Nr. 135 Zweites Blatt Mittwoch 12. Juni 1907 157. Jahrgang Erscheint ISgllch mit Ausnahme des Sonntags. des d. I., als man buri an durch eine Revision hinter seine Unredlichkeit nach Luxemburg und von dort nach der Schweiz gekommen war, Ta der die auf 11,04 Millionen Liter Kontingent gestiegen ist. auch die sonstigen Bedingungen erfüllt sind, wurde neue Hauptvertrag als verbindlich erklärt und damit Verlängerung des Spiritussyndikates vollzogen. Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UnwersitätS - Buch- und 6tetnbrudertl 8L Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul - straße 7. Expedition and Verlag i 6L Redaktion: 112. Tel.-Adr^Aaz«igerGteßen. Tie „Sietzener FamillenblStler" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Uretrblatl für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal. — Die Zentrale für Spiritusverwertung teilt mit: Tie Prüfungskommission stellte fest, daß durch den noch zuletzt erfolgten kräftigen Zuzug die Beitrittsziffcr für Nordoeutschland auf 162,4 Millionen, für Süddeutschland Hamburg, 11. Juni. Ter 30. Berbandstag Deutschen Fleischer-Verb andes nahm einstimmig einen Antrag an, nach dem der Vorstand den Bundesrat ersuchen sock, die Einfuhr dänischen Schlachtviehs unter denselben Bedingungen zu gestatten, wie bei dem aus Oesterreich-Ungarn eingeführten, d. h. unter SBegfall der Quarantäne und der Tuberkulinimpfung bei sofortiger, direkter Ueberführung der Tiere nach den öffentlichen Schlachthäusern mit Bahnanschluß und bei baldiger Ab- schlachtung. pohte>d)c Togessctzatt. Japanisch für Offiziere. Das außerordentliche Interesse Japans für bie staat- lichen, besonders die militärischen Einrichtungen Deutschlands, das gegenwärtig miebcr in Besuchen hervorragender Flotten- und veeresoffiziere zum Ausdruck kommt, dürfte be- stimmend gewesen fein für den Entschluß der deutschen Armeeleitung, in den am 1. Oktober in Geltung tretenden neuen Lehrplan der Kriegsakademie unter die freiwillig zu belegen- den Lehrfächer die japanische Sprache einzureihen. Man wird nicht annchmen können, daß das nur geschieht, um dieser Sprache kundige deutsche Offiziere den Gästen aus Ost- aficn an die Seite geben zu können bei Informationsbesuchen in Deutschland. In der Regel sind ja auch die hohen japa- nischen Offiziere selbst oder die sie begleitenden Adjutanten des Deutschen kundig. Es liegt vielmehr in der Einbeziehung dec japanischen Sprache in den Lehrplan der höchsten deutschen Militärbildungsanstalt das Anerkenntnis, daß die jüngste Großmacht im fernen Osten durch ihre glänzenden Waffentaten den Anspruch auf Beachtung seitens des ersten Militärstaats in Europa sich errungen hat. Tie Kenntnis der Sprache eines Volkes i|"t notwendig, um das nationale Wesen in seinem Kern, im Geist, zu erfassen, und von dem Volk, das die höchste Probe militär. Leistungsfähigkeit neuerdings erfolgreich abgelegt hat, kann am Ende auch eine Armee mit älterer Siegestradition lernen. Der Gedanke an die Möglichkeit eines Krieges zwischen Japan und Deutschland tfl selbstverständlich abzuweisen. Franzosen, deren Einbildungs- kraft durch die Freude über den zwischen Paris und Tokio vereinbarten Vertrag erhitzt wurde, wollen allerdings in Erfahrung gebracht haben, daß es Japans Ehrgeiz sei, die höchste Staffel internationalen Ansehens zu erklimmen durch einen Waffengang mit der gefürchteten deutschen Wehrmacht. Eine groteske Annahme. Schon die räumliche Entfernung zwischen Japan und Deutschland würde ein Ringen der beiderseitigen Armeen ausschließen, sollte einmal ein ernsterer Konflikt entstehen. Mit Deutschland wegen Kiautschau Händel zu siichen und über die ostasiatische Kolonie herzufallen, das dürfte dem klugen Japan aber kaum geraten erscheinen, denn dabei würde kein Gewinn an internationalem Ansehen herauSschauen. NcueS aus Rußland. Am 11. Juni wurden acht wegen der Meuterei im Zentralgefängnisse Riga vom Kriegsgerichte zum Tobe verurteilte politische Gefangene in den Sand bergen bei Riga erschossen. Sie stauben im Alter von 18 bis 23 Jahren. Auf bem Gange zur Richtftätte fangen sie alle einen revolutionären Marsch, schmähten, nachbem sie an ben Pfosten gebiytben waren, bie Regierung und riesen ben 88 die Exekution ausführenden Soldaten zu „zielet gut!" Rach der Hinrichtung würben die Leichen nebst ben Pfosten in einem gemeinsamen Grabe verscharrt. — Der Generalgouverneur zu Riga begnabigte einen vom Kriegsgerichte wegen bewaffneten Labenraubes zum Tobe Verurtellten zu achtjähriger Zwangsarbeit. Privatdepeichen der Bauernagrarbank zufolge erfassen bie Agrarunruhen im Gouvernement Twer immer weitere Güter. Rieberbrennen von Wirtschaftsgebäuden und Zusammenstöße von Lauern mit Polizei sind an der Tagesordnung. Gutsbesitzer fliehen in bie Stadt. In Tonaszow (Gouv. Lublin) wurde ein Gendarmer ie- wachtmeisler getötet. Biele Arbeiter wurden verhaftet. Ter Chef der Bahnlinie von Zentralasien, Ulyanme, ist "von unbekannten Männern in Militärunisorm ermordet worden. Ausland. London, 11. Juni. Im Unterhause teilte Staatssekretär Sir Edtvard Grey mit, er habe von der Regierung der Bereinigten Staaten die offizielle Versicherung, daß die im Handelsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten vorgesehenen Verwaltungsmaßnahmen auch anwendbar sein sollen auf alle anderen Länder. Paris, 11. Juni. Tie Kammer setzte heute bie Debatte über die Krisis der Weinbauern fort. Ter Finanz- minisler machte den Winzern den Vorwurf, sich nicht organisiert zu haben. Tie Regierung sei bereit, aus fünf Jahre die Grundsteuer auf alle diejenigen Ländereien auszuheben, welche von Weinbergen in andere Kulturen umgewandelt würden. — In Montpellier kam es in der vergangenen Nacht zN ernsten Ausschreitungen der Winzer. Tie Menge bediente sich der Stühle und Tische vor den Casös als Wurfgeschosse gegen Husaren und Gendarmen. Mehrere von biegen wurden verwundet. Auf na dj Paris, Hoch bie Empörung! — Der Zollausschuß nahm einstimmig ben Antrag bett, bie vorläufige Aufhebung bes Einfuhrzolles auf Betreibe unb Mehl an. — Ter Deputierte Humbert veröffentlicht Artikel über Mißbrauche, bie sich in ber Armee auSbreiteten unb hebt als charakteristisch hervor, daß die vor neun Monaten von General Colart als äußern dringend verlangte Anbringung von Blitzableitern an den großen Pulver-Magazinen des Forts Tavarnes bei Verdun heute nodj zu den unerledigten Angelegenheiten gehört. — Charles Roux, der Präsident der Compagnie general trans- atlantique, hielt bei einer Versammlung ber Räte für den auswärtigen Handel einen Vortrag über die französische Handelsmarine. In demselben führte er den Rückgang der Handelsmarine auf die Getreidezölle unb auf die ungünstigen Bedingungen für die Erneuerung ber Handels vertrage zurück. Teutschland, das 1892 noch hinter uns zurückstand, so führte der Redner aus, hat uns heute überflügelt. Wir stehen inbezug auf bie Schiffahrt an fünfter Stelle. Wir hätten handeln müssen wie das englische Volk, das sich durch die Beredsamkeit des Schutzzöllners Chamberlain nicht hat d erführen lassen. Jedes Jahr werden uns 350 Millionen Francs unserer Frachten vom Auslande weagenommen. Die fremde Flagge, unter der unsere Waren befördert werden, entwertet sie. Tie Prämien bedeuten nur eine künstliche und unwirksame Ermutigung. Die Lage unserer Häfen ist schrecklich, daher auch ber Verfall unserer Marine. Marseille hat sich von Antwerpen, Rotterdam und Hamburg überflügeln lassen. