Montag 15. April 1907 Zweites Blatt Nr. 87 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. W zur 1 Sitz. eiligst. H sind nicht ganrz frei von Schuld, verordnen sie do chselbft für Kinder die Mänzinalweine. Malaga z. B. hat 17 bis 18 Proz. i>en zahlreichen Aladchen, die in den Konoitare en Kogn kdohnen xn zahlreraien Kindchen, Die in den konoitore en Kogn kvoynen äugent ien m i g£r' »Am 5n iahten kaufen, sind 90 Proz. ganz kleine Mädchen. Auch die Äerzte dagegen qi es lchlrmmer ai» in Ooerheiien. «oor etwa du -unqre 157. Jahrgang ’ascht mit chwan ihti§ung enstersi Die „Siehener ZamttlenblStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS „Krtlsblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Der ..hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. 61 Mischen Kaserne 'rmitiag-uuhr liegen bei uns q>ur<hol. Die Kinder werden auch vielfach durch den Alkohol- genuß durch Vererbung geschädigt, der Hang zum Alkohol überträgt sich nicht selten von den Eltern auf die Kinder. 50 Proz. der Idioten sind Nachkommen von Alkoholikern. Zahlreiche Untersuchungen von Aerzten und Juristen zeigen, wie dieses Gift das Geschlecht körperlich und geistig degeneriert, geistigen Er- Iranfungen, dem Verbrechertum und dem Untergang zuführt. Der Al.lv Holgenuß 'führt zu einer Entartung der Rasse. Wir müssen die Kinder davor bewahren, und die Nahrung des Kindes muß diesem Stairdpunkt entsprechen, sie darf nicht stark gewürzt [ein; Hauptnahrung für Kinder sei Pflanzenkost, Dbft Gemüse, Milch, Gier, weniger Fleisch. AlleSchulfe st eund Schülerausflüge sollen alkoholfrei sein. In Amerika hats man in diesem Bestreben ganze Gesetze erlassen und gute Erfahrungen gemacht. Eine gewisse Belehrung der Schüler ist zum Teil schon eingeführt in den Volksschulen in Schweden, -Dänemark, Norwegen, Amerika und der Schweiz. Unsere Le)ebücher sollten mehr über Alkohol und seine Schädigungen cnthatten. Der beutjd)e Verein abstinenter Lehrer hat in dieser Hinsicht ein Preisausschreiben erlassen. Vorträge durch die Schulärzte und Merkblätter über Alkoholgenuß seien empfehlenswert. Eine erfreuliche und nachahmenswerte Entrichtung war auf dem letzten Gießener Jugendfest durch Einrichtung einer alko hol- freie n Wirtschaft geboten, die sich des größten Zuspruchs erfreute. Dies gute Vorbild läßt sich empfehlen. Die Lehren sind besonders berufen, in dem Kampf gegen den Alkohol eine Rolle zu spielen. Deshalb sollte in den Lehrerseminaren mehr Aufklärung durch Vorträge gegeben werden. In Friedberg und Wetzlar hat man bereits den Anfang gemacht. Vorbildlich roirtt hier Ungarn, iüo auch bereits ein „Abstinenter Jugendbund" gegründet wurde. Die besten Mtttel im Kamps stnd Vorblld und Beispiel. Auch in Gießen hat sich ein G u t-Te m pl er o r de n gebildet, der in religiöser und politischer Beziehung auf neutralem Boden steht. Er gründet Jugendvereine, hält Eltern- und Jugendabende ab. Redner schloß mit der Bitte um Mithilfe im Kamp, gegen den Alkohol. Lebhafter Beifall folgte den spannenden Ausführungen. Eine sehr rege Diskusiion schloß sich an. Pfarrer Hofmann, der seine Jugend- und Amtszeit großenteils im Kreise Gießen verlebte, schildert den furchtbaren Schnapsgenuß, der früher auf dem Lande verbreitet war; fast jeder Bauer hatte seine eigene Brennerei. Die Gegenwart zeigt eine bedeutende Besserung in der Mäßigkeitsfrage. In Gießen hatman äußerst " .ten den Anblia eines Trunkenboldes, in Wl*len e junge, studicr-or jache Pension in . 