Nr. 110 Erstes Blatt 157* Jahrgang Montag 13* Mai 1907 Srlchltut täglich Ä /h» A W' d miraUidiTö^uVtert* /i nroiaov^MZ Z" «n» G 11V11'v 441 v 1V ▼▼IV ▼ zweimalwSchentltchdir- H > VM auSwart» 80 Plenntg. Kreilblatt fflr bei Kreis -r • *•▼ /«▲ ▼ V" ** Verantwortlich ch» ES General-Anzeiger für Oberheffen WZZ ”**1^ •iSwu ’ Rolatkonrdnlck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderel K Lange. RedaMa«, LxpedMon und Druckerei: Zchulstratze T. ^g^teu-pa^! *% Are heutige Kummer umfaßt 10 Sette«. Wiesbadener Kaisertage. Wiesbaden, 11. Mai. Kurz nach 3 Uhr begab sich der Kaiser zum neuen Bahn- Kur -nach 3 Uhr begab sich der Kaiser zum neuen Bahn- böse, um die Kaiserin zu empfangen, die mit der Prinzessin Alexandra Vittoria zu Holstein-Glücksburg von Homburg im Sonderzuae hier eintraf. Die Majestäten und die Prinzessin begaben sich durch die Fchtstraste im offenen Automobil nach dem Königlichen Schloß, von dem Publikum lebhaft begrüßt. Im weiteren Verlaufe des Nachmittags treffen hier ein und nahmen im Königlichen Schlosse Wohnung Prinz August Wilhelm, der Großherzog und die Groß Herz o g in von Hessen uni) Prinzessen Friedrich Karl von Hessen. Soeute nachmittag wurde das neue Kurhaus durch ein Galakonzert eingeweiht. Auf dem Kurhausplatze hatten Schulmädchen, weiß gekleidet, mit Frühlingsblumen im Haar, Aufstellung genommen. Die Wandelhalle wirkte durch ihr hohes Gewölbe, das von der riesigen Lichtkuppel durchbrochen wird, überaus iiuponicrenb, während die Vornehmheit des Materials, nämlich dunkelroter schwäbischer Granit, Marmor, Serpentin, Bronee, Mosaik, Glasmalereien und die Nachbildung antiker Marmorstatuen von der Gediegenheft des ganzen Baues gebührend Zeugnis ablegen. — Um 5 Mr 30 Mm. fuhr der Kaiser im Automobil in Husarenuniform vor und wurde von Oberbürgermeister v. Jocll und Professor Thiersch begrüßt, während Fanfaren von der äußersten Galerie ertönten, deren Bläser altrömische Kriegertracht angelegt hatten. Oberbürgermeister v. I b e l l hielt eine Ansprache, in welcher er dem Dank der Stadt Ausoruck gab, daß der Kaiser dieser neuen Heimstätte der Kunst und der e.len Geselligkeit die Weihe gebe. Er hoffe, daß des Kaisers landesväterliche Huld der Stadt auch ferner erhalten bleibe. Zum Schlüsse erneuerte der Redner das Gelübde der unwandelbaren Treue und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Der Kaiser dankte dem Oberbürgermeister für die freundlichen Worte und gab seiner Freude darüber Ausbruck, daß er dieses außerordentlich schöne Kurhaus einweihen helfen könne. Er wies auf die Erinnerungen hin, die hier an das einst an dieser Stelle herrschende Nömervolk geweckt würden und er wünschte der Stadt, daß sie mit diesem neuen Unternehmen einen wetteren Aufschwung nehmen möge, daß sie die Erinnerung an das erhabene Haus Nassau-Oranien weiter pflegen und in zielbewußter Entwicklung weiter erblühen möge. Bürgermeister Heß überreichte dem Kaiser einen Ehrentrunk 1893er Neroberger in einem schönen hohen Goldpokal, welchen die vereinigten Goldschmiede Wiesbadens hierzu gestiftet haben. Der Kaiser trank auf das Wohl der Stadt Wiesbaden und ihrer Bürger. Professor v. Thiersch überreichte dem Kaiser settie Denkschrift, welche er dankend entgeaennahm. Es folgte ein Rundgang durch die KonversationS-, Lese-, Schreib- und Spielzimmer, sowie durch die kleinen und großen Restaura- tionsräumc. Alle diese Räume sind ebenso vornehm als bequem. Hierbei nahm der Kaiser auch die Vorstellung der beim Bau beteiligten Herren entgegen. Es langten hieraus auch die säntt- lick-en, als hier cingetroffen gemeldeten Fürstlichketten im Kurhause an, zuletzt um 6 Uhr die Kaiserin. Der Kaiser empfing die Herrschaften und führte sie in die Wandelhalle. Ehrenjungsrauen überreichten der Kaiserin und der Großherzogin von Hessen sowie den Prinzessinnen Blumensträuße. Tie Majestäten und die Fürstlichkeiten wurden sodann in die Hos- loge des großen Konzertsaales geführt, wo sie von den dort bereits versammelten, etwa 1000 Köpfe zählenden Publikum mit Hochrufen empfangen wurden. Der große Konzertsaal mit seinen Säulen aus Nassauer Marmor, seiner schweren, flach gewölbten Kasettendecke und den Mahogoni-Täfelungen wirkt ruhig und vornehm. Das Konzert begann mit der Ouvertüre zu Wkbers Freischütz, von der Kurkapette vorgetragen. Hierauf trug ein Knaben- und gemischter Chor mit Orgelbeglettung den Chor aus Judas Makkabäus von Händel: „Sehet er kommt mit Preis gekrönt" vor. Das wettere Programm brachte die dritte Leonoren-Ouver- türe von Beethoven, zwei Lieder aus dem Volksliederbuch für Männerchor, nämlich „Die Lore" und „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", sehr gut vorgetragen vom Wiesbadener Männergesangverein, dann Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, zwei weitere Lieder, nämlich: ,,Jch gatt' einen Kameraden" und „Friedericus Rex". Den Schluß machte der Huldigungsmarsch von Richard Strauß. Der Kaiser und die Fürstlichkeiten beteiligten sich lebhaft an dem Beifall. Nach dem Konzert nahm der Kaiser an einem Bierabend beim Generalintendanten v. Hülsen im Foyer des Theaters teil. Im Sckstoß sand bei der Kaiserin Familientafcl und für die Gefolge Marschalltafel statt. 