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Deutsches Reich. Berlin, 11. Juni. Ter Kaiser hörte heute die Vorträge des Hausministers v. Wedel, des Chefs des Militär- kabinetts v. Hülsen-Häseler und des Chefs des Generalstabes der Armee v. Moltke. Heute abend reiste der Kaiser naä) Hannover. - — Der Rücktritt des Kultusministers v. Studt soll nunmehr unmittelbar bevorstehen. Als Nachfolger wird letzt der Unterstaatssekretär im Reichspostamt, Sydow, genannt, der Sohn des früheren Unterstaatssekretärs im Kultusministerium. — Wie dem „B. T." berichtet wird, ist die Zustellung der Privat klage des Grafen Kuno von Moltke gegen Maximilian Harden jetzt erfolgt. — Die „dtordd. Allg. Ztg." rechtfertigt offiztös die Haltung des Ministeriums des Innern in der Angelegenheit der Polonisierung des Nomens des Rechtsanwaltes v. Gomhalla in Tuchel (Weftpr. . Tie Anordnung der Polizeibehörde,' das Schild des Rechtsanwaltes mit polnischer Schreibweise seines Namens zu entfernen, fei ungerechtfertigt, weil diese durch zahlreiche Beschlüsse des Konitzer Landgerichts als richtig anerkannt wordenJei und auch das Heroldamt in diesem Falle die polnische Schreibweise als zu Recht bestehend bestätigt habe. — Eine abfprechende Kritik, welche Graf v. d. Schulenburg im Herrenhaus an den Erfolgen der Kolonie Hoff- nungStal geübt hat, bleibt nicht ohne Gegenrede. Der Leiter dieser Anstalt weift nach, daß nur der geringste Teil der Kolonisten der Landwirtschaft angehört, dagegen viele der Landwirtschaft wieder zugeführt, und 142v.H. der abgegangenen Kolonisten direH Meder in Stellung gebracht Norden svld. Landwirtschaftskammer und Handwerkskammer. Auf die AuSlasfungen des Oekonoinierats Dr. Müller in der Hess, landw. Zeitschrift (Bgl. unsere Nr. 129) zu bem von den hessischen Metzger-Innungen in ber Handwerkskammer gestellten Antrag, betreffend die Verdächtigung der Metzger durch die Landwirtschaftskammer, erwidert jetzt die Handwerkskammer. Sie bemerkt in einem längcrbn Schriftstück im wesentlichen folgendes: Ter Antrag ber Metzger-Innungen wurde hauptsächlich veranlaßt bureti die Aeußerung des Abg. Köhler bei der Begründung seines Antrags in der Landwirtschaftskammer, daß der -wucherische Zwischenhandel der Metzger ausgeschaltet werdeninüsse." Diese Beleidigung bleibe bestehen, ebenso die Verdächtigung, welche der hessische Landwirtschastsral vor 2 Jahren gegen bas Metzger- gewerbe erhoben habe, „bie Metzger hätten von der damaligen Steigerung der Viehpreise ben größten Nutzen gehabt." Eine direkte Gegenüberstellung der Schweinepreise unb ber Fleischpreise habe keine Berechtigung, es sei denn für Orte, wo, wenn wirklich einmal ein Schwein gewerbsmäßig geschlachtet werde, dasselbe vom stopf bis ziun Schwaiiz zusammengehackt wird und die Stücke, wie sie gerade fallen, zum Verkaufe gelangen. Daß die Innung die greife höher fetze, entspreche keineswegs den Verhältnissen. Zunächst habe bie Innung kein Recht hierzu, es laße sich auch kein Metzger diktieren, so oder anders ferne Preise festzufetzen. Niemals werde in der Hess. Handwerkskammer sich jemand so weit vergessen, ganze Eriverbsgruppen des .Wuchers" zu beschuldigen, selbst dann nicht, wenn die Landwirtschaft für das von ihr erzeugte Schlachtvieh wiederholt Preife sich zahlen lasse, die in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten stehen. Tie Handwerkskammer gebe aber bie Hoffnung nicht auf, daß die Landwirlschaflskammer und bereit Organe an der Lösung der Frage, wie den gefährlichen Folgen der großen Preisschwankung der Vieh- und Fleischpreisbewegung entgegengewirkt werde, auch ihrerseits mitarbeiten werde. Tie hessische Regierung wäre zu ersuchen, ständig eingehende Erhebungen anzustellen, um jeweils die den Produktionskosten entsprechenden gerechten Viehpreije, ©elrcibepreife u. bergt, für bie Probuzenten verbindlich, festzustellen, ba erst dann die Konsumenten vor ungerechter PreiSverkeuerung geschützt würden. Zerbrechen im Amt. th. Gießen, 12. Juni. Gestern verhandelte bis abends gegen 10 Uhr das Schwurgericht gegen den ehemaligen Verwalter der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, den am 16. Juli 1878 zu Bockenheim geborenen Adam Ferdinand Dönges wegen Amtsunter- s ch l a g u n g in Verbindung mit unrichtiger Führung der Bücher. Ferner ist der Angeklagte der einfachen Unterschlagung zum Nachtell des Direktors der Anstalt beschuldigt. Die Staatsbehörde wird durch den Staatsanwalt Reuß Oertreten. Justizrat Windecker- Friedberg Hal die Verteidigung übernommen. Es sind ö Zeugen unb als Sachverständiger Regierungsrat Gutmann von der Lberrechnungskammer in Darmstadt zu hören. Der Angeklagte ist geständig, zum Nachteil des Staates in den Jahren 1905 unb 1906 4450.50 Mk. und zum Nachteil des Professors Dr. Sommer 1322.75 Mk. unterschlagen zu haben, er bestreitet aber, bie fehlenden Buchernttäge über vereinnahmte Gelder absichtlich unterlassen zu haben. Die unterlassenen Bucheinträge seien damit zu erklären, daß sie aus Bummelei unterblieben seien. Auf Befragen des Vorsitzenden, Landgerichtsrat Wiener, deponiert der Angeklagte über seine persönlichen Verhältnisse: Sein Vater fei Schlosser und von Bockenheim nach Friedberg gezogen, wo er — der Sohn — die Volksschule besucht habe, um bei dem dortigen Rentamt beschäftigt zu werden. Im Frühjahr 1899 bestand Dönges die Finanzprüfung 1. Klasse: er war Damals beim Rentamt in Gießen tätig. Am 1. Tezcmöcc 1899 wurde der Angeklagte Gehst,e an ber Klinik für t'rl?che und nervöfe Krankheiten. Als ber Verwalter des Instituts, Bohne, am 1. Juli seine Stellung aufgeb, um nach Darmstadt an da-, cm.ni’idje Amt zu gehen, bewarb a, der Angeklagte um b?r. st-^gewordenen Verwalter post en, Der ihm auch provisorisch übertragen wurde Ende Juli übergab ihm Professor Dr. Sommer eine Verfügung des Ministeriums des Innern zum Lesen, inhaltlich Denen ihm bie Verwalterstelle provisorisch übertragen sei. Dönges teilt mit, baß fx sich damit Als gjeqnta angesehen habe, hat ein geaalt geflohen ist, wo man ihn bann schließlich in Zürich verhaftet hat. Professor Dr. Sommer erklärt, daß Dönges als Direk- tionsgebilfe sich überaus tüchtig und fleißig erwiesen hat. Dieser Umstand, und weil der Angeklagte aus einfachen Verhältnissen sich mit Energie emporgearbeitet hatte, veranlaßte den Zeugen, dem noch sehr jungen Menschen sein Interesse zuzuwenden und ihn als Nachfolger Bohnes dem Ministerium und der Universitäts- behörde zu empfehlen. Bis zum Frühjahr 1905 hat Dönges den Verwalterposten auch zur Zufriedenheit ausgefüllt. Eine Revision im Oktober 1904 ergab, daß Bücher und Kassenführung in bester Ordnung sich befanden. Anfang 1905 hat der Zeuge einen anonymen Brief erhalten, worin ihm mitgeteüt wurde, daß Dönges Stammgast im Frankfurter Orpheum fei, dort viel Geld ausgebe und sich dort mit Frauenzimmern einlasse. Prof. Sommer bemerkt, daß er auf anonyme Schreibereien wenig gebe, in bem Falle aber es für seine Pflicht gehalten habe, ben Verwalter unter Vorlegung