Samstag 11. Mai 1907 157. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 109 Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags. Amtlicher T"l. — In einem verhältnismäßig kurzen Zeuraum hat die mebi- che Fakultät der Universität Bonn reichen Wechsel ihrer Lehrtür dringende Fälle sicher anzutreffen. ID13/. ‘d Redaktion. Expedition und Druckerei: vchul- straße 7. Expedition und Verlag: e-O 6L Redaktion: 112. IeL-2lbt,- Anzeigers reßen. zinische Fakultät der Universität Bonn reichen Wechsel ihrer Lehr- kräste erfahren. An Stelle des aus seinem Amt geschiedenen Professors der Anatomle, Frecheren v. la Valette St. George, wurde Professor Dr. Bonnet aus Greifswald berufen. Von 1891 bis 1895 war er als ordentlicher Professor der Anatomie in Gießen, von 1895 ab in Greifswald tätig. An Stelle des ebenfalls aus seinem Antt geschiedenen Prosesiors der Augenheilkunde Geh. Rat Dr. S a e m i s ch ist Professor Tr. K u h n t aus Kömgsberg nach Bonn berufen worden. Ferner verliert die Universität Bonn noch in Wünschen der Gemeinde Langen nicht Rechnung zu tragen. Wetter bekämpft Redner noch daS Projekt Darmstadt-Kelsterbach. Abg. Präs. HaaS legt in längeren Ausführungen seine Stellung dar und wendet sich gegen verschiedene Ausführungen des Mimsterialrat Tr. E ü f l e r t. Als Redner dabei von Vertretern der Regierung als „vom grünen Holze kommend' spricht, macht ihn Vizepräsident Kohler unter allgemeiner Heiterkeit daraus ou- merksam, daß man Regierungsverlreter nicht mit .grünem Holze' bezeichnen dürse. Flnanzminister Dr. D n a u t h entgegnet noch auf mehrere AuS- ührungen des Vorredners und betont, daß er nicht, wie Abg. HaaS meine, seine Stellung zu den letzterwähnten Projekten geändert habe. Der Minister erklärt, er wurde es im Interesse der Selbstverwaltung lieber sehen, wenn einmal ein Nebenbahnprojekt scheitere, als roenn man einer Gemeinde einen BahnhojSdau ausoktroyieren wollte. Tie Debatte wird daraitf um */,2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Samstag früh 9 Uhr. diesem Semester den Direktor den chirurgischen Rinnt Geh. Rat Professor Tr. Bier. An seiner Stelle ist bekanntlich Professor Dr. Garrs aus Breslau nach Bonn berufen worden. Die „Gieheuer ZawlsienblAtcr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, baS „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. D« „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Universität» - Buch- und Steindruckerei. 9L Lang«, Gießen. <ßerid?tsfaal« Dresden, 10. Mau Die Slraikammer verurteilte den S t u- denken der Technischen Hochschule Lücke wegen P i st o 1 e n d u e l 1 s mit dem Leutnant von Boxdors zu drei Monaten Festung und den Kartellträger Kaufmann Kühne aus Leipzig zu; drei Tagen Festung. Arbeiterbewegung. Berlin, 10. Mai. Eine außerordentliche Generalversammlung des Verbat,des der B a u g c s ch ä f t e für Berlin und die Vororte hat heute abend einstimmig beschlossen, an: Pfingst- samSlag sämtliche im Berliner Baugewerbe tätigen Arbeiter, Maurer und Zimmerer, sowie Bauhülssarbeller auszusperren. Die Zahl der im Baugewerbe direkt beschäftigten Arbeiter, die zunächst betroffen fitib, beträgt 50 bis 60 000. Sollte sich jedoch die Aussperrung länger hittziehen, so werden etwa 100 000 Arbeiter ohne Beschäftigung sein, wie Klempner, Rohrleger und Tischler. In den Versatnmlungen mürbe betont, daß es sich nicht um einen Lohnkamps handle, sondern um die Prinzipiensrage, ob die sozialdemokratische Forderung des Achtstundentages bewilligt werden soll oder nicht. Oppenheim, 8. Mai. Hier und in der Umgegend haben etwa 230 Wingertsleute die Arbeit nieder gelegt. Sie fordern erhöhten Lohn, ohne daß bisher eme Einigung zustande gekommen ist. Der Bürgermeister von Oppcnl-eim hat sich bereit erklärt, zwischen den Parteien zu vermitteln. Markte. ! fc. Franksurt a. SOL, 10. Mai. Heu- und Stroh-- markt. Man notierte: Heu Mk. 3.10 bis 3.40, Stroh Mk. 3.40 bis Mk. 3.50. Tendenz sest. