ninos fi s 2 Mark eigener« hrt os. PH ,ri*«ä91 Polstrsche L^gesscharr. Der deutsche Flotlenverein. Aehnlich wie die Deutsche Kolonialüesellschaft seinerzeit gegründet worden war, um für den Gedanken einer kräftigen Kolonialpolitik Propaganda zu machen, ist seinerzeit der Deutsche Flotlenverein geschaffen worden, der dazu bestimmt war, freiwillig die Bestrebungen der Reichsregierung auf Vermehrung unserer maritimen Wehrkraft zu unter- stützen, die Anschauung, daß Deutschland einer ausreichenden Flotte bedarf, um feiner Weltmacht einen kräftigen Rückhalt zu geben, immer weiter in der Bevölkerung festen Fuß wurzeln zu lassen. Der Verein hat eine ungemein rührige Tätigkeit entfaltet, selbst in den kleinsten Orten gibt es Zweigvereine, und die Gesamtzahl der Mitglieder beläuft sich fast auf eine Million. Unstreitig kann der Verein das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, viel dazu bsrgetragen zu haben, daß der Flottengedanke ungemein an Boden gewonnen Hal, wie ja auch die verschiedenen RLarinevorlagen stets eine ziemlich glatte Erledigung im Reichstage gefunden haben. Auf der anderen Seite aber läßt sich liichr leugnen, daß der Verein und einzelne feiner Leiter in der Absicht, der guten Sache zu dienen, doch manchmal etwas über das Ziel hinauSgefchofsen sind. Hitzige Redner und manche dem Verein nahestehende Blätter mit ihren chauvinistischen Anfchauiutgeu trugen dedM»n und Druckerei - rchulstrsfje ». Die Ltunftbeftrebuug^ll nnseres Grsßherzogs nttb der Bauernbund. Seit Jahren bemüht sich unser kunstsinniger Großherzog, einer neuen fkonstepoche den Weg zu bahnen, einer Kun,i freie Bahnen zu schaffen, die im besten Sinne des Wortes fürs Volk sein soll und das Leben jedes Einzelnen durchdringen ri.ll) verschönern soll. Es ist hier nicht dec Ort, auf die einzelnen hervortrctenden Erscheinungen der Darmstädter Kunstrichtung einzugehen, es soll vielmehr nur allgemein darauf hingewicsen werden, daß die Initiative unseres Landcsherrn, Kunst, Kunstgewerbe und künstlerisches Empsinden in weiteren Kreisen des deutschen Volkes, insbesondere aber in Hessen außerordentlich gefördert hat. Das trat in erfreulicher Wesse euch in dec Sitzung dec 2. Kammer zutage, in der diese, wie seinerzeit berichtet wurde, der Regierungsvorlage über die Beschickung der Hessischen Laudes- AuSstellung für freie und angeivandte Kunst, die im nächsten Jahre in der Landeshauptstadt stattftnden soll, einmütig ihre Zustimmung erteilte. Es wurde — bezeichnend genug für die Selbstverständlichkeit, mit der die Volksvertretung die tu der Vorlage verlangte Beteiligung des Staates ansah — nur eine einzige Rede gehalten, und zwar von einem der Wortführer des Bauernbundes, dem Abg. Köhler. Ter unS nunmehr vorliegende Wortlaut dieser Rede, die eine freudige und gewissermaßen programmatische Zustimmung des Bauernbundes zu den künstlerischen Bestrebungen des Gcoßhe^ogs bedeutet, erscheint deshalb bemerkenswert genug, um ihn nochmals mitzuteilen: „Meine Herren, ich möchte die Herren Abgeordneten bitten, dieser Forderung zuzustrrnmen. Die angeforderten Ausgaben werden wir so wie so nun doch einmal Haven; wenn nicht in diesem Jahr, so doch in den folgenden. Dabei möchte ich doch einmal betonen, daß ich — und noch eine ganze Menge von Leuten im Lande — mit Freuden das Vorgehen unseres LaudeS- herrn hinsichtlich seiner Kunstbestrebungen begrüße. Ich hoffe, daß cs einmal, ja möglichst bald geschehen mögt, daß wir die Künstlcrkolonie wie überhaupt das ganze von unserem Großherzvg gepflegte Kunstwesen auf den Staat übernehmen. Cs ist in den Zeitungen schon früher dav«M die Rede gewesen, viel früher aber schon habe ich mit dem Herrn Abg. v. Brentano dahinzielende Unterredungen gepswgeu, die sich zu Anträgen verdichten sollten, aber die, gerade durch die Nachricht in den Zeitungen, man plane seitens der Regierung so etwas wie eine Verstaatlichung der Künstler- ko wnie, nicht zustande tarnen. Ja, ich meine, daß es richtig wäre, wenn wir von Staats wegen unserem Grvßherzog in dieser Sache ein bißcyen an die Hand gingen. Ich halte es' für sehr wertvoll, daß unser Landesherr den Künstlern vollständig freie Hand läßt bei ihrem Schassen, ganz im Gegensatz zu anderen Stellen, tüö mau gewiß ermaßen die Kunst kommandieren will. (Zuruf: Siegesallee!, Hier in Darmstadt sind es freie Künstler, die tonnen wirten, wie es ihnen vatzt. Ein jeder dieses Künstler fann hier noch eigener Fasson selig werden. In freiem Wirken von Talent unh Genie mag hier dec Kunstgescymack unserer Zeü, der Kunststil unserer modernen £eit geboren werden und zu beständigen Formen sich entwickeln Das aber iänn nur geschehen, wenn dem Künstler die Sorge nm sein leibliches Wohl abgenommelltoirb, er unbe» euiflußt von oben oder unten frei schaffen kann. Das ist die Großtat unseres Landesherm, daß er der Kunst und den Künstlern hier in unserem Hessenlande eine Freistatt bot. Unserem Groscherzog gereicht dies zu unvergleichtia-ein Ruhm, unserem Lande zu höchster Ehre. Ohm aber sollten wir, die Voltsvertretung, allseits uns bereit finden lassen, von Staats rocQuii all biete Vestrebungen unseres Großherzogs aufs aus- gierigste zu unterstützen." Plan wird in weiteren Kreisen diesen Worten Köhlers nur zustimwen nnd um so mehr Befriedigung darüber empfinden können, weil man im allgemeinen den Bauernbund bis jetzt mehr als eine Vertretung materieller Interessen ansah. Wenn die hessischen Stände in diesem Sinne die künstlerischen Bestrebungen des GroßheczogS unterstützen, dann dürfen sie das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, nicht bloß Förderer einer modernen Kunstrichtung zu sein, sondern auch einer zeitgemäßen Heimat- und Volkskunst zu dienen. Wogen gar zu hoch gingen, waren sogar die Regierungs- Vertreter genötigt/ ausdrücklich den inoffiziellen Charakter des Flottenvereins zu betonen und intime Beziehungen der Reichsregierung zu dieser Korporation in Abrede zu stellen. Sehr viel Staub aufgewirbelt hat, wie erinnerlich, die Stellungnahme des Flottenvereins zu den letztenReichs- tagswahlen, weil der Verein erklärt, keinen politischen Charakter zu besitzen. Es war begreiflich, daß das temperamentvolle Vorgehen des Generals Keim und anderer, die dem Zentrum nahestehenden Mitglieder des Flottenoereins etwas verfchnupsen mußte und speziell in Bayern gingen die Wogen der Entrüstung so hoch, daß ein Bruch unoei> weidlich schien. Hinter verschlossenen Türen soll es auch in Köln hierüber zu recht scharfen Auseinandersetzungen gekommen sein, aber erfreulicherweise überwog die Einsicht, daß man im Hinblick auf das Ganze kleinere Gesichtspunkte zurückstellen und nach wie vor in treuem Zusammenhalten für den Flottengedanken kämpfen müsse. Die Versöhnung kam denn auch zustande, und die bayerische Protestresolution wurde zurückgezogen. Dieser interne Zwist wird aber vielleicht das Gute haben, daß man künftig innerhalb des Vereins in Bezug auf iattifcye Dttißnoymcn recht vorsichtig vorgeht und peinlichst alles vermeidet, was die Gefühle irgend eines Teiles der Mitglieder verletzen könnte. Dann wird auch der Flottenverein weiter erstarken und weiter neue Freunde werben. Daß unsere Flotte noch recht ausbaufähig ist, daß es insbesondere an einer genügenden Zahl von Auslandskreuzern fehlt, ist eine feststehende Tatsache, wenngleich