bcs Schreibens zu fragen, ob bessen Inhalt auf Wahrheit beruht. Dönges hat seinen Verkehr in dem Lokal unumwunden zugestanden, auch angegeben, daß er daselbst ca. 230 Mk. ausgegeben habe/ die er sich erspart haben wollte. Der Zeuge erklärt, daß er Dönges ernstlich ermahnt hat, jenes Lokal zu meiden. Dönges versprach, jenes Lokal nicht mehr zu besuchen unb damit war bie Angelegenheit erlebigt. Balb barauf beklagten sich bie Aerzte und auch die Oberschwestern, daß ber Verwalter seinen Dienst vernachlässige. Der Zeuge überzeugte sich- baß biefe Klagen berechtigt waren unb stellte Dönges zur Rebe; bieser wußte aber sich so gut äu entschuldigen und die vorgekommenen Nachlässigkeiten mit überhäufter Arbeit zu erklären, daß ihm schwer beizukommen war. Auch von der Universitätsbehörde wurde im Jahre 1906 häufig geklagt, daß Dönges die monatlich zu gebenden Aufftellungen an das Rentamt rc. nachlässig handhabe. Der Zeuge schildert, wie er ben Verwalter stets energisch angehalten, im Kastenwesen pünktlich unb genau zu sein, wie bies alles aber vergeblich war, und als schließlich gar ein Direktionsgehilfe seine Stelle aufgab, sei sozusagen die ganze Verwaltung aus den Fugen gegangen, weil dieser in der Hauptsache die Geschäfte des Verwalters mitbesorgt hatte. Es stellte sich heraus, baß Zahlungen, bie Vi bis Vz Jahr früher zur Kasse abgeführt waren, erst später als gezahlt in ben Büchern eingetragen waren, baß die monatlichen Abschlüsse ber Bücher im Rückstand waren und dies veranlaßte ihn, Dönges aufzusordern, die Kliniksangelegenheiten zu ordnen und um seine Entlassung einzukommen. Dönges verzögerte die Einreichung eines Entlastungsgesuchs bis zum 4. Dezember und bat dann um seinen Abschied am 1. März 1907. Als man schließlich dahinter kam, daß Dönges dem Rentamt eine Forderung von 205 Mk. zur Beitreibung übergeben hatte, die längst bezahlt war, riß Professor Dr. Sommer die Geduld, er entließ den Verwalter am 1. Januar d. I., nachdem er beim Ministerium gebeten hatte, einen Beamten mit ber Prüfung ber Geschäftsführung bes Dönges zu betrauen. Tie Prüfung ergab ein vernichtendes Resultat für ben Angeklagten. Professor Sommer erklärt, daß er nicht in der Lage sei, genau anzugeben, wie hoch der Betrag sei, den der Angeklagte ihm privatim veruntreut habe, er schätze ihn aber auf ungefähr 1300 Mark. Die weiteren Zeugenaussagen bestätigen, daß der Angeklagte in unglaublicher Weise die Geschäfte der Kliniksverwaltung geführt, ober besser gafagt, nicht geführt hat. Regierungsrat Gutmann erklärt, baß nach seiner Ansicht Dönges nicht etwa einzelne vereinnahmte Beträge unterschlagen bat, sonbern einfach fortgesetzt in die Kasse gegriffen hat. Der Sachverständige erklärt, daß iid) die Buchführung und das Kassenwesen, als er sie Mitte Januar d. I. zu Gesicht bekam, in einem sozusagen bankerotten Zustand befunden haben. Seit dem Aprll 1906 war nur noch das Tagebuch und zwar sehr mangelhaft geführt. Eine größere Anzahl Ausgabebeläge war noch nicht eingetragen. Die Handbücher für 1906 lagen unbenutzt im Aktenschrank. Die monatlichen Abschlüsse im Tagebucy fehlten seit Avril 1906, obschon Dönges unter seinen an das Rentamt monatlich abzugebenden Tagebuchsauszügen, bie er seit Oktober überhaupt nicht mehr abgegeben hatte, den vorhandenen Saldo aufgegeben hat. Es war ein förmliches Chaos, nach dessen vorläufiger Ordnung zuerst ein Fehlbetrag von 3110.13 Mk. unb später von 4550.70 Mk. festgestellt würbe. Es sei außer Zweifel, daß ber Angeklagte bie monatlichen Abschlüsse, bie er bem Rentamt mitteilte, gemacht hat, um die Kontrolle zu täuschen, tatsächlich ist auch Dönges seit Oktober 1904 bis zum Januar 1907 betreffs seiner Geschäftsführung unb betreffs des Kastenwesens feiner Revision unterzogen worben. * Den Geschworenen wurden folgende Fragen vorgelegt: 1. Ob der Angeklagte schuldig der Amtsunterschlagung unb ob er betreffs bieser Unterschlagung bie Bücher unrichtig geführt unb unrichtige Auszüge ober Abschlüsse aus biesen Büchern vorgelegt hat. 2. Im Fall ber Verneinung ber Frage 1: Ob ber Angeklagte sich der Unterschlagung von Honorar zum Nachteil des Professor Dr. Sommer schuldig gemacht. 3. Für den Fall der Bejahung ber Frage 1: Ob ber Angeklagte in einheitlichem Zusammentreffen mit ber Amts- unterschlagung bie Unterschlagung zum Nachteil des Professors Dr. Sommer begangen. 4. Ob tktin Angeklagten in jedem einzelnen Fall mildernde. Umstände zuzubilligen seien. von 1800 Mk. bezogen. 'Jluf Befragen Des Vorsitzenden bemerkt ber Angeklagte, baß er allerbingS als Beamter weder vereidigt noch förmlich in Pflicht genommen sei, unb daß ihm sein Vorgänger die Kasse in bester Ordnung überliefert hat Es lagen ihm viele Obliegenheiten ob, er hatte u. a. das Kastenwesen zu besorgen, mußte sich mit dem Rentamt verrechnen, zu diesem Zweck und zum Zweck ber Kontrolle auch an bie AdministtalionSkom- mission bet Universität Abschriften der Buchabschlüsse machen und bas Vorhanbenscin bes Gelbvorrats seststellen und bescheinigen. Der Angeklagte gibt zu, daß er feit 1905, wo er das erstemal in bie Kasse gegriffen hat, keinen Kassensturz mehr vorgenommen, auch ben tatsächlichen Kastenvorrat nicht mehr sestgestellt, dagegen aber das Vorhandensein von Summen bescheinigt hat, die er teilweise für sich verwendet hatte. Dönges erklärt, er habe, ohne zu überlegen, Gelder aus der Kaste genommen, ebenso sich Geld ungeeignet, das er für Professor Dr. Sommer vereinnahmt hatte. Er habe viel in Mädchenkneipen verkehrt, dies habe Geld gekostet, mehr, wie er von feinem Gehalt habe leisten können, unb ba sei er unehrlich geworden. Der Umgang mit den Frauenzimmern habe seine Widerstandskraft gebrochen, er sei nach unb nach moralisch unb physisch heruntergekommen, habe stark getrunken, besonders Kognak zu sich genommen, so habe er schließlich in ben Tag hineingelebt: darunter habe seine Leistungsfähigkeit gelitten, sodaß er schließlich nicht mehr fähig war, im Amt seine Schuldigkeit zu tun. Auf Befragen gesteht ber Angeklagte zu, daß er mit einer verheirateten Wirtin sich in ein intimes Verhältnis eingelassen, das schließlich Folgen für die Frau hatte, fodaß der Mann sich von der Frau getrennt hat und jetzt die Ehescheidung betreibt. Dönges räumt ein, daß er häufig nach Frankfurt gereift ist, um mit der Frau zusammen zu sein unb erklärt, baß er jene Frau später heiraten will. Auf Befragen bcS Staatsanwalts erklärt er noch, baß er im Januar ugmffeauOerW ‘feitißt fofoft jfimg bet$W--; Wiohst nur smäher jri!at Dottagenie Mtit pt der erkauf litigeres! sseres! Chasalla- efei « Damen, Herren Konzert des G ernh ardt'schen Zither- und Man- doli nenchorcS ou§ Gießen statt. Das Konzert war auch aus der weiteren Umgebung (Schotten, Büdingen und Hungen) sehr gut besucht und die Leistungen wurden sehr beifällig ausgenommen. Besonderen Beifall fand Punkt 3 des Programms „Das Kirchlein" (von Becker-Gernhardt). Nicht allein das Publikum war mit dem Gebotenen sehr zufrieden, auch die Künstler sprachen über das schöne Bad Salzhausen ihre Bewunderung ans, und bedauerten, daß noch viele Gießener von der Natnrschönheit Bad Salzhausens keine Ahnung hätten. □ Lindheim, 11. Juni. Die Blatternepidemie scheint um sich zu greifen, außer