Nr. 187 Zweites Blatt 157.I Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener §amilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kidsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Montag 12. August 1907 r Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ] 12. Tel.-Adru AnzeigerGießen. Ale in Marokko. Aus Rußland. Deursches AeLetz. Wilhelms höhe, 10. Aug. Tas Kaiserpaar mit Prinzessin Viktoria Luise unternahm heute morgen einen Spazierritt. Später arbeitete der Kaiser allein. — Ter Ches des Zivilkabinets, von L u c a n u s, ist heute abend hier eingetrossen. v. Donat wegen tieften Aussagen im Petersvrozek Strawn- r nl? ^^^itung eines Offizialverfahrens ersucht. Braunschweig, 10. Aug. Heut enachmittag traf der König von Siam mit dem Prinzen Paribatra und Gefolge zum Besuch des Regenten hier ein. Er wurde am Bahnhof vom Herzog Johann Albrecht sehr herzlich begrüßt. Man fuhr durch die vorwiegend nut siamesischen Fahnen und mit Girlanden reich geschmückten Straßen im offenen Vierspänner und großem Vorrttt nach dem Schloß. Um sieben Uhr fand tm Schlosse Galatafel statt, dann Festvorstellung im Hoftheater. Braunschweig, 11. Aug. Heute vormittag begab sich der Herzog-Regent o hann-Albrecht mit dem König von Siam und dem beiderseitigen Gefolge nach Bad Harzburg, wo eine eingehende. Besichtigung des Hofgestüts in Bündheim stattfand. Nach dem in Bad Harzburg eingenommenen Frühstück wurde eine Fahrt durch die Berge unternommen; während ein Teil des Gefolges nach Braunschweig zurüäkehrte, unternahm der Herzog- Regent mit dem Gaste — abweichend vom Programm — eine weitere Fahrt in der Harz hinein in der Richtung nach Blanken- b u r g. Heute abend finden im Hoftheater Vorträge der vereinigten Gesangvereine statt, an die sich im Residenzschloß ein Tiner anschließt. Bo ch u m, 10. Aug. Ter seit 1864 bestehende Kriegerverein in Speckhoeven hat sämtliche Kameraden, die Angehörige des alten Bergarbetterverbandes sind, aus dem K'riegerverein ausgeschlossen. G r e i %, 11. Aug. Tie G emeindew ähler in Hohenölsen (Neuß-j. L.) haben gestern den von der Greizer Regierung seines Amtes enthobenen bisherigen Vorstehers, Hermann Herzog, mit großer Majorität zum dritten Mal wiedergewählt. Herzog war wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemo- kratie abgesctzk worden.___________________ AusZES. Marienbad, 11. Aug. Ter englische Premiers m i n i ft e r C a m p b e! l - B a n n e r m a n n trifft am 15. d. ,M. Au vierwöchigem Kurgebrauche hier ein. Wien, 11. Aug. .Wie die „Zeit" erfährt, wurde das Rekruten kontingent der öfterreichischen Kriegsmarine um 4000 Mann v ermehrt. Rom, 10. Aug. Kardinal Sv ampa, Erzbischof von Bologna ist gestorben. Beim letzten Konklave hatte Domenico Svainpa, der der äußersten Linken angehörte, viele Aussichten. Soeul, 10. Aug. Die köreanischen Truppen in Hondschu und Wondschu haben sich empört. Japanische Kavallerie ist unterwegs zur Unterdrückung des Aufstandes. In Wondschu ist die Lage besonders ernst, da bürgerliche Elemente sich den Truppen, rvelche die japanischen Offiziere verjagt haben, angeschloijen haben. Tie abgegangenen japanischen Truppen dürsten heute abend in Wondschu erutressen. vvujyuuiic, uno Bullay, ts's heißt, daß die Telegraphisten ^san Franziskos und Oaklands^ sich heute der Bewegung amchlreßen. 3000 Telegraphisten der, vötabt Newyork wollen heute eine Versammlung abhalten, um über ihre Beteiligung an dem Ausstande zu beraten. Ver- famnuuilgen zu gfcicijent Zweck werden auch in zahlreichen anderen Städten veranstaltet. Tie Telegraphisten der Western Union Companh tn \£>t. Louis schlossen sich am 10. August abends dem Ausstande an. — Der Ausstand der Telegraphisten hat sich bis gestern abend über 50 Städte ausgebreitet. Die Uiiruhen blieben auf den Westen von Chicago beschränkt. — Weiteren Meldungen zufolge wurden bei dem Ueberfall auf den Tainp^er „T^chernomor" den Reisenden 10 000 Rubel und—auch dec ^chiffskasfe 1700 Rubel geraubt. Kassel, 10. Äug. Ter König von Siam besuchte heute vormittag die Gemäldegalerie und besichtigte die Prunk- räume ldes Stadtschwsses. Um 113/^ Uhr erschien der Kaiser in Hosjagduniform mit den Herren des Gefolges zum Besuch beim König und geleitete diesen dann in offenem Automobil zum Hauptbahnhof Kassel. Der König reifte um 12 Uhr nach Braunschweig ab. - Wilhelmshöhe, 11. Aug. Ter Kaiser, die Kaiserin, sowie Prinzestin Viktoria Luise nahmen heute vormittag mit Gefolge an dem Gottesdienst in der Schloßkapelle teil. Zur Frühstückstafel waren geladen: Fürst und Fürstin ^u,bnrg und Büdingen mit vier Prinzeisinnen Töchtern, sowie der Intendant dec Königlichen Schauspiere in Kastel, Gras Bylandt-diheydt und Pfarrer Weber. i , M ü n chen, 10. Aug. Nach Meldung hiesiger Abendblätter hat der.Rechtsbeistand von Br. Peters gegen Maior Zum Kall- Kau liegen heute folgende Meldungen vor: Der Zeuge v. Lindenau wurde am Samstag nachmittag ‘ nach der Mordstelle in Baden-Baden geführt und in Gegenwart des Staatsanwalts Tr. Bleicher und verschiedener Kriminalbeamter vernommen. Er bleibt dabei, an dem Mordtage in Baden-Baden gewesen zu sein und alle Vorkommnisse gesehen zu haben. Er wurde