Erstes Blatt
157. Jahrgang
Donnerstag 13. Jnm 1SV7
monatlich 65 Pf.: durch die Post Ack.L—viertel» fährt. auSfchl. Bestell-. Annahme von Lurttg« für die Zage4nummtr bis vormittags 10 Ufoc. ZeilenpreiS: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich für den polü. und augern. Teil: P. Witiko: für »Stadt und Jlonb* und .DerichtSfaal^: Ernst Heß-, für den Sin- zeigenteil: Da»5 Beck
Bezugspreis: monatlich75Pf^viettrl» jährlich Mk. LLO; durch
Nr. 136
Erscheint täglich .
außer Sonntag». aSrMv
WGietzenerAnzeiger
SM General-Anzeiger für Oberhessen
' «“ seiner «"tzcn."' Botatiottsörud und Verlag der vrühl'Ichen UnIv.Guch- und Ltelndruckerel. R. lange. Heöaftloit, «kpedilion und Druckerei: Schulftratze 7.
Aie Einigung des -Liberalismus.
R. B. Darmstadt, 12. Juni.
Der neue „Nationalverein", der im März d. I. von einer größeren Anzahl Münchener Liberalen der ver- schiedenen Parteischattierungen gegründet wurde und seine Tätigkeit allmählich auf ganz Deutschland auszudehnen sich bestrebt, trat gestern pibend mit einer vom hiesigen Jungliberalen Vereine arrangierten Versammlung zum erstenmal in Hessen an die Oefsentlichkeit, wobei es auch zu lebhaften Erörterungen kam. Zunächst hielt der Generalsekretär des Nationalvereins, Dr. Ohr-Tübingen, ein längeres Referat über die Begründung und die Ziele des Ver- eins, der sich die Einigung aller Liberalen in Deutschland zur Aufgabe gestellt hat. Der Referent betonte, daß von den Tagen der Neichsgründung bis heute der Liberalismus in einer Periode des Rückschritts sich befunden habe und froh fei, wenn er seinen Besitzstand bei den Wahlen behaupten könne; es habe auch'besonders unter der älteren (Generation eine gewisse Skepsis platzgegriffen; man meine, daß der Liberalismus sich überlebt habe und den andern Parteigruppierungen gegenüber weichen werde. Demgegenüber beginne der LiberalismuK gerade in der jüngeren Generation wieder neu zu erwachen und eine Einigung der verschiedenen Schattierungen zu erstreben. So wie im Zen- trum neben dem schlesischen Hochadel der Arbeiter Giesbert und der radikale Dr. Heim stehe, so müßten auch im Liberalismus die verschiedenartigen Elemente zusammenarbei- ten, geeinigt durch die Erkenntnis, daß nur ein geschlossenes Auftreten desselben etwas Positives leisten kann. Der Referent erläutert dann des Näheren die Aufgaben des Liberalismus und betont, daß derselbe aggressiv austreten und sich besonders gegen das Zentrum, dann aoer auch gegen die Reaktion und die Konservativen richten müsse.
Nachdem in der Diskussion Finanzamtmann Bang el und Staatsschuldbuchführer Henrich sich für die Bestrebungen des Nationalvereins ausgesprochen, führt Reichs- tagsabg. Dr. Osann u. a. aus: Auch den National- liberalen wurde eine Einigung außerordentlich erwünscht sein, er selber sei ja nur durch das Zusammengehen älter Liberalen in den Reichstag gekommen. Er habe sich aber durch die Ausführungen des Referenten noch nicht überzeugen können, daß auf dem von ihm geschilderten Wege eine Einigung zu erzielen sei. Er habe in diesen Ausführungen zweierlei vermißt: Einmal, daß der Nationalverein die wirtschaftlichen Fragen ganz außer acht lassen wolle, und dann seine Stellungnahme zur Sozialdemokratie. Er habe scharfe Grenzlinien gegen das Zentrum und die Konservativen gezogen, nicht aber gegen die Sozialdemokratie. Die letztere habe doch jetzt tni Reichötag wieder gezeigt, daß bei ihr von einem Revisionismus keine Rede ist, und Männer, wie Dr. Müller- Meiningen und Haußmann haben in der schärfsten Weise im Reichstag gegen dieselbe Stellung genommen, sodaß es hier ein Zurück nicht mehr geben kann. Er erinnere auch an die empörende Behandlung Prof. Quiddes durch die Sozialdemokratie, die ja auch gegen Haußmann agitiert und gestimmt habe. Was könne nun der National- ve rein in Hessen für eine besondere Bedeutung erhalten? (Zuruf: Wahlrecht!) Ganz recht, bei der Wahlrechtsvorlage, aber er finde unter dem Aufruf des Nationatvereins auch einen Mann, der vor nicht langer Zeit daS direkte Wahlrecht als einen zweifelhaften Gewinn bezeichnete. Im übrigen solle man abwarten, wie sich die Natcoualliberalen zur Wahlrechtsvorlage stellen würden; sie werden bezüglich der beantragten Verfassungsänderung Schulter an Schulter mit den übrigen Liberalen stehen. (Lebh. Beifall.) Es sei richtig, die große Macht des Zentrums im Reiche zu bekämpfen, aber in Hessen habe es nicht die Bedeutung; auch brauche man seinen Einfluß auf die Schule nicht zu fürchten. Man dürfe nicht vergessen, daß es auch liberale Katholiken gebe, wie ja die jüngste Wahl des bahr. KaplanS Grandinger beweise. Wenn der Hess. 2lbg. Dr. Schmitt nicht gerade Katholik wäre, so wäre er sicherlich ein liberaler Mann, sogar e in guter Demokrat. Wenn man den Kampf gegen das Zentrum wolle, so sollte man vor allem auch gegen die Sozialdemokratie kämpfen, in der wir unfern größten Feind sehen müssen. Der Wähler wolle nicht mehr Worte, sondern praktische Arbeit und Taten, und auch eine Einigung des Liberalismus werde nie durch ein Zusammengehen mit den Sozialdem traten, sondern nur auf dem Boden einer praktischen Politik erreicht werden. (Lebh.
Beifall.)
Ref. Dr. Ohr entgegnet, der Nationalverein muffe alle Parteipolitikausschließen, um nicht irgend einen Flügel der Liberalen zurückzustoßen; auch die wirtschaftlichen Fragen schließe er aus. Die badischen Nationalliberalen tämpften Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie, im Norden seien wieder die Freisinnigen gegen dieselbe. Es werde die Zeit kommen, wo die Liberalen mit den Sozialdemokraten gehen, aber niemals mit den Klerikalen. Die konservativ-liberale Paarung werde bald zerbrechen und wo ständen dann die Liberalen? Der Verein werde die Parteien besonders bei den Wahlen durch Flugblätter unterstützen. Der Verein wolle einen praktischen Weg beschreiten und zwar dadurch, daß er eine neue starke liberale Aera einleite. (Beifall.)
Realgymnasiallehrer Kahl meint, die Ausführungen des Referenten müßten den Beifall jedes liberalen Mannes finden; das Ziel müsse die Einigung aller Liberalen, einschließlich der Nationalliberalen fein und, wenn dies nicht erreichbar, ohne die Nationalliberalen.