hier ist die Krankheit auch in Altenstadt und Orten berg bei einigen Personen aufgetreten. Die Behörden sind eifrig bemüht, ein Umsich- greifen der gefährlichen Krankheit zu verhüten, die Kranken wurden isoliert. Im Ganzen sind neun Personen erkrankt. t- Rüddingshausen, 11. Juni. Nächsten Sonntag, 16. d. M. feiert der Gesangverein Concordia das 1. Bundesfest des Lumdatal-Sängerbundes verbunden mit Fahnenweihe. Da sich etwa 20 Gesangvereine, ebenso verschiedene Kriegervereine und der Radfahrer- Verein Rabenau-Londorf 1902, angemeldet haben, verspricht das Fest, bei günstigem Wetter ein recht gemütliches Zusammensein. Unsere Einwohner sind bestrebt, ihr Bestes dazu beizutragen, daß das Dorf in einem schönen Festkleid dastehen wird. Auch die hiesige Schülerkapelle wird unter Leitung des Lehrers Schmidt an dem Festzuge teilnehmen und einige Konzertstücke auf dem Festplatze vortragen. /^Butzbach, 11. Juni. Der seither in Untersuchungshaft in hiesigem Arrestlokal internierte Bäckermeister Glintzer von Gambach ist gestern in das Untersuchungsgefängnis nach Gießen transportiert worden. Glintzer wird bezichtigt, mit seiner Stieftochter in strafbarem Verkehr gestanden zu haben. Verschiedene Blätter wußten schon vor einigen Tagen von einem Geständnis des Glintzer zu berichten, was aber nach eingezoaener Erkundigung vollständig unzutreffend ist. Tatsache ist, daß die Tochter wiederholt den Versuch gemacht hat, sich in der Jauchegrube zu ertränken. Bad-Nauheim, 11. Juni. Gestern nachmittag 5.17 Min. traf Bischof Dr. Kir stein von Mainz, empfangen vom kath. Kirchenvorstand und der zahlreich erschienenen Gemeinde hier ein, um am heutigen Tage den Akt der Firmung in unserer Gemeinde vorzunehmen. Von hier aus wird der Bischof die kath. Orte in Oberhcssen besuchen, um das Sakrament der Firmung zu spenden. Worms, 11. Juni. Das Verlagsrecht des „Wormser- Tageblatts" geht nach der „Frkf. Ztg." durch Kauf von der Rheinischen Buchdruckerei mit Ende dieses Monats in den Besitz des Verlegers der „Wormser Zeitung" über. — Die hiesige Handelskammer beschloß, bei der Großh. Regierung für die steuerliche Gleichstellung der Konsumvereine mit den konkurrierenden Gewerbebetrieben einzutreten. Ferner beschloß die Kammer, bei der Negierung zu beantragen, gelegentlich der Vorbearbeitung des Gemeindeumlagengesetzes die Einführung einer Filialteuer in Erwägung zu ziehen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In S a ch s e n h a u s e n 'st a r b am Samstag plötzlich em Ljähriges Kind. Die Mutter nahm sich den Tod des Kindes so zu Herzen, daß sie einige Stunden darani eben- salls starb. — In Weisenau warf die geistesgestörte Frau des Arbeiters Leineweber ihr einjähriges Kind vom ersten Stock auf die Straße hinab und sprang dann dem Kinde nach. Muller und Kind wurden schwer verletzt ins Hospital ver- bracht. Ans Stabt und fand« Gießen, 12. Juni. ** Auszeichnungen für Oberhessen in Düsseldorf. Vom Ausschuß der Landwirtschaftskammer für die Provinz Oberhesfen war die Düsseldorfer Ausstellung mit 22 Stück Vogelsberger Rindern und 15 Saaner Ziegen beschickt worden. Wir wir aus der vorliegenden Liste erfahren, sind auf Oberhessen in der Abteilung Rinder 8 erste, 5 zweite, 5 dritte Preise und 4 Anerkennungen gefallen. Die Preise stellen einen Geldivert von 2020 Mk. dar. In der Abteilung Ziegen erhielt Oberhessen 1 ersten, 4 zweite, 1 vierten Preis und 4 Anerkennungen mit einem Geldwerte von 330 3Jlt. In dieser Abteilung fiel auf den Ziegenzuchtverein Alsfeld der 2. Sammlungspreis, geiviß ein erfreuliches Resultat, wenn man berücksichtigt, daß die alten Ziegenzuchtvereine in Starkenburg und Rheinhessen die Konkurrenten waren. Im allgemeinen können die oberhessischen Aussteller mit Genugtuung auf die in Düsseldorf erzielten Resultate blicken. *• Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dein Lehrer Hch. Brücke l zu Bisses die zweite Lehrerstelle ander Gemeindeschule zu Wohnbach; dem Schulamtsaspiranten Wilh. Baußmann aus Neu-Bamberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ehringshausen; der Schulverwalterin an der höheren Bürgerschule für Mädchen (Schillerschule) zu Friedberg Hedwig Arendt eine Lehrerinstelle an dieser Schule. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Bernsburg Karl Hechler auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. ** Sein 25jährige§ Dienstjubiläum in der Kreisamtsverwaltung feiert heute Bureauvorsteher Schiffnie. Dem in weiteren Kreisen wegen seines entgegenkommenden Wesens geschätzten und beliebten Beamten wurden aus diesem Anlaß von den verschiedensten Seiten, Behörden und Kollegen mannigfache Ehrungen zuteil. **>Der Hessische Zentralvercin für Errichtung ■billiger Wohnungen hält seine Hauptversammlung am 27. Juni zu Darmstadt ab. Auf der Tagesordnung lieht u. a. die Frage der Ausgestaltung derBau- ordinungen und Bebauungspläne, unter besonderer Berücksichtigung des Kleinhauses. Als Referent hierfür ist der Ober- und Geheime Baurat Tr. ing. S t ü 6 b e n in Berlin-Grunewald gewonnen worden, eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiete, der als einer der ersten auf die Notwendigkeit einer Reform der bei Ausstellung von Bauordnungen und Bebauungspläne geltenden Grundsätze hingewiesen hat. Die Frage hat jetzt für Hessen aktuelle Bedeutung, da eine Umarbeitung des hessischen Baugesetzes geplant ist. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung des Vereinsvorstandes wurde die Beteiligung des Vereins an der im nächsten Jähre stattfindenden hessischen Kunstausstellung beschlossen. Nachdem der Verein durch den mit großem Erfolge durchgeführten Wettbewerb zur Erlangung mustergültiger Pläne zu Häusern mit kleinen Wohnungen einen kräftigen Anstoß in der Richtung einer besseren und geschmackvolleren Bauweise gegeben hat, sollen bei Gelegenheil der Ausstellung diese Bestrebungen durch praktische Beispiele dargestellt werden. Es sollen zu diesem Zwecke auf dem Ausstellungsgelände mehrere mustergültige Ein- und Zweifamilienhäuser mit kleinen Wohnungen errichtet werden, die zugleich Ausstattungen mit praktischen, solid hergestellten und dabei doch billigen Möbeln erhalten. Neben dem wirtschaftlichen Moment, d. h. der Anpassung von Häusern und Möbeln an die Eintommensverhältnisie und Lebensgewohnheiten minderbemittelter Familien, soll geschmackvolle, künsllerischem Empfüiden Rechnung tragende Ausführung leitender Gesichtspunkt des Unternehmens sein. Es werden ferner auf oer Ausstellung Modelle schöner Haut er grupp en, sowie Pläne und Schaubilder zur Darstellung wimnen. _ Die bisher geführten Verhandlungen, deren Leitung in den Händen des Großh. Landeswohnungsinspektors Gretzschel liegt, haben em grotzes Interesse im Lande für das Unternehmen gezeigt. Es haben sich z. B. fünf hessische Gwßindustrielle, nämlich Freiherr v. Hehl in Worms, Fabrikbesitzer Wilhelm Opel ui Rüpels heim, Fabrikbesitzer Eloos in Nidda, sowie die ö-irmen Dorr u. Reinhart in Worms und Dyckerhoft u. Söhne zu Amöneburg bereit erklärt, sich durch Erbauung je eines Hauses und depen innere Ausstattung an dem Unternehmen zu beteiligen ferner ist es gelungen, angesehene l)essische Architekten iu. a bie Proienorcn Olbrich unb Walde in Tarmstadt, Architekt