darauf mit Frau v. Reitzenstein, die am Mordtage den Mann mit dem grauen Bart gesehen hat, konfronttert. Tie Aussagen v. Lindenaus bei der Konfrontation mit der Freifrau v. Reitzenftein waren nicht mehr so bestimmt, wie an den vorhergehenden Tagen, namentlich haperte es an der Festsetzung der Strecken und Seiten. Lindenau ist vorläufig irrt Amtsgerichtsgesangnis zu Baden-Baden gelassen worden. Man erinnert sich, daß Freifrau v. Reitz en stein an dem Mordabend aus dem Wege zum Briefkasten sowohl die Damen Molitor wie Hau, als auch einen Mann mit einem grauen Bart gesehen hat. Ihre Aussagen wurden seiner Zeit beim Prozeß nicht vollständig eutgegengenonimen. Freifrau von Reitzenitein machte jetzt einem Journalisten folgende interessante Angaben: K An dem Abend am 6. November war es um 6 Uhr noch nicht vollständig dunkel, foitbent erst Dämmerung. Die Laternen, brannten berdits. Mir ift erinnerlich, daß auch die Villa Schotter, vor der der Mord passierte, vollständig erleuchtet! war. Als ich zum Briefkasten ging, kam mir ein Mann entgegen, der mir sehr auffällig erschien. Er hatte den Mantelkragen hochgeschlabeit und seinen Hut tief ins Gesicht gedrückt. Als ich mich aus dem Rückwege befand, begegneten mir auf der anderen Seite die mir dem Ansehen nach bekannten Damen Molitor. Einige Schritte hinter ihnen bemerkte ich einen alten Herrn, der den Damen folgte. Ich beobachtete ihn an der Seite. Da ich gute Augen habe, erfamitc ich, daß er einen graumelierten Schnurrbart und einen ebensolchen sog. Fwanz Josessbart trug. Er hatte also keinen Vollbart, wie früher behauptet wurde. Ich sah genau, daß er einen braunen Mantel und einen schwarzen weichen Filzhut trug. Erst jetzt ist es mir eingefallen, daß ich schon früher einen solchen Herrn, den wir den Oesterreicher nannten, aus der Stadelheimer Straße kommen sah. Jch t-abe ihn damals für einen Badener gehalten. Jetzt, nachdem Herr v. Lindenau mit seinem Zeugnis an die Oessent- lichkeit getreten ist, erscheint es mir sehr merkwürdig, daß er österreichtsche Barttracht trägt. Ich habe den Herrn aus einer Entfernung von 5—8 Schritten gesehen und würde ihn sofort wiedererkennen. Staatsanwalt Tr. Bleicher erklärte in Bezug auf die Konfrontation Lindenaus mit der Baronin v. Reitzenftein: Barow v. Lindenau gab zu, daß seine Behauptung, er habe g e- sehen, w i e Olga Molitor d e n Schuß auf ihre Mutter abgegeben habe, unrichtig sei. Nach der Aussage der Baronin und ihres Tienftrnädchens sei Lindenau nicht der Mann mit dem grauen Barte. Freiherr v. Lindenau selbst sei, wie er sich ausdrückt, zu der moralifeben Ueberzeugung gelangt, daß Hau den Schuß ab g e geben habe. Lindenau soll in den nächsten Tagen mit weiteren Zeugen konfrontiert werden. Nach der Ansicht des Staatsanwalts und des Verteidigers des Freih. v. Lindenau Tr. Gönner, dürste Lindenau wohl aus dem Re vis io ns-, verfahren a u s s che i d e n. Freiherr von Lindenau mußte zugeben, daß der Bries von der Dame mit dem weißen Schal nicht vost Olga Molitor geschrieben sein könne, als ihm die äußerst charakteristische Handschrift Olga Dtolitors vorgelegt wurde. Tie Ermittelungen der Staatsanwaltschaft richten sich jetzt auf den Oesterreicher, den Freifrau von Reitzenftein gesehen hatte. i Tie drei Zeugen, die die Anwesenheit Herrn v. LindenauS in Baden-Baden am Mordlage bezeugen sotten, sind, wie wir bereits mitteilten, ein Diener der Villa Kann, der Chauffeur des Barons Tanfani und ein Zeitungsträger. Der Zeitungsträger trug zur Zeit des Mordes Zeitungen ans und kam die Kaiser Wilhelmftraße entlang. Er luUl auch baä Aufblitzen des Schusses g.scheu haben, erinnert sich aber nicht mehr daran, den Herrit mit dem grünen Bart gesehen zu haben. Der Eyausseur, der mit seinem Herrn auf einer Tour ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Von Belang ist noch, daß der Friseur Baudrp, ,. Petersburg, 12. Aug. Die mit der Untersuchung über bie S ust a nde auf der sibirischen Bahn betraute Kvrn- mstswn hat Veruntreuungen in Höhe von mehr als 10 Millionen Rubel festgestellt. N i schnino wgo ro d , 12. Aug. Ein aus Kasan in Z i v i l - wr angekommener japanischer Generalstabs- 81*41 öPe-r wurde pflegen Spion a g e verhaftet. In seinem Besitz befanden sich Wmpwmittierende Papiere. Sotschi (Kaukasiw), 11. Aug. In der vergangenen Nacht wurde der u,ampsLr „Tschernomor" auf der Fahrt von Dschubgia nacy Tuayse aus offenem Meere von 15 Räubern ge- Vltn^-errt. Reifenden wurden gezwungen, ihr Geld und ihre Kchlbarkerten herauszugeben. Ein Reisender wurde durch einen Revowerschuß verwundet. Die Räuber bemächtigten sich lobaiiii, der äöasse und zwangen den Kapitän, das Schiff halten zu msten und sie an Land zu setzen. Sie befahlen dem Kapitän sodann, sich nicht nach Tuayse zu wenden, sondern nach Soischi zu fahren; im Fa.le deS Zawiderhandelns bedrohten sie ihn mit dem 4vode. I Gestern war die Lage in E a s a b l a n c a unverändert. Jttnern des Landes sammeln die Stamme etwa 20 000 Rettet) weshalb General Drude einen Angriff erwarte Nachrichten von Mac Lean besagen, daß bie Stämme bereit waren, sich dem Machsen zu ergeben, wenn ihnen dafür Pardon gelvährt würbe. Casablanca, 10. Aug. Dic