1 !l geb. Dame ooitog Sluguft gesucht. ie Angebote uffliOl aer Anzeiger etim exv u. fiW/rtcibct ^ertigkD-MweüÜ! au M waschen nt EWeg 2, Hintech. Mgniy t Kaufmann Indii iliguug mit 3AMI00 Unter*«. . Angebote wx M ener2hw«im daraus enrftänbe eine gewisse Verzögerung. Wenn dem Reiche tage erst alle Gesetzentwürfe zugegangen sein werden, werde man gewiß gern dem Bundesrat das Zeugnis geben, daß er fleißig gearbeitet hat! „ Abg. Wieland (südd. Volksp.) bemerkt, cs müße unsere Aufg .be fein, dafür zu sorgen, daß ber Mittelstand als Mitglied zwischen Großindustrie und Arbeiterstand bestehen bleibe. Der Landwirtschaft hätte die Gesetzgebung geholfen. Jedenfalls müsse auch dem Handwerk geholfen werden. Ob der Befähigungsnachweis etwas nützen würde, das bezweifle er freilich. Dagegen mochte er die Arbcitslohnvrrsichcrung für daS Handwerl Vorschlägen. Auch müßte der Staat dem Handwerk mit niedrig verzinslichen Anleihen unter die Arme greifen. Unerläßlich sei, daß endlich die Sicherung der Handwerker-Forderungen zustande käme. Auch sollte die gesamte Versicherungsgesetzgebung auf das selbständige Handwerk ausgedehnt werden. Abg. R i c) e b c r g (fraktionslos, Mittelstandsvereinigung) plädiert ebenfalls für Förderung des Mittelstandes. Genugtuung bereite eS ihm, daß endlich einmal auch ein Mitglied der Linken für den Mittelstand eingetreten fei. Abg. I r l (Zentr.) vertritt ebenfalls Mittelstands- refp. Hand- werkerwünfche. „ r Abg. Gern!er (natl.) bemerkt noch zur Hamburger Hafen- arbeiteraussperrung, Herr Raab habe sehr richtig bemerkt, es handle sich da um eine Machtprobe. Was die Arbeit der Schauerleute anlangt, fo liege die Schuld an der langen Arbeitszeit, an den Ueberschichten nicht an den Reedereien, sondern an den Leuten selbst. Das Bestreben der Leute gehe immer dahin, und ebenso das Bestreben ihrer sozialdemokratischen Organisationen, daß jeder Mann die von ihm begonnene Arbeit zu Ende führt. Die Leute melden sich daher bei Ablauf ihrer Schicht stets wieder zur nächsten Schicht. Die angeblich von Herrn Schmidt behauptete 36 stündige Arbeitszeit sei überhaupt niemals Gegenstand der Verhandlungen gewesen. Zwang zur Nachtarbeit hätte für die einzelnen Arbeiter ebenfalls niemals bestanden. Hierauf folgt Vertagung. — Montag Fortsetzung. W will daS Anschla- V ßca von Tiim übernehmen? SchrAicheAo zr 2461 an b. Giehenei rbeien._______________ uk nimmt iwtfcßimte hauch im Sopswaschc igftr. 06, III. Aejlell- h angen. Schlohgas. .Awengasse27i.LÄi ^arlainentarischer. — Die »Nordd. Allg. Z." schreibt: Stach den Berichten über die letzte Sitzung der Wa hlprüsungskom m ission deS Reichstages ist bie Kassierung der Wahl des Frhr. von Richt Hofen wegen eme8 angeblichen Telegramms deS Reichskanzlers erfolgt, in welchem die Mehrheit der an- wesenden Kommissionsmitglleder eine unzuverlässige Wahl - beeinflussung gesehen haben soll. Wie wir hören, ist dieses angebliche Telegramm nichts anderes als ein Bruchstück auS dem Antwortschreiben deS Fürsten Bülow auf eine von privater Seite auS dem Wahlkreise Schweidnitz-Striegau ergangene Anfrage. DaS vom 16. Januar datierte Schreiben besagt folgendes: ,Jn meinem Briefe an den Generalleutnant Liebert habe ich deutlich ausgesprochen, woraus es in dem gegenwärtigen Wahlkampfe anfommt, und habe unter ben zu befämpfenben Gegnern die Sozialdemokratie in erster Linie genannt. Ich muß mir aber grundsätzlich versagen, über die Eriorberniffe der Lage in ben einzelnen Wahlkreisen von hier aus ein persönliches Urteil abzugeben." Die »Nordd. Allg. Z.' fügt hinzu: Der Wortlaut des Schreibens scheint der Kommission nicht bekannt gewesen zu fein. Rach unserer Auffassung ist eine Wahlbeeinflussung darin nicht zu sehen und wir glauben nicht, daß das Plenum des Reichstages sich dem Votum der Kommission anschließen wird. Vou einer Hungersnot in Deutschostafrika wird folgendes gemeldet: Besonders heungesucht sind die Landschaften Ungoni (Ssongca) und Mahenge, d. h. diejenigen Bezirke, in denen im vergangenen Jahre der jetzt glücklich beendete Aufstand am heftigsten entfeffelt war und wo au? diesem Grunde die Eingeborenen ihre Felder