Pfarrer Korell betont: Er hätte gewünscht, daß die
Are Oeufige Kummer umsaßt 10 Seiten.
drei lib. Parteien in Darmstadt gemeinsam die Versammlung einberufen hätten. Er habe Geh. Rat Prof. Dr. Mittler, also einen über den Parteien stehenden Mann, als Ein- berufer aufzutreten ersucht, derselbe habe aber abgelehnt. Er verstehe, daß Abg. Dr. Osann als Parlamentarier mit gewissen Bedenken der Sache gegenüberstehe, so wie Friedrich Naumann. Die Not, die Enge des politischen Lebens werde aber zu einem Zusammenschluß treiben. Man werde dahin kommen, wie in England, trotz politischer Gegensätze nebeneinander zu gehen, wobei vollständige Freiheit für jede Partei erhalten bleibe. Bei der Stellung zur Sozialdemo, kratie handle es sich um eine Frage der politischen Taktik. Ebensoweig wie die Nationalliberalen unter allen Umständen gegen das Zentrum gingen, könne man von den Linksliberalen verlangen, daß sie unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie gehen sollten. Die heutige politische Lage sei ähnlich der von 1859 bei Gründung des alten Nationalvereins. Der neue Verein werde befruchtend auf das politische Leben in Deutschland wirken und niemand in feiner persönlichen politischen Ueberzeugung behindern; der Parteiwille werde sich schließlich dem Großen, Allgemeinen unterordnen müssen. Wir wollen aber keiner Partei irgendwie schaden, sondern bei der dem- nächstigeii Zusammenlunft in Heidelberg uns gegenseitig aussprechen und über die Einigungsfrage diskutieren. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Osann führt darauf aus, die Erklärungen des Referenten und des Herrn Korell hätten ihn nicht überzeugen können, sie hätten auf feine Frage über die Stellung zur Sozialdemokratie feine Antwort gegeben. Der Einigungsgedanke sei ihm sehr sympathisch, er habe schon seit 1898 dafür gewirkt und seine Partei gehe auch im Landtag fast stets mit den Freisinnigen zusammen; er lasse sich in seiner liberalen Ueberzeugung selbst vom Abg. Dr. Gutfleisch nicht übertreffen. Die Wählerschaft verlange positive Arbeit und da sei ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie zurzeit vötlig ausgeschlossen.
Dr. Becker-Sprendlingen weist darauf hin, daß der Nationaloerein ins Leben trete in dem Moment, in welchem Dr. Barth nach Amerika ging. Aus den Druckschriften und dem Bericht des Referenten habe er bisher etwas Politives nicht bemerken fönnem Das Kind, das von unfriedlich zusammenlebenden Eltern geboren werde, dürfte doch unglücklich dran sein. Es sei unmöglich, wirtschaftliche Fragen aus dem politischen Erörterungsbereich des Vereins auszuscheiden. Außer den Handelsverträgen rc. gebe es auch eine große Anzahl wichtiger wirtschaftlicher Fragen, zu denen der Verein Stellung nehmen müsse, wie z. B. bei der Privatbeamtenverficherung. Der Referent erkläre auf der einen Seite, daß der Verein nicht in das Parteileben eingreifen werde, auf der andern Seite aber will der Verein Wahlprogramme und Kampfmittel für die verschiedenen Parteien ausstellen. Wenn nun in Darmstadt eine Einigung bei den Wahlen nicht zustande kommt, bann wenden sich alle Parteien an den Nationalverein und verlangen immer einer gegen den andern „Kampfmittel" . (Heiterkeit.) Der Redner betont zum Schluß, er stehe der neuen Gründung neutral gegenüber und wolle abwarten, was aus dem neugeborenen Kinde werden wird.
Nach Mitternacht stellt der Vorsitzende fest, daß noch sechs Redner zum Wort gemeldet sind. Nachdem bann noch die Herren Kahl, Justiziar Gallus, Dr. v. Rothenburg unb Henrich gesprochen, schloß nach einem Schlußwort bes Referenten Dr. Ohr die Versammlung um halb 2 Uhr morgens.
Nachwort der Redaktion:
Bei dieser sehr bedeutungsvollen Versammlung waren ii. E. am erfrenllchflen die von echt liberalem Geiste getragenen Ausführungen des nat.-lib. Darmstädter NeichStagSabgeord. Dr. Osann. Der Geist der Versöhnlichkeit, der aus seinen Worten sprach, wird in allen liberalen Kreisen des Landes wohltuend empfunden werden, und jo haben wir doch noch die Hoffnung auf eine Einigung des Liberalismus, wie im Reiche so bei uns in Hessen. Der Abgesandte bes neuen Nationalvereins, Dr. Ohr, aber hatte doch auch ganz recht, indirekt vor einer schroffen Stellungnahme gegenüber der Sozialdemokratie zu warnen. Die Bekämpfung des Ultra- radikaliSmus geschieht durch den Liedertschen Neichsverband schon in einer dem Ziele keineswegs zuträglichen Schärfe, unb wenn nun noch der Nationalverein in dasselbe Horn stieße, dann wäre u. E. der Sozialdemokratie weit mehr genützt als geschadet. Alle Scharsmacherei halten wir für ver- derblich und darum sollte es die Aufgabe des Nationaloereins mit der Zeit werden, nicht nur die Liberalen zu versöhnen, sondern einen versöhnlichen Geist allen Parteirichtungen gegenüber zu bezeugen unb namentlich in der Form Maß und Ruhe zu bewahren, alle ausfallende Polemik dagegen zu vermeiden und in seinen zu begründenden Landesorgam- sationen diesen Geist großzuziehen und zu fördern nach besten Kräften, wo aber sich Abweichungen davon bemerkbar machen, sofort mildernd einzugreifen. Unter solchen Voraussetzungen erfüllte der neue Nationalverein eine sehr bedeutsame Mission; er würde bann nicht mir dem gesamten Liberalismus, son- dem bem ganzen deutschen Parteigetriebe ganz unschätzbare Dienste leisten, die der allgemeinen Anerkennung nicht entbehren würden.
Ziemlich pesiimistisch allerdings äußern sich die ,N.hess. Volksbl.' Sie schreiben am Schluß ihres Referats:
Die Ausführungen her einzelnen Redner — insonderheit die bet Herren Osann unb Korell — wurden von der Versammlung mit starkem Applaus ausgenommen und es schien bereits, old ob die letztere in der friedlichsten unb einmüNgsten Weye verlaufen sollte, als Herr Realgymnasiatlehrer Mahl das Wort nahm, um auf einen zweifellos jeder absichtlichen Spitze entbehrenden Hinweis Dr. Osanns zu reagieren, in welchem daran erinnert war, daß in den Tagen der Reichsgründung gerade die nationall. Partei sich in liberalen und nationalen Fragen als besonders verläßlich erwiesen habe. Da die Auslassungen des Herrn Kahl bem Charakter einer Zurechtweisung ziemlich nahe kamen, fühlte sich unser Reichstagsabgeordncter wohl nicht ganz ohne Recht in seinen Empfindungen verletzt . so daß er den in den Worten des öernt Kahl enthaltenen Vorwurf mit einer Schärfe zurückwies, die alsbald einen erregten Ton in die bisher erfreulich sachlich verlaufene Debatte brachte. Hieraus dürste es sich auch erklären, daß Herr Dr. Osann auf die Ausführungen des Herrn Korell, die unserer Ueberzeugung nach ebenfalls keinerlei persönliche Spitze gegen den Reichstagsvertreter unseres Wahlkreises enthalten sollten, erregter antwortete, als es bei kühlerer Temperatur der Versammlungsluft sicherlich der Fall gewesen wäre. Bedauerlich ist es jebod) im höchsten Grade, daß die Atmosphäre gerade in diesen Momenten der gefährlichsten Expansion in unverkennbarer Absicht noch durch Zwisck>enruse, die darauf berechnet sind, die Redner zu reizen, noch explosiver gesteigert wurde, so daß der Schluß der Versammlung dem ob- lektiven Beobachter nicht gestattet, mit allzu optimiststchen Hoffnungen weiteren gemeinsamen Verhandlungen zwischen den „Vertretern des Gesamtliberalismus" entgegenzuschen. Wenn schon einfacher, völlig oberflächlicher Meinungsaustausch, bei bem die besonderen taktischen Fragen der einzelnen Parteigruppierungen überhaupt nicht erwähnt werden, zu einem so hitzigen Anf- einanderplatzcn ganz geringfügiger Gegensätze und ostensivcr Her- vorkehrnng rein persönlicher Momente führen konnte, so muß sich dem ruhigen Beurteiler unabweisbar die Ueberzeugung auf- brängen, daß es mit bem so heiß ersehnten Zusammenschluß aller liberalen Elemente von der fernsten Rechten bis zur fernsten Linken, mit jener stolz verkündeten Einigung des Liberalismus auf dem Boden dieses neugegründeten Nationalvereins trotz der edelsten Absichten vorläufig noch gute Weile hat. Das ist betrüblich, konnte aber nach Lage der Dinge — vorzugsweise in unserem Wahlkreise — kaum sonderlich überraschen.