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Sberhesten politische gagcsSchau* DaS Schreckensregiwent Nikitas. Seit zehn Jahren macht sich in Montenegro Unzufriedenheit gegen das Regierungssystem bemerkbar. Die hohen Steuern, die dem armen montenegrinischen Volke ausgeladen werden, der politische und wirtschaftliche Druck — alle diese und ähnlicye Dinge, mit denen Fürst Nikita sein Volk „beglückt" hat, wurden unerträglich, und die Intelligenz Montenegros erhob gemeinsam mit dem Volk immer lauteren Protest gegen die Mißwirtschaft. Aber alle, die wagten, ihr Wort gegen das herrschende Regime zu erheben, wurden als Verräter an der Nation gebrandmarkt und in eine Grotte vor dem Berge Lowtjan eingesperrt oder ganz aus dem Lande verjagt. Vor einem Jahre verkündete nun Fürst Nikita, der übrigens am Himmelfahrtstage 1906 vom deutschen Kaiser den Schwarzen Adlerorden erhielt, in feierlicher Weise seinem Volle, daß er entschlossen sei, parlamentarisch zu regieren. Er proklamierte eine Verfassung, ließ die Wahlen für die Volksvertretung ausschreiben und bildete ein verantwortliches Ministerium. Es schien damals, als wäre in diesem kleinen Balkanstaat nun eine Aera der Volksrechte angebrochen. Leider dauerte die Freude nur sehr kurze Zeit. Als die ersten Zeichen der Opposition in dem neuen Parlament sich regten, wurden die Drohungen, das Parlament zu verjagen, von der Hofkamarilla laut. Und nachdem Nikita alle reaktionären Elemente als Thronstützen um sich versammelt hatte, überraschte er sein Volk mit einem Staatsstreich. Nach Meldungen, die in den letzten Togen ans Montenegro kamen, Kerrschen dort schreckliche Zustände. Ein schwarzes Kabinett wurde in Eettinje eingerichtet und alle Briefe und sonstigen Postsendungen, die an die oppositionellen Mitglieder der Volksvertretung gerichtet sind, werden geöffnet und dem Fürsten übergeben. Alle Telegramme, die vom Volke an die Volkspartei als Glückwünsche für ihre Haltung im Parlamente kamen, wurden konfisziert. Die bisherigen Staatsbeamten werden entlassen und durch Leute ersetzt, die zu jedem Verbrechen gegen die Volksfreihett bereit sind. Zwei oppositionelle Blatter in Podgoritza wurden unterdrückt, ein Redakteur nach Oesterreich verbannt, ztö"ei Druckereien geschlossen. Es wird weiter berichtet von Zusammenstößen zwischen der Polizei und dem Volke. Der Polizeipräfekt von Podgoritza wurde getötet, ein Beamter verwundet. Der Attentäter wurde erwischt und gleicy erschossen. Der ehemalige Unterrichtsminister Milossew Waitschewitsch wurde in einer Volksversammlung Ün Zeta verhaftet. Man beabsichtigt, alle Ausländer auszuweisen. Was wird noch kommen? _ _ Onmmnrl/tir fAp Kranke. (Geisteskranke auageschlosa.) Ära uOuiniBI l\UI lul Behaglich eingerichtete kleine Anstalt B3 F.JB C3L ml f Ms» fcpez falbe Haus teil. Neue Gesell- Sh P EHI Schaftsräume und Bäder. Köhler schat- Sg? ■«■11 u tiger Park. Sorgsame Behandlung £ ■ Id I 8 und Verpflegung. Diätkuren. (De- ?■£ I Iwl ■ ’®Bs dendance für Minderbemittelte.) v.