wir niemals daran denken werden können, eine Flotte zu bauen, welche der englischen gewachsen ist, da nun einmal unsere Hauptstärke auf der Landmacht beruht. In- dessen steht es außer Frage, daß angesichts dw gegenwärtigen internationalen Konstellation ein Zusammenstoß, wenn es einmal zu einem solchen kommt, in erster Linie wohl nur mit.England erfolgen kann. Aus dem Reichstag. R. B e r I i n, 13. Mai. ES ist dem Grafen Pofadowsky nicht gelungen, durch seine vertraulichen Mitteilungen in der Kommission das deutsch-amerikanische Handelsabkommen in einem günstigeren Lichte erscheinen zu lassen. Das ging aus dem Ergebnis der Kommissionsabstimmung und mehr noch aus der Debatte bei der heutigen zweiten Lesung des Gesetzentwurfs hervor. Mit den kurzen Erklärungen, bei denen es angeblich sein Bewenden haben sollte, war es nichts. Die Unzufriedenheit über das für Deutschland so wenig ertragreiche handelspolitische Geschäft ließ sich nicht zurüct- bämmen, wenn auch schließlich unter dem Druck der Notwendigkeit eine beträchtliche Majorität in der Genehmigung des Provisoriums sich zusammenfand. Nach der Abftim- mung, als die B e a m t e n p e n s i o n s g e s e tze zur Erörterung gestellt wurden, über die die Meinungen nicht erheblich auseinandergehen, strömten die Volksvertreter großenteils in die von erquickender Kühle durchwehte Wandelhalle. Dort weilte auch der soeben von seiner Amerikafahrt heimgekehrte frühere preußische Handelsminifter v. Möller. Sein Urteil über die neueste handelspolitische Errungenschaft kennen zu lernen, war besonders für seine nationalliberalen Parteifreunde von Interesse, und so sah sich der Exminister alsbald stark m Anspruch genommen. Im Sitzungssaal füllte sich mittlerweile die Bundesratsestrade mit Exzellenzen, Generälen, Seeoffizieren, Geheimräten ufw., das gewohnte farbenreiche Bild, wenn die dritte Lesung des Etats herannaht. Sie bedeutet diesmal den Wschlutz der parlamentarischen Arbeit überhaupt, fordert also heraus zum Rückblick auf den ersten Tagungsabschnitt des neuen Reichstags. Abg. Bebel (Soz.), der erste Redner in der Generaldiskufsion, hielt mit feiner Kritik nicht zurück. Sie ist für den Block begreiflicherweise wenig schmeichelhaft, am wenigsten für die Freisinnigen, die nach Bebel ein „politisches Canossa" zu verzeichnen haben, das zu Lebzeiten Eugen Richters unmöglich getoefen wäre. Der Groll des Lwzia- listenführers über den Wahlausfall klang zu deutlich aus feinen Worten heraus, um iiicht bei den Blockmännern den entsprechMden Widerhall zu wecken. Ironischer Beifall und geräuschvolle Heiterkeit wechsellen ab. Die „Methode Bülow" einerseits in der Behandlung des „zarten Blockgewächses", andererseits im Verhalten gegenüber der Sozialdemokratie wurde von Bebel teils mit ätzendem Spott, teils mit Entrüstung erörtert. Eine besondere Lanze hatte er sich für den Waffen gang mit dem Abg. o. Oldenburg, dem ostelbischen „Soziaustenfresser", reserviert, uni) hierbei zeigte Bebel auch Sinn für Humor. In der Hauptsack)e aber, in den gegen den Fürsten Bülow gerichteten Darlegungen, verpuffte die Wirkung. Ter Kanzler selbst war nicht anwesend, und das Haus fühlle sich weniger interessiert durch die Bebelschen Gedankengänge über den Flottenverein, die Haager Konferenz und das französisch-japanische Bündnis. Selbstverständlich stimmt die äußerste Linke nach wie vor gegen den Etat im ganzen. In seiner ruhigen, bestimmten Redeweise unternahm Abg. Bassermann (nL) eine Ehrenrettung des neuen Reichstags, der Blockmehrheit und auch des Flottenvereins, „her geschaffen werden müßte, wenn er noch nicht bestünde". Wuchtiger und packender polemisierte Aba. Haußmann (d. Vp.) gegen Bebel, den er zum allgemeinen Ergötzen als „allen Herrn der deutschen Volkspartei" bezeichnete, sich selbst aber als „lebendigen Beweis des Hasses der Doziatdemokvaten". Abg. Müller- Meiningen (fr. Vp.) vollendete die Abrechnung mit der Sozialdemokratie so energisch, daß die Debatte stellenweise stürmischen Charatter annahm. Tie innerpolitische Situation ist für d.e parlamentslose Zeit geklärt, die Regierungsmehrheit des Blocks steht zwar nicht fest wie Erz, aber doch fester, als es am Beginn der parlamentarischen Kampagne erwartet werden tonnte. Bebel streckte aber keineswegs die Waffen, fondern er suchte die Gegner auf feiten der bürgerlichen Demokratie abzmveycen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß das Zentrum in der politischen Generaldebatte den Wahlbundesgenossen die Unterstützung versagte. Für die Partei dec iDhtte sind „offiziell" locke Wahlakten geschlosseil, mag auch im Lande draußen noch zuweilen ein kräftig Wörtlein gegen den Kanzler gesprochen werden. Nicht nur nach Rom, sondern auch ins Regierungslager führen viele Wege, ur.D in der Ferne scheint das Zentrumsiähnlein schon einem dieser Wege zuzustreben. Deutscher Reichstag. 25. Sitzung am 13. Mai. Eingegangen ist eine Vorlage bett. Vertagung deS Reichstages bis zum 19. November. Der W c 1 t p o st v e r t r a g mit den dazu gehörigen lieberem«, kommen wird in dritter Beratung debattelos genehmigt. Es folgt die erste Beratung des Zusatzvertrages vom 7. März 1907 zu dem AuslieferungSvertrage mit Norwegen. Die Vorlage wirb debatlelos sofort in zweiter Beratung genehmigt. — Weiter steht auf der Tagesordnung der Auslieferungsvertrag vom 12. März 1907 mit Griechenland. Abg. Bebel (Soz.) legt Verwahrung ein gegen eine überstürzte Beratung dieses Berttages und beantragt Absetzung von der Tagesordnung. — Abg. Müller-Meiningen (srs. Vp.) schließt sich diesem Verlangen an, ebenso die Abgg. Bassermann (nL) und Kirsch (Ztt.). — Geh. Rat Franzius bittet um schleunige Erledigung. Die Regierung lege Wert darauf, daß der Vertrag im September in Kraft trete. Hiecauf wird beschlossen, die Vorlage zunächst zurückzustellen und erst bei Schluß der Sitzung sich über die Behandlung der Vorlage zu entscheiden. Es folgt die zweite Lesung des HandelsprovisoriumS mit den Bereinigten Staaten von Amerika. Abg. Kampf berichtet über die vertraulichen Verhandlungen der Kommission. Lebhafte Klage ist in der Kommission über die Zollschikanen Amerikas gegenüber Deutschland geführt worden. Das neue Abkommen verspreche zwar eine Aenderung in der Zollbehanblung, aber das sei keine Konzession von Amerika an. Deutschland. Andererseits wurde hervorgehoben, daß, wenn scho^ die neuen Zollbestimmungen von Amerika durchgeführt würden, ein großer Teil der deutschen Wünsche erfüllt feien. Jedenfalls, bedeute das neue Abkommen einen Fortschritt, der aus freund-» schaftlichstem Wege erzielt sei. Urtb das eröffne immerhin einew günstigen Ausblick für einen späteren Reziprozitätsvertrag. Es wurde in der Kommission ausgeführt, daß der Vertrag gekündigt werden müsse, wenn der Reichstag es verlangte.' Demgegenüber betonte die Regierung, es sei dem Reichstag unbenommen, durchs Resolutionen usw. auf den Gang der Verhandlungen eurzuwirkem. Auf Grund dieser Erwägungen würden die in der Kommission gestellten Anttäge zurückgezogen. Die Kommission hat dann das Handelsabkommen einstimmig angenommen. — Abg. Graf Kamtz (kons.) bemerkt, erfteulich sei dieser Verttag nicht. Aber, seine Freunde würden ihn annehmen unter dem Truck der Not-j Wendigkeit. (Bravoruse.) — Abg. Herold (Ztr.) meint, wenn) feine Freunde den Antrag annehmen, so