12. Mai. AlS sich gestern abend zu später Stunde vor dem Königlichen Schlosse und aus der großen Freitreppe des illuminierten Rathauses eine gewaltige Menschenmenge angeiammcit hatte, die den Majestäten andauernd Ovationen da^brachte, erschienen beide Majestäten wiederholt auf dem Balkon des Schlosses und dankten auf das freundlichste. Heute morgen nahmen beide Majestäten an dem Gotte sdienste in der Schloßkirche teil. Später machten sie in Wagen einen Ausflug nach dem Neroberg. Heute nachmittag unternahmen die Majestäten mir den anwesenden fürstlichen Herrschaften einen Ausflug in Automobilen nach der Eisernen Hand und machten dort einen Spaziergang. An der Abenotafel nehmen die anwesenden Fürstlichkeiten teil. Im neuen Kurhaus sand eine Wiederholung des Eroffmmgskonzerts statt. Heute nahmen im Königlichen Theater die diesjährigen Mai- sc st spiele ihren Anfang mit einem dramatischen Gedicht in drei Szenen von Joseph Laufs „Gotberga". Die musikalische Leitung der Festspiele hat Professor Schlar, die Regie führen die Herren Kochy und Nebus, die dekorativen und kostüm- licyen üinrtmrungen liegen in den Händen der Oberinspektoren Schick und Nitzschc, die Dekoration ist von Gebr. Kautzky und Cottonara. Das Haus war reich mit Girlanden geziert, das Orchester nach dem Zuschauerraum durch ein Parterre frischer Blumen abgeschlossen. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Im Parkett und auf den Rängen bemerkte man viele bekannte Persönlichkeiten aus Künstler-, Gelehrten und literarischen Kreisen, und die Spitzen der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden. Neben der Hofloge hatten die Ehrenjungftauen, die gestern die Fürstinnen begrüßt batten, Platz gesunden. Fanfarenbläser in ftiederi manischer Tracht ließen ihre Drommeten ertönen, als' der Hof die große Loge betrat. Das Publikum brachte ein dreifaches Hoch aus. Der Kaiser, in Husarenunifvrm, und die Kaiserin, in einer Robe aus Silberbvokat, verneigten sich an der Logenbrüsttmg. Tas Festspiel ist in das Jahr 140 nach Christi Geburt gelegt, ido der Stamm der Chatten zwischen Taunus und Rhein dem Anstürme der Romer Stand zu halten sucht. Gotberga, die Tochter des Chrttensürsten Thuiskar, liebt Marius Berus, den Adoptivsohn des Kaisers Antonius Pius. Zur Priesterin der heiligen Quelle der Aquae Tlattiacae gewählt, hat Gotberga geschworen, uraltem Branche gemäß, ben heilbringenden Brunnen keinem Fremden zu gönnen. Sie bricht den Schwur, um den wunden, fiebernben Geliebten zu retten, vermittelt ihrem Volke einen ehrenvollen Frieden mit dem Kaiser unb erschließt bie Quelle bet ganzen Menschheit zum Hell und Segen. — Die Bcrse sinb schwungvoll geschrieben. Die Ausstattung war prachtvoll und pocsiereich. Schauspielerisch hervorragendes leisteten in der Titelrolle Frau Willich, als Kaiser Otto Sommerstorfs, als Thuiskar Leffler. Die begleitende Musik ist von Professor Schlar, bet auch birigierte. Das Publikum applaubierte lebhaft, ebenso die hohen Herrschaften, die beim Verlassen der Loge sür erneute Hochrufe dankten. Gleich nach der Vorstellung empfttlg der Kaiser Joses Laufs und bie Hauptdarsteller Frau Willich und bie Herren (Sommern torff unb Leffler. Sodann erfolgte die Rückfahrt nach dem Königlichen Schlosse, von dessen Balkon Ihre Majestäten und die anwesenden Fürstlichkeiten eine Serenade der Männer- gesangoenine von Äftsbaden entgegennahmen. Diese rückten mit der Musikkapelle des 80. Infanterie-Regimentes, begleitet von den Lamvwns tragenden Mannschaften der fteiioilligcn Feuerwehr, auf den Schloßplatz, der von Flambeaux erleuchtet war. Vorgetragen wurden: Beethovens „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", Mendeisohns „Wer hat dich du schöner Wald", „In einem kühlen Grunde" und „Wilhelm von Nassovien". Viele Tausende hielten die Umgebung des Schlossplatzes sowie bie Fenster ur.b Dächer ber anliegenden Häuserreihen besetzt unb brachten ben Majestäten wieder unb icicber stürmische Ovationen bat. Anläßlich ber Einweihung des Kurhauses hat ber Kaiser sol- genbe Auszeichnungen verliehen: Die Krone zum Roten Ädlerordcn mit Eichenlaub Oberbürgermeister Jbell, den Roten Abletvrden zwettcr Klasse dem Tr. Ritter ix Thiersch, ben Sieten Ablerorben dritter Klasse mit Schleife dem Bürgermeister Heß und dem Kuroircktor von Edmeyer, ben Roten Adlerorden vierter Klasse dem Professor Pfeifer in München und dem Polizeirat Falck, den Kroncnorden dritter Klasse dem Siadtbau- rat Frohen ins und dem Architekten Ritter in Frankfurt a. M. Zur Einweihung des Kurhauses bezw. zum Beginn der Festspiele im Königlichen Theater sind eine Reihe von Festschriften erschienen. Tie Stadt Wiesbaden hat eine von Professor von Thiersch verfaßte, sehr gründliche Festschrift, betitelt „Das Neue Kurhaus zu Wiesbaden", herausgegeben. Der Kurdirektor von Ebmeyer hat eine sehr hübsch illustrierte Denkschrift ebenfalls über das Neue Kurhaus versaßt. General-Intendant von Hülsen hat, wie immer, eine Festschrift herausgegeben, welche sich durch feinen kunstsinnigen Text und sehr hübsche Lichtdrucke auszeichnet. Wie ber „Generalanzeiger" erfährt, hat ber Kaiser an geordnet, daß ein großer Teil der von Frankfurt nach Wiesbaden ab kommandierten Schutz teilte wieder zurückges chickt wird, da die Wiesbadener Verhältnisse ihre Anwesenheit nicht erforderlich machten. Deutsche» Reich. Berlin, 12. Mai. Zur Rede Sir Campbell BannermanS in Manchester schreibt bie ,Norbd. Allgem. Ztg.': Aus ben Worten bes britischen Premierministers wirb auch für wettere Kreise erkennbar, baß bie fachlichen Meinnngsverschiebenheiten zwischen Berlin unb London in der Abrüstungsfrage auf die allgemeinen Beziehungen ber beiden Mächte keinerlei verstimmenden Einfluß auSgeübt haben. Von dieser Tatsache wird man bei unS überall da mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis nehmen, wo man ben Wunsch hegt, baß die beiden Nationen in loyaler Weise ein Verhältnis