® Sitzung des Provinzial-Ausschnsses. Gießen, 8. Mai. Philipp Römer zu Gießen hatte um_ die Erlaubnis zum1 Betrieb einer Schankwirtschaft im Hause Bleichstraße Nr. 5 nachgesucht, nachdem bereits früher zwei für das gleiche Lokal em» gereichte Gesuche abschlägig bcschieden worden waren. Stadtverordnetenversammlung rote Polizeiamt sprachen sich, wie gegen die früheren Gesuche, so auch gegen das hier vorliegende aus, da ein Bedürfnis für die Errichtung einer Wirtschaft an dieser Stelle nicht vorliege. Der Kreisausschuß des Kreises Gteßen kam nach Prüfung der Verhältnisse au dem gleichen Resultat und gab dem Gesuche nicht statt. Auch der Provrnztal-Aus- sckuß erkannte in seiner heutigen Sitzung ein Bedürfnis nicht als vorliegend und wies den gegen die Entscheidung des Kreise crusschusses verfolgten Rekurs koftenfällig zurück. Gelegentlich der Verhandlungen über den Bau einer- Wasserleitung für die Gemeinde Stumperten-> r o d hatte sich eine Versammlung von Ortseinwohnern dahin, ausgesprochen, daß die Gemeinde die Kosten der Herstellung der Hausanschlüsse auf dem kürzesten Wege auf die Gemeindekasse übernehmen möge. Auch in einer Gemeinderalssitzung wurde sich in diesem Sinne verständigt, es wurde jedoch kein förmlicher Beschluß gefaßt und auch in dem Gemeinderatsprotokoll nichts erwähnt. Bei der Ausführung der Leitung wurden dann eine Anzahl Anschlüsse auf Verlangen der betreffenden Hausbesitzer auf Umwegen ausgeführt. Die Folge war, daß die Gemeinde die hierdurch entstandenen Mehrkosten den einzelnen Besitzern an- iorberte. Diese bezahlten den geforderten Betrag bis auf drei, die dem gegen sie eingeleiteten Beitreibungsverfahren widersprachen. Dieser Widerspruch wurde einmal damit begründet, daß von dem ausführenden Techniker erklärt worden sei, die Gemeinde bezahle die Zuleitung bis an das Hauptabsperrventil int Keller lbaß die Zuleitung «aut dem kürzesten Wege erfolgen müsse, sei nicht erwähnt worbens zum anderen könnten sie nur auf gerichtlichem Wege zur Zahlung gezwungen werden. Der Kreisausschuß des Kreises Schotten, der sich hierauf mit befl Sache beschäftigte, entschied nach mündlicher Verhandlung, daß die Beschwerde der drei Hausbesitzer als unbegründet zu verwerfen sei und diese zu verurteilen seien, die ihnen angefor*. berten Beträge zu zahlen. Der Kreisausschuß ging dabei vows der Ansicht aus, cs sei in der Gemeinde allgemein bekannt gewesen, daß nur die Kosten des Anschlusses auf dem kürzesten Wege auf die Gemeindekasse übernommen werden sollten, die Mehrkosten längerer Zuleitungen aber von den Hauseigentümern; zu tragen seien, und daß ein gegenteiliger Beschluß vom Ge-' meinberat nicht gefaßt worden sei. Gegen das Urteil des Kreis-- ausschusses legten die Beschwerdeführer Rekurs bei dem Pro-< vinzial-Ausschuß ein, indem sie ihre srüherert (sinroenbungeir wiederholten. Dieser erachtete die Einwendungen für begründet und gab dem Rekurse statt unter Verurteilung der Gemeinde in die Kosten des Verfahrens. Bei der Aufstellung des Projekts über die Erbauung einer'» Kreis st raße von Nidda nach Dauernbeim war dies Führung der Straße mit etwas Gefäll vorgHeyen. Auf Veranlassung der Gemeinde Nidda wurde dies dahin geändert, daß dieser Straßenteil eine geringe Steigung bekam, um für den Fuhrverkehr nach dem Babnbof einen bequemeren Zugang guj schaffen. Diese Aenderung machte eine Settenentnahme zur Aus-, füllung notwendig, durch' die 4000 Mk. Mehrkosten entstanden,, von denen noch 2000 Mk. zu decken