gesäiehe dies, weil er an; den bestehenden Verhältnissen wenigstens kleine Besserungen ein-! führe und weil er ein Provisorium sei. DaS Zentrum nehme- die Vorlage nur in der bestimmten Erwartung an, daß die verbündeten Regierungen mit Kraft und Energie dahin streben, daß das Provisorium bald ein Ende nehme. — Mg. Fuhrmann (nL) erklärt, seine Fraktion nehme die Vorlage nur an in der bestimmten Erwartung, daß das Provisorium, welches dieses Ab- kommen darstelle, bald durch ein für Deutschland günstigeres Definitivum ersetzt werde. Seine Freunde erwarteten auch, daß Amerika gegenüber keinesfalls unter die Sätze unserer anderen Handelsverträge herabgegangen werde und daß namentlich auch nicht an Zugeständnisse auf dem Gebiete des Seuchenschutzes auf Kosten unserer Landwirtschaft gedacht werde. — Abg. Molken-) b u b r (Soz.) legt gegenüber dem Grasen Kanitz bar, daß es! gerabe unsere Agrarier seien, bie durch ihre Handelspolitik dis Schwierigkeiten des Abschlusses von Handelsverträgen vermehrt hätten. — Abg. Dohrn (fr). Vgg.) erklärt, seine Fraktion Habs sich von vornherein ohne weiteres auf den Boden des Abkommens gestellt, und tue es auch jetzt. Seine Freunde feien überzeugt^ daß man sich bemühe, sobald als möglich zu einem Deftninvimr zu kommen. — Abg. v. Dirksen (Reichsp.) tritt ebenfalls und zwar namens des größeren Teils seiner Freunde für Genehmigung der Vorlage ein, wenngleich trotz lebhaften Bedauerns, daß nicht mehr erreicht sei. — Abg. Böhme (wirtsch. Vgg.): Das Argument der Linken, daß dies Abkommen jedenfalls einen Fort-i schritt darstellt, kann ich nicht als zutreffend anerkennen. Hierauf wird das Handelsprovisorium mit Amerika; fast einstimmig genehmigt. Nur einige ivenige Mitglieder der Rechten stimmen dagegen. Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Beamtengesetz sowie das Reliktengesetz und das Militär-Reliktengesetz. Abg. Erzberger (Ztt.) kennzeichnet die Fortschritte, die die Novelle bringe und ebenso das Reliktengesetz und fragt den Staatssettetär unter anderem, wie es mit dem Rechte der Reichsbeamten stehe, sich in Parlamente der Einzelstaaten wählen., zu lassen. Seine Freunde geben zu der Verabschiedung aller dieser Gesetze ihre Zustimmung in dec Voraussetzung, daß auch die Arbeiter-Reliktenoersicherung und die Versicherung der Privatbeamten baldmöglichst zustande komme. Staatssettetär Graf Pofadowsky führt aus, ebenso nne der Lanbesbeamte in seiner Heimat als Volksvertreter des Urlaubs nicht bedarf und einen Vertreter gestellt erhält, werde, dies auch den Reichsbeamten zuzubilligen sein. Abg. Graß Oriola (nL) erkennt ebenfalls oie mannigfachen Vorteile, bie diese Gesetze den Beamten unb ihren Relikten bringen, bankend' an, bedauert aber, daß dem' § 6, der die Ansprüche der Witweü regele, rn beiden Relikten-Gesezen feine rückwirkende Kraft gegeben worden fet — Abg. Siebenbürgen (Loris stimmt namens seiner Freunde der Vorlage zu mit dem Bedauern^ daß nicht noch in einjemen Puntten weilergehende Verbesserungen für die Beamten u»nb ihre Hinterbliebenen beschlossen feien. Abg. Mommsen (Frs. Bcr. lenkt bie Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer Umgestaltung in der Beamten--Organisation. Eine Aenderung in der Richtung einer Verringerung der Beamteuziffer sei umrusweislich. Abg. S ü b e f u m (Soz.) erklärt bie Zustimmung seiner Partei zu den Vorlagen. — Abg. Schulz (Reichsp.) beklagt, daß die rüdroirtenbe Kraft in den Entwürfen fehle. Aber natürlich würben seine Freunde gemäß dem Satz von dem Sperling in der Hand die Vorlage annehmeu. — Hieraus gelangen bie Vos? lagen in der Fassung der Konunissiou zur Annahme. Auch die Resolutionen der Kommission werden einstimmig angenommen. Damit ist diese Sache erledigt. Es folgt die dritte Beratung des Reichshaushalts« Etats. In der Generaldebatte nimmt Wg. Bebel (soz.) namens seines Parteifreundes David die Behauptung zurück, daß in der vom Reichsverband herausgegebenen Rede des Reichskanzlers die als unrichtig erwiesene Beschuldigung gegen die Frankfurter Parteigenossen doch noch enthalten gewesen sei. Das war nicht der Fall. Aber in dem vom patriotischen Verlag herausgegebenen Flugblatt, da war diese Behauptung mit enthalten. In Parenthese möchte ich bemerken: Der Reichskanzler soll in künstlerischen Dingen ein Feinschmecker sein; dann möchte ich ihm aber den Rat geben, solches Machwerk in Zukunft nicht unter seiner Flagge segeln zu lassen. Das kompromittiert ihn ungeheuer. (Heiterkeit.) Wir stehen jetzt am Ende der ersten Session des neuen Reichstages. Ich glaube kaum, daß die Wählerschaft mit besonderer Genugtuung auf die Ergebnisse blicken darf. (Lebhaftes und andauerndes Oho! im Block.) Die einzige Errungenschaft sind die drei Gesetze, die wir jetzt verabschieden. Die waren aber die Arbeit des vorigen Reichstages, wir waren bloß die Fertig- machcr. Sie (zum Block) sind sehr hoffnungsselig in diesen Reichstag eingetretnl. Eine Unmasse von Initiativanträgen brachten Sie mit, aber nicht ein einziger wurde erledigt. Auch die Resolutionen hat man noch ganz zuletzt abgeschoben, alles der Eile zuliebe, mit der man nach Hause drängt. In den Ozean schifft der Jüngling mit tausend Masten, still------- (Redner stockt und kann offenbar das Zitat nicht zu Ende finden. Stürmische Heiterkeit.) Trotzdem sind eine Reihe von folgenschweren Beschlüssen zustande gekommen, deren Konsequenzen sich bald bemerkbar machen werden. Der neue Etat für Südwestafrika wird in Zukunft 20 bis 26 Millionen mehr kosten als bisher. Besonders bemerkenswert ist die Haltung der drei freisinnigen Fraktionen, die der früheren diametral entgegengesetzt ist. (Große Unruhe bei den Freffinnigen.) Die Herren bewilligen jetzt, was sie früher prinzipiell abgelehnt haben: die Kolonialausgaben, die Hohkönigsburg (Heiterkeit), das Reserve-Offizierskasino (Heiterkeit). — Wenn das Eugen Richter erlebt hätte, der nicht bloß ein Gegner aller Reserdeoffigierskasinos, sondern der OfftzierskasinoS überhaupt war! — Sie haben auch die Wahl des Freiherrn bon Richthofen für gültig erklärt. Sie sind in aller Form in ein politi- sches Canossa gegangen. Und daS alles um der Ehre willen, zum Block zu gehören. (Lachen.) Als ich in der ersten Etatsberatung den Reichskanzler wegen einiger politischen Fragen interpellierte, sagte er, mein Zweck sei offenbar, das gute Einvernehmen zwischen den Blockparteien zu stören, und deshalb wolle er mir nicht antworten. Der Block ist also ein so zartes Gewächs, daß schon eine Kanzlerrede sein Wachstum gefährden kann, er ist eine feine, dünne Porzellanvase: Vorsicht, zerbrechlich! (Große Heiterkeit.) Freilich gibt es innerhalb des Blocks auch noch Leute, die nicht alles mitmachen wollen. Ich erinnere nur an die Proteste aus der Mitte des Flottenvereins. Das Band, das den Block umschließt, ist auch nicht bloß ideal, sondern ein gut Teil materiell. (Hört, hört!) Da sind Gelder für die Wahlen gesammelt worden von den Börsenfürsten. Die Herren von der Rechten, die sonst die größten Feinde der Börsenmimen (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) sind, nehmen doch deren Geld recht gern. (Heiterkeit.) Das Geld hat man dann eingeteilt und prozentualiter unter die Parteien verteilt. Die Herren von der freisinnigen Volkspartei bekamen ein Sechstel, die von der freisinnigen Vereinigung