nicht bestellt hatten. Daß in den genannten Distrikten infolge der kriegerischen Ereigniffe eine Schädigung der Landeskultur und infolge besten Nahrungsmangel eintreten würde, hatte das Gouvernement vorausgesehen. Schon vor geraumer Zeit wurde deshalb auf der Station Jringa ein Lebensmitteldepot einwurden die Kinder nod) beim Erheben des „NeujLhrchens" (Geschenk an Neujahr) mit Wecken bedacht, die sie in süßen Schnaps tauchten und aßen. Lehrer Will ist für schärfere Bestiinmunren gegen Trinker und Wirte und für aufklärende Vorträge an Elternabenden, um der Unkenntnis zu steuern. Lehrer Leib bemerkt, daß früher auf dem Lande nicht feiten die Mütter ihren Kindern auf das Brot Schnaps träufelten. Diese Versündigung geschieht heute noch. Gibt es doch sogar ein Schlafliedchen, das man mitunter auf dem Lande hört. Es lautet etwa folgendermaßen: Heio, beio, Reftche Schlaf in deinem Nestche! Vrandewein und Zucker drein Soll dem Kind fej Esse sei. Auf den Hinweis der Lehrer Becker und Will, daß es noch an einem alkoholfreien Bolksgetränk fehle, um das Bier zu verdrängen, betont Tr. Liebe, daß die Zahl der alkoholfteien Getränke zahlreich und überall zu haben fei, wie Kaffee, Tee, Kakao, Milch, Limonade, Limetta, Zittonenwasier rc. DerMen,a) solle überl-aupt nicht so viel trinken und leicht gewürzt essen, das Trinken ist meistens Angewohnheit. Man könne den Durst sehr wohl durch Essen von Obst, besonders Aepfeln stillen. Deutschland müsse mehr Obstbau treiben. Jnbezug auf alkoholfreie Getränke ist in den letzten 3 bis 4 Jahren ein großer Fortschritt zu verzeichnen, selbst aus dem Jemsten Dorfe kcmn man heute solche haben. Kurz nach 11 Uhr schloß Lehrer V. M ü 1 ler die schc anregend verlaufene Versammlung. Auch an der Landesuniversität macht, wie uns anläßlich dieses Vortrags mitgeteilt wird, die Abstinenz, bezw. Mäßigteilsbewegung Fortschritte. Seit vorigem Januar besteht z B. hier eine Ortsgruppe des deutschen Bundes abstinenter Studenten. hingen gegeben sei, einerlei, ob diese noch auf dem jetzigen oder auf dem folgenden Landtag vollendet würde. — Auch unsererseits können wir die Bekanntgabe des jetzigen Standes der Beratungen und der gefaßten Beschlüsse nur empfehlen, da hierdurch der Bevölkerung besser, als es bis jetzt möglich mar, Gelegenheit geboten würde, ihre Wünsche und Ansichten zu der für die gesamte Landbevölkerung höchst wichtigen Vorlage zu äußern. ** Vom Landes-Lehrerverein. Man schreibt uns aus Lehrerkreisen: Ein Frankfurter Blatt bringt in ferner Samstagsnummer die Nachricht, daß für die Wahl eines Obmannes des hessischen Lanbes-L.chrervereiuS vier Kandidaten genannt werden, nämlich Huff-Darm'tadt, Dern-Neu- Jsenburg, Storck-Butzbach und Valentin Müller-Gießen, und daß, während anfangs Huff die besten Aussichten zn haben schien, sich in letzter >}cit die Aussichten sehr zu Gunsten der Kandidatur Valentin Müller, Gießen, verschoben haben. — Es ist also eingetreten, was man in weiten Kreisen des hessischen Lehrerstandes gewünscht und sogar in Kreisen, die zwar dem Lehrerstande nicht angehören, die aber infolge ihrer Stellung genötigt sind, den Verhältnissen des Lehrerstandes besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, erwartet hat. •* Zwei landwirtschaftliche Feste werden am Sonntag nach Pfingsten in Oberhessen stattfinden. Außer dem von uns bereits angekündigten Volks- und Bauernfest in Ober-Widdersheim, bei dem Abg. Liebermann von Sonnenberg die Festrede halten wird, wird nämlich am gleichen Tage ein vom Bund der Landwirte und den Vereinigten Landwirten von Frankfurt a. M. und Umgegend veranstaltetes So mm er fest auf dem Selzerbrunnen bei Groß-Karben abgehalten. '"Der neue Mieterverein hält am Donnerstag dieser Woche eine Versammlung ab, in der die von den Stadtverordneten nunmehr genehmigte