sind. Da die Gemeindet zur kostenlosen Stellung des Geländes bei Kreisstraßen-Neu-i bauten verpflichtet ist, beanstandete der Provinzial-Ausschuß diel Aufnahme dieser 2000 Mk. in die Abrechnung über den Straßen-i bau, indem er die Ansicht vertrat, daß dieser Betrag ohne weiteres' von der Gemeinde zu übernehmen sei. Dieser Auffassung wider-- sprachen sowohl die Gemeinde Nidda, wie auch der Kreisausschuß des Kreises Büdingen und auf Antrag des letzterer: sand heute mündliche Verhandlung in der Sache statt. Nach Vernehmung von Auskunftspersonen wurde die Verbandlung vertagt, da der Provinzial-Ausschuß die Sachlage für rtoch nicht ge- nugenb geklärt erachtete. CS wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach 8 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durch, chnittsmarktpreise, einfchließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat April 1907 für den Lio- ferungsverband Gießen pro 100 Kilogramm betragen: Hafer Mk. 2L40, Heu Mt. 7.10, Stroh Mk. 5.50. Gießen, den 8. Mai 1907. GroßherzoglicheS Kreis amt Gießen. Dr. Breidert. Vermeidet»* • Die neue ft en Eisenbahnunfälle. Am 10. d§. MiS. ist ein Schnellzug kurz vor Dortmund bei der Zeche Hansa entgleist. Vier Wagen liegen aus der Dammböschung. Der unbeschädigte Teil des Zuges fuhr nach der Ausnahme der Reisenden aus dem verunglückten Teil des Zuges nach Dortmund nach kurzem Aufenthalt weiter. Dort haben sich zehn Reisende als leicht verletzt gemeldet. Die Ursache der Entgleisung ist bisher noch nicht aufgeklärt. — Am 9. ds. Mts. entgleiste aus dem Bahnhof Met- gethen in Ostpreußen, anscheinend infolge vorzettiger Umstellung ein Königsberger Borortzug mit zwei Wagen, von denen einer umslürzte. Von den in diesem Wagen sitzenden 8 Personen wurde die Tochter des Feuersozietätsdirektors Roß getötet, Frau Roß und ihr Sohn, ferner Frau Steuererheber Böttcher, Frau Zolland und Tochter sind verletzt. * Selb st mord einesNew-Vorkerllniversitäts- vrofesfors. Aus New-Bork wttd gemeldet: Ernst Huffent hat lid) an Bord eines Hudsondampfers das Leben genommen. Die Leiche wurde mtt durchnäßten Kleidern auf dem Deck des Schisses gesunden. Niemand hatte den Revvlverschuß gehört, da der Anwatt sich während der Nacht bei heftigem Sturm erschossen hatte. Hufscut, der ein Alter von 45 Jahren erreicht hat, war Universitätsproftsior; er war infolge ständiger Ueber- anftrengung sehr nervös und dürfte den Selbstmord in einem Anfall von Geistesstörung verübt haben. Hufscut galt in den Bereinigten Staaten auf dem Gebiete des Verfassungsrechts als eine der größten Autoritäten. *ZurZugspitze. Dem Ingenieur Wolfgang Adolf Müller in Dresden-Plagwitz wurde die staatliche Vorkonzession für eine elektrische Bahn Garmisch-Partenkirchen- Zugspitze erteilt. Die Finanzierung soll gesichert sein. * E in weiblicher Knecht. Beim Besitzer Samboll in Prätlack hat sich ein Diestmädchen als' „Knecht" vermietet. Sie verrichtet alle Arbeit eines Grvßknechts, schläft im Pferdestall, schmaucht in den Mußestunden ihr Pfeifchen und verschmäht auch ein Tröpfchen nicht. Sett sie dieses eigenartige Dimst- verhattnis eingegangen ist, hat sie auch Männerlleidung getragen. * Kleine Tageschronik. In S chwabisch-Gm ünd wurden der Inspektor und ein Wächter der Wach-undSchließf- gesellscha st nebst ihren Frauen verhaftet. Sie werden beschuldigt, fortgesetzt Diebstähle in den von chnen zu bewachenden Gebäuden ausgesichrt zu haben. Zahlreiche Gegenstände, die ans früher in Cannstatt