Georg Metzendors in Bensheim, Landesbaugewerkschul-Tirektvr Wienkoov in Eberstadt und die Architekten Mahr und Markwort hier, zu gewinnen. Das Unternehmen erscheinr umso bedeutungsvoller als in Hessen das nenie Haus weit überwiegt und mithin seine Darstellung m geschmjackvoller Form weithin im Lande befruchtend wirken kann. ** D i e O b st er n t c in H es s en. Nach den statistischen Erhebungen wurden im abgelaufenen Jahre im Großherzoa- tum 290840 Zentner Obst im Werte von 3 2 9 6 89 0 Mk geerntet. O Bad Salzhausen, 10. Juni. Letzten Sonntag fand hier, vom herrlichsten Wetter begünstigt, daZ angesagtStaatsanwalt R e u ß plädierte für schuldig des Verbrechens tut Amt und für die Bejahung der Frage, daß damit im Zu- faminenhang als eine einheitliche Verfehlung die Unterschlagung zuin Nachteil des Professors Dr. Sommer anzusehen sei. Es sei in der Beweisaufnahme dargetan, daß Dönges als Beamter gehandelt und asts solcher auch nach dem Gesetz anzusehen sei. Der Staatsanwalt tritt außerdem für mildernde Umstände ein. Der Verteidiger, Justizrat Windecker, ist der Ansicht, Der Angeklagte sei nicht als Beamter anzusehen, er sei als solcher weder verpflichtet, noch vereidigt worden, cs Hütte nach der Reckst- sprechung des Reichsgerichts eines besonderen förmlichen Aktes bedurft, um ihn als Beamten ansehen zu können. Der Ver- leidiger gesteht zu, daß der Fall bei einem Manne, dessen Amt ihm obrigkeitliche Funktionen auferlege, anders liege, daß dieser, weiin er ein solches Amt ausübe, auch ohne durch einen förmlichen Akt verpflichtet zu fein, Beamtenqualität genieße. Im vorliegenden Falle aber könne auch ein Privater, ohne Beamtenqualität zu besitzen, die Geschäfte der Klinik besorgen, wie es der Angeklagte tatsächlich getan hat. Er beantragt, die Frage des Verbrechens im Amt zu verneinen, dagegen liege einfache Unterschlagung vor. In diesem Sinne bitte er die Geschworenen, ihren Spruch zu fällen und dem Angeklagten dann noch die mildernden Umstände nicht zu versagen. Der Spruch der Geschworenen lautet dem Antrag des Staatsanwalts gemäß. Staatsanwalt R e u ß weist darauf hin, daß die unterschlagene Summe beinahe 6000 Mk. beträgt, daß der Angeklagte die Tat nicht aus Not begangen, sondern um der Genußsucht, um der Unzucht und dem Laster der Schwelgerei huldigen zu können. Er hat sich nicht gescheut, einen groben Vertrauensbruch zu begehen. Aus diesen Gründen hält der Staatsanwalt 2 Jahre und 3 Monate Gefängnis für angemessen, worauf ein Teil oder die ganze Untersuchungshaft als verbüßt anzurechnen sei. Von einem Antrag auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wolle er absehen, well er der Ansicht ist, daß der noch junge Angeklagte eine ehrlose Gesinnung bei Begehung der Tat nicht an den Tag gelegt hat. Der Verteidiger führt dem Gerichtshof alle Momente vor, die bei Ausmessung der Strafe für eine geringere Strafe sprechen. Das Gericht erläßt Urteil dahin, daß auf 1 Iahsr 8 Monat Gefän gnis erkannt wird, worauf 2 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Die Ankunft der Herkomcrfahrt. Aus Frankfurt a. M. wird uns unter dem 11. Juni geschrieben: Frankfurt steht heute int Zeichen des Automobils. Daß aber die Zahl der upperten, die sich ein Auto leisten können, in unserer Stadt überraschend groß ist, das konnte man mit Auge, Ohr und — Nase wahrnehmen, als man heute mittag zum Ziel fuhr, an dem man die Herkomer-Autler erwartete. Das Ziel liegt, etwa eine halbe Stunde hinter dem Ostbahnhof an der Chaussee, die rechtsmainisch über Mainkur nach Offenbach—Hanau führt, auf dem Gelände, wo jetzt ein Stück zukünftiges Frankfurt — Ostpark und Osthafen — langsam Gestalt gewinnt. Kurz vor 3 Uhr traf das Prinzen paar Heinrich v o n P r e u ß e n im Automobil ein, einige Minuten später das Großherzogspaar von Hessen; beide Herren steuerten selbst ihre Wagen. Bald sah man S. K. H. den Großherzog, der in allerbester Stimmung schien, in fröhlichem Geplauder im Gedränge. Er trug einfaches graues Zivil. Die geschmeidige Gestalt des Prinzen Heinrich im dunklen Anzug mit den braunen Ledergamaschen machte einen höchst sympathischen Eindruck, den das offene, freundliche, dunkelgebräunte Antlitz noch erhöht. Zwanglos bewegten sich die Fürstlichkeiten unter der Menge, und alles harrte voll Spannung auf das Eintreffen deA ersten Wagens. Und dann kam der große Moment, auf den alle Zuschauer gewartet hatten. Doch, wie so oft im Leben, war auch hier die Vorfreude das Beste. Das Endergebnis wird erst morgen abend verkündet. Der zuerst eintreffende Wagen war nicht der Sieger, und wer nicht unter den Insassen des Wagens Freunde und Verwandte hatte, für den hatte das Schauspiel bald seinen Reiz verloren. Es waren ja einzelne hübsche Augenblicke der Begrüßung, wenn z. B. eine Dame in eleganter Toilette sich kühn neben den total bestaubten Gatten schwang und freudestrahlend mit ihm durchs Ziel fuhr. Oder wenn die wenigen Damen, die an der Fahrt teilgenommen hatten, unter dem Jubel der Zuschauer anlangten. Die Konkurrenten trafen in folgender Reihenfolge ein: Nr. 9 Ladenburg-München (Mercedes), 21 (Opel», 17 (de Dietrich), 24 (Opel), 26 (Fiat), 36 (Mercedes), 49 (Gaggenau), 37 (Bianchi), 40 (Bianchi), 29 (Mercedes), 61 (Opel), 38 (Bianchi), 47 (Martini), 64 (Scheibler), 60 (Jtala), 58 (Jtala). Umi/2? Uhr waren sämtliche Wagen eingetroffen. , Als Schlußergebnis der Fahrt ist folgendes zu sagen: Etwa 10 Proz. der gestarteten Wagen sind ausgeschieden Die vorgekommenen Unglücksfälle find hcrvorgerufen dadurch, daß die Zuschauer den Wagen zu nahe kamen und umgerannt wurden. Fest steht, daß während der Fahrt keine tödlichen Unglücksfälle vorgekommen sind. Ein Teil der Wagen ist stark beschädigt. Sämtliche Fahrer sprachen sich dayin aus, daß diese letzte Herromerfahrt sehr schwierig und anstrengend gewesen sei, Als mutmaßlichen Sieger bezeichnet man vielerseitS den Wagen Nr. 19. Der Arbeitsausschuß hat folgende 26 Fahrzeuge zur engeren Konkurrenz unter Verschluß gestellt: Nr. 7, 9, 14, 18, 19, 22, 35, 36, 44, 59, 61, 63, 92, 98, 100, 104, 106, 109, 119, 121, 142, 152, 159, 165, 169, 187. An dem geselligen Beisammensein heute abend int Frankfurter Automobilklub nehmen Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Hessen teil. Beseitigung der Antomobil-Staubplage! Die durch den rapid wachsenden Automobilverkehr hervor« gerufene Staubplage äst sö unangenehm und allgemein, daß wohl jeder es begrüßen wird, wenn bald eine Einrichtung ein- geführt wird, welche diese beseitigt, oder doch auf ein erträgliches Maß beschränkt. Vergeblich hat man sich bisher bemüht, die Lösung" dadurch herbeizuführen, daß man staubbindende Flüssigkeiten benutzte, um das Äufwirbeln des Staubes zu verhindern. Die Betriebskosten dieser bis jetzt über das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommenen Besprengungen sind aber so ungeheuer hoch, daß sie selbst die größte Stadtgemeinde, wenn sie das Verfahren anwenden will, so oft, als es unbedingt geschehen muß, um einigermaßen feinen Zweck zu erfüllen, nicht aufbringen kann: von den kleineren Stadt- und Landgemeinden, die doch auch ein Recht darauf haben, nicht im Staub zu ersticken, gar nicht zu reden. Es ist daher unschwer zu erkennen, daß