Nr. 160 Zweites Blatt 157.3 General-Anzeiger für Oberhefien :s Politische Lagesscha«. Ter Herausgeber der Hohenlohe-Memoiren. Man erinnert sich, daß Dr. Curt ins, der Präsident Direktoriums der Kirche Augsburgischer Konfession, Leim Ter Fall Schaufele. Der sozialdemokratische Eisenbahnarbeiter Redaktion. Expedition und Drucke«« r Schul- fkraße 7, Expedition und ©erüxg i 61» Redaktion: S-W112. Tell-Adr.- Angebliche Steuerpläne. Die „Germania" brachte jüngst eine Betrachtung über die bevorstehende zweite Reichsfinanzreform, und wies dabei darauf hin, daß bei den Nationalliberalen wenig Widerspruch gegen eine Banderolensteuer auf Zigarren zu erwarten sei. Von parlamentarischer Seite wird der „Nationallib. Korc." mitgeteilt, daß die Vermutung, die die „Germania" aus- pricht, der Begründung entbehrt. Die jetzige nationalliberale Reichstagsfraktion sei noch weniger geneigt, einer Besteuerung der Zigarrenfabrikation und des Zigacrenkonsums beizustimmen, als die Reichstagsfraktion der verflossenen LegisErscheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamilienblatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der ..kjesfifche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Aus S»aSt uno t-uno. Gießen, 11. Juli 1907. ** Der Minister des Innern Braun, der nach überstandenem Unwohlsein zu seiner weiteren Erholung einige Wochen in Urlaub war, ist jetzt wieder zurückgekehrr und hat seine Dienstgeschäfte wieder übernommen. ** Gesahr unreifen Obstes! Kaum, daß oie Aepsel und Birnen die Große einer Walnuß erreicht haben, ieht man Kinder mit großer Begierde diese vollständig unreifen Früchte von den Bäumen schlagen und abwerfen. Trotz beim Genüsse dieser überaus saueren Obstsorten der Mund zusammengezogen und der Speichelfluß der Mund- peicheldrüsen reichlich ist, lassen sich so viele Kinder weder, mrch Warnung noch Bestrafung von dem gefährlichen Tun abtzalten. Die in den unreifen Aepseln, Birnen, Zwe Sozialdemokratische Kampfeswerse. Der Verfasser der nationalliberalen Abwehr in der) Samstagsnummer schreibt uns: In dem hiesigen sozialdemokrat. Blatte hat zwar nicht! die Schriftleitung selbst, wohl aber ein ihr offenbar nahestehender Herr — er schreibt nämlich „unser Blatt", „unsere Inserenten" — etwas abdrucken lassen, das eine Entgegnung auf meine Ausführungen im „Gießener Anzeiger", überschrieben: „Eine nationalliberale Abwehr" sein soll. Er wirft allerlei Dinge hinein, die mit jenem Artikel gar nichts zu tun haben. In dem einen die Sache selbst betreffenden Satz begeht er wieder den von mir gerügten Fehler: Er zitiert ungenau und zwar so, daß meiner Anklage der Kern entzogen ist. In der Aufforderung der „Oberhess. Volksztg." (Nummer vom 1. Juli) heißt es: „Kauft nur in solchen Geschäften, die in unserem Organ inserieren usw." Dieses nur läßt der liebe Herr weg. Durch dieses Wörtchen wird die Aufforderung zu einem Boykott aller Geschäfte, die nicht in dem genannten Blatt inserieren. Ohne dieses „nur" wäre sie von mir nicht gerügt worden. Mit diesem „nur" ist sie eine wirtschaftliche Tyrannei. .Das wird jeder ruhig denkende Mann gefunden haben. Wenn der Herr nun schreibt, „solche Aufsorderungen würden jährlich so einige hunderttausendmal von Zeitungen aller Richtungen gebraucht", so wird er jetzt wohl nicht mehr bei dieser Behauptung bleiben. Ich fordere ihn hiermit auf, in der „Oberhess. Volksztg." liberale Zeitungen auszuzählen, in denen aufgefor- ) er t wird, „nur" in den Geschäften zu Laufen,' diebei ihnen inserieren. — Die anzüglichen persönlichen Bemerkungen verzeihe ich dem Einsender gern. Möge er seinen Witz nur so weiter üben. Ich werde auf solche Dinge nicht eingehen. , besaßt. Nur kameralistisches Versammlung in Mannheim beschäftigte sich am Sonntag mit dem Vorgehen der Gcneraldirektion der badischen Eisenbahnen gegen den Former Schäufele. Angenommen wurde eine Resolution, in der gegen das Vorgehen der Regierung protestiert wird. Die Versammlung erblickt darin einen unrechtmäßigen Eingriff in die verfassungsmäßig garantierte persönliche staatsbürgerliche Freiheit. Sie verlangt nachdrücklich, daß jedem Arbeiter, sobald er durch das Vertrauen des Volkes zur Ausübung eines Mandates, sei es im Reichs-, Landes- oder Kommunalparlament, berufen ist, freigestellt werden müsse, welcher politischen Partei er sich anschließen wolle. Für Montag abend hatte die sozialdemokratische Partei von Karlsruhe eine Volksversammlung einberufen, die sich mit dem Fall Schäufele beschäftigte. Wie der „Vocro." mitteilt, verbot die Karlsruher Polizeidirektion den Anschlag der 23er* sammlungöplakate, weil in der Einladung das Vorgehen der! Regierung mit einem scharfen Worte bezeichnet war. Eine polizeiliche Ueberwachung von Versammlungen kennt man in Baden nicht. Es wurde aber den Veranstaltern der Versammlung angekündigt, daß sich die Versammlung großer Aufmerksaiiikeit der amtlichen Organe zu erfreuen habe und eventuell der Staatsanwalt gegen den Redner emschreiten werde. Tas besondere kameralistische Studium, das bisher noch in Baden bestand und nach Ablegung eines Staatsexamens zur Bekleidung dec höheren Aemter bei der Zoll-, Steuer- und Domänenoerwaltung befähigte, ist vom Ministerium jetzt als nicht mehr zeitgemäß aufgehoben worden. Die Anwärter für die kameralistische Laufbahn haben sich künftig dem ersten juristischen Staatsexamen zu unterziehen und nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit bei den Finanzbehörden eine zweite Prüfung zu bestehen, die sich mehr mit den volkswirtschaftlichen Fächern Württemberg hat jetzt noch ein besonderes Studium. Donnerstag 11. Juli 1907 Rotationsdruck und Verlag der Drühlfchen Univerfitäts - Buch» und Steindrucke«!, R. Sange, Dießen. Schäufele, der vor kurzem in den Bürgerausschuß von Karlsruhe gewählt wurde, hat dem Stadtrat erklärt, daß er das Mandat nicht annehme, um seine Stellung in der Eisenbahnwerkstätte nicht zu verlieren. Er hat bekanntlich auch seiner vorgesetzten Behörde auf deren Vorstellung erklärt, daß er au§ der sozial, demokratischen Partei ausgetreten sei. Der Bürgerausschuß wird nun zu entscheiden haben, ob für Schäufele hinreichend Gründe zur Ablehnung des Mandates vorliegen, oder ob auf eine Geldstrafe zu erkennen ist. Eine öffentliche Eisenbahner- laturperiode es war. Eme derartige Vorlage der verbündeten Regierungen wäre ebenso aussichtslos, wie eine Jnjeraten- unb Reklamesteuer, falls eine solche in dem Kopfe irgend eines Fmanzmimsters spuken sollte. Im übrigen werde es richtiger sein, die Frage einer zweiten Finanzreform in der