und Stuttgart begangenen Diebstählen herrühren, sind außerdem bei ihnen vvrgesundm worden. UniverfttÜts-Nachrichten. Dr. Ploch, Asterweg 34. — Dr. Schliephake, Goethe- strasse 44. — F. Wagner, West-Anlage 49. Sonntag, den 12. Mai von 4—9 Uhr nachm. [631 Nur Hirsch-Apotheke offen. Hessische Zweite Kammer. R. B. Darmstadt, 10. Mai. Am Ministertische: Finanzminister Dr. Gnauth, Ministerial- ■rat Süffert. Geh. Oberbaurat Eoulmann. Eiseubahnwünsche. In der um 10V< Uhr durch Präsident Haas eröffneten 'Sitzung wurden zunächst die Vorstellungen der Stadtgemeinde Langen, des Lisenbahnkomitees zu Langen und der Handelskammer Darmstadt inbetresf des Baues einer Eisenbahn von Trcieicheuhain—Langen und Bahnhof Langen, sowie von Dieburg nach Offenthal und Langen beraten. Abg. Ulrich betont, man sei beim Abschluß des preußisch- hessischen Vertragsverhältnisses wohl allgemein der Meinung gewesen, daß die in Frage stehende Bahn gebaut werden würde. Sie wäre vielleicht auch schon längst zur Ausführung gelangt, wenn die beiden Gemeinden Offenbach und Isenburg nicht wegen der Geländeerstellung große Schwierigkeiten erhoben hätten. Die Gemeinde Langen hätte einfach auf dem Mageroege vorgehen sollen, dann hätte die Bahn auch nach den früheren Plänen ausgeführt werden müssen. Der frühere Finanzminister Küchler habe sich ftir den Bahnbau nicht besonders begeistern können; er sei der Meinung gewesen, daß außer den auf 2 Millionen Mark veranschlagten Kosten noch weitere 700 000 Mk. zugeschossen werden müßten. Durch die Nichtausführung des Bahnbaus werde besonders die Stadt Langen schwer geschädigt. Der Redner bespricht zum Schttlß noch eingehend die Behauptungen eines anonymen Flugblattes, worin u. a. die Behauptung ausgestellt wird, Preußen werde alle Schnellzüge von Offenbach ableiten und direkt über Bebra führen. Er bitte die Regierung dringend um Widerspruch gegen einen derartigen Plan und um Auskunft über die Stellung Der Regierung dazu. Finan»minister Dr. G n a u t h erklärt, er werde auf die Frage des Vorredners inbetresf des anonymen Flugblattes nicht antworten, gebe vielmehr anheim, sich in Form einer Interpellation in der Kammer an die Großh. Regierung zu wenden. Er müsse darauf aufmerksam machen, daß das jüngst bekannt gewordene neue preutzische Nebenbahngesetz die Schaffung einer Bahnverbindung zwischen Frankfurt-Ost- und Frankfurt-Sachfenhausen in Erwägung zieht und dabei sei auch die für Offenbach projektierte neue Bahnverbindung von größter Wichtigkeit, ebenso stehe die Durchführung des Projektes mit Dreieichenhain damit in Verbindung. Der Minister wendet sich bann zu den neuen Projekten. Abg. Ulrich möge doch dahin mittet, daß die Bewohner der Gemeinde Langen zur Einsicht kämen, denn das Projekt der früheren Dreieichbahn sei ein totgeborenes Kind, und Finanzminister Küchler habe reckt getan, das Projekt nicht roeiter zu verfolgen. Die Stadt Offenbach sollte dafür sorgen, daß der Konzessionsentwurs ausgeführt wird. Bei Nichtausführung würden die interessierten Gemeinden schwer geschädigt, die Stadt müßte eine Biertelmillion an die geschädigten Gemeinden zahlen. Die letzteren sollten mit der Stadt Offenbach in Verbindung treten und sich über ein Projekt Langen-Sprendlingen-Jsenburg nach Offenbach zu verständigen suchen. Abg. Seclinaer kommt auf die Mißstände zu sprechen, die auf dem Bahnhof Lampertheim herrschten. Der Verkehr daselbst sei so stark, daß die jetzige eine Unterführung bei weitem nicht mehr