlen .nd Unterseebooten allen anderen Ländern vorangegangen. Üs hat jetzt jchon eine ganze Anzahl von Kriegsluftschifsen h Bau gegeben. Im Deutschen Reiche ist man hierin eiust- 'eilen ebenso wie mit dem Bau ton Unterseebooten etwas angjamer, aber mau hat hier in der Luftschiffahrt doch chon Resultate erzielt, die den der Franzosen keineswegs rachsteheiu Welchem von den heutigen Systemen des Luft- chifsbaueS der Vorrang gebül-rt, ist wohl noch nicht ent- chreden. Dazu bedarf es doch noch längerer Versuche.^ Bei inigen weiteren Verbesserungen wird das Zeppelinsche starre Zustschiff vielleicht das beste lenkbare Lustschiff darstellen, ibgleich es nicht transportabel ist, wie die anderen deutsckwn nti) französischen Luftschiffe. Der große Aktionsradius des Zeppelinscheu Luftschiffes sichert ihm aber schließlich viel- eicht doch das UebercMvicht. Die Engländer haben dieser Vage mit ihrem stolzen Luftschiff Nulli secundus bemerkens- oerter Wei,e recht kläglich Fiasko gemacht.__________________ Are Dreiyunderijayrseier des Kießener Kymnasiums. ll. Der Festakt. Der Aufführung der Antigone folgte am Samstag vormittag 10 Uhr ein akademischer Festakt, der ebenfalls in der neuen Universitätsaula stattfand. Sie hatte zu der Feier festlichen Pflanzenschmuck erhalten, ihr schönster Schmuck aber waren die jugendfrischen Gestalten der Schüler, die, soweit sie dem Schülerchor angehörten, auf dem Podium Platz genommen hatten, während die übrigen auf den Emporen ihre Sitze hatten. Der Saal selbst war bis zum letzten Platz besetzt von Ehrengästen, jetzigen und früheren Lehrern, von „alten Herren" der Anstalt und Angehörigen der Schüler. Als Ehrengäste waren u. a. onwefend als Vertreter des Ministeriums Geheimerat Dr. Eisenhuth, der Vorsitzende der Schulabteilung, und Geh. Oberschulrat Nodnagel, der Dezernent für die höheren Lehranstalten des Landes; von der Landesuniversität S. Magn. der Rektor, Prof. Dr. Leist, und der Prorektor Geh. Hofrat Dr. Behaghel, ferner Geheimerat Provinzialdirektor Dr. Breidert, Oberst v. Müller, Oberbürgermeister Mecum, die Direktoren der Schwesteranstalten des Landes usw. Eingeleitet wurde die einfach-würdige Feier durch den allgemeinen Gesang ,Lobe den Herrn", worauf der Senior des Lehrkörpers, Prof. D. Stamm, ein Gebet sprach, das dem Dank gegen Gott für die vergangenen drei Jahrhunderte Ausdruck gab und auch für die Zukunft Gottes Segen für im Leben der Anstalt geltend. Der bekannte Plettstenftihrer harnt Heinrich May, der Aeltere (f 1719), wie auch sem gleichnamiger Sohn (f 1732) bekleiden die Stellung ernes Pwago- enareben Die darauf wieder erstarkende Orthodoxie ist am Pada- goaium vertreten durch den Theologie-ProfeNor Hermann Benner, der von 1734—1783 Pädagogiarch war. Em hm- gebender Mitarbeiter Benners ist Franz Ra mb ach, der dm Gründung der Pädagog-Bibliothek veranlasste und auch wertvolle, Sammlungen von Nachrichten und Urkunden über die^Ge;a)ichte der Universität und des Pädagogiums cmlegte. Wahrend dev langen Amtszeit Benners scheint ein Verfall des Pädagogiums eingerreten zu sein. Eine im Januar 1769 an die Regierung eingereichte anonyme Anklageschrift führt zu langwierigen jim foruwerhandlungen, die erst 1775 zum Abschluß kommen, -vamats wurden die Schulprogramme eingeführt, ferner Reoe-Akte , der den öffentlichen Prüfungen an Ostern uns Herbst, ^ranzostw- und Deutsch sinden Aufnahme in den Lehrplan. -Vorher schon, 1669 war Geschichte und 1735 Geographäe Gegenstmid de^ Unterrichts geworden.) Trotz dieser Refornnen, blmbt dm oreguenz der Distalt eine sehr geringe: Sie beträgt m den letzten^ chain- zehnten des 18. Jahrhunderts nicht mehr als elloa 60 ecDiiler. So erfolgt schon 1803 eine neue Reform: Naturgefchichte und Physik wurden eingefül-rt. Auch zeigt sich danrals schon der Einfluß des 9ieuhiimanismus. Er findet , emen beionoer^ hervorragenden Vertreter am Pädagogium in der Perlon Golllicb Friedrich Welckers. Während des 19. Jahrhunderts wird die durch den Einfluß des Neuhumaiiismus zur Blute getaugte klassische Photologie wie an den übrigen deutschen Gymuafien, so auch an dem misrigen zur herrschenden Disziplin, Schilderung, die Karl Vogt in seinen Lebensermnerungen von dem Zustarid des Pädagogiums entworfen hat, gibt einen giiten Einblick in das inneiX Leben der Schule etwa um 1830. Ende der dreißiger Jahre erfolgt die Tremiung des Pädagogiums von der Universität. Von nun an heißt eS Grogherzogl.coes Gymnasium Der erste Gymnasialdirektor ist Eduard Geist (1838 bis 1873). Unter ihiii erhält die Anstalt eine neue Organisation durch eine Verfügung des Oberstildienrates vom April 1839. Sie zerfällt jetzt in sechs Klassen und hat einen achtjährigen Kürsus. Eine damals eingerichtete Vorschule ging 1849 wieder ein. 1844 erhält das Gymnasium, das bis dahin m einem Hnuse an der Ecke der Muen Bäue und Sounmistraße untergebracht worden war, ein neues Heim in dein jetzigen Regierungsgebäude am Landgraf Philipps-Platz. s)tach dem kurzen Direktorat von Andreas Weidner (1873—1876) erhält die Anstalt in Hermann Schiller ihren hervorragendsten Leiter (1876—1899). Eine ausführliä-e Schilderung seiner pcida- gogischen Wirksamkeit bildete den Schluß der Rede. Die formvollendete, etwa li/2ftint&ge Rede stellte an die Aufnahmefähigkeit der gespannt lauschenden Zuhörer -keine geringen Anforderungen. Sie wird, lvie wir ner-t Hochverratsprozeß Liebknecht. (Nachdruck verboten.) V. H. F. LeipzrS, 12. Oft. 1907. Der Andrang des Publikums war heute ungeheuer. Gegen V2 12 Uhr eröffnete der Präsident die Sitzung mit dem Bemerken, daß die Verhandlung nur vertagt woroen sei, um den Parteien heute noch Gelegenheit zu etwaigen Erklärungen zu geben. OberreicWanwalt Dr. Olshausen : Der Angeklagte konnte annehm-tur, daß ich nach dem gewöhnlichen Gange der Verhandlung nach seürem Schlußwort nicht in der Lage sein werde, darauf eingehen zu können, er hat es trotzdem unternommen, neben einer Reihe juristischer und politischer Ausführungen, worin er für seine Partei Propaganda zu nmchen suchte, den Kommentator Olshausen gegen den Ankläger Olshausen auszuspielen und hat damit bei einem Teile des Publikums auch einen Heiterkeitserfolg gehabt.1 Wenn er aber statt aus einer allen Auflage aus einer neuen vor gelesen hätte, würde er gefunden haben, daß ich meine damaligen Anschauungen fallen gelassen habe, nicht, weil das Reichsgerickst inzwischen ein entgegengesetzes Urteil gefällt hat, dem ich mich unterworfen hätte, solwern auf Grund eignen Studiums der Bindingschen und Köhlerschen Werke. Er hätte nicht sagen können, daß ich die Anklage gegen merne wissen- sckmfttick-e Ueberzeugung vertrete. Der Angeklagte behauptet, ich Hütte ihm Feigheit vorgewvrfen, das ist unrichtl.g. Ich habe au§* geführt, was er in verschiedenen Kapiteln, besonders aber im Schlußkapitel seiner Schrift über einen evenll. Milllürstreik sagt und darauf hinweisend gesagt, er habe sich die Maske der Gesetzlichkeit vorgebunden, und iueitei, daß er aus ehrloser Gesinnung gehandelt habe, das habe ich behauptet. Nach dem Bericht des Vonvärts mrd der Leipzigerdolkszeitung hat Liebknecht in seinem Schlußplaidoyer mir die Rlegitimation abgesprocheu, über