gingen leer aus. Na, Sie sind ja sonst genügend potent! (Große Heiterkeit.) So sind die Herren von der Linken mit einer goldenen Kette an die Herren von der Rechten gebunden. Ja, am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles. (Große Heiterkeit.) DaS Reichskanzleramt war in den Tagen vor der Wahl direkt ein Wahlbureau. Fürst Bülow selbst hat eine Reihe von Briefen geschrieben zu Gunsten des Blocks. So hat er einen württembergischen Eisenbahnbeamten veranlaßt, zu Gunsten des Kandidaten Storz zu verzichten. (Hört, hört!) Ich will jetzt etwas richtig stellen, was man mir nachsagt. Ich soll vor den Wahlen erklärt haben, der Liberalismus müsse zerrieben werden. DaS ist mir gar nicht eingefallen, Ich habe nur eine Entwickelung konstatiert, welche die Mittelparteien aufsaugt. Ich persönlich bedauere es, daß wir nicht eine starke liberale Gafferpartei haben. (Große Heiterkeit.) Wo wir in engere Wahl kamen, haben wir die Liberalen unterstützt! (Stürmische Heiterkeit. Zurufe: Quidde! Blumenthal!) Na ja, in zwei bis drei Fällen. (Stürmische Heiterkeit. Abg. Graf Oriola ruft: In zehn Fällen!) Wo die Parteigenossen im Lande anders entschieden, haben wir im Parteivorstande eine gegenteilige Haltung angenommen. Für die Wahl des Abg. Naumann bin ich persönlich mit aller Energie eingetreten. (Lebhaftes Hört! Hört! rechts.) Aber die .Herren von der Linken haben in 32 Wahlkreisen den größten Reaktionären zum Sieg verhalfen. Ich habe neulich den Fürsten Bismarck gelobt, und da wurde mir entgegnet, das Lob käme etwas spät. (Sehr richtig!) Ja, als Fürst Bismarck am Ruder war, da konnten wir noch nicht wissen, welchen Kalibers sein Nachfolger sein würde. (Stürmische Heiterkeit.) Wenn wir damals Fürst Bülow vorausgesehen hätten, wir würden sicher den Fürsten Bismarck gelobt haben. (Große Heiterkeit. Fürst Bülow hat bei Eröffnung des neuen preußischen Herrenhauses das große Wort gesprochen: „Preußen in Deutschland voran!" Und jetzt, nach knapp drei Jahren, heißt es: „Preußen in der Welt hinterdrein!" Wir wollen doch einmal sehen, wie die neue Aera ausschauen wird, wie Fürst Bülow seine schönen Versprechen einlösen wird. Warten wir ab, wie das neue Vereins- gesetz auSfieljt! Ferner: Wir wissen, daß die Finanzlage des Reiches ganz traurig ist. Es wird im nächsten Reichstag nun die Frage an uns herantreten, wie man das Defizit deckt. Ich hoffe, daß bei den neuen Steuern Fürst Bülow seinen fortschrittlerischen Standpunkt dokumentiert und direkte Reichssteuern vorschlagt. Für eine direkte Reichseinkommensteuer sollen ja auch die Nationalliberalen sein. Weit mehr, als die M- rüstungsanträge, würde ein Gesetz wirken, das bestimmte, daß alle Mehrkosten für Heer und Flotte durch eine Reichseinkommensteuer eingebracht werden müßten. Keineswegs aber darf man Steuern einführen, die die notwendigen Lebensmittel noch mehr verteuern. Wir stehen jetzt schon vor Hungersnotpreisen. Der Roggen kostet jetzt 200 SJtL, das sind 40 Mk. mehr als der Antrag Kanitz forderte. (Zuruf rechts: Nehmen Sie doch den Antrag Kanitz an!) Wenn das so weiter geht, muffen wir die Getreidezölle suspendieren. (Lärm rechts.) Wenn jetzt eine industrielle Krise kommt, wird das Elend in die Millionen gehen. Dann muß der Reichstag zu einer außerordentlichen Session zusammenberufen werden. (Unruhe rechts.) Wir sind immer aus die Zufuhr angewiesen, da Deuffchland sein Brotgetreide nicht selbst produzieren kann. Da bleibt denn nur im Fall der Krise die Aufhebung bet Getreidezölle übrig. Herr von Oldenburg hat in seiner letzten Schweinerede (Stürmische Heiterkeit), er kann ja nicht reden, ohne das liebe deutsche SMvein zu erwähnen, gemeint, wir hätten jetzt einen Ueberflutz an Schweinen. Aber dem ist doch durchaus nicht so. Herr von Oldenburg hat sich dann auch gegen unS gewandt und ein Umsturz- und Zuchthausgesetz gefordert. Wo wird bei diesen Gesetzen der Block bleiben? Solche Gesetze wird die Linke doch nicht mitmachen. Aber wie dem auch sein mag, von Zeit zu Zeit höre ich diesen Junker gern. (Heiterkeit.) In einer Rede, die er kürzlich in Westpreußen hielt, meinte er, die Sozialdemokraten mühten weit mehr Obstruktion treiben, dann würde man endlich mal sehen, wohin wir kämen, und man könnte der Schweinerei ein Ende machen. (Große Heiterkeit.) Sie sehen also, ohne Schweine und Schweinerei geht e5 nicht. (Erneute Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat mir vorgeworfen, ich hätte in Amsterdam gewünscht, daß wir ein zweites Jena bekämen. Das habe ich nie gesagt. Ich habe nur gesagt, wenn es uns mal so ginge, wie den Franzosen 1870/71, so wäre daS noch lange nicht das schlimmste. (Lachen rechts.) Ohne die Niederlagen von 1870 hätten die Franzosen nicht die Republik bekommen, nie hätte Deutschland ohne die Niederlagen von 1806 die großen Neform- gesetze erhalten. S-lbst Moltke hat den Krieg für das größte Unglück erklärt, diesen Standpunkt haben wir stets vertreten, wir werden nach wie vor den Krieg und den Militarismus bekämpfen. Aber ich sehe jetzt tatsächlich keinen Weg, wie man zu einer allgemeinen Abrüstung kommen kann. , Dies wird jetzt kaum durch ein internationales Parlament möglich sein. (Lachen rechts.) Ich sage ganz offen, ich stehe dem Abrüstungsgedanken skeptisch gegenüber.' Aber Deutschland muß sich an der Debatte darüber beteiligen und seine Gründe vorführen. Die Verhandlungen des Flottenvereins müssen den Eindruck erwecken, als ob es in Deutschland wenig Friedensfreunde gäbe. Man hat dort nicht Abrüstung, sondern einen beschleunigten Ausbau der Flotte gefordert. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Bassenuann (nL). Die Frage des Herrn Bebel, ob wir über den Block Befriedigung empfinden, kann ich bejahen. (Lebh. Zustimmung.) Abgesehen von kleinen Entgleisungen in kleinen Geschäftsordnungsfragen (Gelächter im Ztr. und bei den Soz.) — in großen wichtigen Fragen hat er gut funktioniert. (Lebhafte Zustimmung.) Ich habe die Hoffnung, daß er auch in kommenden Tagungen funktionieren wird. (Gelächter im Ztr. und bei den Soz., lebhafter Beifall beim Block!) Was aber Herr Bebel über die Initiativanträge und Resolutionen gesagt hat, muß richtiggestellt werden. Es ist richtig, daß noch niemals die Zahl der Initiativanträge so groß war wie in diesem Reichstag. Die Fraktionen gehen dazu über, ihre Parteiprogramme in einzelne Initiativanträge aufzulöseu, und die anderen Frak- Honen müssen sich dann anschließen, sonst kommen sie bei der Wählerschaft ins Hintertreffen. Es ist auch richtig, kein einziger Initiativantrag ist bisher zur Verhandlung gekommen wegen der Geschäftslage; aber noch in keiner Session sind soviel Resolutionen beantragt und zur Annahme gelangt tote in dieser. 