französischen Truppen smd mit der Durchsuchung der Grundstücke in der Umgebung der Stadt beschäftigt. Sie beteiligen sich auch an der Beerdigung der massenhaft umherlieqen- den Leichen. Algier, 11. Aug. Die Garnison von Constan- tine erhielt den Befehl, ein Bataillon Sckiarfschützen und eine Abteilung Artillerie bereit zu halten, die, iocnn erforderlich, sofort nach Marokio ab geh en fallen. Ferrol, 10. Aug. Der Kreuzer „Numancia" ist nach Casablanca rn See gegangen. Madrid, 10. Aug. Laut amtlicher Mittettnng wird | morgen Infanterie und Kavatlerie nach Marokko abgeben wahrscheinlich mit einem transatlantischen Dampfer. Bern, 10. Aug. Mehrere Zeitungen stellen fest, auf Grund der Algeciras-Me liege lerne Beranlassung vor, daß Oberst Müller in die Organisation der marokkanischen Polizei eingreife. Im Bundesrat erwägt man indessen ob es nicht ratsam sei, daß Oberst Müller n a cfi 9Jia: r o k k o zurückkehre. ____________________ Polnisches. Posen, 10. Aug. In Zakopane, einem Luftkurort in der galizischen Tatra, sand eine Konferenz der sämtlichen Führer der polnischen Bewegung in allen 3 Neichen statt. Es wurde ein interparlamentarischer Ausschuß gewählt, dem die polnischen Ltitglieder des deutschen Reichstages, des österreichischen Reichsrats und bie polnischen Mitglieder der ehemaligen russischen Reichsdiima angehören. Die Polen werden fortan in den 3ge- nannten Parlamenten einmütig nach einheitlichen Plänen vorgehen. Ferner wurde beschlossen, in den preußischen Provinzen Posen, LLeslpreußcn und Schlesien große Protest Versammlung en gegen das geplante Enttignungsgeseß zu veranstalten. Köln, 10. Aug. Ein Telegramm der „Köln. Ztg." aus ganger bestätigt, daß an der Plünderung von Casablanca reguläre rnarokianische Soldaten sich eifrig beteiligt haben. Das deutsche Postamt ist vollitändrg demoliert. Erhebliche Bestände baren Geldes und Wertzeichen, bie nicht halten fortgeschafft werden können, sind verloren. Bei der Staatsbank sollen 60 000 Pesetas, bei der Kompagnie Algärienne 250 000 Pesetas geraubt sein. Paris, 10. Aug. Ein Telegramm des Admirals Plilbert vom 9. August 4 Uhr nachmittags besagt: Tie LageinCasablancaistunveräiidert. Mehrere Damen, darunter eine Schwester des englischen Konsuls, lvidmen sich im KonsulatSlazarett mit Aufopferung der Pflege der Verwundeten, deren Gesundheitszustand befriedigend ist. Ter Zustand der Truppen ist vortrefflich. Der Panzerkreuzer „Admiral Aube" ist zu dem vor Mazagan bestndlichen „Tu Chayla" gestoßen. Die Lage in Maza-j gan scheint etwas weniger gespannt zu sein.! — Aus Casablanca wirb gemelbet: General Trude läßt durch die Eingeborenen große Schachtgräber graben,! um bie 3000 gefallenen Marokkaner zu beerdigen. „Libevtö" berichtet: Der deutsche Geschäftsträger in, Tanger begab! sich zum französischen Geschäftsträger, um ihm im Namen seiner Regierung für die Hilfe KU danken, welche die französischen Matrosen dem deut-' schen Vizekonsul in Casablanca geleistet haben. Der Vizc- tonsul hatte sich gezwungen gesehem das Konsulat zu verlassen und sich zu einem seiner Landsleute zu flüchten, wo er von allen Seiten von schießenden Marokkanern blockiert war. Die französischen Matrosen befreiten ihn aus dieser Lage. Die sonst nicht gerade deutschfreundliche Siberts" fügt hinzu: Beim diplomatischen Korps und in den Kreisen der europäischen Lbownien hat dieser Schritt den besten Eindruck heworgebracht. , —Hier zeigt man sich über die Vorgänge in Marokko sehr überrascht; man hatte nicht erwartet, daß die Eingeborenen einen so hartnäckigen Widerstand leisten würden Es ringt sich immer mehr die Ansicht durch, daß Frankreich eigentlich eine sehr undankbare Ausgabe übernommen habe. So bedauert der „Gairlois" das Vorgehen in Marokko und sagt: Indem Frankreich eine Expedition gegen die ihm feindlichen Stämme in Casablanca landen ließ, schuf es damit einen Präzedenzfall, den ganz Europa nunmehr nachahmen kann. Beispielsweise könnte England, unser heutiger Freund, eines schönen Tages Tanger besetzen und sich damit zum alleinigen Herrn im Mcittelmeer machen. Gott beschütze uns davor, daß der englische Freundschaftstraum Delcassäs nicht bald für uns eine böse Enttäuschung wird. London, 10. Aug. Den rund 3000 Mann, die bis gestern von den französischen Schiffen in Casablanca gelandet worden sind, stehen den lehren Meldungen zufolge etwa eine deutsche Meile von der Stadt entfernt 6000 Stammes - Angehörige mit fliegenden Fahnen gegenüber, von Denen unter dem fanattsierenden Einfluß der den heiligen ürieg predigenden Priester ein Angriff auf die zum größten Teil zerstörte Stadt erwartet wird. — Der „Standard" meldet aus Tanger vom Freitag abend: Ter von Casablanca soeben angelangte spanische Dampfer James Haynes bringt furchtbare Einzel- ) eiten über die To tun g von Juden und die Plünderung durch die Eingeborenen. Vor den Augen einer Frau wurden ihre acht Kinder niedergemacht. rin em Manne wurden Arme und Beine abgeschnitten bevor __ n: ftarb. Tie Toten wurden um die Stadt geschleppt. Die Telegraphistenstreik in Amerika. braßen smd mit Lerchen und Blut bedeckt. Tie Mauren - wlewhork 10. Aua lieber c m >pn,U^ten in die Stadt einzudringen, doch