seine Ehre auch nur zu sprechen. Ich habe nur meine Pflicht getan. Nach § 20 der Strafprvzeßordnung nmßte ich über die Person des Angeklagten sprechen. Bei der Begründung des Antrags, auf Zuchthaus zu erkennen, mußte ich auf die ehrlose Gesinnung Hinweisen. Der Angeklagte habe dann geglaubt, mit Emphase aus ncich Hinweisen zu müssen und zu sagen: Dnt sitzt der Angeklagte! Ich bin der Ankläger. Jch^ lasse mir das nicht rauben, zu erklären: Der Ar-geklagte ist Dr. Karl Liebknecht. Liebknecht: Ich hege ein gewisses Gefühl der Pietät für deu Mkläger als Jurilben, weil wir Juristen ihm viel verdanken, und aus diesem Gefühl heraus habe ich das gesagt, was ich gesagt habe. Ich habe kein Wort von dem zurückzunehmen. Wer in diesem Saale der Angeklagte ist, wül ich nicht entscheiden, aber erklären, daß ich nicht an der Stelle des Oberreichsanwalts stehen möchte. Hierauf zog sich der Gerichtshof zur Beratung zuruck. Reichsgerichtssenatspräsident Treplin werkünbete folgendes Urteil : Der Angeklagte, ist schuldig befunden worden des Hochverrats im Sinne des § 86 in Verbindung mit § 81, Abs. 2, des Strafgesetzbuches und deshalb zulVL'JahrcnFestung verurterll worden. Der Gerichtshof hat,außerdem die Unbrauchbarmachung der inkriminierten Broschüre, sowie der Formen und Platten verfügt. Dem Angeklagten sind areßerdem die Kosten des Verfahrens auferlegt. Das Gericht hat geprüft, ob etwa § 85 hier platz- greift. Dies konnte aber nicht bejaht werden. Der Gerichtshof hat geprüft, ob die Tatbestandsmertinale eventl. nach § 86 gegeben seien; diese sind vorhanden. Es muß eine vorberellende Handlung zu hochverräterischem Unternehmen vorliegen, dir letz-, teres zum Abschluß bringen soll. Eine solche Handlung liegt nach dcw Bechauptung des Angeklagten, und der Verteidiger nicht vor, sondern nur eine politische Gesinnrmg. Richtig ist, daß politische Gesinnungen micht zu bestrafen sind, es müssen erk-enn- bawe Handlungen vorliegen, Handlungen, durch die das Ziel oei> wirllicht wird, also Mittel angegeben werden, wie Geldsammlungen usw. Der Angeklagte sagte, daß nach seiner Broschüre er dm friedlichen Gang der Entwicklung gewollt habe. Dagegen war festzustellen, daß er in verschiedenen Kapiteln von dem Mrlitär- srreik gesprock-en tjat, der durch die Jugendvereine mit^ vorbereitet werden solle. Richttg ist, daß die Jugendorgaunatwnen noch kein solckzes Mittel seien, namentlich wenn sie nur Brl- dungszwecke anstreben. Hier handelt es sich um einen ^Vorschlag, der sich darstellt als Hochverrat. Das Arbeitsgebiet ist eng umschrieben. Richtig ist, daß die Vorschläge zum hochverräterischen seines Bestehens gestanden habe. Das Gymnasttun habe sich von An fern g an bemüht, die ihm jewells gestellten Ausgaben zu erfüllen unb stets den modernen Anforde-i rungen zu entsprechen gesucht, ohne die alten Bildungs-, ideale zu vernachlässigen. Mt den später entstandenen Realanstallen habe es dasselbe Endziel gemein, aber seine Kraft wurzele im klassischen Altertum, es habe den Zusammenhang der alten Kultur mit der jetzchen zu zeigen und aufrecht zu erhalten. Mögen die drei Leitsterne, die es seither gelellet haben: Altertum, Religiosität und Deutschtum, auch im 4. Jahrhundert der Anker sein, an dem es sich festlegt. Das walte Gott! Den mit Beifall aufgeuommenen Begrüßrmgsworten des Leiters der Anstalt schloß sich ein musikalischer Vortrag des von etwa 20 jugendlichen Künstlern gebildeten Schüler-Streichorchesters an, das L. vcm Beethovens Andante aus der Synrphonie Nr. 1 prächtig zu Gehör brachte. Hieran reihte sich die Festrede, in der Professor Dr. Messer über die Geschichte des Gymnasiums ftch verbreitete. Der Redner berührt zunächst die geschichtlichen Ereignisse, die zur Gründung des Pädagogiums (10. Okwber 1'605) führten und beschreibt dann eingehend Organisation uno Lehrplan der Anstalt in der ersten Zell ihres Bejt-ehens. Daran _ ichloß Ito die Schilderung der Mrrksamkeit des Professors Chriitopy Helwig (t 1617), der für das Pädagogium mehrere Lehrbücher verfaßte, die auch im übrigen protestantischen Deutschland werte Verbreitung fanden. Stark beeinflußt^ Wird er von dem bedeutenden Pädagogen Wolfgang R a t i ch r u s. Die Haupmedanren der von diesem geforderten Reformen sind: Das Auswendiglernen soll eingeschränkt werden: dem Laternunterrräst tot eine gründliche Sck)ulung in der Muttersprache vorhergehen; Mture und Sprechübungen sollen statt der GraMmattk in den Mtttel- pnnll des Unterrichtes treten. Ratichms Idee einer „Didallik , d h einer Lehrkunst auf psychologischer Grundlage, wird von Helwig in einer besonderen Scymft vertreten. Seme Wrryam- feit in Gießen bleibt jedoch oljne nachhaltigen Erfolg. Bei der Verlegung der Gießener Univerntät un ^ahre 1624 nach Marburg sollte das Pädagogium neben dem Marburger ursprünglick) bestehen Heiken. Da aber die Schülerzabl sehr herunterging, so wurde es dennoch 1629 geschlossen. Bei der Rückverlegung der Universität im Mai 1650 wird auch das Pädagogium wieder eröffnet. In der zweiten Hälfte des 17. Jähr- hirnderts läßt sich der Einfluß des großen Pädagogen Lome n ins nachwiüsen. Vicht mürder macht sich der Pietismus Die trotz aller Beichwichtigmi Fs versuche nicht leicht zu nehmende Erkrankung des greisen Kaisers FranzJosef lenkt die Blicke auf die Donaumonarchie, die bei einem eventuellen Thronwechsel einer ziemlich ungewissen Zukunft entgegengehen würde. Stehen doch auch jetzt schon die Dinge nicht zum besten, das Verhältnis zwischen den beiden Reichshälften ist überaus aespannt. Heber den Ausgleich ist zwar zwischen den Ministern eine Ueber- einstimmung erzielt worden, aber damit ist er noch keineswegs unter Dach und Fach tzebracht, vielmehr bedarf er noch der Zustimmung der Parlamente, und da ist denn mit Sicherheit zu erwarten, daß man in dem österreichischen Reichs rat dem Ausgleich den aller schärfsten Widerstand bereiten trrirb, well man der Ansicht ist, daß Oesterreich bei dieser Regelung sehr zugunsten Transleichanieus benachteiligt wird. Es dürste daher in Wien im Parlament einen schweren Sturm geben und wer weiß, ob dieser nicht ettva das Ministerium Beck hinwegweht und der Ausgleich wieder in die Brüche geht. Abgesehen von dem mißlichen Verhältnis beider Reichshälften, würde bei einem Thronwechsel möglicherweise auch der innere Frieden Cisleithaniens nicht von Dauer sein. Man sagt dem Thronfolger eine besondere Vorliebe für die Lscheck)Ln nach, seine Gemahlin geyört ja bekanntlich auch dem tschechischen Adel an, unb man schreibt ihr großen Einfluß auf ihren Gatten zu. Kein Wunder, daß namentlich in Kreisen der Deutschösterreicher eine gewisse Beklemmung herrscht, weil man befürchtet, daß dann das Deutschtum noch weiter hintan gesetzt werden würde. In den letzten Monaten hatte sich durch das Eingreifen des Kaisers, das Verhältnis zwisa-en Deutschen unb Tschechen ziemlich erträglich gestaltet, man hatte einen modus vivendi gefunden und der langersehnte Frieden schien seinen Einzug halten zu wollen. Das könnte aber leicht wieder anders werden, denn es ist tausend gegen eins zu wetten, daß bei einem Thronwechsel die Tschechen erneut mit ihren Forderungen hervortreten