Nr. 138 Erstes Blatt L 57. Jahrgang Samstag 15. Juni 1907 Erscheint täglich JHDBV A _ BezugSpretSr außer ConnlagS. y |O O monailich7bPf^oiettel- SSÄfltj AefrAi* Ai* 11 ü A Ai A Ai»—‘«5 dem hessischen Landwirl gfl H1B G B jF Bä M V ■ H fl V B MW ■ ■ Z fly S A H fl W ■T die Post Mk.S.-viett«t- die Siebener Kamillen- t'A ® 3 H B a r3l IS S B fl B B fährt. auSschl. Bestellg. ~.m6 VJLVIIV IVv 4AILiVLUL1 »*« Krelsblatl für den Kreis auswärts 20 Plennt^ £S General-Anzeiger für Oberhessen WM Sibrefie sür Depeschen: V 0 .Terichtsjaal*: Ernst Anzeiger Gießen. Kotatfonrdruck und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch- und Steinbruderel R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze r. Bui Are heutige Yummer umfaßt 14 Seiten. Zur Einigung des Liberalismus. Wir erhielten folgende Zuschrift aus unserem Leser- kreise von nationalliberaler Seite, die wir zum Abdruck bringen, obwohl wir ihr nur zum Teil zustimmen: Sie haben in Ihrer Zeitung schon wiederholt Artikel veröffentlicht, die auf eine Einigung des Liberalismus ab- zielten. Der Verfaffer dieser Zeilen hat dies mit vielen Ihrer Leser freudig begrüßt und selbst durch Rede und Schrift diese Einigungsbestrebungen zu fördern gesucht. Auf welcher Seite das Verlangen nach einer Einigung am größten ist, ob auf der linken oder rechten Seite des Liberalismus, scheint nach unserer Erfahrung nicht leicht zu sagen. Dies ist in den verschiedenen Gegenden anschc nend sehr verschieden, je nach den gesamten politischen Verhältniffen, insbesondere nach der politischen Gegnerschaft und vielleicht auch nach den Ansichten und Stimmungen einzelner führender Persönlichkeiten. Die von dem Jungliberalen Verein zu Darmstadt veranstaltete Ver- sammlung, in der ein Wortführer des zwecks Zusammen- saffung des Liberalismus neugegründetcn Nationalvereins die einleitende Rede gehalten hat, und in der Redner der verschiedenen Schattierungen des Liberalismus gesprochen haben, scheint unsere obige Behauptung zu bestätigen. Die Versammlung ist gewiß als ein Versuch in unserem Hessen zu begrüßen. Ob sie indes schon in nächster Zeit Früchte tragen wird, scheint nach Ihrem Bericht über die Darmstädter Versammlung etwas fraglich, namentlich durch die Stellung des Referenten zur Sozraloemokratie, der — wohl unter dem Einfluß der rücksichtslosen Zentrumsherrschaft seines Vaterlandes (Badern)*) — meinte, „es werde die Zeit kommen, wo man mit oen Sozialdemokraten gehen könne", und ferner dupch dis idies Herrn Pfarrers Ä'orell, der nach Ihrem Bericht sagte: „Bei der Stellung zur Sozialdemokratie bandelt es sich um eine Frage der politischen Taktik", wird ein Zusammengehen des Liberalismus zum mindesten sehr erschwert. Nein, die Stellung des Liberalismus zur Sozialdemokratie ist eine grundsätzliche und muß es sein, wenn der Liberalismus sich nicht selbst aufgeben will. Hier gibt es kein Paktieren. Man lese nur die sozialdemokratischen Zeitungen und man wird finden, daß die Sozialdemokratie von uns erwartet, daß wir durch allmähliche Umbildung unseres öffentlichen und häuslichen Lebens ihren Zukunftstaat vorbereiten, ja schaffen Helsen. Sie geht nicht um ein Jota von ihrer Staatsidee ab. Mr Liberalen sollen ihr Handlangerdienste tun. Sie aber verneint, bekämpft die Ziele und vielfach auch die Wege des Liberalismus aufs äußerste. Sie verhöhnt die Liberalen aller Schattierungen, bezeichnet sie, ihre Blätter, selbst die demokratische „Franks. Ztg." als „realtionär" erklärt, „daß ihr unter Umständen em Konservativer lieber sei als ein Liberaler."' Und vor ihr soll der Liberalismus kapitulieren! Wenn auf dem Wege des Liberalismus eine Reihe von Forderungen und Mitteln sich finden, die — man möchte sagen — fast zufällig sich in den Programmen der Sozialdemokratie finden, d. h. von ihr aus den liberalen Programmen übernommen worden sind als A u g e n b l i ck s- forderungen, da sie den Kern ihres Programms nicht verwirklichen kann, sollen wir ihr zur Verwirklichung ihrer letzten Ziele helfen, sollen wir ihr zur Verwirklichung ihrer führen durch .Verdunkelung der himmelweiten Unter» sch rede zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie? Nein, das dürfen wir niemals. *) Herr Tr. Ohr kam nicht aus Bayern, sondern ans Schwaben (Tübingen). D. Red. Aber deswegen brauchen wir uns nickt abhalten zu lassen von unserer Arbeit für die minder gut gestellten ÄlUssen des Staates, im Gegenteil, wir müfsenerstrechtitdiesemwahrhaftliberalen Sinne arbeiten. Die Sozialdemokratie gewinnen wir niemals, das hat m. E. auch Herr Dr. Barth eingesehen. Aber die A r b e i t e r, die kleine.: Leute jedes Standes wollen wir für unser Programm gewinnen, wir wollen sie von der Ueberflüf,igreU und der Torheit der sozialdemokratischen Gesellschasrsidee überzeugen. Ein Paktreren mit der Sozialdemolratre schließt die Gefahr in sich, diesen unseren auf unserer W-eUanschanung beruhenden Gegensatz in dem Volk zu verdmrkeln und eine Versöhnung der liberal-bürgerlich-nationalen mit der sozialdemokratisch- internationalen