kommenden Reichstagstagung überhaupt nicht zu behandeln, sondern zunächst eine weitere Klärung über die Ergebnisse der ersten Reichssinanzreform abzuwarten. Mittlerweile hätten die Parteien Veranlassung und Zeit, sich ihrerseits damit zu befassen, wie der Finanznot des Reiches abzuhelfen sei. letzten Aufenthalt des Kaisers in den Reichslanden nicht zur Hoftafel geladen war, weil der Kaiser in ihm den Herausgeber der vielbesprochenen Memoiren strafen wollte. Man legte Eurtius daraufhin den Abschied nahe, den er aber damals zurückwies. Jetzt scheint er indes doch weichen zu müssen. Ueber die Art und Meise, rote man ihn drängt, wird den „Berliner Neuesten Nachrichten" geschrieben: Ec wurde seitdem von allen höheren Beamten in Straß- bürg bei jeder nur möglichen Gelegenheit im persönlichen Verkehr ignoriert, oder wie man zu sagen pflegt, „geschnitten". Dadurch ließ er sich jedoch nicht im geringsten beirren. Schließlich ging man gegnerischerseits zu einer andern Taktik über und fing an, ihn auch im amtlichen Verkehr zu ignorieren, d. h. alle von ihm persönlich bearbeiteten kirchlichen Angelegenheiten blieben im Ministerium bezw. im Statthalterpalais solange als irgend möglich unerledigt. Es ist deshalb schon seit Monaten -eine gewiße Stockung in dem gangen Geschäftsgänge der kirchlichen Oberbehörden eingetreten, die unmöglich länger andattern kann. Nachdem nun vor einigen Wochen auch die Großherzogin von Baden, an deren Hof Präsident Curttus ein gern gesehener Gast ist, vergebens bei dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe — wie ich aus sicherer Quelle erfahre — zu seinen Gunsten interveniert hat, haben mehrere hervorragende protestantische Geistliche in den letzten Tagen ihren Präsidenten mit schwerem Herzen dazu vermocht, im Interesse der Kirche Augsburgischer Konfession jetzt dennoch nachzugeben und seinen Dienstaustritt zum 1. Oktober in Aussicht zu nehmen. Als Nachfolger gilt in geistlichen Kreisen Frhr. v. d. Golz, jetzt Erstes vom Kaiser ernanntes Mitglied des Direktoriums dec Kirche Augsburgischer Konfession. Eine Rede des Ministers von Moltke- Die AlbertuS-Universität in Königsberg hat ihrem scheidenden Kurator, dem Staatsminister von Moltke, ein Abschiedsessen gegeben, bei dem der Rector magnificns, Professor Dr. Volkmann, dem Scheidenden in warmen Worten den Dank dec Königsberger Hochschule aussprach. Herr von Moltke antwortete und sprach auf das Wohl und Gedeihen der Albertina. In seiner Rede sagte er unter anderem: „Es ist mit der Ueberfchätzung ein schlimmes Dina. Wer sich selbst überschätzt, ist entweder gerotffenloS oder ein Tor. Aber immerhin, wenn er Glück hat, kann er durch seine Fehler anderen noch einmal nützen. Dagegen ist Ueberschätzung von feiten anderer geeignet, verhängnisvoll zu werden. Sie fordert zumal in unserer Zeit herber Kritik zu Gegenwehr und zu Gegenäußerungen heraus unb kann zum Fallstrick werden. Ich, meine Herren, habe es bisher in meinem Herzen, ohne darum zaghaft und mutlos zu sein, für richtig gehalten, Goethes Wort aus dem „Taffo" mir vor Augen zu hallen: „Wenn ich bedenke, wie man wenig ist, Und was man ist, das blieb man andern schuldig/ Seme Magnifizenz erinnerten mich soeben, wie ich damals, als ich fremd und zagend in Ihre Mitte trat, ein Wort Kants gebrauchte: „es sei überall nichts in der Welt zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille". Meinen guten Willen habe ich Ihnen damals gelobt, und meinen guten Willen glaube ich gehalten zu haben. Sie haben ebenso freundlich gestattet, daß ich mich auch über die Grenzen meiner Tätigkeit hinaus mit Ihnen unterhalten durfte über Wege und Ziele der Wissenschaft, über die Jugenderziehung. Sie gaben mir manchen Einblick in den wachsenden Ausbau Ihrer Wissenschaft, der nicht vergleichbar ist dem Aufbau der Letter, denn es fehlt nach oben an dem sicheren und gewissen Stützpunkt; auch ist sie dem Riesenbau der von Würfel auf Würfel gefügten Pyramide nicht vergleichbar, denn es fehlt an dem berechenbaren Schlußstein — sie ist ein Turmbau unbekannter Höhe, eine Lage auf der anderen gebaut. Mag er in schwindelnde Höhe geführt iverben zu dem erweiterten Ausblick auf Vollkommenheit, der Aussicht auf göttliche Wahrheit entgegen, von der uns Hoffnung winkt; damit er fein Turmbau von Babel wird, ist es Pflicht des Bauherrn, darauf zu achten, daß um dir gewonnene Hohe der Grundstein gefestigt werde, daß der Zusammenhang mit der konkreten Wirkltchkeit nicht verloren gehe. Als diesen festen Grundstein haben Sie mir immer gestattet, den Boden gerichtlicher Entwickelung zu bezeichnen, der unserer nationalen deutschen Wissenschaft eigen ist, und in dem unser Vertrauen auf die Zukunft beruht. Ihren besonderen Aufgaben, meine Herren, eingeschlossen ist es, Jugendbildner zu sein, das Bild ist der Werkstatt des bildenden Künstlers entnommen. Jedes künstlerische Gebilde bedarf der feften Grundlage und des haltbaren inneren Gerüstes. „Sie" btlben den menschlichen Geist. Dazu gehört wahrlich eine Künstler- hand. Was bebeutet der spröde Marmor, was der weichende Ton des Künstlers gegenüber dieser Materie? Was wäre schwerer zu behandeln, als der unbändige menschliche Geist in seiner Beweglichkeit, in seinem Zweifel, in seinem selbständigen Streben nach oben ? In unseren Zeilen muß es auch dem Staatsbeamten, der außerhalb des Gebietes der Wissenschaft steht, am Herzen liegen, daß hier eine nicht lastende Hand walte, daß eine unermüdliche Schaffenskraft sich mit weisein Zielbewußtsein in der Richtung vaterländischer Bildung zusammenfinde. Wer sich heute auf den Boden der Staatsordnung stellt und die erforderlichen Kenntnisse besitzt, ist berufen und verpflichtet, mitzuhelfen an der Gesamtheit des Staates. Sie alle sind an solchem Kunstwerk tätig, mögen Sie praktische ober theoretische Wissenschaft treiben. Mein Schwanengefang sei die Bitte, daß Sie die Verantwortung für diese Aufgabe nicht zu leicht nehmen wollen. Wir gehen vielleicht chweren Zeiten entgegen, mögen aus Ihrer Hand sich Diänner finden, welche würdig unserer Vorfahren als gute Preußen und Deutsche ihr Wißen und Walten und, wenn es fern muß, ihr Herzblut herzugeben bereit sind für die Größe und für den Ruhm des Vaterlandes/ Dec „TempS* schließt sich diesen Anschauungen des „Matin* nicht an und meint, daß Rußland auch heute noch ebenso der französischen Allianz bedürfe, roie Frankreich der russischen. Dec „Temps" schreibt u. a.: „Daß Fehler, Fehler des Taktes, der Haltung auf französischer Teile begangen wurden, haben wir erklärt, und wir sind