man auf diese Weise die Staubplage niemals beseitigen wird, sondern nur dadurch, daß man den Staub, der ja stets nur zu weiterer und größerer Staubbildung beiträgt, unbedingt entfernen muß. Dies bezweckt nun die Erfindung, welche ein Herr L. Klarn- berg in Frankfurt gemacht hat. Sie sieht die Beseitigung der Staubplage auf zwei Arten vor, einmal durch das Anbringen eines, an jedem Auto anzubringendcn, von dem Motor desselben betriebenen Apparates, der mittels vier Mundstücken den aufgewirbelten Staub hinter den Rädern aussaugt, niederschlägt, netzt, knetet und als kompakte Masse wieder fallen läßt. Auf diese Weise wäre die Aufgabe wohl am rationellsten zu lösen, indem dann die Staubplage der Chausseen auf das erträgliche Maß zurückgeführt würde, wie es früher vor Einführung der Automobile war, vor allen Dingen würden Unglücksfälle, wie sie oft und wieder dieser Tage bei der Herkomer-Fahrt vorkamen, vermieden. Belastet würden dadurch nur die Automobilfahrer, welche sich gegen die obligatorische Einführung nicht sträuben können. Die zweite Lösung der Staubfrage soll durch einen Straßenstaubsaugwagen erreicht werden, der durch eine, einer Kehrmaschine ähnliche Einrichtung, den Staub aufwirbelt, in Wasser, das ein Bindemittel enthält, niederschlägt, und an geeigneter Stelle ablädt. Die Betriebskosten für solche Wagen sind gering. Es wäre bei stark benutzten Straßen kaum nötig, sie täglich in Tätigkeit treten zu lassen, und bei Landstraßen nur in größeren Zwischenräumen. Soweit Städte und Kreise nicht selbst solche Wagen anschaffen, soll eine zu gründende Betriebsgesellschaft das Staubfreihalten von Straßen sich zur Ausgabe machen. Hoffen wir, daß diese Einrichtung bald die ausgedehnteste Verbreitung findet, wenn nicht das Wandern zu Fuß in absehbarer Zeit, ohne Schaden für Gesundheit und Leben gänzlich unmöglich werden soll. ituaiüt rind wssjerrschaft. Paris, 11. Juni. Präsident Fallieres eröffnete heute eine A n s st e l l u n g von Bildern der Maler Chardin und Frag onard, unter denen sich auch Bilder aus dem Privatbesitz des Kaisers Wilhelm befinden. Tas Erträgnis der Ausstellung soll zu einem Denkmal für Chardin und zum Besten deS Instituts des Professors Poirier zur Bekämpfung der Krebskrankheit dienen. — In C l e v e l a n d (Ohio) wurde am 10. Juni ein Schiller- und Goethe-Denkmal enthüllt. Kaiser Wilhelm sandle ein Begrüßungstelegramm den Bürgern deutschen Stammes in Cleveland, in dem er die Wertschätzung deutscher Ideale freudig anerkannte. Universitäts-Nachrichten. — Die Universität Oxforo wird am 18. Juni dem Direktor des Jnftitttts für experimentelle Therapie in Frankfurt am Main, Professor Paul Ehrlich, den Grad eines Ehrendoktors verleihen. — Ein längerer Artikel der „Köln. Ztg." beschäftigt sich mit einer bevorstehenden Universitätsrektoren-Konserenz. Es heißt darin im wesentlichen: Im laufenden Sommersemester soll wieder, wie bereits früher einmal, eine Konferenz der Universitäts-Rektoren 1 (30. Juli in Marburg) statt- fiitben. In der Tat gibt es eine Menge von Dingen, für die gerabe die gemeinsame Erörterung durch berufene Vertreter der verschiedenen Universitäten sehr förderlich sein kann, wenn unsere Universitäten in stetem Streben nach gesunder, zeitgemäßer Fortentwicklung sich immer so auf der Höhe halten sollen, wie wir es wünschen müssen. Man kann daher nur wünschen, daß solche Zusammenkünfte zu einer ständigen alljährlichen Einrichtung werden •möchten. Will man aber etwas Ganzes haben, dann muß man statt einer bloßen Rektoren-Konferenz eine Konferenz von Universitäts-Vertretern nach folgenden Grundsätzen einrichten: Jede Fakultät der betreffenden Universitäten wählt einen Vertrete r, die philosophische Fakultät aber — abgesehen von solchen Universitäten, wo die matl-ematisch-naturwifsenschaftlichen Fächer in einer besonderen Fakultät vereinigt sind — zwei, einen aus der philol.-historischen, den andern aus der mathematisch- naturwissenfch. Abteilung. Diese Vertreter werden eigens für den Zweck der ftaglichen Konferenz, und zwar jedesmal auf mehrere Jahre, am besten drei, gewählt. Jedes Jahr scheidet an jeder Universität ein Teil der Vertreter aus und findet für diese eine Neuwahl statt, wobei Wiederwahl zulässig ist. Der Rektor ist für sein Rektoratsjahr zugleich der Vertreter seiner Fakultät. —Zur Bekämpfung d e s Z u st r o m s von russischen Studierenden haben Delegierte der schweizerischen Universitäten in Lausanne beschlossen, daß Russen und Russinnen, welche an den schweizerischen Universitäten studieren wollen, mindestens die Bedingungen erfüllen sollen, welche in Rußland für den Eintritt in die Universität gelten. Der hervorragende Gynäkologe ProfessorBumm in Berlin hat den Ruf nach München endgültig abgelehnt. — - -—■"* 1 " 11 Arbeiterbewegung. Frankfurt a. M., 11. Juni Zu der A u s s p e r r u n g der Metallarbeiter ist zu melden: Nach der Ablehnung der zwischen den beiden Kommissionen getroffenen Vereinbarungen durch die Streikenden in Offenbach hatte die Offenbacher Siebener- Kommission der Arbeitnehmer bei dem Vorsitzenden des Arbeitgeber-Verbandes angefragt, ob weitere Verhandlungen erwünscht seien. Tie Fabrikanten haben sich dazu bereit erklärt. Heute vormittag wurden die Verhandlungen zwischen den beiden Siebener-Kommissionen wieder aufpenomnten. Berlin, 11. Juni. Ter Bäcker st reik tourbe durch Beschluß einer Gesellenversammlung aufgehoben. Dagegen soll der Boykott weitergeführt werden. Zwickau, 11. Juni. Auf den Brückenberg-Schächten des Brückenberger Stein kohlen Vereins nahmen gestern und heute gegen 600 Bergleute, das sind fast em Drittel der gesamten Belegschaft, ihre Entlassung, um nach dem R u h r r e v i e r auszuwandern. Rian will hier keinen Ausstand beginnen, sondern durch Abwanderung der Lohnbewegung zilm Erfolg verhelfen. GerichtssaaL. 0 Marburg, 11. Juni. Ter Landwirt H. Köhler aufl Lützelwig, der auf einem Wechsel aus 869 Mk. 1869 Mk. machte, wurde von der Strafkammer zu sechsMonatenGefängnis verurteilt.:— Z w e i S t u d en te n^ die wegen Hausfriedens«, ruchs « begangen durch. Eindringen ins Wachttokal, vom n-floo bcz-v. ^Aeclin- 2. legten Esalte. 1 löt' WS nMirteili.___. »ergangene» M A* » LpaniI » Frankreich »ei Ae .o-chslnnge» >md ub-mogen urch ipmufdjc Äalk, berliner bladlkoi libre und Mine. sftldzug Wjt das deullche beutln Nerlc Sieuft zu verlage ijt, erreicht hat." daß mau in Ten dankbar fei. ' Auf de schwerer Auton des Ställchens des Leutnants r talbrücke in vol die in den Floß des Kraftwagen der Rückfahrt i Chauffeur wutl blieben bewußt! weise im letz! Mechanismus c Obstbaum mit befreiten die V brachten sie nai haben sie Qnets Aruch des Fußt * Kleine TrMag in do Betr.: Antrag Grunbstü Großen-L Unter Äezu 190/ (Kreisblat. l“B bie (üemeir eMMg zuriickg, Gießen, 6 . Das erste .