Nun, Darmstadt ist ja nicht ,bie Welt", unb was bort nicht gelingt, gelingt hoffentlich an recht vielen anbern Orten. Unser Gießen geht ja in bieser Beziehung mit bestem Beispiele voran. Ein Hauptverbienst daran hatte freilich der verstorbene vortreffliche Stadtv. Kirch. Doch nach unserem Dafürhalten wird es auch nach seinem Tode unter den Liberalen Gießens verständige Mämier genug geben, die den Ausgleich zwischen den liberalen Richtungen hier mit Takt und Klugheit aufrecht zu erhalten wissen werden.
Sehr vernünftig ist eine Zuschrift an das „Tarmst, Tgbl/ Sie lautet:
Die Versammlung zur Gründung eines National-Vereins am hiesigen Platze hatte sehr interessante Momente. Die Haupt- difiercnzpunkte, die bei den Ausführungen der Redner der nationalliberalen Partei und denen der freisinnigen Parteien zutage traten, betrafen die Stellungnahme gegenüber der Sozialdemokratie. Dem aufmerksamen, sonst aber ganz unbeteiligten Zuhörer wolle es hierbei scheinen, daß die Gegnerschaft der genannten Parteien zur Sozialdemokratie ganz die gleiche sei, nur scheint die Behandlung der Frage bei den verschiedenen Parteien auch eine verschiedene zu sein. Während die Vertreter der nationalliberalen Partei den Kampf gegen die Sozialdemokratie proklamierten, wollten die Vertreter der freisinnigen Parteien auf die Mitglieder der Sozialdemokratie einzuwirken suchen, daß dieselben den Liberalismus unterstützten und sich nach und nach dazu bekennen würden, das deutsche Vaterland über alles zu stellen. Ein Redner der natio- nalliberalen Partei richtete an Dr. Ohr die Frage: ob auch Mitglieder der Sozialdemokratie in den Natio- nal-Verein ausgenommen werden, woraus Herr Dr.Ohr antwortete, wenn diese Mitglieder sich zum Programm des National-Vereins bekennen würden, dann stünde deren Auftrahme nichts im Wege. Bei dieser Erklärung ertönte von nat.-lib. Seite der Zwischenruf: „Dann sürd es keine Sozialdemokraten mehr." Mit diesem Zwischenruf hat der Herr selbst das Rezept geliefert, wie die Sozialdemokratie zu behandelnist, um von ihren extremen doktrinären Ideen abzukommen. Nicht durch blinden Partei daß wird dies Ziel erreicht, sondern einzig und allein durch Zusa mmen- arbeiten x wobei den Sozialdemokraten Gelegenheit geboten wird, sich zu überzeugen, baß nur gemeinsame Interessen wert sind, von allen liberalen Elementen in liberalem Sinne behandelt zu werden, daß aber die Sonderinteressen nicht zum Wohl Oer Gesamtheit dienen, vielmehr nur dazu beitragen, die Parteien, die derartigen Sonderbestreoungen huldlgen, zu isolieren. Wird der Sozialdemokratie durch die Tat dies tlargclegt, so wird nach und nach auch die bessere Einsicht bei derselben Platz greifen.
Bis dahin dürfte die Gegnerschaft zur Sozialdemokratie bei den sog. bürgerlichen Parteien die gleiche sein — möge es auch dahin kommen, daß die Mittel zur Behandlung dieser gegnerischen Partei die gleichen sein werden in dem angebeuteten Sinne, bann wird und muß eine Besserung der jetzigen Verhältnisse ganz sicher eintreten zum Wohl unseres geliebten Vaterlandes.
Politische Tagesschau.
Die Friedenskonferenz
tritt an diesem Samstag im Haag zusammen, die ursprünglich schon zur gleichen Zeit bes Vorjahres tagen sollte, aber immer roieber hinausgeschoben würbe. Der Verlauf ber ersten Konferenz zeigte, baß ber Gebanke eines bauernben Weltfriebens noch auf Jahrhunberte eine Utopie bleiben wirb unb baß die Völker trotz aller Schiebsgenchte boch, wenn es an ihre Ehre geht, nach wie vor zum Schwerte greifen. Aus diesem Grunde darf man auch ber neuen Friebenskonferenz nicht mit großer Hoffnung entgegensehen; schon bas Vorspiel war wenig erfreulich, ba nicht viel daran fehlte, baß ber englische Vorschlag auf Verminberung ber Rüstungen zu einem Konflikte führte, wie ja auch die Beratung bieser Frage auf ber Konferenz selbst burch ben freiwilligen Ausschluß Deutschlanbs einen rein platonischen Charakter haben wird. Wie man bamals bem Vorschläge des Zaren bas Nebenmotiv unterschob, baß Rußlanb auf
lichen Friedensfreunde nachjagen kann.
t
Neues aus Rußland.
Derrtsche»
Mark an den Geldmarkt herantreten,
Kredite nach der eigenen Darstellung der „ftÖIn. VolkSztg."
verlassen hat.
Die elektrische Straßen
Direktor Fr. Lembke in Albersdorf, ist ihr Herausgeber. Es zeugt von Geschick, daß er sich nicht auf die Volkshochschulhause, Kriegerdenkmal, sowie nm Schloß flattern die Fahnen aller Nationen. In der Louisenstraße, welche der Kaiser bei einem hellte abend erfolgten Eintreffen passierte, sind die Häuser reich geschmückt und fauchten heute vormittag die Automobile und Rennwagen auf und nieder, um sich die
feln werden; es erachtete es für nötig, auch mit Rußlands Bundesgenossen Frankreich einen Vertrag abzufchließen, durch den es sich verpflichtete, Frankreichs Rechte und Interessen im fernen Osten zu unterstützen. Rußland, welches
eine Lehrerstelle an Ernannt wurde der Marienschloß Kart
Der Vorstand der dieser Tage eine bis
achen und warfen den Besitzer und dessen Frau in einen Brunnen, wo sie ertränke n.
Aus den Direktor des Zuchthauses in Algatschin, Boro-
Revolveranschlag verübt. Borodulin blieb unverletzt. — Eine aus Kaukasiern und Chunchusen bestehende Bande beschoß das Arrestlokal des alten Stationsgebäudes in Po- granitschnaja. Der Polizeimeister wurde bei der Verteidigung seiner Wohnung getötet, ebenso zwei Grenzsoldaten. Ein Grenzsoldat wurde verwundet. Die Bande richtete hierauf eine halbe Stunde lang Schüsse gegen die Kaserne.
zwischen Oesterreich und Ungarn noch zu regeln sind, verhält sich die deutsche Regierung völlig neutral. Unzutreffend ist auch die Ansicht, daß Deutschland sich gegenüber den ungarischen Interessen auf dem Mlkan ablehnend verhalte. Wenn sich 'in Ungarn gegen eine Alliierung eine Opposition geltend gemacht hat, so ist mkm in Berlin der Ansicht, daß diese Opposition keineswegs mit einer wirtschaftlichen Feindseligkeit Deutschlands!
Berlin gestern dulin, dessen Verhalten seinerzeit den Gegenstand einer J Interpellation in der Reichsduma bildete, wurde heute ein
land sind um 6 Uhr ans dem Saalbnrg-Restaurant etn- getroffen und haben dort während der Renntage Wohnung genommen.
Der Kaiser traf um 8 Uhr 45 Min. von Hannover ein. Zum Empfang waren der Landrat Dr. v. Marx und Oberbürgermeister Maß erschienen. Ec fuhr im Automobil zum Schloß. Im Gefolge des Kaisers befinden sich u. a. Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Leibarzt General- Oberarzt Dr. Jlberg und Chef des Zivilkabinetts Wirkl. Geheimrat Dr. v. Lucanus.