bereit, tiefes Bekenntnis zu wiederholen. Zurzeit, als die Schwäche Rußlands, sich zuerst deutlich zeigte, war Frankreich von einer Partei beherrscht, deren Moral sich nicht durch allzugroße Eleganz ,auszeichnete". Die Haltung des Herrn Comdes und seiner Freunde gegenüber dem unglücklichen Rußland war ganz und gar nicht ranzöstsch, und obwohl dieses Reich von uns gar nichts verlangte, rahm man Anlaß, vor aller Welt zu erklären, daß es vott uns nchis zu erwarten habe. Dieses Verfahren zeitigte bald feine )rächte. Herr Witte nahm, als er aus Portsmouth zurückkehrte, Anlaß, feine Gefühle über dieses Verhalten der französischen Regierung auszudrückeu, er hat auch im „Ternps" mitgeteilt, was er unb feine patriotischen Freunde empfänden. Seit jene; Zeil hat man eine weitere Reihe ebenso großer Ungeschicklichkeiten bedangen. Man ließ zum Beispiel Herrn Iswolski durch Herrn Uomparb Ratschläge über bie innere Politik Rußlanbs erteilen, die >er russische Staatsmann ja niemals befolgen konnte und durste. Lin andermal unternahm es der französische Botschafter, die Emanzen der Russen auf eine Weise zu kontrollieren, die für jene benjo beschämend als für uns überflüssig waren. Dann hat man vieber dadurch, daß man die Erledigung gewisser in St. Petersburg. lusgedrücktec Wünsche auf unbestimmte Zeit verschob, daß man p eit er den zwischen Alliierten notwendigen milttärischenKorefpondenz- ienft auf ein Minimum reduzierte, Rußland fühlen zu lassen, daß non es vernachlässige. Mag auch dies alles in Rußland nur unklar Us Impression empfunden worben, kränken muß es die Verbündeten >och. Es wäre nun allerdings Sache Rußlands gewesen, dem Doppelspiel ein Ende zu machen und seine Wünsche klar aus- ubrüden. Statt dessen büllten sich seine Staatsmänner in undurch- -ringliche Reserve. Als Herr Iswolski im vorigen Jahre — es iuß zugegeben werden, daß der Zeitpunkt in Ansehung der ninifteriellen Krise, in der wir uns befanben, übel gewählt war — mch Paris kam, vermieb er es mit einer seltsamen, gewollten ober egiuimgenen Hartnäckigkeit, die Personen aufzufuchen, die ihm ützlich fein konnten. Gleichwohl hätte man bie Intimität, die in Petersburg erloschen war, von Paris aus wieder Herstellen sollen, oubet hatte feiner Zeit — auch Deutschland tat Aehnliches — ic gute Idee, einen französischen Offizier dem Zar zu attachleren, während ein russischer ins Militärkabinett des Präsidenten der iepublik entsandt wurde. Fallieres folgte diesem Beispiel nicht, tatürlich zog der russische Hof aus diesem Verhalten seine Lehre, nb die Zahl derjenigen, die auf feiten Deutschlands stehen, >uchs. Rußland hoffte nun in allerjüngster Zeit die Sache einiger- raße zu arrangieren, indem es Herrn Fallieres das Andreas- reuz saiidle. Eine offene, treffende Antwort wäre aber besser eroefen, als alle Orden der Welt. Das Gefühl des Mißver- and n iss es, der diplomatischen geue läßt sich durch Auszeichnungen rcht beseitigen. Dec „Ternps" faßt seine Betrachtungen folgendermaßen itfammen: „Um einen friedlichen Wert zu haben, müssen die Bändiiisse neu militärischen Wert haben. Ein Blick auf die Karte Europas enügt, um zu erkennen, daß in einem Kontinentalkriege Rußland iistande wäre, einen Teil der Streitkräfte unserer Gegner zu immobilisieren — uiid umgekehrt. Die französisch-russische Allianz :gibt sich nach dem Worte Bismarcks aus der Natur der Tinge. iZenn sie schlecht funftioniert, liegt es nicht an den Dingen, sondern n den Menschen. Durch die Schuld der Meiischen hat sie nicht nmer das in der Vergangenheit ergeben, was man erwartete, so amentlid) im Herbst 1'jO3, als wir nicht verstanden, unsere Ver- ilnbeteii auf der abschüssigen Bahn des Krieges aufzuhalten. Durch e Schuld der Menschen ist sie gegemvärtig ungerechten Kritiken nb einer scheinbaren Erkaltung ausgesetzt. Diese Gefahr wird auf eiben Seiten leicht zu beschworen sein." Irauzöstsch-russtsche Abkühlung. Die heiße Freundschaft, die ehedem Frankreich und Rußland verband, hat allmählig eine beträchtliche Abkühlung erfahren. Die „Norooje Wreinja", das Organ dec russischen Neaktionäre, hat sogar die interessante Frage aufgeroorfen: „Ist Rußlands Alliierter wirklich noch stark genug?" Das Blatt verneint diese Frage. Es nennt all die Vorteile, die sich für Frankreich aus der Allianz ergeben, all die Sünden, die von Frankreich gegen Rußland begangen worden, und es schließt: „Man muß sich fragen, ob die französisch-russische Allianz noch einen Sinn hat." In Frankreich haben die Auslassungen des russischen Blattes natürlich sehc verschnupft und Harduin antwortet jetz im „Matin" nicht ohne Ironie, roie folgt: „Marc Twain, der amerikanische Humorist, ist gewiß sehr lustig; es gibt aber in Rußland ein Blatt, das noch viel luftiger ist, als er: die „Rowoje Wremja". Dieses Blatt erachtet, daß die nnlttärische Organisierung Frankreichs Rußland nicht hinreichende Bürgschaften biete. Findet die „Rowoje Wremja" vielleicht, daß die Organisierung der r-ufsischen Armee Frankreich zu befriedigen vermag ? Wenn dem so ist, dann kann man das nur komisch finden. Die Gedanken streifen nach den mandschurischen Ebenen, nach den Meeren in Ostasien, und in Erinnerung an so viele Dinge muß man sich fragen, wo wohl die Bürgschaften einer wirksamen Hülfe verborgen fein müssen, die bie russische Militär-Organisierung bieten könnte. Der drolligste Teil des Artikels der „Rowoje Wremja" ist aber der, in dem erklärt wird, Rußland habe dadurch, daß es sich Geld von Frankreich lieh, biefem einen Dienst erwiesen. Diese Flötentone hatten wir schon von Herrn Witte gehört. Das russische Blatt fügt hinzu, daß Frankreich, wenn Ruß- hnib ihm feine Milliarben plötzlich zurückgäbe, in große Verlegenheit kommen würbe. Rußland fönnte das doch einmal versuchen, Spasses halber, und um sich an unserer Verlegenheit zu weiden. Aber es liebt uns im Grunde seines Herzens zu sehr, um uns einen solchen bösen Streich zu spielen. Ernsthaft gesprochen, ist bie Wahrheit vielmehr folgende: Frankreich hat, indem es Rußland all das Geld lieh, das dieses von ihm ©erlangte, dem Zarenreiche einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Die Rlilliarden wurden Regierenden anoertraut, die, anstatt sie für die Ausbeutung der großen )leichtümer des Laiides zu verwerten unb dadurch dem russischen ^'olke etwas Wohlstand zu schaffen, sie verschwendet unb sie besonders in einem jämmerlichen Abenteuer zum Nutzen von Schurken, die unbestraft geblieben sind, vergeudet haben. Dieses Abenteuer hat in der bekannten verhängnisvollen Art geendet. Aber es folgt - araus nicht, daß wir, wenn Rußland uns unser Geld wiedergeben will, es unter dem Vorwande ablehnen werden, wir wüßten nichts mit ihm aiizufaiigen. Darum braucht es gar keine Sorge zu haben. Tie Kasse ist geöffnet und wir warten auf die freundliche Hand- beroegung." i Berufsgenvssenschaftstag. M aunhei in, 9. Juli. Aus Dem hier heute abgehalteueu 21. Berussgenossenschaststage sprach sich der Präsident des Reichsversicherungscuntes Dr. Kaufmann, anknüpsend an [] Gladenbach, 9. Juli. Der Maurer Nink in Endbach gelangte am Samstag dadurch in den Besitz eines billigen Sonntagsbratens, daß ihm ein angeschossener Reh- bock direkt in die Küche lief. Der herbeigerufene Jagdpächter, der das Tier knickte und auSwaidete, ließ ein gehöriges Stück Fleisch zurück. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Beienheim starb der langjährige Gemeindercchner Friedrich stellt — In Uellers Hausen war der Landwirt Bernges, ein rüstiger Siebziger, auf der Wiese mit Heuaufladen beschäftigt; die Bespannung des Wagens zog plötzlich an und ging durch, Bernges stürzte von dem schon hoch beladenen Wagen und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. — An 13 jungen Bäumen an der Straße von Inheiden nach Trais-Horloff wurden in der Nacht vom Samstag auf Sonntag die Kronen abgebrochen. — In B er--, stladt wird demnächst ein neues ^chulhaus errichtet. — Der Gräberfund, den Mali in einer Lehmgrube beiOpPcrs - Hofen machte, wurde dem Heimatmuseum zu Butzbach über- wiesen. — In Ober-Mörlen brachen Diebe mehrfach in die Kirche und Kapelle ein, erbrachen die Opferstöcke und beraubten die Opferkasse. Tie jugendlichen Diebe wurden verhaftet. — Ein Orkan richtete im Park Schänbusch bei Aschaffenburg große Verheerungen an. Etwa 1000 Bäume w urdenentwur z e lt. für unzurechnungsfähig, weshalb 'er auf seinen Geisteszu, stand unter sucht werden soll, zu. welchem Zweck die Verhäng lung vertagt werden mußte. Die Fühlung mit der Staatsbehörde. Als der Fabrikant W. M. zu Alsfeld erfuhr, daß der Kaufmann H. St. zu Treysa M. W. B. mit einigen Webern zu Willingshausen, mit denen er selbst auch in Verbindung steht, (&?„ schäfte Macht, schrieb er an eine Reihe dieser Weber, er habe erfahren, daß ein jüdischer Geschäftsmann mit Namen St. versucht mit den dortigen Webern unsaubere Geschäfte abzuwickeln, es nwge ihm sofort Bescheid gegeben werden, wenn er wieder Versuche Mache, damit er den sauberen Geschäftsmann mit der Staatsbehörde in Fühlung bringen kann. Ta St. sich von allem frei fühlte, strengte er Privatklage an und brachte so den Fabrikanten in Fühlung mit der Staatsbehörde, die ihn wegen Beleidigung mit einer Geldstrafe von 100 Mark belegte. Er focht das. vom Schöffengericht Alsfeld ergangene Urteil an, aber die zweite. Instanz hatte keinen Grund, auf die von ihm erbetene Herabsetzung her Strafe einzugehen, zumal noch zweifelsfreier als am ^ochöstengericht festgesteltt wurde, daß sich der Kaufmann ^-t. nicht die geringste unredliche Handlung hatte zuschulden kommen lassen. Weiter wurde durch Verlesen von früher er- gangenen Urteilen festgestellt, daß der Angeklagte mit der Ehre seines Nächsten es nicht so genau nimmt. Beleidigung. _ $er Ha u d els mann N. G. hier hatte dem Schmiedemeister ^5.1 R. von Wieleck in einer hiesigen Wirtschaft unwahrerweise nachgeiagt, er hätte als Gemeinderatsmitglied beim Berkaus eines Bullens mitgewirkt und sich dabei 10 Mk. Vergütung ausge- halten. R. erhob Privatklage wegen Beleidigung und das Schöffengericht verurteilte G. zu einer Geldstrafe von 20 Mark bie Beleidigung in eih.r öffentlichen Wirtschaft gefallen ist, wurde dem Klager auch Die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angeklagten auf Denen Kosten zu veröl sittlichen. Tas von dem Verurteilten angefochtene Erkenntnis fand seine Bestätiguno. genommen. ch Lang-Göns, 10. Juli. Hier ist für nächstes Jahr -ein großes Volkstrachten fest in Verbindung mit dem oberhessischen Banernfest geplant. Unser Ort wäre infolge seiner günstigen Lage von der Main-Weserbahn und inmitten des durch seine noch erhaltene Volkstracht rühmlichst bekannten Hüttenbergs' für ein Volkstrachten- fest.höchst geeignet. - +. Reiskirchen, 10. Juli. Ein bedauerlicher Un- -glücksfa ll ereignete sich hier gestern nachmittag. Die Frau eines hiesigen Landwirts war mit Psuhlfahren beschäftigt und hatte ihr sechsjähriges Söhnchen aus dem Wagen sitzen, während sie vor dem Wagen herging. Kurz vor dem Dorf stürzte das Kind herunter, wurde über-i fahren und trug schwere Verletzungen am Kopfe und an den Beinen davon. Auch soll es noch innere Verletzungen «erlitten haben. — Straßenwart Geis von hier stürzte diese Woche mit seinem Rad und zog sich so schwere Verletzungen im Gesichte zu, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Sitzung des Provinzial-Ausfchusses. 2^ Gießen, 10. Juli. Der Oberkellner Georg Koch zu Bad-Nauheim ist am 31. Januar ds. Js. um Die Erlaubnis zum Betrieb einer Gast- wirtschaft in dem Hause Frankfurterstraße Nr. 189 in Gemarkung Nieder-Mörlen, in dem seither bereits Wirtschaft (Zu den vier Jahreszeiten) betrieben wurde, eingekommen. Der Gemeinderat von Nieder-Mörlen sprach sich entschieden gegen Erteilung Der Konzession aus, einmal, weil er ein Bedürfnis für nicht vorliegend ansah, dann aber auch deshalb, weil Die isolierte Lage Der Wirtschaft eine polizeiliche Ueberwachung sehr erschwere, woraus auch Die seither im Wirtschaftsbetrieb vorgekommenen Unregelmäßigkeiten zu erklären seien. Ter Kreisausschuß des Kreises Friedberg entschied daraus in öffentlicher Sitzung, daß Die nachgesuchte Erlaubnis zu versagen sei. Hiergegen legte der Anwalt des Gesuchstellers Rekurs an Den Provinzial-Ausschuß ein. Ohne dessen Entscheidung jedoch abzuwarten, eröffnete der Gesuchsteller die Wirtschaft in der Zwischenzeü. Tie Folge war em Polizeibefehl des Grvßh. Kreisamts' Friedberg, der dem Geopg Koch Die Weiterführung Der Wirtschaft bei Meidung einer Ordnungsstrafe für jeden Fall Der Zuwiderhandlung von 40 Mk. untersagte. Auch gegen diesen Polizeibefehl rekurrierte der Anwalt des Gesuchstellers an den Provinzial-Ausschuß. Tiefer entschied heute, daß beide Rekurse kostenfällig zu verwerfen seien. Bei Der am 2. August 1906 'vorgenommenen Bürger- in e i st e r w,a hl zu Trais-Münzenberg ergab sich für die beiden Kandidaten Tag und Gorr Stimmengleichheit. Eine darauf am 9. August abgehaltene zweite Wahl hatte Das gleiche Ergebnis. Es mußte Daher zur Losziehung geschritten werden, Das Los entschied zugunsten des früheren Bürgermeisters Tag. Bon einer Anzahl Wähler