würden, in dem Glauben, nunmehr an das Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Aber auch für die auswärtige Politik wäre ein Throntvechsel von tiefgehender Bedeutung. Es steht ja außer Zweifel, daß die abgeschlossenen Verträge strikte innegehalten werden würden, aber fraglich ist es, ob die Herzlich kett der Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn nicht doch etwas leiden würde. Erzherzog Franz Ferdinand gilt nicht als besonderer Freund Deutschlands und auf ihn richten sich wohl die Hoffnungen gewisser Mächte, in der Erwartung, den Dreibund zersprengen zu können. Minen sind schon längst gelegt worden und man scheint den jetzigen Zeitpunll für eine Fortsetzung der heimlichen Wühlereien als ganz besonders geeignet zu halten. Ohne daß irgendwie ein ersichtlicher Grund hierfür vorhanden wäre, erklären verschiedene Blätter, daß der Wechsel auf den deutschen Botfchafterposten deshalb erfolgt sei, weil Graf Wedel eine zu milde und allzu liebenswürdige Persönllchtett gewesen sei und daß mit Herrn Tschttchfty die schärfere preußische Tonart Ujren Einzug halten würde. Das ist natürlich purer Unsinn, aber nichts ist fo dumm, als daß es nicht geglaubt würde. Herr v. Tfchirschch ist wohl ein tüchtiger Diplomat, einen besonderen Schneid hat man an ihm jedoch noch niemals wahrgenommen und die Versetzung auf den Wiener Posten ent- spricht nach allgemeinem Zugeständnis seinen ureigensten Wünschen. Es handelt sich also um eine absichtliche Entstellung, unb ebenso charakteristisch ist es, baß in einem zuweilen für offiziöse Zwecke benutzten Blatte versucht wirb, es jo barzustellen, als ob Deutschland sich gegen Oesterreich für dessen Unterstützung in Algeciras undankbar er- ' weise; die Freundschaft Deutschlands könnte sichtbarer unb : zuverlässiger fein. Die Absicht des ganzen Treibens ist ziem- ’ llch klar unb es heißt darum für uns auf der Hut zu sein, um vor unangenehmen Ueberraschimgen gesickert zu sein. herzlichen . , _ „ . . . . Gymnasium schon am 10. Oktober 1605 gegründet fei, aber mancherlei Gründe damals die Abhaltung der Jubelfeier unmöglich gemacht hätten. Mit Rüllficht auf die vor wenigen Wochen erst so glanzvoll begangene Jubelfeier der Landesuniversität habe man die Gymnasialfeier im einfachen Rahmen gehalten, damit gleichsam wieder in das Abhängigkeitsverhältnis zur Universität zurückkehrend, in dem das Gymnasium die. ersten zwei Jahr, udcrte Dann begriitzle Direktor Dr. Hensell die Gäste mit Er führte u. a. aus, daß zwar das flbcr abschlägig beschieden worden. um Namen mit Stolz tragen werde. I..'d— iym ~ S- K. H. den Großherzog ausgebrachte Hoch wurde be-, geistert eingestimmt. wogen worden, daß der Angeklagte nicht aus ehr l o se r G c - genommen worden fei? srnnung, sondern aus politischer Ueberzeugnna *" ‘ x.C ^or71^e deshalb, wie geschehen, erkannt und der Antrag aus Verhaftung abgelehnt worden. z~ , — x- < •- . UULt- uuu-/' -Jiivuncui ?yrii.ncrr ü. Seckendorf habe ihm mttgeteilt, der Verteidiger habe die Presse , - • r--, — "vMVtUt. Mein Antrag, den Frei- zffr-n_D- ^eckendorft als Zeugen zu laden, wurde abgelehnt. ' OberbürgeiTmeister Mecum betonte in seiner namens der Stadt dargebrachten Glückwunschansprache, w-ie sehr oie Stadt Gießen Ursache habe, sich des Besitzes des Gymnasiums zu freuen und ihm dankbar zu sein. Neben den spater entstandenen realistischen Lehranstalten werde r£5., Wrnrnft«*11 als Vernrittlungsstelle humanistischen Geiste^ stets ferne Bedeutung behalten und im edlen Wettbewerb mit den Schwesteranstaltcn auch fernerhin gutes für Stadt und Land leisten. Als Vertreter der arrderen hiesigen höheren Lehranstalten (höhere und erweiterte Mädchenschule, Realgymnasium und Oberrealschule) gratulierte Geh. Schulrat Direktor Dr ^eUI^,«/I5.®ertr£tei:. ber hessischen Schwesteranstalten ^^^tor des Ludwig Georg-Gymnasiums in Darrn- stadt. Geh. Schulrat Dr. Mangold, als 'Vertreter dcr ^berrealschule Worms Oberlehrer Dr. Kraft von Worms s svrf- ,^er^:eteT der oberhessischen Realschulen Butzbach und AlSfeld Direktor Dr. P i tz von Alsfeld. Auch diesen Rednern dankte Direktor Dr. Hensell mit herzlichen Worten, worauf mit dem allgemeinen Gesang von „Mrn danket alle Gott" die erhebende Feier schloß. III. schule"zu Bermersheim. Mit der Stelle ist Oraann^ dienst verbunden. 3 ** Bei der Landesversicherungsan st ^r o ß h e r z o g t u m Hessen sind Jm September [ J Ztg." 187 Rentengesu.«hc (169 Invaliden und Krankenrcntenantrage, sowie 18 Ältersrentcnant^ eingegangen. Unerledigt Warden in den genannten to-T übernommen 330 Rentengesirche, jo daß 517 öefu*T® Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung. 217 h< Rentenbewilligung (188 Invaliden-, 10 Kranken- und - Altersrentengesuche); 41 Invalidenrenten durch Ablebnu." Werl unbegründet, 16 durch andere Weise — Zurücknab^ usw. — (10 Invaliden- und G Altersrentengesucke^ lammen 274, so daß 243 Gesuche als unerledigt auf u M^>nat Oktober überiwrnmen werden mußten. Ferner wi> den im Monat September l. I. 232 Anträge auf ^CLt Ty* erstattung gestellt, und zwar 195 infolge Heirat weiblich Verjicherter, 34 infolge Todes versicherter Personen un? 3 wegen Bezugs von Unsallrente. Unerledigt wurden in d genannten Monat übernommen 98 Erstatlungsanträge i daß zu bearbeiten waren 330 Gesuche. Bewilligt toutiJp 233 Anträge (198 H., 34 T. und 1 U.), abgelehnt wurd^ 22 Anträge (12 H., 9 T. und 1 U.). Auf andere Art er. ledigt wurde 1 T.'-Erstattungsanspruch. Unerledigt b^eber /4 Erstattungsanträge, die auf den Monat Oktober über nommen wurden. Frankfurt a. M., 12. Okt. Vom 4. bis 7. Tezcmbe- wird die Geier des 25jährigen Bestehens der Lolo mal-Ge scllschaft im Anschluß an seine VorstandSsitzmw und Hauptversammlung unter Leitung seines Präsidenten, de- Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg hier staltsindkn Die^ Verhandlungen werden am 5. 'und 6. Dezember pcoBcn Saale des Zoologischen Garten abgehaltcn, die Jub- laumssciec im Hippodrom. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 11. Oft. Ginc Uuverbesierli6,'e. Sl». Unredlichkeiten zeigt die 19jähriae ~icn|iinngb Ehr. B. von Schröck bei Marburg. Sie fleht h» ieit§ gtim sechstenMal ivegen Diebstahls und Betrugs vor CSevtcb- M' Februar von der hiesigen Strafkammer iveaeH und Betrugs im Ruckfalle zu 5 Atonalen GefänZ- nn k snL\U0VÖC,Iu.lUrr' crl)lelt f‘c 'N ^iarburg cme Zufiitzstrale von j -Wochen. Als sie aus der Strafanstalt entlassen war, «b ft?rf^tnC(D-lC rßfC die Mitleid mit ihr hatte, eine Schla?. infin* r^le• n j 11 ac() einer Dienststelle um und erhielt eine lolche bei eniem Jri eur, wo sie sich das Mietgeld mit 2 Alk. uuo h?1Csl ,«^^uß m gleicher Höhe geben ließ. Als sie ihre Effekte- bei der Vermieterin zuiammenpackle, nahm sie v e r s c h e n l lick ^„Aacke und euren Rock mit, auch ein Paar Ohrringe, die sie ve!