wur- und Telegraphenbeämten wird berichtet- Bisher sind bu sie unter großen ^ermsten durch bie Granaten der 14 der größten Städte der Union von dem Streik betroffen. Eegsschrsfe Auruckge^cylagen. Irr feie.en Städten patrouillieren mit Gewehren bewaffnete Tanger, 10. Äug. (W. B.) Die Spannung in »xmg3 her Seitung in den Straßen, in denen sich die sasablanca unbRabat, wo wieder Ruhe eingetreten ?? ^clegraphen-Gesellfchaften befinden, da man bo st, hat bedeutend nachgelassen. Insbesondere rn Ma- ü?? Ttznamrt-Arrschläge gegen die technischen Einrich- >agan, wo der Gouverneur die Ordnung aufrecht erbält Hanoels-Körperichasten sind in großer ,at sich die Lag-s-hr gebessert. Die ein-M^Ä u^g T ÄtE t " L unß fürchtet, daß die außerhalb wohnenden ist fast Eg W.n g^gt Es bestelst bü Gefalw eiE ^Ü d" Stadt eindringen werden, und toren B-rschtlmmerung lind cö wirb an^oinmen diist der ^clc- ucht dre Europäer sogar zu bewegen, sich nicht einzu- sradhenverkchr im Lause dcs Tages so gut wie ganz aufMren .pifjen. Ter spanische Transportdampfer „Rio de la Plata" Tie Arbeitgeber haben erklärt, sie würden ;£ gestern abend nach Easablanca abgeganaen und hat den I ireber den ganzen Bettieb aufgeben, als sich den fj-orberungen panischen Kommandanten Santaolla an Bord. Stterkenden fügen — Das Bombardement von Casablanca bat Lf/hLW « ‘ $ie Unterbrechung der tele- n Fez einen starkenEndruck gemacht. Der Sultan haf U^olge von Ausständen des schen Konsul in Fez durch Vermittlung Stödten, ^imÄstci'k und Süden^mE oen Sliman» sem schmerzuches Bedauern über den Angriff waukee, Nashville, Memphis und Dalias Gs heißt ^daß' die ms neun Europäer und seine Mißbilligung über Mee1 ”-------- - - 6,e Schandtat ausdrücken lassen. Ben Slimau erklärte außer- em, der Sultan sei bereit, jedwede Genugtuung zu geben, !rsbe,ondere die Absetzung des Paschas von Easablanca nd dre Bestrafung der Schuldigen zu veranlassen. • n englischer Dampfer traf hier mit 400 ,'luchtlmgen em, die sich in kläglichem Zustande befinden; s smd mergens Juden. Ein franzö sis ch es To rp ed o- oo t kam nut fünf schwer verwundeten Matrosen an. - « 77 französische Dampfer „Anatolie", der gestern .a,ablanca verließ, ist hier eingetrossen und^bestätigt, aß am 8. August eine Schlacht stattgefunden hat und em heftiges Gefecht noch an dauere. Fran- ^sische Kavallerie und Artillerie fei zehn Kilometer voni er Stadt entfernt. Eine arge Verwüstung sei in der ^adt angerichtet; kein Haus oder Laden in Der Stadt lieben unversehrt, die Straßen lägen noch voll von toten mgeborenen. Obwohl viele Leichname schon fortgeschafft ren, sei der üble Geruch so stark, daß der Au s b ru ch einer rnsthasten Krankheit zu befürchten sei. ! — Ein Bericht aus Casablanca meldet, daß die Lan- angstruppen einen Vorstoß ins Innere vorbe- eUen. Vor drei Monaten sind keine Landarbeiter in :r Stadt zu erwarten, und der Handel wird gelähmt bleiben. — Aus Casablanca iviro gemeldet: 3000 Mauren rissen General Drude vor den Toren von Casablanca an, -gen sich aber nach schweren, durch die Artillerie ver- rsachten Vermsten baldzurück. In Mazagan und Rabat urscht, wie von dort berichtet wird, Ruhe, doch müsse an lederzett mit her Möglichkeit eines Aufruhrs rechnen.. Fer aus den Schuß zum Tatorte eilte, gleichfalls einen grauen !Bart trägt. Es wird darauf ankommen, ob die drei Zeugen in Derrn v. Lindenau den Herrn mit dem grauen Bart wieder- erkenneu werden. Als Freiherr v. Lindenau am Samstag auf dem Bahnhof in Baden-Baden in gerichtlicher Begleitung erschien, meldete sich ein Zeuge, der bekundete, ihn am letzten Mittwoch, an dem er abends in Mannheim verhaftet wurde, in Baden-Baden gesehen zu haben. Lindenau hatte seinerzeit mitgeteilt, er sei an jenem Tage tagsüber in Heidelberg gewesen. Lindenau gab schließlich zu, in Baden-Baden gewesen zu sein, schwieg sich aber über den Zweck seines dortigen Aufenthaltes vollkommen aus. Lindenau war nur ein Jahr lang österreichischer Offizier. !Er erfreute sich aber bei seinen Kollegen keiner Beliebtheit wegen seiner Berschwendungssucht und seines protzigen Auftretens. Ta sich fortwährend Klagen erhoben, daß er sich in schmutzige Geldangelegenheiten einlasse, wurde gegen ihn das militargerichtliche Verfahren eingeleitet, und 1867 wurde er seiner Offizierscharge verlustig erklärt. Olga Molitor wird den Ausgang der Ermittelungen \un Falle Hau in einem Zufluchtsort in der Schweiz abwarten. Gleich nach ihrer Konfrontation mit Lindenau, die am Donnerstag nachmittag in Mannheim stattfand, führte Fräulein Molitor ihre fluchtartige Reise aus. Sie begab sich zunächst mit ihrem Bruder, dem Oberleutnant Molitor, nach Karlsruhe, wo sie den Abend über blieb. Sie bestieg dann den Nachtschnellzug nach Basel. In Freiburg erwarteten sie ihre Schwester, Frl. Fanny Molitor, und Frau Oberleutnant Bachelin, und die ganze Familie setzte die Reise nach der Schweiz fort. Das Ziel wurde in Freiburg geheim gehalten. Man will aber wissen, daß sie Fahrkarten nach Celerina im Ober-Engadin gelöst haben und daß Olga Molitor dort bis Anfang September bleibt. In Karlsruhe gingen die unsinnigsten Gerüchte, u. a., daß Olga Molitor .Selbstmord verübt haben