Sozialdemokratie vorzutäuschen Diese Taktik muß sich früher oder später rächen, i^at doch der Sozialdemokrat Ed. Bernstein vor kurzem geschrieben, daß die Sozialdemokratie seit 1884 — also seitdem sie eine starte Partei gewonnen war —, sich p o s i t i n an der parlamentarischen Arbeit beteiligen mußte, weil sie sonst durch aroeitersreundliche Politik ihrer Gegner ihre Anhängerschaft in den breiten Schichten des Volkes verloren hätte. Der Zwischenruser in Darmstadt hatte ganz recht, wenn er Herrn Dr. Ohr, „der Sozialdemotraien in den Nationalverein zulafsen will, wenn fte sich zum Programm des Nationalvereins beicnncn ', zurief: „Dann sind |ie ferne Sozialdemokraten mehr." Diese Antwort des Herrn Dr .Ohr — er möge mir mein Urteil verzeihen — trägt m. E. entweder den Stempel der Verlegenheit aus ihrer Stirn oder beweist, daß er das Wesen der Sozialdemo cratie nicht kennt. — Wie sollen wir dte Sozialoemokratie behandeln? Absolut friedlich. Sie ist .eine Theorie, die auf einer der unfrigen schnurstracks entgegen st ebenden Weltanschauung gegründet ist. Wie sollen wir uns zuihrenAnyängernüellen? Nun,liberal, d. h. wir sollen sie von der Irrigkeit ihres Programms § in überzeugen und f üx unser Programm zu gewinnen suchen durch Aufklärung und durch praktische Arbeit für Die in der Gesellschaft weniger gut gestellten Stände. Unterscheiden wir streng und unerbittlich Sozialdemokratie und sozialdemokratische Wähler.*) •) In diesem Punkte hat der Herr Verfasser ganz gewiß recht. Niemals aber auch dürfen sozialdemokratische W ä h l e r m a s s e n nut der sozialdemokratischen Presse identifiziert werden», Was viele kleinen sozialdemokratischen Hetzblättchen an mehr oder minder beivutzten Verdrehungen der bestehenden Verhältnisse von sich geben, wird selbst von der denkenden Leserschaft dieser Blauer nicht ernst genommen. Tie verständigen Leser wissen sehr wohl, daß die Verhetzung eine notwendige Waste der Sozialdemokratie ist. Die unvernünftige Verallgemeinerung irgend einer in Bürgerkreisen geschehenen Veriehlung, das verächtliche Mitsinger- deulen aus die ganze gegenwärtige „herrschende" Gesellschaftsklasse, die systematische Darstellung, als sei alles, alles ohne jegliche Ausnahme in der bürgerlichen Gesellschaft verseucht, gemein, nieder- trächtig und vor allem dumm, maßlos dumm, während es hingegen im sozialdeniokralischen Lager ausschließlich Tugendbolde und Ungeheuer der Intelligenz und des Wissens gibt, die allein und unbeirrbar das ganze Weltgctriebe in allen seinen verborgenen Ecken und Winkeln restlos klar durchschauen — all das ist ostentativer Humbug, sodaß die bürgerliche Presse längst es autgegeben hat, diesem permanenten Unsinn zu steuern, in der Einsicht, daß in dieser Beziehung doch alle Versuche vergeblich wären. Diese unabäiiderliche Tatsache sollte aber nur auf ihren eigentlichen Charakter hin auf bürgerlicher Seite beachtet werdeii und nicht Veranlassung geben, die gesamte Sozialdemokratie als ebenfo rettungslos verbohrt und uneinsichtig anzusehen, als wie ihre Presse zum größten Teile sich selber hinzustellen für angemessen erachtet. In den grundsätzlichen Anschauungen aber gibt es bei der Sozialdemokratie doch eine ganze Anzahl von Berührungspunkten mit dem Liberalismus, die zu verwischen gerade in einer Zeit, die Ersterer gegenüber heißt es Kamps, Der Men scheit gegenüber: Versöhnung imib Arbeit sür sie. Der Nationalverein, wenigstens so, wie ihn Herr Dr. Ohr vertritt, bekennt in dieser Beziehung offenbar aus taktischen Gründen nicht Farve. Aber das muß er künftig tun, wenn er nicht von voritbcrcin unfruchtbar bleiben will. Die Ansicht, daß er durch Veiseitcschtebung dieses Punktes« gewinnen und durch Betonung seiner Gegnerschaft zur Sozialdemoiratie, Anhänger verlieren werde, ist falsch, muß es sein wegen des naturnotwendigen Gegensatzes zivischen Liberalismus und Sozialdemokratie. Eine Verdeckung dieses Gegensatzes kommt einer Leugnung gleich, oder muß mindestens Den Anschein erwecken, daß dies so fei.*) Der Livera.ismus mutz Die Kraft in sich finden, ohne die Sozialdemokratie sei ne Ziele zu verwirk- lichen. Handelt er anders, so gräbt er sich selber sein Grab. Hoffen wir, daß der Nationalverein in diesem Punkte Klarheit schass. Ein Nationalverein, wie ihn Herr Dr. Ohr dargestellt hat, verdient den Namen „National" nicht. Das Schlvanien und Verhüllen muß em Ende haben. Der sogen, entschiedene Liberalismus mug Den Mut haben, nach links abzugrenzen, wie er es nach rechts tut, oder er wird auf- gerieben werden. Ter Liberalismus fasse das Einigende der liberalen Schattierungen zirsammen, klar ohne Rücksicht aus politische Taktik, und in diesem Zeichen wird er wieder eine einflußreiche Stellung in unserem Vaterlande gewinnen. politiid>€ Lagesscha«. Aus der Friedensstadt, dem Haag, liegen yeuie solgenoe Nachrichten vor: V. B. Haag, 14. Juni. Heule nachmittag unterzeichneten die Delegierten jener Staaten, welche bei der ersten Konferenz nicht vertreten waren, die Beitrittserilärung zu den Beschlüssen