^ Lih t ücf stahl sie aus einem in einem Zimmer Hangenden Rock. Sie versvurte jedoch Diene und legte da§ Geldstück unter die ^.ecke einer Kommode und entfernte sich heimlich tn0lI M&Vr.?hL wogen Betrugs wurde abgesehen, da mcht feststanr» rav sie bei der Einpsangnahme des Geldes die Absicht hatte ni^t in den Pietist emzutreten; dagegen wurde sie ivegen Diebstahls 5";’" ZÄ.r Gefängnis verurteilt, wobei bemerkt Ä AoLJUv,l1k arllfJ()re Fugend und ihre geringe Widerstands abg!sehen^'wurde^^ UOlt ber verwirkten ZuchthauSstw e ** Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog ' haben den Hofmusiker Ludw. Kümmel zum Kammermusiker ernannt, dem Kulturinspektor der Kulturinspektion Mainz, Baurat Bruno von B o e h m er in Mainz das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß-, mutigen, dem Kulturingenieur Valentin Mcunier bei derselben Kulturinspektion das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Bürgermeister Jak. Schätzet VII. zu Guntersblum das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps bes Großmütigen verliehen. a m s t a g, d e n 1 9. d s. Mts., nachmittags 31/2 Uhr begmneno, findet eine Sitzung des P ro v i n z i a l - A u s- lchusses der Provinz Oberhesstn mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Johann Bcrn- tem zu , um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein. 2. Gesuch »-es Georg Friedrich Rühl zu Otterbach Jr1!1- Erlaubnis 5um Betrieb einer Schanüvirtschaft. 3. Gesuch des Ph'llipp Kreümg XI. zuMeseck um Erlaubnis zum Betrieb einer Gasttmrtschast. ** Lehrerpersonalien. S. K. H. der Großherzog hat den Hauptlehrer an der Landcsbaugewerkschule Emil Beutln g c r in Darmstadt auf sein Rachsuchcn auö dem Staatsdienste entlassen. Uebertragen wurde dem Lehrer Philipp Debus zu Einartshausen die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münzenberg. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindc- schule zu Hahn (Kreis Darmstadt). Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Ferner die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemcinde- Rachdem sich der langanhaltendc Beifall gelegt hatte, sang der Schülerchor, den der Gesangslehrer der Anstalt, Lehrer Keller, mit Umsicht und Eifer dirigierte, den Chor „Verleih uns Frieden gnädiglich". Der weihevolle Gesang war verklungen, der ^Vertreter des Ministeriums, Geheimerat Dr. Eisenhuth, trat vor den Rednerpult, um sich zunächst eines Allerhöchsteii Auftrags S. K. H. des Großherzogs zu entledigen. Der Landesherr ließ der Anstalt seine wärmsten Glücklvünsche entbieten. Es sei, so führte der Redner aus, bekannt, ein mic tiefes und warmes Interesse Großherzog Ernst Ludwig den Fragen der Bildung, des Unterrichts und der Erziehung entgegenbringe. Dies beweise, daß er allezeit bemüht sei, mit weitem und sicherem Blick allen neuen Fragen auf diesen Gebieten entgegenzukvmmen und berechtigten Forderungen den Weg zu bahnen. Den ihm gewordenen Auftrag hier aussprechen zu können, betrachte er als eine hohe Auszeichnung und eirten Beweis des gnädigen Wohlwollens, dav der Landesherr der Arbeit der Schule entgegenbringe. Auch im Namen der Staatsregierung sprach Geheimerat Dr. Eisenhuth warme Glückwünsche aus, zugleich das Z-ern- bleiben des Ministers des Innern entschuldigend, der zu seinem Bedauern durch frühere übernommene Verpflichtungen verhindert sei, der bemerkenswerten Feier beizuwohnen. Schließlich gab der Redner von einer Allerhöchsten Entschließung S. K. H. des Großherzogs Kenntnis. ^>ii Anerkennung der dreihundertfährigen erfolgreichen Arbeit der Anstalt und zugleich zum ehrenden Gedächtnis ihres Slijterv, seines erlauchten Ahnherrn Landgraf Ludwig des Getreuen, verlieh der Landesherr der Anstalt den Namen Ludwig-Gymnasium". Mit seinem Gluckwunsch zu dieser Ehrung verband Geheimerat Dr. «nfhnr»^ in bem neuen Namen ein Ansporn erblickt werde zur Pflichterfüllung in redlicher treuer Arbert für ^urst und Vaterland. (Lebhafter Beifall.) r r?5? bewegten dorten sprach bann Direktor Dr. Hen - ■ J,C 11 herzlichen Dank für die der Anstalt gewordene hohe i Uuszeichuung aus, indem er betonte, dass sie ihren neuen Die verbotene Gänseweide. von Leihgestern erhielt eine Straf, befehl aber eme Mark, weil seine drei Gänse an einer verbotene ^ ^,^'ve,ldet haben Er erhob Widerspruch und brachte vor, imb1 h5, bca ^Anzeige erhoben habe, sei mit ihm verfeinde: ttjn aus Rache angezeigt. Schon am Feldgericht mußte ?nC sV.!! s ^"^bsetzt und em weiterer Termin anberaumt werden, hinrh ö sCUr ^hüeklagte Beweise für die unrichtige Anzeige oor- 2 f' öo'h diese genügten nicht, sodaß sein Einspruch verworfen " Lustanzen, so erschien er auch beim rusimgSgericht unter Assiitenz eines Verteidigers mit Zeugen, welche ?"öctge bestätigen sollten. Das Gericht batte ??? kemeti Anlaß den beeidigten Aussagen des Feld- schützen zu mißtrauen, zumal die Richtigkeit seiner 'Angaben durch andere Alomente unterstützt wurde. Das Urteil mußte oevbnlb, unter Belastung des Angeklagten mit sämtlichen Ko'ien v e st a l i g t werden. ^on 'h'" Angehörigen der Anstalt -rschiencn. Die Reihc dcr **"' 'st??rf^rungcn wuroe durch die russischen Lieder von Glinka (,ur Altgeige, Violine und Klavier- eröffnet, die von Refc- , rendar Levy, dem Oberprimaner Schaaf und Obcrsekun- = yaner 4 ° benicht dem intimen Charakter der Stücke ent- sprechend seinfühlig vorgetragen ivurden. Mit sympathischer ; ^nnime trug sodann Referendar Fink ein Lied aus dem ^.annhauier vor. Mit seltsamer Verwandlung trat diesmal xaws Tochter, Jsmene (§crr Siebeck 01) aus, die mit großer ^irtiwUtat ihre Pfcisc rauchte und dazu ihr Couplet fang. I^^.icri9c Röverie von Bieuxtemps für Violine trnq Pratorrus (01) mit großem Geschick und feinem Ve^ t)or. Em reizvolles Schauspiel bot darauf der unter Wertung des Oberlehrers Bern deck mrsgesührte Reigen der Quarta. Es war ein Genuß, zu schert, wie die schlanken Knab^gestalten tn weißer Tracht und bunten Schärpen und ^-ahnchen auf der grünen Wiese eingeschlossen von den Zu- Zuschauern, ihre geschmeidigen Bewegungen ausführten. Sodann trat eine Turnerschar aus Schülern der Serta bis Ebertertta zusammengesetzt an. Hebungen von steigender Schwrerrgkett wurden unter der Leitung des Refe- rendars Hessinger exakt am Barren ausgeführt. Ein lustige^ Jntertnezzo bot dann ein Pferd, das im Gegensatz $um ttugett Hans, sich den menschlichen Einwirkungen hart- naHig widersetzte, bis es endlich unter Beihilfe militärischer Macht bezwungen wurde unb nun die graziösesten Wenden, Hocken und Wolfssprünge über sich ergehen lassen mußte, ^^./^i-bösjohre" von Geibel, die darauf mit drastischem ^Harden spiel von dem Untersekundaner Herber deklamiert wurden entfesselten Stürme der Heiterkeit. Großen Beifall sand die in der nun eintretenden Pause von Herrn Schaaf (01) mit Sicherheit und Empfinden vorgetragene Romanze von Beethoven (J-Dur). Die Klavier- begleltung hatte Habenicht (0II) übernommen. Der um 3 uvr einsetzende Tanz Keigte, daß, wenn auch im 20. Jahrhundert an unserem Gymnasium Tanzstunden weder fakultativ noch obligatorisch in dem Lehrplan vertreten sind, dennoch diese edle Kunst von den Landgraf Ludwig-Gymnasiasten wohlgepflegt wird. Der noch auf tretende Bürger- meister von Meiches (Wetter 0 I) fand nicht weniger Beifall als die bald darauffolgende komische Steile „Der geprellte Dorspolizist" (Wetter 0 I, Pfeffer 0 I). Als der Tanz dann nach 1 Uhr sein Ende fand, trat man allerseits befriedigt den Heimweg an, und den Festteilnehmern werden die hier verlebten Stunden eine stete freudige Erinnerung fein. Das Fest ans der Liebigshöhe. Einen stimmungsvollen Abschluß sand das Fest durch die gemeinsame Unterhaltung auf der Liebigshöhe die unter ^ug des Oberlehrers Fuchs stand Recht zahlreich waren denn auch die Eltern der Schüler, sowie dil h^r I uui^iuh.