zueinander pflegen, wie es ihren wirklichen Interessen entspricht. — DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute zilnächst nach kurzer Debatte die erste unb zweite Lesung bas Wohn- ungssursorgegesetz für Beamte unb Arbeiter, bas 15 Millionen für den Bau von Wohnungen fordert. Der Antrag Engelbrecht unb Dr. Hahn, betreffenb gesetzliche Maßregeln gegen bie Aufsaugung bes bäuerlichen Besitzes durch bas große Kapital, würbe zurückgezogen, nachbcm Minister v. Arnim an der Hand ber Statistik bewiesen hatte, daß die Verhältnisse durchaus nicht so ungünstig lägen. Das Haus erledigte dann eine Reihe von Petitionen. Montag: Wohnungsfürsorgegesetz und Verunstaltungsgesetz in dritter Lesung, ferner Jagdgesetz. Braunschweig, 11. Mai. Am Montag ben 13. Mai findet eine vertrauliche Sitzung des Lanbtags statt in Sachen ber Regentenwahl. Düsselborf, 11. Mai. Heute vormittag 11 Uhr wurde in der Ausstellungshalle die Natio nale Kunstausstellun g in Gegenwart des Kronprinzen feierlich eröffnet. Aolonialpoft. — Der „Kölnischen Zeitung' wird aus Berlin telegraphiert: Aiis bester Quelle erhalten wir die Nachricht, daß m dem Disziplinarverfahren gegen den früheren Gouverneur v. Putt kämm er bie Reichsregierun g gegen bas erstinstanzliche Urteil Berufung angemelbet hat. Das Urteil in bem Prozeß ist allerdings ben Parteien noch nicht zugestellt, aber ba bie Berufungsfrist für ben Kläger vom Tage ber Urteilsverkünbimg an läuft, entschloß sich bie Reichsregicrung, bie Zustellung beS Urteils nicht mehr ab» zuwarlen, sonbcrn schon jetzt Berufung einzulegen.__________ Zur Geburt des spanischen Thronfolgers. Madrid, 12. Mai. Das Befinden der Königin und des neugeborenen Prinzen ist andauernd gut. — Die Eintragung des Prinzen von Asturien in das Standesamtsregister fand heute vormittag 11 Uhr im Palast statt. Der Prinz erhielt den Vornamen Alfonso Pio Christino Eduardo und zahlreiche andere. Zeugen waren Prinz Carlos als Vertreter ber Familie, Maura als Vertreter ber Regierung, Arcor roya als Vertreter des .Senats, Carullejas als Vertreter der Kammer und figen spanischen Gesandten liefen Glückwunschtelegramme cin„ u. a. ein solches vom Lordmayor in Padia. Berlin, 12. Mai. Anläßlich der Geburt des spanischen- Thrensolgers haben der Kaiser, ber Reichskanzler und bie Gesandtschaften ber hiesigen spanischen Botschaft ihre Glückwünsche übermittelt. Außerbem hat Kaiser Wilhelm nach- Mabrib an König Alfons ein überaus herzliches Telegramm gerietet. Deutscher Flottcnverein. Köln, 12. Mai. Zu ber Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins, bie unter sehr zahlreiche: Beteiligung stattfand, war im Auftrage des Kaisers General-, seldmarschall von Haynke erschienen. Der Präsident Fürst S o l mx Horstmar eröffnete die Hauptversammlung mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Bundcssürsten und die Freier Städte. Atz den Kaiser wurde folgendes Hnldignngs- te leg ramm gesandt: „Eurer Kaiserlichcn und Königlichen Majestät entbietet bie in Köln tagenbe 7. außerordentliche Hauptversammlung des deutschen Flottenvereins ihre ehrfurchts-, vollste Huldigung. Unsere Bestrebungen sind nach wie vor darauf gerichtet, dem Daterlande bald eine starke Flotte schaffen zu helfen, welche in ber Hanb Euerer Majestät bie sicherste Biftgri schast für bie Erhaltung des Frieoens bietet." — Generalfeldpi marfchall v. H ahn ke dankte für die ihm gewordene Begrüßung: unb bemerkte, daß der Kaiser den Flottenverein sehr hoch schätze und darin bie Verkörperung des idealen Gedankens erblicke, dem deutschen Volke das Verständnis und Interesse für bü. Bebrütung ber brutschen Flotte zu wecken, zu pflegen und zu stärken. Ter Kaiser habe ihn beauftragt, bec Versammlung nicht nur seinen Gruß zu überbringen, sonbern auch seinen bcsonberÄ herzlichen Taut allen ausznsprcchen, die so opserwillig und einsichtig sich ben Mühen unb umfangreichen Arbeiten im Verein, unterziehen. Ter Kaiser lasse dem Deutschen Flottenverein fine weitere segensreiche und erfolgreiche Zukunft wünschen zürnt Besten unserer deutschen Flotte. Redner schloß mit einem brei-t fachen Hoch auf ben Flottenvcrcin. Regierungspräsident Dr. Steinmeister begrüßte die Hauttversammlung int Auftrage der Staatsregierung. Präsident Fürst zu >so Im-Horst matt und Gencraünajor Keim bezeichneten es als grobe Lüge, datz ber Flottenverein bie katholische Kirche unb bie tatholftchc Be--i Dölferung bekämpfe. Jeber Deutsche sei im Flottenverein ohne! Unterschieb ber Konsession und der Partei willkommen, der dis Bestrebungen des Vereins unterstützen wolle. Der Flottenvrretttt treibe keinerlei Partei-, fonbem nur nationale Politik. Schließe lief) gelangte folgende Erklärung einstimmig zur Annahme:. „In der Ertennmis, daß andere Nationen die Kampfkraft: ihrer Flotten unaufhörlich, unb zwar in einem solchen Maße, vermehren, baß sich bie Stärkeverhältnisse immer mehr zu unseren Ungunsten verschieben, woraus ernste Gefahren für utiferj Lat erlaub entstehen können, fpricht bie Hauptversammlung bie, Ansicht aus: Cs ist imbebingt nötig, ben durch die FlottengcsetzL/ von 1900 und 1906 feftgciefctcn Ausbau der deutschen Flotte zu beschleunigen. Um bas Verständnis hierfür Wetter im deutschen Volke zu fordern, wirb brr deutsche Flottenverein in feiner awf klärenden Tätigkeit fort fahren und hierbei alÄ nationaler Verein über den Gegensätzeir der Konfessionen unbj Parteien stehen." hf Alsdann gelangte unter großem Beifall der Versammlungt folgender Antrag einstimmig zur Annahme: „Die Versammlung nimmt Akt von der Erklärung desl Präsidiums, daß