64 Resolutionen beim Etat — daS ist unerhört in der Geschichte des Parlaments; daß ein Parlament beim Etat in einer so großen Anzahl znm Teil sehr wichtiger Malerien positive Entscheidungen getroffen hat, zum Teil nach sehr erschöpfenden Darlegungen der einzelnen Fraktionen I Dem Grafen Posadowsky mag ab und zu angst und bange werden über diese Fälle sozialpolitischer Forderungen, die gerade in den angenommenen Resolutionen ihren Ausdruck gefunden haben. Wir haben Resolutionen nicht zurückgezogen, sondern sie nur bis zu einer anderen Beratung vertagt. Dann hat Herr Bebel Betrachtungen über die gestrige Tagung deS Flottenvereins angestellt. Ich glaube, wir können dem Flottenverein nur gratulieren zu deren vortrefflichen und einmütigen Resultaten. Der Flottenverein ist eine sehr nützliche Institution, die ins Leben gerufen werden müßte, wenn sie nicht bereits existierte. Er leistet eine große Aufklärungsarbeit. Er wirkt erzieherisch auf weite Kreise unseres Volkes. Ec erweckt in ihnen Verständnis für nationale Aufgaben. Dafür müssen wir ihm dankbar fein. Nach der scharfen Kritik, nach dem reichen Maß von Schmähungen, das ihm zuteil geworden ist, freuen wir uns besonders darüber, daß die gestrige Tagung zu einer Einigung gelangte, aus der der Flottenverein nicht geschwächt, sondern gestärkt hervorging. Und eine besondere Freude _ ist es uns, daß auch die bayerischen Mitglieder ihr volles Einverständnis bekundet haben. Endlich freuen wir unS auch über die Resolutionen, die der Verein gefaßt hat. Der Abg. Bebel hat auf die sehr gute Rede meines Freundes Stresemann hingewiesen. Auch diese Rede war nicht provokatorisch. Herr Stresemann hat nur bas gesagt, was hunderte von guten Patrioten fühlen: daß eine starke Flotte uns not tut. Ich glaube, die Darlegungen des Kriegsministers über die Kriegsbereitschaft unseres Heeres, die nahezu einmüHge Stellungnahme des Reichstags gegenüber der Abrüstungsfrage und die gestrige Tagung des Flottenvereins und seine Resolutionen könnten das Ausland über uns aufklären, und in diesem Sinne wirken sie nicht frieden- störend, sondern friedenerhaltend. (Lebhafte Zustimmung.) Gerade weil sie ein Beweis sind für das einmütige Zusammenstehen unserer Nation in den nationalen Fragen. (Sehr wahr!) Mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses gehe ich auf die weiteren Ausführungen des Abg. Bebel. nicht ein. Aul feine ganze Kritik unserer Verhältnisse will ich ihm nur eine Aeußerung ins Gedächtnis zurückrufen, die auf dem Mannheimer Parteitag der deutschen Sozialdemokratie ein Redner getan hat: „Deutschland ist ein Staatswesen, wie es zum zweiten Male in der Welt nicht existiert. DaS mag man da oben als ein Kompliment ansehen, aber es ist eine Wahrheit, und diese Wahrheit müssen wir uns vor Augen halten." Diese Worte, die dort Herr Bebel ausgesprochen hat (Hört! hört! und Heiterkeit) beweisen doch, daß es in unserem Vaterlande nicht so übel aus- sehen kann. (Lebhafter Beifall.) Abg. Haußmann (D. Vp.): Ans der Rede des Wg. Bebel sprach der berechtigte Zorn über die Wahlniederlage seiner Partei. (Sehr gut I) Daß er die Tätigkeit des Reichstags aus parteitaktischen Gründen sehr abschätzig beurteilt und daß er einen besonderen Aerger gegen die bürgerliche Linke empfindet, liegt in der Natur der Sache und des Redners. Ec hat eine seiner Reden aus dem Jahre 1862 zitiert (Bebel: Das war eine Rede Lassalles!), so, na, dann habe ich das falsch gehört, aber ich wollte nur sagen: Damals war Herr Bebel Mitglied der Deutschen Volkspartei, er ist ja ein alter Herr der Deutschen Volkspartei. Die Vorwürfe des Aba. Bebel, daß der Reichstag in den 12 Wochen nicht mehr gearbeitet hat, sind grundlos. Er hat sich im Gegenteil sehr angestrengt, die durch die Wahlen verlorene Zeit wieder einzuholen. Die Versuche zu substanziieren, daß unsere Partei in ihrer politischen Haltung eine Schwenkung gemacht hat, sind durchaus mißglückt. Auf die zwei oder drei Zweckmäßigkeitsfragen, auf die er exemplifizierte, wird der Redner nach mir eingehen. Die Behauptung des Abg. Bebel, daß meine Partei in den Kolonialfragen eine andere Richtung eingeschlagen hat, ist durchaus unzutreffend. Ich habe scholl vor 17 Jahren meine Jungfernrede hier im Reichstag über Kolonialpolitik gehalten, und ich kann mich daraus berufen, daß wir uns schon damals der Kolonialpolitir gegenüber nicht prinzipiell ablehnend verhalten haben. Das Gleichnis von dec Porzellanvase, das Herr Bebsl gegen den Block gebrauchte, ziert einen Scherbenrichter. (Heiterkeit.) Daß die Sozialdemokratie die Freisinnigen und Volkspartei in den Wahlen unterstützt hat, ist unrichtig. Ich selber bin ein lebendiger Beweis des ganzen Hasses der SozialdemokraHe gegen die bürgerliche Linke. Ich akzeptiere freundlich die Erklärung Bebels, daß er sich für meine Wahl ins Zeug gelegt hat. (Lebhafter Widerspruch bei den Soz. Fortwährend Rufe: Naumann, Naumann, nicht Haußmann 1) Gegen meine Person, gegen Blumenthal, gegen Quidde sind Sie mit dem größten Fanatismus vorgegangen. Ich will aber jetzt nicht mit Ihnen abrechnen, welche Hemmungen Ihre fanatische Taktik hervorgerufen hat. (Lebhafter Beifall rechts und links.) Die überstürzten Aeußerungen Bebels: wenn wir geschlagen würden, das wäre noch nicht einmal das Schlimmste; es müsse mehr Gift und Galle in den Menschen kommen I Während er in Hamburg als Prophet die Betreibung des Liberalismus prophezeit, wenn auch nicht toün;cht, wenn er das alles getan bat, ist er mitschuldig für diese ganz außerordentlich fanati,che Richtung in seiner Partei. (Lebhaftes Sehr richtig! links.) Aus diesem Fanatismus erwächst der Terrorismus, und die Strafe für diesen Terrorismus ist Ihre Wahlniederlage gewesen. (Lebhafte Zustimmung rechts und links, Gelächter der Soz.) Herr Bassermann hat für den Flottenverri« sehr freundliche Worte gesprochen. Wenn er sagt, daß der Fwttenverein eine erzieherische Wirkung habe, so ist daS in bezug auf ihn gewiß richtig. Im Flottenverein ist gesagt, auf Den Abg. Bassermann fei in Flottenfragen kein Verlaß. Ich glaube sicherlich, daß der Floltenverein nach der heutigen Rede Bafsermanns diese Ansicht revidieren wird. (Große Heiterkeit.) Nun noch wenige Worte über die Frage der Beschickung deS Friedenskongresfes. Die Ausführungen des Reichskanzlers sind von dem englischen Premierminister in Manchester kritisiert worden und die Antwort, die dort artig in der Form und in Anerkennung der artigen Form des Reichskanzlers gegeben worden ist, bestärkt mich in meiner persönlichen Auffassung» daß die Stellung Deutschlands zu der Frage der Verlangsamung der Rüstungen auf dem Friedenskongreß nicht durchaus zweckmäßig gewesen ist. Wir sehen, daß der andere immer nur das Nein hört. Das gilt gerade von diesem Falle und in diesem Falle ist der andere beinahe alle anderen. Denn wir habe« uns mit dieser Stellung vollkommen isoliert. Und ich halte diese Selbstisolierung Deutschlands auf dem Friedens« kongresse nicht für ganz ungefährlich und glaube, daß wir durch diesen Schein der Feindseligkeit das Odium bei den anderen Staaten noch vergrößern. (Widerspruch.) Wenn allerdings England für die Abrüstung ist und dann seinen König auf Reisen schickt, um Bündnisse gegen Deutschland zusammenzubringen, dann gibt allerdings dieses Vorgehe« zu Mißtrauen Anlaß. Ich meine, Monarchen, die auf Reisen geschickt werden, haben noch selten viel genützt (Heiterkeit) und häufig schon ernstlich geschadet und es scheint mir, daß wir nicht nötig hätten, den Engländern diese Erfahrungstatsache ins Gedächtnis zu rufen. Abg. Müller-Meiningen (freif. Vp.): Gegenüber den letzten Ausführungen des Abg. HauSmann mutz ich betonen, daß er lediglich seine persönliche Meinung wiedergegeben hat. (Hört! hört! rechts.) Die Anschauungen meiner Parteigenossen sind genügend klar bargelegt. Etwas näher muß ich auf die Worte des Abg. Bebel eingehen, da er sich wieder einmal an uns gerieben hat. Ich habe mich eigentlich gefragt: Was will der Abg. Bebel heute mit feiner Broschürenrede? (Sehr richtig! Heiterkeit.) Will er damit zeigen, daß lediglich die zielbewußte SozialdemokraHe der Hort der Freiheit und der Selbsländigleit ist. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Große Heiterkeit.) Daß Sie (zu den Soz.) diesen Glauben haben, brauchen Sie mir nicht zu sagen. (Erneute Heiterkeit.) Bebels Vorwürfe sind nach den Beschlüssen des Senioren- konvents nicht gerechtfertigt. Was bleibt denn von diesen Beschlüssen übrig, wenn wir alle die Vorwürfe, die er in seiner einzigen Rebe gegen unS vorgebracht hat, hier erwiderten. (Sehr richtig! rechts.) Im Seniorenkonvent sitzen doch auch Sozialdemolraten, und diese waren mit allem einverstanden. Präsident Graf Stolberg: Der Seniorenkonvent ist eine private, eine vertrauliche Einrichtung. Ich bitte deshalb, nicht mehr als nötig ist, darauf zurückzukommen. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fortfahrend): Herr Bebel warf uns vor, daß wir die Resolutionen zurückgezogen hätten. Aber gerade er hat diesen Vorschlag vorgebracht und eifrig befürwortet. (Hört! Hört! Zuruf: Erft macht er mit, und bann schimpft er!) Nun warf uns Herr Bebel vor, daß wir unsere Stellung geändert hätten, zugleich mahnte er uns an das Beispiel Eugen Richters. Aber gerade die Sozialdemokraten, die Herrn Richter noch auf dem Totenbette in der unflätigsten Weife beschimpft haben, gerade Herr Bebel, der ihm das Wort Verräter zurief, hat am allerwenigsten das Recht, sich auf Eugen Richter zu berufen. 1902 beim Zolltarif haben sie dieses Recht verscherzt. Nun warf uns Herr Bebel vor, daß wir für die Hohkönigsburg gestimmt häHen. Aber wir konnten die Burg, nachdem sie einmal ferHg gebaut ivar, nicht verfallen lassen. Ganz falsch ist der Vorwurf Bebels, daß wir für baä Offizierkasino auf der Westeisbahn gestimmt härten. Wir haben dagegen gejtunmt. Noch schärfer, als gegen den Abg. Dr. Südekum, wandte sich der Kriegsminister gegen unseren Fraktionsredner Dove. Sehr neidisch scheint Bebel auf die Gelder zu sein, die bei der Wahl gesammelt sein sollen. Was würde er sagen, wenn wir ihm die Gelder öortoerfen wollten, die von Arons und von der Wasserkante für die Sozialdemokraten gegeben sind? Dann wirft uns Herr Bebel die Wahl des Abg. von Richthofen vor. Aber wir sind bei dieser Wahl ganz konsequent gewesen und haben in der Kommission genau so wie im Fall Buchwald gestimmt. Wenn wir im Plenum anders stimmten, so taten wir dies, weil inzwischen der zweite Satz des Reichskanzlcrbriefes bekannt geworden Ivar. Debattiert haben wir zwar nicht bei dieser Wahl, aber die Sozialdemokraten doch auch nicht. Herr Bebel ist nur so ärgerlich, weil seine Partei jetzt auf dem Jsolierschemel sitzt. Das ist die Strafe für die pathologische Art, mit der sie meine Fraktion bekämpft hat. Wenn die Sozialdemokraten uns bekämpfen, so ist das nur ein Beweis dafür, daß wir auf dem rechten Weg sind. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Roesicke (kons., bei der Unruhe des Hauses schwer verständlich) polemisiert gegen den Abg. Bebel. Es sei doch selbswerständlich, daß das Haus jetzt den Wunsch habe, nach Hause zu gehen, nachdem man die anstren- genben Wahlen und eine arbeitsreiche Session hinter sich habe. Wenn Herr Bebel fortwähre,cd den konservativ-liberalen Block an- greise, so würde es ihm ergehen, wie wenn <>ch jemand in eine Ehe einmischt: er wird einfach hinausgeworfen. (Große Heiterkeit.), Er beschwere sich auch immer über die hohen Roggenpreise. Ja, warum habe er denn nicht für den Antrag Kanitz gestimmt? Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.): Meine Freunde bewilligen den Etat, nötigenfalls en bloc. Herrn Bebel, der Preußen in Deuschland „hinterdrein" stellte, will ich nur erwidern: Ohne Preußen hätten wir nicht das gegenwärtige Deuffchland! Wg. Bebel (Soz.): DaS ist richtig! Das gegenwärtige Deutschland nicht! Ohne Preußen hätten wir ein demokratisches Deutschland! (Ge-> lächter rechts.) Redner ergeht sich hierauf in längeren Polemiken gegen die Vorredner, wird hierbei von steten Zurufen, Heiterkeit, Lärm, Unruhe, Gelächter, Zustimmung und Widerspruch begleitet. Damit schließt die Generaldiskussion de8 Etats. ES folgt die Spezialdebatte. Beim Etat des Reichskanzlers bemerkt Wg. von Damm (Wirffch. Vgg.): Ich hätte ine braunschweigische Frage nicht erwähnt, nachdem sie aber einmal hier angeschnitten ist, muß ich auch einige Worte dazu sagen. Ich bedauere den letzten Bundesratsbeschluß, auf den sich der Reichskanzler berief, aufrichtig und bin der Ansicht, daß es sehr wohl möglich gewesen sei, eine andere Lösung der Frage herbei- zufühven. Der Reichskanzler berief sich auch auf den BundeSratS- beschluß von 1885. Mer dieser kam jetzt gar nicht in Frage. Jetzt handelte eS sich darum, ob der junge Sohn des Herzogs, der Prinz Ernst August, geeignet fei, die Regierung in Braunschweig anzu- treten. Der Prinz Ernst August hat niemals einen Anspruch auf preußische Gebietsteile erhoben, es lag also nicht der mindeste Grund vor, ihn von der Thronfolge auszuschließen. Der Reichskanzler sprach auch weniger von Rechtsfragen, als von Zweckmäßigkeits- grünben. Aber diese ermächtigen den Bundesrat doch nicht, in die Verhältnisse der Einzelstaaten einzugreifen. Stellt sich heraus, daß die Gesetze nicht ausreichen, bann ändere man sie und mache andere Gesetze. Wer durch einen bloßen Bundesratsbeschluß soll man nichts T Scüxe Himbeer- ’ Marmelade 1 Md. 30 Mg. (2835 5 Pfd.-Eimer ibit. 1.40 10 Pfd.-Eim. !>££. 2.60 L. Steiuhüuber t L Neuen Baue 17 A I Auf Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTTMANN, Giessen, Blockstrasse 14-16.| *.m-----—i___JL- — — itjiliwhuiII l'JK'MJH Fl BI «TIM■! IJ"IUMI LEU I IMIIIil IX J-UHU.!' J.1 ~UJ 11 ~_LI IIU JJlIL'Xlii Jf LiT.-? T7*7‘-LTT-.Ä7<'-"TÄr »~es>i-.. . . - \’ glieber zählt. Märkte. Kandel. 8*/i0/e Deutsche Reichsanleihe und Preußische K o n s o l s. In der gestrigen Sitzung des Konsortiums für diele Siaatspapierc wurde emslimnng btc Austösung beschloßen. Die Schlubadrechnung wird joiort auiaestellt. Die Abnahme der Stucke Hal in dieier Zeil vom 23. Mm bis 30. Juni zu erfolgen. Der (Gesamtbetrag stellt sich auf 123 Mill. SOU., davon 83 Mist. Alk. Reichsanleihe und 40 Alill. Mk. Konsols. Aus die Emzelkonjortialen entfallen keine großen ELuoten, da das lloniortium sehr ötel Ala- (Bienen, 13. Mai. Marktbcridil. ?luf heutigem Wocheumarkte kosteten: BuUerpr.Pfd. 1.05—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 6—0 PH., 2 Llck. 11—00 Psg., tömijccier 10—00 Psg., Eitteueier 7 Pfg., «äse pr. Stck. 6— 8 Bf., «äsen'.aile 2Stck. b-6P'g., Erbsen v.P'd. 18-24Pfg, Linsen o. Psd.25-40Psg.. Tauben pr.Pr.0,80-1,00Alk., vnhner pr.St. 1,00 -1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Einen pr. Stück 1'80—2,20 Alk., Gänse i r. Pfd. 00—00 Pfg., Schsenfleisch pr. Psd. 82—88 Pfg., Kub- und iHinbfleifd) pr. Pfund 80—82 Pfg., Lchwcme- flcisch pr. Pnnid 64—76 Pfg., ednucmefleifd), gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Sialbflcüd) pr. Psd. 80— 90 Pfg., Hammelftcisch pr. Pfund 61—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— «artosjetn pr. 100 Kg. 7,00—9,—Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 10,00—12,00 