soll. Gegr.ttrber den Anschuldigungen, die gegen Olga Molitor erhoben nwrdcu find, erklärt der Rechtsbeistand der Familie Wttftitor, Rechtsanwalt Schäfer in Baden-Baden: Fräulein Molitor hat mir erklärt, den Tättr, der den Schuß auf ihre Mutter abgab, gesehen zu haben. Unter der Berücksichtigung der Berhüttursfe ist sie der Ueber ze ugun g, daß Hau der Täter gewesen ist. Sie habe in der Gerichtsoerhandluu^ keine i^ranlassung gehabt, diese für andere unerhebliche Meinung vorzutragen, besonders nachdem sie vom Vorsitzenden nach ihrer Meinung über den Täter nicht befragt wvrden war. Hau nahm mir Genugtuung das Geständnis Lindenausi'entgegen, wonach dieser jetzt die moralische Ueberzeugung hat, daß Olga nicht geschossen haben könne. Hau hat dem Zeugen Lenk im Untersuchungsgefängnis erzählt, er werde, wenn er zum Tode verurteilt werde, alles in .einer Schrift niederlegen, was er über den Mörder der Frau Molitor wisse. Dem Verteidiger des Hau iß eine Unmenge von Zuschriften zugegangen, darunter solche von geisteskranken £e Uten, die sich selbst der Tat bezichtigen nnd bereit sind, sich für Hau köpfen zu lassen. Entgegen der Behauptung Haus, er sei am Nachmittag des -6. November mit seiner Schwägerin Olga Molitor zusammen gewesen, steht fest, daß Hau bereits um 2 Uhr nachmittags auf 'dem Bahnhof in Baden-Baden eintraf und daß auch Olga Molitor schon um 2 Uhr die Villa verlassen hat. eie begab sich erst um 4 Uhr zur Kaffeegesellschaft in die Villa Eugel- -horn, von wo aus sie von ihrer Mutter zu dem verhängnisvollen Gange auf die Post abgeholt wurde. Was Olga in der Zeit von 2 bis 4 Uhr getan hat, iß nicht ermittelt worden. ' Für die Verteidigung des Hau in der Hauptverhandlung hat Dr. Dietz ein Honorar von 10000 Mk. erhalten, das von ben Verwandten aufgebracht wurde, da Hau über keine Geldmittel Mehv verfügt. ; . । r , t , • Kein Tag ohne neue Enthüllungen zum Falle Hau. Nur schade, daß sie nicht Licht verbreiten, sondern die leidige Affäre in immer schwerer durchdringliches Dunkel hüllen. Es bleibt vor allem verwunderlich, daß von Seiten der Anklagebehörde immer neue Versuche gemacht werden, die Oeffentlichkeit gegen Hau ein- zunehmen. Der Karlsruher Staatsanwall hat, wie behauptet wird, nn förmliches Preßbureau eingerichtet, durch das eine Anzahl im ganzen Reiche weit verbreiteter Blätter fortwährend mit gegen -Hau gerichteten Notizen versorgt wird. Das widerspricht durchaus ollen bisherigen Gepflogenheiten der deutschen Rechtspflege und hat /den Verteidiger Haus zu gleichem Vorgehen gezwungen, wodurch mrchts als ein übler Wirrwarr von vorgefaßten Meinungen in Weitesten Kreisen des deutschen Volkes hervorgerufen wird. Nach wie vor ist die wichtigste Frage die: genügten die mehr oder weniger bedenklichen Indizienbeweise, um das Todesurteil gegen Hau vollkommen zu rechtfertigen? Ist es gänzlich ausgeschloffen, daß niemand anders als Hau die, unselige Mordtat begangen hat? Das Edikt der Todesstrafe birgt eine ungeheuerliche Verantwortlichkeit m jedem Falle in sich. Im Falle Hau aber knüpieii äch gar viele fein verschlungene Fäden ineinander, deren völlige Lösung die Gerichtsverhandlung u. E. ebensowenig mit sich gebracht hat, wie die neuesten Enthüllungen. Hau selber leugnet nach wie vor aufs entschiedenste die Tat. Ist es aber nicht ein Furchtbares, einen Mitmenschen, den nur eine Reihe von Verdachtsmomenten belasten, vom Leben zum Tode zu befördern? Wer vermag m die Fetischen Abgründe, die dieses Dramas verborgenste Tiefen bilden Üi schauen! Sie alle geben uns Rätsel auf, die in ihm erschütternde Hauptrollen innehaben: Hau, wie Olga Molitor und der neueste deus ex machina, der Baron v. Lindenau. Es ist denkbar, daß um seiner sündigen Liebe zu einem Weibe willen ein Mann eine furchtbare Schuld auf sich nimmt. Deswegen braucht Olga drrchaus nicht etwa die Mörderin zu sein; es mag nur die Absicht vorliegen, sie vor Komproniittierungen delikatester Art .möglichst zu bewahren. Es ist aber auch ebenso denkbar, daß eine mißratene Tochter die ihr unbequeme eigene Mutter aus dem Wege räumt. Wer weiß schließlich, ob nicht eine dritte Person den Mord begangen hat, eine Person, die vielleicht in dem Prozesse nur eine Nebenrolle spielte, oder oon der man noch keinerlei Ermittelungen besitzt? Und nie besitzen wird? Vorläufig bleibt die Entscheidung des Reichsgerichts abzuwarten, von der man die Ueberzeugung haben darf, daß auch in 1 diesem rtalle das deutsche Recht die Gerechtigkeit darstellt. Aus Stadt und Lcvnd. Gießen, 12. Aug. 1907. '* Des Großherzogs Ja g dau fent halt in Romrod ging am Samstag früh zu Ende. Nachdeni S. 5k. H. der Großherzog an den Tagen vorher 16 Böcke geschossen hatte, verließ er um 5 Uhr morgens im Auto das Schloß, um zunächst nochmals der Jagd obzuliegen. Er schoß nochmals 3 Böcke und fuhr dann im Auto nach Darmstadt, wo er am Vormittag Audienzen erteilte. — Dem hohen Herrn, der ganz allem hierher gekommen war, hat sein kurzer Jagdaufenthalt recht gut gefallen. "Vom Hofe. Das Großherzogspaar besuchte gestern vormittag den Prinzen Ludwig von Battenberg, der seit Samstag auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim weilt. Am Nachmittag