In Petersburg führten 5 mit Revolvern bewaff- nicht 144, sondern 137 Millionen Mark betragen und daß nete Räuber einen Ueberfall auf eine Bankfiliale aus
Ec hatte vorher
ob er eine l Selbstmordes du Stiad mar wec beurlaubt,
r Bad-Sa! dec in voriger ■ hier eingebrochen 500 Ml. stahl, re sd. Darm! Wainjtt II., i Anklage der Ued wurde, sind inzir über ähnliche Vc gelaufen. Vorui
Frankfurl eines großen Gel der großen Cpei mit zwei Wertbi sucht. Der eine 45 000 Franks,
Homburc netensitzung roui stimmig zum gewählt.
*T Kleine Nachbarstaat Roull eiuftinur ichwmn Ärwiiw ireitt Rauftet \ beide Pferde
Einwohnern 511 000 Mk., in Elsaß-Lothnngcn bei 1,8 Mill.
Einwohnern 8,75 Millionen Mark. Der Rest der msgcsamt
290 598 225 Mk. betragenden Matrikularbeiträge verteilt sich auf die kleineren Staaten. Bescheinigung über ihr vorschriftsmäßiges Gewicht, sowie
hat die über die ordnungsmäßige Beschaffenheit ihrer Maschinen vom
eine Kreditvorlage über 50 oder 60 Millionen Mark für und raubten 1000 Rubel. Bei ihrer Verfolgung e r
den Sicherheitsdienst auf der Rennstrecke sind Feldwebel und Unteroffiziere, die mit dem Brustschild der Feldgendarmeric ausgestattet sind, hier cingetroffcn. Der Zuzug von Fremden aller Nationen ist enorm. Die Hotels sind überfüllt.
Das Groß Herz o gspaa r von Hessen, das Pcinzcn- paac Heinrich von Preußen, das Fürstcnpsar zu Solms - Hohensolms-Llch, sowie Prrnz Andreas von Griechen-
Asrche unt Schule.
Die Bewegung fürländliche Volkshochschulen ' hat in Schleswig-Holstein sich in wenig Jahren so entwickelt, daß sie nicht nur für das kleine Ländchen von großer Bedeutung zu werden verspricht, sondern auch über ganz Deutschland und selbst über dessen Grenzen hinaus Beachtung
Aas Arüomobilrennen im Iarrnus.
I.
Homburg v. d. Höhe, 12. Juni.
Die Stadt ist reich geschmückt. Am Bahnhöfe, Kur
aspiranten Hch. Stroh aus Lindheim der Gelneindcschille zu Gambach. — Gefaugenwärter am Landcszuchthaus Weckt er zum Gefangcnaufseher.
** Landwirtschaftskammer. hessischen Landwirtschaftskammer hielt
Etatsüberschreitungen anläßlich des südwestafrikanischen Auf- s ch o f s e n sie einen Revicrauffeher, einen Vorübergehenden standes gegenwärtig überhaupt nicht in Frage kommt, weil unb verwundeten einen Schutzmann, sowie vier andere Per- diese EtatSübecschreltungen noch nicht feststehen, kann das l°nerL Räuber erschoß sich, er sah, daß es ihm Reich feine etatmäßigen Ausgaben bis auf we teres nach aus unmöglich war zu entlammcn - Der Kastwr-r der Ostro- s V c.. . J of •( s. o, , nA~ wieczer Hüttenwerke wurde beiLudwikow ubenallen und
dem Er os sur die un April d. I. begebene 200 Millionen eines Betrages von 15 000 Rubeln, die zur Löhnung bestimmt „.cark 4proz. Schatzanwelfungen bestreiten. Es t|t also maren, beraubt.—In Strachczowietz überfielen Räu- zurzeit nicht gezwungen, eme neue Anleihe auf den Markt ber ein Bauernhaus, raubten Vieh, Geld und Wert- zu bringen.
— Eine hiesige Korrcspondrnz meldet, daß der franz. Botschaftsrat Le Comte, dessen Name in Verbindung mit der Eulenburg-Affäre genannt wurde, r
Kloster Thron, 13. Juni. Der Kaiser mit den Herren des Gefolges ritt heute morgen 3 Uhr 10 Min. vom Schloß Homburg ab und traf nach 40 Minuten an der Tribüne beim Start ein. Er begab sich in die Hofloge und wohnte von hier aus dem Start bei mit dem Prinzenpaar Heinrich von Preußen, dem GroßherzogSpaar von Hessen und dem Fürstcnpaar zu Solms-Hohensolms-Lich.
Um 5 Uhr 26 Min. waren sämtliche 39 Wagen dec ersten Serie vom Start abgclaffen. Infolge des schlechten Wetters ist der Besuch der Tribünen gering? Zwei Militärkapellen konzertierten, und zwar die des 24. Dragoner- Regiments (Darmstadt) und des 81. Infanterie-Regiments (Frankfurt).
Cron berg, 12. Juni. Heute nachmittag verunglückte auf der Rennstrecke unweit dem Schloß Friedrichs- hof ein pfälzischer Tourenwagen Nr. 1580 dadurch, daß er in den Straßengraben geriet und am Kilometerstein 1,8 total zerschellte. Der Chauffeur brach einen Oberarm, die beiden anderen Insassen trugen innere Verletzungen davon. Namen waren nicht festzustellcn, weil die Verunglückten sie zu nennen verweigerten.
Aus StaSt iinO Land.
Abdruck unserer durch Korrespoudenzzeicheu kenntlich gemachten Orgiualarttlel ist nur unter genauer Ouellcuaugabe (Gieß. Anz.) gestattet.
Gießen, den 13. Juni.
** Geheimrat Dr. Pfannenstiel. Mit Bezug auf die kürzlich gebrachte Notiz, daß der Leiter der Frauenklinik der Universität, Prof. Dr. Pfannenstiel, einem Ruf nach Kiel folgen werde, sei noch mitgeteilt, daß die lieber- siedelung nach Kiel erst Ende dieses Jahres erfolgt.
** Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamts-
— Nach den berichtigten Zahlen betragen die Matrikularbeiträge für 1907 in den einzelnen Bundesstaaten: in Preußen bei nahezu 37,3 Millionen Einwohnern 179,9 Millionen Mark oder 2,2 Millionen Mart mehr als im Etat für 1906 angesetzt, in Bayern bei 6,5 Millionen Einwohnern 29,87 Millionen Mack (— 256 000 Mk.), in Sachsen bei 4,5 Millionen Einwohnern 21,74 Millionen Mk. (+ 282 000 Mk.), in Württemberg bei 2,3 Millionen Einwohnern 10,76 Millionen Mk., in Baden bei 2 Millionen Einwohnern 9,7 Mill. Mk., in Hessen bei 1,2 Millionen Einwohnern 5,83 Millionen Mark, in Mecklenburg- Schwerin bei 625 000 Einwohner 3 Mill. Mk., in Hamburg bei 874 900 Einwohnern 4,2 Mill. Mk., in Bremen bei 263 400 Einwohnern 1,3 Mill. Mk., in Lübeck bei 105 900
gefunden hat. Der „Verein für ländliche Volkshochschulen" mit seinen 1500 Mitgliedern hat auch eine gegen uns motiviert werden Kinne. Tie Gestaltung des deutschen eigene Zeitschrift. Sie nennt sich „Die Schleswig-Hol- Schulwesens in Ungarn ist eine innerstaatliche Angelegenheit, steinische Ländliche Volkshochschule". Der Vor- ^f die der deutsch^'Regierung keine Einflußnahme zusteht und lämpfer des Volkshochschulgedankens in Schleswig-Holstein, t )T Qud) 1Ucf) W)t lüOrben l|L
Hamburg, 12. Juni. Tas dänische Königspaar trifft nächpen Dienstag in Hamburg em und nimmt hier einige Tage Aufenthalt.