Kanal-Gebühren-Ordnung einer Erörterung unterzogen werden soll. "Einen guten Griff machte gestern die hiesige Polizei. Bei einem hiesigen Geschäftsmann hatte sich ein Knecht Erhard Bö ttcher aus Rakow vermietet und auf eine Anfrage über ihn bei seiner Heimatbehörde stellte es sich heraus, daß Erhard Böttcher in seiner Heimat sich aufhielt und somit nicht in Gießen sein könnte. Man nahm den angeblichen Böttcher deshalb fest und konstatirte, daß er mit dem Rechnungsführer Georg Heyne aus Groß-Wubiser identisch war. Heyne wurde von der Kgl. Staatsanwaltschaft Köslin wegen Unterschlagung und schwerer Urkundefälschung und von der Klg. Staatsanwaltschaft Kassel wegen Betrugs schon lange steckbrieflich verfolgt. Heyne hatte sich 1V2 Jahr lang unter falschem Namen Unterkommen zu verschaffen gewußt, ja er hatte selbst unter diesem falschen Namen in Berlin längere Zeit in Untersuchungshaft zugebracht. " Von der Gendarmerie. Am Samstag wurde auf dem Schießstand des hiesigen Infanterie-Regiments von Gendarmerie-Oberstleutnant Schmidt das alljährige Schießen der Gendarmen und Gefangenaufseher, abgehalten. Auch 6 auswärtige Gendarmen nahmen daran teil. — Versetzt ist Gendarm Bausch von hier nach Ober-Erlenbach und Gendarm Matthes von dort nach hier. X Wiese ck, 14. April. Gestern fand hier die endgültige Bür g e r m ei st er w a hl statt, da der 1. Wahlgang, bei dem 3 Kandidaten aufgestellt waren, unentschieden geblieben war. Die Wahlbeteiligung war wiederum recht lebhaft; von 580 Wahlberechtigten stimmten 495 ab. Schreinermeister Karl Schomber wurde mit 286 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Der Gegenkandidat Landwirt Heinrich Neidel erhielt 207 Stimmen. Trotzdem die Wahlagitation in den letzten Tagen von beiden Seiten sehr lebhaft und leidenschaftlich war, verlief die Wahl selbst in aller Ruhe und Ordnung. Die siegende Pavtei brachte dem neu- gewählten Bürgermeister lebhafte Ovationen dar und feierte ihren Wahlsieg in den Wirtschaften. — Klein-Linden, 14. April. Der Gesangverein „Harmonie" beging gestern abend auf der „Burg" zu Ehren des bisherigen Dirigenten F. Nemn st iel-Gießen eine kleine Abschiedsfeier, mit der gleichzeitig die Einführung des neuen Dirigenten Lehrer Möller verbunden wurde. Der Vorsitzende hob die aufopfernde Tätigkeit des , bisherigen Dirigenten Nennstiel hervor, ernannte ihn zum Ehrendirigenten und gab der Hoffnung Ausdruck, ihn noch : recht oft inmitten des Vereins zu sehen. Ph. Klingelhofer, IT Avril, in her Graf Posadomsky gesagt haste: in England wolle man Jnvaliden^ensronen rur bte ^beiter einführen und mit Staatsmitteln kleine Bau ern an» siedeln, und da trete ein Führer der englischen ^.tfieralen auf, bet früher Ministerpräsident gewesen sei,, und werst der Regierung vor, daß sie hierdurch eine Revolution und einen Umlturj kerbeiführe. Lord Rosebery schreibt: Graf Posadowsky sei augenscheinlich nicht gut unterrichtet gewesen, da die Rede, aus die Graf Posadowsky Bezug nehme, in keiner Weise seiner Behauptung Cnt1"'— Gutem Vernehmen nach bildete sich hier ein Syndikat zu b»m Zweck, den Bau einer elektrisch enEiscnbayn zwischen Fez und Tanger ins Werk zu sehen. Rom, 15. April. Die Nachricht von der Begegnung des Honigs Eduard mit dem König vonItalien wird amt- l'ich bestätigt. Die Enträvue wird am 18. April in Gaeta statt- finden. «richtet, von welchem Mohengi beziehen rann. '$>«8 Weiteren ist Mahenge von Morogoro und von der Kulte aus mit Lebensrnitteln versehen worden. Ferner hat der Gouverneur angeordnet, daß die in den Küstenländern beschäftigten sog. Strafarbeiter unter Abkürzung ihrer Strafzeit, mit Lasten von Lebensmittels reich versehen, wieder m ihre Heimat im Innern zurückgeschickt werden sollen. Ssongea kann vermöge seiner geographischen Lage zurzeit noch nicht von