fand, wie uns ans Darmstadt drahtlich gemeldet wird, auf Jagdschloß Wolssgarten Familicn- diner statt. ** Landesuniversität. S. Magn. der Rektor Geh. Hofrat Professor Dr. Behaget wurde am Samstag in Darmstadt von S. K. H. dem Groß Herzog in Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit überreichte er S. K. H. oas Widmungsexemplar der von der Universität zur Dreijahrhundertseier herausgegebenen Festschrift. Das Kolosseum hat morgen seine 100. Vorstellung zu verzeichnen. Die morgige Vorstellung wird deshalb -als besondere Festvorstellung ausgestaltet werden. " Lotteriegewinn. Der Hä uptgewinn der Michelstadter Kirchenbau-Geld-Lotterie von Mark 20 000 fiel auf das von der Hauptkollekte Richard Buchacker hier verkaufte Los Nr. 77 606. Der Gewinner ist ein Mann aus der Umgegend von Gießen, der wie uns mitgeteilt wird, das Geld sehr gut gebrauchen kann. O Büdingen (Oberhessen), 11. Aug. Während der H e r b st ü b u n g e n des 18. Armeekorps wird der Kreis Büdingen sehr starke Einquartierung erhalten. Für 73 Gemeinden des Kreises sind die Belegungszifsern bereits vorgesehen, die Stadt Büdingen erhält z. B. in der Zeit vom 22. August bis zum 19. Sept. 138 Offiziere und 3557 Mannschaften. Vom 116. Infanterie-Regiment sind unterzubringen in Berstadt vom 28. August bis 2. Sept, her Regimentsstab und 3 Kompagnien des 1. Bataillons, am 3. und 4. Sept, ein Bataillonsstab und 3 Kompagnien, in Echzell am 5. Sept, ein Vataillonsstab und 3 Kompagnien, in Gettenau am 5. Sept. 1 Kompagnie. Vornehmlich sind es Truppenteile der 21. Division, die im hiesigen Kreise üben und demgemäß dahier unterzubringen sind. fe. Frankfurt a. M., 10. Aug. Ter Revolverheld, der vor einigen Tagen bei Rheindi eb ach a. Rh. aus seinem Automobil auf eine Schar Kinder, die mit Aepfeln nach dem Automobil geworfen hatten, sechs scharfe R e v o l v e r s ch ü s s e ab gab, ist ermittelt worden. Von einwandfreien Zeugen wurde Die Nummer des von drei Herren und einer Dame besetzten Automobils als I. T. 1608 angegeben, als dessen Besitzer Direktor Scriba in Schwanheim ermittelt wurde. Scriba soll sich durch seinen Rechtsanwalt bereits an die Mutter des geschossenen Mädchens und an die Bürgermeisterei Bacharach wegen Leistung einer Entschädigung gewandt haben. Scriba wird sich außerdem wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten haben. X. Hai/au, 11. Aug. Gegen den Jagdausseher Seng in Törnigheim wurde zur Nachtzeit, als er im Hochstädter Walde sich auf einem Dienstgange befand, ein Anschlag verübt. Aus dem Gebüsche fielen plötzlich zwei Schüsse, von denen der eine den Hund niederstreckte, der andere dem Jagdaufseher selbst gatt, denn die Kugel pfiff diesem dicht am- Kopfe vorbei. In jenem Revier wird stark gewildert, man nimmt deshalb an, daß der Anschlag auch von Wilderern verübt worden ist. Ter Mitpächter der Jagd, Carl Rother in Frankfurt a. M., in dessen Tienst sich Seng befindet, hat eine Belohnung von 500 Mark auf die Ermittelung des Täters ausgesetzt. = Atzbach, 10. Aug. Gestern ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall, der leider den Tod eines nahezu 75jährigen Mannes zur Folge hatte. Ter Landwirt Will wollte an dem am Hause emporrankenden Weinstock das Blattwerk entfernen, wobei er zu Fall kam. Infolge eines Schädelbruches starb bald darauf der alte Mann. + Frankenbach, 10. Aug. Das neue Schulgebäude ist im Laufe dieser Woche im Rohbau vollendet. Das stattliche Gebäude liegt unmittelbar vor dem Dorfe auf freier Höhe an der Straße nach Felluigshausen. Tie Maurerarbeiten wurden durch Maurermeister Roth-Hohensolms nach Plänen des Kreisbaumeisters Achenbach-Biedenkopf ausgeführt. Die Gemeinde Frankenbach stellt selber die Baumaterialien, wie Steine und Holz; zur äußeren Fassade wurden Blendsteine vom Gabrielschen Werk, Abendstern verwendet. Die neue Schule ist für 2 Klassen nebst Lehrerwohnungen vorgesehen. Daneben werden Oekonomiegebüude und Schulgarten nicht fehlen. Das ganze Bauprojekt ist auf 35 000 Mk. veranschlagt und soll bis 1. Mai 1908 fertig werden. (h.) Kassel, 11. Aug. Gestern abend 6 Uhr stürzte während eines Spazierganges der Prinzessin ViktoriaLuise mit den Kindern des Herzogs von Württemberg im Park von Wilhelmshöhe gleich hinter den Fürstentindern ein alter Kastanienbaum mit donnerartigem Krach zusammen. Ter Kaiser eilte von dem nahe gelegenen Tennisplatz sofort herbei und leitete selbst die Aufrüu- mungsarbeiten. Eine alte Geschichte. Tie Darmst. Ztg. schreibt offiziös: Im Abendblatt der Nr. 218 der „Frankfurter Zeitung" vom 8. !f. Mts. wird ein der „Germania" entnommenes und mit dem Namen des seit über 23 Jahren außer Dienst 'befindlichen Ministers von Starck versehenes Formular wiedergegeben. Es' enthält ci«e Anfrage des Großh. ,Ministeriums des Innern bei einem nicht näher bezeichneten Kreisamt 'über das bürgerliche und politische Verhalten und die politische Gesinnung eines ebenfalls nicht genannten (katholischen) Pfarrers und empfiehlt dem Kreis- amt erforderlichenfalls möglichst verdauliche und diskrete Erkundigung .bei geeignet scheinenden Personen. An die Wiedergabe des Formulars tverden Bemerkungen über „das Systeml der politischen