der ersten Konferenz. Sodann wurde von den Vertretern der Signatarmächte der erstell Konferenz ein diese Beitrittserklärung konstatierendes Protokoll unterzeichnet. Als Vertreter Deutschs lands unterzeichnete Gesandter v. Schloezer. Hd. Haag, 14. Juni. Die Deleg.enen zur Friedenskonferenz, welche fast sämtlich cingetroffen sind, begaben sich heute nachmittag zum Generalseketariat, um sich einzuschreiben. Drei Delegierte fehlen und zwar die Vertreter Honduras, San Salvador und Urugwah. Ta man von ihnen ohne Nachricht ist, wird vermutet, daß es sich Lei ihrem Ausbleiben lediglich um eine Verspätung handelt. Die Polizei hat strenge Maßnahmen zum Schutze der Delegierten getroffen. Nur diejenigen Personen, welche mit speziellen Einlaßkarten vom Auswärtigen Amt versehen sind, haben Zutrüt zum Kvnferenzpalast. — Tie Grundsteinlegung zu dem neuen Friedenspalast findet am 2. August statt. Aus diesem Anlaß werden besondere Festlichkeiten geplant.^ London, 14. Juni. Ter Sonderberichterstatter des „Standard" im Hsaag telegraphiert, daß Unterhandlungen in den letzten Tagen über die Frsage, ob die Verhandlungen der Konferenz ö f s e n t l i ch o d e r geheim sein sollen, zwischen London, Was- Lhingwn und Berlin schwebten. Bisher schien die überwiegende Tendenz für geheime Sitzungen zu sein, doch scheinen Teutsch- land und Amerika sich für öffentliche Sitzungen eingesetzt zu haben. Ter deutsche Kaiser begünstigte entschieden die vollste Oeffentlichkeit. Die englische Regierung da- rocitefte Kreise sür den Liberalismus zu gewinnen sich bestrebt, u. E. nicht angebracht ist. D. Rd. *) Muß denn nun auch der N a t i o n a l verein wie der Reichs verband, durchaus em Kampf verein sein? Heißt beim „national" sein unter allen Umständen „kämpfen" ? Der National verein will die verschiedenen liberalen Richtungen miteinander versöhnen. Was geht ihn dabei die Sozialdemokratie an? Oder sollten sich die verschiedenen gegenseitigen liberalen Parteien wirklich nur deshalb nicht unter einen Hut bringen lassen, weil nicht etwa ihre eigenen politischen Grundanschauungen einander so .sehr zuwiderlausen, sondern nur ihre Anschauungen über andere Parteien? T. Red. □3 Friedrich der Große und das Nibelungenlied. Ein höchst charakteristischer Brief Friedrichs des Großen an ich mich nicht mehr so genau; u. A. gab es Haisischflossen in i toast brachte Herr Paul Koppek, Mitinhaber der Firma Schwach- Sauce, gebackene Vogelnester, gekochtes Huhn, ebenfalls gekochten | heim u. Siegel-Mannhelm, aus. In dem mit stürmischem Beifall ■ k aI* O ) i f « a * a «fk kt<« i H hrtf Alki« All X A H X A P 0} a t‘i IM* A I ( tv« e * X . a..C. ... ....... ... ... • f < < T 1 aufgenommenen Trinkspruch heißt es u. a.: Daß alle lieben Frauen und Maiden Mit unsrer Branche eng verwandt Das stammet schon von erogen Zeiten; Denn Jedem ist doch wohlbekannt Daß einstens Gott aus Adams Rippe Die Eva schuf, als beste Tat, Mithin nenn ich mit gutem Rechte Die Frau ein Rippenfabrikat. Ties Fabrikat ist stark begehret, Fa^on gibt es in groß und klein, In dick und dünn und eleganten, Doch alle munden sie meist fein. Da liebt man nicht die fahlen Farben, Ein Jeder gerne sich gewöhnt An junges Kraut, das leicht entbrennet, Doch alte Ernte ist verpönt. Die Ausstattung meist sehr viel kostet, Von uns wird säuberlich sortiert, Es wird gar manches schlechte Kräutlein Durch Seidenband herausstaffiert. Das Fabrikat ist auch bekömmlich Und nikotinfrei unsre War', Es seien frei von Güt die Frauen — Doch nicht der Mitgift seien sie bat. Und wer nicht schätzt die edlen Frauen Hält keine gut genug für sich. Der arme Tropf ist zu bedauern. Ist schiefgewickelt sicherlich. Drum ehrt die lieben Frauen alle Und was ich sage, merkt's genau: Das Teuerste, was wir besitzen, Das ist der Tabak und die Frau. Drum liebt die Frauen, die schwarzen, blonden, Und wie sie sonst geartet sind, Es kennt fein Unterschied die Liebe, Denn Liebe macht bekanntlich blind. Erhebet Euch von Euren Sitzen Und leert dte Gläser bis zum Grund Hoch sollen die heben Damen leben, So tont es Imit aus aller Mund 1 gnädiger König Potsdam, b. 22. Februar 1784. Frch. Der Brief wirb aut ber Züricher Bibliothek unter Glas unb Rahmen ausbewahrt. Es sei hmzugefügt, daß Will). Jordan, der epische Neugestalter der Nibelungensage, in seinen geistreichen, viel zu wenig gekannteil „Episteln und Vorlrägen"-über bas Nibelungenlied bas Urteil abgibt, Viehos, der bekannte begeisterte Litteratur- Historiker, haben biese mittelalterliche Dichtung „schön gelogen*. • Ein Mittagsmahl in einem chinesischen Hotel. Eine liebeilswürdige Leserin bes Gieß. Anz. hat bie Güte, au§ einem ihr aus ber chinesischen Stabt Schanghai zugekommenen Privatbriese uns folgendes mitzuteilen: In meinem letzten Schreiben versprach ich, die Beschreibung eines Ehinesen-Diners, zu dem ich eingeladen war, folgen zu lassen. Die Einladung ging von unserem Eompradore aus: als Veranlassung biente bie Feier des chinesischen Netljahrfestes. Ort der Handlung: ein chinesisches „Hotel*. Anwesend außer mir noch 4 Europäer unb ebenso viel Chinesen. Nach ber Begrüßung würbe zunächst natürlich Tee gereicht, „unversäuert, unverzuckert" in besonderen Tassen, oie bas Aroma nicht jo leicht verfliegen laffen. Tann wurden allerhand Süßigkeiten, wie kandierte Früchte, rc. gereicht. Bei Tisch saßen wir auf richtigen Stühlen unb hockten nicht etwa nieder, wie es in Japan Mode. Der einzelnen Gerichte entsinne einen Schüler Bodmers, namens Myller, der 1782 zum ersten Mal eine vollständige Ausgabe der mhd.Nib.