der Verein als nationaler, unpolitischer, Verein einer Agitation für oder gegen eine politische Partei serw-s bleibt, und crclärt unter Zustimmung des bayerischen Landest vrrbandes dessen Antrag für sachlich erledigt. Tic Versammlung^ spricht dem Präsidium volles Vertrauen und herzlichen^ Dank tüt feine aufopfernde tatkräftige Führung und Förderung dcs Vereins aus." Als Tagungsort für die nächste Hauptversammlung 1908| wurde Danzig gewählt und hieraus die Haupwersammlungj geschlossen. Ausland. Stockholm, 12. Mai. Die zweite Kammer nahm mttj 122 gegen 105 Stimmen den Gesetzentwurf betreffenb Abäni berur. g bes Wahlrechtes mit einigen Zusätzen an, bie teils auf Bewilligung von Diäten für bie Mitglieder ber ersten- Kammer hinausgehen, teils auf Heraosetzung des für bie Aus-i Übung des Wahlrechts zur ersten Kammer bestehenden Zensus von öiertaufenb Kronen auf zweitausend Kronen Einkommen^ Paris, 12. Mai. In Gegenwart Falliöres, Clemenceaus, der meisteit Minister und der Präsidenten des Senats unb bes Kammer, sowie zahlreicher anberer Persönlichkeiten, darunter! des Majors Drey^us, wurde heute bas Denkmal bcs ftüherenz Ministers unb Senators Traricux enchüllt. — In der Kammer brachte heute Finanzminister Caillauxs das Budget für 1908 ein. Tas Budget geht von Demi Bestreben aus, die öffetttlichen Ausgaben lediglich durch den Ertrag der Steuern zu decken. Turch den Bedarp für Tilgung der breiprozentigen 9tenie unb der chinesischen Anleihe für Dasl Betriebsjahr 1907 ist ein ungebeefte r Betrag von 247 Millionen geblieben; infolgebessen ergab sich bei der Aufstcllungj des Bubgets für 1908 zunächst ein Defizit von 141 Millionen^ Dieses Defizit würbe inbeiien beseitigt und das Buoge-aiftchx' gewicht hergestellt, indem die zu fordernden ^lusgab^nrrhöhungLnl gekürzt, unnötige Ausgaben gestrichen, und außergewöhnliche; Ersparnisse durchgeführt wurden. — Das Ministerium des Auswärtigen erhiett ein Telegramms aus Marrakesch, üi bem es heißt, ber Kreuzer „Jconn« b'Arc" benachrichtigte mittels drahtloser Telegraphie Den y.reujä$ ,Lalande", t»ß der Stamm der Re Ham na sich Mar caq kesch Demächtigte und die Europäer, audgenomm:.' bie Deutschen, nach ber Küste abgegangen sind. Die Nachrich: be* darf jedoch noch der Bestätigung. Der englische Konsul ver°» ließ, 9, SDlat Marrakesch, ‘feie franiöiucüc Stolonic mürbe iwfo flffinjte trnfbroSat, fÄbald 1« Wer Transp-orttnittel verfuge, die Deutschen allein beschlossen, Jm bleiben. Ter französische Konsul in Moyador erhielt, 8. Mai, einen sehr beunruhigen- den Brief von Moüley Hafid über die Lage in Marrakesch. .Die Depeschen belichten ferner, die Bewegung in Marrakesch 'fei nicht durch die Besetzung von Udschda hervorgerufen, sondern weil gor keine OrtZbehörde anwesend sei. Rom, 12. Mai. Die „Tribuna" kündigt in einer Meldung ans Triest für beit Sommer den Besuch eines deutschen /Geschwaders, in den österreichischen Adriahäfen an und fügt hinzu, daß in dem österreichischen Krieg-.Hafen ^Pola große Festlichkeiten zum Eurpfange der deutschen Flotte geplant toüriien. Wien, 11. Mai. Wie die „Neue Freie Presst erfahrt, wird der Generalstabschef Konrad von Hoetzendors nach feiner Berliner Reise sich auch nach Italien begeben. Budapest, 12. Mai. Bei einer von dem Berliner Deut- fchen Theater veranstalteten Aufführung von Dedekind's „Frühlings Erwachen" kam es bei der Heubodenszene zu lärmenden Kundgebungen. Man hörte Zischen, Pfeifen, Abzugs-, Eljen-, Hoch- und Bravo-Rufe. Ein Teil des Publikums drängte nach den Ausgängen. Es trat jedoch bald eine .Beruhigung ein, worauf das Stück zu Ende gespielt wurde. Sofia, 11. Mai. Fürst Ferdinand von Bulgarien ^hat heute eine Reise ins Ausland angetreten. Er begibt sich zunächst nach Wien, dann nach Paris und London Die Reise gilt der Regelung des Nachlasses der Prinzessin Clementine und dem Besuch der Balkanausstellung in London. Jalta, 12. Mai. Heute um 1 Uhr nachmittag fand hier die Vermählung bee>' Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch, mit der Herzogin Anastasia vou Leuchtenberg, Tochter des Fürsten Nikolaus von Montenegro statt. Neues aus Rußland. Der Reichskontrolleur Schwonebach dementiert die .Blättermeldung, daß er dem Zaren die Bitte vorgelegt habe, die Duma aufzulösen. Ebenso falsch sei, daß er am Tage darauf dem deutschen Botschafter in dieser Angelegenheit einen längeren Besuch abgestattet hätte. Die Kommission zur Untersuchung der Kapitulation von Port Arthur war zu dem für General Stössel und feurige höhere Offiziere vernichtenden Resultat ge- Ionunen, daß Stösst die Festung leichtsinnig verteidigt und ohne triftigen Grund übergeben habe und daher den Tod durch den Strang oder Erschießen verdiene. Der Krregsrat prüfte das Urteil und beschloß, die Entscheidung darüber dem Zaren zu überlassen. Aus 2>tabt und Land. Gießen, 13. Mai. ** SieuerperfomaIren. Se. Kgl. Hoh. der Groß- Herzog haben den Steuerkommisiären Karl Fe ick zu Wörrstadt und H. Linden st rnth zu Offenbach den Charakter als JLegierungsrafi" verliehen, die Ernennung des Steuerkom- /miffärs Jul. Walther in Heppenheim zum Steuerkommissär Les Steuerkommiffariats Mainz 3 -auf dessen Nachsuchen Hurückgenommen; den Steuerkommissär des Steuerkommissariats '.Fürth, Dao. Mees, in gleicher Diensteigenschaft in das /Stenerkommiffariat Ober-Ingelheim versetzt; den Steuerkommissären Herrn. Schretner zu Gießen, Adam Metz zu Bingen, Jean Nicolai zu Offenbach, Wilh. Krug zu ^Darmstadt und Herrn. May zu Offenbach die Steuer- kommiffariate Zwingenberg, bezw. Höchst, bezw. Fürth, bezw. Mainz 3 und