^Beitreibung^ »°dlen. Zahltag. Gleizen, bei . Die giiiP ze*gen an •Wut u : Netzen, hx, Ar Mittwoch, dx ^Ech vergebe Ltahlwarcngejchäft, Gieffen, Teltersweg 30. Große AllMahl in Rafier- Apparateu verschied.Systeme,wie (Gillette, Rapide, Non plus ultra, Piccolo, Slom- fort, Pascha, ^sowie Licherbeits 'Rasiermesser Atlas und Figaro empfiehlt unt. Garantie Ad. Reinig, Alle Kräftigungsmittel wie Ferromanganiu, Ferrocaruin, Haematogen, Tcotts Emulsion,Tomatose, S analogen uiw. taufen Sie stets frisch in der [3900 Germania-Drogerie Carl Seibel Frankfurter Str. Telephon ZW. Prompt. Versand nach auswärts- Prima neue Sommer- Malta-Kartoffeln *■ das Pfund 15 Pfennig ■■ Matjes-Heringe des Stück lOPsg. frisch eingetroffen. Jafcoh Maternus Klinikstraffe SS. 3923 Französisch. Billard, fast neu, weit unter Preis ab- Auoebcn. ^jäheres 04109 Bleich straffe H, B. Amtlicher Heil Bn/e Doepfer. Statt Karten. J. Happel 3926 am 10. 3uni ein f/liHt, ftailtr HÖH* Wihyern beutid/en schätzung btidfätr Mein Holz- und Kohleu- geschüft befindet sich von Heute an in meinem neuerbauten Lager Neustadt 35 .Mühlgasse 20 hast. eröffnete heute em er Chardin uni aus bem Privalbch Erträgnis bet LuS- und zum Behen des ung der KledLkrank» Vermischte». *Das neueste E t s e n b a h n un g l ü ck. In der vor- verqangenen Oiacht stieffen auf der Station Stern (Bayern) zwei G ü t c r z ü g e z u s a in in e n. Zwei Wagen würben zertrümmert und die Ladung beschädigt. Em Beamter würbe erheblich verlegt. Tas übrige Personal konnte sich durch Abspringen reiten. Ter Materialschaden wirb auf 15,000 Mk. geschätzt. * Spanische Redakteure. Alles, was jemals in Frankreich bei Besprechung deutscher Verhältnisse an komischen Verwechslungen und Verwirrungen geleistet worben ist, wirb weit übertroffen durch die nachdenkliche Betrachtung, bie bas größte spanische Blatt, der Madrider „'pcralbo", ber Verabschiedung des berliner Stadtkommandanten Grasen von Mollke wibniet. Man Ijöre und staune: „Der General Moltke, der geistige Leiter des Feldzuges gegen Frankreich, dessen kriegerischem Weilt das deutsche Reich sein Leben verdankt, dessen Ansehen im deutschen Heere tadellos ist, hat sich genötigt gesehen, den aktiven Tiensl zu vcrlasjeu, weil er die Altersgrenze, welche unter 60 Jahre »st, erreicht hat." Tas gute Blatt entrüstet sich bann noch darüber, daß man in Deutschlaiid so verdienten Männern gegenüber nicht dankbar sei. * Auf ber Hochzeitsreise verunglückt. Ein schwerer AntoiiiodilUnfall hat sich bei Ahlendorf unweit des Städtchens Krossen an der Elster ereignet. Das Auto des Leutnants v. Muck aus Berlin prallte an der Scheibentalbrücke in voller Fahrt gegen die Einfassung der Brücke, die in den Floßgraben gedrückt wurde. Die drei Insassen des Kraftwagens, v. iDliuf und seine Gattin, die sich auf der Rückfahrt von der Hochzeitsreise befanden, sowie der Chauffeur wurden in weitem Bogen herausgeschleudert und bltcben bewußtlos liegen. Der Chauffeur hatte glücklicherweise im letzten Augenblick soviel Geistesgegenwart, den Mechanismus abzustcllen, doch riff das Automobil noch einen Obstbaum mit allen Wurzeln aus. Landleute auS Ahlendorf befreiten die Verimglückten aus ihrer gefährlichen Lage und brachten sie nach Krossen. Nach den ärztlichen Feststellungen haben sie Quetschungen der Lunge, der Wirbelsäule und einen Bruch deS Fnffknöchels davongetragen. * Kleine Tageschronik. In Berlin entstand am Dienstag in vorgerückter Abendstunde in der Armee-, Marine- Kekanntmachmtg. Betr.: Antrag der gemeinde Großen-Linden auf Enteignung der Grundstücke Flur I. Nr. 253 und 254 der Gemarkung Großen-Linden. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 8. Mai 1907 (Kreisblatt Nr. 32) bringen wir zur öffentlichen Kenntnis, lgü die Gemeinde Großen-Linden ihren Antrag auf Enteignung zurückgezogen hat. Gießen, den 11. Juni 1907. Großherzoglick-es Kreisamt Gießen. I. V.: Langermann. §0^ Arbeitsvergebung. Die Weißbinder, Dachdecker-, Svcugler- und Glaser arbcitcn für die Unterhaltung des Haufes Frankfurter Straffe 63 sollen Mittwoch, den 19. Juni d. I., vormittags 10 Uhr öffentlich vergeben werben. Arbeirsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote aus Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Bxl/6 Gieffen, den 11. Ium 190/. Städtisches Hochbauamt: Gerbet. |UtL i. Jin i dmD'mltor n Frankfurt am eines Ehrendol- beschäsiitzi sch ^Konferenz. EsW ^ommersemester M ferenz der Um Marburg) Ils )ingen, für die get- Vertteter der i kann, wenn Mw >cr, zeilgcwäber v»»' Mn sollen, wie M wünschen, dab M ährlichen EinrichM Ganzes haben, dm screnz eine KonstM! ijrundsStzeneiNiiM csitäten wählt einen :-SS- iKSS werden eigens sur den MS von llnlDer- schiveizeu^en ld)e und ^mindestens en woM ' 6m. »ußla-'b für Den flttlin rLu'N'N'nB , abgelehnu^ss Schöffengericht zu je acht Tagen (Sefangnks verurteilt worden waren, kamen heute etwas milder davon. Ihr Vergehen wird mit 100 bezw. 30 Mk. Geldstrafe geahndet. Berlin, 12. Juni. Ter Dragoner Peters vom 2. Garde-Tragoner-Regiment, dessen Angelegenheit nahezu ein Jahr die Kriegsgerichte beschäftigt hat, ist jetzt begnadigt worden. Peters war wegen militärischer Vergehen, deren er sich Vorgesetzten gegenüber in trunkenem Zustande schuldig gc macht hatte, verhaftet worden und auf dem Wege nach der Milikär-Arrest-Änstalt geflohen. Von den zum Transport befohlenen Soldaten wurde er zum Krüppel geschossen. Nachdem er sich im Garnison-Lazarett erholt hatte, wurde er vom Kriegsgericht wie vom Lberkriegsgericht zu 1 Jahr und 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Elberfeld, 11. Juni. Tie -Strafkammer verurteilte den Redakteur Deisel von der „Bergischen Arbeiterstimme" wegen Beleidigung des Reserveoffizier ko rps des Infanterieregiments Nr. 53 zu sechs Wochen, den Redakteur Grütz von der „Remscheider Arbciterztg." wegen Beleidigung des Oberstleutnants v. Bodingen-Cöln zu drei Wochen Gefängnis. Landau (Pkalz), 11. Juni. Tie hiesige Strafkammer verurteilte den Wei ii Händler Jacob Meyer von Rhodt wegen Weinfälschung zu vier Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. 35 000 Liter Wein würben eingezogen. Salzburg, 11. Juni. Ter wegen Raubmordes an dem Postbeamten Mühlberger angeklagte Gärtner Joses Pluharsch wurde nach fünftägiger Verhandlung zum Tode durch den Strang verurteilt. .. , mg der _ Be»a»i»iii»««»chuug. Das erste Ziel Gemeindesteuer für 1907 ut bei Vermeidung der Beitreibung bis 20. b. Mts. zur hiesigen Stadtkaffe zu bezahlen. Zahltage: Täglich, vormitlgs von 8—12 Uhr. Gieffen, den 10. Zum 1907. Der Stabtrechner: 7 itjt Don ^l'iluerfehr , nd al 2 .hervor. Ms® b’n$e.rt .L. Klam. -Mr 'KÄÜÄ Ialioneiih Wfeen aus dal 5 stuher vor (fo, » tahn UnglMg. Ott verkomer-gahrl nur die ye lüniuhrung nicht uch einen Straffen. '. ctliet tlehrmaschine 'N Wasser, das em eeigneter Stelle ab- ™ 9eung. Es wäre täglich in Tätigkeit .größeren Zwischen- lelblt solche Wagen elllchast das Staub- lachen. 