« vtiuncvcn rwrucn. Verfassung bcabfi^ticjt. Es ist nicht uotmendia fefauptet aber auch, der Redakteur Freiherr derung der ganzen Verfassuna bcnbiirfi; rit 4» -ü' cn' | D- Eeckendorfs habe ihm mtigctciÜ, brr Berteidm?,- knfcp Si<* nur ein Teil d5r-^rfassun^ gZnLt zugunsten Haus mit Artikeln versorgt- ,'Recht des Kaisers, wie es sich ^arsiellk in 2L ^^^dorft^ils Zeugen ,u laden, wurde abgelehnt. Diese «ls oberster Kriegsherr Krieg und Mieden w -brevaußernng des Staatsanwalts noch vor Beginn der Haupt- gestaltet..n^oen soll, so hegt Efe die Geschworenen nicht °hn?Ein- fasiungsanderung. Daß diese Kenberuna beTsäfcrifmia mir ^n Karlsruher Rechtsanwalt sagte mir am Abend gewaltsam vorgenommen werden kann, ist die logische un/lnsto- 2hre Bemühungen, den An- 7'^ ^.^cllung, wie sie in dem inkriminierten Bilche enll/I'terr EnUasteu, sind vergeblich. Tie Geschworenen haben L ist richtig, daß der Angeklagw ni$t mit dem S^ia?istc^ Zulammenkunst gehabt, m der sie der Ansicht Ausdruck gaben, Herve zu identifizieren ist, er weicht aber nur wenig von seinmn Preßaußerung des Staatsanwalts maßgebend sei. Ter Standpunkt ab. Gr steht auf dem Standpunkt der bBaillantichen alsdann die^ Verlesung der ausländischen Prolo- Relolutwn, die auf dem Parteitag in Rancy "gefaßt worden u"t J*”, ^^Flicheii Bestimmungen nicht enlsproä>en haben, wonach ber Wtlit&jfteif in cinzclncn Fällen anzuwenücn ist. T-w ®nal<:nb ganachic Zcugcnaussagcn Beriefen Angeklagte hat sich, wie auch der Zeuge Bebel sagte, seit Zalnen die Zeugen nachcnglvcycm undniwt nach deutschem in bewußtem- Gegensatz zu den Führern der Partei (Bebel und Ball- S Derabigt worden leien. Er rügte ferner, daß von Frau 5)au ntar) I^runbeii. Der Angeklagte hat auch ccftärt, daß die Gtuti= Ak verle? en wurden, obwohl letztere, wenn sie sich nicht ertrankt, garter Resoluten in Sachen des Militarismus der Partei einen '°‘T^>ern 3cugin erschienen wäre, ihr Zeugnis hätte ver- lrasllgen e-toß nach vorwärts gegeben hat. Der Anoeklaat ' I -ter Staatsanwalt habe außerdem hinter dem spricht m seinem Buche über R>eich, Kvlonialpolitik, Weltvolitik Erhebungen über die Vermögensoerhalt- und kommt zu dem Schluß, daß es geboten fei, ben " ----- mit Strmik und ^hel auszurotten. Bei der Strafzumessung ist er- nehmen, im nächsten Gymnasialprogramm erscheinen, so daß ihr wertvoller, auf gründlichem Quellenstudium beruhender Inhalt der Allgemeinheit zugängig gemacht werden wird. nisic der Familie Müller angestellt. Endlich rügt der Verteidiger, daß der Zeuge Lenk ivegen Zeugnisverweigerung nicht in Zwangs- genommen worden sei. Tie Frage des Präsidenten, ob er die Jiuge wegen Schlafens eines Geschworenen aufrecht erhalte, verneint der Verteidiger. -ter R ei chs anwalt bezeichrret alle Rügen als gegen- _ . ---------- 1. a , Antrag auf Zwangshaft des Zeugm Lenk Ter Mordprozeß ynu vor dem Neichsqericht r1 Flt diecht abgelehnt worden, da der Angeklagte das, was (Unbereajtißtcr R'äw'u ' verboten.) * I «aussagen sollte, selbst hätte sagen können. LI. ^.Leipzig, 12 Oktober r ■ ^^tatsanwalt der Presse zugesandte Berichtigung Ein zahlreiches Publikum drängt heute nach dem Meinen n geschehen. Ter Staatsanivalt sei berechtigt 'Slitzungssaale des 1. Strafsenats des Reichsgerichts vor bem Sr^!Cn,r ^v^ungen über die Vermögensverhältnisse der Familie heute das Trama Hau-Molitor in der Revisionsinstauz wc Verlesung der Briefe von Frau Hau Verhandlung kommt. ' Sur Ijübe der Verteidiger zum Teil selbst beantragt. Wegen der Unter* Ten Vorsitz führt Reichsgerichtssenatspräsident Dr Mcnae I-^n9 Vorsitzenden mit dem Angeklagten hätte der Verne Reichsanwaltschaft vertritt Reichsanwalt Freiherr Eocrtz von i*n Vorsitzenden wegen Besorgnis der Befangenheit ab- Rabenstein. Rechtsanwalt Dr. Dietz-Karlsruhe ist erschienen um A ^abe er aber nicht getan. Die Verhandlung bie von ihm schriftlich eingereichte Revision mündlich zu begründen a- ann allerdings ausgesetzt werden müssen; das wäre jedoch Senatspräsident Dr. Menge eröffnet die Sitzung mit folgenden •t 10 ^ntraubend getnefen, als wenn die Verhandlung noch Worten: Die vom Verteidiger eiugereichte Revisionsschrist zerfällt aut genommen werden soll. Er beantrage also die IN,zwei Teile. Ter eure Teil befchüstigt sich mit Vorgängen die ^brwcrsung de r Revision. austerhalb der Verhandlung liegen. Sie hat augenscheinlich zum - - k ^0ruhende ^ilt darnach mit, daß die Ur teilsver- Zweck, die Einlegung der Revision zu rechtfertigen. Daß es einer Rundung Dienstag mittags 1 Uhr statlfindcn werde, solchen Rechtfertigung nicht bedarf, wird dem Verteidiger bekannt -----—------------ -------?—----------- —. fein. Wenn aber diese Rechtfertigung den Zweck haben sollte, nach AttS StaSt Utt- ttaub. außen zu wirken, so muß ich bemerken, daß ich em etwaiges Ein- (Vl.. 1on_ gehen hierauf nicht zulapen werde. I Giesten, 14. Okt. 1907. Ter Referent, Reichsgerichtsrat v. P ela ryu s, tragt als- 7* V0 nt Gr 0 ß h e r z. Ho f. II. KK. SH. der Gr 0 ß- u>ann den S achve r h alt vor. Bekanntlich ist Han am 22. Juli Herzog und die G r 0 ß h e r z 0 g i n kehrten n. d. Darrnst. Ä B°nn±-3 Arnheim zurück. Ter des 6. November 1906 auf ber Promenade in Baden-Baden zum <^rD6^Iö°9 "ahm tnT Nesidenzschlost dte Vorträge ent- Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ^gen, während sich die Großherzogin direkt nach Jagd-, verurteilt worden. schloß Wolfsgarten begab. o^.^Fhtsanwalt Dr Dietz begründet die falsche Fragestellung. Laut Nelchsgerichtsentscheidung batte nur eine Schuldfrage in sol- Weise gestellt werden dürfen: Ist der Angeklagte schuldig, oie .Nedizinalratin Molitor vorsätzlich und mit Überlegung getötet ru haben? Tie Geschworenen hätten antworten können- Ja, aber es nicht erwiesen, daß der Angeklagte die Tötung mit Ueberlegung auvgefuhrt hat. Die Schuldfrage ist znm Nachteil des Angeklagten gestellt worden. Am Abend des 4. Verhandlungstages machte der Angeklagte em Geständnis, indem er angab, weshalb er nach Baden-Baden zurückgekommen sei. Am Morgen des 5. Ver- hairdlungstages sagte mir der Angeklagte vor Beginn der Verhandlung: ^er Vorsitzende hat ihm auf seinen Wunsch eine Unterredung gewährt, die mit der Sache selbst nichts zu tun habe. Tie Unterredung hat fast eine Stunde gedauert. Ich habe alsdann Titel)!'ere Anträge gestellt, um das Geständnis des Angeklagten zu veweisen. Tie Anträge wurden aber abgelehnt, da der Angeklagte sie für gegenstandslos erklärte. Tas Ergebnis war, daß die Geschworenen die Schuldfrage bejahten. Nach der Verhandlung habe ich mit dem Angeklagten darüber gesprochen. Letzterer bemerkte- Diese Beweiserhebung haben wir Ihnen allerdings vereitelt. Wenn auch der Angeklagte und vielleicht auch die Verteidigung sich darüber nicyt behagen können, so ist doch zweifellos die Walwheit verletzt worden. Es wäre doch möglich gewesen, daß nach Erhebung der angebotenen Beweise der Wahrspruch