der Küste aus, sondern nur auf dem vom Nyaßasee hin- führenden Wege versorgt werden, nötigenfalls ckuch aus Mo- zambique, vielleicht auch Britisch-Zentralafrika und au§ dem deut'chen Distrikt Langenburg. Nach einem vom ©oimcrnc- ment beim ersten Auftauchen der betreffenden Meldungen eingeforderten telegraphischen Bericht hat der Gouverneur bereit? den gesamten, seiner Verfügung unterstehenden Jlot» standSfondS 'flüssig gemacht, um die Not an den von der Nahrungsknappheit am meisten getroffenen Platzen durch bie Heranziehung von Nahrungsmitteln auS den Ländern am Nyasia-See zu lindern. Bei dem Mangel an Eisenbahnen muß leider damit gerechnet werden, daß selbit die unter Ausbietung aller verfügbaren Mittel getroffenen Maßregeln vielleicht nicht überall zureichen werden. Dem Reichstage ging ein zweiter Nachtrag zum Vertrag über die Einrichtung und Unterhaltung von Postdämpferverbindungen mit Afrika zu. Der Nachtrag enthält ein Uebereinfommen zwischen dem Reich und der Deutschen Ostafrikalinie in Hamburg. Das llcbcrenifommcn bestimmt, daß die Oslafrikalinie versuchsweise anstelle der seitherigen, in beiden Richtungen betriebenen vierwöchentlichen Rundfahrten um Afrika dreiwöchentliche treten laste. . r „ In Plauen im Voigtland wurde eine Voigt lan. bische Industrie- und Plantagengesellschaft mit beschrankter Haftpflicht begründet. Die Gesellschaft will m Ostafrika die Kultar der Sisaagare und die Gewinnung von S i s a h a n f betreiben. Ans rind Land. Gießen, den 15. April. ** Landgemeinde-Ordnung. 31,111 gegenwärtigen Stand der Beratung über die Revision der hessischen Landgemeinde-Ordnung in dem hierfür eingesetzten AuSschuß der Zweiten Kammer erfahren wir authentisch, daß während der Osterferien die Berichterstatter, Abgg. Köhler und Hebet, eine Hebersicht aller der Attikcl der Regierungsvorlage an- gefertigt haben, mit der der Ausschuß nicht einverstanden war. In dieser Hebersieht sind nebeneinandergestellt: 1. die betr. beanstandeten Artikel der Regierungsvorlage, 2. die formulierten Ausschußbeschlüsse dazu und 3. die hierauf mitgetcilten vorläufigen (also noch nicht verbindlichen) Entschließungen des Großh.'Ministeriums. Diese Aufstellung ist am Dienstag, 9. April, dem Vorsitzenden des Ausschusses für die Beratung der Verwaltungsgesetz-Revision, Abg. Haas, vom Abg. Köhler mit dem Ersuchen überreicht worden, sie drucken und veröffentlichen zu lassen, da durch sie zum erstenmal die formulierten Ausschußberichte festgelegt seien und vor Augen geführt würden und damit eine feste Grundlage für die späteren Sera» Deutsches RsZrH. Berlin, 15. April. Der Kaiser ist gestern abend nach Meppen abgereift, wo er heute Schießoersuchen beiwohnen wird. Heute nachmittag erfolgt von dort die Weiter- reise nach Bückeburg. — Die „Norbb. Allg. Ztg." widmet einer Kundgebung des amerif. Botschafters in Berlin, Charlemagne Tower, im New-Yorker Manhattanklub einen sympathischen Passus, in dem es heißt: Einsichtsvolle Männer hüben und drüben haben stets die Heberzeugung vertreten, daß mit der besseren Kenntnis der Verhältnisse, die das eine Volk von dem anderen durch unmittelbare Fühlung erlangen würde, auch das Verständnis für einander an Boden gewinnen werde. Mit Genugtuung wird man daher in Deutschland die warmen Worte aufrichtiger Freundschaft vernommen haben, durch die der Vertreter der großen Republik beim deutschen Kaiserhofe seine Landsleute über die deutschen Absichten und Bestrebungen unterrichtet hat. AuerS Beerdigung. Berlin, 14. April. Dem toten sozialdemokratischen Reichstagsabg. Ignaz Auer gaben heute viele Tausende Parteigenossen das letzte Geleit. Zwei Stunden dauerte der Vorbeimarsch, 20 000 Menschen reihten sich aneinander. In dem Zuge befanden sich außer den Reichstagsabgeordneten der Partei, den Vertrauensleuten, den