Stuttgart, 12. Juni. Kammerpräsident RcichS- tagSabg. von Payer, der Führer der Volkspartei, wurde anläßlich seines 60. Geburtstages m der heutigen Kammer-
folche Weise eine für seinen Staat folgenschwere Komplikation, sitzung allseitig beglückwünscht. Er erhielt von Parteifreunden insbesondere einen Zusammenstoß mit England, vermeiden Ehrengaben und Adressen. Die hiesige Volkspartei veran- wollte, so ist man allenthalben diesmal aiich von dein stattete ein Bankett und dedizierte dem Jubilar einen Tafel- englischen Vorschläge überzeugt, daß er lediglich den Zweck schmuck auS Meißner Porzellan.
hat, die Vormacht Englands zur See zu sichern und gefähr- ■ ■—......- - -........ * ■ ■ —
liche Konkurrenten hintanzuhalten. Zum Glück steht nicht Ausland.
bloß Deutschland dem englischen Vorschläge skeptisch gegen-
über, sondern außer den Dreibundstaaten auch Frankreich und o . 0 n 011 k? Obe r h a u s nahm in zweiter
,r < . p o r /. - „ Lesung einen Regierungsentwurs an, welcher die Wahl von
Rußland, wodurch der Gefahr cmcs Zusammenstoßes za Mitgliedern von den Grafschaftsräten und
zwischen Deutschland und England gelegentlich der Erörterung sonstigen Lokalbehörden gestattet. Es ist aber zweifelhaft, ob
über diesen Punkt die Spitze abgebrochen ist. Frankreich der Entwurf noch in dieser Session erledigt werden wird.
wird eine Ausdehnung der Schiedsgerichtsinstitution durch- Pa ris .12 Juni. Der Abg CoutaM kündigte einen Gesetz- zuseßen und dierauf das Schwergewicht der ganzen Kon. Äen°"’
ferenz zu legen suchen. DaS ist diplomatisch klug, well Mahlzeit einen viertel Liter Wein zu verabreichen, dadurch der Konfliktstoff des englischen Eintrages mehr in den Hierdurch würde der jährliche Mehrkonsum von 900 000 Hektoliter Hintergrund gerückt wird. Italien wünscht Regelung der entstehen Die Ausgabe für das Kriegsministerium würde sich Frage der KricgSkontrebande, wofür wohl alle Staaten zu $e1|jX’"n &Ä5
haben sem durften, nut Ausnahme vielleicht von Eng.and, — Ministerpräsident Clemenceau hatte heute ivegen der Krise das dadurch eine Beeinträchtigung für sich befürchten mag. im Weinbau und der damit im Zusammenhang stehenden Ist doch England aus dem gleichen ©runbe gegen ein Ver- Vorkommnisse in Südfrankreich eine Unterredung mit dem Prä- bot der Kaperei, woraus hervorgeht, wie ernst England es ^n des Departements Horault, Gard, Pyr6enees--Orientales ... _ , v, ■ ; . ' ... und Aude. Er bezeichnete ihnen die Maßnahmen, die gegen
mit dem Abrustungsvorschlage meint, m dem es diesen nur Munizipalbehörden von Montpellier, welche ihr Amt nieder- propagiert, weil es zu seinem eigenen Vorteil ist, während gelegt haben, ergriffen werden sollen. 9
alle anderen Reformen, die zwar dem allgemeinen inensch- Madrid, 12. Juni. Die „Espana Nueva" teilt mit, daß lichen Empfinden entsprechen, aber für England weniger der Gerichtshof über die wegen des Bombenanschlages in
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der Gerichtshof über die wegen des Bombenanschlages in vortetlhast sind, zurückg-wics-n wrrdrn. Trotz all-drm kann 9»Ä*i
man nicht behaupten, daß die Konferenz einen völlig wert- gemäß dem Antrag des Staatsanwalts verurteilt. Ferrer, Mayo- losen Verlauf nehmen wird; in einer Reihe von Punkten, ral, Martinez und dessen Frau Concepcion Perez seien srei- die bestimmt sind, die Leiden des Krieges zu mildern, wie gesprochen.
seinerzeit eine Ausdehnung der Genfer Konvention aus den , Budapest 12 Juni. Ter Wiener Mitarbeiter des Bu- Srekneg, genaue Bestfmu.ungen über Mmenlegung wird * f^^U
sich Zweifellos eine Einigung erzielen lassen und somit einen sand eine Darstellung, in der es heißt: Während der abge- Gewinn auf dem Gebiete der Humanität erbringen, lausenen 10 Jahre, aus welche Fürst Bülow als Leiter der aus- Dies ist immerhin etwas, zumal man nicht vergessen darf, wörtigeu Politik des deutschen Reiches zurückblicken kann, läßt daß die Konferenz sich in dem Rahmen d°S Erreichbaren
Ijalten muß und nicht den Phantastereten der uberschweng- sa^ einer strengen Zurückhaltung in Widerspruch stände. Ange- rirfc™ sichts dieser autoritativen, von starker Tradition gettagenen Kundgebungen ist es schwer verständlich, daß die Ausstreuungen über eine feindselige Haltung des deutschen Volkes gegen Ungarn immer wieder bei einem Teil des ungarischen Publikums Glauben zu finden scheinen. Auch -in den wirtschaftlichen Fragen, die
zum späten Abend dauernde Sitzung ab, in der er eine Anzahl wichtiger geschäftlicher Angelegenheiten, insbesondere auch die Verteilung der Gelder in den einzelnen Provinzen besprach.
** Invalidenversicherung polnischer Arbeiter. Im Februar 1901 hat der Bundesrat den Beschluß gefaßt, daß polnische Arbeiter russischer und österreichischer Staatsangehörigkeit, denen der Aufenthalt im Jnlan.de nur für eine bestimmte Zeitdauer behördlich gestattet ist, der Jnvalidenversicherungspflicht dann nicht unterliegen sollen, wenn sie in land- und forstwirt-- chaftlichen Betrieben beschäftigt werden. Obwohl nun bereits früher darauf hingewiesen worden ist, daß dieser Bundesratsbeschluß sich nur auf solche Arbeiter bezieht, denen der Aufenthalt im Jnlande durch behördliche, das ist polizeiliche Anordnung nur für eine bestimmte Zeit gestattet ist, und daß bis jetzt in keinem Kreise des Großherzogtums Hessen derartige Polizeiliche Anordnungen bestehen, daß also von einer Anwendung des Bundesratsbeschlusses auf die im Großherzogtum Hessen beschäftigten Arbeiter keine Rede fein kann, tritt gerade in neuere, Zeit wieder unter den Landwirten die mißverständliche Auffassung zutage, als ob im Großherzogtum Hessen die Markenverwendung für diese Arbeiter unterbleiben könne. Im Interesse der Arbeitgeber machen wir daher darauf aufmerksam, daß auch die polnischen, wie die inländ. Arbeiter, der Versicherungspflicht unterliegen und deshalb auch für diese Arbeiter Jnvalidenversicherungsbeiträge in der gleichen Weise, wie für die übrigen Arbeiter durch Gin* kleben von Beitragsmarken in die Quittungskarte geleistet werden müssen. Zuwiderhandlungen sind der Strafbestimmung des 8 176 des Jnvalidenversicherungsgesetzes unterworfen. Der fragliche Bundesratsbeschluß ist für das Großherzogtum Hessen ohne jede Bedeutung. Er bezieht sich nur auf die in den östlichen Provinzen des Königreichs Preußen beschäftigten Arbeiter.
** Eine Sitzung des Provinzial-AusschusseS findet am Samstag, 22. d. M., vorm. 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschwerde des Apothekers Welcker und Genossen gegen den Müller Heinrich Wagner IV. zu Allendors a. d. Lda. 2. Ablösung der fiskalischen Jagdberechtigung in dem Pohlgönser Gemeinde- und Kirchgönser Gesellschaftswald „Boden- Hardt". .3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des F. I. Rasche von' Schwetz.