Schnüffelei" und die „heimliche Uel^rwachung der katholischen Geistlichen in Hessen" geknüpft. Wir können hierzu mitteilen, daß es sich um ein Formular handelt, das im Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts benützt wurde. Der Anlaß hierzu ergießt sich aus der am 24. Juni 1873 in der zweiten Kammer der Landstände bekanntgegebenen Antwott der Großh. Regierung auf eine Interpellation des Abg. Matty über die Besetzung der katholischen Pfarreien im Großherzogtum (Verhandl. der 2. K. d. Löst., 21. Landtag 1873)75, Prvtt^ Bd. I Nr. 16 2—4). Danach hatte bereits das Ministerium ^-tarck bei Uebernahme der Geschäfte1 die Uebung vorgesunden, daß, wenn die Besetzung einer katholischen Pfarrei erforderlich wurde, das bischöfliche Ordinariat dem Ministerium, des Innern anzeigte, welche Persönlichkeit von dem Herrn Bischof ür die Stelle in Aussicht genommen sei. Hiermit verband das Ordinariat die Anftage, ob gegen die fragliche Persönlichkeit in bürgerlicher oder. politischer Beziehung ein Anstand vov- tiege. Erhob das Ministerium nach geeigneten Erkundigungen keinen Einwand, so würde das Ordinariat entsprechend ver- 'tänbigt, das demnächst dem Ministerium die durch den Herrn Bischof erfolgte Erneiinung des berresfenden Geistlichen anzeigte. An die Stelle dieser Uebung traten demnächst 'die Vorschriften des Artikels 1 des Gesetzes vom 23. April 1875 über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen (Reg- Blatt S. 256). Tiefes Gesetz sah u. a. — und zwar nicht bloß ür die katholischen Geistlichen- — vor, daß ein geistliches Amt nur einem Deutschen mit der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Vorbildung übertragen werden dürfe, „der nicht von der Staatsregierung unter Angabe des Grundes als ihr in bürgerlicher ober "taatsbürgerlicher Beziehung mißfällig erklärt worben ist". War der für das Amt in Aussicht Genommene-dem Ministerium nicht bekannt, so war es nach dieser gesetzlichen Vorschrift Sache des Ministeriums, sich über ihn zu erkundigen, was durch das zuständige Kreisamt geschah. DLach dem zurzeit geltenden Gesetz über die Vorstellung und Anstellung der Geistlichen vom 5. Juli 1887 darf ein geistliches Amt ebenfalls nur einem Deutschen mit der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Vorbildung übertragen werden, „gegen dessen Anstellung kein Einspruch vonseiten der Staatsregierung erhoben worden ist". (Art. 1.) Die wbere kirchliche Behörde ist in Vollzug dieser Vorschrift durch Artikel 9 des Gesetzes verpflichtet, bc;c Anzustellenden dem Ministerium des Innern anzuzeigen. Gleiches Recht gilt bei Versetzung eines Geftttiwen in ein anderes Amt oder bei Umwandlung einer widerruflichen Anstellung in eine dauernde. Das Akinisterium kann innerhalb vier Wochen nach der Anzeige gegen die beabsichtigte Anstellung Einspruch erheben, „ivenn beC Anzustellende aus einem auf Tatsachen beruhenden Grunde, welcher dem bürgert lichen oder staatsbürgerlichen Gebiet angehört, für die Stelle nicht geeignet ist. Die Tatsachen, welche den Einspruch begründen sind anzugeben." ' Turch diese gesetzlichen Vorschriften sind die Punkte genau bestimmt,^ auf welche sich gegebenenfalls eine Erkundigung heut- allein erstrecken kann. K l e i n e T a g e s ch r o n i k. Ein den Z u g B a d Elster- Berlin begleitender Eisenbahnbeamter zündete während der Fahrt das Licht m den Coupös von den Dächern der Wagen aus an Er stieß dabei unweit der Station Zahna gegen eh« eiserne Brücke und wurde an derselben zerschellt. Der Lokomotive führer transportierte die Leiche sogleich mit dem Zuge in langsamer. Fahrt nach Wittenberge zurück. Inzwischen war der Zug von einem anderen in schneller Fahrt daherkommenden cingeholt worden und es brach unter dem Publikum eine große Panik aus. Atan sprang in wilder Hast aus den Coupes und gab dem hcranbrausenden Zuge ein Zeichen so daß lveitercs Unglück ver- yindert werden konnte. — In Berlin gab die Ehefrau Emma des 40jährigen Kellners Karl Hiebel auf ihren s)jI an n fünf Schüsse ab. Tie Tat ist als ein Akt der Notwehr anzufchen Hiebet liegt in bedenklichem Zustande im Krankenhause Moabit darnieder. Tie Frau stellte sich selbst der Polizei, wurde aber wieder in Freiheit gefetzt. — Ter Eisenbahnarbeiter Dlugafch aus L a n d s b e r g a. d. Warthe hatte seiner Frau wiederholt gedroht, daß er sie erschlagen würde. Tie Frau war schließ, lich nach Neussen in Braunschweig verzogen. Tlugasch folgte seiner Frau dorthin. Nach kurzem Wortwechsel schoß er ihr zwei Revolverkugeln in den Kopf. Tie Frau ist lebensgefährlich verletzt. Ter Mann tötete sich darauf selbst. _2.