Gewerkschaftsführern und den zahlreichen Mitgliedern der einzelnen Wahlkreise von Groß-Berlin Deputationen aus dem In- und Auslande. So waren Abordnungen ans Oesterreich, Rußland, England und Holland anwesend. Unter den Klängen des Chopin- ichen Trauermarsches setzte sich der Trauerzug in Bewegung. An der Spitze der Kranzdeputation marschierten Frauen, die einen gewaltigen Kranz trugen, der von den sozialdemokratischen Frauen Deutschlands gewidemt war. In der Leichenhalle auf dem Fried- richsfelder Kirchhofe ergriff zuerst Bebel das Wort, um seinem Schmerze darüber Ausdruck zu geben, daß die Reihen seiner alten Kampfgenossen lichter und lichter würden. Nun sei der beste, tapferste und ausdauerndste, Ignaz Auer, auch dahingegangen. Bebel gab dann einen Ueberblick über den Lebensgang des Verstorbenen. Ein Sohn des Volkes sei er gewesen, vom ersten Gedanken bis zum letzten Atemzuge. Dann feierten Dr. Adler-Wien, Bibant - Holland und Rosa Luxe mb u r g die Verdienste des Heimgegangenen um die Partei und die Arbeiterschaft. Als dann der Sarg in die Gruft gesenkt wurde, trat zuerst Singer heran und rief dem Toten ein letztes Lebewohl nach. Die Kranzträger legtcM nun unter kurzen Widmungsworten den Kranz mit Blumenspenden nieder, worauf der endlos lange Zug am Grabe vorüber defilierte. Beim Leichenbegängnis hat sich ein t r a g i s ch e r Z w i s ch e n - fall abgespielt. Als sich der Kondukt durch die Warschauer Straße bewegte, brach der Vretterträger August Weber in- folge Herzschlages tot zusammen. Neues aus Rußland. Wieder einmal tritt das ganz unkontrollierbare Gerücht auf, das Zaren paar beabsichtige, sobald in Rußland Ruhe eintritt, eine Auslandreise anzutteten. Voraussichtlich werde es sich nach Darmstadt begeben, um dort den Sommer zu Oer- bringen. Falls sich der Plan verwirklicht, werde Kaiser Nikolaus in Darmstadt eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm haben. Man wird der Meldung mit großer Skepsis zu begegnen haben. In Petersburg verlautet, Krupp habe einen Teil der Petersburger Putilow-Werke zur Herstellung von Schlachtschiffen angekauft. Angesichts der Wahlen zur Agrar ko m Mission der Reichsduma beschlossen die der Rechten angehö'-en^en bäuerlichen Abgeordneten, da sie in der Agrarfrage mit den Führern der Rechten nicht einverstanden sind, für die Kommission ausschließlich bäuerliche Kandidaten zu wählen. Dieser Beschluß veranlaßte die Abgeordneten der Rechten, die Partei- starke zu prüfen. Die Mehrzahl hatte sich eigenhändig int offiziellen Dumaregister bei der Partei der Gemäßigten eingetragen. Die neue Umgruppierung des rechten Flügels ergab folgendes Resultat: 40 Parteilose. 30 Oktobristen, 50 Gemäßigte und 7 Mitglieder der äußersten Rechten. In Riga spielte sich im Zentralgefängnis ein blutiger Kampf ab. Vier in Untersuchung stehende politische Gefangene stürzten auf einen Aufseher und knebelten ihn. Sie drangen dann ins Wachzimmer ein, überrumpelten die Wache und bemächtigten sich ihrer Gewehre und Revolver. Darauf befreiten sie die übrigen politischen Gefangenen und versuchten, den Ausgang zu stürmen. Mittlerweile waren mehrere Soldaten herbeigeeilt und es begann ein blutiger Kampf, wobei sieben Gefangene getötet und 17 verwundet wurden. Die übrigen warfen die Waffen weg und gingen in ihre Zellen zurück. Auf der anderen Seite wurden der Gehilfe des Gefängnisdirektors und 9 Soldaten verwundet. ___________________ ALLSSQNd. London, 13. April. In einem Schreiben an die „Times" wendet sich Lord Rosebery gegen die Ausführung des Staatssekretärs Grasen Pvsadowsckh in der Reichstagssitzung vvm ein Gründer be§ Vereins, dankte Herrn Nennstiel, der fett seiner Gründunng vor 20 Jahren den Verein leitete und brachte ein Hoch auf den scheidenden Dirigenten aus. Nennstiel toastete auf das fernere