wurde gegen diese Wahl reklamiert, iiideni behauptet wurde, daß der Kandidat Tag durch Spenden von Geld und von Freibier usw. auf das Ergebnis der Wahl ein- > zuwirken versucht habe. Ter Apeisausschuß 'des Kreises Friedberg kam nach eingehender Beweiserhebung zu der Ansicht, daß es an Beweisen für die behaupteten Wahlbeeinflussungen fehle und bestätigte demgemäß die Wähl des 'Tag. Tie Anwälte der Reklamanten fochten dieses Erkenntnis mittelst Rekurses bei dem Provinzial-Ausschuß an. Trotz Vernehmung einer ganzen Reihe von Zeugen hielt auch der Provinzial-Ausschuß einen Beweis für die behaupteten Tatsachen nicht für erbracht und wies den eingelegten Rekurs kostenfällig zurück. Zur Erweiterung des Bahnhofs Zell-Romrod ist Die Abtretung einer Anzahl von Grundstücken erforderlich, die die köuiglche Eisenbahndirettion auf gütliche Art und Weise nicht zu erwerben vermochte. Sie stellte deshalb Enteig- nungspntrag bei dem Großh. Kpeisamt Alsfeld. Nach resultatloser Verhandlung vor der Lokalkommission legte diese die Akten dem Provinzial-Ausschuß zur Entscheidung vor. Dieser hatte heute zunächst über einen Antrag 1)er Eisenbahndirektion Ku entscheiden. Die bezüglich verschiedener Grundstücke um Ein- weisung in Den Besitz vorbehaltlich späterer Regelung Der Entschädigungssrage nachgesucht hatte. Ter Provinzial-Aus- schuß gab Diesem Ersuchen statt, schied aber dabei ein Grundstück aus, da er bei diesem eine Einsicht an Ort und Stelle für boten erachtete. Tie Urteile in Sachen: Aufbringung Der Kosten des Getan deerwerbs Für Die Nebenbahnen Butzbach — Lich und—- a u buch M ü cke wurden zum Schlüsse noch verkündigt. Gießener Strafkammer. Reichsgerichtsbricfe. : Nachdruck verboten. J. 8. Leipzig, Juli 1907 Ist die Ausübung der ärztlichen Praxis als versicheruna's« pflichtiger Gewerbebetrieb zu betrachten? Diese Frage hat Das Reichsgericht kürzlich in einer Streit- - fache der praktischen Aerzte v. G. und W. gegen Die gemein- - l-ame Ortskrankenkasse zu Hannover verneint. Die l Klager sind Spezialärzte sür Frauenkrankheiten und halten in ; Hannover für Die Zwecke ihrer Praxis eine Privatklinik. In Der- 1 ielben sind eine Oberin, zwei Schwestern, eine Mamsell und vier Dienstmädchen, gegen Gehalt und freie Station beschäftigt. Tie Ortskrankenkasse hat nun mit der Begründung, Der klägerische : Betrieb stelle sich als ein stehender Gewerbebetrieb Dar, Die Kläger : veranlaßt, Das erwähnte Personal für versicherungspflichtig bei ihc 1 anzumelden. Nachdem die Kläger diese Verpflichtung erst bestritten halten, enischied Die Aufsichtsbehörde und Der Magistrat von Hannover zu Gunsten Der Krankenkasse. Daraufhin haben Die : Kläger diese Entscheidung im Rechtswege vor Den ordentlichen Gerichten angefochten. _ .Tas Landgericht Hannover hat zu Gunsten Der beklagten Ortskrankenkasse auf Abweijung Der Kläger erkannt. Tie Be- r u f u n g Der Kläger wurde vom Oberlaiidesgericht Celle lüLet-rK Dahingegen schloß sich das Reichsgericht anläßlich der Revision der Kläger Den Vorderrichtern nicht an sondern erkannte für A u f h e b u n g d e s o b e r l a n D e s gerichtlichen Urteils. Der erkennende VII. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes führt hierzu aus, daß es zunächst lischt aufrecht zu erhalten fei, daß Der ärztliche Berns als solcher, lucmt er zuni Zwecke des Erwerbes ausgeübt werde, schon einen Gewerbebetrieb darstelle. Er nimmt Bezug auf Urteile des VI. Zivilsenats des Reichsgerichts vom 4. Oktober 1906 und des IV. Zivilseiiats vom 6. Vlärz 1906, die denselben Standpunkt vertreten und erklärt noch daß die Ausübung der ärztlichen Praxis allein kein die Versicherungspfücht des Persoiials des Arztes bedingender Gerne r- bebet rieb sei, auch werde durch besondere Äestiniinung, iuie dies hinsichtlich der bei anderen ebenfalls nicht Gewerbetreibeiidcn (Anwälten, Notaren, Gerichtsvollziehern 2c.) beschäftigten Persons geschehen fei, Die Versicherungspflicht Der Bediensteten des Arztes nicht festgesetzt. Es sei das deshalb nicht für ratsam erachtet, weil ich bei ihnen schwer entscheiden lasse, ob sie Dieiistboten oder im Geschäftsbetriebe beschäftigte Personen feien. „ Was die Privatkrankenanstalt der Kläger betrifft so führt das Reichsgericht aus, daß es darauf ankomme, ob dieselbe — was die Kläger bestreiten — einen selbständigen Erwerb abwerfe. Da das Oberlaiidesgericht hierüber keine Belveiserhebuiia angestellt hatte, ivurde die Sache zur Untersuchung über diesen Fall noch einmal an das Oberlandesgericht Celle zürückverwiesen. Deutscher Landwrrtschaftsrat. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) 8. u. H. Schwerin, 10. Juli. Unter dem Vorsitz des Reichs- imi) Landtagsabgeordneten Grafen Schwerin-Löwitz trat gestern Der Ausschuß des Deutschen L a n d w i r t s ch a f t s r a t s zu einer geschäftlichen Sitzung zusammen. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wiirde über deii Reichsgesetzentivurf betr. Abänderung des Gesetzes über den U n t e r sl ü tz u n g s w o h n s i tz beraten. Ten Bericht erstattete Freiherr v. Zello-Reichertshausen. Er wies Dn- rauf hin, daß Die zum Erwerb des Unterstützungswohnsitzes bestimmte Frist von zwei Jahren mit ein Jahr nach Dem Entwurf herabgesetzt werden soll, auch soll das Alter des Anwärters vom 18. auf das 16. Jahr reduziert werden. Der Referent wies weiter darauf hin, daß der Fall der Erkrankung eines Arbeiters nachdem Entwurf auf alle Fälle der Hülssbedürftigkeit ausgedehnt werden soll, auch auf Schwaiigerschaft. Der betr. Ortsarmenverband ist zur Unterstützung auch noch eine Woche nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses verpflichtet. Auch soll sich die Unterstützungspflicht auf die bet dem erkrankten Arbeiter befindlichen Angehörigen erstrecken, sofern diese nicht selbst m einem Arbeitsverhältnis ge- tanden haben und anderweitige Unterstützung erhalten. Tie Dauer der endgültigen unentgeltlichen Jürsorgepflicht soll von 13 auf 26 Wochen ausgedehnt werden. Ferner ist Die Neuerung ein- geführt, daß die Unterstützung eines hülfsbedürftigen Deutschen, der keinen Unterslütziuigswohiisitz hat und aus dem Auslande in das Inland übernommen werden muß, nicht nur auf Verlangen ausländischer Staatsbehörden, sondern auch auf Antrag eines Konsuls oder Gesandten des Deutschen Reiches zu erfolgen hat. Unter- tützungspflichtlg ist der Bundesstaat, in dem der Hülfsbedürftige einen letzten Unterstützungswohnsitz gehabt hat. Der Buiidesstaat kann diese Verpflichtung auf seine Armen- verbände übertragen. Die Regelung kann durch Laiidesgesetz