-Tichtungveranstaltete und sie dem Könige mit dessen Erlaubnis widmete, beweist, wie der geniale Preußenkönig über das Nibelungenlied urteilte. Der Brief, der in dem Buche „Der Sagenkreis der Nibelungen" von Professor Holz (Verlag Quelle «. 'Meyer, Leipzig) mitgeteilt wird, lautet: Hochgelahner, lieber getreuer. Ihr uriheilt, viel zu vortheilhafft, von denen Gedichten, aus dem 12., 13. unb 14. Seculo, bereit Druck Ihr besördert habet, unb zur Bereicherung ber Teutschen Sprache so brauchbar haltet. Nteiner Einsicht nach, sind solche, nicht einen Schuß Pulver, werth; unb uerbienten nicht ans dem Staube ber Vergessenheit, gezogen zu werben. In meiner Bücher-Sammlung wenigstens, würbe Ich, dergleichen elendes Zeug, nicht bullen, sondern heraus- schmeißeii. Das Mir bavon eingesandte Exemplar mag dahero fern Schicksal, in ber dortigen großen Bibliothec abwarten. Viele 9lad)frage verspricht aber solchem nicht, Euer sonst Fisch, Pilze rc. Ich muß bekennen, baß bas Vorurteil, mit bem ich mich zu Tisch gesetzt hatte, bald einer durchschlagenden Anerkennung ber chinesischen Küche wich. Alles munbete wirklich vorzüglich, besonbers Fisch unb Geflügel. Lästig empfand ich nur den Gebrauch ber Eßstäbe, denn Messer unb Gabel gab es nicht. Sonderbar ist auch bie Sitte, baß währenb ber Mahlzeit heiße Tücher verabfolgt werden, mit denen man sich das Gesicht abreibt, was besonders im Sommer sehr erfrischend wirken soll. Um unserem Gastgeber alle Ehre anzutun, rülpsten wir oft unb vernehmlich, auch fchnalzten wir nach Herzenslust, was beu höchsten Grad des Wohlbefindens anbeutet. Als Getränk wurde nur Sam Shui (Reisfchnavs), ber warm serviert wirb unb ganz gut mundete, gereicht. Während des Essens saß hinter jedem Teilnehmer ein sogenanntes Sing-Song-Girl. Ja — was das wieder? ES find dies junge Mädchen, ober vielmehr Kinber von 14 bis 17 Jahren, bie von ihren Eltern eben als Sing-Song-Girls verkauft werden. In dieser ihrer Eigenschaft werden sie schön angezogen und geschminkt von ihren Besitzern von einem Native- Restaurant zum anderen geschleppt, wo sie meist stumm hinter den Gästen sitzen; für jedes dieser armen Dinger ist bann dem Eigentümer co. 2—3 Pfund zu zahlen. Gütige dieser Damen können auch singen, nur enthalten die Gesänge für europäische Ohren wenig Alnsik, wenigstens konnte ich einem Gesang, der mir von unserem Gastgeber als besonders schön hingestellt wurde, nur wenig ober gar keinen Geschmack abgewinnen. Der Hauptzweck, ben bie Eigentümer mit ben Sing-Song-Girls zu erreichen suchen, ist ber, sie möglichst teuer an reiche Ehmefen, bie sie sie zu zweiten oder Neben-Frauen machen, zu verkaufen. Dies nur so nebenbei. Gegessen würbe in unheimlichen Quantitäten; appetitlich sah bas Schlack)tselb nicht gerade aus. Verlchiedentlich griff ber Gastgeber in eine Schüssel, um einem von uns ein besonders schmackhasies Stück auf ben Teller zu legen. Gegen 10 Uhr hatte die „Feier" ihr Ende erreicht. München. 14. Juni. Ter Prinzregent überreichte bem Generalmusikbirektor Mottl in einer Audienz persönlich bie Insignien bes Michaelsordens zweiter Klasse mit Stern. — Aus Anlaß ber Mannheimer Tagung des Deutschen Tabak-Vereins fand em Festmahl in der Wandelhalle des „Rosengarten* statt. Als Ehrengäste u. a. erschienen Oberbürgermeister Dr. Beck sowie ber zum Gouverneur von Südwestafrika ernannte Geh. Legalionsral Dr. Seitz. Einen poetischen Damen- fgegen ist der Meinung, daß die Sitzungen geheim bleiben sollen. Möglicherweise werde die englische Negierung nachgeben. Die sFrage werde erst in der nächsten Woche erledigt. i Äluch über die Frage der D a u e r der Friedenskonferenz Laben die Delegierten, wenn auch inoffiziell, ihre Gedanken chereits ausgetauscht. Tie Schätzungen sollen bis an den September heranreichen. Eine phantastische Annahme. Das Programm ist gewiß umfangreich, und da weit mehr Staaten vertreten sind, als im Jahre 1899, so werden auch die Debatten langwieriger sein. Doch bei aller Neigung zur Gründlichkeit dürfte der Wunsch bestimmend sein, vor Ablauf der warmen Jahreszeit die Beratungen zum Ab- schluß zu bringen. Es darf wohl auch gesagt werden, daß die zweite Konferenz besser vorbereitet ist, als die erste, und wenn cs auch den Delegierten gestattet sein soll, außerprogrammäßige Fragen im Plenum oder in der Kommission aufzuwerfen, so wird von diesem Recht wohl nur selten Gebrauch gemacht werden, lieber den Juli hinaus dürfte also das internationale „Parlament" schwerlich tagen. Eine Art Nebenkonferenz