” Sin unserer Landesuniversität studieren nach der jetzt fertiggestellten Uebersicht in diesem Sommer-Semester 1192 Studierende und 10 Hospitantinnen; außerdem besuchen 41 Hörer und 23 Hörerinnen Vorlesungen, so daß die Gesamt- requenz 1266 beträgt. Von den Studierenden sind 768 Heffen und 424 Nichthessen. Von letzteren sind aus Preußen 237, Bayern 31, Baden 21, Hamburg 8, Elsaß-Lothringen 6, Sachsen und Oldenburg je 5, Sachsen-Koburg-Gotha und Waldeck je 4, Württemberg 3, Sachsen-Weimar, Lippc-Det. mold und Schwarzburg-Sondershausen je 2, Mecklenburg- Schwerin, Anhalt, Schwarzburg-Rudolstadt und Braunschweig je 1; Rußland 68, Oesterreich-Ungarn 8, Japan 5, Luxem- bürg 2, Niederlande, Schweiz, Rumänien, Serbien, Türkei, Amerika und Ost-Indien je I. Es studieren Theologie 62 (60 Hessen), Rechtswissenschaft 169 (137 Hessen), Medizin 173 (69 Hessen), Tierheilkunde 113 (24), Zahnheilkunde 14 (12), Philosophie 30(10), Pädagogik 6(5), Mathematik 115 (94), Naturwissenschaften 75 (65), Chemie 74 (18), Pharmazie 34 (15), Forstwissenschaft 37 (32), Landwirtschaft 50 (26), Geschichte 14 (11), klassische Philologie 64 (56), neuere Philologie 152 (134). Mit Reifezeugnis vom Gymnasium studieren 690, vom Realgymnasium 224, von Ober-Realschulen 126, mit Zeugnis für das Fach 111 und mit sonstigen Zeug- nisten 41.
** Sächs.- Thüring. Landsmannschaft. Aus Anlaß des Geburtstage des Großherzogs von Sachsen-Weimar sandte die Sächs.-Thüring. Landsmannschaft am Montag, 10. 3uni, folgende Glückwunschdepesche ab:
Die Sächs.-Thüring. Landsmannschaft Gießen sendet Ew. Kgl. Hoheit ergebenst herzlichsten Glückwunsch. Lorenz, Vorsitzender.
Am Mittwoch traf darauf eine Drahtantwort ein.
— Stach einer Meldung des „Hanuov. Cour.
preusi. Regierung abermals 6 2 Lehrer Westfalens und äuton7obÜt7u77uSfkC\ü"i7ffem
na$ iV mark versetzt. bahn nach der Saalburg, welche Msihe hat die Straße zu
ul] e or ।, 12. Ium. Die Landwirtschafts- passieren, ist andauernd überfüllt. Die Streckenkommistare in ä.“f,1 ,e un9 ^tte em sehr günftiges Ergebnis, da der ihren gelben Automobilen sind eifrig bei der Arbeit, um aus nnlm)pmiC xu ~ betragt, während durchschnittlich der Rennstrecke die letzten Vorbereitungen zu treffen. Für 70 000 Mk. gerechnet werden. - 30
sache allein beschränkt, sondern feinen Lesern auch sonst Die in der russischen Presse ausgesprochene Befürchtung, mancherlei schätzenswerte Anregungen bietet. So werden baß Japan durch die Ilesultate des Vertrages Don Portsi- außerdem im ersten Heft längere ober kürzere Ausführungen mouth unbefriedigt fei und einen neuen Ueberfall auf geboten Über die Volksschule un Dorfe, Über Bakterien, Buch- Rußland plane wird nach Ansicht gutinformierter Kreise fubruna Jmkersckmle Laudfertiakeit für Knaben Genossen, gegenwärtig durch das jung]t zustande gekommene fran^.» ? rLUC, .Den' japanische Einvernehmen widerlegt. Japan begnügte sich
N^swesen, Oesellenprufung, Dienstbotenpramlen rc. Die damit, verschiedene im Zusammenhang mit dem Kriege Dar]tellung ist durchweg emfach, volkstümlich und interessant, aufgekommene fragen durch den Abschluß einer Reihe von Der Preis —2. M. für jährlich 12 Hefte von 16 Seiten Verträgen mit Rußland auszugleichen, die voraussichtlich Kleinquart — ist mäßig. Wir wünschen der Zeitschrift in einem allgemeinen politischen Einvernehmen gip- guten Erfolg.
Berlin, 12. Juni. Die ^Nordd. Allg. Zig.« schreibt: auf dem asiatischen Kontinente vitale Interessen hat, faiut Di- .Köln. Volkszta." d-haupt-t, das Reich Müsse demnächst mUhin nach Ansicht der erwähnten kreise ein solches Ein- wied r mit einer neuen Anleihe von rund 200 Millionen ?erue^mra "ur fteudlg begrüßen, das bezeugt daß Japan ’ , • c . keinerlei aggressive Gedanken hege und geneigt sei, aleich-
.. JC5C ^"'^^oubsten ^itig neue Garantien des Status quo im fernen Osten
Bedürfnisse zu decken. Abgesehen davon, daß die noch offenen f^ete.
* Berli: Mannesalter ft gestern abend t Gattin des § daß auch sie n von 10 und 12 I »ahm. Sie schio emunbpipietei j Mischentreten verhindert, vier ^tzte gefesselt e vle den in qut, j l“J. bA-isiigt! borlauftg unbeic öQnnjaU m R ans Ber
einem Naste Jfurbe der Leib ?er blutübernrö 'erfiihrt merdf Lharlottenbura
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13. Juni.
t Mit Bezug auf er Frauenklinik einem Ruf nach . daß die Heber- ahreS erfolgt.
)e dem Schulamts, 'ne Lehrerstelle an Mannt wurde der Liarienschloß Karl
)er Vorstand der eser Tage eine bis in der er eine An. iiten, insbesondere nnzclnen Provinzen
ischer Arbeiter. 8e[d)luB gefaßt, daß ■r StaatSangel)öu$- ’ine beftimmte ßeit> versicherungsMÄ nd- und forftroirt' wohl nun bereits au\ex Bundesrats- denen der Au^m- \\t WW Än- itt ist, und datz dis ns Hessen derartige von einer Amen- lroßherzogtmn Hcsi-n itt gerade in bot stündliche AuMg > MarlenverwÄÄg Interesse der W- ife auch die MMM flicht unterliegen L rversicherungsbeM Arbeiter durch M .[arte geleistet beftintmung des 51« rfen Der tr°M
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x Leihgestern, 12. Juni. Am vergangenen Sonntag feierte der hiesige erst vor einem Jahr gegründete Radfahrer- klub „Schwalbe" sein Stiftungsfest. Tie Radsahrer- vereine aus Londorf, Lollar, Steinbach, Garbenteich, Klein-Linder, und Großen-Linden hatten fick eingesunden und auch die hiesigen Vereine, wie Kricgerverein, Gesang- und Turnvereine haben sich an dem Feste beteiligt. Gegen 3 Uhr bewegte sich der Festzug durch unsere Ortsstraßen zu dem Festplatze. Nachdem die Vereine vom Vorsitzenden Brückel mit einem „All Heil" begrüßt waren, gedachte Herr Krapf des Zweckes und der Pflege des Rad- [ahrsports und brachte auf den gesamten deutschen Radsahrsport ein „All Heil" aus. Unterdessen hatte sich dank des prächtigen Wetters der Festplatz dicht mit Menschen gefüllt; Tanzvergnügen und Gesangsvorträge veranlaßten die Vereine, bis zum Abend bei uns zu verweilen. Das Fest nahm einen schönen Verlauf.
— Friedberg, 12. Juni. Am 6., 7. und 8. Juli findet hier das 13. Kreis fest des 2. Kreises des Deutschen Athleten-Verbandes statt. Tie Vorbereitungen hierzu hat der 1. Stemm- und Ringklub Friedberg übernommen. Am Samstag, 6. Juli, findet Empfang der Gäste und großer Festkommers aus dem Festplatz (städt. Seewiese) statt. Sonntag vormittag beginnen die Wettkämpfe in drei Gewichtsklassen, Klassenringen, Meisterschaftsstemmen, Meisterschaftsringen. Beim Bestzug kommen Führungsprcise zur Verteilung. Abends ist reisvcrteilung, Montag vormittags Meisterschaftsstemmen und Meisterschastsringen. .Alle Uebungen werden nach den Vorschriften des Deutschen Athleten-Verbandes ausgeführt. Zur Verteilung kommen 36 Medaillen, 190 Diplome und Kränze für Trcikampf, Klassenringen und Musterricgenarbeitcn, ferner 18 Meisterschaftsmedaillen, zwei Vereinspreise für die Vereine, deren Sieger die höchste Punktzahl tm Dreikamvf erreicht haben. Während der Festtage konzertiert die Kapelle des 6. Thüring. Ulauen-Regiments. Auch andere Belustigungen und Vergnügen oller Art sind vorgesehen. Die Vorbereitungen sind in vollen-. Gang. Nach den eingelaufenen Meldungen ist eine sehr starke Beteiligung zu erwarten, namentlich auch deshalb, weil' im Ringen die Meisterschaft von Hessen zum Austrag kommt. Verschiedene Ehrenpreise sind gestistet. Den Ehrenfestausschuß bildet die gesamte Stadtverwaltung Friedbergs.