er- olgen. Der Referent hob hervor, daß durch die verschiedenen Bc- timmungen eine Entlastung der Armenverbäiide herbeigeführt verde. Den Interessen des fluchen Landes, dessen Bevölkeniiig ortwährend in Den Städten zuwandert, sei damit Rechnung getragen. Die Ausdehnung der Hilssbedürstigkeit belaste naiürlich aber die Armenverbände des Landes ebenso wie die der Stadl. Nur durch die Herabsetzuna Der Fristen zum Erwerb des Unter* tütznngswohnsitzes sei in Folge der Binnenwanderung das flachc Land besser gestellt. Diese Herabsetzung der Frist hat Der Deutsche Landwirtschastsrat schon im Jahre 1892 gefordert. Auch Die Erweiterungen der Unterstützuiigspflicht der AufenthaltsgemeinDeii entspreche im großen und ganzen den Beschlüssen des Landwirtschaftsrats. Nach eingehender Erörterung beschloß der Ausschuß, die Landwirtschastskammern und Zentralvereine zu gutachtlicher Aeußerinig zu veraiilassen und nach deren Eiiitreffen Die Beratung Durch eine Kommission Des Deutschen Landwirlschaftsrats vornehmen zu lassen, eventuell Den VorstanD zu ermächtigen, zu diesem Gegen- tand nach dem Wiederzufammentreten des Reichstags aut Grund Der Kommissionsberatung etwaige Anträge an den Reichskaiizler zu (teilen, falls nicht die Verhandlungen Des Reichstags Den Auf- chub Der Beratung bis zur nächsten Plenarversammlung Des Deutschen LanDwirtschaftsrats ermöglichen miirDen* | Dann erscheinen Die Drei Stück Stoff, ausreichenD für Drei Herrenanzüge. Jetzt erschien aber auch Der Pferdefuß, Handtuch,' Tischttlch und Herrenstosfe werden nur zusammen abgelassen, und zwar für 65 Mk.; ja, da es so schlechtes Wetter ist und er absolut verkaufen muß, will er die ganzen Sachen für — 50 Mk. — ausnahmsweise — einmal lassen. Als wir den Stoff betrachtet, und dem Kaufmann unsere Bedürsnislosigleit klar gemacht, verschwindet er mitsamt Gehilfen etwas kühler, Doch immer noch höflich. Nach unserer Schätzung hat genannte Ware höchstens einen Wert von 25—30 Mk. Ta Die Herren ihr Manöver sicher noch in anDeren Orten unseres Vogelsbergs wiederholen, so sei hiermit davor gewarnt. Dutenhofen, 9. Juli. Zwischen unserem Dorfe, 9lllendorf und Klein-Linden treiben einige Tagediebe ihr Wesen. Sie belästigten in diesen Tagen fortgesetzt die Leute ! und packten eine wehrlose Frau an. Die Polizei ist einfri ! hinter den Stromern her. Man ist der Ansicht, daß der Einbruch auf der ^Biirg^ in Klein-Linden von ihnen ausgeführ wurde. ? EhrinbZhausen, 10. Juli. War auch die Witterung wenig einladend, es schadete nichts', wenn Der Dia naburg-Verein einen Vers ammlungstag hat, so ist man immer in großer Zahl auf Dem Plane. So auch heute im Wallbruch'schen Gasthofe. Neben Vorträgen wissenschaftlicher und volkstümlicher Art kommt dabei stets die Gemütlichkeit zu ihrem Recht. Dem Gründer des Vereins Dr. Liebe, Leiter der Heilanstalt Elgershausen, weiß man.dafür von vielen Seiten Dank. , lfl Aus der Wetterau, 10. Juli. In Berstadt schlug Der Blitz in den Kirchturm und beschädigte das Dach und die Orgel. — Schwere Verletzungen erlitt in Gambach ein Arb'Diter in einem Sägewerk. Er geriet ,in den Transmissionsriemen und wurde rundherum geschleudert. Er wurde bewußtlos heimgebracht. Friedberg, 9. Juli. Bei dem Wahlkreisfest Les Bundes der Landwirte, das am Sonntag, 21. Juli, auf dem Selzerbrunnen bei Groß-Karben stattfindet, hält .Chefredakteur Dr. Oertel aus Berlin die Festrede. Weiter^ -werden sprechen Graf Oriola sowie der Abg. Hirsches, Köhler^ und Korell, I -Schotten, 10. Juli. Ten fortgesetzten Bemühungen der hiesigen KreisfchulkomMission ist es gelungen, in fast trifen Gemeinden des Kreises das Dort noch eingeführte lSchulgeld aufzuheben. Nur in zwei Orten wird nunmehr noch Schulgeld erhoben. Wcks in den verhältnis'- mäßig armen Gemeinden unseres Vogelsbergs möglich ist, sollte bei einigem guten Wllen der Ortsvorstände auch in anderen Gegenden möglich sein, zumal das in Volksschulen ^.zur Erhebung kommende Schulgeld durchaus nicht mehr mnjeren heutigen Zeitverhältnissen entspricht. /r Herbstein, 10. Juli. Der kath. Kirchenvorstand !beschäftigt sich gegenwärtig mit Der Erbauung eines neuen Kranken- und Schwesternhauses. DaS seitherig^ Schwesternhaus gehörte den Schwestern i. n. Der ^Genossenschaft der Schwestern zu Mainz, tonnte aber nicht Zur Ausnahme von Kranken verwandt werden. Es ging nun schenkungsweise an Den Bauherrn Des zu erbauen Den Hauses über. Der Bauplatz von 1350 Cm. wurde von dem Stadtvorstand zur Verfügung gestellt. Außerdem sind bis jetzt wettere 6000 Mk. sür Den Neubau zusammenaebracht worden. ' i- Lauterbach, 10. Juli. Die hiesigen Maler submrsiwnierten geschlossen auf die Maler- und An- st r e i ch e r a r b e i t e n in Der Turnhalle mit einem Angebot von runD 5000 Mk., während von einem außer-1 halb dieser Genossenschaft stehenden Meister, dem Voranschlag Der Bauleitung entsprechend, nur 2800 Mk eingelegt wurden. Go n ter s ki r ch e n, 10. Juli. Hier sind vergangene Woche wieder zwe: neue Typhusfälle vorgekommen, Die sicherlich aus Ansteckung zurückzuführen finD. Alle anfänglich Ertränkten befinden sich auf dem Wege langsamer Genesung. O Gonterskirchen, 10. Juli. Gastwirt T a h m e r ' chrer, Der vor etwa vier Wochen Durch ein auswärtiges Wasserfuhrwerk übersahren wurde, ist plötzlich gestorben. Er träufelte seitdem, jedoch hatte sich sein Besinden wieder soweit gebessert, daß er Daran Dachte, das Bett verlassen : ?u können. Tie Sache dürfte noch ein gerichtliches Nach- Ipiel haben, es findet heute Durch Das Laubächer Amts-ft gerrcht und Den Kreisarzt aus Schotten die Sektion der ' Leiche statt. Ä )( Gießen, 9. Juli. Geld zum Trinken. Ter 23jährige T.aglöl-ner F. A. von Nieder-Ge- m un Den erschwindelte sich bei einem Kaufmann zu Homberg ^a. Ohm einen Roch indem er angab, er sei von seinem Bruder geschickt, der die Schuld begleichen werde. Sein Bruder hatte ihm aber weder einen Auftrag gegeben, noch war er zur Begleichung der Schuld zu bewegen, da A. schon mehrfach Schulden auf den Namen, seines Bruders gemacht hat, die dieser bezahlen _ r5n Dietern. Falle hat der Angeklagte Den erschwindelten Roa wfort zu einem Tritte! des Einkaufspreises an einen Maurer verkauft, um, wie er selbst zugab, Geld zum Trinken zu be- wmmen. Es liegt Betrug im Rücksall vor, wofür Die Mindest- Uraie Drei Monate Gefängnis ist, auf welche Strafe erkannt wurde. Unzurechnungsfähig? s.r -alergehilfen G. S. aus Eisenach, per Die Tochter eines hiesigen Bäckermeisters und eines Gast- unsittliche Handlungen belästigte, und ein Mädchen £5“ vulltttiaien Anträgen üeriolgte, wurde