Blühen und Gedeihen des ihm lieb gewordenen Vereins. sd Darmstadt, 14. April. Das GroßherzogSpaar ist heute Nachmittag mit dem Priuzenpaar Heinrich und Prinz Sigismund in 2 Automobilen nach Schloß Heiligenberg i. B. gefahren, um dort den Tee einzunehmen. Am Abend fuhren die Herrschaften wieder zurück und besuchten das Hoftheater, in welchem zum ersten Mal das Musikdrama „Tiefland" von Eugen d'Albert mit gutem Erfolge gegeben wurde. Nach dem Theater sand Familientafel statt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Höingen wurde Dietr. S ch oll 2. einstimmig zum Bürgermeister gewählt. — Die älteste Einwohnerin Hanaus, Witwe Katharina Hilmar, ist im 97. Lebensjahre gestorben. Die Greisin erfreute sich bis in die letzte Zeit verhältnismäßig guter Gesundheit und Keistesfrische, war febod) an bas Zimmer gefesselt. — Ein Großfeuer zerstörte in Walburg bei Kassel 12 Gebäulichkeiten. Viel Vieh ist in ben Flammen nmgekommen. — Zu Beigeorbneten gewählt und als solche bestätigt wurden Konrad Quanz 2. in Rieder-Stoll und Jobs. Grob zu Eich en rod. — In Burgsolms scheidet Haupstehrer Kirchhof aus seinem 2(mt aus, aus welchem Anlaß am 1. Mai ein Abschiedsessen veranstaltet wird. — Tie größte Molkereigenossenschaft des Vogelsberges, L a u t e r b ach- Fulda, bezog im abgelaufenen Geschäftsjahr 7 536 072 Liter Milch und bezahlte dafür 950 000 Mk., also für das Liter 12,60 Pig. Die Zahl der beteiligten Landwirte ist 2 258. — Der Stadtverordnetenversammlung in Kassel ging eine Volage des Magistrats zu, wegen Erbauung einer Stadthalle. Die Kosten sind auf 1 /< Million Mark veranschlagt. Vermischtes. * Berlin, 14. April. Die Untersuchung gegen den Eisenbahnarbeiter Buhse ergab, daß tatsächlich eine Verbrecher- b a n d e „Schwarze Maske" existiert hat, deren vaupt Buhse war. Rach den Aussagen des Hausierers Richter, der zum Eintritt in diese Bande durch Buhse gezwungen wurde und auch selbst an einem Einbrüche teilnahm, ist festgestellt worden, daß die Bande vier Abteilungen umfaßt: einfacher Diebstahl, schwerer Einbruch, Erpressung und Raub. Richter gelang es, sich Buhse durch die Flucht zu entziehen. Als er dann von dem Anschläge gegen Tiedemann las, ging er freiwillig zur Kriminalpolizei, um Auskunft über den Täter zu geben. Ruhse stellte bei seiner Vernehmung die Geschichte von der „Gesellschaft der schwarzen Maske" als unwahr hin. Rach dem Lesen namentlich von Kriminalromanen sei der Plan tn ihm gereift, sich einmal als Räuber zu versuchen. — Wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen wurde der 44jährige Maler Hugo Waldes aus Steglitz verhaftet. W., der bereits einmal mit dreijähriger Zuchthausstrafe ein gleiches Verbrechen gesühnt hat, wird diesmal beschuldigt, seine eigene fünfzehnjährige Tochter fett Jahresfrist mißbraucht zu haben. — In der gestrigen Nacht wurde zwischen Köpenick und Grünau der Restaurateur Franz aus Grünau durch vier Männer umringt, die versuchen wollten, ihn zu berauben. F. wurde derart verletzt, daß er besinnungslos zusammen brach, dann wurde er über das Brückengeländer in den Teltowkanal geworfen. Zum Glück kam er im Wasser wieder zur Besinnung und erreichte unter Anspannung der letzten Kräste das Ufer. Die Attentäter waren entflohen. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 15. Avril. (Orig.-Telegr. des „Dießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 19.00—19.50, Kurhessischer Mk. 19.00—00.00, La Plata Mk. 20.25—20.75, Kansas Mk. 20.25—20.75, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25—17.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.25—18.50, Franken- selber Mk. 18.50—19.—, Hafer 18.75—19.50, MaiS Mk. "-00— Weizenmehl 27.50-28.25, M. 00—00, 2. Quältet Mk. 25.25 bis Mk. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.25-23.75, Roagenmehl 0 Mk. 26.25—27.00,1. Qualität Mk. 25.50—26.00, Weizenkleie Mk. 10.50 bis Alk. 10.75, Roggenkleie Mk. 11.00-11.50, Maiskeime Mk. 11.00 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Rieb Mk. 18.50-19.00. Alles per 100 Kg. ab hier. . „ .. fc. Frankfurt a. M.» 15. April. (Telegr. Omg.-Bencht beS ,Dieß. Anz"). Amtl. Notierungen der heutigen Viebmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 454 Ochsen, 47 ans Oesterreich, 12 Bullen, 0 aus Oesterreick, 0 aus Dänemark, 903 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 279 Kälber, 273 Schafe und Hammel, — Schake aus Oesterreick, 0 Ziegen, 1907 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 79—82 Mk., 9 Qual 70—74 Mk., 3. Qual. 65—68Mk.; Bullen I.Qual. 72 bis 75 Mk 2. Qual. 68—70 Mk.; Kühe 1. Qual. 72—74 Mk., 2. Qual. b8—70Mk., 3. Qual. 59-61 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: I.Qual. 100—104Pfg., Lebendgewicht 60—62 Pf., 2. Qual. 94—99 Pfg., Lebendgewicht 55—58 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 72—76Pfg., Schafe: I.Qual. 80—00, 9 Qual. 76—78 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfq.; Schweine 1. Qual. 55-57 Pfg., Lebdgew. 43.00-44.00 Pfg., 2. Qu. 53 - 54 Pfg., Lebend- gew. 42.00—00 Pfg., 3. Qual. 50—52 Pfg. Lebeudgew. 00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstaud unbedeutend; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. OrrgriraL-Drahtmeldungen. sd. Darmstadt, 15. April. Wie mir von der Großh. KabinetSbirektion bestätigt wirb, hat ber ber Kunstlcrkolonie angehärenbe Maler Kleukens ben an ihn nach Hamburg ergangenen sehr vorteilhaften Ruf abqelehnt. Der Künstler will auch fernerhin im Verbanb ber Künstlerkolonie unb ber Lehrateliers für anqewanbte Kunst verbleiben. Mailand, 15. April. Eine dreibundfeindliche Rede hielt der radikale Abg. Ru cu f ft, Direktor der Zeitung „Secold", vor feinen Wählern. Er unterzog die auswärtige Po- litif Italiens einer scharfen Kritik, erklärte seine Sympathie zu dem Vorgehen Clemenceaus in Frankreich und drückte sein Bedauern ülM> die mißliche Lage aus, in welche Italien durch sein Verhältnis zum Dreibünde geraten fei Vor allem sichere der Dreibund keineswegs Italien gegen die Gefahr der österr. Politik. Ebenso werde der allseits zu billigende englische Vorschlag zur Einschränkung der Rüstungen von Deutschland bekäxnpft. Tittoni habe trotz seines vor der Kammer gegebenen Versprechens, den Abrüstungsvov-schlag zu unterstützen, nunmehr bei feiner Unterredung mit dem Fürsten Bülow in Rapallo sich entschlossen, dem deutschen Standpunkt beizutreten. Petersburg, 15. April. Der Konflikt zwischen Stolypin und derDuma spitzt sich weiter zu. Am Samstag wurde von der Schutzpolizei der Duma auf Befehl Stolypins unbeteiligten Personen der Zutritt zur Duma nicht gestattet. Auch allen Journalisten wurde der Eintritt unter dem Vorwand verweigert, daß sie nur die Berechttgung hätten, die Duma zur Zeit ihrer allgemeinen Sitzungen zu besuchen, an anderen Ta^en aber in der Duma nichts zu suchen hätten. Daß Stolypm fein Verbot durchgeführt hat, hat große Erbitterung in Abgeordneten- kreisen hervorgerusen. Es beginnt eine Agitation zu dem Zweck, eine Obstruktion in die Wege zu leiten. Das Dumapräsidium beriet über bie Sage und beschloß, Stolypin nochmals daraus aufmerksam zu machen, daß er im Unrecht sei. Einzelne hervorragende Abgeordnete wollen eine Interpellation über das iHcgtalc Vorgehen Stolypins in der Duma cinbringen. __ Die Rachitis ober englische Krankheit wird durch mäßige Nahrung entschieden verschlimmert. Eine sehr zweckmayige Nahrung,, welche nickt nur durch ihren Gehalt an Euveröstoffen, oro Bildung von Muskelsubstanz fordert, sondern durch.ihren Geyait von Mineralstoffen auch die Knochenhildung sehr günstig veemsMtzy ist /,Kuseke"-Kmdermehu