der Geschworenen ein anderer gewesen wäre. Es ist ferner zu rügen, daß der amtierende Staatsanwalt vor Beginn der Sitzung der Presse eine Berichtigung zugehen ließ, indem der Staatsanwalt ausdrücklich erklärte: Der Angeklagte stellt seine Schuld nicht in Abrede. Als ich dies in öslenUicher Sitzung rügte, sagte der Staatsanwalt: Er sei zu der Berichtigung genötigt geivesen, da ein falscher Vorbericht in ^Ostungen gestanden habe, der augenscheinlich vom Verteidiger beeinflußt worden sei. Zufällig war der betreffende Berichterstatter Journalist Schweder aus Berlin, im Saale anwesend. Dieser wurde -a.uf meinem Antrag sofort als Zeuge vernommen. Er - erklärte unter seinem Eide: Ich habe wohl den Herrn Verteidiger । kß tui enf N der W in{ ui Bei vir $ nie iiii N Li bi ibe lei Ci i| er chi bei lßh be> kei Echattspielhauö. Dienstag den 15. Cttobev *): „Vater und Sohu. TOOcb den 16. Oktober: „Die Rabensteinerin." Donnerstag den 17. Oktober: „Vater und Sohn." Freitag den 18. Oktober: „Salome/ £)terau<: „Iohannisielter." Samstag den 19. Oktober: 9leu cm* studiert: „Esther." Drama in 2 Litten von Franz Grillparzer. Fragment. Hieraus: Neu cinfhibiert: „Der Misanthrop." Schauspiel in 5 Akten von Möllere. Sonntag den 20. Oktbr., nachmittags halb 4 Uhr: „Der Dieb." Abends 7 Uhr: „Ein Wintermärchen." Montag den 12. Oktober: „Esther." Hieraus: „Der Misanthrop." Dienstag den 22. Oktober: „Baccarat." ) Aniang, wenn nicht ander« bemerkt, abends ttm 7 Uhr. Handel des 3X6/( III 3% Portugiesen 87.00 95.30 Princc-Heuri-Eisenbahu . 204.50 223.90 29.00 141.90 . 141.20 -Kindermehl 2910 140.80 127.00 3^°/0 3% 3^7o 3^7» Berliner Handelsges. Darmstädter Bank. . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . • . Gotthard bahn . . . Lombard. Eisenbahn Gestern Staatsbahn . Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amcrik. PaketZ. Harrencr Bergwerk. . . Laurahütte...... Nordd. Lloyd..... Obeischles. Eisen-Industrie . 156.50 . 129.50 . 230.60 . 139.50 . 173.90 . 143.40 . 199.50 Reichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen Oberhessen Türkenlose ..... 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner « , « 4y^°/0 Chinesen . . < Aktien: Bochum Guss .... Buderus E. W . . . Tendenz: schwächer. 4^°/0 russ.'Staatsanl. 1905 4^°/0 japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 4% Öesterr. Goldrente 4xI6% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . 396 Portugiesen Serie I Bestbewährte gesunde und magen- darmkranke Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Teiefomsche BCtirslbe^schte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse, 14. Oktober, 1.15 Uhr. 94.20 84.75 94.55 84.85 92.80 92.50 98.10 98.20 93 00 101.30 64.30 65 60 92 50 90.40 92.70 Berliner Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: still. ISörso, 14. Oktober. Anfangskurse. 122.00 107 50 213.90 198.00 129.30 203.25 224.80 114.10 103.00 perrnsschtes. * Ein Mann, der seine Großmutter heiratet. Aus N e w y o r? wird uns berichtet: Thomas Hugh Allison auS Manlius, Newyork, hat etwas fertig gebracht, vas bisher wenig Sterblichen gelungen ist: er hat seine .Großmutter geheiratet. Dies Ereignis dürfte so ziemlich >er Gipfel von dem sein, was je auf der Jagd nach einer Erbschaft oder Mitgift geleistet worden ist. Der Bräutigam seiner Großmutter ist ein geschäftstüchtiger junger Herr, der nebenbei auch große Vorliebe für Sport hat. BiS vor sieben Jahren galten er und seine Schwester als die künftigen Universalerben des großen Vermögens ihres Großvaters Dr. Buffum aus Rochester. Dr. Buffum hatte Frau und blinder überlebt, und mancherlei Streitigkeiten entfremdeten U)N jetzt seinen Enkelkindern. Als Miß Allison wider seinen Willen einen Friseur heiratete, enterbte er sie und mit seinem Enkel brach er, weil Thomas Allison sich Rennpferde hielt. Empört über diesen Leichtsinn seines Enkels, uflärte er seine Absicht, noch einmal zu heiraten, um auf diesem Wege den Enkel um die Erbschaft zu bringen. Mr. Allison aber war nicht gesonnen, das schöne Gelb zu verlieren, und er entwarf einen raffinierten Feldzugsplan, um ven Alten zu überlisten: seine 0>eliebte sollte den Großvater heiraten! Das wohl nicht minder geschäftskluge Mädchen lernte den alten Herrn kennen, sie war wohl auch sehr lieb zu ihm und schließlich, im Jahre 1900, nahm der Achtzigjährige das junge Mädchen zur Frau. Vor einem Jahre'nun ist Dr. Buffum gestorben und seine junge Frau ward Universalerbin. „Dann," so erzählte Mr. Allison lächelnd, „wartete die junge Dame, die ich „Großmutter" nannte, die übliche Zett, und nun haben wir uns geheiratet. Meine Frau bestand übrigens darauf, daß die Hälfte der Erbschaft meiner Schwester abgetreten würde; und sjo ist es auch geschehen." Kleine Tageschrouik. Ein schwerer Au torno b ilun fall hat sich in Berlin zngerragen. Du Hausdame Meta Reinicke, die bei.einer Regie- nmgSrätin unbestellt ist, wurde von einem Geschäftsautomvbil überfahren. Sie zog sich eine schwere Gehirnerschütterung unb wurde besinnungslos in das Krankenhaus Moabit eingeliefert, wo sie starb. Ein in Eilenburg wegen Bettelns verhafteter Landstreicher ist verdächtig, den Eisenbahnfrevel bei^-trauß- L ci g verübt zu haben. Er ist ein 21 jähriger Mann namens Beäer. Er ist wiederholt wegen Diebstahls und Landstreicherei vorbestraft; er hat auch schon einige Zeit in einem Jrrenhause zugebracht. Ein neuer Bahnstr eve l ist bei Bocholt verübt worden. Auf bei Strecte Borgen—Bocholt wurden Eisenstücke und ein eiserner Bolzen in die Schienenstoßstücke eingeklemmt. Die Maschine räumte jedoch das Hindernis fort. Für die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt. Der Kontrakt, welcher Toselli zu einer neuen Konzertreise crr,yV."a7:~1 -^7—- —vi TTr"’.^j-bw» fvühereil Reichstags-Abgeordneten für Offendach - Diebnrg, B e ck er°Sprendlingen gegen den Redakteur Klug des sozial- eiiuKratischen „Offenbacher Abendblattes"., Das Blatt hatte in )t'vicl)icbcnen Artikeln dem Dr. Becker den"Vorwurf gemacht, er ,attc die Attentatsversuche, die anläßlich der ReichStagSwablen im Uini 1903 gegen ihn unternommen wurden, erdichtet und erfunden. ?unb Zeugenaussagen wurde jedoch festgestellt, daß die 9ltientat5- 'ciincue tatsächlich erfolgt sind. Klug wurde zu 4 0 0 Mark c i d st r a f e, event 1 Monat Gefängnis, und zur Tragung aller lüften verurteilt. Braunschweig, 11. Okt. Wegen Herausforderung zum Iwcikamvfc und wegen Kartelltragens hatten sich der Rechts- mwalt Kurt Dahn und der Zahnarzt Robert Schulze aus -chöningen vor der Zweiten Strafkammer zu verantworten. Es handelte sich um eine Forderung, die der Zahnarzt Schulze ui Auftrage des Rechtsanwalts Dahn dem Landwirt Blum in delmstedt, der Reserveoffizier ist, zu überbringen hatte, mit dem [jn in Differenzen geraten war. Dahn wurde zu 10 Tagen und Schulze zu 2 Tagen Festungshaft verurteilt. Kaiserslautern, 11. Okt. Das Schwurgericht in Zweibrücken sprach heute nach viertägiger Verhandlung in wm Landsriebensbrnchprozeß das Urteil. Angeflagt sind 18 Arbeiter, am Himmelsahrtstage anläßlich der Streikkra- oalle 'ne Zimm ermann sche Leimfabrik in Ludwigshafen wrstört zu haben. Von diesen wurden 17 verurteilt und ein jugend- icher Arbeiter sreigesprochen. Der Haupträdelsführer Odenbach Uiiclt ein Jahr sechs Monate Zuchhtaus und Meckel ein Jahr Zuchthaus. Die übrigen Angeklagten wurden zu Gefängnis- strascu von einem Jahr drei Monaten bis zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Trier, 12. Okt. Tas Kriegsgericht verurteilte ?inen Oberleutnant vom Infanterie-Regiment Rr. 69 wegen Z o l d a t en m i ßch an d l u n g zu vier Wochen Stubenarrest. Darmstädter Möbelfabrik Darmstadt, Heidelbergerstr. 