unter Ausschluß Der Oessentlichkeit verhandelt. Tem Vernehmen nach hält er sich O Grebenhain, 9. Juli. Am 1. Oktober wird Kreisstraßenmeister Berckes hier in Den wohlverdienten Ruhestand treten. B., der im 65. Lebensjahre steht erfreut sich nicht nur in seinem Tienstbezirk, sondern auch Darüber hinaus allgemeiner Beliebtheit und sein-Scheiden aus Dem Tienst wirD deshalb allerwärtö bedauert. ... us Dem Vogelsberg, 10. Juli. Kommt Da metn Hbrr zu uns und stellt sich mit höflichster Beredsamkeit als Kaufmann vor, der auf einer ganz gelegentlichen Durchreise seine Maren offeriert, Die l u r 1 eDen Preis ablasse. Dabei zeigt er nur ein Handtuch vor, Das er — es hat ungefähr einen Wert von - Mr 10 Pfg. verkaufe. Er spricht von einer feinen Tischdecke, Die einen LaDenwert von 4.50 Mk. habe Die er abet ,ur — -->0 .Pfg. abgibt. Nun hat er aber noch Drei etua cherrenstosf. Die er gleichfalls ganz unter ihrem wirk- lichen -u^rt abiassen will. „Der Köder ist nicht übel" denken,, wir und „Bitte holen Sie mal Ihre billigen Sachen laufet der von dem Herrn Reisenden gewollte; Austrag. Her Herr Kaufmann verschwindet und kehrt bald mit einem Gehilfen zurück, Der Die Sachen schleppt. Nun rommt zu dem billigen Handtuch die noch billigere Tischdecke, Mirabellen usw. vorherrschende Säure greift die Schleimhäute des Mundes (Zusammenziehen), der Speiseröhre, des Magens, besonders aber die der Därme äußersst heftig an, macht sie zur Verarbeitung anderer Speisen auf längere Zeit unfähig, ja in vielen Fällen trat nach häufigem Ge- 'nusse unreifer saurer Früchte der Tod nach langem, qualvollem Kraukenlager ein. Es ist deshalb für Aufklärung unserer Jiigend über die Gefahren des unreifen Obstes ausgiebig E-orge zu tragen. ** 1847 — 190 7. Die Vereinigung der im Jahre '18 4 7 geborenen Alter sgenossen feierte am !Samstag unter recht zahlreicher Beteiligung ihren gemein- ischastlichen Gehurtstag. Die in allen Tellen schön arrangierte Feier wurde mit einem Festessen bei dem Altersgenossen Muth, Hotel Prinz Heinrich, eröffnet und verlies bei Konzert, gemeinsamem Gesang, Ansprachen und Vorträgen in schönster Weise. Tie am Mittwoch nachmittag stattgefundene Zusammenkunft und Feier im Philo- sophenwald mit Familie und photographischer Aufnahme bildeten den Abschluß des schöuen Festes. Der Küche von Mutter Vttith und Herrn Harnickel gebührt alle Ehre. ** „O b e rh es s is ch e Eisenbahner"! Auf Anregung des aus dem früheren Bezirk der Großh. Direktion der Oberhessischen Eisenbahnen vor 10 Jahren versetzten Personals, das mit oberhessischer Zähigkeit an seinem früheren Wirkungskreise hängt, der für die meisten auch ihre Heimar ist, ist, wie uns mitgeteilt wird, für Sonntag den 4. August eine Zusam men tun f t in Gießen, dem früheren Direttionssitz, geplant. Anmeldungen dazu /werden von Oberbahnassistent Fritz Dörner, Ludwigstr. 31, -und Wagcnmeister Otto Müller bis 20. Juli 1907 entgegen- i r । r i )f n ii । e t; i i K r i 5 1 D I I 1 • 1 i s X I < t - Bäder und Sommerfrischen. 190" TeäefomscSte Reichsanleihe Prince-Henri-Eisenbahu . 213.20 ec eiben Verantw. für Feuilleton und allgem. Teil: In Vertr. Ernst Hess. 224.50 71.30 195.20 216.10 28.70 117.90 143.80 11. Juli. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. < Laurahütte . . . Lombarden E. B. . . Nordd. Lloyd . . . . Türkenlose . . . 95.10 187.00 28.75 140.90 132.50 . 153.50 129.60 < 224.50 . 144.50 . 169.30 . 138.80 . 203.90 66.10 66.80 91.15 90.75 95.00 143.60 48.60 84.50 62.25 96.10 reih 94.25 83.95 92.60 94.00 98.30 98.10 93 20 ilörse, . 171.00 . 93.85 . 83.70 Tü inei il. < Hten In & nb n do. Konsols do. Hessen Oberhessen' 3M7< berliner Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: lustlos. Wk 3% Ter Deutsche Berussgenossenschaftstäg wählte Kiel zum Ort er nächstjährigen Verbandstagnng. Berliner Handelsgcs Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthard bahn . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staats bahn . Familieir-NachVlchten. Gestorbene: Frau Oberlandesgerichtsrat Wwe. Emma Psannmütler, geb. Scharmann tu Darmstadt. — Frau Dekan Bertha, Schneider, geb. Kabelt in Lixfeld. — Herr Georg Seysried in Butzbach. Ekngesan-t. Mr Aorm und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem BubliL'm gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nach und nach scheint sich unsere Stadtverwaltung Mühe zu geben, die Strotzen in den St a n b z u setzen, soiveit dies den Verhältnissen entsprechend jetzt möglich ist. Die Hofmann- tratz e scheint ledoch ganz in Vergessenheit gekommen zu sein. Dringend bedürf sie der notwendigsten Reparatur, umsomehr als S. K. H. der Großherzog gelegentlich des Universitäts-Festes "in sie kommen werd. Hoffentlich genügen diese kurzen Zeilen, um bald Abhilfe hier zu schaffen. * Die beiden Torhäuschen am Theater machen jetzt nach ihrer Renovation einen recht netten Eindruck. Aber einen Ar tet, r Schiffsnachrrehten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 4. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Toppelschrauben-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm II.", Kapitän O. Küppers, vom Norddentschen Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen. h klil, kur des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Siörse, 11. Juli. 1.15 Uhr. Gerkchtsfaal. Landau, 10. Juli. Die hiesige Strafkammer v e r -- urteilte den Rhodter Weinhändler Entzminger wegen W e i n f ä l s ch u n g zu 5 Monaten Gefängnis und 1000 Mk. Geld- ftrafc und seinen Sohn wegen Veihülfe zu einem Monat Gefängnis. 88 Wilder Wein rvurden eingezogen. Straßburg, 10. Juli. Das Kriegsgericht verurteilte den Leutnant S a b i n s k i vom 97. Regiment in Saarburg laut ^Volksstimme" wegen Mißhandlung seines Burschen mit dem Sabel zu 6 Wochen F e st u n g. enz eines großen Fensters, das auf das Vestibül der »ersität herausging und an dem sie jeden Tag vorüber- 'n. Ein Hörer antwortete, daß er sich nicht daran er- m könnte, und nur 8 bestätigten, daß dieses Fenster da An einem anderen Tage wiederholte Claparede einen 'gebenen Aussagen von Zeugen aufzunehmen sind. Im ie i e seiner Vorlesungen über Kriminalanihropologie verteilte ,£e Professor unvermutet unter seine Hörer Blätter aus weißem ftk' ICC und bat sie sofort auf etwa 20 Fragen schriftlich zu inrten. di? sieh ßSnnpnffnnfcp bomrton hin im _ it aid der Grundlage gegenseitigen Vertrauens zwischen, den n'sgenossenschasten und dem Reichsversicherungsamte. Er gebe ... Hoffnung Ausdruck, daß dieses Verhältnis sich weiter fortbilden uf kralligen werde zum