Alk., Alilch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Zentner 20 bis 25 Alk., in Körben 00 Pfd^ Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., Birnen per Pfd. Alk. 0.20—OL5, per Ztr. 9—15 Alk., Weißkraut per Stück 15-30 Pfg., per Zentner Alk. 0.00—0.00. — Marktzeu von 7—1 Uhr. parteipolitische Behandlung her Sache vermieden wissen wolle. Er habe die Salbhennsche Erklärung erst tmfgawmmen, nachdem er sich bei mehreren Gewährsmännern von der Richtigkeit der Behauptungen darin überzeugt batte. Eine beleidigende Absicht habe ihm rem gelegen: er sei bereit, für seine Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Nachdem sich Redakteur Graswurm als Verfasser des m* kriminierten Artikels bekannt hatte, erfolgte die Verlesung der den Fall Streit betreffenden Artikel des Darmst. Tgl. Anzeigers und der Darmstadter Verkehrszcitung. Hierauf begannen die Zeugenvernehmungen, die bis zum Nachmittag andaucrn dürsten. (Fortsetzung folgt.) Prozeß Korell er. Täglichen Anzeiger. R. B. Darmstadt, 14. Mai. Vor dem Schöffengericht nahm heute stütz 8 Uhr die um* fangreiche Verhandlung über die B e 1 e i d i g u n g s s a ch e ihren Anfang, die sich gelegentlich der jüngsten Reichstagswahlen zwischen dem damaligen Reichstagskandidaten Pfarrer Korell und dem Darmst. „Tagt. Auz." abspielte. Dem Pfarrer Korell war in verschiedenen Blättern nachgesagt worden, er liebäuaele mit bcn,©oiiatbenu)traten und habe bei bet Reichstagswahl 18S8 auch selber sozialdevwsto tische Stimmzettel angeboten. Korell bestritt dies und crfUiite bie Behauptung gelegentlich einer Auseinander* fehima mit Pfarrer Berndeck für eine „glatte Unwahrheit". Als dann noch in der »Offenbacher 3tg.* eine Zuschrift erschien, m der der Vorfall als ein Scherz hinzustellen versucht wurde, traten die vier Augenzeugen hervor und veröstenllichten durch Rechtsanwalt Katbhenn eine Zuschrift an den „Tagt. Anz.", in der der Vorgang austecht erhalten wurde. Auf bie Absicht bes Rechtsanwalts Latbhenn, bie Sache in einer persönliche Auseinandersetzung zu erledigen, ging Pfarrer Korell nicht ein. Er spielte bie Angelegenheit vielmehr auf bas polittsche Gebiet über und ließ Kalbhenn erklären, daß er ihm in einer öffentlichen Wählerversammlung am 17. Januar Antwort geben würbe. In biefer richtete bann Korell gegen Kalbhenn und gegen Chefredakteur Graswurm vom „Tügl. Äuz." heftige Angriffe. Er sagte u. a., Rechtsanwall K. scheine eine wenig rühmliche Rolle zu spielen, er entwickle eine bei einem Juristen erstaunliche Unklarheit, „bie aber wohl seinem Zweck, ber Verbächtigung, entspringe"^ usw., und zum Schlüsse sagte er: „Ich kann nur noch meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß sich der christlich-soziale Herr Kalb- Henn und der nationalliberale „Tägt. Anz.", der, wie er sagt, nur aus Liebe zur Wahrheit bie Sache bringt, einanber gefunben haben, denn sie passen zueinanber." Durch biese Angriff» fühlte sich Chestcbakteur Grasw'.'rm, ber ber Benammlung ebenfalls beiwohnte, beleibigt und schrieb unter be.n stischen Eindruck dieser Angriffe einen Leitartikel, ber bas Verhallen Korells scharf triti* fierte und babei u. a. bemerkte, baß sich Pfarrer Korell in ber Angelegenheit „ebenso feige wie unwahr benimmt" Korell habe im Jahre 1898 tatsächlich zu Zeugcnn geäußert: Wer sein Vaterland lieb hat, wählt Cramer (den damaligen soziold. Kan* didateN). „Einen so um die Sozialdemokratie scharwenzelnden Kandidaten, wie $)errn Korell, hätte den Abg. Eugen Richter sei. Angedenkens mit einer entsprechenden Grobhett zum steisinnigen Tempel hinausgejagt" usw. Nachdem Pfarrer Korell erst den Antrag an den Staatsanwalt auf Erhebung einer Offizialklage gestellt, aber damit abgewiesen wurde, erhob Korell Privatbelei- digungslloge, die Chefredakteur Graswnrm mit Erhebung einer Gegenklage beantwortete. Zur heutigen Verhandlung waren 21 Zeugen geladen, darunter die Pfarrer Bernbeck und Wohl, jetzt in Essen, der frühere Cbertonfiftorialpräfibent D. Buchner u. a. Die Verteidigung Korells führten die Justizräte Dr. G u t f l e i s ch und Gallus, während Graswurm durch Rechtsanwalt Dr. $>o fmann II. und Justizrat D allwachs vertreten war. Nach Erledigung ber üblichen Vorfragen gab Chefredakteur Graswurm eine längere Erklärung ab, baß er mit größter Peinlichkeit jede einzelstaalliche Gesetze umändern wollen. Der Dundasralsbeschluß "ist einmal sehr unllar und bann bricht er auch mit dem Grundsatz: Gleiches Rechr für alle! ferner mirb dadurch doch ber andere Fakwr der Gesetzgebung, ber Reichstag, vollkommen aus- geschaltet. Redner schildert baiut den bekannten Gang der Verlrandlungeti der braunschweigischen ^Regierung, bie ju bem Bundesratöbeschluß führten. Ich bebaucrc biesen Beschlutz sehr, man kann den Sohn doch nicht verantwortlich machen für btc Handlungen seines Vaters. . .. Braunschweigischer Bevollmächtigter Boden legt btt bc> tarnte Stellungnahme ber braunschweigischen Staatsregicrung dar Abg Wehl (natl.? wünscht als SxmiwDerancr, daß das Jntereste der Ruhe im hannoverschen Lande mehr berücksichttgt ^^^Abg Barenhorst (Rp.) verliest eine Erllärung deS verhinderten braunsckvvcigischen Abgeordneten Langerfcldt, daß "er unb seine Freunde sich dem Bundesratsbeschlliß fügen würden. Staatssekretär Posadowsky ertlärt, der Bundesratsbe- fcßiuB von 1885 sei eine Hane Notwendig kett gewesen. So lange die Verhältnisse sich nicht ändern, werde es beim Bundesratsbeschluß bleiben müssen. Abg. Lieber (natL) kommt nochmals auf die Angelegenheit der Ncichseiscnbahn zurück. Abg. Ulrich (Soz.) trägt hessische Wünsche vor. Nach einer wetteren kurzen Rede des Abg. Pichler (Ztt.) wird der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei erledigt. Dienstag 11 Uhr Vertagungsantrag, Auslieferungsvertrag mit Griechenland, Handels-Provisorium mit Amerika, Wahlprü- fungen, Elai. 855 940 1 63007 196 609 88 751 803 50 632 45 1 69 254 825 52 419 91 423 493 458 748 1500] 43 323 64 [500] 684 729 86 633 703 10 83 414 |500) 179043 1500] 60 84 107 865 87 516 20 82 656 57 317 91 96 925 1 82125 79 297 709 710 SS 54 13 400 231 535 837 704 918 614 115 785 702 740 64 546 659 737 835 1 65228 [ 5001 655 766 72 807 1 6 6278 314 658 712 [500] 18 78 723 69 811 168160 430 262 807 60 899 585 587 853 [500] 900 176135 217 17 7408 594 628 823 1 7 8314 531 729 826 19157 404 32 624 796 818 976 2O049 180 85 256 66 847 51 [500] 84 96 417 670 [8000] 40 [500] 31 277 464 96 76072 112 19 65 92 833 526 637 773C0 625 7.32 830 47 78093 210 24 [500] 352 [500] 853 [5001 79573 754 57 90 [1000] 833 80233 95 [. 00] 5U 666 70 803 33 970 81231 451 657 761 92 815 938 82097 112 [500] 311 9« 492 700 83039 [500] 69 [10001 140 [500] 297 [500] 452 521 80 [500] 40 883 46 8 4 171 213 81 311 34 661 860 [1000] 85133 56 256 308 596 633 86200 llkwol »16 [bOOl 32 [3030] 710 929 8 7093 190 232 6 4 377 95 693 734 8 8036 [500] 62 264 386 477 89 574 705 8 9 051 109 99 [500] 1500] 998 29263 345 401 45 867 80 3 0019 264 .303 29 642 66 83 911 21 3 1 024 455 56 597 *53 32-'.'6 77 457 88 52.3 758 911 3 3 034 162 216 322 530 [501] 894 34053 248 06 [1600] 594 681 791 831 35144 [.3000] 80 229 [1000] 333 512 18 697 [500] 749 36066 74 162 260 607 1500] 53 340 964 37164 013 92 38136 224 91 770 39008 130 239 , , 40254 [300U] 314 473 [1000] 583 726 53 74 [500] 848 41132 92 402 89 606 60 [500] 323 [1000] 923 96 42102 [ 500] 73 293 .300 603 929 43-49 597 666 70 91 701 23 56 72 86 86 791 948 21008 213 361 9d 570 801 30 22208 32 70 [300] 176 680 [1000] 23120 81 279 83 714 130001 43 [500] 302 241 ".9 41 80 [2000] 205 78 631 849 25046 274 [500] 384 576 1500) 929 2 6363 2 7066 323 488 503 23 727 86 2 8109 962 180059 [500] 75 162 553 383 6. Ziehung 5. Kl. 216. KrI. Prenss Lotterie. Ziehung vom 13. Mai 1907, vormittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffende- Nummern in Klammern belgefügt (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verholen.) 