129 " Kaust Schreinerei ------ - Werkstätte für Wohnungs-Einrichtungen jeden Stils. Grösste, existierende, stets wechselnde Sonderaaisstelänng von ca. KOO mustergültigen Wohnräumen in .jeder Preislage. T^r Man verlange Preisliste mit Abbildungen. *53 b1s/8 Klrd?tid)c nad?rid>teiie Evangelische Gemeinde. Mo>Uag den 14. Oktober, abends 8 Ubr, im Lukassaale: 93 i b e I ft n n b e"stwri assiskeiit Becke r. . . 158.50 . . 129.40 . . 230.75 Nlesnes Lenrlleton. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Endlich beginnt die für Frankfurts Zukunft als Kunststadt so ungemein wichtige Angelegenheit der Städtischen Galerie vom Flecke zu rücken, nachdem schon viele Skep-, tiker daran gezweifelt hatten, daß sie jemals ihr Ziel erreichen würde. Bor etwa 2i/4 Jahren war die Stadt durch eine große Millionenstiftung des am 4. Juli 1905 verstorbenen Frankfurter Mäzens L. Jos. P f u n g st in den Besitz eines großen Kapitals gekommen, das laut Testament zur Gründung und zum Ausbau einer modernen städtischen Galerie (für Gemälde und Skulpturen) verwendet werden sollte. Unabhängig von dieser Stiftung bestand schon vorher der Plan der Sammlung der städtischen Kunst- schätze in einem eigenen Museum. Durch die Stiftung ließ sich dieser Plan in ganz unerwartet großartiger Weise verwirklichen. Aber es traten, ehe man an die „wirkliche Verwirklichung" gehen konnte, noch eine ganze Reihe von Schwierigkeiten auf. Diese scheinen nun jetzt so ziemlich beseitigt. Bor allem ist endlich die landesherrliche Genehmigung der Stiftung eingetroffen, und alsbald hat der Magistrat den Stadtverordneten die Regulative vorlegen können, die die verwaltungstechnische Basis zur Begründung der Städtischen Galerie geben. Die Pläne für den Neubau, der auf dem Grundstück des Städelschen Instituts und als Ergänzung dieses hauptsächlich der alten Kunst gewidmeten Museums erstehen soll, sind bereits vollendet, und es wird nun wohl in absehbarer Zeit mit dem Bau der neuen Galerie, die auch der Plastik, dem Stiefkind unseres Museums, und der Kunstwissenschaft besondere Aufmerksamkeit widmen soll, begonnen werden können. Wenn dann erst einmal die städtische Festhalle fertig sein und ein würdiges Lokal für große Kunstausstellungen geschaffen sein wird, dann wird unsere Stadt vielleicht noch einmal in den Reihen der deutschen Kunststädte einen Ehrenplatz ein- nehmen. Dr. G. Z. — Tas Leben für die Wissenschaft. Eme bekannte Ehicagoer Dame, Mrs. Harriet Murtyn, hat sich erboten, ihr Leben für die Wissenschaft zu opfern, freilich in der Hoffnung, daß die Wissenschaft ihr das Leben wieder- . 14260 . 47.50 . 85 00 durch Ameri'w verpflichten sollte, ist im letzten Augenblick zu- vückgezvgen worden, da seine künstlerischen Leistungen zu inferior sind, um einen "öffentlichen "Erfolg' erzielen zu können. Der Lehrer Szabo, welcher eine Tour in das Totengebirge untenwmmen batte, ist in der Prielgruppe abgestürzt und tot ausgefunden wotden. In London stieg am 12. Oktober das Luftschiff „Mammut", gegenwärtig das größte der Welt, vom Krystallpalast mit der Absicht auf, den Rekord für weite Fahrt zu schlagen. Die Lustschiffer hoffen, bis nach Rußland zu gelangen. Aufsehen erregt in Petersburg die Verhaftung des Lehrers der französischen Sprache Duloup wegen Vergewaltigung eines 10 jährigen Mädchens, das er ausgenommen hatte, um einen Hund zu beaufsichtigen, den er gar nicht besaß. Duloup lockte seit Jahren systematisch Heilte. WiWn zur Beaufsichtigung seines Hundes an und machte sie zu Opfern seiner Triebe. Er blieb bisher straflos, weil er jede Klage, auch die letzte, durch Geld niederschlug, bis der Oberstaatsanwalt eingriff. Duloup ist nach einer genauen Untersuchung ins 'Gefängnis i^wersührt worden. Der eugl. Dampfer „Cypresse" ist mit 22 Personen an Bord auf dem Lake Superior imtergegangen; ebenso der Bremerhaver Dreimaster Christa, dessen gesamte Besatzung von 21 Mann ertrank. Ein als Postbediensteter verkleidetes Individuum hat nachts einen nach dem Südbahnhof zu Wien fahrenden Postwagen unter falscher Vorspiegelung angehalten und den Beamten den Poftsack mit Wertbriefen abgenvmmen, mit dem er flüchtete. Börsen-Wochenbcricht. Frankfurt a. M., 11. Oktober. Trotz aller Versicherungen der Syndikate und Leiter tzroßer < Unternehmen, daß es mit der Industrie noch sehr gut bestellt sei, ’ erscheint der wirtschaftliche Horizont doch etwas um- ; flort. Die Preise der Metalle, insbesondere Kupfer »und Zinn, - gehen weiter zurück, auch auf dem Eisenmarkt läßt sich eine gewisse . Abschwächung nicht verkennen, denn für verschiedene Eisensorten . werden niedrigere Notierungen gemeldet. Der Deutsche Stahl- ' werksverband hat denn auch beschlossen, den reinen Walzwerken, - über deren Klagen wir bereits berichteten, gewisse Preiszugeständnisse bei ihrm Bezügen an Halbzeug zu machen, um diese in die Lage zu setzen, unter den jetzigen schwierigen Verhältnissen noch Angemessenen Nutzen zu erzielen. Der Weltmarkt läßt sich eben auch durch die Macht der Trusts, Syndikate und Verbände für die Tauer seine Bahnen nicht nachweisen, vielmehr müssen die Vereinigungen den Bewegungen des Weltmarktes folgen; nur auf diese Weise können sie Erschütterungen vermeiden. Ter Weltmarkt ist aber im Abflauen, wenn auch in manchen Gewerben vielleicht nur im langsamen Tempo. Gegen diese Tatsache kann man sich nicht verschließen. Wir sehen, daß auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt die Verhältnisse heute ungünstiger liegen als vor einem Jahr. Damals kamen im September auf 100 offene Stellen nur 87,9 Arbeitsuchende, jetzt sind es deren 101,1. Wenn die Börse t'rotzdem eine gewisse innere Festigkeit zeigt, so erklärt sich dies daraus, daß die Kurse schon stark zurückgegangen sind und auch ein Rückgang der industriellen Konjunktur bis zu einem gewissen Grade in dem heutigen Kursniveau eskomptiert erscheint. So kommt es, daß selbst die flauen Newyorker Börsen ohne tieferen Eindruck auf unseren Markt blieben. Tas Vorgehen der Negierung gegen die Trusts Nnd die Machenschaften, die bei dieser Gelegenheit anfgedeckt werden, 'erschüttern drüben doch in hohem Grade das Vertrauen und leisten der Baissepartei Vorschub für ihre Operationen. Immerhin wird man nicht übersehen dürfen, daß das Tecouvert, welches sich drüben versammelt, auch einmal zü einer Reaktion führen kann. Der endlich gelungene wirtschaftliche Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn kam nicht recht zur Wirkung, teilweise infolge der Krankheit des Kaisers Franz Joseph. Immerhin waren ungarifche Fonds etwas fester, auch deutsche Fonds wurden wieder besser bezahlt. Russen leicht abgeschwächt, Japaner M. Banken behauptet, M o n t a n p a p i e r e ohne nennenswerte Veränderung, nur Kaliwerke besser. Amerikanische Bahnen matter. Von anderen Jndustriepapieren wurden Elektrizitätswerken auf die neuen Chancen, die sich diesem Industriezweig eröffnen, erheblich besser bezahlt, schließlich schwächte sich der Preis dafür aber wieder ab. Alluminium verloren durch den Preisriickgang der Metalle über 30 Proz. Steglitz Photographische 13 Proz. Chemische Werte und Aktien von Maschinenfabriken meist höher. Privatdiskonto 43/4 Proz.