■ Paris, 10. Aug. Prinz Borghese ist auf seiner A n t o rn o b i l f a h r t von Peking Henle nachmittag hier eni- gctroffen. Ihm zn Ehren innd Henle abend ein Festmahl stall Veischiedene Reden nnirben gehalten, in denen der Mut des Prinzen und seiner Rtilfahrer, sowie der staunenswerte Fortschritt im SHuto- mobilwesen gefeiert wurde. D a r - e s - S a l a a m , 13. August. Der Start des Oberleutnants a. D. Grätz ziir Au t o in o b i l i a h r t D a r-es- S a l a a m S in a k o p m n n d isl am 10. ds. hier erfolgt. ——— —------1 rmr—n - —mn mumi» „ii, » — Der trübere Präsident der Akademie der Künste Geheimrat Herrn. Ende ist im 79. Lebensjahre zu Wannsee bei Berlin verk ft orbe ii. Ende 1830 m Landsberg a. W. geboren, er war ein hervorragender Architekt. Sein Name ist (in Verbindung mit dem seines Sozius Böckmann) mit der baulichen Entwickelung der Reichshauptstadt seit 40 Jahren eng verknüpft. Aus der großen Reihe der öffentlichen und Pilvatbanten, die beide in Berlin aufgeführt haben, seien erwähnt: das sogenannte Role Schloß, das Hotel de Rome, die Pienßische Bodeiikreditbank (Unter bcn Linden), die Deutsche Unionbanf, die Mitteldeutsche Kreditbank und das Aiuseum für Völkerkunde. — Im Befinden des berühmten Geigers Professor Joses I o a ch i in in Berlin ist nach einer ans den letzten aflhinatischeu iünsall gefolgten vorübergehenden Besserung inlnmehr wider Erwarten eine ernste Wendnng eingetrcien, die für den belagien Pallenken ,das,Sch l i m m ft c b e i ü rchte n l ä tz l. Märkte. fe. Frankfurt a. M., 12. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Otoliernngen der hentigen Frnchtmarktpreise, Weizen Rtk. 00.00—00.00, Knrhessifcher Alk. 00.00—00.00, La Plast Alk. 22.00—22.75, Kansas All. 22.00—22.75, Roggen (hiesiger) Mk. 00.00—00.00, Gerste (Welterauer) Mk. 18.25—18.50, Fanken- felder Alk. 18.75—19.00, Hafer 20.00—21.00, Mais Mk. 15.25-00.00. Weizenmehl Aik. 29.50—30.00, 00—00, 2. Qualität Mk. 27.0t' bis Mk. 28.00, 3. Qualität Mk. 25.50—26.00, Roggenmehl 00 Mk. 29.50—30.00, l.Qualilät Wik. 28.50-29.50, Wcizenkleie Mk. 13.00. bis Wik. 13.50, Roggenkleie Wik. 12.00—12.50, Maiskeime Wik. 11.25 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Rieb Wik.00.00—00.00. Lilles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 12.Aug. (Telegr. Orig.-Bericht bes ,®ie&. Anz/'). Amtl. Notierungen der Helltigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 391 Ochsen, 140 aus Oesterreich, 51 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 ans Dänemark, 800 Kühe, Fersen, Stiere und 9iinber, 0 aus Dänemark, 287 Kälber, ‘250 Schafe und Hammel, 00 Schafe ans Oesterreich, 0 Ziegen, 1704 Schweine. BezalR wurde für lOOPsnnd Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 83—85 Mst 2. Qual 76—80 Mk., 3. Qual. 70—72 M; Bullen l.Qnal. 73 bt« 75 Mk., 2. Qnal. 70—72 Ml'.; Kühe l.Qnal. 75—77 Wik., 2. Qual. 72—74 Mk., 3. Qual. 64-66 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—OOMk. Kälbei: 1. Qual.92—95 Psg., Lebendgewichtbö—57 Pf., 2. Qual. 82—90 Psg., Lebendgewicht 49—54 Psg., Schlachtgewicht 65 — 70 Psg. Schafe: 1. Qnal. 84—00, 2. Qnal. 78—80 Ps^ 3. dual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 73-00 Psg., Lebbgew. 57.00—00.00 Pfa., 2. Qu. 71—72 Psg., Lebendgew. 56.50—00 Pfg., 3. Qual. 62—64 Pfg. Lebendgew. 00 Psg. Geschäft: bei Hornvieh Markt gut, Ueberftanb unbedeutend; bei Kleinvieh gut, fein lieb erstand. 1 Ortgnr«U'Drahtnie!-ungen. Metz, 12. Aug. Ter enchari ft l sch e Kongreß wurde gestern g e s ch l o s s e n. Am Vormittag hielt Kardinal Vanutelli ein Ponttfikal-Hochamt ab und am Nachmittag bewegte sich eine Prozession von 80060 Menschen dnrch die Stadt. Bei Bischo! Benzler fand Tasel statt, zii der n. a. Bezirksprafidelit Gras Zeppel:n und der Bürgeriilcister geladen waren. Bischof Benzler daukle den Behörden für ihr Eiilgegenkoinmen, während Kardinal V a ii n t e l l i feilte Frei!de über den schönen und nngeslörten Verlauf des Kongresses aussprach. Rochefort, 12. Aug. Als der Kriegsminister Pic-^ quart gestern einen zur Abfahrt nach Paris bereitstehenden Zug besteigen wollte, faßte ihn ein Mann am Arm und । sagte: „Tn bist Picquart, wohlan eK lebe der Marschall/ - Ter Mann wollte den Minister dann anspeien, wurde aber । daran verhindert und verhaftet. Man scheint es mit einem ; Geisteskranken zu tun zu habeu. Ter Verhaftete gab' ann le Eoq zu heißen und aus Konstantinopel zu ftammeu. Versailles, 11.Aug. Ter Chauffeur des Prin jen ; M utat wurde zu vier Wtoiiateii Gefängnis unb 400 Fr cs. Geld- , strafe verurteilt, weil er kürzlich ztvei junge Leute überfahren , hatte, voli beiten ber eine auf der Stelle tot tvar. Bet fast, 12. Aug. Gestern abend kam es abermals zu Rn h eft ö ru n g en. Die Polizei mußte 'nehriach nut Knütteln gegen die Tumiiltuatiten vorgehen, die Pflastersteine Herausriffen. iuiö gegen die Polizisten fchleuderten. Wtehrere Polizelbeamie tvitrden verletzt. Es tvurden fodann zwei Bataillone 3itfanterie requiriert, die mit gefälltem Bajonet gegen die Ruhestörer vorgingen ' unö sie zerstreuten. Es kam zti zahlreichen fßeriüimbungen. Tanger, 12. Aug. Der Befehlshaber der fransöfifdien j Truppen in Casablanca verlangte 3000 bis 4000 Mann V e r-1 st ärkti it g e n. Jetzt ist die richtige Zeit, Säuglingen statt ber int Sommer ) gefahrbringenden Kuhmilch das erprobte unö seit 40 Jahren steio 1 bewährte Nestle'sche Kindermehl zu reichen. Dasselbe hat den. Vorzug, niemals Verdauungsstörungen zu verursachen, dagegen; aber bereits bestehende Magenbeschwerben sofort zu beteiligen [ Die von einem berühmten Kinderärzte verfaßte Broschüre über die Ernährung unb Pflege bes Kindes versendet auf Wunsch gratts - und franko Nestte'S Kindermehl G. m. d. H., Berlin L. 42. ss//» A