ausreiche. Er müsse wiederholt um baldige Verbesserung der dortigen Verkehrsverhältnisse bitten. Abg. Hauck spricht gegen die in der vorigen Sitzung gegebene Anregung, die Bahnbaukosten mehr auf die Kreise und Provinzen zu übertragen. In Preußen bestehe ein solches Bestreben nicht, die Belastung für Bahnbauten daselbst sei trotz der vielfach dichteren Bevölkerungszahl wcsenllich geringer. Redner spricht dann seine freudige Zustimmung zu dem Projekt Darmstadt-Groß-Zimmern- Semd nach Groß-Umstadt aus. Abg. Berthold empfiehlt eine Bahnlinie Nauheim-Rüssels- heim über Hochheim (Ueberbrüdung des Mains) mit Anschluß an die Frankfurt-Limburger Linie; weiter wünscht Redner die Ausführung eines Bahnprojekts Darmstadt-Gräfenhausen-Schnep- Penha^'sen-Mörfelden-Waldorf-Kelfterbach. Abg. Joutz tri.t für eine bessere Bahnverbindung von Butzbach ein. Der Regierung mache er zum Vorwurf, baß sie gegen die abweisende Behandlung von leiten Preußens nicht das genügende Rückgrat zeige. Preußen sei fast gegen alle Wün,che Hessens und suche noch dbenbrein unser Land durch besondere Projekte nach Möglichkeit zu schädigen. Es benutze die großen Einnahmen aus der Eisenbahngemeinschaft, um seine armen Gegenden besser zu stellen. Redner bespricht bann näher das Projekt Butzbach-Usingen und Wetzlar,und empsiehtt, daß die Regierung mehr Energie in der Durchführung der Nebenbahn- Projekte entwickeln möge. Zum Schluß erwähnt Redner noch die freundlichen Beziehungen, die der Finanzminister zu der Firma Lenz u. Co. in Berlin unterhalte. (Der Redner wird vom Präsidenten unterbrochen und darauf aufmerksam gemacht, daß solche Bemerkungen unstatthaft seien.) Durch das Schettern des Projektes Butzbach-Wetzlar sei der hessische Staat dttett geschädigt worden. Flnanzminister Dr. G n a u t h gibt zunächst seiner Verwunderung darüber Ausdruck, baß der Vorredner den Mut habe, hier im Hause der Firma Lenz u. Co. Erwähnung zu tun. Wenn er auch von einer Begünstigung der Firma durch die Regierung spreche, so bemerke der Älunster, daß er für seine Maßnahmen die volle Ver- aniroortnng tragen werde. Ter Minister geht bann näher auf die beiden Butzbacher Bahnprojekte ein. Wenn auch z. Zt. durch verschiedene Anregungeil von preußischer Seite in den Verhalldlungen darüber eine Unterbrechung eingetreten sei, so werde doch die Regierung alsbald weiter verhandeln und auch ohne Anstoß aus dem Hause die Interessen des Landes zu wahren wissen. Abg. Kreimer ersucht um Beschleunigung des Bahnprojektes Wald-Aiichelbach—Hirschhorn und weist auf die großen Vorteile hin, die namentlich Industrie und Bergbau des Odenwaldes daraus erzielen mürben. Abg. Reh bespricht das Bahnprojekt A l s f e l d—H e r 5 f e l b und empfiehlt eine Beschleunigung der biesbezüglichen Vorarbetten. Abg. Ulrich bringt den Antrag ein, die an bet Dreieichbahn interessierten ©emeinben durch Staatszuschüsse zu unterstützen. Abg. M o l t h a n kommt noch einmal auf die schwere Schädigung der Stadt Dia inz durch die Umleitung d er Ryetngau-Züge über Wiesbaden zu sprechen und ersucht die Regierung dringend, die Sache fest im Auge zu behalten. Bezüglich der Treteichbcchn ersucht Redner als Ausschußreferent, den __________ Prospekte franko. Dr. ML Schnlze-Kableys*. Nervenarzt. Sanatorium Hofheim im Taunus. Die nach- k nrvf n sind Sonntag, den 12. Mai von stehenden 21 ü 1 . tür Stehkragen I Pfg. Diplomates, Regattes ( tür Steh-Umlegkragen J rtg. 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