Segen des gemeinsamen Vaterlandes. Die sührungen sanden allseitig lebhaften Beifall. Bedeutung, welche die Stadt Mannheim als Handels- und dustrreempormm sich erworben hat, anerkennend über die selbst- ; crsolgrerche ^^likett der berussgenossenschastlichen Organe aus. er verständnisvollen -Tätigkeit sei es zu danken, daß es im ^"tlichen gelungen et, die Absichten der sozialpolitischen Botschaft icr Wilhelms II. segensreich durchzuiühren. Ter sogenannte rte %land verdanke gerade dieser vaterländischen Gesinnung der .'eitgeber seine Krastigung und soziale Hebung. Die Berufsge- jonschaften hatten sich auch als Förderer allgemeiner beruflicher oressen erwiesen uiid besondere politische Bedeutung erlangt, tf. ■■ ir.. UHg vermischtes. M * Der Wert der Zeugenaussagen. Nach dem Ebg‘ai gange deutscher Psychologen und Juristen hat jetzt auch )e[J italienischer Gelehrter, Claparede, interessante Experimente tat q stellt, die beweisen, wie schwierig es ist, über einen Vorbei i ;, den man beobachtet hat, eine exakte Arrssage zu machen mit welcher Vorsicht daher auch die im besten Glauben recht freundlichen und imposanten Eindruck würden sie für benT notf)°Srh"geen?Unb «ÄUft«, nsthfj « ^eitslohne der Zigarrenarbeiterinnen wirklich so Ä Sux ’V .^^andlung so schlecht ist, wie das letzte Flugblatt sie schlldert, dann ist dem Einsender, welcher vollständig U'lbf elltgt rft, e^was nicht klar. Tie. D i e n st b o t e n v e r- haltnrsse m Gießen sind ,eit Jahren recht mißliche, da em ^Esonders tm Sommer, kaum mehr zu haben ist. Sehr hohe Lohne werden bezahlt, nebst Wohnung und Beköstigung • stanz von den Weihnachtsgeschenken abgesehen. Die Beschäftiauna 1 L?^llnde und die Mädchen lernen für ihre zukünftige Stellung als Hausfrauen viel mehr als in den Fabriken. Da muß man sich doch fragen, warum gehen die Mädchen nicht in solche Stellungen wenn chre Lage wirk sich io elend, wie sie geschildert wird ist? ' bcsscrungen der Bademittel wegen auf viel stärkeren Besuch ehret. Im alten Badehause waren bei her Saisoueröfnuing Bäder von 70 Pfg. auf 1 Mk. erhöht worden. Im neuen ruyg ohaus kostet das Bad vormittagsl 1,50 Mk. und nachmittags t Mk. Ter Berkehrsverein hatte um Herstellung der alten ife für das alte Badehaus ersucht, weil eine das Bad schädigende ahme der Bäder befürchtet wurde. Dem Gesuch wurde "keine ;e gegeben, und die Abgabe der Bäder hat sich bedeutend ziert. Meist fehlen die zahlreichen früheren Besucher aus Umgegend. Arbeiterbewegung. Rotterdam, 9. Juli. Fast alle hiesigen Schteppdampfer- reedereien, sowie die bedeutendstenDordrechterRheinschleppdampfer willigten in die Bedingungen der Arbeiter ein. Der Aus st and der M a s ch i n i st e n und H e i z e r ist somit nahezu beendet. Br es eia, 9. Juli. Nachdem der Generalstreik gescheitert ist, kehrten die Streikenden zur Arbeit zurück. — Der Antimilitarist Samueli wurde wegen Beleidigung des Offizierkorvs zu 37 Tagen Arrest verurteilt. iat§ atz d QU n ein leir ng, gekündigt hatte, ließ er eine verkleidete Person in den Hörsaal ewtreten. Kaum hatte man diese bemerkt, so wurde sie ivieder hinausgeworfen; sie blieb nur etwa 20 Sekunden in dem Hörsaal. Wenige Tage darauf wurden dieselben Zuhörer aufgefordert, die Person, die damals eingedrungen war, aus 10 maskierten Individuen herauszuerkennen. Nur 4 von 22 Hörern erkannten den Mann wieder; 8 schwankten zwischen ihm und anderen Personen, und 10 bezeichneten mit Bestimmtheit eme falsche Person. Das Resultat aller dieser Versuche ist immer das gleiche: man sieht, wie wenig man sich auch auf anscheinend ganz sichere Erinnerungsbilder verlassen kann. twö Wissenschaft. *5' 9. $uli. Tas Geschenk, das der amerikanische Milliardär E a r n e g t c der Stadt Berlin zugedacht hat, schemt nunmehr greifbare Formen anzunehmen. Wenigstens weiß der gestern m Paris erschienene Newyork Herold aus Berlin zu berichten, daß Andrew Carnegie der Treptow-Sternwarte den Betrag von einer Million zweihunderttausend Mark znr Verfügung gestellt habe, damit Arcbenhold, der Direktor der Sternwarte in den Stand gesetzt werde, für die aus 7000 überaus wertvollen Büchern bestehende Bibliothek der Warte ein neues feuersicheres Gebäude zu errichten. Paris, 9. Juli. Der amerikanische Astronom Bowell meldet hierher, daß die Marsbebbachtungen auf der Sternwarte von Flagstaff (Arizona! vortreffliche Ergebnisse liefern, daß msbesondere bie Schneeschmelze auf den Gebirgszügen des Mars und der Abfluß von Wasserniaffen nach den Kanälen mit solcher Genauigkeit beobachtet wurde, daß fortan jeder Zweifel an der Existenz der Kanäle ausgeschlosseii erscheint. 4% Oesterr. Goldrente. . 41/s % Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . . 3-6 Portugiesen Serie I . 356 Portugiesen „ III 4>2°/0 russ.Staatsanl. 1905 416% japan. Staatsanleihe 4 % Co uv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4-6 Griech. Monopol-Anl. . 4-6 äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . 4>ä% Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W . . Tendenz: schwächer. >^jo »ich in etwas anderer Form, den schon Professor v. Liszt stellt hat. Ohne daß er seinen Zuhörern etwas an- Er. willen, die sich auf Gegenstände bezogen, die im Üniversttäts- ude waren und von den Zuhörern täglich gesehen iverden rech. ten. Von den 54 Hörern vermochte nicht ein einziger acht Fragen über das Universitätsgebäude völlig richtig i ntroorten. Von den 54 Personen vc-rneinten 45 die 1 Bad-Salzhausen, 9. Juli. Tie Hotels und Pen- Ä ^Häuser sind gut besetzt, jedoch hatte man der bedeutenden % ein sie durch gemeinsanw Arbeiten Nord und Süd des deutschen 'oUandes einander genähert unb das gegenseitige Verständnis -r idert batten, und luenu auch manches bei den Berufsgeuossen' N ....... ....... Elektriz. Lahmeyer . . . 121.20 Elektriz. Schlickert . . . 106.20 Eschweiler Bergwerk , . 213,20 Gelsenkirchen Bergwerk . 192.00 Ham bürg-Amerik. PaketL 132.90 Harpener Bergwerk. . . 197.50 Laurahütte......216.10 Nordd. Lloyd . ... 118.10 Obeischles. Eisen-Industrie 105.50 ücn 5(^1^1111^5^ sei, so habe er doch in seiner langjährigen trbti chäftigung mit den genossenschaftlichen Fragen die gewisse lieber- c^it- Ning gewonnen, daß die B e ru is g e n os f e ns ch a f t e n im gemeinen ihre Aufgaben g e l öst haben. Auch der Verband ichttl^ Berufsgenossenschaften habe auf manchem ivichtigen Gebiete lhkr, ernd mitaewirkt. Er könne mitteilen, daß ans seine Anregung Ci ^uch die Eisen- und Stahlberufsgenossenschasten sich grundsätzlich llt erklärt hätten, dem Verbände beizntreten. Alles das sei er-