bezw. Seligenstadt übertragen und den Re- gierungsaffeffor Gg. Wenzel aus Alsfeld zum Bezirkskassier her Bezirkskaffe Kastel ernannt. ** Vom Universitätsjubiläum. Der Ausschuß /der Studentenschaft hat in einer am Samstag abgehaltenen .Sitzung einstimmig beschlossen, am 31. Juli S. K. H. dem /Großherzog, dem Rektor magnificentissimns unserer QLndoviciana, einen Fackelzug darzubringen. — Unser Theaterneubau präsentiert sich jetzt lvorr Tag zu Tag stattlicher. Der Terranova-Bewurf der ^Außenseite geht seiner Vollendung entgegen und auch die ünnsangreichen Erdarbeiten rings um das Gebäude nähern sich ihrem Abschluß. Die Rampe vor der Faffade ist bezüglich ',der Maurerarbeit fertig gestellt, es sitzt ferner das Eisengcrüst /für das Glasdach über den Eingängen und die beiden Reliefs über den Balkons sind seit 14 Tagen /von ihrer Verkleidung befreut. In Kürze werden auch die /beiden Giebelfelder mit Inschriften versehen werden, und man /hat beschlossen, in diesen/ auf den schönen Ursprung des gebäudes aus vereinter Kraft der Bürgerschaft hinzuweisen. aß deren Jntereffe für den prächtigen Bau nicht erlahmt (ift, beweist der fortwährende Eingang von Beiträgen seitens /genannter und ungenannter Spender; noch vor wenigen /Tagen gelangte wieder eine solche namenlose, aber darum nicht minder willkommene Gabe von 500 M. an den Vorsitzenden des Theatervereins. Jm Innern des großen Baues /herrscht rastlose Tätigkeit. Die Decke des Zuschauerraums fit von den Malern fertig gestellt, ebenso der ganze zweite Mang; gegenwärtig wird am ersten Rang und an der Decke kdes Foyers gemalt, Marmorarbeiter^sind beschäftigt, Marmor- hsockel zu setzen, das Treppengeländer zum ersten Rang steht Lis auf die Füllungen aus Kunstschmiedarbeit, und im Warkett geht man jetzt an das Legen des Fußbodens. Das wersenkte Orchester, das Raum für 58 Musiker hat, kann auf die Höhe des Parketts gehoben werden und dann als Zu- '/schauerraum dienen; der Einbau der betreffenden Maschinerie ist nahe vollendet. Auf der Bühne ist man mit den letzten Arbeiten zur Bühnenemrichtung beschäftigt, es bleibt noch zu tun die Installation der Bühnenbeleuchtung. Die Kulissen- magazme rüsten sich zur Aufnahme der Dekorationen, von denen in einigen Wochen die ersten eintreffen. Noch bedarf es vieler arbeitsreicher Stunden, um das große Werk rin allen fernen Teilen fertig zu stellen, aber Alles berechtigt /zu der Hoffnung, daß die Stifter des Baues in der Eröffnungsvorstellung am 2 3. Juli ihr Werk in vollendeter Gestalt vor sich sehen werden. Gleibergverein. Der Geselligkeitsoerein Gleiberg hält am 1. Juli auf der Burg seine diesjährige /Generalversammlung ab. Es ist beabsichttgt, zu Ehren des Burgwirts und ferner Frau aus Anlaß ihrer 25 jährigen Tätigkeit auf dem Gleiberg im Anschluß an die /Versammlung eine Festfeier zu veranstalten. Mieter-Verein. Die Generalversammlung des Mieter-Vereins Gießen, die am Samstag abend im Cafö ,Ebel tagte, war von 50 Mitgliedern besucht. Die vom prov. Vorstand in Vorschlag gebrachten Statuten wurden genehmigt. Nach der der Versammlung gemachten Mitteilung ist mit der Beschwerde gegen den Beschluß der Stadtverordneten, betreffend die Kanalabgabe tn der Stadt Gießen, Rechtsanwalt Dr. Spohr betraut. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Bräutigam, 1. Vors., A. Wentzel, J2. Vorst, Sontenges und Wohlmuth, Schriftführer, Ludw. Beck, Rechner, Grub, Schreiber, Wagner und Keßler Beisitzer. Der Vorstand wird gleich nach Pfingsten mit einer umfassenden Werbetätigkeit zur weiteren Gewinnung von Mitgliedern beginnen. Als Beitrag wird erhoben 1 Mk. für das Jahr und 20 Pfg. für Statut und Mitgliedskarte. * Konzerte. Jm Neuen Saalbau veranstaltet der Wirt Herr Bues von jetzt ab bei günstigem Wetter jeden Montag abend im Garten Bier-Konzerte bei freiem Entree. * * Diebstahl. Vor einen Tagen machte ein Gerber in der Bahnhofstraße die Entdeckung, daß tn der Gerberei von mehreren Häuten fertigem Leder Stücke abgeschitten und entwendet waren. Als Täter wurde ein 14 jähriger Junge ermittelt. * • Brand. Am Samstag, den 11. l. Mts. mittags entstand, wie bereits in einem Teil der Samstags-Auflage mitgeteilt wurde, in der Ho fr eite zur alten Post in der Walltorstraße in einem Stall Feuer. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle und die angrenzenden Gebäude konnten geschützt werden, während der aus Brettern errichtete Stall vollständig niederbrannte. Das Feuer soll von im Stall spielenden Kindern hervorgerufen worden sein. • * Wicdergefundener Trauring. Bei Vornahme der Kanalisationsarbeiten in einem Hause der oberen Frankfurter Straße wurde in vergangener Woche' aus der Senkgrube ein vor 3 0 Jahren mit dem Waschwasser hinein geschütteter Trauring, der noch gut erhalten war, wieder zu Tage gefördert und seinem Eigentümer zugestellt. /^Butzbach, 12. Mai. Der Hausbursche eines Hotels in Bad-Nauheim machte sich in seinem Dienstanzug hier durch größere Gcldausgaben verdächtig und erstand in einem hiesigen Kleidergeschäft einen neuen Anzug, den Dienstanzug Hierselbst „oorläufig* zurücklassend. Auf einem in Bad-Nauheim gestohlenen Fahrrad suchte er das Weite. Nähere Nachforschungen ergaben, daß er in Bad- Nauheim einen größeren Geldbetrag zum Wechseln auf die Bank zu tragen hätte und damit verschwunden war. g. Bad-Nauheim, 12. Mai. Lehrer Balthasar Port h, bisher in Lauterbach, wurde dieser Tage eine Stelle an der hiesigen Stadtschule definitiv übertragen. Durch die Versetzung des Lehrers Karl Heuser von hier an das Real- Gymnasium ist nun wieder eine Stelle frei