-ck Ulrich ft ein, 13. Juni. (Tel.) Der hier sehr beliebte Bezirkskassier Strack erschoß stch gestern abend. Er hatte vorher von seinen Freunden Abschied genommen, als ob er eine Reise antreten wollte. Die Ursache des Selbstmordes dürfte in einem nervösen Leiden zu suchen sein. Strack war wegen diesen Leidens in der letzten Zeit beurlaubt.
L. Bad-Salzschlirf, 12. Juni. Von dem Einbrecher, der in voriger Woche im Laden der Uhrmacherswitwe Becker hier eingebrochen und Uhren und Ketten im Wert von zirka 500 Mk. stahl, fehlt bis letzt noch jede Spur.
sd. Darmstadt, 12. Juni. Gegen den Rechtsanwalt Mainzer II., der kürzlich von der Strafkammer von der Anklage der Ueberoorteilung seiner Mandanten freigesprochcn wurde, sind inzwischen wieder von anderer Seite Beschwerden über ähnliche Vorkommnisse bei den zuständcn Behörden eingelaufen. Voruntersuchung ist deshalb eingeleitet worden.'
Frankfurt a.M., 12. Juni. Rach Unterschlagung eines großen Geldbetrages ist dec 18jährige Angestellte der großen Speditionsfirma Egan u. Co. geflüchtet. Er hat mit zwei Wertbriefen, die er aufliefern sollte, da§ Weite gesucht. Der eine Bries enthielt einen Scheck auf Paris über 45 000 Franks, der andere acht Tausendguldenscheine.
Homburg, 12. Juni. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde der Beigeordnete Lü b k e - Elberfeld einstimmig zum ersten Bürgermeister von Homburg gewählt.
♦* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. InBernSburg wurde Landwirt Magnus Kore11 einstimmig zum Bürgermeister gewählt. — Während eines schweren Gewitters schlug bei Groß-llmstad t der Blitz auf freier Chaussee m em Fuhrwerk. Ter F u h r w e r k s b e s i tz e r und beide Pferde imirben erschlage n.
Vermischte».
* Berlin, 12. Juni. Der angesehene, im besten Mannesalter stehende F r a u e n a r z t D r. Sch ä f e r machte gestern abend durch Gift seinem Leben ein Ende. Tie Gattin des Selbstmörders geriet derart in Verzweiflung, daß auch sie mit ihren beiden Söhnen im Alter von 10 und 12 Jahren einen Selbstnror ober such unternahm. Sie schtoß sich mit ihren Kindern in ihr Schlafzimmer ein und p ssnete den iGashahu. vtur durch das rechtzeitige Da- zwischentreten von Nachbarn wurde dieses zweite üngmef verhindert. Hierauf verfiel die Frau in Tobsucht und mutzte gefesselt einer Klinik zugesührt werden. Tie Gründe, die den in guten Vermög nsverhältnissen lebenden, sehr stark beschäftigten Arzt in den Tod getrieben haben, find Vorläufig unbeiannt. — Wie die „B. Z." erfährt, i)t der Rechtsanwalt und Notar Otto Ull ermann, dessen Flucht aus Berlin seinerzeit Aufsehen erregte, in London verhaftet worden und hat sich alsbald im Gefängnis mit einem Rasiermesser die Pulsaderngeöffnet. Doch wurde der Selbstmordversuch noch rechtzeitig bemerkt, und der blutüberströmte Häftling konnte in das Gefängnisspital überführt werden. — Aus dem Stadtbahngleise Bahnhof Charlottenburg fuhren heute zwei Maschinen zusammen. Ein Zugführer und ein Heizer erlitten Verletzungen und mutzten nach dem Krantenhause transportiert werden. Ter Stadtbahnbetrieb war längere Zeit ge- ftort. — Heute vormittag brach ein Teil des Gewölbes Dom Stadtbahnbogen 9 des Ausstellungsgcländes neben dem Gleis Richtung Lehrter Bahnhof-Bellevue ein. Tie Ursache ist auf ungleiches Setzen des Pfeilers zurückzuführen. Der Zugverkehr zwischen Lehrter Bahnhof und Bellevue wird eingleisig auirechterhalten, zum Teil werden Stadtbahnzüge über Ferngleise geleitet.
* Das neueste Automobilunglück. Bei Sil- lery (Frankreich) rannte ein Automobil, in dem sich Engländer befanden, gegen einen Baum. Ter englische Journalist Krops blieb sofort tot, das Ehepaar Popee wurde schwer verletzt.
* (Sine russische Gräfin ermordet. Tie Peters- bnrger Gesellschaft ist gegenwärtig durch eine sensationelle Mordaffäre in Aufregiing versetzt worden. Tre junge und fchöne Gattin des Gardeoffiziers Tarnowsky, der im Zarenpalais Tienst tut, wurde auf der zu ihrer Wohnung führenden Treppe ermordet auf- geftinden. Eine Kugel im Hinterkopfe machte ihr em augenblickliches Ende. Von dem ober den Mördern fehlt bis jetzt jebe Spur. Es wurde nur soviel von der Polizei festgestellt, baß einige Tage vor dein Morde eine ziemlich starke und übermäßig hohe Same in den Abendstunden in der Toreinfahrt des Wohnhauses Tarnowskys auf und ab ging, oftmals sogar vor der Wohnung des Gardeoffiziers Halt machte. Die Geheimpolizei behauptet, Anhaltspunlte dafür zu besitzen, daß die ungewöhnlich starke und hohe Taine ein verkleideter M a n n war, der tm Auftrage unbekannter Personen den Mord vollbrachte. Es fragt sich nun : in wessen Auftrag. Viele wollen in dieser^Mordtat ein Todesurteil der Terroristen erblicken, die in Frau Tarnowsky ihren Mann treffen wollten, der zurzeit Trepows in Petersburg mit fernem Garbedeiachemeni Pcurouillcndienste besorgte. Doch die Terroristen haben bis jetzt niemals die Frau für Vergehen ihres Mannes gestraft. Unaufgeklärt bleibt immerhin die Tatsache, rote der Portier des Hauses, der
auch nm Abend der Katastrophe Frau Tarnowsky hinaufbegleitet, die Mordtat nicht bemerkt hat.
• Der verprügelte Bischof. Italienische Blätter wissen folgendes zu melden: In Vitonto bei Bari hatte vor einiger Zeit ein Priester namcnS Antonio Vuquinchio sich ge- weigert, dem Bischof Barardi Geld — cS handelte sich um eine größere Summe — zu borgen; kurz darauf wurde er auf Veranlassung des Bischofs aus nichtigen Gründen „adivinis“ supspendiert. Zwei Schwestern des Priesters versuchten oft, aber immer vergeblich, sich dein Bischof zu nähern, um ihn zu fragen, weshalb er ihren Bruder au5 dem Amt gejagt habe. Dieser Tage trafen die beiden Fraiien den Bischof am Strande von Santo Cpirito, wo er (Bommer- aufenthalt genommen hat und begannen ihn nach einer lebhaften Diskussion tüchtig zu prügeln, wobei sie an seinem Kopf einen Sonnenschirm zerbrachen. Auch die Kette mit dem goldenen Kreuz, die er auf der Brust trug, wurde ihm zerbrochen. Der geistliche Herr hat jetzt gegen die beiden Damen Strafantrag gestellt.