wird übrigens in Gestalt des Zirkels der Friedensherotoe S t e a d, Baronin Suttner, des französischen Exdeputierten Patty im Haag versammelt sein, und was diese in Kritik und Erläuterung der offiziellen Konferenz-Mitteitungen der Welt zu sagen haben, wird in einem täglich erscheinenden, in französischer Sprache geschriebenen Journal veröffentlicht werden. Der Weltfriedenskongreß findet am 14. September ,in München statt. ♦ Hardens Erklärungen. Der Herausgeber der „Z u ku n f t", Maximilian Harden, hat sich reichlich lange Zett gelassen, bevor er das Wort ergreift zu den von ihm he rau, beschworenen Veränderungen in hohen Stellen. Fürst Philipp Eulenburg ist in Ungnade gefallen, der Flügetadjutant des Kaisers Gras Hohenau und der Kommandant von Berlin Graf Kuno Moltke sind verabschiedet, und der Botschaftsrat der französischen Botschaft L e c a m t e hat die Reichshauptsiadt verlassen'müssen. Den Ausschlag bei diesen immerhin ungewöhnlichen Ereignissen gaoen, wie wir bereits iviederholr bemerkten, nicht politische, militärische oder diplomatische Gründe. Vielmehx Andeutungen in der „Zukunft", die ziemlich weit zurückliegen, aver in unerwarteter Weise Aktualität erlangten, und die trotz einer sehr vorsichtigen Fassung mindestens den Verdacht erwecken mußten, die genannten Personen seien kraurhaften, vom § 175 des Strafgesetzbuchs bedrohten Neigungen unterworfen. Ueberall hat man in diesem Sinne die Äußerungen der „Zukunst" . aufgefaßt. Die Personen, die es anging, zu allererst. Sonst wäre es ja nicht verständlich, daß Gras Moltte Harden zum Zweikampf fordern ließ, nach Ablehnung der Forderung den Schutz der Staatsanwaltschaft anrief und schließlich die Privatklage anstrengte, als die Staatsanwaltschaft dem Antrag aus Erhebung der öffentlichen »Aage nicht stattgab. Und ebensowenig wäre es verständlich, daß Fürst Philipp Eulenburg eine Selbstdenunziation bei der Staatsanwaltschaft einreichte und Harden als Zeugen benannte für behauptete Persehlungen gegen den § 175. Nun tomntt der Herausgeber der „Zukunft" und gibt nicht etwa eine nähere Erläuterung jeiner unbestimmten Beschuldigungen, sondern erklärt, daß er an dem ganzen Lärm gewissermaßen unschuldig sei. Er habe „auf normwidrige Gefühlsregungen einzelner zum Liebenberger Kreis gehöriger Personen huigedeuret; so behutsam, wie der Anstand befahl. Aus strafbare Handlungen? Niemals. Auf ein süßliches, unmännliches, kränkliches Wesen, das am Hof seit langen Jahren bespöttelt würde." An anderer Stelle schreibt Harden: „Wenn (aber) an der sichtbarsten Stelle des Staates Männer von abnormem Empfinden einen Ring bilden und eine jourch Erfahrung nicht gewarnte Seele einzuklammern suchen, dann rst's ein ungesunder Zustand". Auf den Fürsten Philipp Eulenburg bezieht sich folgende Stelle: „Wer hat denn behauptet, aus dem Spanbein und 'Wandeln des Fürsten ergebe sich der Tatbestand dxss § 175? Was ich bekämpft habe, ist: die Einwirkung normwidriger (wenn auch ideeiler) Männerfreundschast." So präzis, wie es hier geschieht, harte sich der Herausgeber der „Zukunft" gleich ausdrücken sollen, mindestens aber mit aller Unverzüglich reit, als die ersten Schlußfolgerungen in der Oefsentrichreit und in der Presse aus den Andeutungen gezogen wurden. Harden sagt: „Hier hat sich's um Polirit gehandelt. Um Kaiser und Reich." Um die Beseitigung einer dem Thron nächsten, schädlichen Gruppe. „Spiritisten, Geisterseher, die auch mit der Majestät einen mystischen Kult trieöen." Es mag verdienstlich sein, eine „schädliche Grupep" auseinanderzusprengen. Aber es kommt dabei doch sehr aus die Miltei. an, wie dies ins Werk gesetzt wird. Ern Kreis von Personen, der seiner Ziele wegen vertraulich ist, darf, ohne oaß man die triftigsten und unwiderleglicysten Beweise in der Hand hat, nicht in die kompromittierende Beleuchtung sittlicher Verirrungen gerückt werden, nicht mit ganzen Worten und noch weniger mit halben Worten. Mit dieser Waffe hätten Gras Moltie und Fürst Eulenburg nicht angegriffen werden dürfen. Nur mit der Waffe sachlicher Grunde, die jeglicher Prüfung stand hielten. ( * Profefforenzewerkschaft. lieber dies Ziel des Iib. Münchener Nationalökonomen Prof. Brentano liest man in der „Königsb. Hart. Ztg.": Die neue Protessorengewerkschcnt kehrt sich zunächst alis- gesprochen oder nicht gegen einen Mann: Friedrich Althosf. Es ist auch nicht zufällig, daß unter den Unterzeichnern des Aus- rusS gerade die preußischen Universitäten spärlich vertreten sind; Berlin, wo durch Allhoff Gustav Schmoller regiert, sogar überhatipl nicht. An Ijeimltdjen Sympathien wird es dort darum noch keineswegs fehlen. Aber wer wagt es, wider den mächtigen Mann auszustehen, in dessen Vorzimmer die stolzesten Ordinarien antichambrieren? Höchstens, wenn sie emeritiert sind, wie Withelm Hasbach tat, der neulich nicht Unzutreffendes über die Ausschließlichkeit der a g r a r i j ch e n oder zum minbeften schutzzöllnerischen Richtung unten den Berliner Nationalökonomen schrieb. Ergo: die Freiheit ans , Den Ischl ands