geworden, die demnächst zur definitiven Besetzung ausgeschrieben wird. — Dem Ingenieur Röder, der seit ungefähr l1/2 Jahren die Stelle eines städtischen Ingenieurs provisorisch verwaltete, wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung die Stelle definitiv übertragen. — Die Firma Gebrüder Siesmayer zu Vilbel hat sich bereit erklärt, aus ihren hiesigen Treibhäusern geeignete Plänzchen an die Oberklassen der hiesigen Schule gratis zu verteilen und die Veranstaltungen der Kommission zur Förderung der Blumenpflege nach Kräften zu unterstützen. a. Allenrod, 12. Mai. Ein Unfall, der leicht ernstere Folgen haben konnte, ereignete sich im nahen Sickendorf. Drei Arbeiter waren mit Entleeren eines Brunnenschachtes im dortigen Schulhofe beschäftigt, als plötzlich ein schweres Brett in die Tiefe fiel und den dort arbeitenden Hch. Hedderich von Sickendorf auf den Kopf traf, daß er bewußtlos zusammenstürzte. H. wurde schwer verletzt in das Krankenhaus zu Lauterbach geschafft. — In Wernges wurden am Himmelfahrttage von einem bis jetzt Unbekannten 5 Fahrräder in gemeiner Weise beschädigt, indem Laufmäntel und Luftschläuche vollständig zerschnitten wurden. a. Marburg, 11. Mai. Die Wahl des neuen Oberbürgermeisters ist auf Mittwoch, den 15. Mai, abends 6^/z Uhr, festgesetzt. Der Ludwigshafener Exzeß. Ludwigshafen, 11. Mai. Jur Unterdrückung der Ar- beiterunruheit ist hier ein Bataillon des 17. Infanterie- Regiments aus Germersheim eingetroffen. Ferner wurden 50 Gendarmen von auswärts zur Unterstützung der hiesigen Polizei hier zusammengezogen. Gestern abend wiederholten sich die A n s a m m l u n g e n in der Nähe der Zimmerschcn Leimfabrik. Die Gendarmerie patrouillierte mit aufgepflanztem Seitengewehr, doch fand sie keinen Anlaß zum Eingreifen. Der Regierungspräsident aus Speyer traf gestern abend hier ein, um sich persönlich über die Lage zu unterrichten. — Der B etrieb in der Zimmerschcn Leimfabrik soll in Den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden. Zu diesem Zweck sind heute 28 Mann wieder eingestellt worden, die mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt sind. Jm Innern der Fabrik sind 18 Gendarmen postiert, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Für Den Fall weiterer Unruhen stehen zwei Kvmpagnien Militär bereit. — Wie die „Frkf. Ztg." hört, ist der Aufruhr von anarcho-sozialistischer Seite geführt worden. Die 10 Angeklagten wer- den sich wegen Landfriedensbruchs zu verantworten haben. Kandel. Emission von 4o/0igen und 3V//oigen Pfandbriefen und Kommunal-Obligationender Hessischen Landeshypothekenbank unter Leitung und mit Zinsgarantie des Staates. Als offizielle Zeichnungsstelle nimmt die hiesige Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank Anmeldungen zum Kurs von 100.25 resp. 93.50 von heute bis 17. Mai in klusive entgegen. Marburger Stadtanteihe. Auf einen Teilbetrag von Mk. 400,000 der 3*/r°/o Anleihe der Stadt Marburg von 1903 hat dis, Bankfima Baruch Strauß in Marburg, Gießen, Frankfurt das Höchstgebot von 91,26 % abgegeben, das nächste Höchstgebot betrug 90,9t1/, % Reichsbankdiskont. Die Hoffnung auf eine Diskontermäßigung ist wieder in die Ferne gerückt. In den großen Geldstaaten um uns herum ist Gelderleichterung zu beobachten. Jm Teutschett Reich nimmt die Geldoersteisung neuerdings zu. An Hand der Ziffern des Ausweises vom 7. d. Mts. wies der Reichs- bankpräsident Dr. Koch darauf hin, daß eine Herabsetzung des Diskonts nicht angängig sei. Der Status der Bank sei angespannter als zu der Zeit (23. April), in der die Ermäßigung um 7,% auf 57?°/o erfolgte. Aus der Kohlenindustrie. Wegen Arbeitermangel,der auf den fiskalischen Zechen noch größer ist als bei den privaten Bergbau-Unternehmmrgen, sind dre preußischen Staatsbahnen gezwungen, anderweitig Köhlen in erheblichen Quantitäten hinzuzu- kausen. Es sei dazu bemerkt, daß die fiskalischen Ruhrzechen ausländische Arbeiter nicht beschäftigen dürfen. Märkte. ic. Frankfurt a. M., 13. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Wetzen Alk. 2025—21.00, Kurhesfischer Mk. 20.00—20.50, La Plata Mk. 20.25—21.25, Kansas Mk. 30.00-00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 17.75-18.-, Gerste (Wetterauer) Mk. 00.00—00.00, Fanken- fetder M. 00.00—00.00, Hafer 19.75—20.25, Mais Mk. 14.50—14.75, Weizenmehl 27.00—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 26.00 bis Alk. 27.00, 3. Qualität Mk. 24.00—24.75, Roggenmehl 00 Mk. 27.50—28.00, L Qualität Mk. 25.50—26.00, Weizentlee Mk. 11.00 bis Alk. 11.50, Roggenkleie Mk. 11.50—12.00, Maiskeime Mk. 12.00 bis Alk. 1L25, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Je. Frankfurt a. M., 13.Mai. (Telear. Orig.-Bericht beS „Gieß. Anz."). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreis e. Zum Verkaufe standen: 632 Ochsen, 108 aus Oesterreich, 63 Bullen, 1 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 930 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 352 Kalber, 366 Schafe und Hammel, — Schafe aus Oesterreich, 2. Ziegen, 2025 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfimd Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 80—82 Mk., 2. Qual 68—73 Alk., 3. Qual. 63—67'Ulf.; Bullen 1. Qual. 70 b» 72 Mk., 2. Qual. 66—68 Alk.; Kühe 1. Qual. 71—73 Mk„ 2. Qual. 68—70 ML, 3. Qual. 58-60 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual.100—000 Pfg., Lebendgewicht 60-00 Pf^ 2. Qual. 92—96 Pfg., Lebendgewicht 53—57 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 69—72 Pfg., Schafe: 1. Qual. 82—00, 2. Qual. 78—80 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 55—00 Pfg., Lebdaew. 