__________________________________ Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 15. Oktober *): ^Die Entführung aus dem Serail." Mittwoch den 16. Oktober: 1. Abonnements-Konzert. Donnerstag den 17. Oktober: „Samson und Dalila." Freitag den 18. Oktober: „Der Freischütz." Samstag den 19. Oktober: „Hänsel und Gretel." Hieraus: „Der Bajazzo." Sonntag den 20. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Der BeUelstudeut." Abends 7 Uhr: „Lohengrm." Montag den 21. Oktober, abends halb 8 Uhr: „Die. lllstige Witwe." _______________ schenken wird. Sie schrieb einen Brief an Prof. George Poe, der einen künstlichen Atrnungsapparat erfunden hat, mit dem er erstickte Personen wiederbeleben zu können hofft, und bot sich ihm zu einem Experiment an. Prof. Poe mußte dieses Opfer im Dienste der Wissenschuft freilich ablehnen. „Das würde bedeuten," erklärte er, „daß wir zunächst di.e Dame absichtlich töten. Kein ernsthafter Mann der Wissenschaft wird sich zu solchem Tun hergeben. Es ist allerdings mein Wunsch, wenn ein derartiger Unglücksfall eingetreten sein wird, meinen Apparat zu erproben. Es sind bereits so viele Tiere, die 20 Minuten lang für tot gelten mußten, damit wieder zum Leben erweckt worden, daß ich nicht daran zweifle, daß der Versuch auch bei Menschen gelingen wird." — Des Nord pol fahr er s Andree letzte Aufzeichnungen. Geborgen und mitgeteilt von C. M u u s - mann. Deutsch von H. Mann. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Gustav Rieckes Buchl-andlung Nachfolger in Berlin W. 30. Eine Kunde von Andröe: Jahr um Jahr Huben die Kulturvölker auf die Wiederkehr des kühnen Forschers, wenigstens auf ein Lebenszeichen von ihm geharrt, doch des Todes Sck)weigen war stärker als alle Menschenhoffnungen und all' die Wünsche. Jetzt endlich verbreitet sich mit Windeseile die Nachricht, daß „Andrees letzte Aufzeichnungen" gerettet sind und den wißbegierigen Lesern in einem schmucken Buche vorgelegt werden. Man greift zu dem willkommenen Buche, das durch die Wellmann-Expedctwn und durch die Lenkbarkeit des Luftschiffes in gewflser Weise besonders aktuell geworden ist, mit Eifer und folgt von Etappe zu Etappe dem todesmutigen Forscher. Durch Eis und Schnee führt er uns, und durch all die starken Gefahren der Nordregion finden wir uns endlich im „Frühlingsland" wieder bei dem zwerghaften, in idyllischen Frieden ohne jede Kultur, dafür m gesunden natürlichen Anschauungen sorglos dahrnlebenden Völkchen der Rhorhaer. Mir entdecken mit Andred hier bie un- emeßlichen Goldschätze und nehmen die alte Lehre neu bestätigt mit, daß das Geschenk des gleißenden Goldes an die Menschen das Erwachen eines Volkes zu erster Külturarbeeit mit verhängnisvollen Folgen verknüpft ist. Der Mensch hat auch hier bei seinem Eintritt in dies „Paradies der Eisregion" den Frieden gestört. Willenlos mit fieberhaftem Interesse hat man die Aufzeichnungen gelesen. Man hat nie das Gefühl, den festen Boden unter den Füßen zu verlieren, man fragt sich, ist dies Wahrheit oder Dichtung, ist die eine Utopie, die in so plastischer Gestalt Menschengeist 'zu ersinnen vernwchte? Nun, jeder sollte dieses Buch lesen, da vieles Jnstricklive in so fesselnder Form wiedergegeben wird, wie selten in einer Erscheinung. — Ein meteorologisches Observ a to rium will Fragen Sie Ihress Arzt, Parsiimericliefcrantcn, ob es eine zweite Seife, in der Art der Myrrholin-Seife, gegeben hat oder glbt, die eine gleiche Verbreitung gefunden. Die Myrrholin-Seise steht einzig da als Schönhetts-und Gesundheits-Seife. b h die g'rößte Alpenvereinigung in Welschtirol, die Societü degli Alpinisti Fridenstini, auf der Marmolata, der höchsten Erhri>nngi der Südtiroler Dolomiten an der Grenze von Tirol und Jtalien.' im nächsten Jahr errichten. Tie Marmolata ist 3360 Meter hoch und fällt gegen Süden zu in steilen Felswänden ab; ihr nördlicher Teil ist von einem ausgedehnteil Gletscher bebetft; Sie ist am leichtesten vom Fedajapaß (2045 Meter) oder dem südwestlich gelegenen Contrinhaus aus zugänglich und gilt als Aussichtspunkt ersten Ranges. Tie Erbauung des Observawrmms wird einen sehr beträchtlichen Kostenaufwand nötig machen, -t-en; größten Teil der erforderlichen Baukosten hofft aber der Verehr schon durch eine Geldsammlung im Kreise seiner Mitglieder aufbringen zu können. — Tie Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, Neumarkt 29 (Vorsitzerwer Rechtsanwalt Tr. Brymann), macht es sich zur wrssenschastllchew Aufgabe, das zurzeit noch wenig gruppierte und fast gar nicht registrierte Material über bürgerliche und adlige Familien zu sammeln, zu sichten und zur Auskunftserteilung und Verarbeitung an einem Orte zu vereinigen. Alle Arten familiengeschichtlichev Unterlagen werden zum Zwecke der Verarbeitung dankend entgegen-^ genommen, und es erscheint als eilte Pflicht des Volkes, an dwn Ausbau dieser Einrichtung, jeder an seinem Teile, ebenso mit- zuarbeiten, wie dies an den Sammlungen des Germanischeiü Museums in Nürnberg mit glänzendem Erfolge für die allgemeinej Volks- und Kulturgeschichte geschehen ist. Es werden gesammelt^ Familiengeschichten aller Art, Urkundenbücher, Stammtafeln: (Stammbäume), Ahnentafeln, Ahnenproben. Sodann Hausmarken, Wappenabbildungen unb Siegelabdrücke, Wappenbücher, Glasmalereien, Proträts jeder Art, Exlibris (insbesondere mit Wappen)/ Abbildungen von Grabsteinen, Grabplatten, Wappenschildern auß Beerdigungsstätten usw., Inschriften Personen- und familiengeschichtlichen Inhalts. Jeder sollte seine Stamm- und 4Ihnen- tafel, soweit als möglich und urkundlich belegbar, aufstellen und einsenden. Personen- und Familiennachrichten, sowie Aufzeichnungen über Bücher familiengeschichtlichen Inhalts, wozu auch Zettelformulare zur Verfügung stehen, werden gern entgegengenommen. Ferner sind von Wichtigkeit: Alte Urkunden uitb Akten, Leichenpredichen, Bibliothekskataloge, Adreßbücher, Vereins- unb sonstige Mitglieberlisten, Schüler- und Studentenverzeichnisse, Ranglisten, Kalendarien, Almanache, Matrikeln und andere Personenverzeichnisse (auch älteren Tatums), Jubiläumsschristen, Lebensbeschreibungen, sowie alles hierhin gehörige. Insbesondere werden vorhandene Sammlungen dieser Art unb Familienarchive gern in sachgemäße Obhut genommen. Freiwillige Riitarbeiler^ auch für kleinere Arbeiten (z. B. Sammlung von Zeitungsaus-^ schnitten, deren Inhalt Familien und Personen betrifft usw.), unbj für größere oder kleinere örtliche oder sachliche Gebiete werdcnj allenthalben gesucht. -Krankenkost Reparatur bestens danke H. Fitzler, Kreis Petei® BCrommberg 3 Irr sehr guter ter ßrol u. 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