Kathedern, der tapfere Gelehrtensinn, der -vor keiner Konsequenz zurückjcheute, sind in der Tat in Gesah r. Darum soll man die neue Prosessorengewerkjchasc dankbaren Herzens begrüßen. In Zeitläusen, m denen sich sür Werner Eembart fein Umversitätsordinartal fand, würde sie (Vielzitierender l verzeih uns das ZitatI) zur „Forderung des Tages." Aas Arttomobilrennen im Taunus, in. Kloster Thron, 14. Juni. Sieger ist Felice Nazzaro auf Fiat (Wagen 8 8' •mit 334 Min. 26 Sck.; den zweiten Gewinn errang Haut- vast auf P i p e (Wagen 16 Ä) mit 339,10. Der beste deutsche Fahrer ist I ö r n s auf O P c l (Wagen 3 B) mit 339,49 Min., dieser errang den dritten Preis. Nach drei Runden waren die besten 8B (Fiat) 252,23, 16 A (Pipe) 252,46, 16 C (Pipe) 254,26. Bester deutscher ivar 3 B (Opel) 256,19. — Vier Runden absolvierte als erster 16 A (Pipe) 339,10, als zweiter 3 A (Fiat) 351,01. Folgende Wagen passierten in der vierten Runde das Ziel: 1 A (Dürkopp) 406,45, 8 A (Fiat) 351,01, 15 A (Prothos) 443,08, 16 A (Pipe) 339,10, 26 A (Eisenach- 363,31, 32 A (Martini) 367,11, 33 A (Bianchi) 392,49, 34 A (Mercedes-Daimler) 368,54, 35 A (Jtala) 359,12, 3 B (Opel) 339,49, 8 V (Fiat) 334,26, 13 B (de Dietrich) 366,26, 27 B (Jsotto-Fraschini) 351,15, 32 B (Martini) 380,14, 35 B (Jtala) 389,01, 42 B (N. A. G.) 395,33, 3 C (Opel) 349,35, 8C (Fiat) 350,53, 34 E (Mercedes-Daimler) 363,35, 35 C (Jtala) 353,18. Der Kaiser empfing den Präsidenten des französischen Automobilklubs van Zuylen, den Vizepräsidenten Marquis be Dion und das Komiteemitglied Curt de Chasselaup-Loubat, ferner den Präsidenten des österreichischen Automobilklubs Prinzen Alexander zu Solms-Braunfels. Nach dem Frühstück fand gegen 2 Uhr die Preisverteilung durch den Kaiser statt. Vor der Kaiserloge hatten sich eingefunden der Vorstand des kaiserlichen Automobilklubs sowie die Vertreter der siegenden Fabriken und die Fahrer der siegenden Wagen. Der Herzog von Natibor erstattete Meldung über den Ausfall des Rennens und stellte- sodann die Sieger dem Kaiser vor. Dieser überreichte nach huldvollen Worten und nach einem Händedruck den Siegern persönlich die Preise. Sodann begrüßte der Kaiser den Vorstand des kaiserlichen Automobilklubs und verabschiedete sich von den anwesenden Fürstlichkeiten. Um 2% Uhr fuhr der Kaiser im Automobil nach Homburg zurück. Nach dem Rennen spielten sich insofern erheiternde Szenen ab, als die Automobile der Zuschauer, die hinter den Tribünen standen, sich aus dem Schmutz nicht herauszuarbeiten vermochten. Findige Leute stellten sich mit Ochsen- und Pferdegespannen ein und zogen die Wagen auf fahrbares Land. Noch weniger erbaulich als für die Zuschauer war das Nennen für die Fahrer selbst, die Wunderdinge von den Gefahren in den ausgewaschenen Kurven der Taunusstrecke zu berichten wissen. Es ist wirklich ein Wunder, daß nicht mehr Unfälle passiert sind. Die Fahrer kamen schwarz wie die Nacht am Ziel an. Daß die Fiatwagen die schnellsten sein würden, war vorauszusehen. Die verfügen über die glänzendste Mannschaft und die stärksten Motoren. Das Resultat ist für die deutsche Automobilindustrie durchaus nicht deprimierend, weil ein großer Teil der Ausländer Rennmaschinen ins Treffen gesandt hatte, während die Deutschen Tourenmaschinen schickten. Auch verstanden sie cs nicht, das Gewicht der Wagen auf das Minimum herabzudrücken. Was die Hauptsache ist: Die meisten deutschen Wagen haben „durch- gestandcn". Auch das gute Abschneiden der Pipe-Wagen kommt nicht überraschend. Sie verdanken ihren Erfolg zum größten Teil dem deutschen Ingenieur Pfänder, der früher bei Daimler tätig war. Pfänder hat den Triumph seiner Tätigkeit bei Pipe nicht mehr erlebt, da er, wie erinnerlich, vor wenigen Wochen ums Leben kam. Nazzaro, der Gewinner des Kaiserpreisrennens, ist 26 Jahre alt und hat eine ruhmvolle Rennkarriere hinter sich. Er war Sieger in der Targa Florio.1904 wurde er zweiter im Sousa—Mont Cenis-Rennen, 1905 erster. Im selben Jahre wurde er im Gordon Bennett-Rennen in der Auvergne zweiter hinter Thery, und auch im vorjährigen Grand Prix belegte er den Platz hinter dem Sieger. Am zweiten Tag des Kaiserpreis-Rennens war der Personenverkehr bei dem schön gewordenen Wetter gewaltig. Alle Züge waren wieder überfüllt. Der Gesamtverkehr wickelte sich glatt und sicher ab. Chauffeur Göbel. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, sind die Verletzungen des Rennfahrers Göbel nicht lebensgefähr- l i ch. Außer einer leichten Gehirnerschütterung und Quetschungen hat er Schaden nicht genommen. Daß er beide Beine gebrochen habe, wie wir auf Grund der offiziellen Meldungen der Renn- leitung mitteilten, ist nicht richtig. Das Unglück entstand dadurch, daß sich sein Fahrzeug während der schnellen Fahrt infolge Radbruchs überschlug. Weitere Unfälle. Auf der Strecke liegt hier und da ein zertrümmerter Wagen. Leider ereignete sich an der sehr schwierigen Saalburg-Kurve nach Homburg zu ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein Privatautomobil, das dem Kaufmann Wiedemann aus München gehörte, rannte in der Kurve gegen eine Telegraphenstange, die umfiel und die Drähte zerriß. Der Wagen schlug um, ging in Trümmer, unter denen der Kaufmann Wiedemann zu liegen kam. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er unter dem Wagen hervorgezogen. Seine Frau trug eine blutende Kopfwunde davon. Beide wurden in einem Sanitätswagen der Oberleitung nach dem Krankenhaus transportiert. Der Wagen 37 A (Metallurgique) sprang, wie es heißt, zwischen Weilburg und der Tenne aus der Bahn. Der Führer Hugo Wilhelm wurde aus dem Wagen herausgeschleudert brach das Genick und war sofort t o t. Bei Nerzhausen wurde ein Mann aus dem Publikum von einem Tourenwagen, der Depeschen beförderte, überfahren und getötet Von anderer Seite wird dagegen behauptet, daß der Unfall des Fahrers Hugo Wilhelm auf der Kaisertribüne in Abrede gestellt wurde. Auch das Gerücht, wonach bei Neu-Weilnau ein Rennwagen in das Publikum gefahren sei und mehrere Menschen getötet habe, bewahrheitet sich nicht. Dagegen wird der Unfall bei Nerzhausen bestätigt. Andere Automobilunfälle. In Frankfurt wurde am ersten Viadukt in der Mainzer Landstraße ein Kind von einem Automobil überfahren und getötet. Der Chauffeur ist verhaftet. In Stuttgart stieß an einer Straßenkreuzung ein Wirt, der auf dem Zweirad die Straße herauffuhr, mit einem Automobil zusammen. Er kam unter die Räder und erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport zum Krankenhaus starb. In der Nacht zum 11. dieses Monats stieß das Automobil des Händlers Rudolf aus Gotha bei Schwabhausen mit dem Geschirr des Holzfahrers Weber aus Graesenhain zusammen. Der Chauffeur wurde getötet, der Geschirrführer ichwer verletzt. Ter Händler Rudolf kam mit leichteren Verletzungen davon. Tfts Pferd ist lot. — Bei Ohrdruf scheute vor einem vorüberfahrenden Automobil das Pferd eines Wagens des Herrn von Trützschler aus Heerda bei Ohrdruf. Der Wagen stürzte um. Von den herausgeschleuderten Insassen wurde Frau von Trützschler, die selbst kutschiert hatte, schwer verletzt: der Kutscher erlitt leichtere Verletzungen. — Ein Rentier aus Berlin, der sich gegenwärtig mit seiner Familie auf einer Harzreise befindet, verunglückte mit seinem Automobil in der Nähe des Waldschloßchens bei Bernburg. Glücklicherweise wurden die vier Insassen nur leicht verletzt, der Chauffeur dagegen erlitt eine schwere Beinverletzung. Ein Automobil, in welchem sich Fürst Strozzi, Graf Lerderel mit Töchtern sowie der Dichter Gabriele d'Annuncio befanden, ist infolge Steuerdefektes am Ufer des Arno bei Florenz um- gestürzt. Alle Insassen wurden herausgeschleudert, jedoch nur leicht verletzt. In Lipine (Oberschlesien) wurde ein sechsjähriger Schulknabe von einem Automobilbierwagen überfahren und sofort getötet. * Für Automobile soll jetzt eine Extra st raße von Berlin n a ch P o t s d a m gebaut werden. Tas war entschieden iwtmenbig, denn auf den bisherigen Landstraßen wurden die Auto- nwbile durch andere vorsintliche Fuhrwerke und zeitweise auch durch Menschen so an der Entfaltung ihrer vollen Geschwindigkeit gehindert, daß mkni, sich eigentlich wundern muß, wenn sie überhaupt noch die Ljandstraßen und Fahrdämme benutzen. Es soll überdies auch hier und da vorgelommen sein, daß ein Fußgänger sich einem heranbrausende.i Toss-Tvff in den Weg geileUt und den Wagen dadurch erheblich beschädigt hat, sowie daß die Insassen der Auwmobile in Gefahr geibmmcn find, von einem langjani fahrenden Milchwagcn oder einem Omnibus überfahren und wlgequetscht zu werden. Es ist daher wünschenswert, daß möglichst allentblglben besondere St.raßeu für Automobile gebaut werden, und man sollte gleichzeitig anbereit Fuhrwerken, Radlern, besonders aber Fußgängern das Betreten derartiger Straßen verbieten. Nur eins ist dabei zu befürchten: die Fußgänger werden nunmehr vielleicht auch Ansprüche auf besondere Wege erheben, wozu sie eigentlich in unserer Zeit kein Recht mehr haben. Wir setzen aber voraus, daß derartigen Bemühungen, namentlich im Hiitblick auf dir letzten gräßlichen großartigen Um- und Unfall-Erfolge, energisch ent- gegcnqetreten wird, und daß man den vorwitzigen Antragstellern den Rat gibt, sich die unnötigen und seit Langem überflüssig gewordenen Gehwerkzeuge abichneiden zu lassen und sich schleunigst ein Automobil anzuschaffen. Tenn unsere Zukunft liegt nicht mehr auf dem Wasser, sondern im Benzin. Vermischtem * Erdbeben. Am 14. Juni wurde aus das südital. Insel Stromboli ein Erdbeben verspürt, welches mit einer heftigen Eruption des Vulkans verbunden war. — Am 3. Juni wurde in Valdivia (Chile) ein heftiger Erdstoß wahrgenommen. Das Zollgebäude, eine Kirche und mehrere Häuser sind zerstört, zwer Eifenbahnbrücken sind eingestürzt. Bisher wurden fünf Personen tot aufgefunden. — In Valdivia ist das deutsche Viertel zum Teil vernichtet woroen. — Nach einer Meldung aus Kingston vom 14. d. M. erfolgte in Jamaica ein heftiges Erdbeben. Der Stoß war so stark, daß eine wilde Panik unter der Be- völlerung