43.00—00.00 Pfg., 2. Qu.54—00Pfg., Lebend- gew. 42.50—00 Pfg., 3. Qual. 42—44 Pfg. Lebendgem. 00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh flau, Ueberstand erheblich, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Dienstag den 14. Mai: Veränderliche Bewölkung. In ganz Hessen Gewitter. Sehr warm. Wechselttde Winde. Vermifdttts* * Neue Bahnunfälle. Am Sonntag nachmittag 2 Uhr 45 Min. entgleiste von dem Eilzug 22 7 Köln Cleve gleich hinter der Station Dormagen der letzte Wagen und fiel um. Die im Wagen befindlichen Reisenden sind zum Teil verletzt, jedoch scheint keine der Verletzungen schwer zu sein. Die Namen der Verletzten stehen noch nicht fest, da sie zum Teil gleich mit dem Eilzug 227 weiterfuhren, zum Teil mit dem gerade aus entgegengesetzter Richtung kommenden Personenzuge nach Köln zurückkehrten. Soweit bis jetzt ermittelt ist, sind etwa zehn Personen leucht verletzt. Die Ursache der Entgleisung steht noch nicht zweifel- los sicher fest. — Auf der Southern Pacific-Bahn ereignete sich unweit der Station Honda ein Eisenbahnunfall, bei dem 25 Menschen umkamen und fünfzehn schwer verletzt wurden. • Vulkan-Ausbrüche. Catania, 11. Mai. Der Ausbruch des Aetna dauert fort. Große dicke Rauchwolken erheben sich über dem Gipfel des Vulkans« Gestern abend wurden sehr leichte Erderschütterungen verspürt in Belpasso, Nicolosi und Viagrande. — Catania, 11. Mai. Das hiesige Observatorium teilt mit, daß gestern abend 7 Uhr 40 Min. auf Stromboli eine heftige Eruption stattgefunden hat in der Richtung nach dem Osten der Insel, der bewohnt ist. Die in großer Masse ausgeworfenen Stoffe verursachten in einigen Weinbergen Brände. Unter der Bevölkerung rief die Eruption, der ein heftiges Getöse vorausging, großen Schrecken hervor. * Kleine Tageschronik. In der chemischen Fabrik von Max Ullmer in Leipzig zerstörte Großfeuer die Fabrikräume. Ter Schaden beträgt 80—90 000 Mk. — Vier Kinder in Schiffbeck bei Hamburg, die auf einem im Abbruch befindlichen Hause spielten, wurden durch eine einstürz-ende hohe Giebelwand verschüttet. Mle vier wurden tödlich verletzt. Ter Abbruchsplatz war nicht eingefriedigt worben. — In dem Torfe Kiftrup bei RauderS (Dänemark! brach Großfeuep aus, das mit großer Geschwindigkeit um sich griff. 32 Gebäude sind niedergebrannt. 50 Familien sind obdachlos". Menschen sind nicht umgekommen. — Tie Bankiers' Eduard Schmidt und Abel, Inhaber der Bankfirma Schmidt und Abel in Wien wurden unter dem Verdachte der Unterschlagung von Depots üt Höhe von 600 000 Kronen verhaftet. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt dre Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Jm Anzeiger machte ein Bürger den Vorschlag, den Anlagen den 9lamen „Rmg" zu geben und dre Ostanlage Kaiser WUhelm-Ring, die Nordanlage Kaiser Friedrich-Ring zu benennen. Der Vorschlag läßt sich hören; soll er aber ausgeführt werden, so würde es auch nötig sein, die Anlagen in den Stand zu s e tz e n, der chren neuen stolzen Namen entspricht. Jm Allgen^emen zwar wird man der Tättgkeit unseres Stadtgärtners nur Lob spenden können; aber ohne Bewilligung durch die Stadtvertretung kann er auch nichts maft)en und bisher ist für den Teil der Ostanlage, der dltrch die Ueberwölbung des Ringgrabens vor dem Lazarettgarten usw. gc- roomien wurde, nichts geschehen als daß er zugeworsen wurde. Aehnlich ist es auch mit einem Teile der 9lordanlage. Herr Wallenfels hat ja schon früher mal darauf hmgeiviesen, aber geschehen ist trotzdem noch nichts. Es liegen ja wohl Schwierigkeiten vor, indem die Gärteii tiefer liegen als die Anlage, sodaß vielleicht eine Mauer zu ziehen ist; aber eine Verständigung mit den Anliegern hätte doch ivohl schon längst erzielt werden föiuien. So wie dieser Teil der Anlagen aussieht, macht er den allertristesten Eindruck, wie sticht er z. B. ab gegen den Garten nebenan I Truny ergehst nochmals die Bitte an Bürgermeister und Rat, doch bis zum Universitätsjubiläum dafür besorgt zu sein, daß auch die genannten beiden Teile der Anlage sich ebenso schön präsentieren wie schon lange die übrigen Teile, ivenn auch natürlid) Bäume in dieser Jahreszeit nicht mehr gepflanzt iverden können. Uebrigens, ivo bleiben die Bäume auf dem Landgraf-PhilipP-Platz? Das Ausheben der Gruden war doch ausgeschrieben. Ein Einwohner. OrrginaL-DrahtmeLdungeu. Berlin, 13. Mai. Einen blutigen Zusammenstoß mit drei Wilderern, wobei einer getötet und ein anderer festgenommen wurde, hatten am gestrigen Sonntag früh 4 Uhr im Walde bei Schloß Lindstedt hinter Bornim der beim Hos- Jagdamt angestellte Forstbeamte Hatanus solvie der Bizefeldwebel Gerlach von der 1. Kompagnie der Garde-Jäger. Hatanus sowie Gerlach, der zur Dienstleistung im Revier abkommandiert war, befanden sich im Revier, als ihnen plötzlich drei Wilderer gegenüberstanden. Bon diesen schlug der eine, der später als ein Zimmermann Bebl aus Potsdam festgestellt wurde, sofort auf Gerlach an. Da er ttotz Zuruf das Gewehr nicht ablegte, schoß Gerlach und traf den Wilderer tödlich in den Kopf. Inzwischen hatte sich Hatanus auf den zweiten Wilderer gestürzt und ihn nach heftiger Gegenwehr überwältigt, während der dritte sich zur Flucht wandte und auch entkam. Bamberg, 13. Mai. Die Katholiken von Bamberg und Umgebung haben beim Bffchof von Bamberg die Einleitung eines kirchlichen Disziplinarverfahrens gegen den Pfarrer Grandinger beantragt, weil er am letzten Sonntag und am Himmelfahttstage politische Versammlungen in Sachen seiner liberalen