* Die neueste Mode der Dollarkönigin. Aus Newvork wird berichtet: Mrs. George W. Vanderbilt hat sich vorgenommen, die säst ausgestorbenc Kunst der Handweberei wieder zu Ehren zu bringen, die Flauen der Blue-Ridge-Berge sollen Arbeit bekommen und die Handweberei wieder modern werden. 2ie Millionärsgattul hat sich aus gelbem, handgewebtem Stoffe ein Kleid machen lassen, und in dieser Robe erschien sie kürzlich in Asheville in der Gesellschaft. Tas Beispiel tat Wunder: alle 2 am en wollten es Fran Vanderbilt nachum, ^uud eine förmliche Razzia auf handgewebte Stoffe hat begonnen. Sorgenbeladene Männer können übrigens diese neue Mode nur willkommen heißen, sie bringt emc ansehnliche Ersparnis, beim der Stoss ist verhältnismäßig seht: billig. Fran Vanderbilt hat für ihr Kleid nur 100 Mark bezahlt und gleich eine Reihe von Nachbestellungen erteilt.
* „Geschnitzt e" Rücken. Auch im Kongostaat bringen die Frauen der Schönheit ihre Opfer, erdulden schmerzen und Pein, um „hübsch" zu fein und dem Schönheitsempfinden ihrer männlichen Stammesgenvssen zu genügen. Tie Kvngofrauen aber begnügen sich nicht damit, der Natur mit schönen $etoänbern oder bunten Glasperlen allein machzuhelsen, sie gehen gleich radikal vor und lassen sich ihren Rücken mit einer „Schnitzerei" versehen. Tas ist ein langweiliger und schmerzhafter Prozeß, mit dem schon in frühester Jugend begonnen werden muß. Kleine runde Holzstücke werden hart auf den Rücken gepreßt und dort jahrelang gehalten, bis die buijti) die Quetschung hervorgerufenen Hauterhöhungen nicht mehr schwinden. Mit den Holzstückchen und Stäbchen lasten sich so auf dem Rücken die schönsten Ornamente eingraben und sorgsame Mütter mühen ihre Phantasie, nm den Rücken ihrer Töchter besonders schäme Muster einzugraviercn.
• Unerschütterl ich. Der Oberstabsarzt eines Wiener Regiments liebt es mit feinen Likörspezialitätcn versehen zu sein, bemerkt aber, daß sie auch seinem Burschen recht zu schmecken scheinen. Er klebt also, diesem Uebcl zu steuern, aus die neuen Flaschen Etiketten mit dein Totenkopf und mit dem Worte „Gift". — Zwei Tage später überrascht er den Burschen bei einem tüchtigen Schluck aus einer der Flaschen. — „Schubjak," schreit er ihn an, ,was unterstehst du dich?!" — Aber der Bursch antwortet prompt mit trübseliger Miene: „Herr Oberstabsarzt, i meld' gehorsamst... i bin lebenSmüd'l"
* Kleine Tageschronik. Beim B r ü ck e u b a u, welchen das Eifenbahnregiment auf dem ©perenbeiger See (Prov. Brandenburg) vornahm, geriet das Gerüst ins Wanken und stürzte in den See, Offiziere und Mannschaften unter sich begrabend. Während es allen gelang sich zu retten, ertrank der Rekrut Fockenheim, der unter einen Träger geraten war, obwohl Offiziere und Mannschaften sofort nach ihm tauchten.--Der Kaufmann
Max Bötlge aus Magdeburg, der nach einem bei ihm vorgefundenen Briese zuletzt bei einem Doktor Zeh in Eisfeld in Stellung gewesen war, hat sich mit seiner Braut, deren Name nicht bekannt ist, in der Negnitz bei Bamberg ertränkt. — In Winzingen bei Neustadt a. d. Hardt erfolgte die Verhaftung des Weinhändlers Erlewein, welcher gerichtlich angelegte Siegel an beschlagnahmten Weinfässern gelost und deren Inhalt verwendet hatte. — Ein großer Erdrutsch im V i s p e r- t a l (Wallis) hat die Bahnlinie Visp-Zermatt verschüttet und das Bett des Vispaches derart ausgefüllt, daß das Wasser zu einem See aufflaute. Eine zahlreiche Arbeiterkolonne ist bemüht, dem Wast'er langsam einen Abfluß zu verschaffen, damit die Dörfer im Rhonetal nicht durch plötzlichen Ausbruch gefährdet werden. — Nach Meldungen aus Paris soll sich Johann Orth, der frühere Erzherzog Johann Salvator, in Europa befinden; er fei kürzlich Von Paris nach England gereift und werde demnächst wieder in Paris eintreffen. (Dieses Gerücht ist absolut un- glmibl;,üit.>
Arbeiterbewegung.
a Lauterbach, 12. Juni. Der Maurer streik ist seit heute beendet. Die Maurer haben ihre Arbeit wieder auf-t genommen. Von den Meistern wurden für Maurer 38 Pfennig, für Handlanger 30 Pfennig die Stunde bewilligt, bei 10 stündiger Arbeitszeit.
bervoragenden Vertretern der Wiffenfchalt, Adorvnungen von italienischen und zahlreichen ausländischen Universitäten und Akademien, wurde heut die Feier dcS 3 0 0. Todestages des Naturforschers 911 b r o d r a n b t obgehalten^
Kandel.
— Im Zentralausschutz der Reichsbank äußerte Präsident Koch sich über die Lage dahin, daß die 9lnlagen feit 1900 nicht so hoch waren. Befonders die WechscLansprüche feien bedeutend. Tic steuerfreie Notenreferve sei nickst genügend und die Teckungsoerhältnisse noch schlechter als im Vorjahre. Auchs zeige die Höhe des Privatdiskont» den großen Bedarf. Ter ini ternationale Geldmarkt liege sehr unsicher und gebiete Vorsicht, sodaß _num keine Tiskontermäßigung ein treten lassen Tonne. Auch stehen wir vor den regelmäßig wiederk.'hrenden Ansprüchen zum Semesterschlusse. Von 1 einer Seite wurden Einwendungen: hiergegen laut. Tie Abschkagsdividende wurde wie üblich auf 1 3/i Prozent festgesetzt. — Demnach sieht es beinahe aus, alsl wenn eine Tiskontermäßigung überhaupt für dieses Jahr nicht mehr zu erwarten sei und sowohl die Börse wie die Industrie und der Handel sich nur noch auf eine Diskonterhöhung gefaßt zu machen hat.
— Berliner Börse. Interventionen und Deckungen; sorgten zu Beginn der heutigen Börse für eine etwas festere Haltung, obgleich die Provinz wiederum Diele Berkaussordres gesandt hatte. Bald nach Eröffnung Tarn aber doch wieder die übliche Abschwächung besonders auf das starke Angebot in Kassaware, und das energische Vorgehen der Conttemine, die nun glaubt, das Terrain bald ganz beherrschen zu können und eine stütze in den Auslassungen des Reick-sbankprasidenten Tr. Koch über die Sage des Geldmarktes fand. Tas Geschäft mürbe nach und nach lebhaft, namentlich als Exekutionen für die Kreuz- nacher Banliirma Sahler u. Co stattfanden. Selbstverständlich bewegten sich die Kurse in weichender Richtung, obwohl speziell bei Montanalrien auch hie uno da eme Gegenströmung zum Turch- bruch kam. Teutsckt-Luxemburger waren stärker angeboten und notierten abgest. 171.90. Phönix notierten zuerst 195.10 und dann gebessert 196.—, Rheinische Stahlwerke gingen von 184 bis 184.75, Harpener schlossen 189, Laura Hütte 220.75, Dortmunder Union 71.10, Bochumer 219.10. Banken waren gleichfalls abgeschwächt. Bon Trausporrwerlen waren Schiff- fahrtsaliien nach ansänglicher Schwäche gebessert, Staatsbahn luiebtr matter, hingegen Lombarden in guter Frage. Baltimore Pennsylvania waren abweichend. Privatdiskont 4»/,' Proz.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 13. Juni. (Tetegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- v reise. Zum Verkaufe standen: 27 Ochsen, 00 aus Oesterreich 0 Bullen, 0 ans Oesterreich, 72 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 632 Kälber, 33 Schafe und Hämmel, 6 Ziegen, 5 Ziegenlämmer, 0 Schaftämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 76—80 Mk., 2. Qualität 70—74 Mk., 3. Qualität 63—66
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