71 136 429 890 657 [500] 75 832 82 1182 698 797 863 200.. 194 2I6 407 9 80 524 78 813 96 [1000] 3122 [500] 24 262 335 401 4002 531 697 793 981 5901 11 330 721 33 837 [500] 976 ,8000) 81 6155 287 519 21 663 735 852 75 994 7030 110 96 98 [500] 795 822 911 8115 423 [5000] 62 [3000] 82 697 9 059 111 20 352 74 4 837 972 1006'. 228 333 778 89 954 11071 286 [500] 608 27 929 [500] 92 12023 75 363 96 [3C00I 676 13287 535 640 715 873 970 14185 218 321 [500] 449 554 70 [500] 610 29 89 786 1 5351 fit 512 69 OS [5000 ] 641 16115 3 4 38 259 80 91 470 8 2 9 4 632 1 7013 182 202 53 302 68 508 940 1 8006 895 160153 261 162311 446 795 928 1 64128 260 [1000] 351 56 415 167063 834 611 834 98 930 110 271 439 4 2 83 [1000] 621 111044 S5 113 269 413 8' 846 75 [5001 112015 122 28 [1000] 239 92 337 420 89 514 82 624 113111 51 3000] 476 [1000] 506 35 796 114024 1’3 [500] 585 611 17 115006 58 464 566 97 668 960 116017 54 508 768 SIS [500] 117008 582 770 118074 110 47 565 C67 517 964 US 2« [10u] 30 75 312 613 25 27 961 170013 [1000] 46 67 ’roo] 73 95 165 35? 68 [3000] 682 784 88 807 76 1 71197 483 [500] 92 523 55 [500] 620 708 860 97 947 [ 3000] 56 1 7 2009 116 472 [500] 586 629 496 501 [3000] 655 849 [500] 99 52 240 [ 500 ] 417 19 50 542 96 735 5 3 450 785 969 5 4113 [1000] 212 86 502 9 66 [ 500] 82 730 892 5 5.380 95 418 )1 5 6 039 84 330 7 0 8 7 417 680 779 897 5 7001 6 16 255 345 81 87 431 782 890 [ 500 ] 58202 950 59072 500] 237 84 510 87 632 64 744 862 921 60033 35 [3000] 37 770 71 939 6 1 067 456 524 72 62120 37 1 3 562 88 637 786 964 [500] 92 63409 30 528 659 PIS 64 137 432 535 687 913 [500] 6 5 204 333 90 431 516 690 792 66027 226 52 91 353 [5001 491 683 920 67122 385 8.36 957 '-00] 6 8062 355 578 97 762 883 [1000] 906 7 SO [5001 6 8039 49 54 146 242 445 91 977 7O32.9 52 91 429 711 *32 93 968 7 1 227 333 433 510 34 60 r,.l SG 44 [.-.0001 743 7 2083 134 279 7 3001 449 62 542 637 43 707 15 877 993 7 4070 [500] 177 225 78 303 984 7 5013 12O071 2.17 [500] 429 558 611 872 1 2 1 459 514 635 95 72' 42 122137 352 55 437 511 38 963 [3000] 123374 401 GS 776 [500] 81' 124039 [1000] 51 197 [500] 369 593 663 755 89 [500] 3250)8 132 25 932 47 126173 [500] 218 3' 4., 66 315 37 52 79 445 602 [oOO] 743 67 1 27044 96 3'9 689 910 48 1 2 8095 171 412 705 97 876 1 29132 284 514 25 [1COO] 61 743 69 839 961 13015 - 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[16001 »'M) 261010 2'-2 607 773 827 80 262111 82 99 21’ 678 85 99 731 919 263’63 »'*7 704 851 2R4’*'’ 533 89= 2«5on= 77 V,?. 8= [10001 762 867 929 80 2 66691 753 842 [5001 sr. 267067 42 99 195 *20 306 flO-Xl] 97 41« 51 5^6 W [500] 56 [500] 753 [10001 853 73 268136 [1000] 79 405 8 57« 26905« IM 879 584 830 79 938 74 270347 633 717 28 817 969 271026 128 44 «8 401 34 550 757 857 272'05 45 95 530 97 782 09 807 62 922 57 285148 96 583 881 [1000] 286072 180 278 412 55 71 700 839 287012 59 74 224 84 SSS [1000] 758 839 943 84 [3000] 310 71 498 528 699 641 7’4 843 118038 151 [30001 61 119321 423 37 120076 872 568 [500] [1000] 75 122001 33 91 186039 55 249 531 676 989 97 824 [3000] 99 188154 220 [500] 85 854 527 920 [1000] [1000] 3’9 410 590 461 649 [3000] 42 78006 17 8238 85 861 720 24 9425 79 618 11000] 710 9 1 84 10060 401 45 [1000] 644 (100'1 7’8 927 59 1 1065 70 02 170 74 257 58 574 648 95 801 19 12216 356 74 40.3 059 13’49 76 750 899 900 [500] 14070 147 82 219 1500) 74 373 778 927 15139 83 222 16012 97 193 4'.0 41 13000] CS 543 610 985 09 17.'53 318 496 515 751 964 18157 353 [3000 ] 600 47 9’9 [500] 58 82 [600] 10289 325 518 [3000] 76 $20094 276 448 51 52 C36 703 907 21600 10 783 SSO 22018 187 644 71 98 2 3 040 118 201 [8000] 41 515 79 692 [5001 24163 280 853 709 75 25102 92 LOO 434 46 538 7jO [5000 ] 813 79 [ 500 ] 26018 269 403 790 969 91 2 7049 69 ’03 19 95 782 2 8 364 556 97 606 721 56 834 84 2 9u31 138 253073 57 5'6 2541M TU 68 'R7 MO 612 „„ [5001 750 61 255119 650 875 943 [500] 25^'06 ÄS 566 6'* 16 28 s? «7 796 257082 1'6 864 915 33 256-0'6 73 M 100 [500] 63 00 391 483 41 2 59195 885 478 [IWO] 6. Ziehung 5. Kl. 216. Kd. Pretiss. Lotterie. 1 Ziehung vom 13. Mal 1907, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betretender’ 89 993 1 5 8208 [500] 43 81 90 496 755 159029 [600] 106 0 570 641 16O340 46 [1000] 352 454 523 638 702 97 161139 54 427 520 [1000] 628 71 856 [1000] 905 78 1 62126 86 [500] 87 [500] 418 60 64 590 641 [1000] 801 74 903 1 6 3006 19 427 30 [1000] 772 868 1 64003 103 87 [1000] 52 65 85 432 [500 ] 060 86 1 65174 237 407 74 820 [1000] 924 [10Ö0] 1GG033 01 111 45 227 779 1 67005 201 805 [30001 669 707 20 41 42 62 1 6 8006 86 233 380 469 585 646 1 6927» 99 529 605 725 170055 [ 500] 856 419 52 554 [500] 728 041 171378 97 6’9 42 747 864 92 172019 HO 20 248 55 896 425 51 OW 561 104 «67 557 946 153 86 251 854 408 16 575 815 77 266010 117 [500] 63 495 519 978 201 «6 116 868 474 718 38 [30001 808 911 202K3 66 420 585 203032 59 121 26 275 541 757 71 930 2 0 4046 220 60 87 [1000] 77 [3000] 831 67 2 0 5012 54 ISO 271 416 206101 500 32 722 24 829 43 95 98 928 207071 248 «,1 84 [10001 980 71 2ORO10 47 107 [5001 78 200 [500] 871 /5 7f8 209170 257 818 608 91 [10001 905 00 2'00’1 27 [10001 03 583 85 648 843 006 211184 753 [5001 877 2 1 2009 138 22« [5001 846 [5001 673 7" 8"1 83 213071 370 482 683 [10001 789 54 64 OOO] 214014 [1C001 88 46 98 759 867 [1000] 87 'V>«0] 007 116001 21 5"fi ’-R RSR 4,e 527 809 19 919 2 1 6337 510 708 979 2 1 7262 [10001 373 80 [500] 414 039 73» 968 21600« 28 125 70 207 363 478 514 804 955 86 2 1 9014 49 229 .) 421 [1000] 668 94 150103 480 530 603 97 777 1 5 1 873 456 585 [1000 ] 73C 627 152005 204 859 926 153015 51 151053 [500] 175 442 78 556 [8000] 72 688 746 51 978 |10l»0) 15 5058 848 540 709 [8000] 882 156524 963 81 157015 66 140 81 99 487 84 541 58 [1000] 850 452 96 798 888 912 13O057 112 48 279 93 97 [8000] 482 594 654 TM 27 (Nachdruck verooten.) — 480 [1000 ] 613 44 776 852 2'112 165 295 310 577 601 791 825 52 972 3019 82 ß.:0 66 8!>2 4052 316 74 615 794 SOS 5615 826 931 6'241 54 1500] 77 346 417 86 548 656 725 94 981 7397 [300) bS3 070 [501. 70035 117 80 [500] 842 63 420 51 W 81 [1000] 729 71148 829 050 72165 268 640 718 73094 157 93 [500] 524 860 7 4010 144 97 823 29 [500] 610 [3000] 732 89 [3000] 924 75152 58 806 23 84 76066 86 [1000] 558 838 903 77274 372 437 40 61 571 [1000] 870 935 148 70 217 77 448 595 650 7 9050 527 643 [500] 540 53 641 173109 281 66 800 80 998 174086 *3 534 98 616 788 734 121478 174 272 382 542 615 818 911 [500] 145122 96 [500] 404 11000] 146195 18000] 242 66 581 [500] 744 887 965 147043 75 434 671 148368 [500] 406 61 149115 18 12 3036 274 626 882 [1000]------ 126 416 36 563 [1000] 98 797 855 126161 221 541 12 7439 722 52 823 930 45 128123 627 901 120087 279’7? 63! 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