Kandidatur abgehalten hat. Loudon, 13. Mai. Die Eisenbahnarbeiter hielten gestern in Hyde-Park eine große Vesammlung ab, in der sie beschlossen, den G e n e r a l st r e i k zu proklamieren, falls ihre Forderungen auf Herabsetzung der Arbettszett, Aufbesserung der Löhne und Anerkenmtng des Eisenbahnarbetter-Verba'Ndes nicht bewilligt würden. Czernowitz, 13. Mai. Neuerdings mehren sich wieder die Fälle von F o l t e r u n g e n in den Gefängnissen. So ist Mihai Cogalniceanu, der Sohn des bedeutendsten rumänischen Staatsmannes, seit 17 Lügemr m dnte Dunkelzelle gesperrt. Er nimmt keine Nahrung zu sich, weil er befürchtet, daß dem Essen Gift bcigemischt t|l. Seine Frau, die beim Justizminister vorjprach, hat nichts erreicht. Aer Unterrichtsminister Harot hat demijsio- niext- Grc Ober lieh Ver des dao T 'M ü 't 1!T SZ Sier d. deutschen ladt veröl iüt Sri611' zU OÜ KSK von über V 1 1 Nach Abteilung für das erfolgen. Donners Ncalgyin I17- Mai, Spätere Ar °ls es Kla Gießer N arrrzl,! _ Prav m $°n Von nach D1»/ 1 1 1(1) Qhe&en gebrachte Kranke kommen. N Ernährtdie Kleinen mit estle5 । Kindermehl. Mk. | 25194.05 1852.30 Oberst und Regiments-Kommandeur 73.23 442168.70 tLin Posten prima 13238 v"/. Der Markt-Vorstand. D13/« Verkauf nur gegen Bar. v"/. Abhör der Bilanz, des Reingewinns. 4. Verschiedenes. Der Rechner: Schmidt 3 1 1 KD 1(1) 1 (i) 3 1 1 KD Kl) 18400.— 16055.55 196.50 5100.32 Aktiva. Ausgeliehene Kapitalien gegen Obeingeladen. Tagesordnung: 1. Verwendung Mitgliedern. Der Direktor: Schwalb Lei Karnerad Sauer (Reustadt). Tages-Ordnung: Bericht der Kassenprüsungskommission. Waldfesu Verschiede nes. Billiger Gelegenheitskauf in guten Schuhwaren io Rabatt Gießen, den 11. Mai 1907. Großhcrzogliche Direktion. Dr. Rausch. 2. Beschluß über 3. Ausschluß von 3303 Der Kontrolleur: Stephan Bei meinem Geschäftsumzug habe ich einen großen Poften Schuhwaren aller Art, welche durch Anprobieren oder im Schaufenster trüb geworden sind, zurückgesetzt. Bei diesen Waren werden auf die früheren billigen Preise in Abzug gebracht Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1905 Während 1906 gingen ab...... Futtertartosieln per Ztr. 3L5Mk. Sonnenstr. fl. Bilanz am 31. Dezember 1906 her «M- und Leihlch (t. 8. m. u. p.j EroW-Aklk. TribHiorup- und Verlosugsmarki zu Schotten am 21. Mai 1907 (Dritter Pfingstfeiertag) Prämien sind vorgesehen für Vogelsberger und Simmentaler Bullen, Kühe und Rinder. Von morgens 9 Uhr ab Konzert. Von nachmittags 3 Uhr ab ===== Tanzmusik. ===== Versteigerung. Donnerstag, den 16. Mai vormittags 10 Uhr und nachmittags 2 Uhr werden die verfallenen Pfänder von den Monaten August, September, Oktober 1906, als goldene und silberne Herren- und Damenuhren, Brillantringe, goldene Ketten, Kleider, Nähmaschinen, ca. 20 Mille Zigarren, Gold- und Silbersachen versteigert. Garantie für Echtheit. 03436 Pfandleih-Anftalt Neuenweg 50. Haupt-Versammlung. Donnerstag, den 16. Mai d. I., abends %9 Uhr Altersschwäche Tuberkulose d. Lungen Lungenentzündung Herzentzündung Gehirnerweichung Basedow-Krankheit ^Inämte Abszeß ______ Nachruf. Am 10. Mai verstarb zu Beeskow nach langem Leiden der Königliche Hauptmann und Bezirksoffizier, Ritter mehrerer Orden, Herr Georg Freiherr von Gillern Während seiner 21jährigen Zugehörigkeit zum Regiment war der Verstorbene uns allzeit der treueste Kamerad, ein vornehmer Mann m des Wortes bester Bedeutung. Sein Andenken wrd in unseren Herzen dauernd iortleben. Giessen, den 11. Mai 1907. Das Offizierkorps des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Grossherzoglich Hessischen) No. 116 von Lindenau Passiva. Mk. Aufgenommene Kapitalien . . . 431549.81 Stammguthabender Mitglieder . . 4179.60 Reservefonds 1903.79 Zuweisung aus d. Reingewinn pro 1905 . 160.— 2063.791 Spezialreserve- Grotzh. Nealgymnasium und Obevrealfchnle mit Vorschule zu Gießen. Nach einer Anordnung Grotzh. Ministeriums des Innern Abteilung für Schulangelegenhetten sollen ine Anmeldungen für das Schuljahr 1908/09 bereits un Mai dieses Jahres erfolgen. Wir setzen deshalb Termin hierfür an auf Donnerstag, den 16. Mai, vorm. 9—12 Uhr für das Realgymnasium und die Borschule; Freitag, deu (17. Mai, vorm. 9—12 Uhr, für die Oberrealschule. Spätere Anmeldungen fönnen nur insoweit berücksichtigt werden, als es Klaffenzahl und Raum gestatten. | Großer Posten EiaMroÄ früher 3 und 4 Ml., jetzt Mk. 1.20 Markus Bauer, Fernspr. 269. Kirchenvlatz 11. Spezialität: Kindtt-ArdttslM. 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In den letzten Jahren haben tmr aus der Bühne wiederholt Konflikte bargcitellt gqdicn, in welche Schulrcsormawren mit ihren Behörden, ihrem Direktor und ihrem oeraren Was uns in dieser neuen Schritt vorgetragen wird ist nicht Dichtung, sondern^Wahrheit. Sie darf des Bekenntnisses eines Lehrers über die Schwierigkeiten, mit denen er un tn j^Oder-ISiorahmegescbäft Theo Schäfer, Glasermeister, Rodbcimer Straffe 2. Alle in dieses Fach schlagende Arbeiten werden sachgemäß, vronrvt und billig ausgesührt. — Einrabmarrgerr garantiert staubdicht. — Cafe Amend. * Dienstag, de« 13. Mai 1907, abends 8 Uhr (drohe Fichten-Bobnenttang., das Hundert von Dck. 8.— an, Orosenvfähle i. all.Gröh. empfiehlt 034231 K. Gertb, Landmannstr.il. Ost-Anlage 20 gegenüber dem Gerichtsgebaude, ist der 1. Stock, 6 Zimmer, Badezimmer, Gas u. elertr. Licht, per 1. Oktober evtl, früher zu verm. L. Schühler. [3309] Bahubofstr. 39, I 5-Zimmer- Wohnung zu vermieten, Näheres Junger Schloffcr sucht Stell. Chauffeur. 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