1 die ausgedehnteste t zu Fuff in absch- uud Sieben gänzlich Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen an 13928 Louis Rosenthal und Frau, Paula geb. Katz. Giessen. Alicestrasse 22 a, den 12. Juni 1907. und Kolonialausstellung in dem Negerdorfe ein Aufruhr. Von den Schwarzen brachen 18 Mann aus, fingen mit den Aufsehern ein Handgemenge an und flüchteten aus ber Ausstellung. Ter Schöneberger Polizei gelang es bis Mitternacht 14 Schwarze zurück; u ho len. — Als in Neapel am 11. Juni durch einen Straffenbahnwagen eine Frau mit ihrem Kinde überfahren und getötet wurde, geriet das Publikum in die gröffle Erregung und beging Akte des Vandalismus gegen Straßenbahnwagen an mehreren Stellen der Stadt. Zwei Wagen wurden in Brand gesteckt. Polizeimannschasten und Soldaten übernahmen den Schutz der Straßenbahn und vertrieben die Menge. — In Narbonne ist das Theater nieder- gebrannt. Nach einem Gerücht war das Feuer angelegt worden. Landwirtschaft. ** Obstmarkt in Ingelheim a. Rh. Die Reise der Frühkirschen ist To fortgeschritten, daff die Eröffnung des dauernden Ob st Marktes in Njede r-Jngelheim am Donnerstag den 13. d. Mts. erfolgen wird. Der Markt ist vom Provinzialausschuß der Lvndwirtschastskammer für Rheinhessen mit Unterstützung des Obst- und Ganenbauvereins Ingelheim und der beiden Gemeinden Ingelheim ins Leben gerufen. Als Verkaufszeiten sind zunächst die Morgenstunden von 7 bis 9 Uhr vorgesehen. Ter Markt findet aus dem Vkarktplatze statt. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 12. Juni. «Orig.-Telegr. des .Gieß. Anz.") V i e h in a r k t. Zum Verlaust standen 00 Kälber, 00 Schale u. Hämrnel, 1419 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 57—58 Pf., Lebendgewicht 45.00—00 Pf., 2. QuqL 56—00 Pf., Lebendgewicht 44.50-00 Psg., 3. Qual. 48—50 Pfg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pf. Lebendgewicht 00-00 Psg., 2. QuqL 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität 00—00 Psg., 2. Qualität 00—00 Psg, Geschäft bei Schweinen: gut, Ueberftnnb unbedeutend. Während des Marktes lief noch ein Waggon mit 65 Schweinen ein. Gießener Wetterdienst. BoranSsichtlichc Witterung für Hesicu am Donnerstag den 13. Juni: Trübling und Regenfälle, stellenweise nut Gewitter. Etwas kühler. Westliche Winde. Mriginal-Drahtmeldrrngen. -rn Friedberg, 12. Juni. Heute vormittag wurde der hiesige praktische Arzt Beith auf dem Wege von Ober- Mörlen hierher von einem Automobil angerannt. Er kam unter den Wagen zu liegen, blieb aber erfreulicherweise nahezu unverletzt. R. B. D a r m st a d t, 12. Juni. Der vor kurzem in München gegründete Deutsche Nationalverein veranstaltete heute hier im Kaisersaal eine gut besuchte öffentliche Versammlung, in der der Geschäftsführer Dr. Ohr aus München einen Vortrag über die Ziele und Bestrebungen des Vereins hielt. Der Verein erstrebt bekanntlich auf der jetzigen nationalen Grundlage die Einigung sämtlicher Gruppen des Liberalismus zur gemeinsamen Arbeit. In der sich anschließenden Diskussion fragte Reichstagsabg. Dr. Osann nach der Stellung des Vereins zur Sozialdemokratie. Der Referent habe zwar die Gegnerschaft gegen Zentrum und Konservative betont, aber über seine Stellung zur Sozialdemokratie nichts gesagt. Dr. Ohr erklärte, daß der Verein alles vermeide, was irgend eine Gruppe des Liberalismus von der gemeinsamen Arbeit abstoßen könne. Pfarrer Korell steht durchaus auf dem Standpunkt des Nationalvereins und meint, man müsse jetzt über die Möglichkeit des Zusammenschlusses des Liberalismus sprechen, ohne sich gegenseitig zu bekämpfen. Der frühere Reichstagsabg. Dr. Becker kann nichts Positives in dem Programm des Nationalvereins entdecken, wendet sich gegen jedes Paktieren mit den Sozialdemokraten und kann es nicht billigen, daß man eine so nationale Partei wie die Konservativen bekämpfen wolle. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. , v London, 12. Juni. Während der Vorstellung tm Conventgarden-Theater wurde gestern abend in Gegen-: wart des dänischen KönigSpaares der englische Hofwürden-, träger Sir Ellis plötzlich vom Schlage gerührt und wah sofort tot. Rom, 12. Juni. Da§ Blatt .Gapitole* berichtet, daß Italien auf der Haager Friedens-Konferenz die Initiative ergreifen werde, das schiedsgerichtliche Verfahren auch auf die Garantie des Privateigentums und die Regelung der Kriegs - K ontr e banbe auSzu- dehnen. England, Deutschland und Oesterreich stehen diesem^ Plane Italiens sympathisch gegenüber. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitge und ludasli Frankfurter Hör» •/• Beichsanleihe . . 93.651 3-6 do. . . 83.65 3l$°/e Konsols .... 93.90 356 do. .... 83.60 3J6°/O Hessen . . . 93.10 3J6°/o Oberhesseu . . . 94.00 4-6 Uesterr. Goldreute. . 98.50 4l/8 96 Gesten. Lübenente 98 80 4-z Ungar. Goldrente . . 92.90 4-6 Italien. Heute . . . —.— 3-6 Portugiesen Serie I . 66.65 3-6 Portugiesen „ III 67.25 4J-6 °/0 russ-Staatsanl. 19Uj 90.60 4>jv,0 japan. Staatsanleihe 91.90 4-6 Uonv. Türken von 1903 93.70 Türkenlose.....135.00 4-6 Griech. Monopol-Anl. —.— 4-6 äussere Argentinier 83.70 3°/0 Henk euer . . . 64 — 4>iti/o Chinesen .... 96.40 Aktien: Bochum Guss.....219.40 Buderus E. W .... —.— Tendenz: schwach. Berliner Börse, 1 teilt von der Bank fllr Handel ie, Giessen. e 12. Juni, 1.15 Uhr. I Elcktrir. Lahmeyer . . . 115.00 Elektriz. Schlickert . . . 100.40 Eschweiler Bergwerk . . 217.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 185.50 Hamburg-Amerik. Paket!. 129.50 Harpener Bergwerk. . . 198,75 Laurahütte......221.10 Itordd. Llojd.....115.90 Obeischles. Eisen-Industrie 100.10 Berliner Handelsges . . 147.50 Darmstädter Banü 127.80 Deutsche Bank . . . 220.00 Deutsch-Asiat Bank . . 151.00 Diskonto-KommanUit . . 165.90 Dresdner Bank . . . 136.00 Kreditaktien..... 200.60 Baltimore- und Ohio- Eisenlahu . . . 92.80 Gotthard bahn . . . . —.— Lombard. Eisenbahn . . 26.60 Uesterr. Staatsbahn . . . 141.30 Phnce-Henn-Eisenbahu . 128.50 I, Juni. Anlangskurso. Canada E. B......166.00 Darmstädter Bank . . . 128.00 Deutsche Bank .... 220.00 Dortmunder-Union C. . . 71.00 Dresdner Bank ... 135,60 Tendenz: schwach. Harpener Bergwerk. . . 198.70 Laurahütte .... 221.10 Lombarden E. B. ... 26.80 Nordd. Lloyd.....115.60 i drkenlose . ... 134.20 3 Wasser- iBrVerlcibanttalt dichte fcCiiueuiiKn Sundheimer&Strnpp pro qm und Woche 10 Pf.Frankfurta.M.shv'/« Schönwars gestern, das mass ich sagen! Aber erfüllet hab ich mich auch, daff ich kaum sprechen tonn. Tas zog ja kolossal auf ber Burg oben, erhitzt vom Aufstieg waren wir auch — na, und da ms ja natürlich. — Stimmt,, das ist natürlich. Aber eben deshalb sollte man auch immer hübsch Vorbeugen und Fays ächte Sodener AttneraLPastillen gebrauchen. Ich hab Pastillen beim Aufstieg im Aiund gehabt, ich habe welche am dem Turm gelutscht und ebenso, beim Abstieg — na, und ich bin gesund und mobil. So tauf' dir wenigstens jetzt Fays ächte Sodener, damit du die Erkältung schleunigst wieder los wirst. — 9Jlan tauft FayS achte Sodener Ptineral-Pastillen die Schachtel für 85 Psg. in jeder Apotheke, Drogen- oder Ptineralwasserhandlung, weife aber jede Nachahmung entschieden zurück. [hv36/* i Ä Damenkleider ===== nach Mass .. --------- fertigen wir in unserem Atelier von Seidenbatist, Leinen, bedruckt Voile, Woll-Musseline unter Garantie von tadellosem Sitz und schöner geschmackvoller Ausführung inclussive Stoff, Seidengürtel und hübscher Spitzengarnirung von Mark 40.00 an. ===== Elegante ===== Gesellschaftskleider von Eolienne, Marquisette, Voile, Alpacca und leichten Wollstoffen fertigen wir ebenfalls mit sämtlichem Zubehör und vornehmer Ausführung mit feinen Spitzen und Borden von Mark 65.00 an. Gebr. Imheuser Marktplatz 9—10. a”/e Reform-Schürzen vorzügliche Qualität [a”/t Stück 1.25, 1.50, 2.00 Bausen Wasch stoff gestreift 1.25 Mull mit Stickerei 2.00, 3.00 Seidenbattist m. 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