ausbrach. Alle stürzten aus den Häusern, um Sicherheit im Freien zu suchen. Der durch das Erdbeben angerickstele. Schaden war nicht grotz, desto großer war das Unheil, das durch die Pani lvernrsacht wurde. Dieses war hauptsächlich in Port Royal der Fall, wo die Soldaten aus ihren Baracken üo er eilig ins Fre>.e stürzten. Dabei erlitten 40 Soldaten Verletzungen; 11 wurden sehr schwer verwundet. Auch in einem militärischen Lager außerhalb der Stadt erlitten sechs ^oicaien schwere Verletzungen durch die Panik, die in oer tiefen Dunkelheit der Nacht ftattfanb. Das Erdbeben wurde von einer sonderbaren Bewegung des Meeres begleitet. Kandel. ** Konkurse in Hessen, lieber das Vermögen des Metzgermeisters Johann Worth in Wöllstein lourbe am 27. Mai, nachm. 3 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da der Gemeinschutüner feine Zahlungsuniäyigtett und Ueber>chnldnng glaubhaft nachgewie>en und Konkurseröffnung beantragt hat. Rechtsanwalt Altendorf in Wöllstein wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kvntursforderungen sind bis zum 15. Juni bei )em Amtsgericht Wöllstein anzumetden. — Heber das Vermögen des Kaufmanns Bruno Mader in Darmstadt, Karlsi- ftraße 7, wurde am 22. Mai, nachm. 5 Vi Uhr, das Konkursver- ahren e rönnet, da der Gemeinscynldner dahingehenden Antrag gestellt hat. Gerichtsvollzieher t. P. Reibstein in Darmstadt wurde zum Kvnkursverwatter ernannt, Kontacsfcrdernngen sind bis zum 17. Juni bei dem Amtsgericht Darmstadt 1 anzw- melden. — lieber das Vermögen des Christian Karg, LandeA- produktenhändler zu Lämmerspiel, wurde am 17. Ähai, nachmittags 121/4 Uhr, das Kvnlürsoerfahren eröffnet. Rechtsam walt Dr. Weitz, Offenbach a. M., wurde zum Konkursverwalter ernannt. Mnturssordernngen sind bis zum 19. Juni bei dem. Amtsgericht Offenbach anzumelden. — lieber das Vermögen des Handelsmannes Heinrich Straus in Büdesheim wurde am 29. Mai, Dorrn. 11.% Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Hehl in Vilbel wurde zum Kvntursver-i Walter ernannt. Kvnkursforderungen sind bis zum 25. Juni bei dem Amtsgericht Vilbel anzumelden. Märkte. Gießen, 15. Juni.Marktbericht. Ans heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Psd. 0.90—1.— Mk., Hühnereier 1 St. 6—0 Psg., 2 Stet. 11—00 Pfg., Gänseeier 10—00 Psg., Enteneier 7 Psg., Käse pr. Skck. 6—8 Ps., Kasematte 2 Stck. 5-6 Psg., Erbsen p.Psd. 18-24Psg, Liusenp.Pfd.25-40 Psg., Tauben pr.Pr.0,d0—l,00Mk., Hühnerpr.Si. 1,00—1,60 Äik., Hahne pr. Stück 0,80—1,80 Nck., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse pr. Psd. 00—00 Psg., Ochsensleisch^ pr. Psd. 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Psg., Schweiue- fleisch pr. Pfund 64—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 80—90 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 64—84 Psg. Welsche per Psund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—9,— Pik., Zwiebeln pr. Ztr. 10,00—12,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Kirchen das Psund 40—50 Pfg., Slepfel per Zentner 20 vis 25 Mk., in Körben 00 Psd., Rüste 100 Stück 50-00 Pfg., per Ztr. 9—15 Alk., Weißkraut per Stiick 15—30 Psg., per Zentner Pik. O.00—0.00. — Marktzeil von 7—1 Uhr. Müller'schc Badeanstalt. Mass erwärme am 15. Juni: 15'/, ° R. Telefosiische des Giessener Anzeigers, nütge und Indusir Frankfurter Börs 3)6% Reichsanleihe . . 93.35 3% do. . . 83.45 3)4 % Konsols .... 93.60 3% do.....83.50 3)6% Hessen f . > . . — 3>a% Oberhessen . . . 94.00 4% Uesterr. Goldrente. . 98.35 4% 56 Oesterr. bilberrente 99 20 4>o Ungar. Goldrente . . 92.90 456 Italien. Reute . . . 103.40 356 Portugiesen Serie I . 66.40 356 Portugiesen „ 111 66.30 4)6% russ.Staatsaul. 1905 90.00 4)6% japau. Staatsanleihe 91.80 4>6 Uouv.Türkeu vou 1903 93.70 Türkenlose......—.— 456 Griecb. Mouopol-AuL . —.— 456 äussere Argentinier . 83.50 3U/O Mexikaner . < . 64.00 4A% Chinesen, .... 96.30 Aktien: Bochum Guss..... 220.00 Buderus E. W .... —.— Tendenz: fest. [Berliner Börse, 1 Canada K B......165.30 Darmstädter Bank . . . 127.00 Deutsche Bank .... 218.20 Dortmunder-Union C. . . 69.60 Dresdner Bank .... 135.50 Tendenz: schwächer. Kursberichte teilt vou der Bank für Hande) le, Giessen. e 15. Juni, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 115.20 Elektriz. Schachert . . . 103.00 Eschweiler Bergwerk . . 218.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.20 Hamburg-Amerik. Paket!. 128.70 Harpener Bergwerk. . . 198.80 Laurahiitte......219.50 isordd. Lloyd.....115.20 0beischles. Eisen-Industrie 101.00 Berliner Haudelsges . . 148.20 Darmstädter Bank 127.60 Deutsche Bank . . . 219.50 Deutsch-Asiat. Bauk . . 149.00 Diskonto-Kommaudit. . . 166.00 Dresdner Bank . . . 136.00 Kreditaktieu.....201.80 Baltimore- uud Ohio- Eisenlahn . . . 91.75 Gottbardbahu . . . . —.— Lombard. Eisenbahn . . 27.20 Uesterr. Staats bahn . . .141.80 Pnuce-Heuri-Eiseubahu . 129,30 >. Juni. Anfangskurse. Harpeuer Bergwerk. . . 198.20 Laurahiitte .... 219.25 Lombarden E. 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